{"id":2546,"date":"2025-08-25T12:45:37","date_gmt":"2025-08-25T10:45:37","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2546"},"modified":"2025-09-01T09:27:28","modified_gmt":"2025-09-01T07:27:28","slug":"069-die-maerchen-der-alten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/069-die-maerchen-der-alten\/","title":{"rendered":"069: Die M\u00e4rchen der Alten"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"c501b687d50a2d2fa70ff02ae62109c2\">Der Hahn in der Burg hatte einen erbitterten Streit mit einem angefangen, der auf einem der kleinen Geh\u00f6fte jenseits des \u00f6stlichen Hains am Rande der riesigen Planwiese leben mochte. Jeden Morgen wetteiferten die beiden V\u00f6gel, wer wohl die lautere Stimme hatte. Die <em>teiranda<\/em> wusste, dass nicht wenige Burgbewohner sich den Hahn in einer Suppe w\u00fcnschten und an manchen Tagen schloss sie sich dem an. Andererseits sorgte das brave Tier daf\u00fcr, dass niemand \u00fcber die Ma\u00dfen verschlief. Gerade heute h\u00e4tte sie das nicht brauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0e50e92d657bc3186c0aac3a010a2770\">Ihre Zofen warteten bereits im Gemach neben der Schlafkammer, um sie einzukleiden und ihr mit ihrer Frisur zu helfen. Aber die <em>teiranda<\/em> schickte die M\u00e4dchen zun\u00e4chst wieder fort. Sie hatte keine Zeit, zu warten bis ihr langes blondgraues Haar in ordentlichen Z\u00f6pfen lag. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant hatte sich gewaschen, ein ganz schlichtes Kleid \u00fcbergezogen und kaschierte die morgendliche Zerzaustheit mit einem goldbestickten Schleier aus hauchfeinem Stoff in zarten Bl\u00fctenfarben, rosa und wei\u00df und himmelblau. Das sch\u00f6ne Tuch, kam K\u00edan\u00e1 von Wijdlant in den Sinn, war einst ein Geschenk der <em>h\u00fdardora<\/em> von Wa\u00fdreth Althopian gewesen, nach der Mode, die die Damen in Iva\u00e1l trugen. Die <em>teiranda <\/em>betrachtete sich im Spiegel und seufzte. Mit der <em>yarlara<\/em> von Iva\u00e1l hatte sie sich in ausschweifenden Gespr\u00e4chen \u00fcber Gew\u00e4nder, Geschmeide und Sch\u00f6nheitsmittel verlieren k\u00f6nnen, eitle, alberne Plaudereien. All das erschien ihr nun so nebens\u00e4chlich, so sinnlos, da die sch\u00f6ne Dame aus dem fernen <em>yarlm\u00e1lon<\/em> tot und begraben war und ihre Sch\u00f6nheit sich im Fluss der Zeit, im fortschreitenden Weltenspiel zersetzen w\u00fcrde. M\u00f6ge sie hinter den Tr\u00e4umen geborgen sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"37c0d9897c8814150845fc13f9601828\">Asga\u00fd von Spagor hatte sie begleiten wollen, aber f\u00fcr ihn hatte die <em>teiranda<\/em> einen anderen Auftrag. Er sollte ihr einen Augenblick Vorsprung geben und dann das Seine tun. Und so wanderte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant in informeller Gewandung und weitgehend unbehelligt von Gesinde, das sein Tagwerk aufnahm, hin\u00fcber zu dem Geb\u00e4udefl\u00fcgel, wo <em>yarlay<\/em>, G\u00e4ste und die eigene Tochter ihre Stuben hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"60339e5b7247197f60c3cb6150fa4478\">Sie betrat den Korridor, wo der Wachmann m\u00fcde und mit sichtlich schlechtem Gewissen immer noch seinen Dienst versah. Die <em>teiranda<\/em> entlie\u00df ihn von seinem Posten, nicht ohne ihn noch einmal streng zu mehr Aufmerksamkeit zu ermahnen. Dann klopfte sie an die T\u00fcr nebenan.<\/p>\n<p data-p-id=\"21a701590e96009f6db50ffef65139f2\">Es dauerte nicht lange, bis Alsg\u00f6r Emberbey ihr \u00f6ffnete, sich beim unerwarteten Anblick seiner Herrin ganz offensichtlich erschreckte und auf der T\u00fcrschwelle artig niederkniete.<\/p>\n<p data-p-id=\"02e12959eb45419932d2b971d4e4692f\">\u201eGuten Morgen&#8221;, gr\u00fc\u00dfte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant den alten Ritter freundlich. \u201eBitte, erhebt Euch. Es gibt keinen Grund zur F\u00f6rmlichkeit. Ich w\u00fcnsche, Euren Sohn zu sprechen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6efa37df88a9b49b44897ced379c46d0\">\u201eHat er sich erneut ungeb\u00fchrlich betragen, Herrin?&#8221;, fragte Emberbey misstrauisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"6a2f55000f04a7ebd5cae5f58fe5a517\">\u201eNein. Wieso denkt Ihr da?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06e0d27cfb3c37d74e86506ac661e1b8\">\u201eIch habe keine Kenntnis davon, was er seit der fr\u00fchen Nacht getrieben hat. Durch Zufall bemerkte ich, dass er sich auf eigene Wege gemacht hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7472187e92263ccfe2d1116514de5949\">\u201eSoso&#8221;, sagte die <em>teiranda<\/em> mit geringer \u00dcberraschung.<\/p>\n<p data-p-id=\"29190a29894029f1c4ed2f93db1e4c88\">\u201eSolches pflegt er daheim nicht zu tun&#8221;, f\u00fcgte Emberbey hinzu. \u201eIch denke, jemand nimmt schlechten Einfluss auf ihn.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6c25fcae73e564060530c9f5be398ded\">\u201eHabt Ihr nach ihm gesucht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"18744615a71c54abf6e1694347cf2b93\">\u201eNat\u00fcrlich. Althopian und ich waren die sp\u00e4te Nacht hindurch unterwegs. Wir vermuteten, er habe Kenntnis vom Verbleib des jungen Althopian.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d6884701d95666f9b25ad168b4cb50d\">\u201eIch nehme an, Ihr habt beide nicht gefunden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"247d1f3429ee7f999f1d8000692ad3d6\">\u201eNein. Nat\u00fcrlich nicht. Majest\u00e4t, man k\u00f6nnte meinen, diese Burg verschlinge Kinder.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f2a04d4634103e2a47a02a3fe7eb0f5f\">\u201eMacht Euch keine Gedanken, Herr Alsg\u00f6r. Ich werde mich darum k\u00fcmmern. Euer <em>teirand<\/em> erwartet Euch, sobald Ihr f\u00fcr den Tag bereitet seid, im gro\u00dfen Audienzgemach in unseren R\u00e4umen. Bitte z\u00f6gert nicht allzu lange.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"deae9bad23fb8fb5ed3319c53f0fd3bc\">Er tat einen Schritt aus dem Raum heraus und schloss die T\u00fcr hinter sich. In der Tat, er war bereits in f\u00f6rmlicher Gewandung, wenn auch einiges von seinem zivilen Eisenzeug nicht ganz akkurat am Leib sa\u00df. Dabei half ihm gew\u00f6hnlich wohl der Sohn.<\/p>\n<p data-p-id=\"64f7d3cff7c06de60aa6983734613874\">\u201eIch bin bereits auf dem Weg&#8221;, sagte er, verneigte sich und ging stolz erhobenen Hauptes fort. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant blickte ihm einen Moment nach. War ihr nie zuvor aufgefallen, dass der alte Ritter gebeugt und mit kleineren Schritten ging? Sie nahm sich vor, Asga\u00fd zu bitten, dem betagten <em>yarl<\/em> in Ehren das Metall zu ersparen. Im gleichen Moment fragte sie sich, ob gerade diese R\u00fccksichtnahme den alten Mann kr\u00e4nken w\u00fcrde. Die M\u00e4nner waren so kompliziert in diesen Dingen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7b1d37841da76c53f7192a8df8c2424d\">Sie beschloss, sich sp\u00e4ter dar\u00fcber Gedanken zu machen und klopfte nun an die T\u00fcr des G\u00e4stegemachs von Wa\u00fdreth Althopian. Als ihr dort nicht geantwortet wurde, trat sie vorsichtig ein und schaute sich um. Sie hatte bef\u00fcrchtet, den vielleicht \u00fcberm\u00fcdeten Herrn im Schlaf oder beim Ankleiden zu \u00fcberraschen. Aber Althopian war gar nicht anwesend. Stattdessen ertappte sie Osse Emberbey, den vermissten Sohn, wie dieser stocksteif am Tisch sa\u00df und sie hinter seinen Brillengl\u00e4sern erschrocken anblickte, wie ein Kaninchen eine Schlange.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d68bbff8239e223f9ad0168f4be293b\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant schloss die T\u00fcr hinter sich. \u201eBleib sitzen, Osse Emberbey. Genau mit dir w\u00fcnsche ich zu reden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"48a43d3f66ef3892fedad216246d2f5e\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, stammelte der Junge, \u201eich &#8230; vergebt mir, Herrin. Ich &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f52583ff7b88e893b8bf9952a02ea635\">\u201eBei den M\u00e4chten, Junge, beruhige dich&#8221;, sagte sie sanft und zog sich den zweiten Stuhl heran. \u201eWir sind hier nicht in einer Audienz. Aber wieso bist du im Gemach von Herrn Wa\u00fdreth?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"09e91fff7d31a697df66715efe354c7a\">\u201eIch verstecke mich vor meinem Vater&#8221;, sagte Osse ebenso verlegen wie aufrichtig.<\/p>\n<p data-p-id=\"45117f949a498f9be1c9031e395a2e1d\">\u201eBei Herrn Wa\u00fdreth? Wei\u00df er, dass du in seinem Zimmer bist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6751fc20170adaf1f9a3b45eac287879\">\u201eJa. Er hat mir erlaubt, hier zu sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5241275878f637bdcf2d00a31857f534\">\u201eUnd wo ist er selbst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f91ac76542bd6f507c2176c2a8cd9d32\">Osse Emberbey blickte auf den Tisch nieder. Er sa\u00df vor einem auf Holz gemalten Bild. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant sah es kopf\u00fcber, aber sie erkannte, dass es ein Portr\u00e4t von Althopians Dame war.<\/p>\n<p data-p-id=\"cb6bce8c99674b5fac93ae188e0c76a2\">\u201eEr &#8230; sucht nach seinem Sohn.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"361139f520a74e4ebede324268bc5c7b\">Aha. Dann musste der Ritter das Geb\u00e4ude gerade in dem Moment verlassen haben, als sie mit ihren Zofen geredet und das Fenster aus den Augen gelassen hatte. \u201eHast du ihm einen Hinweis gegeben, wo er suchen muss?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d50845013fa4575d5933e2f214d4c414\">Er schwieg und litt offensichtlich Gewissensqualen dabei. Die <em>teiranda<\/em> sah das mit geringem Erstaunen.<\/p>\n<p data-p-id=\"805e77b181aef0cb689595de90a84d0b\">\u201eHat es etwas mit dem <em>Turmzimmer<\/em> zu tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e3e6d1e8f44bf1736877a2d529cdc25\">Nun schaute er ruckartig auf, die rauchfarbenen Augen hinter dem Glas entsetzt geweitet. Aber er stillschwieg tapfer.<\/p>\n<p data-p-id=\"8493b5dee556caa79346ad033b3f3df5\">\u201eMeine Tochter ist nicht im selben Raum mit dir, Osse Emberbey, falls deine Treue dir die Lippen verschlie\u00dfen sollte. Du kannst mit mir reden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e373d3064566b34270c10742ed194952\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, fl\u00fcsterte er, \u201ebitte, redet zun\u00e4chst Ihr mit der <em>teirandanja<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"abeaa0889464baf63c1f5557016df6de\">\u201eDas habe ich schon. Sie fragte mich nach eben diesem Zimmer aus und benahm sich insgesamt sehr verd\u00e4chtig. Und sie deutete an, dass du mit ihr \u00fcber das Zimmer geredet hast.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"01367ed350824f0ad4c5eeaab1492a9f\">\u201eIch wei\u00df nichts \u00fcber das Zimmer&#8221;, sagte er kleinlaut, \u201eau\u00dfer dem, was Ihr und der <em>teirand<\/em> gestern Mittag erw\u00e4hntet, als Meister Yalomiro Euch dorthin einlud.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"379ca6ed6935bf1d57fb532d96a1e58f\">\u201eUnd nun? Ist Wa\u00fdreth Althopian auf den Turm gestiegen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b78a569c702306cd71a6aea043228463\">Er nickte. \u00dcber die Zunge wollte es ihm nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"e046ee2ffc61831ee68aa7fef513ca83\">\u201eOsse Emberbey&#8221;, nahm sie ihn weiter ins Verh\u00f6r, denn eine ungute Ahnung, so absurd sie sich annahm, wandelte sich immer mehr zu einer Gewissheit. \u201eWo ist Merrit Althopian?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c9ad1ca698a89a2fcaf3f4f280b12f80\">\u201eMajest\u00e4t &#8230; versteht doch. Ich <em>darf<\/em> es Euch nicht sagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06e6cc740b2476de478d729f3c18c4a2\">\u201eGut, also sage ich es dir. So musst du es nicht aussprechen. Es ist Merrit Althopian irgendwie gelungen, das verschlossene Turmzimmer zu betreten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0d5077181894fc18554a60aefa799d80\">Er z\u00f6gerte. Dann nickte er, kaum dass man es sehen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"4ca2eefd93da70aa0b5602ce099f0790\">\u201eUnd meine Tochter wei\u00df davon?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7d4f41a98588ae634f34bbdaab259281\">Nun schwieg er. <em>Bei den M\u00e4chten<\/em>, dachte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant. <em>Er deckt Manj\u00e9vs Heimlichkeit und ist selbst v\u00f6llig ahnungslos!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"70899fb907487895f5be96becdce2628\">\u201eIch k\u00f6nnte daf\u00fcr sorgen, dass dein Vater dich nicht f\u00fcr deinen Ungehorsam bestraft&#8221;, sagte sie beil\u00e4ufig. \u201eWenn du mir ehrlich antwortest, Junge, w\u00fcrde ich dich stattdessen gut belohnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9c8d9aca9115f343b7b73ac518448580\">Nun sch\u00fcttelte er den Kopf und schaute, wie flehend, auf das Bild der sch\u00f6nen bunt gewandeten Dame, der toten Mutter seines wohl besten Freundes, der in Not war.<\/p>\n<p data-p-id=\"49b68aa4492d267a8dbbbcee05f9f37f\"><em>Unbestechlich<\/em>, dachte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant beeindruckt. Die <em>teiranda<\/em> begriff, dass der Junge sich in einem entsetzlichen Zwiespalt befand. Vermutlich hatte er Manj\u00e9v <em>schw\u00f6ren<\/em> m\u00fcssen, \u00fcber was auch immer die Kinder trieben, den Mund zu halten. Zugleich war Merrit Althopian offenbar in gr\u00f6\u00dferen Schwierigkeiten als man sich ausdenken konnte. Warum mussten die Kinder das unter sich halten? Hatten sie denn gar kein Vertrauen?<\/p>\n<p data-p-id=\"8c7ce866d149e4fe0b21329c54b589ca\">Aber wie sollte der Junge durch eine geschlossene T\u00fcr gekommen sein? <em>Wann<\/em> sollte das geschehen sein? Sicher erst, nachdem sie und Asga\u00fd am Abend zuvor &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"243c9263a924b5921b83640f0384ee4d\">Die <em>teiranda<\/em> erstarrte, als sie sich ins Ged\u00e4chtnis rief, wie br\u00fcskiert sie und ihr <em>h\u00fdardor<\/em> nach dem \u00fcberst\u00fcrzten, fast panischen Aufbruch, nein: buchst\u00e4blich sich-in-Schatten-aufl\u00f6sen des Magiers auf der Treppe gestanden hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"fbf2eb3f5dfe0b1d5ec1c1c76ed26988\">Hatten sie die T\u00fcr geschlossen?<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"a5bc061e7a0decd603b128744d653b45\">\u201eWo ist Althopian?&#8221;, fragte Asga\u00fd von Spagor, als Alsg\u00f6r Emberbey das Audienzzimmer betrat.<\/p>\n<p data-p-id=\"e87879033cf1c7af32b1d5fe81398113\">\u201eIch wei\u00df es nicht&#8221;, antwortete der alte Ritter, verneigte sich vor seinem Herr und begr\u00fc\u00dfte die beiden anderen Ritter, die bereits anwesend waren und wesentlich ausgeruhter aussahen als er selbst. \u201eIch denke, die <em>teiranda<\/em> schickt ihn alsbald hierher.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3f0dfa2f9c0ab9e4fb8d804f72d183fa\">\u201eWir k\u00f6nnen nicht auf ihn warten&#8221;, sagte der <em>teirand<\/em>. \u201eH\u00f6rt Ihr mir derweil schon einmal zu. Die <em>teiranda<\/em> hat einen recht sonderbaren Einfall gehabt, der uns vielleicht dazu bringt, den jungen Merrit Althopian wiederzufinden und endlich zu dem \u00fcberzugehen, weshalb wir Euch beieinander haben wollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"908800eaf31a90e819cf4350fab1d6e7\">Grootplen, Altabete und Emberbey schwiegen auffordernd. Asga\u00fd von Spagor lehnte sich in seinem Sessel zur\u00fcck und blickte in die Runde.<\/p>\n<p data-p-id=\"e049f8e0d9602890755a545fa5596286\">\u201eIch m\u00f6chte, dass Eure S\u00f6hne heute von allen Pflichten und Pl\u00e4nen befreit sind. Dasselbe gilt f\u00fcr die <em>teirandanja<\/em> und T\u00edjnje. Die Kinder sollen sich vollkommen frei und nach ihrem Willen bewegen k\u00f6nnen. Grootplen, Ihr regelt das mit dem Kampf- und Reitlehrer, Altabete, Ihr bes\u00e4nftigt den <em>mestar<\/em> und die <em>opayra<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0db0ee52db080248a9da76dec00f158e\">\u201eHerr&#8221;, warf Emberbey ein, \u201egibt es einen Grund, die Kinder solcherma\u00dfen zu belohnen? Der meine jedenfalls benimmt sich derzeit ganz und gar nicht geziemlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b77bca673abb10c926961218e1289c7b\">\u201eMacht Euch nichts daraus&#8221;, sagte Grootplen unbeeindruckt. \u201eEs ist nicht un\u00fcblich, wenn die Kinder ihren eigenen Kopf entdecken und Unfug treiben. Mit L\u00e1as habe ich meine liebe Not gehabt, als &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"90040ace570eeceeff1ca1ae69755363\">\u201eNein, Emberbey, keine <em>Belohnung<\/em>&#8220;, sagte Asga\u00fd von Spagor, bevor sein strenger <em>mynstir<\/em> ausschweifende Ratschl\u00e4ge erteilen konnte. \u201eDie <em>teiranda<\/em> w\u00fcnscht, dass wir die Kinder laufen lassen und genau beobachten, was sie tun.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c5b91d21b84fbab35604fbfddb785fbc\">\u201eErkl\u00e4rt uns das, Herr&#8221;, verlangte Altabete. \u201eDenn ich verstehe den Sinn nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"37dbc11848b56ba12c435cc7736bd855\">\u201eOffenbar hatte meine Tochter in dieser Nacht einen wunderlichen Traum, der meine <em>h\u00fdardora<\/em> zutiefst beunruhigt hat. Nachdem wir Meister Yalomiro dazu nicht befragen k\u00f6nnen, h\u00e4lt sie es f\u00fcr eine kluge Idee, den Dingen freien Lauf zu lassen, um das R\u00e4tsel zu entschl\u00fcsseln.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"148e4ca6af5217a0ffabd1cf37b4b007\">\u201eWir beobachten sozusagen die Folgen des Traumes eines Kindes?&#8221;, fragte Grootplen am\u00fcsiert.<\/p>\n<p data-p-id=\"08032397beb6457abcc87c0ed3854e6b\">\u201eWir deuten das, was die M\u00e4chte geschehen lassen, genau so. Zumindest, bis wir verstehen, was wir selbst in der Sache unternehmen k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"97fa5c9b5e7423054413db3c628defeb\">Die drei Ritter verneigten sich. Von ihrem <em>teirand<\/em> waren sie solch seltsame Ideen gewohnt. Zugegeben: Ein Kind, das in einer belebten Burg voller Menschen so spurlos verschwinden, kurz auftauchen w\u00fcrde wie ein Phantom und dann wieder verloren gehen konnte, das war etwas, das nicht alle Tage geschah.<\/p>\n<p data-p-id=\"f4a02499af4f31a48f18cc2f5cf2bd44\">\u201eK\u00edan\u00e1 glaubt, dass die Kinder etwas wissen, es uns aber nicht anvertrauen wollen oder k\u00f6nnen&#8221;, schlo\u00df Asga\u00fd von Spagor. \u201eAber vielleicht f\u00fchren sie uns ungefragt zum Ziel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"44873981557f463432ac28fff06120e8\">So unerwartet ihr Erscheinen gewesen und so sehr sie ihn zun\u00e4chst erschreckt hatte \u2013 es dauerte keinen halben Gongschlag, und Advon war sich sicher, die Freundin gefunden zu haben, nach der sich immer gesehnt hatte. Zumindest seit dem Zeitpunkt, zu dem ihm bewusst geworden war, dass er allein als Kind im Ciel\u00e1stel lebte und kein Gleichaltriger in der N\u00e4he war, es nie sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"338341ec795642a7bc8e339cb7cfad28\">Nun, nat\u00fcrlich war die Behauptung, sein Vater habe sie aus ihrem fernen Zuhause entf\u00fchrt, der Mutter einfach weggenommen, v\u00f6llig absurd. Advon war sich sicher, dass es ein Missverst\u00e4ndnis war, dass C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor sie in Wirklichkeit vor einer T\u00e4uschung, vor einem gro\u00dfen Blendwerk bewahrt hatte. Aber was machte das schon aus?<\/p>\n<p data-p-id=\"8d1382acb38fcf521184ca8d08dde5b0\">Vielleicht war tats\u00e4chlich ein hinterlistiger, ein verderbter Schattens\u00e4nger ihr Vater. Ihre Herkunft stellte Advon nicht in Frage, so fremd, so dunkel und geheimnisvoll sah sie aus. Aber es war eine gute Art von Dunkelheit, wie die k\u00fchle Nacht \u00fcber der hei\u00dfen W\u00fcste, die die Glut linderte, die Patagh\u00edu im Sommer \u00fcber das Land brachte.<\/p>\n<p data-p-id=\"908906d3ebc3291e5e99923d1c5b6fe1\">Sie stand wieder am Fenster, redete mit ihm, aber er h\u00f6rte nicht auf ihre Worte. Dazu war er zu sehr abgelenkt. Die Weite, der Sand von Soldes\u00e9r hinter der W\u00fcste, das schien sie zu faszinieren. Ihre hellgr\u00fcnen Augen suchten die Weite ab und waren voller Ehrfurcht.<\/p>\n<p data-p-id=\"97ee7a72a442ac8c5e44ee9e57c0ddfc\">\u201eDas ist fast wie das gro\u00dfe weite Meer&#8221;, sagte sie. \u201eNur mit Sand statt mit Wasser.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7887e9eb23311010c253d149dd51fade\">\u201eWarst du schon einmal am Meer?&#8221;, fragte er vertr\u00e4umt. Das Meer, das war am anderen Ende der Welt, so unfassbar weit entfernt.<\/p>\n<p data-p-id=\"9090739ba96ac254211325a308f6546a\">\u201eNein&#8221;, sagte sie. \u201eAber ich wei\u00df ganz genau, wie es da aussieht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd88dd593e1d64f1b6063eeea396556d\">\u201eIch will das Meer auch einmal sehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"523969be02f3803b09a1e36ac9f771d0\">Sie wandte sich ihm zu. \u201eWirklich? Ich dachte, deine Leute f\u00fcrchten das Wasser.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b35395be7a6b723d5fb08e100acd1d5a\">\u201eIch nicht. Aber ich sehe tagein, tagaus nichts weiter als die W\u00fcste und vielleicht mal etwas von der Gegend um Aur\u00f3p\u00e9a herum. Das kann nicht alles sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bb00001eb9a5bcc97df3bffd8973c693\">\u201eIst es nicht. Es gibt so viel mehr. Dein Vater hat es mir gezeigt, wir sind dar\u00fcber hinweg geflogen. Und in der anderen Richtung, da ist das gro\u00dfe Gebirge. Aber am sch\u00f6nsten ist es im Boscarg\u00e9n. Am See in unserem Wald.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"071c370bd21b101bc2707ae6b3789652\">\u201eWald &#8230; wie ist es in einem Wald?&#8221;, fragte Advon. Er wusste, was ein Wald war, aber er kannte nur die Haine und G\u00e4rten mit ihren lichten B\u00e4umen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9c131e01615b429176f2f2dfed05ccff\">\u201eK\u00fchl&#8221;, erz\u00e4hlte sie. \u201eAuch an ganz hei\u00dfen Tagen wird es da nie zu warm. Die Luft riecht anders. Und alles ist voller gr\u00fcner Schatten und flimmerndem Licht. Und die B\u00e4ume &#8230; die sind mindestens so hoch wie der Turm hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f7bad298125d73a302a43293ab3e535\">\u201eJetzt flunkerst du.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d3e1a4867d6ec1a0bcd9158305dac966\">Sie lie\u00df die Schultern h\u00e4ngen. \u201eNun ja. Sie sind jedenfalls sehr hoch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b6c3cd65671a08b399f1a53449c6d0c3\">\u201eW\u00e4lder sind gruselig, sagt Papa. Da sind lauter R\u00e4uber und wilde Tiere drinnen, haupts\u00e4chlich hungrige Wildw\u00f6lfe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"69ee0584bc3c8bbe551ddde0638c61b7\">\u201eAch was. Solange man nicht die Kuchenh\u00e4user aufisst, passiert nichts.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"708f7e2a68cb4d2b2bd6ea2a257bd578\">\u201eWas sagst du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0810c178fe73be94decb932ce5c7ce81\">\u201eDer Wald passt auf einen auf. B\u00e4ume sind gut. Mein Papa sagt &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3256a94d5e71f7a8968d9a02c52488ef\">\u201eNein, ich meine &#8230; was f\u00fcr <em>Kuchenh\u00e4user<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"33354672520c7576eaa9e6ee3ef85d6f\">\u201eOh. Also, in manchen W\u00e4ldern, da wohnen seltsame alte Frauen, die Kinder fangen und essen wie die Wildw\u00f6lfe. Wildw\u00f6lfen darf man tats\u00e4chlich nicht trauen, wenn sie einem den Weg erkl\u00e4ren, denn dann sind sie darauf aus, die Gro\u00dfmutter zu fangen. Jedenfalls, die alten hungrigen Frauen wohnen in H\u00e4usern aus Kuchen und Brot und Keksen, aber nur, um damit Kinder anzulocken, die sich im Wald verlaufen haben. Und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ecc81d1e1dea2fab4f02e6612568585\">\u201eIst das nicht komisch? Wenn sie sie doch so hungrig sind, warum bauen sie ein ganzes Haus aus Brot, statt selbst davon zu essen? Wozu der Aufwand?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0a1ce0877b89e32fa475b681b7edf15\">D\u00fdamir\u00e9e stutzte und kletterte vom Fensterbrett hinab. \u201eStimmt. Dar\u00fcber hab ich noch gar nicht nachgedacht. Ich fand nur, man darf nicht ohne Erlaubnis H\u00e4user essen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cc54f1d39502d7944c59179bebb7e97b\">\u201eMein Papa sagt&#8221;, erkl\u00e4rte Advon, \u201edie alte Hexe kann Backwerk nicht vertragen und bekommt Bauchweh von Kuchen. Aber irgendwas musste sie mit all dem Zeug machen, und dann hat sie eben darin gewohnt.&#8221; Er z\u00f6gerte kurz und f\u00fcgte hinzu: \u201eIch glaube, das hat er sich ausgedacht, weil er keine Antwort wusste.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec4ab0d89319cb0e6278863a4c3aa98c\">\u201eDein Vater kennt die Geschichte von der alten Frau mit dem Kuchenhaus und den Kindern im Wald auch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"934e5f1d6d0ea8c7519d7fbc1f3b1596\">Advon nickte. \u201eJa, und noch eine Menge mehr. Mein Papa kann fast so gut erz\u00e4hlen wie ein <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Aber ich glaube, er bringt alles durcheinander.&#8221; Er grinste und f\u00fcgte hinzu: \u201eIch glaube, Sileda\u00fa w\u00fcrde gut in so ein Kuchenhaus passen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"72948c84c72f90729cb52522ecf1f1e3\">D\u00fdamir\u00e9e kicherte. \u201eHat sie versucht, dich aufzuessen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"21f4d2acec432b7b7b17afb94b24ea6a\">Advon dachte nach. Irgendwie kam ihm das nicht so absurd vor, wie es klang.<\/p>\n<p data-p-id=\"4c4471576ee37fb3dfa6bde79314f45e\">Das Schattens\u00e4ngerkind ging hin\u00fcber zum Tisch, wo noch immer das alte Buch aufgeschlagen lag. Sie warf einen Blick auf den gedruckten Text, ohne zu lesen. \u201eIch habe immer gedacht, nur meine Mama h\u00e4tte so seltsame Geschichten bei sich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a5f1bf8c3a52ba948b90de690fe11016\">\u201eVielleicht haben sie sie einmal im selben Buch gelesen oder von einem <em>b\u00e1chorkor<\/em> geh\u00f6rt. W\u00e4re doch m\u00f6glich, oder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1cf264c4fa1598adb59b23147938af79\">Sie antwortete ihm nicht, aber wenn er es recht bedachte, erschien ihm diese Idee doch recht unwahrscheinlich. Aber sie war schon weiter mit ihren Gedanken.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f707f3938317adb0c7be8e81d46cc93\">\u201eWenn du mit deinem Einhorn in die W\u00fcste reitest, nimmst du mich mit?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ac93018ed3510f76f8713b369c148cc7\">Advon z\u00f6gerte. Es war schon keine gute Idee, ohne Wissen der Eltern heimlich mit Farbenspiel loszuziehen. Er hatte sich bislang nicht einmal Gedanken machen k\u00f6nnen, wie er das Einhorn unbemerkt aus dem Stall und der Sicht der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> bringen konnte. Nur den Zeitpunkt hatte er sich gew\u00e4hlt. Wenn der gr\u00e4ssliche alte \u00daldaise in den Ciel\u00e1stel kam, dann waren sie alle abgelenkt. Dann war die Chance am besten. Aber wenn er nun noch das M\u00e4dchen in seinen Plan einbeziehen musste &#8230; und wenn es gef\u00e4hrlich wurde, dann &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"e0c3aed2fcfe43faeb2223164b2461c7\">\u201eNur&#8221;, h\u00f6rte er sich sagen, \u201ewenn du mir versprichst, alles so zu machen, wie ich es sage. Und wenn ich nicht auf dich warten muss. Und du es dir nicht anders \u00fcberlegst. Und &#8230; und wenn du keine Angst hast.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e08ff07360132dc0c158624334d2618d\">Je mehr er sprach, desto mehr l\u00e4chelte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"f4847435a611ed33bd8d639471c76975\">\u201eIch nehm dich mit&#8221;, versprach er, und im selben Moment riss Sileda\u00fa die T\u00fcr auf und war mit einem erstaunlich beh\u00e4nden Schritt bei ihnen am Tisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"7a2c44f4ffcb8f7768dbaeb48f7e72a1\">\u201eNun?&#8221;, fragte die alte Frau und fixierte D\u00fdamir\u00e9e mit einem schneidenden Blick aus tr\u00fcben Augen, \u201ehabt ihr euch miteinander bekannt gemacht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c33b20648ae2e1debbacdc88bc0d57dd\">\u201eSie ist nett&#8221;, sagte Advon \u00fcberrumpelt.<\/p>\n<p data-p-id=\"a18c29b2083bca64766801f733121bab\">\u201eSch\u00f6n. Dann bist du also genauso t\u00f6richt wie dein Vater und f\u00e4llst auf die Falschheit und Verf\u00fchrung der Schwarzgewandeten herein, die eure \u00e4rgsten Feinde sind.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5fcd8905e96df17c86ac4054827c29a8\">Advon zuckte zusammen. \u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5f5876cbfc10c3a1c4d97b53c52f18c0\">\u201eDas ist nicht wahr!&#8221;, begehrte D\u00fdamir\u00e9e auf. \u201eWir sind keine Feinde! Ich mag ihn!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6fc8128856ed4abfbed49a25f3421f28\">\u201eSpar dir das f\u00fcr sp\u00e4ter auf!&#8221; Die Alte packte das M\u00e4dchen mit d\u00fcrren Fingern grob am Oberarm und zog es vom Sessel. \u201eDu kommst jetzt mit. Ich habe einen besseren Ort gefunden, an dem du bis auf Weiteres bleiben kannst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b3a78df6ec79c184dd85ea0fb73432b7\">\u201eIch will, dass sie hier bleibt!&#8221;, protestierte Advon.<\/p>\n<p data-p-id=\"3d1547b1e8a25c76b4626cdda46e6432\">\u201eSchlag dir das aus dem Kopf, Junge! Reicht es denn nicht, wenn dir die paar Augenblicke schon den Kopf verdreht haben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d35e93e34fdca1cfb6be9e965af6c442\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c298493cee29d6dd75c528fd6e862599\">\u201eVergiss nicht deine Lekt\u00fcre! Hundert Seiten. Wenn ich zur\u00fcckkomme, frage ich dich ab! Und du, komm mit!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ec6e7771ab57246cba26f49346f9dfb\">Sie zerrte D\u00fdamir\u00e9e mit sich und aus dem Zimmer. Das M\u00e4dchen setzte sich zur Wehr, aber Sileda\u00fa schien ihn ihrer v\u00f6llig unverst\u00e4ndlichen und \u00fcbertriebenen Wut gro\u00dfe Kraft zu haben. Bevor Advon um den Tisch herum und mutig hinter den beiden her war, schlug die T\u00fcr schon wieder zu und ihm ins Gesicht. Der Junge kam zu Fall und fand sich benommen auf dem Boden sitzend wieder. Auf der anderen Seite der T\u00fcr, , die erneut abgeschlossen wurde, h\u00f6rte er D\u00fdamir\u00e9e kreischen und toben, dann ein Klatschen, und das M\u00e4dchen verstummte.<\/p>\n<p data-p-id=\"5d9a8814ca8d3dc047f9e9481d36db6f\">Advons Herz klopfte ihm bis zum Hals. Er legte bang das Ohr an die T\u00fcr. Hatte die Alte es etwa gewagt, das Schattens\u00e4ngerkind zu <em>schlagen<\/em>? Einen Moment blieb es totenstill. Dann entfernten sich Sileda\u00fas energisch schlurfende und D\u00fdamir\u00e9es barf\u00fc\u00dfige Schritte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c68fb4870ae8ba083ccdbab4b391f5a0\">Advon lehnte sich mit dem R\u00fccken gegen das Holz und versuchte, seinen Atem unter Kontrolle zu bringen. Das pl\u00f6tzliche Auftauchen der Alten hatte ihn nie zuvor so verschreckt und ver\u00e4ngstigt wie jetzt. Ja, dieses boshafte Weib, das passte in die bizarren M\u00e4rchen des Vaters, und wenn sie tats\u00e4chlich die kleine Schattens\u00e4ngertochter in ihrer Gewalt hatte, dann lag es an ihm, sie zu befreien wie es sich f\u00fcr einen tapferen Helden geh\u00f6rte.<\/p>\n<p data-p-id=\"83116f63e5bc5c1d95ddcb7ca93a2e9c\">Einfacher w\u00e4re es nat\u00fcrlich, Sileda\u00fa bei den Eltern anzuschw\u00e4rzen. Die Mutter w\u00fcrde es nicht leiden k\u00f6nnen, dass die alte Frau so grob war. Dass sie das M\u00e4dchen in ihren Besitz brachte wie eines der alten B\u00fccher oder Werkzeuge der <em>camat&#8217;ay<\/em>. Sobald Sileda\u00fa ihn gehen lie\u00df, w\u00fcrde er es tun. Er w\u00fcrde Vater und Mutter berichten und die Alte anklagen. Und was immer die Prophezeiung an D\u00fcsternis vorhergesagt hatte, er war bereit, sich zu stellen. Diesmal ganz bestimmt!<\/p>\n<p data-p-id=\"1be946560aaf545bc465f50f0f9b281f\">Advon rutschte zu Boden und begann, zu weinen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2546","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2546","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2546"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2546\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3825,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2546\/revisions\/3825"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2546"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2546"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2546"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}