{"id":2607,"date":"2025-08-25T13:20:02","date_gmt":"2025-08-25T11:20:02","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2607"},"modified":"2025-08-31T23:11:49","modified_gmt":"2025-08-31T21:11:49","slug":"100-wut-und-wahnsinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/100-wut-und-wahnsinn\/","title":{"rendered":"100: Wut und Wahnsinn"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"e298257b79f2c5dfc2f5e6e7a6a94900\">\u201eIch w\u00fcnschte&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e Lagoscyre betr\u00fcbt, \u201eich k\u00f6nnte zaubern wie mein Papa. Sogar meine Mama kann sowas heil machen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d30e513b13858b674f6da2bc6c605640\">\u201eMeine auch&#8221;, sagte Advon. \u201eDie w\u00fcrde ganz einfach ihre Hand dar\u00fcber halten und es w\u00e4re alles wieder gut. Und mein Vater &#8230; der w\u00fcrde es einfach <em>wollen<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"be57cf8afbb8bf209500532c49a724d6\">\u201eM\u00fcssen deine Eltern dazu nicht singen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5bedf010d7e80da0ed29cc32112b9b72\">\u201eNein. Wieso denn das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"585a2101f6ba877d1f3976d739e48048\">\u201eKeine Ahnung. Sie singt dann immer etwas von einem G\u00e4nschen, das sich weh getan hat und einem K\u00e4tzchen, das ein Schw\u00e4nzchen hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f512a80b4e263cba46af1fac48f83671\">Advon warf ihr einen konfusen Blick zu. Gal\u00e9ons Interesse war geweckt.<\/p>\n<p data-p-id=\"3e038e16cb2e14245946bb48ef747611\">\u201eDas Lied kenne ich nicht&#8221;, murmelte er matt, aber aufmerksam. <em>B\u00e1chorkoray<\/em> mussten sich jede neue Geschichte, jedes Lied einpr\u00e4gen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e4f0bd0e0b8bed7c6d265332f3123244\">\u201eSoll ich es dir vorsingen?&#8221;, fragte das kleine M\u00e4dchen hilfsbereit. \u201eAllerdings wird es davon nicht heil werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d68c39a8e2554962eef01307787b7b6\">\u201eEs ist nicht schlimm. Wir haben jetzt ohnehin keine Zeit dazu. Aber ich m\u00f6chte es lernen, sobald wir aus der W\u00fcste heraus sind und weit, weit weg von den Chaosgeistern sind.&#8221; Er richtete sich st\u00f6hnend auf und tat unsicher ein, zwei Schritte auf das Einhorn zu, das geduldig neben ihnen gewartet hatte. Farbenspiel lie\u00df brav zu, dass der <em>b\u00e1chorkor<\/em> sich an seiner Schulter abst\u00fctzte, um nicht umzuknicken.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a8b44880c26640781af9418cd6cdda5\">\u201eEs ist wirklich schade, dass wir <em>beide<\/em> nicht zaubern k\u00f6nnen.&#8221; Advon, der neben ihm im Sand gekniet hatte, stand auf und klopfte sich den Sand von der Hose. \u201eOder zumindest Verbandszeug dabei haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dddaf2353b4b746a2fb6dccaef958777\">\u201eWollt ihr mich verh\u00f6hnen? Ihr habt mir das Leben gerettet!&#8221; Gal\u00e9on wandte sich den beiden zu. Das Einhorn hatte ihn \u00fcber eine weite, weite Strecke hinter sich her geschleift, w\u00e4hrend die beiden Kinder mit aller Kraft versucht hatten, die Lederz\u00fcgel festzuhalten und ihn irgendwie zu sich hinauf zu ziehen. Das hatte nat\u00fcrlich nicht funktioniert, und so war der <em>b\u00e1chorkor<\/em> jetzt noch zerlumpter als zuvor und \u00fcbers\u00e4t von Sch\u00fcrfwunden, tiefen Kratzern, blauen Flecken und Blessuren, denn nat\u00fcrlich war der W\u00fcstenboden unter dem Sand voller Unebenheiten und Felsen. Allerdings: Er war gerettet und den Chaosgeistern entkommen, die nun am zweiten Versuch gescheitert waren, ihn ins Chaos zu ziehen wie durch einen Trichter.<\/p>\n<p data-p-id=\"bc249d619ba93c5ab29d7ff69eb3b3db\">Advon und D\u00fdamir\u00e9e waren so klug gewesen, das kleinere \u00dcbel zu w\u00e4hlen und ihn so lange mit dem Einhorn hinter sich her zu zerren, wie ein Pferd es mit einem Treidelboot tat. Beide waren nicht lebenserfahren genug, um sich dar\u00fcber zu wundern, dass er das nicht nur \u00fcberlebt hatte, sondern nun schon wieder auf eigenen F\u00fc\u00dfen stand, wenn auch am Rande seiner Kr\u00e4fte.<\/p>\n<p data-p-id=\"083dbd44b1a3d344c59fcc90d2f6f386\">\u201eDanke, Farbenspiel&#8221;, sagte Gal\u00e9on zu dem jungen Einhorn. \u201eFurchtlos wie eine Ziege, in der Tat. Sei deinem jungen Herrn immer ein mutiger Freund und Besch\u00fctzer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3f38342e60d6f184eb7157592e1c932a\">Das Einhorn schnaubte. Vielleicht war es stolz, gelobt zu werden.<\/p>\n<p data-p-id=\"dcaa4bcb8f9ef97e3f5e82a5b316b7f5\">Advon Ir\u00edsolor kam heran. Der Junge war immer noch kreidebleich, aber es schien, als wolle er die Panik, die er gerade so tapfer zur\u00fcckgedr\u00e4ngt hatte, noch so lange beiseite schieben, bis er in den Armen seiner Eltern das tun konnte, was jedes Kind angesichts der Chaosgeister getan hatte: aus Leibeskr\u00e4ften schreien und um Hilfe weinen. Nun, er mochte keine Magie besitzen, aber er war ganz unverkennbar in Gegenwart von k\u00e4mpferischen Magiern aufgewachsen.<\/p>\n<p data-p-id=\"353d64a75d6ee050a97e95fe61d5c0ad\">\u201eDu hast gezaubert, nicht wahr?&#8221;, fragte das Schattens\u00e4ngerkind und stand ebenfalls wieder auf. Daf\u00fcr, dass sie gerade eben noch im Maul eines Chaosgeistes gesteckt hatte und sich mit dem Messerchen erfolgreich gewehrt hatte, war sie bemerkenswert gelassen. Lie\u00df auch sie den Schrecken nicht in ihre N\u00e4he, solange sie nicht in Sicherheit waren? Oder begriff sie nicht g\u00e4nzlich, was vorgefallen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"07cee45547b4ec4f887fe4ef7fdc9882\">Gal\u00e9on f\u00fchlte h\u00f6chsten Respekt und Ehrfurcht vor diesen beiden unkundigen Kindern, die da vor ihm standen und so vertraut miteinander aussahen, dass er sich das eine beim besten Willen nicht ohne das andere vorstellen konnte. Es war kaum zu glauben, dass die zwei sich wohl erst seit dem Vormittag kannten. Nokt\u00e1ma und Patagh\u00edu, das war so offenkundig wie der Sonnenschein und das Dunkel der Nacht, hatten die beiden an diesem Ort, unter diesen Umst\u00e4nden zusammengef\u00fchrt. Nicht wie unschuldige Spielkameraden, nicht einmal wie Geschwister von zweierlei Blut. Nein. Advon und D\u00fdamir\u00e9e <em>geh\u00f6rten zusammen<\/em>, untrennbar. Sie <em>mussten<\/em> beieinander sein!<\/p>\n<p data-p-id=\"7fdf6bd815271eb11db2bdb3d660aee9\">\u201eIch? Ich bin ein <em>b\u00e1chorkor<\/em>, D\u00fdamir\u00e9e Lagoscyre. Wie sollte ich denn zaubern k\u00f6nnen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"43cafb83411ddc933f33b62aa1fe2d3c\">\u201eWir haben es doch gesehen.&#8221; Advon Ir\u00edsolor kam n\u00e4her und steckte dem Einhorn ein St\u00fcck Fr\u00fcchtebrot zu. \u201eDu hast irgendwas gemacht, um die Chaosgeister aufzuhalten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"13ee1cadd1d384ced16eb84acdf35f9c\">\u201eIch habe sie verwirrt&#8221;, behauptete Gal\u00e9on. \u201e<em>B\u00e1chorkoray<\/em> m\u00fcssen so etwas k\u00f6nnen. Mit jeder Geschichte, die ich erz\u00e4hle, mache ich Leute in ihrer Vorstellung Dinge glauben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"08657823e9bbb23388ce2f3082353e7a\">\u201eNein&#8221;, beharrte das M\u00e4dchen. \u201eDu hast den Chaosgeistern doch kein M\u00e4rchen erz\u00e4hlt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0c46912fd0a20bca87a9ee9e6fc7f26d\">\u201eIch hab so getan, als sei ich ein Magier. Damit sie lange genug von euch ablassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4cbb6833a7ae0e44eace29283778a62c\">Die beiden schauten ihn mit vorwurfsvollem Wissen an. Ganz offensichtlich nahmen sie ihm seine Ausfl\u00fcchte nicht ab.<\/p>\n<p data-p-id=\"b31a6294f24caf6cadac389715aa5540\">\u201eWo soll ich denn Magie hergenommen haben, wenn ich weder Nokt\u00e1ma noch Patagh\u00edu diene?&#8221;, versuchte er es erneut. \u201eIch geh\u00f6re weder zu deinen Leuten, Advon Ir\u00edsolor, noch zu deinen D\u00fdamir\u00e9e Lagoscyre.&#8221; Und dann f\u00fcgte er hinzu, denn das sollte doch wohl das Beste aller Argumente sein: \u201eWenn ich zaubern k\u00f6nnte, dann w\u00fcrde ich doch kaum durch die Gegend reisen und mir mein Brot gegen ein paar alberne Geschichten zusammenbetteln, oder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e768fa55fca6c8e8aa55c7e5064071eb\">\u201eAch ja. Brot&#8221;, sagte Advon Ir\u00edsolor und verhinderte beil\u00e4ufig, dass Farbenspiel sich gierig das letzte St\u00fcck Fr\u00fcchtebrot aus seiner Hand klaubte. \u201eBist du auch hungrig?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb2e7b7fd53e2f6a570af0915458bebd\">\u201eNein&#8221;, log Gal\u00e9on. \u201eIch bin viel zu aufgeregt, um etwas zu essen. Wir m\u00fcssen weg von hier. K\u00f6nnten wir uns schnell auf den Weg machen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"735719884975111bda976594cd17cae1\">\u201eWenn du umherreist und die Leute h\u00f6ren deinen Geschichten zu, geh\u00f6rst du vielleicht zu einer anderen Macht&#8221;, beharrte D\u00fdamir\u00e9e. \u201eJedenfalls hast du gezaubert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9db6c5b88992e83f2a00a3bd4e5e71c0\">\u201eNein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"159c129fd10d23386c4c77b1e72596ff\">\u201eDoch!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"746fe818b7566f66315b1354d8e0233c\">Gal\u00e9on seufzte. Das war nun wirklich nicht der richtige Ort und Moment, sich mit einem kleinen M\u00e4dchen zu streiten. Fehlte nur noch, dass sie anfing, ihm die <em>richtigen<\/em> Fragen zu stellen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9dbe4602c953919b57a2e90404793076\">Advon grinste. Dann bedeutete er dem Einhorn mit erhobenem Finger, sich hinzusetzen, wie ein gehorsamer Hund es tat. Das Einhorn war sich nicht zu schade, dieses Kunstst\u00fcck f\u00fcr die Leckerei zu vollf\u00fchren. Das Kind klopfte ihm den Hals und zog sich dann an seinem Fl\u00fcgel hoch.<\/p>\n<p data-p-id=\"475cfd0f84db2dabaa57b00149645168\">\u201eSteig auf, Gal\u00e9on. Farbenspiel tr\u00e4gt uns zum Ciel\u00e1stel. Und da musst du sofort meinen Eltern und den Regenbogenrittern erz\u00e4hlen, was hier passiert ist. Und was \u00daldaise plant. Und &#8230; \u00fcberhaupt, alles! Aber kein M\u00e4rchen. Alles, was in Wahrheit geschehen ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e4b58b5de4ff9a647e9a7575ada2965c\">\u201eOh ja&#8221;, sagte Gal\u00e9on, froh \u00fcber die Ablenkung. \u201eBesonders \u00fcber das, was \u00daldaise unter allen Augen in Aur\u00f3p\u00e9a getan hat. Das eine mag mit dem anderen zusammenh\u00e4ngen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2f2699d86bd91c567803f2dcd1bb5d01\">\u201eHilf mir rauf, Gal\u00e9on&#8221;, verlangte D\u00fdamir\u00e9e. \u201eDu sitzt hinter mir und h\u00e4ltst mich fest.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc10a9ce230d91ea58ac353538aae5a8\">\u201eVorhin hast du gesagt, niemand muss dich aufheben&#8221;, sagte Gal\u00e9on verwundert \u00fcber diese Zutraulichkeit.<\/p>\n<p data-p-id=\"81e5c280cce051d040b7a907722e9246\">\u201eDu darfst das&#8221;, entgegnete sie. \u201eDu hast mich <em>besch\u00fctzt<\/em>. Der freundliche Ritter daheim im Wald hat auch versucht &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec89c5105966d03e128a8e5f5b730af5\">Sie verstummte. Gal\u00e9on hob die Brauen. Advon wurde aufmerksam.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e53c6c1f3150345bf9fc3c6b8bac516\">\u201eDer, den ein anderer Ritter erschlagen hat?&#8221;, fragte Advon, halb mitf\u00fchlend, teils begierig, Details \u00fcber diesen Vorfall zu h\u00f6ren, die sie ihm gegen\u00fcber wohl schon einmal erw\u00e4hnt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"cb0f45030b3537649be7a1405f167bbb\">Sie nickte versonnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a0837a300d03dd875c01c5714737fd6a\">Oh, dachte Gal\u00e9on. Es war deutlich zu sp\u00fcren, dass schwere Gedanken an das M\u00e4dchen herankamen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a8c310131af2512a630db8c072ca318e\">\u201eMagst du nicht dar\u00fcber reden?&#8221;, fragte er, kletterte hinter den Fl\u00fcgeln des Einhorns auf dessen R\u00fccken und griff mit seinen aufgesch\u00fcrften, geschundenen H\u00e4nden nach ihr, zog sie an sich. Advon Ir\u00edsolor wartete, bis er sie sicher vor sich abgesetzt hatte. Auf den Wink des Jungen wuchtete das Einhorn sich wieder auf den R\u00fccken, so m\u00fchelos als tr\u00fcge es keine drei Menschen. Advon lenkte das Tier nach Norden und warf einen besorgten Blick auf die Wolkenwand. Farbenspiel schnaufte. Dann setzte er sich in Bewegung, nicht im Flug, sondern in schnellem Schritt. Vielleicht wollte er sich zun\u00e4chst vergewissern, wie sicher sich der fremde Mensch hielt.<\/p>\n<p data-p-id=\"ac53053ba2be1b5f4d89e5d62a27ace1\">D\u00fdamir\u00e9e Lagoscyre seufzte. Dann lehnte sie sich vertrauensvoll an seine Brust.<\/p>\n<p data-p-id=\"ab6018d452d83659989956416092d48b\">\u201eNein&#8221;, sagte sie leise. \u201eNicht jetzt. Ich erz\u00e4hle es dir, wenn ich dir das Lied vom Heileg\u00e4nschen vorsinge, ja?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b0c662107daf4c32c500f2557fc5780e\">\u201eEinverstanden.&#8221;Gal\u00e9on wurde klar, dass der Junge der Grund daf\u00fcr war, warum das kleine M\u00e4dchen nun nicht aussprach, was sie bei der Erinnerung an den fremden Ritter belastete.<\/p>\n<p data-p-id=\"c7406824958091e223fef0db724eace1\">\u201eDu warst also auch in der H\u00f6hle in \u00daldaises Garten?&#8221;, fragte Advon Ir\u00edsolor, als das Schweigen zu unangenehm wurde.<\/p>\n<p data-p-id=\"55f73657a4cd8dcd02ea00d675993d37\">\u201eJa. Es gibt einen durchgehenden, wenn auch sehr unbequemen Verbindungsweg zwischen Aur\u00f3p\u00e9a und der H\u00f6hle.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e00218bd0161586d24ebacf6d1641fbf\">\u201eEinen Geheimgang?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c8291ab63c4652f30180fba0d2b7f957\">\u201eEher einen nat\u00fcrlichen Tunnel. Einen, den Wasser \u00fcber lange, lange Zeit gegraben haben muss.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1573a71e32cf3bea73c2d8294f86de4\">\u201eWie aufregend! Wei\u00dft du, ich hab gestern Nacht die H\u00f6hle auch gefunden, aber ich durfte nicht hineinschauen. Einen Tunnel hab ich nicht gesehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b5b1ac5762c663e803a4c7a66fae1a05\">Gal\u00e9on horchte auf. \u201eHast du deinen Eltern davon erz\u00e4hlt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1f26607269b4c32611d5a2ca6b4689db\">\u201eJa, meiner Mama. Ich glaube, sie waren heute Vormittag da und haben nachgesehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2025a1f3fc4388327705b977a2b19260\">Sehr gut, dachte Gal\u00e9on. So viele Magier wie m\u00f6glich sollten sich diesen seltsamen Ort anschauen.<\/p>\n<p data-p-id=\"81d24f705e2712155452304607459590\">\u201eUnd hast du da drin was Interessantes gefunden? Au\u00dfer dem Silberstern?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"183fda7a4a959f2f8de662c617c1e529\">\u201eJa. Aber wenn es dir recht ist, w\u00fcrde ich das gerne erst in Anwesenheit deiner Eltern erz\u00e4hlen. Die Geschichte wird nicht interessanter, wenn ich sie mehrfach wiederholen muss.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b6595b39726ca62a1d855b7bebc87cb\">\u201eDann los&#8221;, sagte Advon, dem das Signal genug war, sich endlich zu beeilen. \u201eHaltet euch fest! Los, Farbenspiel! Zur\u00fcck in den Stall!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ab69bf9fc32c11647460af428d55cb1e\">Das Einhorn galoppierte an. Gal\u00e9on griff geistesgegenw\u00e4rtig nach dem Fl\u00fcgelansatz, um ein wenig Halt zu haben, und das Tier jagte los, unbeeindruckt von den Menschen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f3f2a07deeae75da1f25db8df0e7afe\">Dann breitete es die Fl\u00fcgel aus und begann, von D\u00fcne zu D\u00fcne zu segeln.<\/p>\n<p data-p-id=\"b1c92d1b0dc598e20eb467a5410afea6\">\u201eIch glaube doch, dass du ein Magier bist&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e pl\u00f6tzlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"5972292bf5b6b1bafe139223b04f0685\">Nun konnte Gal\u00e9on nicht widerstehen. \u201eUnd wenn? Und wenn ich wirklich einer w\u00e4re?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b09f39c2841c22ade4397d4528a8a4f6\">Sie antwortete nicht. Aber sie legte den Kopf in den Nacken und l\u00e4chelte m\u00fcde zu ihm hinauf.<\/p>\n<p data-p-id=\"87530f437fe140adbd3861428f20ce8c\">\u201eEs ist gut&#8221;, sagte sie, \u201edass wir dich gefunden haben. Du geh\u00f6rst zu uns.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"0a46873fe57efc2df1c2bb410d3e38c5\">Osse schrie, halb vor Schmerz, denn das Wesen zog unnachgiebig an seinem Arm, halb vor Entsetzen, denn was da vor ihm aus dem Sand emporgetaucht war, hatte ein Gesicht, das aussah, als habe jemand mit einem Hammer herein geschlagen, und eine sabbernde Hundezunge zwischen gr\u00fcnlichen Z\u00e4hnen. Die Gliedma\u00dfen und der Oberk\u00f6rper schienen menschlich zu sein, zerlumpte Kleidung schlotterte daran.<\/p>\n<p data-p-id=\"66e5fc7c3bb3481681dfc9f4a8d380b6\">\u201eNein!&#8221;, kreischte Manj\u00e9v und packte beherzt zu, fasste den Jungen um die Mitte und versuchte, ihn in die Mitte des Tisches zu ziehen. F\u00fcr ein M\u00e4dchen entwickelte sie erstaunliche, verzweifelte Kr\u00e4fte.<\/p>\n<p data-p-id=\"5fe1e80baed787eb0049ff7412551656\">\u201eMein Arm!&#8221;, schrie Osse vor Pein!<\/p>\n<p data-p-id=\"580b71f80d2a11773a34affb330c0e0d\">Das Monster gurgelte und spuckte trockenen Sand. Der <em>teirandanja<\/em> gelang es, den Jungen ein St\u00fcck n\u00e4her zu sich hin zu zerren, allerdings zog sie damit auch das Monster mit sich voran. Im selben Moment tauchte hinter ihr, auf der anderen Seite des Tisches eine weitere, aufgedunsene Hand mit fetten wei\u00dfen Fingern auf und fasste das M\u00e4dchen an seinem blo\u00dfen Fu\u00df, schleifte es in die andere Richtung.<\/p>\n<p data-p-id=\"cc9a2739c269b2c4e6926fd2d64fa2e5\">\u201eHilfe!&#8221;, kreischte nun auch Manj\u00e9v auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"d5a24a6b21ad486895dfd06e4d41337c\">Merrit war auf die F\u00fc\u00dfe gesprungen, die Tischplatte schwankte unter ihm, und ringsum tauchten sie \u00fcberall aus dem Sand auf, H\u00e4nde, K\u00f6pfe, Gesichter, so alptraumhaft verzerrt und entsetzlich anzuschauen, und doch alle, jedes Einzelne, unverkennbar in Ans\u00e4tzen menschlich. Der Junge war h\u00f6rte die Monster unverst\u00e4ndliche Laute aussto\u00dfen und die beiden anderen Kinder schreien.<\/p>\n<p data-p-id=\"1cd02265d120d6a27098a4ed6663f10a\">Chaosgeister! Bei den M\u00e4chten, echte, <em>wirkliche <\/em>Chaosgeister! Und so anders, als er sie sich in seiner Fantasie immer vorgestellt hatte. Deformiert, zerst\u00f6rt, verunstaltet. Nichts, was er sich in seiner kindlichen Phantasie aus dem heraus hatte ausmalen k\u00f6nnen, was er in den alten Geschichten geh\u00f6rt und gelesen hatte, oder dem, was er belauscht hatte, wenn an langen Winterabenden ein <em>b\u00e1chorkor<\/em> sp\u00e4tabends Geschichten f\u00fcr Erwachsene vorgetragen hatte. Merrit schauderte und erinnerte sich deutlich an einen dieser Abende, als ein wei\u00dfhaariger, alter Erz\u00e4hler aus dem eisigen Westen daheim in der Halle erz\u00e4hlt hatte, vier, f\u00fcnf Sommer war das her. Merrit, der sich damals mucksm\u00e4uschenstill hinter einer Truhe versteckt und f\u00fcr die Geschichte tapfer gefroren hatte, denn sein Versteck war weitab vom Kamin gewesen, war sich sicher, dass sein Vater ihn damals bemerkt, aber nichts gesagt hatte. M\u00f6glicherweise war es ihm ganz recht gewesen, dass der Junge seine Tapferkeit mit solchen verwegenen Aktionen gest\u00e4rkt hatte. Die Mutter hatte es sp\u00e4ter verstanden, seine b\u00f6sen Tr\u00e4ume zu beruhigen. Ach die Mutter &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"27061685f849e43e8c9faecf6e6ecba2\">Und diese Wesen hier \u2013 die waren so viel grausiger als das, was der alte <em>b\u00e1chorkor <\/em>damals beschrieben hatte. Da war nichts mit Schuppen und Rei\u00dfz\u00e4hnen und Glutatem \u2013 die hier waren <em>viel zu echt<\/em>, um einer Geschichte zu entstammen.<\/p>\n<p data-p-id=\"72dc42b7ef7f2f9c1ef0745cd9c141ed\">Und sie versuchten, sich \u00fcber seinen einzigen Freund und das M\u00e4dchen herzumachen, dessen Gegenwart sich so bitters\u00fc\u00df und wunderbar in seinem Herzen anf\u00fchlte, wenn er auch nicht verstehen konnte, weshalb sie so abweisend zu ihm war.<\/p>\n<p data-p-id=\"55a2a8247413fcc89db8c64212a4ae1e\">\u201eHilfe!&#8221;, kreischte die <em>teirandanja<\/em>, sie strampelte und zappelte, w\u00e4hrend das aufgebl\u00e4hte Wesen versuchte, ihren anderen Fu\u00df zu packen. Der Chaosgeist wirkte ekelhaft weich, aber nicht etwa wie ein beleibter Mensch, sondern als ob er aufgeblasen w\u00e4re wie ein Teig f\u00fcr ein Hefebrot.<\/p>\n<p data-p-id=\"55c47e7b2877665869a2b76021aa826d\">Aber die <em>teirandanja<\/em> hielt Osse fest, dem das Wesen mit dem zerbeulten Gesicht und der Pergamenthaut den Arm auszurei\u00dfen drohte, w\u00e4hrend der Junge sich mit der anderen Hand an der Tischkante festkralle.<\/p>\n<p data-p-id=\"f77322aa0f5261c92a07b0291ad7b141\">\u201eLasst sie los!&#8221;, schrie Merrit aufgeregt in die Leere. \u201eDie Dinger sollen sie loslassen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ffe1c081cff16d693c2c7de60523a471\"><em>Sie geh\u00f6ren mir, kleiner Ritter!,<\/em> meldete sich das Wesen in seinen Gedanken. <em>Einen nach dem anderen werde ich mir holen! Erst die hier und dann die anderen!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"de705c1cb6eb96cba9d73d83ca175e62\">\u201eRuf deine Monster zur\u00fcck!&#8221;, z\u00fcrnte Merrit. Er verga\u00df allen Anstand und Sitte, packte den Fu\u00df der <em>teirandanja<\/em> und versuchte, die monstr\u00f6sen Finger von ihrem Kn\u00f6chel zu l\u00f6sen. Er konnte keine Knochen darin sp\u00fcren. Einmal hatte Merrit bei einem Besuch in Virhav\u00e9t den Stand eines Fischh\u00e4ndlers gesehen, der ein seltsames Meerestier mit einem dicken Kopf und vielen labberigen Gliedma\u00dfen feilgeboten hatte. So \u00e4hnlich kamen ihm diese Handglieder vor. Es gab auch keine Gelenke daran. Das M\u00e4dchen wimmerte und trat, und dabei drohte sich ihr Griff um Osse zu lockern.<\/p>\n<p data-p-id=\"495e7761d43b4c1c3ce7de11a38a816c\"><em>Ich hole sie zu mir,<\/em> bekr\u00e4ftigte das Wesen. <em>Und wenn dein Vater so t\u00f6richt ist, die T\u00fcr zu \u00f6ffnen, dann werden wir sehen, was passieren wird.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"47b6d7cbafc812c8177bcfe4e85f2fd6\">\u201eMerrit!&#8221;, keuchte Osse flehend, und das M\u00e4dchen schrie schrill und trampelte um sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"cbe07f4b442691cd6b794544ffa186ff\"><em>Und du, kleiner Ritter, du bist der N\u00e4chste!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"22afd0b5c702242741f366d66b4caafe\">\u201eGib sie sofort frei, sonst &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4561819cc3cce52c2d6a7fb3cd403f8c\"><em>Du kannst es nicht verhindern! Du kannst nicht beide zugleich festhalten! Entscheide dich!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"05b83cffee2cabde5f13e7ed3ad0b6bb\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fae07b22a3f7d444a2e5893eb96f480d\"><em>Welches ist dir mehr wert? Der hier, der die nie im Leben im Kampf beistehen wird? Oder sie, die niemals dein Herz erfreuen soll? Welche sinnlose Wahl willst du treffen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"7cd0111a5c262c27b40f847e40fa0973\">\u201eIch kann nicht &#8230; ich will sie <em>beide<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dfe17e8563cef128179903ae46859e6e\"><em>Vielleicht solltest du dich selbst gleich selbst in den Sand st\u00fcrzen. Es geht schnell! Du wirst es kaum bemerken. Deine Mama hat es auch nicht bemerkt.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"07b588e6ae105032e8443a5daa788be9\">\u201eMeine Mama?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"01239179973850a86d7916b01f36ea98\"><em>Vielleicht ist sie l\u00e4ngst bei mir? Vielleicht habe ich sie mir als Allererstes geholt?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e4bb199137afe81e41c4c0f3d848c6e7\">Merrit Althopian \u00e4chzte zornig auf. Das, was das Wesen da in seinem Kopf redete, was es an Bildern und Gef\u00fchlen erweckte, war nicht zu ertragen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bac7bd3a2dccf383b4c4d8f1397dae54\">\u201eMerrit!&#8221;, drang die schmerzerf\u00fcllte Stimme von Osse Emberbey an ihn heran. Der Junge hatte den Griff an der Tischkante l\u00f6sen m\u00fcssen, und im selben Moment verlie\u00dfen auch die <em>teirandanja<\/em> ihre Kr\u00e4fte. Das eine Monster zerrte Osse nach vorn, das andere das M\u00e4dchen an der anderen Seite vom Tisch herab. \u201eMerrit! Was immer es dir erz\u00e4hlt, h\u00f6r nicht hin!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9423213e5f9810286a191e61b547c9e\">Was redete Osse da? Konnte er das Wesen <em>h\u00f6ren<\/em>?<\/p>\n<p data-p-id=\"2f8177e6c1be2e16c88b120e0b32374f\">\u201eH\u00f6r auf!&#8221;, wimmerte die <em>teirandanja<\/em>. \u201eDu l\u00fcgst! Du l\u00fcgst!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9ebed4e04d62b2ec67245d541a66edf5\">Ja, sie h\u00f6rten das Wesen. Aber sie h\u00f6rten es in ihren eigenen K\u00f6pfen. Merrit sah, wie das M\u00e4dchen den Halt verlor und unaufhaltsam vom Rand des Tischs hinunter rutschte, zur\u00fcck in den Sand.<\/p>\n<p data-p-id=\"aa56d7eacbf07d7390ae64e8c98b96c7\">\u201eBei den M\u00e4chten&#8221;, rief Merrit. \u201eVergebt mir, Majest\u00e4t!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0062818f33f166b435c82df82e984bfe\">Und mit diesen Worten lie\u00df er sich fallen, gerade rechtzeitig, bevor das M\u00e4dchen ganz den Halt verlor und von der sich neigenden Tischkante rutschte. Er kam auf ihrem R\u00fccken zu sitzen, klemmte sie unter sich fest und schwang den Streitflegel hoch \u00fcber den Kopf und lie\u00df ihn mit einem Wutschrei auf das aufgebl\u00e4hte Wesen niedersausen.<\/p>\n<p data-p-id=\"48b3fb7400bd4f59b721ca6d944f77f8\">Das Monster <em>platzte<\/em> auseinander, als zerrisse eine d\u00fcnne H\u00fclle, die seine Masse zusammenhielt, inklusive der Hand, die nun ruckartig den Fu\u00df der <em>teirandanja<\/em> freigab.<\/p>\n<p data-p-id=\"f1381ef9e7b37c7cd19ba57f7d9942fa\">Merrit zog seine Waffe wieder an sich, sprang auf und zerrte das M\u00e4dchen beiseite, weg von der Tischkante. Das aufgequollene Wesen war nicht tot, nicht zerst\u00f6rt. Das, was geborsten war, war nur eine glibberige Masse gewesen, die einen viel kleineren, fast kindlichen K\u00f6rper umschlossen hatte. Das, was sich darunter verborgen hatte nun mit einem schmerzhaften, fast verbl\u00fcfften Blick in den Sand zur\u00fcck st\u00fcrzte, ballte drohend seine Faust, bevor es verschwand.<\/p>\n<p data-p-id=\"5e1942210234143828fe4e46660a173d\">Merrit Althopian dachte nicht nach. Er sprang auf, packte die <em>teirandanja<\/em> an der Schulter, erwischte dabei grob einen Gro\u00dfteil ihrer blonden Haare und warf sie auf die Tischmitte zur\u00fcck. Dann stand er breitbeinig \u00fcber Osses Kopf, sodass dessen Schultern von seinen Kn\u00f6cheln gestoppt wurden, und schwang den Streitflegel so kraftvoll, dass er zuerst den d\u00fcrren Arm des Chaosgeistes zerschmetterte und dann dessen eingebeulte Gesicht noch mehr vertiefte. Das Blut des Wesens war bl\u00e4ulich und d\u00fcnn wie Wasser. Aber es war nicht besiegt. Es kreischte, schnellte aus dem Sand heraus wie ein Fisch, der ach Fliegen schnappt und wollte sich auf die Kinder werfen. Die Stachelkugel erwischte es am Bauch und schleuderte es ein gutes St\u00fcck vom Tisch weg.<\/p>\n<p data-p-id=\"616b90e9abe57408008234e008012fb3\">Merrit starrte ihm verwirrt nach und warf dann einen verst\u00f6rten Blick auf seine H\u00e4nde und die alte Waffe darin. Die Wesen h\u00e4tten tot sein m\u00fcssen, aber ganz offensichtlich waren sie nichts, was er erschlagen konnte. Entweder war er noch nicht stark genug, oder der Streiflegel funktionierte nicht. Oder die Wesen waren tats\u00e4chlich unbesiegbar, eindeutig die schlechteste Wahrscheinlichkeit, denn dann konnten sie immer und immer wieder angreifen. Er w\u00fcrde sie nicht ewig mit seiner Wut und seiner Verzweiflung zur\u00fcckhalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"2da1fc256f7676a676df477f2168d2d5\">Aber <em>wenn<\/em> dem so war, dann w\u00fcrde er sich dennoch ganz gewiss nicht von dem Wesen verlocken lassen, aus eigenem Willen hinter die Tr\u00e4ume zu gehen. Das war Betrug! Wenn die hier unsterblich waren, dann w\u00e4re er es auch nicht. Und er wollte keiner von ihnen werden. Er wollte eines Tages der sch\u00f6nen Roten Dame folgen!<\/p>\n<p data-p-id=\"9c221d86b5d4280a28247af9cc7c0631\">Bei den M\u00e4chten, er hatte <em>auf<\/em> der <em>teirandanja<\/em> gesessen und er hatte noch einige ihrer sch\u00f6nen blonden Haare zwischen den Fingern. Wenn sie jemals wieder in eine normale Wirklichkeit zur\u00fcckkehren w\u00fcrden, dann w\u00fcrde er diese Unversch\u00e4mtheit ohnehin bitter bezahlen m\u00fcssen. Aber nicht jetzt. Nicht hier. Jetzt musste er sich auf das besinnen, was er war. Was sein Vater von ihm erwartete. Was seine Mutter ihm damals vorausgesagt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"687ad6fd6770bf05eac74306fb3ff741\">Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor schaute sich verst\u00f6rt um und tastete nach ihrem Kn\u00f6chel. Bestimmt konnte sie den knochenlosen, z\u00e4hen Druck der Finger noch dort sp\u00fcren, wo sie zugepackt hatten. Wie lange hatte all das gedauert? Es konnten nur ein paar Atemz\u00fcge gewesen sein, aber er f\u00fchlte sich, als h\u00e4tte es vom Angriff der beiden Wesen bis jetzt viele Tage gedauert. Die Zeit f\u00fchlte sich anders an, denn sie schien hier in dieser Leere voller Sand, in diesem Wahnsinn nicht zu existieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"73e0cd25a83dfcc5f3aee54c943bf3b8\">Osse wimmerte, aber er hatte die Kraft, selbst wieder in die Mitte der Tischplatte zu kriechen. Er kauerte sich zusammen und hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Schulter und sein Handgelenk. Immerhin sa\u00df seine Brille, wie durch ein Wunder, immer noch auf seiner Nase.<\/p>\n<p data-p-id=\"9d5097d1eb5fb2bfddfd924d2708f189\">Die <em>teirandanja<\/em> starrte verst\u00f6rt zu Merrit auf. Der stand, heftig atmend, die von Monsterblut tropfende Stachelkugel in der Hand und schaute sich mit hei\u00dfem Atem und hetzendem Blick um. Die Chaosgeister, die ringsum aus dem Sand schauten wie Seehunde, die neugierig ein Boot umringten, hielten respektvollen Abstand.<\/p>\n<p data-p-id=\"b4481bf52d1b6de1e3d9177ce086cd82\">\u201eKommt nur her!&#8221;, rief Merrit Althopian fiebrig. \u201eKommt her und versucht es noch einmal! Keinen von uns bekommt ihr, <em>keinen<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"99286ccfa01e1869a9337920cab12649\">Er lie\u00df die Kugel kreisen und drehte sich um, um seiner Entschlossenheit auch auf der anderen Seite des Tisches Ausdruck zu verleihen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0258dec8809384db74788f220df9aa97\">\u201eMerrit&#8221;, sagte Osse, vor Schmerz zischend, \u201ereize sie doch nicht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cca04a5a5d91174cbab80355711d5eef\">\u201eKannst du den Arm noch bewegen, Osse?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"244082a3e0999e3baaaa2141bc15597a\">\u201eJa. Es tut weh, aber ich glaube, es ist nichts kaputt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7fb86a912c49a872bf9211fbae460afd\">\u201eGut. Dann bleib da sitzen, halt die <em>teirandanja<\/em> fest und bewege dich nicht vom Fleck. Hier!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2f7616ffe41d550ba132c68493af6023\">Merrit kickte das Spielzeugboot vorsichtig zu ihnen hin\u00fcber. \u201eDarauf passt ihr auf. Das ist eure Aufgabe. Es bringt uns Gl\u00fcck.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8597b022af54a2075b47dc2e952f1595\">\u201eMerrit Althopian!&#8221; Die <em>teirandanja<\/em> setzte sich auf. \u201eWas &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7aeefe75ac8a469c18e4bd63260d31c0\">\u201eMajest\u00e4t, das gerade tut mir leid!&#8221; Er hielt inne und br\u00fcllte einen Chaosgeist, der sich wieder heranwagte, mit einem so ungeb\u00fchrlichen Fluch an, dass sowohl das Monster, als auch die beiden anderen zur\u00fcckzuckten. Das b\u00f6se Wort hatte er einmal aufgeschnappt, als vor den Burgmauern Unratknechte in einen Streit geraten waren. Merrit hatte es f\u00fcr genau so einen Fall einem verbotenen Winkel seiner Erinnerung aufbewahrt, s\u00e4uberlich getrennt von seinem guten betragen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5d1bbd32c0a1c3226e8cf55a23bff49a\">\u201eNiemand wird davon erfahren!&#8221;, rief sie. \u201eKomm her! Komm da vom Rand weg, bevor sie dich packen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b8d7e20e186a851474891edcec755e0c\">\u201eBleibt, wo ihr seid! Ich halte sie von euch fern! Bewegt euch nicht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ff05feccc357ffed0570c33266f26a3\">Ein anderes Monster, das aussah wie geschmolzen, schwamm heran. Merrit schlug danach und schrie wie ein w\u00fctendes Waldschwein. Der zweite Schlag, unmittelbar seitlich, traf ein drittes Monster, dr\u00fcckte es unter den Sand. Merrit lachte gellend auf. Ein kaltes Funkeln trat in seine eisfarbenen Augen.<\/p>\n<p data-p-id=\"fc254f14e1a129c783b54e521143d829\">Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor duckte sich verst\u00f6rt zusammen. \u201eIst er jetzt wahnsinnig geworden?&#8221;, wisperte sie Osse Emberbey zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"467b8a2ed5edd504ca1d847c8f68a585\">\u201eVielleicht&#8221;, raunte Osse heiser. \u201eAber solange er w\u00fctend ist, sind wir besch\u00fctzt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"07a30c774ad0a552637296641bd41732\">Merrit konnte h\u00f6ren, dass sie \u00fcber ihn sprachen. Er l\u00e4chelte grimmig, obwohl ihm die Tr\u00e4nen aufstiegen und ihm die Brust zuschn\u00fcrten.<\/p>\n<p data-p-id=\"be6d4f454b07fa3db0c31bef577efe19\">\u201eAuf dem Tisch sind wir sicher&#8221;, fl\u00fcsterte er. \u201eBitte, vertraut mir. So lange, bis jemand kommt und uns rettet, besiege ich die Chaosgeister!&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2607","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2607","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2607"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2607\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3717,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2607\/revisions\/3717"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}