{"id":2553,"date":"2025-08-25T12:41:49","date_gmt":"2025-08-25T10:41:49","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2553"},"modified":"2025-09-01T09:16:16","modified_gmt":"2025-09-01T07:16:16","slug":"062-ein-raetsel-fuer-die-alten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/062-ein-raetsel-fuer-die-alten\/","title":{"rendered":"062: Ein R\u00e4tsel f\u00fcr die Alten"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"1e77483f2a37f7b8dcbab02c3c1661af\">Die <em>sinora<\/em> hatte kaum schlafen k\u00f6nnen. Viel zu viel L\u00e4rm veranstalteten die Nachbarn, die in ihrer Villa wieder einmal die Nacht zum Tag machten. Fr\u00fcher, als junge <em>f\u00e1njula<\/em>, nein, noch als reife Frau hatte sie gern dabei mitgetan, erinnerte sich an jene Zeiten, zu denen das Leben ihr als viel zu kurz vorkam, um lange zu schlafen. Wie viele durchtanzte N\u00e4chte hatte es damals gegeben, und wie unendlich war ihr die Jugend erschienen.<\/p>\n<p data-p-id=\"298930668cf5e60bc7f8380abb0b53c2\">Nun stand sie am Fenster und schaute hin\u00fcber, wo hinter der Mauer der Garten mit Laternen geschm\u00fcckt war und Gel\u00e4chter, lautes Reden und Rufen und Musik erschallte. Offenbar hatten die Nachbarn Musikanten mit Trommeln und lauten Dudels\u00e4cken engagiert. Neumodische Kl\u00e4nge, viel zu laut und wild f\u00fcr ihren Geschmack, aber nicht ganz ohne Reiz.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca161966784e550a820949ff10963b54\">Sie seufzte. Sie h\u00e4tte die Autorit\u00e4t gehabt, auf mehr Ruhe zu bestehen, denn sie war eine der M\u00e4chtigen in der Stadt. Aber was sollte sie den jungen Leuten die Freude und Lasterhaftigkeit verbieten? Eines Tages w\u00fcrden die, die jetzt laut feierten, innehalten und sich fragen, wohin sie ihre Jugend verschwendet haben. Der Kreis w\u00fcrde sich schlie\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f515591f3989896fe2b6b3d24b5d1c20\">Au\u00dferdem konnte sie ohnehin nicht schlafen. Was nutzte ihr da die Stille?<\/p>\n<p data-p-id=\"62b080ac2c430d60c18933c3eb23afcd\">So wurde sie Zeugin, wie Sah\u00e1al\u00edrs S\u00e4nfte vor ihrem Tor halt machte. Der Besuch zu dieser sp\u00e4ten, oder vielmehr ungewohnt fr\u00fchen Stunde verwirrte sie, machte sie zugleich munter und neugierig. Die Gesellschaft des lieben Freundes war ihr immer sehr angenehm. Wenn sie beide noch f\u00fcnfzig oder sechzig Sommer j\u00fcnger w\u00e4ren &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"424c73b3b9aac8525780261889d9cc23\">Einsam, war sie, seit ihr <em>h\u00fdardor<\/em> vorangegangen war, um sie hinter den Tr\u00e4umen zu erwarten. Drei\u00dfig Sommer war das nun her. So lange Zeit &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"12c445cb0e2fe85f9988043ed23d0d8e\">Die <em>sinora<\/em> ging vorsichtig, tastend hin\u00fcber zu ihrem Frisiertisch, setzte sich ihre Per\u00fccke auf und warf sich ihren kostbaren Hausmantel \u00fcber. Sie hielt nachdenklich inne, tupfte sich aus einem Flakon noch rasch ein wenig bet\u00f6rendes Duftwasser auf und beeilte sich dann, hinab in die geschmackvoll geschm\u00fcckte Halle zu kommen. Bis sie die Treppe aus wei\u00dfem Marmor dorthin bew\u00e4ltigt hatte, hatten ihre Hausdiener Sah\u00e1al\u00edr und seine Begleiter bereits empfangen und f\u00fcr den alten Mann einen Tragstuhl herbeigeschafft.<\/p>\n<p data-p-id=\"ac060b512a4ec25b8e7b1a4dfcf51bf4\">\u201eSah\u00e1al\u00edr!&#8221;, rief sie aus. \u201eSo fr\u00fch am Tag! Was verschafft mir das Vergn\u00fcgen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f8419e0b34fdc944b4b80e0d54be530\">Der alte Mann l\u00e4chelte bei ihrem Anblick. Sie zu dieser Zeit wach anzutreffen \u00fcberraschte ihn wohl nicht. Sie hatte sich oft mit ihm \u00fcber die Schlaflosigkeit ausgetauscht.<\/p>\n<p data-p-id=\"b6bfb3ea5c8658d54b13a5b1e800d602\">Sie begr\u00fc\u00dften einander herzlich. Er bemerkte den Duft, wie sie am\u00fcsiert feststellte, aber er schien etwas Dringendes auf dem Herzen zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"1190f0839a4b5ce99c46922f9573a0cd\">\u201eIch habe hier etwas,&#8221; sagte er, \u201edas du dir anschauen solltest. Gibt es hier einen Ort, wo wir ungest\u00f6rt sind?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"730320118a67bf2b600d562ebd7db5d8\">\u201eIm Garten&#8221;, schlug sie vor. \u201eSie feiern nebenan wieder so laut, dass niemand horchen kann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8c0995d759b5983288521fa7e6b44a90\">Die <em>sinora<\/em> scheuchte ihre Dienerschaft voraus, um ihrerseits in der weinumrankten Laube drau\u00dfen etwas Licht mit Laternen zu machen und Getr\u00e4nke bereitzustellen. Kurz darauf sa\u00df sie mit gepolsterten Kissen auf der Gartenbank, er auf seinem Stuhl neben ihr.<\/p>\n<p data-p-id=\"967a6b6d808cd4e81aadd1614cfac8e9\">\u201e\u00daldaise war bei mir&#8221;, sagte er, nachdem sich die Hausdiener entfernt hatten. \u201eEr hat den <em>b\u00e1chorkor<\/em> gepackt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e399dc53970d3a3f75ba906e6f17324a\">\u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte gn\u00e4dig mit dem jungen Burschen sein&#8221;, sagte sie. \u201eSchade. Zu gern h\u00e4tte ich einer Geschichte von ihm gelauscht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7dd91f6f0ba10e22e44c355e947abacf\">\u201eHast du von dem Brand in den H\u00fcgeln geh\u00f6rt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"23d9c5a0000047677a51269afff53438\">\u201eEines der M\u00e4dchen erz\u00e4hlte davon, ja. Es schien ja schnell wieder unter Kontrolle gewesen zu sein, soweit man es von den Mauern beobachten konnte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"63dcd8ee078324c4e9d0d9c74981f513\">\u201eEs war \u00daldaises Garten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"80e7845788db2be7e33b197e15b266fa\">Nun war sie verwirrt. \u201e\u00daldaise hat einen Garten? Seit wann?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8df2e37d9d9cdd807f4b103ebc9d9822\">\u201eSchon immer. Mindestens seit &#8230;&#8221; Sah\u00e1al\u00edr runzelte die Stirn. \u201eSeit ich denken kann. Ich entsinne mich gar nicht, wann er das Grundst\u00fcck gekauft hat. Aber was soll&#8217;s auch. Er hat ja niemals etwas daraus gemacht.&#8221; Er nahm einen Schluck von dem sehr stark verd\u00fcnnten Wein, den man ihnen gebracht hatte. Ein st\u00e4rkeres Getr\u00e4nk vertrugen sie beide nicht mehr. \u201eEr behauptet, der <em>b\u00e1chorkor<\/em> sei das gewesen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"449a6b9dace6f64866940280b9dbeb1c\">\u201eNein! Warum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"869bc870ee1991078b08dfa394a99fff\">\u201eNun&#8221;, sagte der Greis leichthin , \u201eoffenbar will der Bursche Aur\u00f3p\u00e9a brennen sehen, und den Mob den Palast \u00fcberrennen und den <em>konsej<\/em> st\u00fcrzen. Oder etwas in der Art. Ein Wahnsinniger, oder jemandes dienstbarer Handlanger.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"99e2c95cc556fe68f56d40c5f3687e86\">\u201eBei den M\u00e4chten!&#8221; Nun war sie erschrocken. \u201eIst das wahr, Sah\u00e1al\u00edr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91e42de5c46333c7c160ab967dccff09\">\u201eNein.&#8221; Der <em>sinor<\/em> sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eEs ist reiner Unfug. Es ist einiges an L\u00fcgen im Umlauf.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7fcfda4f1ab5e0b09479d7c344ad79f8\">Sie setzte den Becher neben sich ab und musterte ihn fragend. Er nestelte an seinem Mantel, f\u00f6rderte aus einer der Taschen die kleine kristallene Spielfigur zutage. Er setzte den Miniaturmagier neben den Weinbecher auf die Bank.<\/p>\n<p data-p-id=\"522d6aca051c1a49c6bb29cada9dc04b\">\u201eWie sch\u00f6n&#8221;, sagte sie. \u201eDu hast die Figuren zur\u00fcck. Dann hat er sie tats\u00e4chlich gestohlen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bdba3f70a966243e46f5d40daf260bbc\">\u201eIch habe nur diese eine. M\u00f6glicherweise sind die anderen verloren. Aber das ist nicht alles. Schau dir das an.&#8221; Er gab ihr ein Wachst\u00e4felchen in die H\u00e4nde und reichte ihr seinen kostbaren Lesestein hin\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"860f009a0ef257bd3ec5368403b151de\">\u201eWas ist das?&#8221;, fragte sie, als sie gelesen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a1da3636f3148733e6dd0bdf6076be25\">\u201eIch denke, der <em>b\u00e1chorkor<\/em> will uns damit etwas mitteilen. Da stimmt etwas nicht. \u00daldaise benimmt sich sehr verd\u00e4chtig. Er behauptet, der junge Bursche habe sich selbst die Zunge verletzt und war sehr eifrig dabei, zu lesen und Geschriebenes zu l\u00f6schen. Ich glaube, er war \u00e4u\u00dferst nerv\u00f6s.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8faab5deea7a02779d3c3f7658d4378e\">Die <em>sinora<\/em> schaute nachdenklich zu ihm hin\u00fcber. Im Garten nebenan tobten die Jugend und der \u00dcbermut.<\/p>\n<p data-p-id=\"2a2db28da50adc51b5e2349c176c2e16\">\u201eDiese seltsame Einladung der <em>faj\u00eda<\/em>. Kurz darauf brennt sein Garten. Und der Dieb, den es galt, dingfest zu machen, l\u00e4sst sich nicht verh\u00f6ren. So viel sonderbare Begebenheiten zugleich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"925c1c5b91cd8d80f2649baf167580e2\">\u201eHat der <em>b\u00e1chorkor<\/em> das hier geschrieben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"09f2c58bd8debcb9ec500c46a5a56ffc\">Sah\u00e1al\u00edr nickte und nippte an seinem Becher.<\/p>\n<p data-p-id=\"900b802ed05a4f1e093915ffa014bce2\">\u201e<em>O Aur\u00f3p\u00e9a,<\/em> <em>in Demut klage ich um deine Vergebung, um Stille und Starre am Kwell deiner Macht. H\u00fctet Euch, o Rechtschaffene, mein Los zur Gemahnung<\/em>.&#8221; Sie las die Zeilen wieder und wieder. \u201eIch verstehe nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"18c85871ce8c26e162afab65191cb1e3\">\u201eUnd ich verstehe nicht, wieso ein Mann, dem ein grausames Ende vor Augen ist, etwas so Seltsames niederschreiben sollte.&#8221; Sah\u00e1al\u00edr schaute mit tr\u00fcben Augen in die Richtung, den der die Trommeln und Tr\u00f6ten zu wilden T\u00e4nzen aufstachelten. \u201eZuerst dachte ich, er zitiert einen der gro\u00dfen Dichter, aber ich entsinne mich nicht. Ich dachte, du k\u00f6nntest mit diesen Worten etwas anfangen, belesen, wie du bist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ada8df2fdc76c2a25c857afeec7210b6\">\u201eNein, Es ist nichts, was ich schon einmal gelesen h\u00e4tte, obwohl es danach aussieht.&#8221; Sie sch\u00fcttete bedauernd den Kopf. \u201eIch bin vergesslich und alt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9b74b8bacb00a6bed79f2e5a87e9cc8\">\u201eAber nicht doch, meine Liebe. Wenn einer hier alt und t\u00f6richt w\u00e4re, dann ich.&#8221; Er l\u00e4chelte sie charmant an und f\u00fcgte nachdenklich hinzu: \u201e\u00daldaises Verhalten hingegen, das erscheint mir seit einigen Tagen mehr als sonderbar. Es schien mir, dass es ihm nicht passte, mir den dreisten Dieb vorzuf\u00fchren, wie er mir versprochen hatte. Schon als ich ihn vorgestern darum bat, schien es ihm l\u00e4stig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8d595e435de908d89129573f13787680\">Sie horchten eine Weile der lauten, treibenden Musik von nebenan.<\/p>\n<p data-p-id=\"170b7afbdb590d00f6305eb14a03b6bd\">\u201eWenn er sich nur den Anschein gibt, sich mit den Worten eines gro\u00dfen Dichters hervorzutun&#8221;, sagte die <em>sinora<\/em> schlie\u00dflich, \u201edann vielleicht, weil er bef\u00fcrchten musste, dass klare Worte gef\u00e4hrlich sind.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbfa1d21028e54690a66e734974c2ddf\">\u201eSicher&#8221;, sagte Sah\u00e1al\u00edr. \u201eH\u00e4tte \u00daldaise diese Botschaft gelesen, er h\u00e4tte sie f\u00fcr das Gestammel eines verz\u00fcckten Dichters gehalten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"00f2521d24e25bd81738b292f86663f3\">\u201eK\u00f6nnen wir den jungen Mann retten?&#8221;, fragte sie nachdenklich. \u201eOder ihm ein paar Tage Aufschub verschaffen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbde82134c22c1be7aaaedcb701887a6\">\u201eNein. Wir haben \u00daldaise die Gewalt \u00fcber diese Dinge gegeben. Wir k\u00f6nnen nicht nach unserem Gutd\u00fcnken Milde walten lassen. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> geh\u00f6rt der W\u00fcste. Retten k\u00f6nnen ihn allenfalls noch die M\u00e4chte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"392c292bba597de567af75dce122908b\">\u201eAber er hat dir das hier mitgeteilt.&#8221; Sie lauschte. Die Musik gefiel ihr pl\u00f6tzlich auf eine sonderbare Weise. Sie f\u00fchlte sich j\u00fcnger, angeregt. \u201eEr hat eine Botschaft.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b8d13d91a09a0f9c078061e6f9e98105\">\u201eHast du Freude an R\u00e4tseln?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"98faabe6dae88ab88697b68d190cf807\">\u201eIch <em>liebe <\/em>R\u00e4tsel. Das wei\u00dft du doch und deswegen bist du hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a35f6f326b6fba766d1c0fd0befb7cd\">Sah\u00e1al\u00edr l\u00e4chelte. \u201eNun, dann lass uns die Worte entschl\u00fcsseln.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"b407f201b9eb16f3c10754525fc3276f\">L\u00e1as und J\u00e1ndris lie\u00dfen sich ersch\u00f6pft auf der Treppe nieder. Manj\u00e9v schaute die beiden betreten an.<\/p>\n<p data-p-id=\"e4fa667383bb26add18748a6cce20879\">\u201eEs hat keinen Zweck&#8221;, sprach L\u00e1as es schlie\u00dflich aus. \u201eDiese T\u00fcr ist unzerst\u00f6rbar.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"99287f5e676f406e1556ff317261fc07\">\u201eAber wie kann das sein?&#8221;, fragte sie bang.<\/p>\n<p data-p-id=\"be81fa436ac0b18890d834f20222a976\">\u201eZauberei.&#8221; J\u00e1ndris betrachtete traurig seinen verbogenen Streithammer.<\/p>\n<p data-p-id=\"3b2e127cecf2f6aac81a9222867bcdc7\">\u201eHe&#8221;, rief es aus dem Turmzimmer, \u201eseid ihr etwa schon fertig?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c4c27d6f50dc600663fcc05557c0e8fb\">\u201eWir ruhen uns nur einen Moment aus, Wiegenkind!&#8221;, gab L\u00e1as gereizt zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"df484fbfd171d7262b06162966efe432\">J\u00e1ndris erhob sich. \u201eIch gehe und besorge uns neue \u00c4xte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"503f62a2b3d91bc3b8180152c0529989\">\u201eBleib hier! Das bringt doch nichts.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"08bab23a8a96a7c47454b76f10fbcd70\">\u201eIch h\u00e4tte mir denken k\u00f6nnen, dass das nichts wird&#8221;, sagte Merrit im Gemach. \u201eIch hab&#8217;s ja hier drin auch schon versucht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c5a9358884ad4a6f64574dd140089fc4\">\u201eDann ist diese Stube verzaubert&#8221;, sagte Osse Emberbey sachlich. \u201eDeswegen all diese Heimlichtuerei.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"85a7af9572ef13e83bf153b56e1bb2d6\">Die vier Kinder schwiegen einen Moment. Dann wandte J\u00e1ndris sich seufzend um. \u201eHe, Althopian. Es f\u00fchrt wohl kein Weg daran vorbei. Wie machen wir es? Wirfst du was runter und l\u00e4sst uns in Unschuld?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d4d07f89fea9645684d7b71ab2224049\">\u201eIch kann nichts werfen. Die L\u00e4den sind zu.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"90ee8b24b17ee476c9194204e21192f3\">\u201eWas? Warum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"258316bc8f9934ff543278dc36219ad6\">\u201eWeil &#8230; das ist eben so.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5350758e9ab58962504f09ae18018d2d\">\u201eWarum hast du Idiot die L\u00e4den zugemacht, wenn schon die T\u00fcr blockiert war?&#8221;, z\u00fcrnte L\u00e1as.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e32c5f9b5451d3d040086868742e8b6\">\u201eDeswegen! Ich muss dir das nicht erkl\u00e4ren!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"009a6f1fd1d4e04330e37d507e9eee64\">\u201eH\u00f6rt auf!&#8221; Manj\u00e9v trat zwischen ihre beiden k\u00fcnftigen Ritter und hob die H\u00e4nde. \u201eIch bin verantwortlich f\u00fcr all das. Ich gehe zu meinen Eltern und werde es bekennen. Ich h\u00e4tte es sofort tun m\u00fcssen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"caf99afd688df095648e08f313243b58\">\u201eDamit&#8221;, gab Osse zu bedenken, \u201ewird die Sache nicht besser, Majest\u00e4t.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c356a1234ffcbe1d4f4addfc8495f4f6\">\u201eIch bin bereit, f\u00fcr meine Unbedachtheit einzustehen wie eine echte <em>teiranda<\/em>!&#8221;, sagte sie zornig. Gerade eben hatte sie sich dazu gebracht, zu ihrem b\u00f6sen Denken zu stehen, da schlug der neu hinzugekommene Junge dazwischen!<\/p>\n<p data-p-id=\"bb7219be73ce62608d5c56e1bc0bfda2\">\u201eDas ehrt und adelt Euch&#8221;, entgegnete er ruhig. \u201eAber was sollten Eure Eltern tun, was wir nicht versucht h\u00e4tten? Von Eurem Gest\u00e4ndnis \u00f6ffnet sich diese T\u00fcr auch nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"462f5cc6ab6fbabf3c98050371a28e3a\">\u201eUnd was schl\u00e4gst du stattdessen vor?&#8221;, fragte sie w\u00fctend.<\/p>\n<p data-p-id=\"8ba353d550bbb4c0ec5f361a3e6fb022\">\u201eWenn es Magie ist, die diese T\u00fcr schlie\u00dft&#8221;, antwortete er, \u201eund es Meister Yalomiro war, der sie \u00f6ffnen konnte, dann ist es sein Zauber.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b5c989a8b214b14225cd56084845db85\">\u201eM\u00f6glich&#8221;, sagte J\u00e1ndris.<\/p>\n<p data-p-id=\"97901b7313886ed1b50cadc9eb18409c\">\u201eSicher&#8221;, verbesserte L\u00e1as.<\/p>\n<p data-p-id=\"a6cbfab418d602587b5b002dafbec11e\">\u201eUnd ganz gewiss hat Meister Yalomiro nicht gewollt, dass jemand eingeschlossen wird. Es war sicher eine Unachtsamkeit oder ein Zufall. Oder&#8221;, er warf einen ersten Blick auf die Jungen, \u201eeine F\u00fcgung. Als ihr geh\u00f6rt habt, dass die T\u00fcr ausnahmsweise einmal offen ist, habt ihr die Gelegenheit sofort genutzt, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dd95aca1d9d0f38c4a6fe7928499751e\">\u201eWir haben nicht gewusst, dass die T\u00fcr nicht wieder aufgehen w\u00fcrde&#8221;, beteuerte L\u00e1as. \u201eWirklich nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1d06e9e70de133a90685536fd037d00\">\u201eSchau, wenn wir damit gerechnet h\u00e4tten, dann h\u00e4tten wir die T\u00fcr doch nicht verbarrikadieren m\u00fcssen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"90b88d361e060a8f486412ace3df41ef\">\u201eWarum war die T\u00fcr denn \u00fcberhaupt offen?&#8221;, fragte Merrit, der offenbar gut mith\u00f6ren konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f28b65b1dfcf79a84c476da7fc09a675\">\u201eDie <em>teiranday<\/em> haben hier mit Meister Yalomiro geredet. Aus irgendeinem Grund schien ihm wohl dieses Zimmer bedeutsam daf\u00fcr zu sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"03c6039c57a44419955ebe99c328861a\">\u201eEine geheime Unterredung. Du musst uns das glauben&#8221;, beteuerte J\u00e1ndris. \u201eWir wussten nicht, dass das ein verfluchtes Zimmer ist. Wir dachten uns nur, hier oben sucht dich niemand.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1f3c36f94c3441e12bbbe3b864041e4d\">\u201eDann waren diese Geschichten von dem Schatz, der Mordtat und der verr\u00fcckten Verwandten also nur Rederei?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aae3ff74efb2bf5ae18ef8fb0920c568\">\u201eEs hat funktioniert, oder nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f410e76be7a64eb1f6da079f9189f234\">Osse sch\u00fcttelte missbilligend den Kopf und wandte sich an die <em>teirandanja<\/em>. \u201eHerrin &#8230;. was hat es mit diesem Raum auf sich? Was wisst Ihr dar\u00fcber?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4f64c6a1eb7f9bbd01dcee011486ca17\">Sie seufzte ungl\u00fccklich. \u201eNichts. Sie reden nicht mit mir dar\u00fcber. Der Boden sei morsch, hie\u00df es. Es sei gef\u00e4hrlich, hinein zu gehen. Deshalb sei immer zugesperrt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"75bea5440c8c7801e506ed8b0af9a4c7\">\u201eMerrit? Was ist wirklich dort drin, in dem Gemach?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"af233b53d4b2c3c92ee45d1505e47aff\">\u201eJemand hat hier gewohnt. Hier sind M\u00f6bel und gibt hier ganz viel Kr\u00e4uterzeug, wie &#8230; wie im Haus von Isan. Du kennst doch Isan, Osse? Die <em>doayra<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"968bea5fd493d122355f0af452a76bd4\">\u201eNat\u00fcrlich.&#8221; Mehr sagte Osse nicht dazu.<\/p>\n<p data-p-id=\"469eb075a0ffebd4e818bd0d6033f8ba\">\u201eUnd einen Schatz gibt es hier drinnen auch. Du hast Recht gehabt, Altabete!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e44c4c5ea84a7f4043c92f69f393435a\">Nun schaute J\u00e1ndris verdutzt drein. \u201eTats\u00e4chlich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"16a908e224db78a80bfbd7e945839628\">\u201eIch hab einen riesigen Edelstein in der Hand. Schade, dass ihr den nicht sehen k\u00f6nnt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"05b89936b2f1a12e2a8127a9849ad232\">L\u00e1as tippte J\u00e1ndris auf die Schulter und sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eDer will uns veralbern&#8221;, raunte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"36243b267af162f07ca551424ecf8efb\">\u201eEs k\u00f6nnte uns helfen, zu wissen was es mit diesem Zimmer auf sich hat, Majest\u00e4t. Wer einst darin lebte, und warum Meister Yalomiro es mit einem Zauber belegt hat. Denkt Ihr, Ihr k\u00f6nntet das in Erfahrung bringen, wenn Ihr die richtigen Fragen stellt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"26baa0a3ce3b4718e51bb592a3059aec\">Sie \u00fcberlegte einen Moment. Dann sagte sie: \u201eL\u00e1as, J\u00e1ndris &#8230; begebt euch zur Ruhe. Ihr seid von dieser Sache entbunden. Ich werde niemandem sagen, dass ihr mit dabei wart. Ich nehme es auf mich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"544828119632ad896c6bd1f01dff7737\">\u201eAber Manj\u00e9v!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c3099a688e5398839a66ea7abd9c3904\">\u201eBitte. geht und seht zu, dass es nicht noch mehr auff\u00e4llt. Schlaft noch eine Weile und lasst mich die Dinge regeln. Haltet Eure V\u00e4ter und <em>yarl<\/em> Althopian vom Turm fort. Ich werde sehen, was ich derweil tun kann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d05986c8ae040f5081d666aaaa736e4\">\u201eManj\u00e9v, du &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2bd83c3fd2b7ebb7ef89a79625f44a5d\">\u201eDas ist ein Befehl. Und nehmt dieses Ger\u00fcmpel und das Waffenzeug mit und versteckt es im Keller. Beeilt euch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8db12018041ee66d783e8efd709be59d\">Die beiden machten kurz den Anschein, als wollten sie ihr widersprechen. Dann aber packten sie schweigend die H\u00e4lften der Lanze, Hammer und Axt zusammen und machten sich daran, die Treppe hinabzusteigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ad74632e496a48186b352bd41163a1e2\">Manj\u00e9v seufzte. Dann setzte sie sich vor die T\u00fcr und lehnte sich an. Die verst\u00f6rende Gegenwart des Jungen im Zimmer sp\u00fcrte sie trotz der Magie, die sie voneinander trennen mochte. Sie stellte sich vor, dass er auf der anderen Seite, ebenso angelehnt sa\u00df. Wie mochte es sich anf\u00fchlen, allein und ausweglos in einem d\u00fcsteren Zimmer eingesperrt zu sein?<\/p>\n<p data-p-id=\"555744c1ef4b8b20c2fa2dd40417452a\">\u201eIch muss es bekennen&#8221;, vertraute sie ihm an. \u201eIch habe mich dumm und eigens\u00fcchtig benommen. Aber ich hab nicht gewollt, dass so etwas passiert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"28e301a5a07b577437cb180a29d89408\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, klang es hinter der T\u00fcr, \u201ewas habe ich getan, dass Ihr so ungn\u00e4dig seid?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e5eea8e9d8d160d78c5fbbcb4d41e06c\">\u201eIch wei\u00df nicht, wie ich dir das erkl\u00e4ren soll. Du kannst sicher \u00fcberhaupt nichts daf\u00fcr. Es kam \u00fcber mich. Ich hatte Angst. Und je l\u00e4nger ich dar\u00fcber nachdenke, desto weniger verstehe ich es.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6add274173e784f67ed99e5487c6039f\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, fragte er, h\u00f6flich, sch\u00fcchtern, wie sie es nicht erwartet h\u00e4tte. \u201eHabe ich Euch <em>Angst<\/em> gemacht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83159b219bdf5fbeda799cb856620a82\">Sie schaute zu Osse Emberbey auf. Der hielt die verbliebene Laterne und h\u00f6rte geduldig, mit unbewegter Miene zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"acefe3a0ade9e291f8ff031baa146188\">\u201eIch hab es mir gew\u00fcnscht&#8221;, raunte sie. \u201eIch hab mir <em>gew\u00fcnscht<\/em>, dass er dauerhaft von mir fortbleiben soll und mir nie zu nahe kommt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"251fa5c8c4d7bfc3fe8540e8c5cb18e9\">\u201eUnd es hat sich erf\u00fcllt&#8221;, best\u00e4tigte Osse.<\/p>\n<p data-p-id=\"61d87abfb664013c70b31ca23040946c\">\u201eIch wollte das nicht. Nicht so.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3832ea1e6cf8b9574d216f388ca7310b\">\u201eVielleicht&#8221;, sagte Merrit pl\u00f6tzlich nachdenklich, \u201eist das so etwas wie eine Kammer, in der sich W\u00fcnsche erf\u00fcllen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"297164f0ad559f3b6bfb312dffbe5019\">Manj\u00e9v stutzte. \u201eHast du da drinnen denn etwas gefunden, was ein Wunsch von dir ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4de8e29864132fb2fb2387a6cd5c5a53\">Hinter der T\u00fcr blieb es einen Augenblick lang still. \u201eJa,&#8221; sagte er dann. \u201eAber ich f\u00fcrchte mich ein wenig davor.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"571df975b7b4eb8cd94ab76210e2c36e\">Sie schwiegen wieder eine Weile.<\/p>\n<p data-p-id=\"d8996a0335f2af05e61b4c1960e2cf82\">\u201eMerrit Althopian?&#8221;, fragte sie schlie\u00dflich.<\/p>\n<p data-p-id=\"68096922b4a849a72b9271b767f0e2c9\">\u201eMajest\u00e4t?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55740180030d88091e7363773386da65\">\u201eKannst du mir verzeihen, was ich dir angetan habe?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"834424e1adfbf3b25d849c9b499a9709\">Eine Weile musste sie auf seine Antwort waren. \u201eIch will der treueste und ergebenste Eurer Ritter sein&#8221;, lie\u00df er sie dann wissen. \u201eWenn ihr mich nur nicht versto\u00dft.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e7d853e3c9e90e32d996db5af1100942\">Osse lie\u00df sich neben der <em>teirandanja<\/em> auf ein Knie sinken. \u201eMajest\u00e4t&#8221;, wisperte er, sodass man es im Gemach bestimmt nicht h\u00f6ren konnte, \u201ebitte, redet mit Euren Eltern, ganz im Geheimen, sodass keiner der <em>yarlay<\/em> es erf\u00e4hrt. Es kann so nicht lange bleiben.&#8221; Er schaute sie eindringlich an und fl\u00fcsterte: \u201eEr hat nicht einmal etwas Wasser da drinnen. Sein Leben wird bald in Gefahr gerate.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"abe0f00f1a3985db8b15b8c882e9928a\">Sie nickte. Er gab ihr die Laterne in die Hand. \u201eGeht, Majest\u00e4t. Lasst uns nicht zu lange allein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a9ab308ec486c6f2fa87f1868b2f8e1\">\u201eUns?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4374f72e30fda51b9716ec40e270e06e\">\u201eIch bleibe bei ihm. Ich lenke ihn von den W\u00fcnschen ab, die ihn \u00e4ngstigen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"22e7f4f869dea643fd35794517a18c07\">Sie nickte und entfernte sich eilig. Osse h\u00f6rte, wie ihre Schritte sich auf der knarzenden Treppe hinab bewegten.<\/p>\n<p data-p-id=\"3312aea0f046e8ce340d26c2bcf9a2b4\">\u201eOsse?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ca6c49d073899adf269d76240d401cad\">\u201eSie sind weg. Es kommt bald Hilfe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bfb6e1053a14b8ebb52aa5f0c1a7dcb7\">\u201eAber du bleibst da?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aeeb33692032609f43eb9cb5e9ee3ed5\">\u201eNat\u00fcrlich. Ich sitze hier direkt bei dir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"12e274698e1eb64e903dd6f980aa707b\">In der Stube blieb es einen Moment still. \u201eIch habe Angst&#8221;, gestand Merrit.<\/p>\n<p data-p-id=\"459261dcf5f12b1a8ff5ff7df530110b\">\u201eAngst? Du?&#8221;, fragte Osse. \u201eWas k\u00f6nnt einem wie dir Angst machen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"36bf3454575bfbe1f4aec297ad0b4646\">\u201eIch glaube&#8221;, klang es leise, fast verzagt, \u201eich bin hier drinnen nicht allein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"4361f28f00b9ecad13e8c0bbcc1699b4\">Der Mond war \u00fcber den Montaz\u00edel hinweg gezogen. Im Norden dauerte die Nacht noch an, w\u00e4hrend ganz am Rande des Horizonts die Dunkelheit bereits verwischte. Zu dieser ungew\u00f6hnlichen Stunde schlurfte Sileda\u00fa durch das immer ge\u00f6ffnete Burgtor des Ciel\u00e1stel und an der Nische vorbei, wo der Indigofarbene wachte.<\/p>\n<p data-p-id=\"7d23424e96550f79cccd0fa0b159e783\">\u201eWo kommst du her?&#8221;, fragte der <em>arcaval&#8217;ay<\/em>. \u201eWir haben und bereits Gedanken gemacht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f253b2c1d2bccede471c4dcac51f995b\">Sie blieb ungeduldig stehen. \u201eWoher soll ich kommen? Ich hatte f\u00fcr Elos\u00e1l Besorgungen zu machen, und jetzt brauche ich Ruhe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"810871579eea5959493ea17552e52bfa\">\u201eBesorgungen? Bis jetzt am fr\u00fchen Morgen hast du gebraucht, um f\u00fcr die Meisterin den Brief abzuliefern?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0df99011ef1db9d084c99331b9eb1449\">Sie verharrte einen Moment und schnaubte abf\u00e4llig auf. \u201eDenkst du, mit einem Brief ist es getan? Hast du eine Ahnung, wie viele neugierige Fragen dieser dumme Brief mit sich gebracht hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f837e1e789a4d4eaf9231a39a1fc3150\">\u201eDumme Fragen? Wer hat denn Fragen gestellt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b9c4c62114676d2ab2f22b2d98b1b648\">Sie setzte zu einer Antwort an, besann sich aber. \u201eIch denke, es reicht aus, wenn die Meisterin davon wei\u00df. Der <em>sinor<\/em> hat die Einladung bekommen, und mehr geht mich nicht an.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b1f9473beadbdd524d4aabfabb154ba\">Der Indigofarbene zuckte die Achseln. \u201eNun gut. Es ist ja nicht meine Sache, was du bis tief in die Nacht bei den Unkundigen treibst. Aber der Weg hierher im Dunklen, zu Fu\u00df &#8230;. du bist bemerkenswert, Sileda\u00fa. Aber warum bist du nicht \u00fcber Nacht in der Oberstadt im G\u00e4stehaus geblieben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0fad89205b63b2c0f340478649b0bd0e\">\u201eUnd mich da ausrauben lassen? Das Gesindel ist \u00fcberall, unten hinter den Mauern und oben auf dem H\u00fcgel. Es ist nicht meine Schuld, dass von Euch keiner die Stadt betreten darf! Vielleicht solltet ihr mit dem <em>sinor<\/em> eine Absprache treffen, was das betrifft, anstatt gebrechliche Frauen wie mich loszuschicken.&#8221; Sie lie\u00df ihn stehen, schimpfte noch eine Weile vor sich hin, besann sich dann und drehte sich zu ihm um. \u201eHat man etwas von C\u00fdel\u00fa geh\u00f6rt, w\u00e4hrend ich fort war?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ae71cd110414aa4764a3a4de2fd0580d\">\u201eJa. Die Meisterin sagt, sie sp\u00fcrt ihn. Morgen vor dem Mittag erwartet sie ihn, so die M\u00e4chte wollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2e78969f67ddbf668d77c06257265f74\">\u201e<em>Vor <\/em>dem Mittag? Schon?&#8221;, fragte sie und wurde mit einem Mal ganz bedacht.<\/p>\n<p data-p-id=\"7b11442290363c57d2479ee20b31cb31\">\u201e Du wei\u00dft, wie eng die Meisterin mit ihm verbunden ist. Sie wei\u00df immer, wie weit er von ihr entfernt ist. Perlenglanz ist ein schneller Flieger. Wenn er sich sputet, ist er vielleicht schon in Sicht, wenn die Sonne \u00fcber die Mauer steigt. Der Wind kommt seit der Nacht von Norden und greift dem Tier unter die Fl\u00fcgel, das macht es noch schneller. Stimmt etwas nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2f83e2132837cd03b20ec4581d180598\">\u201eWas soll nicht stimmen?&#8221;, fauchte sie gereizt.<\/p>\n<p data-p-id=\"4f4e4de9223aa6813ab81298b6bafbb0\">\u201eEs scheint, dass du mit etwas anderem gerechnet hast&#8221;, sagte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"d2c71d2ea5367b17f87c8cdb1a2da193\">\u201ePah! Gut, wenn C\u00fdel\u00fa sich endlich wieder hier auf seine Pflichten besinnt und sich wieder um die Ordnung k\u00fcmmert. Der Junge verwildert ja ganz und gar.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0969c3f13efb779b56c43eb41b367025\">\u201eImmerhin hat er etwas gelernt heute Nacht&#8221;, sagte der Ritter belustigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"33475e68c1d79913faa740c79edc27f0\">\u201eJa, wie man in der Asche schn\u00fcffelt wie eine Glutechse&#8221;, sagte Sileda\u00fa bissig und wollte weiter.<\/p>\n<p data-p-id=\"acdc7aef630854c4a00106deac5c77a7\">\u201eWoher wei\u00dft du das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a4f66e4d83bed041ec2ac644de9fc31\">\u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d45f74ac2e53fb315ba6692504891fd8\">Der Indigofarbene verschr\u00e4nkte die Arme. \u201eWoher wei\u00dft du, dass er bei dem Brand in den H\u00fcgeln dabei war?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a6b5f981716afd6e0efb1c6e44ed68af\">Sileda\u00fa erstarrte, aber nur f\u00fcr einen sehr kurzen Moment.<\/p>\n<p data-p-id=\"da343388e0f55a4468d87e2d4006e22b\">\u201eEs spricht sich herum&#8221;, behauptete sie. \u201eEs haben ihn Unkundige gesehen, die gaffen waren. Man fragt sich, wir verantwortungslos die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> sind, kleine Jungen in solche Gefahr zu bringen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f101df3af879a60ab0ffe2f26df7299e\">\u201eDie Unkundigen&#8221;, lachte der Ritter. \u201eWas soll dem Jungen denn zusto\u00dfen, wenn wir dabei sind. Mir scheint, sie sind wirklich nur zufrieden, wenn sie \u00fcber uns herziehen k\u00f6nnen, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f2277da7f5ed0ca1f3021d6ea372035f\">\u201eUnkundige sind einf\u00e4ltig und tratschs\u00fcchtig&#8221;, stimmte Sileda\u00fa ihm zu. \u201eWas denkst du, was erst gesch\u00e4he, wenn die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> wieder in Aur\u00f3p\u00e9a Einzug hielten und mit ihnen w\u00e4ren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"02ec6fa2240fa519e4baebac8d275c83\">\u201eDas m\u00f6ge Patagh\u00edu verh\u00fcten&#8221;, sagte der Regenbogenritter und zog sich wieder in seine W\u00e4chternische zur\u00fcck. \u201eDas muss ich nicht noch einmal erleben. Gute Nacht, Sileda\u00fa. Oder besser \u2013 guten Morgen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8d8e8157330e67e72548abeb02804e33\">\u201eM\u00f6gest du sicher in den Tr\u00e4umen sein und nicht zu weit schreiten&#8221;, gr\u00fc\u00dfte sie s\u00e4uerlich zur\u00fcck und stapfte auf den Turm zu. Dabei wurde ihr bewusst, wie <em>l\u00e4cherlich <\/em>dieser Wunsch war.<\/p>\n<p data-p-id=\"244fd85d08c5413f7d5486bc272451ed\">Regenbogenritter schliefen niemals. Nicht die sieben. Und wenn C\u00fdel\u00fa noch schlafen sollte, dann mochte er einen ruhigen Schlummer genie\u00dfen. Zeit sollte er sich lassen. Lange genug, bis das Spektakel beendet w\u00e4re.<\/p>\n<p data-p-id=\"31a8a64e73b760551c33fe0eeadcc51d\">Eines nach dem Anderen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2553","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2553","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2553"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2553\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3788,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2553\/revisions\/3788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}