{"id":2586,"date":"2025-08-25T13:11:00","date_gmt":"2025-08-25T11:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2586"},"modified":"2025-08-31T23:16:02","modified_gmt":"2025-08-31T21:16:02","slug":"090-auf-dem-dach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/090-auf-dem-dach\/","title":{"rendered":"090: Auf dem Dach"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"86f0cfe68437dc6f4f855c0fdc23a6db\">Advon wusste es nat\u00fcrlich, aber er hatte es niemandem erz\u00e4hlt, um sp\u00e4ter seinen eigenen Ruhm nicht allzu sehr zu schm\u00e4lern. In die W\u00fcste zu reiten war lange nicht so gef\u00e4hrlich, wie die Erwachsenen ihm einzureden versuchten. Farbenspiel war unzweifelhaft das gutm\u00fctigste und sanfteste Einhorn, das je auf Patagh\u00edus Weiden gelaufen war. Er h\u00e4tte ein Wiegenkind sicher durch ein Gewitter getragen, wenn es n\u00f6tig gewesen w\u00e4re. Der Junge war \u00fcberzeugt davon, dass der Hengst sehr wohl wusste, dass er schwache, zerbrechliche Kinder auf dem R\u00fccken hatte, denen kein Ungemach zusto\u00dfen sollte. Es war v\u00f6llig unn\u00f6tig, dem Tier seinen Willen aufzuzwingen. Es gen\u00fcgte, es so sanft zu lenken, dass es wusste, in welche Richtung es laufen sollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c50fb8ecb173a68a4d2f8f14126a36a0\">Die Sonne war l\u00e4ngst weiter nach Norden \u00fcber den Himmel gezogen, stand vielleicht schon jenseits des Montaz\u00edel. Doch von dort n\u00e4herte sich stattdessen etwas anderes. Hinter ihnen wurde der Horizont diesig, zogen sich die Wolken, die sich seit dem Mittag wie Schaumfl\u00f6ckchen zusammengeballt und den Himmel getupft hatten, zu einer massiveren Fl\u00e4che zusammen. Advon konnte die Wolken lesen, das hatte sein Vater ihn gelehrt, noch bevor Sileda\u00fa aufgetaucht war. Es war wichtig, die Wolken und das Wetter zu kennen, wenn man flog, hatte der Vater erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p data-p-id=\"04bad51d3afb5d1bfe84179d4333d076\">Sie mussten sich beeilen. Wenn die Wolken sich so schnell wandelten, stand ein heftiger Wetterumschwung bevor. Regenst\u00fcrme \u00fcber Soldes\u00e9r waren selten, und wenn sie losbrachen, konnten sie verheerend sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"6796139474800f476c3acc7cabf2f0ea\">Er blickte \u00fcber seine Schulter zur\u00fcck in die Richtung, wo er den Ciel\u00e1stel als funkelnde bunte Landmarke erkannte. Es waren keine anderen Einh\u00f6rner in der Luft. Offenbar hatte der W\u00e4chter auf dem Turm ihn noch nicht ersp\u00e4ht. Entweder war niemand dort, weil etwas anderes die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> besch\u00e4ftigt hielt, oder sie flogen tief genug, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.<\/p>\n<p data-p-id=\"00f68a5da37024171b3fcd3cbb59fad5\">Ab und zu hatten Menschen am Boden zu ihnen aufgeschaut, aber keine gr\u00f6\u00dfere Beachtung geschenkt. Ein einzelnes Einhorn war kein allt\u00e4glicher, aber auch kein ungew\u00f6hnlicher Anblick.<\/p>\n<p data-p-id=\"305a0e2df0aedfcb227a2827870305b6\">Das Schattens\u00e4ngerm\u00e4dchen hielt sich \u00fcberraschend m\u00fchelos auf Farbenspiels R\u00fccken. Sie hatte zwar beide Arme um Advon geschlungen, um auf dem glatten Fell nicht abzurutschen, aber sie fand ausgesprochen geschickt die Balance und schaute sich neugierig um. Dass sie gerade noch nahe daran gewesen war, hinter die Tr\u00e4ume zu st\u00fcrzen, schien sie bereits abgetan zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"a9b075052fae91a5bbbff47a09da4303\">\u201eDu machst das sehr gut&#8221;, lobte er sie, um ein Gespr\u00e4ch zu beginnen, denn mit ihm geredet hatte sie noch nicht allzu viel.<\/p>\n<p data-p-id=\"f8663d00ddce38d771557d1a698cf33b\">\u201eWas denn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"13a9299ccc620f8b644dcf8e324d48e2\">\u201eDu kannst gut reiten. Hast du, da wo du herkommst, ein Pferd?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c44310a003515b459bd6d4188631870e\">Sie kicherte. \u201eManchmal. Mein Papa kann sich in ein Pferd verwandeln. Dann tr\u00e4gt er mich auf seinem R\u00fccken rund um den See, wie der Wind. Das macht Spa\u00df!&#8221; Sie z\u00f6gerte und f\u00fcgte hinzu: \u201eAber wir m\u00fcssen gut acht geben, dass Mama uns nicht erwischt. Sie hat immerzu Angst, ich k\u00f6nnte runterfallen und mir weh tun. Sie sagt, wir sollen nicht so wild herumtoben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d30dcf9fd5abe319668b91e399d271a4\">\u201eDein Vater kann eine andere Gestalt annehmen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9aaa4261cdf2722b8c7a6cd970f806ef\">\u201eJa, nat\u00fcrlich. Schattens\u00e4nger haben immer mindestens eine Verkleidung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"027a49806e77c2cafc72f259a39588e9\">\u201eToll!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b5fa3a3246d9fa2214849f9c6f50078\">\u201eKann dein Vater das denn nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"adbbec85498aaac5c6ffb02ffc3ad643\">\u201eNein. Regenbogenritter sind immer ganz wahrhaftig. Wir &#8230; wir k\u00f6nnen andere Dinge. Wir &#8230; wir k\u00f6nnen zum Beispiel machen, dass Dinge geschehen, weil wir es wollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e94ae4bfb63ef7a72959025f3773720\">\u201eUnd Leute dazu bringen, das zu wollen, was <em>ihr <\/em>wollt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f994df9826af1248071b502b21d0eab5\">\u201eJa, genau.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"858ad46161d3523ef47806ca02cfdb29\">Sie schwieg einen Moment.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec371d5f9af532c05062699d58eef6d7\">\u201eKannst du das auch? So wie du den dummen M\u00e4nnern gesagt hast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"60987df71de9093dead99f64375e0690\">\u201eNein&#8221;, gab er zu. \u201eIch hab geflunkert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0aa32cbd71749145e2c03ffac6e6d7ff\">Sie kommentierte das nicht. Eine Weile h\u00f6rten sie nur den Wind in Farbenspiels Schwingen rascheln.<\/p>\n<p data-p-id=\"4ba9ee149dde603b878d2675ef3d6bd5\">\u201eWer ist dieser Mann, f\u00fcr die die beiden arbeiten? Warum wollte er, dass sie mich in das Loch hinein werfen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"143a0e0ade55740954ab7d48a1a02731\">\u201eDer Mann hei\u00dft \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9. Das ist einer von den m\u00e4chtigen alten Leuten, die die Verantwortung f\u00fcr Aur\u00f3p\u00e9a tragen. Wenn ich das alles richtig verstanden habe, bestimmt er, wer bestraft wird, wenn jemand etwas verbrochen hat. Heute Abend kommt er in unsere Burg. Er soll er meinen Eltern erkl\u00e4ren, was neuerdings in der Stadt und der W\u00fcste vorgeht. Das ist alles ganz wirr und unverst\u00e4ndlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dbb4a12542c8aae585ec0480811dff92\">\u201eAber was habe <em>ich <\/em>denn angestellt, wovon er wissen k\u00f6nnte? Wieso wollte er mich in das Loch werfen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5088071fe81657bced53105a1244639b\">\u201eDas werden wir alles herausfinden, D\u00fdamir\u00e9e. Aber zuerst m\u00fcssen wir nachschauen, was mit dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> geschehen ist. Danach kehren wir zum Ciel\u00e1stel zur\u00fcck.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d60bb3bed3d28d1ac95ec0c1edca4a25\">\u201eIch dachte, wir reiten in den Eta\u00edmalon!&#8221;, begehrte D\u00fdamir\u00e9e auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"758221e035d9bdebaab71d178c6122c5\">\u201eIch habe dar\u00fcber nachgedacht. Hattest du nicht gesagt, dein Vater und deine Mutter werden kommen, um dich zu befreien?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4a054619f491bcaae85aa1ba986d0d01\">\u201eSchon&#8221;, gab sie w\u00fctend zu. \u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b679a4f1aa2e987f7dddfb60701edf5d\">\u201eUnd dann steht dein Vater vor dem Ciel\u00e1stel und will dich befreien, und du bist nicht da? Und meine Eltern wissen noch nicht einmal, wo du abgeblieben bist? Wie sollen die Erwachsenen sich da einigen? Das ist doch dumm! Besser, du versteckst dich, und sobald deine Eltern da sind, l\u00e4ufst du ganz schnell hin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d71baf8c40cbc21440862b5fd45363fd\">Darauf hatte sie nichts zu entgegnen. Sie widersprach ihm nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"b55f2e04cc4fee04773820b008bb9d40\">\u201eUnd au\u00dferdem m\u00fcssen wir als allererstes den <em>b\u00e1chorkor <\/em>retten. Der ist in Todesgefahr. Das ist viel dringender.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"81923b2d21e6a5c7ebf64d7ea6071e25\">\u201eWas ist denn nun mit dem <em>b\u00e1chorkor<\/em>?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e. \u201eWer ist das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b226207e6732879d54e0074bedebb30\">\u201eKeine Ahnung. Aber wenn der <em>sinor<\/em> ihm etwas angetan hat, dann bestimmt zu Unrecht. Wei\u00dft du &#8230; ich glaube, dieser alte Mann ist b\u00f6se. Also, richtig <em>b\u00f6se<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d4f46831ab6c0056ed8ca4d2af74fe4\">\u201e<em>Richtig<\/em> b\u00f6se?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"21e4587fa847520bab19bf8f354bf0ad\">\u201eDen M\u00e4chten ungef\u00e4llig. So sehr, dass er gar keine reine Stelle mehr in seinem Herzen hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6d5369aaad8a9e55a8710e2cdeb5709b\">Sie z\u00f6gerte. \u201eDas ist schlimm&#8221;, sagte sie dann.<\/p>\n<p data-p-id=\"df5f9cdede402b01452718d2122958f8\">\u201eUnd wei\u00dft du was? Vielleicht hat de <em>b\u00e1chorkor<\/em> irgendetwas Geheimes \u00fcber den <em>sinor <\/em>herausgefunden. Die <em>b\u00e1chorkoray<\/em> reisen im ganzen Weltenspiel herum und bekommen viel zu h\u00f6ren und sehen. Stell dir mal vor, er hat vielleicht was herausgefunden, was die anderen <em>sinoray<\/em> und die Leute in Aur\u00f3p\u00e9a nicht erfahren sollen. Und davon hat der alte Mann vielleicht etwas erfahren und den <em>b\u00e1chorkor<\/em> von seinen d\u00e4mlichen Dienern in die W\u00fcste bringen lassen, damit es nicht bekannt wird.&#8221; Er biss sich auf die Lippen. Die offene W\u00fcste lag vor ihnen. Er war sich sicher, dass die Richtung stimmte. Nun mussten sie Ausschau halten. Noch war der Sand hei\u00df und der s\u00fcdliche Himmel wolkenlos. Doch durch den Gegenwind war die Hitze ertr\u00e4glich.<\/p>\n<p data-p-id=\"1e24d3671221150315a76303b111d644\">\u201eD\u00fdamir\u00e9e&#8221;, fragte er, \u201ehast du &#8230; hast du schon einmal einen toten Menschen gesehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"280cc8633b6da8e71366560ad58ffb8e\">\u201eJa&#8221;, antwortete sie zu seiner \u00dcberraschung.<\/p>\n<p data-p-id=\"8e4bde0a4d91f24c640a80c644136dbb\">\u201eTats\u00e4chlich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b463f23d9139be99afe5c3beab42d1b\">\u201eJa, aber nur kurz. Ich hab einen Ritter gesehen, den ein &#8230; anderer Ritter erschlagen hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"be822e2aadb997091c5cb0ac75a4828d\">Er seufzte unbehaglich. Damit war sie ihm um eine Erfahrung voraus. Advon grauste sich insgeheim davon, m\u00f6glicherweise den mysteri\u00f6sen <em>b\u00e1chorkor<\/em> nicht mehr lebendig anzutreffen. Wenn die beiden Knechte Recht behielten und Menschen tats\u00e4chlich Patagh\u00edus Glanz so schutzlos ausgeliefert waren, kamen sie wahrscheinlich zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p data-p-id=\"fb1b76e9094a88471ff317d4eeb4ccca\">Und doch &#8230; die Hoffnung wollte Advon nicht aufgeben. Vielleicht bestand doch noch eine kleine, eine winzige Chance, dass der <em>b\u00e1chorkor<\/em> noch nicht hinter den Tr\u00e4umen war. Wenn er, Advon, sich von blo\u00dfen Worten entmutigen lie\u00df und nicht zumindest nachschaute, dann w\u00e4re der Mann tats\u00e4chlich verloren. Wie wohl jemand aussah, den Patagh\u00edus Glanz versengt hatte? Advon dachte an die verkohlten B\u00e4ume im Garten und f\u00fchlte sich elend. Schnell schob er die Vorstellung beiseite.<\/p>\n<p data-p-id=\"52526e035c43fbc72ff9e774bb3781af\">\u201eWenn er noch lebt&#8221;, erl\u00e4uterte er das, was er sich vorgestellt hat, \u201enehmen wir ihn auch mit in den Ciel\u00e1stel. Farbenspiel ist stark genug, auch noch einen Erwachsenen zu tragen. Er hat ja kein Sattelzeug mitzuschleppen. Meine Mama kann sicher heilen, falls er verletzt oder entkr\u00e4ftet ist. Wir bringen den <em>b\u00e1chokor <\/em>im Ciel\u00e1stel in Sicherheit, erz\u00e4hlen, was Sileda\u00fa und \u00daldaise gemacht haben und warten, bis deine Eltern auftauchen und dich abholen. Gut?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4794cbd3a287b456c48c908ad033bc3a\">\u201eJa. So ist es wohl das Beste. Aber da ist immer noch etwas, was ich nicht verstehe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0206e519d270ddd42713ebbb4584ab7e\">\u201eUnd?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"59b141b3d92c5d3ed260412864311b44\">\u201eWarum hat die b\u00f6se alte Frau deinen Vater dazu gezwungen, mich zu entf\u00fchren? Was will sie?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15e98d977024d4be8585c39b17d0ba65\">Advon lachte. \u201eSileda\u00fa hat meinen Vater ganz bestimmt nicht zu etwas <em>gezwungen<\/em>. Man kann doch einen Regenbogenritter nicht gegen dessen Willen zu etwas zwingen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83351bc88924e1fc716b42bfb0b5fc95\">\u201eNicht?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e erstaunt.<\/p>\n<p data-p-id=\"d85ee9ef5cd18e52930c39181ecff660\">\u201eNein. Vielleicht ein sehr, sehr m\u00e4chtiger Magier. Aber ganz bestimmt nicht Sileda\u00fa. Die w\u00e4re zwar bestimmt f\u00fcr ihr Leben gern eine Magierin geworden. Aber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"72f1b70ebc925c8a65f27972d39a4c9a\">Er verstummte und runzelte die Stirn. Das M\u00e4dchen hinter ihm sagte nichts weiter. Aber er sp\u00fcrte, wie es sich vertrauensvoll anschmiegte. Und dann war da wieder dieser erfrischende Duft, der ihn beruhigte und mutig machte.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"1f11c2b1c9d34eab881a4b1268540286\">Der Regen fiel nicht mehr in Str\u00f6men, sondern in Sturzb\u00e4chen. Durch die graue Wasserwand war kaum etwas zu erkennen. Selbst die niedrigeren Geb\u00e4ude und Mauern rund um den Turm verschwanden aus dem Blick. Der Hof war menschenleer. Wer noch drau\u00dfen gewesen war, hatte sich vor den Fluten und den Windb\u00f6en, die begonnen hatten, diese durchzupeitschen, in die Geb\u00e4ude gefl\u00fcchtet.<\/p>\n<p data-p-id=\"210695e7dc799768488d39ce59e8e055\">Osse bemerkte das nicht. Er h\u00e4tte von alledem sowieso nichts gesehen. Seine unverzichtbare und ebenso gehasste Brille hatte er in seiner Tasche. Er brauchte sie jetzt nicht. Alles, was er tun musste, war eine Erwachsenenarml\u00e4nge neben sich zu hauen und zu schlagen, was das Zeug hielt.<\/p>\n<p data-p-id=\"4bd30281e9c099977c19cfb9ac124a15\">Die Trittleiter hinauf und durch die schmale \u00d6ffnung zu klettern, die Wa\u00fdreth Althopian vorbereitet hatte, war ihm \u00fcberraschend leicht gefallen, vermutlich, weil er sich nicht die M\u00fche gemacht hatte, dar\u00fcber nachzudenken. Die Stimme trieb ihn voran, so sanft, so liebevoll, so geliebt, wie er sie in Erinnerung hatte und manchmal von ihr tr\u00e4umte.<\/p>\n<p data-p-id=\"0971251cb9901c7ebaa1b34ee0e1eaf5\"><em>Streng dich an, Osse, <\/em>fl\u00fcsterte seine Mutter, so leise und sch\u00fcchtern, wie sie immer geklungen hatte, wenn sie gesprochen hatte und Zuh\u00f6rer dabei waren. <em>Dein Freund hat nicht mehr viel Zeit darinnen!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0aadc219d205a97016b91b517bacc886\">Osse schwang m\u00fchsam das Werkzeug. Dass er damit t\u00f6nerne, uralte Schindeln in Tr\u00fcmmer legte, h\u00f6rte er eher, denn er es sah. Er hatte keine Ahnung, wie man ein solches Werkzeug richtig f\u00fchrte, und er war eingesch\u00fcchtert davon, wie windig und kalt und nass es hier auf dem Dach war. Einen solchen unnat\u00fcrlichen, kalten Wind hatte er nicht einmal an st\u00fcrmischen Wintertagen auf den Zinnen der heimatlichen Burg gesp\u00fcrt, wenn der Sturm den Schnee ins Land blies.<\/p>\n<p data-p-id=\"95056cdeb35e79eebdb3dc34144c596b\">Der Junge versuchte, nicht daran zu denken. Der Teil seines Verstandes, der ihm n\u00fcchtern mitteilte, dass es schon Wahnsinn seitens des Ritters gewesen w\u00e4re, auf das Dach zu steigen, und Wahnsinn, es ihm nun nachzutun, verstummte vor der z\u00e4rtlichen Ermunterung in dieser milden Frauenstimme, die in seiner Erinnerung hallte.<\/p>\n<p data-p-id=\"ed910f0ab8f8ea07475dc23ca1e7116d\"><em>Gib dir M\u00fche, Osse. Mach weiter. Gib nicht auf! Du kannst es vollbringen! <\/em>So hatte sie zu ihm geredet, als er als unverst\u00e4ndiges Wiegenkind vor unl\u00f6sbaren Aufgeben gestanden hatte, vor einer Treppe, die in seiner Wahrnehmung schief und krumm war, vor einem Bilderbuch, dessen Illustrationen er erst erkannte, als seine Nase fast die Seiten ber\u00fchrte, als er erlernen sollte, in den Sattel seinen kleinen Pferdchens zu klettern. <em>Yarl <\/em>Emberbey hatte sich all das stets eine Weile schweigend angesehen und war dann mit wortloser Entt\u00e4uschung bald fortgegangen. Die Mutter hatte ihn nicht aufgegeben.<\/p>\n<p data-p-id=\"b0ed234522385b3c58ed74654053ff35\">Nat\u00fcrlich war Osse Emberbey nicht so leichtsinnig, dass er versucht h\u00e4tte, g\u00e4nzlich durch das Loch hindurch und auf das Dach herauf zu klettern. B\u00e4uchlings lag er auf der Schr\u00e4ge aus glitschigen, moosbedeckten Schindeln. Seine F\u00fc\u00dfe hatten Halt an einem Holzbalken gefunden, auf dem die Dachpfannen ruhten. Der Stiel des Streithammers war glitschig vom Regen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f72d87c90e71a55f2d0e4d131c0632ac\"><em> Was tust du hier?, <\/em>fragte der vern\u00fcnftige Osse, der vor der Stimme in seinen Gedanken sehns\u00fcchtig erschauerte. <em>Was, wenn dir der Hammer runterf\u00e4llt Was, wenn du runterf\u00e4llst?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"60c11a42c8a721202c5a06fb0a5efae5\"><em>Das ist egal,<\/em> sagte der verz\u00fcckte Osse, das verwirrte Wiegenkind, das zur Mutter wollte. <em>Um mich ist es nicht schade. Mein Vater holt sich den Jungen aus Rodekliv an meiner Stelle.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"b05a6c33774f35d3289a6d5187d2571c\"><em> Und was ist deiner Verantwortung? Was ist mit deinen Schwestern?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"01c0fe8b3a69589311358a2525614b24\">Osse hielt verwirrt inne.<\/p>\n<p data-p-id=\"ba35c3228cf039bb527ba3b9d298c949\"><em>Los, Osse! Sei ein guter Junge! Herr Wa\u00fdreth wird hocherfreut sein, wenn du ihm die Arbeit erleichterst. Lass ihn sich um die <\/em>teirandanja <em>k\u00fcmmern!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"c21bb9bfa68b94f2ddfd9b1773593d7e\">Der Turm vibrierte, nicht mehr so heftig wie beim ersten Mal, aber es kam Osse doch so vor, als w\u00e4re es ein Seufzer wie von einem lebendigen Wesen, der durch die Mauern ging. Ein <em>erwartungsvoller <\/em>Seufzer.<\/p>\n<p data-p-id=\"a1057750972627b838c8ab0dd94a862e\">Der Hammer stie\u00df auf Widerstand. Osse hielt verwirrt inne und ruckte daran. Knirschend l\u00f6ste sich die Spitze aus den uralten Tonschindeln.<\/p>\n<p data-p-id=\"ef612ebed3e5d7c3d3dd265abe39d79a\"><em>Ich werde ewig brauchen, bis ich das Dach durchschlagen habe<\/em>, dachte Osse resigniert. <em>Das sind keine irdenen T\u00f6pfe. Mir fehlt die Kraft.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f44178d26ea683b22a1b835a5eb1dc39\">Eine starke B\u00f6 traf ihn aus einer unerwarteten Richtung, schleuderte feuchte Staubklumpen in seine schutzlosen Augen, r\u00fcttelte an den durch Althopians Vorarbeit gelockerten Schindeln ringsum, so pl\u00f6tzlich und heftig, dass Osse sich fragte, ob jemand ihn vom Dach sch\u00fctteln wollte wie eine reife Frucht von einem Baum.<\/p>\n<p data-p-id=\"d7ef37aa4f2fa99c3b5309f8451c614a\"><em>Mach weiter, <\/em>forderte seine Mutter in seinem Geist. <em>Gib nicht auf! W\u00e4re es nicht deiner w\u00fcrdig, als Retter des jungen Althopian gepriesen zu werden? Ist es nicht das mindeste, dass du seinen Vater davor bewahrst, sich selbst in Gefahr zu begeben?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"662248746a2001c94111b97ac88837bd\"><em>Was soll ich mit Ruhm?,<\/em> fragte Osse sich, erstaunt, dass sie, die niemals nach Bewunderung gestrebt hatte, auf einen solchen Gedanken kam. War es tats\u00e4chlich ihr Gedanke? Oder spielte ihm da sein eigenes Verlangen, der eigene verleugnete Stolz einen Streich?<\/p>\n<p data-p-id=\"85f5fc93611a80bd4c7fa7e51a1e2af2\">Er riss \u00e4rgerlich an dem Hammer, befreite ihn auch wieder und schlug mit umso gr\u00f6\u00dferer Wucht erneut zu. Diesmal versank das Werkzeug tiefer im Dach, \u00fcberwand den Widerstand. Osse hielt ersch\u00f6pft inne und duckte sich unter dem Wind b\u00e4uchlings auf das nasse, schmutzige Dach.<\/p>\n<p data-p-id=\"c578fede18d3946aef0382cecb58c871\"><em>Mama<\/em>, dachte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"eabe7d7100a11bc5dd2b35e6afa0f42a\"><em>Mach weiter, <\/em>dr\u00e4ngte sie. <em>Schneller! Beeil dich! Mach, bevor der Ritter zur\u00fcck ist!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"51d216b9428a1dde8bfc24c57cbb4d01\"><em> Ich kann nicht. Ich bin nicht so stark. Meine Arme tun weh! Ich muss einen Moment rasten!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"3135d532233b9808f1b35c8286d019c5\"><em>Keine Zeit! Weiter, Osse, weiter! Wenn du jetzt nachl\u00e4sst, wird es sich den Jungen holen, und dann ist es zu sp\u00e4t, zu sp\u00e4t f\u00fcr euch alle!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"57ebb35fa8b245ec0a42940f73f85322\">Er st\u00f6hnte. Nie zuvor in seinem Leben hatte er sich k\u00f6rperlich so sehr anstrengen m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-p-id=\"cd228c8aa829012256122c05324177fc\"><em>Klettere doch einfach weiter heraus, <\/em>riet sie ihm. <em>Klettere ganz raus aufs Dach und stell dich hin! Dann hast du genug Kraft und kannst weiter ausholen!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f514419c85c89944cee4c1fdb4ee5686\">Was verlangte sie da von ihm? Wenn er das tat, dann w\u00fcrde es nicht einmal eine Windb\u00f6e brauchen, um ihn zu Fall zu bringen.<\/p>\n<p data-p-id=\"50cc8653c58f76e0de038bfaae85d88e\"><em>Ist es dir das Risiko nicht wert, f\u00fcr deinen Freund ein Opfer zu bringen? Seinem Vater, seinem armen Vater diese Last abzunehmen? Soll dein Freund sich sein Leben lang Vorw\u00fcrfe machen, seinen Vater in den Tod getrieben zu haben?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"9d0ca00ec5d6ad348a9b3cf0d7d424a7\">Ihre Stimme war nun entt\u00e4uscht, etwas vorwurfsvoll. Osse, der vern\u00fcnftige Osse, runzelte die Stirn.<\/p>\n<p data-p-id=\"617b63946a4e746627118c3474331c61\"><em>Vertrau mir, <\/em>forderte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"230659b5c936247ea358409be2cc0773\"><em>Wo kommst du her, Mama? Wie kannst du zu mir sprechen? Ich wei\u00df, dass du hinter den Tr\u00e4umen bist. So weit kann deine Stimme nicht reichen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8d95bc8d6d3b08c4d93df6f546fb23cb\"><em>Ich bin in deinem Herzen,<\/em> behauptete sie. <em>So kann ich zu dir reden, \u00fcber die Verg\u00e4nglichkeit hinweg!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d21ccb16f31d3957b06a0cfc975e0bf1\">Das erschien dem kleinen, dem verlorenen, dem einsamen Osse plausibel. Er gab sich einen Ruck, stemmte den Fu\u00df gegen den Balken und schob sich durch den Film aus Moos und Schmutz und Tonziegelstaub voran, hangelte sich am Griff des Hammers hoch.<\/p>\n<p data-p-id=\"5113826ec531888ca2e3706540841a44\"><em>Steh auf, <\/em>mahnte sie. <em>Wenn du es richtig machst, dann bist du nur noch einen Schlag entfernt!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f77f28e52fac362bf2f57f916f48183d\">Wie um ihn zu ermutigen, lie\u00df der Wind f\u00fcr einen Augenblick etwas nach. Der Regen sp\u00fclte um seine F\u00fc\u00dfe und hinab in die Tiefe. Osse zog den anderen Fu\u00df nach und hockte sich hin. Bei den M\u00e4chten, wie steil war das Dach! Wenn er den Streithammer loslie\u00dfe, dann w\u00e4re es um ihn geschehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f0925dedde9c3707e0ea7088e509398\"><em>Steh auf, <\/em>dr\u00e4ngte sie ihn, verwirrte ihn und machte, dass ein Schaudern seine Haut \u00fcberzog.<\/p>\n<p data-p-id=\"fbb389060109f625d4cb787dfb063446\"><em>Wenn ich abst\u00fcrze,<\/em> fragte der erwachsene, der kluge, der bedachte Osse die geliebte Stimme in seinem Geist, <em>wer wird sie besch\u00fctzen? Ich hab es dir doch versprochen, auf sie achtzugeben! Wer soll es an meiner Stelle tun?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f98e51d5fd1188611cc9ffff6c3e79d3\">Die Stimme seiner Mutter verstummte. Er wurde still in seinem Verstand. Da stand er, geb\u00fcckt, nur gehalten von einem Streithammer, der sich ins Dach gebissen hatte. Sein Blick war verschwommen, die ganze Welt war verschwommen und verschwand hinter Wasser und Wind.<\/p>\n<p data-p-id=\"f78c52122bc744d7ea45a0174ed7dd07\">\u201eOsse Emberbey!&#8221;, h\u00f6rte er den entsetzten Ruf von Wa\u00fdreth Althopian, irgendwo hinter und unter sich in dem Loch.<\/p>\n<p data-p-id=\"c36d6544dbfdad2868f8bd023806ee40\">\u201eLasst mich, Herr Wa\u00fdreth!&#8221;, rief er zur\u00fcck. \u201eEs ist nicht wert, dass Ihr Euch zu Tode st\u00fcrzt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bc021e42299c9d96707dacca7697f760\">\u201eBei den M\u00e4chten, Junge! Lass ab und komm sofort wieder her!&#8221; Er h\u00f6rte eine Bewegung hinter sich, Der Ritter tauchte aus dem Loch auf, aber es war noch zu eng, als dass er sich h\u00e4tte hindurchzw\u00e4ngen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5d4a2162f4856c2db3802c281049b4ca\">\u201eBleibt zur\u00fcck, Herr Wa\u00fdreth&#8221;, sagte Osse, dem im selben Moment erschreckend klar wurde, wo er war, was er tat und sich kaum erkl\u00e4ren k\u00f6nnte, wie er auf das Dach in den Regensturm gekommen war, gehalten nur von dem Streithammer, w\u00e4hrend Wind um ihn peitschte und an ihm r\u00fcttelte. \u201eIch bereite Merrit den Weg. Nehmt Ihr Euren Sohn entgegen!&#8221; Aber Althopian war schon wieder verschwunden. Den leisen Ger\u00e4uschen, die durch den prasselnden regen und brausenden Wind zu h\u00f6ren waren zu urteilen, suchte er hektisch nach einem Werkzeug, um das Loch zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n<p data-p-id=\"8316725a2ac92effaf286116058b9b01\">Osse h\u00f6rte das, stand und zitterte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c64026e92e12c736ba3956d3a8be2b5e\"><em>Was redest du da?, <\/em>meldete sich da die Stimme seiner Mutter, die er f\u00fcr einen Moment vergessen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"15ad82d286ff088dfd0ecd9e4f1c07b7\"><em>Du selbst hast es mir aufgetragen. Du musst es wissen!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"45da688c5098fc5f01896dbce732f5b7\"><em>Deine Schutzbefohlenen sind sicher. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e8505484d296a872d045879cec7b4a27\"><em> Meine Schutzbefohlenen? Wovon redest du?<\/em> <em>Sag den Namen<\/em>, forderte Osse kalt. Ganz im Widerspruch dazu loderte eine Emotion in ihm auf, die ihm so fremd war, dass sie ihn entsetzte. Zorn, blanker, hei\u00dfer Zorn. Und die Stimme schwieg, als wisse sie nicht weiter.<\/p>\n<p data-p-id=\"abc5a76d15f4cbc3429f45f7c4a6bb79\">Sie wusste nicht, wer Ra\u00fdneta war! Sie mochte das mit dem K\u00e4fer und der Schnecke irgendwie dem armen Merrit entrissen haben, aber sie kannte nicht den Namen ihrer eigenen Tochter, mit der sie ihr Leben getauscht hatte. Die leben durfte, damit sie in ihr bei ihm war.<\/p>\n<p data-p-id=\"c7b79a83db908e3d3e3c69d9a16eb3a5\">Die liebevolle Frauenstimme war nicht echt. Es war etwas anderes, etwas Gemeines, etwas Grausames in seinen Verstand eingedrungen, um ihn zu t\u00e4uschen! Und er hatte sich von ihrer so hei\u00df geliebten Stimme locken lassen wie ein Wiegenkind mit einem St\u00fcck Konfekt.<\/p>\n<p data-p-id=\"698e81276c3dde1b2cf0c85300a5fec9\">Und nun stand er, Osse Emberbey, der, um den es nicht schade war, hier, im Wind, im Regen, auf rutschigen, glatten Schindeln, und alles, was ihn davor bewahrte, in den Abgrund zu st\u00fcrzen, war dieser spitzige Hammer, der im Dach steckte, in Scherben und viel zu locker.<\/p>\n<p data-p-id=\"878d97fc6da8803078a08037b8706a11\">\u201eOsse Emberbey!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"51395ecbf77e23f7cc288936ed628ab2\">Die Stimme der <em>teirandanja<\/em> k\u00e4mpfte sich durch das Sturmbrausen. Das M\u00e4dchen hatte die Gelegenheit genutzt und war ihrerseits auf die Leiter geklettert, gegen den Protest und das Schelten des Ritters, das schwer zu verstehen war, denn ihr schlanker Kinderleib verschloss das Loch. Osse wandte sich um und sah einen unf\u00f6rmigen, blond-wei\u00dfen Fleck hinter der Regenwand. Mehr erkannte er nicht ohne Brille. Er lie\u00df zaghaft mit der einen Hand den Griff des Hammers los, tastete er nach den Augengl\u00e4sern und versuchte, sie aufzusetzen. Aber es gelang nicht. Schief sa\u00df sie auf seiner Nase, aber durch den Regen, der sich augenblicklich darauf absetzte, erkannte er sie nun. Sie war eine Arml\u00e4nge von ihm entfernt und versuchte, nach ihm zu greifen. Aber er war knapp au\u00dfer ihrer Reichweite.<\/p>\n<p data-p-id=\"12b50b2aa83669f00793ea4573cd4178\">\u201eOsse Emberbey! Ich, Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor, deine k\u00fcnftige <em>teiranda<\/em>, ich <em>befehle<\/em> dir, sofort herzukommen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eaa6c7b5a680ffdc2d9768761aca12ef\">\u201eMajest\u00e4t! Das Dach &#8230; ich habe &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3061938446512821c180d7d2265a6d4c\">\u201eDu hast das Brot gegessen, Osse Emberbey,&#8221; rief sie, in ihrer Stimme eine seltsame Mischung zwischen Flehen, Vorwurf, Autorit\u00e4t und Scham. \u201eDu hast mir deine Treue und deinen Gehorsam geschworen! Komm wieder runter und krieche zu mir hin!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bb4de23415367282785a40c037997e31\">\u201eIch kann nicht!&#8221;, gestand er zitternd, w\u00e4hrend die Stimme der Mutter in seinem Kopf pl\u00f6tzlich zu kichern begann, ein Laut, der unglaublich falsch und grausig klang. Seine Mutter hatte niemals so h\u00e4misch und schadenfroh geklungen. \u201eIch st\u00fcrze ab!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"616db95031517b7bde1d634fccd15ae4\">\u201eIch <em>verbiete<\/em> dir, abzust\u00fcrzen!&#8221;, rief die <em>teirandanja<\/em>, entgegen aller Logik. \u201eDu sollst mein <em>mynstir<\/em> werden, Osse Emberbey! Ich werde dich bauchen, in ein paar Sommern!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f9207fff9bbf730f7fd18348816e9b5d\">\u201eUnd Merrit? Wenn ich schon einmal hier bin &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"107d9b34de951e1156476e2a83e8644f\">\u201eMerrit &#8230;&#8221; Sie z\u00f6gerte. Als ob es sie \u00dcberwindung kostete rief sie, w\u00e4hrend Althopian dumpf und vermessen mit ihr schimpfte: \u201eMerrit Althopian soll der erste unter meinen <em>yarlay<\/em> werden, in allen Ehren und Pflichten. Ich brauche Euch! Ich brauche Euch <em>beide<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a8f6f9ddeadf7abb02c37a4c0a9cc67\">Osse lauschte auf das widerliche, gef\u00e4lschte Lachen, die b\u00f6se Stimme, die ihn \u00fcbert\u00f6lpelt, die irgendwie Zugang zu seinem Herzen gefunden hatte. Eine Windb\u00f6 stie\u00df nach ihm. Der Junge glitt aus, griff im letzten Moment zu und lag nun wieder auf dem Bauch auf dem Dach. Im selben Moment erzitterte der Turm erneut, und etwas knirschte und knackte im Dach, als st\u00fcnde es unter Spannung. Osse kannte ein \u00e4hnliches Ger\u00e4usch. Vom Eis. Im Winter. Seine Brille entglitt ihm und rutschte fort, aber Manj\u00e9v haschte danach und erwischte das kostbare Ding, bevor es verloren war.<\/p>\n<p data-p-id=\"5731be3c3c9487d8a4b69ff1628176a3\">\u201eIch habe es&#8221;, rief sie ihm zu, kletterte noch ein St\u00fcck h\u00f6her und war nun auch bis zur Taille im Freien.<\/p>\n<p data-p-id=\"25b26238f3201c7e19c61fec52d2ba0a\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, rief Osse entsetzt. \u201eGeht zur\u00fcck!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d385d8f96a0fbdd89822f8ccd91653f\">\u201eNur, wenn du mitkommst! Komm, wir gehen zu <em>yarl<\/em> Althopian zur\u00fcck. Ich verbiete ihm auch, mit uns zu schimpfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"461add535d6917eea2ad3d3d20c5a12a\">\u201eIch traue mich nicht&#8221;, gestand er, w\u00e4hrend der Wind erneut Anlauf nahm. \u201eEs ist so glatt &#8230; wenn ich den Hammer loslasse &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"abf0553e7de666e0536ca20bb772cfc7\">Sie reckte sich zu ihm. Dann sp\u00fcrte er ihre kleine zarte M\u00e4dchenhand an seinem Kn\u00f6chel.<\/p>\n<p data-p-id=\"e3a082e0584fa84b8f1c2b1e3d9cdec0\">\u201eIch halte dich fest&#8221;, versprach sie. \u201eUnd Herr Wa\u00fdreth h\u00e4lt mich. Komm. Wenn du abrutscht, bleibst du an mir h\u00e4ngen. Dann ziehen wir dich rein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"929fb1c5dbc0723306e3cb69be687609\">Er z\u00f6gerte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f203d9865bfa7a752cc64e7f16220448\">\u201eMerrit w\u00fcrde nicht wollen, dass du das tust&#8221;, sagte sie eindringlich. \u201eDu bist doch sein Freund. Wenn einem von euch etwas zust\u00f6\u00dft, dann &#8230; dann habe ich es verdorben!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"14586cf93fcba315d5033bbc36de7f36\">Osse schloss die Augen und empfahl sich den M\u00e4chten. Dann lie\u00df er den Streithammer los.<\/p>\n<p data-p-id=\"0d0f63ba2da6fbdd974870057387c0c0\">Im selben Moment gab das Dach unter ihm nach, wie eine Eisscholle aus dem Wasser. Ein ohrenbet\u00e4ubendes Knarren und Knirschen schallte durch das Brausen und Prasseln des Regensturms. Dann st\u00fcrzten Schindeln, Holzsplitter und Osse Emberbey selbst in die Tiefe, wie durch die \u00d6ffnung eines Trichters, und Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor, die zu nah an der Bruchkante gelegen hatte, wurde mit hinein gezogen in eine schwarze, formlose Finsternis, bevor Wa\u00fdreth Althopian es verhindern konnte. In den H\u00e4nden des Ritters blieben nur ein Kinderschuh und ein Fetzen wei\u00dfer Leinenstoff \u00fcbrig, den er von ihrem h\u00fcbschen kostbaren Kleidchen gerade noch hatte erhaschen k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2586","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2586","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2586"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2586\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3726,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2586\/revisions\/3726"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2586"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2586"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2586"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}