{"id":2503,"date":"2025-08-25T12:23:05","date_gmt":"2025-08-25T10:23:05","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2503"},"modified":"2025-09-01T09:21:24","modified_gmt":"2025-09-01T07:21:24","slug":"046-honigschmerzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/046-honigschmerzen\/","title":{"rendered":"046: Honigschmerzen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"f1f552bb4011d84290a368fa9dc03c84\">\u201eIch wei\u00df was!&#8221;, zischte J\u00e1ndris Altabete. Er war auf dem Weg in die K\u00fcche, um einen neuen Schwung Teller zu holen. L\u00e1as Grootplen kam ihm gerade mit einem Stapel Tonbecher entgegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f61364e9eaab636a9488cfe2a421605f\">\u201eDas w\u00e4re was neues&#8221;, neckte der \u00e4ltere Junge, blieb aber stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c7af61a7b6205e229351b51de94240a9\">\u201eIch wei\u00df, wie wir unser Problem l\u00f6sen, so dass Manj\u00e9v zufrieden ist und wir uns nicht die H\u00e4nde schmutzig machen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6603d02647133b1b4a8ac2138d2025ff\">L\u00e1as stellte seine Last auf der n\u00e4chstgelegenen Bank ab. \u201eLass h\u00f6ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"065a503f289bde37bcc715269f1a5ae7\">\u201eEs muss uns irgendwie gelingen, ihn vor dem Abendessen abzupassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8df7d22c8a3245ce536b4219d3b1bbc9\">L\u00e1as sch\u00fcttelte missbilligend den Kopf. \u201eDa f\u00e4ngt&#8217;s doch schon an. Der Kerl ist doch immer noch weg.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f2c6c2b1d5948a35d6286f5a9a188a7f\">\u201eSicher nicht mehr lange. Das Eulengesicht ist wieder aufgetaucht. J\u00e1ndris deutete mit dem Kinn hin\u00fcber zu dem Tisch in der Ecke, wo die <em>teiranday<\/em> sich soeben erhoben. Der Junge aus Emberbey stand bereits.<\/p>\n<p data-p-id=\"d1893f497b2f22799d6684b56f628cb8\">L\u00e1as bedachte seinen Freund mit einem tadelnden Blick. \u201eIch glaube, unsere Eltern w\u00fcrden schelten, wenn wir ihn so nennen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4debda0a1b255bb674fe1b8647ab07cc\">\u201eDann unterlassen wir es eben vor ihren Ohren. Aber das ist nebens\u00e4chlich.&#8221; Er griff sich einen Teil der Becher. \u201eKomm, lass uns schnell eindecken. Ich kann&#8217;s dir hier nicht erkl\u00e4ren, wenn jeder zuh\u00f6rt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1579bd453b46640309c5fa1c3a572101\">\u201eGib mir wenigstens einen Hinweis.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c2a22ea947f75847c2c3fd49aafb6d6b\">\u201eWenn alles beim Essen sind&#8221;, raunte J\u00e1ndris, \u201eIst hier in der Burg eine neue T\u00fcr offen, von der niemand etwas wei\u00df.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"62675081b7abd35ba820b1ea8b347613\">\u201eUnd?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0b3fffe8d8db7200889fc661180b2647\">\u201eWir nehmen ihn gefangen! In Manj\u00e9vs Namen. Bis er seine Frechheit bereut.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f1e5e9ec7f9182415c2bf7380b324534\">\u201eBist du toll? Was meinst du, was wir da f\u00fcr \u00c4rger einstreichen! Die Erwachsenen sind doch jetzt schon ganz irre, dass er verschwunden ist!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"49d517a3d49c00a8cc6f0fbf7571d8bc\">\u201eNa und? Dann f\u00e4llt nicht auf, wenn er noch eine Weile l\u00e4nger weg ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b60367c4f5abef95d6b24db7dcff9b07\">\u201eAber &#8230;&#8221; L\u00e1as unterbrach sich. Eine Magd mit h\u00f6lzernen L\u00f6ffeln kam zu nahe und h\u00e4tte mith\u00f6ren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"799d7d985e14d0b6aa0f1b1efd0a09b8\">\u201eL\u00e1as! Wir machen es nat\u00fcrlich so, dass wir <em>nicht<\/em> in Verdacht geraten. Und so, dass Manj\u00e9v, sobald sie davon erf\u00e4hrt, uns ganz schnell gebietet, ihn wieder frei zu lassen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eeac18e021192ee12866f7a99a50e161\">L\u00e1as Grootplen runzelte verwirrt die Stirn. Mit solchen Gedankeng\u00e4ngen hatte J\u00e1ndris ihn abgeh\u00e4ngt. Der etwas j\u00fcngere <em>yarlandor<\/em> begann, die Becher zu verteilen. \u201eNiemandem geschieht allzu viel. Denkst du nicht, die <em>teirandanja<\/em> wird nichts Eiligeres zu tun haben, als den Frechling wieder freizusetzen, bevor von den Erwachsenen jemand <em>richtig <\/em>\u00e4rgerlich wird? Dann haben wir ihr gehorcht, niemandem st\u00f6\u00dft etwas zu und mit etwas Gl\u00fcck bekommt der Kerl von seinem Vater die Tracht seines Lebens.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"692b6a17f88b4e17388c261a70d86281\">L\u00e1as stellte seinerseits die Becher auf. \u201eIst das den M\u00e4chten gef\u00e4llig?&#8221;, fragte er zweifelnd.<\/p>\n<p data-p-id=\"bd559fd950046c85a1ba5cad8f68bcd5\">\u201eIch denke nicht, dass die M\u00e4chte so etwas interessiert. Es ist mehr eine Art &#8230; Versteckspiel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c3bd7fdf758a5479a026c9c74c083297\">\u201eGut. Und von was f\u00fcr einer T\u00fcr redest du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55623f078acd99e60d6561ec0d957554\">\u201eVom h\u00f6chsten Zimmer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"039bbf73d83b2d25061dc1f8e9dd38e6\">L\u00e1as \u00fcberlegte kurz. Dann begriff er, und der Becher, den er gerade in H\u00e4nden hielt, entglitt ihm vor Schreck. Das Tongef\u00e4\u00df zerschellte am Steinboden und rief die Magd auf den Plan, die heute das Eindecken beaufsichtigte. Mit gro\u00dfen Schritten kam die resolute Frau herangest\u00fcrmt, wurde dann aber dessen gewahr, dass es die immer so hilfsbereiten <em>yarlandoray<\/em> waren, die das Spektakel verursacht hatten. J\u00e1ndris sammelte die Scherben bereits ein. So belie\u00df sie es bei einem strengen Blick.<\/p>\n<p data-p-id=\"b6d14c00fb6994974b6878eab09da7ef\">\u201eSp\u00e4ter&#8221;, wisperte der Junge. \u201eUnd steck dir in der K\u00fcche was zu essen ein. Das Nachtmahl m\u00fcssen wir schw\u00e4nzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"9b1550587457798071bb4bdb6fde0bdb\">Manj\u00e9v war in N\u00f6ten. Die M\u00e4chte, das war dem M\u00e4dchen v\u00f6llig klar, straften sie daf\u00fcr, dass es sich ungef\u00e4llig betragen hatte. Dass sie sich daf\u00fcr nun mit den langweiligen Anweisungen f\u00fcr hochedle <em>yarlara\u00e9<\/em> und <em>fanjula\u00e9<\/em> in h\u00f6fischem Stand herumplagen musste, geschah ihr wohl recht. Viel schlimmer wog, dass sie mit jedem Atemzug, der verstrich, die Gelegenheit vers\u00e4umte, ihre getreuen Dienstjunker an dem selbst erteilten Auftrag zu hindern.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ea85baeb89c815f16a85a2b32712af2\">Manj\u00e9v schauderte, wenn sie daran dachte, was die beiden wohl anstellen mochten, sollte ihnen Merrit Althopian tats\u00e4chlich \u00fcber den Weg laufen. Wenn es nur auf eine weitere Pr\u00fcgelei hinausliefe, w\u00e4re es das Geringste, denn darauf w\u00fcrden Erwachsene schnell aufmerksam werden. Verdacht sch\u00f6pfen, dass sie, die k\u00fcnftige <em>teiranda<\/em> hinter der Sache steckte, w\u00fcrde niemand, selbst wenn L\u00e1as und J\u00e1ndris Verrat ver\u00fcbten. Daf\u00fcr, dass die beiden sich f\u00fcr ihre n\u00e4chtliche Niederlage revanchieren wollten, w\u00fcrden die Erwachsenen sogar Verst\u00e4ndnis aufbringen.<\/p>\n<p data-p-id=\"af92ecdcd6932f3f60b80976e2f497b3\">Wenn nur niemand das kompromittierende Briefchen f\u00e4nde! Hoffentlich w\u00e4ren die beiden Jungen umsichtig genug gewesen, es verschwinden zu lassen. Sie \u00e4rgerte sich nun, nicht eine entsprechende Weisung hinzugef\u00fcgt zu haben, etwa es unauff\u00e4llig einer der Ziegen zu \u00fcberlassen, die an der Burg gehalten wurden.<\/p>\n<p data-p-id=\"7acb965c1a4856671b69f9e3dd9fe6b7\">Die <em>opayra<\/em> lie\u00df die <em>teirandanja<\/em> nicht aus den Augen. Sicherlich war das die s\u00fc\u00dfe Rache der \u00e4lteren Edeldame f\u00fcr all den Unfug, den Manj\u00e9v den Tag \u00fcber angestellt hatte und bei dem T\u00edjnje gehorsam mitgemacht hatte. Das kleine M\u00e4dchen hatte es gut! Sicher war sie gerade bei ihrer Mutter oder ihrem Gro\u00dfvater und wartete auf das Abendmahl, mit nichts anderem als Appetit im Sinn. Als sie am Morgen die Milch und die Wecken aus der K\u00fcche geholt hatte, hatte Manj\u00e9v gesehen, dass einige K\u00f6rbe des violetten Kohls bereit gelegen hatten, eine Speise, die T\u00edjnje sehr sch\u00e4tzte. Manj\u00e9v h\u00e4tte ihr mit Freuden ihre Portion \u00fcberlassen, wenn die <em>opayra<\/em> nur f\u00fcr ein paar Herzschl\u00e4ge den Raum verlassen h\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f394802597f2d5778047e6efaf66378b\">Stattdessen genoss die Dame es mit unverhohlener Genugtuung, wie Manj\u00e9v schicksalsergeben Absatz um Absatz vortrug, wie eine Dame sich vor vielen Generationen zu benehmen hatte. Die bedauernswerten <em>yarlara\u00e9<\/em> hatten offensichtlich nicht besonders viel Vergn\u00fcgen im Leben genossen und sich auf das sittsam und anmutig sein beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c5bfb51f8c93d413f44001baebfb0a1\">Die <em>teirandanja<\/em> bl\u00e4tterte das schwere Papier um und runzelte die Stirn. <em>Von der rechten Abweisung<\/em>, war das Kapitel betitelt.<\/p>\n<p data-p-id=\"d845e97609851b655ca924be12b701ef\">\u201eWas soll das hei\u00dfen?&#8221;, fragte das M\u00e4dchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ff0f0177441c8bdaf6a77722243bdeca\">\u201eDas braucht Ihr noch nicht zu wissen&#8221;, sagte die <em>opayra <\/em>hastig und zog das Buch an sich, um zum n\u00e4chsten geziemlichen Kapitel zu bl\u00e4ttern. \u201eDaf\u00fcr seid Ihr noch zu jung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e8ec31b8b79beaca66bd08c2088f9a73\">\u201eZu jung?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3acdfa9610e66ffa5b354e093684bd32\">\u201eDas braucht Ihr erst zu wissen, wenn die jungen Herren um Euch zu werben beginnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f3efe07e6ef339c45ab1d3ac41a1ebb2\">\u201eUm mich muss keiner werben&#8221;, sagte die <em>teirandanja<\/em> gedankenlos.<\/p>\n<p data-p-id=\"f64ff80cf0ac8decf0a08ec0330fba3b\">\u201eDas werdet nicht Ihr zu bestimmen haben.&#8221; Die <em>opayra<\/em> schob ihr das Buch wieder zu. Im neuen Kapitel ging es um die Kunst, einen Kopfputz anmutig zu tragen,. Illustrationen dazu zeigten aufw\u00e4ndige, unpraktische Gebilde, die vor hundert Sommern schon au\u00dfer Mode gewesen waren. \u201eIhr seid die <em>teirandanja<\/em>. Nat\u00fcrlich werden sie von nah und fern kommen, um um Euch zu werben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb57dad170c2f29c40d12dd50ed27501\">\u201eUnd wenn ich vorher einen <em>h\u00fdardor<\/em> finde?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c310cc9aa1dbcc20451ec24a097bd5ae\">\u201eSicherlich wird unter den edlen <em>teiranday<\/em> und <em>yarlay<\/em> einer dabei sein. Nichtsdestoweniger geh\u00f6rt es zum guten Ton, auf die Herren nicht allzu offen zuzugehen. Wie leicht k\u00f6nnte sich einer Hoffnungen machen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"97ad6ed3471a257b17ea66fde5ab614a\">Manj\u00e9v runzelte nachdenklich die Stirn. \u201eSteht da also drin, ich soll den Herren sagen, dass sie mich in Ruhe lassen sollen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b2055453f3cd6a81e6581956ae0c354\">\u201eEs steht darin, nach welchen Regeln Ihr auf die Herren einzugehen habt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"895e298361496754fcd3c2891278676b\">\u201eRegeln?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6f454e36d076df943c3510545527a2cb\">Die <em>opayra<\/em> l\u00e4chelte. \u201eSo ist es, Majest\u00e4t. Regeln, wie sie auch die Herren untereinander befolgen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f9023e13ab104595413636b2e3c9933f\">\u201eIst es ein Spiel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7b76c014fecd28f1fb3a80bf25927d34\">\u201eMan k\u00f6nnte es so nennen, ja.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"343a09c2ca946d5a15f4c0ee8d1e4b20\">\u201eWie kompliziert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e8aaa9655fc31782f6fb5cd939a07fb9\">\u201eEs hat alles seit jeher seinen Sinn, Majest\u00e4t.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88259265d51a09ce5d4435ff2cf954ff\">Manj\u00e9v st\u00fctzte die Ellenbogen auf und st\u00fctzte die Wange in die Hand. \u201eHat um Euch auch einmal einer so geworben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"01a332dbe129f3891b610521f7f1ed61\">\u201eMajest\u00e4t, das sind Dinge, die Ihr nicht wissen m\u00fcsst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b3e68dbdb48809ee6c185fcdc95cad0\">\u201eUnd wenn ich sie wissen will? Oder m\u00f6gt Ihr nicht dar\u00fcber reden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"025b93074309dc501361d3c54c1db66a\">Die Dame seufzte. F\u00fcr einen Moment verschwand die Strenge von ihrem Gesicht. \u201eEs ist nicht f\u00fcr Euch, Majest\u00e4t.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bfaa39f48789ddb3aeae0ce145e0f3a9\">\u201eHattet Ihr einmal einen <em>h\u00fdardor<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d1d5a83ddacbff8a07a0c320582280eb\">\u201eJa.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b193b6640607801f68bb03346b7fc4d\">Manj\u00e9v setzte sich aufmerksam auf. Nun, <em>das <\/em>war interessant. Sie hatte sich nie besondere Gedanken dar\u00fcber gemacht, was die <em>opayra<\/em> wohl getan hatte, bevor sie nach Wijdlant gekommen war, um ihre h\u00f6fische Damenerziehung sicherzustellen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b900b1f2dd4ed11fc743d9fd7c4af34e\">\u201eUnd er hat um Euch geworben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"421f830f207b4e77ac50ea53241c9d9e\">\u201eJa.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8aff5636ff3da435cda6872047ec6a08\">\u201eUnd Ihr habt ihn abgewiesen? Wie die Regeln es sagen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c3216d39f476230809d8cc294d08f5b5\">\u201eJa. Aber &#8230; nein. Nicht nach diesen Regeln.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9686ddcd428b4f5cc4f3f8e5e3153a55\">\u201eDas verstehe ich nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15a9a2e2fa302dec58354a77ea18a28f\">\u201eMajest\u00e4t, das ist etwas, das nur mich etwas angeht und \u00fcber das ich mit einem Kind nicht reden will. Lest nun bitte weiter \u00fcber die Haubenmode.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb7afd45d73aafff52eb06905cb200e9\">Das hatte Manj\u00e9v zu respektieren. Schutzbefohlene waren Rechenschaft \u00fcber alles schuldig, was in irgendeiner Weise das Leben und die Gemeinschaft der Burg betraf. Aber dann gab es Dinge, die nur den Einzelnen betrafen. Es galt als ungeb\u00fchrlich, in Neugier zu beharren, wenn derjenige nicht reden wollte. Manj\u00e9v reichte es, erfahren zu haben, dass die <em>opayra<\/em> ihre Geheimnisse hatte. Vielleicht, so malte die <em>teirandanja<\/em> es sich aus, hatte sie ihren <em>h\u00fdardor<\/em> allzu beflissen abgewiesen und war deswegen allein geblieben. Das w\u00e4re sehr traurig.<\/p>\n<p data-p-id=\"d0368c0f43d5731c7d8208a3f6b811e9\">\u201eSpielen nur <em>teiranday<\/em> und <em>yarlay<\/em> dieses Regelspiel?&#8221;, fragte sie dennoch.<\/p>\n<p data-p-id=\"3d73c5dd64a80ab1bf3622e808a90a6b\">\u201eMajest\u00e4t &#8230; lenkt nicht von der Lekt\u00fcre ab.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"189cf097a1fb893fda91b752767a0509\">Manj\u00e9v seufzte und las. Der Text war so langweilig, dass sie sich nicht die M\u00fche machte, den Inhalt zu erfassen. Die <em>opayra<\/em> jedoch schien nicht zu bemerken, wie sie die Abs\u00e4tze herunterleierte. Offenbar war die Dame in eigene Gedanken versunken.<\/p>\n<p data-p-id=\"2032eeae1b19735eb463268a2273154a\">Die <em>teirandanja<\/em> kam zum Ende des Kapitels. Die Zeit zum Abendessen nahte. Ob man sie nun endlich entlassen w\u00fcrde?<\/p>\n<p data-p-id=\"ac62e7bff4225ed6cae36b830839838c\">Die <em>opayra<\/em> bemerkte, dass das Kind abwartend schwieg. Sie hob den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"002f08cc9d79c1ee2077f039a44d6c9c\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, sagte sie ernst. \u201eLasst Euch niemals auf jemanden ein, der die Regeln nicht achtet. Erw\u00e4hlt Euch einen edlen, redlichen und den M\u00e4chten gef\u00e4lligen Herrn und schaut alle anderen gar nicht erst an.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"360aec8fb4280a16f1174f513200e0c8\">Gal\u00e9on schreckte hoch und blickte sich erschrocken um. \u00dcber dem H\u00fcgel lag nun bl\u00e4uliches Zwielicht. Patagh\u00edus Glanz wich Nokt\u00e1mas samtener Schw\u00e4rze.<\/p>\n<p data-p-id=\"fe0ceae4efdf97f82c2261a1654931d7\">Hatte er hier oben in seinem Versteck tats\u00e4chlich der Schlaf \u00fcbermannt? Offenbar war dem so, wenig verwunderlich nach all den Strapazen, die er durchlitten hatte. Gestern um diese Zeit hatte er bei <em>sinor<\/em> Sah\u00e1al\u00edr auf der pr\u00e4chtigen Dachterrasse gesessen und Geschichten erz\u00e4hlt. Jetzt lag er hier, zerschunden und geschw\u00e4cht, auf einem H\u00fcgel au\u00dferhalb der Stadt und f\u00fchlte sich, als sei er zwischen M\u00fchlsteine geraten. Seine Zunge lang ihm schwer und kraftlos im Mund. So seltsam waren die Z\u00fcge im Weltenspiel.<\/p>\n<p data-p-id=\"727a00948929a219e689de003a608d35\">Nun, offenbar hatten \u00daldaises Knechte ihn hier oberhalb ihres Lagers nicht bemerkt. Aber ungl\u00fccklicherweise waren sie noch da. Er konnte sie h\u00f6ren, unten am Hang, und er roch ein trockenes Holzfeuer, das sie entfacht hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"784a68c18e0c4bdc96b9fc77e76ce7ea\">\u201eNun bleib doch einfach mal still sitzen!&#8221;, sagte der eine gerade. \u201eMachst mich ganz nerv\u00f6s!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3cd29d7126c62deb832003bfcd17ce74\">\u201eKann nicht. F\u00fchlt sich an, als w\u00e4ren lauter Ameisen in mir drin!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"51c00d6555e52446063761c795d1e492\">\u201eUnsinn!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ce6537f370b00a75984596791dcbddbd\">\u201eUnd mir ist hei\u00df!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"58cd4706cadf4c4e90c13f7a6ae43af7\">\u201eDann geh weg vom Feuer!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2c126dd52ae4f895589ac63d2da58cb5\">\u201eVon innen! Ich schwitze wie ein K\u00e4se!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ef50c4a2cd49dd1ab911efa1e3a474b3\">\u201eH\u00f6r auf mit Esskram! Mir ist schlecht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e93e7a2d58bd18b68a0e607dfd80a92c\">\u201eMir auch. Aber die Ameisen sind schlimmer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aafffc81bea5ff4324b1cdf8d539a0f0\">Die beiden stritten noch eine Weile vor sich hin. Gal\u00e9on krabbelte lautlos n\u00e4her an die Stelle, von der aus er nach unten blicken konnte. Er h\u00e4tte sich gar nicht so leise bewegen m\u00fcssen, denn die zwei grobschl\u00e4chtigen Kerle waren ganz mit sich besch\u00e4ftigt. Der eine sa\u00df so unruhig neben dem Feuer, als w\u00fcrde er tats\u00e4chlich von krabbelndem Getier bedr\u00e4ngt. Auch seine H\u00e4nde konnte er kaum stillhalten. Er k\u00e4mmte sich nerv\u00f6s durchs Haar und zupfte an seiner Kleidung herum.<\/p>\n<p data-p-id=\"74683ac7ad1fd8dea0d4897f0d87c92a\">Der andere erhob sich pl\u00f6tzlich ruckartig, st\u00fcrzte ein paar Schritte weit in die Dunkelheit in den Schutz hochgewachsener Gr\u00e4ser. Ger\u00e4usche und Ger\u00fcche deuteten darauf hin, dass er ziemlich qu\u00e4lende Beschwerden mit seinen Ged\u00e4rmen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e05a356e47737b4c68416370dba54f1e\">Gal\u00e9on grinste voller Genugtuung. Offenbar hatten die beiden sich an dem s\u00fc\u00dfen Inhalt ihres Proviantkorbes ganz entsetzlich \u00fcberfressen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a4b012d37e338ece7557af798aea7e4\">\u201eGeht&#8217;s?&#8221;, erkundigte sich der Nerv\u00f6se mit r\u00fchrendem Mitgef\u00fchl.<\/p>\n<p data-p-id=\"fff8173b4fd70894a3d924d185f073f4\">\u201eDas kann sich kein <em>f\u00fdntar<\/em> ausdenken&#8221;, \u00e4chzte der andere aus den Gr\u00e4sern.<\/p>\n<p data-p-id=\"99950f611cc3abdaba7414b5ad52a1c6\">\u201eWenn der Alte nicht nur gerade jetzt zur\u00fcckkommt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d0c1ea1258a74e8230369a94db12a15c\">\u201eW\u00e4r mir sowas von egal! Hauptsache, das hier h\u00f6rt auf!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e47aa106e33224c0fad26452760d5b44\">\u201eMir ist auch \u00fcbel!&#8221;, verk\u00fcndete sein Kamerad pl\u00f6tzlich und begann, ungeb\u00fchrlich laut zu w\u00fcrgen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f5aef6b2f364af345ee3c0c02fbcba8d\">Gal\u00e9on zog sich im Schutz des L\u00e4rms vorsichtig zur\u00fcck, kroch au\u00dfer Sichtweite und zog sich dann vorsichtig am d\u00fcrren Stamm einer Aranzie hinauf. Seine Arme und Beine trugen ihn wieder, allerdings sp\u00fcrte er jede Faser seiner Muskeln mit entsetzlicher Pr\u00e4zision.<\/p>\n<p data-p-id=\"c23941397610a8632a125c2e9bb32f04\">Im Westen erahnte er die Mauern des Ciel\u00e1stel, dumpf gl\u00e4nzend wie Glas im schwindenden Tageslicht. Der H\u00fcgel hinab erstreckte sich eine licht bewaldete Strecke, die kaum Deckung bot. Zumindest viel zu wenig Deckung f\u00fcr einen Mann zu Fu\u00df, der kaum in der Lage war, schnell zu rennen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8b2158db2eef8f40be11ae494378cd73\">Indes, es half nichts. Hier auf dem H\u00fcgel konnte er nicht bleiben. Offenbar erwarteten die beiden Handlanger ihren Meister zur\u00fcck. Sicherlich w\u00fcrde \u00daldaise sie ganz geh\u00f6rig ausschelten und dann selbst auf die Idee kommen, auf der H\u00fcgelkuppe nachzuschauen, ob sich jemand dort aufhielt.<\/p>\n<p data-p-id=\"114c5bb1a800ff7eb40003df667a8c7f\">\u00daldaise w\u00fcrde ihn finden. Was immer der <em>sinor<\/em> an seltsamen Kr\u00e4ften besa\u00df, die sogar in der Lage waren, in eine Menschenseele einzudringen, es w\u00fcrde ihm sicher nicht entgehen, wenn er sich hier oben aufhielt.<\/p>\n<p data-p-id=\"0631a3e4c656d850a690204b2c3a98bb\">Hier oben war er in der Falle. Aber so, wie die unappetitlichen Ger\u00e4usche bis hierher schallten, hatten die M\u00e4chte ihm nun wohl eine Chance bereitet, zumindest an den beiden vorbei an den Fu\u00df des H\u00fcgels zu gelangen. Dort unter war er zwar immer noch nicht in Sicherheit, aber wenigstens konnten sie ihn dort nicht so einfach in die Enge treiben.<\/p>\n<p data-p-id=\"b671d6e85fadd6fa8d3115072beb9055\">Gale\u00f3n schaute sich um. Zwei Schritte entfernt ragte das St\u00e4mmchen eines schlanken Palmengew\u00e4chses empor, dem die Trockenheit die Wurzeln zerm\u00fcrbt hatte und das nur noch einen Schopf dr\u00f6ger Bl\u00e4ttchen trug. Gal\u00e9on versuchte sein Gl\u00fcck, und es gelang ihm tats\u00e4chlich, das tote B\u00e4umchen aus der Erde herauszudrehen. Ein Stab w\u00fcrde ihm beim Abstieg helfen und w\u00e4re sicherlich besser als gar nichts, um einen von den Folgen der V\u00f6llerei geschw\u00e4chten Angreifer abzuwehren.<\/p>\n<p data-p-id=\"516751150c82e3e5732ab9eb25c15710\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> nahm all seine Entschlossenheit zusammen und wagte es. Erst in den Mauern des Ciel\u00e1stel w\u00e4re er in Sicherheit.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c5a71622661d38ff693f0b49da236ba\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"54c2a7dd593ac00d585da58e137e49d7\">D\u00fdamir\u00e9e spielte mit ihrem Schiffchen. Der Teich war lange nicht so ein pr\u00e4chtiges Gew\u00e4sser wie der See im Boscarg\u00e9n, aber f\u00fcr diesen Zweck w\u00fcrde es gen\u00fcgen. Damit das B\u00f6tchen nicht vor der Zeit davon schwamm, hatte sie Binsen gepfl\u00fcckt und zu einer langen Schnur zusammengekn\u00fcpft.<\/p>\n<p data-p-id=\"68473a9bf210934eda9683fd9017c868\">Perlenglanz lag bei seinem Herrn am Feuer und schlief offenbar tief und fest. Das Einhorn hatte die Schnauze unter seinem Fl\u00fcgel verborgen, wie ein schlafender Vogel und schnarchte grollend. C\u00fdel\u00fa schlief offenbar nicht. Er hatte sich an die Kruppe seines Reittieres gelehnt und schaute abwechselnd zum Feuer und zu ihr hin.<\/p>\n<p data-p-id=\"4c09c3cdc39fc991e69693b4f2b44031\">Ob er nicht m\u00fcde war? Selbst D\u00fdamir\u00e9e sp\u00fcrte, dass sie langsam schl\u00e4frig wurde, und das obwohl Schattens\u00e4nger viel l\u00e4nger am St\u00fcck wach bleiben konnten als unkundige Menschen. Sie seufzte. Was n\u00fctzte es ihr, dass ihr Vater, ihre Mutter viel weniger Schlaf ben\u00f6tigten? Sie war ein unkundiges Kind, weder dazu in der Lage, Magie zu wirken noch von Sternen- und Mondlicht zu trinken. C\u00fdel\u00fa hatte ihr eine dicke Scheibe von etwas zu essen gegeben, das eine Art z\u00e4her Brotteig mit fremdartigen, s\u00e4uerlichen getrockneten Fr\u00fcchten darin war. Sie hatte verhalten daran geknabbert und schlie\u00dflich mit Hei\u00dfhunger gegessen. Es schmeckte gut, und ihr Magen hatte dringend nach Nahrung verlangt.<\/p>\n<p data-p-id=\"6bbbde52bf18fa88c3280b72fa27aa2e\">D\u00fdamir\u00e9e dachte nach. In ihrem Kopf war ein ungeordneter, chaotischer Plan, geboren aus kleinen Ideen, die sie \u00fcber den Tag gesammelt hatte, je mehr sie \u00fcber C\u00fdel\u00fa und seine beeindruckenden magischen Kr\u00e4fte nachgedacht hatte. Den letzten Ansto\u00df dazu hatte der Regenbogenritter ihr gegeben, als er mit seinem Feuerzauber geprahlt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"7f00004921850fe2f1b1760154f1d816\">D\u00fdamir\u00e9e hatte sich schon als kleines Kind gewundert, warum in den M\u00e4rchen der Mutter so oft von Gold die Rede war. Was war Gold, hatte sie gefragt. Gold, hatten die Eltern ihr erkl\u00e4rt, war ein Metall, das Patagh\u00edu geweiht war, so wie das Silber zu Nokt\u00e1mas Sch\u00e4tzen geh\u00f6rte. Menschen begehrten das Gold, weil es wertvoll war und sie damit Reichtum erlangten. Reichtum geh\u00f6rte auch zu den seltsamen Unkundigen-Dingen, die D\u00fdamir\u00e9e nicht begriff \u2013 aber was tat es?<\/p>\n<p data-p-id=\"0290b7f91456867da1fd2c71f8be1b28\">D\u00fdamir\u00e9e hatte gefragt, ob die Eltern ihr einmal etwas Gold zeigen konnten. Das sei nicht m\u00f6glich, hatten sie erkl\u00e4rt. Im Boscarg\u00e9n gebe es kein Gold, und auf D\u00fdamir\u00e9es Frage, warum, hatte der Vater erkl\u00e4rt, dass Schattens\u00e4nger Gold nicht ber\u00fchren konnten. Dass es in der Lage sei, Schattens\u00e4ngermagie zu bannen.<\/p>\n<p data-p-id=\"de9652df27913bc91886677cacc37691\">Nun, sie hatte den ganzen Tag C\u00fdel\u00fas R\u00fcstzeug um sich gehabt und nichts gesp\u00fcrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"da0a3c3308866198e60b385454ffe275\">Aber vielleicht gab es etwas, das Regenbogenrittermagie bannen konnte?<\/p>\n<p data-p-id=\"822cd80dd09d1fb54363cd1b62daefea\">Das M\u00e4dchen blickte nachdenklich auf die Teichoberfl\u00e4che. Nokt\u00e1mas Juwelen, die ersten Sterne spiegelten sich bereits darin.<\/p>\n<p data-p-id=\"6421d62f1ce85e4b3ea04ec615af3b89\">Womit l\u00f6schte man Feuer, wenn man keine Herzflamme greifen konnte? Einmal war der Mutter im Winter das w\u00e4rmende Feuer zersprungen, es waren Funken geflogen in der Stube und St\u00fcckchen von Holz hatten auf dem Boden gegl\u00fcht. Der Vater hatte es bemerkt und auszaubern wollen, aber da hatte die Mutter schon, ohne nachzudenken, einen Trinkkrug mit Wasser vom Tisch genommen und dar\u00fcber gesch\u00fcttet, ohne nachzusinnen. Es hatte gezischt und gequalmt und D\u00fdamir\u00e9e, das Wiegenkind, sehr belustigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"a5f5c42cbb1c39d16e934bfb92f10127\">Feuer, goldenes Feuer. Und Wasser. Nokt\u00e1mas Dienerinnen geboten dem Wasser.<\/p>\n<p data-p-id=\"2e5428a11f974b852b52be5aa037512d\">Warum lebten die<em> arcaval&#8217;ay<\/em> nahe der W\u00fcste, dort, wo so wenig gro\u00dfe Gew\u00e4sser waren? Hatten sie Angst vor Wasser? Wahrscheinlich nicht, sonst h\u00e4tte er sich nicht so nahe an den See herangewagt. Au\u00dferdem war D\u00fdamir\u00e9e sich sehr sicher, dass nichts Lebendiges auf Wasser verzichten konnte. Aber vielleicht waren sie &#8230; achtsamer?<\/p>\n<p data-p-id=\"b53923f63da8aff99036ecf0289f556c\">D\u00fdamir\u00e9e f\u00fchrte ihr Schiffchen hin und her und \u00e4ugte immer wieder zu C\u00fdel\u00fa hin\u00fcber. D\u00f6ste er, war er wach? War sie fortw\u00e4hrend mit seinem seltsamen Bann an ihn gefesselt oder lie\u00dfen sich diese Fesseln l\u00f6sen, vielleicht auch nur lockern, lang genug, um herauszuschl\u00fcpfen?<\/p>\n<p data-p-id=\"e0d859823a295a2f2c890bf2cf6ee6c1\">Und wenn sich herausschl\u00fcpfen lie\u00df &#8230; wohin dann?<\/p>\n<p data-p-id=\"9aff00eb7a0fc0bfae7f5413ba3d784f\">D\u00fdamir\u00e9e schaute zu Perlenglanz. Das Einhorn war gro\u00df und wild und stark, etwas ganz anderes als die Windninchen oder die V\u00f6gelchen im Wald. Es war magisch, stolz und unbezwingbar. Es w\u00fcrde ihr kein Leid zuf\u00fcgen, da war D\u00fdamir\u00e9e sich sicher. Aber w\u00fcrde es ihr gehorchen? Wenn sie es ganz z\u00e4rtlich darum bat?<\/p>\n<p data-p-id=\"41f1d458311871e02592cc14a71ca738\">Nat\u00fcrlich machte D\u00fdamir\u00e9e sich keine falschen Hoffnungen, dass es ihr irgendwie gelingen konnte, das Einhorn gezielt zu lenken. Aber wenn es ihr nur gel\u00e4nge, es zum Fliegen zu bringen, ganz egal, wohin, und abzusteigen, wo immer es landen w\u00fcrde?<\/p>\n<p data-p-id=\"f419432842bbbd5a0da3774c151a5f90\">Das Kind hatte keine Wahl. Eine bessere Idee hatte das kleine M\u00e4dchen im Augenblick nicht, und die Zeit dr\u00e4ngte. Wenn C\u00fdel\u00fa sie am n\u00e4chsten Morgen wieder in den Sattel nahm, w\u00fcrde er sie erst im Ciel\u00e1stel wieder los lassen. Dann w\u00e4re sie gefangen, im Heiligtum Pataghius, dort, wo Schattens\u00e4nger nichts zu suchen hatten. Sicher, vielleicht waren die <em>arcavala&#8217;ay<\/em> und die g\u00fctige <em>faj\u00eda <\/em>freundlich zu Kindern. Unter anderen Umst\u00e4nden w\u00e4re sie sogar sehr interessiert daran gewesen, den magielosen Jungen Advon kennenzulernen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a24a026b7de71f30a7002cfba91ff8ab\">Die Mutter machte sich Sorgen. Und wenn der Vater kam, um sie zu befreien, dann w\u00fcrden die Regenbogenritter gegen ihn k\u00e4mpfen. Wer konnte wissen, ob der Vater im fremden Heiligtum gegen eine \u00dcbermacht von acht <em>arcaval&#8217;ay<\/em> bestehen konnte?<\/p>\n<p data-p-id=\"44a1cd56b6ab50daf5ef51a67aa2c8d4\">Wenn sie entkam, dann musste niemand k\u00e4mpfen. Dann mussten die Eltern sich nicht ihretwegen in Gefahr begeben.<\/p>\n<p data-p-id=\"3eddec5fa562024f2594f1457c59e509\">D\u00fdamir\u00e9e lie\u00df die Binsenschnur los und beobachtete geduldig, wie der Wind das B\u00f6tchen auf den Teich hinaus trieb.<\/p>\n<p data-p-id=\"99ff9ddc7c2b929618345b5bdbe0810d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"a007ebca00dada0d9abba692220356ba\">Osse Emberbey klopfte zaghaft an die T\u00fcr, bevor er das Gastgemach betrat. Sein Vater forderte ihn nicht zum Eintreten auf und schaute beiseite, als der Sohn es dennoch tat. Mit einem raschen Blick stellte Osse erleichtert fest, dass der Ritter frische Gew\u00e4nder trug und auch sein ziviles Eisenzeug wieder anlegte. Der Junge trat hinzu, um dem alten Mann mit den Beinschienen zu helfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4eef89dddb86a5d83ca882bc197b8c36\">Alsg\u00f6r Emberbey hinderte ihn nicht daran. Unangenehmes Schweigen war zwischen ihnen, das gebrochen werden musste.<\/p>\n<p data-p-id=\"1a9ddd4ac62a03f02a92fc27abd80551\">\u201eIm kommenden Sommer&#8221;, sagte der alte Ritter schlie\u00dflich, \u201egehst du fort aus Emberbey, Osse.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ec29721643e093947eb843c57395514\">\u201eWohin?&#8221;, fragte der Junge, ohne aufzublicken.<\/p>\n<p data-p-id=\"2f9af1acf5b36a5f56af286d039af983\">\u201eZun\u00e4chst nach V\u00edrhavet. Ich will dich nicht zu weit weg wissen, solange &#8230; nun, ich will, dass du bei Bedarf innerhalb weniger Tage mit einem Schiff wieder an deinem Platz bist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7087a3f3e9091d07a24e60debe2a0448\">\u201eWas soll ich in V\u00edrhavet tun, Vater?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"776465184dfe412ea53a87896813b8a2\">\u201eIch werde dir Wissen kaufen, Osse. Mehr als der <em>mestar<\/em> daheim dir verschaffen kann. Ich erwarte, dass du einen guten Handel damit machst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d6927678b8a48cbedaee9ec64a149ad2\">Osses Herz klopfte schneller, aber er zwang sich zur Ruhe.<\/p>\n<p data-p-id=\"c4626c3151130fbf971dfeeae2c79cd0\">\u201eDrei Sommer werde ich dir in V\u00edrhavet kaufen. Danach wird sich zeigen, wo dein Platz ist. Wenn du dich gef\u00e4llig und anstellig zeigst, bekommst du drei weitere Sommer. In For\u00e9tern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"389ba88d16f00261f0f31687998b207f\">\u201eIn Iv\u00e1al&#8221;, sagte Osse. Alsg\u00f6r Emberbey blickte auf. Osse nahm all seinen Mut zusammen und hielt der reglosen Miene seines Vaters stand.<\/p>\n<p data-p-id=\"fa99d6fb1eaf398900d9b12d0464b975\">\u201eWarum in Iv\u00e1al?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4ff910c4a61ce10df50946ed7e8dedff\">\u201eMein Freund sagt, es sei gut dort, um ein vortrefflicher <em>maedlor<\/em> zu werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bb60e232a649f0b1bef70b77be577ee3\">\u201eDein Freund, so? Hat der junge Althopian sich auf dich eingelassen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b41c7bb9b79c81871a7314a3fe8164b\">\u201eUnsere M\u00fctter liebten beide die Rosen&#8221;, sagte Osse.<\/p>\n<p data-p-id=\"0ed054ddef9e4bb97c7832edda6fa834\">Alsg\u00f6r Emberbey zuckte zusammen. Dann glitt ein bitteres L\u00e4cheln \u00fcber seine Mundwinkel. Bitter, aber ein L\u00e4cheln. \u201eSo redet kein <em>maedlor<\/em>, Osse. Merk dir das f\u00fcr sp\u00e4ter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6767d2897e675902b2c7a60cc56a4346\">\u201eJa, Vater.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a5b64004ddef8af17084d80a3cb30fea\">\u201eWenn die M\u00e4chte mir diese sechs Sommer noch zugestehen, werde ich entscheiden, was weiter geschieht. Ich werde jeden Tag darum flehen, dass man mir diese Zeit noch l\u00e4sst. Ich will mit eigenen Augen sehen, wer w\u00fcrdig ist, mein Schwert zu erben, jenes, das Thorgay Emberbey einst f\u00fchrte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"038eae1db75fef0833e30b5a020aaa6f\">\u201eFalls ich dessen w\u00fcrdig bin&#8221;, sagte Osse, \u201e werde ich es f\u00fcr dich bewahren, bis Truda oder Ra\u00fdneta es einst einem ihrer S\u00f6hne in die Hand geben. Derweil will ich ein guter <em>maedlor<\/em> sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73d434671730f7125c179c49d0ac5673\">Alsg\u00f6r Emberbey sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein, Osse. Das ist nicht deine Aufgabe. Du sollst kein Schwert bewachen wie ein Schatzh\u00fcter. Das kann jede T\u00fcr mit einem tauglichen Schloss. Ich will keinen <em>maedlor<\/em> als Nachfolger.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"32460197243f258573a08a22d06da91a\">Osse seufzte unbehaglich. Sollte er den Vater auf den Jungen aus Rodekliv ansprechen, jenen, von dem, er nicht wissen konnte, es sei denn er gest\u00fcnde, unter dem Tisch gehockt und gelauscht zu haben?<\/p>\n<p data-p-id=\"6d43a40375ecd55f55cc5aac2a652fd3\">\u201eSteh auf&#8221;, forderte Alsg\u00f6r Emberbey. \u201eSieh mich an, Osse.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"defee600adccbf24cab8fdb60bf35be9\">Er gehorchte. Die alten H\u00e4nde des Ritters griffen nach der Brille und nahmen sie dem Sohn von der Nase. Keine gl\u00e4serne Barriere sollte in diesem Moment zwischen ihnen sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"ecd3b7e6275a802c17149b29796091c9\">\u201eIch will keinen unterw\u00fcrfigen Schreiberling als Nachfolger, der mit Zahlen und Vertr\u00e4gen hantiert wie ein <em>vendyr<\/em>. Du, Osse Emberbey, sollst an der Seite der <em>teirandanja <\/em>dienen. Ich will dich als ihren <em>mynst\u00edr<\/em> sehen.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2503","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2503","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2503"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2503\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3806,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2503\/revisions\/3806"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2503"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2503"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}