{"id":2554,"date":"2025-08-25T12:41:21","date_gmt":"2025-08-25T10:41:21","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2554"},"modified":"2025-09-01T09:16:32","modified_gmt":"2025-09-01T07:16:32","slug":"061-not-und-notizen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/061-not-und-notizen\/","title":{"rendered":"061: Not und Notizen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Es war erstaunlich, wie schnell der alte Sah\u00e1al\u00edr bereit gewesen war, seine Villa in der Oberstadt zu verlassen, nur um einen letzten Blick auf den St\u00f6renfried werfen zu k\u00f6nnen, den die M\u00e4chte zur Unzeit nach Aur\u00f3p\u00e9a geleitet hatten. Wie \u00fcblich hatte es \u00daldaise keinerlei Probleme bereitet, zu nachtschlafender Zeit vorgelassen zu werden. Die sinoray, so stand es in ihren Statuten geschrieben, konnten einander zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichen. Nat\u00fcrlich &#8230; f\u00fcr manchen von ihnen k\u00f6nnte es viel zu sp\u00e4t sein, bis zum n\u00e4chsten Morgen zu warten, bedachte man, wie betagt die Greisinnen und Greise allesamt waren. Um keine Zeit zu verlieren, hatte man \u00daldaise gleich ins Schlafgemach des \u00c4ltesten gebracht. Sah\u00e1al\u00edr, ohnehin mit schlechtem Schlaf geschlagen, hatte erfreulich verloren und zerbrechlich gewirkt in seinem viel zu gro\u00dfen Bett.<\/p>\n<p>\u00daldaise hatte ihm rasch und \u00fcberzeugend von dem \u00fcberraschenden Fang und der Ungeheuerlichkeit berichtet, den ruchlosen b\u00e1chorkor auf frischer Tat im brennenden Obsthain ertappt zu haben. Dass \u00daldaises Gew\u00e4ndern der Geruch von Rauch und Pferdeschwei\u00df anhaftete und die wohlriechenden, leicht bet\u00e4ubenden D\u00fcfte des schmerzlindernden R\u00e4ucherwerks verdr\u00e4ngten, unterstrich seinen Auftritt von dem \u00c4ltesten \u00fcberzeugend. Es musste Sah\u00e1al\u00edr imponieren, wie agil und beherzt \u00daldaise ungeachtet seines Alters war. Ein Mann der Tatkraft, der Festigkeit.<\/p>\n<p>Sah\u00e1al\u00edr jedenfalls war umgehend putzmunter geworden, hatte seine Leibdiener und Stallknechte aufgescheucht und war nur einen halben Gongschlag sp\u00e4ter mit einer kleineren, aber nicht weniger prachtvollen S\u00e4nfte unterwegs in die Unterstadt. \u00daldaise ritt voran und stellte sicher, dass allzu ungehobeltes Nachtvolk dem kleinen Begleittross aus einem berittenen Knecht und zweien, welche die die S\u00e4nfte tragenden Maultiere f\u00fchrten, aus dem Weg ging. Seine pure Anwesenheit gen\u00fcgte, um die Stra\u00dfe direkt vor ihnen zumindest f\u00fcr die paar Augenblicke zu r\u00e4umen, die sie ben\u00f6tigten, um sie zu durchqueren.<\/p>\n<p>\u00daldaise blickte sich um. Sah\u00e1al\u00edr hatte die Vorh\u00e4nge, die er als Sichtschutz h\u00e4tte schlie\u00dfen k\u00f6nnen, offen gelassen und schaute sich mit seinen halbblinden Augen aufmerksam um. Die Schwermut auf seinem Gesicht konnte er nicht verbergen. Verst\u00e4ndlich. Der alte Mann hatte Aur\u00f3p\u00e9a in besseren Zeiten gesehen, hatte als Bursche hier vielleicht ausgelassene N\u00e4chte verbracht, sich seiner Jugend erfreut, gelacht und geliebt. Wahrscheinlich war er seit zwei Dutzend Sommern zu dieser Tageszeit nicht mehr in der Unterstadt gewesen und bek\u00fcmmert \u00fcber den Verfall.<\/p>\n<p>Als sie auf dem westlichen Markt ankamen, war \u00daldaise angenehm \u00fcberrascht. Der Stadtsoldat hatte Verst\u00e4rkung bekommen, er und vier weitere W\u00e4chter zeigten k\u00e4mpferische Pr\u00e4senz. Im Au\u00dfenbereich der Tavernen hielten sich an den Tischen nur noch nicht allzu betrunkene Nachtschw\u00e4rmer auf. Der b\u00e1chorkor hing nach wie vor in den Lederfesseln am Gitter und schien sich in sein Schicksal ergeben zu haben.<\/p>\n<p>Einzig seine eigenen beiden Knechte st\u00f6rten erwartungsgem\u00e4\u00df den Gesamteindruck, mussten ihn unweigerlich blamieren. Der zweite war zwischenzeitlich zu seinem Kameraden gesto\u00dfen und hielt sich ebenfalls an einem Krug mit irgendetwas fest, das \u00daldaise ihnen wohl nicht erlaubt h\u00e4tte. Der andere hatte sich zwar das Gesicht gewaschen, aber dabei nicht alle Blut- und Dreckflecken erwischt. Nun, wahrscheinlich w\u00fcrde Sah\u00e1al\u00edr das in dem bunten Laternenlicht und auf die Entfernung nicht bemerken.<\/p>\n<p>Der alte sinor wies seine Begleiter an, die Maultiere so vor die Zelle zu f\u00fchren, dass die S\u00e4nfte vor dem Gefangenen zu stehen kam. Dann schloss er den abgewandten Vorhang zur Marktplatzseite. \u00daldaise sa\u00df ab, um n\u00e4her heran zu kommen.<\/p>\n<p>\u201eIch verga\u00df&#8221;, sagte er und reichte dem Alten eine kristallene Spielfigur. \u201eDas hier konnten meine Leute noch bei ihm sicherstellen.&#8221;<\/p>\n<p>Der alte Mann betastete das Fig\u00fcrchen, den Magier, mit gichtgekr\u00fcmmten Fingern. Einen Moment war er ganz in Gedanken versunken.<\/p>\n<p>\u201eWieso hast du mich bestohlen?&#8221;, fragte Sah\u00e1al\u00edr schlie\u00dflich ruhig. \u201eWas bei den M\u00e4chten hast du dir dabei gedacht? War ich nicht gastfreundlich und gro\u00dfz\u00fcgig zu dir?&#8221;<\/p>\n<p>Der b\u00e1chorkor schaute auf und musterte Sah\u00e1al\u00edr mit m\u00fcden Augen.<\/p>\n<p>\u201eWeshalb bist du nach Aur\u00f3p\u00e9a gekommen? Wolltest du dich bereichern? Auf diese Weise?&#8221;<\/p>\n<p>Der junge Mann sch\u00fcttelte fast unmerklich den Kopf.<\/p>\n<p>\u201eAntworte mir!&#8221;<\/p>\n<p>\u201eEr kann nicht verst\u00e4ndlich reden, edler Sah\u00e1al\u00edr. So wie es aussieht, hat er sich selbst mutwillig die Zunge verst\u00fcmmelt.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eWarum sollte ein b\u00e1chorkor das tun?&#8221;, fragte der Alte.<\/p>\n<p>\u201eVielleicht war es auch ein unbekannter Anstifter, um zu verhindern, dass er Geheimnisse ausplaudert. Ich glaube, ich bin einer Schurkerei von erheblichem Ausma\u00df auf der Spur. Eine, die sich gegen den konsej und das Wohl von Aur\u00f3p\u00e9a richtet. Ich gehe der Sache nach.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eTats\u00e4chlich?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eWarum wohl stand mein Garten von dessen Hand da in Flammen? Angst und Schrecken wollen sie verbreiten!&#8221;<\/p>\n<p>\u201eAber wer denn?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eDas m\u00f6gen die M\u00e4chte wissen. Eine konspirative, geheime Schar von Aufr\u00fchrern, sehr wahrscheinlich. Vermutlich kennt selbst er keine Einzelheiten.&#8221; \u00daldaise warf Gal\u00e9on einen scharfen Blick zu. \u201eWer es n\u00f6tig hat, einem ehrenwerten Gastgeber pers\u00f6nliche Sch\u00e4tze zu rauben, hinterh\u00e4ltig und feige, der gibt auch f\u00fcr ein gutes Entgelt seine Sprache fort und macht sich f\u00fcr andere schmutzig.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eKannst du lesen und schreiben, b\u00e1chorkor?&#8221;, fragte Sah\u00e1al\u00edr ruhig.<\/p>\n<p>\u00daldaise erstarrte.<\/p>\n<p>Gal\u00e9on l\u00e4chelte finster und nickte.<\/p>\n<p>Verflucht!<\/p>\n<p>\u201eMacht ihm eine Hand los&#8221;, wandte der sinor sich an einen der nahebeistehenden Stadtw\u00e4chter. \u201eUnd hat jemand ein Schreibzeug griffbereit?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eHerr&#8221;, mischte \u00daldaise sich hastig ein, \u201eIhr werdet doch nicht irgendetwas von dem glauben, das dieser &#8230; Kerl von sich gibt?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eDas kommt darauf an, was er zu sagen hat. Hat denn nicht jemand wenigstens eine Wachstafel bei sich?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eIch habe eine, Herr&#8221;, meldete sich eifrig einer der Pferdeknechte und f\u00f6rderte ein abgegriffenes Notizt\u00e4felchen und einen Griffel hervor.<\/p>\n<p>\u00daldaise biss sich auf die Lippen. Seine Gedanken jagten und prallten an die Grenzen, die die Situation ihm setzte. Warum nur war ihm nicht selbst der Gedanke gekommen, der b\u00e1chorkor h\u00e4tte in seiner viel zu lang bemessenen Lebensspanne nicht irgendwann die Gelegenheit und Mu\u00dfe gehabt, sich die Schriftkunst anzueignen? Was hatte er so beredt \u00fcber den B\u00fccherpalast von Iva\u00e1l erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, wenn er nicht selbst darin gewesen war? Aus welchem Grund h\u00e4tte es ihn dorthin verschlagen, wenn nicht, um zu lesen?<\/p>\n<p>Warum hatten sie ihm nicht gleich im Brunnen beide H\u00e4nde in Tr\u00fcmmer gebrochen?<\/p>\n<p>Und was tat der b\u00e1chorkor? Er hatte offenbar alle M\u00fche, nicht lautlos zu lachen, als der Stadtsoldat ihm die rechte Hand befreite und den kleinen Holzgriffel zwischen die steifen Finger legte. Der Pferdeknecht hielt ihm das T\u00e4felchen durch das Gitter hin entgegen.<\/p>\n<p>\u201eSchreib, b\u00e1chorkor&#8221;, verlangte Sah\u00e1al\u00edr. \u201eWer hat dir den Auftrag erteilt, den Garten von \u00daldaise anzuz\u00fcnden?&#8221;<\/p>\n<p>Der b\u00e1chorkor z\u00f6gerte. Dann begann er, zu schreiben, krakelig zwar, nachdem seine Finger taub und die Wachstafel instabil waren, aber z\u00fcgig. \u00daldaise runzelte die Stirn und trat n\u00e4her. Was tat der Kerl da?<\/p>\n<p>\u201eLest, \u00daldaise. Meine Augen tun es nicht hier in der Nacht.&#8221;<\/p>\n<p>Der sinor nahm die Tafel an sich und lie\u00df sich von einem Stadtsoldaten mit einem Laternchen leuchten.<\/p>\n<p>Ich habe keine Angst vor dir, stand da. Offenbar hatte der junge Mann damit gerechnet, dass seine Worte abgefangen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>\u201eEr .. er behauptet, auf eigene Rechnung zu handeln&#8221;, behauptete \u00daldaise und strich das Wachs rasch glatt.<\/p>\n<p>\u201eWillst du den konsej st\u00fcrzen?&#8221;, fragte Sah\u00e1al\u00edr. \u201eGebt ihm die Tafel, \u00daldaise.&#8221;<\/p>\n<p>Der Griffel kratzte \u00fcber das Wachs.<\/p>\n<p>Die M\u00e4chte werden dir Einhalt gebieten, las \u00daldaise und sagte: \u201eEr schreibt, die Stadt wird bald aufbegehren.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eHast du sie aufgestachelt, b\u00e1chorkor?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eHerr, seine pure Anwesenheit hat hier zu einem Aufruhr gef\u00fchrt&#8221;, kl\u00e4rte ein anderer, ziemlich beschr\u00e4nkter Stadtw\u00e4chter den sinor auf.<\/p>\n<p>Lass den alten Mann in Ruhe!, schrieb Gal\u00e9on. \u00daldaise las: \u201eBald schon wird Aur\u00f3p\u00e9a brennen wie der Garten&#8221; und strich es w\u00fctend aus. \u201eUnversch\u00e4mtheiten eines Irren!&#8221;<\/p>\n<p>\u201e\u00daldaise! Ihr vernichtet ein Gest\u00e4ndnis!&#8221;, rief Sah\u00e1al\u00edr betroffen aus.<\/p>\n<p>\u201eMitnichten! All diese Zeugen hier haben es geh\u00f6rt. Diese Unversch\u00e4mtheiten wird der Kerl bald in der W\u00fcste bereuen! Ich ..&#8221;<\/p>\n<p>\u201eDie Tafel! Genug mit dem Unfug!&#8221;<\/p>\n<p>\u00daldaise gab sie unwillig dem W\u00e4chter zur\u00fcck. Gal\u00e9on fuchtelte energisch mit dem Griffel und schaute Sah\u00e1al\u00edr eindringlich an, deutete auf die Spielfigur in Sah\u00e1al\u00edrs Hand und legte die Hand dann dem\u00fctig auf sein Herz.<\/p>\n<p>Der sinor z\u00f6gerte. \u201eWillst du dein Gewissen erleichtern, b\u00e1chorkor? Willst du mich deswegen um Verzeihung bitten?&#8221;<\/p>\n<p>Der junge Mann nickte, ohne seinen dunklen Blick von dem sinor abzuwenden.<\/p>\n<p>\u201eLasst ihn noch ein letztes Mal schreiben.&#8221;<\/p>\n<p>Gal\u00e9on bekam das Notizbrettchen noch einmal vorgehalten. Diesmal krakelte er einen Moment l\u00e4nger.<\/p>\n<p>\u201eSoll ich vorlesen?&#8221;, fragte \u00daldaise eilig, mit kaum verhohlenem Missfallen.<\/p>\n<p>\u201eNein. Wenn es eine Bekenntnis wegen der Spielfiguren ist, ist es unter uns.&#8221; Sah\u00e1al\u00edr winkte jemanden mit einer Lampe heran, lie\u00df sich das Wachst\u00e4felchen geben und f\u00f6rderte unter seinem Gewand einen eingefassten Lesestein hervor, den er wie ein Schmuckst\u00fcck um den Hals trug. Bed\u00e4chtig studierte er die Zeilen.<\/p>\n<p>\u201eEs entt\u00e4uscht mich&#8221;, sagte er dann, \u201edass ein junger Kerl mit einem solchen Talent und Eloquenz sich b\u00f6sen Kr\u00e4ften verdingt hat. M\u00f6gen die M\u00e4chte dir deine Verfehlungen verzeihen. Ich w\u00fcnsche dir Frieden und Weisheit hinter den Tr\u00e4umen, b\u00e1chorkor.&#8221;<\/p>\n<p>Gal\u00e9on verneigte sich. Ohne Widerstand lie\u00df er sich die Hand wieder fesseln.<\/p>\n<p>\u00daldaise schaute verbl\u00fcfft von einem zum anderen.<\/p>\n<p>\u201eEdler sinor?&#8221;, fragte er. \u201eWas geschieht nun?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eDer Lauf der Gerechtigkeit, \u00daldaise. Der junge Mann hat mich um Vergebung f\u00fcr den Diebstahl gebeten. Das erscheint mir so nichtig, dass es mir gleich ist. Die Sache mit Eurem Garten macht Ihr mit ihm ab. Und was die Drohungen gegen die Stadt betrifft &#8230; das werden wir morgen zu bereden haben. Ich will zur\u00fcck in mein Haus. Gehen wir! Gute Nacht, \u00daldaise. Und &#8230; danke. Danke f\u00fcr Eure M\u00fche. Nun kann ich beruhigt schlafen.&#8221;<\/p>\n<p>Seine Diener rangierten die S\u00e4nfte um. Sah\u00e1al\u00edr schloss auch den anderen Vorhang. Der kleine Tross setzte sich in Bewegung. Kaum hatte die S\u00e4nfte den Marktplatz verlassen, wagte sich zwielichtiges Volk wieder ins Freie.<\/p>\n<p>Die beiden Knechte, die sich klug im Hintergrund gehalten hatten, wagten sich wieder in die N\u00e4he ihres Herrn, aber nicht, ihn anzusprechen. Klug von ihnen, dachte \u00daldaise, der Zorn und Neugier kaum beherrschen konnte. Was hatte der b\u00e1chorkor f\u00fcr eine geheime Botschaft geschrieben? Vergebung f\u00fcr den Diebstahl, den er gar nicht begangen hatte? Wohl kaum! Aber warum hatte dieser senile alte Idiot ihn dann nicht lesen lassen?<\/p>\n<p>\u201eSie werden dich zwischen sich zerrei\u00dfen&#8221;, murmelte er unheilschwanger in Gal\u00e9ons Richtung. \u201eUnd dann werden sie deine Fetzen wieder zusammenf\u00fcgen und es nochmals tun, immer und immer wieder. So lange, bis du die M\u00e4chte verfluchst, b\u00e1chorkor. Und ich, ich werde dabei stehen und es wesentlich unterhaltsamer finden als deine albernen M\u00e4rchen und Erz\u00e4hlungen.&#8221;<\/p>\n<p>Der junge Mann schaute zu Boden. Er hatte sehr wohl Angst. Das war gut!<\/p>\n<p>\u201eHerr?&#8221;, fragte der intelligentere seiner beiden Gehilfen, \u201eIst Euch wohl?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eSollen wir Euch etwas zu trinken besorgen? Ihr wart vielleicht zu lange in der Sonne, heute.&#8221;<\/p>\n<p>\u00daldaise schnaubte zornig. \u201eHelft mir beim Aufsteigen. Und seid p\u00fcnktlich. Sobald die Sonne aufgeht, macht ihr mit dem da einen Ausritt!&#8221;<\/p>\n<p>\u201eOhne Euch, Herr?&#8221;<\/p>\n<p>\u00daldaise bedachte sich. Auf den Mauern ert\u00f6nte der Gong. Die Zeit lief immer schneller.<\/p>\n<p>\u201eWenn ich es einrichten kann, werde ich dabei sein. Wenn nicht, komme ich nach. Wartet nicht auf mich. Aber wehe Euch, wenn irgendetwas schiefl\u00e4uft.&#8221;<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>\u201eWartet einen Moment!&#8221;<\/p>\n<p>\u201eHerr?&#8221;, fragte der berittene Knecht, der die S\u00e4nfte begleitete und P\u00f6bel aus dem Weg scheuchte. Sah\u00e1al\u00edr \u00f6ffnete den Vorhang einen Spalt weit.<\/p>\n<p>\u201eIch will nicht zur\u00fcck in die Villa&#8221;, sagte der Alte. \u201eBringt mich zum Haus meiner lieben Freundin, die heute Abend noch bei mir war.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eSelbstverst\u00e4ndlich, Herr.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eJemand soll vorauseilen und mich ank\u00fcndigen. Ich will nicht, dass die Dame in Verlegenheit kommt.&#8221; Er lachte. \u201eIch bin schlie\u00dflich kein leichtherziger Galan mehr, der nachts von Begierde befl\u00fcgelt an die T\u00fcr von Damen klopft.&#8221;<\/p>\n<p>Der Knecht l\u00e4chelte. \u201eDarf ich erfahren, was Eure Laune so hebt, Herr?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eEin Geheimnis&#8221;, sagte der alte Mann und schaute fasziniert auf das kleine Notizbrett. \u201eEines, das wir l\u00f6sen m\u00fcssen.&#8221;<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Der kleine Treppenabsatz bot kaum genug Platz f\u00fcr die vier Kinder, zudem die Barrikade aus der zerbrochenen Lanze und dem alten Holzschild den Zugang zur T\u00fcr versperrte. Osse Emberbey sa\u00df unten auf der Stiege zur Fallt\u00fcr und bebte. Steile Treppen und Dunkelheit schienen eine wahre Tortur f\u00fcr ihn zu sein. L\u00e1as und J\u00e1ndris hatten sich zun\u00e4chst dar\u00fcber lustig gemacht, bevor die teirandanja ihnen fl\u00fcsternd erkl\u00e4rt hatte, dass der Junge sicherlich alles nur verzerrt erkennen konnte, und dass sie die beiden einmal sehen wollte, wenn sie dasselbe mit verbundenen Augen t\u00e4ten.<\/p>\n<p>\u201eWir m\u00fcssen auf ihn aufpassen&#8221;, hatte sie entschieden. \u201eHerr Alsg\u00f6r wird sicher w\u00fctend, wenn er hier ausgleitet und sich Knochen bricht.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eWozu kann er taugen, wenn er schon am Treppensteigen scheitert&#8221;, hatte L\u00e1as gemurrt. Aber das spielte nun keine Rolle. Sie waren am Ziel angekommen.<\/p>\n<p>\u201eWiegenkind?&#8221;, rief J\u00e1ndris und klopfte an die T\u00fcr. \u201eBist du wach?&#8221;<\/p>\n<p>Im Raum regte sich etwas. Sie h\u00f6rten leichte Schritte herbeieilen.<\/p>\n<p>\u201eLasst mich raus, Schergenpack!&#8221;, z\u00fcrnte es im geheimen Turmgemach. \u201eIch will hier heraus!&#8221;<\/p>\n<p>\u201eReg dich nicht auf! Wir haben unser Wort gehalten. Die teirandanja &#8230;&#8221;<\/p>\n<p>\u201eLenkt nicht ab! Ich &#8230;&#8221;<\/p>\n<p>\u201eMerrit Althopian&#8221;, redete Manj\u00e9v dazwischen. \u201eDeine teirandanja ist hier.&#8221;<\/p>\n<p>Einen ganz kurzen Augenblick war es m\u00e4uschenstill. \u201eMajest\u00e4t&#8221;, klang seine Stimme schlie\u00dflich dumpf hinter der T\u00fcr.<\/p>\n<p>\u201eIch &#8230;&#8221; Sie warf einen raschen Blick zu ihren beiden jugendlichen Dienstleuten. Zu fl\u00fcstern w\u00fcrde nicht funktionieren, also sagte sie: \u201eK\u00f6nnt ihr mal kurz die Ohren woanders haben?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eDie sind angewachsen&#8221;, scherzte J\u00e1ndris, aber L\u00e1as rempelte ihn kopfsch\u00fcttelnd an und hielt sich dann gehorsam seine Ohren zu. J\u00e1ndris folgte seinem Beispiel.<\/p>\n<p>\u201eH\u00f6r mal&#8221;, begann Manj\u00e9v erneut. \u201eIch hab das nicht gewollt. Nicht so.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eMajest\u00e4t &#8230; falls Ihr noch erz\u00fcrnt seid, weil ich am Fenster war &#8230; das war ein Versehen.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eEs war nicht nur das. Aber &#8230; H\u00f6r zu, Merrit Althopian. Gelobst du mir, dass du vor den Erwachsenen dar\u00fcber schweigst, was hier vorgefallen ist, wenn wir dich raus lassen?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eIch gelobe Euch alles, was Ihr von mir verlangt, solange es keine L\u00fcgen sind.&#8221;<\/p>\n<p>Sie war erstaunt. Das klang weniger unterw\u00fcrfig, als sie erwartet h\u00e4tte. Ein anderer h\u00e4tte in seiner Lage vielleicht alles zugestanden, um ihr zu gefallen, ohne wenn und aber. Er setzte Grenzen.<\/p>\n<p>\u201eNein. Keine L\u00fcgen. Nur &#8230; Schweigen. Kannst du schweigen, Merrit Althopian?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eJe schneller ich hier heraus komme, \u00fcber desto weniger m\u00fcsste ich schweigen, Majest\u00e4t.&#8221;<\/p>\n<p>Sie nickte und trat beiseite. \u201eLasst ihn raus.&#8221;<\/p>\n<p>L\u00e1as und J\u00e1ndris l\u00f6sten die verkeilte Lanze und legten sie neben Osse auf der Stiege ab. Manj\u00e9v trat vor und dr\u00fcckte die T\u00fcrklinke.<\/p>\n<p>Nichts geschah. Es war nicht einmal ein Widerstand zu sp\u00fcren. Das M\u00e4dchen zog am T\u00fcrgriff. Nichts.<\/p>\n<p>\u201eEs geht nicht&#8221;, wisperte sie.<\/p>\n<p>\u201eVielleicht \u00f6ffnet sie nach innen?&#8221;, schlug Osse von seinem Platz aus vor.<\/p>\n<p>\u201eNein, tut sie nicht. Sonst h\u00e4tte es doch keinen Sinn gehabt, sie zu verrammeln.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eSie klemmt&#8221;, rief J\u00e1ndris. \u201eDr\u00fcck mal von innen dagegen!&#8221;<\/p>\n<p>Ger\u00e4usche auf der anderen Seite deuteten darauf hin, dass Merrit Althopian sich gegen das T\u00fcrblatt stemmte. Nichts r\u00fcckte oder ruckte.<\/p>\n<p>\u201eDas gibt es doch nicht&#8221;, knurrte L\u00e1as, schob J\u00e1ndris beiseite und begann ebenfalls, an der Klinke zu zerren. Schlie\u00dflich rissen beide Jungen zugleich daran, w\u00e4hrend Merrit Althopian schob und dr\u00fcckte.<\/p>\n<p>Dann hielten sie ratlos inne.<\/p>\n<p>\u201eSie l\u00e4sst sich nicht \u00f6ffnen&#8221;, rief Manj\u00e9v.<\/p>\n<p>\u201eOh&#8221;, antwortete Merrit Althopian unpassend munter, \u201edann ist wohl das Schloss hin\u00fcber.&#8221;<\/p>\n<p>Osse hatte sich erhoben und tauchte nun durch die Luke auf. Er trat vor, dr\u00fcckte selbst auf die Klinke und belie\u00df es bei dem kurzen Versuch.<\/p>\n<p>\u201eDer Riegel ist kaputt&#8221;, sagte er.<\/p>\n<p>\u201eWas kann das sein?&#8221;, fragte Manj\u00e9v.<\/p>\n<p>\u201eAlles M\u00f6gliche. Irgendetwas darin kann zerbrochen sein. Wenn es ein Schl\u00fcsselloch g\u00e4be, k\u00f6nnten wir versuchen, den Riegel mit einem Draht zu bewegen. Aber so &#8230; Es sind nicht einmal Schrauben eingesetzt.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eOsse?&#8221;, fragte Merrit Althopian von innen. \u201eOsse? Du bist auch dabei?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eWir holen dich da raus&#8221;, versprach der Junge ruhig und wandte sich der teirandanja und den beiden Jungen zu.<\/p>\n<p>\u201eMajest\u00e4t, es wird nicht ohne Spuren zugehen, diese T\u00fcr zu \u00f6ffnen.&#8221;<\/p>\n<p>Manj\u00e9v senkte den Blick und schwieg einen Augenblick. Es war klar, was das bedeutete. Merrit Althopian lie\u00df sich nicht in Diskretion befreien und danach alle Erinnerngen daran verwischen.<\/p>\n<p>\u201eIch nehme es auf mich&#8221;, sagte sie dann.<\/p>\n<p>\u201eDann kommt nun die Stufen hinab, bevor hier Splitter fliegen&#8221;, sagte Osse und zu den beiden yarlandoray: \u201eGut, dass ihr dieses scharfe Eisenzeug mitgebracht habt.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eRed nicht so geschwollen&#8221;, brummte L\u00e1as und hob seine Axt. \u201eMach Platz. Das ist zu gef\u00e4hrlich f\u00fcr Damen und Kr\u00fcp-&#8230;&#8221;<\/p>\n<p>\u201eL\u00e1as Grootplen!&#8221;, mahnte Manj\u00e9v.<\/p>\n<p>\u201e &#8230; Leute ohne R\u00fcstzeug.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eWir brauchen Platz&#8221;, stimmte J\u00e1ndris zu. \u201eDuckt Euch weg!&#8221;<\/p>\n<p>\u201eIhr m\u00fcsst nicht die T\u00fcr f\u00e4llen. Es mag gen\u00fcgen, die Klinke herauszuschlagen&#8221;, empfahl Osse ruhig und bot der teirandanja h\u00f6flich seine Hand. \u201eKommt hinab.&#8221;<\/p>\n<p>Sie z\u00f6gerte und griff dann damenhaft zu. L\u00e1as verdrehte die Augen \u00fcber so viel Etikette und holte weit mit seiner Streitaxt aus. Krachend, scharf und ohne eine Spur zu hinterlassen, prallte die scharfe Klinge auf das Holz.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Wa\u00fdreth Althopian war schlaflos. Die zweite Nacht in Folge sa\u00df er gedankenvoll in dem Gastgemach, das ihm in der Burg der h\u00fdardora seines Herrn zugestanden war. Zum zweiten Mal war das Lager seines Sohnes unber\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Ritter hatte sich einen kleinen Krug Wein besorgt, aber er trank nicht. Im Schein eines \u00d6ll\u00e4mpchens sa\u00df er am Tisch und betrachtete das Bildnis der yarlara, das er immer schon bei sich gef\u00fchrt hatte und das ihm nun, da es das einzige war, das ihm als Anblick geblieben war, noch kostbarer geworden war. Das Bildnis der Dame hatte ein begabter fahrender K\u00fcnstler aus den \u00f6stlichen yarlm\u00e1lon angefertigt, dem es gelungen war, unbehelligt aus Ferocriv\u00e9 zu entkommen. Es war gro\u00df wie ein Handspiegel, gesch\u00fctzt mit einem filzgepolsterten Holzdeckel, fast schon etwas zu gro\u00df f\u00fcr eine Satteltasche.<\/p>\n<p>Dass Merrit daheim eine der Skizzen von damals gestohlen hatte, wusste der Ritter. Er hatte beschlossen, ihn nie darauf anzusprechen.<\/p>\n<p>Traurig betrachtete er ihr Gesicht und spielte dabei gedankenverloren mit dem Ringlein aus ihrem schwarzgl\u00e4nzenden Haar, das sie ihm einst als Versprechen und Andenken geschenkt hatte. All die Sommer und Winter hatte er es in einem D\u00f6schen mit gl\u00e4sernem Deckel aufbewahrt. Seit sie fort war und er ihre duftenden, weichen Haare nicht mehr ber\u00fchren konnte, trug er es wieder am Herzen.<\/p>\n<p>\u201eEr ist mir weggelaufen&#8221;, wisperte er dem Damenbild zu. \u201eEr ist geflohen und ich habe ihn nicht festhalten k\u00f6nnen. Ich habe dich entt\u00e4uscht.&#8221;<\/p>\n<p>Im flackernden Schein des \u00d6llichtes wirkte ihr Gesicht so diffus und zugleich so lebendig. Der Maler hatte damals, als sie ihm Modell gesessen hatte, immer wieder galant, fast frech bemerkt, wie sehr ihn ihre eishellen Augen in den Bann zogen. Die h\u00fdardora hatte sich halb entr\u00fcstet, halb geschmeichelt \u00fcber den Vorwitz des K\u00fcnstlers beklagt, der sie in Verlegenheit brachte. Althopian hatte den Mann daraufhin \u00f6ffentlich streng ermahnt und anschlie\u00dfend im Geheimen um mehr als das Doppelte entlohnt, so viel Gefallen hatte er an der Sache gehabt.<\/p>\n<p>\u201eWie soll ich weiterleben, ohne dich, ohne ihn?&#8221;, fragte Wa\u00fdreth Althopian. \u201eWie soll ich jemals wieder froh sein?&#8221; Er vergrub das Gesicht in den H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Ein dezentes Pochen an der T\u00fcr lie\u00df ihn aufschrecken und horchen. Nach einer Weile klopfte es erneut. Er hatte sich also nicht verh\u00f6rt und ging nachschauen.<\/p>\n<p>\u201eHerr Alsg\u00f6r?&#8221;<\/p>\n<p>Der alte Ritter, selbst in einem Hausgewand, schaute an Althopian hinab. \u201eIhr seht nicht aus, als w\u00e4ret Ihr schon zur Ruhe gegangen. Darf ich eintreten?&#8221;<\/p>\n<p>Wa\u00fdreth Althopian trat beiseite. Der deutlich \u00e4ltere Mann schritt zum Tisch, entdeckte das Bild der yarlara und stellte keine Fragen.<\/p>\n<p>\u201eMein Sohn ist fort&#8221;, sagte er ohne Umschweife. \u201eIch erwachte aus leichtem Schlaf, und als ich mich umsah, war er weg.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eOsse?&#8221;, fragte Althopian erstaunt.<\/p>\n<p>\u201eDa er \u00fcblicherweise daheim um diese Zeit nicht herumzustreunen pflegt, kommt mir das sehr verd\u00e4chtig vor.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eNun, er ist nicht hier.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eDas sehe ich. Aber ich denke, er wei\u00df ganz genau, wo Euer Spross sich verkrochen hat und steckt mit ihm zusammen.&#8221;<\/p>\n<p>Althopian seufzte. \u201eW\u00e4re das ein Problem f\u00fcr Euch?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eEs beunruhigt mich. Ich wei\u00df gern, wo sich meine Schutzbefohlenen aufhalten. Das schlie\u00dft meine Familie mit ein.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eDa seht Ihr, wie es mir seit gestern geht.&#8221; Althopian griff nach dem Krug. \u201eM\u00f6gt Ihr?&#8221;<\/p>\n<p>Emberbey lie\u00df sich still am Tisch nieder und lie\u00df sich einschenken. Sein Blick blieb an dem Damenbild haften.<\/p>\n<p>\u201eEin sehr feines Werk&#8221;, sagte er h\u00f6flich.<\/p>\n<p>Althopian zuckte die Achseln. \u201eWenn Euer Osse bei meinem Merrit ist, w\u00fcrde ich den M\u00e4chten danken&#8221;, sagte er. \u201eDer Junge wird meinen Sohn vielleicht eher zur Vernunft bringen, als sein Vater es k\u00f6nnte.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eVernunft&#8221;, sagte Emberbey bitter. \u201eEher wird Euer hei\u00dfbl\u00fctiger Wildfang meinen Sohn zu vorwitzigen Ideen verleiten. Es f\u00e4ngt doch schon an!&#8221;<\/p>\n<p>Einen Moment schwiegen beide, nippten an ihrem Wein und warteten, bis der andere etwas sagte. Althopian hielt es nicht lange aus.<\/p>\n<p>\u201eWas wollt Ihr von mir?&#8221;, fragte er.<\/p>\n<p>\u201eIch hatte mir gedacht &#8230; wenn der Schattens\u00e4nger hinter unseren R\u00fccken mit den Kindern geredet hat und nun beide uns meiden &#8230; was mag er ihnen eingegeben haben? Was hat er ihnen f\u00fcr Gedanken in den Kopf gesetzt?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eWie meint Ihr das?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eNun &#8230; ich musste ihm zusagen, aus Osse einen Gelehrten zu machen. Ihn auf Schulen zu schicken.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eEin guter Gedanke f\u00fcr einen aufgeweckten Knaben.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eOsse hat daraufhin gefordert, nach Iva\u00e1l zu gehen. Weil Euer Sohn ihm das ins Ohr gesetzt hat, ganz offensichtlich.&#8221; Emberbey deutete fl\u00fcchtig mit dem Kinn auf das Bild der sch\u00f6nen Dame.<\/p>\n<p>Althopian l\u00e4chelte. \u201eIva\u00e1l ist ber\u00fchmt f\u00fcr seine Schulen. Viele gebildete mestaray und maedloray [~ Lehrer und Beamte] haben einige Sommer in Iva\u00e1l verbracht.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eDas ist ja gut m\u00f6glich. Aber niemals zuvor ist ein &#8230; ein Emberbey diesen Weg gegangen! Iva\u00e1l &#8230; das ist weit jenseits des Montaz\u00edel!&#8221;<\/p>\n<p>\u201eBeunruhigt es Euch, wenn Euer Sohn einen neuen Weg einschl\u00e4gt?&#8221; Althopian dachte nach und f\u00fchlte pl\u00f6tzlich tiefe Dankbarkeit daf\u00fcr, dass die M\u00e4chte ihm strengen, verbitterten Emberbey vorbeigeschickt hatten, um ihn vom Kummer abzulenken. \u201eAlsg\u00f6r, macht Euch keine Gedanken. Ich habe Kontakte nach Iva\u00e1l. Wir finden f\u00fcr Osse eine gute Schule und Unterkunft.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eMacht Ihr Euch denn gar keine Gedanken, ob der Schattens\u00e4nger Euren Sohn, nun &#8230; auch zu Gedanken verleitet hat?&#8221;<\/p>\n<p>\u201eNein. Und wenn dem so w\u00e4re, dann w\u00e4re es sicherlich nichts Schlechtes.&#8221; Althopian erhob sich. \u201eUnd nun kommt, Alsg\u00f6r. Was sollen wir hier herumsitzen und unsererseits auf dumme Gedanken kommen. Lasst uns suchen. Wenn mein Sohn sich unsichtbar machen kann \u2013 vielleicht bringt Eurer uns auf die Spur.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2554","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2554","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2554"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2554\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3789,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2554\/revisions\/3789"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2554"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2554"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2554"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}