{"id":2484,"date":"2025-08-25T12:09:18","date_gmt":"2025-08-25T10:09:18","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2484"},"modified":"2025-09-01T08:58:57","modified_gmt":"2025-09-01T06:58:57","slug":"033-alte-frau-in-grosser-eile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/033-alte-frau-in-grosser-eile\/","title":{"rendered":"033: Alte Frau in gro\u00dfer Eile"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"7a3677dd80ba55215aee1fae1b895ab9\">Ich lie\u00df mich auf dem Thron des Gro\u00dfmeisters nieder und kam mir umgehend unglaublich dumm vor. Gerade eben war ich noch voller Euphorie gewesen, hatte die Hoffnung gehabt, dass meine Kr\u00e4fte sich regenerieren w\u00fcrden, wenn ich ihnen nur ein klein wenig Zeit dazu gab. Vielleicht hatte ich im Stillen erwartet, ein klein wenig mehr zu sp\u00fcren, wenn ich mit diesem guten Vorsatz Nokt\u00e1mas Halle betrat. Aber da war nichts. Noch nicht einmal die mystische, sanft-dunkle Atmosph\u00e4re, die den Saal zwischen Sonnenuntergang und Morgend\u00e4mmerung erf\u00fcllte, war zu sp\u00fcren. Nat\u00fcrlich nicht. Drau\u00dfen war es zwischenzeitlich helllichter Tag. Nokt\u00e1ma hatte ihre Wacht \u00fcber das Weltenspiel an Patagh\u00edu weitergegeben, und der Eta\u00edmalon beherbergte f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit nichts anderes als einen riesigen, abgesehen von dem Thron auf der Estrade v\u00f6llig leeren Kuppelsaal. Durch die Fenster\u00f6ffnung \u00fcber meinem Kopf, die einen asymmetrisch gezackten Stern bildete und durch die stets nur das Licht von Sonne und Mond, aber auf wundersame Weise nie Regen oder Schnee fiel, drang unschuldiges Vogelgezwitscher zu mir hinab.<\/p>\n<p data-p-id=\"832ef59b540f49d3f5967c3de8949b24\">Sogar die Weihest\u00e4tte f\u00fchlte sich tags\u00fcber erschreckend unmagisch an.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b283a7e683f4bf8f1f19233172686b4\">Ich legte die Spule mit den Geigensaiten auf der Armlehne des steinernen Sessels ab und versuchte verstohlen, wenigstens ein kleines Licht zu wirken, nat\u00fcrlich ohne Erfolg. Kurz dachte ich dar\u00fcber nach, was wohl sein w\u00fcrde, wenn Nokt\u00e1ma es mir nie wieder <em>erlaubte<\/em>. Das gesch\u00e4he mir recht, nachdem ich aus Bequemlichkeit vom Schutzzauber abgelassen und damit den Boscarg\u00e9n zug\u00e4nglich f\u00fcr Eindringlinge gemacht hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"692547c09e58eb880101f918a84b8240\">Doch das w\u00e4re mir egal. Den gr\u00f6\u00dften Teil meines Lebens hatte ich nicht zaubern k\u00f6nnen und sicher w\u00fcrde ich es verschmerzen, wenn die Magie nicht zur\u00fcckkehrte. Aber nun, nun ben\u00f6tigte ich sie, nur noch ein einziges Mal. Ich musste irgendwie Kontakt zu Yalomiro aufnehmen, ihn herbeirufen, ihm zu verstehen geben, dass ich in Not war. Dass D\u00fdamir\u00e9e Hilfe brauchte. Dass ich versagt hatte und sie nicht hatte besch\u00fctzen k\u00f6nnen. Ich konnte nicht darauf warten, dass er von sich aus nach meinen Tr\u00e4umen suchte, denn das w\u00fcrde er sicherlich zu dieser Stunde nicht tun. Er hatte keine Veranlassung dazu, solange er annahm, dass ich mit D\u00fdamir\u00e9e im Wald unterwegs war, den kleinen Garten pflegte oder sie sich von mir M\u00e4rchen erz\u00e4hlen lie\u00df und alles in bester Ordnung war. Sicher, er w\u00fcrde bald bemerken, dass er mich nicht erreichte und sich ganz bestimmt Sorgen machen. Aber das ging nicht schnell genug.<\/p>\n<p data-p-id=\"184f78445293b54a1aae704c5d32200e\">Ich rief mir in Erinnerung, was Yalomiro mich so geduldig gelehrt hatte, wie er immer wieder versucht hatte, mich anzuleiten, die Magie zu verwenden. Ganz zu Anfang war das gewesen, als ich begriffen hatte, dass ich mich nicht in einem wirren Traum befand und niemand mich mehr von seiner Seite wegrei\u00dfen w\u00fcrde. Damals, als ich die Welt gefunden hatte, in der ich sicher war.<\/p>\n<p data-p-id=\"78b94156762df81e0c9574391f22faa4\">Nun ja &#8230; sicher, solange Yalomiro bei mir war und ich mich sorglos und ganz selbstverst\u00e4ndlich darauf verlassen konnte, dass er alle Probleme l\u00f6sen w\u00fcrde, die uns begegnen konnten.<\/p>\n<p data-p-id=\"10af0c6c3018abe05830ce34adbacc87\">Wie bequem. Wie selbsts\u00fcchtig und tr\u00e4ge!<\/p>\n<p data-p-id=\"ded05d8cab7486c167f58a0258594451\">Ich seufzte und sch\u00e4mte mich. Er hatte sich so viel M\u00fche gewesen und immer wieder ermuntert, mit der Magie zu <em>spielen<\/em>, mich auszuprobieren, neugierig und kreativ zu sein. Ich aber hatte mich geziert.<\/p>\n<p data-p-id=\"24a5ac764542c8181caef8e92d21e205\">Ich werde mir all die Lieder nie merken k\u00f6nnen, hatte ich behauptet.<\/p>\n<p data-p-id=\"e227b75e9a51bfe48ca194b27446dae1\">Du brauchst keine Lieder, hatte er beteuert. Nicht f\u00fcr die kleinen Dinge, nicht f\u00fcr dich selbst.<\/p>\n<p data-p-id=\"f117b41f9e1c95b4785e6c35acfd690d\">Was brauche ich dann?, hatte ich gefragt.<\/p>\n<p data-p-id=\"d17656f99cfaac8c25c378e6c5813bad\">Intuition, hatte er gesagt. Phantasie. Vertrauen.<\/p>\n<p data-p-id=\"128aa990a3d6e88372895cafdf4d79fb\">Ich dachte nach und lie\u00df meinen Blick \u00fcber den Boden der Halle gleiten. Je genauer ich hinschaute, desto deutlicher waren die Schriftzeichen und Symbole zu sehen, die viele, viele Generationen von Schattens\u00e4ngern in die schwarzen Steinfliesen hineingewirkt hatten. Ein paar davon konnte ich zwar lesen, aber der gr\u00f6\u00dfte Teil davon erschloss sich mir immer noch nicht. Ich hatte diese Zeichen eine ganze Weile f\u00fcr dekorative Bilder gehalten, bis Yalomiro mir erkl\u00e4rt hatte, dass es sich um etwas \u00c4hnliches wie Noten, wie komplette Partituren handelte. Die Zeichen beschrieben keine Zahlen oder Buchstaben, sondern T\u00f6ne, die unabh\u00e4ngig von Notenlinien bestanden und eindeutig waren. Im Nachhinein erschien mir das einleuchtend. <em>Camat&#8217;ay<\/em> wirkten aufw\u00e4ndigere Zauber mit ihrem Gesang. Wichtige Magie, gro\u00dfe Zauber hatten sie symbolisch hier im Saal verewigt. Ich hatte das damals sehr interessant gefunden, dem aber keine Bedeutung beigemessen, so fremd und abstrakt war es mir erschienen. Nun war das anders.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c7c3eaf8e4a170249c866640a431352\">Ich griff nach den Saiten. Kl\u00e4nge. Musik. Magie.<\/p>\n<p data-p-id=\"fc4b45826963ca364558f91d3df92410\">Yalomiro hatte seine Geige bei sich, das magische Werkzeug, mit dem er verbl\u00fcffende Zauber wirken konnte. Aber das war nur ein unwesentlicher Teil dessen, was das Instrument vermochte und bedeutete. Wir waren miteinander \u00fcber die Geige in einer ganz besonderen Weise verbunden. Eine lange und komplizierte Geschichte steckte hinter der Magie des Instruments, das er nie verga\u00df, wenn er den Eta\u00edmalon verlie\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"044ddd5b314580784d5bcc57be74405a\">Ich suchte den Anfang und wickelte ganz vorsichtig einen Strang von der Spule ab. Tats\u00e4chlich waren es f\u00fcnf separate Saiten, ein kompletter Satz. Ich konnte beim besten Willen nicht sagen, woraus Yalomiro sie angefertigt hatte, aber mit Sicherheit waren sie nicht dazu bestimmt, auf eine gew\u00f6hnliche Geige aufgezogen zu werden. Warum hatte er sie also so offensichtlich bei seinen Sachen liegengelassen? Besa\u00df er noch mehr davon oder hatte er in seiner Eile und Unordnung vergessen, sie einzustecken?<\/p>\n<p data-p-id=\"4b9f24b704ff91d977cbea144bd487e4\">Ich lie\u00df eine der Saiten sacht durch meine Finger gleiten. Intuition &#8230; das sagte sich so leicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"db17f3a0ee1de0feed31cd7eab2a7e26\">Ich war mein Leben lang vollkommen unmusikalisch gewesen und hatte nie gelernt, ein Instrument zu spielen, nicht einmal etwas Simples wie ein Weihnachtslied auf der Blockfl\u00f6te. Nat\u00fcrlich, ich liebte und genoss Musik, aber selbst welche erschaffen konnte ich nicht. Und das brachte mich nun auch nicht weiter. Ich konnte mit Yalomiros magischen Geigensaiten \u00fcberhaupt nichts anfangen, zumal ich kein Instrument zur Hand hatte. Und selbst dann h\u00e4tte ich nicht gewusst, wie man Saiten richtig aufzog. Ich hatte Yalomiro gelegentlich dabei zugeschaut, wenn er seine Geige bespannte und stimmte, aber ich hatte nie richtig begriffen, wie er es machte. Vielleicht waren die Saiten doch nicht hilfreich, um Yalomiro zu alarmieren. Vielleicht &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"8c49429a6dec480641efd11d69a5c9e5\">Ich blickte auf. Da war eine Idee, ein Einfall. Eine Erkenntnis. Eine <em>Intuition<\/em>!<\/p>\n<p data-p-id=\"143b01634e69622beb99fdffdd3abdf2\">Ein Feuermelder braucht keine Melodie, dachte ich. Eine Alarmsirene muss <em>laut<\/em> sein, mehr nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"d927d85d19204bc95e02fb44ad787f5b\">War das mein eigener Gedanke gewesen? Wahrscheinlich. Es war ja niemand hier, der zu mir sprach. Nokt\u00e1ma war am hellen Tag nicht in ihrer Weihest\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f9c4b9b50da3b3030493cb66d27d9ad5\">Ich spielte nachdenklich mit der Geigensaite in meiner Hand. Die Idee war da. Aber was sollte ich damit anfangen?<\/p>\n<p data-p-id=\"7ecfe46f6958dc56e260a01371fdbc8b\">Sei kreativ, erinnerte ich mich an Yalomiros Ratschl\u00e4ge. Denk nicht nach. Mach, was dir einf\u00e4llt. Lass dich treiben. Entdecke es!<\/p>\n<p data-p-id=\"1da0a65d4ebfa6b08224c2e5185b8006\">Ich lie\u00df die Saite zwischen meinen Fingern gleiten. Dann wickelte ich ihre Enden um meinen Daumen und Zeigefinger, versuchte, etwas Spannung auf das kleine St\u00fcck Strang zu bringen. Und dann riss ich das kurze stramme St\u00fcck Saite dazwischen mit der anderen Hand an.<\/p>\n<p data-p-id=\"7b3e0a9ed2ed9298bb4bff373d262e60\">Ein Ger\u00e4usch gab es, ein j\u00e4mmerliches kleines Ploppen. Es war sehr leise, aber der Saal, der Schall unter der Kuppel nahm es auf und verst\u00e4rkte es. Allerdings verhallte der Klang, ohne dass etwas geschah.<\/p>\n<p data-p-id=\"3b73800bf7186315a870069eb158c12a\">H\u00f6rst du mich?, dachte ich in die Weite des Eta\u00edmalon. H\u00f6rst du, dass ich deinen Zauber ber\u00fchre?<\/p>\n<p data-p-id=\"f63e646184286053cec3dddd72860bfe\">Nun, wahrscheinlich h\u00f6rte er es nicht. <em>Noch<\/em> nicht. Es war zu leise, zu weit weg.<\/p>\n<p data-p-id=\"29174f5bdc2ab5274163a4660b7728ae\">Aber ein matter Silberschimmer blitzte auf der Saite auf, nicht deutlicher als ein Gl\u00fchw\u00fcrmchen im Nebel. Winzig. Sacht.<\/p>\n<p data-p-id=\"75f55c159075125828c25e931f9ab6a2\">Ein Hoffnungsschimmer. Alles, was mir fehlte, war die Nacht.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"cb2f9ec388175483f51ba3702a1e9a72\">Sileda\u00fa hatte es eilig. So geschwind ihre alten Beine sie trugen \u2013 und das war bemerkenswert schnell f\u00fcr eine Greisin \u2013 hastete sie auf den Ciel\u00e1stel zu. Das Zugangstor ins Innere der Mauern erreichte man, indem man einen Hang mit m\u00e4\u00dfiger Steigung erklomm, der wenige Mannsl\u00e4ngen vor den kristallenen Mauern in eine steile Tiefe abst\u00fcrzte. Angreifern zu Fu\u00df und Pferd war es so unm\u00f6glich, die Burg zu erst\u00fcrmen, aber eine breite Zugbr\u00fccke mit goldenen Beschl\u00e4gen und an goldenen Ketten stand immer offen. Die Regenbogenritter hatten den Einwohnern von Aur\u00f3p\u00e9a einst zugesichert, dass sie niemals unaufgefordert die Stadt betreten w\u00fcrden. Umgekehrt legten sie Wert darauf, dass gutwillige Unkundige jederzeit Zugang zum Ciel\u00e1stel hatten. Sollte jemand in Not sein, sollte er nicht vor verschlossenen T\u00fcren stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0f6a9979f81950f659fafaf558609d68\">Und so kam es, dass Sileda\u00fa und die wenigen Menschen, die ihre Gesch\u00e4fte herf\u00fchrten, die einzigen waren, die diesen Weg regelm\u00e4\u00dfig gingen.<\/p>\n<p data-p-id=\"04d635f0abb60747638716df661cd192\">Sileda\u00fa keuchte den Hang hinauf und \u00fcber die Br\u00fccke durch das eindeutig zu einladend ge\u00f6ffnete Tor hindurch.<\/p>\n<p data-p-id=\"e5345ea415243f68d9f535a7e0e23f12\">Der blaue Regenbogenritter, dem es zu dieser Zeit oblag, den Eingang zu bewachen, blickte fragend auf. Er hatte ein Brett auf den Knien und verzierte es gerade mit einem aufwendigen Ornament. Werkzeug oder Farbe ben\u00f6tigte er nicht dazu. Unter seinen Fingern brannte sich magisches Feuer fein in das glatte Holz. Alle <em>arcaval&#8217;ay<\/em> geboten dem Feuer.<\/p>\n<p data-p-id=\"b7037235a388fab76f003c7b2c538cfa\">\u201eWo kommst du her?&#8221;, fragte er, als die Alte gru\u00dflos an ihm vorbei hastete.<\/p>\n<p data-p-id=\"e6c96b442b64dd7a9dde55c1f467da57\">\u201eAus der Stadt. Ich habe mich versp\u00e4tet&#8221;, antwortete sie unwirsch. \u201eHalt du mich nicht auch noch auf.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"572900d4f6870ee3b13403da064148d6\">\u201eKein Grund zur Eile. Advon ist mit dem Gelben auf einem Ausritt. Die Meisterin hat wohl nicht mehr damit gerechnet, dass du heute \u00fcberhaupt noch auftauchst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d49857bd0d0a0767d354dbc8ae3f76b8\">\u201eAdvon? Ach ja.&#8221; Sileda\u00fa sch\u00fcttelte \u00e4rgerlich den Kopf. \u201eUnd wo ist die Meisterin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c4f65a1c2b78899d627d5cdf902610a3\">\u201eWo wird sie um diese Zeit wohl sein? In Patagh\u00edus Saal sitzt sie und wirkt den Schutz.&#8221; Der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> stellte sein Kunstwerk beiseite und erhob sich. \u201eDu bist ja ganz durcheinander: Kann ich dir irgendwie helfen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1266f13a46b302e34b5c967b39081887\">\u201eNat\u00fcrlich bin ich durcheinander! Erst wirft man mich regelrecht hier heraus &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4212a2e912f7d2f80394e3a036627982\">\u201eNa! Nicht dich. Das verfluchte Zeug sollte weg. Wir haben uns gefragt, wie du all den Kram \u00fcberhaupt an uns vorbei hierher gebracht hast.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"08281aa8590a34399032665d5bdfb430\">\u201eWie die Ameisen es tun. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck und \u00fcber die Sommer&#8221;, schnaufte sie abf\u00e4llig. \u201eHast du eine Ahnung, wie schwer es ist, solche Dinge unten in der Stadt zu lagern, ohne dass sie prompt wieder gestohlen werden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b677c7782ec3f439da07bb559e8cd0e\">Er erlaubte sich ein L\u00e4cheln, das sie zur Wei\u00dfglut trieb. Schwer zu ertragen war es, wenn die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> so selbstzufrieden dreinschauten, mit diesem wissenden, entr\u00fcckten L\u00e4cheln in ihren sonderbaren Gesichtern ohne Alter und Geschlecht. Nur die <em>faj\u00eda<\/em> \u00fcbertraf ihre Krieger darin noch. Sileda\u00fa musste sich wieder einmal eingestehen, dass es tats\u00e4chlich C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor war, dem sie l\u00e4ngere Zeit ins Gesicht blicken konnte, ohne dabei von Unruhe gepackt zu werden. Der Anf\u00fchrer der Regenbogenritter war der <em>Harmloseste <\/em>von allen.<\/p>\n<p data-p-id=\"261ce39bb6a9ba3640515f35dffcd4b6\">\u201eVielleicht h\u00e4ttest du den Meister und die Meisterin einfach offen darauf ansprechen sollen. Sicher h\u00e4tten sie einen sicheren Platz f\u00fcr deine absonderlichen Kostbarkeiten gefunden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8d89232345e4d6164bc5737cf23fcb55\">\u201eElos\u00e1l ist also im Heiligtum, ja? Und der &#8230; Junge treibt sich drau\u00dfen herum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f8bdcaacdb1d377f309366aca79f226\">\u201eSoll ich nachschauen gehen, ob die Meisterin zu sprechen ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc754ad759fa471cb458817d9832ddf5\">\u201eNicht n\u00f6tig. Ich komme allein zurecht. Und nun, da ich hier bin, muss ich wohl auch nicht mehr rennen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9378bfb338a53654fbc0e2cdf8ea589a\">\u201eWie du willst.&#8221; Er wartete noch einen Moment, ob sie es sich anders \u00fcberlegte, und wandte sich dann wieder seinem Kunstwerk zu. Sileda\u00fa schlurfte auf den Hof und das Wohngeb\u00e4ude zu, nun so bed\u00e4chtig, wie es dem Ort und ihrem Alter angemessen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"e6797d9e8bf4ac687b0e9c91d3918f45\">Aber die Greisin passierte die T\u00fcr, die zu den Unterk\u00fcnften der Regenbogenritter und den anderen Zimmern und S\u00e4len f\u00fchrte. Dort wollte sie nichts. Das, weshalb sie den Weg zum Ciel\u00e1stel auf sich genommen hatte, befand sich ganz woanders.<\/p>\n<p data-p-id=\"7b8d60074645ca8fd5daf14cae83c943\">Im Stall war es angenehm k\u00fchl und d\u00e4mmrig, wie \u00fcblich. Zu beiden Seiten des Mittelgangs befanden sich die Verschl\u00e4ge, in denen die Einh\u00f6rner \u00fcblicherweise untergebracht waren, eher gro\u00dfe, goldene Tierk\u00e4fige denn Stallboxen f\u00fcr R\u00f6sser, denn Holz und Stein h\u00e4tte ein Einhorn, das der Bewegungsdrang \u00fcberkam, augenblicklich zertr\u00fcmmert wie aufgespanntes Papier. Doch im Augenblick war keines der m\u00e4chtigen Tiere hier untergebracht. Bei so anhaltend sch\u00f6nem Wetter tummelten die Einh\u00f6rner sich auf der Weide bei den G\u00e4rten, wenn sie nicht gerade mit ihren Reitern sinnlos durch die W\u00fcste jagten.<\/p>\n<p data-p-id=\"53345f53f9882d0dda14920ffb6eb97d\">Im hinteren Bereich des Ganges stand ein leichter Leiterwagen, etwa zu einem Drittel mit Stroh beladen. Eine Heugabel steckte schief darin, und in einem der K\u00e4figverschl\u00e4ge pfiff der alte unkundige Stalldiener unmelodisch vor sich hin und hantierte mit Schaufel und Besen. Offenbar bereitete er neue Einstreu vor, sodass die Tiere das n\u00e4chste Mal, wenn sie aufgestallt wurden, gleich weich und bequem lagen. Futter hatte er wohl schon f\u00fcr den Abend verteilt. Bei der T\u00fcr lagen einige leere Hafers\u00e4cke auf einem Haufen. Die Alte griff zu. Genau das, was sie brauchte!<\/p>\n<p data-p-id=\"319960e60a5da82ea5dec741aa3cec1c\">Sileda\u00fa schaute sich nach dem Torw\u00e4chter um, aber der war wieder in seiner Kunst versunken. Der Strohwagen versperrte dem Stallmeister den Blick. Lautlos dr\u00fcckte die alte Frau sich um die Ecke und schl\u00fcpfte in die Sattelkammer.<\/p>\n<p data-p-id=\"871739a00b0966c02465b1405b527c5d\">Hier war der Geruch von Lederseife und Metall \u00fcberw\u00e4ltigend. All das Gold an den Beschl\u00e4gen, Steigb\u00fcgeln und Schnallen gl\u00e4nzte tadellos, S\u00e4ttel, Z\u00e4ume und Geschirre waren blitzsauber. Der einf\u00e4ltige, wortkarge Mensch, der hier im Stall herrschte, hatte in den vergangenen Tagen die Mu\u00dfe gehabt, perfekte Arbeit zu verrichten, solange er sich nicht um die Tiere k\u00fcmmern musste. Sileda\u00fa z\u00e4hlte die S\u00e4ttel. Zwei fehlten, der des gelben Ritters und nat\u00fcrlich der, auf dem C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor hoffentlich gerade sa\u00df und ihr brachte, wonach sie ihn ausgeschickt hatte. F\u00fcr das Einhorn des Knaben gab es noch kein Sattelzeug. Das musste eigens angefertigt werden, und es war fraglich, ob sich das noch lohnen w\u00fcrde. Immerhin war es nicht gesagt, dass Advon Ir\u00edsolor jemals mit den Regenbogenrittern ausreiten w\u00fcrde. Ach was &#8230; <em>ausgeschlossen<\/em> war es.<\/p>\n<p data-p-id=\"cd2ba1a3d12ddf7875a46f4c63a8ce66\">Die Alte schaute sich unter dem Lederzeug um. Neben dem, was zum Aufsatteln f\u00fcr jeweils ein Einhorn ben\u00f6tigt wurde, gab es nat\u00fcrlich f\u00fcr jedes St\u00fcck eine Menge Ersatzteile. Im Freien, im hellen Tageslicht, war es nicht zu erkennen. Aber nat\u00fcrlich wusste sie, dass es nicht allein der samtige Schimmer der Sauberkeit war, der das Reitzeug erstrahlen lie\u00df. Leise und sorgf\u00e4ltig darauf bedacht, kein klimperndes Metall anzur\u00fchren, pfl\u00fcckte Sileda\u00fa von Wandhaken und Regalen, was sie ben\u00f6tigte. Geschickt w\u00e4hlte sie aus, was ihr n\u00fctzlich erschien und nahm hier und dort etwas weg, so dass auf den fl\u00fcchtigen Blick nicht sofort auffallen w\u00fcrde, dass etwas fehlte. Dass der Stalldiener das Zeug durchz\u00e4hlen w\u00fcrde, war unwahrscheinlich, schlie\u00dflich hatte er das wohl eben erst getan. Und solange keiner der Ritter gerade jetzt irgendetwas an seinem Zaum reparieren wollte, w\u00e4re ihr die Zeit lang genug.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f1d790e0c55d82b49b84aad074b4a77\">Eilig, aber ohne \u00fcbertriebene Hast stopfte Sileda\u00fa alles in den Hafersack, was sie brauchen konnte, kn\u00fcllte den Beutel dann auf ein handliches Format zusammen und lugte vorsichtig um die Ecke. Der Mensch pfiff immer noch misst\u00f6nend vor sich hin und schob seinen Strohwagen ein St\u00fcck in Richtung T\u00fcr. Dann widmete er sich dem n\u00e4chsten Einhornverschlag.<\/p>\n<p data-p-id=\"693c53432143325df479d76760799635\">Sileda\u00fa wartete noch, bis sie ihn wieder mit der Heugabel klappern h\u00f6rte. Dann klemmte sie sich ihre Beute unter den Arm und schl\u00fcpfte wieder auf den Hof hinaus. In ihrem Gemach konnte sie abwarten, ohne dass dieses l\u00e4stige Kind sie st\u00f6rte.<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"9cd83f06dc0392240cbb943fc693f3fc\">Andri\u00e9r Altabete wurde erst auf die beiden M\u00e4dchen aufmerksam, als sie schon eine ganze Weile am Fenster standen. H\u00e4tte die <em>teiranda<\/em> nicht ihre Krone getragen, einen schmalen Bronzereif, in den eine Menge h\u00fcbsch funkelnde, aber unechte Glassteine eingepasst waren, h\u00e4tte er sie vermutlich gar nicht bemerkt. So aber hatte er immer wieder einen irritierenden Lichtblitz im Augenwinkel wahrgenommen, seit die Sonne \u00fcber die Mauerkrone gestiegen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"d9c17ce23065a97263b7a3a8b416d9cd\">\u201eStrengt euch an&#8221;, ermahnte der Ritter L\u00e1as und J\u00e1ndris, die nassgeschwitzt und au\u00dfer Atem mit den ungewohnten Stangen \u00fcbten. \u201eEure Herrin schaut zu.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6817a1fa7ff372402c5efd6715b868b7\">\u201eBitte, Vater&#8221;, keuchte J\u00e1ndris. \u201eK\u00f6nnen wir nicht ein wenig zu Atem kommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0c402a5ad511f2167030d6ca79273617\">\u201eNimm dich zusammen!&#8221; L\u00e1as, der sich gerade noch selbst dar\u00fcber beschwert hatte, dass sein Vater ihn \u00e4rger plagte als sein Kampflehrer, nahm all seine verbliebenen Kr\u00e4fte zusammen. \u201eDoch nicht gerade jetzt, wenn sie guckt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"49d138726dc14dede35fbe2d95237416\">Aber er war nicht aufmerksam genug. Unvermittelt traf ihn eine Parade seines Vaters und bef\u00f6rderte das Holz aus seiner Hand und hinein ins hohe Gras.<\/p>\n<p data-p-id=\"4cae0407591b7b886848787150f84cbf\">\u201eAufpassen, Junge!&#8221;, tadelte der Ritter. Das Gesicht hinter seinem ergrauten Schnauzbart war rot vor Anstrengung, aber dennoch war Daap Grootplen ganz in seinem Element. \u201eNicht unachtsam werden!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"18cac59459d237f103c94ed82360d5a6\">\u201eJa&#8221;, stimmte Altabete zu. \u201eWenn das hier eine Klinge h\u00e4tte, dann w\u00e4rest du jetzt am Ende.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8eb907c24d0e2880e4c8355cd0fe4d67\">\u201eIch kann nicht mehr!&#8221;, begehrte J\u00e1ndris auf und lie\u00df demonstrativ seine Stange fallen. \u201eDas ist umst\u00e4ndlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"da9c413b7245447b711ebf953a230154\">\u201eDu bist es nur nicht gewohnt, Sohn!&#8221;, tadelte Altabete. \u201eEs kann euch beiden nicht schaden, gelegentlich von Eurem h\u00f6fischen Schwertgepl\u00e4nkel abzulassen und euch in Abwechslung zu \u00fcben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"239cc845657091ed4f7df360d8427936\">\u201eWenn der L\u00fcmmel heute Nacht auch ein Schwert gehabt h\u00e4tte&#8221;, wandte L\u00e1as ein, \u201edann &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"523e90eb685c624ec823ceb09bfb10b2\">\u201eDas m\u00f6gen die M\u00e4chte verh\u00fcten&#8221;, sagte Grootplen. \u201eDann w\u00e4ret ihr heute beide entzwei.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dfbb4c6480b0a868c6d2f07e249a4c78\">Andri\u00e9r Altabete runzelte die Stirn und st\u00fctzte sich auf seiner Stange ab. \u201eJe mehr ich dar\u00fcber nachdenke \u2013 ein wenig unheimlich war das schon, bedenkt man, wie jung der Knabe noch ist. Und wenn Wa\u00fdreth sagt, das <em>er <\/em>es ihm nicht beigebracht hat &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b79ea773657c9d9049359f221dcee81b\">\u201eWas denkst du? Dass es mit \u00fcbernat\u00fcrlichen Dingen zu sich geht? Vielleicht mit Zauberei?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2568f7f4e7e84eef02630031d85f0875\">Altabete zuckte die Achseln. Grootplen grinste und schlug spielerisch provozierend gegen den Stab seines Standesgef\u00e4hrten. \u201eDer Knabe wird sich angeschaut haben, wie sich irgendwelche Knechte oder Bauernjungs gemessen haben und hat einfach sehr viel Talent. Ich wette, in Althopian und wahrscheinlich auch in Emberbey sind die Schutzbefohlenen auch recht gut dabei, anderen aufs Haupt zu schlagen. Immerhin k\u00f6nnte ja was von den Nachbarn r\u00fcberschwappen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9ffa05086a8c208bf26c65ec7ce61430\">\u201eWas hei\u00dft das?&#8221;, fragte J\u00e1ndris.<\/p>\n<p data-p-id=\"a0bf64bfaadcd672a3f6ddc6ab0b4dc5\">\u201eNa ja.&#8221; Grootplen tat einen Ausfallschritt und schwang seine Stange, so langsam, als versuche er sich an einen bestimmten Bewegungsablauf zu erinnern. \u201eAlthopian sagt, ab und zu entwischen mal Leute \u00fcber seine Grenzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0111287bf262c3edd1926d5fa531bda0\">\u201eUnd die schlagen die Bauernjungs dann mit ihren Sensen und Dreschflegeln zur\u00fcck?&#8221;, erkundigte sich L\u00e1as ungl\u00e4ubig.<\/p>\n<p data-p-id=\"f5ef775996d4263c2b5b6a97f26cf01f\">\u201eDie nat\u00fcrlich nicht. Aber m\u00f6glicherweise kommen mal welche nach, die die Abg\u00e4ngigen zur\u00fcckholen wollen.&#8221; Nun hatte Grootplen wieder im Sinn, wie der Schlag funktionierte. Andri\u00e9r Altabete konnte gerade noch rechtzeitig zugreifen, bevor auch sein Stab davon flog. Unwillig parierte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"5a3cfccf5350d07e529d34ac3fb3fba3\">Die Jungen \u00fcberlegten. \u201eDas gef\u00e4llt mir nicht&#8221;, sagte L\u00e1as, der \u00e4ltere von beiden. \u201eKein Schutzbefohlener sollte vor seinem Herrn davon laufen. Und wenn er es doch tut, dann wird er seinen Grund haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4a4c41b3dbd14c59f2868da92c31b677\">\u201eUnd deshalb&#8221;, antwortete Altabete und drang, die Herausforderung annehmend, mit neuem Elan auf Grootplen ein, \u201eist es so wichtig, dass ihr zwei euch nicht nur im Kampf \u00fcbt. Mir ist jedenfalls noch kein Schutzbefohlener davongelaufen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"329641479a319246e4787a209b81eb95\">\u201eKeiner, von dem du wei\u00dft&#8221;, stichelte Grootplen gutm\u00fctig. Altabete nahm das mit einem grimmigen Lachen. und kurz darauf waren nun die beiden Ritter in einem spielerischen Gefecht.<\/p>\n<p data-p-id=\"a1d4cf4eb0f9e8caf4fa0486ca62e6e2\">L\u00e1as seufzte, holte sich seine Stange zur\u00fcck und lie\u00df sich neben J\u00e1ndris ins Gras fallen. Einen Moment klang um sie herum nur das Gezwitscher der V\u00f6gel, das atemlose Schnaufen der Erwachsenen und das Klackern der H\u00f6lzer.<\/p>\n<p data-p-id=\"88b74e7f6dd6bc8e080da5f260a95b1e\">\u201eIch w\u00fcnschte, dein Vater h\u00e4tte das nicht gesagt&#8221;, meinte der \u00e4ltere Junge dann nachdenklich.<\/p>\n<p data-p-id=\"14e31c4f70918b1cb9334abcd629eb00\">\u201eWas? Dass Althopians Leute auf der Hut sind?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"afd56c9775170b832769a164f3fd7384\">\u201eWenn du mal das Sagen in deinem <em>yarlm\u00e1lon<\/em> hast&#8221;, fragte L\u00e1as, \u201ewas machst du dann?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c180b2c96abf2ec4e79ebd7509c6f38\">\u201eWie meinst du das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91c95b98a74a287ed0fd13a8c9cdd567\">\u201eSo wie ich es sage.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a4a5b1b044d6ccfa3ad5440ec0c34d9b\">J\u00e1ndris schaute hin\u00fcber zu dem Fenster unterhalb des Wehrganges, wo die beiden M\u00e4dchen standen. \u201eNa ja. Wahrscheinlich genau das, was mein und dein Vater und der von T\u00edjnje jetzt auch machen. Die halbe Zeit daheim nach dem rechten schauen, die andere H\u00e4lfte Hofdienst bei Manj\u00e9v und die dritte rumreisen und f\u00fcr sie Turniere bestreiten und repr\u00e4sentieren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2632e4e46de7372ea985295a3f56ca2c\">\u201eDie <em>dritte H\u00e4lfte<\/em>&#8220;, schnaubte L\u00e1as. \u201eDer <em>mestar<\/em> wird begeistert sein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5023f343015ed6a0d9a0eac4a7fd9e65\">\u201eWo wir gerade vom <em>mestar<\/em> sprechen &#8230;&#8221; J\u00e1ndris deutete mit dem Daumen \u00fcber seine Schulter auf die k\u00e4mpfenden V\u00e4ter, \u201eob die beiden einsehen, dass wir auch f\u00fcr unseren Geist ein bisschen Gelehrsamkeit brauchen? Der alte <em>mestar <\/em>soll doch heute nicht umsonst aufgestanden sein&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"50371c016cd3b43b770aed584155ff02\">L\u00e1as grinste. \u201eDas aus deinem Mund?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dc8c434d0098d0c9d83d2921d0872a77\">\u201eMir ist alles recht, um von den beiden wegzukommen, ohne mich faul oder feige schimpfen zu lassen. Au\u00dferdem will ich von der <em>teirandanja<\/em> h\u00f6ren, was gestern noch alles geschehen ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"95a520998dbb1aa342f87fce610bc311\">Die Jungen nickten einander zu. Als sie sich anschickten, die Wiese zu verlassen, bemerkte Grooplen das erst, als sie bereits in einiger Entfernung waren. Er hielt inne und st\u00fctzte sich auf seine Stange.<\/p>\n<p data-p-id=\"4b4e79a3f5fd774bd7c4934509fc8f0a\">\u201eJungs! Wohin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9a4ac40a2dfefd0795fedca5ada4dd2c\">\u201eZum Unterricht, Vater. Wir sind zu sp\u00e4t damit!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6658247389ec4e71714488fd2deede18\">\u201eFreiwillig?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d72c9ab0e0f316ed2497c32349e4e18a\">\u201e<em>Ein Buch ist besser als jeder Schild&#8221;,<\/em> rezitierte J\u00e1ndris. \u201eHat so ein weiser Poet aus For\u00e9tern mal geschrieben, sagt der <em>mestar<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a129cb4bcdd4101d66b297a32692b237\">\u201eVielleicht k\u00f6nnen wir den jungen Althopian wenigstens an Wissen und Weisheit \u00fcberfl\u00fcgeln&#8221;, setzte L\u00e1as noch ein Argument darauf.<\/p>\n<p data-p-id=\"fd019eedeb874705819625ad35a04879\">\u201eLauft nur!&#8221; Andri\u00e9r Altabete schmunzelte. \u201eAber wascht Euch und wechselt die Hemden, bevor ihr der <em>teirandanja<\/em> unter die Augen kommt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0172a77359a48bf436b3eeda088968c8\">\u201eJa&#8221;, rief Grootplen hinterher. \u201eWehrhaftigkeit, Bildung und <em>Manieren<\/em>! Das ist es, was die Damen von euch erwarten!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d19921af44ec9aa69ee83b2a77c5186\">Altabete hebelte Grootplens Stab neben dessen Fu\u00df weg. Der \u00e4ltere Ritter stolperte, fing sich aber gerade noch ab. Er protestierte nicht. Die beiden blickten ihren S\u00f6hnen ernst nach, und jeder machte sich schwere Gedanken.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2484","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2484","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2484"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2484\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3742,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2484\/revisions\/3742"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}