{"id":2566,"date":"2025-08-25T12:59:55","date_gmt":"2025-08-25T10:59:55","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2566"},"modified":"2025-09-01T09:24:51","modified_gmt":"2025-09-01T07:24:51","slug":"079-mensch-und-monster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/079-mensch-und-monster\/","title":{"rendered":"079: Mensch und Monster"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"5bb4129f36597d6cf63c2a5075683d12\">Sie hatten ihm zugeh\u00f6rt, wie sie vermutlich nie zuvor in ihrem in K\u00fcrze endenden Leben gelauscht hatten. Vermutlich hatte keiner von ihnen damit gerechnet, dass ein gew\u00f6hnlicher <em>b\u00e1chorkor<\/em> eine solche Art von Geschichten kannte und teilte. Sogar der arme Kerl, der um seine Schwester geweint hatte, hatte sich nun beruhigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"6ce39931b2dca7d38217603b95be289a\">\u201eDanke&#8221;, hatte die Frau schlie\u00dflich noch gesagt.<\/p>\n<p data-p-id=\"a741bd974f2fa8d114e111cf096f12bf\">Gal\u00e9on hatte ihr zugel\u00e4chelt und dann begonnen, zu schweigen. Kein weiteres Wort durfte nun noch \u00fcber seine Lippen. Keiner von ihnen durfte nun seine Stimme noch einmal h\u00f6ren, so zerbrechlich, so zart und freundlich war das, was er mit ihnen getan hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"87b84ca076ce980de9b2e29f92d06b7f\">\u201eGut gemacht&#8221;, lobte das Traumphantom und schlenderte zu Gal\u00e9on hin\u00fcber, mitten durch den Kreis. Wie der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schon geahnt hatte, schienen die anderen ihn weder h\u00f6ren noch sehen zu k\u00f6nnen. Sie waren sozusagen unter sich. \u201eWer hat dir diese Worte eingegeben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"de0a13e264befdd962470a3eadc45cae\"><em>Tr\u00e4ume<\/em>, dachte Gal\u00e9on. <em>Das und eine Menge Erfahrung.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d21a8460d969c1d26895b25c6b691ddd\">Der geisterhafte Rotgewandete lie\u00df seinen marmorgrauen Blick \u00fcber die Todgeweihten wandern, denen die stechende Sonne nun nach und nach das Bewusstsein zu tr\u00fcben begann.<\/p>\n<p data-p-id=\"2b14aeb9a33b25aaee3bce2023f434df\"><em>Du hast das getan. Du hast mir in meinen Tr\u00e4umen zugefl\u00fcstert, in den letzten Wintern und Sommern.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"5d4940bc8f7727f6168886c638477bbd\">\u201eDu hast also im Schlaf von deinem Meister gelernt&#8221;, sagte das Phantom belustigt. \u201eSehr gut. Und nun? Willst du mehr? Willst du es richtig und den M\u00e4chten gef\u00e4llig? Bist du bereit, mehr \u00fcber dein Meisterst\u00fcck zu erfahren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"09e2ed063e5b0d447cdf99b4619365a3\"><em>Ich bezweifle, dass ich den M\u00e4chten noch einen Gefallen erweisen kann<\/em>. Gal\u00e9on versuchte, in die W\u00fcste hinein zu sp\u00fcren, aber Patagh\u00edus unbarmherziger Glanz begann, auch ihn zu verwirren. <em>Ist er noch da? Der alte Mann?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0a533180952bc8d05b8978998fbc428a\">\u201eJa. Er beobachtet alles, was hier geschieht. Du k\u00f6nntest stolz darauf sein. Er nimmt dich auf seine Weise \u00e4u\u00dferst ernst als Gegner.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"01763f49eede38912445c93c3b846e97\"><em>Wei\u00dft du, wer er wirklich ist?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"eff5e0c63caf0ae4db2679a1592e1c7a\">\u201eNat\u00fcrlich. Ich wei\u00df, wer er ist, was er vorhat und wie er es vollbringen will. Das alles ist keine \u00dcberraschung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"52e640526c306e83642bad6d5b9ea912\"><em>Aber du wei\u00dft nicht, wie es ausgeht?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"ca229880ecb833bd595a381231b4cfc3\">\u201eNein. Die Zukunft existiert noch nicht.&#8221; Das Traumphantom nickte Gal\u00e9on zu und schritt dann an ihm vorbei, aus dem Kreis heraus und aus dem Blickfeld des jungen Mannes.<\/p>\n<p data-p-id=\"7b06015408587727f23e405025d88e3b\">Gal\u00e9on seufzte lautlos und zerrte halbherzig noch einmal an den Einhornz\u00fcgeln. Aber die hielten fester und h\u00e4rter als Eisenketten. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> ergab sich und schaute wieder in die Kreismitte, auf den Sand, der in der Sonne glei\u00dfte. Nun war es v\u00f6llig still in der W\u00fcste, so still, dass er einen Augenblick lang irritiert war. War er taub geworden?<\/p>\n<p data-p-id=\"b2a4123a23fc1bd6bf6aea6b80db9005\">Stand die Zeit still?<\/p>\n<p data-p-id=\"7121d1d5c94f03025264d2c807ef604c\">War es so weit?<\/p>\n<p data-p-id=\"e6b8bb75eb59ba72d41798481370049b\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schloss seine F\u00e4uste um das magische Leder und hielt den Atem an. In der Mitte des Kreises ver\u00e4nderte sich etwas. Der strahlend wei\u00dfe Sand geriet in Bewegung, erst ganz langsam, kaum wahrzunehmen f\u00fcr das Auge, dann immer zugiger, schneller. Die helle Oberfl\u00e4che vermischte sich mit dem dunkleren Schichten darunter. Ein Strudel entstand, dann eine Spirale, die ausfaserte, sich vermehrte, zu wirbeln begann, tr\u00e4ge, wie z\u00e4hfl\u00fcssig. Die Wirbel drehten dich unterschiedlich schnell und in verschiedene Richtungen, wurden immer schneller, Sand stob einige Fingerbreit auf, als schraube er sich an einem, Wind empor.<\/p>\n<p data-p-id=\"6773236a328cdf4694de5d15fc71ff3b\">Die anderen wurden ebenfalls auf dieses Schauspiel aufmerksam.<\/p>\n<p data-p-id=\"d82465f07e705d339573edba15cb086c\">\u201eWas ist das?&#8221;, fragte der Amtsbetr\u00fcger mit schwerer Zunge.<\/p>\n<p data-p-id=\"d176a09414981123e5d19bc657d96a70\">\u201eBei den M\u00e4chten&#8221;, murmelte der Kr\u00e4uterh\u00e4ndler. \u201eDas ist wie &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a51f2266c20a2badac43d5a801d49182\">\u201eMacht, dass das aufh\u00f6rt&#8221;, kam es von der Frau. \u201eMacht das weg!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b3c88c0cf11a72c53ade89753ddb063c\">Immer wilder, immer h\u00f6her wirbelte der Sand zwischen ihnen, kreiselte empor, und dazwischen schossen kleine staubende Font\u00e4nen auf und zerplatzten wie die Luftblasen in einer siedenden Suppe.<\/p>\n<p data-p-id=\"2a8db86c66b268c317b20b1fbb3194b9\">\u201eNein!&#8221;, schrie die Verzweifelte und riss so panisch an seinen Fesseln, dass er sich den Arm verrenkte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b489b2b7b5c0cf5049907eaef97cdbc8\">\u201e<em>Ad&#8217;ree<\/em>&#8220;, fl\u00fcsterte Gal\u00e9on.<\/p>\n<p data-p-id=\"520a11c4ae44967ca6f503bd9d13ba50\">Und dann explodierte der Boden von \u00daldaises Richtst\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"1d6078f489efd786f4d7cf8afafdca12\">J\u00f3ndere Mor\u00e9aval tr\u00e4umte. Er befand sich in einem absonderlichen Traum, in dem er das schnellste Pferd ritt, das jemals seinen Huf in das Weltenspiel gesetzt hatte. Bevor er eingeschlafen war, war er noch ganz sicher gewesen, dass es sein gewohntes, treues Ross war, das er stets f\u00fcr l\u00e4ngere Strecken w\u00e4hlte, aber das war unm\u00f6glich. Sein Pferd war zwar ein hervorragender L\u00e4ufer aus den Herden von Wayreth Althopian (dem er daf\u00fcr einen stolzen, aber durch und durch fairen Betrag entrichtet hatte), aber selbst Althopian feurige Wunderpferde konnten nicht fliegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9211bf112c768412c1f5ba739e767565\">Aber genau das tat das Ross unter seinem Sattel. Nun, es flog nicht wirklich, nicht wie ein Vogel, nicht hoch in der Luft wie ein Adler oder der gefl\u00fcgelte Gaul, den der ehrlose Regenbogenritter gelenkt hatte. Es war vielmehr so, als sei es leichtf\u00fc\u00dfiger als ein Reh und ohne Gewicht. Im gestreckten Galopp rannte das Pferd, und jeder Satz, den es dabei tat, so schien es dem Ritter, brachte ihn mehrere L\u00e4ngen voran. Das war absurd.<\/p>\n<p data-p-id=\"3e1468c3c479381ba854bc5aaa3998ad\">Und folglich war es ein Traum.<\/p>\n<p data-p-id=\"054ad407cc44333b1f960cf65de70b2f\">Mor\u00e9aval hatte sich seinen Helm aufsetzen m\u00fcssen, so stark war ihm der Wind in sein Gesicht gepeitscht. Das schr\u00e4nkte seine Sicht ein, sodass der Ritter kaum bemerkte, wie die Heide unter den Hufen seines Reittieres in rasendem Tempo hinweg zu gleiten schien. Der Montaz\u00edel r\u00fcckte in einer Geschwindigkeit n\u00e4her, die Mor\u00e9aval ver\u00e4ngstigt h\u00e4tte, wenn er nicht fest davon \u00fcberzeugt gewesen w\u00e4re, in Wahrheit in seinem Bett, in den Armen seiner <em>h\u00fdardora<\/em> zu liegen und zu phantasieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"57a61d11547c760a6ef073bccf4fc5bb\">Die <em>h\u00fdardora<\/em>! Der Stein, den der Magier ihm f\u00fcr sie gegeben hatte, das wusste er genau, lag in seiner Tasche, genauso wie die Blumensamen f\u00fcr T\u00edjnje. So schnell wie m\u00f6glich musste er diese Sch\u00e4tze nach Wijdlant bringen!<\/p>\n<p data-p-id=\"9fbe8097833fe7163282d2e2a15b4ca8\">Ab und zu war ihm, als tr\u00fcge der Luftzug Stimmen an ihm vorbei, fl\u00fcchtige Rufe, aber so fern und rasch vor\u00fcber, dass er sich danach nicht einmal umschauen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"5b27486fd42153ff82ae825feb2b61ca\"><em>Meidet das Eisendorf<\/em>, hatte der Magier gesagt. <em>Macht einen Bogen um Valvivant. Rastet nicht, bevor Ihr den Boden von Wijdlant erreicht habt.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2d343f8e5e8abd8f2e55901000eff8fe\">Das, hatte er gesagt, k\u00f6nne er seinem Pferd nicht zumuten.<\/p>\n<p data-p-id=\"3c5d33cee529c29464e82b172ceb9e1e\">Er k\u00f6nne versichert sein, auch seinem Ross st\u00fcnde der Sinn danach, in seinen Stall zu kommen, hatte der Magier behauptet. Die Kraft daf\u00fcr h\u00e4tte er gesammelt.<\/p>\n<p data-p-id=\"4cdf81b6e6d34a9a55e6f54128407233\">Ob diese unglaubliche Geschwindigkeit an dem Zeug lag, das das Pferd im Boscarg\u00e9n gefressen hatte? Mor\u00e9aval wusste, welchen Weg er w\u00e4hlen musste, welche Schlucht abseits vom Eisendorf an Valvivant vorbei f\u00fchrte.<\/p>\n<p data-p-id=\"0f45f8720e95104fc192b57911029549\">Einmal sprengte das Pferd durch etwas Wei\u00dfes hindurch, das von ihm wegstob und im n\u00e4chsten Augenblick verschwunden war.<\/p>\n<p data-p-id=\"cfdb4f8b2f3285e84680ec79c2a1e15b\">Was der <em>teirand<\/em> Benjus von Valvivant wohl sagen w\u00fcrde, wenn er dieses schnelle Pferd sehen k\u00f6nnte? Lebr\u00e9oka und Tjiergroen, die w\u00fcrden staunen!<\/p>\n<p data-p-id=\"9da4e4b50c468c4c6550d3262ffd0d21\">Mor\u00e9aval kicherte, euphorisch und im Rausch der Geschwindigkeit. Das Pferd atmete gleichm\u00e4\u00dfig, ohne zu keuchen oder Anzeichen von Ersch\u00f6pfung zu zeigen. Ob es sich auch \u00fcber die verborgenen F\u00e4higkeiten wunderte?<\/p>\n<p data-p-id=\"dab99c0d8394f7bf14f8ac4132ac1f8c\">Ach nein. Bestimmt tr\u00e4umte er, der Mensch, nicht dieselben Dinge wie das Pferd. Falls Pferde tr\u00e4umten, dann fra\u00df das seine sich sicher gerade durch einen riesigen Heuhaufen.<\/p>\n<p data-p-id=\"386240ed38bf6be2c520389b6393aedc\">Mor\u00e9aval lachte und erfreute sich an dem Hochgef\u00fchl. Die <em>h\u00fdardora<\/em>, seine s\u00fc\u00dfe kleine T\u00edjnje! Es konnte nicht lange dauern, bis er die beiden wieder in die Arme w\u00fcrde schlie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"44c48b620a11321fb8df9050245d7a52\">In den Tagen nach diesem erz\u00e4hlten sich die Hirten, die um diese Zeit mit ihren Herden in der Heide von Hethrom unterwegs waren, von einer Erscheinung, von einem Ritter, schneller als der Blitz, der ihre Herden versprengte und den man, ganz leise, noch in der Ferne jauchzen und lachen h\u00f6rte, und <em>b\u00e1chorkoray<\/em> trugen sp\u00e4ter die Geschichte hinaus ins Weltenspiel.<\/p>\n<p data-p-id=\"3db659a700d69242c5874e1eaaeb9e39\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"47dcfff5864b00e5457fee397d546847\"><em>Dein K\u00e4fig ist offen<\/em>, dachte D\u00fdamir\u00e9e. <em>Komm doch mal her\u00fcber!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"540020d8ff943de7e4e0e529a41afa75\">Der Stallmeister hatte sich schon eine Weile nicht mehr blicken lassen. Wahrscheinlich legte er wenig Wert darauf, sich von dem kleinen M\u00e4dchen in gef\u00e4hrliche Gespr\u00e4che verwickeln zu lassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d520bbb5eca204d57d2e646059d8293a\">Farbenspiel hatte sich wieder niedergelegt und schien gelangweilt. Vielleicht stand das Tier \u00fcblicherweise um diese Zeit drau\u00dfen auf der Weide und spielte mit den anderen Einh\u00f6rnern. Sicher war es nur im Stall, weil durch die Ankunft des goldenen Regenbogenritters und den Ausritt der anderen der gewohnte Tagesablauf sich ge\u00e4ndert hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"0a4f0e324f5e6c9f0ed40b63dde32bd2\">D\u00fdamir\u00e9e winkte dem Einhorn ungeduldig zu, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Sie hatte sich so gro\u00dfe M\u00fche gegeben, den Stallmeister just in dem Moment abzulenken, als der die T\u00fcr schlie\u00dfen wollte. Das M\u00e4dchen hatte nicht damit gerechnet, dass der Plan aufgehen w\u00fcrde. Aber tats\u00e4chlich hatte der Mensch in seiner Unruhe vergessen, den Riegel vorzuschieben. Nur hatte Farbenspiel offenbar noch nicht bemerkt, dass die T\u00fcr zwar ge-, aber nicht verschlossen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"57a6de4d6ee2f1296969b2c9376477ab\">\u201eHe! Farbenspiel!&#8221;, zischte sie und hoffte inst\u00e4ndig, dass der Mensch nicht in H\u00f6rweite war.<\/p>\n<p data-p-id=\"b477f36b8bdcdc96e3d337532e8c42fc\">Das Einhorn schaute hin\u00fcber und schnaubte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c975db025c345a4c107118686dfd95da\">\u201eKomm her!&#8221;, hauchte D\u00fdamir\u00e9e. Aber das Tier sch\u00fcttelte nur tr\u00e4ge die flaumige M\u00e4hne und begann dann, sich die Federn mit seinem Horn zu k\u00e4mmen.<\/p>\n<p data-p-id=\"fed13df6aa18686675291462f3edd33e\">Das M\u00e4dchen seufzte. Dann holte es den Fr\u00fcchtekuchen hervor und brach ihn in mehrere St\u00fccke.<\/p>\n<p data-p-id=\"61fea66a7fa24fdfe15a3e5a997bf637\">Durch das Gitter hindurch zu werfen, war nicht einfach, und die ersten beiden St\u00fcckchen landeten im Stroh. Aber das Dritte traf und prallte gegen Farbenspiels Hals.<\/p>\n<p data-p-id=\"a87c87eaa994e3f66a6fcf0e24be81fc\">Das Einhorn erschrak und wuchtete sich hoch. Dann entdeckte es das Wurfgeschoss, schnupperte daran und fand es wohl \u00e4u\u00dferst schmackhaft.<\/p>\n<p data-p-id=\"a9a357eac05af810f4032aaa55cd00dd\">D\u00fdamir\u00e9e Herz klopfte schneller. Nun durfte sie keinen Fehler machen.<\/p>\n<p data-p-id=\"992c4c6f56cef8b0a0dfb1477eda5ff5\">\u201eFarbenspiel!&#8221;, wisperte sie. \u201eIch hab noch mehr!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ea412b9913575662d7523abd26cc5777\">Die gelben Schlangenaugen fixierten interessiert das n\u00e4chste Kuchenst\u00fcck in der Hand des kleinen M\u00e4dchens.<\/p>\n<p data-p-id=\"d08bd1ae4f6c59d20fd2a33940f20f84\">\u201eHol es dir!&#8221; D\u00fdamir\u00e9e warf, und das Geb\u00e4ck landete genau dort, wo es hingeh\u00f6rte. Mitten auf der Stallgasse.<\/p>\n<p data-p-id=\"927f7fe0f971c3d70f7c9e730aca28b3\">Der Hengst sah das, schaute einen Moment auf die unerreichbare K\u00f6stlichkeit und dann unentschlossen zu dem eingesperrten Kind hin.<\/p>\n<p data-p-id=\"5e75e2b8fbc4a2ed917176fa0f9d865f\">D\u00fdamir\u00e9e zuckte die Achseln und warf ein zweites St\u00fcck. Und ein drittes. Ein viertes.<\/p>\n<p data-p-id=\"446020d2dc44f60d2f65dae84f884647\">Farbenspiel legte die Ohren an und schnaubte unwillig. Dass dieses kleine Kind so schlecht zielen konnte, schien ihn zu emp\u00f6ren.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b375bc7e51fa45660928b71f592e735\">Das f\u00fcnfte St\u00fcck landete knapp au\u00dfer Reichweite vor der T\u00fcr.<\/p>\n<p data-p-id=\"6bc7ef2c34d1cd37c659dea5dd5282a2\">\u201eHol es dir&#8221;, wiederholte D\u00fdamir\u00e9e und beobachtete entz\u00fcckt, wie Farbenspiel versuchte, seine Schnauze durch das Gitter zu stecken, um mit den samtigen Lippen nach dem Kuchen zu langen. Als die T\u00fcr dabei nachgab und nach au\u00dfen schwang, erschrak das Tier und wich schnaubend zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d598550ed924052026e5dceb34325ea\">D\u00fdamir\u00e9e l\u00e4chelte. Und Farbenspiel streckte vorsichtig seinen Kopf auf die Stallgasse hinaus. Dann setzte er langsam eine Klaue nach der anderen ins Freie und ging, so leise ein Einhorn nur auf Stein treten konnte, hin\u00fcber zu den \u00fcbrigen Kuchenst\u00fccken, fra\u00df und st\u00f6berte sogar noch die verlorengegangenen St\u00fccke auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"94cdaf9bb5231e758a2af21594a4fca4\">Schlie\u00dflich schritt er zu D\u00fdamir\u00e9e hin\u00fcber und streckte ihr seine samtige Nase entgegen. D\u00fdamir\u00e9e lachte leise auf und streichelte seine Schnauze. Dann zeigte sie ihm das letzte St\u00fcck Fr\u00fcchtekuchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7e590c241d351879b1ba048c5684685e\">\u201eDas bekommst du auch noch&#8221;, fl\u00fcsterte sie. \u201eAber erst musst du mir helfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5cbfa360a09ab447b38ba5546eba7dec\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"51793fe1dd83a453dc59d7b738d45d37\">Von einem Moment auf den N\u00e4chsten waren sie da, wirbelten um die Gefesselten herum wie blind, wie besessen, so wild, als h\u00e4tten sie keine Kontrolle \u00fcber ihre Gliedma\u00dfen. Sie kreischten ebenso laut wie die Menschen, aber in ihren Stimmen war keine Panik, keine Todesangst, kein Entsetzen. Die Chaosgeister schrien, weil sie schreien <em>konnten<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"18ae067696253275cbe3081f99f61eb4\">Nun, da er sie mit eigenen Augen sah, war ihr Anblick schrecklicher als damals, vor scheinbar so weit zur\u00fcckliegender Zeit, als er durch fremde Augen gesp\u00e4ht hatte wie ein neugieriges Kind durch ein Schl\u00fcsselloch.<\/p>\n<p data-p-id=\"bf211383a9027e8997b7b891114f2c58\">Allerdings: Diesmal war Gal\u00e9on auf ihren Anblick vorbereitet gewesen. Nicht, dass es etwas an seiner Lage ge\u00e4ndert h\u00e4tte, aber der Schock war nicht so gewaltig wie f\u00fcr die armen Unkundigen, \u00fcber die die Chaosgeister nun herfielen, nach ihnen griffen und an ihnen zerrten.<\/p>\n<p data-p-id=\"d9308c60299deaab5cd81c1cf3fff021\">Also war es tats\u00e4chlich das gewesen, was Gal\u00e9on geahnt hatte. \u00daldaise warf den Chaosgeistern ernsthaft lebendige Menschen vor. Aber warum tat er das? Wie kam es, dass Chaosgeister sich hier manifestieren konnten, so weit entfernt von den s\u00fcdlichen Grenzen, und so verantwortungslos nahe an der Stadt? So nahe an den Augen der Regenbogenritter, der W\u00e4chter der s\u00fcdlichen Grenze?<\/p>\n<p data-p-id=\"366473517f88c7ae79cae5ad822a4b57\">Gal\u00e9on sah entsetzt zu, wie die Wesen aus dem Chaos sich \u00fcber die Unkundigen hermachten, sie von den Pf\u00e4hlen rissen wie Obst von einem Ast, wobei es einerlei war, ob Stricke oder Glieder rissen. Er sah, wie sich gleich drei von den gr\u00e4sslichen Wesen auf den korrupten Amtmann st\u00fcrzten und ihn anfielen wie tolle Wildw\u00f6lfe, er h\u00f6rte den armen Mann sich die Lunge aus dem Leib br\u00fcllen. Dort dr\u00fcben umklammerte ein riesiges Wesen den wie wahnsinnig kreischenden Kr\u00e4uterh\u00e4ndler, und obwohl die streitbare Dirne sich tapfer zur Wehr setzte, war eine Schar der Wesen um sie herum wie eine Schar Stechk\u00e4fer, die sich auf eine Beute st\u00fcrzt. In die Schmerzens- und Notschreie und den L\u00e4rm, den die Wesen selbst machten, mischten sich hier und dort rei\u00dfende, knackende und malmende Ger\u00e4usche.<\/p>\n<p data-p-id=\"880c2c34be7128e1f0e724eeb8f19ec5\">Die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> bannen sie seit zahllosen Wintern hinter die Grenzen, dachte Gal\u00e9on verwirrt. Und hier tauchen sie auf wie die Maulw\u00fcrfe, angelockt mit Menschenleben?<\/p>\n<p data-p-id=\"1c717687b3b8f6e33eefc4ef522e7034\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> war starr vor Entsetzen. Der Anblick der Chaosgeister war nicht gemacht f\u00fcr Menschenaugen, f\u00fcr Menschenverstand, ebenso, wie es unertr\u00e4glich war, direkt in Pataghius Glanz zu blicken. Gal\u00e9on hatte das Bed\u00fcrfnis, davor wie in einem Reflex die Augen zu verschlie\u00dfen. Aber es war zu sp\u00e4t, sich abzuwenden. Gal\u00e9on konnte nicht wegschauen, sah wehrlos zu, wie vor seinen Augen einer der Delinquenten nach den anderen unter die Chaosgeister fiel.<\/p>\n<p data-p-id=\"458e7eb74fe691a9fc8fe2f3bc2c09a2\">Die Wesen waren entsetzlich anzusehen. Was mochte das Widerwesen sich nur dabei gedacht haben, solche Kreaturen zu erschaffen?<\/p>\n<p data-p-id=\"00e1815e3339cde3e4a07515b5f2fc54\">Wahrscheinlich, dachte Gal\u00e9on wie erstarrt, hat es die <em>Abf\u00e4lle<\/em> genommen und sie zusammenger\u00fchrt. Verworfene Ideen der M\u00e4chte, gemischt, zusamengepappt und zum Leben erweckt. Manche der Kreaturen waren gro\u00df wie Waldb\u00e4ren, andere klein wie Ratten und unsagbar schnell. Eine sah Gal\u00e9on, das hatte ein dichtes Fell, aber statt Haaren waren es kleine, sich windende W\u00fcrmchen, die ihren K\u00f6rper bedeckten. Ein anderes Wesen hatte eine schuppige Haut, aber die einzelnen Schuppen glichen Fingern\u00e4geln. Ein anderes hatte ein Gebiss, das g\u00e4nzlich aus gr\u00fcnlichen Fangz\u00e4hnen bestand, mit denen es den M\u00f6rder hochhob und sch\u00fcttelte. Der Mann schrie und h\u00f6rte nicht auf zu schreien. Sein verst\u00e4ndnisloser Blick streifte den <em>b\u00e1chorkor<\/em>, w\u00e4hrend er versuchte, eines der kleinen Wesen von seinem Kn\u00f6chel abzusch\u00fctteln.<\/p>\n<p data-p-id=\"9bac8ef51e725406744a7e6c5a211cc2\"><em>Macht ein Ende,<\/em> dachte Gal\u00e9on voller Grauen. <em>Bei den M\u00e4chten, t\u00f6tet sie endlich! Lasst sie hinter die Tr\u00e4ume!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"1d7693f8d98e96f32993bebaba002e92\">Aber &#8230; das geschah nicht. Gal\u00e9on schaute, h\u00f6rte die Menschen qualvoll wimmern und wie irre kreischen, sah, wie die Chaosgeister ihre K\u00f6rper traktierten wie ein B\u00e4cker, der Brotteig knetete. Aber \u2013 sie t\u00f6teten nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"470d2cf8d7ce2cfd160db21a8660796e\">Und dann entdeckte Gal\u00e9on eine andere Art von Chaosgeistern unter den tobenden Wesen, eine, die anders aussah als die f\u00fcnf, sechs Monstrosit\u00e4ten, ihnen aber in Wildheit nicht nachstanden. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> runzelte verwirrt die Stirn und zwang sich, genau zu schauen. Die Mehrheit dieser Chaosgeister sah &#8230; menschlich aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"4e2c8e9df698c8db45c9c1c98fc6e253\">\u201eBei den M\u00e4chten&#8221;, wisperte er und das Entsetzen, das seinen Verstand zu \u00fcberw\u00e4ltigen drohte, vervielfachte sich schlagartig.<\/p>\n<p data-p-id=\"8baa2930a4b4a8c0a8b9215275cd8374\">Eines der Wesen wandte sich ihm zu. Es trug in Fetzen gerissene, von einer undefinierbaren Substanz triefende Kleider. Es war bleich wie Kalk, und seine Gliedma\u00dfen schlenkerten auf eine bizarre Weise. Gal\u00e9on wusste nicht zu sagen, ob es keine Gelenke besa\u00df, oder ob diese an willk\u00fcrlichen Stellen sa\u00dfen. M\u00f6glicherweise war es weiblich.<\/p>\n<p data-p-id=\"af7623203f48d75964fe78ca7740deb2\">Die Kreatur blitzte den <em>b\u00e1chorkor<\/em> aus glei\u00dfenden Augen an. Dann lie\u00df sie von dem Korrupten ab, riss ihren Mund auf, viel weiter, als es m\u00f6glich h\u00e4tte sein sollen, und ein makelloses und dabei umso schrecklicher wirkendes Menschengebiss schnappte nach Gal\u00e9ons Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"22be16c187806895a2f6fc70b45a5d0b\">Aber es biss nicht zu. Etwas anderes warf sich dazwischen und stie\u00df das Zahnmonster beiseite. Das Wesen landete auf dem Pulk, der gerade dabei war, den Kr\u00e4uterh\u00e4ndler zu zerkn\u00fcllen, und fauchte w\u00fctend auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"1285c4487f6918e4659b5cb8343a5712\">Der Atem des <em>b\u00e1chorkor <\/em>jagte. Jenes ebenfalls noch vage menschen\u00e4hnliche Wesen, das sich vor ihn gestellt hatte, drehte sich langsam zu ihm um. Sein Gesicht wirkte wie geschmolzen, als h\u00e4tte seine Haut sich mit den Sehnen verklebt. Und doch erkannte Gal\u00e9on, wer es war.<\/p>\n<p data-p-id=\"cdd547053d97aec37a57f643c9badc80\">Das bissige Frauenwesen versuchte eine zweite Attacke, der das andere wehrte es ab. Sie br\u00fcllten und gurgelten einander an. Und das schien die Aufmerksamkeit der restlichen Chaosgeister zu erregen, zumindest der, die von \u00e4hnlicher Art waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"0d102b61c9d57e946e7104ad3ae57679\">Alle zugleich lie\u00dfen von den Verurteilten ab, von denen niemand mehr in der Lage war, zu schreien oder sich zu wehren, \u00fcberlie\u00dfen sie den Mischwesen. Nun war also er an der Reihe.<\/p>\n<p data-p-id=\"eed4d5a4b0b4767a30260478912ddd4e\">Gal\u00e9on konnte sie nicht z\u00e4hlen, dazu waren es zu viele, von allen Seiten zugleich. Schlaffe H\u00e4nde mit harten Fingerspitzen n\u00e4herten sich ihm von allen Seiten, ohne dass er ihnen h\u00e4tte ausweichen k\u00f6nnen. Sie ber\u00fchrten ihn, er sp\u00fcrte sie \u00fcberall, auf seiner Haut, in seinem Haar, auf seinem Gesicht. Er war umgeben von diesen grauenhaften, deformierten, klebrigen Wesen, die ihn zugleich entsetzten und mit grenzenlosem Mitleid erf\u00fcllten. Das ehemalige Gesicht des Juwelendiebes, der ihn damals durch seine Augen hatte blicken lassen, war dicht vor dem seinen.<\/p>\n<p data-p-id=\"750fcc699c38bf08baca5b48a919cb09\">\u201eJa&#8221;, sagte Gal\u00e9on, w\u00e4hrend er von den anderen Chaosgeistern betastet w\u00fcrde, so als pr\u00fcften sie ihn auf seine Reife, wie ein Marktweib ein St\u00fcck Gem\u00fcse. \u201eIch verstehe, wer ihr seid. Ich sehe, was man mit euch gemacht hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0c1e77628c5b0950c6b9a1753962e26d\">Der Juwelendieb, der auf eine unbegreifliche und schreckliche Weise zum Chaosgeist geworden war, grunzte eine Antwort. Einer Sprache war er nicht mehr m\u00e4chtig. Aber seine Leidensgenossen schienen ihn zu verstehen. Mehr noch: Das kurze Schnauben schien einer langen Rede gleichzukommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"44262151f9e86c5e83ca27744109a18f\">\u201eWenn ihr mich verschont&#8221;, wisperte Gal\u00e9on, \u201ewill ich euch helfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c33cb21f5cf0122223cd31a54f58295\">Das bedrohliche, ekelige Grabschen ihrer H\u00e4nde ver\u00e4nderte sich. Viele lie\u00dfen von ihm ab. Die H\u00e4nde, die weiterhin auf ihm lagen, ertasteten ihn auf eine andere Weise. Einige schienen ihn aufmunternd zu ber\u00fchren, andere tr\u00f6stend zu streicheln. Gesichter tauchten vor ihm auf, schauten ihm mit dem, was von den ihren geblieben war, in die Augen. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> gab sich M\u00fche, diese Blicke zu erwidern. Zu f\u00fchlen, zu tasten, zu sp\u00fcren. Das war nicht leicht, w\u00e4hrend im Hintergrund die Ungl\u00fccklichen, die mit ihm hergebracht worden waren, von den alten, den primitiven, den echten Chaosgeistern f\u00fcr das vorbereitet wurden, was diese hier schon erduldet hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"84e167e5a2b0973e593b5de94f6d3144\">Bei den M\u00e4chten, dachte Gal\u00e9on, w\u00e4hrend seine Wahrnehmung sich sch\u00e4rfte und in jedem der entstellten Gesichter das erkannte, was es urspr\u00fcnglich gewesen war, Mann oder Frau, alt oder jung, ein oder zwei so jung, dass ihnen nie ein Bart gesprossen war. Und in jedem Einzelnen dieser entstellten K\u00f6rper, schwach und verletzt, der Seelenfunke. Wie Gl\u00fchw\u00fcrmchen, denen ein grausames Kind die Fl\u00fcgel ausgerissen hat.<\/p>\n<p data-p-id=\"30fccebbb94323d0229ae8d6d0c678bf\">Gal\u00e9on schaute wie ber\u00fcckt in die fl\u00fcchtigen Erinnerungen ihrer selbst, die die minderen Chaosgeister noch in sich trugen, und entdeckte zwischen ihnen das Traumphantom, wie es inmitten des Grauens stand und wartete. Die Geister nahmen keine Notiz von ihm. Nat\u00fcrlich. Von ihrer Warte aus gesehen, stand er an der anderen Seite der Tr\u00e4ume. Sie konnten ihn ebensowenig wahrnehmen wie die Unkundigen. Nur er selbst, er konnte \u00fcber die Tr\u00e4ume hinweg blicken.<\/p>\n<p data-p-id=\"7f107191f94da9f41f7e856223f8c57f\"><em>Ist das mein Meisterst\u00fcck?,<\/em> dachte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"6b270a84e052f19061c0067c714aaf63\">\u201eJa&#8221;, antwortete das Phantom, w\u00e4hrend hinter seinem R\u00fccken das Schuppenmonster die Frau sch\u00fcttelte wie ein Welpe ein Kissen. \u201eDu hast es dir gew\u00e4hlt, als deine Neugier dich nach Aur\u00f3p\u00e9a trieb.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"94e9011c0f29155faff9c88f0a7905b1\"><em>Warum tut Uldaise das? Und &#8230; worauf wartet er damit?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"9c4e1f81d5a75db4b793f564be81d997\">\u201eNach dem <em>warum <\/em>musst du ihn selbst fragen. Und was die zweite Frage betrifft &#8230; er wartet auf jemanden. Sagen wir, er wartet auf einen Boten. Einen Lieferanten. Es w\u00e4re hilfreich, wenn du die Ware abf\u00e4ngst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b41ffaf25e0f908765ea4c1513bc78c6\">Das Phantom verblasste. Und dann st\u00fcrzte der Sand abw\u00e4rts und riss sie in die Tiefe, die Monster, die minderen Chaosgeister und die, die demn\u00e4chst welche sein w\u00fcrden.<\/p>\n<p data-p-id=\"75049c566f30921cc4073e180a7be6b6\">Gal\u00e9on blieb zur\u00fcck. Die Einhornz\u00fcgel hielten ihn, bis der strudelnde Sand sich wieder geebnet hatte und Pataghius Glanz ihm endg\u00fcltig das Bewusstsein nahm.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2566","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2566","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2566"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2566\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3815,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2566\/revisions\/3815"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2566"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2566"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2566"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}