{"id":2501,"date":"2025-08-25T12:24:10","date_gmt":"2025-08-25T10:24:10","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2501"},"modified":"2025-09-01T09:20:44","modified_gmt":"2025-09-01T07:20:44","slug":"048-die-magie-des-tiefen-wassers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/048-die-magie-des-tiefen-wassers\/","title":{"rendered":"048: Die Magie des tiefen Wassers"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"e83ee64a8e795a54faecfa60d4d00a4e\">Ich war geschwommen, mehrere Stunden lang. So lange, bis der Himmel \u00fcber mir jene gl\u00fchende Farbe angenommen hatte, welche die sinkende Sonne begleitete, w\u00e4hrend Nokt\u00e1ma ihn von S\u00fcden her mit ihrer samtenen Dunkelheit auff\u00fcllte.<\/p>\n<p data-p-id=\"02f1786fb32ee456bcc7dbdcf6007588\">Was derweil tats\u00e4chlich am Himmel geschah, das wusste ich nicht. Ich begriff nicht, wie das, was ich aus meinem alten Leben \u00fcber Mond und Sonne und Planeten kannte, hier in dieser Welt funktionierte. Ich hatte anfangs versucht, Yalomiro dar\u00fcber auszufragen. Aber schon bald hatte ich begriffen, wie sinnlos es war, mit jemandem f\u00fcr den die Existenz alternativer Wirklichkeiten selbstverst\u00e4ndlich war, \u00fcber Astronomie mit Sonnensystemen, Raumschiffen und schwarzen L\u00f6chern zu reden. Yalomiro hatte meinen unbeholfenen, laienhaften Ausf\u00fchrungen eine Weile geduldig zugeh\u00f6rt. Dann hatte er mich gefragt, ob es f\u00fcr mich pers\u00f6nlich einen gro\u00dfen Unterschied mache zu wissen, dass ich auf einer winzigen Steinkugel um einen riesigen Feuerball herum wirbele, oder ob zwei unbegreifliche Wesenheiten im Wechsel die Welt verdunkelten und erhellten.<\/p>\n<p data-p-id=\"a7fc3a123413838e8124054c95975db7\">Ich hatte mich erschreckt und bef\u00fcrchtet, \u00fcberheblich mit meinem menschlichen, rationalen Wissen an tiefe spirituelle Gef\u00fchle ger\u00fchrt zu haben, vielleicht dabei taktlos gewesen zu sein. Man konnte so leicht vergessen, dass Yalomiro der letzte und somit oberste Geweihte einer Macht war, die die Menschen dieses Weltenspiels als treibende Kraft hinter ihrem Schicksal verstanden. Es lag mir fern, anzudeuten, dass ich die Bewohner dieser Welt f\u00fcr r\u00fcckst\u00e4ndig oder dumm hielt, nur weil sie sich keine Gedanken \u00fcber das materielle Universum machten. Ich hatte selbst erlebt, dass es Irrationales, Unbegreifliches gab, was das Weltenspiel antrieb und bedrohte, Das waren Erfahrungen gewesen, die sich nicht mehr mit volkst\u00fcmlicher Mythologie abtun lie\u00dfen, die sich einfache Menschen zurechtlegten, um sich ihre Welt zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p data-p-id=\"d0a6254592f0ad928a0f4a3da2f3f4f5\">Je l\u00e4nger ich dar\u00fcber nachdachte, umso verwirrender hatte ich es gefunden. Yalomiro aber hatte am Ende gemeint, dass es in der Sache relativ egal sei, ob Patagh\u00edu sich als gewaltiges Feuer am Himmel manifestierte und Nokt\u00e1ma als eine unendliche dunkle Weite mit vielen kleinen Lichtern darin. Als ich gefragt hatte, ob er das ernst meine, hatte er nur r\u00e4tselhaft gel\u00e4chelt, und ich hatte beschlossen, das Thema vorerst ruhen zu lassen. Vielleicht wusste er mehr, als er zugab.<\/p>\n<p data-p-id=\"c9d18000d58aba49a031e16529fb0188\">Nun aber, w\u00e4hrend ich im letzten Rest Tageslicht im See umher trieb und die Schwerelosigkeit genoss, dachte ich dar\u00fcber nach. Welche Gestalt Nokt\u00e1ma auch immer annehmen mochte, ich wollte sie mir jetzt nicht als kalte Unendlichkeit vorstellen. Damit h\u00e4tte ich das wunderbare, tr\u00f6stende Gef\u00fchl zerst\u00f6rt, das das Wasser mir gab.<\/p>\n<p data-p-id=\"71192e2a051bfe1368c33cf4bef9fcfc\">Seit ich mit Yalomiro in den Boscarg\u00e9n zur\u00fcckgekehrt war, hatte ich eine besondere Beziehung zu der gro\u00dfen ruhigen Wasserfl\u00e4che. Es war damals gewesen, als habe der See nur darauf gewartet, dass ich das Wasser ber\u00fchrte. Als ich schlie\u00dflich mit beiden F\u00fc\u00dfen zugleich hineingeraten war, hatte das meine <em>maghiscal<\/em> mit einem Schlag aktiviert. Es war ein \u00fcberw\u00e4ltigendes, erschreckendes Gef\u00fchl gewesen, und zugleich eines, das ich in der Folge immer wieder bewusst gesucht hatte, indem ich unter den Sternen hier badete. Schon bevor ich in diese Welt gekommen war, hatte ich leidlich schwimmen k\u00f6nnen, eben genug, um ein paar Bahnen in einem Schwimmbecken zu ziehen, ohne unterzugehen. Nie w\u00e4re ich auf den Gedanken gekommen, es in einem Naturgew\u00e4sser zu tun, und schon gar nicht ohne Badebekleidung. Yalomiro hatte mich gewarnt, nicht gerade bis zur Mitte des Sees hinauszuschwimmen, da dessen Bodenlosigkeit an der tiefsten Stelle gewisse t\u00fcckische Str\u00f6mungen verursachte. Entsprechend vorsichtig war ich. Das Wasser war so sp\u00e4t im Jahr recht kalt, aber sobald ich einmal darin eingetaucht war, sp\u00fcrte ich das nicht mehr. Der See nahm die Schwere von meinem K\u00f6rper, umfloss mich dichter und sch\u00fctzender als die Luft, und es reagierte mit den schwachen <em>maghiscal<\/em>, die sich seit gestern wieder aufgebaut hatte. Genau das hatte ich gehofft. Ich hatte mich ausgetrocknet gef\u00fchlt wie eine Topfpflanze, die zu lange in der Sonne gestanden hatte. Die im Wasser gebundene Magie zersetzte sich und begann, sich an die <em>maghiscal<\/em> anzulagern.<\/p>\n<p data-p-id=\"8334a3ff71c181e136dee83b0ed30ee8\">Vielleicht, so \u00fcberlegte ich, w\u00e4hrend ich mich auf dem R\u00fccken treiben lie\u00df, sollte ich dieses abendliche Bad zu einem Teil <em>meines<\/em> pers\u00f6nlichen Rituals machen. Es tat so gut. Und w\u00e4hrend ich mich vom See tragen lie\u00df, \u00fcberkam mich urpl\u00f6tzlich ein Gef\u00fchl von Zuversicht. Es f\u00fchlte sich <em>richtig<\/em> an. Es kr\u00e4ftigte mich, bewirkte, dass ich mich fokussieren konnte, auf das, was ich wollte, was wichtig war, was &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"cf0e284031c2073f637f9174d75082c7\">Und dann glaubte ich, dass da etwas ganz nahe bei mir im Wasser war; war und zugleich nicht war. Ich erkannte es, griff instinktiv danach und hindurch, und &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"ddf6acc02ff9523cabdaa7a838761717\">D\u00fdamir\u00e9e!<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"81e0b69f12b81e73db600ce8ee498067\">Der kleine T\u00fcmpel war eine j\u00e4mmerliche Pf\u00fctze gegen\u00fcber dem See im Boscarg\u00e9n, den D\u00fdamir\u00e9e so sehr liebte. Aber etwas Besseres hatte das kleine M\u00e4dchen nicht, und mit ein wenig Gl\u00fcck w\u00fcrde es gen\u00fcgen. Doch es musste schnell gehen. Der Regenbogenritter durfte sich nicht lange besinnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8647633c47a48eb9ac481684c4794be2\">Das Kind hustete nachdr\u00fccklich, vergewisserte sich, dass der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> kurz aufmerksam den Kopf hob. Dann begann das M\u00e4dchen, wie suchend am Ufer hin und her zu laufen, ein paar Schritte nach links und dann wieder nach rechts. Gebannt betrachtete sie das Wasser und aus den Augenwinkeln den Mann am Feuer, der sich endlich tats\u00e4chlich aufsetzte.<\/p>\n<p data-p-id=\"aa69c2993efe298d5d0d379db5e79554\">\u201eWas ist los?&#8221;, rief er ihr zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a9c6c457350bd8b64870593a8272284\">\u201eMein Boot!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"80a2abd7cc7f46ba7ad6cc82786435d7\">\u201eWas ist damit?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5924b9e8684c1fbd233af8943717152d\">\u201eEs ist weg!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a07f037535b4da93b17c7e1369277e87\">C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor rappelte sich auf, und Perlenglanz, der sp\u00fcrte wie sein Herr sich bewegte, hob den Kopf unter seinem Fl\u00fcgel hervor.<\/p>\n<p data-p-id=\"e4bccf4433e2a6b0e00a58969ee84e18\">\u201eIst es dir weggeschwommen?&#8221;, fragte der Regenbogenritter.<\/p>\n<p data-p-id=\"8bb5678e08e43379c9491d76919352e6\">\u201eIch glaube, ein gro\u00dfer Frosch hat es weggetragen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"90afb90fd01f28a8ac296bcd033a43c7\">\u201eEin Frosch?&#8221;, fragte C\u00fdel\u00fa belustigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"76a7b02be4017e25f18a0cae44766319\">\u201eVielleicht gibt er es mir wieder, wenn ich verspreche, seine <em>h\u00fdardora<\/em> zu werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a4f66e4d83bed041ec2ac644de9fc31\">\u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1b35a0fcd977511bddfa06e8de81f34\">\u201eNa, wie in dem M\u00e4rchen mit der dummen <em>teirandanja<\/em> mit dem Edelsteinball im Brunnen. Mama sagt, wenn man an tiefen L\u00f6chern spielt, muss man seine Sachen immer gut festhalten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bc44fed285c7719041d177f8ebe39a08\">\u201eNun, wo ist es denn, dein Boot? Kannst du es noch sehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ce5699db2c8c6a924f81b18ba9b9a10\">Er war bis auf wenige Schritte an den T\u00fcmpel heran. D\u00fdamir\u00e9e atmete tief ein.<\/p>\n<p data-p-id=\"fada7fc996a952bd32b3b238e8aa4feb\">\u201eDort!&#8221;, rief sie und deutete hin\u00fcber zu einer Gruppe Teichwachteln, die friedlich schlafend auf dem Wasser d\u00fcmpelten.<\/p>\n<p data-p-id=\"3ce10e2f6c35813bf18694e59b5e5ed2\">Er wandte den Kopf dorthin, und D\u00fdamir\u00e9e tat einen beherzten Satz und sprang hinein in das tr\u00fcbe Wasser. Das Spritzen und Platschen schreckte weitere V\u00f6gel auf, die im Schilf verborgen gewesen waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"1fa05f20773b190b9e9fe7a8176cf802\">C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor fuhr herum, erschrocken und f\u00fcr einen Wimpernschlag starr vor Schreck.<\/p>\n<p data-p-id=\"0002bbfd8f1639ca04ce15830465e782\">\u201eKind!&#8221;, rief er aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"6a370baf3f202fbe95ddb5a09960f055\">Und da tauchte D\u00fdamir\u00e9e auch schon wieder auf, einen Steinwurf vom Ufer entfernt.<\/p>\n<p data-p-id=\"5706bfce07211b97fc13d2862fc081ca\">\u201eIch hole es mir schon&#8221;, rief sie ihm prustend zu und tauchte unter.<\/p>\n<p data-p-id=\"79ec00c69567832e88d0f3adcaba3da1\">C\u00fdel\u00fa war zu \u00fcberrascht, um sofort zu reagieren. Aber schon einen Atemzug sp\u00e4ter hatte er sich gesammelt und tat einen Schritt ins Wasser, ruderte \u00fcberrascht mit den Armen, schwankte und kam gerade rechtzeitig wieder ins Gleichgewicht. Der Grund war schlickig, hatte ein \u00fcberraschendes Gef\u00e4lle und das Wasser reichte ihm augenblicklich bis auf die H\u00f6he seines Oberschenkels. F\u00fcr ein zierliches Kind wie D\u00fdamir\u00e9e war das ausreichend tief, um unterzutauchen und weiter in die Tiefe zu gleiten.<\/p>\n<p data-p-id=\"0fe71602e0e3333df8221d48d62424a4\">\u201eKind! Komm sofort wieder her!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3302d2fcfab5528aff5da506ac5b7fce\">Das Wasser pl\u00e4tscherte unruhig, aber es war zu dunkel, als dass der Regenbogenritter den Ort genau h\u00e4tte lokalisieren k\u00f6nnen. Als D\u00fdamir\u00e9e das n\u00e4chste Mal auftauchte, befand sie sich weitab von den aufgest\u00f6rten Wasserv\u00f6geln.<\/p>\n<p data-p-id=\"bb0278bd0cb5e8fdc3991bd4d50875f8\">\u201eKind!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"40ba2d2bf5930b7dffab17e7fe97a889\">\u201eIch hab es gleich! Hier, es h\u00e4ngt im Teichtang fest! Ich hole es schnell!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"133d492fc8cba52c4053a1dbb278d991\">Wieder tauchte sie unter. Aber nun hatte C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor gesehen, wo sie war und watete \u00e4rgerlich tiefer ins Wasser. Der T\u00fcmpel schien am Grund eine zwar steil abfallende, aber nicht allzu gro\u00dfe Tiefe zu erreichen. Zumindest dachte der Regenbogenritter das, bis unter seinen goldbeschlagenen Stiefeln ein Batzen glitschiges Laub und Schlick ins Rutschen kam und er der L\u00e4nge nach in die moderigen Fluten hinschlug.<\/p>\n<p data-p-id=\"b84449f1dc5503d46e2f333682ee6b72\">Spuckend kam er wieder auf die F\u00fc\u00dfe. Das Wasser war hier war bereits h\u00fcfthoch und voller aufgew\u00fchltem Schlamm.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a10ef4f2a257ed9a58a42df8d906fb9\">\u201eIch hab es&#8221;, jubelte D\u00fdamir\u00e9e, nun pl\u00f6tzlich auf seiner anderen Seite. \u201eSchau, ich&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"85318ac6f0411831e34f777abd89e657\">Der Rest ihrer Worte ging in einem Gurgeln unter. Dann spritzte und platschte das dunkle Wasser auf, knallend und scharf, als w\u00e4nde sich ein gro\u00dfer Fisch in einem Kescher.<\/p>\n<p data-p-id=\"40e17884b9c4f3dadb89d45bb04b72d1\">\u201eHilfe!&#8221;, prustete D\u00fdamir\u00e9e panisch. \u201eHil-&#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"28fa79096e0ce8751d74d92dc88a0207\">\u201eKind!&#8221; Er wollte zu ihr, aber sein Fu\u00df verfing sich in einer Schlinge aus Unterwasserpflanzen oder einer alten Wurzel und brachte ihn erneut zu Fall.<\/p>\n<p data-p-id=\"654355f44669d5a44ee02c5ed9821b10\">\u201eEs hat mich!&#8221;, schrillte D\u00fdamir\u00e9e, in Angst, echter, aufrichtiger Angst. \u201eEs pack-&#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"87dd3999fcf63caa6058329b2a2fa611\">Und wieder war sie unter Wasser und zappelte, weit weniger heftig als zuvor.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e4f94bb5b09f5ba138049caf8007529\">C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor befreite sich energisch, zerriss kurzerhand, was auch immer f\u00fcr eine Fu\u00dfangel ihn da in der Tiefe aufhalten wollte und schaute sich erschrocken um, bis er die letzte Unruhe auf der Wasseroberfl\u00e4che entdeckte, die nicht er selbst ausgel\u00f6st hatte. Die Wellen kreuzten sich dort, und irgendwo hinter seinem R\u00fccken flatterten mit emp\u00f6rtem Geschnatter die Teichwachteln auf und davon, in die Nacht hinein. Es war entschieden zu unruhig geworden in ihrem friedlichen T\u00fcmpel.<\/p>\n<p data-p-id=\"acf039854861b7c15c119ed666b4786a\">\u201eKind!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6dd47a8f9bf54368e2c2a693db90c363\">Das Wasser ging ihm nun bis zur Brust. Sein langes, graublondes Haar hing ihm klatschnass \u00fcber der Stirn und behinderte seinen Blick. Der Untergrund war zu matschig, er in seinem R\u00fcstzeug zu unbeweglich und das kleine M\u00e4dchen verschwunden. Der Regenbogenritter griff hektisch im Wasser um sich, ohne etwas anderes zu packen zu bekommen als ein paar Seerosenst\u00e4ngel und einen glitschigen Gr\u00fcndelfisch, der ihm aus den H\u00e4nden und direkt ins Gesicht sprang. Er verlor das Gleichgewicht und kam erneut zu Fall, diesmal r\u00fccklings.<\/p>\n<p data-p-id=\"c16637bb616acf185865f72510dffdc2\">Als er wieder hustend und nach Atem ringend auftauchte, jetzt fast bis zum Hals im Wasser, war D\u00fdamir\u00e9e bereits wieder an Land und rannte so schnell auf das Feuer zu, als sei ihr etwas auf den Fersen.<\/p>\n<p data-p-id=\"883b81beb7f0125b6954613f26adede5\">\u201eKind!&#8221;, rief C\u00fdel\u00fa und spuckte torfiges Wasser, halb erleichtert, sie nicht ertrunken zu sehen, halb entsetzt, als sie geradewegs auf Perlenglanz zujagte. Das Einhorn schien viel zu verbl\u00fcfft, um sie abzuwehren, als sie sich gedankenlos unter seinen Fl\u00fcgeln hindurch duckte und sich in den Sattel hangelte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b747ae2b6945543bc4140883842ea12e\">\u201eKind!&#8221;, schrie C\u00fdel\u00fa aufgebracht.<\/p>\n<p data-p-id=\"be23d46546963856b4f2fd30610a8f07\">Perlenglanz bemerkte, dass jemand auf seinem R\u00fccken sa\u00df, der dort nicht hingeh\u00f6rte und nahm das zum Anlass, ruckartig aufzuspringen und die Fl\u00fcgel zu spreizen. Der Regenbogenritter setzte sich hastig in Bewegung, war aber viel zu unbeholfen im Wasser, als dass es noch h\u00e4tte verhindern k\u00f6nnen. Das Einhorn t\u00e4nzelte verwirrt um das Feuer herum, sah seinen Herrn im Wasser, sp\u00fcrte aber nichts, was es hielt.<\/p>\n<p data-p-id=\"5441a8149569f483b3a2a2026773f44c\">\u201ePerlenglanz!&#8221;, br\u00fcllte C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor. \u201eHiergeblieben!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b8c34bbad385b8ddfd4ed991e90f95d0\">Aber die magische Verbindung zwischen ihm und dem m\u00e4chtigen Einhorn war unterbrochen. Das Herz des <em>arcaval&#8217;ay<\/em> raste. So schnell er sich in in vollem R\u00fcstzeug gegen die Wassermassen und all das Gr\u00fcnzeug am Boden wehren konnte, das ihn festzuhalten versuchte, watete er auf das Feuer zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"9154c0df28925e5e5cf94aeb9e031e0b\">Das Einhorn scheute und preschte buckelnd los. Mit donnernden Klauen, die Fetzen von Erde aus dem Boden rissen, jagte das im Mondlicht fahl schimmernde Tier vom Wasser weg und k\u00fcmmerte sich weder um das kleine ver\u00e4ngstigte Menschenkind auf seinem R\u00fccken noch um den fassungslosen Ritter, der ihm, vom Wasser gebannt, hilflos hinterher schrie und gestikulierte.<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"07764f74e592d58477c6b82212b3a2fc\">Ich tauchte erschrocken wieder auf und schaute mich verbl\u00fcfft um. Das Wasser um mich herum schwappte aufgest\u00f6rt, so energisch hatte ich versucht, das zu packen und an mich zu ziehen, was ich ganz unzweifelhaft neben mir gesp\u00fcrt hatte. Ich war \u00fcberzeugt davon gewesen, dass es D\u00fdamir\u00e9e gewesen war, zugleich wurde mir ganz klar, dass das v\u00f6llig unm\u00f6glich war. Aber ich hatte es deutlich wahrgenommen. Viel zu klar, als dass es pure Einbildung und Wunschdenken h\u00e4tte gewesen sein k\u00f6nnen. Es war mir entschl\u00fcpft und entwischt. Aber &#8230; was war da geschehen?<\/p>\n<p data-p-id=\"1d173dae605a1340f30cba1b5347bd51\">Die <em>maghiscal<\/em> um mich herum pulsierte, kr\u00e4ftiger und lebendiger als ich es gewohnt war. Ich f\u00fchlte mich verwirrt und zugleich erfrischt und beunruhigt; auf eine konstruktive, sehr seltsame Weise. Etwas, das ich schlecht beschreiben kann, trieb mich; so als wisse ich ganz genau, dass der ideale Moment, um zu handeln, <em>jetzt <\/em>gekommen sei.<\/p>\n<p data-p-id=\"fdd46f1999c5ba8dbb3a86449e961b8f\">Ich schwamm ans Ufer und fragte mich, was ich mit dieser sonderbaren Erfahrung anfangen sollte. Es war so &#8230; <em>echt <\/em>gewesen. So oft war ich gemeinsam mit D\u00fdamir\u00e9e im See schwimmen gewesen, mit Yalomiro zusammen, aber auch allein. Ich hatte unsere Tochter schon als kleines Wiegenkind mit ins Wasser genommen, weil ich irgendwelche diffusen Vorstellungen von Babyschwimmkursen hatte, die f\u00fcr die Entwicklung von Kindern gut sein sollten. D\u00fdamir\u00e9e war begeistert gewesen und hatte schon als Kleinkind paddeln k\u00f6nnen wie ein H\u00fcndchen, in ihrem vierten Sommer schwamm sie besser als ein Fisch. Yalomiro hatte ihre Liebe zum Wasser mit seinen Erz\u00e4hlungen vom Meer befl\u00fcgelt, einem Gew\u00e4sser, noch so viel gr\u00f6\u00dfer und geheimnisvoller als unser See. Halb im Scherz hatte er damals gemeint, dass D\u00fdamir\u00e9e, wenn es an der Zeit war, ihre Tiergestalten auszuw\u00e4hlen, sich vermutlich f\u00fcr die einer Teichforelle entscheiden w\u00fcrde. Das war gewesen, lange bevor wir bemerkten, wie es mit D\u00fdamir\u00e9es magischen F\u00e4higkeiten bestellt war.<\/p>\n<p data-p-id=\"e54889c643faa8f93cac162a828bd60d\">Was, bei allen M\u00e4chten, war das gewesen? Ich hatte sie so deutlich gesp\u00fcrt, dass ich sie h\u00e4tte ber\u00fchren k\u00f6nnen, nein: sie ber\u00fchrt hatte! Hatte ich das vielleicht wirklich getan?<\/p>\n<p data-p-id=\"f58559fa331638753e26a501fc23db2b\">Ich lief, nackt und tropfnass wie ich war, zu <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval hin\u00fcber. In Verlegenheit brachte ich uns beide damit nicht, solange er nicht zu sich kam. Die Nachtblumen hatten zwischenzeitlich noch mehr \u00fcppige Bl\u00fctenbl\u00e4tter gebildet; nur an wenigen Stellen schimmerte noch sein gr\u00fcn-gelbes Wappenkleid und etwas Metall von seinem R\u00fcstzeug durch. Waren die Blumen so f\u00fcrsorglich, dass er nachts nicht frieren sollte? Das w\u00fcrde zu Ar\u00e1ma\u00fa passen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b73c96f486419239e9fa11a49421f157\">Ich griff mir meine Harfe \u2013 das erste magische Werkzeug, an dem ich mich selbst versucht hatte &#8211; warf einen Blick auf den im S\u00fcden perlengleich aufgehenden Mond und machte mich dann auf den Weg in den Eta\u00edmalon. Die Nervosit\u00e4t, die ich den Tag \u00fcber empfunden hatte, war wie fortgewaschen. Stattdessen erf\u00fcllte mich nun eine sonderbare Mischung aus gro\u00dfer Feierlichkeit und Zuversicht. Ich <em>hatte <\/em>D\u00fdamir\u00e9e gesp\u00fcrt. Sie <em>lebte<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"37293fc99b3449752d01f4850b09f1a3\">Sie w\u00fcrde bald wieder hier sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c5a71622661d38ff693f0b49da236ba\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"7612e238471efbad7693db439eb0238f\">Es fiel Advon ausgesprochen schwer, den Abend mit seiner Mutter zu verbringen und dabei peinlich genau auf das acht geben zu m\u00fcssen, was er \u2013 aus ihrer Sicht \u2013 wissen konnte und durfte und wobei er sich nicht verplappern durfte. Der Junge erkannte schmerzlich, wie viel Unbefangenheit verloren ging, wenn es galt, Geheimnisse zu bewahren.<\/p>\n<p data-p-id=\"27ca8e883b5f1b0299fd3ee00ea5d420\">Am besten, so dachte er sich, als Elos\u00e1l ihn am Abend in seinem Zimmer besuchte, w\u00e4re es wohl, das Gespr\u00e4ch m\u00f6glichst schleunigst auf einen gemeinsamen Nenner zu f\u00fchren.<\/p>\n<p data-p-id=\"cf10caed8a3efe27c15ecb06c6cbab1d\">\u201eWarum war Sileda\u00fa so unwillig, als ich ihr deinen Brief gebracht habe?&#8221;, fragte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"cc00f68151b4f7936b299a902ed7d5c6\">\u201eWar sie das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7bdd36977715d5127a64de04b7bcffe1\">\u201e Und wie!&#8221; Er nickte gewichtig. \u201eSie hat ihn mir aus der Hand gerissen und als ich fragte, ob sie b\u00f6se auf mich sei, hat sie gesagt, ich solle mich gef\u00e4lligst um meinen eigenen Kram k\u00fcmmern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a991c4fd42e18b62051780cf71db48dd\">Die <em>faj\u00eda<\/em> drehte nachdenklich eine ihrer blonden Haarstr\u00e4hnen um den schlanken wei\u00dfen Zeigefinger. Wie sie da auf seiner Bettkante sa\u00df, im Schein der Nachtlaternen aus buntem Glas, wirkte sie wie eine Skulptur aus Perlmutt und Gold. Sie schien fast ein wenig aus sich selbst zu leuchten. Advon wusste, wenn ihre <em>maghiscal<\/em> auf diese Weise sichtbar wurde, war sie wegen irgendetwas sehr aufgeregt, im erfreulichen wie im besorgten. Aber warum sorgte sie sich so?<\/p>\n<p data-p-id=\"25614b84318a1d89fd4cf91c4602c8bc\">\u201eWas war das f\u00fcr ein Brief, Mama? Darf ich das wissen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"03cdd3c6029a55050143c491cad1f5ac\">Sie musterte ihn still mit ihren golddurchsetzten Augen. Er bem\u00fchte sich um eine Unschuldsmiene. Immerhin wusste er im Groben, was seine Mutter mit ihrer fl\u00fcchtigen, sauberen Handschrift verfasst haben mochte. Den M\u00e4chten sei Dank hatte er nicht das Siegel aufbrechen m\u00fcssen, um es zu erfahren. Das w\u00e4re eine harte Probe f\u00fcr seine Geduld gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bbc89e9ba9fcb96653f3dbf27abc89ca\">\u201eIch habe Sileda\u00fa lediglich um einen Botengang gebeten. Sie sollte den Brief in Aur\u00f3p\u00e9a beim <em>konsej<\/em> abliefern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a1619da390e392db4d9d5267c1c0397\">\u201eWenn du willst, mache ich das das n\u00e4chste Mal f\u00fcr dich, Mama.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d57a7d018b01101117f5b18d82f345d3\">Sie l\u00e4chelte.<\/p>\n<p data-p-id=\"93a8e8dea5722346e6bf8620b0964ff0\">\u201eWirklich&#8221;, beharrte er. \u201eIch darf doch in die Stadt rein und raus, weil ich kein Magier bin. Das ist doch so, Mama, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c543c30f58520a93eea1dffc29a9b1db\">\u201eWir werden sehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c30be8088790a346e910feabf1c7fc98\">\u201eUnd was stand denn nun drin im Brief?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5491bc16bafca0492219ca2c34a2b321\">\u201eDu stellst neugierige Fragen, Advon.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bd4f3617a069feb4304af31769dc3688\">\u201eUnd du schreibst selten Briefe an Unkundige.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1564054c4630e2ff4bb1d4c2c75eb743\">\u201eWenn die M\u00e4chte ihm diese Vernunft geben, werden wir morgen f\u00fcr kurze Zeit einen unkundigen Besucher empfangen. Ich hoffe sehr, dass dein Vater es so einrichten kann, dass er zu dieser Zeit schon wieder hier ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a31c317356a8f00a267849d35cadd2b9\">\u201eIst es so weit?&#8221;, fragte er erfreut.<\/p>\n<p data-p-id=\"81a61fd16a0adb225ee92f1ac3283aff\">Sie nickte. \u201eJa. Ich habe vorhin in die Weite hinaus gesp\u00fcrt. Ich wei\u00df, dass er mehr als den halben Weg getan hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b96cc5e61fadad419201b7a267d8b63\">\u201eDa war Perlenglanz aber m\u00e4chtig schnell&#8221;, sagte Advon anerkennend. \u201eSo ausdauernd ist Farbenspiel nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f7e06988088adad77075ffd78d05987a\">\u201eNoch nicht. Dein Farbenspiel ist doch beinahe noch ein Fohlen. Wenn er erst einmal einen Reiter tragen kann, dann werden wir alle staunen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a25f07faa5a589550a5e615b095d3c05\">\u201eWas f\u00fcr ein Gast, Mama?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0877b2eb19327def37f063ec88887b5\">Elos\u00e1l seufzte. Wahrscheinlich hatte sie gerade gehofft, dass Advon sich mit seinem Lieblingsthema h\u00e4tte ablenken lassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3e906dbf6dd6f14f61dd86409abee145\">\u201eIch will mit dem Obersten des <em>konsej<\/em> reden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"32c3b6100d58a0da54d63d10bed92fe5\">\u201eMit dem <em>sinor<\/em> \u00daldaise?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd8a6c42ab125e3df47dbd17a2096c57\">\u201eWoher kennst du den Namen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d265b4fcf3fe693409ab688aea0edefa\">\u201eIch habe Leute unten in der Stadt heute Mittag von ihm reden h\u00f6ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9e0fb8bb3a03a90a0abd0390bdcbc87a\">\u201eSo?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5400aacf4431f7d7f4b9c111599477d0\">\u201eJa. Sie haben Angst vor ihm, glaube ich. Mama, warum lassen die Leute in Aur\u00f3p\u00e9a Leute \u00fcber sie bestimmen, vor denen sie Angst haben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2ca992addf3079b8dadaf534292307d6\">\u201eVor langer, langer Zeit, fr\u00fcher, da meine Schwestern und ich noch beisammen waren, da haben die Menschen, die Aur\u00f3p\u00e9a gegr\u00fcndet haben, beschlossen, dass die Geschicke der Stadt von den Weisesten unter ihnen gef\u00fchrt werden sollten. Sie wollten nicht, wie es in anderen Gegenden beiderseits des Montaz\u00edel zuging, dass der St\u00e4rkste \u00fcber sie gebietet, oder jemand, der kraft seiner Abstammung der erste unter ihnen war. Sie hielten es f\u00fcr klug, die Weisheit zu w\u00e4hlen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1310132bcd5833368217c7bd7b9deb45\">\u201eAber im <em>konsej<\/em> sitzen doch nur lauter alte Leute.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5cdf7575d29e1f29c9e69f2c22f52abf\">\u201eJa. Es sind stets die \u00e4ltesten neun Einwohner von Aur\u00f3p\u00e9a, ungeachtet von Geschlecht, Stand und Herkunft. Die, die im Leben die meiste Erfahrung gesammelt haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"69462dc8769ebc50f6f86989f5c63c6d\">\u201eAber ist das nicht dumm?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f70a1a60d488359012d7ce719c9838f8\">\u201eDumm?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0ee2048b6fe3be30b385f60e9d428626\">Er legte sich auf den R\u00fccken und betrachtete die V\u00f6gelchen und Windninchen am Betthimmel.<\/p>\n<p data-p-id=\"6d03bfdd7bb63263848a68f6f1181fc3\">\u201eIch stelle mir nur gerade vor, wenn jemand hundert Sommer lang in Aur\u00f3p\u00e9a lebt und nicht aus der Stadt herauskommt und nichts lernt und anschaut, dann kommt der trotzdem in den <em>konsej<\/em>. Und vielleicht wohnen zugleich junge Leute in der Stadt, die wirklich schlau sind und gute Ideen haben und gut regieren w\u00fcrden. Aber die werden vielleicht gar nicht erst so alt. Oder m\u00fcssen ganz lange warten mit einer sch\u00f6nen Sache, die f\u00fcr alle von Vorteil w\u00e4re.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ce610d35b3d313dbd47b06c615a4d93\">Elos\u00e1l l\u00e4chelte. \u201eNun, es steht uns nicht an, zu hinterfragen warum die Leute in der Stadt das Alter \u00fcber alles andere erheben. Und ich kann mir denken, dass die <em>sinoray<\/em> ihrerseits den Rat der ihrer <em>maedloray<\/em> sch\u00e4tzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7670b135f4041e47f8b5d82bfc332926\">\u201eAuch dieser \u00daldaise?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c7c5224477660edbba482a8829191b87\">\u201eEben das will ich herausfinden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7bae7fa1a42cec67a99ab0a66925bfca\">\u201eWegen der Leute in der W\u00fcste?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7280f37c4bb4fad0cbf966bab680ce01\">Sie hob die Brauen. \u201eSpricht man davon in der Stadt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"749bfcd098540fa69721299a10feb81d\">Er zuckte unverbindlich die Achseln. \u201eIch glaube, die Leute haben Angst davor, in die W\u00fcste geschickt zu werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a8c5b8452e78ca3f132da54bf8d52f69\">\u201eJa&#8221;, sagte Elos\u00e1l. \u201eDar\u00fcber werde ich mit dem <em>sinor<\/em> \u00daldaise sprechen m\u00fcssen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d35e93e34fdca1cfb6be9e965af6c442\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d0cd042a2493676f41973d1931245123\">\u201eMit dem <em>sinor<\/em> \u00daldaise. Nicht mit dir, Advon. Noch nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc9241c9dd4941d70990ce58597bb44d\">Gut. Dann kam er hier nicht weiter.<\/p>\n<p data-p-id=\"8af5427f3d796634906e58738640fd3c\">\u201eVielleicht hat Sileda\u00fa ja Angst, dass jemand sie in die W\u00fcste schickt und war deswegen so w\u00fctend wegen des Briefs.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ae3e1d0d88cc357a1f8d9bcf7a2c0486\">Nun war Elos\u00e1l offensichtlich belustigt. \u201eGlaubst du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e75637a560f625b94b460780adc477b8\">\u201eNa ja. Du warst doch auch ver\u00e4rgert wegen dem ganzen alten Schattens\u00e4ngerzeug, das sie hier in die Burg geschmuggelt hatte. Vielleicht hat sie das ja nur gemacht, weil die Leute unten in der Stadt die Sachen auch nicht haben wollten. Oder sie hat in Aur\u00f3p\u00e9a auch etwas gemacht, was Leute nicht so gut fanden und versteckt sich bei uns.&#8221; Er verschr\u00e4nkte die Arme und fuhr unschuldig fort: \u201eAlso, wenn <em>ich<\/em> etwas angestellt h\u00e4tte, dann w\u00fcrde ich wohl versuchen, demjenigen, der zornig mit mir ist, aus dem Weg zu gehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5a1b8cd0527add7c34fde2d0525e07cc\">\u201eSollte ich Dinge wissen, Advon? Hast du etwas angestellt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e65322b7e791257d3dde7fbe9bf81767\">Er schaute sie mit dem allerharmlosesten Blick an, den er aufsetzen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"571c70c4237ebc7e0af03446e4ab7643\">\u201eIch hab eine ganze Goldm\u00fcnze f\u00fcr Kuchen ausgegeben&#8221;, gestand er.<\/p>\n<p data-p-id=\"39e233a34615ae254224dd585a87949f\">\u201eBei den M\u00e4chten!&#8221; Elos\u00e1l lachte. \u201eDein armer Magen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d370bc359f3858c98425a58cef85f82a\">\u201eIch hab fast alles verschenkt. Bis auf zwei Kekse f\u00fcr Farbenspiel und Sonnenblume. Und ich hab auch nur einen gegessen.&#8221; Er seufzte. \u201eAlso, falls dieser <em>sinor <\/em>\u00daldaise zornig ist, weil es vielleicht einen Aufruhr wegen des Kuchens gab &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"281d6dbd10fd498ca8d428dae86c5dea\">\u201eIch bin mir sicher&#8221;, sagte die <em>faj\u00eda<\/em> und streichelte ihm z\u00e4rtlich mit der schlanken bleichen Hand \u00fcbers Haar, \u201edass du mit dem Naschwerk vielen Menschen eine kleine Freude bereitet hast.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2501","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2501","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2501"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2501\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3804,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2501\/revisions\/3804"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2501"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2501"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2501"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}