{"id":2529,"date":"2025-08-25T12:30:01","date_gmt":"2025-08-25T10:30:01","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2529"},"modified":"2025-09-01T09:19:32","modified_gmt":"2025-09-01T07:19:32","slug":"052-altes-eisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/052-altes-eisen\/","title":{"rendered":"052: Altes Eisen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"c2d1bc71946f317b43c7c28a78ec6c7a\">L\u00e1as stand auf der Treppe, die im Turm von der Ebene hinter dem Hocheingang hinab in den Keller f\u00fchrte und horchte. Der Junge fragte sich, ob es J\u00e1ndris wohl gelingen w\u00fcrde, Merrit Althopian abzulenken, bis sie sicher sein konnten, dass die <em>teiranday<\/em> das Geb\u00e4ude wieder verlassen hatten. Die beiden hatten sich mit dem arglosen Gast vorsorglich schon vor den Majest\u00e4ten in den Turm begeben, aber zun\u00e4chst im unteren Bereich aufgehalten, um nicht vor der Zeit entdeckt zu werden.<\/p>\n<p data-p-id=\"732a798f24e59a291d750bf99dc5e259\">L\u00e1as Grootplen war \u00fcberrascht gewesen, wie gut das gegl\u00fcckt war. Dieser Merrit Althopian schien, ungeachtet seiner verst\u00f6renden Angriffslust, ein recht einf\u00e4ltiger Kerl zu sein. Oder nein &#8230; <em>einf\u00e4ltig <\/em>war nicht das richtige Wort. Der Junge war auf gar keinen Fall ein Dummkopf. Aber dass er ihnen so bereitwillig gefolgt war, um herauszufinden, wie er die <em>teirandanja<\/em> bes\u00e4nftigen konnte, war leichtsinnig. In Anbetracht dessen und J\u00e1ndris eine potenziell rachs\u00fcchtige \u00dcbermacht darstellten, schien der <em>yarlandor<\/em> von Althopian erschreckend naiv und arglos zu sein. Oder, das war nicht auszuschlie\u00dfen und \u00e4u\u00dferst beunruhigend, er war sich seiner Unbezwingbarkeit bewusst.<\/p>\n<p data-p-id=\"ff6d43168e4e17632044ff50fa456daf\"><em>Unsinn. Er ist ein Wiegenkind,<\/em> sagte L\u00e1as Grootplen sich. <em>Er ist vier Sommer j\u00fcnger als du.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"915e67a8cc67013e8c7727c5645eb8db\">Vor vier Sommern, musste er sich eingestehen, h\u00e4tte er sich wohl auch geehrt gef\u00fchlt, wenn ein \u00e4lterer Junge sich mit ihm abgegeben h\u00e4tte. Als er und J\u00e1ndris vor drei Sommern ihre Eltern einmal zu einem prunkvollen, gro\u00dfen <em>v\u00e1sposar<\/em> begleitet hatten, waren ihnen die \u00e4lteren <em>yarlandoray<\/em> beeindruckend und gro\u00dfartig vorgekommen. Insbesondere der Sohn von <em>yarl <\/em>Tjiergroen aus dem <em>teirandon <\/em>Valvivant hatte ihnen imponiert.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec92063ff8ced4fe395c52919c04c75e\">L\u00e1as lauschte nach oben. Die T\u00fcr, die die Keller von der Treppe trennte, hatten sie halb ge\u00f6ffnet, um das Knarren der h\u00f6lzernen Treppenstufen oben im Turm und des Gel\u00e4nders nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, sobald K\u00edan\u00e1 von Wijdlant und Asga\u00fd von Spagor wieder hinabsteigen. Doch das dauerte nun schon so lange, dass zu bef\u00fcrchten stand, dass der Junge bald endlich wissen wollen w\u00fcrde, warum sie ihn denn nun in den Turm gef\u00fchrt hatten. Verkauft hatten sie ihm das zun\u00e4chst als eine Besichtigung der spannendsten Teile der Burg. Nachdem er am Vortag doch sicher keine Gelegenheit gehabt hatte, sich an der St\u00e4tte seines k\u00fcnftigen Wirkens umzuschauen, w\u00fcrde ihn das Bauwerk, der \u00e4lteste Teil der Burg, ihr Herzst\u00fcck, doch bestimmt interessieren, hatten sie ihn gelockt.<\/p>\n<p data-p-id=\"8993705ba0cde6918ea4321a8b09c1b8\">Vorerst war Merrit Althopian abgelenkt. An den Gew\u00f6lbekellern mit den Vorr\u00e4ten und F\u00e4ssern unter der Burg hatte der Junge wenig Interesse gezeigt. Umso faszinierter war er von dem alten Krempel, der in den ehemaligen Verliesen in der unterirdischen Basis des Turmes lagerte. J\u00e1ndris hatte seine Burgf\u00fchrung mit einer grausigen und gruseligen Geschichte \u00fcber die Kerker und die Schicksale der Gefangenen in den Zeiten der Chaoskriege beginnen wollen, gekr\u00f6nt von den Ger\u00fcchten \u00fcber einen Geheimgang, der zu einem verborgenen Schatz f\u00fchrend sollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"806b76f4dcf3834f7c9a78a87f3a637f\">Dann aber hatte Merrit Althopian in einer der l\u00e4ngst aufgegebenen Zellen mit ausgeh\u00e4ngter T\u00fcr ein Arsenal von ausrangierten, besch\u00e4digten und altmodischen Waffen entdeckt. Dort stand er nun mit J\u00e1ndris im Schein ihrer Laternen schon eine ganze Weile und war entz\u00fcckt wie ein kleines Kind in einem Raum voller Zuckerwerk.<\/p>\n<p data-p-id=\"fa899fbec70127436ca7d12812d3c89d\">\u201eWarum liegt das alles hier herum?&#8221;, hatte er gefragt und staunend und mit vorsichtigen Fingern uralte Spinnweben zwischen Hellebarden, Piken und Bidenh\u00e4ndern weggestrichen, die in einem wackeligen Gestell seit sicher mehr als hundert Sommern hier vor sich hin rosteten.<\/p>\n<p data-p-id=\"cab3731dcd2bc8139e00a78adc1ed24f\">\u201eNa ja, das ist alles kaputt und nicht mehr zu gebrauchen. Vielleicht wollten sie irgendwann mal die Eisenteile erneuern. Aber guck mal, hier.&#8221; J\u00e1ndris hatte die Laterne nahe an eine Klinge herangef\u00fchrt. \u201eDas Ding ist <em>Abfall<\/em>. Das bekommt kein Schmied mehr hin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0d2c3d15966d51317afe023797ac4dff\">\u201eUnserer schon&#8221;, behauptete Merrit. \u201eDer sagt immer, Eisen altert nicht. Man muss nur wissen, wie es geht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6000502cfc381365357e53de7734f9d5\">\u201eEinen guten Schmied kann man nicht genug wertsch\u00e4tzen. Das sagt mein Vater auch immer. In Altabete haben wir eine Schmiede, da arbeiten drei Meister unter einem Dach, einer aus Ov\u00e9stola. Die haben zusammen f\u00fcnfzig Lehrlinge und Gesellen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9096862369c56bd3f5ba1aefc6b29b90\">\u201eGro\u00dfartig!&#8221; Merrit Althopian lauschte begierig J\u00e1ndris&#8217; stark \u00fcbertriebener Prahlerei und schaute die ausgemusterten Waffen durch. Eine entdeckte er, die er fast ehrf\u00fcrchtig aus dem Regal nahm. \u201eAber der hier ist doch noch gut!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1e71d9b5f29301328b4860f529c6ebc4\">\u201eWenn du damit einmal zuschl\u00e4gst, blendest du den Gegner vielleicht mit einer Wolke aus Rost.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cd00eeac3647f0a689b207a6c2fc6dde\">\u201eAber nein. Der ist einwandfrei. Muss nur poliert werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b8b029c040a7ebefe10a3d4e92bcd5a\">L\u00e1as entschied sich, seinen Lauschposten vorerst aufzugeben. Er wollte wissen, was der Kleine da so Interessantes gefunden hatte. Zu seinem Erstaunen war es nur ein einh\u00e4ndiger Streitflegel mit einer m\u00e4nnerfaustgro\u00dfen, dornenbesetzten Eisenkugel an einer Kette. Einige der Stacheln waren zernagt von Rost und abgebrochen. Das altmodische Ding war so schwer, dass Merrit Althopian es zwar beinahe z\u00e4rtlich in H\u00e4nden halten, aber keineswegs benutzen k\u00f6nnen w\u00fcrde. Das war fast niedlich anzuschauen.<\/p>\n<p data-p-id=\"157906e15c43dd0dcb08c5a6bbacb243\">\u201eWenn du willst, nimm es mit. Ich denke, den braucht wirklich keiner mehr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"40d5e1199274d358183aa6ea37106243\">\u201eWirklich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a55751124f290fdb4cda605ad8e4bde8\">\u201eSicher.&#8221; Vielleicht w\u00fcrde ein Geschenk den Jungen noch zutraulicher machen.<\/p>\n<p data-p-id=\"03508a40994c06f6257d0c012699bbb7\">\u201eSelbst wenn er in Ordnung w\u00e4re, der ist doch noch viel zu schwer f\u00fcr dich. Was willst du damit?&#8221;, fragte J\u00e1ndris kopfsch\u00fcttelnd.<\/p>\n<p data-p-id=\"044ff6157f04d864d796cda660a8578f\">In die eisfarbenen Augen des Knaben trat ein vertr\u00e4umter Ausdruck, und zwar der eines Fiebertraumes.<\/p>\n<p data-p-id=\"5b10dc512b38186f51b16fa2df02c94e\">\u201eChaosgeister besiegen&#8221;, sagte er geistesabwesend.<\/p>\n<p data-p-id=\"11b2cc7d8cf81f6faf0188a285889494\">J\u00e1ndris warf L\u00e1as einen vielsagenden Blick zu. Kein Zweifel \u2013 Merrit Althopian war <em>verr\u00fcckt<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"37fbe8b41fc668437a8433afb96189cc\">Ein ged\u00e4mpftes Ger\u00e4usch im Hintergrund lenkte sie ab. Die Au\u00dfent\u00fcr des Turmes war zugefallen. Der \u00e4ltere Junge nickte seinem Kameraden zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"d12511af768ecad68eee8191768671a3\">\u201eUm auf die <em>teirandanja<\/em> zur\u00fcckzukommen&#8221;, begann J\u00e1ndris, \u201ewas h\u00e4ltst du davon, ihr eine gro\u00dfe Freude zu bereiten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"347fd555af850f20d875e99671d32a83\">\u201eDas w\u00fcrde sie sicherlich milde stimmen&#8221;, setzte L\u00e1as hinzu.<\/p>\n<p data-p-id=\"f75af16b02de40ec3d3d6a894105c277\">\u201eIch h\u00f6re&#8221;, sagte Merrit sachlich und versuchte, den Streitflegel und die Kette irgendwie an seinem G\u00fcrtel zu befestigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"43f0f1656a15036cd6c8f0eb7f33ddbe\">\u201eOben hier im Turm&#8221;, begann J\u00e1ndris, eine neue Geschichte zu spinnen, \u201egibt es ein Gemach, in das wir nicht hineind\u00fcrfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"54e0f1c9afb3b0d3dffdb5d2634decf8\">\u201eWarum denn nicht? Wohnt dort jemand?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"697b74388a8f22f791f8b47a2eacec55\">\u201eNein. Aber die <em>teiranday<\/em> haben ausdr\u00fccklich verboten, dass ein Bewohner dieser Burg dort hinein geht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"786d146b6f126505ff87c15b8e70d201\">\u201eBei strenger Strafe&#8221;, erg\u00e4nzte L\u00e1as.<\/p>\n<p data-p-id=\"79728054f2c5c39774e5046775b0799c\">\u201eWei\u00dft du, was das bedeutet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bcda81c12c1b239dd60f566e2b4dc263\">\u201eSie werden ihren Grund daf\u00fcr haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e732e49af6ef3315fc879d786c40ba7e\">L\u00e1as neigte sich vor und fl\u00fcsterte: \u201eSie <em>verstecken<\/em> etwas darin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"41481b63574bcd396a4221202f4279de\">\u201eVielleicht einen Schatz!&#8221;, sagte J\u00e1ndris.<\/p>\n<p data-p-id=\"aed3dd5d42d0a8724ef782feae122ac6\">\u201eAber hast du nicht gerade gesagt, der Schatz w\u00e4re im Geheimgang hier unten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d810aa1ca4e73cc1f658a9502be831da\">\u201eNicht <em>dieser<\/em> Schatz.&#8221; J\u00e1ndris winkte ab. \u201eDenkst du, in der Burg eines <em>teirandon<\/em> gibt es nur einen Schatz?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"495a1f0f1886667aeffc806acf5a8038\">\u201eUnd was hat das mit der <em>teirandanja<\/em> zu tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3da2407b96774b2f9bc18d4dd074f3e1\">\u201eNun &#8230; die <em>teirandanja<\/em> liegt uns schon seit ewig in den Ohren damit, sie wisse zu gern, was sich in diesem verbotenen Zimmer verbirgt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ce92d3a8a9a9e9ad1a507492ac4272d7\">Das war nicht einmal gelogen. Bei irgendeiner Gelegenheit hatte Manj\u00e9v bei einem ihrer geheimen n\u00e4chtlichen Treffen mit Konfekt und Schauergeschichten tats\u00e4chlich erw\u00e4hnt, das sie sich fragte, was es mit der verschlossenen T\u00fcr auf sich hatte. Manj\u00e9v hatte nat\u00fcrlich die Eltern danach gefragt, aber nur ausweichende Antworten erhalten. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant hatte etwas von einem morschen Fu\u00dfboden vorgeschoben, von Sicherheit und dass es dort oben nichts zu sehen gebe.<\/p>\n<p data-p-id=\"70a591e2cdfc8905537fb346e163f55f\">\u201eEs muss nicht unbedingt ein Schatz sein&#8221;, fuhr J\u00e1ndris fort. \u201eVielleicht ist da auch was ganz anderes drin. Wei\u00dft du &#8230; ich hab mal geh\u00f6rt, dass die Leute fr\u00fcher H\u00e4user, in denen ein Mord geschehen ist, niedergerissen haben. Weil sie glaubten, dass sonst Unrecht einen Ort verseucht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cfbe7ba97239f175c74a0d378a490933\">\u201eDas habe ich auch mal gelesen&#8221;, stimmte Merrit zu. \u201eDas ist ein Abenteuer des Smaragdritters. Der findet im Wald ein niedergebranntes H\u00e4uschen, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c137446b111d71ad001453e19c575644\">\u201eDu liest <em>B\u00fccher f\u00fcr Damen<\/em>?&#8221;, unterbrach J\u00e1ndris ihn grinsend. Der j\u00fcngere Knabe err\u00f6tete und nestelte gesch\u00e4ftig an seinem Streitflegel weiter.<\/p>\n<p data-p-id=\"1cab2d520e5f8b7102b748f567486bb0\">\u201eNa, jedenfalls k\u00f6nnen sie ja schlecht eine einzelne Kammer oben aus dem Turm herausschlagen. Deswegen haben sie das Zimmer einfach verboten und sagen es nicht offen, weil sie der <em>teirandanja<\/em> keine Angst machen wollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1335d2aeee1968461b32bfcff2335aed\">\u201eUnd nun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6adf11ae48c03d4280f0d0313f39a107\">\u201eDu schaust nach.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0712b2fcf0d539c3b76c8f5ac3eaa56d\">Merrit Althopian lie\u00df die H\u00e4nde sinken.<\/p>\n<p data-p-id=\"c76f64a1c48555992f035208dda3aaa2\">\u201eDie <em>teiranday<\/em> werden das nicht zu sch\u00e4tzen wissen&#8221;, sagte er. &#8220;Ich habe schon gegen genug Regeln versto\u00dfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"32fb32d060166e4951de1b7d2a99788e\">\u201eSie brauchen es gar nicht zu erfahren. Du tust es ja nur f\u00fcr Manj&#8230; f\u00fcr die <em>teirandanja<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff703d80165a013e313d5335f16df85e\">\u201eUnd au\u00dferdem musst du ihnen nicht sagen, dass wir dich auf diese Idee gebracht haben. Ich meine &#8230; woher h\u00e4ttest du das wissen sollen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d462ed562ca07cded4579f672daf426\">\u201eDu bist auf der Flucht vor deinem Vater ganz zuf\u00e4llig in das Gemach geraten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d35e93e34fdca1cfb6be9e965af6c442\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c1feafa490afc3c6618b21f4a2202f0\">\u201eUnd au\u00dferdem&#8221;, trumpfte L\u00e1as auf, \u201ebist du kein Bewohner dieser Burg. Sie k\u00f6nnen dich daf\u00fcr also nicht bestrafen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e24c9aa7934674a904efc676702995f0\">\u201e<em>Noch<\/em> nicht. Sobald du einmal hier deinen Hofdienst beginnst, ist die Chance vorbei.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d69fe78715b71f2896c69cab913072c3\">Merrit runzelte die Stirn. \u201eIch verstehe immer noch nicht ganz, was ich machen soll.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cd89c2b5e93f4361325bac6791308546\">\u201eGanz einfach. Du gehst in das Zimmer uns schaust nach, was es da zu sehen gibt. Wenn du einen Schatz finden solltest, nimmst du was davon und bringst es der <em>teirandanja<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6bb6faa64d50e3347c0a8f20da60854b\">\u201eIch soll stehlen? Das kommt gar nicht in Frage!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"14d6a933c2946b4edd58c0db3803c2de\">\u201eDas ist kein Diebstahl. Der Schatz geh\u00f6rt doch den <em>teiranday<\/em> sowieso.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"21191a078e0ec28f7f8461ed50c64bad\">\u201eUnd wenn da kein Schatz ist, sondern &#8230; na ja &#8230; vielleicht doch ein Ermordeter da herumliegt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a859a3a3cc5f9ba6586367863559c59\">\u201eKeine Ahnung. Dann bringst du einen Knochen, oder wenn da noch ein blutiger Dolch ist&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0039222b8bd3b08561e62471e528c3cb\">\u201eDu nimmst einfach <em>irgendwas<\/em> aus dem Zimmer heraus, das interessant aussieht&#8221;, schaltete L\u00e1as sich ungeduldig ein. \u201eDu bringst es der <em>teirandanja<\/em> als Beweis und erz\u00e4hlt ihr, was du gefunden hast.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ae846b7215bf5a68fe47771a8a0ba031\">\u201eUnd wenn das Zimmer leer ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"697a02060103410428c52c1e8fc810a9\">\u201eHast du etwa Angst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c5253c3581198a8bb82e0f05cca7c09a\">\u201eM\u00f6glicherweise haben sie da oben ja auch einen geheimen Gefangenen. Einen verr\u00fcckten Verwandten der <em>teiranda<\/em>, oder es wohnt ein Chaosgeist da drin, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"13bcffe6cf1b75401b44c1e11fd8dcc1\">\u201eIhr verlangt also, dass ich vor der <em>teirandanja <\/em>eine Mutprobe ablege. &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b6cf23b340ecd0f3528d9d3d671f552\">\u201eNun ja. Gewisserma\u00dfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"48b159c8667a3e18d0a57a250c0e993b\">\u201eWir k\u00f6nnten uns denken, die <em>teirandanja <\/em>w\u00e4re die sicher &#8230; zugeneigter, wenn sie w\u00fcsste, dass du mindestens so furchtlos und tapfer bist wie dein Vater.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"433ebaf64d53cb339679bb5440998989\">Merrit Althopian schien ernsthaft nachzudenken. L\u00e1as sah J\u00e1ndris aufmunternd grinsen. Sie hatten den Kleinen an der Angel!<\/p>\n<p data-p-id=\"b40dfc8d9c408d94ccd61a844bf6af98\">\u201eOben hier im Turm, ja?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a84e60647e92603200e7099c4e86bff2\">\u201eEine Stiege f\u00fchrt durch eine Luke nach ganz oben. Da ist ein Treppenabsatz mit einer T\u00fcr. Dahinter ist das Gemach. Direkt unter dem Dach.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1556a62157e3dd1ae0f9d710836496fc\">Merrit Althopian \u00fcberlegte noch einen kurzen Moment. Dann nahm er seine Laterne vom Regal und schritt entschlossen und ohne ein weiteres Wort an L\u00e1as und J\u00e1ndris vorbei, heraus aus dem Verlies und die Treppe hinauf.<\/p>\n<p data-p-id=\"4a2b07d5d7012ec9406a0d7584fb1057\">\u201eDas war einfach&#8221;, murmelte L\u00e1as verbl\u00fcfft. J\u00e1ndris griff nach einer zerbrochenen Turnierlanze, die wohl irgendein Ritter vergangener Zeiten aus sentimentalen Gr\u00fcnden aufbewahrt hatte und gab ihm eine H\u00e4lfte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3d953cd6c9c105abe8cd89f84884970f\">\u201eNur f\u00fcr den Fall, dass er es sich anders \u00fcberlegt.&#8221; Dann besann er sich und nahm noch einen Schild dazu, von dem die Farbe schon so abgebl\u00e4ttert war, dass das Wappen darauf nicht mehr zu erkennen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"943a5a1e7fc972987cd7a281d7e64bfc\">\u201eImmerhin&#8221;, erkl\u00e4rte er mit ged\u00e4mpfter Stimme, \u201eist das Wiegenkind jetzt wieder bewaffnet!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"3932db986989008f388c2856ff69f3ff\">C\u00fdel\u00fa zuckte schmerzhaft zusammen, verkniff sich aber einen Laut.<\/p>\n<p data-p-id=\"4488f18fa3a0786f4fe20d416b376b1a\">\u201eOh weh. Das gibt bestimmt eine Beule&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e ernst und tupfte seine Schl\u00e4fe mit dem Saum ihres R\u00f6ckchens, den sie sorgsam mit T\u00fcmpelwasser getr\u00e4nkt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"12b3aad0ea1d852744129a959057c1bc\">Er schaute sich um. Ein paar Schritte entfernt zupfte Perlenglanz am mageren Gras, als sei nichts geschehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d317c5ba4678ec1845049c3e2294773c\">\u201eWarum hast du das getan, Kind?&#8221;, fragte er matt.<\/p>\n<p data-p-id=\"246fa8d1460755968355a2062cf59c9d\">\u201eIch wollte weglaufen.&#8221; Sie tupfte vorsichtig weiter.<\/p>\n<p data-p-id=\"23e14061f4dddc0daf56d9d07e98321b\">Er \u00e4chzte und richtete sich wieder auf. \u201eUnd wieso bist du noch hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5392af824fe965106323277e89460101\">Sie setzte sich auf die Fersen und schaute auf ihre Knie hinab.<\/p>\n<p data-p-id=\"454ff3e4fec9520eafe9c7443a3cef9d\">\u201eDu h\u00e4ttest deine Chance gehabt&#8221;, sagte er. \u201eMit etwas Pech h\u00e4tte mein eigenes Ross mich totgetreten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"75e9b07fc2e494d03d81ea2c03303a77\">\u201eDas wollte ich aber nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a64ea47fa831b78e0a826408ddf082e\">\u201eKind!&#8221; Er ber\u00fchrte sie sachte an der Schulter. Dass sie unter seinem Handschuh nicht einmal zuckte, best\u00e4tigte ihm erneut, dass sie unmagisch und schwach war. Aber, bei den M\u00e4chten, was f\u00fcr ein Mut! Was f\u00fcr eine Willenskraft! Was f\u00fcr ein reines Herz. Nie durfte ein Schattens\u00e4nger an solche Unschuld r\u00fchren!<\/p>\n<p data-p-id=\"dd9df622296f2fa7f01609e9d14be51e\">\u201eUnd wenn er nun auf dich getreten w\u00e4re?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fe24fdbdaad572f93680c4835110f991\">\u201eDann h\u00e4tte er das sicher nicht absichtlich gemacht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b0ee91902c0c9e6a278b0e1b286bbf6d\">\u201eTrotzdem w\u00e4rst du dann hinter den Tr\u00e4umen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d44222134cc0f0e284bbb3ed0d7051ae\">Er legte seinen Finger sacht unter ihr Kinn. Sie sollte ihn anschauen. Ihr Blick \u00e4hnelte dem von Advon, abgesehen von der Augenfarbe, die seinen blau wie der klare Himmel, ihre gr\u00fcn wie das dichte Laub eines k\u00fchlen Waldes.<\/p>\n<p data-p-id=\"79f8eebeff726d554cf21dd8c669a856\">\u201eWas du gerade getan hast&#8221;, sagte er, \u201eh\u00e4tte nicht einmal mein Sohn gewagt. Versprich mir, dass du nie, niemals wieder allein auf ein Einhorn kletterst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cfa41c3c6daae04280c83a490f7ddc40\">\u201eIch wollte &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9788869c67bda66761f5c5275479f83\">\u201eVersprich es mir!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bf7ba718d28e3eeb9dd64eff3e65475c\">Sie nickte. \u201eVersprochen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"794ca571a9173306e83d40bbc25860a0\">Er konnte nicht anders, zog sie an sich und schloss sie dankbar in seine Arme. Sie lie\u00df es verwundert geschehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"68d20e211d8aaaefcd50cb8f7e37c39a\">\u201eIch w\u00fcnschte&#8221;, sagte er leise, \u201eich m\u00fcsste all das nicht tun. Aber ich habe keine Wahl.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"12d40ee4e2bc7fd44da504c15797df95\">\u201eWarum nicht?&#8221;, fragte sie. \u201eHast du denn keinen Willen \u00fcber dich selbst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"72671f8943c745b0c6843337430941a0\">Er sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein. Nicht in dieser Sache.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6ca9602e8b1942efa0e58f52d6ca3542\">\u201eDann erkl\u00e4r mir doch wenigstens, warum nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b4a462bb49fea61fa151792d16b29ed0\">\u201eDas kann ich nicht, Kleines. Es &#8230; w\u00e4re nicht gut, wenn du es w\u00fcsstest. Es w\u00fcrde dich in Gefahr bringen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4da2e183118d9863d1291cfbe3a0439d\">\u201eDu hast Angst&#8221;, stellte sie fest, und als er nicht antwortete, f\u00fcgte sie hinzu: \u201eEs ist nicht schlimm, Angst zu haben. Meine Mama sagt immer, nur Dummk\u00f6pfe h\u00e4tten keine Angst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"be6149059212649bb23036a13d82c306\">\u201eDeine Mama ist eine kluge Frau.&#8221; Er lie\u00df sie los und erhob sich. Mit einem so dezenten Zauber, dass sie es zun\u00e4chst gar nicht zu bemerken schien, trocknete er seine und ihre Kleidung. Dann ging er hin\u00fcber zu seinem Einhorn und untersuchte Beine und Fl\u00fcgel. Perlenglanz schien sich bei der wilden Jagd nicht verletzt zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"6778f4272a199aa69f5bbc76974f450a\">D\u00fdamir\u00e9e blieb am Boden sitzen und beobachtete ihn nachdenklich.<\/p>\n<p data-p-id=\"552ba2d269dc5f927abae44350c7fad9\">\u201eKann ich dich was fragen?&#8221;, meldete sie sich schlie\u00dflich.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ec8a38008362f6eac1dd94ffe2d0d88\">\u201eNat\u00fcrlich. Ich kann dir nur nicht versprechen, dass ich dir antworten kann oder darf.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ab84fafc1b7300c17dd1a5c2c7daa6dd\">Sie stand auf und kam n\u00e4her heran. \u201eWenn mein Papa an deiner Stelle w\u00e4re \u2013 glaubst du, er h\u00e4tte dasselbe getan wie du? Ich meine &#8230; ist es so schlimm, dass er deinen Sohn gestohlen h\u00e4tte, um es abzuwenden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a3464acdd05932935fb438663781d63f\">Er z\u00f6gerte einen Moment. \u201eJa. Ich glaube, das h\u00e4tte er.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0768f0f533e11d4e8e31cdcbdb686692\">\u201eDu bist der Gro\u00dfmeister der Regenbogenritter. Was ist so m\u00e4chtig, dass du Angst hast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9fe95e50dd21b979d3483cf84e872bb7\">\u201eDasselbe, was selbst dein Vater f\u00fcrchten m\u00fcsste, wenn er nicht selbst damit im Bunde ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"036ed8f1941835ae66c948c177d42259\">\u201eMein Papa ist mit gar nichts im Bunde&#8221;, murmelte D\u00fdamir\u00e9e zornig, aber das klang ihm, als w\u00fcsste sie gar nicht so recht, was das bedeutete.<\/p>\n<p data-p-id=\"55b3ae56701afad94ff70114dd0af225\">\u201eDas werden wir sehen, Kind.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dd22604903d49521ed54768b4baba3d5\">\u201eVersprichst du mir auch was?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b3062b0e58956944e50bcd786c11790e\">\u201eNein.&#8221; Er versuchte ein L\u00e4cheln, aber sein Kopf schmerzte. Er versuchte, es wegzuzaubern und zu lindern, aber das gelang ihm nicht g\u00e4nzlich. Das M\u00e4dchen lenkte ihn zu sehr ab. \u201eIch werde mich h\u00fcten. Aber&#8221;, f\u00fcgte er hinzu, \u201edu darfst mich um etwas bitten. Du hast mich besch\u00fctzen wollen. Ich stehe in deiner Schuld.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"49459442c8d4cdf0e50052ef3d49e9a0\">\u201eWenn es soweit ist&#8221;, sagte sie bedacht, \u201ebitte tue meinem Papa nichts an. Nicht wie dem armen mutigen Ritter, dem mit dem kleinen M\u00e4dchen und der lieben <em>h\u00fdardora<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"79bd8c3e80605ce170ded5bb543b2868\">Sein Herz krampfte sich zusammen. Sie war also immer noch nicht dar\u00fcber hinweg. Gen\u00fcgte es denn nicht, dass er mit dieser Schuld heimkehren musste?<\/p>\n<p data-p-id=\"978d05124733fc43447707f559319836\">\u201eWenn er mir keinen Anlass dazu bietet&#8221;, sagte er vorsichtig, \u201ewerde ich nicht den ersten Angriff tun. Das verspreche ich dir, Aber du musst mit mir kommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8cd9bcaaa56a122cd6f94fc43ec22bd4\">\u201eVersprochen&#8221;, sagte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"14732310923f6d4a40741647c51d006d\">\u201eDann lass uns jetzt noch einen Augenblick ruhen. Sobald Patagh\u00edu sich offenbart, fliegen wir weiter. Schlaf eine Weile, Kleines.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e006164eb76bad8c6bfea0637c8a05df\">\u201ePasst du auf mich auf?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1c95b0bdd72c337eede2258a694aec8c\">\u201eDu wirst mir nicht weglaufen&#8221;, scherzte er. \u201eIch habe meinen Willen wieder auf dir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"014abfc2c5438cda0eb7de84511694ae\">\u201eNein, das meine ich nicht. Vorhin im Wasser &#8230; ich hab um Hilfe gerufen, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"43bf23a66dfe6f98cbecbb5fae8d4b6d\">\u201eJa, das hast du.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"29c4c199979a863b7ba329ef2d13dc29\">\u201eIch hab nicht gerufen, weil ich dich \u00fcberlisten wollte&#8221;, erkl\u00e4rte sie. \u201eIch meine, nat\u00fcrlich wollte ich das, aber Mama sagt, man darf nie um Hilfe rufen, wenn man es nicht meint, sonst endet es wie bei dem G\u00e4nsehirten, als der wilde Waldb\u00e4r dann doch pl\u00f6tzlich da war. Da war <em>wirklich<\/em> etwas im Wasser.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bdec20c3c78ba904de7815bacc6b9b54\">C\u00fdel\u00fa schaute auf den T\u00fcmpel, in dem das Wasser nun wieder still und gerade brusthoch stand. Die Wasserv\u00f6gel waren wieder zur\u00fcckgekehrt. \u201eEtwas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"89905b989d56613b0cb429659e005271\">Sie nickte. \u201eEtwas. Es hat mich gepackt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"af8adb3bddfccb0584b84eb89596352c\">Vermutlich hatte sie sich im Teichtang verheddert. Aber etwas an ihrer Ernsthaftigkeit lie\u00df ihn ein klein wenig daran zweifeln.<\/p>\n<p data-p-id=\"c008b3a4379f6793ffc16059472ac239\">\u201eIch passe gut auf dich auf&#8221;, versprach er. \u201eNiemand und nichts greift dich an, wenn ich bei dir bin, in Patagh\u00edus Namen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"6e13768b2cd59af695818e650a0c9d12\">Kaum hatte die <em>opayra<\/em> das Benimmbuch zugeklappt und die <em>teirandanja<\/em> entlassen, sauste Manj\u00e9v bereits \u00e4u\u00dferst unmajest\u00e4tisch aus dem Zimmer, den Gang entlang und die Treppe hinab, die zur Galerie f\u00fchrte. Unten im Saal hatte schon ein guter Teil der Burgbewohner Platz an gedeckten Tischen genommen. Es duftete nach dem guten Kohl und einer Suppe mit Pilzen und viel frischem Brot.<\/p>\n<p data-p-id=\"304f55ffe3040b02258585a626d34d93\">L\u00e1as und J\u00e1ndris waren nicht zu sehen. Die Pl\u00e4tze, an denen sie gestern noch gesessen hatten, waren verwaist. Daf\u00fcr waren am Tisch an der Stirnseite nun ein paar St\u00fchle mehr vorhanden. <em>Yarl<\/em> Altabete und <em>yarl<\/em> Grootplen standen, wie es Sitte war, geduldig hinter ihren St\u00fchlen. Sie schienen auf ihre S\u00f6hne zu warten. <em>Yarl<\/em> Althopian, der seinen Platz auf der anderen Seite neben seinem Herrn hatte, wirkte m\u00fcde und ergeben. Sein Sohn war ebenfalls nirgends zu sehen. Bevor die <em>teiranday<\/em> nicht anwesend waren und es gestatteten, durfte sich keiner der Herren niederlassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bbf8afe39388da541bdedb45b67e3ad1\">Manj\u00e9v schauderte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b72f1d3ecb7094dbb8f4278fc023bfd7\">Der andere Junge, der Sohn von <em>yarl<\/em> Emberbey, war bei seinem Vater und schien sich sehr artig mit T\u00edjnjes Mutter zu unterhalten. Das kleine M\u00e4dchen stand an deren Hand daneben und blickte zutraulich zu ihm auf. Immerhin das war ein gutes Zeichen. T\u00ecjnje schien den ungelenken, hageren <em>yarlandor <\/em>zu m\u00f6gen, der sie, Manj\u00e9v, am Vortag in diese peinliche Situation gebracht hatte..<\/p>\n<p data-p-id=\"92226b42de8f0f6b42556668f06eb852\">Manj\u00e9v duckte sich und huschte im Schutz der Banner auf dieser Seite der Galerie an die entgegensetzte Stirnseite. Mit etwas Gl\u00fcck konnte sie den Nebentreppe hinab huschen und die Halle verlassen, um die beiden Jungen zu suchen. Das gelang ihr sogar, ohne dass ihr jemand begegnete, Aber kurz bevor sie die T\u00fcr erreichte, kam ihr von drau\u00dfen ein Mann entgegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7e7ddcaeb64124e70bdc0fe72a01efb2\">\u201eManj\u00e9v?&#8221;, fragte Asga\u00fd von Spagor. Er wirkte geistesabwesend, aber der Anblick der Tochter schien ihn wieder in die Wirklichkeit zur\u00fcckzuholen. \u201eWo willst du hin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8000c07febd40e8b34ec64b861a8c2c7\">\u201eRaus&#8221;, sagte sie ehrlich. \u201eNur ganz kurz, Papa.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88cd2e782c8f782c0f7650a6f32498c8\">\u201eEs ist Essenszeit, Manj\u00e9v&#8221;, mahnte die Mutter, die ihm auf dem Fu\u00df gefolgt war. \u201eDu kannst jetzt nicht hinaus.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"80ef86ffc31b2bdfcf5c2613880b9d37\">\u201eAber L\u00e1as und J\u00e1ndris sind auch noch nicht da!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b569f2b36e49b2bab976895ef12f522\">\u201eDann versp\u00e4ten sie sich wohl noch ein wenig&#8221;, sagte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant freundlich und legte der Tochter die Hand auf die Schulter. \u201eKomm. Sicher sind die Leute hungrig. Willst du G\u00e4ste und Gesinde warten lassen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"410b235b385cde383a9bbe7962c9051f\">Manj\u00e9v schaute zu ihr auf. Wie ernst und nachdenklich die Mutter wirkte! Was war geschehen?<\/p>\n<p data-p-id=\"786c16fa379c0bf3afa614535eb9ebae\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4d957740395bf04356949508d3f7ff0d\">\u201eManj\u00e9v&#8221;, mahnte der <em>teirand<\/em>, \u201ebitte sei ein braves Kind und mach uns vor den Herren keinen Kummer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"978a00091f153cf3edbe65cef7b680dd\">\u201eNein, Papa &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4436aec47fb8cf6030bc939dec3d40b2\">\u201eUnd sei achtsam, wenn du mit <em>yarl<\/em> Althopian sprichst. Sein Sohn versteckt sich offenbar immer noch, weil er sich in Schande glaubt. Hast du dich bei ihm eigentlich schon f\u00fcr das sch\u00f6ne Pferd bedankt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1bf974b8da9868542ce00103205cd12c\">\u201ePferd? Ach ja &#8230; nein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"620d45a977ecf4a4effcee3ea048b639\">\u201eMach das nachher bitte. Er sagt, sein Sohn hat es eigens f\u00fcr dich ausgesucht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1289935371d98d4754b4698998cb7f31\">Manj\u00e9v seufzte, aber Widerstand war nicht statthaft. Sie konnte unm\u00f6glich vor all den Leuten trotzig sein. Es gen\u00fcgte, wenn die Jungen gegen die Ordnung verstie\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1e2db2e10b4ae71fac4a77c1db37c049\">Ergeben begleitete sie die Eltern, begr\u00fc\u00dfte die Herren und lie\u00df sich an der Seite ihres Vaters nieder. Das war auch das Zeichen f\u00fcr die G\u00e4ste, ihre Pl\u00e4tze einzunehmen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ae97185c7bb7dfaf1e8167c439e2eec6\">Manj\u00e9v wandte den Blick nicht von der T\u00fcr an der Fu\u00dfseite des Saales ab. Wenn L\u00e1as und J\u00e1ndris sich versp\u00e4teten, w\u00fcrden sie den Eingang dort nehmen.<\/p>\n<p data-p-id=\"982d694c6c9e521b0aaa6cd693ed97df\">Die Mutter sprach die rituellen Worte, dankte den M\u00e4chten daf\u00fcr, dass sie genug Speise f\u00fcr jeden unter dem Dach der Burg hatten und er\u00f6ffnete die Mahlzeit. Der Brotkorb wurde herumgereicht. Manj\u00e9v bediente sich, ohne richtig hinzuschauen, gab ihn zu ihrer Linken weiter und zuckte zusammen. Es war nicht, wie gewohnt, T\u00edjnje, die zugriff.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2529","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2529"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2529\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3799,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2529\/revisions\/3799"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2529"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}