{"id":2594,"date":"2025-08-25T13:06:59","date_gmt":"2025-08-25T11:06:59","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2594"},"modified":"2025-09-01T09:29:54","modified_gmt":"2025-09-01T07:29:54","slug":"082-entflogen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/082-entflogen\/","title":{"rendered":"082: Entflogen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"5d2d14154e80fa40b9bc07edcf534049\">Binnen k\u00fcrzester Zeit brach im Ciel\u00e1stel ein Durcheinander aus, wie Advon es nie zuvor erlebt hatte. Der Junge schaute seinem entfleuchenden Einhorn entsetzt nach. Farbenspiel, frei von jeglichem magischen Sattelzeug, das ihn unter Kontrolle gehalten h\u00e4tte, preschte steil hinauf zum Himmel, \u00fcber die Burgmauern hinweg und gen W\u00fcste. Hier, direkt \u00fcber den Mauern, gab es <em>nichts<\/em>, was ihn aufgehalten hatte, keinen unsichtbaren Zaun wie \u00fcber den Weiden.<\/p>\n<p data-p-id=\"2fb76c0964655d817bd875bff38dec63\">Advon musste sich zwingen, nicht aufzuspringen, nach ihm zu rufen und dabei sein Versteck preiszugeben. Es h\u00e4tte keinen Sinn gehabt. Zum einen h\u00e4tte Farbenspiel ihn nicht geh\u00f6rt. Zum anderen, das ahnte Advon, der den jungen Einhornhengst kannte wie kein anderer, h\u00e4tte das Tier ihn auch nicht bemerkt. Farbenspiel war nicht ausgeb\u00fcxt, um dem Stallmeister einen Streich zu spielen. Das Tier scheute und rannte in Panik vor etwas weg, brachte sich in Sicherheit. Vor irgendetwas musste es sich ganz entsetzlich erschreckt haben. Das musste nicht wirklich etwas Bedrohliches gewesen sein. Farbenspiel war noch jung und weniger erfahren als die R\u00f6sser der anderen Regenbogenritter. Ein ungewohntes Ger\u00e4usch, eine Bewegung, die er nur aus den Augenwinkeln sah, das reichte bereits, um ihm einen Schreck einzujagen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1db2923ae26a6af944b10b7cb8ae04da\">Bedenklicher war, was Farbenspiel tun w\u00fcrde, sobald er sich beruhigte. Ob er sich daran erinnerte, wohin er in einem solchen Fall fl\u00fcchten sollte? Wo sie einander wiederfinden w\u00fcrden, wenn sie einmal getrennt und auf sich selbst gestellt waren?<\/p>\n<p data-p-id=\"13b700cec94d7dc5061ee13b8ce3c809\">Der Stallmeister stand erstarrt auf dem Hof, starrte dem entflogenen Einhorn entsetzt nach und beachtete kaum, wie der Blaue hinzu st\u00fcrzte, ebenso ver\u00e4rgert wie besorgt. Der Mensch schenkte dem Magier gar keine Beachtung, so sehr der auf ihn einredete und versuchte, seine Aufmerksamkeit zu erlangen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4fa3e4e944d502501f14b62767255ace\">Der Rote, Orangene und Indigofarbene versuchten es gar nicht erst. Die drei st\u00fcrzten in den Stall, verursachten dort ein gro\u00dfes Get\u00f6se und waren Augenblicke darauf wieder zur Stelle. Ihren Einh\u00f6rnern hatten sie nur rasch Zaumzeug \u00fcbergeworfen, um sie zu satteln reichte die Zeit nicht. Herzblut, Aranzie und D\u00e4mmerlicht schienen verdutzt. Was immer Farbenspiel aufgest\u00f6rt hatte, sie hatten es auch miterlebt, aber nicht aus ihren K\u00e4figen entkommen. Die Eile ihrer Reiter versetzte die Tiere in Unruhe. Andererseits schien keines der Tiere etwas gegen einen Flug einzuwenden zu haben. Advon presste sich auf den Boden, versuchte, eines mit den bunten Steinen zu werden, und flehte zu Patagh\u00edu, das keiner der Ritter ausgerechnet jetzt nach unten blicken mochte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c02d64bbe835ff6d67aa5ef0e24b26ed\">Er hatte Gl\u00fcck. Die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> hatten nur Sinn daf\u00fcr, das ausgebrochene Einhorn wieder einzufangen. Was derweil am Boden oder auf den Treppen und Br\u00fccken des Ciel\u00e1stel geschah, interessierte die Magier jetzt nicht. Sie mussten sich beeilen. Farbenspiel war jung und schnell. Er konnte in den Wolken Haken schlagen und in Windeseile aufsteigen und niedersinken, sie abh\u00e4ngen. Advon hatte das mit gro\u00dfem Vergn\u00fcgen und Genuss ausgetestet. Erst sp\u00e4ter, nachdem die Eltern ihn wieder in ihre Arme geschlossen hatten und dabei ohne Unterlass Patagh\u00edu gepriesen hatte er verstanden, wie gef\u00e4hrlich das gewesen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"926510e0f705c98532df258cdf5dc47d\">Jedenfalls: Wenn Sie Farbenspiel aus den Augen verloren, w\u00fcrde er ihnen vielleicht entwischen, wenn er Geschmack an der Freiheit fand. Advon seufzte w\u00fctend. Dass Farbenspiel gerade jetzt auf Abwege geriet, da er ihn doch so dringend brauchte, warf seine ganzen aufregenden Pl\u00e4ne weit zur\u00fcck. Ohne das Einhorn konnte er das M\u00e4dchen nicht aus dem Ciel\u00e1stel bringen, und den Mann in der W\u00fcste retten schon gar nicht. Musste sein bester Freund ausgerechnet jetzt entspringen?<\/p>\n<p data-p-id=\"9e144d396fcae7dc181a0bda4bd02c7d\">Der Blaue war zur\u00fcckgeblieben, denn sein eigenes Reittier stand ihm gerade nicht zur Verf\u00fcgung. Ohne Erlaubnis Perlenglanz zu reiten, kam nicht in Frage, zumal C\u00fdel\u00fas Einhorn noch ersch\u00f6pft von dem langen Ritt war und ausruhen sollte. Also lie\u00df der Blaue nur hilflos die Arme sinken, schaute kopfsch\u00fcttelnd der wilden Jagd am Himmel nach und bezog dann wieder den Wachposten am Tor. Der Stallmeister lie\u00df sich mitten auf dem Hof nieder, vergrub das Gesicht in den H\u00e4nden und blieb in seiner Verzweiflung allein.<\/p>\n<p data-p-id=\"14f2b8ed0f26055b59905ece91e6263a\">Und Sileda\u00fa? Die war, kaum dass die Regenbogenritter ihre Tiere auf den Hof geholt hatten, blitzschnell ihrerseits in den Stall geeilt, ohne dass der Blaue und der Mensch es in der Hektik bemerkt hatten. Aber Advon, der hatte es gesehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7e4fb3fe0dc606ee4cce7c1219e009b1\">Was, bei den M\u00e4chten, war da im Stall geschehen, das Sileda\u00fa so alarmierte? Ob die Alte das kleine M\u00e4dchen etwa ausgerechnet in den Stall gebracht hatte? Ob D\u00fdamir\u00e9e etwas mit Farbenspiels Erschrecken zu tun hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"1dbec96bb55bf388f19803a4a848833f\">Advon rappelte sich auf und blickte kurz den drei <em>arcaval&#8217;ay<\/em> hinterher. Und wenn Farbenspiel sich doch einfangen lie\u00df? Vielleicht w\u00fcrde er sich beruhigen und von selbst zur\u00fcckkehrten, sobald er seine Artgenossen in der N\u00e4he bemerkte. Die drei Ritter w\u00fcrden ihn dann einkreisen, in ihre Mitte nehmen und mit ihm zur\u00fcckkehren. Das jedoch w\u00e4re fast noch ung\u00fcnstiger, denn dann konnte Advon nichts tun. Vielleicht w\u00fcrde man Farbenspiel anschlie\u00dfend wieder die Ketten anlegen, so ungerecht das war. Was konnte schlie\u00dflich das unschuldige Tier daf\u00fcr, wenn jemand seine T\u00fcr offenlie\u00df?<\/p>\n<p data-p-id=\"4d05565caec63511bd5d8f724ff581ce\">Die Ritter w\u00fcrden versuchen, den Hengst davon anzuhalten, in bewohnte Gegenden zu laufen und dort Chaos anzurichten. Solange sie ihn nicht zu fassen bekamen, gab es Hoffnung. Zumindest dann, wenn Farbenspiel sich entschied, an ihrem Treffpunkt zu warten.<\/p>\n<p data-p-id=\"c556ee5af348662610d5e95c34836939\">Der Junge hetzte weiter \u00fcber die Br\u00fccke, hinein in den Ciel\u00e1stel und \u00fcber Treppen und Flure dorthin, wo der r\u00fcckw\u00e4rtige Eingang zum Stall war. Der Weg, den er immer benutzte, wen er sich zu Farbenspiels Verschlag schlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"4d0f01f849b6667a163bc834147cd1c1\">\u201eWas hast du angerichtet, du f\u00fcrchterliches Balg!&#8221;, schimpfte Sileda\u00fa ganz in der N\u00e4he. \u201eWie weit willst du es treiben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"926a1975acc174b4932e5c7a7adf4beb\">Keine Antwort. Fluchend griff die Alte zu und warf leichteres Ger\u00fcmpel beiseite, unter dem der Prachtvogelk\u00e4fig begraben lag. K\u00e4sten und Stallwerkzeuge lagen kreuz und quer verteilt, Beh\u00e4ltnisse hatten sich zum Teil ge\u00f6ffnet. Aus ihnen hatte sich ein Regen von Kleinkram auf den Boden ergossen. Ein Tiegel mit irgendeiner ranzig gewordenen Kr\u00e4utersalbe, der vermutlich mehrere Sommer vergessen hier gestanden hatte, war am Boden zerschellt. Ein seltsam s\u00e4uerlich-w\u00fcrziger Geruch erf\u00fcllte den Stall.<\/p>\n<p data-p-id=\"42446f8234087ebe0973f480807547a1\">\u201eDer Stapel ist umgefallen&#8221;, sagte das Kind kleinlaut. Die gro\u00dfe Unordnung schien es nicht allzu betroffen zu machen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a194fb0527a815df7651ba98d87f8509\">\u201eVon ganz allein? Irgendeinen Unfug hast du da drin veranstaltet!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f018b941d602a5a646859c49545ef46e\">\u201eNein, das war ich nicht&#8221;, beteuerte das Kind.<\/p>\n<p data-p-id=\"616941d772bad94cc4aefb6afd83a926\">Sileda\u00fa stand nun \u00fcber dem umgekippten Vogelk\u00e4fig und warf erst dem Kind einen zornigen Blick zu und dann zu dem offenstehenden Einhornverschlag gegen\u00fcber. \u201eDu l\u00fcgst&#8221;, zischte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"1e64b2b5936c999cf131ee8fc1b1600b\">\u201eNein, tue ich nicht. Das sch\u00f6ne Einhorn hat nach dem Gitter getreten, aber das Schloss ist nicht aufgesprungen. Seine Klaue ist daran h\u00e4ngen geblieben, und dann hat es versucht, sie wieder rauszuziehen, und dabei hat es an den Stangen geruckt und dann ist alles ins Rutschen gekommen und er hat ganz viel Krach gemacht und geknallt, und dann hat das Einhorn sich erschrocken und ist fortgelaufen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b0d3098994b86ed7e17f81b09259ecb4\">Sileda\u00fa schloss die Augen und zwang sich zur Ruhe. Das Kind log nicht, nat\u00fcrlich nicht. Schattens\u00e4nger logen <em>niemals<\/em>. Stattdessen neigten sie dazu, entscheidende Details nicht zu erw\u00e4hnen. Wie hatte das Balg es nur fertig gebracht, den Gaul ohne Magie aus seinem Verschlag zu holen?<\/p>\n<p data-p-id=\"bf511e139198b7f3818dbc19834b80ce\">\u201eAdvon Ir\u00edsolor wird nicht erfreut sein, dass du ihm sein Haustier weggejagt hast&#8221;, sagte die Alte stattdessen. \u201eZu schade. Die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> sind schon hinter dem Vieh her. Du wenn sie es erwischen &#8230;&#8221; Sie neigte sich \u00fcber den K\u00e4fig, so dass sie dem am Boden liegenden Kind tief in die Augen sehen konnte. Die Kleine wich so weit zur\u00fcck, wie sie konnte, aber sie wandte sich nicht ab.<\/p>\n<p data-p-id=\"9ee416ce75c1d5d0ab231c16b97d9bb5\"><em>Beeindruckend<\/em>. Ob sie diesen Mut von ihrem Vater geerbt hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"2aa6a65ff07b264f34584799ff8c3b9b\">\u201eWenn sie den Gaul niederringen&#8221;, vollendete die Alte den Satz, \u201edann hauen sie ihm seine Fl\u00fcgel und das Horn ab. Dann mag das Vieh vor einem Ackerpflug dienen, wenn es Gl\u00fcck hat. Schade. Advon hatte sich so darauf gefreut, einmal als stolzer Regenbogenritter darauf am Himmel reiten zu k\u00f6nnen. Damit ist es jetzt aus. Du hast seinen gr\u00f6\u00dften Traum zunichtegemacht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"67213d8cc399f2e9f7852ad3a881e99f\">\u201eDie Regenbogenritter tun dem Einhorn nichts!&#8221;, widersprach das Kind, aber es klang verunsichert.<\/p>\n<p data-p-id=\"bb4df1974cbe2d3aee926d04bdd25245\">\u201eEs ist die oberste Regel der <em>arcaval&#8217;ay<\/em>, Menschen nicht in Gefahr zu bringen. Das bezieht sich auch auf toll gewordene Haustiere, ohne Unterschied zwischen bissigen Scho\u00dfh\u00fcndchen und entsprungenen Kriegsr\u00f6ssern. Jedenfalls bist du verantwortlich, dass Advon sein geliebtes Ross verloren hat, noch bevor es zugeritten war.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"639d910e9ce71c4c85950423614d6de5\">Das M\u00e4dchen lie\u00df den Kopf h\u00e4ngen. Sileda\u00fa f\u00fcgte hinzu: \u201eDu bringst Ungl\u00fcck, Kind. Du bist verflucht. Du solltest nie geboren worden sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7d2f521acaa1fdff20e74bddd4a2fe9d\">D\u00fdamir\u00e9e verbarg das Gesicht in den H\u00e4nden. \u201eWenn mein Papa mich befreit&#8221;, sagte sie leise, \u201emacht er alles wieder gut.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1eb11760f8f8e501f3926e7574253a1b\">\u201eDein Vater l\u00e4sst sich erstaunlich viel Zeit. Wann glaubst du denn, dass er hier eintrifft, um sich um dich zu k\u00fcmmern? Ist es nicht vielleicht so, dass er froh darum ist, dich los zu sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a7bc512ece8c2237380f36f7836a09a5\">\u201eWieso?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eae7beab80497b41c712c91761693a03\">Sileda\u00fa schaute sich um. Hatte sie die Zeit f\u00fcr diese Diskussion? Nun, warum nicht? Der Stallmeister war drau\u00dfen und am Boden zerst\u00f6rt. Der Blaue hatte in Ermangelung einer sinnvollen Handlungsm\u00f6glichkeit wahrscheinlich wieder Posten am Tor bezogen. Advon war bis auf Weiteres mit seinem Buch hinter einem un\u00fcberwindbaren Schloss eingesperrt. Was sollte ihr in die Quere kommen?<\/p>\n<p data-p-id=\"6eaf5878ee034eda8947f2c96af34299\">\u201eWeil du unn\u00fctz bist nat\u00fcrlich! Was soll ein Schattens\u00e4nger denn mit einem unkundigen Kind anfangen? Dazu noch mit einem M\u00e4dchen, das fr\u00fcher oder sp\u00e4ter m\u00f6glicherweise seinem eigenen Fluch zum Opfer fallen wird? Was auch immer ihn dazu bewogen haben mag &#8230; Fleischliches mit einem Weib zu treiben, wie auch immer das \u00fcberhaupt vonstattengegangen sein soll, sicher hat er sich erhofft, aus seinem eigenen Blut Magisches zu erschaffen. Nicht etwas &#8230; Wertloses ohne Magie. Vielleicht ist er froh, dich los zu sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9a96423c4a6293d5917407c7e90e5f5f\">\u201eGanz bestimmt nicht&#8221;, sagte das Kind, das offensichtlich gro\u00dfe Teile des Gesagten nicht verstanden hatte. \u201eMein Papa hat uns lieb, mich und meine Mama.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6a7f03d96ca1ae14bc725e4dcb5b16db\"><em>Lieb<\/em>? Nun wurde es weder absurd. Sileda\u00fa wollte weiter spotten, da f\u00fcgte das Kind hinzu: \u201eAber er muss doch erst einmal erfahren, dass Meister C\u00fdel\u00fa mich gestohlen hat. Weil er doch in dem <em>teirandon<\/em> hinter dem Montaz\u00edel ist, um den unkundigen Menschen zu helfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a6a8f647da10e69a9058142f153c6cca\">\u201eDeine Mutter wird ihn doch wohl dar\u00fcber informiert haben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"23a076cdfa88da0913c87947d4c3ffe4\">\u201eIch wei\u00df nicht, ob sie das kann&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e leise. \u201eSie kann doch nicht so gut zaubern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbcdb243bcd95dafa99378d51de4218d\">Die Alte lie\u00df sich auf einer der umgest\u00fcrzten Kisten nieder. Nun, es w\u00e4re zu sch\u00f6n gewesen, wenn alles z\u00fcgig der Reihe nach ineinandergegriffen h\u00e4tte. Was das Kind da sagte, war einsichtig. Bevor der Schattens\u00e4nger von der Entf\u00fchrung nichts wusste, w\u00fcrde er nicht auftauchen, um die Kleine auszul\u00f6sen. Umso dringlicher war es, dass das Kind schnellstm\u00f6glich aus dem Ciel\u00e1stel verschwand. Nun, das w\u00fcrde sich bald erledigt haben. Und wie gut meinte das Schicksal es mit ihr, dass gerade jetzt bis auf einen alle Regenbogenritter ausgeflogen waren. Elos\u00e1l und C\u00fdel\u00fa mit einem Teil der Magier, um sich etwas anzuschauen, was der Meinung der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> nach das Urteil der <em>faj\u00eda<\/em> erforderte, wie der Blaue erkl\u00e4rt hatte. Der Rest, um das just im rechten Moment entsprungene Einhorn einzufangen. Besser konnte es gar nicht kommen in der Folge der Zeit. Es war gerade ideal. Es war &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"d43769bc1c2ce0a293a9070f6b02014d\">Sileda\u00fa runzelte die Stirn. Was konnte es geben, was die pers\u00f6nliche Anwesenheit der <em>faj\u00eda<\/em> erforderte? Wor\u00fcber hatten sie geredet, Elos\u00e1l, C\u00fdel\u00fa und die Sieben, w\u00e4hrend sie selbst abgelenkt war?<\/p>\n<p data-p-id=\"3db659a700d69242c5874e1eaaeb9e39\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"587172e22109d8c4849f4025d8088aee\">Der Blaue konnte den Jammer des Stallmeisters nicht ertragen, h\u00e4tte aber auch nicht gewusst, wie er den Menschen h\u00e4tte aufmuntern sollen. Dass Farbenspiel entwischt war, hatte der Mann sicher in irgendeiner Weise mitverschuldet, aber so schlimm, dass er sich deswegen nun selbst bestrafen musste, indem er mitten in der Sonne sitzen blieb, war es nun auch wieder nicht. Die drei <em>arcaval&#8217;ay<\/em> hatten umgehend reagiert und die Verfolgung aufgenommen. Den jungen Einhornhengst einzufangen, w\u00fcrde nicht allzu schwierig sein. Das gutm\u00fctige Tier neigte nicht dazu, \u00c4rger zu machen. Es war eben noch jung und schreckhaft. Mit Advon Ir\u00edsolor als Reiter, sobald der die notwendige Gr\u00f6\u00dfe und Kraft daf\u00fcr hatte, w\u00fcrde das Einhorn sich pr\u00e4chtig entwickeln.<\/p>\n<p data-p-id=\"b0d6fa46cc0383cbb6f4dabc495908af\">Der Ritter gab sich einen Ruck und wollte gerade seinen Posten verlassen, um den Mann wenigstens davon zu \u00fcberzeugen, in den Schatten zu gehen, da bemerkte er die Reiter, die auf die Zugbr\u00fccke zuhielten. Also blieb er stehen und schaute den beiden M\u00e4nnern fragend entgegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a77822c33281b3cc3dee0aebd86beaf5\">Unkundige am Ciel\u00e1stel waren nichts besonders Ungew\u00f6hnliches, aber in der Regel waren es immer dieselben Personen, die etwas hier zu schaffen hatten, Futterlieferanten etwa oder <em>vendyray<\/em>, die irgendetwas feilboten, das sich die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> nicht selbst beschaffen konnten. Die zwei hier hatte der Blaue noch nie hier gesehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"34b52672efbccc7db54b648c517523f2\">Auch die beiden M\u00e4nner waren wahrscheinlich noch nie so nahe am Heiligtum gewesen, denn sie glotzten staunend um sich und schienen zutiefst beeindruckt von den hohen, schillernden und gl\u00e4nzenden Mauern aus wei\u00dfem Stein, Glas, Gold und Kristall. Dass der Torw\u00e4chter ihnen den Weg versperrte, schienen sie erst richtig gewahr zu werden, als ihre Pferde anhielten. Die Tiere, ordentliche, aber wenig bemerkenswerte Lastentr\u00e4ger, geh\u00f6rten zu einem Mietstall in Aur\u00f3p\u00e9a, wie Plaketten an Sattelzeug und Zaum besagten. Einer f\u00fchrte am Z\u00fcgel ein Maultier, dem ein Gestell mit zwei gro\u00dfen Lastk\u00f6rben aufgeladen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"a5703c812798177785f361029ead17f8\">\u201eWie kann ich euch helfen?&#8221;, fragte der Blaue h\u00f6flich.<\/p>\n<p data-p-id=\"3365063bba61b8908165eb88d0970297\">\u201eSollen hier was abholen&#8221;, sagte einer der beiden grobschl\u00e4chtigen Burschen.<\/p>\n<p data-p-id=\"802011ff9876fbcdf96b4756cafa59fa\">\u201eAbholen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a2df9a8db63f342b7c5a78a8cedea29\">Der andere reichte dem Regenbogenritter ein K\u00e4rtchen. \u201eHier. Die hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d2f8c7471f1ac870d3cfbd5df9ea4e61\">Der Ritter studierte die Zeilen, nickte und gab sie dem Mann zur\u00fcck. \u201eAh. Ihr sucht Sileda\u00fa. Ist ihr wohl doch noch etwas eingefallen, was die Gro\u00dfmeisterin nicht mehr in diesen Mauern haben will, was? Was ist es diesmal? Noch mehr B\u00fccher? Oder hat sie Artefakte \u00fcbersehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f3eb48c080eaab05a93d923b18dd877d\">\u201eWir sollen&#8230;&#8221;, setzte der eine an, aber der andere fiel ihm ins Wort: \u201eWo finden wir diese Frau?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"11d67d1d0e6f23ca3e99e0106cd6705c\">Der Blaue zuckte die Achseln. \u201eSie war vorhin noch hier und kann nicht weit sein. Fragt den Mann da hinten, er soll euch suchen helfen. Er kennt sich im Geb\u00e4ude aus. Dann geht er vielleicht auch aus der Sonne heraus.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a8bef7adedcc04dd43e3ddd465bd94d3\">\u201eWas is&#8217; dem denn passiert?&#8221;, fragte der, der etwas d\u00fcmmlicher zu sein schien.<\/p>\n<p data-p-id=\"8873fe6d257775fb09a84e92efc8a7fe\">\u201eFragt ihn selbst. Hauptsache, er kommt weg von da, wo er gerade ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5868179a411deb28e839c3bc7ab981a4\">Er lie\u00df die beiden passieren und beobachtete, wie sie auf den Stallmeister zuritten. Der Mensch blickte auf, die drei wechselten einige Worte miteinander und dann stand der eine auf und die beiden anderen stiegen ab. Die Ank\u00f6mmlinge f\u00fchrten ihre Pferde hinter dem Stallmeister her in den Stall. Nat\u00fcrlich. Der Blaue l\u00e4chelte. Der gutherzige Mensch w\u00fcrde es nicht zulassen, dass Tiere in der Hitze standen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5cbfa360a09ab447b38ba5546eba7dec\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"5821356cca98266626a81b190cc30bbd\">Advon hatte nicht alles angeh\u00f6rt, was Sileda\u00fa zu D\u00fdamir\u00e9e gesagt hatte. Aber als er vorsichtig hinter der Durchgangst\u00fcr hervorgelugt, die Alte gesehen und sich schnell wieder zur\u00fcckgezogen hatte, war diese noch so sehr damit besch\u00e4ftigt, boshafte Dinge zu dem kleinen M\u00e4dchen zu sagen, dass sie ihn gar nicht bemerkt hatte. D\u00fdamir\u00e9e war also tats\u00e4chlich hier, wo auch immer sie sich gerade befand. Vielleicht hatte sie irgendetwas damit zu tun, dass Farbenspiel ausgebrochen war. Ob sie ihn freigelassen hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"44533a6aba1b381b9769ce31b1d150b1\">Von seinem Standort aus konnte er sehen, dass einiges von dem Zeug, das in der Ecke gelagert hatte, umgefallen war. Hatte Farbenspiel das etwa getan? Hatte er das Zeug neugierig untersuchen wollen, das er von seinem K\u00e4fig aus immer sehen, aber nie beschnuppern konnte? Kein Wunder, dass er sich erschreckt hatte, wenn ihm dabei all die Sachen entgegengefallen waren. Advon grinste fl\u00fcchtig. Dann erklangen Huftritte am anderen Stallende, nicht das gewohnte Klackern von Einhornklauen, sondern metallbeschlagenes Trampeln wie von Pferden. Sileda\u00fa unterbrach ihre hasserf\u00fcllten Gemeinheiten, erhob sich und ging nachschauen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6653b1029d6cab218b952b6a10d5c897\">Advon schaute um die Ecke und entdeckte den umgefallenen Prachtvogelk\u00e4fig, bedenklich verbeult, in dem D\u00fdamir\u00e9e lag, ohne sich aufsetzen zu k\u00f6nnen. Aber sie bemerkte die Bewegung und wandte sich ihm zu. Ein freudiges L\u00e4cheln breitete sich \u00fcber ihr verweintes Gesicht und ein warmes, gro\u00dfes Gef\u00fchl sich in seinem Herzen aus. Er legte den Finger auf die Lippen. Sie nickte.<\/p>\n<p data-p-id=\"2aa6472889e4aed6394081f2b16c4f64\">\u201eOh&#8221;, h\u00f6rte er den Stallmeister zu jemandem sagen. \u201eDa ist sie ja. Ihr habt Gl\u00fcck!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"76ac9fcc552be4752f3a90fad3eca1b8\">\u201eBitte du die M\u00e4chte besser um Gl\u00fcck f\u00fcr dich&#8221;, fuhr die Alte ihn an. \u201eIch werde schon noch herausfinden, was hier vorgefallen ist!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8793a340ee0930a0c35c03225789ff4f\">\u201eIch hab alles gemacht, wie ich sollte!&#8221;, wehrte sich der Stallmeister, mit einer Furcht in der Stimme, wie Advon sie nicht von ihm kannte. \u201eIch &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7f6c6fe3ffee9f6e8bbd939ec353cccf\">\u201eRechtfertige dich sp\u00e4ter, ich hab jetzt keine Zeit f\u00fcr dich. Hast du nicht drau\u00dfen was Besseres zu tun? Es muss nicht jeder gaffen, was ich Privates zu bereden habe! Du gehst mir besser eine Weile aus den Augen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f4af1885deab8dc704d118ba0d899795\">Der Unkundige, der sich so gut um, die Tiere k\u00fcmmerte, z\u00f6gerte. Sileda\u00fa wartete ungeduldig.<\/p>\n<p data-p-id=\"b509860d3ada8219dd89b40f4f5227e9\">\u201eIch glaub&#8217;, ich will von dem allem gar nichts wissen&#8221;, sagte er und trollte sich. Er packte seine Mistkarre und zog sie nach drau\u00dfen. Der Misthaufen war au\u00dferhalb der Burgmauern. Das gab Sileda\u00fa etwas Zeit.<\/p>\n<p data-p-id=\"94f86804f943c821f9196bcb55df20b0\">\u201eUnd ihr zwei? Da seid ihr ja endlich! Was steht ihr da rum und glotzt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3742693bc847a987044532cdf6541a0f\">\u201eDer <em>sinor<\/em> schickt uns&#8221;, sagte eine Stimme, die Advon merkw\u00fcrdig bekannt vorkam. \u201eSollen hier was abholen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"18e0c9d9ebbdbbe50e9533b416b0aa2d\">\u201eIch wei\u00df! Und je schneller ihr das tut, umso besser! Kommt mit!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1bedbeeaa5af71bb8d9d50c143f007c3\">Advon zog sich lautlos wieder zur\u00fcck. Die Pferdetritte und Schritte von Menschen n\u00e4herten sich. Perlenglanz schnaubte die Tiere an, als sie an ihm vorbei gef\u00fchrt wurden. Ein Maultier antwortete furchtlos.<\/p>\n<p data-p-id=\"55def260d9a65e0c7a5f40b6024f282f\">\u201eWas hat euch aufgehalten&#8221;, schimpfte Sileda\u00fa. \u201eL\u00e4ngst h\u00e4ttet ihr hier sein m\u00fcssen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8864c0a286273e2ff0e9c95dbcae00f4\">\u201eWoher hast du \u00fcberhaupt gewusst, dass wir kommen?&#8221;, fragte eine zweite Stimme, von der Advon \u00fcberzeugt war, dass er sie kannte. Wenn er doch nur nachschauen k\u00f6nnte!<\/p>\n<p data-p-id=\"37ed35fca340e0f091dd58200d867f61\">Sileda\u00fa schwieg mitten in ihrer Schimpftirade, als sei sie f\u00fcr einen winzigen Augenblick verwirrt. Dann redete sie weiter, als habe sie nichts geh\u00f6rt.<\/p>\n<p data-p-id=\"76ede63231e656961d1bd35abc2ab665\">\u201eDa drin&#8221;, sagte sie. \u201eIhr wisst, was ihr zu tun habt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a09f3474ee0a92ab955c4acb42de0af6\">\u201eDas ist ja &#8216;n kleines M\u00e4dchen&#8221;, sagte der eine Mann verbl\u00fcfft.<\/p>\n<p data-p-id=\"625bfd46ed283b7b31e54d4d0f76cbe2\">\u201eIch hei\u00dfe D\u00fdamir\u00e9e&#8221;, antwortete das Schattens\u00e4ngerkind arglos.<\/p>\n<p data-p-id=\"a6bc934fd01abfa61cdff6dad0ea7984\">\u201eDu bist still&#8221;, raunzte Sileda\u00fa, besann sich und f\u00fcgte hinzu: \u201eBesser, ihr verschlie\u00dft ihr den Mund.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"de69d70df56656e5864cbcec4e9174b0\">\u201eAber das h\u00e4tte der <em>sinor<\/em> \u00daldaise uns sagen m\u00fcssen!&#8221;, beschwerte sich einer der beiden. \u201eJetzt haben wir gar kein Metallzeug beim Zeughaus vom <em>konsej<\/em> abgeholt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"47e329c94a6e314d6a9b6a7283bb915c\">Advon runzelte die Stirn. <em>Sinor<\/em> \u00daldaise? Schon wieder? Waren die beiden etwa &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"987a4690986c43a2cffa653caa548376\">Er wagte es und schaute vorsichtig nach. Tats\u00e4chlich! Die beiden grobschl\u00e4chtigen Handlanger des Rats\u00e4ltesten! Die, denen er den Kuchen geschenkt hatte und die irgendetwas mit dem Feuer im Garten zu tun hatten! Sileda\u00fa kehrte ihm den R\u00fccken zu, w\u00e4hrend die beiden sich an dem K\u00e4fig zu schaffen machten. Der eine hob D\u00fdamir\u00e9e auf, mit bemerkenswerter Vorsicht. Dem anderen dr\u00fcckte Sileda\u00fa ein St\u00fcck Kordel in die Hand, die vielleicht im Ger\u00fcmpel gelegen hatte. Offenbar sollte er das M\u00e4dchen damit fesseln.<\/p>\n<p data-p-id=\"1c50f56fc11cdca5794f12dacf0ad267\">Advon ballte die F\u00e4uste und hielt den Atem an. Das M\u00e4dchen machte es den M\u00e4nnern einfach, indem es sich mit keiner Regung wehrte. Advon hatte erwartet, dass sie \u00e4ngstlich kreischen und um sich treten w\u00fcrde. Aber sie schien keinen Widerstand zu leisten. Das erstaunte ihn, nachdem sie sich doch so t\u00fcchtig gegen die Alte zur Wehr gesetzt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a0bb84bbfa84305601babfaa7009199e\">\u201eWo bringt ihr mich denn hin?&#8221;, fragte sie stattdessen zutraulich.<\/p>\n<p data-p-id=\"02a46ef740043c0239461d5a8bd15491\">\u201eUnser Herr sagt, in seinem Garten &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"090cf0f10f9692858c87e99b71db703a\">\u201eHalt den Mund, unversch\u00e4mtes G\u00f6r&#8221;, fiel Sileda\u00fa ihr ins Wort. \u201eDu da! Hast du noch von dem Zeug bei dir, was ihr f\u00fcr den <em>b\u00e1chorkor<\/em> benutzt habt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d8fa5f3b0931db7b92633e1ae8e4b7fb\">\u201eWoher &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"32dff2e8721c5efd62f6c9492acd2cfd\">\u201eIch hab noch was&#8221;, sagte der andere. Advon h\u00f6rte, wie er sich an etwas zu schaffen machte und nahm dann einen s\u00fc\u00dflich-bitteren Geruch war, ganz zart und fl\u00fcchtig. Er vermengte sich mit dem der ranzigen Salbe.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c95fed0eca651427519b8ea04a32c4a\">\u201eHier, Kleines!&#8221;, sagte der d\u00fcmmlichere der beiden. \u201eSchnupper mal da dran! Ist wie ein Duftwasser von den feinen Damen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6d208a2e325d50c3ecf9d7bfef0cecb6\">\u201eWo habt ihr denn Duftwasser her?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e interessiert. \u201eUnd warum benutzt ihr es nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"51ce903d75ae2154cf0b0b1174fca472\">\u201eHe!&#8221;, emp\u00f6rte sich der andere. \u201eSoll das hei\u00dfen, wir stinken?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4c8e9333ac13c7efe4940e53a9172496\">Sileda\u00fa schnaufte entnervt auf, riss dem grobschl\u00e4chtigen Kerl ein kleines Fl\u00e4schchen aus der Hand und sch\u00fcttete D\u00fdamir\u00e9e den Inhalt kurzerhand ins Gesicht. \u201eSei still!&#8221;, fauchte die Alte.<\/p>\n<p data-p-id=\"d65758127715295654a4677ed1618d44\">\u201eDas riecht wie Nachtwindenkr &#8230;&#8221;, plapperte D\u00fdamir\u00e9e, ohne das Wort zu vollenden. Sie murmelte nur noch etwas mit schleppender Stimme, dann erschlaffte ihr K\u00f6rper im Griff von \u00daldaises Knecht.<\/p>\n<p data-p-id=\"bff39f61136aac380edcd3b85d9ce885\">\u201eBringt sie weg&#8221;, sagte Sileda\u00fa und warf das Fl\u00e4schchen zu dem verstreuten Ger\u00fcmpel. \u201eDas Mittel wird nicht lange halten. Sobald ihr au\u00dfer H\u00f6rweite des Ciel\u00e1stel seid, mag sie kreischen und winseln, so viel sie will. Ihr seid gut beraten, auf nichts von dem zu h\u00f6ren, was sie mit ihrem s\u00fc\u00dfen Stimmchen und unschuldigem Blick in Euren Verstand setzen will. Dieses Kind ist gef\u00e4hrlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1608643cf8ab4e91771600fddfdb7110\">\u201eGef\u00e4hrlich? Die Kleine?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"29f24020d4122ee7c726917a7f0682ed\">\u201eSie ist t\u00f6dlich. Wenn \u00daldaise sie nicht lebendig br\u00e4uchte, l\u00e4ngst h\u00e4tte ich sie ausgemerzt. Also, denkt an meine Worte, schafft sie fort und k\u00fcmmert euch nicht um das, was sie von sich gibt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c61f94e24f48c76d8896bff7876fda04\">Die beiden murmelten etwas. Dann \u00f6ffnete der eine einen der Tragekiepen, die auf das Maultier geschnallt waren, und lie\u00df das bewusstlose Kind sorgsam hineingleiten.<\/p>\n<p data-p-id=\"69c9bda6d861ff601ef3e970efdc75ea\">\u201eWoher wei\u00dft du, was wir mit dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> gemacht haben?&#8221;, fragte der Kl\u00fcgere der beiden misstrauisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"ad2f2cdfd2b169e5d0edd93fe25a47ca\">\u201eEs spricht sich herum&#8221;, versetzte Sileda\u00fa. \u201eUnd nun geht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"05b83cffee2cabde5f13e7ed3ad0b6bb\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd94992ca90af5f5d1930c3d45085f78\">\u201eLass sie doch&#8221;, redete der andere auf seinen Gef\u00e4hrten ein. \u201eKeine Fragen, guter Verdienst. Geht uns nichts an, warum wir hier Kinder aus&#8217;m Stall von den Buntkerlen abholen sollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55fd4f37707220afee1997bb8cb72351\">\u201eWir schon seine Gr\u00fcnde haben. Hast recht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2bc283636acd3f6f82373b396c070577\">\u201eDas ist vern\u00fcnftig von euch. Immerhin wird Euer Herr Euch reich bezahlen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6913fa932646be3ee81e285ea45074bf\">\u201eJa. Drei\u00dfig Opale. F\u00fcr jeden&#8221;, prahlte der Erste.<\/p>\n<p data-p-id=\"b7c13d59087de8f1ce1e885cbe720a34\">\u201eSo. Drei\u00dfig&#8221;, sagte Sileda\u00fa ruhig.<\/p>\n<p data-p-id=\"a0162dbc6d338c6def3b3403b8cbb8f5\">\u201eDaf\u00fcr, dass wir den <em>b\u00e1chorkor<\/em> zum Verrecken in die W\u00fcste gebracht haben, hat er uns viel weniger ausgezahlt&#8221;, beschwerte sich der andere. \u201eUnd das war viel mehr Arbeit!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"25940f2e0269e3ee2ab5339950fd93e5\">\u201eUnd am Ende ist der Kerl auch noch aufgewacht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b0ceaf71cb24ffa8595a1e3048531b2\"><em>Aufgewacht?<\/em> Advon wagte einen weiteren Blick.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d460fd5a41cf5583d3420cf5c1b91af\">\u201eIch bin sicher&#8221;, sagte Sileda\u00fa, \u201edass ihr daf\u00fcr euren gerechten Lohn bekommen werdet. Und nun sputet euch. \u00daldaise wird nicht sehr erfreut sein, wenn ihr noch hier seid, bevor er hier eintrifft. Ich f\u00fchre Euch \u00fcber die Br\u00fccke, dann m\u00fcsst ihr keine dummen Fragen beantworten. Die Regenbogenritter sind ehrbar, aber zuweilen schrecklich neugierig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"790c791eb29dafffd215e57674875222\">Die Alte ging voran und f\u00fchrte die beiden Knechte aus dem Stall. Perlenglanz giftete den Pferden zum Abschied gro\u00dfspurig hinterher.<\/p>\n<p data-p-id=\"a6a94e76972e2535b81e996995f23040\">Advon wartete, bis die Menschen den Stall verlassen hatten. Dann verlie\u00df er seine Deckung. Wenn es ihm nur gelang, ebenfalls nach drau\u00dfen zu huschen und den Blauen zu alarmieren, dann &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"1238eebc22942c26d556762883c9f501\">Der Junge z\u00f6gerte. Dann besann er sich eines Besseren. Konnte es denn trefflicher kommen als jetzt? Diese beiden sonderbaren Kerle bef\u00f6rderten D\u00fdamir\u00e9e gerade heraus aus dem Ciel\u00e1stel, mit Billigung der Alten. Ohne, dass er selbst daf\u00fcr ein Wagnis eingehen musste. Mehr noch: Er wusste sogar, wohin sie sie bringen w\u00fcrden. Den Weg zum Garten kannte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"f2a8487c36e7e5cc11afe3966e320cff\">Advon drehte sich um, schl\u00fcpfte wieder zur\u00fcck ins Geb\u00e4ude und begann, zu rennen. Fast w\u00e4re er auf dem silbernen Fl\u00e4schchen ausgerutscht, das am Boden lag.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2594","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2594","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2594"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2594\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3829,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2594\/revisions\/3829"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2594"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2594"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2594"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}