{"id":2550,"date":"2025-08-25T12:43:25","date_gmt":"2025-08-25T10:43:25","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2550"},"modified":"2025-09-01T09:13:48","modified_gmt":"2025-09-01T07:13:48","slug":"065-hundert-seiten-chaoskriege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/065-hundert-seiten-chaoskriege\/","title":{"rendered":"065: Hundert Seiten Chaoskriege"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"7c8982ceeaa1587fca5a4918abbf1302\">Advon h\u00f6rte den Ruf des W\u00e4chters, der die R\u00fcckkehr des Vaters ank\u00fcndigte. Der Junge hatte gerade an seiner Waschsch\u00fcssel gestanden und den letzten Rest Ru\u00df mit Seife und einer B\u00fcrste vom K\u00f6rper geschrubbt. Rasch trocknete er sich ab, schl\u00fcpfte in Hemd und Hose und wollte gerade hinaus auf den Gang st\u00fcrzen, um dem Vater entgegenzulaufen. Im letzten Moment z\u00f6gerte er, ging zur\u00fcck und drehte das schmutzige Kopfkissen um. Sp\u00e4ter musste er wohl oder \u00fcbel einen der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> ins Vertrauen ziehen und ihn bitten, den Bezug sauber zu zaubern. Wahrscheinlich w\u00fcrde er den Gelben fragen. Der hatte schlie\u00dflich Elos\u00e1l gegen\u00fcber auch den Vorfall mit dem leergekauften Kuchenstand verschwiegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"68504a398f18a3531fb3669e3e26abb4\">Als er sich umdrehte, stand sie in der T\u00fcr\u00f6ffnung, wie eine Erscheinung aus einem Alptraum, gebeugt, gebrechlich und mit so viel Unwillen im Blick, dass Advon schauderte. Sileda\u00fa.<\/p>\n<p data-p-id=\"658061002eef3daf59aa9e61fed32249\">\u201eSo fr\u00fch schon wach, Advon Ir\u00edsolor? Ich hatte damit gerechnet, dich wecken zu m\u00fcssen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"05de2c9111e63db593023b6754fe3624\">\u201eVater kommt nach Hause, Sileda\u00fa. Der W\u00e4chter kann ihn bereits sehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a230b075304621ff8254864a576fc46\">\u201eWie sch\u00f6n. Dann habe ich gleich einige Dinge mit ihm zu besprechen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e3208921acc5af38f8d9c72445b153d\">\u201eIch will ihm entgegenlaufen. Deshalb bin ich schon wach und angezogen, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b614f8b5eb63cfea5ed4d3d2251a224b\">\u201eEntgegenlaufen? Jetzt? Ich denke, du begibst dich jetzt erst einmal schleunigst ins Lernzimmer. Die Ferien sind vorbei.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fef774890a49bfef959c37c592b263ac\">Advon stand wie vom Donner ger\u00fchrt und starrte die alte Frau entsetzt an. \u201eJetzt? Aber ich hab keine Zeit! Papa kommt zur\u00fcck!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"00463730416a1f7930873757dcb0ef3e\">\u201eKeine Zeit? Der Tag erwacht, und wir haben eine Menge nachzuholen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7101d76015bc9bc1c3e31980bb5bc603\">\u201eAber es ist doch nicht meine Schuld, dass du nicht da warst!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d43f78faac29f2d05e4e940038f6ada1\">Sie sch\u00fcttelte missbilligend den Kopf. \u201eSo aufm\u00fcpfig, Advon Ir\u00edsolor? Wie schade. Ist dir denn wirklich danach, den<em> ganzen Tag<\/em> beim Lernen zuzubringen? Bis die Sonne untergeht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"489ff3194bd5fa32e540572ee1cfa4b1\">Advon z\u00f6gerte. Er hatte die Wahl zwischen einer bockigen Erwiderung und strategisch klugem Gehorsam. Dass Sileda\u00fa ihre Launen durchsetzte und ihn bis abends besch\u00e4ftigen w\u00fcrde, stand au\u00dfer Frage. Aber damit w\u00e4re der Plan, den sicher unschuldig verurteilten Unkundigen aus der W\u00fcste zu retten, dahin.<\/p>\n<p data-p-id=\"a11393e18a53c1012597e508c550eb1c\">\u201eDarf ich ihn nicht wenigstens begr\u00fc\u00dfen?&#8221;, fragte er daher kompromissbereit.<\/p>\n<p data-p-id=\"651eddcbf819be3e8a7fa110ef08def7\">\u201eGlaub mir, Advon, sobald das Einhorn deines Vaters seine Hufe auf den Boden gesetzt hat, hat er alles andere zu tun, als sich um dich zu k\u00fcmmern. Daf\u00fcr ist sp\u00e4ter noch Zeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6143ddcc6718c2d3553e5e4ba5aa74c7\">\u201eKlauen&#8221;, murmelte Advon.<\/p>\n<p data-p-id=\"8bbb937ad5b612eed95dd61e54e3d4b3\">\u201eWas war das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2223e208b214baf247a1dd4a622a6fba\">\u201eNichts. Ist es denn so wichtig?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3bcf028e30a293068a488a373ed65799\">Sileda\u00fa kam in den Raum und dem ru\u00dfbefleckten Bettzeug bedenklich nahe. Advon schnitt ihr instinktiv den Weg ab. \u201eAdvon, mein Junge &#8230; ist es denn nicht viel vern\u00fcnftiger, jetzt ein klein wenig Geduld zu \u00fcben und sp\u00e4ter das Widersehen mit deinem Vater ganz in Ruhe und Ausf\u00fchrlichkeit zu feiern?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3fcdef7c1c991c5914cec33fb514e8f4\">\u201eSchon&#8221;, sagte Advon kleinlaut.<\/p>\n<p data-p-id=\"fbfa3026abac53aaac9bb1b23f3b1c8d\">\u201eHeute Abend hat er Zeit f\u00fcr dich&#8221;, tr\u00f6stete sie mit einer f\u00fcr ihre Verh\u00e4ltnisse ganz ungew\u00f6hnlichen, ja: verd\u00e4chtigen Freundlichkeit. \u201eIch bin mir sicher, sobald dein Vater und deine Mutter ihre Angelegenheiten erledigt haben und der <em>sinor<\/em> seinen Pflichtbesuch abgestattet hat, ist das alles viel sch\u00f6ner f\u00fcr dich, als jetzt in aller Eile nur einen Blick zu erhaschen.&#8221; Sie l\u00e4chelte f\u00fcr einen halben Wimpernschlag, dann erstarrten die Falten in ihrem Gesicht wieder zur \u00fcblichen Strenge. \u201eUnd nun komm!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15e39d1fee6a9cd7de25f1cb32d66e20\">Sie legte ihm die Hand auf die Schulter und dirigierte ihn unnachgiebig mit steifen Altfrauenfingern aus dem Raum. Advon f\u00fcgte sich, obwohl er sich innerlich str\u00e4ubte. Wenn er es sich jetzt verdarb, geriet vielleicht ein Mensch in Lebensgefahr. Farbenspiel wartete auf seinen Einsatz. Bis dahin durfte er Sileda\u00fa nicht erz\u00fcrnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1c6e53d5271e9da2fefb16b4a1eb0a28\">Brav tappte er neben ihr durch den Ciel\u00e1stel, die Treppen hinauf zum verhassten Studierzimmer. Der Gelbe und der Violette kamen ihnen entgegen, aber Advon wagte nicht, stehenzubleiben und den Ersteren um die Gef\u00e4lligkeit bez\u00fcglich des Bettzeugs zu bitten. Die Magier gr\u00fc\u00dften freundlich, aber Sileda\u00fa hatte nur ein unwirsches Schnauben f\u00fcr sie \u00fcbrig.<\/p>\n<p data-p-id=\"fa5fa72fe71f3187d07882f00a68aab4\">\u201eUnd was soll ich heute tun?&#8221;, fragte Advon. Das Zimmer wirkte ungewohnt leer, nachdem ein Gro\u00dfteil der, wie er nun wusste, verbotenen B\u00fccher fort war. Der leere Rahmen der verzauberten Wachstafel lag noch auf dem Tisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"c3427dcc79d27bf5603e9f410516227c\">Sileda\u00fa nahm ihn in die Hand und runzelte \u00e4rgerlich die Stirn. Die Schreibtafel war ihr liebstes Instrument gewesen, um Advon zu plagen. Der Junge fragte sich immer noch, was genau es gewesen war, das die Zerst\u00f6rung bewirkt hatte, als Elos\u00e1l sie in die Hand genommen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"aedfefe522071e2fd2ec2998274ef3b1\">\u201eSoll ich etwas schreiben?&#8221;, fragte Advon mit Unschuldsmine, wohl wissend, dass es in diesem Zimmer derzeit kein anderes Schreibzeug gab.<\/p>\n<p data-p-id=\"cd59c9c470a6f369de5e256728c26a7f\">Die alte Frau z\u00f6gerte, aber nicht wegen Advons Einwand. Sie horchte auf die Rufe von drau\u00dfen, vom Turm. Offenbar war C\u00fdel\u00fa, der Goldene, der Gro\u00dfmeister, sein Vater, schon ganz nah. Die Ritter johlten und jubelten ihm freudig entgegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"25d8cc1dc53475df21aa8192c35a056f\">\u201eHier stehen genug B\u00fccher&#8221;, sagte sie geistesabwesend und lie\u00df den Rahmen einfach fallen. \u201eSuch dir irgendeines aus und lies. Hundert Seiten, bis ich wieder da bin. Ich frage dich ab.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1986446bb4e0670a5f55db29bd11dd1c\">\u201eWas? \u00dcber <em>irgendeines <\/em>dieser B\u00fccher?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f7e0cb47791276e8a7274267f49ab12a\">Aber die Alte war bereits auf dem Weg nach drau\u00dfen. \u201eIrgendeines. Ich habe sie alle gelesen.&#8221; Sie w\u00fcrdigte ihn keines weiteren Blickes und eilte aus dem Zimmer. Advon sprang auf und wollte hinterher. \u201eSileda\u00fa! Warte!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd5cf771f7adbe07368ce1dc116dd3a8\">Aber im selben Moment, als er die T\u00fcr erreichte, schlug diese ihm vor der Nase zu. Das Schloss schnappte ein, der Schl\u00fcssel wurde gedreht.<\/p>\n<p data-p-id=\"526bf9c2743e0829a6a7e59e34640a49\">\u201eHundert Seiten!&#8221;, klang es noch von der anderen Seite. Dann war Advon allein, eingesperrt mit f\u00fcnf Dutzend alter Schriften der Unkundigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c8a9aa388df2008fe04caff715944a0d\">Der Junge starrte die T\u00fcr an. Dieses Verhalten der alten Frau war mehr als sonderbar. \u00c4rgerlich kehrte Advon zur\u00fcck an sein Pult, versetzte dem Rahmen dabei einen \u00e4rgerlichen Tritt und bef\u00f6rderte ihn unter eines der Regale. Was war nur in die alte Unkundige gefahren, dass sie so mit ihm umsprang? Nun gut \u2013 dass sie ihn eingeschlossen hatte, hatte er sich selbst zuzuschreiben. Sicher wollte sie nicht, dass er sich wieder davon stahl. Das hatte er zu oft getan.<\/p>\n<p data-p-id=\"5b4c6c2610eddfd84222cb2ce2116c37\">Das Fenster des Studierzimmers war schr\u00e4g zum Hauptturm des Ciel\u00e1stel ausgerichtet. Aus diesem Winkel konnte Advon nicht viel von dem sehen, was auf dem Hof und der Anflugschneise von Norden geschah. Nicht einmal einen kleinen Blick auf den Vater w\u00fcrde er von hier aus erhaschen.<\/p>\n<p data-p-id=\"57e9686866a02ef932622c1f60f662fe\">Es half nichts. Der k\u00fcrzeste Weg hinaus aus diesem Kerker der Gelehrsamkeit war es, Sileda\u00fa zu gehorchen und sich hundert Seiten Text zu widmen. Er b\u00fcckte sich, um den nun aus den Fugen geratenen Rahmen aufzuheben und griff sich dabei wahllos eines der B\u00fccher vom untersten Regalbrett.<\/p>\n<p data-p-id=\"9da9613ccadfceac36c27bffff5dcce0\"><em>Die Chroniken der Chaoskriege<\/em>, las Advon den Titel. <em>Gesammelt von <\/em>sinor<em> \u00daldaise Ben\u00e9vol\u00edr<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"c856e1c291187f1d1190efa0a273b70e\">Advon stutzte \u00fcber die Namensgleichheit. Sein Interesse war geweckt. Das Buch war handlich, aber das Papier bereits verblichen und m\u00fcrbe, der Einband bestand aus mit Leinen \u00fcberzogener Pappe und zerbr\u00f6selnden Lederecken. Er musste \u00e4u\u00dferst behutsam damit umgehen, damit es nicht beim Umbl\u00e4ttern auseinanderfiel. Auf der ersten Seite fand er einen Vermerk dar\u00fcber, dass diese Auflage ein Nachdruck der handschriftlichen Aufzeichnungen dieses anderen \u00daldaise war. Das Buch war \u00fcber einhundert Sommer alt, und seine Qualit\u00e4t hatte der Zeit nicht standgehalten. Das Vorwort kl\u00e4rte dar\u00fcber auf, dass Ben\u00e9vol\u00edr ein gro\u00dfer Historiker gewesen war, ein <em>forscor<\/em>, der sich leidenschaftlich mit der Geschichte Aur\u00f3p\u00e9as auseinandergesetzt hatte, von seiner Zeit als junger Soldat bis zum vierten Jahr seines Einsatzes im <em>konsej<\/em>. Bis zu seinem unerkl\u00e4rlichen Verschwinden. Gegen\u00fcber zeigte ein Holzschnitt das Portr\u00e4t des Autors, einen ernsthaft dreinblickenden \u00e4lteren Herrn mit Kinnbart und buschigen Augenbrauen. Advon fand, dass es keine \u00c4hnlichkeit mit dem \u00daldaise hatte, den er kannte. Sicher, so dachte der Junge, war der Namensvetter ein viel angenehmerer Mensch gewesen. Allein der Umstand, dass man ihn als <em>forscor<\/em> nicht vergessen hatte, machte ihn sympathisch. Sicher hatte er viele Abenteuer erlebt und geheimnisvolle Orte erforscht.<\/p>\n<p data-p-id=\"370e785da36b241daeeea6905d959707\">Das waren zumindest <em>interessante<\/em> hundert Seiten.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"d52ab7efd600c3c7d107fc6327009968\">\u201eOsse? Bist du noch da?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9605c45fa00e12873e43bc760dab3fa1\">Osse Emberbey schrak hoch. Er war wohl tats\u00e4chlich eingenickt, im Dunklen, im Turm. Allerdings: Es war nicht mehr v\u00f6llig d\u00fcster. Durch die nur eine halbe Hand breiten Scharten in der Mauer weiter unten im Turm drang etwas graues Licht. Der Junge warf einen Blick auf die Laterne. Das \u00d6l war ausgebrannt. Er musste eine ganze Weile geschlafen haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"692c1bbb2d7a0e76055fac1d6e482cce\">\u201eJa&#8221;, sagte er. \u201eEntschuldige. Ich bin einged\u00f6st.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"11ba1263a08222505d57a20192c3113d\">\u201eIch auch. Ich habe getr\u00e4umt. Wunderliche Dinge. Du warst tats\u00e4chlich die ganze Zeit da? Wo sind die anderen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"612145e022df9fc6ac6f688a17043612\">\u201eDie <em>teirandanja<\/em> ist wahrscheinlich im Haupthaus und versucht, etwas \u00fcber das Zimmer in Erfahrung zu bringen. Die <em>yarlandoray<\/em> werden sich den Kopf zerbrechen, warum sie mit grober Gewalt die T\u00fcr nicht aufschlagen konnten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"36112111be2fd67a84bf846d5327eba9\">\u201eUnd du? Dein Vater wird dich suchen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c3a73ce12ede3c0414bdab7c8158ce5d\">\u201eDeiner sucht dich auch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d86352690267e772ec95428ad72a985d\">Im Zimmer blieb es einen Moment still.<\/p>\n<p data-p-id=\"64d48d90f3e988f49b498c9c5a0fbcea\">\u201eGeh zu meinem Vater&#8221;, bat Merrit Althopian. \u201eSag ihm, wo ich bin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e60446e3a1aa686000744a6a5d4b084\">\u201eDein Vater bekommt die T\u00fcr auch nicht auf. Und wenn mein Vater mich zu fassen bekommt, l\u00e4sst er mich gar nicht mehr aus den Augen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1e83aadf141706060a30bb8bc8069dcf\">\u201eAber du bist doch <em>schlau<\/em>. Du l\u00e4sst dich nicht erwischen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"efb5f992ceaa266a9a659aa479141754\">\u201eWas soll es bringen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ed93973929e646862014ab379b941b8b\">Schweigen hinter der T\u00fcr. Dann: \u201eIch wei\u00df, dass er die T\u00fcr auch nicht \u00f6ffnen wird. Aber ich will mit ihm reden. Kannst du es so machen, dass niemand au\u00dfer ihm erf\u00e4hrt, wo ich bin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c100412eee2186342321522407c92fab\">\u201eNat\u00fcrlich. Ich meine &#8230; ich kann es <em>versuchen<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a96204fba7708c929e46b3e0ea01d25\">\u201eDie <em>teirandanja<\/em> und die beiden anderen m\u00fcssen es auch nicht wissen. Vielleicht finden sie ja heraus, was zu tun ist. Aber mein Vater &#8230; sag ihm, ich bin aus purer Dummheit hier herein gegangen. Das ist keine L\u00fcge. Und &#8230; ich habe Angst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0878bca011ee68124ec654553f98345\">\u201eDu bist doch <em>mutig<\/em>. Du hast keine Angst&#8221;, widersprach Osse aufmunternd.<\/p>\n<p data-p-id=\"b73fc898348d6126bd968fcb26a6d649\">\u201eSag ihm, er soll herkommen, ohne etwas den <em>teiranday<\/em> zu sagen. Bring ihn her. Kannst du das tun, Osse? Tust du das f\u00fcr mich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3649c88fe73d59e4a2c80b91b0bcb6e7\">\u201eAber nat\u00fcrlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8cec0e35f9960ee8a48cdd4467dd6955\">\u201eGeh noch nicht weg. Ich bin noch nicht fertig. Wenn ich jemals etwas f\u00fcr dich tun kann &#8230;. also, vorausgesetzt, ich komme hier irgendwie heraus &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"601433b196059009dd91adeb742eaa48\">\u201eDu kommst da heraus! Dann m\u00fcssen die <em>teiranday<\/em> eben Meister Yalomiro noch einmal herrufen. Mit Magie geht die T\u00fcr auf, bestimmt! Allerdings dauert das dann ein paar &#8230; Monde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d0f8959bc584f114402bf3c956f5081\">Er h\u00f6rte Merrit hinter der T\u00fcr lachen. \u201eBis dahin bin ich hier verschmachtet. Ich hab jetzt schon solchen Durst &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ceeedb8a5370bb826f645e19d3b331b7\">\u201eWir finden einen Weg. Irgendetwas wird uns einfallen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6bd00a804eadb9a3ec4c01b5930f65fd\">\u201eGehst du dann bitte jetzt meinen Vater holen&#8221;, fragte Merrit.<\/p>\n<p data-p-id=\"17d43fc123cdd25b481b3ec6d8b29389\">Osse erhob sich und klopfte sich den Schmutz von der Hose. \u201eEs kann eine Weile dauern, bis ich ihn finde&#8221;, warnte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"a6b381580d1b608ffbe4a4b156fd629f\">\u201eIch laufe nicht weg.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"142488f321deebfa94664731246bea93\">\u201eDu kannst doch gar nicht &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6da9be414ef62b77a1aeb5e9b5c39213\">\u201eDas war ein Scherz, Osse.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd0e198ae8759a6dc2cbef79504f4a10\">\u201eIch beeile mich&#8221;, versprach der Junge. \u201eIch muss nur auf der Treppe langsam gehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d0b7d6e877a80fef29e460d5f199a09b\">\u201eSchau nicht nach unten. Der Abgrund ist gef\u00e4hrlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"da8c5b54fe012efde0e2c62a59fea693\">Aber darauf bekam Merrit Althopian schon keine Antwort mehr. Seufzend lehnte der Junge sich gegen die T\u00fcr und strich schaudernd \u00fcber den Boden. Etwas war anders als am Abend zuvor.<\/p>\n<p data-p-id=\"41d5cff2a58597d067b3875f10e154fa\">Angst? Vor etwas Sand?<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"c6a44d89ae727ca8754818595d4b8e6c\">J\u00f3ndere Mor\u00e9aval schlug die Augen auf und kniff sie gleich wieder zu. Das Tageslicht schien ihn zu blenden.<\/p>\n<p data-p-id=\"df464a2866ed5b18f1e6d489ea614e1f\">\u201eWas ist passiert?&#8221;, brachte er mit br\u00fcchiger Stimme \u00fcber spr\u00f6de Lippen.<\/p>\n<p data-p-id=\"814b682cdbe3f3a59bf1dda798cfb9b0\">\u201eBleibt liegen&#8221;, bat Yalomiro. \u201eKeine vorschnelle Bewegung. Ihr seid gleich wieder frei.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"14f57c75f060f735f8567e83d344d6e4\">Der Ritter wandte langsam den Kopf. Vor seinen Augen verbl\u00fchten die duftenden wei\u00dfen Nachtblumen. Die Bl\u00fcten wurden braun und br\u00fcchig, fielen nach und nach von den Ranken. Die Laubbl\u00e4tter schrumpften zusammen, bis sie kleine Knospen an den Stengeln waren. Ich hatte noch nie gesehen, wie Pflanzen sich zur\u00fcckentwickelten. Sobald es m\u00f6glich war, begannen wir, Mor\u00e9aval aus dem Rankennetz auszuwickeln. Die klaffende Wunde an seinem Hals war nunmehr nur noch eine helle Narbe.<\/p>\n<p data-p-id=\"8c607f59565597f62ea176c5a1d46b1e\">\u201eMeister Yalomiro&#8221;, wisperte Mor\u00e9aval. \u201eWas macht Ihr hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d740a84e7c70e503b327e448367423e\">\u201eDasselbe m\u00f6chte ich Euch fragen. Wieso seid Ihr nicht in Wijdlant? Eure <em>h\u00fdardora<\/em>, Euer T\u00f6chterlein warten auf Euch. Der Dame bin ich nicht zu nahe gekommen, seid unbesorgt. Aber die Kleine ist ein \u00fcberaus entz\u00fcckendes Kind, das Euch beiden gut geraten ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"34e9419389f0c22479f5f7b64ab74984\">\u201eT\u00edjnje? Wieso &#8230; was &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b18da584c89206c423c84e231b30516\">\u201eWoran erinnert Ihr Euch, Herr J\u00f3ndere?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"62484e01eb70dcf83b0e6e5ec96a407a\">Er \u00e4chzte. Yalomiro half ihm, sich aufzusetzen. Ich reichte ihm Wasser. Der Ritter trank wie ein Verdurstender und sah sich dann benommen um.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c23eb92c69a25d9c0d1649f2bfe68be\">\u201eDa war ein Regenbogenritter. Das Kind &#8230; bei den M\u00e4chten! Wo ist das Kind?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ec8f777c4c5575f75371c781b779fe5\">\u201eIhr habt sie tapfer verteidigt, Herr J\u00f3ndere&#8221;, sagte ich schnell. \u201eIhr habt gefochten bis zum \u00e4u\u00dfersten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"586dd719111a30f4679be271f22904a1\">\u201eIch war also nicht siegreich, nicht wahr?&#8221;, fragte er betroffen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ee4d6011e25ac6bee396e10e1c7234ae\">Yalomiro streifte die letzten Ranken von ihm ab. \u201eHerr J\u00f3ndere, f\u00fcr das, was Ihr f\u00fcr meine Tochter getan habt, sei Euch auf immerdar der Dank und der Schutz der <em>camat&#8217;ay<\/em> sicher. Eure Heldentat rechtfertigt einen \u00e4hnlichen Bund, wie ihn vorzeiten Schattens\u00e4nger mit den Vorfahren von <em>yarl<\/em> Althopian geschlossen haben. Wenn auch unter verdrehten Vorzeichen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ca4992e6b4a6bf158c840aae72b5c15d\">\u201eWas?&#8221;, fragte Mor\u00e9aval verwirrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"0f242e0219bee450f05ad0c90da10191\">\u201eTrotzdem w\u00fcsste ich gern, was Ihr hier zu suchen hattet. Als ich Euch verlie\u00df, waren wir fast am Montaz\u00edel und nach Norden unterwegs. Was hat Euch vom Heimweg abgehalten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"954393060c56ed839838f914f3605cdb\">Der Ritter st\u00f6hnte. Sicher war er nach dem langen Liegen ganz wund und steif. \u201eDas w\u00fcsste ich selbst gern. Ich bin in die Irre geritten. Jeden Abend kam ich an meiner Lagerst\u00e4tte vom Vorabend an. Zuletzt lie\u00df ich die M\u00e4chte entscheiden und mein Pferd einfach seinen eigenen Weg gehen, um mich aus diesem bl\u00f6dsinnigen Reigen zu befreien.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"60de9c11861bbe33506f21b5a3abc980\">Yalomiro hob die Brauen. \u201eHerr J\u00f3ndere, hattet Ihr irgendetwas aus diesem Wald ohne mein Wissen und meine Erlaubnis an Euch genommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1327840b7d99ddde531278c9021ca46f\">\u201eBei den M\u00e4chten! Niemals w\u00fcrde ich etwas stehlen! Was unterstellt Ihr mir?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5958a020b43dc96f4e8b05494a3edecb\">\u201eDenkt nach&#8221;, bat ich ihn. \u201eEs mag Euch nicht wie ein Raub vorgekommen sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c89a4ab5a5dc69471dbe8e5537a986d0\">Er rappelte sich auf alle Viere hoch und versuchte, sich aufzurichten. Yalomiro half ihm, bis der Ritter schwankend stand. Offenbar dachte er angestrengt nach.<\/p>\n<p data-p-id=\"f15c77033e6366ccbe8d93cbef475f62\">\u201eDas Kind hat mich gen\u00f6tigt, Samen von eben diesen Pflanzen als Geschenk anzunehmen&#8221;, gestand er schlie\u00dflich. \u201eMehr f\u00e4llt mir wirklich nicht ein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5336249e9b7209a015fe7c9c080aa88e\">\u201eAh.&#8221; Yalomiro nickte. \u201eDann ist das R\u00e4tsel gel\u00f6st.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb215a858dc4801c9690601bd216990a\">\u201eWar es unrecht?&#8221;, fragte der Ritter besorgt. \u201eSie sagte, die Blumen wollten, dass ich sie in meinen Garten trage. Ich hielt es f\u00fcr eine nette Geschichte und wollte ihr die Freude tun.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f2be0b861bd69b84fbb453c48841488d\">\u201eDie <em>Pflanze<\/em> wollte es, so.&#8221; Yalomiro warf den Nachtblumen einen tadelnden Blick zu. \u201eNein, Herr J\u00f3ndere, es ist gut so. Nehmt die Samen nur mit. T\u00edjnje wird ihre helle Freude daran haben. D\u00fdamir\u00e9e wollte Euch eine Freude damit machen. Sie hat nicht wissen k\u00f6nnen, dass ohne das Einverst\u00e4ndnis des Gro\u00dfmeisters nichts von Unkundigen aus dem Boscarg\u00e9n fortgebracht werden darf und kann. Ihr h\u00e4ttet mich nur einweihen m\u00fcssen, ich h\u00e4tte es mit Freuden erlaubt. Aber dann w\u00e4re all das hier nicht geschehen.&#8221; Er neigte den Kopf und f\u00fcgte nachdenklich hinzu: \u201eDie Blumen indes, die <em>mussten<\/em> es wissen. Ich frage mich, was ich davon halten soll.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"203095f050472a42351b669d212656f9\">\u201eWas ist mit der Kleinen geschehen?&#8221;, fragte Mor\u00e9aval mich.<\/p>\n<p data-p-id=\"b63c894d7a8855996d1fd288ff5c8c7b\">\u201eDer Regenbogenritter hat sie mit sich genommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bcaeba1aa7f729763210a7620304f34f\">\u201eWelche Schande&#8221;, sagte der <em>yarl <\/em>grimmig, \u201edass ich es nicht verhindern konnte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"12c1dc65ffbbdfb7822188d915db3a11\">\u201eIhr konntet nichts tun. Er war &#8230;&#8221;, ich suchte nach einer Formulierung, die seinen Heldenmut nicht schm\u00e4lern w\u00fcrde, \u201e&#8230; einfach besser ausger\u00fcstet. Er hatte ein <em>magisches <\/em>Schwert. Und ein Einhorn. Und &#8230; und er hat Euch verwundet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7506a8310f6dc9d1ddba0975d7adf5e3\">Mor\u00e9aval tastete nach seinem Hals. Seine dunklen Augen weiteten sich, als er die Narbe nachverfolgte und wohl realisierte, wo genau die Wunde verlief.<\/p>\n<p data-p-id=\"c48162bc2611ff769bf2e000f1ecea90\">\u201eWie kann es sein, dass ich lebe?&#8221;, fragte er dann leise. \u201eWie kann ich das <em>\u00fcberlebt<\/em> haben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5f765a824ebbeab6cce181656a3e58ab\">Ich schaute hilfesuchend zu Yalomiro hin\u00fcber. War das der richtige Moment, dem Ritter zu gestehen, dass er unsterblich war, solange Gor Lucegaths Schwert nicht geborgen wurde?<\/p>\n<p data-p-id=\"f2d5bbe834b93680ed041984a2763f6d\"><em>Nein, <\/em>h\u00f6rte ich Yalomiro. <em>Nicht, dass er leichtsinnig wird. <\/em>Laut sagte er: \u201eGen\u00fcgt es Euch, wenn ich Euch sage, dass ein wenig Magie Euch das Leben gerettet hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b45b28e1ecac9f46b1d829bf68679444\">Nun schaute Mor\u00e9aval noch verst\u00f6rter drein.<\/p>\n<p data-p-id=\"5415e13a40d297fc6ef69ab4a8191a55\">\u201eHerr J\u00f3ndere, mit Freuden w\u00fcrde ich Euch die Zeit g\u00f6nnen, Euch zu erholen und noch einige Tage hier zu verweilen. Aber ich muss Euch gleich auf die n\u00e4chste Reise schicken. Es dr\u00e4ngt mich, mir in Aur\u00f3p\u00e9a das Kind zur\u00fcckzuholen, das man uns gestohlen hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"44f1bb61c9277969882b33f958e620f2\">\u201eSelbstverst\u00e4ndlich.&#8221; Der Ritter senkte den Blick. \u201eKann ich dabei etwas mittun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"467a17713b426dda1bc4c3bb34a832ab\">\u201eJa. Aber nicht hier. Ich will, dass Ihr zu Eurer Familie zur\u00fcckkehrt, so schnell Euer Pferd zu laufen versteht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9cab64bba3bb8b4d25df53540e7e01e5\">\u201eIch werde nun nicht mehr in die Irre reiten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c1ab7e5ac6443495e73b53d0f767136\">\u201eNein. Euer Weg f\u00fchrt jetzt schnurstraks zu Eurer <em>h\u00fdardora<\/em> und der s\u00fc\u00dfen kleinen T\u00edjnje. Ihr m\u00fcsst so schnell wie m\u00f6glich den Boscarg\u00e9n verlassen und nach Hause, Herr J\u00f3ndere.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"984d3cb6168389b13411a21f20627b26\">\u201eJa&#8221;, sagte er. \u201eDas denke ich auch. Aber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bf4978d23de98ada5de788c450e29cb3\">\u201eIch gebe Euch ein Elixier, das Eure Kr\u00e4fte stabilisieren wird, bis Euer K\u00f6rper das N\u00f6tige nachgeholt hat. Versucht, noch bis zum Abend das Eisendorf zu erreichen. Kommt. Begleitet mich in Nokt\u00e1mas Heiligtum.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91702c477542d198ce0ad893e552913f\">\u201eIns <em>Heiligtum<\/em>?&#8221;, rief Mor\u00e9aval erschrocken aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"205e4d78cb7c3bdaaf99c586014c4213\">\u201eJa. In die Halle selbst darf ich Euch nicht f\u00fchren, aber unser Haus soll denen von Mor\u00e9aval in alle Zukunft eine Zuflucht und eine Herberge sein. Das ist etwas, was zuvor kein Unkundiger erlangt hat, nicht einmal die Herren von Althopian.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4f99b33e1fee47950811c86ce8f90b1e\">\u201eDas&#8221;, murmelte Mor\u00e9aval, \u201eist eine Ehre, derer ich unw\u00fcrdig bin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"02156fe25014a9e9555306fcf8c4eca3\">\u201eEs gen\u00fcgt, wenn Ihr vor den Unkundigen nicht allzu sehr damit prahlt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9ce9d3fc576292198f67df9ac2f7dc43\">Der Ritter nickte. Ich versuchte, zu verstehen, was f\u00fcr ein unfassbares Privileg es f\u00fcr ihn sein mochte, einen Ort zu betreten, der einem Wesen geweiht war, das sein ganzes Leben und Denken mitbestimmte. Sicher war das mehr, als ein Unkundiger erfassen konnte. Ich hatte mir nie besondere Gedanken dar\u00fcber gemacht, wenn ich dort herumlief. Es war Alltag f\u00fcr mich geworden.<\/p>\n<p data-p-id=\"df1c88c273dab4320e2414804a0e3cb4\">\u201eEuer Zeug habe ich in den Eta\u00edmalon gebracht&#8221;, sagte ich. \u201eUnd Euer Pferd kann nicht weit fort sein. Es pl\u00fcndert meine Beete. Wie lange ben\u00f6tigt Ihr, um Sattelzeug zusammenzuschnallen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f192eda614d467f136792d629b4b1805\">Yalomiro und Mor\u00e9aval schauten mich \u00fcberrascht an.<\/p>\n<p data-p-id=\"2989d598a363755ff6bbcbad2ac27099\">\u201eEs tut mir leid&#8221;, sagte ich. \u201eIch wusste nicht, wie ich das arme Pferd absatteln konnte. Da hab ich einfach alle Schnallen ge\u00f6ffnet, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"22e7af46927265124e486e782f24b672\">\u201eEs wird eine Weile dauern&#8221;, sagte Mor\u00e9aval tonlos. Allzu erfreut klang er nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"feab5dfc8f5797153df8f743fdb7726d\">Zu meiner \u00dcberraschung schien das Yalomiro, der es gerade noch so eilig gehabt hatte, zupass zu kommen. Er zeigte pl\u00f6tzlich diesen abwesenden, nachdenklichen Blick, den er immer hatte, wenn ihm eine Idee kam, die ihn herausforderte. Eine Aufgabe, die er meistern wollte. Das Silber in seinen Augen schimmerte auf. Dann zog er die Einhornfedern unter seinem G\u00fcrtel hervor und strich vorsichtig mit der Fingerspitze dar\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"97f198a8fa00b13000df51a55cefffb1\">\u201eLass Euch nur Zeit, Herr J\u00f3ndere&#8221;, sagte er dann. \u201eIch fertige Euch derweil ein Spielzeug.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0c5a71622661d38ff693f0b49da236ba\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"0e5d11acb74398c942e7a588922f27e3\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant hatte einige Zeit in Manj\u00e9vs Zimmer verbracht. Als das M\u00e4dchen endlich schlief, hatte die Mutter den ungl\u00fccklichen W\u00e4chter scharf ger\u00fcgt, unter dessen Blick die <em>teirandanja<\/em> entwischt war. Zwar ging die <em>teiranda<\/em> nicht davon aus, dass dem Kind in der eigenen Burg etwas zusto\u00dfen konnte, aber dass Kinder nachts ins Bett geh\u00f6rten, dieser Meinung war sie schon. Der junge Wachmann hatte den Tadel zerknirscht hingenommen und irgendetwas davon gemurmelt, dass man sich nicht mehr auskenne, welches Kind in der Nacht einherlaufen d\u00fcrfe und welches nicht. So erfuhr die <em>teiranda<\/em> davon, dass sich am Vorabend wohl jedes hochedle Kind der Burg, einschlie\u00dflich T\u00edjnje, um Manj\u00e9vs Gemach herumgetrieben hatte, sah man einmal von dem verschollenen <em>yarlandor<\/em> von Althopian ab.<\/p>\n<p data-p-id=\"49ad07401cadfd885d4503961017717e\">Nun sa\u00df K\u00edan\u00e1 von Wijdlant am Fenster des eigene Schlafgemaches, schaute, wie Patagh\u00edus Glanz sich von S\u00fcden \u00fcber den Himmel ausbreitet und h\u00f6rte ihrem <em>h\u00fdardor<\/em> zu. Asga\u00fd von Spagor neigte zum Schnarchen, ganz leise, ein Ger\u00e4usch, das die <em>teiranda<\/em> sehr sch\u00e4tzte und vermisste, wenn er aus irgendeinem Grund nicht bei ihr war. Es beruhigte sie, versicherte sie seiner N\u00e4he. Sie w\u00e4re gern noch eine Weile zu ihm unter die Decke gekrochen, aber sie war zu aufgest\u00f6rt, um zu schlafen. So, bef\u00fcrchtete sie, h\u00e4tte sie ihn m\u00f6glicherweise durch ihre Unruhe geweckt.<\/p>\n<p data-p-id=\"c5256d206bab72740c557ad27ce038ff\">Also sa\u00df sie da, schaute hinaus und beobachtete, wie die Burg zum Leben erwachte, da der neue Tag anbrach.<\/p>\n<p data-p-id=\"8ce8483aa8950560d321039640aee05b\">Noch bevor sich ein fr\u00fcher Knecht oder eine K\u00fcchenmagd zeigte, noch bevor sich ein Hahn meldete, erblickte sie eine kleine, d\u00fcnne Gestalt in einem bernsteinfarbenen Hausgewand, die sich eilig quer \u00fcber den Hof und auf das Wohngeb\u00e4ude zubewegte. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant runzelte die Stirn. Was mochte Osse Emberbey im Morgengrauen dazu bewegt haben, die G\u00e4stestube zu verlassen? Wusste der Junge etwa nicht, dass sich in jeder Stube ein Abtritt befand und war hinausgelaufen, um sich zu erleichtern?<\/p>\n<p data-p-id=\"588fa5420b928ef50028011d6fd482f1\">Im Bett regte sich der <em>teirand<\/em>. Asga\u00fd von Spagor tastete neben sich, stellte fest, dass der Platz seiner <em>h\u00fdardora<\/em> verwaist war und setzte sich auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"595330c4ced4c7b5b35ee8a845430f26\">\u201eGeliebte&#8221;, fragte er schlaftrunken, als er ihrer gewahr wurde. \u201eSo fr\u00fch schon wach? Treibt dich etwas um?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"db0640d46c0f6b85d6098051c8d3b09b\">\u201eJa&#8221;, sagte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant nachdenklich, ohne sich ihm zuzuwenden. Sie beobachtete, wie der junge Emberbey sich vorsichtig umschaute und dann ins Geb\u00e4ude schl\u00fcpfte. \u201eIch glaube, die Kinder verheimlichen uns etwas.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2550","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2550","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2550"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2550\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3781,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2550\/revisions\/3781"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2550"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2550"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2550"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}