{"id":2507,"date":"2025-08-25T12:21:07","date_gmt":"2025-08-25T10:21:07","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2507"},"modified":"2025-09-01T09:22:50","modified_gmt":"2025-09-01T07:22:50","slug":"042-entzaubert-geboren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/042-entzaubert-geboren\/","title":{"rendered":"042: Entzaubert geboren"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"74c359fb05f3aec198fb1b8b8b063713\">Die zweite Tagesh\u00e4lfte verbrachte ich rastlos damit, zwischen Nokt\u00e1mas Halle und y<em>arl <\/em>Mor\u00e9aval hin und her zu streifen, immer am Ufer des Sees entlang. Dem Ritter schien es den Umst\u00e4nden entsprechend gut zu gehen. Abgesehen davon, dass er nach wie vor bewusstlos war, hatten die Nachtblumen die Wunde an seinem Hals versiegelt, Laub und Bl\u00fctenbl\u00e4tter klebten darauf wie ein organisches Pflaster. Aber heilen konnte die Verletzung sicherlich nur Yalomiro selbst.<\/p>\n<p data-p-id=\"e5c91499731ee8f5e654c29743fd81f2\">\u201eEs dauert nicht mehr lange, Herr J\u00f3ndere&#8221;, sagte ich zu ihm. \u201eSobald es dunkel ist, versuche ich, Yalomiro herbeizurufen. Er wird Euch so dankbar sein, dass Ihr versucht habt, D\u00fdamir\u00e9e zu retten!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"039060a0aa040b856e03c16886ced8bf\">Vielleicht konnte er es h\u00f6ren. Wenn es wirklich so war, dass die Blumen ihn in einer Art magischem Koma hielten, war lange nicht gesagt, dass das auch seine Wahrnehmung betraf. Ich hatte mehr als einmal am eigenen Leib sonderbare Schwebezust\u00e4nde erlebt, von denen ich selbst sp\u00e4ter nie hatte sagen k\u00f6nnen, ob es Halluzination, Tr\u00e4ume oder Trance gewesen waren. Irgendwann gew\u00f6hnte man sich wohl daran, dass das klare, wache Bewusstsein manchmal sehr einschr\u00e4nkt wurde, wenn Magie im Spiel war.<\/p>\n<p data-p-id=\"1c690dafbc597f9a57e65e8cf69d7d97\">Ich setzte mich zu Mor\u00e9aval ins Gras. Auch wenn er bewusstlos war, die N\u00e4he eines anderen Menschen beruhigte mich ein wenig. Seit ich den Plan ersonnen hatte, die Geigensaiten als Alarmsignal zu benutzen, war ich aufgeregt und verunsichert wie vor einer wichtigen Pr\u00fcfung. Ich war niemals gut mit Klassenarbeiten, Klausuren oder Vortr\u00e4gen zurechtgekommen; selbst wenn ich zuvor bis zur Ersch\u00f6pfung gelernt und mir Wissen eingepr\u00e4gt hatte, das ich aufsagen konnte, aber nicht wirklich verstand. Die Nervosit\u00e4t und Bef\u00fcrchtung, Fehler zu machen hatte meine Angst vor Pr\u00fcfungen so verst\u00e4rkt, dass der pure Gedanke daran in mir Panik aufkommen lie\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"775b50f6f99fa924b863a901abf3e523\">Bei dem, was ich nun vorhatte, konnte mich nicht einmal auswendig gelerntes retten. Diesmal musste ich <em>raten<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"bfec9257e90cf3dde84d74db78535a39\">\u201eSchaut&#8221;, sagte ich zu ihm, wohl wissend, wie bl\u00f6dsinnig das war. \u201eGlaubt Ihr, das funktioniert?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7158b7f051fe6ef4e902d9a7404ef832\">Ich betrachtete das improvisierte Instrument, das ich in den vergangenen Stunden gebastelt hatte. Es hatte eine Weile gedauert, bis ich in Yalomiros Sachen etwas gefunden hatte, das sich zweckentfremden lie\u00df. Ich war schlie\u00dflich auf einen ovalen Silberreifen gesto\u00dfen, ein wenig k\u00fcrzer als mein Unterarm. Ich hatte keine Ahnung, wof\u00fcr dieser Gegenstand tats\u00e4chlich bestimmt war, vielleicht sollte es ein Rahmen f\u00fcr irgend etwas werden. Aber meine <em>maghiscal<\/em> hatte sich zwischenzeitlich wieder soweit regeneriert, dass ich mit Sicherheit sagen konnte, dass es kein Werkzeug war, kein Objekt, mit dem in irgendeiner Weise bereits Magie verkn\u00fcpft war. Es war einfach ein St\u00fcck aus Yalomiros Bastelkiste.<\/p>\n<p data-p-id=\"8428bb9a4e7f44e25fff662181201ef3\">Ziemlich dilettantisch hatte ich die f\u00fcnf silbernen, magischen Saiten am spitzen und flachen Ende des eirunden Rings festgeknotet und schlie\u00dflich, um gen\u00fcgend Spannung zu erzeugen, ganz vorsichtig ein paar St\u00f6ckchen darunter geklemmt, die ich unter den B\u00e4umen direkt am Eta\u00edmalon aufgesammelt hatte, in der Annahme, die Saiten ben\u00f6tigten wenigstens ein klein wenig Kontakt zu Holz, wie die Geige selbst. Das Ergebnis meiner Bem\u00fchungen glich nun vage dem Oberteil eines Eierschneiders, wie meine Oma ihn besessen hatte. Als kleines Kind war ich fasziniert von dem K\u00fcchenger\u00e4t gewesen und hatte mir vorgestellt, es sei eine Art Miniatur-Harfe. Zu mehr musikalischen Ambitionen hatte ich mich nie aufschwingen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"55691c0554e31abcd29723db1df50a8e\">Zum Gl\u00fcck konnte Mor\u00e9aval mein improvisiertes Instrument nicht sehen. Als Adliger mit h\u00f6fischer Erziehung konnte er ganz bestimmt Laute oder dergleichen spielen und h\u00e4tte an meinem Verstand gezweifelt.<\/p>\n<p data-p-id=\"6f602e5f3793db811391d544e45aa29d\">Ob er, sofern er ein Instrument beherrschte, seiner kleinen Tochter Kinderlieder vorspielte? Ob seine <em>h\u00fdardora<\/em> ihn schon vermisste? Wahrscheinlich nicht. Selbst hoch zu Ross konnte ein Unkundiger den Weg \u00fcber den Montaz\u00edel nicht in so kurzer Zeit zur\u00fccklegen. Es w\u00fcrde bestimmt noch einige Tage dauern, bis man in Wijdlant oder in seinem eigenen Haus beginnen w\u00fcrde, sich Sorgen um ihn zu machen, je nachdem, von wo aus er urspr\u00fcnglich losgezogen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"e77e36e9fb5ef0501ebb96fc6225deb1\">Warum war er eigentlich in den Boscarg\u00e9n zur\u00fcckgekehrt? Das konnte ich mir immer noch nicht erkl\u00e4ren. Hatte Yalomiro selbst ihn wom\u00f6glich mit irgendeiner Botschaft zur\u00fcckgeschickt? Nein, das war unwahrscheinlich. H\u00e4tte er ein wirklich wichtiges Anliegen gegeben, dann h\u00e4tte Yalomiro mich auf andere Weise kontaktieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1e71a94999cddf05e7bccc4530bae7ff\">Vielleicht war ihm selbst etwas eingefallen, das er vergessen hatte? Aber was h\u00e4tte das sein sollen?<\/p>\n<p data-p-id=\"852b85a04227f373489ce71f7ba9ce2c\">Oder hatte &#8230; jemand ihn geschickt?<\/p>\n<p data-p-id=\"9ee18fdc48b85e3f0ca138d8cd478f03\">Ich w\u00fcrde es nicht erfahren, bevor Yalomiro wieder hier war. Und das konnte, wenn mein verzweifelter Plan \u00fcberhaupt Erfolg hatte, noch eine Weile dauern. Aber wenn ich ihn erreichte, w\u00fcrde er keine Zeit verlieren. Als D\u00fdamir\u00e9e noch klein gewesen war und wegen irgendetwas zu weinen begann, war Yalomiro, selbst wenn er im Freien besch\u00e4ftigt gewesen war, meist schneller an ihrem Wiegenk\u00f6rbchen als ich vom Nebenzimmer aus. Er machte sich dann gar nicht erst die M\u00fche, T\u00fcren zu benutzen. Er <em>sprang<\/em> durch den Schatten, um nach dem Rechten zu sehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2bcf5118321fdc67a5989e0ecd4262a9\">Fr\u00fcher, in meiner urspr\u00fcnglichen Welt, hatte ich mir nicht im Traum vorstellen k\u00f6nnen, Mutter zu werden. Es war einfach kein Thema f\u00fcr mich gewesen. Die wenigen Kinder, die ich pers\u00f6nlich kannte, waren mir fremd, unnahbar geblieben. Hier, in der Welt, in die ich letztlich gefl\u00fcchtet war, hatte ich das grundlegend ge\u00e4ndert. Ich konnte mir kaum noch vorstellen, wie es ohne D\u00fdamir\u00e9e gewesen war. Ich wusste, dass es Yalomiro ebenso ging. Dabei hatte er sein Leben lang nicht einmal eine Veranlassung gehabt, an kleine Kinder zu denken,<\/p>\n<p data-p-id=\"e31d1c3b2bb6935e8704ba877d749901\">Ich strich nachdenklich \u00fcber die Saiten.<\/p>\n<p data-p-id=\"68b288a74b593f88d9e272b90f29f102\"><em>\u201eYalomiro&#8221;, hatte ich ihm eines wundersch\u00f6nen Vormittags mitgeteilt. \u201eIch bin schwanger.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"9e349e62af95284c6a87f610256be20f\"><em>Er war gerade damit besch\u00e4ftigt, auf der Suche nach frischen Knospen f\u00fcr irgendein Elixier in einem Baum herumzuklettern. Diese Elixiere waren wichtig, eines der wenigen Dinge, derentwegen die Leute in dem Bergbaudorf sich \u00fcberhaupt auf Tauschhandel mit uns einlie\u00dfen. Manchmal ben\u00f6tigten wir Dinge, die Menschen erschufen und f\u00fcr die wir etwas geben mussten. Nun hielt er inne und schaute verwirrt zu mir hinunter.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"69732e30c3a6fea8e97630b9201f89e4\"><em>\u201eWas hei\u00dft das?&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"ff5b4f832acf86c10ec4f4199cefe20e\"><em>\u201eIch &#8230; wir bekommen ein Kind.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6545de26aeec6d9a0e7a7cdc8580d2ba\"><em>\u201eIch verstehe nicht.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"65c20eac8edc115110aa43358c91d00f\"><em>\u201eDu wirst Vater.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"ab4451a228c21c2021f847e6642add98\"><em>Ich hatte schon eine ganze Weile den Verdacht gehabt, nicht mehr allein mit meinem K\u00f6rper zu sein. Aber ich hatte abwarten wollen, bis es keinen Zweifel gab. An diesem Morgen hatte ich entschieden, war es sicher. Ich war gl\u00fccklich und hatte erwartet, dass er sich ebenfalls freuen w\u00fcrde. Ich hatte zwar nicht erwartet, dass er ausgelassen jubeln w\u00fcrde, das tat er niemals. Aber dass er geradezu erstarrte, das machte mir Angst. Wie eingefroren hockte er in den Zweigen und sah auf so seltsame Weise best\u00fcrzt aus, dass mir unwohl wurde.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"33bce8044183ce30d200e91c65d62f11\"><em>\u201eDas ist unm\u00f6glich&#8221;, sagte er schlie\u00dflich. \u201eIch kann kein Vater sein.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"7d196b469ddaf41ea86b3c1dc0933a12\"><em>Das verschlug mir die Sprache, f\u00fcr einen kurzen Moment. Dann war ich entsetzt, emp\u00f6rt. \u201eMit wem h\u00e4tte ich dich hier betr\u00fcgen k\u00f6nnen?&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"7dfa52082bb46935acdb899535188ff7\"><em>\u201eSaghi\u00e1ra, ich &#8230;&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d128b59a9fd7a44fbcf3687d8efc1715\"><em>\u201eDenkst du etwa, ich bilde es mir nur ein?&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8690ee3e7b300d56423fe21196b78500\"><em>Er sprang vom Baum herunter. \u201eDu musst dich irren. Nokt\u00e1ma verbietet uns, Nachkommen zu haben. Camat&#8217;ay k\u00f6nnen Kinder weder zeugen noch empfangen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"7b48dd46c0d4ec38582b462493be459c\"><em>\u201eAber wenn es nun einmal so ist? Vielleicht ist es Magie!&#8221;, fuhr ich ihn gereizt an. Aber bevor ich mich noch weiter aufregen konnte, kam er mit beschwichtigender Geste auf mich zu.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"91a3e7664218a05d94290dc903cdd683\"><em>\u201eEs w\u00e4re ein Wunder.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"09db812ac8ac9126b19e4db5e09e05fd\"><em>\u201eW\u00e4re es ein Problem?&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"ada4a8c62b14a7ad4f400e26a916082f\"><em>\u201eBein den M\u00e4chten!&#8221; Er legte seinen Sammelbeutel auf den Boden und verschr\u00e4nkte dem\u00fctig seine H\u00e4nde \u00fcber seinem Herzen. \u201eEs w\u00e4re &#8230; Salghi\u00e1ra &#8230;&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"817ebf429e2a1ce338d8ba6a4b162082\"><em>Und dann fiel er vor mir auf die Knie und senkte den Blick.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"689f29059747b601ff7dcea23696888a\"><em>\u201eFreust du dich denn nicht dar\u00fcber?&#8221;, hatte ich ganz leise und vielleicht etwas zu entt\u00e4uscht gefragt.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"389b58016d73653e1629097e24b4fe8a\"><em>\u201eSalghi\u00e1ra, es ist mehr, als mein Verstand erfassen kann. Ich bin dessen nicht w\u00fcrdig.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"813f1156c9d5f7238640136b23a5617a\"><em>\u201eWas redest du denn? Es geschieht doch \u00fcberall und immerzu. Lebendiges pflanzt sich fort.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"af8af57451a4fa442f537ebfb8017760\"><em>\u201eEs w\u00e4re das allererste Mal seit Anbeginn des Weltenspiels, dass Magier miteinander neues Leben hervorbr\u00e4chten. Unseresgleichen darf kein Leben <\/em>erschaffen<em>, nicht mit Magie und nicht mit der Natur.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0850aa5bde595a109f258f7a48c372d6\"><em>Ich wurde ungeduldig. Es mochte ja sein, dass Nokt\u00e1ma in all der Zeit nicht gewollt hatte, dass die ihr Geweihten Familien gr\u00fcndeten. Aber ich wusste ja wohl selbst am besten, was in meinem K\u00f6rper vor sich ging. Also ging ich einen Schritt auf ihn zu, fasste ihn bei den Schultern und zog ihn an mich.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"7f4fcadd7a1fc520509605685c69f615\"><em>\u201eH\u00f6r hin. Vielleicht kannst du es schon sp\u00fcren.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e7a820885b36838aee2dde3367834be9\"><em>Einen Moment lang horchte er an meinem Bauch. Dann hob er so zaghaft die Hand, als bef\u00fcrchte er, etwas zu verletzen, und tastete danach.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"56017b5df9c18f2e90212e5b55a8ba24\"><em>Eine ganze Weile standen wir so still mitten im Wald, nur das Wispern der Bl\u00e4tter und Vogelgezwitscher um uns.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f036edea082272dd65b0fc763e8d1d8c\"><em>\u201eNokt\u00e1ma hat es zugelassen&#8221;, sagte ich. \u201eVielleicht ist es eine neue Bestimmung f\u00fcr uns.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0f42651dcf8291037f3df67f43372677\"><em>Er antwortete mir nicht. Aber mein Kleid an seinem Gesicht wurde feucht. Er weinte! Er weinte lautlos, und er weinte vor Gl\u00fcck.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2d1241fb8cc2cabc086718ed006bdfeb\"><em>\u201eIch glaube&#8221;, brach ich schlie\u00dflich das Schweigen, \u201ees ist ein M\u00e4dchen. Es f\u00fchlt sich an, als sei es weiblich. Ich bin nicht sicher, ob es normal ist, so etwas zu wissen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"9a6e589cf663dacec18d4940f4baa6a7\"><em>Er legte die Arme um meine H\u00fcften und schmiegte sich an mich. Seine <\/em>maghiscal<em> floss mit der meinen zusammen und schuf einen Kokon aus Liebe, Magie und Geborgenheit um uns. Es tat unendlich gut, sein Gl\u00fcck zu sp\u00fcren. Wir mussten keine weiteren Worte dar\u00fcber wechseln. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a7a0ad6d8a7beab975904f057b02b81a\"><em>Am Abend hatte ich ihn bei seinem n\u00e4chtlichen Wirken in Nokt\u00e1mas Halle allein gelassen. Ich ahnte, dass er \u00fcber Dinge nachzudenken hatte, die f\u00fcr mich kaum zu verstehen waren. Ich war derweil an den See gegangen, an die Stelle, wo der gro\u00dfe Stein im Wasser lag und eine besonders intensive magische Stimmung \u00fcber Wald und See lag. Ich war mir ziemlich sicher, dass es hier gewesen war, wo ich D\u00fdamir\u00e9e empfangen hatte.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e3a96cdaae516e63f21bcb56f8d545ad\"><em>In der Zeit danach wurde mein Leben &#8230; kompliziert. Yalomiro war besessen davon, mir jede kleine Unannehmlichkeit und M\u00fche abzunehmen. Am liebsten h\u00e4tte er mich wohl in Watte gepackt. Ich wies ihn vorsichtig darauf hin, dass ich kein gebrechliches altes M\u00fctterchen war, das keinen Schritt mehr allein gehen konnte. Er nahm sich das zu Herzen und bem\u00fchte sich, mich etwas <\/em>unauff\u00e4lliger<em> zu verfolgen, wenn ich durch den Wald ging. Ich sagte nichts dazu und fand sein f\u00fcrsorgliches Verhalten r\u00fchrend. Ich gab vor, es nicht zu bemerken, dass mir auf Schritt und Tritt ein Rabe in den Wipfeln nachflatterte. Er ertrug geduldig meine Stimmungsschwankungen, und je mehr Last mir mein K\u00f6rper bereitete, umso mehr sorgte er f\u00fcr mein Wohlbefinden. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"192731c93ce76e00eb7f942b8e3d2411\"><em>Schlie\u00dflich hatte er es damals fertig gebracht, Isan herbeizurufen. Nat\u00fcrlich war ihm nicht entgangen, wie ich zunehmend besorgt dar\u00fcber gewesen war, wie die Niederkunft ablaufen w\u00fcrde. In meiner alten Welt war es selbstverst\u00e4ndlich, in solchen F\u00e4llen \u00e4rztliche Versorgung zu erhalten. Yalomiro aber war ein m\u00e4chtiger Zauberer, in dessen Kreisen noch nie eine Geburt stattgefunden hatte. Er hatte keine Ahnung, was zu tun war. Au\u00dferdem: Er war ein Mann.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"40d9e74a95626ad0920590a1b24c541c\"><em>Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck, dass mir in dieser Welt einst Isan, die angehende Heilerin begegnet war, ein unkundiger Mensch, dem auch Yalomiro vertraute.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"7ac5b06311d0df680759baabfe810325\"><em>\u201eWie konnte das passieren?&#8221;, hatte Isan als Allererstes gefragt, eher sensationslustig denn best\u00fcrzt. Die schauerlichen Geschichten, die \u00fcber Schattens\u00e4nger im Umlauf waren und die alle darauf hinausliefen, dass jeder sein Leben verlor, der k\u00f6rperlich mit ihnen verkehrte, hatte sie nie vergessen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"14065297e89dfab8f0923b970e3eba9b\"><em>Nun, ich hatte es \u00fcberlebt, nicht nur dieses eine Mal am See, und dar\u00fcber oft nachgedacht. Es gab mehrere Erkl\u00e4rungen. Nachdem ich selbst zur <\/em>camat&#8217;ayra<em> geworden war, hatte das den t\u00f6dlichen Fluch, der auf den Schattens\u00e4ngern lastete, m\u00f6glicherweise neutralisiert. Oder es lag daran, dass Yalomiro und ich durch Meister Gors Schwert vorl\u00e4ufig unsterblich waren.Vielleicht hatte uns gerade das davor bewahrt, uns gegenseitig umzubringen. Dass es \u00fcberhaupt zu Intimit\u00e4t zwischen uns gekommen war, lag m\u00f6glicherweise daran, dass durch das ganze Hin- und Hertauschen von Magie und Lebenskraft Yalomiros schattens\u00e4ngerische Keuschheit und meine unkundigen sinnlichen Bed\u00fcrfnisse einander durchdrungen hatten.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"653a669659a77cfba9abaaeef1128c68\"><em>Aber das alles musste Isan nicht wissen. \u201eVielleicht waren die Geschichten \u00fcber Schattens\u00e4nger ma\u00dflos \u00fcbertrieben und \u00fcbles Gerede&#8221;, hatte ich gesagt. Aber ich war davon \u00fcberzeugt, dass sie sich davon nicht \u00fcberzeugen lie\u00df. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e4467cfafa138654b06a08ff9908e108\"><em>Yalomiro vermied es taktvoll, bei uns zu sein, wenn wir \u00fcber Frauendinge redeten und \u00fcber die neuesten Begebenheiten aus Wijdlant und Spagor tratschten. Erst als die Geburt nahte, erstritt er sich das Recht, dabei zu sein. Isan h\u00e4tte ihn am liebsten aus dem Eta\u00edmalon herausgeworfen, so emp\u00f6rend fand sie sein Ansinnen, sich in eine Sache einzuschalten, die traditionell Frauen handhabten. Das war eine so altmodische Einstellung, dass ich selbst dagegen protestiert h\u00e4tte, wenn ich in meinem Zustand noch klar h\u00e4tte debattieren k\u00f6nnen. Ich sah die beiden vor mir, als ich daran zur\u00fcckdachte.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"58cb110a7612728c900eea476857420e\"><em>\u201eHier haben werden Magier noch M\u00e4nner etwas zu suchen&#8221;, hatte sie ihn angeraunzt. \u201eIhr steht im Weg und verliert wom\u00f6glich die Nerven! So schnell kann ein Ungl\u00fcck geschehen! Da kann ich mich nicht auch noch um Euch k\u00fcmmern!&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"bc069048e496e5bb11c0c03c3bbe26f7\"><em>\u201eIch kann dir ebenso gut helfen wie jede unkundige Frau!&#8221;, hatte er protestiert, war vor ihrem energischen Auftreten aber tats\u00e4chlich respektvoll einen Schritt zur\u00fcckgewichen. Isan hatte eine Autorit\u00e4t entwickelt, die wohl selbst Magier beeindruckte. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"954c83de4087ba66220f4272b43a897d\"><em>\u201eDann geht und sorgt daf\u00fcr, dass ich warmes Wasser bekomme!&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"fd1fe1a9eb1a4f4e555558f6a4beef42\"><em>Er blieb stehen. Dann warf er einen Blick und eine Geste auf einen der bereitstehenden Wassereimer, der daraufhin zu dampfen begann. Isan war unbeeindruckt.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"25d411cd9183854d4366f0cad937d4ad\"><em>\u201eOhne Magie. Wer wei\u00df, was alles geschehen kann, wenn Ihr w\u00e4hrenddessen die Wirklichkeit verbiegt!&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"95948866f11d941b86c9a5983d320735\"><em>Zu dieser Zeit war ich bereits so benebelt vor Schmerz und Ersch\u00f6pfung, dass ich mich selbst nicht \u00e4u\u00dfern konnte. Ich w\u00fcnschte mir so sehr, dass er bei mir blieb, aber Isan hatte Vorbehalte.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"41e85993bc5725ab0a88d41dbbcf7bc3\"><em>\u201eNun gut. Ohne Magie. Aber ich werde sie nicht allein lassen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"1a4365ab79fe0d563157c2e0f0c9d427\"><em>Isan seufzte. \u201eHabt Ihr etwas, was schmerzlindernd ist, ohne dass sie es zu sich nehmen muss?&#8221;, fragte sie unwillig. \u201eSo was k\u00f6nnte ich tats\u00e4chlich brauchen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"9fd88b2b4c49eebe097553bece435518\"><em>Yalomiro war fortgegangen und kurz darauf mit einer kleinen Feuerschale du einem B\u00fcndel trockenem, blauschimmerndem Kraut zur\u00fcckgekommen. Daraufhin war Isan augenblicklich zug\u00e4nglicher geworden. Offenbar erkannte sie sofort, was das war.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"15773f8192a058376db6f9119d9dd361\"><em>\u201eWo habt Ihr das her?&#8221;, fragte sie misstrauisch. \u201eDas w\u00e4chst in verbotenen G\u00e4rten!&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"ad5c530752b0ec14a9f8a7e881d55a97\"><em>\u201eM\u00f6glicherweise habe ich einen solchen verbotenen Garten&#8221;, hatte er beil\u00e4ufig gesagt. \u201eIrgendwo in der N\u00e4he, wovon niemand wei\u00df.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0174fb51a361621df41d4c5b73d2f65d\"><em>\u201eWisst Ihr, wie man es dosiert? Ich wei\u00df es n\u00e4mlich nicht. Niemand wei\u00df das wirklich. Deswegen benutzt es keiner, so wertvoll es ist.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"734e2712d812dae64606125438ce7907\"><em>Nie werde ich Yalomiros Miene vergessen. Mit unverhohlener Befriedigung legte er ihr das B\u00fcndel in die Hand. \u201eIch lehre es dich. Und ich gebe dir davon.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"40a8f303c540ef4712ecbd442d780234\"><em>Sie verstand wohl, was er damit alles nicht sagte, und sie lie\u00df sich darauf ein. Einige Zeit darauf verbrannten sie ein paar einzelne Halme aus dem B\u00fcndel mit einem St\u00fcckchen Holzkohle. Es roch s\u00fc\u00dflich, schwer, nicht unangenehm, aber so bet\u00f6rend, dass mir war, als l\u00f6se sich f\u00fcr eine Weile mein Verstand von meinem K\u00f6rper. Yalomiro fing beides auf, und w\u00e4hrend Isan tat, was eine Hebamme eben tat, hielt er meinen K\u00f6rper im Arm und seine maghsical war so sanft und gut und stark, dass ich mich vollkommen dem hingab, was geschah.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8c9da3adde118ad521ebdf6daa9188ad\"><em>Und dann legte Isan irgendwann etwas Winziges, Atmendes auf meine Brust, woran noch etwas silbernes und rotes Blut klebte. Es war tats\u00e4chlich ein M\u00e4dchen. Das erste Menschenwesen, das auf diese Weise im Schutz des Eta\u00edmalon das Weltenspiel betrat.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"204872e2969c2090df23551d05ee5ee3\"><em>Yalomiro behandelte D\u00fdamir\u00e9e, als sei sie zerbrechlich wie ein Schneekristall. Ich musste mir ins Ged\u00e4chtnis rufen, dass Schattens\u00e4nger seit Anbeginn des Weltenspiels nie mit Neugeborenen zu tun hatten. Dass D\u00fdamir\u00e9e f\u00fcr ihn so fremd und zugleich ehrfurchtgebietend sein mochte, dass er bef\u00fcrchtete, sie mit seinen Erwachsenenh\u00e4nden zu grob anzufassen. Es war r\u00fchrend zu sehen, wie sachte und liebevoll er mit ihr umging. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"33a76413da265bfd600de563efea9f7b\"><em>Und es war erstaunlich, mit welcher Wucht seine Vaterinstinkte einsetzten. Daf\u00fcr dass er der erste Schattens\u00e4nger \u00fcberhaupt war, der leiblichen Nachwuchs hatte, erf\u00fcllte er seine neue ungewohnte Rolle sehr gut.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"fa86e76783f5a66cad75c8165468ea91\"><em>Ich beobachtete die beiden miteinander. Dabei fiel mir bald auf, nachdem D\u00fdamir\u00e9e begann, zu krabbeln und schlie\u00dflich an seiner Hand durch den Wald zu laufen, dass Yalomiro sie mit einem eigenartigen, gar nicht ihrem Alter angemessenen Respekt behandelte. Manchmal sa\u00df er einfach mit ihr zusammen im Gras und erkl\u00e4rte ihr ganz erwachsen die Pflanzen und Tiere und Sterne. Ich wei\u00df nicht, wann sie tats\u00e4chlich damit begann, seine Worte zu <\/em>verstehen<em>. Aber ich wei\u00df, dass sie ihm von Anfang an gebannt <\/em>zuh\u00f6rte<em>.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"b974379d93f8c00dfa6e619487fa691f\"><em>Mein Verh\u00e4ltnis zu D\u00fdamir\u00e9e war von anderer Art. Ich f\u00fchlte mich ihr auf einer ganz unmittelbaren, emotionalen Ebene verbunden, fast so, als seien wir Eines. Ich versorgte sie intuitiv und unverdorben von Erziehungsratgebern und guten und widerspr\u00fcchlichen Ratschl\u00e4gen erfahrener Frauen. Ich denke, das gelang so gut, weil ich diese besondere mentale Verbindung zu ihr hatte. Wir kommunizierten lange miteinander, bevor sie ihr erstes Wort sagte.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"c14f728b25bf860d9681a748db7f3c3e\"><em>So viel Liebe &#8230;.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"28c681c47fb3670b4c069b5c07725318\"><em>D\u00fdamir\u00e9e verstand es, ihre Z\u00e4rtlichkeit und Zuneigung nicht nur mit Yalomiro und mir, sondern mit der ganzen Welt zu teilen. Ich erinnere mich nicht, dass sie jemals einen nennenswerten Wutanfall oder eine anstrengende Trotzphase durchgemacht hat. Sie war ein so freundliches, positives Kind, dass Psychologen in meiner alten Welt sicherlich voller Unglauben versucht h\u00e4tten, ihr irgendeine Verhaltensauff\u00e4lligkeit zu attestieren.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a86f893ef38468ef4365c3620b9d8588\"><em>Ich sagte Yalomiro das.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"615460c5c77897ff228fbf4cade8144b\"><em>\u201eSie w\u00e4chst hier bei uns unber\u00fchrt von Angst und Sorgen auf&#8221;, hatte er gesagt. \u201eSie hat keine Vorstellung davon, was im Weltenspiel lauert. Warum sollte sie unartig oder w\u00fctend sein?&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6a11620c71f94a0e84f12fa2d07fa0d7\"><em>\u201eSollen wir es geheim halten? Soll sie aufwachsen, als g\u00e4be es nur uns drei und die Idylle hier?&#8221;, hatte ich ihn gefragt, zweifelnd.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"96365ca6a5ed04a66d1240f03a6021f3\"><em>\u201eNein. Arglosigkeit bringt sie ihn Gefahr, sobald sie einmal den Wald verl\u00e4sst. Sie muss ein Gef\u00fchl daf\u00fcr bekommen, ohne dass es ihr Angst macht.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a4c977c5748b79596f72a2759f5e3eca\"><em>Und so hatten wir begonnen, ihr unsere M\u00e4rchen zu erz\u00e4hlen. M\u00e4rchen, dass wusste ich noch aus meinem geisteswissenschaftlichem Studium, waren gut, um Kinder auf die harten Realit\u00e4ten des Lebens vorzubereiten. Zum Gl\u00fcck waren die meisten Geschichten, an die ich mich erinnerte, so zeitlos, dass ich sie vortragen konnte, ohne verwirrende Anachronismen in diese Welt zu tragen. Manchmal reichten kleine Anpassungen. Anstrengend blieb, dass D\u00fdamir\u00e9e ein unfehlbares Gesp\u00fcr f\u00fcr Logikl\u00fccken hatte und sich in unwesentlichen Nebens\u00e4chlichkeiten verlieren konnte. Damit hatte ich nicht gerechnet.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"3640ae73604281a6ce78709dfd5406dd\"><em>Als sie f\u00fcnf Sommer alt war, begann ich mich zu fragen, wann sich wohl ihre magischen Kr\u00e4fte offenbaren w\u00fcrden.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"67599dfbb07c76e81a4fab3a3856e9ff\"><em>Schattens\u00e4nger, das hatte Yalomiro erkl\u00e4rt, entwickelten ihre <\/em>maghiscal<em> erst ab einer gewissen Verst\u00e4ndigkeit. Viel zu gef\u00e4hrlich w\u00e4re es, wenn ein kleines Kind impulsiv und ohne zu wissen, was es tat, seine Kr\u00e4fte freisetzte und dabei wom\u00f6glich im Trotz die Eltern erschlug, nur weil es seinen Willen nicht bekam. Es war Aufgabe der <\/em>camat&#8217;ay<em>-Meister gewesen, solche Kinder kurz vor dem Erwachen der Magie aufzusp\u00fcren, in den Boscarg\u00e9n zu bringen und zu Schattens\u00e4ngern zu machen, mit allen Konsequenzen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d75f79624ec31f4c90f4c577de6a7c79\"><em>\u201eUnd in welchem Alter geschieht das gew\u00f6hnlich?&#8221;, hatte ich gefragt und beobachtet, wie D\u00fdamir\u00e9e sich auf der Wiese vorm Eta\u00edmalon an ein Windninchen heranpirschte, um es mit Lattichbl\u00e4ttern zu f\u00fcttern, die \u00fcberall ringsum wuchsen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8a4aa63e990d67049cb97e7b87be6fd0\"><em>\u201eDas l\u00e4sst sich nicht sagen. Ar\u00e1ma\u00fa war vier oder allenfalls f\u00fcnf Sommer alt, als sie herkam. Ich selbst war wahrscheinlich schon zwei, vielleicht sogar drei Sommer \u00e4lter. Bei M\u00e4dchen scheint es etwas fr\u00fcher zu geschehen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8fa1b3ce6d4d170b796aa4242c28fc82\"><em>\u201eDas hei\u00dft, Ar\u00e1ma\u00fa war bereits magisch, als sie noch j\u00fcnger war als D\u00fdamir\u00e9e?&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d1d5a83ddacbff8a07a0c320582280eb\"><em>\u201eJa.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f2d55ed9da82ec70c8137e38c6921e3a\"><em>Wir schauten zu D\u00fdamir\u00e9e hin\u00fcber. Das Windninchen, obwohl umgeben von schmackhaften Bl\u00e4ttern, hoppelte zutraulich auf D\u00fdamir\u00e9e zu, um ihr aus der Hand zu fressen. Das war beeindruckend, aber es hatte nichts damit zu tun, dass sie Tiere beschw\u00f6ren konnte. Sie liebte den Wald, und der Wald liebte sie. Das war einfach so.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d5fd17e72411d566de03d94e7a3a095e\"><em>Ein weiterer Sommer und ein Winter vergingen, ohne dass D\u00fdamir\u00e9e irgendetwas Magisches tat. Offenbar bemerkte sie es langsam selbst. Die Gelegenheiten, bei denen wir beobachten konnten, wie sie mal spielerisch, mal mit gro\u00dfem Ernst versuchte, magische Gesten und Lieder zu kopieren, wurden seltener. Ich hatte mir dar\u00fcber weniger Gedanken gemacht, da ich mit dem Gedanken, selbst magische Kr\u00e4fte zu haben, selbst noch nicht wirklich zurechtkam. Ich war nicht mit Magie aufgewachsen und sah meine mir geschenkten Kr\u00e4fte eher wie eine optionale Zusatzf\u00e4higkeit, nicht als etwas Allt\u00e4gliches. Yalomiro indes schien zusehend nachdenklicher zu werden. Dass D\u00fdamir\u00e9e offenbar ein unkundiges Kind war, \u00fcberraschte ihn, aber es beunruhigte ihn nicht wirklich. Es schm\u00e4lerte seine Liebe und seine Verehrung f\u00fcr sie nicht im Mindesten. Aber ich war mir sicher, dass er sich fragte, warum Nokt\u00e1ma ihr altes Gebot aufhob, damit ein unkundiges Kind entstehen konnte. Es ergab keinen Sinn.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"c799592f691e38fd70a007bd3e4c8131\"><em>\u201eWenn es Nokt\u00e1mas Plan ist&#8221;, hatte ich zu ihm gesagt, \u201edann wird sie ihn uns fr\u00fch genug offenbaren.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"7a588794b6e139e0548822e176dd2da1\"><em>\u201eWenn sie verborgene Magie hat&#8221;, hatte er gesagt und D\u00fdamir\u00e9e nachgeschaut, die mit ihrem geliebten Boot aus Rinde und Bl\u00e4ttern am Ufer spielte, \u201ewird das Wasser es offenbaren. So wie dir, damals, als wir herkamen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"4ba91accab5c5789c46997e622413745\"><em>Camata&#8217;ayra<\/em> waren mit dem Wasser verbunden, das hatte ich damals am eigenen Leib erfahren. Wasser und Nokt\u00e1mas Gestirne &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"26c9a7e5f568f7883848fe11ecb3b266\">Ich zupfte vorsichtig an einer Saite und brachte tats\u00e4chlich ein h\u00f6rbares, aber dissonantes \u201aPling&#8217; zustande. Ich sp\u00fcrte Magie unter meinen Fingerspitzen. Sie kam zur\u00fcck. Sehr gut.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c9e7efad137d94519ff214786f78065\">Ich legte die improvisierte Harfe neben Mor\u00e9aval ins Gras. \u201eGebt bitte eine Weile darauf acht&#8221;, sagte ich zu ihm und kam mir dumm dabei vor. \u201eIch m\u00f6chte etwas ausprobieren. Ich glaube, ich gehe ein wenig im See schwimmen.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2507","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2507","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2507"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2507\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3811,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2507\/revisions\/3811"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}