{"id":2574,"date":"2025-08-25T12:55:54","date_gmt":"2025-08-25T10:55:54","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2574"},"modified":"2025-09-01T09:26:55","modified_gmt":"2025-09-01T07:26:55","slug":"071-von-geistersand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/071-von-geistersand\/","title":{"rendered":"071: Von Geistersand"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"ece3fde1918fae365de7079d86e89b8a\">Das M\u00e4dchen lie\u00df sich ohne Widerstand von Sileda\u00fa durch den Ciel\u00e1stel zerren. Die Wange der Kleinen war flammend rot, wo die Hand der Alten sie mit ganz \u00fcberraschender Wucht getroffen hatte. Das Kind war in Schockstarre. Offenbar hatte es niemals zuvor in seinem noch nicht allzu lange w\u00e4hrenden Leben Gewalt erfahren. Warum auch? Schattens\u00e4nger neigten weder zu Temperamentsausbr\u00fcchen noch zu Handgreiflichkeiten.<\/p>\n<p data-p-id=\"3fb8991647e174c3cd08cf7601f95f13\">Sileda\u00fa l\u00e4chelte befriedigt, zerrte das M\u00e4dchen hinunter auf den Hof und von dort hin\u00fcber in den Stall. Wenn sie es schnell genug anstellte, w\u00fcrde ihr dort vorerst kein Regenbogenritter in den Weg kommen. Die Sieben, C\u00fdel\u00fa und Elos\u00e1l waren in Pataghius Halle versammelt. Sileda\u00fa war \u00fcberzeugt davon, dass der Goldene der <em>faj\u00eda<\/em> nichts von seinem urspr\u00fcnglichen Auftrag preisgeben w\u00fcrde, solange er damit rechnen musste, dass ein falsches Wort das gro\u00dfe Unheil ausl\u00f6sen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3548bea859a39e8903e7c6948ebac928\">Im hinteren Winkel des Stalls stand in einer Nische ein wenig n\u00fctzliches Ger\u00fcmpel, das zu sperrig war, um es in der Sattelkammer zu verstauen, aber zu wichtig, um es in einen Keller zu verbannen. Darunter, das wusste die Alte, war ein gro\u00dfer goldener Vogelk\u00e4fig, der eigentlich dazu diente, Prachtv\u00f6gel zu transportieren. Gelegentlich verirrten sich die aggressiven Biester in die G\u00e4rten der <em>faj\u00eda\u00e9<\/em> und erschreckten dort die Einh\u00f6rner, wenn sie unvermittelt trompetend aus dem Geb\u00fcsch aufflatterten. Die Regenbogenritter fingen die Prachtv\u00f6gel dann ein und brachten sie fort, zur\u00fcck in die H\u00fcgel. So ein K\u00e4fig war gerade gro\u00df genug, damit auch ein zartes Kind darin sicher eine Weile verwahrt war.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c74afd763651fbf19d7b16ba68646c4\">\u201eGeh da rein&#8221;, forderte die Alte schroff und \u00f6ffnete die Gittert\u00fcr.<\/p>\n<p data-p-id=\"51e9cb11096dac75473d233a35cde8ef\">\u201eIch will nicht&#8221;, murmelte D\u00fdamir\u00e9e.<\/p>\n<p data-p-id=\"42daf36b262bd7a2e4ee5071d8991b1a\">\u201eStell dich nicht an. Dir macht Gold nichts aus, das habe ich gesehen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d9d4b1bdf6be029d210435edfe739533\">\u201eDer Gro\u00dfmeister hat gesagt, ich bin euer <em>Gast<\/em>&#8220;, beharrte das Kind. \u201eDie <em>faj\u00eda<\/em> ist gut! Die wollen bestimmt nicht, dass du mich einsperrst! Das ist b\u00f6se!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"72e6cfb96cdbaba224f95f395e16adb1\">\u201eDas kann ich wohl selbst entscheiden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6a9c7781ad00e1e7a988bb7155e69c55\">\u201eMan soll nichts einsperren&#8221;, beharrte D\u00fdamir\u00e9e.<\/p>\n<p data-p-id=\"c0e15a9f21ef78c88b70c9e764425d9f\">\u201eWirst du wohl gehorchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"44200ffecc074c11f5761d25ff04b803\">\u201eBist du eine b\u00f6se Hexe?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e15c2f91179b3d56916ffe077f8e47e\">Sileda\u00fa blinzelte verwirrt. \u201eEine was?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ffc9a451dda5776176968b434c4e9ea2\">\u201eDie M\u00e4rchenhexen wollen auch immer Kinder einsperren. Und sie gewinnen am Ende niemals&#8221;, redete die Kleine konfus weiter. \u201eDie Kinder werden <em>immer<\/em> gerettet. Jemand wird kommen und dich besiegen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"61de35f04c2906caa25105d27c85182a\">\u201eGeh jetzt sofort da hinein&#8221;, zischte Sileda\u00fa und hob drohend die Hand.<\/p>\n<p data-p-id=\"0143f314808af40dbb974ea80a3ef40b\">Das M\u00e4dchen warf ihr einen finsteren Blick zu. Aber es war verst\u00e4ndig genug, um seine Lage richtig einzusch\u00e4tzen. D\u00fdamir\u00e9e kletterte wortlos in den Prachtvogelk\u00e4fig und setzte sich mit angezogenen Beinen hin. Sileda\u00fa schloss die T\u00fcr, verriegelte sie und atmete auf. Das war f\u00fcr den Moment geschafft.<\/p>\n<p data-p-id=\"7964160acbeb5dd4092373bc9c4bfb31\">\u201eMein Papa und meine Mama holen mich hier heraus&#8221;, beharrte das Kind trotzig.<\/p>\n<p data-p-id=\"09d4990d5d9c0ec35a04b4bf3e136080\">\u201eDas will ich sehen&#8221;, spottete Sileda\u00fa. \u201eHat dir niemand beigebracht, dass Schattens\u00e4ngermagie an Gold abprallt? Nicht einmal mit den H\u00e4nden ber\u00fchren k\u00f6nnte dein Vater dieses Schloss. Selbst wenn er in diesem Moment hier w\u00e4re, er bek\u00e4me dich niemals dort hinaus.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a2bfb129fcaebb72c37962120c7598d6\">\u201eUnd jetzt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d07f341fa11ec36f3c06c3362d39eb3f\">\u201eKeine Sorge. Du bleibst nicht lange da drin. Nur solange, bis mir eingefallen ist, wo ich dich noch besser unterbringen kann. Ich glaube, ich wei\u00df sogar schon, wo das m\u00f6glich w\u00e4re.&#8221; Aber dazu, dachte die Alte, ben\u00f6tigte sie Hilfe. Doch das konnte sie in den n\u00e4chsten Stunden regeln.<\/p>\n<p data-p-id=\"8c42897e4132323df1dfcf9e59318958\">\u201eIch habe Hunger&#8221;, quengelte das Kind. \u201eUnd was ist, wenn ich mal muss?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0a07fecd352ba2611b28d1c6c3896e69\">Sileda\u00fa hob erstaunt die Brauen. Das wurde ja immer besser. Das Kind hatte <em>k\u00f6rperliche Bed\u00fcrfnisse<\/em>? War das ein Hinweis darauf, dass die Schwarzgewandeten <em>degenerierten<\/em>?<\/p>\n<p data-p-id=\"a2506bee07bd2aa80bef76eeacc936cf\">Sie kam nicht dazu, sich Gedanken dar\u00fcber zu machen, denn eine weitere Person n\u00e4herte sich. Der unkundige Stalldiener kam heran, angelockt von den Stimmen. Er hatte Ersatzfedern in der Hand, die zu Perlenglanz&#8217; Fellfarbe passten und schaute nun verbl\u00fcfft auf das M\u00e4dchen in dem K\u00e4fig, versteckt inmitten des Ger\u00fcmpels.<\/p>\n<p data-p-id=\"57fc4643fca6cb4c58ce92a4a93c4dd1\">\u201eEs ist nicht n\u00f6tig, den <em>arcaval&#8217;a<\/em>y zu melden, dass sie hier ist&#8221;, sagte Sileda\u00fa. \u201eWenn jemand fragt oder sich wundert, soll er sich an mich wenden. Ich erkl\u00e4re es ihnen schon selber.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a13fdc6938ab398ce5d414a1eb52d670\">\u201eDas ist&#8217;n Kind&#8221;, sagte der Unkundige einf\u00e4ltig. \u201eWas macht&#8217;n Kind im Stall?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"08883fba4f13752b5345120c698fff71\">\u201eDas ist kein Kind&#8221;, behauptete Sileda\u00fa. \u201eDas ist eine widerliche Ausgeburt der Verderbnis, deren Existenz die M\u00e4chte l\u00e4stert! Halt du dich von ihr fern!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"137fefc28b968d32bed654d2c8861b30\">Der Mann kam z\u00f6gernd n\u00e4her. D\u00fdamir\u00e9e musterte ihn mit ihren gro\u00dfen hellgr\u00fcnen Augen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7942b7bbc9cbef893b7b015b2ad633a6\">\u201eIst&#8217;n s\u00fc\u00dfes kleines M\u00e4dchen&#8221;, widersprach der Stalldiener. \u201eSeh&#8217; ich doch von hier aus!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eeadef4a6c1b3548285fb654722d4253\">\u201eDas ist <em>Schattens\u00e4ngerbrut<\/em>&#8220;, zischte Sileda\u00fa. \u201eDu wei\u00dft, was das bedeutet, Dummkopf!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"89e92f5d8835ec4a96950c80c64ad58c\">\u201eBei den M\u00e4chten&#8221;, sagte der Stallmeister und wich erschrocken einen Schritt zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"b6e5853e0d6904bd9c1599603527fde8\">\u201eWas bedeutet das denn?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e.<\/p>\n<p data-p-id=\"e8eedbd5551ec740aabec747dc3f5128\">\u201eHalt den Mund, vorlautes Balg&#8221;, fuhr Sileda\u00fa sie an.<\/p>\n<p data-p-id=\"dd1a9c5ec42b04ba238b232ff0a99ea0\">\u201eWarum hat der Mann pl\u00f6tzlich Angst?&#8221;, beharrte das Kind. \u201eIch will das wissen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc98f8cffb30232b181ff0b77f1e557c\">Die Greisin warf einen Blick zwischen beiden hin und her und verschr\u00e4nkte dann stirnrunzelnd die Arme vor der Brust. \u201eHat dein Vater dir nie etwas \u00fcber die Chaoskriege und die Schlacht um Aur\u00f3p\u00e9a erz\u00e4hlt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"58e877177ffff93a9d0afcf6b27da0d2\">\u201eNein&#8221;, antwortete das Kind arglos.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec7bcebf2d311a28cefc99c3b20f67d3\">\u201eTr\u00e4nen, Tod und Vernichtung haben Schattens\u00e4nger \u00fcber Aur\u00f3p\u00e9a gebracht. Frag nur deinen neuen Freund, den aufs\u00e4ssigen Advon, <em>falls<\/em> du ihn noch einmal zu Gesicht bekommst. Gleich vier seiner Tanten hat ein einziger Schattens\u00e4nger mit einem Streich aus dem Weltenspiel getilgt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bcf3238720e5a95fda500188b364856a\">D\u00fdamir\u00e9e runzelte die Stirn. \u201eDas ist nicht wahr&#8221;, behauptete sie. \u201eSchattens\u00e4nger tun niemandem etwas zuleide.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"28947113b5579e00059ddd68ead4af0b\">\u201eAch?&#8221;, l\u00e4chelte Sileda\u00fa d\u00fcnn und wandte sich dem Stallmeister zu, der unschl\u00fcssig immer noch da stand, zugleich verst\u00f6rt und fasziniert, und offenbar nicht daran dachte, sich zu entfernen. \u201eUnd du? Was wei\u00dft du dar\u00fcber?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2bd4ea054e8b37f05f5a9690885fdbcb\">Der Mann schaute betreten auf die Einhornfedern hinab.<\/p>\n<p data-p-id=\"0073e6139849a68b41ac63eaa3df2c9f\">\u201eHatte einen sch\u00f6nen Weinberg, mein Urgro\u00dfvater, etwas landeinw\u00e4rts, n\u00f6rdlich von Aur\u00f3p\u00e9a&#8221;, erz\u00e4hlte er dann. \u201eAlles kaputt. Die halbe Familie tot. Verfluchte Schwarzm\u00e4ntel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5689801d6e2ecd3386eac018cb45c0a0\">\u201eDa h\u00f6rst du es&#8221;, sagte Sileda\u00fa.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec468ea65d314de6e4c03c7fe834bd42\">\u201eMein Vater&#8221;, beharrte das Kind leise, \u201ehat aber <em>niemals<\/em> jemanden get\u00f6tet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c0a17571d234a14ecdf66fa1f9d0983\">\u201e<em>Noch<\/em> nicht&#8221;, sagte Sileda\u00fa k\u00fchl. \u201eUnd du da, um auf deine Frage zur\u00fcckzukommen: Das Kind ist vor\u00fcbergehend hier und f\u00fcr dich und die Tiere v\u00f6llig ungef\u00e4hrlich, solange es in diesem Goldk\u00e4fig sitzt. K\u00fcmmere dich einfach nicht um sie. H\u00f6re nicht auf sie, falls sie ruft und schreit und jammert. Sie wird mit Sicherheit versuchen, dich zu \u00fcberlisten, sie herauszulassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b4ffc3c8e01b48d1e1791c62b1353ab\">\u201eWenn du das sagst&#8221;, stimmt der Stallmeister zaghaft zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"51853ec94655502e1b655763ff3852f1\">\u201eUnd lass dich nicht von ihrem niedlichen \u00c4u\u00dferen und unschuldigen Blick t\u00e4uschen. Sie k\u00f6nnen <em>t\u00f6ten<\/em> mit ihrem Blick. Das Gold sollte dich vor dem \u00c4rgsten sch\u00fctzen, aber m\u00f6glicherweise kann sie dich <em>verletzen<\/em>. Schau sie am besten gar nicht an und h\u00f6r nicht hin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f7aae48bcbb434282b45d79e7cc7a4be\">\u201eUnd wie lange bleibt sie &#8230; hier?&#8221;, fragte der Stallmeister und betrachtete das Kind nun mit einem ganz anderem, argw\u00f6hnischen Blick. Etwa so, als habe er eine giftige Spinne entdeckt, die zu weit weg war, um sie zu zerquetschen. Etwas, das er wirklich nicht gern in der N\u00e4he seiner Tiere hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"24241f9bfe16fad5799baeeed2fe498b\">\u201eIch mache mich gleich auf den Weg, um eine L\u00f6sung zu finden. Ich denke, binnen der n\u00e4chsten vier Gongschl\u00e4ge werde entweder ich selbst oder jemand in meinem Namen hier sein, um sich um die Sache zu k\u00fcmmern. Du hast doch bestimmt in der Zeit genug Wichtiges zu tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2ff56f91b17bfdec75712f54281ac247\">\u201eSicher&#8221;, sagte er verunsichert. \u201eMuss einen Fl\u00fcgel reparieren &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ad9050a4e723c780954d301c0ffac3a3\">\u201eDann mach hier drin nicht mehr als n\u00f6tig und lass dich nicht zu irgendwelchen Dummheiten verf\u00fchren. Sicher f\u00fchrt das Kind bereits etwas im Schilde. Ihr, die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> und du, ihr k\u00f6nnt euch gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dass ich da bin und mit der Gefahr umzugehen wei\u00df.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c4c66104ccfe12ad63830e910ccd44d\">\u201eDie schlimme alte Frau l\u00fcgt&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e. \u201eIch finde, das solltest du wissen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"74432bb9a727fc068f3b69d4b97cd40c\">\u201eSiehst du? Es f\u00e4ngt schon an. Ach, ihr M\u00e4chte, welcher \u00dcbermut hat C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor nur geritten, dieses die M\u00e4chte l\u00e4sternde Wesen herzubringen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e0bc0f78fdef0f941ae09f8fc5af8f2\">Der Stallmeister schaute unbehaglich auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"1a4001ed822de0bf2e41214c1e1726ba\">\u201eDu musst keine Angst vor mir haben&#8221;, beteuerte D\u00fdamir\u00e9e zutraulich in seine Richtung. \u201eIch bin ganz bestimmt nicht gef\u00e4hrlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff1beee0a1e438c2ca704798e1358e49\">\u201eSie sind listig. Egal, was sie erz\u00e4hlt: Verschlie\u00df deine Ohren. Ich &#8230;&#8221; Sileda\u00fa z\u00f6gerte. Warum eigentlich nicht?<\/p>\n<p data-p-id=\"937cabb9c16bebf035b85c6da2e4346d\">\u201eWenn ich zur\u00fcckkomme und du ihrem Geplapper tapfer widerstanden hast, dann habe ich dir eine gute Belohnung zu bieten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b67d4bea25229409c067679c6bcf934\">\u201eBelohnung?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6517f05900a8d4e57a585f12298967ec\">\u201eUnd ganz ohne Aufwand. Alles, was du tun musst, ist das kleine Biest bis sp\u00e4testens heute Nachmittag zu ignorieren. Kannst du das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e3a139d57297de2e8bb5afe68a03bf67\">\u201eWas f\u00fcr eine Belohnung?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3736a87825064d9d59c58c7fd7469a04\">\u201eWie w\u00e4re es mit einer guten Handvoll Silberm\u00fcnzen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fa10c1651d81831c1bd078e17aa00688\">Der Stallmeister z\u00f6gerte. Dann wandte er sich ab und verschwand in den Verschlag, wo Perlenglanz stand, die Schnauze tief in einem Eimer Hafer, und entspannt zulie\u00df, dass der Mensch sich an seinem besch\u00e4digten Fl\u00fcgel zu schaffen machte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8cf2a6ae87d116c129dd590ec775f5ca\">Sileda\u00fa wartete noch kurz, versicherte sich, dass er tats\u00e4chlich besch\u00e4ftigt war.<\/p>\n<p data-p-id=\"b757b83ad9abb264619aa3919ee0f063\">\u201eIch bin tats\u00e4chlich fast sicher, dass dein Vater hier auftaucht&#8221;, sagte sie. \u201eFragt sich nur, was ihm einfallen wird, um C\u00fdel\u00fa dazu zu bringen, dich freizugeben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73ca55aec8787f9af7265576057e67e1\">D\u00fdamir\u00e9e seufzte. Dann drehte sie sich um und kehrte Sileda\u00fa den R\u00fccken zu. Die Alte blieb noch einen Augenblick stehen und beobachtete sie. Der kleine schwarzgewandete K\u00f6rper bebte. Weinte das Kind?<\/p>\n<p data-p-id=\"660c113cb875b5c3b396c8ed1b5d4875\">Nun, es blieb nicht die Zeit, es auszukosten. Sileda\u00fa hatte keine Zeit zu verlieren. Advon war gut verschlossen. C\u00fdel\u00fa w\u00fcrde schweigen, so sehr Elos\u00e1l und die anderen auf ihn eindrangen. Alle zusammen waren besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"5fa9c4866c5229b34afbec81c688bca5\">\u201eJemand wird dich holen&#8221;, sagte sie. \u201eUnd wenn es dein Vater ist, werde ich ihn <em>pers\u00f6nlich <\/em>willkommen hei\u00dfen. Lass dir die Zeit nicht zu lang werden, Kleines.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6e3ba36e12dd50302ddd37b095865ad6\">Sie gab D\u00fdamir\u00e9e noch einen Augenblick, um darauf zu reagieren, aber die Freude tat ihr das Kind nicht. Egal. Die Zeit dr\u00e4ngte, je n\u00e4her Patagh\u00edus Glanz dem Montaz\u00edel kam. Sie musste sich sputen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2a169bf43e0411a9f648c45c653d7fae\">Kaum, dass die Alte den Stall verlassen hatte, wandte das M\u00e4dchen sich wieder um und versuchte, auf die Stallgasse zu sp\u00e4hen. Aber das brachte nicht viel, da die Nische mit dem Prachtvogelk\u00e4fig etwas zur\u00fccksprang. Doch sie konnte einen Blick schr\u00e4g auf die gegen\u00fcberliegende Seite erhaschen, wo sich hinter goldenen Gittern ein gro\u00dfes Tier bewegte. Es \u00e4hnelte Perlenglanz, aber sein Fell gl\u00e4nzte nicht matt wie Perlmutt, sondern war viel bunter, trug in einem wirren Muster alle schillernden Farben einer Seifenblase. Mit aufmerksam aufgestellten Ohren und r\u00e4tselhaften Reptilienaugen blickte es neugierig zu D\u00fdamir\u00e9e hin. Es war wundersch\u00f6n und von unschuldiger Gef\u00e4hrlichkeit.<\/p>\n<p data-p-id=\"60b6ccc25bbe9101ab4e3704ff45996a\">Das M\u00e4dchen l\u00e4chelte. Und das Einhorn schnaubte freundlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"05f892ece7d2bbfd6f585e07ea965866\">Merrit Althopian kauerte sich in der Dunkelheit an der T\u00fcr zusammen und umklammerte seinen rostigen Streitflegel, wie er es als ganz kleines Wiegenkind mit seinem Kuscheltier getan hatte. Bei den M\u00e4chten, was g\u00e4be er nur darum, nun wieder ein kleines Kind zu sein, wie damals, in Zeiten, zu denen er sich noch vor L\u00e4cherlichkeiten gef\u00fcrchtet und in die Arme der Mutter gefl\u00fcchtet war. Die <em>yarlara<\/em> von Iva\u00e1l hatte damals niemals auch nur in Erw\u00e4gung gezogen, ihren Sohn in die Obhut einer Amme oder sp\u00e4ter einer <em>opayra<\/em> zu geben, wie es in ihrer Heimat \u00fcblich gewesen w\u00e4re. Sie hatte den Sohn kaum von sich lassen wollen und ihn mit ihrer Liebe umh\u00fcllt wie mit einer w\u00e4rmenden, weichen Decke, sobald er vor irgendetwas schauderte, vor einem lauten Ger\u00e4usch oder wenn ein Gewitter Blitze und Donner brachte. Sobald Merrit Althopian aufrecht laufen konnte, hatte er begonnen, es ihr zu vergelten. Er hatte die haarigen Spinnen, vor denen sie sich f\u00fcrchtete, eingefangen und ins Freie gesetzt, noch bevor sie sie bemerken konnte. Und wenn der gro\u00dfe Hund im Raum war, der manchmal ungest\u00fcm an Menschen hoch sprang, dann hatte der kleine Merrit ihn am Halsband gepackt und mit Leibeskr\u00e4ften festgehalten, bis die Mutter an ihm vorbei war. Als der Junge alt genug war, um sein erstes h\u00f6lzernes Schwert zu f\u00fchren und allein auf einem Pferd sitzen konnte, hatte er begonnen, seine Zukunft als ritterlicher Held zu planen. Mindestens so gut, wenn nicht noch besser als sein Vater wollte er einmal sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"02449fad214548c8033d44a1cff44cf1\">Die Mutter hatte das mit z\u00e4rtlicher Belustigung beobachtet und ihn eines Tages auf den Scho\u00df genommen, als er verschwitzt von seinen \u00dcbungen und voller Schmutz und Tierhaar war, denn sein Pferd war gerade im Fellwechsel und mit ihm \u00fcber Stock und Stein und durch Schlammpf\u00fctzen geprescht. Ihrem duftigen bunten Gewand hatte das nicht gut getan, aber das war ihr unwichtig gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b1bdddfdf97bdaa47558e47486adf89c\">\u201eMerrit&#8221;, hatte sie gesagt und ihre makellose Stirn gegen den Dreck auf der seinen gepresst, \u201eich bin sehr stolz auf dich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3899e03bd4deed041b74422c5bf83f55\">\u201eIch will der beste deiner Ritter werden&#8221;, hatte er beteuert. \u201eGenau wie Papa.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"25dc0d5b34413facceccc4dbf984b5c9\">\u201eMerrit&#8221;, hatte sie belustigt geantwortet. \u201eDas ist ein edles Ansinnen. Aber du musst das nicht f\u00fcr <em>mich<\/em> werden. Willst du deinem Vater etwa seinen Platz streitig machen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"909ef9f89b01c3289896e492a33f430c\">\u201eWie meinst du das, Mama?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"78b5521dd176cc712337da0e1b002509\">\u201eDich wird einmal&#8221;, hatte sie erkl\u00e4rt und ihn an sich gedr\u00fcckt, \u201eeine andere Dame an ihrer Seite brauchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"70d159934bb65dcd7027944c80fc8c5d\">Das war der Tag gewesen, an dem er zum ersten Mal bewusst und auf sich selbst bezogen von Manj\u00e9v von Wijdlant geh\u00f6rt hatte. Die <em>teirandanja<\/em>, die nur wenig j\u00fcnger war als er selbst, die Tochter des Herrn seines Vaters. Das Weltenspiel sah es so vor, dass er einmal als <em>yarl<\/em> f\u00fcr ihren Ruhm, ihre Ehre und vor allem f\u00fcr ihre <em>Sicherheit<\/em> einstehen w\u00fcrde. Und ausgerechnet diese <em>teirandanja<\/em> hatte ihn nun, ohne dass er sich einer ausreichend gro\u00dfen Schuld bewusst war, in eine Lage gebracht, aus der er sich nicht einmal mit Heldenmut befreien konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"0866b9ddc7bc09cfb9cc35c42870a7fd\">Merrit strich voller Grauen \u00fcber den Fu\u00dfboden. Zuerst hatte er gedacht, er habe wohl bei seinem Herumirren in der finsteren Stube ein Schreibzeug umgeworfen und dabei, ohne es zu bemerken, ein L\u00f6schsandf\u00e4sschen geleert. Aber zwischenzeitlich sp\u00fcrte er so viel Sand am Boden, dass er seine Fingerspitzen darin vergraben konnte, bis er die Holzdielen sp\u00fcrte. Der Sand war gekommen, <em>nachdem<\/em> das Licht erloschen und der Raum v\u00f6llig verschlossen war. Wo, bei den M\u00e4chten, kam das Zeug her? Und konnte er dem Vater, der bis vor kurzem noch wie ein Besessener auf die T\u00fcr eingeschlagen hatte, erz\u00e4hlen, dass hier im Raum etwas absolut nicht normal war?<\/p>\n<p data-p-id=\"379a31fbc932eac3c436f1ea264f784b\">Und dann war das noch dieses unangenehme Gef\u00fchl, das sich erst eingestellt hatte, als er aus seinem Traum mit der sch\u00f6nen Roten Dame erwacht war. Merrit war noch zu jung, als dass er die richtigen Worte daf\u00fcr gefunden h\u00e4tte, was er tats\u00e4chlich empfand. Aber im Groben war es ihm, als s\u00e4\u00dfe irgendwo im Finsteren eine riesige, unsichtbare Spinne, die langsam begann, ihn mit hauchd\u00fcnnen Klebef\u00e4den einzuspinnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f60103b4155f26145db0f983f7201f2a\">Und nun war noch ein Ger\u00e4usch hinzugekommen, von oben. Ein regelm\u00e4\u00dfiges, monotones Prasseln. Merrit, der tapfere Merrit Althopian hatte sich die Ohren zugehalten und lautlos gewimmert, bis sein Verstand die Kontrolle zur\u00fcckerlangte und das Ger\u00e4usch als Regen auf den Dachschindeln \u00fcber den Fenster\u00f6ffnungen erkannte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3f3e654174641cf5fc5f998bea6952ce\">Der Vater war fortgegangen. Er solle sich keine Sorgen machen, hatte Wa\u00fdreth Althopian vor der T\u00fcr gerufen. Er hatte es versucht, aber nicht verbergen k\u00f6nnen, wie verst\u00f6rt er gewesen war. Er wolle nach etwas suchen, was effektiver gegen die T\u00fcr war als die Axt, die er zuvor gebracht hatte, in der Annahme, es handele sich um die ganz einfache, d\u00fcnne Zimmert\u00fcr, die sie augenscheinlich war. Ein St\u00fcck altes Holz, das ein kr\u00e4ftiger Mann mit gen\u00fcgend Wut h\u00e4tte einfach eintreten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"aa627e61c68ca3451e6b17e71937a882\">Ein Rammbock w\u00e4re nicht schlecht, dachte Merrit. Aber wie sollte man auf dem kleinen Treppenabsatz genug Anlauf und Kraft nehmen?<\/p>\n<p data-p-id=\"29d5ef879f152668d5dbd653cc3e2d93\">Der Sand unter seinen Fingern war warm und trocken, aber es <em>ekelte<\/em> den Jungen, ihn zu ber\u00fchren. Ohnehin hatte er bereits begonnen, ihm in Schuhe und Hemd zu kriechen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ebb7daaf4a15f806dc3a2dbe6a66c223\">Er lehnte sich gegen die T\u00fcr und bem\u00fchte sich, nicht zu weinen. Das war albern, obwohl niemand seine Tr\u00e4nen gesehen h\u00e4tte. Andererseits war auch niemand da, um ihn zu tr\u00f6sten und die Tr\u00e4nen z\u00e4rtlich wegzustreichen, wie die Mutter, wie damals, wenn er sich wehgetan hatte und den Schmerz noch nicht bezwingen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a2d314f8a9ba960f2b7cd58d5d684994\">Er schauderte und sprang auf, als es an der T\u00fcr klopfte, recht zaghaft und ohne metallenen Beiklang.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ae6a571a00c656bab2cc06d2c4ff3a1\">\u201ePapa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3f4021a598ca753d04aea7ba326f4772\">\u201eIch bin es, Merrit Althopian. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a695311e004eab7cabcc3004e13aa80e\">Bei den M\u00e4chten! Die <em>teiranda<\/em>! Was machte die denn nun hier?<\/p>\n<p data-p-id=\"47fc0930b84efb47ca4d8f2612e70794\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, rief er verst\u00f6rt aus, \u201ebitte, bitte, Hohe Dame, Herrin, helft mir! Ich bin hier aus eigener Dummheit eingesperrt worden!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0e3547479c617c615ba05bdbe97798a4\">\u201eDarum, ob es deine Dummheit war oder nicht, Junge, geht es nicht. Es sei denn, du willst mir sagen, was dich wirklich hierher gef\u00fchrt hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b68c448412722eec2397cfa262af0303\">Er z\u00f6gerte. \u201eNein&#8221;, sagte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"8bf4af2af523b1c6b7e94d21d56c0897\">\u201eAch, Kind. Ihr seid doch schon l\u00e4ngst durchschaut. Ist es so, dass meine Tochter dar\u00fcber Bescheid wei\u00df?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15297532c36744b2f2160de7cc51b1d6\">\u201eIch darf dazu nichts sagen, Majest\u00e4t.&#8221; Und dann, ganz zaghaft: \u201eDiese T\u00fcr wird sich nie wieder \u00f6ffnen, nicht wahr? Werde ich hier drinnen sterben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"05d595e43f037f14176c90b5bf253cb8\">\u201eAber nicht doch. Wir werden einen Weg finden, dich dort hinaus zu holen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"49ff1ea6bedaa44e6cc1ee702f7db4eb\">Sie verstummte. Er presste das Ohr an die T\u00fcr. Metall. Es kam n\u00e4her. Dann, ruhig, keine \u00dcberraschung in der Stimme des Vaters: \u201eIhr wisst, dass ich ihn gefunden habe, Herrin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"04705c59b94cd47f6e1832d40433c876\">\u201eIch wei\u00df auch, wer Euch davon berichtete. Ich verstehe nur nicht, warum die Kinder es uns nicht beichten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"065311303f64fda4736c8fc2a2c4fd78\">\u201eWeil sie denken, dass wir nichts ausrichten k\u00f6nnen&#8221;, sagte Wa\u00fdreth Althopian und lud mehrere schwere Gegenst\u00e4nde ab, die er auf den Turm geschafft hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"72752009c40c460bf165ed094d28f753\">\u201eUnd so bringt ihr die halbe Waffenkammer mit, und das Handwerkszeug aus der Schreinerei? Wie habt Ihr das erkl\u00e4rt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"32a499c06579e3a693ef79e76a9fe9e3\">\u201eIch gab Eurem Handwerker das Doppelte des Wertes und schickte ihn los, sich neues und besseres Werkzeug zu besorgen. Bis er von der n\u00e4chsten Schmiede zur\u00fcck ist, um mich hier im Haus f\u00fcr wunderlich zu erkl\u00e4ren, habe ich das verfluchte Ding vielleicht offen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7e784aebef7629eb627c1a57cf255b25\">\u201eNein&#8221;, sagte die <em>teiranda<\/em>. \u201eEs ist mit Magie verschlossen. Das bekommt Ihr mit einem Brecheisen nicht aufgestemmt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f8a5384b4c1a89e08b713d48cd7a7573\">\u201eEs war Meister Yalomiro, der diese T\u00fcr verzaubert hat, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0c448c10b76a8d8d374a3cd59c8a4c4b\">\u201eJa. Aber es war meine und Asga\u00fds Schuld, dass Kinder die Gelegenheit hatten, arglos hineinzugehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a106f180bd0017ff0bbe42a12a9b05e\">\u201eIch denke nicht, dass mein Sohn <em>zuf\u00e4llig<\/em> in das entlegenste Zimmer gegangen ist, das er finden konnte. Ob nicht vielmehr etwas ihn gelockt hat. Etwas Unwiderstehliches.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9249be79d79393b05285e6d27533135\">\u201eDas, Herr Wa\u00fdreth, ist nicht das vordringliche Problem. Ich sehe Euren Sohn in Gefahr, und meine Tochter in N\u00f6ten. Lasst uns diese T\u00fcr <em>gemeinsam<\/em> \u00f6ffnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3554da738893ccba01508861a85aab01\">Merrit horchte. Sie hatte es ausgesprochen. War das eine gute Gelegenheit, den Sand zu erw\u00e4hnen? Nein, entschied er sich. Es w\u00fcrde sie verwirren. Der Sand war sein Problem. Die Erwachsenen mussten die T\u00fcr \u00fcberwinden.<\/p>\n<p data-p-id=\"5f195bfd6512996b2a4e38bbcfc08d4c\">\u201eMeister Yalomiro zu rufen, ist in der K\u00fcrze der Zeit keine Wahl&#8221;, erkl\u00e4rte die <em>teiranda<\/em>. \u201eEs scheint etwas in seiner Heimat vorgefallen zu sein, das ihn regelrecht \u00fcberst\u00fcrzt fliehen lie\u00df. Selbst wenn jemand in den Boscarg\u00e9n fliegen k\u00f6nnte, es w\u00e4re gar nicht gesagt, das wir ihn dort antreffen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0fec523612e289101540b9d63c604a21\">\u201eDie T\u00fcr widersteht \u00c4xten und Hacken. Mit einer S\u00e4ge habe ich es noch nicht versucht, aber ich habe eine mitgebracht. Aber wo ansetzen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"13998f64e80780804e9981a9c2ca6407\">\u201eWas ist mit Feuer? L\u00e4sst sich die T\u00fcr vielleicht verbrennen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e2988482df5c4249c8ee5041fb712c1b\">\u201eUnd der Turm wom\u00f6glich gleich mit? Nein, Herrin. Ich werde meinen Sohn nicht aus Ratlosigkeit in Gefahr bringen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b7c36561268222484e0592696ae5bf69\">Sie schwieg einen Moment. \u201eEs tut mir so leid, Herr Wa\u00fdreth!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b7b3b173e824a0a280a3d7ade815e783\">\u201eIch werde mich nicht damit abfinden, Herrin&#8221;, sagte er mit ged\u00e4mpfter Stimme, aber Merrit verstand ihn dennoch, so deutlich als tr\u00fcge das Regengeprassel und das Rieseln des Sandes seine Stimme zu ihm, \u201edass dieses verfluchte Zimmer meinen Sohn verschlungen hat und ich mitansehen muss, wie es ihn verdaut. Ich lasse mir nicht mein Liebstes nehmen, nur weil gedankenlose Magier ihre wunderlichen Kr\u00e4fte nicht bei sich behalten k\u00f6nnen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a3466d292891c0281fa7b1ecb0d74cbb\">\u201eEs war nicht Meister Yalomiros Schuld!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f5e638d0ab96f403b06facda5bab03e1\">\u201eNein, seine Unachtsamkeit hat schon ausgereicht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1e21575e49a22a930f909957ff1f435e\">\u201eEr hat uns vertraut, dass wir sorgsam genug sind&#8221;, sagte sie k\u00fchl. \u201eIhr wisst nicht, welche Umst\u00e4nde hierher f\u00fchrten, ebenso wenig, wie ich es zurzeit wei\u00df. Versucht es mit der Axt oder der S\u00e4ge, oder beschafft meinetwegen von irgendwoher ein Kriegsger\u00e4t und schie\u00dft ein Loch in die Au\u00dfenmauer. Meine Erlaubnis habt ihr. Aber bevor Ihr etwas T\u00f6richtes tut, lasst uns beobachten, was die Kinder tun. Vielleicht geben die M\u00e4chte ihnen etwas Gangbares ein. Immerhin scheinen sie weit mehr \u00fcber die Sache zu wissen als wir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2b6d056db45b3311075d8d5e3c22bf0e\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, entgegnete er m\u00fchsam beherrscht, \u201eich habe einmal hinter dieser T\u00fcr gesessen und war diesem rotgewandeten Monster ausgeliefert. Ich habe in diesem Zimmer meine Ehre weggeworfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"11e6a86c68ffa09314718cf0945e787d\">\u201eWenn ihr w\u00fcsstet, was <em>ich<\/em> in diesem Zimmer weggeworfen habe, Herr Wa\u00fdreth, Ihr w\u00fcrdet mir nicht mehr in die Augen schauen k\u00f6nnen. Aber der Rotgewandete ist fort. Er wurde besiegt. Nie wieder wird er oder einer von seinesgleichen uns behelligen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bab4dea83974261bb85f18b6c2528276\">Sein Vater erwiderte fl\u00fcsternd etwas, aber Merrit verstand es nicht. Der Sand und der Regen prasselten zu laut.<\/p>\n<p data-p-id=\"3cd708d28b265222752cfce0c8fa2301\">Der Junge drehte sich um. Dort hinten, in der Finsternis, stand der Tisch, dar\u00fcber das Bildnis der Roten Dame.<\/p>\n<p data-p-id=\"0fa3696ba3495d5961384da5681560d2\">Wenn es etwas in diesem schrecklichen Zimmer gab, das gut mit ihm war, dann waren es die Rote Dame und der Tisch.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2574","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2574","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2574"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2574\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3823,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2574\/revisions\/3823"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2574"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2574"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2574"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}