{"id":2608,"date":"2025-08-25T13:19:30","date_gmt":"2025-08-25T11:19:30","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2608"},"modified":"2025-08-31T23:12:10","modified_gmt":"2025-08-31T21:12:10","slug":"099-morsche-dielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/099-morsche-dielen\/","title":{"rendered":"099: Morsche Dielen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"6d390bf78f9fdf8ba35bdd77f686d8be\">Der Tisch wurde von einer heftigen Sandwoge ergriffen und vorw\u00e4rts geschleudert. Die drei Kinder darauf klammerten sich aneinander und an dem alten schwarzen Holz fest und versuchten, sich so gut es ging vor dem umherpeitschenden K\u00f6rnchen zu sch\u00fctzen, die ihnen ins Gesicht schlugen wie unz\u00e4hlige winzige Nadeln.<\/p>\n<p data-p-id=\"6426547f1c63dc695cc91e77f32f21ec\">Sie hatten es aufgegeben, um Hilfe zu rufen, und sogar das panische Kreischen, das sie sich nicht hatten versagen k\u00f6nnen, als das Sandmeer in der Leere in Aufruhr geraten war, war verstummt. Zun\u00e4chst war es Schrecken und der schiere Fluchtinstinkt gewesen, der die drei in Panik versetzt hatten. Zwischenzeitlich war ihnen klar, dass es keine Flucht <em>gab<\/em>. Sie waren verloren.<\/p>\n<p data-p-id=\"b5e2fc62f045eaaab7f562f2237faeda\">Die <em>teirandanja<\/em> schniefte leise. Ihr fein geflochtenes Haar war nun wild und zerrauft, ihr Kleidchen hatte beim Sturz durch das Dach, das l\u00e4ngst nicht mehr da war, Schaden genommen. Sie sah j\u00e4mmerlich aus, aber in ihrem kreidebleichen Gesicht las Merrit eine Festigkeit und W\u00fcrde, die ihn zutiefst beeindruckte. Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor war alles andere als ein verzagtes, banges Fr\u00e4ulein.<\/p>\n<p data-p-id=\"78a0c30be51fd15233e07a1ed82e2a80\"><em>Nat\u00fcrlich nicht<\/em>, dachte Merrit. <em>Sie w\u00e4re eine <\/em>teiranda<em> geworden, eine starke, entschlossene Herrscherin.<\/em> Zu schade, dass es so weit nicht mehr kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"dec9282465cd1becd6ce427750570fe7\">Osse blickte zaghaft auf, als der peitschende Sandsturm einen Moment nachlie\u00df. Das Spielzeugboot, das mit ihnen hierher geraten war, hatte er sch\u00fctzend an sich gedr\u00fcckt. Vielleicht erinnerte es ihn an sein Zuhause, an die Schiffe auf dem Meer, die er, von seinem Fenster aus, jeden Tag sehen konnte. Auch er schwieg nur noch duldsam, w\u00e4hrend das, was immer hier im Sand plantschte wie ein kleines Kind im Badezuber, sie hinab zu rei\u00dfen versuchte.<\/p>\n<p data-p-id=\"4d3bad278828a17ae9ee561dddf62975\">Eine Weile kreiselte der Tisch herum. Die drei schauten einander scheu an, und jeder machte sich wohl seine eigenen Gedanken. Osse dachte bestimmt an seine beiden Schwestern, die er nie wiedersehen w\u00fcrde. Die <em>teiranda<\/em> war mit den Gedanken sicher bei ihren Eltern. Und er &#8230; er konnte nicht mehr h\u00f6ren, was sein Vater irgendwo, weit entfernt, an einem anderen Ort tat. Der \u00fcberall rieselnde Sand war viel zu laut. Ach, sein geliebter Vater, dem er so sehr hatte nacheifern wollen in Tapferkeit, Edelmut und St\u00e4rke.<\/p>\n<p data-p-id=\"c27a878183a069571be98266580a3228\">\u201eWo hast du das her?&#8221;, fragte die <em>teiranda<\/em>, und er ben\u00f6tigte einen kurzen Augenblick, bevor er begriff, dass sie mit ihm redete. \u201eWar das hier? Oder nein: War es in dem Turmzimmer?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"53ed0d1e8da9a6eb9e93e662c47bd6f3\">Sie deutete auf den rostigen Streitflegel, mit dem er so ausdauernd die T\u00fcr bearbeitet hatte. Einige der rostigen Spitzen waren davon nur noch winzige, gebrochene St\u00fcmpfe.<\/p>\n<p data-p-id=\"c263906b127abefb676c4320dbf238d8\">\u201eNein. Das war im Verlies, Majest\u00e4t. J\u00e1ndris Altabete sagte, ich k\u00f6nne es haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ca328004ecfd7fb18692ad72f842bc81\">\u201eDu h\u00e4ttest da sicher was Besseres gefunden&#8221;, sagte sie, offenbar nur, um ein Gespr\u00e4ch zu beginnen, denn das betretene Schweigen f\u00fchlte sich scheu\u00dflich an. \u201eEin Schwert in deiner Gr\u00f6\u00dfe oder so. L\u00e1as und J\u00e1ndris haben da schon \u00f6fter was Brauchbares entdeckt. L\u00e1as hat letzten Winter einen total verrosteten Dolch herausgeschmuggelt und wieder sauber gemacht und geschliffen. Ich hab es gesehen. Er kann das wirklich gut!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cef82375ce8bb1e8213c8c04251bb138\">\u201eIch <em>wollte<\/em> das hier&#8221;, sagte Merrit, dem es zutiefst befremdlich vorkam, dass das M\u00e4dchen sich \u00fcber Waffen unterhalten zu wollen schien.<\/p>\n<p data-p-id=\"704a22e42e6b184dcb2b09a96e417988\">\u201eWarum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cec8757570cf47d79499ab6646b2085e\">Er erinnerte sich an sein Spiel mit dem Filzball an der Schnur und den Holzkl\u00f6tzen, das er vor ewigen Zeiten als kleiner Junge gespielt hatte, und k\u00e4mpfte tapfer die Tr\u00e4nen nieder, die diese Erinnerung in ihm hervorrief. \u201eDas versteht Ihr sicher nicht, Majest\u00e4t.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"43f0df8bc7f7bf5ea44284c6700184cd\">Sie bemerkte wohl, wie er um Fassung rang und wechselte das Thema.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e7860e218e155d60f95d5782dc3908e\">\u201eWenn die Erwachsenen uns gerettet haben&#8221;, sagte sie, \u201ewenn du alt genug daf\u00fcr bist, dann sollst du einen eigenen, ganz neuen haben. Den schenk ich dir dann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fcfa5dd7832d8672bc3e497b24151255\">\u201eWeshalb?&#8221;, fragte Merrit verdutzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"476ccf6e7edf63fe2915bd05bc595f2e\">\u201eBin ich dir schuldig.&#8221; Nun war <em>ihr<\/em> etwas unangenehm. Zum Gl\u00fcck ergriff Osse das Wort und lenkte sie ab. Er hatte zuvor nachdenklich und stumm dagesessen und offenbar \u00fcber etwas nachgegr\u00fcbelt.<\/p>\n<p data-p-id=\"c52fe32eac20f0d727b4bdf552e041eb\">\u201eDas Boot&#8221;, sagte er, \u201edas muss von ganz weit weg gekommen sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"66fbbeb7b2d9acb5e17a2e397cda4b9e\">\u201eWoher willst du das wissen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b252e59d6f848e4e1aabbc4cead2977e\">\u201eDas Holzst\u00fcck hier, woraus es gemacht ist. Das kommt von einem Baum, den es auf unserer Seite des Montaz\u00edel nicht gibt. Meine Mutter hatte eine wertvolle Schatulle aus genau demselben Holz.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"646d50f784b75072033226ee70cb1f31\">\u201eEs kann seit Ewigkeiten hier im Sand herumschwimmen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ac35c4d779499813333836e23fc624f\">\u201eDann w\u00e4re das Blatt nicht mehr so frisch, das es als Segel hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"29173339aad3e57490d6c6e2c4d1d42d\">\u201eN\u00fctzt uns das etwas, es zu wissen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b816fc4608d04dfb11616349a61f1294\">\u201eJa. Dann muss es n\u00e4mlich irgendwo einen Weg von hier an einen anderen Ort geben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"26b3bc55f31094508c4e11be40c92983\">\u201eEinen Ausgang?&#8221;, fragte die <em>teirandanja<\/em> hoffnungsvoll.<\/p>\n<p data-p-id=\"5eb445c0cd477af8e1b2bda545b05d38\">\u201eOder einen Eingang.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9844a8691d00c7b43cba2bcc92cc7421\">\u201eSelbst wenn&#8221;, d\u00e4mpfte Merrit die Hoffnung, die er in der Miene des M\u00e4dchens aufkeimen sah. \u201eSelbst wenn wir w\u00fcssten, wo so ein Ausgang w\u00e4re. Wir k\u00f6nnen von diesem Tisch hier nicht runter. Wir w\u00fcrden sofort im Sand versinken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"02a487b575b0bb80a9d857000a8f9e53\">\u201eWir k\u00f6nnen den Tisch nicht einmal steuern wie ein Boot&#8221;, bedauerte Osse.<\/p>\n<p data-p-id=\"f1fb0b1bda1b8be8125d9abcc268d823\">\u201eIch habe einmal eine Geschichte geh\u00f6rt&#8221;, begann die <em>teirandanja<\/em>, \u201evon einem, der mit einem gro\u00dfen Schiff unterwegs war. Es kam ein Sturm und versenkte das Schiff, aber der Mann konnte sich an einem gro\u00dfen St\u00fcck Holz festhalten und damit \u00fcbers Meer schwimmen, ungef\u00e4hr so, wie wir jetzt gerade.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"133a771b2ae45bc39b82d758bfc46404\">\u201eUnd wie ging die Geschichte aus? Ist er gerettet worden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"37c08d585c61533e4b0e09f6bfb0a864\">\u201eIch wei\u00df nicht. Die <em>opayra<\/em> hat mich erwischt und zur\u00fcck ins Bett gebracht. Es war n\u00e4mlich eine Geschichte f\u00fcr die Erwachsenen. Ich hatte mich auf der Galerie versteckt, um zuzuh\u00f6ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6e876704d738078060f6fb89e3da02af\">\u201eIch glaube, das, was immer hier gerade mit uns spielt, kann uns nichts tun, solange wir auf dem Tisch sitzen&#8221;, sagte Osse. \u201eWir d\u00fcrfen nur nicht hier runterfallen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"183b7ae3f7a790038c27dbcfc935144c\">\u201eMeinst du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b2dd0cc9184c0ec26bb81156a6107d0\">Der Junge nickte. \u201eWei\u00dft du noch, wie Meister Yalomiro mit uns unter dem Tisch gesessen hat, als wir uns versteckt hatten? Die Erwachsenen haben uns nicht gefunden. Der Tisch hier ist sowas wie ein Beiboot von einem gro\u00dfen Schiff im Sturm.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c6b7e7fab0d3e42be77eb94ab0977663\">\u201eAber wo f\u00e4hrt es hin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"609bca65b484d2148fcbed33a044a0e3\">\u201eNirgends. Das ist wie bei den Feldern bei dem Weltenspiel, wo die anderen Figuren nichts machen k\u00f6nnen, wenn man da steht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6490ddd41a4eed77a332367b6756c0c1\">\u201eDu kannst schon auf dem gro\u00dfen Spielbrett spielen?&#8221;, fragte die <em>teirandanja<\/em> beeindruckt.<\/p>\n<p data-p-id=\"0cf1e86fc494ed91fec9f7ac35c38f9c\">\u201eNicht gut&#8221;, gestand Osse. \u201eEs ist enorm schwierig. Mein <em>mestar<\/em> hat angefangen, es mir beizubringen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4c89de17bb775a401829f8d00a644086\">Merrit, dem schon das einfache Steinespiel zu viel Geduld abverlangte, seufzte. Das war ja alles sch\u00f6n und gut, aber es brachte sie \u00fcberhaupt nicht weiter. Obwohl es schon interessant gewesen w\u00e4re zu erfahren, was es war, das diesen alten abgenutzten Tisch so <em>sicher<\/em> machte. Im Augenblick d\u00fcmpelte er vor sich hin, so als habe das Wesen, das sie hier zum Spielzeug erkoren hatte, sich f\u00fcr den Moment einer anderen Sache zugewandt.<\/p>\n<p data-p-id=\"6e84b8a2c24402824319f288bd4df78f\">\u201eWas war denn nun eigentlich drin in dem Turmgemach?&#8221;, fragte die <em>teirandanja<\/em>. \u201eHast du da drin etwas Geheimnisvolles gefunden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"175a140f6cbaa2ca570d305df3ddd449\">\u201eNein. Es hat wohl einmal ein Mann da drin gewohnt, der sich mit Kr\u00e4utern und Elixieren besch\u00e4ftigt hat. M\u00f6bel waren drin, etwas Kleidung. Ein Deckenbild von einer sch\u00f6nen Roten Dame.&#8221; Oh ja. Die Rote Dame. Merrit schloss die Augen, dachte an den sch\u00f6nen Traum und f\u00fchlte sich auf eine seltsame Weise getr\u00f6stet, so zart und subtil, dass er nicht h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen, was ihn so bewegte. Wie schade, dass das Bild nun wohl zerst\u00f6rt war. Nicht nur hier, wo die verputzte Zimmerdecke ohnehin nicht mehr existierte, sondern auch in der Wirklichkeit, wo sein Vater das Dach hatte zerschlagen wollen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8ca6405e5fa0f4b046b1e0d86a3222ca\">\u201eSonst nichts?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e139de7fc0f4f3c5d1763e086c699bc3\">Merrit dachte nach und entsann sich dann. Unter seinem Hemd trug er immer noch den roten Karfunkel verborgen, den er in der Truhe gefunden hatte. Aber was war das denn nur mehr als ein protziger wertvoller Edelstein? Es erschien ihm fast nicht wert, ihn dem M\u00e4dchen jetzt zu zeigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"66dd1a899d1e63296c7ff61359ce515e\">\u201eWie langweilig&#8221;, sagte die <em>teirandanja<\/em>, ein wenig Entt\u00e4uschung in der Stimme, die sie nicht zu verbergen vermochte. \u201eDann haben sie uns das Zimmer vielleicht doch nur wegen der morschen Dielen verboten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6ad012a7a90f345cf5ddbedca67ed0a5\">\u201eUnd wegen des schrecklichen Wesens, das Meister Yalomiro festgebannt hat&#8221;, erinnerte Osse.<\/p>\n<p data-p-id=\"99fcbb06bc237970f647bf868d0171bb\">Merrit hob den Kopf. \u201eMorsche Dielen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2f8c3a7505031b10526cd958f123c905\">\u201eDer Fu\u00dfboden. Es hie\u00df immer, es sei gef\u00e4hrlich, weil &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"08cf2dea940e595ee2e138747015f6b1\">\u201eIch wei\u00df! Das haben L\u00e1as und J\u00e1ndris ja auch behauptet. Aber angenommen, der Boden h\u00e4lt wirklich keine allzu gro\u00dfe Last mehr. Und wir sind &#8230; irgendwie &#8230; immer noch drin im Zimmer &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c22110b89808d145da844cc7a964fd4c\">Manj\u00e9v schaute verwirrt. Osse stellte das Spielzeugboot ab.<\/p>\n<p data-p-id=\"5a8bcef8a27871765425b6e69568e606\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, wisperte er, \u201ek\u00f6nnt Ihr Euch vorstellen, was all dieser Sand hier <em>wiegen<\/em> mag? Und sei nur ein Bruchteil davon zur gleichen Zeit dort?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e7db5b9cfba6fc9b3124030a6de23507\">\u201eBei den M\u00e4chten&#8221;, fl\u00fcsterte das M\u00e4dchen best\u00fcrzt. Aber noch bevor die drei sich ausmalen konnten, was aus dieser Erkenntnis folgen mochte, geriet um sie herum die Oberfl\u00e4che des Sandmeeres erneut in Bewegung. Hier und dort t\u00fcrmten sich kleine H\u00fcgelchen auf, so als versuchten hundert Maulw\u00fcrfe zugleich an die Oberfl\u00e4che zu sto\u00dfen. Aber es kamen keine Maulw\u00fcrfe, denn sobald so ein H\u00fcgel seinen Gipfelpunkt erreicht hatte, schien etwas darin zu verpuffen, und zur\u00fcck bleiben Krater, die auseinander rieselten und sich wieder mit dem Sandmeer vermengten. Es sah fast aus, als w\u00fcrde es brodeln wie Wasser, das zu kochen begann.<\/p>\n<p data-p-id=\"835dd6f0a62ed3fc0d9754fcd17a25ca\">Die Kinder r\u00fcckten zusammen und betrachteten das Schauspiel ebenso wehrlos wie verst\u00f6rt. Immer schneller und dabei vollkommen lautlos kamen und vergingen die Sandblasen, abgesehen von dem leisen Rieselger\u00e4usch der K\u00f6rnchen, die es in die Luft katapultiert hatte und niederregneten. Dann schien sich das Geblubber und Gebrodel wieder zu beruhigen und kam schlie\u00dflich zum Erliegen. Osse z\u00f6gerte und wagte sich ein St\u00fcck n\u00e4her an die Tischkante, um nachzuschauen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f7e988c40276c2de90756a7f9c73902e\">\u201eEs ist wohl vorbei&#8221;, sagte er dann verwirrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"3d1828362adafe83a09bc6a591e6bee3\">\u201eWas war das wohl?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8d151d7f71aa729ca20886acf3fb43e5\">\u201eIch wei\u00df nicht, Majest\u00e4t. Es scheint &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"81fea4c01dae163ffe127ebe6cdd959d\">Weiter kam er nicht. Direkt vor ihm schoss ein Arm aus dem Sand hervor, d\u00fcrr wie ein H\u00fchnerbein und mit Haut wie Pergament, und eine krallenbewehrte Hand mit zehn Fingern und zwei Daumen packte den Jungen beim Oberarm und riss ihn fort.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"4c27a02eaba1ccd0578bc3809a150f26\">Wir verlie\u00dfen den Turm auf einem anderen Weg, als wir ihn betreten hatten. Auf dem Hinweg hatten wir einen Aufgang benutzt, der vom Seitengeb\u00e4ude \u00fcber einen Korridor ohne Seitent\u00fcren in den zentralen Turm gef\u00fchrt hatte. Nun w\u00e4hlten die Regenbogenritter Au\u00dfentreppen und Br\u00fccken, die im Freien am Geb\u00e4ude herab und zu den Au\u00dfenmauern und angrenzenden Geb\u00e4uden f\u00fchrten. Das erinnerte mich vage an die Struktur im Inneren eines Schneckenhauses, organisch und unwirklich zugleich. Diese Verbindungen mit den Nebengeb\u00e4uden, die aussahen, als st\u00fctzen sie den Turm zur Mitte hin, hatte ich nat\u00fcrlich schon zuvor bemerkt; die Treppe hingegen verschmolz aus der Ferne betrachtet optisch mit der sonderbaren Glasstruktur. Ich dr\u00fcckte mich, so nahe, wie es ging, gegen die Mauer, zitterte am ganzen K\u00f6rper und fragte mich, was diese seltsamen Leute hier dazu veranlasst haben mochte, eine solche Konstruktion ohne jegliche Sicherung zu erschaffen. Offenbar hatten Magier Vorlieben f\u00fcr lebensgef\u00e4hrliche Treppen. Die in Meister Gors Turm war seinerzeit \u00e4hnlich verst\u00f6rend gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3262d1cac34c2313af761880e56e173b\">Der Indigofarbene bemerkte, dass mir die Tiefe unter dem offenen Himmel Angst machte. Ohne etwas zu sagen, schritt er pl\u00f6tzlich an meiner Seite. Das war sicher nett und zuvorkommend gemeint, aber nun f\u00fchlte ich mich durch seine intensive <em>maghiscal<\/em> geradezu bedr\u00e4ngt. Etwa so, als m\u00fcsste ich mich zwischen der Wand und einem die Treppe einnehmenden Luftballon bewegen. Ich war mir sicher, dass es eine entsetzliche Entladung geben w\u00fcrde, wenn ich ihm zu nahe kam. W\u00e4re meine <em>maghiscal<\/em> nicht durch das ganze physische Gold hier ohnehin geschw\u00e4cht, w\u00e4re das sicher schon l\u00e4ngst passiert.<\/p>\n<p data-p-id=\"bcc3502ef8f0d53b367994431ad39225\">Er balancierte haarscharf am Abgrund und schien auf eine merkw\u00fcrdige, wohlwollende Art belustigt zu sein, wie ein \u00fcberlegener Erwachsener, der sich mit einem unerfahrenen Kind abgeben muss. Ich war \u00fcberzeugt davon, dass der Violette, der hinter mir ging, ebenfalls grinste. Wahrscheinlich hatten sie insgeheim Spa\u00df daran, dass jemand, den sie f\u00fcr einen \u00fcberlegenen m\u00e4chtigen Gegner gehalten hatte, sich als inkompetentes, schwaches Ding entpuppte.<\/p>\n<p data-p-id=\"fdaa3375c6b745cc44b40d1027090fb5\">Die \u00fcbrigen Regenbogenritter waren zun\u00e4chst noch direkt vor uns gewesen, dann aber einer nach dem anderen \u00fcber die Seitenbr\u00fccken ausgeschw\u00e4rmt. Als die Windung der Treppe unseren Blick nach Norden lenkte, blieb der Indigofarbene pl\u00f6tzlich stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ebc57ae27cbf8c6ff1d9620771f2b139\">\u201eDie Wolken gefallen mir nicht&#8221;, sagte er zu seinem Kameraden. \u201eSie kommen immer schneller heran.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06c4bc935b3cbfa742701c84f89d35a9\">\u201eMir auch nicht. Ganz und gar nicht. Und ausgerechnet jetzt ist der Meister nicht da.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"db560f141e05133fada29084714d9a63\">\u201eUnd die Tiere auf der Weide.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"45ce0c11ec9b6c9f74828e60ca926180\">\u201eDenen kann nichts passieren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91323870388b5031bcea0a895fee502f\">\u201eAber unwohl ist dir doch, oder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fff7f3fe3020e9a0a240bc3db5593e17\">Ich versuchte, den Abgrund neben mir zu ignorieren, und schaute mir die so sonderbar massive Wolkenwand an, die da den Himmel zumauerte. An einigen Stellen konnte man noch erkennen, dass es sich um Gewitterwolken handelte, hier und dort wogte und brodelte es, als sei ein Sturm in der Masse eingesperrt. Insgesamt jedoch wirkte das Gebilde am Himmel verst\u00f6rend massiv. Mit kam ein Werk eines surrealistischen Malers in den Sinn, das mich sehr beeindruckt hatte und das einen riesigen Felsen zeigte, der \u00fcber dem Meer schwebte. Au\u00dferdem, das bemerkte ich, als ich begriff, dass ich nicht einen seltsamen Nebeneffekt des Goldes auf meine <em>maghiscal<\/em>, sondern tats\u00e4chlich die Au\u00dfentemperatur f\u00fchlte, hatte sich etwas in der Luft ver\u00e4ndert. Es war keine trockene Hitze mehr. Stattdessen f\u00fchlte sich die Luft nun schw\u00fcl an.<\/p>\n<p data-p-id=\"6936b275bb15f008731248f0c8a0b7ff\">\u201eIst das ungew\u00f6hnliches Wetter?&#8221;, fragte ich.<\/p>\n<p data-p-id=\"e0648cac625a1e2ddf81dfd17af87952\">\u201eIch habe nie zuvor einen solchen Regensturm aus dieser Richtung und so schnell nahen sehen&#8221;, gab der Violette zu. \u201eWenn das auf die W\u00fcste zukommt und das Unwetter ausbricht, sollte besser niemand im Freien sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b7f2368d69ce67207f4ff8c842d4db44\">\u201eIch frage mich, ob die Gro\u00dfmeisterin das auch schon bemerkt hat.&#8221; Der Indigofarbene schaute zum Turm auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"4d8a175e794bda8524a847631cabb914\">\u201eSicher. Aber sie wird mit den Gedanken ganz woanders sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1edfe9fc567ec488a98557439cd18c10\">\u201eIhr macht Euch Sorgen um Eure Einh\u00f6rner?&#8221;, fragte ich und ging einfach weiter. Ich wollte, so schnell es irgendwie ging, wieder Erdboden unter die F\u00fc\u00dfe bekommen. Sie setzten sich ebenfalls wieder in Bewegung.<\/p>\n<p data-p-id=\"70f407c9da36e2b3d36578dcaaec5184\">\u201eIch w\u00fcsste das meine lieber im Stall&#8221;, sagte der Indigoritter.<\/p>\n<p data-p-id=\"2ffd40d78b5e905068216294a6707f61\">\u201eK\u00f6nnen wir sie nicht einfach holen?&#8221;, fragte ich. \u201eVielleicht kann ich Euch irgendwie helfen. Oder ist es weit weg?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2e8337a92f390cbe6c91b2f4d5124abe\">\u201eNun&#8221;, erkl\u00e4rte der Violette, \u201ees dauert eine Weile, zu Fu\u00df zu den G\u00e4rten zu gehen und sie einzusammeln. Zur\u00fcck k\u00f6nnen wir in wenigen hundert Herzschl\u00e4gen fliegen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"80bf25cb212e1e684623426e5d2f3bdb\">\u201eK\u00f6nnen wir das dann nicht zuerst machen? Oder reicht es nicht, wenn einer von Euch mich und den Stab bewacht und der andere die Tiere holt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e27bae9bb6a1eaff0a8fc62b627923ed\">\u201eIst das eine finstere List?&#8221;, fragte der Violette und klang dabei, als wisse er nicht, ob er misstrauisch oder erheitert sein sollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"011aabaebdc002b06b9d85146e839230\">\u201eNein. Ich m\u00f6chte nur, dass eure Tiere in Sicherheit sind. Ich mag Tiere. Wenn ich ein Haustier h\u00e4tte, ich w\u00fcrde es auch hinein holen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ba3a7e0d93ce54a75eccc67908ff464\">Die beiden \u00fcberlegten.<\/p>\n<p data-p-id=\"af4769cd96754e9d67dc02ddc53a3721\">\u201eIch habe ganz bestimmt keine finsteren Absichten&#8221;, beteuerte ich den beiden. \u201eIch bin doch nur hier, weil wir unsere Tochter suchen. Sehe ich f\u00fcr euch aus, als k\u00f6nnte ich irgendwas Schreckliches planen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d79de2369b786270384b1573b298d3ec\">\u201eNein&#8221;, sagte der Violette so rasch, dass es fast etwas kr\u00e4nkend war. Offenbar hatten die beiden mich zwischenzeitlich tats\u00e4chlich so weit eingesch\u00e4tzt, dass sie mich nicht f\u00fcr eine ernstzunehmende Magierin hielten.<\/p>\n<p data-p-id=\"4d9351093b674d58e91fe911eada3473\">\u201eLasst uns den Stab holen&#8221;, schlug der Indigofarbene vor. \u201eOder ist er weit entfernt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2dd77eb73695f8da32a4049a41f66435\">\u201eNein, im Gegenteil. Er liegt hier in der Burg und ist gut versteckt. Hoffe ich zumindest.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eae165a862b155049624c590d750624a\">\u201eWo genau?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"08854c921102f7314ff77bb672ba6604\">\u201eIm Stall.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a5cd472dbca456d44c187c0003cadc2a\">\u201eIhr habt das Ding im <em>Stall<\/em> versteckt?&#8221;, rief der Indigofarbene entsetzt aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"6b7ba78cd85d2d7e8d15a0ef9146c143\">\u201eEs musste schnell gehen. Die alte Frau &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cdd43df7adcc333b2d03563423b77f71\">\u201eGeht weiter. Umso schneller das verfluchte Ding fort ist, desto besser. Bei allen M\u00e4chten, wieso musste der Stab nach all der Zeit wieder auftauchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0c97d3c08c369fac3ae4380e37acb65\">\u201eZu Patagh\u00edu gefleht haben wir, dass das Ding auf ewig verborgen bleibt. Bis heute verfolgt es mich in meine Tr\u00e4ume!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ee805907e22d82cd7954bef93afcf4f\">\u201eDie Gro\u00dfmeisterin h\u00e4tte es verhindern sollen, statt es den Schwarzm\u00e4nteln zu \u00fcberlassen&#8221;, knurrte der Violette, bemerkte, dass er sich im Ton vergriff und f\u00fcgte hinzu: \u201eDas was unbedacht gesprochen, Meisterin Salghi\u00e1ra. Ich wollte Euch nicht beleidigen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"052d491a2467cfec15bc1af48127c288\">Ich tastete mich weiter an der Glasmauer entlang. Die Wolkenwand verschwand aus meinem Blickfeld.<\/p>\n<p data-p-id=\"9c63a885bfb0a04ac60925e566469876\">\u201eWenn es Euch tr\u00f6sten k\u00f6nnte&#8221;, sagte ich, \u201esoweit ich es wei\u00df, haben mein <em>h\u00fdardor<\/em> und die anderen sich alle M\u00fche gegeben, es auf ewig verborgen zu halten. Im Eta\u00edmalon lag es am sichersten aller denkbaren Orte, und nicht einmal ich h\u00e4tte erfahren, wo es ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a2477be04e7929618c92949d5eefc075\">\u201eIch bin gespannt, was Sileda\u00fa dazu zu sagen hat, wenn wir sie dazu befragen. Lass uns hoffen, dass es nur gr\u00f6\u00dfenwahnsinniger Sammelwahn war, den sie in vom Alter verwirrten Geist entwickelt hat, wie bei all den B\u00fcchern und Sachen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3fa80649023e88d9cf69e7a0849dc4d7\">Nun zeigte die Windung der Treppe in Blickrichtung des Burgtores. Dort tat sich etwas. Ein Reiter war gerade dabei, die Zugbr\u00fccke zu queren.<\/p>\n<p data-p-id=\"01a44dbbf42d9a7b6cae7f53966d4d5b\">\u201eAuch das noch&#8221;, murmelte der Indigofarbene, lie\u00df mich und seinen Kameraden stehen und begann, die Treppe herab zu rennen, als ginge es nicht unmittelbar neben ihm einige Stockwerke in die Tiefe.<\/p>\n<p data-p-id=\"832d14abe5be0ed802f3115a77373ba5\">\u201eKommt&#8221;, spornte mich der Violette an. \u201eSchnell. Hinterher!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ecf91ba7dfeb1c572a9b61466efc69bf\">Ich zuckte zusammen. \u201eRennen? Auf dieser Treppe?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9477c630d3bc3ccf81ac5088299e0236\">Er seufzte. \u201eErlaubt Ihr mir, einen kleinen Zauber an Euch zu wirken?&#8221;, fragte er. \u201eDu bist so schwach, dass es wohl nicht schaden wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96831c7dd5ea6975a6e963a104cb926c\">\u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c6c2eeee4ff334fcd8fbda79312c8464\">\u201eVertraut mir einfach. Ich <em>will<\/em>, dass Ihr ohne Furcht und Sturz mit mir kommst. Und zwar schleunigst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"957742d702000d22624b50628b4e85e8\">Ich \u00fcberlegte nicht lange. Was immer er da plante, es gefiel mir nicht. Wahrscheinlich konnte ich dem nur entgehen, wenn ich tat, was er verlangte. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und eilte voran, ohne an die Tiefe und mein Ungeschick zu denken. \u00dcberraschenderweise war ich am Ende au\u00dfer Puste, aber tats\u00e4chlich am Fu\u00dfe der Treppe.<\/p>\n<p data-p-id=\"61aca3e2fd5688ccc4c49e44750502ec\">\u201eDas ist \u00daldaise Tiaramale&#8221;, erkl\u00e4rte mit der <em>arcaval&#8217;ay<\/em>. \u201eEr ist viel fr\u00fcher da, als wir dachten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"60d1a597b161906d606f1d0c625a9088\">\u201eSoll ich mit Euch kommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83c0bf0962914f4064cf30626f91e5d3\">\u201eNat\u00fcrlich. Wir sollen Euch doch nicht aus den Augen lassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0bd355cb7435f3d6f69cad29d097ebd8\">Ich nickte und verschleierte mich wieder. Das zu tun, sobald ich in die N\u00e4he von unkundigen M\u00e4nnern geriet, hatte Yalomiro mir geduldig eingesch\u00e4rft. Schlie\u00dflich war nicht auszuschlie\u00dfen, dass ich mit der geerbten Magie auch den unheilvollen Fluch der <em>camat&#8217;ay<\/em> \u00fcbernommen hatte. Nicht auszudenken, wenn ich mit meinem Anblick den alten Herrn zu sehr in Erregung versetzte. Am Ende w\u00fcrde dessen Herz das nicht verkraften!<\/p>\n<p data-p-id=\"76b2cf4d0d26c25fa6eebab2845e124e\">Der Indigofarbene war dem Mann behilflich, der gerade versuchte, vom R\u00fccken seines grauen Pferdes zu klettern. Das sah sehr unbeholfen aus, und beim N\u00e4herkommen erkannte ich, dass es sich um einen wirklich sehr, sehr alten Mann handelte, den der Ritter da so vorsichtig beim Abstieg st\u00fctzte, als sei er unsagbar zerbrechlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"8aea2de78fd42b382765ebc44b988f42\">\u201e<em>Sinor<\/em> \u00daldaise&#8221;, sagte der Violette. \u201eIhr seid fr\u00fch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"43230d8f19880cab9ef092de74792abc\">\u201eFr\u00fch genug&#8221;; sagte der Alte mit einer so kratzigen Stimme, dass sich mir alle Haare aufstellten, \u201eum dem Sturm zu entgehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1f83da3e2cf3bd28a4f027224d3ea3ef\">Der alte Mann zupfte sich seine Gew\u00e4nder zurecht. Sie bestanden aus einem zarten, leichten und sicher in Anbetracht der Hitze in Aur\u00f3p\u00e9a sehr angenehm zu tragenden Leinenstoff, aber sie waren komplett in Grau- und Anthrazitt\u00f6nen gehalten, aufgelockert mit verschwenderischen, schwarz-wei\u00df-golden bestickten Bord\u00fcren und bunten Edelsteinkn\u00f6pfen, die zumindest teilweise keine Funktion zu haben schienen, die \u00fcber den Schmuck hinausgegangen w\u00e4re. Auf dem Kopf trug er einen aufw\u00e4ndigen Hut, irgendwo zwischen einem Barett und einem kunstvoll verschlungenen Kopftuch, das im Schulterbereich in eine Art Schal \u00fcberging. Insgesamt sah das sehr vornehm aus. Diese \u00daldaise war wohl nicht nur sehr m\u00e4chtig, sondern auch ebenso wohlhabend.<\/p>\n<p data-p-id=\"3b94830d55cd8a491650bdc28f1caa8e\">\u201eDie Meisterin erwartet Euch.&#8221; Der Indigofarbene fasste die Z\u00fcgel des Pferdes, das neben seiner hochgewachsenen Gestalt fast wie ein Pony wirkte. \u201eAllerdings sind wir gerade noch mit einer wichtigen Sache besch\u00e4ftigt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fa724d6c96bab9e2e7ad1f0103601706\">\u201eSolange ich vor dem Regen ins Geb\u00e4ude komme, habe ich die Geduld. Seid Ihr die Empfangsgesandschaft, ihr drei?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ae584187e2bf8e5e539775f218fdeda8\">\u201eWie gesagt&#8221;, erkl\u00e4rte der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> geduldig, \u201eIhr kommt knapp zur Unzeit. Aber wir werden das, was zu tun ist, schnell abschlie\u00dfen und stehen Euch in G\u00e4nze zur Verf\u00fcgung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1fcbd11d517345ef460016abbaaf2c11\">\u201eGut. Ich w\u00e4re etwas entt\u00e4uscht, h\u00e4tte ich mich auf den weiten Weg aus der Stadt begeben, nur um \u00fcber den bedauerlichen Vorfall im Garten zu klagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b90961270e0a1ab1fcea2c8b54eff5e0\">Ich stutzte. Seine Art zu reden erschien mir \u00fcberraschend selbstbewusst und \u00fcberlegen. Ein unkundiger Besucher im Eta\u00edmalon h\u00e4tte wohl kam gewagt, so mit Yalomiro zu reden.<\/p>\n<p data-p-id=\"9192eea1e4a28529e757da58853a6555\">\u201eSicherlich ist auch der Gro\u00dfmeister in K\u00fcrze wieder zugegen. Kommt, folgt mir. Ihr sollt solange bequem rasten und auch eine angemessene Erfrischung erhalten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3fe418acdf529c6eeeb1e24a571455be\">Ich hatte mich zwar im Hintergrund gehalten und etwas deplatziert neben dem Violetten gewartet, aber nat\u00fcrlich war dem alten Mann nicht entgangen, dass ich kaum zum Gesinde der Magier geh\u00f6ren konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a20c81effd9a1ff8e0ba201e209d0889\">\u201eWer ist das?&#8221;, fragte der Alte dann und starrte mich an, mit tr\u00fcbgrauen Augen in einem verrunzelten Gesicht, dem eine gewisse Sch\u00e4rfe und Strenge noch anzusehen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"feb4e132ee220b2cfb5d8fd805ef2135\">\u201eEine Besucherin aus einem fernen <em>yarlm\u00e1lon<\/em>&#8220;, erkl\u00e4rte der Indigofarbene, bevor ich selbst etwas sagen konnte. \u201eFrau Salghi\u00e1ra.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"03b127c0d6f596b1490a1b680be6cc0c\">Ich verneigte mich unbeholfen. Also wollten die Regenbogenritter nicht, dass ich mich als das zu erkennen gab, was ich war. Warum? Hatten sie Angst, den Alten damit zu erschrecken?<\/p>\n<p data-p-id=\"9659ea0804e7ae0d539b311ab507411a\">\u00daldaise z\u00f6gerte, als w\u00fcrde ihn diese Auskunft \u00fcberraschen. Dann neigte auch er den Kopf, wie es die H\u00f6flichkeit gebot, aber nicht dar\u00fcber hinaus. Besonders charmant war er also nicht. Nun, das geh\u00f6rte vielleicht auch nicht zu seinen Aufgaben als <em>sinor<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"6018ff49578eede4dd521103be3f7fde\">\u201eIch bringe Euer Ross in den Stall&#8221;, bot der Violette an. \u201eDort ist es sicher vor dem Regensturm. Ein seltsames Wetter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"00a7ca2ed58034ba13e87009c577b142\">\u201eJa, f\u00fcrwahr&#8221;, sagte der Alte mit seiner heiseren Stimme. \u201eEin sehr unerwarteter Wetterumschwung. So, als habe etwas aus dem Norden ihn hierher gebracht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5f8b27b1a50560c1263fd1fd22892839\">\u201eErlaubt mir, dass ich Euch zur Gro\u00dfmeisterin f\u00fchre&#8221;, sagte der Indigofarbene. \u201eLeider kann ich Euch nicht ersparen, dazu eine Reihe von Stufen zu erklimmen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ab4f748bc3fe97e592036092d1432842\">\u201eSolange Ihr mich dabei nicht zum Rennen n\u00f6tigt, bin ich durchaus noch in der Lage, aus eigenen Kr\u00e4ften zu laufen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f0fa2769a377a8acc4dd4cccb532b7fd\">Nanu? Was hatte der Alte denn f\u00fcr einen forschen Ton an sich? Und warum schien sich der Regenbogenritter dar\u00fcber weder zu wundern noch zu \u00e4rgern?<\/p>\n<p data-p-id=\"f68467542d5ed36c5573626ce1006bf3\">\u201eFolgt mir&#8221;, bat der <em>arcaval&#8217;ay<\/em>. \u201eDer Weg mit der bequemsten Treppe f\u00fchrt durch den Stall hindurch, ehrenwerter <em>sinor<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"347c8d8bf32fb97026c0ff578f381a24\">\u201eAh&#8221;, machte \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9. \u201eDas ist <em>sehr<\/em> gut.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2608","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2608","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2608"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2608\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3718,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2608\/revisions\/3718"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2608"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2608"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2608"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}