{"id":2552,"date":"2025-08-25T12:42:27","date_gmt":"2025-08-25T10:42:27","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2552"},"modified":"2025-09-01T09:15:56","modified_gmt":"2025-09-01T07:15:56","slug":"063-das-maerchen-von-der-traurigen-frau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/063-das-maerchen-von-der-traurigen-frau\/","title":{"rendered":"063: Das M\u00e4rchen von der traurigen Frau"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"84cf673c83f1f8910c6a4035cba7f37d\">Manj\u00e9v schlich sich aus dem Turm hinaus und wollte gerade die Treppe vom Hocheingang hinab, als sie Schritte h\u00f6rte. Geistesgegenw\u00e4rtig verbarg die <em>teirandanja<\/em> ihre Laterne unter ihrem dunklen Wollumhang und kauerte sich an der Mauer zusammen. Zwei M\u00e4nner gingen unten am Fu\u00df des Turmes vorbei. Ausgerechnet an der Treppe blieben sie stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"23abddd09e406931ef670e6e838c44d2\">\u201eEs mag eine seltsame Frage sein&#8221;, h\u00f6rte Manj\u00e9v dann die Stimme des einen und erkannte sie als die des alten Alsg\u00f6r Emberbey. \u201eAber hattet Ihr eigentlich bereits hier im Turm gesucht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"87b5f9d77f7257be03b699104e37882f\">\u201eSicher.&#8221; Das war Wa\u00fdreth Althopian. \u201eIch war mehrfach mit Andri\u00e9r Altabete hier, und einmal mit Daap Grootplen. Wir haben jeden Winkel im Keller und Verlies durchsucht. Sogar in den alten Wachstuben haben wir nachgeschaut. Da ist er nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ea1e94a5346fb6836889646ec49cdf75\">\u201eUnd oben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3bf2074fd85b927b327a22a6d4890fe0\">\u201eDa ist nichts, wo er sich verbergen k\u00f6nnte. Auf der Treppe h\u00e4tten wir ihn gesehen. Und oben ist &#8230; nur eine verschlossene Stube.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"45fe7ed6d0d16d5bb770c395eae31d8c\">Manj\u00e9v horchte auf. Da war ein ganz kurzes, kaum merkliches Z\u00f6gern in den Worten des Ritters gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"15c4fd068eabcb8ff81e2902b191b898\">\u201eHabt ihr das \u00fcberpr\u00fcft?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e6a4af95c93866b01032d102885659cd\">\u201eJa. Am Vormittag bereits. Herr Andri\u00e9r hielt mich mit einer seltsamen Geschichte \u00fcber eine zerschlagene Axt zum Besten. Aber ich habe an der T\u00fcr ger\u00fcttelt. Dort w\u00e4re er nicht hinein gekommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"57730c5bb4a4285617eaf8d3af5ebe19\">Die beiden M\u00e4nner schwiegen. Dann fragte Althopian: \u201eSollen wir schauen, ob der Eure sich hier verbirgt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f5778874a40b0c05576a01d8e338ce5\">\u201eNein. Der meine w\u00e4re zu verzagt, unbekannte Treppen zu erklimmen. Ausgeschlossen.&#8221; Er z\u00f6gerte und erg\u00e4nzte: \u201eAls kleiner Knabe ist er uns einst eine Stiege in meiner Burg hinabgest\u00fcrzt. Die M\u00e4chte m\u00fcssen ihn aufgefangen haben, der Schreck war \u00e4rger als die Blessuren, die er davontrug. Aber es war die Zeit, in der seiner Mutter &#8230; zu der sie bemerkte, dass er schlechte Augen haben musste. Ich habe es bis dahin &#8230; nicht bemerkt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d3d13f62d6ba3660c96155da15938914\">Manj\u00e9v \u00fcberlegte. Hier oben auf dem Treppenabsatz, \u00fcber ihren K\u00f6pfen und getarnt mit dem dunklen \u00dcberwurf, hatten die M\u00e4nner sie nicht entdeckt. Sollte sie sich bemerkbar machen und den Herren sagen, dass sie ihre beiden S\u00f6hne nur ein paar Treppen weiter oben vorfinden w\u00fcrden?<\/p>\n<p data-p-id=\"caa7cc2d61f5996512d010d89fa83660\">Alsg\u00f6r Emberbey w\u00e4re ihr vielleicht dankbar. M\u00f6glicherweise w\u00fcrde er seinen Sohn f\u00fcr seinen n\u00e4chtlichen Ungehorsam bestrafen. Wa\u00fdreth Althopian hingegen w\u00fcrde an der T\u00fcr ebenso scheitern wie Andri\u00e9r Altabete. Wahrscheinlich w\u00fcrde es ihn noch mehr qu\u00e4len, seinem Jungen nicht helfen zu k\u00f6nnen. Vielleicht w\u00fcrde Merrit Althopian dar\u00fcber schweigen, wie es ihn in den Turm verschlagen hatte. <em>Ganz sicher<\/em> w\u00fcrde er schweigen, kam es Manj\u00e9v in den Sinn. Wenn er tats\u00e4chlich ein kleines Abbild seines hochedlen, ehrenhaften Vaters war, dann w\u00fcrde er weder L\u00e1as und J\u00e1ndris, noch sie selbst in Verruf bringen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d0e3d024701c206e8f5a8c9b79ccb981\">Also musste sie zuerst das Geheimnis des Turmzimmers ergr\u00fcnden. Vielleicht wusste die Mutter einen Rat dazu. Das M\u00e4dchen wartete noch eine Weile, bis es sich sicher war, dass die Herren weitergegangen waren. Sicherlich w\u00fcrden sich die Nachtwachen am n\u00e4chsten Morgen dar\u00fcber auslassen, dass die beiden M\u00e4nner aus dem Norden die Nacht \u00fcber in der Burg herumgestreift waren wie die Gespenster.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ed8386c6b425f2f6b397357750ce244\">Dem W\u00e4chter, der bei der zwischenzeitlich geschlossenen Schankstube stand, konnte die <em>teirandanja<\/em> leicht ausweichen, indem sie sich nahe an der Mauer hielt und einen gro\u00dfen Bogen zum r\u00fcckw\u00e4rtigen Eingang des Haupthauses machte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6256632190de537d6c1f8bc79c102feb\">Das Gemach der Eltern erreichte man am schnellsten von der Halle aus. Auch hier tat ein Wachmann Dienst, allerdings recht betulich. Der \u00e4ltliche Knecht sa\u00df in einem Winkel auf einem Sessel, ein Licht neben sich, und versuchte, zu lesen. Ein d\u00fcnnes, billiges B\u00fcchlein hielt er dicht vor seine Augen. Manj\u00e9v versuchte gar nicht erst, sich vorbei zu schleichen. Schlie\u00dflich war das hier die Burg der Eltern und sie selbst keine Gefangene. Selbstbewusst nahm sie die Kapuze ab und lie\u00df ihre Laterne wieder leuchten. Der lesende Nachtw\u00e4chter blickte auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"50d8db1a1b0ab29c7c1bb245411f54d9\">\u201eEs ist alles in Ordnung&#8221;, sagte Manj\u00e9v. \u201eIch will zu meinen Eltern. Lass dich nicht st\u00f6ren!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d6d44cb38adab61727c084192bf9eff9\">Bevor er antworten konnte, schl\u00fcpfte sie an ihm vorbei, hin zur Treppe und hinauf zur Galerie. Von dort ging es zur\u00fcck ins Stiegenhaus. Ein W\u00e4chter stand ihr nun noch im Weg, jener vor dem Gemach der Eltern. Selbstbewusst wollte Manj\u00e9v daran vorbei, sah zu sp\u00e4t, dass ein zweiter junger Mann mit einer Hellebarde auf dem Korridor stand und sich fl\u00fcsternd mit dem Leibw\u00e4chter der Mutter unterhielt. Als das M\u00e4dchen sich n\u00e4herte, wurde der Bursche kreidebleich. Es war jener W\u00e4chter, der vor ihrem eigenen Gemach Stellung h\u00e4tte halten sollen.<\/p>\n<p data-p-id=\"850148b2eb59a5d1a80a78eb4ebcafca\">\u201eMajest\u00e4t!&#8221;, wisperte der Mann entsetzt. \u201eWas macht Ihr hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"608754a9fc0b2511003e59547a02cb7b\">\u201eHier bist du also&#8221;, entgegnete sie geistesgegenw\u00e4rtig. \u201eIch hatte mich schon gewundert! Keine Sorge, ich will nur zu meinen Eltern. Es ist wichtig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7807d849f42ada247cbb793fcef204e6\">\u201eMajest\u00e4t, wie &#8230; wie konntet Ihr Euer Gemach verlassen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"65f6f92141951d36f757abf7a42dc169\">\u201eDurch die T\u00fcr. Sie war unbewacht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"58b4aa06fc7b3ec5652daecbf1a724b7\">\u201eJa, aber &#8230;&#8221; Er runzelte misstrauisch die Stirn. \u201eIhr kommt aus der Halle. Ihr h\u00e4ttet mich \u00fcberholen m\u00fcssen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e351cc6aa6f96365724b1d173ba2367c\">Manj\u00e9v verstand. Offenbar war ihre Flucht bis kurz zuvor unentdeckt geblieben, und etwas anderes hatte den Mann dazu bewogen, seinen Posten aufzugeben.<\/p>\n<p data-p-id=\"93968d337cbbe8cd5d5cfaf506122971\">\u201eSp\u00e4ter&#8221;, sagte sie. \u201eWas gibt es hier zu reden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a9bf8db01d92644b7d9302a9a4c3058e\">\u201e<em>Yarl<\/em> Emberbey sucht nach seinem Sohn, Herrin&#8221;, gab der Leibw\u00e4chter Auskunft.<\/p>\n<p data-p-id=\"988dc53dc666aa1e8b085e6166d09c68\">\u201eAch so. Na, zumindest mich muss heute Nacht niemand suchen. Lass mich zu meinen Eltern, ja?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c04289455d2207fd84e9c909bf154591\">Der Bewaffnete machte ihr gehorsam den Weg frei. Manj\u00e9v schritt hoheitlich an ihm vorbei, passierte das Bibliothekszimmer und stand ein paar Schritte darauf endlich vor dem Gemach der Eltern. Wie \u00fcblich war die T\u00fcr nicht verschlossen, denn zu dieser Flur hatten nur die Familie und tags\u00fcber <em>yarlay<\/em> und Kammergesinde Zutritt.<\/p>\n<p data-p-id=\"6038f9430261d60ddd4d32f85eca0a76\">Die Eltern teilten sich ein gro\u00dfes, komfortables Nachtlager. Als kleines M\u00e4dchen hatte auch Manj\u00e9v hier ein Bettchen gehabt. Einen Moment genoss sie den vertrauten, vergangenen Anblick der n\u00e4chtlichen Kemenate, das ged\u00e4mpfte Mondlicht, das in einem Winkel einfiel, der verriet, das Nokt\u00e1ma nach Norden zog. Patagh\u00edu reiste ihr nach, wie jede Nacht, seit Menschengedenken. Bald w\u00fcrde es tagen.<\/p>\n<p data-p-id=\"68f7309062ee0498af4dffbe95eb128c\">Asga\u00fd von Spagor schlief tief und fest, schnarchte ein klein wenig und hatte seinen Arm um K\u00edan\u00e1 von Wijdlant gelegt. Die <em>teiranda<\/em> hatte einen leichten Schlaf und bemerkte, dass jemand vor ihrem Bett stand und sie anschaute.<\/p>\n<p data-p-id=\"562dfb5970f0c743fb555a0edc8564e8\">\u201eManj\u00e9v?&#8221;, wisperte sie \u00fcberrascht.<\/p>\n<p data-p-id=\"dfcd5a95b7667f32100c0ddfa02282f5\">Das M\u00e4dchen kniete neben dem Bett vor dem Gesicht der Mutter nieder, um fl\u00fcstern zu k\u00f6nnen. \u201eBist du wach, Mama? Kann ich dich was fragen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"14f983129605b578cebcdcd9e9c50086\">\u201eEs ist mitten in der Nacht, Kind!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b87bc4327bde7b0782a1474fe388709\">\u201eEs ist wichtig, Mama.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d08398f8205bc2873df29fb05e6f980d\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant nickte. Dann l\u00f6ste sie sich, vorsichtig und ge\u00fcbt, aus der Umarmung ihres <em>h\u00fdardor<\/em> und erhob sich. \u201eKomm hin\u00fcber ins Audienzzimmer. Lass uns deinen Vater nicht aufwecken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e536a090a3f9362e7bdf2db4459c332\">Sie begaben sich, unter den erstaunten Blicken des Leibw\u00e4chters, in das Amtsgemach, in dem die <em>teiranda<\/em> mit <em>yarlay<\/em> und <em>spreghenay<\/em> ihre Beratungen hielt. Der Weg dorthin f\u00fchrte durch den Nebenraum, wo die Puppenburg noch so da stand, wie Manj\u00e9v sie am Mittag zur\u00fcckgelassen hatte. Die P\u00fcppchen, die sie und der Magier in H\u00e4nden gehalten hatten, sa\u00dfen noch auf dem Turm. Ein seltsamer Zufall, wie Manj\u00e9v durch den Kopf ging.<\/p>\n<p data-p-id=\"c2a1457ee3019037841d71879422b238\">\u201eWas gibt es so dringendes, Manj\u00e9v?&#8221;, fragte die Mutter freundlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"0655472fa34b896dfd5e207be194bf3b\">Die <em>teirandanja<\/em> setzte sich auf den Teppich und nahm schnell die P\u00fcppchen vom Turm hinab. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant setzte sich zu ihr. Schlie\u00dflich war niemand da, den dieses unmajest\u00e4tische Verhalten br\u00fcskieren konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"0400913f3be6dbe9f914a346372a6d9c\">\u201eIch hab nachgedacht, Mama. Wei\u00dft du &#8230; Meister Yalomiro hat mir heute ein paar ganz wichtige Dinge gesagt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"18326465aad2bbd731af48666c11164e\">\u201eJa?&#8221; Die Mutter klang aufmerksam, vorsichtig, bei nur diesem einen kurzen Wort.<\/p>\n<p data-p-id=\"3f8c4024bba2a19efd1442cd4bc7d3a4\">\u201eIhr habt auch mit ihm geredet, nicht wahr? \u00dcber mich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8c9bc71daee0b89b99de85150a3351c3\">\u201eJa, Liebes. Aber ich erinnere mich nicht &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7e5526c24b2fbf4afe70c1e040c1c4b7\">\u201eIhr wart hier drin, nicht wahr?&#8221; Manj\u00e9v tippte gegen den Turm aus d\u00fcnnem Holz. \u201eIhr wart mit Meister Yalomiro in dem Zimmer mit der verschlossenen T\u00fcr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8ebd6a29e9962864c42f9fbfe65b3da0\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant zuckte \u00fcberrascht zusammen. Mit beunruhigter Miene musterte sie die Tochter. Dann nickte sie z\u00f6gernd. \u201eWoher wei\u00dft du das, Manj\u00e9v?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b5dd1b0162b2647b194743983f46eaf0\">\u201eVon Osse&#8221;, antwortete das M\u00e4dchen, ohne auf die n\u00e4heren Umst\u00e4nde einzugehen. Die Antwort war gut, denn die Mutter hielt sie offensichtlich f\u00fcr plausibel. Bevor sie sich danach erkundigen konnte, wie die Kinder auf dieses Thema gelangt waren, kam Manj\u00e9v zur Sache. \u201eMama &#8230; da ist also kein morscher Fu\u00dfboden im Turm, nicht wahr? Die T\u00fcr war aus einem anderen Grund zu.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d1d5a83ddacbff8a07a0c320582280eb\">\u201eJa.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a03d661c0fc02e5b12f1a66c62408cb\">\u201eJ\u00e1ndris behauptet, da ist ein Fluch auf dem Zimmer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e91ac45a18b60e4a32db5ae8462e4c84\">\u201eJa&#8221;, sagte die <em>teiranda<\/em> schlicht. Manj\u00e9v stutzte. Dann schauderte sie. Mit einer so ehrlichen Antwort hatte sie nicht gerechnet.<\/p>\n<p data-p-id=\"3922b0939442c4be460f209ba5885d06\">\u201eBitte Mama &#8230; ich muss es wissen. Meister Yalomiro hat die T\u00fcr so verzaubert, dass man sie nicht mehr \u00f6ffnen konnte, und f\u00fcr euch hat er sie heute Abend kurz aufgemacht, oder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5753f9f3558ae4e83bb9cd0ca2ed9551\">\u201eManj\u00e9v, es &#8230; wieso willst du das wissen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2da8984f4294904b5194956d30e04196\">\u201eWas ist da drin in dem Zimmer?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a84aafcfa458556e4849f51a4a1b59b3\">\u201eManj\u00e9v &#8230; es gibt gute Gr\u00fcnde, warum ich dir das nicht sage. Du bist &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1bd5a89bbf79e411e2a2569d643ccb99\">\u201e&#8230; noch zu klein daf\u00fcr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"959d477507f5c5976084bcee4d65de7d\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant seufzte. Dann nickte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"22bbf12e3a336266228cddc0c20a0d2e\">\u201eIst es gef\u00e4hrlich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"af46dcb127996631db870a90be759054\">\u201eM\u00f6glicherweise.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6a1d41cb0c3089eb7ddb481d305512ce\">\u201eUnd warum hat Meister Yalomiro euch an einen gef\u00e4hrlichen Ort geholt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"593dd2aea1b475fc69820fe731f73ca9\">Nun runzelte die <em>teiranda<\/em> die Stirn, nicht vor Unmut, sonders als versuche sie, sich an etwas zu erinnern.<\/p>\n<p data-p-id=\"2abbb8c77d937712132dc8f7b5fd0e01\">Manj\u00e9v biss sich auf die Lippen. Dann kam ihr eine Idee. \u201eMama &#8230; ich glaube, ich wei\u00df, von einigen Dingen in diesem Zimmer. Ich &#8230;vielleicht habe ich davon getr\u00e4umt. Jedenfalls kann ich nicht mehr schlafen, weil ich immerzu daran denken muss.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0f192ef338c398ad7d6b0f5f84320129\">Die <em>teiranda<\/em> neigte sich aufmerksam dem M\u00e4dchen zu. \u201eWas ist es, Manj\u00e9v? Was hast du getr\u00e4umt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8d543de9e2af2fed6a1525a6fab425a9\">\u201eEs &#8230;&#8221; Sie entsann sich an das, was Merrit von hinter der T\u00fcr zu ihr gesprochen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"16db947357c4f3faedbb6dd1ce264234\">\u201eEin Zimmer. Eine Wohnstube. Es sind Kr\u00e4uter und Elixiere und solche Dinge darin, wie im Arbeitszimmer eines Heilers. Und &#8230; da war noch etwas mit einem gro\u00dfen Edelstein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3764caa5b6a632009e656d2dc9a1a632\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant schwieg best\u00fcrzt. Dann fragte sie misstrauisch: \u201eWas f\u00fcr eine Art von Edelstein, Manj\u00e9v?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"39f18bda10eb92482e00e7373dae945a\">Ausgerechnet das hatte Merrit Althopian nicht n\u00e4her beschrieben. Das musste sie raten.<\/p>\n<p data-p-id=\"00a31b13605b141f7ab4eca2bb934eb7\">\u201eEin Rubin,&#8221; sagte sie und hoffte, das sei die richtige Antwort. Erst k\u00fcrzlich hatte sie sich an einem langweiligen Regentag mit T\u00edjnje heimlich das sch\u00f6ne Geschmeide der <em>yarlara<\/em> von Mor\u00e9aval angeschaut, nat\u00fcrlich, ohne etwas aus dem Schmuckk\u00e4stchen herauszunehmen. Das war f\u00fcr beide kleinen M\u00e4dchen eine gro\u00dfe Versuchung gewesen. Besonders ein Halsband mit Rubinsplittern und Perlen hatte es den Kindern angetan. T\u00edjnje hatte gewusst, dass es ihrer Gro\u00dfmutter, der <em>eld-yarlara<\/em> von Mor\u00e9aval geh\u00f6rt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3510aadc40eb57d3543196afe2624177\">Offenbar hatte sie die richtige Wahl getroffen, denn die Mutter seufzte. Beide schwiegen. In der Burg war es gespenstisch m\u00e4uschenstill.<\/p>\n<p data-p-id=\"eef04676b58d2633aaba7d1a3abdbbae\">\u201eEs lebte einmal&#8221;, begann K\u00edan\u00e1 von Wijdlant pl\u00f6tzlich, \u201eeine traurige junge Frau. Sie war so traurig, dass sie glaubte, ihr Leben nicht mehr ertragen zu k\u00f6nnen und nie wieder fr\u00f6hlich zu sein. So traurig, dass niemand von all den guten Leuten um sie herum sie tr\u00f6sten konnte. Viele versuchten, sie aufzumuntern, alle waren so gut zu ihr. Sie f\u00fchlte sich einsam, obwohl sie unter Menschen war, aber mit niemandem wollte sie sich abgeben, so sehr hat ihre Traurigkeit sie gel\u00e4hmt. Sie wandelte unter den Menschen wie ein Schatten ihrer selbst. Jeden Tag bat die junge Frau die M\u00e4chte, ihr Leid zu beenden. Aber die M\u00e4chte h\u00f6rten nicht auf ihre W\u00fcnsche, und die Last auf ihrem Gem\u00fct wurde immer schwerer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3474025dfdd7e92c0cf960e606a51a15\">\u201eWie traurig&#8221;, sagte Manj\u00e9v mitf\u00fchlend.<\/p>\n<p data-p-id=\"1d6fb4d8fdcfd72c0cb1ec8971aef4da\">\u201eSo ging das einige Winter lang. Und eines Tages begegnete sie jemandem, der anders war als die vielen guten Leute. Sie glaubte, dass der fremde Mann ihr die Traurigkeit wegnehmen k\u00f6nnte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7369551060986c1095427d8184e70474\">\u201eWieso dachte sie das, Mama?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cd4354f53acc17b34439fbb429da2ccc\">\u201eSie hatte das Gef\u00fchl, dass dieser Mann tats\u00e4chlich verstand, was sie sich selbst nicht erkl\u00e4ren konnte. Und &#8230; nun, sie wollte, dass er in ihrer N\u00e4he blieb. Und so sie lie\u00df ihn in ihrem Haus wohnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5eb29e350af588797e81a21ec532b36a\">\u201eIm Turm?&#8221;, fragte Manj\u00e9v gespannt und tippte die Puppenburg an. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant nickte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8dc7969a7abedcfe338cfd796d448d93\">\u201eWar sie denn <em>verliebt<\/em> in ihn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"92d2e319f0ccad546ff75ad90d874e71\">\u201eNein. Nein, das war es nicht. Er wurde eher so etwas wie ein &#8230; Freund. Ein Ratgeber. Jemand, an dessen Seite sie sich sicher f\u00fchlte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"97880824e322e6aed358bad25e987f10\">\u201eWar das, bevor du Papa kennengelernt hast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0f7876633cda3c5993d4dae1da9717b0\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant blickte fl\u00fcchtig auf. Manj\u00e9v schaute sie abwartend an.<\/p>\n<p data-p-id=\"a680c19ccd847d631d73c178dcd6dc97\">\u201eLange vorher&#8221;, l\u00e4chelte sie dann verlegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3499fcdf6831dfc809b9362b99a63330\">Manj\u00e9v wandte sich dem Spielzeug zu. Dass ihre Mutter einmal so derma\u00dfen ungl\u00fccklich und traurig gewesen war, hatte sie nicht gewusst. Sie kannte sie nur freundlich, milde und gut gelaunt an der Seite des Vaters. Dass es Dinge gab, die sie nicht wusste, die einmal anders gewesen waren, das beunruhigte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d4822ea384e200ffee75e438df96fc8\">Eigentlich h\u00e4tte sie nun weiter danach fragen m\u00fcssen. Aber dazu war nun nicht die richtige Zeit. Nun ging es um den geheimnisvollen Bewohner des Turmzimmers.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b19aba5cf31c2016322115c361d28d3\">\u201eUnd der Mann ist irgendwann weggegangen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f2004f9ad4078978fd59b5c06a2d2214\">\u201eJa. Ja, so kann man es sagen. Meister Yalomiro &#8230; nun, er wurde besiegt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c2d27d813d3e3c38ee47b7fe511b92cd\">\u201eBesiegt? Von Meister Yalomiro?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c64c6921bad2f40e45da36b99dfcaec7\">\u201eJa. Ich glaube, so ist es gewesen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c4f6e8fa32fef2c74c1b225f7b8cd851\">\u201eWar es ein b\u00f6ser Mann?&#8221;, fragte Manj\u00e9v gespannt.<\/p>\n<p data-p-id=\"6a53ff8e9e46c03123cf11d8a0716221\">\u201eEs war jemand, der &#8230; nicht gut f\u00fcr mich war. Nicht f\u00fcr mich und nicht f\u00fcr diesen Ort. Und darum, Manj\u00e9v, ist das Zimmer versperrt. In diesem Zimmer, Manj\u00e9v, habe <em>ich<\/em> einst eine unfassbare Torheit begangen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a160e3fbae81cee9dc841a55e30dc30c\">Tats\u00e4chlich? Eine unfassbare Torheit \u2013 genau das war in diesem Augenblick auch Manj\u00e9vs Problem. \u201eWas war es, Mama?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"53c7673a0b648c4deb856225b98108d4\">\u201eIch hatte damals einen dummen, eigens\u00fcchtigen Wunsch. Ich habe mir etwas gew\u00fcnscht, das mich <em>gl\u00fccklich<\/em> machen sollte. Im Turmzimmer hat der Mann, der auch ein Magier war, mir diesen Wunsch erf\u00fcllt. Ich wurde gl\u00fccklich. Und zugleich sind dadurch viele Leute ungl\u00fccklich geworden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"52d7adddbf5fffe5fbe0fd1585bbc212\">\u201eEin Magier? Ein Schattens\u00e4nger?&#8221;, fragte Manj\u00e9v aufgeregt.<\/p>\n<p data-p-id=\"5321bcf857f6515fc9a2e1dea51c7640\">\u201eNein. Einer von einer Art, die es nicht mehr gibt, Manj\u00e9v. Du musst dir keine Sorgen machen. Jedenfalls &#8230; dieser Magier hat sehr lange in diesem Zimmer gehaust. Vielleicht hat er &#8230; Spuren hinterlassen. Nachdem er fort war, hat Meister Yalomiro die T\u00fcr versiegelt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3ae171a3325dda87f9be8a8caf5dfebc\">\u201eUnd Herr Andri\u00e9r hat versucht, sie aufzubrechen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e1ef3c6b8ac77cc86b09de43cd208191\">\u201eWoher wei\u00dft du das nun wieder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"749b739e7cde40f2a94ebcc240a1cf14\">\u201eVon <em>yarl<\/em> Althopian&#8221;, sagte Manj\u00e9v arglos. \u201eIch habe geh\u00f6rt, wie er mit <em>yarl<\/em> Emberbey dar\u00fcber sprach.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ddf74539120cce941e40733e57f48680\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant schnaubte mit un\u00fcberh\u00f6rbarem \u00c4rger. \u201eNun, Manj\u00e9v &#8230; dein Vater wusste, als er seinen Platz in dieser Burg einnahm, nichts \u00fcber das Geheimnis dieses Zimmers. Und ungest\u00fcm, wie M\u00e4nner zuweilen sind, wollte er dem Geheimnis auf die Spur kommen. Im Scherz hatte ich ihm damals gesagt, er k\u00f6nne ja versuchen, einzudringen, wenn ihn die Neugier so sehr plagte. Es ist &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5db62794d516938dfc57bca4b4c0e9a2\">Manj\u00e9v lie\u00df ihr einen Augenblick Zeit, bevor sie fragte: \u201eWarum redest du nicht weiter, Mama?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"68e7ee78e53214febb82c2984e2a4074\">\u201eIch entsinne mich nicht &#8230; ich wei\u00df, dein Vater und ich waren heute dort oben. Aber ich habe vergessen, was wir geredet haben. Es ist weg. Ich erinnere mich nicht, was dort gesprochen wurde. Wie seltsam. Ich meine nur, mich zu erinnern, dass Meister Yalomiro einen wichtigen Grund hatte, dass wir ihn dort treffen sollten.&#8221; Sie l\u00e4chelte. \u201eSolange er bei uns war, war es &#8230; <em>sicher<\/em> dort. Sicherer als anderswo.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6708a229b4fbd10b237084ae807ac675\">\u201eSolange die T\u00fcr zu ist, kann aber nichts geschehen, Mama?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a2f851507dbb7c41a45f89b2b1f5d1a1\">\u201eNein, Manj\u00e9v. Was immer m\u00f6glicherweise in diesem Zimmer nachhallt, es bleibt im Zaum, solange die T\u00fcr geschlossen ist. Zumindest sollte es das. Manj\u00e9v, es besorgt mich, dass du von den Kr\u00e4utern und dem gro\u00dfen Edelstein getr\u00e4umt hast.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a4fa7958c24c528f37d135a3c9fc7b7\">\u201eAch &#8230;&#8221;, winkte Manj\u00e9v ab. \u201eDas war nicht so schlimm, Mama!&#8221; Viel schlimmer war, dass Merrit Althopian offenbar an einem Ort eingesperrt war, wo m\u00f6glicherweise noch Schlimmes nachhallte.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca57e5fdebe3bc5e369ed14125394e1a\">\u201eBitte, Kind &#8230; lass diesen Traum vorerst unter uns bleiben, ja? Dein Vater muss nicht zur Unzeit davon wissen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"faaeecbdfcf5ef22aab744a1b5af2b11\">\u201eIst es ein Geheimnis vor ihm?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"183a281c75a3c5489962c5646420e50f\">\u201eNein, nicht wirklich. Ich &#8230; ich m\u00f6chte nicht, dass er sich Sorgen macht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e62e53ea0cb9c12b7a91d85065a16c8b\">\u201eIch werde ihm nicht sagen, dass wir dar\u00fcber geredet haben. Versprochen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"66d7b8ed74d8f09aa671e324b1f8010f\">\u201eGut. Und du. Manj\u00e9v, beunruhige dich nicht \u00fcber deinen Traum. Mag sein, dass Meister Yalomiros Aufenthalt hier einige Erinnerungen aufgew\u00fchlt hat, wie ein Moderfisch den Grund eines T\u00fcmpels.. Es geschehen sonderbare Dinge, wenn Schattens\u00e4nger einen Ort betreten. Manchmal geraten Gedanken und Bilder durcheinander.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c658a3db8f306231a7a5df052a6c9f0\">\u201eJa, Mama. Mama &#8230; wenn wir die Hilfe von Meister Yalomiro brauchen &#8230; also, nur angenommen, wenn mal etwas ganz, ganz wichtiges passiert &#8230; k\u00f6nnen wir irgendwie nach ihm <em>rufen<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb8a4f4a1d14f1cbf6074c8be97c3220\">Nun senkten sich die Lider der <em>teiranda<\/em> misstrauisch. Manj\u00e9v wurde bewusst, dass sie nun bei weitem zu auff\u00e4llige Fragen stellte. Verlegen begann sie, mit den Puppen zu spielen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4f9f59f8a7d8d4445f74f78b04b99923\">\u201eWir m\u00fcssten einen Boten \u00fcber den Montaz\u00edel schicken&#8221;, antwortete K\u00edan\u00e1 von Wijdlant.<\/p>\n<p data-p-id=\"11e8a1391559f94ce016d5eb07f586ef\">Manj\u00e9v seufzte im Stillen. Das war zu bef\u00fcrchten. Und es hatte keinen Sinn mehr, Weiteres zu erfragen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1721ab363861c1b33e5f4e2ab86c0c2e\">\u201eBringst du mich ins Bett, Mama?&#8221;, fragte sie. \u201eUnd singst du mir noch ein Lied vor?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"3fd63ab158dfc3bd784e7004a140f076\">D\u00fdamir\u00e9e war m\u00fcde. Es war ihr nur f\u00fcr ganz kurze Zeit gelungen, in den Schlaf zu finden, als C\u00fdel\u00fa schon wieder zum Aufbruch dr\u00e4ngte. Offenbar hatte der Regenbogenritter sich vorgenommen, Aur\u00f3p\u00e9a nun in besonders kurzer Frist zu erreichen. Perlenglanz schien es ebenfalls nach Hause zu ziehen. Er galoppierte brav und mit gleichm\u00e4\u00dfigem Schwingenschlag der Morgenr\u00f6te entgegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bbad469430c7602705caf3d466cf32b3\">Das M\u00e4dchen lehnte sich an den goldenen Harnisch das <em>arcaval&#8217;ay<\/em> und nickte immer wieder f\u00fcr einige Momente ein. Herunterfallen und in die Tiefe st\u00fcrzen w\u00fcrde sie nicht, denn er hielt sie sicher fest. D\u00fdamir\u00e9e wunderte sich selbst dar\u00fcber, wie sehr sie dem fremden Magier zwischenzeitlich Vertrauen entgegenbrachte.<\/p>\n<p data-p-id=\"63f894c8f0cb76dcc2edeacb4dd0a2fb\">Als sie wieder einmal aus leichtem Schlaf aufschreckte und die Augen \u00f6ffnete, zog unter ihr der Schatten des Einhorns \u00fcber eine karge, steinige Ebene hinweg. Niedrige Geb\u00fcsche und hier und dort ein einzeln stehender Baum, zumeist Nadeltannen oder Krummkiefern mit bizarr geformten Kronen, standen dazwischen. Etwas abseits ihres Fluges sah sie voraus eine trutzige, weitl\u00e4ufige Burganlage und darum etwas, was riesengro\u00dfe, zusammenh\u00e4ngende Getreidefelder sein mochten. Obwohl sie der W\u00fcste entgegenflogen, war es erstaunlich k\u00fchl.<\/p>\n<p data-p-id=\"7ce2be2b2a6e5ac9bf2889121ab599f0\">\u201eWo sind wir hier?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e aufmerksam.<\/p>\n<p data-p-id=\"13306ed8343cd0cf933667938b27d6b5\">\u201eDas ist das <em>teirandon<\/em> \u00c9tagrial&#8221;, sagte C\u00fdel\u00fa. \u201eBald kannst du die W\u00fcste Soldes\u00e9r sehen, und sobald Patagh\u00edu seinen Glanz \u00fcber den Horizont erhoben hat, vielleicht sogar schon die goldenen D\u00e4cher von Aur\u00f3p\u00e9a in der Sonne aufblitzen sehen. Und dann sind wir schon fast im Ciel\u00e1stel. Der Wind tr\u00e4gt uns voran. Wir sind viel schneller, als ich zu hoffen wagte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"70f9f0b621db6684c52804df57d8b255\">\u201eWas wird deine <em>h\u00fdardora<\/em> sagen, dass du mich mitgenommen hast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3849d2c92ba380c343f444147a8024d6\">\u201eMeine <em>h\u00fdardora<\/em> wird sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dich kennenzulernen, Kleines. Sie ist die freundlichste und liebevollste <em>faj\u00eda<\/em>, die du dir nur vorstellen kannst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4665bf7ababa6f0e593a757f3c77833e\">\u201eAber du &#8230; du bist doch ein Mensch, oder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fa2483f9a1d1e5d646dde3a8e54532e5\">\u201eNat\u00fcrlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ebc0987b423710c7be683d928434dccb\">\u201eWie kannst du dann mit einer <em>faj\u00eda<\/em> beieinander sein und einen Sohn haben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f50abb16e7dc46557ca301d08812884e\">\u201eWas ist das f\u00fcr eine Frage, Kleines? Wir lieben einander&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6067324e4f689840802c25d71611a5f5\">\u201eWie hast du sie kennengelernt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"63565d56e870a6fb5091b72c5029ef2e\">Nun schwieg der Regenbogenritter, einen Moment zu lange f\u00fcr D\u00fdamir\u00e9es Geschmack.<\/p>\n<p data-p-id=\"31d97bba8995325a5d2d218583f05aee\">\u201eMeine Mama&#8221;, sagte sie, \u201eist meinem Papa im Eta\u00edmalon begegnet. Sie hat einen schlimmen Bann von ihm genommen. So hat sie es mir erz\u00e4hlt. Meine Mama ist aber ein Mensch, wie er auch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8efa13a19da839f7a50d448a68fc0c9e\">\u201eIch habe in einem gro\u00dfen Kampf mitgefochten&#8221;, sagte C\u00fdel\u00fa. \u201eDie <em>fajia\u00e9<\/em> waren in gro\u00dfen N\u00f6ten. Es traf sich, dass ich in dem Get\u00fcmmel auf meine <em>h\u00fdardora<\/em> traf und jemanden abwehrte, der sie anderenfalls get\u00f6tet h\u00e4tte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"45241ae5b4720c5b16c255a859a578c9\">Das war eine gute Begr\u00fcndung, fand D\u00fdamir\u00e9e. Es war nicht verwunderlich, wenn man mit seinem Lebensretter ins Gespr\u00e4ch kam.<\/p>\n<p data-p-id=\"9990199b0cb87481c0a705616e7d67b4\">\u201eWas f\u00fcr ein gro\u00dfer Kampf?&#8221;, fragte sie. \u201eIst das schon lange her?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d3211be0112c6984e63ac4d19232b27\">\u201eOh ja.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5e2fc09d37e0a6f36dd77258ab16fb11\">\u201eUnd wie lange?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c7b822758e4cdf7fb5b53a0290cc7f01\">\u201eIch habe nicht mitgez\u00e4hlt, Kleines.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"33798ad91af50781d5e1587aefd4145f\">\u201eAber dein Sohn, der ist so alt wie ich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"603a340d715d0f30ee935f6c46f6b532\">\u201eJa. Vielleicht ein klein wenig \u00e4lter. Aber nicht viel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"927abd08a3f7cd88f17fef7129dd24b1\">D\u00fdamir\u00e9e schaute nach S\u00fcden. Sie flogen exakt einem feurigen Punkt entgegen, der am Horizont auftauchte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f9391593e8fffa6e60f48afd9599a694\">\u201eIst das Patagh\u00edus Glanz?&#8221;, fragte sie ehrf\u00fcrchtig.<\/p>\n<p data-p-id=\"a7f36674cc495120c0210590a8062492\">\u201eHast du etwa noch nie die Sonne aufgehen sehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bdf2f561ab81c874a5190abee77bf21a\">\u201eSo noch nie. Nur zwischen den B\u00e4umen. Im Schatten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"298ea1b124520da4fe1792c35b998de0\">\u201eIch werde zusehen, dass wir dir ein paar B\u00e4ume beschaffen, wenn sie dir so lieb sind.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a58c0e1b4e4e624620ce4ec62494d88e\">\u201eDanke. Aber mach dir nicht zu viel M\u00fche damit. mein Papa holt mich bald nach Hause. Wahrscheinlich sind meine Eltern schon beide auf dem Weg hierher.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"473ac1108583d95a96b46de9d036bf3c\">\u201eDir wird es im Ciel\u00e1stel gefallen. Sicher wirst du schon bald deine Eltern gar nicht mehr vermissen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"40bbe0933e8ed3a2dbfb83e7835af4f7\">\u201eW\u00fcrde dein Sohn dich auch so schnell vergessen, wenn mein Vater ihn in den Boscarg\u00e9n geholt h\u00e4tte?&#8221;, fragte sie ernsthaft.<\/p>\n<p data-p-id=\"7ad1b7df5c2c3890afdd3f31c6610d55\">\u201eAch, Kleines &#8230; lass uns nicht wieder damit anfangen. Ich denke, es wird gut sein, wenn Sileda\u00fa sich f\u00fcr den Anfang deiner annimmt. Sie ist eine kluge Frau und hat viele Erfahrungen mit &#8230; deines Vaters gleichen. Sie kann dir die Vorz\u00fcge des Ciel\u00e1stel sicher besser nahebringen als ich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6a1772323538602bfbec8a3e1898ba36\">\u201eDie <em>opayra<\/em> von deinem Sohn kannte Schattens\u00e4nger?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dc693c31d6a279edf4a5804699432f65\">\u201eDas wird sie dir selbst erz\u00e4hlen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a9bb5f40ff728915f6ed0edd90ee4b1e\">\u201eWie alt ist die <em>opayra<\/em> von deinem Sohn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"891956e489e5aa740efaeea873c5c8b0\">\u201eWie alt&#8230;&#8221; C\u00fdel\u00fa stutzte. \u201eIch wei\u00df es nicht&#8221;, gab er dann zu. \u201eSehr alt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4f18ba0ea43bfa0b76de3c5262ea95f0\">Der gl\u00fchende Punkt wuchs, wurde gr\u00f6\u00dfer, und tats\u00e4chlich: Kaum hatte er sich g\u00e4nzlich vom Horizont gel\u00f6st, zuckte dort, in der Ferne, ein goldener Lichtstrahl gen Himmel. C\u00fdel\u00fa lachte und jubelte ihm entgegen. Perlenglanz stie\u00df ein Ger\u00e4usch aus, irgendwo zwischen dem Br\u00fcllen eines Bullen und dem Zischen einer Schlange und streckte sich im gestreckten Galopp, gewann an H\u00f6he und lie\u00df sich dann im Gleitflug fallen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b6da9582203df5a6293e9a2980ed271\">W\u00e4re sie nicht so beunruhigt gewesen, D\u00fdamir\u00e9e h\u00e4tte gejauchzt vor Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2552","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2552","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2552"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2552\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3786,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2552\/revisions\/3786"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2552"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2552"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2552"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}