{"id":2522,"date":"2025-08-25T12:35:38","date_gmt":"2025-08-25T10:35:38","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2522"},"modified":"2025-09-01T09:17:06","modified_gmt":"2025-09-01T07:17:06","slug":"059-uldaises-zeit-verrinnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/059-uldaises-zeit-verrinnt\/","title":{"rendered":"059: \u00daldaises Zeit verrinnt"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"ac65d9a526793b5f3c23e604d446a8f0\">Advon war, so schnell er nur konnte, zur\u00fcck in sein Gemach geeilt, hatte ein neues Nachtgewand \u00fcbergezogen und sich dann schnell ins Bett gelegt. Kaum legte er den Kopf auf seinem Kissen ab, fiel ihm siedend hei\u00df ein, dass er vergessen hatte, sich den Ru\u00df von Gesicht und H\u00e4nden zu waschen. Best\u00fcrzt stellte er fest, dass seine Wange bereits eine dunkle Spur auf dem Kissen hinterlassen hatte, aber es war zu sp\u00e4t, das jetzt noch zu \u00e4ndern. Er h\u00f6rte, wie seine Mutter sich auf dem Korridor dem Zimmer n\u00e4herte und schaffte es gerade noch, seine Nachtlaterne ganz zu l\u00f6schen und sich so tief wie m\u00f6glich in die duftigen Laken einzukuscheln. Dar\u00fcber, wie er am n\u00e4chsten Tag die Flecken erkl\u00e4rte oder beseitigte, konnte er sp\u00e4ter nachdenken. Hauptsache, die Mutter sah nicht zu genau hin. Das war einer der Momente, in denen Advon es zutiefst bedauerte, nicht zaubern zu k\u00f6nnen. Es w\u00fcrde sein Leben um einiges erleichtern.<\/p>\n<p data-p-id=\"852d5f9d8a17f3ee0703db8a5f90f556\">F\u00fcr einen Augenblick \u00fcberlegte er, ob er leise schnarchen sollte, aber das kam ihm dann doch <em>zu <\/em>\u00fcbertrieben vor. Also atmete er ruhig und leise, das Gesicht von der T\u00fcr abgewandt, und stellte sich schlafend.<\/p>\n<p data-p-id=\"ae47ac76b5c3c13a8c81ad5fba7151de\">Als Elos\u00e1l eintrat, mischte sich ein milder goldener Lichtschimmer in die Mondnacht im Zimmer, Advon nahm es durch die geschlossenen Lider wahr. Ihre <em>maghiscal<\/em> leuchtete immer noch. Sie musste <em>sehr<\/em> besorgt und aufgeregt sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"e748e9377fad580c6c5049c68c768287\">Anmerken lie\u00df sie es sich nicht. Still nahm sie auf seiner Bettkante Platz und wartete lautlos, ohne etwas zu sagen.<\/p>\n<p data-p-id=\"704cff5edbbefc625e0047ac1453e79c\">Der Junge zwang sich zur Ruhe. Sie w\u00fcrde es bemerken, dass er wach war, hatte es wahrscheinlich l\u00e4ngst festgestellt. Die einzige M\u00f6glichkeit, die ihm blieb bestand darin, augenblicklich wirklich einzuschlafen; ein Ding der Unm\u00f6glichkeit unter ihren goldenen Augen und dem Eindruck der verst\u00f6renden Dinge, die er belauscht hatte. Alte Magie, <em>fremde<\/em> Magie, die Unruhe, die die Regenbogenritter ergriffen hatte. Die geheimnisvolle H\u00f6hle, in die er einen Blick hatte werfen k\u00f6nnen, er sah sie ihm Geist noch deutlich vor sich, den zuckenden Feuerschein und die Schatten, die er selbst und der Gr\u00fcne geworfen hatten. Und dieser sicher v\u00f6llig unschuldige Unkundige, dem die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> nicht helfen wollten &#8230; oder konnten.<\/p>\n<p data-p-id=\"0fcf4d13192518b832195bc12c17a220\">Und wenn es gar kein Unkundiger war? Wenn dieser schreckliche alte Mann etwas zu <em>vertuschen<\/em> hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"a9b2d4971720a0cf409b8d754fa50ddb\">\u201eIch wei\u00df, dass du wach bist&#8221;, sagte Elos\u00e1l nach einer Weile.<\/p>\n<p data-p-id=\"76173a3e4f858c4130ee6059d36f71ae\">Er gab sich den Anschein, aufzuschrecken und g\u00e4hnte ger\u00e4uschvoll. \u201eMama? Was machst du hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"217dc8622052ba5cee74d719c07f6665\">\u201eIch wache \u00fcber dich, mein Sohn&#8221;, antwortete sie milde.<\/p>\n<p data-p-id=\"e629cea555004c5bfe49cb3db318c80c\">\u201eIch hab wirklich versucht, einzuschlafen&#8221;, murmelte er in sein Kissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"94c0a04714ab9ba1dcc29f42c555283d\">\u201eGar nicht so einfach, nach einem so aufregenden Erlebnis, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9eb0770b30eef80326175f06e04c85b2\">\u201eMir tun die Tiere und die Pflanzen so leid&#8221;, murmelte er so schl\u00e4frig, wie er konnte. \u201eVor allem die Pflanzen. Die konnten nicht weglaufen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a98cd2515ee16ef05556ba5ed264e416\">\u201eManchmal&#8221;, erkl\u00e4rte sie sanft, \u201esendet Patagh\u00edu Feuer zum Wohle der Pflanzen. Asche n\u00e4hrt den Boden, und die Flammen lichten Gestr\u00fcpp, das anderes zu ersticken droht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cfe6776043c80135a77629e58f0aa493\">\u201eOb denn wohl die Tiere fliehen konnten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"205a8053498fc65a69be06a93fef2715\">\u201eGanz sicher, Advon. Wie ich h\u00f6rte, griff das Feuer den H\u00fcgel hinab, kam nicht von mehreren Seiten. Und der Winter ist schon so nahe heran, dass bestimmt keines mehr auf einem Nest sa\u00df oder hilflose Junge hatte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"11a1f3af46da8c0bbbb105245919a7f4\">\u201eEs ist gut, dass die <em>arcaval&#8217;ay <\/em>Feuer l\u00f6schen k\u00f6nnen, nicht wahr, Mama?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0c0d5579f58f3844da3b106f61db77ed\">\u201eEs hat mehr als einmal ein Unheil verhindert, Advon.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e946a15594d7ed0380198c419ae63f8c\">\u201eDann kann ich ja nun beruhigt schlafen&#8221;, sagte er. \u201eGute Nacht, Mama.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1ac85171e97ae244fedc3b27dcf3ce65\">Aber so leicht lie\u00df sie ihn nicht davonkommen. \u201eHast du in den Flammen <em>noch etwas<\/em> gesehen, Advon?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dac691b069ade6d015c1e0cdb74f1d9e\">Er z\u00f6gerte. \u201eMeinst du die H\u00f6hle, Mama? Der Gr\u00fcne hat mir verboten, hineinzuklettern. Er sagt, es sei Magie darin. Mama, wie ist Magie in die H\u00f6hle gekommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c033ebe4331d40c3774dd1ec97ff035\">\u201eAdvon, ich will, dass du mir versprichst, zu Sileda\u00fa nicht das geringste Wort \u00fcber diese r\u00e4tselhafte H\u00f6hle zu sprechen. Unter gar keinen Umst\u00e4nden, verstehst du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ac17ccbe26e7e6b4b34b6d1b4b8e8048\">Advon stutzte und wollte sich ihr zuwenden, entsann sich gerade noch rechtzeitig seines schmutzigen Gesichtes und blieb still liegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"051a2cc7ac4257e2b445029b1e6735cc\">\u201eMama, ich w\u00fcrde Sileda\u00fa doch nie nach &#8230; nach solchen Dingen fragen. Sie w\u00fcrde doch sofort sagen, dass ich mich um eigene Dinge k\u00fcmmern soll.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e43eb5bd75442a5718c27790d0936d1\">\u201eSchon. Aber in diesem Fall ist es anderes. Ich m\u00f6chte nicht, dass <em>sie<\/em> vor der Zeit davon erf\u00e4hrt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3fdb15b19f3a25e941c4a71e7953c366\">\u201eMeinst du, sie w\u00fcrde nachschauen wollen?&#8221;, fragte Advon gespannt. \u201eWarum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9cb1c71f2f1720df33eae39dec1fbb52\">\u201eWeil sie uns schon einmal eine ungute Faszination f\u00fcr Dinge beweisen hat, mit denen Unkundige besser nichts zu schaffen haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e420152e8193385c16221b3c8b97e0b5\">Advon Herz klopfte schneller. Also doch! Wenn in der H\u00f6hle irgendetwas Uraltes, Magisches war, das Sileda\u00fa m\u00f6glicherweise interessierte, dass war es vielleicht so etwas wie die alten B\u00fccher und das Zeug, das sie von den Schattens\u00e4ngern zusammengetragen hatte. Vielleicht sogar etwas, das ein Schattens\u00e4nger dort hinterlassen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a529a67e943b657a4faf5cc30a07021f\">Bei den M\u00e4chten \u2013 dann war die H\u00f6hle verflucht! Aber er durfte vor seiner Mutter nicht zugeben, dass er gelauscht hatte und mehr wusste, als er wissen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e9f91fe4f7c2751b368836b6b2caaba7\">\u201eIch will jedenfalls nicht, dass Sileda\u00fa sich dazu hinrei\u00dfen l\u00e4sst, den Garten des <em>sinor<\/em> auf eigene Faust zu betreten und auf ihre alten Tage in irgendwelchen H\u00f6hlen herum klettert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0b5b145930b0137fa046f6c2a92ebb88\">Nein, dachte Advon. Das wollte er auch nicht. Das war schlie\u00dflich <em>seine<\/em> H\u00f6hle. Er hatte sie entdeckt. Dort wollte er sich umschauen, zusammen mit dem Vater, sobald der wieder da war.<\/p>\n<p data-p-id=\"3953bbc5a3d59797182262506298ac74\">\u201eSo interessant&#8221;, behauptete er, vielleicht etwas zu munter, \u201ewar die H\u00f6hle nun auch wieder nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"004a675e9226ad861553fde1674449ea\">\u201eNein, nat\u00fcrlich nicht. Wir werden uns von dem alten <em>sinor<\/em> die Erlaubnis geben lassen, uns bei Tageslicht auf seinem H\u00fcgel umzusehen und die Magie, die der Gr\u00fcne in der H\u00f6hle vermutet, genauer zu betrachten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0b2945dd87054ba3da3900e5c2586377\">\u201eWenn alles harmlos ist, darf ich mir die H\u00f6hle sp\u00e4ter auch einmal anschauen? Ich war noch nie in einer H\u00f6hle. Vielleicht ist ja ein Schatz drinnen. Wie in dem M\u00e4rchen von den drei\u00dfig R\u00e4ubern, das Papa mir erz\u00e4hlt hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"165b2ac4cf2b481fdf731e76a0b872b7\">\u201eWenn es ein Schatz ist&#8221;, sagte Elos\u00e1l mahnend, \u201egeh\u00f6rt er dem <em>sinor<\/em> \u00daldaise.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c50ca4ae8076a8ba298add9ea5e6fd1a\">\u201eIch will den Schatz nicht haben, Mama. Nur finden. Das ist aufregend!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"107a37748cf633fd3e6a1fd796b7e20f\">Sie lachte leise. \u201eWir werden sehen. Eines nach dem n\u00e4chsten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e75504b68a00c6b738de4ae13a3379a\">Die <em>faj\u00eda<\/em> erhob sich. Advon atmete zaghaft auf, als sie Anstalten machte, das Zimmer zu verlassen. Aber sie ging noch nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"fa28d5feca28f145440f5e8cdd530b42\">\u201eWillst du denn heute gar kein Lied mehr h\u00f6ren, Advon?&#8221;, fragte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"a1ecf61a3421ed932995d7a2205cc21f\">Er h\u00e4tte gern, aber heute durfte sie nicht n\u00e4her kommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6d4b839837b10f30ddf3a069a636213e\">\u201eNein, Mama. Heute bin ich ein gro\u00dfer Junge. Ich schlaf ganz alleine ein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9986619bedec4e3596867768eeb590b9\">Sie stand einen Moment lang schweigend da. Dann wandte sie sich ab. \u201eGute Nacht, Advon Ir\u00edsolor. M\u00f6gest du sicher in den Tr\u00e4umen verweilen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"49ca87a9aeef251a93d41092ee0215c2\">\u201eGute Nacht, Mama&#8221;, antwortete er, aber er war sich nicht sicher, ob sie das noch geh\u00f6rt hatte, so lautlos bewegte sie sich davon. Als sie kam, hatte er ihre Schritte noch geh\u00f6rt.<\/p>\n<p data-p-id=\"be638c29ee442b1fd4d086524f349b7a\">Advon seufzte und lag noch lange wach. Dieser Nachtgru\u00df hatte sich &#8230; <em>falsch<\/em> angef\u00fchlt.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"13aed8acf6cd07b620626274c4831f14\">\u00daldaise hatte sein Pferd in Empfang genommen, seinen Knecht zur\u00fcck in die Stadt befohlen, wo er dem anderen Idioten beim Bewachen des <em>b\u00e1chorkors<\/em> helfen sollte. Dann war er durch die schwelenden \u00dcberreste des Gartens bis zum Tor in die Tiefe geritten. Nat\u00fcrlich, die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> waren hier gewesen und hatten hinein geglotzt. Ihre Spuren waren deutlich zu erkennen. Aber was hatten sie entdeckt?<\/p>\n<p data-p-id=\"4e6b2ae638797b7f5c4987198d62fd40\">Der <em>sinor<\/em> krabbelte so weit in den H\u00f6hleneingang hinein wie m\u00f6glich und sp\u00e4hte hinab. Die goldenen Fingerspuren auf dem Felsen waren nicht zu \u00fcbersehen, und auch nicht, was der Kerl sonst noch angestellt hatte. Das Wasser rann viel st\u00e4rker und schneller durch das Bachbett der W\u00fcste entgegen. Offenbar hatte der junge Mann es irgendwie geschafft, den engen Stollen zu \u00fcberwinden und bei dieser Gelegenheit das m\u00fchsam aufgesch\u00fcttete Ger\u00f6ll zu entfernen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0ecd82d06cced4dd607929ef84250c11\">Verfluchtes Pack.<\/p>\n<p data-p-id=\"d404436ae9d4ab0d703f6dfc233ce428\">\u00daldaise rappelte sich \u00e4chzend wieder auf. Gern h\u00e4tte er sich die Sache n\u00e4her angesehen, aber das hatte nachts und ohne seine Gehilfen, die ihm beim Ab- und Aufstieg halfen, keinen Sinn. Auch rannte ihm die Zeit davon. Die Gongschl\u00e4ge von den Stadtmauern waren bis hierher zu h\u00f6ren. Es gab so viel zu tun! Mochten die M\u00e4chte wissen, wieso es all die Zeit so gem\u00e4chlich gegangen war und ausgerechnet jetzt mehr Dinge zugleich ans Laufen gekommen waren, als sich dirigieren lie\u00dfen. Der Alte erklomm mithilfe eines ru\u00dfbedeckten Findlings nahebei sein Ross und galoppierte los. Mochte Sah\u00e1al\u00edr in seinen seidenen Kissen von seiner Jugend in Iva\u00e1l tr\u00e4umen, wenn er den <em>b\u00e1chorkor<\/em> noch einmal sehen wollte, dann musste er es entweder jetzt tun oder verzichten.<\/p>\n<p data-p-id=\"9db2e13d0503d86c61fa29ae21c52a87\">Er preschte durch die Nacht auf die Stadt zu und ritt dabei um ein Haar seinen Knecht \u00fcber den Haufen, der den Weg zu Fu\u00df bew\u00e4ltigte und dem Alten verbl\u00fcfft nachschaute. Das Pferd war ersch\u00f6pft, hatte es doch die Strecke von und nach Aur\u00f3p\u00e9a seit dem Abend bereits mehrfach hinter sich gebracht. Aber \u00daldaise h\u00fctete sich, ungeduldig zu werden und dem Tier zu viel abzuverlangen. Wenn der Gaul ihm unterwegs zusammenbrach, w\u00fcrde es seinen Plan noch viel mehr in Unordnung bringen. Besser, er lie\u00df sich nun etwas Zeit, als sich mit \u00fcbertriebener Eile selbst zu schaden. Dass das nicht gutging, hatte er einmal in einem sehr ung\u00fcnstigen Moment erfahren m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-p-id=\"075c772591a33980159e0e48f8bdc412\">Und dann war da noch das Balg. Um den kleinen Rotzbengel w\u00fcrde er sich auch rechtzeitig k\u00fcmmern m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-p-id=\"246e586fda1d6d593575ce0ed3b81fcf\">Er passierte das Westtor und ritt durch die belebten, niemals ruhenden Gassen auf den Marktplatz zu. Ausgelassen gestimmte, teils angeheiterte, teils berauschte Nachtschw\u00e4rmer kamen ihm entgegen, sogar einige \u00e4ltere Leute, von denen er mehr M\u00e4\u00dfigung und W\u00fcrde erwartet h\u00e4tte. Diejenigen, die nicht v\u00f6llig ihren Freuden hingegeben waren, waren offensichtlich bei der Arbeit, Beutelschneider, Betr\u00fcger, Falschspieler, liederliche Dirnen, alles wogte ineinander und um ihn herum wie tanzendes Laub auf strudelndem Wasser. Sollten sie. Nur zu. Es war sehr gut so. Es gefiel ihm.<\/p>\n<p data-p-id=\"69e369ac27ee60504fd4c46ca38ca3f9\">Wer ihn in dem Trubel erkannte und noch genug bei Sinnen war, wich ihm rasch aus, mancher bekam sogar noch eine dem\u00fctige Verbeugung zustande. \u00daldaise l\u00e4chelte \u00fcber sie hinweg. Er wusste, jeder einzelne w\u00fcnschte ihn sich hinter die Tr\u00e4ume. Aber den Gefallen w\u00fcrde er ihnen nicht tun. Nicht so, wie sie es sich jetzt oder in sp\u00e4testens einem Dutzend Wintern vorstellten. Was waren Sommer, was Winter? L\u00e4cherlich!<\/p>\n<p data-p-id=\"49841791bc86ae69bf7fbe4ce8c4e3f4\">Auf dem Marktplatz angekommen war er wenig \u00fcberrascht, seinen unf\u00e4higen Knecht schnarchend \u00fcber einem der Tische hingestreckt anzutreffen. Aber der Wachmann, der seinen Dienst furchtsam und gewissenhaft versah, erhob sich und eilte ihm entgegen. W\u00e4hrend das Nachtleben in und vor den Tavernen seinen Gang nahm, war direkt vor der Zelle niemand zu sehen, der Sp\u00e4\u00dfe mit dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> getrieben h\u00e4tte. Scherben und ein paar \u00fcbersehene Holztr\u00fcmmer lagen umher. Offenbar war es noch vor kurzem hoch hergegangen.<\/p>\n<p data-p-id=\"879eb6eafa4360785146ebe7f576666a\">\u201eEs ist alles unter Kontrolle, Herr&#8221;, sagte der Stadtw\u00e4chter. \u201eEr hat nicht versucht, zu entkommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a98985ec0247ca3dca2a2dda570a4fd0\">\u00daldaise beachtete ihn nicht weiter und hielt sein Ross vor der Zelle an. Der junge Mann hing schwer in den magieimpr\u00e4gnierten Riemen und schien vor Ersch\u00f6pfung eingeschlafen zu sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"1248363df3c653e7251b8e90befebe46\">\u00daldaise sa\u00df ab und dr\u00fcckte dem Wachmann die Z\u00fcgel in die Hand. Dann schob er dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> den Knauf seines Gehstocks unters Kinn und brachte ihn dazu, den Kopf zu heben. Der junge Mann sah furchtbar aus. Offenbar hatte er auf irgendeine Weise ebenfalls Pr\u00fcgel bezogen. Er hatte Streifen im Gesicht, wo Speichel oder vielleicht auch eine Tr\u00e4ne Blut, Dreck und Ru\u00df weggewaschen hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca0e1afc028e5fbdee00af0d4a5a1abb\">\u201eSprich&#8221;, sagte \u00daldaise, als der Gefangene die Augen aufschlug. \u201eSah\u00e1al\u00edr wird Fragen stellen. Kannst du wieder reden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"605bfbe9606791fafe80a3274417deca\">Gal\u00e9on sch\u00fcttelte m\u00fcde den Kopf und murmelte etwas unverst\u00e4ndliches Es klang, als h\u00e4tte er einen gro\u00dfen Kieselstein im Mund.<\/p>\n<p data-p-id=\"5926928a9afb7170b3d36d8294f6391a\">\u201eZeig mir deine Zunge&#8221;, forderte der <em>sinor<\/em>, und der <em>b\u00e1chorkor<\/em> gehorchte m\u00fcde. Der Wachmann verzog schaudernd das Gesicht.. Aber der <em>sinor<\/em> war zufrieden. Wenn er sich nun beeilte, w\u00fcrde er die Sache mit dem Stadt\u00e4ltesten geregelt haben, bevor der <em>b\u00e1chorkor<\/em> wieder zu einem artikulierten Laut f\u00e4hig war. Gerade noch rechtzeitig, denn dass ein wie auch immer gearteter Heilungsprozess einsetzte, war nicht zu \u00fcbersehen. Was f\u00fcr einen Zauber mochte der Kerl sich da nur eingefangen haben?<\/p>\n<p data-p-id=\"0d9de2da99712561280a52792c796427\">\u201eIch habe gesehen, was du in der H\u00f6hle gemacht hast&#8221;, fuhr er fort. \u201eEine j\u00e4mmerliche Leistung. Ein kleines Kind h\u00e4tte es so getan.&#8221; Er lachte sp\u00f6ttisch auf. \u201eWer immer dein Lehrer war, es ist <em>l\u00e4cherlich<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"af1cfb05147035f4c557828e780166e8\">Der junge Mann runzelte fragend die Stirn.<\/p>\n<p data-p-id=\"9a0c0fd8b9f792e017c2dfe1376bd050\">\u201eIch stelle es mir so vor&#8221;, fuhr \u00daldaise fort. \u201eWahrscheinlich ist dein Meister hinter die Tr\u00e4ume gegangen, als du noch ein kleines Kind warst. Viele von deinesgleichen sind damals im Kampf verreckt. Vielleicht haben dich weichherzige Menschen gefunden und aufgenommen? Ist es nicht so gewesen? Ist das Gold vielleicht das erste und einzige kleine Spiel, das er dich noch lehren konnte, bevor er sich feige aus dem Weltenspiel fortgemacht hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ba699b32572b449eb15908e437b3364a\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> z\u00f6gerte. Dann nickte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"a553d5599b95f884a1e4fded82fcccd3\">\u201eIch w\u00e4re begierig zu erfahren, wer deinen unf\u00e4higen Lehrer hinter die Tr\u00e4ume gebracht hat. Hat er dir denn gar nichts hinterlassen? Gar kein Besitz, der in deine H\u00e4nde geh\u00f6rt h\u00e4tte? Wo ist dein Erbst\u00fcck. <em>b\u00e1chorkor<\/em>? Ist es verlorengegangen? Hast du all die Zeit danach gesucht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"47c82e7c7ee4e8e0c1e4e6427d3b69e2\">Ein Kopfsch\u00fctteln, und zugleich ein interessierter, ein aufmerkender Blick aus diesen unschuldigen dunklen Augen. Der Kerl war tats\u00e4chlich naiv und ahnungslos. Wie gut, dass er ihn gefunden hatte, <em>bevor<\/em> er sein Potential entdeckte. Aber selbst wenn &#8230; was hatte er zu bieten? Etwas Intuition, etwas Talent, eine Gabe. Aber nichts, was nach K\u00f6nnen und Wissen aussah. Offenbar hatte er nicht einmal eine Ahnung, dass ihm das allerwichtigste Werkzeug fehlte, das, was ihn wirklich und ernsthaft zu einer Gefahr gemacht h\u00e4tte. Gl\u00fcck gehabt!<\/p>\n<p data-p-id=\"1977657f8a5714811f34964bb1049a34\">\u201eBedauerlich. Nun, vielleicht gelingt es uns, morgen noch ein paar Worte miteinander zu wechseln, bevor du in der W\u00fcste neue Bekanntschaften machst. Ich bin zu neugierig, wie es ausgeht. Was <em>es <\/em>mit dir anstellen wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e00fc2352ce40c4fe600ce1f33f94702\">\u201eHerr&#8221;, unterbrach der Wachmann, \u201eder hier und f\u00fcnf weitere sollen auf den Weg, wenn die Sonne \u00fcber die S\u00fcdmauer tritt. So ist es f\u00fcr morgen angesetzt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4232245f942e69f1a7e60328e7d07309\">\u201eWie viele Gongschl\u00e4ge sind das noch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"82f02159dc5d354cbfbf41daf961ae2a\">\u201eSechs, Herr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d9772e707ae99f4853bd2865c4dcd0b\">\u00daldaise fluchte. Das wurde knapp. Das war kaum zu schaffen! Nein, es war <em>unm\u00f6glich<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"8e6f3b929fe67f41665e82a13270b603\">Andererseits \u2013 es w\u00fcrde gen\u00fcgen, wenn er hinzukam, sobald der Spa\u00df begann.<\/p>\n<p data-p-id=\"e6fc5c4f86501b6de604e7ac57e6f611\">\u201eHilf mir aufsitzen&#8221;, herrschte er den Stadtsoldaten an. \u201eUnd dann weck mir den Idioten dort hinten auf. Und sorg f\u00fcr etwas Ordnung hier auf dem Platz. Hol dir Verst\u00e4rkung. Wenn der <em>sinor<\/em> Sah\u00e1al\u00edr hier eintrifft, will ich, dass es hier zugeht und aussieht wie im Palast der Weisheit von For\u00e9tern!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"92df91edd0da0b4992c6120bbf2061b5\">\u201eDer <em>sinor<\/em> Sah\u00e1al\u00edr? Mitten in der Nacht?&#8221;, rief der W\u00e4chter best\u00fcrzt aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"af73d40812fd78490c6781b0b61f3610\">\u201eIn sp\u00e4testens zwei Gongschl\u00e4gen ist er hier. Und wenn ich morgen im Rat auch nur eine R\u00fcge aufgrund von ungeh\u00f6rigem Betragen der guten Leute hier h\u00f6re &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7cdeed939865ed7c0943c8d1dd7226b1\">Der Wachmann schluckte jedwede Bemerkung und verneigte sich hastig. Dann hielt der dem Greis den Steigb\u00fcgel und stemmte ihn in den Sattel. Kurz darauf war der <em>sinor<\/em> wieder im Trubel Aur\u00f3p\u00e9as verschwunden.<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"e885a6e5d5e523fc2cd76b9538f59699\">\u201eDu solltest schlafen&#8221;, mahnte <em>yarl<\/em> Emberbey.<\/p>\n<p data-p-id=\"46894d74af3232a409c97573fde7fc6a\">Osse schaute zu ihm hin\u00fcber. Der alte Mann hatte sich bereits niedergelegt und das Licht gel\u00f6scht. Der Junge sa\u00df am Tisch, hatte eine kleine \u00d6llampe und ein d\u00fcnnes Buch vor sich, das er von daheim mitgebracht hatte. Damit, hatte er sich gedacht, k\u00f6nnte er sich Wartezeiten vertreiben, wenn er wie \u00fcblich im Hintergrund bleiben musste, wenn die Erwachsenen redeten.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f0228a9d02b6a139d512ff1a948f4b5\">\u201eIch kann nicht schlafen&#8221;, sagte er ruhig. \u201eIch bin zu aufgew\u00fchlt von dem Gespr\u00e4ch mit der <em>teirandanja<\/em> bei Tisch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"356d051e5bbffd5cd75eaa23f5cc7012\">\u201eSo. Aufgew\u00fchlt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2e50a271c0d125c674623364d31c4f78\">\u201eSag, Vater, ist es besser, wenn ich wachliege und ins Finstere starre oder die Zeit nutze, um zu lernen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9bc5e241e44f1562bad1a6d5a99805aa\">\u201eMeinetwegen&#8221;, seufzte der <em>yarl<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"7fc74e5a92dcf4e4b0d93aaadf74773c\">Osse bl\u00e4tterte eine Seite um. Er las nicht. Stattdessen hatte er begonnen, die Buchstaben zu <em>z\u00e4hlen<\/em>. Die Worte sollten ihn nicht von den Lauten drau\u00dfen auf dem Korridor ablenken. Der Wachmann vor der T\u00fcr der <em>teirandanja<\/em> war bereits unruhiger geworden. Man h\u00f6rte ihn ab und zu mit seiner Hellebarde auf den Boden klopfen, wenn er hin und her ging, ganz leise, aber immer fahriger.<\/p>\n<p data-p-id=\"8b6869e0ae6b29f34275f67113482403\">Wenn doch der Vater nur bald einschliefe!<\/p>\n<p data-p-id=\"97773bd3c0215272668f0a4a911c4a75\">\u201eTruda wird es hier sehr gefallen&#8221;, sagte der alte Ritter, ungewohnt gespr\u00e4chig f\u00fcr seine Art. \u201eDie <em>yarlara<\/em> von Mor\u00e9aval ist eine sehr kluge und tugendhafte Dame.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f5188fbf4bc5bbf9961600c9a879b4f7\">\u201eDie <em>yarlaranda<\/em> ist ein liebes M\u00e4dchen. Sie wird Truda sicher eine gute Kameradin sein&#8221;, entgegnete Osse. Dass der Vater die fremde Dame lobte, irritierte den Jungen. Er entsann sich nicht, dass er jemals \u00e4hnliches \u00fcber die Mutter ausgesprochen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a3ebc782d68f3bc9400f1b521aa527ee\">Alsg\u00f6r Emberbey dreht sich auf seinem Lager um. \u201eIch werde mich um eine gute <em>opayra<\/em> f\u00fcr Ra\u00fdneta umschauen m\u00fcssen&#8221;, sagte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"a7c24a3c1cc17c1aad94efada1e3d766\">\u201eJa, Vater.&#8221; Osse z\u00e4hlte. Wie einsam w\u00fcrde die Zeit f\u00fcr das winzige, schutzlose Schwesterchen werden, wenn Truda und er selber die Burg verlie\u00dfen? Mit wem w\u00fcrde das Kind spielen und wer w\u00fcrde es umsorgen und ihm Lieder singen und Geschichten erz\u00e4hlen wie die Mutter es einst bei ihm und sp\u00e4ter bei Truda getan hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"26196eb250019c07ba54b921f7880c39\">Sechzig Buchstaben in einer Zeile, drei\u00dfig Zeilen auf einer Seite.<\/p>\n<p data-p-id=\"a852dec66641f645388e953b3c520e7d\">\u201eWir werden abreisen, sobald Herr Wa\u00fdreth seinen ungeratenen Sohn wieder bei sich hat. Es w\u00e4re taktlos, sich nun zu entfernen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b954c5aa4272d420f9d9922411703f8c\">\u201eSicher, Vater.&#8221; Osse strich vorsichtig eine Tr\u00e4ne vom Papier.<\/p>\n<p data-p-id=\"e279a314130b0961fd6b2f5db5460aa1\">\u201eIch bin froh&#8221;, sagte der Ritter, der gar nicht m\u00fcde zu werden wollen schien, \u201edass die M\u00e4chte mich mit einem gehorsamen Sohn beschenkt haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"664f304e777696aca4e5af07322785da\">War das ein Kompliment? Der Junge schaute von seinem Buch auf, aber in der dunklen Zimmerecke war der Vater kaum zu erkennen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bf3c211c9da4f3cb376816d89be9d01b\">Eine Weile regte und \u00e4u\u00dferte sich der alte Ritter nicht mehr. Dann h\u00f6rte Osse sein n\u00e4selndes, trockenes Schnarchen, leise und ged\u00e4mpft. Drau\u00dfen hatte das Klopfen aufgeh\u00f6rt.<\/p>\n<p data-p-id=\"e1336e6d1b71a83301597078075efc6e\">Lautlos erhob der Junge sich, l\u00f6schte das \u00d6ll\u00e4mpchen und streifte sich das Nachthemd \u00fcber den Kopf, das er \u00fcber seine Hausgew\u00e4nder gezogen hatte. Der Vater hatte tats\u00e4chlich nicht richtig hingeschaut, als er nur wenige Momente sp\u00e4ter in die Stube zur\u00fcckgekehrt und seinen Sohn in die Lekt\u00fcre vertieft vorgefunden hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"ef522f21b650a8e01a8dea995845da56\">Osse l\u00f6ste leise den Riegel und sp\u00e4hte auf den Gang. Die Nachtlichter gaben ein bisschen Orientierung; gerade genug f\u00fcr den Jungen um zu erkennen, dass der Wachmann seinen Posten verlassen hatte. Die Hellebarde lehnte neben der T\u00fcr der <em>teirandanja <\/em>an der Wand.<\/p>\n<p data-p-id=\"1dc58e9a64db54f284acf3ef2931757e\">Osse Emberbey nahm all seinen Mut zusammen, zog die Zimmert\u00fcr behutsam hinter sich zu und schlich dorthin. Leise pochte er an.<\/p>\n<p data-p-id=\"99ccb82235b851794cad77ded0c8fd49\">\u201eMajest\u00e4t?&#8221;, fl\u00fcsterte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"e1263d3e27eb7705ed3104599ee51b96\">Fast augenblicklich wurde ihm ge\u00f6ffnet. Die <em>teirandanja<\/em> musste ebenfalls hinter der T\u00fcr auf der Lauer gelegen haben. Sie war angekleidet und trug \u00fcber ihrem hellen Kleidchen sogar einen \u00dcberwurf aus dunkelgr\u00fcnem Loden, als sei sie unterwegs zu einem Jagdausritt.<\/p>\n<p data-p-id=\"8cd28deb0c198189f517f9aba492a63c\">\u201eDu?&#8221;, fragte sie, erstaunt und etwas zu laut.<\/p>\n<p data-p-id=\"8e806adc14adbb54ff7745ac799e8953\">\u201eWen habt Ihr erwartet, Majest\u00e4t? Und bitte, seid etwas leiser!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1268fca8657ee67bd093743dc8e0f184\">\u201eNa ja. Einen von meinen &#8230; Dienstleuten eben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9e70cd067f098f1cae8a2845f12c1456\">\u201eIch bin Euer Dienst-&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"58028b4ec1ebe4f0da500c24fc2e8aa2\">\u201eJa. Tut mir leid. Ich muss mich daran gew\u00f6hnen&#8221;, fl\u00fcsterte sie. \u201eKomm rein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eacb2f0fff38d8ce2717e6e19c11f458\">\u201eNein, Majest\u00e4t, kommt Ihr heraus! Eure Dienstleute brauchen Euch vor Ort. Lasst uns gehen, solange der W\u00e4chter fort ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64d25517f3f9ba2d613fd8aa2b18a004\">Sie schaute sich um. \u201eWo ist er denn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"04928aa125c626003507545b98066a7d\">Er erlaubte sich mahnende Ungeduld. \u201eBitte, Majest\u00e4t! Verlieren wir keine Zeit!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"72c052b48b4692a40561f38bcffd590c\">Sie schl\u00fcpfte ins Freie. \u201eUnd wo sind die beiden? Ich habe die <em>yarlandoray<\/em> Altabete und Grootplen erwartet!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"34c4ddc1c3d2a0169aec1c0286650400\">Er legte die Finger an die Lippen und winkte ihr, ihm zu folgen. Auf leisen F\u00fc\u00dfen schritt sie neben ihm, als er den Weg zum Stiegenhaus einschlug.<\/p>\n<p data-p-id=\"016d5bd7e3e3b1512220afbf154280c0\">\u201eWenn alles gl\u00fcckt, wie es soll&#8221;, raunte er, \u201ewarten sie im Garten auf uns.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ea55730ab3f4f445dab4604bd772ab23\">\u201eGut&#8221;, sagte sie und wollte ihm voran die Treppe hinunter. Aber er fasste sie eilig bei der Schulter und zog die Hand sogleich so schnell zur\u00fcck, als habe er sich an ihr verbrannt. Die <em>teirandanja<\/em> blieb erschrocken stehen. Ber\u00fchren durfte er sie nicht, das wusste er. Aber dies war ein <em>Notfall<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"7bdfd0dae456a17173e1dbe51e927a96\">\u201eNicht nach unten&#8221;, zischte er. \u201eHinauf. Und \u00fcber den Wehrgang.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fe72382c4504512b4861d25a555381a5\">\u201eWarum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"58b15330bef087bc7be2097815fecb49\">\u201eWeniger Leute.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a6586e32143064708edf05982e597fc8\">Sie nickte, l\u00e4chelte sogar ganz kurz. Vielleicht nutzte sie selbst diesen Umweg aus genau demselben Grund bisweilen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b3efea026c28cf85d620643f05be4f2c\">Sie stiegen die beiden Etagen bis zur Mauerkrone hinauf, tats\u00e4chlich ohne dass ihnen auf der Treppe jemand begegnete. Osse klammerte sich bei jedem Schritt nerv\u00f6s am Handlauf fest. Die Stufen im Halbdunkel der Lichtlein in den Wandgl\u00e4sern zu erklimmen war ihm nicht geheuer, aber sie stieg ihm leichtf\u00fc\u00dfig voran.<\/p>\n<p data-p-id=\"81302a6f8eabd710063f03ff462db3cb\">An den Weg nach unten, den er zuvor bei Tageslicht mit Merrit Althopian gegangen war, wagte er noch nicht zu denken.<\/p>\n<p data-p-id=\"f709dcc7d128380a41ef1169b8d4cadc\">Oben auf der Mauer hielt sie es nicht l\u00e4nger aus. \u201eWie kommt es, dass <em>du<\/em> mit L\u00e1as und J\u00e1ndris gemeinsame Sache machst?&#8221;, fragte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"f623cddee6194e3b79c25e079f08c2ab\">\u201eIch h\u00f6rte davon, dass ein gewisser <em>yarlandor<\/em> nach eurem Willen zu den Ratten sollte, um Euch aus den Augen zu bleiben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"abd17646b221d0522a281807884c547b\">\u201eDu hast also meinen Brief gelesen.&#8221; Es \u00fcberraschte ihn, wie verunsichert sie klang.<\/p>\n<p data-p-id=\"e01d845627c88743b8e12b15d6683e22\">\u201eDie M\u00e4chte haben ihn mir in die H\u00e4nde gespielt. Es war keine Neugier, Majest\u00e4t, aber vielleicht eine F\u00fcgung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"edcdbf3ec00a7b7e8a33256eb67cdabd\">\u201eWer wei\u00df au\u00dfer dir davon?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f6465ca743481efee24ec8db777270ed\">\u201eNur jene, f\u00fcr die der Brief bestimmt war.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a3deb14fceee502e36196baa0bd2bfba\">Nun schien sie auf eine sonderbar hoffnungsvolle Art panisch. \u201eIch &#8230; ich <em>befehle<\/em> dir, \u00fcber diesen Brief immerdar zu schweigen. H\u00f6rst du? Wenn du mich verpetzt, dann &#8230; dann ist das <em>Hochverrat<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ea77958a331d4dcff8bd30fd7902c28\">\u201eIch verstehe. Es ist Euch also sehr ernst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"10b46a2a58ddf5af91af6a25a289bc60\">\u201eIch &#8230; ach, ich w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte diesen furchtbaren Brief nie geschrieben.&#8221; Sie blieb stehen und blickte \u00fcber die Mauer auf das weite ebene Land hinaus. Viel zu sehen war nicht unter dem Mond. \u201eDass der Junge verschwunden ist, h\u00e4ngt also mit dem Brief zusammen, ja? L\u00e1as und J\u00e1ndris halten ihn irgendwo fest?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d1d5a83ddacbff8a07a0c320582280eb\">\u201eJa.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4053d255302de879b50e28462702fe41\">\u201eAber du wei\u00dft nicht, wo?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2e59fb62426777961357c8d166a0e607\">\u201eIch wei\u00df ich nicht einmal um den Brief.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0f6bdeb47bd5a071691e8b3a7d09e00e\">Sie seufzte unbehaglich. Er trat an ihre Seite und schaute ebenfalls in die Schw\u00e4rze. Was mochte sie darin sehen?<\/p>\n<p data-p-id=\"5a15d335eb3f20fe1f8aeb35b070f601\">\u201eIhr m\u00fcsst es aufl\u00f6sen, solange es ein Kinderspiel ist&#8221;, erinnerte er sie. \u201eHerr Wa\u00fdreth ist in N\u00f6ten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b0fd5efc1358b0eccb3a7ae419bc5f4\">\u201eJa&#8221;, sagte sie. \u201eWahrscheinlich denkt er, der Junge sei vor ihm weggelaufen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"92a4c6e7a0ff9ec3861f16e79ad6ed8d\">\u201eIhr m\u00fcsst Merrit Althopian vergeben&#8221;, sagte Osse geduldig. \u201eWomit auch immer er Euch ge\u00e4rgert haben mag. Sicher war es ein Missverst\u00e4ndnis.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7634e6d9b4b09db056083876bd951151\">Sie nickte. Dann wandte sie sich ihm zu und sah ihm zum ersten Mal direkt ins Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"5f84bd2618fb56f13217c8f1b1901535\">\u201eOsse Emberbey&#8221;, fragte sie leise, \u201ehast du schon einmal etwas richtig b\u00f6ses gemacht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8dc20f97f0033a4997591d5b15ef7378\">\u201eNicht willentlich, Majest\u00e4t. Nicht, dass ich w\u00fcsste. Mein Vater l\u00e4sst mir keinen Ungehorsam durchgehen. Und ich kann niemandem hitzige Befehle erteilen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"02ba1063a5516dfdb2659af3f38c9d42\">Sie dachte nach. \u201eH\u00e4ttest du gern Macht? Ich meine, sp\u00e4ter. Wenn du erwachsen bist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"58750533490feb52a0995a90b46297c2\">Was war das f\u00fcr eine sonderbare Frage? Sie wollte auf etwas heraus, das war ihm klar. Aber er verstand nicht, was sie besch\u00e4ftigte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e2a16794d9b71637c9019410ba928566\">\u201eIch glaube, Macht ist gef\u00e4hrlich&#8221;, fuhr sie fort. \u201eDu kannst dir nicht denken, was ich durchgemacht habe, seit Meister Yalomiro mit mir geredet hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0cb7bd06d0fe13c1230a92cd7e3869f1\">\u201eIch denke, Macht ist n\u00fctzlich, Majest\u00e4t. Mit Macht kann man Gutes bewirken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1518d6bdb2276a5186b3bcce1a21368f\">Sie schwieg einen Augenblick nachdenklich. Dann gab sich einen Ruck. \u201eKomm, Osse Emberbey. Ich will mein Herz reinwaschen.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2522","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2522"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3791,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2522\/revisions\/3791"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}