{"id":2525,"date":"2025-08-25T12:33:57","date_gmt":"2025-08-25T10:33:57","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2525"},"modified":"2025-09-01T09:18:09","modified_gmt":"2025-09-01T07:18:09","slug":"056-yalomiro-rennt-im-schatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/056-yalomiro-rennt-im-schatten\/","title":{"rendered":"056: Yalomiro rennt im Schatten"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"f1923c92b0e3e6f2964e8807e897bdf1\">Durch die Dunkelheit zu gehen war etwas, das Yalomiro f\u00fcr gew\u00f6hnlich als sehr angenehm empfand. Es gab dem, der es tat, Zeit zum Nachdenken, zur Besinnung. Es erlaubte die \u00dcberwindung r\u00e4umlicher Distanzen, konnte Reisen von mehreren Monden erheblich abk\u00fcrzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"75f92b79618d0919b5603f97cc6561b3\">Es hatte auch seine Nachteile. Solange ein Schattens\u00e4nger sich in Nokt\u00e1mas Dom\u00e4ne bewegte, konnte er nicht zaubern. Wie dienlich w\u00e4re es wohl gewesen, wenn er diesen Weg zus\u00e4tzlich als Pferd oder Rabe h\u00e4tte zur\u00fccklegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9c2ba39acdcffbaa8ddf1e31e750b7b7\">Es konnte ihm nun nicht schnell genug gehen, auch wenn er so eilig ausschritt wie nur m\u00f6glich. Anfangs war er gerannt, hatte aber bald erkannt, dass ihn das vor der Zeit ersch\u00f6pft h\u00e4tte. Er schalt sich f\u00fcr seine Unbedachtheit, die Verschwendung von Kraft und versuchte, sich zur Besonnenheit zu zwingen. Niemandem w\u00fcrde es etwas n\u00fctzen, wenn er nun einen Fehler beging.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec47f744a8cb5eb66dcebd00f146bd55\">D\u00fdamir\u00e9e! Etwas war geschehen mit D\u00fdamir\u00e9e, mit dem Kind, das Nokt\u00e1ma ihm und Salghi\u00e1ra erlaubt hatte. Mit dem gr\u00f6\u00dften Wunder, das sich jemals im Schutz des Boscarg\u00e9n ereignet hatte. Dem geliebten Kind war etwas zugesto\u00dfen, das so dringlich, so verst\u00f6rend war, dass es in Salghi\u00e1ra, der verzagten, der sch\u00fcchternen, der sich niemals selbst vertrauenden Salghi\u00e1ra die Kraft f\u00fcr einen eigenen gro\u00dfen Zauber erweckt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c207d2081394d746f75233d017bb1e6\">Er verfluchte sich f\u00fcr das, was er getan hatte. Was hatte er sich nur dabei gedacht, die <em>h\u00fdardora<\/em>, das Kind, D\u00fdamir\u00e9e, das erste Wunder unter dem Mond, allein zur\u00fcckzulassen? Wie hatte er sie verlassen k\u00f6nnen, nur um ein paar Unkundigen zu Diensten zu sein?<\/p>\n<p data-p-id=\"6f87b4608f5b1ef18482316e2b04bc61\">Er erschrak vor dem Unwillen, der in ihm erwachte und zwang sich zur Ruhe. Jedes der unkundigen Kinder, die er in Wijdlant angetroffen hatte, jeder liebende Vater und Mutter galt dasselbe wie seine eigene Familie. Sie alle waren Teil des Weltenspieles, wenn auch mit anderen Bestimmungen. Das Widerwesen hatte etwas mit diesen Unkundigen vor. Dass er zu den Unkundigen gegangen und einen Blick darauf hatte erhaschen k\u00f6nnen, war richtig gewesen und w\u00fcrde sich sicher zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt in seiner Wichtigkeit offenbaren.<\/p>\n<p data-p-id=\"8c5642052bb6a2f61f6c7961b461df62\">Eine Weile versuchte er, seine Herzschl\u00e4ge zu z\u00e4hlen, deutlich konnte er es pochen h\u00f6ren in der Stille der Schatten. Er versuchte, dem Rhythmus einen Hinweis auf die Zeit abzugewinnen und sie in Bezug zu der Strecke zu setzen, die es zur\u00fcckzulegen galt. Aber immer wieder kam er aus dem Takt dabei. Seine Gedanken wollten einfach nicht stillhalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"6c943cadf31dcc04bcb7b484d2829edc\">D\u00fdamir\u00e9e! Das Kind, dass Salghi\u00e1ra und ihn selbst verband, das ihrer beider Spuren in sich weitertragen w\u00fcrde. Das kleine Wesen, das aus ihr und ihm entstanden war, Nokt\u00e1ma allein mochte wissen, warum und f\u00fcr welches Schicksal!<\/p>\n<p data-p-id=\"2c698543e595d36c9023a7ca349ed76d\">Sie war nicht tot, die M\u00e4chte sollten gepriesen sein daf\u00fcr. Aber zu einer deutlicheren Botschaft war Salghi\u00e1ras Zauber nicht f\u00e4hig gewesen. Etwas war mit D\u00fdamir\u00e9e geschehen, dass Salghi\u00e1ra hilflos und \u00fcberm\u00e4chtig zugleich gemacht hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"31c70a4bae25fe5c448682a444412eac\">Ungeduldig war er auf seinem Weg immer wieder aus den Schatten hinausgesprungen, hatte nach ihren Tr\u00e4umen gesucht, aber sie schlief nicht. Noch nicht. Wenn er doch nur einen kurzen Blick in ihre Gedanken werfen, einen Anhaltspunkt daf\u00fcr finden k\u00f6nnte, was vorgefallen war. Nur eine winzige Andeutung dessen, was ihn erwarten w\u00fcrde, wenn er sp\u00e4testens am Mittag des folgenden Tages den Eta\u00edmalon erreichte, sofern er ohne Unterlass lief. Bei seinem dritten Sprung in die nichtmagische Sph\u00e4re befand er sich irgendwo in einer Schlucht des Montaz\u00edel, auf einem der schmalen Steige. Unterhalb, in der Entfernung, sah er Licht, eine der kleinen Herbergen am Rande einer der Reiserouten, die die Unkundigen benutzten. Warm leuchtete der Schein durch die Fenster des Hauses am Grund des hier sehr breiten, mit Gras und niedrigen B\u00e4umen begr\u00fcnten Tals.<\/p>\n<p data-p-id=\"eed4cb4b35d620567d213a67bced59ca\">Er wandte dem Geb\u00e4ude den R\u00fccken zu und entschloss sich, eine Weile unter dem offenen Himmel zu bleiben. Wer zu lange am St\u00fcck in Nokt\u00e1mas Dom\u00e4ne lief, begab sich in Gefahr wie ein Taucher, der verga\u00df, Luft zu holen.<\/p>\n<p data-p-id=\"eef6b64b24edef7eaf0d2177e16187e8\"><em>Salghi\u00e1ra! Salghi\u00e1ra, kannst du mich h\u00f6ren! Lass mich hinein in deinen Traum, ich bitte dich! Ich bin besorgt!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d8f49bc59813f7457656377fe7c471bb\">Zwecklos. Zweifellos war sie wach und viel zu weit weg. Das aufmerksame Tr\u00e4umen war etwas, das er sie dringend lehren musste. Mit Ar\u00e1ma\u00fa hatte er sich damals \u00fcber die halbe Welt hinweg verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen. Von Salghi\u00e1ra war er nie so weit entfernt gewesen, um es zu \u00fcben. Sie hatten es nie gebraucht. Sie waren beieinander. Und es hatte wichtigeres gegeben, als Salghi\u00e1ra m\u00fchevoll in all die Fertigkeiten einzuweihen, die Schattens\u00e4nger schon als Kinder erlernen mussten. Das Kind, das <em>unkundige <\/em>Kind, es war so wichtig! Es war einzigartig. Es h\u00e4tte nicht geboren werden k\u00f6nnen! Und doch war es da und sie hatten es lieb, so lieb &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"ddf6acc02ff9523cabdaa7a838761717\">D\u00fdamir\u00e9e!<\/p>\n<p data-p-id=\"f916c0b67787388ce6d91268fcedf7de\">Nokt\u00e1mas Regeln waren strikt und unaufl\u00f6slich gewesen, seit sie den ersten Schattens\u00e4nger mit Magie beschenkt hatte, vor so langer Zeit, noch bevor das erste <em>yarlm\u00e1lon<\/em> begr\u00fcndet wurde. Niemals hatte einer ihrer Diener leibliche Nachkommen haben d\u00fcrfen. Schon die Begierde brachte Verderben. Die Lust brachte den Tod. Es durfte nicht sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"9650e7ec8f31d2570891d023d238e3fe\">D\u00fdamir\u00e9e! Warum hatte Nokt\u00e1ma zugelassen, dass das Kind existierte? Wieso hatte sie es gebilligt, dass er sich mit Salghi\u00e1ra vereinte? Was war mit ihnen geschehen, damals, in jener Nacht am Ufer des Sees? Er erinnerte sich daran nur wie an Traumfetzen, wie Nebel, den ein sanfter Luftzug auseinander trieb. Salghi\u00e1ra, das hatte er im Nachhinein begriffen, schien es viel bewusster erlebt als er und gro\u00dfen Gefallen daran gefunden zu haben. Er erinnerte sich nicht, wie eines zum anderen gekommen und was dabei mit ihm passiert war. Indes, es war &#8230; <em>angenehm <\/em>gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8aff2d81bc18573594857b9650b29c87\">Aber was hatte Nokt\u00e1ma mit D\u00fdamir\u00e9e vor? War das, was auch immer mit dem unkundigen Kind geschehen sein mochte, ein Teil <em>ihres <\/em>Planes?<\/p>\n<p data-p-id=\"1bda301d4542f04d37cd8f3524fcbff5\">Der Schattens\u00e4nger versuchte, sich selbst zu beruhigen und zu betr\u00fcgen. Vielleicht war etwas geschehen, das aus Salghi\u00e1ras Sicht hochdramatisch, in Wirklichkeit aber eine Nichtigkeit war. Vielleicht war D\u00fdamir\u00e9e beim Spielen von einem Baum gefallen und hatte sich Arm oder Bein gebrochen. Vielleicht wagte Salghi\u00e1ra es nicht, einen Heilzauber an ihrer eigenen Tochter zu wirken. Nichts, was er nicht mit einem kleinen Lied wieder heilmachen konnte. Aber es gelang ihm nicht, sich selbst zu bel\u00fcgen. Schattens\u00e4nger <em>konnten <\/em>nicht l\u00fcgen, nicht einmal sich selbst gegen\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"dedf372da97d6cb07d393394aeedadc0\">Der Magier tauchte zur\u00fcck in die Finsternis. Die Unsicherheit, das fruchtlose Gr\u00fcbeln wurde unertr\u00e4glich. Es \u00e4hnelte den Seelenqualen, die er einst ausgestanden hatte, als er selbst hilfloser Gefangener des Rotgewandeten gewesen war und nicht wusste, was dieser derweil Salghi\u00e1ra antun mochte. Damals hatte ihn diese Ohnmacht an den Rand des Wahnsinns getrieben. Dies hier, das war noch schwerer zu ertragen. Damals hatte er <em>gewusst<\/em>, mit wem er es zu tun hatte, wozu der Rotgewandete f\u00e4hig und willens war. Nun stand er entsetzt, ohnm\u00e4chtig und besorgt wie hinter einer Mauer, und seine eigene Phantasie trieb bizarre Bl\u00fcten.<\/p>\n<p data-p-id=\"df72b7e242e6bbd9577fe5d7885c2270\">Salghi\u00e1ra war auf der anderen Seite dieser Mauer. Sie <em>wusste<\/em> was geschehen war. Und sie fragte sich zweifellos, wie er es hatte wagen k\u00f6nnen, sie allein zu lassen. Hatte er im Weltenspiel denn andere Pflichten, als das zu besch\u00fctzen, was ihm anvertraut war? Salghi\u00e1ra, die seine Seele erg\u00e4nzt hatte? Seine <em>h\u00fdardora<\/em>, die ihn von ganzem Herzen gl\u00fccklich machte? Die ihn ihm Gef\u00fchle erweckte, f\u00fcr die er nicht ansatzweise Worte hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"f5d61a0ac9a9233c3c337b606f2b585e\">Yalomiro seufzte w\u00fctend auf. Den Gedanken, dass Salghi\u00e1ra ihm Vorw\u00fcrfe machen w\u00fcrde, den ertrug er nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"07fd493c9a4ba8f7044990662fa0b310\"><em>Ich bin der Gro\u00dfmeister der<\/em> camata&#8217;ay<em>,<\/em> redete er sich ein. <em>Welcher Widersacher w\u00e4re im Weltenspiel, den ich nicht bezwingen k\u00f6nnte?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d9b6b171de56a4f841c9e03e33e5ec7d\">Ihm wurde bewusst, dass er schon wieder rannte. Er rief sich zur Ordnung und zwang sich zum Gehen. Nur so k\u00e4me er schneller voran.<\/p>\n<p data-p-id=\"f1b5ba499aa490f2cbff832ae6b8ada6\"><em>Bitte, Nokt\u00e1ma, <\/em>flehte er. <em>Lass es etwas sein, von dem Salghi\u00e1ra nicht ahnt, wie gering es ist. Lass es etwas sein, was ich mit einem Lied beheben kann, sodass wir alle anschlie\u00dfend \u00fcber die Aufregung in Verlegenheit kommen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"b222fb0f186920eab882585326e5c6f4\">Aber wenn es doch etwas Ernstes war? Wenn ein &#8230; Widersacher den Moment ausgenutzt hatte, in dem er f\u00fcr eine kurze Weile <em>h\u00fdardora<\/em> und Tochter aus den Augen gelassen hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"7398587040a4764c6c69b29a139e201b\">Und wenn es eine Falle war? Wenn &#8230; <em>etwas<\/em> ihn aus dem Eta\u00edmalon fortgelockt hatte? Wenn das Widerwesen vielleicht doch besser winzige, fl\u00fcchtige Ziele anvisieren konnte, als er sich vorgestellt hatte? Wenn der Tod der beiden <em>yarlara\u00e9<\/em> und all das Leid, das damit \u00fcber die Unkundigen, \u00fcber die V\u00e4ter und Kinder gekommen war, nichts weiter gewesen war als eine List, etwas, das das Widerwesen ihm vorgehalten hatte wie ein Falkner ein Luder f\u00fcr seinen Vogel?<\/p>\n<p data-p-id=\"9359e62dfa39916ec50992b00286124f\">Was, wenn er darauf <em>hineingefallen<\/em> war?<\/p>\n<p data-p-id=\"474bdd79e6b793a4a88e366e4b1ce8ca\">Dar\u00fcber wagte er nicht, n\u00e4her nachzudenken. Er schalt sich f\u00fcr diese t\u00f6richte Sorge und begann, ohne es recht zu bemerken, erneut zu rennen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"290d362ac8f2b5c694a24eb7385efe52\">\u201eWie gef\u00e4llt dir der junge Emberbey&#8221;, fragte Asga\u00fd von Spagor seine Tochter. Der <em>teirand<\/em> hatte es sich nicht nehmen lassen, die <em>teirandanja<\/em> zu Bett zu bringen. Manj\u00e9v entging nicht, wie sonderbar zerstreut und fahrig ihr Vater sich verhielt. Er wirkte viel nerv\u00f6ser, als sie es gewohnt war. Seine Familie, Dienstleute und Schutzbefohlenen kannten Asga\u00fd von Spagor so unbesorgt und l\u00e4ssig, dass jegliche Ernsthaftigkeit an ihm einem Alarmzeichen gleichkam.<\/p>\n<p data-p-id=\"29dd4559f303474291d2744fcb38d6c1\">\u201eIch wei\u00df nicht recht&#8221;, antwortete Manj\u00e9v. Sie \u00e4rgerte sich dar\u00fcber, dass es ihr nicht gelungen war, mit L\u00e1as oder J\u00e1ndris zu reden, nachdem die beiden endlich, nachdem die Tafel schon abger\u00e4umt wurde, den Weg in die Halle gefunden hatten. \u00c4rgerlicherweise waren die beiden gleich wieder von Pagendiensten und Familienpflichten eingenommen gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b68ec2eec1197c9a456cdcef2687de58\">Sie sch\u00e4mte sich ein wenig f\u00fcr diesen Gedanken, aber am liebsten w\u00e4re es ihr gewesen, wenn der Vater einfach eine gute Nacht gew\u00fcnscht und zur\u00fcck in die Halle gegangen w\u00e4re. Sicherlich hatte er mit seinen Rittern doch noch wichtige Dinge zu bereden! Sie aber musste sich so schnell wie m\u00f6glich wieder unbemerkt ins Freie schleichen, bevor die Jungen zu Bett gingen. In das Knappenquartier konnte sie sich schlie\u00dflich nachts nicht hineinmogeln, ohne dass jemand Fragen stellte. Nicht auszudenken, wenn sie dem gestrengen Schwertmeister der Jungen begegnet w\u00e4re!<\/p>\n<p data-p-id=\"3e163cd692a520ecb2e60d876a3bd58e\">\u201eDaf\u00fcr hast du dich ziemlich lange und ernsthaft mit ihm unterhalten&#8221;, sagte Asga\u00fd von Spagor und strich ihr l\u00e4chelnd \u00fcber das Haar.<\/p>\n<p data-p-id=\"1c1f76fd0535ef0f589567006964279f\">\u201eEr redet wunderlich. Als w\u00e4re er schon viel \u00e4lter als ich.. Aber ich glaube T\u00edjnje findet ihn ganz gro\u00dfartig. Und er ist nicht unertr\u00e4glich wie &#8230; Kann ich jetzt bitte schlafen, Papa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"349b50dd39416c76f06bb87453be7271\">\u201eWie bitte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4c786cca0ad2127cc4d334f2601608a1\">\u201eIch meine, es ist sp\u00e4t, und es war ein anstrengender Tag, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"175698242d34b554cc14e71aaf459b8f\">\u201eWas hast du auf dem Herzen, Manj\u00e9v?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f8e8742572f694f599ef9d992e531f3d\">Das M\u00e4dchen setzte sich in ihren Kissen auf und schaute ihn mit harmloser Miene an. \u201eDer Sohn von Herrn Wa\u00fdreth ist immer noch nicht wieder aufgetaucht, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83864936550800a7a76572a452ba012d\">\u201eNein. Aber es ist ebenso sicher, dass er irgendwo im Geb\u00e4ude sein muss. Die Burg ist an allen Toren bewacht. Niemand kommt unbemerkt hinaus.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dae809868019dc437156b98f25908e31\">\u201eGlaubst du, er l\u00e4uft hier nachts ganz alleine herum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88ebae8607a8620e09a766cbc2478937\">Der <em>teirand<\/em> versuchte ein aufmunterndes Schmunzeln. \u201eWei\u00dft du was? Ich gebe Anweisung, dass zwei Wachleute heute Nacht Dienst tun. Einer hier vor deiner T\u00fcr und der andere auf dem Hof, von wo er die Fenster sieht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d35e93e34fdca1cfb6be9e965af6c442\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"780d0d169026d503d7c47dc0d8a94cef\">\u201eNicht einmal ein M\u00e4uslein wird dich heute Nacht behelligen. Du kannst ganz in Ruhe schlafen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1c5155336d3f2a9a9dc8bf983c58692f\">\u201eWie du meinst, Papa.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ccb277b9348ebf81f2f46aaf7bd9de44\">\u201eDann schlaf nun. Deine Mutter wird sp\u00e4ter noch einmal nach dir schauen, sobald die Damen m\u00fcde werden. Deine <em>opayra<\/em> hat offenbar eine ganze Menge zu berichten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15e85d4fd6340ed4d98655f2f0ab699d\">\u201eDie <em>opayra<\/em> ist eine Klatschbase&#8221;, murrte Manj\u00e9v. Ihr Vater l\u00e4chelte und erhob sich von der Bettkante. Sein Lichtglas nahm er mit sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"19aa68b063c0009de53544e7d14f8344\">\u201eSchlaf gut, Manj\u00e9v. M\u00f6gen die M\u00e4chte dich sicher in den Tr\u00e4umen halten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ae6a571a00c656bab2cc06d2c4ff3a1\">\u201ePapa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ae8dcba0f92d6f833acecba5a9dd3b7\">\u201eJa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"003d60385e7af0b18bc1c75096b9cecc\">\u201eIst Meister Yalomiro noch in der N\u00e4he?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c21713227c5fdf15c5a409abf1f69151\">Der <em>teirand<\/em> z\u00f6gerte. Um das zu beantworten, musste er offenbar tats\u00e4chlich nachdenken. \u201eNein&#8221;, sagte er dann. \u201eMir ist, als habe er die Burg verlassen. Ganz pl\u00f6tzlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"02485c96875b0418a75a203de9fcc502\">\u201ePl\u00f6tzlich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"30df3b06dbd0d7f9e9ac9cf4499c422e\">\u201eJa. Ah, ich entsinne mich wieder. Er sagte, er m\u00fcsse dringend nach Hause.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"03a6e6553507339d1634ab55866c6712\">\u201eZu seiner <em>h\u00fdardora<\/em> und seinem kleinen M\u00e4dchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"675de3699bd1776073f1dabb1c2c04fa\">\u201eGenau. Er hatte es sehr eilig damit. Wieso fragst du?&#8221;, wollte er wissen und klang dabei ein klein wenig beunruhigter als n\u00f6tig.<\/p>\n<p data-p-id=\"73755f5eef5629373151bb9afd9170b1\">\u201eAch nichts. Ich meine &#8230; Papa, wenn mal etwas richtig, richtig Schlimmes passiert, dann w\u00fcrde er uns doch <em>helfen<\/em>, oder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d80944cfacfe16196dcfa9b1bbac8bb\">\u201eTraust du mir nicht zu, dass ich dich und deine Mutter ebenso gut verteidigen k\u00f6nnte?&#8221;, warf er sich, halb im Spa\u00df, in die Brust. Manj\u00e9v versuchte ein L\u00e4cheln. Erst k\u00fcrzlich hatte sie den Vater im \u00dcbermut gegen <em>yarl <\/em>Altabete fechten sehen. Der Ritter hatte sich anstrengen m\u00fcssen, seinen <em>teirand <\/em>nicht zu entwaffnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5d2a158ed192230fccc3353a005324c9\">\u201eDu musst dich nicht f\u00fcrchten, solange wir bei dir sind.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6a70255ab7066dc6bd06a623921b9b12\">\u201eJa, Papa. Gute Nacht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3996f3dea7841c6945e4f84379b1cca8\">Er neigte sich \u00fcber sie und ber\u00fchrte z\u00e4rtlich ihre Stirn mit der seinen. Dann verlie\u00df er leise das Schlafgemach.<\/p>\n<p data-p-id=\"03294ab62e2f243cc8ad89c5424a7a66\">Die <em>teirandanja<\/em> beobachte eine Weile das zuckende Fl\u00e4mmchen in dem Glas neben sich in der Wandhalterung. Die Stube lag nun im Dunkeln. Weiter als bis zu ihren Bettvorh\u00e4ngen schauen konnte sie nicht. Dann kletterte sie hinaus, warf sich ein Schultertuch \u00fcber und tappte barfu\u00df hin\u00fcber zur T\u00fcr. Ganz leise \u00f6ffnete das M\u00e4dchen diese und fand sich einem jungen Wachmann gegen\u00fcber, der verlegen err\u00f6tete und sich schnell abwandte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6df8813026eccb3f88fbe255c0d748e1\">\u201eHabt Ihr einen Wunsch, Herrin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b46dd6ddb66fb5956bca3079c95eb13d\">\u201eNein&#8221;, sagte Manj\u00e9v w\u00fcrdevoll. \u201eIch wollte mich nur \u00fcberzeugen, dass du fein aufpasst. Brav machst du das. Gute Nacht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b4e8aeb537815d0cbea3c96b885331e1\">Bevor der Bursche etwas entgegnen kommt, hatte Manj\u00e9v die T\u00fcr auch schon wieder zugezogen.<\/p>\n<p data-p-id=\"486990b2a83602de09511b4a34dd7210\">Wie \u00e4rgerlich!<\/p>\n<p data-p-id=\"0bb719effc194c1d67e3dd814e109aed\">Sie eilte zum Fenster, schob den einen Laden auf und schaute in den Hof. Dort bezog gerade ein zweiter W\u00e4chter seinen Posten vor der T\u00fcr der Schankstube und schaute pflichtbewusst zum Wohnhaus hin\u00fcber. Manj\u00e9v winkte ihm verlegen zu und zog sich ratlos wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"21a5073b495130605674784262d79693\">Merrit Althopian sa\u00df auf dem Boden vor der T\u00fcr und war nahe daran, zu weinen wie ein kleines Wiegenkind.<\/p>\n<p data-p-id=\"e194e478f6b5579814b3286b85000569\">Es lag nicht an dem rostigen Streitflegel, ganz bestimmt nicht. Die Waffe war tauglich und hatte einst bestimmt einem m\u00e4chtigen <em>yarl<\/em> im Kampf oder zumindest in einem Turnier gute Dienste geleistet. Aber die h\u00f6lzerne T\u00fcr war st\u00e4rker als Dornen aus Eisen. Der Junge hatte bis zur Ersch\u00f6pfung die gespickten Metallkugeln darauf niedergeschmettert, ohne auch nur einen Holzspan daraus l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Das ging nicht mit rechten Dingen zu und war dem Knaben unheimlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"23e95e75752477d8a448b190ec42a074\">Wahrscheinlich hatte der Magier ihn genau aus diesem Grund gewarnt, L\u00e1as und J\u00e1ndris zu trauen. Aber wie war es denn m\u00f6glich, dass die beiden eine dumme alte Holzt\u00fcr derma\u00dfen fest verschlie\u00dfen konnten?<\/p>\n<p data-p-id=\"6b775241109dd0a33d1c03a6c30a08de\">Ob vielleicht der Magier noch in der N\u00e4he war, um ihn zu befreien?<\/p>\n<p data-p-id=\"80953a64d82b0f8d649a2628800f0aec\">Wahrscheinlich hatte sein Gepolter hier oben im Turm niemand geh\u00f6rt. Merrit schniefte und war sich sicher, dass die T\u00fcr wahrscheinlich auch das Get\u00f6se, das er beim Versuch verursachte, sich durch die T\u00fcr zu pr\u00fcgeln wie ein wildgewordener Stier, nicht aus dem Raum gelassen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"7bef618fd5244fad0736dc8681a7a61b\">Er sa\u00df einen Moment still da. Die Laterne, die immer noch auf dem Tisch stand, gab ihm leidlich Licht. Einen Moment dachte er nach und erhob sich dann, um die Flamme etwas zu dimmen. Es war sicher vern\u00fcnftig, \u00d6l zu sparen. Besser wenig Licht als lange Finsternis. Im Dunkeln, das stand f\u00fcr ihn fest, w\u00fcrde es in diesem verlassenen Wohngemach mit dem gro\u00dfen Tisch noch viel unheimlicher sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"8463ac8ac686d3a382c6fc923f4ae987\">Er trat an die Laterne heran und warf einen Blick auf die merkw\u00fcrdigen silbernen Maserungen in der offenbar wurmstichigen Tischplatte, die im Schein des Fl\u00e4mmchens schwach funkelten. Dann zog er den Sessel heran, der etwas bequemer aussah als der Stuhl, legte seinen Flegel neben die Lampe, setzte sich und bettete den Kopf auf seine verschr\u00e4nkten Unterarme. Die Flamme tanzte ruhig vor sich hin.<\/p>\n<p data-p-id=\"67b91621c44ed0a24af3df8b47a36569\">\u201ePapa&#8221;, wisperte er leise und rieb sich die Augen am \u00c4rmel. Einen Augenblick lang verharrte er so still und machte sich Gedanken. W\u00fcrden die beiden andern <em>yarlandoray<\/em> tats\u00e4chlich so gemein sein, Osse Emberbey zu schaden, wenn er versuchte, auf sich aufmerksam zu machen? Das war ihnen sicherlich m\u00f6glich, ohne dass es gleich nach einer Schurkerei aussah. Vielleicht w\u00fcrden sie ihm seine Brille stehlen oder sein Pferd scheu machen, wenn er ausritt. Der unbeholfene Junge hatte ihm anvertraut, dass er ein ungeschickter Reiter war und sein Pferdchen den gr\u00f6\u00dften Teil des Weges am Z\u00fcgel gef\u00fchrt werden musste. Merrit hatte das witzig gefunden, nun aber bereitete es ihm Sorgen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ec0bc8355bbbc4489b4c24e05d3fab0\">Das Naheliegende zu tun und um Hilfe zu rufen, das schied also aus. Was immer es zu kl\u00e4ren gab, es musste mit der <em>teirandanja<\/em> selbst besprochen werden.<\/p>\n<p data-p-id=\"fda580e9fabb00a13d4ace842dcf61c5\">Er hob den Kopf. Um Hilfe rufen? Und wenn es ihm vielleicht doch gelang, sich aus eigener Kraft zu befreien?<\/p>\n<p data-p-id=\"d5bdd8e3d965bfb1bbc669b5058f2c1a\">Merrit Althopian sprang auf, lief hin\u00fcber zum Fenster und neigte sich hinaus. Weit unten sah er den Schein von Feuerschalen im Hof. Ganz ged\u00e4mpft h\u00f6rte er Ger\u00e4usche, Burgvolk, das sich vor der Nachtruhe noch in der Schankstube versammelt hatte. Ob der Vater dort unten bei ihnen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"761de271663197850ffc7aa54ab0b395\">Merrit Althopian beugte sich weit hinaus und tastete, so lang sein Arm war, die Au\u00dfenmauer ab. Seine tollk\u00fchne Idee verwarf er. Die Wand war von Wind und Wetter vieler Generationen so glatt geschliffen, dass er nicht daran klettern konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"eb2adcaec8e3484e3dfd747b9c6a63fb\"><em>Klettern?<\/em> Der Junge erschrak und lie\u00df sich wieder ins Zimmer zur\u00fcckfallen. Hatte er gerade ernsthaft dar\u00fcber nachgedacht, an der Au\u00dfenmauer eines Turms hinunterzuklettern, der die \u00e4u\u00dferen Burgmauern weit \u00fcberragte? War das sein eigener Gedanke gewesen?<\/p>\n<p data-p-id=\"6ccd636040e7302f64394d17662c2342\">Misstrauisch schaute er zum Fenster auf. Ja, genau das war es. Er hatte diese Eingebung oft gehabt seit dem Moment, als ein Dachziegel abgerutscht war, viele Tagesritte weiter im Norden. Wenn er selbst einmal abrutschte, so bildete er sich seither immer ein, wenn er eine Tiefe sah, w\u00fcrde die Mutter ihn auffangen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a70bdf8b08d576c73a245a4d34935717\">Und der Vater? Wer w\u00fcrde den Vater festhalten?<\/p>\n<p data-p-id=\"9abc34ed7b24d9eed4b20978e99f0b67\">\u201eNein!&#8221; Merrit Althopian sprang auf und zog in schierer Panik die Fensterl\u00e4den zu. Krachend schloss sich das schwere Holz vor den verlockenden \u00d6ffnungen im Mauerwerk und sperrte auch das letzte bisschen Licht aus, das Nokt\u00e1mas Juwel in dieses sonderbare Zimmer lie\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"4a098037a4a9e40f0d5790edd8be4306\">Der Vater <em>brauchte <\/em>ihn. Hatte er es nicht mit eigenen Ohren geh\u00f6rt, am Morgen, unter dem Tisch? Hatte er nicht seinen Vater unter Tr\u00e4nen flehen geh\u00f6rt, zu ihm zur\u00fcckzukehren?<\/p>\n<p data-p-id=\"029765feafbc5c1ea2fd55936bffa602\">Merrit setzte sich an den Tisch zur\u00fcck. Schmerzte das Herz des Vaters denn nicht ebenso wie das seine? Und versuchte der ruhmvolle und von allen geachtete Ritter etwa, feige vor seinem Schmerz davon zu laufen? Der Junge seufzte schwer und rollte die nutzlose Stachelkugel nachdenklich hin und her.<\/p>\n<p data-p-id=\"be7742f9401347db618d40cc9d24f1de\">Was h\u00e4tte der Smaragdritter wohl an seiner Stelle getan?<\/p>\n<p data-p-id=\"295b459af87e4eb7c0c9ed7383ff2529\">\u201eDer h\u00e4tte sich gar nicht erst \u00fcberlisten lassen wie ein Wiegenkind&#8221;, murrte Merrit \u00e4rgerlich. Aber ganz von sich sto\u00dfen wollte er den Gedanken auch nicht. Nicht erst seit J\u00e1ndris und L\u00e1as dar\u00fcber gel\u00e4stert hatten, war dem Jungen klar gewesen, dass die Abenteuer des gr\u00fcn ger\u00fcsteten <em>yarl<\/em> nichts weiter waren als ein M\u00e4rchen, eines f\u00fcr Damen wohl, was jene Passagen des Textes erkl\u00e4rte, die Merrit stets \u00fcberbl\u00e4ttert hatte, weil er nicht verstand, was der Dichter tats\u00e4chlich hatte sagen wollen. Doch abgesehen davon: Der Smaragdritter war <em>immer<\/em> siegreich. Er machte keine Fehler. Er bezwang jeden Gegner. Und wenn kein Schurke da war, der sich mit Kampfkunst besiegen lie\u00df, dann musste es eben mit List geschehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c698b062302c78c6a7bf5b73c5f5a87\">Die Metallkugel, an der nur ganz wenige Stacheln fehlten und die der T\u00fcr bemerkenswert gut standgehalten hatte, kullerte zwischen Merrits H\u00e4nden hin und her. F\u00fcr eine List fehlte ihm die Fantasie.<\/p>\n<p data-p-id=\"c081551e78084f12f3f4078a8babf730\">Nerv\u00f6s erhob er sich wieder, nahm die Lampe vom Tisch und begann erneut, die Dinge in den Regalen zu untersuchen. In den meisten der D\u00f6schen befanden sich kr\u00fcmelige, trockene R\u00fcckst\u00e4nde von Kr\u00e4utern, die intensiv und Pulver, die \u00fcberhaupt nicht dufteten, in einigen der Fl\u00e4schchen schwappten bunte Fl\u00fcssigkeiten. Wer mochte hier gelebt haben? Ein <em>doay<\/em>, ein Heiler vielleicht? Oben in einem Turm? Mehr zuf\u00e4llig richtete Merrit schlie\u00dflich den Blick nach oben. Die Malerei an der Zimmerdecke hatte er bislang noch gar nicht bemerkt.<\/p>\n<p data-p-id=\"65233d9f5e75010e61ebfa8620f1f455\">Offenbar waren die alten Burgherren von Wijdlant ganz versessen danach gewesen, jede freie Wandfl\u00e4che mit bunten Bildern zu schm\u00fccken. Er hielt die Lampe so weit nach oben, wie er konnte und erkannte fasziniert eine kunstvolle Darstellung, ein Strudel von Figuren, von altmodisch Ger\u00fcsteten, die auf eine weibliche Figur in der Bildmitte hin zu schweben und sie zum umkreisen schienen. Keiner hatte seine Waffe erhoben, obwohl die sch\u00f6ne Frau in der Mitte ein Schwert hielt und ihre Arme ausbreitete, als schare sie die Krieger um sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"7423a6b0a32186eb3b570b41e3053f14\">Merrit kletterte auf den Tisch, um n\u00e4her an das Bild heranzukommen und es besser betrachten zu k\u00f6nnen. Zaghaft streckte er seine Finger aus, scheute sich aber, es zu ber\u00fchren. Vielleicht war es nur eine d\u00fcnne M\u00f6rtelschicht, die ausbrechen w\u00fcrde, wenn er es anfasste.<\/p>\n<p data-p-id=\"ef1f432ab312a59c0652dc6eb9bfd8b0\">Sie war so <em>sch\u00f6n<\/em>, die rote Dame. Ihr Gesicht war so milde, so weise. Sie l\u00e4chelte. Ihr im Schein der schwachen Lampe kupfern gl\u00e4nzendes Haar umspielte ihr Haupt wie ein Flammenkranz. Merrit verstand nicht, wer sie war, was auf diesem uralten Bild dargestellt war. Vermutlich war es etwas \u00c4hnliches wie die mysteri\u00f6sen Passagen in dem Ritterroman, dachte er sich. Ein Geheimnis, f\u00fcr das er noch zu jung war. Aber in seinem unruhigen kleinen Knabenherzen erwachte pl\u00f6tzlich etwas, das er noch weniger verstand.<\/p>\n<p data-p-id=\"262065fd3a6d77f3f2c9ed2eae7a4e32\">Eine Weile hockte er da wie gebannt und schaute, bis die Kerzenflamme bedenklich zu flackern begann. Gleich w\u00fcrde sie verl\u00f6schen und er w\u00fcrde nichts mehr sehen k\u00f6nnen in dem finsteren Zimmer. Merrit Althopian z\u00f6gerte einen Moment. Dann kletterte er vom Tisch herunter, aber nur, um den roten Wintermantel des ehemaligen Bewohners aus der Truhe zu ziehen. Es gab ein Bett in seinem Turmgef\u00e4ngnis, aber das interessierte den Jungen nicht. Merrit Althopian kuschelte sich auf dem silbergefleckten Tisch unter dem Bild der roten Dame in das alte Kleidungsst\u00fcck und befahl sich f\u00fcr den Schlaf den M\u00e4chten. Die Frau auf dem Bild, wer immer sie gewesen sein mochte, die w\u00fcrde ihn vor bitteren Ideen und der unertr\u00e4glichen Trauer besch\u00fctzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b9629941cc10c054d87e99e7ff887b6a\">Dazu war sie da.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2525","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2525","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2525"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2525\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3795,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2525\/revisions\/3795"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2525"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2525"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2525"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}