{"id":2588,"date":"2025-08-25T13:09:58","date_gmt":"2025-08-25T11:09:58","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2588"},"modified":"2025-09-01T09:31:44","modified_gmt":"2025-09-01T07:31:44","slug":"088-der-weg-des-wassers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/088-der-weg-des-wassers\/","title":{"rendered":"088: Der Weg des Wassers"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"fe53131c0762852bd10af26f80635592\">Sah\u00e1al\u00edrs tr\u00fcbe Augen leuchteten. Scharfe Gedanken jagten in seinem alten Kopf hin und her, und w\u00e4re es nicht l\u00e4sterlich gewesen, er h\u00e4tte die M\u00e4chte darum angefleht, ihn nur f\u00fcr den Rest des Tages f\u00fcnfzig Winter j\u00fcnger zu machen. Das Abenteuerfieber des <em>sinor<\/em> war entfacht. Der <em>sinora<\/em> schien es \u00e4hnlich zu gehen. Atemlos lauschten die beiden dem Bericht des Wachmanns, den sie mit der n\u00e4heren Inspektion des Brunnens beauftragt hatten. Der Mann war einige Gongschl\u00e4ge fort geblieben, Zeit, die sie beide ungeduldig im Palast des <em>konsej<\/em> verbracht hatten. Zwischenzeitlich hatten sich auch die anderen <em>sinoray<\/em> in die Halle begeben, teils noch auf eigenen F\u00fc\u00dfen, teils getragen von ihren Dienern. Aber an eine richtige Ratssitzung oder auch nur informelle Gespr\u00e4che \u00fcber die Geschicke von Aur\u00f3p\u00e9a war nicht zu denken. Der greise Recke, der in Gedanken noch eine gro\u00dfe Zahl an Waffenknechten befehligte, hatte sich bei Sah\u00e1al\u00edr erkundigt, wie denn der Stand der Gefechte in Pian\u00e1rdent sei, dann um eine Karte der s\u00fcdlichen <em>yarlm\u00e1lon<\/em> gebeten und damit begonnen, flei\u00dfig darin herumzukritzeln. Das tat er jeden Tag. M\u00f6glicherweise arbeitet er an neuen Grenzverl\u00e4ufen. Die <em>sinora<\/em>, die auch an diesem Tag vergeblich auf den jungen Gewandschneider gewartet hatte, hatte sich still niedergelassen und starrte l\u00e4chelnd ins Leere. Auch mit den anderen war nicht viel anzufangen. Jene, die noch bei halbwegs wachem Verstand waren, widmeten sich privaten Dingen. Der Schwerh\u00f6rige hatte seinen Schreiber dabei und diktierte ihm einen gesch\u00e4ftlichen Brief, so laut, dass Sah\u00e1al\u00edr und die <em>sinora<\/em> m\u00fchelos mith\u00f6ren konnte, dass es um eine Pachtangelegenheit von Ackerfl\u00e4che \u00f6stlich von Aur\u00f3p\u00e9a ging.<\/p>\n<p data-p-id=\"4f37a9943546e4f4940915da04e3417d\">Sah\u00e1al\u00edr war erneut schmerzlich klar geworden, dass er und seine gesch\u00e4tzte Freundin, zusammen mit dem verd\u00e4chtigen \u00daldaise, die Einzigen im <em>konsej<\/em> waren, die sich noch tauglich um Ratsgesch\u00e4fte k\u00fcmmerten. Aber selbst das war heute egal. Der Wachf\u00fchrer stand bei ihnen und erstatte mit ged\u00e4mpfter Stimme Bericht.<\/p>\n<p data-p-id=\"e9698a91bf26a70fdb4cd3e397c25918\">\u201eEntlang des Wasserlaufs&#8221;, berichtete er, \u201egeht es nicht viel weiter. Vielleicht ein-, zweihundert Schritte. Dann versperrt Ger\u00f6ll den Weg, das Wasser rinnt hindurch wie durch eine Gie\u00dfkanne. In der anderen Richtung jedoch, da gibt es einen Tunnel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e48009d1bcd5c82da7f6f46ae0f70e0f\">\u201eEinen Tunnel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"963985d224c72e59aec87bf4207c2755\">\u201eNun ja, einen Gang. Ich kann nicht sagen, ob er von Menschenhand angelegt wurde. M\u00f6glich, vielleicht aber auch nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"badb4e0f61fd2562e16cb8165fd9efc8\">\u201eWohin f\u00fchrt der Gang?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d9329c7a19ac6459fe9b8b5fd20795a5\">\u201eIn s\u00fcdwestliche Richtung. Wir sind eine ganze Weile dort hindurch gegangen, aber es wurde immer niedriger und schmaler. Wir haben den Kleinsten von uns vorgeschickt. Er ist noch eine weite Strecke vorangekommen, aber dann wurde es so eng, dass er umkehren musste.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c2ec73efb4f61cdb901cc03a92043f4e\">\u201eAber das Wasser staut sich nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6664f3d790242e7fea071ba15c1e8733\">\u201eNein. Es liegt Ger\u00f6ll herum und das Wasser sucht sich seinen Weg in Richtung Brunnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b27b3931cc14ab46ea37915579547e7\">\u201eDann kann der <em>b\u00e1chorkor<\/em> nicht von dort entkommen sein&#8221;, sagte die <em>sinora<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"d7127985b1d090c1d8e17919c9e6bcf5\">\u201eVielleicht doch. M\u00f6glicherweise hat er sich einen Weg durch diesen engen Tunnel gebahnt. Es ist nicht unm\u00f6glich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0fd9370bba8d6bceaa907e278b4b60a1\">Sah\u00e1al\u00edr und die <em>sinora<\/em> schauten die Stadtw\u00e4chter zweifelnd an.<\/p>\n<p data-p-id=\"f931a6f2b5474a879266b5dc0f741c55\">\u201eIch habe einmal eine Geschichte geh\u00f6rt&#8221;, erkl\u00e4rte der verlegen, \u201eda sind mutige Abenteurer durch einen eingest\u00fcrzten Bergwerksschacht einem gefr\u00e4\u00dfigen Steinwurm entkommen. Sie haben das Ger\u00f6ll einfach \u00fcber sich hinweg ger\u00e4umt. Und wir wissen nicht, wie weit der Einsturz ist, vielleicht ist es nur ein kurzes Nadel\u00f6hr. Sollen wir dem nachgehen, Herr? Ich m\u00fcsste nur jemanden finden, der noch kleiner und schlanker ist als unser kleinster Mann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"190a53319eca26885baf991b12dc959e\">\u201eDas ist nicht n\u00f6tig&#8221;, sagte Sah\u00e1al\u00edr. Er entsann sich an den jungen Wachsoldaten, von dem der Stadtw\u00e4chter wahrscheinlich sprach und der gegen den schm\u00e4chtigen <em>b\u00e1chorkor<\/em> geradezu ein muskul\u00f6ser H\u00fcne war. \u201eWei\u00dft du, woher das Wasser kommen k\u00f6nnte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5da4aeeffc1a0d867964439af38bb6ae\">\u201eJa, Herr. Ich dachte mir, dass das von Belang ist und habe mir die Aufzeichnungen geben lassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"69bdf241f1aefafbd48737701b5901bc\">\u201eAufzeichnungen?&#8221;, fragte die <em>sinora<\/em> \u00fcberrascht. \u201eEs gibt <em>Aufzeichnungen<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a11d84e7d622b5706d2b33ec255678f7\">\u201eJa. Nat\u00fcrlich. Der <em>maedlor<\/em>, der die Wasserkartierungen verwaltet, hat eine ganze Weile suchen m\u00fcssen, aber er hat in seinem Archiv etwas dazu gefunden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c9b6a107eff94f6d610657e677dfabc\">\u201eDas ist unfassbar!&#8221;, rief Sah\u00e1al\u00edr erfreut aus, so laut, dass die Modefreundin pikiert zu ihm hinschaute, bevor sie wieder in ihre Gedankenwelt abdriftete.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ef1035048abb0b95f0e4b31055b933e\">\u201eDas hast du sehr gut mitgedacht und ausgef\u00fchrt&#8221;, lobte die <em>sinora<\/em>. \u201eUnd was sagt die Karte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b3952dc6bc7fbd12aeb8692c217b7ed1\">\u201eHier. Ich habe es mir ausgeliehen. Ich habe gesagt, es k\u00f6nne um ein Bew\u00e4sserungsprojekt gehen, das im <em>konsej<\/em> besprochen werden soll. Ich hoffe, das war nicht zu vorwitzig?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c6a841501bd6073dd5cd0893610c849b\">\u201eZeig her&#8221;, forderte Sah\u00e1al\u00edr und nahm gespannt eine uralte Karte entgegen, die der Wachhauptmann ihm stolz anreichte. Sie war auf Pergament gezeichnet, das vermutlich seit Generationen nicht mehr betrachtet worden war. An den Knickstellen war das Material etwas abgewetzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"c917627e344ea38498849f0194ed521e\">\u201eWenn man die Flie\u00dfrichtung des Wassers weiterdenkt und davon ausgeht, dass es nicht wesentlich die Richtung wechselt,&#8221; erkl\u00e4rte der Hauptmann eifrig, \u201edann kommt es von hier ungef\u00e4hr aus Richtung der H\u00fcgel mit den alten G\u00e4rten. Und auch da gab es tats\u00e4chlich einen gr\u00f6\u00dferen Brunnen, der vor langer, langer Zeit einmal Wasser gef\u00fchrt hat. Hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5648c52a9a7732106b00c86779f64743\">\u201eIst das sicher?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"941aa39262021b68e1e667a052af90b6\">\u201eJa, ist es. Es gab einen Beleg daf\u00fcr, dass in dem Brunnen dort ein Abflussgitter angebracht worden ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4396d0bc932adb0c60f9bc97f0fda410\">\u201eWann? Und warum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4021edd9fa2f1e88c0af14d74ea3be45\">\u201eEtwa f\u00fcnfzig Sommer vor den Chaoskriegen. Und warum &#8230; nun, offenbar ist dort durch eine nat\u00fcrliche \u00d6ffnung \u00f6fter Laub und Wasser eingetragen worden. Weil immer wieder vorkam, dass der Unrat den Abfluss in Richtung Stadt verstopfte, kam ein Gitter dorthin, sodass der Landbesitzer regelm\u00e4\u00dfig zur Jahreszeit das Zeug ausr\u00e4umen konnte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"85fbc6300fc279d63b9ab4cb15826e40\">Sah\u00e1al\u00edr nahm seinen Lesestein zur Hilfe. Die Lage des Gartens, in dem sich der zweite Brunnen befunden hatte, machte ihn stutzig.<\/p>\n<p data-p-id=\"995b762877bd3f67c3e6fcb5f3fb7a71\">\u201eWei\u00df man, wem dieser Garten heute geh\u00f6rt?&#8221;, fragte er nachdenklich.<\/p>\n<p data-p-id=\"fcea18707e8d8990ad630ec4b769efb2\">\u201eIch dachte mir, dass Euch das interessiert, Herr&#8221;, sagt der Hauptmann stolz. \u201eDas habe ich nat\u00fcrlich auch herausgefunden. Ich meine, dass muss der <em>konsej <\/em>ja wissen. Wegen des neuen Bew\u00e4sserungsplans.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"26bb63ecbecb7898600b8a8c6f4e0e1a\">\u201eWie bitte? Ach, ja, nat\u00fcrlich.&#8221; Sah\u00e1al\u00edr l\u00e4chelte und war begeistert. Der W\u00e4chter erinnerte ihn an einen Gehilfen, den er vor drei Dutzend Sommern gehabt hatte und der mit klarem Verstand und Intelligenz ein hochgesch\u00e4tzter <em>maedlor<\/em> gewesen war. \u201eUnd, was hast du herausgefunden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ae1795ea7eca84d20751d5fab1c857e3\">\u201eIhr werdet staunen, Herr. Der derzeitige Besitzer des Grundst\u00fccks ist &#8230;&#8221;, er machte eine kunstvolle Pause und sagte dann leise, damit niemand mith\u00f6rte: \u201e\u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fff76db6115a789b4ef2c3c101940868\">\u201eNein!&#8221;, rief die <em>sinora<\/em> \u00fcberrascht aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"63ce683ea8882b2be6fe381245c070af\">\u201eDas erkl\u00e4rt, warum man den <em>b\u00e1chorkor<\/em> genau dort aufgegriffen hat!&#8221; Sah\u00e1al\u00edr nickte nachdenklich, aber wenig \u00fcberrascht \u00fcber die Neuigkeit. \u201eDer junge Mann muss sich tats\u00e4chlich durch den Einsturz weitergearbeitet haben und dort hervorgekommen sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"68d701e756d7fe03ffc1c61fb99cf402\">\u201eEs wird noch spannender&#8221;, sagte der Wachmann. \u201eAber das scheint mir nur eine Kuriosit\u00e4t zu sein, ohne weitere Bedeutung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4d63ae2490e4beddc6adbe1610f952ba\">\u201eSprich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"20a2575fb46f733abac54c4a46e368c7\">\u201eIhr ahnt nicht, wer der Besitzer des Gartens war, zu der Zeit, als diese Karte gezeichnet wurde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"50fb286eebc8d92f7ed5027f1c6c3121\">\u201eSo rede schon&#8221;, bat die <em>sinora<\/em> gespannt.<\/p>\n<p data-p-id=\"b339f8a1ee45eedaeff2c9b48b94ac4a\">\u201eHabt Ihr von dem ber\u00fchmten Chronisten und <em>forscor<\/em> \u00daldaise Ben\u00e9vol\u00edr geh\u00f6rt, der die gro\u00dfe Geschichte der Chaoskriege geschrieben hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"344caf13c5ad9774c03ca6a8c2338cdf\">\u201eNat\u00fcrlich&#8221;, sagte die <em>sinora<\/em>. \u201eQu\u00e4len die <em>mestary<\/em> die Kinder heute immer noch mit dem langweiligen Zeug?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"32eca2773f3eda61636a5d0e6c1bd24f\">\u201eMeine T\u00f6chter beklagen sich bitter dar\u00fcber&#8221;, erkl\u00e4rte der Hauptmann leutselig.<\/p>\n<p data-p-id=\"f3689a4e9ef3f3c752ae0e005c8df921\">\u201eDas ist f\u00fcrwahr ein lustiger Zufall&#8221;, sagte Sah\u00e1al\u00edr nachdenklich, \u201edass ein Namensvetter des <em>sinor<\/em> viele Generationen zuvor den selben Garten besa\u00df.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cf1ddf91b69b6f6f1c18432639182126\">\u201eHabt Ihr weitere Aufgaben f\u00fcr mich, Herr?&#8221;, fragte der Hauptmann begierig. Ihm war anzusehen, dass ihm der ungew\u00f6hnliche Auftrag sehr behagt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"889120e863075aabe240357f0763b4f3\">\u201eHeute nicht mehr.&#8221; Sah\u00e1al\u00edr winkte seine Tr\u00e4ger an, die am gegen\u00fcberliegenden Eingang der Ratshalle auf Abruf standen. \u201eDu pers\u00f6nlich und jeder deiner Untergebenen hat sich eine gute Belohnung verdient. Sorge nur noch eine Weile daf\u00fcr, dass niemand vor der Zeit von seiner heutigen Mission redet. Sagen wir &#8230; bis Sonnenaufgang. Ich werde mich morgen pers\u00f6nlich bei euch erkenntlich zeigen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0b74e777ee1cc6f35dfe0f1f4b476e54\">\u201eIch verstehe, Herr.&#8221; Der Stadtw\u00e4chter war sichtlich mit sich zufrieden.<\/p>\n<p data-p-id=\"5dba46ab42f58c8af9720a4fc043db45\">\u201eUnd nun sei so gut und besorge mir und der <em>sinora<\/em> eine S\u00e4nfte f\u00fcr zwei Personen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b940ecf8b4f958c60febca35601242de\">Der Mann verneigte sich und machte sich dienstfertig auf den Weg. Sah\u00e1al\u00edr lie\u00df sich von seinen Dienern in seinen Tragestuhl heben.<\/p>\n<p data-p-id=\"7aacab3fd03e7d1ffd269605c0209d37\">\u201eWohin gehen wir, Sah\u00e1al\u00edr?&#8221;, fragte sie \u00fcberrascht. \u201eWir k\u00f6nnen doch nicht so einfach den <em>konsej<\/em> verlassen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6c715b98eb78dc3a02d82887343e5a12\">Er sch\u00fcttelte den Kopf und deutete mit dem Kinn in Richtung der anderen, die entweder vor sich hin d\u00e4mmerten und d\u00f6sten oder mit g\u00e4nzlich anderen Dingen besch\u00e4ftigt waren. \u201eDenkst Ihr, jemand wird uns hier vermissen, Teuerste? Wir machen eine kleine Visite auf dem Land.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"282952a147deb261279add15f67bef4a\">\u201e\u00daldaises Garten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"caba43aea5fa74efcbec74799c5da134\">Er nickte. \u201eich denke, es kann nicht schaden, wenn auch wir uns die Sache einmal n\u00e4her anschauen.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"aedc0eac638f562a1d547cb140033247\">Osse war erschrocken, als der Ruck durch den Turm gegangen war. Es hatten sich dabei gro\u00dfe Brocken aus dem Dach gel\u00f6st und waren auf ihn niedergeprasselt. Der Junge war dicht an die T\u00fcr zur\u00fcckgewichen und versuchte, zu begreifen, was da gerade geschehen war. Hatte die Erde gezuckt? Wie konnte das sein? Was hatte eine solche Gewalt, den Boden zum erzittern zu bringen?<\/p>\n<p data-p-id=\"480948e11493919a341021c948a5b66b\">Es war weiter nichts geschehen, nicht hier oben, aber von unten drangen Rufe, aufgeregtes Stimmengewirr. Bei den M\u00e4chten, die anderen Kinder, die Erwachsenen! Althopian, ebenso verst\u00f6rt und ge\u00e4ngstigt \u00fcber das Beben des Turmes, hatte seinen Streithammer fallen gelassen, Osse beiseite geschoben und durch die Luke geklettert, um zu sehen, was geschehen war. Dem nach zu urteilen, was Osse sich aus den Stimmen von unten zusammenreimen konnte, hatte der Ruck, der durch das Geb\u00e4ude gegangen war, wohl einen Teil der Treppe mit sich gerissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bfffae54deb5759740fcf7bc6e32e11e\">Bei den M\u00e4chten, wie sehr er, Osse Emberbey, Treppen schon immer misstraut und sie gef\u00fcrchtet hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"2cc99d5007b565cb4c382d965f32ed55\">Der Junge horchte, h\u00f6rte Althopian reden. Offenbar redete er der <em>teirandanja<\/em> zu. Bei welcher Gelegenheit mochte das M\u00e4dchen zu der Gruppe gesto\u00dfen sein?<\/p>\n<p data-p-id=\"61964122f98ee7598bad7941c0945301\">Osse seufzte zitternd und warf einen Blick auf die schreckliche verschlossene T\u00fcr, hinter der etwas lauerte, das die goldene Haarnadel an sich gerissen hatte. Was immer das gewesen sein mochte, es konnte schwerlich Magie des Schattens\u00e4ngers sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"c22a11566e8f82e9832fed7dbc263d0b\">Ob es Merrit Althopian, diesen anderen Jungen, von der er fast zu hoffen gewagt hatte, einen fremden Bruder gefunden zu haben, verschlungen hatte? Einen Bruder von fremdem Blut und doch so nahe in der Seele?<\/p>\n<p data-p-id=\"328dff0d73480d2964a9ab9db01bf555\">Osse legte die Hand auf die T\u00fcr und b\u00fcckte sich dann nach dem Pfannkuchenteller. Das Geb\u00e4ck war zwischenzeitlich ungenie\u00dfbar, kalt, nassgeregnet und eingest\u00e4ubt von dem Sand, der den Boden bedeckte. Osse glaubte, die K\u00f6rnchen bewegten sich knapp \u00fcber dem Boden, wie tr\u00e4ge Rauchschlieren. Aber bestimmt spielten ihm nur seine Augen einen Streich. Der Junge hob den Schmuckkamm auf, den T\u00edjnjes Mutter bei besonderen Gelegenheiten wohl im Haar trug. Seine eigene Mutter hatte keine so kostbaren K\u00e4mme besessen, nur solche aus Holz und Horn.<\/p>\n<p data-p-id=\"e3f7a931a830c9a081850c5a27efe552\">\u201eOsse?&#8221;, h\u00f6rte er eine Stimme hinter der T\u00fcr, leise, fast unvernehmbar. Zitternd und m\u00fcde.<\/p>\n<p data-p-id=\"22964baf3e042844a3092e4a9ac24198\">Althopian redete auf der Treppe. Die <em>teirandanja<\/em> schien in Angst. Weiter unten, andere Erwachsenenstimmen. Osses Hand schloss sich fester um den Kamm. Z\u00f6gerlich legte er das Ohr an die T\u00fcr.<\/p>\n<p data-p-id=\"da284db35b9256f5d56da9ac1c9795f8\">\u201eOsse&#8221;, wisperte die Stimme des anderen Jungen. \u201eOsse! Hilf mir! Hilf mir hier heraus!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"68b98974f85a86b7088f3884a6eadb31\">\u201eDein Vater wird dich befreien&#8221;, sagte Osse, der nicht wusste, ob irgendwelchen Stimmen noch zu trauen war. \u201eEr macht gleich weiter mit dem Dach.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"17c5be1a4718dc8889ac9a54df86ba3d\">\u201eBitte&#8221;, flehte die Jungenstimme. \u201eDu musst ihn aufhalten. Er darf es nicht versuchen. Es wird ihn umbringen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8514ab413b52e5d973d4895d5fa17e62\">Osse stutzte. W\u00fcrde eine Trugstimme so reden?<\/p>\n<p data-p-id=\"95321e9bd1227402b2703ec1e46c45b0\">\u201eWas redest du? Wer sollte ihn umbringen wollen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a6fb374bb53f560f8b7bbf3702f1736f\">\u201eWenn er auf das Dach geht&#8221;, sagte die Stimme flehentlich, \u201edann wird es ihn hinabsto\u00dfen. So, wie es den Stein geworfen hat, der meine Mama erschlagen hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eaa1541ad9761ee834b9e67a48cfb8d5\">\u201eUnd wie soll ich dir helfen? Wie stellst du dir das vor?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"69ae5f2af5015e7c0578e16373ff9a32\">Die Jungenstimme hinter der T\u00fcr schwieg. Osse wich zur\u00fcck. Hatte er es sich doch gedacht, dass das ein Trug war. Dass &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"514a3745e4b958c5b3028266e739cd3f\">\u201eEs ist so finster&#8221;, sagte der Junge hinter der T\u00fcr. \u201eEs ist finster, als sei das Licht verschwunden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"034d15d9d1c0acf9b4bbed0197495c83\">\u201eEs wird bald wieder heller. Dein Vater schl\u00e4gt das Dach ein. Dann hast du Tageslicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"268e16f619d0052b9554477713c208da\">\u201eWo ist mein Vater?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eeba64f76072d0de7ac22cc1176821ba\">Osse stutzte. Wenn der Junge das wirklich nicht wusste, war er es vielleicht doch selber?<\/p>\n<p data-p-id=\"0c315bc99f97bed7932c4011b0abaa4a\">\u201eEr ist ganz in der N\u00e4he. Er l\u00e4sst dich nicht allein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"293f4e5316b99e55abbd82d99ddbc07b\">\u201eIch habe Angst, Osse!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a0ee2e7afef3038fe0c77388d4f761c\">\u201eDu bist bald in Sicherheit! Das Dach ist bestimmt nicht verzaubert. Dein Vater schl\u00e4gt die Dachpfannen ein und zieht dich heraus. Wir &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"edc16af2f01d0b1c23b3529ca955a3c1\">\u201eWas war das f\u00fcr ein Beben, Osse? St\u00fcrzt der Turm ein? St\u00fcrzt alles \u00fcber uns zusammen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3369a9fc0d26cc8782f64b23e2e065f5\">\u201eGar nichts st\u00fcrzt&#8221;, behauptete Osse, bestrickt von der so vertrauten, so echt klingenden Stimme des Freundes. \u201eNicht der Turm, und nicht dein Vater.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ebd655ee9382a491edcb1c7f3696c0d\">\u201eBitte&#8221;, wimmerte der Junge im Turmzimmer. \u201eBitte, lass nicht zu, dass mein Vater sich totst\u00fcrzt! Ich habe doch nur noch ihn! Ich habe ihn so lieb! Ich habe solche Angst! Es ist so finster hier &#8230; so dunkel. So kalt &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d224e9f701036a722c373da34f486050\">Erneut ein j\u00e4mmerliches Wimmern. Osse bemerkte, dass er die Hand so fest um den Kamm geschlossen hatte, dass die Zinken sich in seine Handfl\u00e4chen bohrten. Die Haarnadel hatte das Ding im Zimmer gestohlen. Er versuchte, seine verkrampften Finger zu l\u00f6sen und legte den goldenen Kamm zur\u00fcck zu den verdorbenen Pfannkuchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"771d457af1fe9b7db62af6be82e2a6c0\">\u201eWie kann ich wissen, dass du es bist?&#8221;, fragte er. \u201eGib dich mir zu erkennen, mit etwas, dass nur wir beide wissen k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3ec8d503679018649bd957a5ef890f2d\">Einen kurzen Moment war es still, abgesehen vom stetigen Regenprasseln und fernem Donnergrollen. So still, dass Osse h\u00f6rte, wie Althopian sich vorsichtig auf der Treppe bewegte. Vorsichtig, bedacht, so als traue er der Sache nicht so recht.<\/p>\n<p data-p-id=\"f3928d6ab6d7f073d64bbdf15c62e9b4\">\u201eEin K\u00e4fer&#8221;, sagte der Junge hinter der T\u00fcr pl\u00f6tzlich. \u201eEin K\u00e4fer und eine kleine H\u00e4uschenschnecke. Wei\u00dft du noch? Gestern, in der Laube? Unter den Rosen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f351829b5ab76ff12c09bcb66d472c9\">Osse erstarrte best\u00fcrzt. Ja, er erinnerte sich. Der blaue gl\u00e4nzende Panzerk\u00e4fer hatte Merrit gezwickt, die Schnecke so beharrlich die Bank erklommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0596dada343dc59212a01312138108b8\">\u201eBitte&#8221;, sagte der Junge im Zimmer. \u201eBitte. Lass es nicht zu!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"546f101e0d51b5f02128268151c56f85\">Osse legte beide H\u00e4nde auf die T\u00fcr.<\/p>\n<p data-p-id=\"e0c24e6e6dabb82042131b1bc73e33d1\">\u201eM\u00e4chte&#8221;, wisperte er. \u201eM\u00e4chte, was soll ich tun? Was kann ich tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c705bec29838a92eb4570a00b37a4a84\"><em>Osse! Hilf ihm,<\/em> h\u00f6rte er eine ferne Stimme, nicht von jenseits der T\u00fcr, sondern direkt in sich selbst. In seinem Herzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9b7eff0efa35aeb8b7486e8e2afcd821\">Der Junge erstarrte. Diese Stimme &#8230; <em>ihre<\/em> Stimme.<\/p>\n<p data-p-id=\"89f19d4443caa059c3ad55fb8ab8da5d\">\u201eMama?&#8221;, brachte er gerade noch tonlos \u00fcber die Lippen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9b8dd251c2a29a31ac208959ad805b39\"><em>Osse! Tu es jetzt! Tu es, solange du die Chance hast!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"aec363c8a07e9da1e70cb0754e768021\">Der Streithammer war schwer, zu schwer f\u00fcr die H\u00e4nde, die sonst allenfalls eine Schreibfeder hielten. Aber die Trittleiter, die <em>yarl<\/em> Grootplen herbeigeschleppt hatte, die stand stabil, besser als der Turm aus St\u00fchlen, den Althopian zuvor errichtet hatte. Durch das f\u00fcr einen Erwachsenen noch viel zu kleine Loch peitschen Regenb\u00f6en hinein.<\/p>\n<p data-p-id=\"ee534b2c51b62d024d5b25548662ca49\">Osse nahm seine Brille ab und steckte sie in die Tasche. Um ihn w\u00e4re es nicht schade. Der fremde Junge aus Rodekliv w\u00fcrde den Vater erfreuen. Und Merrits Vater konnte sich ungest\u00f6rt um die <em>teirandanja<\/em> k\u00fcmmern. Um ihn, den Maulwurfblinden, das Eulengesicht, war es nicht schade. So sollte es sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"3db659a700d69242c5874e1eaaeb9e39\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"7aa1984f0e6fec2e2a78dc0e9d3432d1\">Merrit h\u00f6rte jedes Wort, das das Wesen in der diffusen, lichtlosen Finsternis sagte. Er hatte versucht, dagegen anzuschreien, es zu \u00fcbert\u00f6nen, den Freund zu warnen. Aber seine Stimme, so laut und verzweifelt sie war, sie war nicht aus dem Zimmer heraus gedrungen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7a834a166894326ede320a1f68e2e3aa\">Der Junge hockte auf dem Tisch und fegte Sand davon herunter. Die Tischplatte hatte begonnen, sich zu bewegen, sie d\u00fcmpelte sacht wie ein Schiff, wie ein am Flussufer vert\u00e4utes Boot. Merrit grauste sich. Wenn der Untergrund sich bewegte, dann war nicht nur die obere Begrenzung des Raumes, die verputze Zimmerdecke mit dem wunderbaren Bildnis der roten Dame verschwunden, sondern auch der Fu\u00dfboden. Nun sa\u00df er auf diesem sonderbaren Tisch, der sich im Gegensatz zu Decke und Grund noch gegen den Sand behauptete, als sei er ein rettendes Flo\u00df, und hatte keine Idee mehr, was er dagegen tun konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"d3ecedd236a7165c700404a6ea6fdc2f\">\u201eLass sie in Ruhe&#8221;, wisperte er in das Sandrieseln hinein. \u201eLass meinen Vater in Ruhe, und meinen Freund!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5a6b36c7f6fa6dea17989764b04e2d44\"><em>Warum sollte ich<\/em>, h\u00f6hnte die Stimme, die den arglosen Osse gerade so in die Irre gef\u00fchrt hatte. <em>Ich habe sie alle, alle zu mir gerufen. Nicht mehr lange, und sie werden mein sein. Es gibt kein Entrinnen mehr.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8f8c6bf8f1a39dff828d95d31c82600a\">\u201eOsse wird meinen Vater nicht aufhalten k\u00f6nnen. Was soll er denn machen? Er ist ein Kind, wie ich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9a25c36d3ec8ab6225a9cd5fba3bf078\"><em>Das wird sich zeigen, kleiner Ritter. Deine kleinen Freunde und Widersacher haben sich mit lustigen Ideen gegen mich verschworen. Ameisen, die ein Brettspiel erklommen haben. Mal schauen, was sie anstellen werden<\/em>. Es verstummte f\u00fcr einen Moment und f\u00fcgte hinzu: <em>Wie dumm w\u00e4re es, darauf zu verzichten. Du hast sie als K\u00f6der in die Falle gelockt, kleiner Ritter, und solange sie hier sind, kann ich sie beobachten, ohne das sie mir aus der Zeit entwischen. Wie kleine Ameisen unter einem Lesestein, wie ihn alte Leute benutzen. Wie interessant!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a44f6749451e33761aa2a46f73154af1\">\u201eLass sie in Ruhe&#8221;, flehte Merrit matt und wohl wissend, dass dieses Wesen niemals auf ihn h\u00f6ren w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"c9347d79317e1e1b89741c67bd1da7e5\"><em>Willst du mir das Spiel verderben, kleiner Menschenritter? Wie langweilig!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"07902003b0d3c25f32b1c0dc5e30c136\">\u201eWorauf wartest du denn dann noch?&#8221;, erz\u00fcrnte der Junge sich. Die Wut wallte wieder in ihm hoch, hei\u00dfer und \u00e4tzender, als er es ertrug. Ohne die Worte daf\u00fcr zu haben, ahnte er, dass gerade das diesem schrecklichen Wesen im Nichts Vergn\u00fcgen bereitete. Merrit hatte als kleiner Junge einmal miterlebt, wie ein paar gr\u00f6\u00dfere Knaben einen kleinen Welpen ge\u00e4rgert hatten, indem sie ihn von allen Seiten mit St\u00f6ckchen gepiekt hatten. Das H\u00fcndchen hatte geknurrt, gekl\u00e4fft und geschnappt, aber die b\u00f6sen Kinder damit nur noch mehr angespornt. Damals hatte er sich \u00e4hnlich hilflos gef\u00fchlt, denn er selbst war noch zu klein, um sich f\u00fcr das Tier zu erheben. Zum Gl\u00fcck war der Vater in der N\u00e4he gewesen, um die b\u00f6sen Kinder zu schelten und ihnen das H\u00fcndchen wegzunehmen. Wa\u00fdreth Althopian duldete auf seinem Grund keine Grausamkeit gegen Tiere. Und schon gar nicht gegen Menschen.<\/p>\n<p data-p-id=\"81c46fbda8af592a124364cda6cfb931\">Merrit \u00e4chzte hilflos auf. Er f\u00fchlte sich in seiner ausweglosen Lage wie das wehrlose kleine Tier und der ohnm\u00e4chtige kleine Junge von damals zugleich. Was w\u00fcrde er daf\u00fcr geben, k\u00e4me einer, ihn zu verteidigen, und der Vater, der starke, furchtlose, gerechte, um ihn zu besch\u00fctzen!<\/p>\n<p data-p-id=\"935593eb56ce1c81f84f7af88f78a22c\">Er tastete nach dem rostigen Streitflegel, seinem einzigen Besitz, der ihn an die Zeit erinnerte, als er noch im Weltenspiel gewesen und voller Leichtsinn den Worten der anderen Jungen gefolgt war. Er klammerte sich daran wie an einen Anker. Das Holz, das rostige Metall, Dinge, die noch <em>echt<\/em> und wirklich waren in dem Nichts, das sich immer weiter ausbreitete. Dann sp\u00fcrte er einen stechenden Schmerz in seinem Schenkel, ganz unvermittelt und unerkl\u00e4rlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"0f111c37689125c6227bd645ac96e30d\">Das Wesen lachte. <em>Hier, h\u00f6hnte es.<\/em> Nimm das! <em>Du willst doch Spielzeug, nicht wahr? Kleines Wiegenkind, soll ich dir auch noch eine Rassel besorgen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"ab52ca30d56b2449ef677994be409f03\">Merrit biss die Z\u00e4hne zusammen und tastete nach dem Schmerz. Etwas Hartes geriet ihm unter die Finger. Er packte zu und riss es heraus, versuchte gar nicht erst, seinen Wehlaut zu unterdr\u00fccken. Dann biss er die Z\u00e4hne zusammen und tastete.<\/p>\n<p data-p-id=\"8547e1b41b0f5d4baa698efac58901b8\">\u201eMama?&#8221;, wisperte er dann leise, denn er erkannte, was es war. Eine Edelsteinnadel, eine von der Art, wie seine sch\u00f6ne, liebe Mutter sie f\u00fcr ihre aufw\u00e4ndigen Frisuren benutzt hatte. Merrit hatte einst auf ihrem Scho\u00df gesessen und mit kleinen Kinderfingern nach dem glitzernden Haarschmuck getastet, bis sie ganz struwwelig war und dar\u00fcber von Herzen lachte. Nein, das hier konnte unm\u00f6glich seiner Mutter geh\u00f6ren. Das hatte das Wesen irgendwo anders hergenommen, um ihn damit zu stechen. Aber dennoch \u2013 er sah es vor sich, das lachende Gesicht seiner Mutter mit den schwarzen Haaren und den eisblauen Augen und f\u00fchlte sich seltsam getr\u00f6stet davon. Merrit Althopian schob den Schmerz in seinem Bein beiseite und stach sich die Nadel vorsichtig durch den Stoff der Tunika \u00fcber seinem Herzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e1239cb14f34d665cc45cc9a4922598c\">Und im selben Moment schallte ein Ger\u00e4usch durch die Finsternis, \u00fcberlaut und dr\u00f6hnend, und so energisch, dass es dem Jungen Angst und Bange wurde.<\/p>\n<p data-p-id=\"ddd661ae6b3e5ee1372230c31b5d0f6d\">Es war das Ger\u00e4usch von Metall, das Ton zerschlug.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2588","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2588","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2588"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2588\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3834,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2588\/revisions\/3834"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2588"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2588"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2588"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}