{"id":2593,"date":"2025-08-25T13:07:26","date_gmt":"2025-08-25T11:07:26","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2593"},"modified":"2025-09-01T09:30:11","modified_gmt":"2025-09-01T07:30:11","slug":"083-ein-riss-im-realen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/083-ein-riss-im-realen\/","title":{"rendered":"083: Ein Riss im Realen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"75bd8a8bae2369e2ee753f232edd9744\">Yalomiro lehnte den Stab an die Wand, nahm etwas von dem Sand in die Hand und rieb ihn zwischen den Fingern. Seine Miene wechselte von irritierter Verwunderung hin zu intensivem Nachdenken und dann zu einer Besorgnis, die mich ver\u00e4ngstigte.<\/p>\n<p data-p-id=\"cce6d9f4c63f64ef598dfdfe5f3593a5\">\u201eWas ist das?&#8221;, fragte ich bang.<\/p>\n<p data-p-id=\"0020b7d3f5c82cd465ebc02069d0d406\">\u201eEin Zeichen&#8221;, murmelte er. \u201eNein, eine Katastrophe. Bei den M\u00e4chten, ich habe doch geahnt, dass etwas missgl\u00fcckt sein muss.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fbad145af44735f0f729442bda38423e\">\u201eWas ist das denn?&#8221;, wiederholte ich.<\/p>\n<p data-p-id=\"aaf7d9a47f8fd5706bca92f5273ca09d\">\u201eSand&#8221;, sagte er geistesabwesend.<\/p>\n<p data-p-id=\"35131840dafda7d84a2cdba818eaca4b\">\u201eUnd wie kommt der in deinen Schuh?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"627e16ad3f890663b2a25ada2ba1805a\">\u201eDie Frage ist, <em>woher<\/em> er kommt. Halt das mal.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bead28378526091884106b9b26e063c0\">Er dr\u00fcckte mir D\u00fdamir\u00e9es Kuscheltier in die Hand, leerte auch seinen anderen Schuh aus und schl\u00fcpfte wieder hinein. Dann fegte er den Sand vom Boden zusammen in seine Handfl\u00e4che und betrachtete ihn einen Moment lang best\u00fcrzt. Es war sehr feink\u00f6rniger und heller, fast wei\u00dfer Sand. Vielleicht so viel, wie in einen kleinen Speisesalzstreuer f\u00fcr ein Fr\u00fchst\u00fccksei gepasst h\u00e4tte. Dennoch erschien mir die Menge zu gro\u00df, als dass Yalomiro die ganze Zeit damit herumgelaufen sein konnte, ohne dass es ihn gest\u00f6rt h\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"217285c6bc1974bf699f45a61f7aeb3c\">Er sang und warf den Sand dann einfach in die Luft. Ein Silberschimmer legte sich um die K\u00f6rner, so zart, dass ich ihn wahrscheinlich nur wahrnehmen konnte, weil es auf dem Korridor so dunkel war. Einen Moment lang sah es aus, als sei die kleine Sandwolke in der Luft erstarrt, aber tats\u00e4chlich sanken die K\u00f6rnchen nur sehr, sehr langsam zu Boden, wie Partikel in einer Schneekugel. Bis auf einen erstaunlich gro\u00dfen Anteil, der augenblicklich auf die Steinfliesen hinab prasselte und im Widerschein der silbigen Magie in einer Farbe schimmerte, die ich lange Zeit nicht mehr gesehen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f65d847c676d7debe307136db956618a\">\u201eDas ist Sand aus Soldes\u00e9r&#8221;, sagte Yalomiro stirnrunzelnd.<\/p>\n<p data-p-id=\"b539c3a4c1431e847ebd5d73b36c83b5\">\u201eWie kannst du das erkennen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"790be6b979cf03ed8f5897dd8291cad0\">Er deutete auf den Boden, auf die K\u00f6rnchen, an denen sein Zauber einfach abgeprallt war. \u201eAn dem hohen Goldgehalt. Es w\u00e4scht dort in der W\u00fcste aus wie im Norden das Salz ins Meerwasser.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1dd6bc8af7eeda089909265df55bb8f2\">\u201eWie kommt Sand aus der W\u00fcste in deine Schuhe? Ausgerechnet jetzt, da wir auf dem Weg nach Aur\u00f3p\u00e9a sind?&#8221; Ich kniete nieder und war versucht, die Goldk\u00f6rnchen anzufassen. Ich sp\u00fcrte, dass sie hei\u00df waren, aber es war eine so geringe Menge, dass es sich lediglich anf\u00fchlte wie eine warme Kaffeetasse in meiner Hand. \u201eKann es sein, dass der Regenbogenritter sich damit in Erinnerung bringen will? Sowas wie ein Drohbrief?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e6e4561ab7e7c114c3a13daf551bcb95\">\u201eNein. Das ist etwas viel Ernsteres. Mein Meister Ask\u00fdn hat einmal etwas \u00c4hnliches erlebt. Haben wir einen Handfeger und ein Kehrblech im Haus, Salghi\u00e1ra?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96831c7dd5ea6975a6e963a104cb926c\">\u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"76c04e80f62a283c91cb4930a8c092af\">\u201eWir m\u00fcssen diesen Sand <em>restlos<\/em> mitnehmen und wieder nach Soldes\u00e9r bringen. Wenn etwas davon hier im Eta\u00edmalon zur\u00fcckbleibt, k\u00f6nnte es &#8230; eindringen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6361a5e491b993393371d4dbbe51474c\">\u201eWas ist hier los, Yalomiro?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2134b43351050ca343c309e30c5fa349\">\u201eIch hatte dir erz\u00e4hlt, dass es Stellen an den Grenzen des Chaos gibt, die durchl\u00e4ssig sind. Orte, von denen aus es m\u00f6glich sein soll, unter sehr seltenen und ungl\u00fccklichen Umst\u00e4nden aus dem Weltenspiel ins Chaos zu geraten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0206e519d270ddd42713ebbb4584ab7e\">\u201eUnd?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"20cca9d36ff2b13007b674047a5dc45e\">\u201eOffenbar ger\u00e4t gerade etwas aus dem Chaos ins Weltenspiel hinein. Es verzerrt die Wirklichkeit. Wir m\u00fcssen schnell das Leck finden und schlie\u00dfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"09f81979d640ecfcdf3e26df09838ea9\">Ich schaute verwirrt auf den Sand hinab. \u201eAber wir m\u00fcssen doch D\u00fdamir\u00e9e retten!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c82941a8513e7eddd2f98e285b81ada\">\u201eDas tun wir auch, und zwar als allererstes&#8221;, beschwichtigte Yalomiro mich. \u201eAber wir d\u00fcrfen nicht zulassen, dass das Chaos in den Eta\u00edmalon tropft. Hol du das Kehrblech. Ich suche eine Dose.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"99e0af28bebac83edb89fdadfbae0a6c\">Ich gab ihm das Stofftier zur\u00fcck und eilte fort, ohne auf ihn zu warten. Dass sich der Sand nicht einfach zusammenzaubern lie\u00df, war mir klar. Selbst Yalomiro konnte nichts beschw\u00f6ren, das Gold beinhaltete.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ccb4bbbe08ffcad50b6117a14527a33\">Als ich zur\u00fcckkam, hatte Yalomiro eine kleine Dose aus reinem Silber aufgetrieben, worin er den Sand abschirmen konnte. Wir verbrachten viel zu viel kostbare Zeit damit, den gesamten Korridor auszufegen, damit uns kein K\u00f6rnchen entging.<\/p>\n<p data-p-id=\"e727d77a0d63516210b4ba1053ed5daa\">\u201eWie&#8221;, fragte ich ihn erneut, \u201eist W\u00fcstensand in deinen Schuh geraten? Hat es etwas damit zu tun, dass du Mor\u00e9aval diesen Wunschopal mitgegeben hast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bf9d3286ba823f33ddc837fd1af714f6\">\u201eJa&#8221;, sagte er einsilbig und r\u00fcttelte Sand, Dreck und Gold vorsichtig in die Dose hinein. Ich schaute ihn auffordernd an.<\/p>\n<p data-p-id=\"e2c3885da4bc7b11c4ff6bd9c4f3b17f\">\u201eDu hast ein schlechtes Gewissen deswegen&#8221;, unterstellte ich ihm dann. Und er widersprach nicht. Das machte die Sache noch gruseliger.<\/p>\n<p data-p-id=\"aef8683a63e8c557a32b104772923d20\">\u201eYalomiro&#8221;, fragte ich, \u201ewas hast du angestellt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"31a2777384baca858d5f7600a9036362\">\u00dcber seine Augen zuckte ein ertapptes Leuchten hinweg. Und mir wurde klar, dass ich gerade zu ihm gesprochen hatte wie ich es tat, wenn D\u00fdamir\u00e9e sich verd\u00e4chtig benahm und ich nicht herausfand, ob etwas dahinter steckte, von dem ich wissen sollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"537c00b03b944762c1a926e30d0db95e\">\u201eIch glaube&#8221;, gestand er kleinlaut, \u201e<em>ich <\/em>habe in Wijdlant einen Durchlass ins Chaos hinterlassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"24cdee60571608d11a80bfa0af617662\">\u201eDu hast \u2013 was?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4a8709372e3c09ba3bc8b723b32abbc1\">\u201eAus Unachtsamkeit. Ich &#8230;&#8221; Er seufzte. \u201eIch h\u00e4tte die T\u00fcr <em>selbst <\/em>wieder schlie\u00dfen sollen, anstatt einfach wegzurennen wie ein aufgescheuchtes Tier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"86ef27872d49a4d58a5610fb922fc039\">\u201eWas denn f\u00fcr eine T\u00fcr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d831767c2df1209c5532b0d7e8f7465e\">\u201eGor Lucegaths Turm. Pianmur\u00edt. Verstehst du? Ein Korridor ins Chaos.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"0724418ffe75c4a18ed7b8e74cfdb328\">\u201eUnd nun?&#8221;, fragte L\u00e1as.<\/p>\n<p data-p-id=\"104ac65a7d22ca9eed79f16a57ea9e58\">\u201eDass ausgerechnet jetzt der <em>teirand<\/em> dazwischen patzt&#8221;, z\u00fcrnte J\u00e1ndris. Aber T\u00edjnje schlug sich auf die Seite ihrer <em>teirandanja<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"1cbe016a687b9a2e72edd7e5438bf199\">\u201eWas soll sie denn machen!&#8221;, sagte das kleine M\u00e4dchen. \u201eWann ihr Papa sagt, sie soll mitkommen, dann muss sie eben mitgehen. Ich mache auch fast immer das, was mein Papa sagt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e4f398e4cbb649e3bd7c5fef36d150e\">\u201eFast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"37cbccfcf785ab5762b702bc57e564cc\">T\u00edjnje zuckte die Achseln.<\/p>\n<p data-p-id=\"377d8f3c50d4f4cbe02e5fb7ddfd659a\">\u201eJedenfalls k\u00f6nnen wir kaum mit ihnen in die Halle gehen und ihr erz\u00e4hlen, dass T\u00edjnje den Schmuck geklaut hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0c91f940d89dcc954881e013ff3aa2d6\">\u201e<em>Ausgeborgt<\/em>. Wenn wir nichts kaputtmachen und schnell zur\u00fcckbringen, bemerkt Mama nicht, dass er weg ist. Ich hab die Schatulle stehen lassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"004b24de8ac1f6c349b64ac62be37f4d\">\u201eDas war eine sehr kluge Idee, T\u00edjnje&#8221;, lobte Osse, der insgeheim verst\u00f6rt dar\u00fcber war, dass das Kind sich so ungeniert an der Habe der Mutter bedient hatte. \u201eAber du h\u00e4ttest sie um Erlaubnis fragen sollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5a4985bced4f243a3af09f12c41a0b8b\">\u201eDann h\u00e4tte ich es nicht bekommen. Mama l\u00e4sst mich nie mit ihrem Geschmeide spielen. Damit ich es nicht verbummle.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b174fd1ea083083fa409d3e92b8622fc\">\u201eEs ist doch jetzt ohnehin nicht zu \u00e4ndern&#8221;, sagte L\u00e1as d\u00fcster. \u201eUnd in den Turm kommen wir auch nicht mehr hinein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"23c9bd1cbaafade51dcf5ff401064ec3\">Er deutete mit dem Kinn hin\u00fcber, hin zu <em>yarl<\/em> Emberbey, der im immer heftiger str\u00f6menden Regen im Eingang des Turmes stand und den Hof scharf im Auge behielt. Gerade machte er Platz f\u00fcr <em>yarl<\/em> Grootplen, der irgendwelche sperrigen Werkzeuge herbeibrachte. Wenn man genau hinh\u00f6rte, schallten auch Ger\u00e4usche am Regen vorbei durch den nun fast verwaisten Innenhof. W\u00e4ren wie \u00fcblich mehr Menschen hier mit ihrem Tagwerk besch\u00e4ftigt gewesen, w\u00e4re das H\u00e4mmern vielleicht untergegangen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c7d7ff96a1e85bcb063e1b408be80319\">\u201eImmerhin scheinen sie entweder von allein darauf gekommen zu sein, dass das Wiegenkind im Turmverlies sitzt, oder Manj\u00e9v hat getratscht.&#8221; J\u00e1ndris war sichtlich emp\u00f6rt \u00fcber diese M\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p data-p-id=\"c31275cf9dd1eaf507799f288473f2f2\">\u201eHat sie nicht&#8221;, gestand Osse. \u201eSein Vater wusste zuerst davon.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f1c7947d8400ed4ec7c7f06ddcee6522\">\u201eWie? Von wem?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b5d7d6409181d6045b703df09d012df3\">\u201eVon mir. Er hat mich gebeten, Herrn Wa\u00fdreth in aller Verschwiegenheit Bescheid zu sagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d93632da39555968556a221c0ddecce0\">\u201eDu hast am Willen deiner <em>teirandanja <\/em>vorbei gepetzt?&#8221;, grollte L\u00e1as und tat einen drohenden Schritt auf ihn zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"472d2f336b11f8e918742cac3914e4a4\">\u201eVor der <em>teiranda<\/em> habe ich geschwiegen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f261ad683ca3b9f21f54237ac9e6d881\">\u201eDas ist doch jetzt fast alles egal. Die werden da oben die T\u00fcr auch nicht aus dem Weg bekommen, wenn sie darauf einh\u00e4mmern mit ihren \u00c4xten. Soweit waren wir schon heute Nacht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96033a7d976d6c81e8945404a250cec0\">\u201eWir m\u00fcssen ihnen das mit dem Gold sagen&#8221;, meinte T\u00edjnje.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c75e3ed10863a0361dbe3aeee4be643\">\u201eUnd zugeben, dass wir bis zum Hals in dieser verfluchten Sache drinnen h\u00e4ngen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cc6fa14e35ce4920102a8140fbc5e858\">\u201eNein.&#8221; Osse nahm dem M\u00e4dchen den Teller aus der Hand, wo der kostbare Damenschmuck unter den kalten Pfannkuchen versteckt war. \u201eIhr h\u00e4ngt nirgends mit drinnen. Ich werde gehen und es ihnen sagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e591b3e0df69cd605b7e1e2bc137957d\">Die beiden anderen Jungen schauten ihn misstrauisch an. Aber er gab ihnen keine Zeit, ihn zu unterbrechen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9cd67a79c93b9ccf69c3b053a04b1afb\">\u201eMein Vater wird mich passieren lassen. Herr Wa\u00fdreth wei\u00df, dass ich eingeweiht bin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"57587402d1a4ca7a3ea4691f54508ef1\">\u201eWie erkl\u00e4rst du, wo du das Geschmeide her hast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9e417a7a96cb637f630978bf550edb6\">\u201eMuss er nicht&#8221;, sagte T\u00edjnje und nahm energisch den Teller zur\u00fcck. \u201eIch komme mit und sage Opa, dass er es Mama nicht weitersagen soll.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9cd8481b694d709208a7b822987fde0\">\u201eDas m\u00f6chte ich nicht, T\u00edjnje. Du sollst dich nicht in Schwierigkeiten bringen&#8221;, sagte L\u00e1as.<\/p>\n<p data-p-id=\"333b498891d95c41e4f689fe0d34efb9\">\u201eJa, genau. Du hast von uns allen die geringste Schuld an dem, was geschah&#8221;, schloss J\u00e1ndris sich an.<\/p>\n<p data-p-id=\"6f182c6dc140322c540cb8238e22b923\">\u201eMama und Papa sagen, man muss immer ehrlich sein. Und die <em>opayra<\/em> meint das auch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"df165e2295f893d0f4561178c1e29936\">\u201eIch komme mit&#8221;, entschloss J\u00e1ndris sich. \u201eIch werde sagen, dass ich von der T\u00fcr wusste und dem Wiegenkind eines auswischen wollte. Wegen der Geschichte mit dem Besen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a7b9bf5660de8ceae33d89e85ffe5cb\">L\u00e1as schaute verwirrt von einem zum anderen.<\/p>\n<p data-p-id=\"47954747077e7bb22e1bf2f668df8ca4\">\u201eDu musst nichts damit zu tun haben, L\u00e1as&#8221;, f\u00fcgte J\u00e1ndris hinzu. \u201eIch kann ganz f\u00fcr mich allein Unfug treiben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"67c4dadfdbc5b4f9b093fa90c9d8bcc3\">Der Junge schnaufte unwillig. \u201eSo siehst du aus. Soll es denn aussehen, als h\u00e4tte ich Angst vor dem Wiegenkind? Nur eine Sache.&#8221; Er warf den j\u00fcngeren Kindern einen ermahnenden Blick zu. \u201eDie <em>teirandanja<\/em> bleibt au\u00dfen vor. Wir werden jeder einzelne eine Menge \u00c4rger bekommen. Jeder tr\u00e4gt es f\u00fcr sich. Niemand erw\u00e4hnt diesen Brief. Weder, dass er ihn gelesen noch irgendwann in H\u00e4nden hatte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e6a0eb9e0637d7d6e717c5dffbc7cb5a\">\u201eWer hat diesen Brief zurzeit?&#8221;, fragte Osse.<\/p>\n<p data-p-id=\"363badb69495d86811228d8537f30a13\">\u201eIch. Ich werde mich h\u00fcten, ihn nochmal irgendwo rumliegen zu lassen.&#8221; J\u00e1ndris klopfte auf seine G\u00fcrteltasche.<\/p>\n<p data-p-id=\"7d13913e40d43ef49675b7a768f1cb93\">\u201eSollten wir ihn dann nicht gleich ganz verschwinden lassen?&#8221;, fragte Osse.<\/p>\n<p data-p-id=\"420b56568c3acbb744a47f3bd9899e50\">Die anderen wechselten Blicke miteinander. Dann nickten sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"ba086751cb73068c5e6632b812991ab0\">Die K\u00f6chin in der Burgk\u00fcche wunderte sich kurz darauf sehr, als die vier Kinder, klatschnass und mit Unschuldsmienen den Raum betraten. Dass T\u00edjnje immer noch die kalten Pfannkuchen mit sich herumschleppte, erschien ihr seltsam, aber J\u00e1ndris Altabete schw\u00e4rmte ihr so charmant von dem k\u00f6stlichen Kohlgem\u00fcse am Vortag vor und lobte ihre Kochkunst in hohen T\u00f6nen. Das machte die getreue Frau ganz verlegen und lenkte sie lange genug an von ihrer Kochstelle ab, dass L\u00e1as das K\u00fcchenfeuer unbemerkt mit einem kleinen St\u00fcck Papier f\u00fcttern konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3db659a700d69242c5874e1eaaeb9e39\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"0f33d6071c80966bffbc8f55370191dc\">Advon rannte durch den Ciel\u00e1stel, so schnell seine F\u00fc\u00dfe ihn trugen. Er dufte nun keinen Fehler machen und nichts vergessen.<\/p>\n<p data-p-id=\"528d2d652c68c99dd3c444c8e64ae49e\">Zun\u00e4chst die Vorratskammer. Die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> und Elos\u00e1l mussten niemals etwas essen, aber er selbst ben\u00f6tigte Nahrung, um sich zu erhalten. Und auch der Vater gab nach alter Gewohnheit seinen k\u00f6rperlichen Bed\u00fcrfnissen nach, hin und wieder zumindest. Aus diesem Grund gab es im Ciel\u00e1stel, im k\u00fchlen Keller, einen Raum, in dem Vorr\u00e4te lagerten. Wahrscheinlich bediente sich auch Sileda\u00fa ab und zu hier, auch wenn Advon bei n\u00e4herem Nachdenken zugeben musste, dass er die Alte noch niemals etwas hatte essen sehen. Tats\u00e4chlich. Kein einziges Mal.<\/p>\n<p data-p-id=\"d7d5d495b37b2e3c8d5509aad249b413\">Advon packte einen leeren Beutel, der in einem der Regale zusammen mit anderen Beh\u00e4ltnissen lag, und raffte zusammen, was er an Fr\u00fcchtebrot, Keksen aus dunklem Mehl und ged\u00f6rrtem Gem\u00fcse zu packen bekam. Trockenes Essen, das in der Sonne nicht verderben w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"4f813f9954a44a718fced1c991800fb9\">Und Wasser! Das bekam er ebenfalls unten in der Burg, in der Zisterne, in der Regenwasser von der Oberfl\u00e4che und Grundwasser zusammen floss, das sich den Weg in die W\u00fcste bahnte. Ein gro\u00dfer Trinkschlauch lag ebenfalls parat. Nat\u00fcrlich nicht zuf\u00e4llig. Vor langer Zeit schon hatte Advon diese Dinge unauff\u00e4llig hier beieinander platziert. Genaugenommen, an jenem Tag, an dem ihm klar geworden war, dass er irgendwann vor Sileda\u00fa weglaufen und in die W\u00fcste fl\u00fcchten w\u00fcrde. Heute war der Tag gekommen, an dem sich das auszahlen w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"107e9c1cdcba1df471d4ad9558836f11\">Hatte sie seine Flucht bereits bemerkt? Hatte sie schon den Turm betreten, um ihn abzufragen, und gesehen, dass er das Schloss geknackt hatte, wie ein unkundiger Einbrecher?<\/p>\n<p data-p-id=\"4186c8def85aa676ec3b9b31dc60c8df\">Advon f\u00fcllte seinen Trinkschlauch und dachte fieberhaft nach. Was ihm jetzt noch zu tun blieb, war, irgendwie die Burg zu verlassen, bevor Sileda\u00fa es verhindern konnte. Die Gelegenheit war g\u00fcnstig, g\u00fcnstiger, als sie noch werden k\u00f6nnte. Nur ein einziger <em>arcaval&#8217;ay<\/em> war zur\u00fcckgeblieben. Er bewachte das einzige Tor, das vom Innenhof des Ciel\u00e1stel nach au\u00dfen f\u00fchrte. Die Regenbogenritter hatten nie mehr als dieses eine Tor gebraucht. Mit ihren R\u00f6ssern konnten sie die Burgmauer nach allen Seiten \u00fcberwinden.<\/p>\n<p data-p-id=\"44332ed96d3a817cbfa414c1a8bb0dec\">Wenn es ihm nur gelang, den W\u00e4chter f\u00fcr einen Moment von seinem Posten zu locken &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"be764713f71fab4c42c8946102bd951a\">Aber &#8230; musste er das wirklich? W\u00e4re das nicht viel zu verd\u00e4chtig?<\/p>\n<p data-p-id=\"72a11d00bfb38bf87b1f2d01565b6278\">Der Junge dachte nach. Dann entschloss er sich zu einem Wagnis.<\/p>\n<p data-p-id=\"dd3b0e0c3d786d7cce7909e83c8acf46\">Kurz darauf schlenderte er auf den blauen Regenbogenritter zu; jenen, der die Hatz auf Farbenspiel nicht mitmachen konnte, weil er sein Einhorn an den Vater verliehen hatte, damit Perlenglanz ruhen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"2f780bb4599d168f039e355e67624d36\">\u201eSind hier gerade zwei M\u00e4nner mit einem Maultier gewesen?&#8221;, fragte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"01fcb26ee061eda277e22080bb12796d\">Der Blaue nickte. \u201eEs scheint, dass sie f\u00fcr Sileda\u00fa etwas erledigt haben. Sie hatten ein Schreiben dabei, dass sie ein paar von ihren Habseligkeiten nach Aur\u00f3p\u00e9a bringen sollten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"52b658b830896614c48ad13597ac25c5\">\u201eAch so.&#8221; Advon tat gelangweilt. \u201eUnd wo sind die anderen alle hin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ce42b613f80a74153aba98e0862e9bc\">\u201eDeine Eltern sind mit einigen unterwegs, um die Brandstelle in <em>sinor<\/em> \u00daldaises Garten zu besichtigen&#8221;, gab der Blaue bereitwillig Auskunft. \u201eSie werden bald wieder hier sein. Und die anderen &#8230;&#8221; Er z\u00f6gerte, entschied dann aber wohl, dass die Sache nicht allzu tragisch sei. \u201eAdvon, dein Farbenspiel ist ausgerissen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"45ecd98f9ea486d1c2efcbbd76847eb7\">\u201eWas?&#8221;, tat Advon so \u00fcberrascht, wie er nur konnte. \u201eWie konnte das passieren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d421e55786185c5d8aad8092dfd93ac4\">\u201eVermutlich war die T\u00fcr seines K\u00e4figs nicht sorgf\u00e4ltig verschlossen.&#8221; Der Ritter l\u00e4chelte beruhigend. \u201eDie anderen fangen ihn ein. Wenn er nicht ohnehin freiwillig zur\u00fcckkommt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"11c72de9860863f4f204278d811e1fb1\">\u201eNa, hoffentlich landet er nicht im Weingarten von diesem unfreundlichen Unkundigen und frisst die Rebst\u00f6cke leer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"16902cbf6a55068f3e6433cc4ef56c77\">Der Blaue grinste. Dann besann er sich und fragte: \u201eWas machst du mit dem Korb?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7dab116d515be7e71b049e9b15688479\">\u201eKorb? Ach, der Korb. Sileda\u00fa will, dass die M\u00e4nner das hier auch noch mitnehmen. Ob ich die beiden noch einhole?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2bc0544994a8ee601d1e36ae0ba70ddd\">Der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> runzelte die Stirn. \u201eSie will, dass <em>du <\/em>diesen komischen V\u00f6geln etwas nachtr\u00e4gst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4b7287d8da5bd8e651bb41ac9b75d0a1\">\u201eMeinst du, ich kann sie einholen?&#8221;, beharrte Advon. Noch einmal l\u00fcgen dufte er nicht. Wenn er den Blauen glatt anlog, w\u00fcrde der es bemerken. Er musste ihm ausweichen, so gut es ging.<\/p>\n<p data-p-id=\"8be49943a9354033749a62c447e230e8\">\u201eSicher. Sie schienen es nicht besonders eilig zu haben. Aber ich denke, deine Eltern h\u00e4tten <em>einiges <\/em>einzuwenden, wenn du allein den Ciel\u00e1stel verlie\u00dfest.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0948271869d8d7822f21505e7539f3c\">\u201eAber ich komme doch sofort wieder zur\u00fcck. Oder willst du ihnen den Korb nachtragen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e6da0420ac893401b0d7f9f5c5a7798a\">Der Blaue z\u00f6gerte. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es besser gewesen, wenn <em>er<\/em> diesen kleinen Auftrag erledigt h\u00e4tte. Aber das h\u00e4tte bedeutet, dass kein einziger <em>arcaval&#8217;ay <\/em>im Ciel\u00e1stel zur\u00fcckgeblieben w\u00e4re; etwas, das nur in absoluten Notf\u00e4llen geschehen durfte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6fdbcb25621b5bc27bfbdd8033302b7a\">\u201eIch bin sofort wieder da&#8221;, sagte Advon. \u201eIch laufe einfach den H\u00fcgel hinunter und hole sie ganz schnell auf der Stra\u00dfe ein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb99a7b028858f4a1668aa9ef63d52b2\">\u201eEs reicht, wenn dein Einhorn sich selbst\u00e4ndig macht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a1a369ddb5d87173504b8366a1c4005\">\u201eMir passiert nichts, und ich mache auch ganz schnell! Ich will doch zur\u00fcck sein, wenn Papa, Mama und die anderen zur\u00fcckkommen. Ich will wissen, was sie im Garten gefunden haben.&#8221; Er zog eine Schnute und f\u00fcgte hinzu: \u201eIch w\u00e4re so gern selbst dabei gewesen. Immerhin hatte <em>ich <\/em>die H\u00f6hle gefunden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9a8ef65c62f75dcbc1c0123ad90013d0\">\u201eIch wei\u00df nicht &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4076de5596594eaf55daa637f246f3d1\">\u201eUnd Sileda\u00fas Zeug soll doch aus dem Ciel\u00e1stel heraus, oder? Damit Mama wieder Ruhe hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7920dab3af7be0bdcfde1e304d83c625\">Der Blaue wog noch einen Moment das F\u00fcr und Wider ab. Dann machte er den Weg frei. \u201eTu, was sie dir aufgetragen hat. Aber dann kommst du augenblicklich wieder zur\u00fcck, hast du verstanden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d732c5941dbde962f045cdf5c5baf4ef\">\u201eIch habe verstanden&#8221;, best\u00e4tigte der Junge. Dass er sich daran halten w\u00fcrde, das versprach er nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"7f97ffad796ebf9fcc3eb4d7867fc2ce\">\u201eSie sind unterwegs nach Aur\u00f3p\u00e9a&#8221;, erkl\u00e4rte der Ritter. \u201eImmer geradeaus.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f90a0b81b65931278958fbefad75cb05\">\u201eIch danke dir!&#8221; Advon schulterte den Korb und lief an dem Blauen vorbei \u00fcber die Br\u00fccke. In Gedanken bat er die M\u00e4chte um Vergebung und hoffte, dass die Eltern den gutm\u00fctigen Magier nicht zu sehr schelten w\u00fcrden. Solange er den wachsamen Blick des Ritters noch auf sich liegen sp\u00fcrte, hielt er sich an den Pfad, der den H\u00fcgel vom Ciel\u00e1stel hinabf\u00fchrte und dann an dessen Fu\u00df einen Schlenker nach Norden machte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e9790a9cf5828f5363bdeb45f0013995\">Kaum dass der Weg nicht mehr vom Tor aus einzusehen war, packte Advon Trinkschlauch und Beutel aus dem Korb heraus, versteckte ihn in den Dornbeerb\u00fcschen und schlug eilig den Weg zu den alten G\u00e4rten der Feen ein.<\/p>\n<p data-p-id=\"5cbfa360a09ab447b38ba5546eba7dec\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"021bb7904284f1cb6c8400ebd156d5fe\">Farbenspiel wartete. Das war keine einfache Aufgabe f\u00fcr ein feuriges junges Einhorn, aber sein kleiner Mensch wollte es so. Immer, wenn der Junge mit ihm die Enge des goldenen K\u00e4figs verlassen hatte und die Barrieren, die die Ritter mit Magie \u00fcber die Weiden in den G\u00e4rten der Feen gespannt hatten, hatte der kleine Mensch ihn an diesen Ort gelenkt. Hier waren ein paar hohe B\u00e4ume mit dichten Kronen und harten, ledrigen Bl\u00e4ttern; ein W\u00e4ldchen auf halber Strecke zwischen den alten Feeng\u00e4rten und der Burg, gar nicht weit entfernt davon. Es f\u00fchrte kein direkter Weg daran vorbei, sodass es unwahrscheinlich war, dass ihn Menschenwesen hier entdecken w\u00fcrden. Und solange er unter den Baumwipfeln verborgen blieb, w\u00fcrden ihn die anderen nicht sehen, wenn sie in der Luft \u00fcber ihm kreisten, so wie sie es gerade taten.<\/p>\n<p data-p-id=\"3366ca6861f18a6e42307dd4ae77facb\">Farbenspiel hatte sich niedergelegt und die Fl\u00fcgel eng an den K\u00f6rper gefaltet. Sein vielfarbiges, opalisierendes Fell verschwamm mit dem Lichterspiel in den Bl\u00e4ttern, solange er sich nicht bewegte. W\u00e4re sein Fell so einfarbig strahlend gewesen wie das der R\u00f6sser der Ritter, das Versteck h\u00e4tte nichts getaugt.<\/p>\n<p data-p-id=\"4db49562f037eff49ba0227d7a3e859e\">Der kleine Mensch hatte ihn mehr als einmal an diesen Ort gef\u00fchrt, beinahe jedes Mal, wenn sie sich unerlaubt an dem gro\u00dfen Menschen vorbei aus der Burg oder von der Weide geschlichen hatten. Farbenspiel verband mit diesem Ort besondere K\u00f6stlichkeiten, die das Kind ihm zugesteckt hatte und die es im Stall nie gegeben hatte. Das Einhorn war \u00fcberzeugt davon, dass er hier die Leckereien bekommen w\u00fcrde, wenn er nur lange genug darauf wartete. Sein kleiner Mensch w\u00fcrde kommen und ihn damit f\u00fcrs Warten belohnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7d4e046e9290d9c16e46e21364a40a6a\">Farbenspiel schnaubte. Die anderen waren \u00fcber ihm. Die Artgenossen, die Vertrauten. Sie hatten einander eine Weile \u00fcber den Himmel gejagt, der junge Hengst \u00fcberm\u00fctig, die anderen pflichtbewusst unter dem Willen ihrer Reiter. Anfangs, ja, da war Farbenspiel erschrocken gewesen, dieser L\u00e4rm, diese Dinge, die ihm entgegengest\u00fcrzt waren. Ehe er es sich versehen hatte, war er im Freien und am Himmel gewesen, in der herrlichen Weite ohne Z\u00fcgel und Zaum, dort, wo ein Einhorn frei rennen und den Wind unter den Fl\u00fcgeln sp\u00fcren konnte. Das hatte dem Tier gefallen, und eine Weile hatte es \u00fcberm\u00fctig mit den beiden anderen Haschen gespielt, \u00fcber und unter und durch die Sch\u00f6nwetterwolken hindurch, die von Norden herankamen und den verg\u00e4nglichen Duft von Wasser mit sich brachten.<\/p>\n<p data-p-id=\"79b9f8eb1123e01fb2e509562eaa91e9\">Dann war Farbenspiel das Kind wieder eingefallen, das <em>fremde <\/em>Kind, das die alte Menschenfrau wie ihn in einen K\u00e4fig gesperrt hatte und das ihm den s\u00fc\u00dfen Kuchen zugeworfen hatte. Es war von \u00e4hnlicher Art wie sein kleiner Mensch. Den, mit dem zusammen er diesen Ort so oft f\u00fcr K\u00f6stliches aufgesucht hatte. Oft waren die anderen Einh\u00f6rner \u00fcber ihnen gekreist, ohne sie hier zu finden. Manchmal hatte man wohl nicht bemerkt, dass er und das Kind sich die Freiheit genommen hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"7d6e6c0fbbb63accfd677908d3c6f100\">Farbenspiel g\u00e4hnte, bleckte seine messerscharfenm F\u00e4nge und streckte den Kopf im d\u00fcrren Geb\u00fcsch aus. Es lohnte sich, zu warten. Und wenn der Junge nicht kam, w\u00fcrde er sp\u00e4ter einfach in den vertrauten Stall zur\u00fccktraben. Zu den anderen, zu Futter, Wasser und den l\u00e4stigen Ketten, die man ihm wahrscheinlich wieder anlegen w\u00fcrde. Nun, alleine daf\u00fcr lohnte es sich, die Freiheit etwas l\u00e4nger auszukosten.<\/p>\n<p data-p-id=\"37cf4709c4128afd62101230bc448d92\">Sie kreisten \u00fcber ihm, sie riefen seinen Namen. Aber sie bewegten sich mit jedem Zirkel ein bisschen weiter westw\u00e4rts, dahin, wo die Wolken waren und sich bald wohl zusammenballen w\u00fcrden. Noch war es nicht so weit. Aber Farbenspiel konnte es sp\u00fcren. Sp\u00e4testens am Abend w\u00fcrde der Sturm da sein. Kein Einhorn wagte es, im Sturm zu fliegen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2593","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2593"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2593\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3830,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2593\/revisions\/3830"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}