{"id":2504,"date":"2025-08-25T12:22:34","date_gmt":"2025-08-25T10:22:34","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2504"},"modified":"2025-09-01T09:21:59","modified_gmt":"2025-09-01T07:21:59","slug":"045-brief-und-siegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/045-brief-und-siegel\/","title":{"rendered":"045: Brief und Siegel"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"2c4e5a4208cbd7ff1939bbd878256677\">Osse Emberbey beobachtete die Erwachsenen seit einer Weile aus dem Schutz eines kleinen Durchlasses zwischen dem Unterstand, wo der Burgschmied seine Arbeitsst\u00e4tte hatte und einem Torbogen. Der Junge z\u00f6gerte. Der Magier hatte ihn mit einer Botschaft an die <em>teiranday <\/em>ausgesandt, und da waren sie beide, Asga\u00fd von Spagor und seine <em>h\u00fdardora<\/em>, die <em>teiranda<\/em> von Wijdlant. Seite an Seite standen die beiden nahe der T\u00fcr zur Halle auf dem Hof. Ein liebendes Paar, das nicht ann\u00e4hernd dem \u00e4hnelte, was Osse in dem Roman von dem Smaragdritter und seinen Abenteuern gelesen hatte. Darin waren <em>teiranday<\/em> gro\u00dfe, imposante Recken mit blitzenden Kronen in pr\u00e4chtigen Gew\u00e4ndern und die Damen so sch\u00f6n, das jede Blume sich ihnen gegen\u00fcber garstig vorkommen mochte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b9845cb5b2c236d3a37d2c874fcace8b\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant, angetan mit einem vornehmen Gewand und einer reich geschm\u00fcckten Haube unter ihrer schmalen Goldkrone war so zart und schmal. Schon am gestrigen Tag hatte Osse bemerkt, dass sie seltsam blass und beinahe etwas gebrechlich wirkte, so als sei sie nicht recht gesund, aber nicht krank genug, um siech zu sein. Aber das schien niemanden ihres Hofstaats zu besorgen, war wohl nie anderes gewesen. Der <em>teirand<\/em> an ihrer Seite \u00fcberragte sie um einen halben Kopf und wirkte schlaksig und ungelenk. In seiner edlen und trotzdem etwas nachl\u00e4ssigen Kleidung hatte er so gar nichts Stolzes, Wehrhaftes an sich. Sein schulterlanges Haar hatte Asga\u00fd von Spagor zu einem str\u00e4hnigen Zopf zusammengerafft wie ein verwahrloster Hausknecht. Jeder einzelne der vier Ritter, die um das Herrscherpaar herumstanden, wirkte eindrucksvoller, obwohl keiner der Herren auch nur Alltagsr\u00fcstzeug trug. Wa\u00fdreth Althopian und sein eigener Vater hatten das ihre am Morgen gar nicht erst angelegt gehabt, und die <em>yarlay<\/em> Altabete und Grootplen sich wohl dem angeschlossen. Das gefiel dem Jungen, er hielt es f\u00fcr diplomatisch und h\u00f6flich. Keiner wollte sich unter Standesgleichen \u00fcbereinander erheben.<\/p>\n<p data-p-id=\"7739e1bcf35b162d4a0c677a47c6ca71\">Doch die Ritter waren das Problem. Der Schattens\u00e4nger hatte nicht gesagt, ob die Nachricht ausschlie\u00dflich f\u00fcr das Paar bestimmt war oder ob die anderen mith\u00f6ren durften. So war er unentschlossen, ob er es einfach wagen sollte, sich zu zeigen. Wie gro\u00df war die Gefahr, dass sein Vater ihn einfach aufhalten w\u00fcrde?<\/p>\n<p data-p-id=\"cc232ff82271bd289d38a07fb58bb6f9\">Andererseits senkte sich bereits leichtes Abendlicht \u00fcber den Burghof, und die Ger\u00e4uschkulisse in der Halle deutete darauf hin, dass man dort die Tafeln vorbereitete.<\/p>\n<p data-p-id=\"91212a31f6125f6e222508af51a8ea5d\">Der Junge \u00fcberlegte noch einen Moment. Dann nahm er seinen Mut zusammen und kam aus seinem Versteck hervor. So gelassen und selbstverst\u00e4ndlich, wie er es vermochte, ging er zu der Gruppe hin\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"389f9e0bdab379e6a3e95f6d8952bd2c\">Tats\u00e4chlich war es sein Vater, der ihn zuerst bemerkte. Er war gerade mitten in der Rede mit der <em>teiranda<\/em> gewesen und unterbrach sich mitten im Wort.<\/p>\n<p data-p-id=\"cfe59e8d51ee01b1c4b212164266977a\">Alle Augen wandten sich ihm zu, aber niemand sagte etwas. Osse schluckte und blieb in angemessenem Abstand stehen. Wie es die Regeln geboten, kniete er vor den <em>teiranday<\/em> nieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"38958adadaf134bfc52d2a646ee622ee\">\u201eWo bist du gewesen?&#8221;, brach sein Vater die Stille, mit un\u00fcberh\u00f6rbarem Tadel und Verlegenheit vor den anderen <em>yarlay<\/em> und Majest\u00e4ten in seiner Stimme.<\/p>\n<p data-p-id=\"a6dbaae676eb00d871c310f5f64b935d\">\u201eHerrin&#8221;, sagte Osse sch\u00fcchtern, \u201eHerr &#8230; Meister Yalomiro schickt mich mit einer Botschaft.&#8221; Dann wandte er sich Alsg\u00f6r Emberbey zu. \u201eIch habe mich herumgetrieben, Vater.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6f35b09b5989db6ad7c7c5814af32095\">\u201eWei\u00dft du, wo mein Sohn ist?&#8221;, rief Wa\u00fdreth Althopian aus, mit einer leisen Bangnis in seinen Worten. Der Ritter war besorgt. Ob sich der Vater auch gesorgt hatte? Wahrscheinlich nicht. Er w\u00fcrde nur \u00e4rgerlich sein. Osse nickte Althopian zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"bf4c87e875ee9d4948badd0015cdd646\">\u201eEr ist wohlauf. Ich glaube, der Magier ist noch bei ihm.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7640d490c24f0d096061bb7ca22dd111\">Wa\u00fdreth Althopian atmete auf. Man sah dem stolzen Recken an, wie ihm eine gewaltige Last vom Herzen fiel. \u201eDen M\u00e4chten sei es gedankt&#8221;, murmelte er. \u201eVielleicht r\u00fcckt der ihm das Herz zurecht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"229071d7d678e8fdb41ebfed6ea3a50c\">Alsg\u00f6r Emberbey musterte seinen Sohn. Was er sich dabei denken mochte, war ihm nicht anzusehen. Das fand Osse beunruhigender als offene Missbilligung.<\/p>\n<p data-p-id=\"e297fd931d5bddec801d905fb06441a5\">\u201eWas f\u00fcr eine Botschaft, Kind?&#8221;, fragte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant freundlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"bb600fcc101f60396375b01dc72164ae\">\u201eIch wei\u00df nicht, ob ich es offen sagen darf&#8221;, gestand Osse und err\u00f6tete. Dass die <em>teiranda<\/em> ihn direkt ansprach, empfand er als gro\u00dfe Ehre. \u201eWenn es denkbar ist, w\u00fcrde ich es gern nur vor Euren Ohren aussprechen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"be6c57d491a71f83577e0f6ec7b8c069\">\u201eDann komm hinein&#8221;, sagte der <em>teirand<\/em>. \u201eKomm, Osse Emberbey. Wir haben ohnehin mit dir zu reden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"25017b0c988468dda105b3ef6007b682\">Alsg\u00f6r Emberbey zuckte zusammen und Osse erschrak. Konnten die Majest\u00e4ten ihm etwas vorwerfen? Hatte er eine Regel gebrochen, abgesehen davon, dass er seinem Vater nicht gehorcht und die Stube verlassen hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"5006f84e064265d92d87e88ace30adfc\">\u201eKomm nur, Osse Emberbey&#8221;, sagte nun auch die <em>teiranda<\/em>. Ihr Stimme war warm, ohne Zorn, Das beruhigte ihn. \u201eWir m\u00f6chten dringend h\u00f6ren, was der Meister uns zu verk\u00fcnden hat, wenn er selbst es f\u00fcr wichtiger h\u00e4lt, mit einem Kind zu reden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cbcd72bd6caa6f85693ae67ced34c7af\">Osse erhob sich zaghaft. Asga\u00fd von Spagor grinste ihn aufmunternd an, aber in den Augen des <em>teirand<\/em> war kein L\u00e4cheln. Er war besorgt und wollte es verbergen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e58770b73c3d3493f7f6b6834a4caa8b\">\u201eHerrin&#8221;, warf <em>yarl<\/em> Grootplen ein, \u201esollen wir unter diesen Umst\u00e4nden weiter nach dem Jungen suchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c4f0d88187c1c5fa5888ee2b75a6333a\">\u201eNein, Herr Daap. Wenn der Meister bei ihm ist, hat das seine Ordnung. Wahrscheinlich taucht er bald wieder auf.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a67a0911de1ad17dbc504d683285197c\">\u201eWenn wir die Gewissheit haben, dass der Knabe nicht verlorengegangen ist&#8221;, sagte <em>yarl<\/em> Altabete in Althopians Richtung, \u201ekannst du nun aufh\u00f6ren, zu gr\u00fcbeln.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"544c3addb4cd05050ec11d7ae832b79d\">\u201eDen M\u00e4chten sei Dank. Denk endlich an etwas anderes, Wa\u00fdreth. Komm, schau dir mal mein neues Ross an.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e63103b2b2daf41822575eebb2bf2c57\">Osse war unentschlossen. Da tat der <em>teirand<\/em> einfach einen Blick auf ihn zu und fasste ihn an der Schulter. \u201eKomm&#8221;, forderte er und dirigierten den Jungen zur T\u00fcr hin\u00fcber. Die <em>teiranda<\/em> schloss sich an und lie\u00df die Herren stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1c6264027ea28d0ddf801358cf6d43cd\">In der Halle war tats\u00e4chlich Gesinde damit besch\u00e4ftigt, die Tische f\u00fcr das abendliche Mahl aufzustellen und einzudecken. Der Tisch am Kopfende, der f\u00fcr das Herrscherpaar, die <em>yarlay<\/em> und deren Familien stand bereits. Osse tappte unter der lenkenden Hand des <em>teirand<\/em> dorthin.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f7bf2f8d052e62b87c895b486ed8fb6\">\u201eSetz dich&#8221;, bat die <em>teiranda<\/em> und lie\u00df sich ebenfalls nieder, nicht auf ihrem aufw\u00e4ndig geschm\u00fcckten Sessel, sondern ganz bescheiden auf einen der einfachen St\u00fchle.<\/p>\n<p data-p-id=\"40aeea4e066e99594322c1d61848f98e\">Osse gehorchte wie im Traum und schaute sich verwirrt um. Von der Seite n\u00e4herte sich ein \u00e4lterer Junge in einer tannengr\u00fcnen Haustunika. Er trug eine Schale Obst und ein paar Holzteller und wollte gerade beginnen, den Tisch einzudecken. Es war J\u00e1ndris Altabete.<\/p>\n<p data-p-id=\"ea25af6fb28eaf88bcd0031e19ea68e4\">Der <em>yarlandor<\/em> bemerkte, wer da am Ende des Tisches sa\u00df, warf Osse einen verbl\u00fcfften Blick und nickte dann zum Gru\u00df. Dann fuhr er unger\u00fchrt fort, Platten und Sch\u00fcssel zu verteilen.<\/p>\n<p data-p-id=\"641c9c76cd84434d023daee6e528c742\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant st\u00f6rte sich gar nicht daran, dass der Edelknabe Dienstarbeit verrichtete. Offenbar war das also nichts ungew\u00f6hnliches.<\/p>\n<p data-p-id=\"f0a50f11c72e1ba4162ba82693540178\">\u201eWas gibt es also?&#8221;, fragte der <em>teirand<\/em>. \u201eWarum so geheimnisvoll?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd34e43483f70998519aaeb2c4a37ad3\">\u201eEs ist nicht viel&#8221;, antwortete Osse. \u201eEr bittet Euch, ihn bei Sonnenuntergang zu treffen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c55ed1adcbd43b5ddfc95b7622bd288c\">\u201eNun macht er es aber wirklich spannend&#8221;; murmelte der <em>teirand<\/em>. Es klang ein wenig sarkastisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"d7aa76995d87ed6da4f5057dc19c4022\">\u201eUnd wo?&#8221;, fragte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant sanft.<\/p>\n<p data-p-id=\"df4efffeac6cb8c47b65f08582ab181f\">\u201eIm obersten Zimmer des Turmes. Darum bittet er.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b2bd1f6b4319a1f55b03f1d4d97ff105\">K\u00edan\u00e1 von Widlants Augen weiteten sich ein wenig. Osse wunderte sich, wie deutlich er das mit der gesch\u00e4rften Brille sehen konnte. Sie war erschrocken.<\/p>\n<p data-p-id=\"66e89455c558fb931a82b802070c68c5\">\u201eOben im Turm? <em>Warum<\/em>?&#8221;, fragte Asga\u00fd von Spagor, nun auch verbl\u00fcfft.<\/p>\n<p data-p-id=\"596832f3575ee47e4586e72560a95ab7\">\u201eHerr, das wei\u00df ich wirklich nicht. Mehr hat er mir nicht gesagt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"990a70a47a87cb503ea8d94d4aec7e09\">Das Paar wechselte kurz stumme Blicke. Osse \u00fcberlegte, ob er es wagen konnte. \u201eIst etwas ungew\u00f6hnlich daran? Ist es m\u00f6glich, dass ich ihn falsch verstanden habe?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6ffdad58f692912fe22d21a7b04b0cb8\">\u201eNein&#8221;, erkl\u00e4rte die <em>teiranda<\/em>. \u201eDas ist es nicht. Ich denke, er hat diesen Ort mit Bedacht gew\u00e4hlt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cd447e806b6fb91774897d0cdfd35ce5\">\u201eEs ist nur eben so, dass seit mindestens zehn Sommern niemand mehr da oben war&#8221;, plauderte Asga\u00fd von Spagor.<\/p>\n<p data-p-id=\"25026413c4ca68cc70ce6d9181b29fae\">Osse gelang es nicht, seine Neugier zu verbergen, so unbewegt er auch zu schauen versuchte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a9c83d6775451a6e9a2afaee6b467c53\">\u201eNa ja &#8230; die T\u00fcr zum obersten Zimmer ist geschlossen&#8221;, erkl\u00e4rte der <em>teirand<\/em>. \u201eNiemand bekommt sie ge\u00f6ffnet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9307ccb31fc7d2ea3f47d9e77a1a2ba6\">\u201eIst der Schl\u00fcssel verloren gegangen?&#8221;, fragte Osse so uninteressiert wie m\u00f6glich.<\/p>\n<p data-p-id=\"ed9832f2f569cae3419fa599523357af\">\u201eDas auch.&#8221; Der <em>teirand<\/em> lachte hilflos. \u201eAber die T\u00fcr l\u00e4sst sich nicht einmal aufbrechen. Herr Andri\u00e9r hat eine Streitaxt daran zerbrochen! Und Herr Daap &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bd46be061664b77b95e08f39aecf387f\">\u201eLiebster,&#8221; unterbrach K\u00edan\u00e1 von Wijdlant. \u201eIch glaube nicht, dass <em>das<\/em> den Jungen interessiert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2bb5b217eb64c51a217ec0f6d603baad\">\u201eJedenfalls&#8221;, schloss Asga\u00fd von Spagor, \u201ewas immer dort oben ist, wahrscheinlich l\u00e4sst es sich zumindest mit Zauberei \u00f6ffnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a3752a4f71bab64ca5813b99cd1768b\">J\u00e1ndris Altabete stellte einen Korb mit dunklen Wecken neben Osse ab. Der j\u00fcngere Knabe schaute auf, fing einen Blick voller offenkundigem Spott ein und fragte sich, ob er jemals im Leben wieder ein St\u00fcck Brot w\u00fcrde anschauen k\u00f6nnen, ohne an die gro\u00dfe Schande erinnert zu werden, die er sich zugezogen hatte. Ob er die Gelegenheit nutzen sollte?<\/p>\n<p data-p-id=\"4bc8ac9cc633cab250d9a9a029306f01\">\u201eEr erwartet uns also noch vor dem Abendessen&#8221;, schloss die <em>teirandanja<\/em>. \u201eNun, dann haben wir noch ein wenig Zeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f19f5b1f3ad6e047bbc609af97b9b8a1\">\u201eMajest\u00e4t &#8230; ich m\u00f6chte f\u00fcr das um Vergebung bitten, was ich gestern getan habe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"667b22735266e916582449732479aa79\">\u201eErkl\u00e4re dich, Kind.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f4c2a77c784c7afe881ad29a0aad513b\">Er schaute betreten auf den Brotkorb. \u201eNun &#8230; ich habe die <em>teirandanja<\/em> in eine unm\u00f6gliche Situation gebracht. Es ist nicht zu entschuldigen, dass ich so &#8230; forsch war.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2b892c8226f476de9c8818e543cadbee\">Asga\u00fd von Spagor seufzte. \u201eJunge, du klingst verkrampft wie dein eigener Vater. Nimm dir das doch nicht zu Herzen! Wir fanden es &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55f608621234e49290c1982187a459d8\"><em>Nein<\/em>, dachte Osse. <em>Bitte sag es nicht.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a71f988e1c284a4d6325e43aeb425df2\">\u201e&#8230; am\u00fc-&#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"a8ed9a95f31635aa65e492dc922e0566\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant warf einen mahnenden Blick \u00fcber den Tisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"177b5f6b391a18c1e59709459b184afa\">\u201e&#8230; artig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c2fe152e168f08a920f05684037628db\">\u201eOsse Emberbey &#8230; wir wissen von dem Vorhaben deines Vaters. Von deinem &#8230;&#8221; Sie z\u00f6gerte, als J\u00e1ndris mit einem weiteren Stapel Teller auftauchte. \u201eCousin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"876998a306df303e355802e5066e63ac\">\u201eIch wei\u00df&#8221;, sagte Osse kleinlaut.<\/p>\n<p data-p-id=\"80fd242c8d8a4b0713db7979e8041059\">\u201eWoher?&#8221;, fragte der <em>teirand<\/em> verdutzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"410e0a8f7e85fb0bdd2c490b411a5223\">Osse err\u00f6tete. Dass er unterm Tisch gesessen hatte, musste der <em>teirand<\/em> nicht wissen. \u201eIch konnte mir nicht denken, dass mein Vater Euch nicht ins Vertrauen gezogen hat,&#8221; sagte er unverbindlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"866b8a4ce7f109afadc4824ec22db3f8\">\u201eWenn du das Brot von unserer Tochter angenommen hast, Junge &#8230; was willst du ihr bieten? Wir m\u00fcssen nicht dar\u00fcber reden, dass es nicht deine Kraft und dein Geschick sein wird. Aber was willst du tun, als <em>yarl<\/em> von Emberbey in ihren Diensten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1aa84482dc56de6797c75a9d6b9d6284\">Er entsann sich dessen, was der Magier zu ihm gesagt hatte. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die <em>teiranday<\/em> ihn so direkt danach fragen w\u00fcrden. Aber nun machte es Sinn.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c35f2b25c703a18e0879725892cd717\">Er wagte es.<\/p>\n<p data-p-id=\"4b3398b491a4c55e60a99d3d683d79f5\">\u201eMajest\u00e4t, Herrin, Herr &#8230; ich will gelehrig sein und so viel Wissen und Gedanken zusammentragen, wie nur in meinen Kopf hinein passt. Ich will besser sein als ein Dutzend <em>maedloray<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"cce678a2d4484549fa60b5741d34ae77\">\u00daldaise f\u00e4cherte sich mit dem Brief der <em>faj\u00eda<\/em> k\u00fchle Luft zu. Hier, in Aur\u00f3p\u00e9a staute sich die hei\u00dfe Luft des Tages, hing zwischen den Mauern fest und w\u00fcrde sich erst bei Einbruch der Dunkelheit verziehen. Es passte dem <em>sinor<\/em> gar nicht, dass er noch einmal in die Stadt zur\u00fcckkehren musste. Viel lieber h\u00e4tte er sich direkt auf den Weg in die s\u00fcdlichen H\u00fcgel gemacht, bevor seine idiotischen Handlanger dort wom\u00f6glich etwas anstellten, was ihm die Sache verdarb.<\/p>\n<p data-p-id=\"73701b9e3adfe0ec6a91c353555e2f1b\">Andererseits konnte er die Einladung von <em>sinor<\/em> Sah\u00e1al\u00edr nicht ignorieren. Er war wichtig, den alten Mann arglos und bei guter Laune zu halten. Mit etwas Gl\u00fcck h\u00e4tte sich diese anstrengende H\u00f6flichtuerei bald erledigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"f97c1344dc122c96cd4794f4d6177e32\">Der alte Mann \u00fcberquerte den n\u00f6rdlichen Marktplatz. Die Passanten dort, zum Teil noch redliches Tagvolk, das seinen Gesch\u00e4ften nachging, hier und dort aber schon die eine oder andere lose Gestalt, die schon die n\u00e4chsten Taten planen mochte, wichen ihm mit der gebotenen Unterw\u00fcrfigkeit aus. Der greise Reiter auf seinem grauen Pferd war ein gewohnter Anblick, den niemand n\u00e4her und l\u00e4nger als n\u00f6tig wahrnehmen mochte.<\/p>\n<p data-p-id=\"d602f1d0837c3b60bed3d78c375d59db\">Er nutzte die Gelegenheit, nachzuschauen ob bereits neue Kandidaten f\u00fcr W\u00fcste in den Zellen sa\u00dfen. Offenbar war der Tag in der Stadt ruhig gewesen, denn hier im Westen war der vergitterte Verschlag zwischen den Mauern leer. Die Zellen f\u00fcllten sich nicht so rasch nach wie sonst.<\/p>\n<p data-p-id=\"52aa3e0ccbdedd3e8045b3e1f9466ccd\">Egal. F\u00fcr den Moment mochten die \u00dcbelt\u00e4ter vorsichtiger sein, vielleicht waren auch die Stadtwachen nachl\u00e4ssiger in ihrer Aufmerksamkeit. Er w\u00fcrde das beobachten und bei Gelegenheit entsprechende Ma\u00dfnahmen ergreifen. Vorerst Interessierten ihn die M\u00f6rder, R\u00e4uber, Diebe und Betr\u00fcger nicht. Im Augenblick war allein wichtig, diesen <em>b\u00e1chorkor<\/em> wieder in die Finger zu bekommen. und ihn endg\u00fcltig aus dem Weg zu r\u00e4umen. Verlassen konnte der so junge Mann den Brunnen nur in Richtung W\u00fcste. H\u00e4tte er versucht, den Brunnen gegen die Flie\u00dfrichtung des Baches zu verlassen, w\u00e4re er bald an einen v\u00f6llig gefluteten Gang gekommen, den er allenfalls in Gestalt eines Fisches h\u00e4tte durchtauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"090b7f25a5657197105a068d494e4283\">Rotgewandete konnten viel. In eine Tiergestalt zu schl\u00fcpfen geh\u00f6rte nicht dazu.<\/p>\n<p data-p-id=\"84426d251165307e6c996bba72108724\">\u00daldaise schlug nachdenklich den Weg in die Oberstadt ein. Von einem zum n\u00e4chsten Gongschlag wollte er seinen Pflichtbesuch bei Sah\u00e1al\u00edr absolvieren, l\u00e4nger nicht. Mit etwas Gl\u00fcck verpatzten die beiden Dummk\u00f6pfe es bis dahin nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"098074d6f5579fd09d6255b103760018\">Die Regenbogenritter begannen, sich zu sehr f\u00fcr die W\u00fcste zu interessieren. Zugleich tauchte aus dem Nichts dieser sonderbare Vagabund auf, der von seiner eigenen Bestimmung nichts zu wissen schien, aber ganz offensichtlich zumindest in Ans\u00e4tzen seine Kr\u00e4fte nutzte. \u00daldaise glaubte nicht an einen Zufall. Zu lange war es gut gegangen. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter musste irgendetwas entgegen seinem Willen geschehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ae1f1ace6e0ee344362c426bb23be8ff\">Er warf einen Blick auf den Brief in seiner Hand, w\u00e4hrend sein Pferd ihn gehorsam ins Villenviertel der Oberstadt trug. Das Siegel der Regenbogenritter schimmerte bunt wie das Gefieder eines Prachtvogels. Wahrscheinlich war es das erste offizielle Gesuch, das die <em>faj\u00eda<\/em> seit mehreren Menschengenerationen formuliert hatte. Wahrlich, ein wertvoller Brief, eine gro\u00dfe Ehre. \u00daldaise schnaubte h\u00f6hnisch und kn\u00fcllte das feine wei\u00dfe Papier so zusammen, dass es in seine Tasche passte. Dann hatte er Sah\u00e1al\u00edrs Villa erreicht. Ein Knecht sprang ihm dienstbeflissen entgegen, um ihn mit dem Pferd und beim Absteigen zu helfen. Eine junge Frau eilte mit einem Becher Aranzienwasser als Erfrischung heran. Der Alte nahm ihn an, trank einen Schluck und gab ihn ohne eine Geste der Zuwendung zur\u00fcck. Ohne die Unkundigen eines Wortes zu w\u00fcrdigen, machte er sich auf den Weg zur Dachterrasse.<\/p>\n<p data-p-id=\"760a0f34586499c2a110ee97388b28b9\">Der ehrw\u00fcrdige Ratsherr sa\u00df dort an einem Tisch unter einem Sonnenschutz, der zu dieser Stunde kaum noch seinen Zweck erf\u00fcllte. Er war nicht allein. Eine der <em>sinora\u00e9<\/em>, die mit der Per\u00fccke, leistete ihm Gesellschaft. Sie hatten ein Spielbrett zwischen sich aufgestellt, nicht das edle Weltenspiel, sondern ein ganz einfaches mit flachen Steinen und anderen Regeln. Es ging im Wesentlichen darum, eine gewisse Anzahl eigener Steine \u00fcber das Spielfeld zu bewegen und die des Gegenspielers, der dasselbe versuchte, zu entfernen. Das Spielfeld war dreieckig und in lauter kleinere Dreiecke aufgeteilt. Es war ein einfaches Spiel, das schon Kinder beherrschten. Und das f\u00fcr den senilen Verstand der alten Leute gerade noch zu bew\u00e4ltigen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"4fa204273f4720b205f02590263b9d73\">\u201e\u00daldaise&#8221;, gr\u00fc\u00dfte die Dame. \u201eWie sch\u00f6n, dass Ihr uns Gesellschaft leistet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6b47626ff03729e43a7027ab7fb2f076\">\u201eZu dritt macht es viel mehr Vergn\u00fcgen&#8221;, best\u00e4tigte der Alte und strich schon seine eigenen Steine wieder vom Brett. \u201eKommt, wir beginnen von neuem!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d79bde5f71d13d2ebc7b017a03f1a0a1\">\u201eIch habe keine Zeit f\u00fcr Zeitvertreib&#8221;, sagte \u00daldaise, setzte sich aber dennoch zu ihnen an den Tisch. \u201eMich rufen wichtige Gesch\u00e4fte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d5f400d0861be74914b075cda2f35f5\">\u201eAch, \u00daldaise&#8221;, sagte die <em>sinora<\/em>. \u201eHabt Ihr denn gar nichts anderes im Sinn als die M\u00fchen Eures Amtes?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"80d6f0ae85ae54d79847d782ef49dbf1\">\u201eNun, solange es dem Wohl der Stadt dient, und solange der schm\u00e4hliche Dieb noch nicht gefasst ist, der den frechen Raub begangen hat, werde ich nicht ruhen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8989406a51597c79e830e58d995db773\">\u201eWie sehr wir alle uns in dem jungen Mann get\u00e4uscht haben&#8221;, sagte sie und begann geistesabwesend, ihre eigenen Spielsteine wieder an die Startposition zu stellen. Nachdem Sah\u00e1al\u00edr die Partie unterbrochen hatte, mussten sie von vorn beginnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"77bc5d56292a0bd03a54e4ccae12ae81\">\u201eEs ist den Menschen nicht m\u00f6glich, einander ins Herz zu schauen&#8221;, sagte \u00daldaise unverbindlich. \u201eAber er wird seine Strafe wohl noch erhalten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dd597ce077d889836626c53a3722faef\">\u201eErinnert Euch daran, dass ich unbedingt noch einmal mit ihm zu reden w\u00fcnsche&#8221;, mahnte Sah\u00e1al\u00edr und sortierte seine Steinchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"029d7d3efe1edd045ad50b66e390e6c7\">\u201eIch werde es nicht vergessen. Aber nun lasst mich wissen, was Euer Anliegen ist, das nicht bis morgen im <em>konsej<\/em> Zeit gehabt h\u00e4tte. Euer Bote hat mich im Unklaren gelassen, als er mich unterwegs abfing.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"919e25ec6f2f15a03e8d647f267f8a3c\">\u201eIch habe die Sache nicht zu spektakul\u00e4r machen wollen, \u00daldaise. Mich trieb die Neugier. Wieso habt Ihr uns den diplomatischen Besuch aus For\u00e9tern verschwiegen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dacfdef89da24a16e2500e41f387135e\">\u00daldaise runzelte verwirrt die Stirn. \u201eWelchen diplomatischen Besuch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fea65342fb56105d40cef365c4c79a17\">\u201eIhr seid ein Schelm, \u00daldaise.&#8221; Die Dame kicherte. \u201eBis in die Oberstadt hat es sich in kurzer Zeit herumgesprochen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"440f2d11c1bf689623c535a095464cf8\">\u201eEine meiner Dienerinnen ist dem Jungen aus dem Gefolge Eures edlen Gastes begegnet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0378211b5d524d20733278cb8ebcbdd\">\u201eAch &#8230;&#8221; Der Greis musterte Sah\u00e1al\u00edr verwirrt. Dann entsann er sich, dass seine beiden schwachsinnigen Knechte den Jungen aus dem Ciel\u00e1stel f\u00fcr ein reiches Balg aus For\u00e9tern gehalten hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"862562acc409cabf297e49a4d555216e\">Bei den M\u00e4chten, was hatte dieser Bengel nun schon wieder in die Welt gesetzt?<\/p>\n<p data-p-id=\"a729d954b7d0de46939ed07388372e38\">\u201eEs wird durch die ganze Stadt getragen, die reizende Geschichte von dem Knaben, der in seiner Gro\u00dfz\u00fcgigkeit so vielen Leuten Leckereien spendiert hat.<\/p>\n<p data-p-id=\"65a2579399803a71aaa1d0ac4a4ef721\">\u201eDas&#8230; das ist kein offizieller diplomatischer Besuch&#8221;, behauptete \u00daldaise, denn irgendetwas Plausibles musste er wohl oder \u00fcbel antworten. \u201eDas ist &#8230; Familie.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2085726d35f378a94fa19691816c21b9\">\u201eIhr habt Familie?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f6440e156814fe0778bcb109efde5633\">\u201eWeit entfernte Familie. Ein &#8230; Urgro\u00dfneffe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"56d88ad4a758815c702c2e5f24338535\">\u201eWie nett!&#8221;, rief die Dame aus. \u201eWollt Ihr sie uns nicht vorstellen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"37ad03d60842688b5bd43cb39df28cda\">\u201eDas geht n- &#8230; bedauerlicherweise nicht. Sie sind nicht meinetwegen in Aur\u00f3p\u00e9a und ganz gewiss sp\u00e4testens morgen abgereist. Ich habe meinen &#8230; Gro\u00dfneffen &#8230; selbst nur ganz kurz gesehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"612cfee0d9bbe998c1d0b345c2be42b9\">\u201eOhne zu sehr neugierig in Euch dringen zu wollen, \u00daldaise: For\u00e9tern ist ziemlich weit entfernt. Was treibt Eure Leute so weit an den Rand der Welt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0398179c007a9f4b5a7539e8d27b0520\">\u201eGesch\u00e4fte. Sein Vater ist &#8230; viel unterwegs, in unterschiedlichsten Dingen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9040f1b738b21763e3e78bf144cd98ca\">\u201eUnd da nimmt er ein so junges Kind mit sich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"21ad1fe45ad59e512e861a5e2d55fa81\">\u201eWarum nicht? Es kann nicht schaden, wenn die Kinder so fr\u00fch wie m\u00f6glich gro\u00dfe Erfahrungen machen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dfbd0eafe627539d9e7730f9f367e833\">\u201eSicher nicht. Und es bildet den Charakter, Bei den M\u00e4chten wie herzig.&#8221; Die Dame kicherte. \u201eAls ich h\u00f6rte, dass er all diese S\u00fc\u00dfigkeiten verteilen lie\u00df, da dachte ich, wie gro\u00dfz\u00fcgig und kindlich zugleich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6140a26d8f40a0486872ca9894f6922a\">\u201eNun, der Kleine ist nicht allzu gescheit&#8221;, behauptete \u00daldaise aus tiefer \u00dcberzeugung. \u201eAber wenn es dem einfachen Volk gef\u00e4llt &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dbfa152dfee6165fb664d882844e428b\">\u201eZu schade, dass wir diese bemerkenswerten Reisenden aus dem sch\u00f6nen For\u00e9tern nicht auch kennenlernen durften. Habe ich schon einmal erz\u00e4hlt, dass ich vorzeiten auch eine Weile in For\u00e9tern gelebt habe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4094d1be7f0af66b44609a50894566a3\">\u201eJa, das habt Ihr. Mehrfach.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4002e0f4bf64451384ba895f10334cb3\">\u201eEine sch\u00f6ne Gegend. Aber das Klima habe ich auf Dauer nicht vertragen. Zu feucht, zu schw\u00fcl. Die trockene Hitze hier und die Sonne sind eine Wohltat dagegen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ef7fd21cb0712e25b8e953fd2e3616e6\">\u00daldaise seufzte lautlos. Sah\u00e1al\u00edr hatte doch hoffentlich nicht vor, ihm hier mit Altm\u00e4nnererinnerungen die Zeit zu stehlen? \u201eIch m\u00f6chte Euch eine viel wichtigere Sache nicht vorenthalten&#8221;, sagte er. \u201eIch habe eine Einladung erhalten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"053dea0aeb3372af64a7a559b2a865a4\">\u201eEine Einladung? Wie nett. Wer feiert denn?&#8221;, erkundigte die <em>sinora<\/em> sich mit h\u00f6flichem Interesse. Sollte er ihre Klatschsucht befriedigen? Vielleicht war es besser. Wenn irgendein dummer Umstand es offenbarte, konnte man ihm anschlie\u00dfend keinen Verrat vorwerfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"87eb229d0f5b75ea84692ea8708fb0e7\">\u201eDie <em>faj\u00eda<\/em> selbst w\u00fcnscht, mit mir zu reden. Ich werde im Ciel\u00e1stel erwartet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f740b55f5610a4a7f2572e7f136a1304\">Sah\u00e1al\u00edr, der seinerseits seine Spielsteine geordnet hatte, erstarrte und legte dann die restlichen neben dem Brett ab. Auch die alterstr\u00fcben Augen der Dame weiteten sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"504577f64d6c60609ebb0133fa2ecd20\">\u201eIm Ciel\u00e1stel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d1d5a83ddacbff8a07a0c320582280eb\">\u201eJa.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a28762743f0545582a5572d28b07a494\">Bei den M\u00e4chten&#8221;, wisperte sie. Das ist &#8230; seit ich denken kann, haben die Regenbogenleute es nicht gewagt &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e2ffee316477c872ff5c529574c7a204\">\u201eEs muss etwas sehr wichtiges sein, wenn sie das Gespr\u00e4ch mit uns suchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c533d90ccfdc0bb855dc62e1d0680f77\">\u201eEs wird doch wohl kein Unheil drohen?&#8221; Sie griff nach dem Trinkbecher, der neben ihr stand und nippte nerv\u00f6s daran.<\/p>\n<p data-p-id=\"d5cfad7a955ab3b9ed5d4a03b08ec384\">\u201eWie seid Ihr zu dieser Einladung gekommen? Wieso gerade Ihr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f97498067cec5b8607cf63018fe4c58\">\u00daldaise holte Elos\u00e1ls Schreiben hervor und bedauerte es nun, dass er nicht pfleglicher damit umgegangen war. Er pr\u00e4sentierte den beiden Brief und Siegel, h\u00fctete sich aber, das Dokument aus der Hand zu geben. \u201eIch nehme an, ohne Euch zu nahe treten zu wollen, sie haben in Erfahrung gebracht, dass ich derjenige im <em>konsej<\/em> bin, der den Ritt hin\u00fcber in die Burg noch aus eigener Kraft bew\u00e4ltigen kann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c85e7e4107708fac18bc9ae538055a93\">\u201eSchreibt die <em>faj\u00eda<\/em>, worum es geht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bd4e9f003dcf6fe8fe79c9322ddc98a4\">\u201eNein&#8221;, log \u00daldaise. \u201eAber das ist verst\u00e4ndlich. Kann man Boten trauen? Wei\u00df man, ob nicht die Neugier ein Siegel gef\u00e4hrdet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"34d0cbe1f3d347d526e9a77a3253d4c8\">Sah\u00e1al\u00edr nickte. Der Greis war alarmiert, das war ihm anzusehen. Andererseits wollte er die Dame wohl nicht allzu sehr beunruhigen. \u201eGut. \u00daldaise, ich erwarte, dass Ihr bei Eurer R\u00fcckkehr von den &#8230; Regenbogenleuten unverz\u00fcglich in den Palast zur\u00fcckkehrt und den <em>konsej<\/em> in Kenntnis setzt. Wann werdet Ihr hingehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"552edab72dd7e8e7e3ef28c409fea54d\"><em>Woher soll ich das jetzt schon wissen?,<\/em> dachte \u00daldaise. <em>Das kommt darauf an, wie schnell ich das andere Problem l\u00f6se.<\/em> \u201eMorgen am Nachmittag, denke ich. Vorher lassen es meine Termine nicht zu.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aedeb88cb97571020a8bd3f6a7668b39\">\u201eWir berufen eine au\u00dferordentliche Zusammenkunft des <em>konsej<\/em> f\u00fcr den Abend ein. Ich werde das veranlassen. Entschuldigt mich einen Moment.&#8221; Sah\u00e1al\u00edr griff nach einer Handglocke, die neben der Spielschatulle gestanden hatte und bimmelte damit in einem gewissen Rhythmus. Kurz darauf erschien eine <em>f\u00e1njula<\/em> auf der Terrasse, von der \u00daldaise wusste, dass es eine <em>maedlora<\/em> war. Sie n\u00e4herte sich ihrem Herrn und er wechselte fl\u00fcsternd einige Worte mit ihr. Offenbar beauftragte er ein entsprechendes Schreiben.<\/p>\n<p data-p-id=\"b2ed4a7a6b3141121ed8ed39688b9d73\">Das lenkte ihn so sehr ab, dass \u00daldaise erst dann merkte, wie die <em>sinora<\/em> ihn nachdenklich anschaute.<\/p>\n<p data-p-id=\"7fd6eece18c7f9fa26de7c2e4478aec4\">\u201eEs wird nichts Ernstes sein&#8221;, versicherte er ihr. \u201eIrgendwelche Narreteien, die sie sich ausdenken, um uns in Unruhe zu versetzen. Sie haben es noch nie vertragen, dass wir ohne ihr zauberisches Blendwerk auskommen und stark und wehrhaft dabei sind. Ich werde unsere Interessen wohl unmissverst\u00e4ndlich vertreten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"103f325cb3c32fbcdd8f7514c62a7ac7\">Sie nickte. \u00dcberzeugt sah sie nicht aus. Dann griff sie nach der Schatulle, in der eine Handvoll gr\u00fcner Spielsteine lag. Sie selbst spielte mit gelben Steinen, Sah\u00e1al\u00edr mit himmelblauen. Sie reichte ihm die Schachtel an. \u201eTut uns die Freude, \u00daldaise. Ich habe so lange nicht mehr zu dritt gespielt, seit meine liebe Freundin &#8230; seit sie best\u00e4ndig vergisst, wo und wer sie ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"452d67f63fa0ab2281c2da9f256fcacc\">Er rief sich zur Ordnung. Dann nahm er die Spielsteine an. \u201eNun gut, edle <em>sinora<\/em>. Aber nur eine Partie. So viel Zeit habe ich noch.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2504","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2504","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2504"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2504\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3808,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2504\/revisions\/3808"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2504"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2504"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2504"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}