{"id":2565,"date":"2025-08-25T13:00:33","date_gmt":"2025-08-25T11:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2565"},"modified":"2025-09-01T09:24:33","modified_gmt":"2025-09-01T07:24:33","slug":"080-die-macht-des-goldes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/080-die-macht-des-goldes\/","title":{"rendered":"080: Die Macht des Goldes"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"7a7b7ccb3d61f0e97d9964e6c0118e04\">\u00daldaise galoppierte in einem weiten Ostw\u00e4rtsbogen nach Aur\u00f3p\u00e9a zur\u00fcck. Auf diese Weise w\u00fcrde er in geb\u00fchrendem Abstand von den heimkehrenden Stadtw\u00e4chtern ankommen, die Stadt durch das dem \u00fcblichen Weg entgegengesetzte Tor betreten und dort in aller Ruhe auf die Suche nach den beiden Idioten gehen. Die w\u00fcrden keine Fragen stellen, im Gegenteil. Sie w\u00fcrden ihm wortreich und mit vielen \u00dcbertreibungen erz\u00e4hlen, dass der <em>b\u00e1chorkor<\/em> aus dem Wege war. Wo er die Zwei finden w\u00fcrde, wusste der <em>sinor<\/em>. Er kannte alle ihre simplen Gedanken und Vorlieben und wusste, in welchen Tavernen und Freudenh\u00e4usern sie verkehrten.<\/p>\n<p data-p-id=\"d2fb4356b35862d133ea89b74818ff48\">Nun, ihr Vergn\u00fcgen w\u00fcrde warten m\u00fcssen. Eine Sache hatten die beiden noch zu erledigen. Aber das sollte sich f\u00fcr sie auszahlen. Heute hatten sie sich eine Entlohnung verdient, mit der sie die n\u00e4chsten paar Tage wie reiche M\u00e4nner leben konnten. Viel l\u00e4nger musste das Geld nicht reichen. Sp\u00e4testens in drei Tagen w\u00fcrde niemand mehr in Aur\u00f3p\u00e9a f\u00fcr <em>irgendetwas<\/em> Geld ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3b54b038c83d8e404b6f4f4904048fd5\">Der <em>sinor<\/em> hatte das Spektakel aus geb\u00fchrendem Abstand beobachtet, und sich etwas gegraust, als die alten Chaosgeister, jene urspr\u00fcnglichen Wesen von au\u00dferhalb des Weltenspiels, aus dem W\u00fcstenboden hervorgebrochen waren. Aber die Monster, so gr\u00e4sslich und ekelhaft sie sich darstellten, waren die geringere Gefahr. Die wurden immer wieder mit hinauf geschwemmt, angezogen vom Geruch der Verzweiflung, der Reue, der Wut, was immer es war, das die Verurteilten am deutlichsten ausd\u00fcnsteten. Wenn nichts mehr da war, was sie interessierte, kehrten sie satt und f\u00fcr den Moment zufrieden von allein dorthin zur\u00fcck, wohin sich nie ein Mensch verirren sollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"006e0eb8905285aef8de4488060e5bd9\">Es waren die minderen Chaosgeister, die \u00daldaise interessierten. Jene, die hier, so nahe bei der Stadt, wo nicht einmal die Regenbogenritter es erwartet h\u00e4tten, unfreiwillig ins Chaos gezerrt worden waren. \u00dcber die Zeit war eine stattliche Anzahl von ihnen zusammengekommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"48e8dedd09813d850d188df9a4a4a13b\">\u00daldaise war dabei geblieben und hatte zugesehen, wie sie sich auf den <em>b\u00e1chorkor<\/em> gest\u00fcrzt hatten, bis er davon bedeckt war. Wie Ameisen, die einen k\u00f6stlichen Tropfen Honig am Boden fanden.<\/p>\n<p data-p-id=\"a1c2ca7ddebcec2cac17269219cdeda5\">Der <em>sinor<\/em> hatte dem beigewohnt, solange er es verantworten konnte. Zu weit ausreizen durfte er seine Sensationslust und Befriedigung jedoch nicht. Wenn die minderen Chaosgeister auf ihn aufmerksam wurden, ihn, was die M\u00e4chte verh\u00fcten mochten, erkannten und ihn verfolgten, bevor er den Bannkreis verlassen hatte, w\u00fcrde es selbst f\u00fcr ihn zu gef\u00e4hrlich. <em>Noch<\/em>. Bald w\u00fcrde er sie <em>kontrollieren<\/em> k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e563c13f48d0c639221fe42e5405510e\">Es spielte auch keine Rolle mehr, was im Einzelnen geschah. Sie w\u00fcrden den <em>b\u00e1chorkor<\/em> mit sich ins Chaos zerren. Dort war er gut aufgehoben. Ausgezeichnet sogar. Aus eigener Kraft konnte von abseits des Weltenspiels niemand, nicht einmal ein Magier, hinter die Tr\u00e4ume fliehen. Und ein einzelner, minderer Chaosgeist \u2013 mit dem w\u00fcrde es keine Probleme geben. Vielleicht w\u00fcrde er ihn sp\u00e4ter sogar f\u00fcr seine eigenen Pl\u00e4ne gut brauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6e5f14593ba3716f3e920055a1e39b85\">Der <em>sinor<\/em> erreichte die Stadt etwas vor dem Gongschlag, der die zweite H\u00e4lfte des mittleren Tages markierte. Er brachte sein Pferd zu einem der Mietst\u00e4lle, in denen Reisende ihre Tiere f\u00fcr ein gewisses Entgelt f\u00fcttern und f\u00fcr eine Weile im Schatten ausruhen lassen konnten und bezahlte eine zus\u00e4tzliche Summe daf\u00fcr, dass jemand die Beine des Tieres mit erfrischenden Essenzen versorgte und die Hufe kontrollierte. Das Pferd hatte in den letzten Tagen mehr an Strecke bew\u00e4ltigt, als er ihm sonst zumutete, und es w\u00e4re noch nicht am Ende an diesem Tag. Nun, es reichte, wenn der Gaul noch ein, zwei Tage durchhielt. Dann konnten ihn die Geier haben. Der <em>sinor<\/em> lie\u00df eine Miets\u00e4nfte kommen und bew\u00e4ltigte den Rest der Strecke in einigem Komfort.<\/p>\n<p data-p-id=\"4467b90be4fa0f91fa7e3eb43da5e71a\">In der Spelunke in der Nordstadt, wo er seine Gehilfen vermutete, sorgte die pers\u00f6nliche Ankunft des <em>sinor<\/em> kurz f\u00fcr die gewohnte Unruhe. \u00daldaises Anwesenheit, gerade an Orten, wo selbst tags\u00fcber allenfalls die H\u00e4lfte der Dinge nach dem Gesetz zuging, sorgte immer f\u00fcr hektische Unterw\u00fcrfigkeit und die gew\u00fcnschten Effekte. Der alte Mann musste das Etablissement gar nicht erst selbst betreten. Der Wirt komplementierte die beiden Idioten mit unverhohlenem Dr\u00e4ngen auf den Platz hinaus, wo Tische und B\u00e4nke bereitstanden. Nicht auszudenken, wenn der <em>sinor<\/em> die Gaststube betreten h\u00e4tte! Einen Krug mit erfrischendem Essigwasser und ein Tellerchen mit K\u00e4se hatte er gleich mitgebracht und vielleicht sogar den Knechten die Zeche erlassen, damit sie z\u00fcgig mitsamt ihrem Herrn verschw\u00e4nden.<\/p>\n<p data-p-id=\"0276bfb702f33929157e89f9f61ed7c8\">\u201eWie ist es gelaufen?&#8221;, fragte \u00daldaise.<\/p>\n<p data-p-id=\"cf5a68909af2652a47776c6bdeb63b24\">\u201eGanz nach Wunsch, Herr.&#8221; Der eine Idiot, der in der Nacht seine Hose gelassen hatte, wirkte verd\u00e4chtig entspannt. Also verbarg er etwas. \u201eDer Kerl ist sicher l\u00e4ngst verreckt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e82d352bd0e6e4ac27000fef1a6c0e64\">\u201eWar sehr hei\u00df heute, in der W\u00fcste&#8221;, f\u00fcgte der andere hinzu. Er wirkte deutlich nerv\u00f6ser. Wenn man genau hinschaute, sah man seine H\u00e4nde zittern. \u201e\u00dcberlebt keiner, da drau\u00dfen im Sand.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d63803e212abf226f3931fdd79922d63\">\u201eSehr sch\u00f6n.&#8221; \u00daldaise schenkte sich von dem Essigwasser ein und bedeutete seinen M\u00e4nnern, sich ebenfalls zu setzen. Genug freie Pl\u00e4tze gab es. Die Menschen, die bei seiner Ankunft bereits hier gewesen waren, waren am anderen Ende zusammenger\u00fcckt, um Abstand zu gewinnen, ohne zu fl\u00fcchten und damit Verdacht zu erregen. Der <em>sinor<\/em> zog aus seiner Tasche ein Dokumentenk\u00e4rtchen und einen Bleigriffel hervor, legte beides vor sich und begann, einige Zeilen zu schreiben.<\/p>\n<p data-p-id=\"bbfa50b1e3f9b243fd0e1eb6c8fe06d3\">\u201eIch habe einen letzten Auftrag f\u00fcr euch, der heute zu erledigen ist. Wenn ihr die Sache gut macht, dann k\u00f6nnt ihr euch heute Nacht jeder bei mir f\u00fcnfundzwanzig kleine Opale abholen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"53afd32d76d926ce3c6ef6536a6049fa\">Die beiden starrten dumm und stumm. Dann fragte der Hosenverlierer: \u201eVerzeiht, Herr. Ich habe f\u00fcnfundzwanzig verstanden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ea480e4814bef30f2975cea4fca603dc\">\u201eIch kann euch auch zwanzig geben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6cecb3de7c38af9df600fa62c04fb5b5\">\u201eWas sollen wir tun, Herr?&#8221;, sagte der andere eilig, bevor sein trotteliger Kumpan die Sache verderben konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b217773ef57cce11f2a5f239b6eba760\">\u201eIch gebe euch hier ein Schreiben. Damit geht ihr in den Ciel\u00e1stel. Oder nein &#8230; leiht euch irgendwo Maultiere oder Pferde. Ihr solltet keine Zeit verlieren. Die Sache muss vor dem Abend geregelt sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e3e19b58f28fb1240d5faa05ca39f8d7\">\u201eIn den &#8230; <em>wohin<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1c8e11a3a36b853f2a7d04f437c49a5b\">\u201eDas hast du ganz genau verstanden, Idiot. Ihr werdet dort eingelassen werden, denn das Tor der Burg ist immer f\u00fcr Unkundige ge\u00f6ffnet. Wenn der Regenbogenritter am Tor Fragen stellt, zeigt ihm das hier, und er wird seine Antworten haben.&#8221; \u00daldaise schrieb weiter. \u201eIhr nehmt dort jemanden in euren Gewahrsam.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e6ba88af22d43d2e617a41463cae3280\">\u201eDoch nicht schon wieder einen verr\u00fcckten <em>b\u00e1chorkor<\/em>?&#8221;, ahnte der D\u00fcmmere B\u00f6ses.<\/p>\n<p data-p-id=\"c2100e1767c1e624ff718a0897aff5d8\">\u201eEin Kind. Ein freches Balg, das mir heute Abend nicht noch einmal in die Quere kommen soll. Es wird euch jemand erwarten, der Bescheid wei\u00df. Steht alles hier geschrieben. Oder verlange ich zu viel von euch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b0ca7138cf4917b3a9f0b7eb21c0231\">\u201eMit einem Balg werden wir wohl fertig&#8221;, versicherte der andere schnell, der im Geiste wohl schon die Edelsteine z\u00e4hlte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6ca00760e28f15c02778ef4dbeb81785\">\u201eIch w\u00fcnsche nicht, dass jedermann mitbekommt, dass ihr das Balg bei euch habt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"576264e81c0ee703a56c18c1860d8a7c\">\u201eWir sind verschwiegen wie die Fische.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b40161b0ad6666cca4ca23423b449fd\">\u201eGut. Mit dem Kind reitet ihr in meinen Garten, oder besser, dahin, was davon \u00fcbrig ist. Oben auf dem H\u00fcgel findet ihr einen jetzt freiliegenden H\u00f6hleneingang. Dort werft ihr das Kind hinein und wartet dort auf mich. Ohne irgendwelche V\u00f6llerei oder Trinkgelage auf dem Weg. Ihr werdet aufmerksam sein wie die Eisluchse. Ich bringe eure f\u00fcnfzig Opale sp\u00e4ter vorbei. Dann k\u00f6nnt ihr gehen. Habt ihr das verstanden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"94936a7b05d7471fe0ddba27cb6fcef3\">\u201eWird &#8216;ne Weile dauern, die Pferde zu besorgen, Herr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d31ecfe91c48fcce0e3c78b13ac60a1\">\u201eWarum seid ihr dann noch hier?&#8221;, fragte der <em>sinor<\/em>, faltete das K\u00e4rtchen zusammen und dr\u00fcckte es dem weniger Dummen in die Hand. \u201eBeeilt euch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8c46a09b7d3af379723622f448dfee68\">Die beiden verneigten sich und machten sich aus dem Staub. \u00daldaise trank den Rest seiner Erfrischung, wartete, bis sie um die n\u00e4chste Stra\u00dfenecke waren und kehrte dann zu der S\u00e4nfte zur\u00fcck, deren Tr\u00e4ger auf ihn gewartet hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"c86eda66e4ac70bb2ff136d4b93c24a5\">\u201eZum Westtor&#8221;, ordnete er an. \u201eZum Mietpferdestall.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"ed49b141379e87e25b16b70cb3997e6c\">Die Lekt\u00fcre des M\u00e4rchenbuches hatte nicht allzu viel Zeit in Anspruch genommen. Den Gro\u00dfteil des Buches hatten grobe Bilder ausgemacht, die eine <em>opayra<\/em> den Kleinen zeigen konnte, w\u00e4hrend sie las. Die Geschichte war in etwa so gegangen: Als die M\u00e4chte sich das Weltenspiel eingerichtet hatten, gaben sie den Menschen nicht nur Holz und Steine, um sich H\u00e4user und Werkzeuge zu machen, sondern auch Metalle. Patagh\u00edu hatte vor, die Menschen reichlich mit dem kostbaren Gold zu beschenken, und so nahm er alles, was er nur tragen konnte und wollte es \u00fcber das Spielbrett verteilen. Weil es aber so viel war und so schwer, konnte der Helle Tag es nicht so weit tragen, wie er es vorhatte, und der Gro\u00dfteil des Goldes st\u00fcrzte bereits in Soldes\u00e9r nieder und in den Boden. Und so ist das Gold im S\u00fcden in solcher F\u00fclle vorhanden, dass die Leute in Aur\u00f3p\u00e9a es sogar verwenden, um ihre D\u00e4cher damit zu decken.<\/p>\n<p data-p-id=\"e2459c19741262b98985a98fa42ce980\">Nokt\u00e1ma aber machte sich \u00fcber Patagh\u00edu lustig. Sie verteilte ihr Silber \u00fcber das ganze Weltenspiel, wie ein Bauer, der Setzlinge ins Feld steckt. Das dauerte nat\u00fcrlich viel l\u00e4nger, und Patagh\u00edu neckte Nokt\u00e1ma und fragte, wie lange sie denn noch warten sollten, bis das Weltenspiel beginnen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e8dff0f4c1f881c2d79a166c0a521317\">Osse war es ziemlich unwahrscheinlich vorgekommen, dass die M\u00e4chte sich zanken sollten, wie Truda es manchmal tat, wenn sie ihren Willen nicht bekam. Im Grunde war dies ein wirklich l\u00e4sterliches Buch. Wahrscheinlich hatte es jemand aus dem <em>teirandon<\/em> Ghelazia geschrieben, wo man, wie es hie\u00df, so wenig Respekt vor den M\u00e4chten hatte, dass diese die Leute dort mit langen dunklen Eisn\u00e4chten und nie endenden Tagen bedachten.<\/p>\n<p data-p-id=\"02c79de985b75adcbd1aa17fb3e86d79\">Aber ein Satz stand darin, der Osse aufhorchen lie\u00df. Denn nach einigen kindischen Wortwechseln, die kleine Wiegenkinder belustigen sollten, beschloss Nokt\u00e1ma ver\u00e4rgert, dass nicht einmal ihre Diener jemals mit Patagh\u00edus Metall hantieren sollten. Patagh\u00edu beschloss, dass seine Diener sich seinetwegen ruhig die M\u00fche machen konnten, nach Nokt\u00e1mas Silber zu suchen, wenn sie denn wollten, um danach sein Gold erst recht zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"be46d051087d5ea9b8729e7047f1bd24\">Weiter brauchte Osse nicht zu lesen. Nokt\u00e1ma verbot, Patagh\u00edu erlaubte. Interessant.<\/p>\n<p data-p-id=\"56dca3f556795def907a755297ab09f4\">Nur half es in Bezug auf die T\u00fcr nicht, das zu wissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3807adc9296a7efd37c03e33f92ce99d\">Osse nahm das Buch mit hinunter in die Halle, wo sich zwischenzeitlich kein <em>yarl<\/em> mehr aufhielt. Stattdessen fand er L\u00e1as und J\u00e1ndris, die merkw\u00fcrdig verwirrt aussahen, am Steinebrett sitzend. Offenbar hatte sich zwischenzeitlich niemand getraut, das Spiel abzur\u00e4umen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a613365938700079d1e43634f1f88015\">\u201eUnd?&#8221;, fragte Osse. \u201eHabt ihr etwas herausgefunden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"116ff11c054f4780ce3be155f09d3706\">\u201eMehr, als ich wissen wollte&#8221;, sagte J\u00e1ndris.<\/p>\n<p data-p-id=\"6294987dc4257781476c1564ce448953\">\u201e\u00dcber die Schattens\u00e4nger?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"010cb7b994e8599f8a40189cbc2a704d\">\u201e\u00dcber die Dinge, mit denen unser <em>mestar<\/em> sich als junger Mann besch\u00e4ftigt hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15c0b0699837de8c5a663d6c77816221\">\u201eBringt es uns weiter?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bd8074ef3351bd689669f17d21ef0231\">\u201eWenn du einen Rat f\u00fcrs Leben haben willst, Eulengesicht: Wenn dir mal eine <em>f\u00e1njula<\/em> begegnet, die so &#8230; mit der &#8230; also, die und unbedingt n\u00e4her kennenlernen willst &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"163e99051c027068bfc127fc79ef94cc\">\u201eJa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ab289875fa664bdea89460c050616483\">\u201eMach ihr ein Kompliment und schenk ihr irgendeinen Schmuck oder &#8216;ne M\u00fcnze. Wenn sie es nimmt, bist du <em>sicher<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2dea96d2a8871121db4230af51537f96\">\u201eGoldschmuck?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88f5e4afdb95ec9ed4f51f978e268757\">L\u00e1as setzte sich aufrecht hin. \u201eWoher wei\u00dft du das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"760ea9fb989c2c50e1e20b13f37d048e\">J\u00e1ndris hatte ihm schon das Buch aus der Hand genommen. \u201eAus einem Buch f\u00fcr Wiegenkinder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15b295e0751bef429fec778b1708cdf4\">\u201eMein Vater w\u00fcrde mir sicher nichts \u00fcber <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> erz\u00e4hlen.&#8221; Osse nahm das Buch zur\u00fcck. \u201eWie kommt euer <em>mestar<\/em> dazu? Und wo sind die Herren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e1b16977efa3f309da99d65116230f69\">\u201eDie <em>teiranda<\/em> soll sie alle zu sich gerufen haben, sagen die Leute hier. Wir haben auch schon gefragt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"94eb30473f1c236212f36fc0caf1c314\">\u201eDann ist der Turm gerade leer?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7e2b930bedd844c4f8aa01fc96298853\">\u201eZumindest ist von den Herren keiner da. Die sind alle wahrscheinlich im Audienzzimmer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7006633dae931e92ee712bead21ac8f8\">T\u00edjnje tauchte auf der Treppe nach unten auf und lief, als sie der Jungen ansichtig wurde, rasch zu ihnen hin\u00fcber. Den Pfannkuchenteller trug sie immer noch vor sich her wie einen Schatz. Unaufgefordert kletterte sie neben L\u00e1as auf die Bank.<\/p>\n<p data-p-id=\"8df1ca5386dd95df5a45d69e24541415\">\u201eSolltest du nicht die <em>opayra<\/em> ablenken?&#8221;, fragte J\u00e1ndris.<\/p>\n<p data-p-id=\"5696989a72c6aaff44c138d6bd0ccb6a\">\u201eDas ist langweilig. Die stickt schon wieder an ihrem Schultertuch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b9904cecd9df30ea2f97f52f605f9238\">\u201eDann ist sie besch\u00e4ftigt. Wir sollten die Gelegenheit nutzen, die <em>teirandanja<\/em> suchen und ihr von unseren Erkenntnissen berichten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2b37512c7c6e2392416147ae090742c8\">\u201eDu willst deiner Herrin erz\u00e4hlen, dass du ein Wiegenkinderbuch gelesen hast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec2b9d729b9d305ebdbf7ffb744cebc4\">T\u00edjnje legte den Kopf schief, um den Einband besser sehen zu k\u00f6nnen. \u201eDas kenne ich&#8221;, sagte sie dann. \u201eDas ist bl\u00f6d.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"505090a7b9c66a81b360c378809873e9\">\u201eWollt ihr ihr erz\u00e4hlen, dass ihr zwischenzeitlich mit dem <em>mestar<\/em> \u00fcber <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> geplaudert habt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55cfb30323769b77dcf7ecce5ac6cffe\">\u201eNein. Wir k\u00f6nnen doch den alten Mann nicht in Verruf bringen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d896b8634e110d6c3988f0450d6bbf1c\">\u201eDann lasst uns ihr sagen, dass Schattens\u00e4nger offenbar kein Gold ber\u00fchren k\u00f6nnen oder d\u00fcrfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0c4f777bd9d830a8d660e409dcd831f\">\u201eUnd was n\u00fctzt das? Das h\u00e4tten wir wissen m\u00fcssen, <em>bevor<\/em> er die T\u00fcr zugezaubert hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9aed9dc6e444f30d56ab5529a7df15b3\">\u201eJa, genau. Wir m\u00fcssten den Schwarzmantel hier bei uns haben! Dann k\u00f6nnten wir uns vor ihm wappnen und zwingen, die T\u00fcr aufzumachen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91f3a6200a45d305596285d776e2d774\">\u201eIch denke&#8221;, sagte Osse, \u201ewenn er davon w\u00fcsste, w\u00fcrde er das auch freiwillig tun.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f16f4e47263652f1fb6eb4ea085ce3c6\">L\u00e1as schnippte \u00e4rgerlich einen Spielstein \u00fcber das Brett. \u201eUnd was n\u00fctzt uns das alles? Wo sollten wir denn \u00fcberhaupt Gold hernehmen, um &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7958bc73fe330ad38d4fa19df0142e7a\">\u201eIch hab welches&#8221;, bemerkte T\u00edjnje und versuchte, einen zweiten Stein nachzuschie\u00dfen. Tats\u00e4chlich traf sie den ersten, woraufhin der wegflippte. Die Kleine lacht erfreut auf und freute sich \u00fcber ihr Geschick.<\/p>\n<p data-p-id=\"1555a54818b81e132acd964c3ee44053\">J\u00e1ndris schnappte den Spielstein, bevor er vom Tisch fallen konnte. \u201eWas? Du hast <em>Gold<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f0c9f8786bc473c3ae01a7e9e048c4db\">T\u00edjnje nickte und langte nach einem, anderen Stein. \u201eDie <em>opayra<\/em> sagt, ein tugendleichtes M\u00e4dchen muss immer Gold haben, damit kein b\u00f6ser schwarzer Zauberer was B\u00f6ses macht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"26a4f26039a7b7a5f95703ebfa4e6eb6\">\u201eTugendreich&#8221;, verbesserte Osse.<\/p>\n<p data-p-id=\"a65ac0827757c1178dfb8552d13771cf\">\u201eBei den M\u00e4chten, von was f\u00fcr Gold sprichst du da, T\u00edjnje?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4834964bdfc559d5f22e27c7d6511475\">Sie schaute zu L\u00e1as auf, die Augenlider wachsam halb gesenkt. \u201eDu verpetzt mich bei Mama.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8fa9d0d41a56ba3f5a3e13d197fdebdf\">\u201eIch verpetze &#8230; T\u00edjnje! Es geht um die Ehre unserer <em>teirandanja<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2b58e3149ae6a0b7b1f19abff227663d\">Osse legte das Buch nieder und setzte sich an T\u00edjnjes anderer Seite zu ihr auf die Bank.<\/p>\n<p data-p-id=\"df9408a2dc6e8f20dec34268132d4ce9\">\u201eMagst du mir zeigen, was es f\u00fcr Gold ist, tugendreiche <em>yarlaranda<\/em>?&#8221;, fragte er freundlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"b5de4f96564d5d65ca6addc85ead2e3d\">Sie kicherte \u00fcber das sch\u00f6ne Kompliment. Dann hob sie die Pfannkuchen auf ihrem Teller an. Darunter lagen, gewissenhaft aufgereiht, zwei Haarnadeln, ein perlenbesetzter Schmuckkamm und eine Halskette mit kleinen kunstreich geh\u00e4mmerten Plaketten.<\/p>\n<p data-p-id=\"3db659a700d69242c5874e1eaaeb9e39\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"2be80a15c4e9d50cbb15302277ee94c1\">\u201eH\u00f6r zu&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e und kraulte durch das Gitter hindurch das Ohr, das Farbenspiel ihr auffordernd hinhielt. \u201eIch will auch hier raus. Aber ich hab nichts, womit ich den K\u00e4fig aufmachen kann, wei\u00dft du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2c55a3bd21d7b5664c7703743ece2ecc\">Das Einhorn schnaubte. D\u00fdamir\u00e9e langte an die Spitze des gewundenen Hornes auf seiner Stirn. Die war scharf wie eine Messerklinge, das M\u00e4dchen pikste sich daran und betrachtete nachdenklich den kleinen roten Blutstropfen, der sich auf ihrer Fingerkuppe zeigte. Dass Farbenspiel so wehrhaft war, war gut zu wissen, aber nicht zu gebrauchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0940295a60a8639879579aec28c714a5\">\u201eZeig mir mal deine F\u00fc\u00dfe&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e und griff unter den \u00fcppigen, flaumzarten Behang, der von Farbenspiels Fesseln bis knapp \u00fcber den Boden reichte. Sie schob das seidenzarte Haar beiseite und schaute dann beeindruckt auf ein imposantes Klauenpaar, hart wie Granit und gl\u00e4nzend wie poliert. Ein Strohhalm klemmte zwischen Farbenspiels Zehen fest. D\u00fdamir\u00e9e zupfte ihn hervor und Farbenspiel stapfte auf, wie kitzelig. Ein winziger Funken spr\u00fchte, wie von einem Feuerstein, als die Klaue auf den Steinboden pochte.<\/p>\n<p data-p-id=\"67dcaf6c68046f84b69da9586686094f\">\u201eDamit kannst du bestimmt fest zutreten&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e und dachte schaudernd an den Moment zur\u00fcck, als sie und C\u00fdel\u00fa unter dem panischen Perlenglanz gelegen hatten. \u201eAber mich und Advon trittst du nicht. Du bist nur gro\u00df und stark und gef\u00e4hrlich &#8230; und vernascht&#8221;, kicherte sie, als die Einhornschnauze nach dem restlichen Fr\u00fcchtekuchen st\u00f6berte. Sie zog die S\u00fc\u00dfigkeit aus Farbenspiels Reichweite und deutete auf das Schloss an der K\u00e4figt\u00fcr.<\/p>\n<p data-p-id=\"c3b8af3609c24f0ce49c6a8d2b375a7b\">\u201eDas bekommst du, wenn du mich hier heraus holst. Dein Fu\u00df ist h\u00e4rter und sch\u00e4rfer als eine Axt. Kannst du das Schloss abtreten? Ich glaube, das ist nur aus Gold.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d687168a5ecd23e4e77eac4eeb4b4f30\">Farbenspiels Ohren richteten sich nach vorn. <em>Er versteht mich nicht<\/em>, dachte D\u00fdamir\u00e9e. <em>Aber vielleicht begreift er, was ich will.<\/em> Sie hielt den Kuchen in die N\u00e4he des Schlosses.<\/p>\n<p data-p-id=\"01be8a68fd54d7e9daedd816172eca95\">\u201eBitte, Farbenspiel. Mach das ab.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7f6e61fbd2df99a6171c381130ff1562\">Das Einhorn trat einen Schritt zur\u00fcck und hob seinen bedrohlichen Fu\u00df. Vielleicht verstand es den Zusammenhang zwischen dem Kuchen und dem Schloss. Vielleicht wollte es einfach nur betteln. Das Tier streckte das Vorderbein aus, um nachdr\u00fccklich zu scharren.<\/p>\n<p data-p-id=\"bca36fa9fab4b4a093f7c07d215f2a76\">Die Klaue traf das Schloss, den K\u00e4fig, blieb h\u00e4ngen, riss ihn mitsamt dem umgebenden Ger\u00fcmpel um und ein Wust aus K\u00e4stchen, Kartons und Zeug ergoss sich in die Stallgasse.<\/p>\n<p data-p-id=\"5c7dc79efa1a2649975bf8b68e4fdbc6\">Farbenspiel sprang erschrocken zur\u00fcck, und der Stallmeister, der vorn bei der T\u00fcr den Verschlag von Sonnenstrahl ausmistete, br\u00fcllte entsetzt auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"5cbfa360a09ab447b38ba5546eba7dec\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"6a936084d40ce554236a968481239928\">Advon hatte von seinem Vater nicht nur M\u00e4rchen geh\u00f6rt. Als C\u00fdel\u00fa \u00fcberzeugt davon gewesen war, dass der Junge langsam zu alt f\u00fcr Kinderm\u00e4rchen wurde, hatten sich auch andere Arten von Geschichten zwischen die von Lebkuchenh\u00e4usern, rosen\u00fcberwucherten Burgen und d\u00e4mlichen <em>teirandanjoray<\/em> gemischt, die die n\u00e4chstbeste <em>f\u00e1njula<\/em> zur <em>h\u00fdardora<\/em> genommen h\u00e4tten, der ein alter Schuh passte. Manchmal waren es Geschichten von Jungen in seinem Alter gewesen, die mit ihren Freunden Missetaten von Erwachsenen aufkl\u00e4rten und Verbrechen verhinderten. Advon war fasziniert von diesen Geschichten gewesen, weniger von der Raffinesse, mit der die Geschichtenkinder R\u00e4uber und andere Misset\u00e4ter \u00fcberlisteten. Ihm gefiel die Vorstellung, Freunde zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"ad0845da80299394bfbaf7c3e31d02cd\">Manchmal mussten Jungs in Geschichten Schl\u00f6sser \u00fcberwinden. Advon hatte gefragt, wie man das ohne Zauberei t\u00e4te, und sein Vater hatte wirres Zeug von verbogenen Haarnadeln erz\u00e4hlt. Bei den Kindern in den Geschichten war immer mindestens ein M\u00e4dchen dabei gewesen, vermutlich, weil irgendjemand die Haarnadeln bereithalten musste.<\/p>\n<p data-p-id=\"f14e8841afde6fd3fc1b2f35988b8bf7\">Eine Haarnadel hatte Advon nicht, aber er hatte im Groben verstanden, wie ein Schloss und ein St\u00fcck gebogenes Metall zusammenpassten. Und so hatte er eine ganze Weile damit verbracht, die Spitze des Griffels mithilfe einer seiner Glasmurmeln \u00fcber der Kante der Fenster\u00f6ffnung umzubiegen, bis sie eine zufriedenstellende \u00c4hnlichkeit mit einem primitiven Haken hatte. Wie gut, dass der Griffel aus ganz normalem, nichtmagischem Gold war. Einen Eisenstab h\u00e4tte er nicht so einfach verformen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"43b1711340e65c561af761dcdccc255b\">Einen Diebeshaken zu formen war die eine Sache, die den Jungen eine Weile besch\u00e4ftigt hielt. Wie man ein solches Werkzeug benutzte, wusste er nat\u00fcrlich nicht. Und so verlor Advon einige Zeit damit, ratlos in dem T\u00fcrschloss herumzustochern, bis es ihm mehr oder weniger zuf\u00e4llig gelang, die richtige Stelle im Mechanismus zu packen und zu verschieben. Als der Sperrriegel endlich klickte und nachgab, war Advon sich nicht ganz sicher, was er da eigentlich genau getan hatte, aber sehr zufrieden mit sich. Das kleine Schattens\u00e4ngerm\u00e4dchen w\u00fcrde bestimmt staunen und seinen Einfallsreichtum bewundern.<\/p>\n<p data-p-id=\"24e1b2b8128a276c847193f15aa8d6d7\">Der Junge schaute sich um und huschte dann die bunte Steintreppe so weit hinab, bis er zu einem Tor zu einer der Br\u00fccken zwischen den T\u00fcrmen gelangte. Wenn Sileda\u00fa ihm entgegen k\u00e4me, dann wollte er ihr nicht im Geb\u00e4ude begegnen. Hier im Freien hatte er viel bessere Gelegenheiten, ihr auszuweichen und zu entwischen; andererseits sah man ihn hier auch von weitem.<\/p>\n<p data-p-id=\"d9d982f2ccf0e6fd50ab54f7b960e058\">Advon schaute sich um und dachte nach. Der Indigofarbene schien die Wache auf dem Turm zu halten, der Blaue war unten am Tor. Wenn er vorhin richtig die Reiter am Himmel gez\u00e4hlt hatte, sollte sich noch ein dritter im Ciel\u00e1stel aufhalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"2f0674f2837b72e75a7ffa3818db0a04\">Ob er einen von ihnen fragen sollte, wo Sileda\u00fa D\u00fdamir\u00e9e hingebracht hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"97defa4120a5764f10b30bda46c08a9f\">Kaum hatte er an sie gedacht, erschien die alte Frau in seinem Blickfeld. Advon erschrak, warf sich nieder und legte sich mitten auf der Br\u00fccke flach auf den Bauch. Vielleicht bemerkte sie ihn von dort unten nicht, wenn er eines mit den bunt schillernden Pflastersteinen wurde. Sileda\u00fa war wohl gerade selbst zu Fu\u00df zum Ciel\u00e1stel zur\u00fcckgekehrt und \u00fcber die Zugbr\u00fccke gegangen. Der Blaue trat auf sie zu und wechselte ein paar Worte mit ihr, auf die sie mit gro\u00dfer Geste antwortete. Sie warf die H\u00e4nde in die Luft und wedelte damit herum, als erz\u00e4hle sie ihm gerade eine Geschichte voller Vorw\u00fcrfe und von ganz gro\u00dfer Wichtigkeit. Zu Wort kommen lie\u00df sie ihn nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"2e707df4fe2aacf2f310cfb1256431c3\">Wo war sie gewesen? Und welches Gl\u00fcck hatte er gehabt, gerade noch rechtzeitig die Flucht aus dem Turm ergriffen zu haben? Advon grinste \u00fcber seinen gelungenen Streich und kam zu dem Schluss, dass er nun eigentlich nur abwarten musste, wohin Sileda\u00fa als N\u00e4chstes gehen w\u00fcrde, um D\u00fdamir\u00e9e zu finden. Doch bevor er sich dazu weitere Gedanken machen konnte, schallte aus dem Stall ohrenbet\u00e4ubendes Gepolter und das Br\u00fcllen eines Menschen. Der Stallmeister war au\u00dfer sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"d02e6757642b6806b28739dd2127964f\">Und dann galoppierte Farbenspiel, ohne Sattel, ohne Zaum, in wilden Bockspr\u00fcngen hinaus auf den Hof, keilte dabei in die Luft aus und erhob sich dann flatternd und frei wie ein Vogel in die H\u00f6he. Fast h\u00e4tte er Sileda\u00fa dabei niedergetreten.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2565","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2565"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2565\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3814,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2565\/revisions\/3814"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}