{"id":2502,"date":"2025-08-25T12:23:36","date_gmt":"2025-08-25T10:23:36","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2502"},"modified":"2025-09-01T09:21:09","modified_gmt":"2025-09-01T07:21:09","slug":"047-gunst-und-gnade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/047-gunst-und-gnade\/","title":{"rendered":"047: Gunst und Gnade"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"0de2d504afc0105e3f4e473a62f113ae\">Yalomiro hatte die Fensterl\u00e4den im Turmgemach ge\u00f6ffnet und schaute sich um. In alle Himmelsrichtungen gab es einen herrlichen Ausblick \u00fcber das herbstliche Land. Die Erbauer der Burg von Wijdlant hatten gro\u00dfen Wert darauf gelegt, rechtzeitig zu bemerken, was sich in der Ebene n\u00e4herte; eine Ebene, die l\u00e4ngst nicht mehr reines plattes Land war. Von hier oben erkannte er im sinkenden Licht W\u00e4ldchen und kleine D\u00f6rfchen, in deren Schutz sich zumindest kleinere Trupps unbemerkt und einem gewissen Geschick w\u00fcrden anschleichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1bc2e87eee2babf7ff0eee00e1cf36c2\">Mochten die M\u00e4chte das verh\u00fcten.<\/p>\n<p data-p-id=\"47a9ad69dc8015ee1ea70b1c7737ba4b\">Der Schattens\u00e4nger seufzte. Seit er vor vielen Sommern erfahren hatte, wie beunruhigt die Bewohner des <em>teirandon<\/em> Spagor angesichts ihrer Nachbarn waren, hatte er bef\u00fcrchtet, dass das Weltenspiel immer noch nicht nicht frei von Gier und Gewalt geworden war. Dass sich die Lage in den vergangenen Sommern zugespitzt hatte, so sehr, dass jener entfernte Nachkomme der Herren von Emberbey die M\u00e4chtigen beunruhigte, hatte er bef\u00fcrchtet.<\/p>\n<p data-p-id=\"9db344c69f8da2a539d839567e2209f4\">Er schaute m\u00fcde nach Norden. Irgendwo dort in der Ferne war das gro\u00dfe gr\u00fcne Meer und dahinter das Chaos. Wie es wohl Kelwa und Egnar erging, den Fischersleuten, die ihm damals bei seiner gef\u00e4hrlichen Suche geholfen hatten? Isan hatte damals im Boscarg\u00e9n kichernd erz\u00e4hlt, dass der junge Maj\u00e9k um sie warb, wohl auch zu ihr passen w\u00fcrde. Aber damals hatte sie sie entschieden, zun\u00e4chst ihre Fertigkeiten als <em>doayra<\/em> zu verbessern. Sie versprach sich damit mehr Sicherheit, wenn die M\u00e4chte sie einst tats\u00e4chlich zusammenf\u00fchren w\u00fcrden. Tats\u00e4chlich waren der Verdienst einer <em>doayra<\/em> und ihr Ansehen weit gr\u00f6\u00dfer und ihr Leben sicherer als das eines Fischers, der jeden Tag ins Ungewisse fuhr. Yalomiro hatte \u00fcber ihre Umsicht gestaunt und sich entschieden, mit etwas Wissen und ein paar Handvoll Kr\u00e4utersamen auszuhelfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e0d7d650b50fe0603ed38967d3905b57\">Er st\u00fctzte die H\u00e4nde auf die Fensterbank. Ob ihr der heilende Garten wohl gelungen war, den er ihr vorgeschlagen hatte? Sich Notizen gemacht hatte sie damals reichlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"85ebc889b844bccb2ee29ac5130f5dd6\">Der Magier h\u00e4tte zu gern einmal nachgeschaut, wie es am Meer stand und was die Unkundigen dort taten. Bald, so nahm er es sich vor, w\u00fcrde er es tun. Zu gern h\u00e4tte er auch D\u00fdamir\u00e9e mitgenommen. So beeindruckt war das Kind von dem gewesen, was er \u00fcber das Meer zu berichten hatte, wie sehr dies ihre Phantasie angespornt und die kleinen B\u00f6tchen, die sie dem See anvertraute, zu ihrem liebsten Spielzeug gemacht hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"33aaad1ae2344d78f4841072c2ec98ae\">Das grundlegende Problem daran war, dass er das unkundige Kind nicht mit durch die Schatten nehmen konnte. Die Dunkelheit war D\u00fdamir\u00e9e verschlossen, und den Weg durch die Wirklichkeit zu w\u00e4hlen w\u00fcrde auf eine weite und anstrengende Reise hinauslaufen, die er ihr noch nicht zumuten wollte. Sie w\u00fcrden den Boscarg\u00e9n l\u00e4ngere Zeit verlassen m\u00fcssen. Und das war zu gef\u00e4hrlich. Gerade jetzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"7e1e86dce1076cc025b991689b008663\">Er wandte sich dem S\u00fcdfenster zu. Dort glomm in der Weite die Nacht \u00fcber dem Kamm des Montaz\u00edel, der in der Entfernung aufragte. Ob Salghi\u00e1ra den Schutz \u00fcber dem Eta\u00edmalon hatte wirken k\u00f6nnen?<\/p>\n<p data-p-id=\"8bd05b383984d59cea6e45ae826e9367\">Er sp\u00fcrte vorsichtig in die Ferne, fand ihre Tr\u00e4ume jedoch nicht. Nat\u00fcrlich nicht. Zu dieser Stunde w\u00fcrde sie nicht schlafen. Sie w\u00fcrde aufgeregt im Heiligtum sitzen und den Zauber gewissenhaft nach seiner Anleitung weben. Der Gedanke belustigte ihn. Er hatte Salghi\u00e1ras Schutzgewebe gesehen, bei weitem nicht schlecht im Ansatz, aber so unbeholfen, so zaghaft, als <em>getraue<\/em> sie sich nicht, es richtig zu machen. Sobald er wieder im Boscarg\u00e9n war, w\u00fcrden sie \u00fcben m\u00fcssen, ausdauernd \u00fcben. Nicht zu zaubern, sondern sich selbst zu vertrauen.<\/p>\n<p data-p-id=\"87d0dc260d73c744ea1b04c21c4f48ef\">Den M\u00e4chten sei Dank wusste Salghi\u00e1ra nicht, <em>was alles<\/em> sie mit diesem Zauber in ihren Schutz einschloss.<\/p>\n<p data-p-id=\"a97fcd063575cd282c1e7d3a741aea83\">Yalomiro Lagoscyre schaute sich im Turmzimmer um. Damals, als das Widerwesen f\u00fcr den Moment besiegt worden war, als der Rotgewandete sich selbst geopfert hatte, um ihm, dem Schwarzgewandeten den Kampf zu erm\u00f6glichen, hatte er anschlie\u00dfend nur zusammengerafft, was offensichtliches Werkzeug des <em>goala&#8217;ay <\/em>gewesen war. All das ruhte unter den roten Blumen in der Ebene und wartete auf seinen Erben. An dem, was an kostbaren Samen und Kr\u00e4utern vorhanden gewesen war, hatte Yalomiro sich selbst bedient. Samen verloren \u00fcber die Zeit ihre Fruchtbarkeit, also hatte es keinen Sinn, sie aufzubewahren. Stattdessen hatte der Schattens\u00e4nger an geheimen Stellen im Boscarg\u00e9n daraus neue Pflanzen gezogen, die frisches Saatgut hervorbrachten. Das, so hatte er sich gedacht, war er dem Gegner schuldig gewesen. Es waren seltene, kostbare Pflanzen dabei. Rotgewandete verstanden sich ebenso gut auf die Macht der Pflanzen wie Schwarzgewandete, wenn auch aus anderen Gr\u00fcnden. Yalomiro l\u00e4chelte m\u00fcde. Sicher h\u00e4tte er dar\u00fcber durchaus interessante Gespr\u00e4che mit seinem Widersacher f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e68a243a1553c2c6dd5f8a61844d620\">Was hier in Truhen und Regalen verblieben war, war lauter unmagisches Alltagsger\u00e4t. Aber auch das sollte eines Tages einem anderen geh\u00f6ren. Kein unkundiger Mensch sollte es in die H\u00e4nde bekommen. Daher hatte der Schattens\u00e4nger einst das Turmzimmer verschlossen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a482dbf1bc157fdedb5458b436bf1194\">Yalomiro lie\u00df sich in dem Sessel hinter dem Tisch nieder, wo er die Tasche mit seinem eigenen Reisegep\u00e4ck den Tag \u00fcber sicher abgelegt hatte. Von dort aus hatte er den direkten Blick auf die T\u00fcr des Turmgemachs, die nun erstmals seit jenem entscheidenden Tag wieder ge\u00f6ffnet stand. In all der Zeit war Gor Lucegaths Turmzimmer magisch versiegelt gewesen, sodass nicht nur Menschen, sondern auch Spinnen oder Flederm\u00e4use nicht hinein gelangt waren. Der Schattens\u00e4nger beschwor ein silbernes Licht und lie\u00df es zu dem verwitterten Deckengem\u00e4lde aufsteigen. Das Fresko zeigte eine<em> goala&#8217;ayra<\/em>, eine rotgewandete Meisterin, die Trost spendete und hinter die Tr\u00e4ume geleitete. Unkundige hatten dieses Bild einst geschaffen, in Zeiten, in denen sie die Rotgewandeten noch geehrt hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"57d84e8325bb25f9ccd4cf5ec24fcd93\">Yalomiro fragte sich, ob es irgendwo im Weltenspiel \u00e4hnliche Abbildungen von Schattens\u00e4ngern gab. Bilder, die nicht jenen einen zeigten, der es ihnen allen verdorben hatte. Was mochte dessen Schicksal gewesen sein?<\/p>\n<p data-p-id=\"592a6074793b12c532b05298c9724c45\">Er fing sein Licht wieder ein, schaute geistesabwesend auf die Tischplatte, wo sich Schattens\u00e4ngerblut \u00fcber Hunderte von Wintern einge\u00e4tzt hatte und schauderte. Urspr\u00fcnglich hatte er \u00fcberlegt, das gr\u00e4ssliche Werkzeug zu zerschmettern und die Tr\u00fcmmer verschwinden zu lassen. Aber er hatte es nicht getan. Es erschien ihm frevelhaft gegen\u00fcber denen, die ihr Blut hier verloren und auch jenen, die es aus ihren eigenen verzweifelten Beweggr\u00fcnden hier vergossen hatten. Dieser Opfertisch, von dem nie jemand erfahren w\u00fcrde, von wo und unter welchen Umst\u00e4nden Gor Lucegath ihn hergebracht hatte, war ein Andenken und eine Warnung. Es war nicht an ihm, dem Schattens\u00e4nger, allein dar\u00fcber zu bestimmen.<\/p>\n<p data-p-id=\"412636be1a9ba57aa2009248142fb35a\">Und dennoch &#8230; es war ihm nicht wohl dabei, das einzige verbliebene Werkzeug des Rotgewandeten so nahe an den Menschen zu lassen. Die Magie, die es beherbergte, war so stark und &#8230; absurd.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"33bb309f1212eb7251c36ff1b14d486a\">Merrit Althopian schaute betr\u00fcbt auf seinen Vater hinab. Der Junge hatte vorgehabt, in aller Stille zu ihm zu gehen und dort um Verzeihung f\u00fcr all den Unfug zu bitten, den er seit der Nacht angerichtet hatte. Aber das Gastgemach war verwaist gewesen. Da zwischenzeitlich aus Richtung der K\u00fcche deutliche Essenger\u00fcche hervorkamen und in der Halle M\u00f6bel ger\u00fcckt und mit Geschirr geklappert wurde, nahm Merrit Althopian an, dass die Herren sich bereits f\u00fcr das Abendessen vorbereiteten.<\/p>\n<p data-p-id=\"bdc4c7a1c404fe8d9f0f9fdeff8eed4a\">Wo war nur die Zeit geblieben? Wie lange hatte er eigentlich mit Osse Emberbey in der Rosenlaube gesessen und sich gef\u00fchlt, als habe er einen verschollenen Bruder gefunden? Sicher, der Sommer neigte sich dem Ende zu, und die Tage wurden k\u00fcrzer, aber so schnell?<\/p>\n<p data-p-id=\"33f64793d4f40733da602cd3889e3fb8\">Der Junge hatte die Gelegenheit dazu genutzt, sich zu waschen und ein frisches Hemd anzulegen. Als er anschlie\u00dfend aus dem Fenster auf den Hof hinaus blickte, entdeckte er seinen Vater und den <em>yarl<\/em> Grootplen gegen\u00fcber bei den Stallungen, dort, wo die wertvollen R\u00f6sser der Burg untergebracht waren. Der <em>mynstir<\/em> der <em>teiranda<\/em> begutachtete mit kundigem Blick das kleine Schimmelst\u00fctchen, das sie aus Althopian als Gastgeschenk f\u00fcr die <em>teirandanja<\/em> mitgebracht hatten. Auch die Tiere wurden offenbar gerade von ihrer Weide f\u00fcr die Nacht in den Stall geholt,<\/p>\n<p data-p-id=\"d27a4130d634365f9b2eff2c7e367aed\">Ob die <em>teirandanja<\/em> sich das nette Tier auch schon angeschaut hatte? Der Vater hatte ihn, den Sohn, der ihm so viel unn\u00f6tigen Kummer bereitete, selbst zwischen mehreren infrage kommenden Damenpferden ausw\u00e4hlen lassen. Merrit hatte befunden, der Schimmel sei genau angemessen f\u00fcr seine k\u00fcnftige <em>teiranda<\/em>, die er nie zuvor gesehen hatte. Er war h\u00fcbsch, sein Fell so sauber und makellos wie eine Apfelbl\u00fcte und sein Gang so weich, dass es sich darauf sa\u00df wie auf einem Sessel. Er hatte es selbst ausprobiert.<\/p>\n<p data-p-id=\"a79e1a539ac04ce337f9940ad5622556\">Das kastanienfarbene St\u00fctchen mit der wallenden braunen M\u00e4hne w\u00e4re noch etwas besser gewesen, meinte der Vater, der sich jedoch grunds\u00e4tzlich dem Urteil des Sohnes anschloss. Merrit hatte ein hervorragendes Gesp\u00fcr f\u00fcr die Pferde. Aber die braune Stute sollte Manj\u00e9v nicht haben. Die Mutter hatte einen pr\u00e4chtigen Zelter in ganz \u00e4hnlicher Farbe besessen, mit ebenso wallender M\u00e4hne, in die die Stallknechte glitzernde Glasperlen eingeflochten hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"1a6f66538fc15c2e885f0675ffb970cb\">Die beiden M\u00e4nner waren so in ihr Gespr\u00e4ch vertieft, dass der Junge am Fenster ihnen nicht auffiel. Merrit schaute hinunter und schauderte beim Blick in die Tiefe. Tats\u00e4chlich, bei seiner unsinnigen Kletterpartie in der Nacht h\u00e4tte er sich leicht den Hals brechen k\u00f6nnen. Leichtsinn war keine Tugend f\u00fcr einen Ritter. Sein neuer Freund h\u00e4tte sicher versucht, ihn davon abzuhalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"c101dabd7eae76195065d8c400e9259f\">Merrit legte sich auf das Bett in der Gaststube und schaute nachdenklich zur Zimmerdecke, geschmackvoll und nett geschm\u00fcckt mit bunten Ornamenten. Alles hier in Wijdlant war eine Spur vornehmer, teuer und geschmackvoller als auf der Burg seines Vaters. Nicht so sehr, als dass es ihn verlegen gestimmt h\u00e4tte, aber doch so, dass es ihn daran gemahnte, noch mehr auf seine Manieren zu achten.<\/p>\n<p data-p-id=\"cad17a982615de50bb0fe1fcc3a5301d\">Sein Magen knurrte. Ein unpassendes Ger\u00e4usch, das in Gegenwart der <em>teirandanja<\/em> sicher zu missbilligenden Blicken gef\u00fchrt h\u00e4tte. Merrit machte sich bewusst, dass er seit jenem verh\u00e4ngnisvollen Bissen Brot am Vorabend nichts mehr gegessen hatte. Nun, er konnte es nicht verantworten, sich noch weiter zu verstecken. Offenbar waren den ganzen Tag hindurch Menschen in Sorge um ihn gewesen, und sicherlich w\u00fcrde der Vater es diesmal nicht bei einer Ermahnung belassen k\u00f6nnen. Merrits Gewissen war schwer. Aber es sollte wohl nicht so sein, dass er seinen Vater unter vier Augen h\u00e4tte antreffen sollen.<\/p>\n<p data-p-id=\"173fc1901f3519eef49fa7928e2a42a2\">Vielleicht gelang es ihm wenigstens, ihn kurz abzufangen, notfalls vor den Augen eines der anderen <em>yarlay<\/em>, bevor sie gemeinsam am Tisch der <em>teiranday<\/em> sa\u00dfen, vorwurfsvolles Schweigen zwischen sich, bis er die Gelegenheit zur Reue bekam. Wenn wenigstens der freundliche Magier noch in der N\u00e4he w\u00e4re! Merrit Althopian hatte sich schon lange nicht mehr so verstanden und geborgen gef\u00fchlt wie in Gegenwart dieses sonderbaren Mannes.<\/p>\n<p data-p-id=\"1077505da6f40e5b1e157b9a26358d3f\">Der Junge erhob sich seufzend, zupfte sein Hemd zurecht, warf einen kritischen Blick in den kleinen Spiegel am Waschtisch und fuhr sich mit den Fingern durch sein etwas zu struwweliges blondes Haar. Zu zerzaust konnte er der <em>teirandanja<\/em> nicht unter die Augen kommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bd52afde79da503d88f409f0288f0052\">Er trat hinaus auf den Gang und an halb ge\u00f6ffneten und einigen geschlossenen T\u00fcren vorbei. Die unauff\u00e4llige T\u00fcr, die sich durch nichts von den anderen unterschied und doch zum Gemach der <em>teirandanja<\/em> geh\u00f6ren musste, war geschlossen, aber dahinter wurde laut geredet. Merrit z\u00f6gerte einen kleinen Augenblick und legte dann f\u00fcr einen kurzen Moment das Ohr an das Holz. Im Zimmer hielt eine Dame mit erhobener Stimme wohl einen Vortrag oder las etwas vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"f2aa2f0a9e57cd4488d908064732f89b\">Der Junge wandte sich ab und nahm aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr. Auf dem Flur, der am Ende des Korridors in Richtung des Amtszimmers des <em>teirand<\/em> abknickte, n\u00e4herte sich jemand.<\/p>\n<p data-p-id=\"abc9e46190a6ac06a019ef1758b7e6ad\">Auch in der Gegenrichtung kam jemand vom Stiegenhaus auf den Gang.<\/p>\n<p data-p-id=\"e5eb1f293325e4954942f9f66fcbfdfe\">Merrit zuckte zur\u00fcck und trat rasch ein paar Schritte beiseite. Vielleicht hatten die beiden nicht gesehen, dass er gelauscht hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e476fdd72ceb89d4495634ddf160eea5\">\u201eSieh an&#8221;, sagte L\u00e1as Grootplen. Hatte der Sohn des hiesigen <em>mynstir<\/em> hinter dem Abzweig auf ihn gelauert? Wahrscheinlich, denn dort gab es keine R\u00e4ume, in denen er einen Grund zum Aufenthalt gehabt h\u00e4tte. \u201eDa ist er ja, der Unsichtbare.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"74c11513ac4d4fa0a21777528b3a2c64\">\u201eWir haben uns schon Sorgen um dich gemacht&#8221;, f\u00fcgte J\u00e1ndris Altabete zur\u00fcck und schlenderte aus der anderen Richtung heran. \u201eDen ganzen Tag haben wir jeden Stein umgedreht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9bbcad6be5025008e31f3b6b583519ed\">\u201eIch war die ganze Zeit hier&#8221;, sagte Merrit Althopian. Etwas Hei\u00dfes wallte in seinen Adern hinauf und versetzte seinen ganzen K\u00f6rper in Spannung, wie eine Bogensehne. Er hatte keine Waffe bei sich und es war nichts in Griffweite, was sich verwenden lie\u00df. Er solle sich von den Jungen fernhalten, hatte der Magier gesagt. Sicher nicht ohne Grund.<\/p>\n<p data-p-id=\"968dc7a040ffef974fbe985a0f051e06\">Aber anscheinend wollten sie ihn gar nicht angreifen. Sie trugen beide ihre Trainingsschwerter stolz bei sich, aber sie legten keine Hand daran.<\/p>\n<p data-p-id=\"6fd1e810c3f4fc1a5f23795f76f86c15\">\u201eWirklich bedauerlich&#8221;, sagte L\u00e1as und baute sich einige Schritte entfernt von Merrit auf. Der Weg zur\u00fcck ins Gastgemach war damit versperrt. \u201eWir h\u00e4tten uns auf viel freundlichere Weise miteinander bekannt machen k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b8eee77587cf31c44068f5676387297b\">\u201eJa&#8221;, sagte Merrit und wandte sich J\u00e1ndris zu, der sich ebenfalls n\u00e4herte. \u201eDas ging gestern Abend alles etwas schnell.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"05f18b091eafb04af63eaea89d2ef354\">\u201eDu bist ganz sch\u00f6n flink f\u00fcr dein Alter. K\u00e4mpft man auf Althopian immer mit Besen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ecbfc078d002f34f06d9919ff85f5b9\">\u201eNur, wenn gerade die Klingen aus sind&#8221;, gab Merrit zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"ba543d80091585946bd78f59a37feba8\">\u201eHe, wir wollen dich nicht \u00e4rgern!&#8221; L\u00e1as grinste. \u201eDas war echt beeindruckend.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a470cf2d4ad64ab6bb39bb743308eaf5\">Merrit runzelte die Stirn. Dem Kompliment traute er nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"9ca514222febbfca14de718594234a00\">\u201eIch bin J\u00e1ndris Altabete&#8221;, stellte der j\u00fcngere der beiden sich vor und st\u00fctzte sich l\u00e4ssig mit einem Arm an der Wand ab, womit er den Weg zumindest ein St\u00fcck weit blockierte. Die rechte Hand ballte er zur Faust und richtete sie zu Boden. L\u00e1as Grootplen tat dasselbe. Merrit z\u00f6gerte einen Moment. Indem die beiden so andeuteten, dass sie nicht zum Schwert greifen wollten, zeigten sie einerseits, wie gut sie bereits die kleinen ritterlichen Gesten beherrschten, und dass sie nicht auf eine weitere Pr\u00fcgelei aus waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"e076dd7229b11af4809ed98558952bfe\">Ob sich der Konflikt l\u00f6sen lie\u00df wie unter ehrenhaften <em>yarlay<\/em>? Wie unter Erwachsenen? Merrit verschr\u00e4nkte die H\u00e4nde \u00fcber seinem Herzen, das f\u00fcr seinen Geschmack viel zu schnell und aufgeregt klopfte.<\/p>\n<p data-p-id=\"559a3cef12e1af5a1af9d5d3807a94a3\">\u201eIch suche keinen Streit mit Euch&#8221;, sagte er und senkte kurz h\u00f6flich den Blick. \u201eUnd es war nicht meine Absicht, Euch vor den Erwachsenen vorzuf\u00fchren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d510d1fdeafa68a3e67aed48b82bca9\">\u201eHast du nicht. Das war nat\u00fcrlich alles so beabsichtigt. Wir mussten doch mal sehen, was du so alles kannst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e0bd404d8c745b929cc4b6e2946897ad\">\u201eSo?&#8221;, fragte Merrit, unsicher, ob L\u00e1as nun log oder prahlte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b9b5aea0b9e5c59ea2c95980cd47c8ae\">\u201eAber was wolltest du bei der <em>teirandanja<\/em> am Fenster?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8de2e55bb42c14b0d1a6e6f9008fcd37\">\u201eGar nichts. Ich habe nicht gewusst, dass das ihr Gemach ist. Ich wollte &#8230;&#8221; Er z\u00f6gerte. Vielleicht sollte er nicht gerade jetzt Osse Emberbey in die Sache hineinziehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ae8dcba0f92d6f833acecba5a9dd3b7\">\u201eJa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"674c69c0ed8b2154447a6f0c5ed5f348\">\u201eIch wollte einfach raus aus unserem Gastgemach, ohne dass es jemand bemerkt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"da975405a3f022e15c722f74915770b7\">\u201eAndere Leute&#8221;, sagte J\u00e1ndris, \u201ebenutzen dazu T\u00fcren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"de2c5d7fe77e225b22d73e793315a143\">Merrit l\u00e4chelte herausfordernd. \u201eKlar. Aber das macht lange nicht so viel Spa\u00df.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"17897105b5c6950df4723defa1cf1b3d\">Die \u00e4lteren Jungen wechselten einen Blick miteinander, den er nicht zu deuten wusste.<\/p>\n<p data-p-id=\"0cfdec55e44b2b44600b5db446895b58\">\u201eWie dem auch sei&#8221;, fuhr L\u00e1as fort. \u201eUnsere <em>teirandanja<\/em> hast du schwer beeindruckt, wenn auch nicht zum Besten. Sie ist ziemlich ver\u00e4rgert deinetwegen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4118f76267bd536f348cc650393e881b\">Merrit nickte betreten. \u201eDas kann ich ihr nicht verdenken. Ich hoffe, dass sie mir die Gnade gew\u00e4hrt, mich vor ihr zu erkl\u00e4ren und um Vergebung zu bitten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e610f6e1c0a9e2d4d6cdd56d6325ed81\">\u201eNun, ich f\u00fcrchte, darauf kannst du lange warten. Ich w\u00fcrde mich nicht wundern, wenn die <em>teiranday<\/em> ernsthaft dar\u00fcber nachdenken w\u00fcrden, dich aus ihrer Gunst auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"fd77253024f5b059b52f9704a63a2e42\">Nun sank Merrits Herz ihm tief in die Brust. Der Junge schaute den \u00e4lteren Standesgenossen betroffen an. \u201eDas glaube ich nicht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f9aa183fa9fb77cdb1427ead744da07a\">\u201eIch w\u00e4re da nicht ganz so sicher. Die <em>teirandanja<\/em> kann sehr launisch sein, das k\u00f6nnen wir dir sagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a32f6a9b732c00a74a8af0e986905860\">\u201eOh ja&#8221;, stimmte L\u00e1as bedeutungsschwanger zu. \u201eEs ist gar nicht so schwer, bei ihr in Ungnade zu fallen. Man muss sich m\u00e4chtig anstrengen, sie wieder milde zu stimmen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"50e5e4a69ca27943e3458c5ceb603e32\">Merrit lie\u00df die Schultern h\u00e4ngen. Wenn das stimmte, dann hatte er nicht nur sich selbst unm\u00f6glich gemacht und seinen Vater entt\u00e4uscht, sondern m\u00f6glicherweise bereits den Leumund des Hauses Althopian besch\u00e4digt. Er schaute die beiden \u00e4lteren Jungen fragend an. L\u00e1as und J\u00e1ndris dienten bereits seit mehreren Sommern auf Wijdlant, wahrscheinlich waren sie in der Obhut ihrer V\u00e4ter bereits als Edelpagen und nun als die Knappen des jeweils anderen t\u00e4tig gewesen. Sie kannten die <em>teirandanja<\/em> seit langer Zeit und sich mit den Gegebenheiten vor Ort und Befindlichkeiten der Majest\u00e4ten aus. Und mit den Launen von M\u00e4dchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"47859f1251493e594899cf00649dff0c\">Und dann war da noch etwas, etwas, das ihn beirrte, besch\u00e4mte und verletzte. Merrit Althopian wusste, dass er es niemals ertragen w\u00fcrde, wenn die <em>teirandanja<\/em> ihn verachtete.<\/p>\n<p data-p-id=\"b4a8f31a1c81005a22174773930c063b\">\u201eWie konnte ich Ihr meine Demut bewiesen?&#8221;, fragte er. \u201eWie k\u00f6nnte ich meine Schuld vor Ihr abgelten, um die vergangene Nacht ungeschehen zu machen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a6bd557047c199a2b7a8b1dbedc79104\">\u201eNun ja.&#8221; J\u00e1ndris gab seine l\u00e4ssige Haltung auf und schlenderte mit pr\u00fcfendem Blick um Merrit herum. \u201eDu kannst von Gl\u00fcck sagen, dass du so ein beherzter K\u00e4mpfer bist. Eiferst du deinem Vater auch in K\u00fchnheit und Mut nach, oder nur in seiner vielger\u00fchmten Kampfkraft und Manieren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2926d1dde4ad6420989e193d035e5f45\">\u201eWie meint ihr das'&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"da47ed219a9dc33c0f6edde9fc1d8fbc\">L\u00e1as setzt sich ebenfalls in Bewegung. Ehe er es sich versah, sp\u00fcrte Merrit die schwere Hand des \u00e4lteren Knaben auf seiner Schulter.<\/p>\n<p data-p-id=\"4690e504fe456b69bf674f6e6bfb0be1\">\u201eWei\u00dft du, Merrit Althopian, es gibt da tats\u00e4chlich etwas, was du unternehmen k\u00f6nntest, um ihre Gnade zu erringen. Man braucht wohl ein wenig Beherztheit und Geschick, aber einer wie du, der nachts an Fassaden klettert und unsereinen mit &#8216;nem alten Besen verm\u00f6belt, ist das ein Kinderspiel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"43cb3e832542b82c6963d7fbd1d194a4\">\u201eNa ja&#8221;, gab J\u00e1ndris zu bedenken, \u201eer ist ja auch ein Kind.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"61578ed954b9f1381467dd15a4045eed\">\u201eLasst h\u00f6ren&#8221;, forderte Merrit ungeduldig. \u201eWas soll ich tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"875dc815077c25dd9821a18ce16c0b29\">\u201eHabt Ihr T\u00fcrme in Althopian?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"113d9bd77a352952399bac50d67daa6c\">\u201eJa, nat\u00fcrlich. Einen hohen Wohnturm mit Blick auf die Weiden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d8003fd3c274c9c7365371155efe943\">\u201eBist du oft da oben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c85b5f9cb653159a64dc093fbf90a1d4\">Merrit zuckte die Achseln. \u201eGelegentlich.&#8221; Wenn er n\u00e4her dar\u00fcber nachdachte, war er in den vergangenen Monden <em>sehr oft<\/em> dort oben gewesen. Es ging tief hinunter von Zinnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"01a715b0dda4903a4128efaa87fec62a\">\u201eNun&#8221;, antworte L\u00e1as und l\u00e4chelte undurchschaubar, \u201eDann wird das f\u00fcr dich wohl keine Herausforderung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"c95562b726383826f2cb1cde065d495e\">Manj\u00e9v war fast einged\u00f6st, seit die <em>opayra<\/em> begonnen hatte, wieder selbst aus dem langweiligen Benimmbuch vorzulesen. Sie selbst hatte eine l\u00e4ngere zusammenh\u00e4ngende Passage dar\u00fcber entziffert als je zuvor am St\u00fcck. Das war dem Kind nicht einfach gefallen. Zum einen war die altmodische Schrift schwer zu entziffern, die Sprache unn\u00f6tig verschn\u00f6rkelt und der Inhalt zu gro\u00dfen Teilen v\u00f6llig irrelevant. Manj\u00e9v hatte zwei Seiten \u00fcber die statthaften L\u00e4ngen, Weiten und Farben eines vornehmen Gewandungsst\u00fccks mit einem Namen gelesen, von dem sie nie zuvor geh\u00f6rt hatte, Als sie schlie\u00dflich nachgefragt h\u00e4tte, was f\u00fcr ein komisches Ding das eigentlich darstellen sollte, hatte die <em>opayra<\/em> zugegeben, dass fragliche Mode schon seit hundertf\u00fcnfzig Sommern nicht mehr getragen wurde. Manj\u00e9v vermutete den Grund daf\u00fcr in dem Umstand, dass niemand mehr bei der Statthaftigkeit des Gewandes durchgeblickt hatte. Als die <em>teirandanja<\/em> dann zu Recht fragte, was sie mit diesem Wissen denn dann jetzt noch beginnen sollte, hatte die <em>opayra<\/em> es vorgezogen, den Vortrag der Lekt\u00fcre zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e0739801faec6380267a978f5723428e\">Aber durch die monotone, aber gehobene Wortwand, die die <em>opayra<\/em> errichtete, drangen andere Stimmen hindurch, drau\u00dfen vor der T\u00fcr. Sie waren nicht laut, ein ganz gew\u00f6hnlicher Gespr\u00e4chston. Aber sie befanden sich unmittelbar vor ihrer Kammer auf dem Flur. Manj\u00e9v h\u00e4tte die Stimmen an jedem Ort erkannt. L\u00e1as und J\u00e1ndris! Genau diejenigen, die sie so dringend sprechen wollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"014e14564a2a1ca25cfe5988909d9cc6\">\u201eEntschuldigt&#8221;, sagte Manj\u00e9v und hob zaghaft die Hand. \u201eDarf ich mal ganz kurz an die T\u00fcr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"da47cdc6606b883ef6ef4cfe261aa098\">\u201eNein&#8221;, sagte die <em>opayra<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"2146f753c7716459e2f51264962459f8\">\u201eIch will nicht raus. Ich laufe auch ganz bestimmt nicht weg &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"daaefd2339dcca8021cb4d70acee0455\">\u201eIhr bleibt brav sitzen. Bis ich dieses Kapitel beendet habe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"225c4fd73e7e6649e94c1fb11930590a\">\u201eWie lange dauert das noch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"86713021ea30da9a2d8e19d00530651c\">Die <em>opayra<\/em> lie\u00df eine inakzeptable Anzahl von Seiten durch die Finger gleiten. Manj\u00e9v sah das mit Entsetzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4dc4e4789bfd44de4ca14ea1abdcd9f0\">\u201eIch kann nicht warten!&#8221;, rief sie aus und erhob sich energisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"9be9580c8be43d718867c78bb22cb150\">\u201eMajest\u00e4t!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"091cac131e8eff515a5cbea84b1f257a\">Manj\u00e9v schl\u00fcpfte an ihr vorbei. Die <em>opayra<\/em> reagierte mit einer verbl\u00fcffenden Beh\u00e4ndigkeit. Da sie die <em>teirandanja<\/em> nicht mit Gewalt packen durfte, schnellte sie aus ihrem Stuhl und stellte sich dem Kind in den Weg.<\/p>\n<p data-p-id=\"de312a0c01221a49c3ebe67933c96162\">\u201eIch befehle Euch, mich durchzulassen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a4e8ac3b5abeceb4c641500d6459923\">\u201eIch habe meine Order! Ihr benehmt Euch ungeb\u00fchrlich, Majest\u00e4t!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c5b6231d5f1b21b04848ba5b534f248e\">\u201eL\u00e1as!&#8221;, rief Manj\u00e9v verzweifelt. \u201eJ\u00e1ndris! Kommt rein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15ec693e461f92970607d456413352bf\">\u201eMajest\u00e4t!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d4c700984f54211f4525db5f87f2972\">\u201eBitte! Es ist wichtig!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d2be2969799336be20a7d01e789bbb3c\">Aber niemand trat ein. Auch waren die Stimmen auf dem Flur verstummt.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d51f73bfbaeca76e5231576d7b2780e\">\u201eBitte&#8221;, sagte Manj\u00e9v kleinlaut.<\/p>\n<p data-p-id=\"a8ad07ecf6f07f24559708b4e051adfd\">Die <em>opayra<\/em> seufzte. \u201eIhr lauft nicht weg?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83c2a92d07c79a9a83811e56b8483b61\">Die <em>teirandanja<\/em> sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eMein Fu\u00df kommt nicht \u00fcber die Schwelle!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1316f5ba23b98bea8634196daf72e0a6\">Seufzend \u00f6ffnete die Edeldame die T\u00fcr einen Spalt weit.<\/p>\n<p data-p-id=\"71f344879e5110783d17fcd0e6fbe505\">Aber der Flur lag verlassen. Niemand war zu sehen, weder links in Richtung Amtsszimmer, noch rechts, wo das Stiegenhaus zur Halle war.<\/p>\n<p data-p-id=\"ed662e6a8513c72921860f434e5d2e83\">Manj\u00e9v seufzte und kehrte niedergeschlagen an ihren Platz zur\u00fcck. Wahrscheinlich hatte sie sich einfach nur get\u00e4uscht.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2502","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2502"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2502\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3805,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2502\/revisions\/3805"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}