{"id":2528,"date":"2025-08-25T12:32:47","date_gmt":"2025-08-25T10:32:47","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2528"},"modified":"2025-09-01T09:18:25","modified_gmt":"2025-09-01T07:18:25","slug":"055-galeon-und-das-traumphantom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/055-galeon-und-das-traumphantom\/","title":{"rendered":"055: Gal\u00e9on und das Traumphantom"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"10dbb3f3c761b47c217ccb8ab7a0093d\">\u201eWillst du uns nicht etwas erz\u00e4hlen, <em>b\u00e1chorkor<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b3f74680ba9348b48c3823efd5078916\">\u201eJa, lass was h\u00f6ren! Du bekommst so schnell kein gro\u00dfes Publikum mehr!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"632f76a8bf7c67238540e8339d095731\">\u201eGar kein Publikum bekommt er!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"438ea611a20ac8a144c247956fb51f12\">\u201eHe, wir warten! Wir wollen eine Geschichte!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b52ddd4c3ff75789a21a6b2a8caf9453\"><em>Was darf es denn sein, <\/em>dachte Gal\u00e9on m\u00fcde. <em>Die Geschichte von den neunmalklugen Narren, die sich besser um ihren eigenen Dreck k\u00fcmmern sollten?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"55d8b3cce2a36f5e3e0c16521e27829c\">\u201eHe!&#8221; Einer der Stadtw\u00e4chter, der Aufsicht hielt, wie \u00daldaise es angewiesen hatte, hob mahnend die Stimme. \u201eLeute! Der ist stumm! Lasst den in Ruhe! Der erz\u00e4hlt sowieso niemandem mehr was!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"649a18ab581c8241411044fd1f2abed0\">\u201eSo&#8221;, sagte einer der M\u00e4nner, die sich zur Abendunterhaltung gemacht hatten, den k\u00fcrzlich eingetroffenen Verbrecher zu verh\u00f6hnen. \u201eMal was ganz Neues, was? Ein stummer <em>b\u00e1chorkor<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"da0568d90d5efcb2c115cc79c838d0c9\">\u201eWohl eher was ganz Exklusives&#8221;, l\u00e4sterte ein anderer. \u201eWahrscheinlich f\u00fcr die Alten oben in der Stadt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"86a5d284d4966f96361441f976f7ea05\">\u201eWie kommst du darauf?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4035074d3093a08c06c5b9775aa21ee9\">\u201eNa, die sind doch ohnehin alle taub!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dda86f65902b9c118240f0e19c7d5a53\">Der angeheiterte Mann grinste in die Runde, als habe er den gro\u00dfartigsten Witz aller Zeiten gemacht. Die schon wesentlich Betrunkeneren gr\u00f6lten, als sei das tats\u00e4chlich der Fall. Gal\u00e9on seufzte und richtete die Augen m\u00fcde gen Himmel. Der war nun tiefschwarz, der Mond weitergezogen. Nokt\u00e1ma zeigte ihre Anwesenheit nun mit gl\u00e4nzenden Gestirnen. Der Gong von den Mauern k\u00fcndigte von der Mitte der Nacht. Vor kurzem noch hatte er vor einer solchen Zelle gesessen und jemanden mit einer Geschichte getr\u00f6stet, der tats\u00e4chlich Unrecht getan hatte. Wie schnell wechselte das Schicksal in dieser wahnsinnigen, doppelgesichtigen Stadt die Seiten!<\/p>\n<p data-p-id=\"9b5b005efd73bd918bf58a0c5be5411d\">\u201eGebt acht!&#8221;, mahnte der W\u00e4chter. \u201eKeine frechen Worte \u00fcber die <em>sinoray<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"75d9b684d4e54a7fe0be036c699c262b\">\u201e&#8217;tschuldigung&#8221;, beschwichtigte der Spa\u00dfvogel. \u201eKommt nicht wieder vor!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d59bac6990bb6886584f965283bd178c\">Aber der W\u00e4chter war gar nicht weiter interessiert. Er sa\u00df auf einer der B\u00e4nke, die zu einer der Schankstuben am westlichen Markt geh\u00f6rte und hatte, obwohl er das eigentlich nicht durfte, einen kleinen Krug mit verd\u00fcnntem Bier vor sich. Nach dem Ende seiner Dienstzeit w\u00fcrde er zu st\u00e4rkeren Getr\u00e4nken \u00fcbergehen. Im Augenblick hatte er nicht anderes zu tun als darauf zu achten, dass niemand von dem \u00fcberm\u00fctigen Nachtvolk es zu weit trieb und den Gefangenen verletzte. Verspotten durften sie ihn, solange sie ihnen danach war.<\/p>\n<p data-p-id=\"42b4e674d4446b3e79fd09bdd4b294c6\">\u201eWas haste denn angestellt, <em>b\u00e1chorkor<\/em>?&#8221;, mischte sich eine der frivolen <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> ein, die sich zu dem Gr\u00fcppchen vor der Zelle gesellt hatte. \u201eHast du wen totgelangweilt mit einer Geschichte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c00b65a6627a904bab3ea54796764b02\">\u201eOder nicht aufgepasst, wem du was erz\u00e4hlt hast? Hab mal geh\u00f6rt, da hat eine <em>b\u00e1chorkor<\/em> eine hei\u00dfe Geschichte vorgetragen, von einem br\u00fcnstigen Weibsbild, das reihenweise Kerle rumkriegte. Mit allen Details! Stellte sich heraus, das war eine wahre Geschichte \u00fcber die <em>h\u00fdardora<\/em> von dem, f\u00fcr den er erz\u00e4hlt hat! Vor dessen Freunden. Da haben sich einige erkannt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1eebb150f71e0c2d1aebc235f0e4d065\">Das l\u00f6ste eine Welle der l\u00fcsternen Erheiterung unter den Umstehenden aus. Dass das Nachtvolk von Aur\u00f3p\u00e9a Zotiges und Zweideutiges aller Art sch\u00e4tzte, hatte Gal\u00e9on gewusst, und nat\u00fcrlich hatte er auch Sinnliches in seinem Repertoire. Von der Geschichte jenes ungl\u00fccklichen <em>b\u00e1chorkor<\/em> hatte er einst selbst geh\u00f6rt, wenn auch die Zeit den Rahmen der tats\u00e4chlichen Ereignisse verzerrt hatte. Seine aufgebrachten Zuh\u00f6rer hatten dem armen Kerl seine Geschichte in einer Weise entgolten, die die anderen <em>b\u00e1chorkoray <\/em>umgehend zu einer eigenen, viel nachgefragten Erz\u00e4hlung ausgeschm\u00fcckt hatten. Man sollte meinen, Menschen gierten nach Gr\u00e4ueln, solange es sie selbst nicht betraf.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ea65f8f77f0283be5e88ee4e04d15ae\">Gal\u00e9on schloss die Augen. Es hatte ihm in all der Zeit kaum etwas ausgemacht, sich unter dem z\u00fcgellosen Volk zu bewegen, zu dem ein Gro\u00dfteil der Einwohner Aur\u00f3p\u00e9as in der Nacht mutierte. Inmitten der Masse hatte er die Kontrolle gehabt, konnte beobachten, urteilen und wenn er es geschickt anstellte, kommen und gehen, wie es ihm gefiel. Nun aber, war er zugleich ausgeschlossen und ihnen ausgeliefert. Er konnte sich nicht einmal abwenden und versuchen, sie zu ignorieren. \u00daldaises Knechte waren auf den \u00fcberraschend effektiven Gedanken gekommen, ihn mithilfe der kostbaren Z\u00fcgel an Handgelenken und Knien so an das Gitter zu binden, dass er den Passanten Auge in Auge gegen\u00fcberstand. So hatte der Wachmann ihn im Blick und konnte bequem von seiner Bank aus aufpassen, w\u00e4hrend der eine Knecht, der Nerv\u00f6se, dem <em>sinor<\/em> sein Ross zur\u00fcckbrachte und der andere losgezogen war, um sich irgendwo eine neue Hose zu besorgen. Auf dem Weg hierher hatten sie von einer W\u00e4scheleine in einem Garten ein Bettlaken gestohlen, das der Muskelmann als Wickelrock zweckentfremdet hatte. Es hatte bei ihrem Einzug in die Stadt eine Menge h\u00f6hnischer Blicke gegeben, aber niemand hatte gewagt, \u00fcber diesen Aufzug zu lachen. Seit kurzer Zeit war der Knecht nun wieder da, ordentlich angezogen und versuchte, mit einem scharfen Getr\u00e4nk die letzten Nachwirkungen der Kuchenorgie zu lindern. Schade. Zu gerne h\u00e4tte Gal\u00e9on diese ganze peinliche Geschichte, humorvoll aufbereitet, einmal einer heiteren Gesellschaft zum Besten gegeben, vorzugsweise weit n\u00f6rdlich des Montaz\u00edel.<\/p>\n<p data-p-id=\"e1e23c3d63feca950c06080d3b84d44b\">\u201eHat dem <em>sinor<\/em> Sah\u00e1al\u00edr wertvolle Sachen geklaut&#8221;, rief der frisch Eingekleidete zu der L\u00e4sterbande hin\u00fcber. \u201eUnd den Garten von <em>sinor<\/em> \u00daldaise abgefackelt. Das waren n\u00e4mlich bestimmt nicht w&#8230; niemand anderes als er!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f8a7cbbf63d1824d0261602ce0934476\">Nun ging ein halb anerkennendes, halb ungl\u00e4ubiges Raunen durch die Reihen der Sp\u00f6tter. Gegen Sah\u00e1al\u00edr, den senilen Greis hatten sie nichts, aber was \u00daldaise schadete, das <em>gefiel<\/em> ihnen. Von dem Feuer drau\u00dfen in den H\u00fcgeln hatten einige fl\u00fcchtig geh\u00f6rt, denn nat\u00fcrlich war es von den Stadtmauern aus zu sehen gewesen. Aber in der Nacht, in der Z\u00fcgellosigkeit, k\u00fcmmerte ein Ungl\u00fcck jenseits der Stadt kaum.<\/p>\n<p data-p-id=\"3493e2d8b79d011cc181d70ea257355c\">\u201eGeschieht ihm recht, dem \u00daldaise&#8221;, murmelte eine Frau, die noch n\u00fcchtern zu sein schien und deren Anwesenheit inmitten der Nachtschw\u00e4rmer etwas fehl am Platz erschien. Sie sprach allerdings so leise, dass der Wachmann am Tisch es nicht mitbekam.<\/p>\n<p data-p-id=\"94ea179321caeee18ab78f56d446f76a\">\u201eAlso, wenn das wahr ist&#8221;, sagte der erste mit schwerer Zunge zu Gal\u00e9on, \u201edann biste dran.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"624a1f739d87546f6560c22284558d13\">\u201eAber warum denn?&#8221;, rief jemand zu \u00daldaises Knecht hin\u00fcber. \u201eWarum hat er den Garten angez\u00fcndet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b16d4529b2b21b28499d080da7caaa18\">\u201eWeil &#8230;&#8221; Der Mann stutzte. Wahrscheinlich war ihm bewusst, dass er nicht allzu viel erz\u00e4hlen durfte. \u201eWeil das einfach ein \u00fcbler Dreckskerl ist!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff5db2f1a1427d9ccc917dd07a7ff0a7\">\u201eWarum hast du das gemacht?&#8221;, wandte sich nun ein weiterer Schaulustiger, ein \u00e4lterer Mann mit einer Lederkappe auf seinem Glatzkopf direkt an Gal\u00e9on. Irgendetwas hatte er wohl an Rauschzeug in den Adern, denn seine Augen waren glasig und die Lider zuckten. \u201eDem \u00daldaise den Garten abbrennen, dem Dreckskerl?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f7662f7fba996679aa039eb406de2822\">Gal\u00e9on zuckte die Schultern, soweit er es in den Fesseln konnte. Er w\u00fcrde sich h\u00fcten, auch nur zu <em>versuchen<\/em> zu sprechen. Sie mussten nicht noch mehr Stoff f\u00fcr ihren Spott bekommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"82b291188c055bc533dff82bffb38d4d\">\u201eStill&#8221;, zischte die N\u00fcchterne. \u201eWer wei\u00df, wer zuh\u00f6rt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"760ecdd9ec23510deb0acea6b9a8777b\">\u201eWahr ist das! Ohne den Tattergreis ging&#8217;s uns allen gut!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a01d2f2f6262c924c1e3ae801a281133\">Nun zischten ihn noch andere nieder, sodass der Wachmann misstrauisch aufschaute.<\/p>\n<p data-p-id=\"f0121446b82668a570661b3c2a709f20\">\u201eKommste in die W\u00fcste f\u00fcr, <em>b\u00e1chorkor<\/em>&#8220;, lenkte jemand die Aufmerksamkeit wieder auf ihn. \u201eWird wohl auch ein hei\u00dfer Tag, morgen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"72180f723a81582750ad0faa9cef27e3\">\u201eKann er noch von Gl\u00fcck sagen&#8221;, sagte jemand im Hintergrund. \u201eFr\u00fcher sind sie hier mit Brandstiftern nicht so zimperlich gewesen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"528f8712c719f4c5610508c3f3beac9d\">\u201eSchade um so einen H\u00fcbschen&#8221;, kam es von der aufreizend gekleideten <em>f\u00e1njula<\/em>. \u201eH\u00e4tte dir wohl was geboten f\u00fcr eine feine Geschichte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e6acf1093c83dbfc89cfdc948f7f2ff6\">\u201eIch kann dir wohl auch was erz\u00e4hlen&#8221;, meldete sich einer weiter hinten aus der Menge.<\/p>\n<p data-p-id=\"30afeef52a51bd12d521e8871e95c1d4\">Sie schnaubte abf\u00e4llig, trat vor Gal\u00e9on hin und zupfte ihr Leibchen so gekonnt zurecht, dass sie einen Blick auf ihre Reize gew\u00e4hrte. Der m\u00e4nnliche Teil der Umstehenden johlte anz\u00fcglich. Gal\u00e9on schaute peinlich ber\u00fchrt zur Seite und beobachtete bei dieser Gelegenheit, wie ein Geldbeutel unauff\u00e4llig seinen Besitzer wechselte. Der Taschendieb stellte es so an, dass der nahebei sitzende W\u00e4chter es nicht bemerkte. Vielleicht interessierte es ihn auch nicht. Schlie\u00dflich war dies nicht sein Auftrag.<\/p>\n<p data-p-id=\"121c3b9e29196334e68975ed0ad93120\">\u201eGefalle ich dir etwa nicht? Jetzt bin ich aber beleidigt!&#8221;, kicherte die <em>f\u00e1njula, <\/em>die sich um Nachfrage in dieser Nacht wohl nicht sorgen musste.<\/p>\n<p data-p-id=\"b848795c3035f65febe9b8405c1260e1\">\u201eVielleicht ist ihm nicht nach Weibsbildern!&#8221;, mutma\u00dfte der im Hintergrund.<\/p>\n<p data-p-id=\"e795afadabd57ad3f1948cdbe9285fce\">\u201eIst das wahr, H\u00fcbscher? Oder bist du <em>au\u00dferstande<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3ac7a046fe70076aae59e79e967d33c6\">Das regte die Phantasie des P\u00f6bels in geradezu unn\u00f6tiger Weise an. Nun besch\u00e4ftigten die Leute mehr oder weniger laut ausgesprochene \u00dcberlegungen \u00fcber Dinge, den mit seinen angeblichen Untaten rein gar nichts mehr zu tun hatten und in wilde Richtungen \u00fcber Gal\u00e9ons Mannbarkeit spekulierten.<\/p>\n<p data-p-id=\"5093f42a41f874c7e14edd14dbeecb99\">Der, der seinen Zorn auf \u00daldaise so unverbl\u00fcmt ausgesprochen hatte, griff pl\u00f6tzlich durch das Gitter und zog Gal\u00e9on so fest an sich, dass der wieder mit der Stirn gegen die Stangen prallte. Die Platzwunde, die \u00daldaises Tritt ihm beigebracht hatte, begann erneut zu bluten.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a90e719e15530452b3d47e80138e7f2\">\u201eH\u00e4ttest sein dreckiges Rattenloch anz\u00fcnden sollen&#8221;, wisperte er. \u201eIdiot! H\u00e4ttest der Stadt einen Dienst getan!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0fbd251081b6e2088184d45836edb6c7\">\u201eHe!&#8221; \u00daldaises Knecht eilte herbei. \u201eMacht den nicht kaputt! Der ist f\u00fcr die W\u00fcste!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5bf6c1566bca042adc309eae7d87b788\">Er erntete einen argw\u00f6hnischen Blick daf\u00fcr. \u201eDu arbeitest f\u00fcr den Alten, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ae999631ef75fed5f3fdddc9c4862c24\">\u201eKlar. Was dagegen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6fef47dad29630928f37240c69d87fd4\">Der Berauschte schien kurz zu \u00fcberlegen. Einen Lidschlag sp\u00e4ter blutete auch die Nase des Knechtes. Fassungslos tat der einen Schritt zur\u00fcck und tastete dorthin, wo ihn der Fausthieb getroffen hatte. Dann zerschmetterte er seine halbleere Schnapsflasche auf dem Haupt des Angreifers. Zum Gl\u00fcck milderte dessen Kappe die Wucht des Schlages.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca865bb736a794c9b0402df18ac9962e\">Die <em>f\u00e1njula <\/em>kreischte schrill auf. Die n\u00fcchterne Frau beeilte sich, aus dem Gedr\u00e4nge fortzukommen, denn wie eine Welle von einem Dammbruch brach vor der Zelle binnen Lidschl\u00e4gen eine Schl\u00e4gerei aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"0e10ab1d29259ce1a780d767f9c808b8\">Der Wachmann sprang auf die F\u00fc\u00dfe, packte seine Pike und wollte wohl dazwischen gehen, aber schon rannten rauflustige, vom Alkohol aufgestachelte M\u00e4nner von den umliegenden Etablissements hinzu, um mitzumischen, ohne zu wissen, was eigentlich der Anlass der Sache war. Der Stadtw\u00e4chter war klug genug, die \u00dcbermacht gew\u00e4hren zu lassen Die teilte sich bald auf in einen pr\u00fcgelnden Pulk, der Tisch, B\u00e4nke und irdenes Zeug mit einbezog, und eine umstehende Meute von die K\u00e4mpfenden anfeuernden Zuschauern, in der der Taschendieb reiche Beute machte. Der Wachmann lief davon, wohl um Verst\u00e4rkung zu holen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1a0049b9e2d71a4e3968491fc98ee04a\">Gal\u00e9on seufzte und lie\u00df den Kopf h\u00e4ngen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f5f41040094a380b389f80ea78dbc16a\">\u201eSchau sie dir an&#8221;, sagte jemand angewidert neben ihm. \u201eIst es nicht eine w\u00fcrdelose Schande?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a398f68bb763adcd4a747eca89e99864\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> blickte auf. Der, der da zu ihm sprach, hatte eine ruhige, kultivierte Stimme, eine, die er nur allzu gut kannte. Der Mann war \u00e4lter als damals, als er ihm von Angesicht zu Angesicht begegnet war. Aber er erkannte ihn, ohne jeden Zweifel. Die Schl\u00e4gerei tobte um ihn herum, Faustschl\u00e4ge, Tritte und Kopfst\u00f6\u00dfe verfehlten ihn um Haaresbreite. Er stand ruhig, an das Gitter gelehnt, die Arme verschr\u00e4nkt und sch\u00fcttelte den Kopf \u00fcber die Leute.<\/p>\n<p data-p-id=\"4f9ee68a872702c464539368ff3c86bc\"><em>Warum kann ich dich sehen?<\/em>, fragte Gal\u00e9on stumm. <em>Ich tr\u00e4ume doch nicht!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"9ba79f5a846fde941f66df6e42ceb34b\">\u201eWoher willst du das wissen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a59b5a77fb5eb51cbded59c2842be306\"><em>Meine Stirn schmerzt ganz entsetzlich!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6368fbdc6cd314be81d1d7fcc438f4bc\">Der Mann l\u00e4chelte am\u00fcsiert. Seine Gew\u00e4nder waren so schlicht wie elegant und hatten die Farbe von frischem Herzblut. Aber sein Interesse galt eher den wildgewordenen Menschen denn dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> hinter den Gittern.<\/p>\n<p data-p-id=\"da06f39ec93851c7acaf6f1c87882e24\"><em>Bist du gekommen, um mich hinter die Tr\u00e4ume zu holen? Wird mich hier gleich jemand versehentlich oder mutwillig umbringen?, <\/em>fragte Gal\u00e9on hoffnungsvoll.<\/p>\n<p data-p-id=\"292a91301bee1fdc6b3e55cda642a3e6\">\u201eNein. Sie werden dich wie geplant in die W\u00fcste bringen und dort deinem Schicksal \u00fcberlassen. Und um deiner n\u00e4chsten Frage vorzugreifen: Ich kann und werde nichts tun, um sie daran zu hindern.&#8221; Er schaute mit freundlicher Anteilnahme zu Gal\u00e9on hin. Es schien ihn auch niemand h\u00f6ren zu k\u00f6nnen. \u201eIch habe keine Macht und Befugnis mehr in dieser Ebene des Weltenspiels.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6da60d80eba3217a11df2ffe3cb29290\"><em>Und was machst du dann hier und jetzt? Und \u2013 wieso sehe ich dich? Bist du ein Gespenst?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2824bd9b36752685df39a13daa4b8c52\">\u201eNein. Es gibt keine Gespenster. Was ich bin, wirst du zur passenden Zeit erfahren. F\u00fcr den Moment bin ich ein interessierter Beobachter. Und meine Gestalt &#8230; nun. Gewohnheit. Es ist f\u00fcr einen Menschenverstand angenehmer, unseresgleichen so zu erblicken.&#8221; Er strich sich gedankenverloren \u00fcber seinen grauroten Bart und wandte sich dem jungen Mann nun doch wieder ganz zu. Der pr\u00fcgelnde Pulk schien ihn weder zu bemerken noch antasten zu k\u00f6nnen. Marmorgraue Augen musterten Gal\u00e9on.<\/p>\n<p data-p-id=\"e32e66cc15de4baa513131f58d35c2af\"><em>Ich h\u00e4tte nicht erwartet, dich sehen zu k\u00f6nnen. Ich habe dich bisher immer nur &#8230; gesp\u00fcrt.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"9eb33f0166c2e996767574eac1fc166b\">\u201eDa hast viel gelernt, seit sie dich in den Brunnen geworfen haben. Du siehst mich beeindruckt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c7c44edfdca624faa06686f775183a30\"><em>Weit bin ich nicht gekommen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e7acf82c469b44e441a06c4c435516bf\">\u201eDu hast es bis hierher sehr gut gemacht. Leider hast du Spuren hinterlassen. Aber das mag kaum noch ins Gewicht fallen, vielleicht sogar n\u00fctzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e58146e30992adda7abdc6f45f8fbfd4\"><em>Wie denn? Die ganze Flucht war umsonst! Ich habe mich wieder erwischen lassen! Und nun bin ich hier gefangen!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"3b6d4207dfa871d3d4fd1f2cbc3104fc\">\u201eDas bist du in der Tat. Aus diesen Fesseln entweichst du nicht. Beachtlich, dass ein alter unkundiger Greis die Magie kennt, die die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> in ihr Lederzeug weben, findest du nicht auch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"851f24febbacf57f8f0418685746c4b8\"><em>Ich habe versagt. Ich habe diesen Mann, den du mir zu suchen aufgetragen hast, noch nicht gefunden.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0737dec59000d29f84a30f3db5059d74\">\u201eIch habe dir daf\u00fcr keine begrenzte Zeit gegeben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bf6e06a9c2d0fe7a63dd08068d25221c\"><em>Meine Zeit ist sp\u00e4testens in einem halben Tag vorbei. Diese entsetzlichen &#8230; Dinger &#8230; sie werden mich umbringen!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"bcd5ac2290de313f403dfd3f31641ea4\">\u201eIch denke nicht, dass diese \u201aDinger&#8217; das zuwege bringen werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d1713038c3694ad443a81a63d2f50986\"><em>Und was geschieht stattdessen mit mir?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"4ac12e7e44b4788b7b8ea89bd73ff686\">\u201eIch wei\u00df nicht. Vielleicht etwas wesentlich unangenehmeres. Wir werden es sehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f1893ccedd7e1d5bb35d92c7e4928d88\">Gal\u00e9on runzelte die Stirn. Das tat weh. Blut rann ihm ins Auge. Das Traumphantom, das nun offen und plastisch vor ihm stand, sah nun sehr ernst aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"51a5bfdf53d3dc09e93e95e83d2f0894\"><em>Was geschieht in der W\u00fcste?, <\/em>wisperte Gal\u00e9on im Geist. <em>Ich wei\u00df, dass da etwas gegen die M\u00e4chte im Gange ist! <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"bbdfea4efeeca65df3ef2d03ba568ae4\">\u201eDas wirst und musst du selbst sehen. Und diesmal durch deine <em>eigenen<\/em> Augen. Keine Spielereien mehr mit unzul\u00e4nglichen Unkundigen. Das hast du nicht mehr n\u00f6tig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"831a1c3fe24cdf2a7de1c2cafc01bcdd\">Neue Rufe mischten sich in das Kampfget\u00f6se, Metall klimperte. Ein Trupp von einem halbdutzend Wachleuten hastete heran, um die Lage auf dem Westmarkt wieder unter Kontrolle zu bringen. Das Traumphantom ignorierte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"cfe3532fa291f472d0feb249f2958d3a\"><em>Diese ganze Plackerei, der enge Tunnel, der steile Fels, die Hetzjagd&#8230; alles war fruchtlos.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0c2bd032853da6ee78954a3f729e90ec\">\u201eNein. Es war n\u00f6tig, dass du diesen Weg hinter dich bringst. Es war n\u00f6tig, dass du Dinge siehst, um davon berichten zu k\u00f6nnen und sp\u00e4ter eine wirklich interessante Geschichte daraus zu machen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"12c57c8466edcf24df46258c9b85ad86\">Gal\u00e9on zuckte zusammen. Direkt neben ihm wurde ein K\u00f6rper gegen das Gitter geschleudert, sackte zusammen, rappelte sich auf und st\u00fcrzte sich erneut in den Kampf. Der Rotgewandete schaute ihm zerstreut nach.<\/p>\n<p data-p-id=\"3b7929fff49a6a0a51b2f48925177765\"><em>Dinge? Das Zeug, das ich in der H\u00f6hle gefunden habe?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"ef2352fd33f457148b9d65ee2c60be08\">\u201eRede nicht zu den falschen Leuten dar\u00fcber, sobald deine Zunge wieder ihren Dienst tut.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8bbcf05af0c9dfd110c6af5c365a00da\"><em>Meine Zunge ist nicht mehr zu gebrauchen! Wenn ich nur nicht ..<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"66da2a436e5cfba6205aa9adaa5ca849\">\u201e&#8230; dann h\u00e4tte dieser seltsame Kerl sie dir l\u00e4ngst ganz ausgeschnitten, bevor dich andere, m\u00e4chtige Leute zum Sprechen bringen. So gesehen hast du gro\u00dfes Gl\u00fcck gehabt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"941c76d5f9aba2ee816b1e49f811999f\">Gal\u00e9on dachte nach. Damit mochte das Traumphantom Recht haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"86ace5f5a453363a580c89726373dc26\"><em>Ich w\u00fcrde gern verstehen, was es mit alldem auf sich hat. Ich habe so viel falsch gemacht.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6efc2cc375448624209dbf9d62ad9d8b\">\u201eNein. Die Fehler liegen allein bei mir. Einst h\u00e4tte ich die Zeichen, die mir die M\u00e4chte gaben, bedenken und nach ihnen handeln sollen. Ich h\u00e4tte die Verantwortung und Pflicht nicht aus Eigennutz ablehnen und falschen Tr\u00e4umen nachh\u00e4ngen sollen. Ich h\u00e4tte dich damals mit mir nehmen und dich in unserer Kunst unterweisen sollen, nicht nur dein Leben bewahren und dich dann deinem Schicksal \u00fcberlassen. Das war eigens\u00fcchtige Dummheit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"252c2fc133d3e92adefe9148492f3620\"><em>Du hattest wahrscheinlich keine Wahl, damals. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"568b80f2071452cbff78cff34bb1f947\">Das Traumphantom nickte nachdenklich. \u201eIch hatte keine Zeit f\u00fcr dich, damals. H\u00e4tte ich mir die Zeit <em>genommen<\/em> &#8230; Es w\u00e4re vielleicht so viel Leid erspart geblieben. Wer wei\u00df?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3847f8f44cd6252681fb324e7eb0433c\">Die Autorit\u00e4t der Stadtw\u00e4chter und ihre spitzen Stangenwaffen zeigten Wirkung. Die Schl\u00e4gerei begann, sich aufzul\u00f6sen. Die Umstehenden zogen sich in gro\u00dfen Teilen unauff\u00e4llig in die Tavernen zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"64ff3cc996e349667e2dbe037608244a\"><em>Ich habe Angst, <\/em>sagte Gal\u00e9on.<\/p>\n<p data-p-id=\"4a659632a2c40a68ff2324b98ed6c65e\">\u201eEs w\u00e4re idiotisch, keine Angst zu haben. Aber unseresgleichen erlangt keine Meisterschaft ohne Angst und Pr\u00fcfungen. Du schl\u00e4gst dich ausgezeichnet. Aber du bist noch nicht am Ende.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bfc26fd6c779c08fef135fa1005c37c6\"><em>Wirst du bei mir sein, wenn &#8230; wenn es geschieht?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"1e1c15997b7026b1fcee4cc3789155f0\">\u201eSelbstverst\u00e4ndlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f33637ea072b2939509c9a3a98eea5c6\"><em>Wirst du mir beistehen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f8984e45566d29d1e1cfdca47fbb7333\">\u201eNein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"48a5491ee981030fd9afaeb885c76282\">Gal\u00e9on schaute den Rotgewandeten fassungslos an. Dann traf den <em>b\u00e1chorkor<\/em> ein heftiger Sto\u00df vor die Brust. Erschrocken riss er die Augen auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"e892925704b93e08c8e582e2760d4468\">\u201eHe!&#8221;, raunzte ihn einer der Stadtw\u00e4chter, offenbar der rangh\u00f6chste der Gruppe ihn an. \u201eHast du das angezettelt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"600199f244e1bb75eaea45559ffb0301\">\u201eDer ist stumm!&#8221;, rief jemand aus dem Hintergrund. \u201eDer kann nicht antworten!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ad1fc274375783175776af59d4eefe7\">\u201eDann sagt es mir einer von euch P\u00f6bel! Hat der hier was damit zu tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"66f139944278583c601d5c7145240538\">Vor der Zelle lagen drei K\u00f6rper am Boden, der Glatzkopf mit der Lederkappe und zwei j\u00fcngere Kerle, die Gal\u00e9on in dem Gewimmel zuvor nicht bemerkt hatte. Die M\u00e4nner waren nicht tot, aber offenbar vorerst au\u00dfer Gefecht. Die unsittliche <em>f\u00e1njula<\/em> hockte daneben, hielt sich die Wange und heulte aus Leibeskr\u00e4ften. Offenbar hatte sie in dem Get\u00fcmmel ebenfalls Pr\u00fcgel bezogen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4c06416b674e3c0eebaccf83136800a3\">\u201eHat er!&#8221; \u00daldaises Handlanger wischte sich das Blut weg und verteilte es dabei nur noch gro\u00dfz\u00fcgiger \u00fcber sein Gesicht. \u201eDer hat das Weibsbild da hinten beleidigt! Hat sie selbst gesagt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6d00957fa363bd3f994ae6aad079896c\">Gal\u00e9on seufzte auf. Wahrscheinlich hatte er das Traumphantom doch nur herbei phantasiert, um diese Albernheiten hier nicht ertragen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ef9d28e6f744b169e52f3fc936eeacd0\">\u201eIst das wahr?&#8221;, herrschte der W\u00e4chter die <em>f\u00e1njula<\/em> an. \u201eHat der hier etwas Ehrenr\u00fchriges zu dir gesagt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"81abda3769ec0befb8e52741da438fbb\">Sie stutzte und runzelte die Stirn, humpelte auf Gal\u00e9on zu und spuckte ihm unversehens ins Gesicht. Dann wandte sie sich auf dem Absatz um und wankte zur\u00fcck in die Taverne, wo sie wohl eine Kammer f\u00fcr ihre Dienstleistungen hatte. Dem W\u00e4chter schien das als Antwort zu gen\u00fcgen.<\/p>\n<p data-p-id=\"da4e879458d976631ae64ff386890d42\">\u201eDiebstahl. Brandstiftung. Erregung eines \u00f6ffentlichen Aufruhrs.&#8221; Kopfsch\u00fcttelnd schaute er an Gal\u00e9on herauf und herab. \u201eUnd das alles von so einem harmlos aussehenden Burschen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9943c9e7c2d76b5813605779614ac097\">\u201eMein Herr sagt&#8221;, mischte sich der Knecht eifrig ein, \u201evermutlich hat der noch viel mehr auf dem Kerbholz.<\/p>\n<p data-p-id=\"d8bd7b321403878f97d0447d791e05ca\">\u201eTats\u00e4chlich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb8e7a22c34f807aeba31f9339160106\">\u201eEinen Aufstand will er wohl anzetteln. Gegen den <em>konsej<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b468a86ca57f95cbfd37ba4111e654b5\">\u201eSo?&#8221; Der Anf\u00fchrer musterte den arg ramponierten Muskelmann zweifelnd. \u201eSo ein k\u00fcmmerlicher Wicht wie der da?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bd7aaf405fdf78821dadd94e39dd44c4\">\u201eSag mein Herr&#8221;, nuschelte der Knecht. \u201eIch kann&#8217;s nur ausrichten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e3a2b8d06b82e7dfc725ec55b4b6f7ec\">Die \u00fcbrigen Bewaffneten der Wache hatten sich zwischenzeitlich der drei verbliebenen Opfer der Schl\u00e4gerei angenommen. Angesichts der Autorit\u00e4t der Stadtw\u00e4chter kam wieder Leben, Verstehen und Entsetzen in die M\u00e4nner. \u201eWas machen wir mit denen hier?&#8221;, wollte einer der Stadtsoldaten wissen. \u201eIn die Zelle?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b9f14398d8305401090da6dc0f1516b7\">\u201eNicht in die hier!&#8221;, meldete sich jener, der urspr\u00fcnglich zust\u00e4ndig gewesen war, hastig zu Wort. \u201eDer <em>sinor<\/em> \u00daldaise w\u00fcnscht, den da allein, gesichert und unversehrt zu sehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"077654d499672bae5f09bc9eb648de3e\">\u201eJa, nicht dass ihm in der Zelle noch jemand an den Kragen will!&#8221; Der Knecht schniefte Blut aus seiner Nase hinfort. \u201eDa bin ich dann n\u00e4mlich verantwortlich f\u00fcr! Den darf keiner anfassen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"44201836e6eb69891455e728cd439836\">Der Anf\u00fchrer stand einen Moment unschl\u00fcssig. Dann winkte er seine Leute beiseite. \u201eGut. Lassen wir die hier laufen. Ihr k\u00f6nnt Euch beim <em>sinor<\/em> bedanken, dass wir heute Nacht schlicht keinen Platz f\u00fcr Euch haben!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"984369b7e0520f7513f2620fe6ff5e45\">Die drei Gepr\u00fcgelten entfernten sich eilig und unter dankbaren, wenn auch wackligen Verbeugungen in alle Richtungen, tauchten wieder in den Schutz des Nachtlebens von Aur\u00f3p\u00e9a ein. Der mit der Lederkappe, offensichtlich nun frei vom Rausch, wagte es unter dem missbilligenden Blick des Wachkommandanten, noch einmal an Gal\u00e9on heranzutreten, dem der Speichel der Dirne von der Wange rann.<\/p>\n<p data-p-id=\"2423ad1dbeb9399446cacae9ff29c2f4\">\u201eHat meinen Bruder in die W\u00fcste geschickt, der Verfluchte&#8221;, zischte er dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> zu. \u201eWegen &#8216;ner Lappalie. Das Chaos soll ihn verschlingen! Versager, du!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5745810d2bad77412bb094b3675fe398\">Damit landete eine zweite Ladung Spucke, vermischt mit Schnaps und Blut auf Gal\u00e9ons Stirn.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e332e952590c6b32aa7fb61db24caff\">\u201eHe! Troll dich gef\u00e4lligst!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dd09e8cdcca7182d4e148d8a21361275\">\u201eIs&#8217; ja gut!&#8221; Der Glatzkopf schlurfte davon. Im Vorbeigehen zischte er \u00daldaises Knecht noch eine ver\u00e4chtliche Beschimpfung zu. Der schubste den Mann w\u00fctend daf\u00fcr, aber es wurde keine neuerliche Rauferei daraus. Nicht jetzt, da der f\u00fchrende Stadtsoldat mit strengem Blick daneben stand.<\/p>\n<p data-p-id=\"7929c457f7c21f67bbf2f33770df4bad\">\u201eUnd Anstiftung zum Aufstand&#8221;, sagte er kopfsch\u00fcttelnd in Gal\u00e9ons Richtung. \u201eIch denke, da ist was dran. Schade, dass wir wohl nie erfahren werden, was dahinter steckt. Aus einem Stummen bekommt nicht mal \u00daldaise etwas heraus. Vielleicht dein Gl\u00fcck, <em>b\u00e1chorkor<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3bd6cf349623555eda9001a27794fce1\">Er runzelte die Stirn und griff dann nach dem Ende eines Z\u00fcgels, das lose neben Gal\u00e9ons Hand herabhing. \u201eSehr ungew\u00f6hnlich.&#8221; Der Kommandant lie\u00df das fein gearbeitete und goldverzierte Leder durch die Finger gleiten. \u201eMir ist, als h\u00e4tte ich so etwas heute schon einmal aus der N\u00e4he gesehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2ff95ea33f8c7cf039eb166c92910824\">\u201eSind ganz besondere Riemen&#8221;, erteilte der Knecht ungefragt Auskunft. Jemand brachte ihm einen neuen Krug Bier. \u201eMit Magie drin&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"080674478c99117541871a224cc6071e\">\u201eMit Magie?&#8221; Der Wachanf\u00fchrer blickte auf. \u201eWie das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4698fc5728995f8d2a92df7d6f141e16\">\u201eKeine Ahnung. Hat mein Herr gesagt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f285b2160aa4e8db9f79d706a9c56091\">\u201eDer Regenbogenritter, Herr&#8221;, sagte einer der Wachsoldaten, die sich nun wieder um ihren Anf\u00fchrer gruppierten. \u201eDer Gelbe, der mit dem Kind unterwegs war. Sein Einhorn hatte ganz \u00e4hnliches Lederzeug.&#8221; Er grinste verlegen und die fragenden Mienen seiner Kameraden. \u201eIch achte auf sowas. mein Gro\u00dfvater, m\u00f6ge er hinter den Tr\u00e4umen in Frieden sein, war Lederer. Sch\u00f6ne Sachen hat er gemacht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"71890a0b5d171d36e909e5fd5a6b04ce\">\u201eUnfug&#8221;, r\u00fcgte sein Vorgesetzter. \u201eWo sollte der <em>sinor<\/em> denn Zeug von den Magiern hernehmen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"517ea1bdcd946c89de39bdccde08aa0f\"><em>Ja, <\/em>dachte Gal\u00e9on, der schon eine ganze Weile dar\u00fcber nachgesonnen hatte. <em>Welchem Einhorn mag er das unter den Augen eines arcaval&#8217;ay vom Zaum gepfl\u00fcckt haben? Und dann gleich vier St\u00fcck!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"7ff167c550a2b2d6fa915707bb75ef41\">\u201eF\u00e4lschungen werden das sein&#8221;, tat der Befehlshaber die Sache ab und lie\u00df den Lederriemen wieder los. \u201eDa hat einer die Kunst der Ritter kopiert. Dein Herr hat viel Sinn f\u00fcr Kunst, was?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"49e643ff4e3b191c8cba555dbcce0983\">\u201eNa ja. Er besitzt viele B\u00fccher und Silberzeug und sowas.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e985ca69327cbfee81b04bd5c11c4674\">Der Anf\u00fchrer der Truppe zuckte die Acheln. \u201eVerschwendung. Ein St\u00fcck Strick h\u00e4tte es auch getan. Richte deinem Herrn aus, dass es morgen soweit ist, sobald die Sonne \u00fcber die S\u00fcdmauer steigt. Mit dem hier sind es sechs.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6f22021e8559a198ce5375d5c436fb80\">\u201eIch werd&#8217;s ihm sagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"57750386e8f80aa9d50184c24d65f18e\">\u201eMagie&#8221;, schnaubte der Wachanf\u00fchrer kopfsch\u00fcttelnd. \u201eWas ihr dem Alten so alles glaubt. &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"252d152abe3bbb93c8b302aa9562d41e\">Er entfernte sich mit seiner Truppe. Nur der, der urspr\u00fcnglich zur Wache beordert gewesen war, blieb zur\u00fcck und setzte sich zu dem Muskelmann mit dem blutrot verschmierten Gesicht an den Tisch. Argw\u00f6hnisch starrten die beiden nun Seite an Seite zu Gal\u00e9on hin und lie\u00dfen ihn nicht aus den Augen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a653767aba2242f5e3d62b95e3d97eb\">Hier und dort kam aus den Gasth\u00e4usern und Schankstuben Personal hervor, um die umgeworfenen B\u00e4nke und Tische wieder aufzustellen und Scherben wegzukehren. Innerhalb kurzer Zeit normalisierte sich das Nachtleben wieder. Gel\u00e4chter, Musik und Gegr\u00f6le vermischten sich wieder zu der Ger\u00e4uschkulisse der Unterstadt. Das Nachtget\u00fcmmel zog nun an der Zelle vorbei. Menschen gafften hinein und machten sich \u00fcber den jungen Mann mit dem blutigen, bespienen Gesicht lustig. Aber niemand wagte sich mehr als eine Arml\u00e4nge an die Zelle heran.<\/p>\n<p data-p-id=\"f5757a958b631b71a21a5f10dae58435\">Der Gong von den Mauern zeigte an, dass die Nacht voranschritt.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2528","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2528","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2528"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2528\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3796,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2528\/revisions\/3796"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2528"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2528"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2528"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}