{"id":2483,"date":"2025-08-25T12:09:59","date_gmt":"2025-08-25T10:09:59","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2483"},"modified":"2025-09-01T08:58:27","modified_gmt":"2025-09-01T06:58:27","slug":"034-unter-dem-tisch-geredet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/034-unter-dem-tisch-geredet\/","title":{"rendered":"034: Unter dem Tisch geredet"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"26f7a2b5259469d8d5aa87c9794e603d\">Es war schneller gegangen, als Gal\u00e9on gedacht hatte. W\u00e4hrend er auf der Seite in dem gerade handbreit hoch rinnenden Bach gelegen und Stein f\u00fcr Stein mit H\u00e4nden, Knien und schlie\u00dflich F\u00fc\u00dfen an sich vorbei ger\u00e4umt hatte, waren dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> allerlei Gedanken gekommen, was es mit diesem Ger\u00f6ll auf sich haben konnte. F\u00fcr unwahrscheinlich hielt er nach wie vor, dass die losen Steine aus der gro\u00dfen Kaverne mit der Zeit hierher gesp\u00fclt worden sein k\u00f6nnten. Auf diese Weise w\u00e4re die Gesteinsr\u00f6hre, in der er sich gerade befand, schon l\u00e4ngst komplett mit Sedimenten verf\u00fcllt worden, wie eine Fuge zwischen Mauersteinen. Das Wasser h\u00e4tte sich einen anderen Weg gesucht, oder in der Brunnenh\u00f6hle h\u00e4tte sich ein h\u00f6herer Wasserstand aufgestaut.<\/p>\n<p data-p-id=\"4a8fd3a18367662add5ed529b763fa0a\">Die Steine hier, von denen zwischenzeitlich eine ganze Menge hinter seinen F\u00fc\u00dfen lag und das Flie\u00dfen das B\u00e4chleins mehr und mehr hinderte, waren sicherlich von einem anderen Ort gekommen und bei n\u00e4herer Untersuchung auch so geschichtet gewesen, dass das Wasser in ihrem unteren Bereich ungehindert durchflie\u00dfen konnte. Vielleicht gerade, damit der Pegel im Brunnen nicht wieder stieg.<\/p>\n<p data-p-id=\"5b42e4a43aa1f038cb9300f6cff68306\">Gal\u00e9on sah sich darin best\u00e4tigt, dass jemand von der anderen Seite den Zugang zum Brunnen, so l\u00e4cherlich eng und unpassierbar er f\u00fcr einen Menschen bei klarem Verstand war, wohl nicht verschlie\u00dfen, aber doch verbergen wollte. Das befl\u00fcgelte seine Neugier. Was mochte da auf der anderen Seite sein?<\/p>\n<p data-p-id=\"195a5495b40dedf561f0913535ab3cf3\">Der junge Mann hatte das Zeitgef\u00fchl verloren, keine Vorstellung davon, wie lange er hier beengt in der nassen Finsternis lag und Stein f\u00fcr Stein in die Hand nahm, vor seiner Brust hinunter zum Knie f\u00fchrte und von dort in Richtung seiner F\u00fc\u00dfe und hinter sich schob. Immerhin er kam voran, ohne sich selbst dabei zu begraben. Und ein Ende war in Sicht: Wenn er sich ausstreckte und voran tastete, war die freiger\u00e4umte \u00d6ffnung nun fast gro\u00df genug, um hindurch zu schl\u00fcpfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bcd55d632ca31fe1769b155d4a0642f0\">Er arbeitete sich entschlossen weiter voran. Je mehr er sich m\u00fchte, desto mehr f\u00fchlte er seine Verbundenheit mit den Kreaturen des Erdbodens wachsen, mit Maulw\u00fcrfen zum Beispiel, und mit Regenw\u00fcrmern. Wie m\u00fchselig musste deren Leben sein, und wie zeitraubend. Wie sp\u00e4t mochte es sein? Hatte \u00daldaise seine Flucht bereits bemerkt?<\/p>\n<p data-p-id=\"12c97a581cf450dece66e14904e56976\">Gal\u00e9on hatte beschlossen, Zuflucht bei den <em>arcaval&#8217;ay<\/em> zu suchen, sobald er ins Freie gelangte. Ob er den Regenbogenritttern von den Vorkommnissen in der Stadt und den Geschehnissen in der W\u00fcste erz\u00e4hlen w\u00fcrde, hatte er noch nicht entschieden. Das w\u00fcrde er davon abh\u00e4ngig machen, wie die Dinge sich entwickelten, insbesondere davon, ob man ihm im Ciel\u00e1stel zu sagen wusste, wer dieser Yalomiro Lagoscyre war, den das Traumphantom ihm zu finden aufgetragen hatte. Vielleicht war dieser Name ein Signal, eine Art Erkennungszeichen, das ihn auf den richtigen Weg f\u00fchren konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"059fff223d799b0fde0f02422ef97413\">Vorerst, so malte er sich aus, w\u00fcrde er das tun, was er immer tat: Als harmloser <em>b\u00e1chorkor<\/em> vorsprechen und sich erkundigen, ob die Magier m\u00f6glicherweise Geschichten aus dem Weltenspiel zu h\u00f6ren w\u00fcnschten. Zwar war es nicht \u00fcblich, dass Unkundige mit solchen profanen Dingen zu den geheimnisvollen Magiern gingen. Immerhin wussten die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> \u00fcber die Vergangenheit und die Dinge des Weltenspiels mehr, als ein sterblicher Mensch in seiner l\u00e4cherlich kurzen Lebensspanne jemals sammeln konnte. Aber unter <em>b\u00e1chorkoray<\/em> kursierten einige Berichte, nach denen Erz\u00e4hler freundlich von den <em>arcaval&#8217;ay<\/em> und der <em>faj\u00eda<\/em> willkommen gehei\u00dfen worden waren. Die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> galten als \u00e4u\u00dferst kultiviert und nahezu <em>besessen<\/em> von allem Sch\u00f6nen und Kunstvollen. Vielleicht w\u00e4re das sogar die passende M\u00f6glichkeit, zur Abwechslung einmal etwas Poesie vorzutragen, etwas, das in Aur\u00f3p\u00e9a nicht besonders gefragt war.<\/p>\n<p data-p-id=\"07c5f6e1629cea3229679304f0cc06e1\">Nun, vorerst waren all das nur theoretische Gedanken, aber immerhin solche, die ihn aufmerksam und wach hielten, w\u00e4hrend er sich hier Elle um Elle durch die Finsternis schl\u00e4ngelte. Wer wusste schon, wie breit der Pfropfen aus groben Steinen war, der hier seinen Weg versperrte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3bf81036ab7d8fb5993ad795b1b3a226\">Kaum hatte er das gedacht und dabei einen Stein freiger\u00fcttelt, der so fest sa\u00df, dass er in mit beiden H\u00e4nden packen musste, geriet der Schutt in Bewegung, rutschte ab und fiel zusammen. Gal\u00e9ons Herz setzte einen Schlag aus. Ihn durchzuckte der Gedanke, dass wom\u00f6glich nicht nur die Barriere, sondern der ganze Tunnel zusammenst\u00fcrzen und ihn zerquetschen w\u00fcrde. Aber nichts dergleichen geschah. Stattdessen hatte sich nun im oberen Bereich kleinere Brocken gel\u00f6st und war hinab gepoltert, und zwar offenbar gr\u00f6\u00dftenteils zur jenseitigen Seite des Steinhaufens. Scheinbar hatte er einen Stein gel\u00f6st, der wesentlich zur Stabilit\u00e4t beigetragen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"49701683cc9e87898311443f7ff36212\">Im selben Moment blendete Licht den <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Entsetzt schloss Gal\u00e9on die Augen und st\u00f6hnte auf, so schmerzhaft durchdrang das Leuchten pl\u00f6tzlich die Finsternis. Es dauerte einen Moment, bis er es wagte, die Lider wieder zu \u00f6ffnen, zun\u00e4chst nur einen Spalt weit. Graues, diffuses Licht drang durch den schmalen Spalt, der sich \u00fcber dem erheblich abgesunkenen Schotterstapel gebildet hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"feafa2c5e682a6a60319e56d447a916a\">Gal\u00e9on krabbelte einen halben Schritt voran und versuchte, hindurch zu blicken. Viel zu sehen war nicht, aber jenseits der Steine war es jedenfalls nicht ganz finster. Der junge Mann z\u00f6gerte. Dann streckte er die Hand aus und begann, zu schieben. Weitere Steine gerieten ins Rutschen und polterten auf der anderen Seite nieder, dort, wo das Licht war. Das erweckte neue Kr\u00e4fte in ihm, und kurz darauf hatte er das Loch so weit vergr\u00f6\u00dfert, dass er sich hindurchzw\u00e4ngen konnte, wenn er den Bauch einzog und die Luft anhielt.<\/p>\n<p data-p-id=\"dacd0df822b3944d57f8efbdb0f33d4f\">Als er sich auf die andere Seite durchgearbeitet hatte, l\u00f6ste sich sein K\u00f6rper aus dem Loch wie ein Korken aus einer Flasche. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> erkannte zu sp\u00e4t, dass es nun steil bergab ging und rutschte mit einem \u00fcberraschten Ausruf und einer kleinen Lawine aus Schotter und Stein hinunter. Zugleich brach das Wasser, das sich hinter ihm und den verlagerten Steinen gestaut hatte, los. Aus dem kleinen Wasserfall, der unter der urspr\u00fcnglichen Barriere her geronnen war hier den Felsen glatt geschliffen hatte, wurde f\u00fcr einen Moment ein brausender Schwall, der den <em>b\u00e1chorkor <\/em>und kleinere Tr\u00fcmmer ein St\u00fcck voran sp\u00fclte und zugleich daf\u00fcr sorgte, dass nicht allzu viel feiner Staub aufstob. Dann beruhigte sich das Wasser wieder. Als sei es niemals von etwas aufgehalten worden, rann es weiter nach S\u00fcden und folgte nun einem flachen, spiegelglatten Kanal im ausgewaschenem grauen Felsboden einer neuen H\u00f6hle.<\/p>\n<p data-p-id=\"de8a947fcb4f32f5921b95e4a75ac51d\">Gal\u00e9on setzte sich auf. Das erste, was er bemerkte, noch bevor er sich umschauen konnte, war die gute, frische Luft hier. Sogleich fand er auch eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr das diffuse Licht, denn als er den Kopf hob, entdeckte er weit oben in der Felswand eine \u00d6ffnung, gro\u00df genug, dass ein Mann geb\u00fcckt darin stehen konnte. Allerdings befand das Loch sich mehrere Mannsh\u00f6hen \u00fcber ihm. Das Licht bewegte sich, flimmerte. Wahrscheinlich drang es durch B\u00fcsche oder B\u00e4ume, die vor dem Loch im Fels gewachsen waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"5500950412a3dba58563b3c82d8b566c\">Gal\u00e9on erhob sich und schaute hinauf. Da oben war Tageslicht, <em>ungehindertes<\/em> Tageslicht, von dem zwar nur wenig bis hier hinab reichte, aber doch genug Beleuchtung bot, dass er zum ersten Mal seit langer Zeit wieder seine Augen benutzen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8962cf604bbf3af5892fb45f4e6ff55f\">Ein Ausgang! Nun gut, ein vorerst unerreichbarer Ausgang. Aber wenn die M\u00e4chte ihn bis hierher gef\u00fchrt hatten, dann sicher nicht, um ihn damit zu verspotten, dass er von hier aus nicht irgendwie weiter k\u00e4me.<\/p>\n<p data-p-id=\"b6b45ca4bce297aee3bb79c54157096c\">Gal\u00e9on blickte dem Bach nach. Der pl\u00e4tscherte munter voran, nur um dann in einem Loch zu verschwinden, das verd\u00e4chtig an ein Abflussgitter erinnerte. Bei n\u00e4herer Betrachtung erwies es sich tats\u00e4chlich als ein solches. Ein von Menschenhand geschaffenes, aber allem Anschein nach uraltes und bereits zu gro\u00dfen Teilen von der Zeit gefressenes Metallgitter, \u00fcberraschenderweise nicht aus Gold. Vielleicht stammte es aus Zeiten, noch bevor die Lagerst\u00e4tten unter dem Sand von Soldes\u00e9r entdeckt worden waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"1cf38d4276cbbc390937e98761fb0ff2\">Vielleicht floss das B\u00e4chlein dorthin, oder unter dem Erdboden gleich in den Ozean in der Tiefe, den so einige <em>forscoray<\/em> unter der W\u00fcste vermuteten. Aber das war eine Geschichte f\u00fcr sp\u00e4ter.<\/p>\n<p data-p-id=\"043654b9a074f59cfb771c6a140b5583\">Nokt\u00e1ma hatte ihn mit dem Wasser hierher geleitet. Nun gab ihm Patagh\u00edu mit dem Licht in der H\u00f6he ein Zeichen. Dort musste er hinauf. Und einen Weg dorthin musste es geben. Schlie\u00dflich hatten diejenigen, die einst diese Gitter am Abfluss abgebracht hatten, das sicher nicht aus blankem Vergn\u00fcgen getan. Zu irgendetwas war diese H\u00f6hle einst zu Nutzen gewesen. Dazu hatte man sie betreten m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4153543ab99e9083d3abb5b6521e257d\">Gal\u00e9on schaute sich um, in der Hoffnung, irgendetwas N\u00fctzliches zu entdecken, eine Leiter vielleicht, oder m\u00f6glicherweise in Stein gehauene Stufen. Auf den ersten Blick war nichts dergleichen zu sehen. Daf\u00fcr sp\u00fcrte Gal\u00e9on etwas, das er in der finsteren Enge des Ganges nicht so bemerkt hatte. Er begann, zu frieren. Hier, in der gro\u00dfen, luftigen H\u00f6hle, war es kalt, unbehaglich kalt. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> sch\u00fcttelte sich und kam dann auf die Idee, sich f\u00fcrs erste seiner durchn\u00e4ssten Kleidung zu entledigen. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde er Tunika und Hosen hier unten nicht trocknen k\u00f6nnen, aber er konnte zumindest versuchen, sie auszuwringen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8b9d5858af1b52d55069953f9f626571\">Er hatte keine Eile damit. Es wurde ihm zwar nicht w\u00e4rmer dabei, als er schlie\u00dflich entkleidet auf dem Steinboden sa\u00df, aber zumindest war er f\u00fcr eine Weile die N\u00e4sse los. Der Gedanke, die feuchten Kleidungsst\u00fccke sp\u00e4ter wieder anlegen zu m\u00fcssen, behagte ihm nicht. Aber er konnte schlie\u00dflich nicht nackt vor den Magiern auftreten, ohne eine <em>sehr<\/em> \u00fcberzeugende Begr\u00fcndung daf\u00fcr parat zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d3f3f2a71bb6a1c5c222963b0e68d62\">Er dr\u00fcckte Str\u00f6me von klarem, kalten Bachwasser aus dem ausgewaschenen Stoff seiner Beinkleider, die nach dem Weg auf allen vieren durch den Tunnel nun noch viel zerschlissener waren als zuvor. Dabei kam ihm etwas Hartes unter die Finger. Es war jene Silberm\u00fcnze, die \u00daldaise ihm nach seiner Geschichte \u00fcber die Magischen Kriege in Sah\u00e1al\u00edrs Villa als Bezahlung gegeben und die Gal\u00e9on schon fast vergessen hatte. Aus Gewohnheit hatte er diese besonders wertvolle M\u00fcnze nicht griffbereit in seine G\u00fcrteltasche gelegt, sondern in einem kleinen auf der Innenseite des Saums eingen\u00e4hten T\u00e4schchen versteckt. Das hielten viele <em>b\u00e1chorkoray<\/em> so. Bekanntlich war es riskant, sein gesamtes Geld in derselben Tasche aufzubewahren, wenn man es am Leib mit sich f\u00fchren musste. Das lehrte ihn der Verlust seines Bargelds in der Herberge,<\/p>\n<p data-p-id=\"28d7f79106c4d03f5fb229f169b3e246\">Gal\u00e9on betrachtete die M\u00fcnze kurz belustigt und wrang seine Kleidung weiter aus. Zumindest, das stand au\u00dfer Zweifel, war er der zurzeit wohl sauberste und reichste <em>b\u00e1chorkor<\/em> von Aur\u00f3p\u00e9a. Wenn nun noch der irritierende Schmerz auf seiner Zunge endlich nachlassen und sie etwas abschwellen w\u00fcrde, konnte er sich \u00fcber seine neue Lage nicht allzu sehr beklagen. Immerhin hatte er nun einen Ausweg vor Augen, und genug neuen Stoff f\u00fcr ein Dutzend schauriger Geschichten von Leuten, die bei ihren Abenteuern in finsteren H\u00f6hlen gefangen waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"7cb716d7a33430f95ffaccae2bd6597d\">Als der Stoff endlich nicht mehr tropfte, legte Gal\u00e9on mit Todesverachtung die klammen Gew\u00e4nder wieder an, steckte die M\u00fcnze ein und begann, die H\u00f6hlenwand abzuschreiten. Irgendwo musste sich ein Aufstieg befinden \u2013 schlimmstenfalls in Form der \u00dcberreste einer verrotteten Strickleiter, vielleicht aber auch etwas, das die Zeit \u00fcberdauert hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"fb25d3c5ad1bfecb87edd39db0053141\">Unmittelbar unterhalb des H\u00f6hleneingangs hatte sich nat\u00fcrliches Material in einer dicken, weichen Schicht abgelagert, Laub von den B\u00fcschen und Erde, die Regen und Wind \u00fcber die Sommer und Winter in die H\u00f6hle geworfen und die dort von den Luftwirbeln an dieser Stelle aufgeschichtet worden waren. Anscheinend hatte sich dabei eine kleine Senke am H\u00f6hlengrund aufgef\u00fcllt. Gal\u00e9on genoss das weiche, federnde Gef\u00fchl und zuckte erschrocken zusammen, als etwas unter seinem Fu\u00df zerbrach, das sich eindeutig zu organisch anh\u00f6rte.<\/p>\n<p data-p-id=\"9a46b2db34ce734c711e34373ded3fb3\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> trat einen Schritt zur\u00fcck und beugte sich nieder. Z\u00f6gerlich schob er das trockene Laub vergangener Winter beiseite, so lange, bis er auf das Gerippe stie\u00df, dessen Unterarmknochen nun in zwei St\u00fccken war. Und auf das andere, das direkt daneben in Erde und Bl\u00e4ttern ruhte, als h\u00e4tten beide einander im Tod umarmt.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"97367be51dacc48221100093dd10fa6f\">\u201eNicht erschrecken&#8221;, sagte der schwarzgewandete Mann, der neben dem Tisch hockte, noch bevor die Jungen aufschreien konnten. \u201eSonst werdet ihr doch noch entdeckt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a4cb2ef08f8ebc59aeb9ca4a4e31f457\">Osse Emberbey und Merrit Althopian nickten verst\u00f6rt.<\/p>\n<p data-p-id=\"4898fe2ad98f56c179552589781f06bb\">\u201eVergebung&#8221;, brachte Osse fl\u00fcsternd hervor. \u201eIch &#8230; wir dachten, alle seien hinaus gegangen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5bcd86a7f0d1d709d4baf2d8585e6355\">\u201eIch nicht&#8221;, sagte der Schwarzgewandte leichthin. \u201eEs reicht, wenn die Herren ihre Dinge ausdiskutieren. Damit habe ich vorerst nichts zu tun.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f53778e90da9a1c06f2637cf8330465e\">\u201eHabt Ihr die ganze Zeit gewusst, dass wir hier sind?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"60860f386d39992502cb2b7a21bc4f21\">\u201eSelbstverst\u00e4ndlich. Und ich bin beeindruckt, wie geschickt ihr euch unsichtbar gehalten habt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6bfa96765c8dfa3ec7218dc1345c9bee\">\u201eWarum habt Ihr uns nicht verraten? Wer seid Ihr?&#8221;, fragte Merrit leise. Osse hatte nicht erwartet, dass der Junge eine so sch\u00fcchterne Stimme hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c2fadfc7986b463c13529c51ee234df6\">Der Mann l\u00e4chelte und tat dann etwas \u00dcberraschendes. Er nahm seinen Hut ab, schl\u00fcpfte seinerseits unter den Tisch und lie\u00df sich dort mit untergeschlagenen Beinen nieder. Er musste sich dabei ein wenig zu den Kindern vorneigen, sonst h\u00e4tte er sich den Kopf gesto\u00dfen. Die Tischdecke zog er beil\u00e4ufig wieder zurecht.<\/p>\n<p data-p-id=\"51502529b0aec5c163a558760ed201f6\">\u201eIch bin Yalomiro Lagoscyre. Und warum sollte ich Euch verraten? Das Gespr\u00e4ch, das hier in Eurer Anwesenheit gehalten wurde und der Umstand, dass ich euch beide hier beisammen finde, w\u00e4hrend alle Welt nach euch sucht, ersparen mir eine Menge Umst\u00e4nde. Ihr m\u00fcsst euch nicht vor mir f\u00fcrchten. Ich z\u00e4hle deinen Vater zu meinen Freunden, Merrit Althopian. Und ich bin kein Feind des deinen, Osse Emberbey.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"74faf5c12bc98f0f40859f024ec5aada\">\u201eIhr wisst, wer wir sind?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"31400d0cdfc2aa799ada22758b9e4ad2\">\u201eNat\u00fcrlich. Man hat seit gestern Abend viel von euch beiden viel geh\u00f6rt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4698e51de2f661809980557a6754f91b\">Nun err\u00f6teten beide. Der Schwarzgewandete l\u00e4chelte.<\/p>\n<p data-p-id=\"839175626ae137d5fe7ec69f61d7d051\">\u201eIhr habt beide eure Sache gut gemacht. Ihr habt getan, was sie von euch erwarten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"478a71e05514ee8e8244d32f77b3798f\">\u201eWas man <em>erwartet<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"74c3aebfd6b1e8ac09460a36c20d7bdd\">Der Mann nickte. \u201eDu, Merrit Althopian, du sollst einmal ein K\u00e4mpfer sein, der sich mutig und unbesiegbar vor seine Schutzbefohlenen stellt. Und du, Osse Emberbey &#8230; nun, dein Vater wird einmal sehr stolz auf dich sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0b5df0f0cdec036a47199c0558b372c0\">\u201eIch glaube nicht&#8221;, entgegnete Osse. \u201eEs &#8230; ach nein. H\u00f6rt nicht auf mich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f78e5688e115cb9ec072064608711306\">\u201eWarum nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f236a64ff2c07dfbb271f625c0646e05\">\u201eWeil es l\u00e4cherlich ist und Euch langweilen wird&#8221;, murmelte Osse besch\u00e4mt.<\/p>\n<p data-p-id=\"9cc72449ddf2fab70d4ab2136912bdfd\">Der Schwarzgewandete lachte leise. \u201eKinder&#8221;, sagte er dann, \u201eEure V\u00e4ter und der <em>teirand<\/em> werden sich bald wieder beruhigt haben und zur\u00fcckkommen. Wir haben also nicht viel Zeit, um unter uns und geziert um Dinge herum zu reden.&#8221; Seine Miene wurde ernst. Forschend blickte er den beiden ins Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"4b254b53f4ec17ef63d9c86b23106bad\">\u201eIch w\u00fcnschte&#8221;, sagte er, \u201ees st\u00fcnde in meiner Macht, die Trauer von euren Herzen zu nehmen. Ich wei\u00df um Euren Verlust und allem, was daran h\u00e4ngt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9c2e23576c285fd985053bdb78702367\">Osse senkte den Blick. In Merrit Althopians eisfarbene Augen stiegen unvermittelt Tr\u00e4nen auf. Er k\u00e4mpfte dagegen an, aber er w\u00fcrde sich selbst unterliegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5757720b43f3143a31695f2b92c054a0\">\u201eMerrit Althopian&#8221;, sagte der Schwarzgewandete sanft. \u201eSprich es aus. Teile es mit uns. Es wird dir leichter werden,&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"912e6b1d130204f1b7036ba54f33842c\">\u201eEs ist unrecht. Mein Vater &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"82c8a63e481a9cc07643d65845b737f9\">\u201eDein Vater kann dich gerade nicht h\u00f6ren. Ihr beide m\u00fcsst hier unter dem Tisch euren V\u00e4tern nicht gehorsam sein und ihnen gefallen. Sprecht zu mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"63e42dff24aa592cca2fc53e487b8388\">\u201eIch &#8230; ich will kein Krieger sein&#8221;, wisperte Merrit Althopian. \u201eIch &#8230; ich will nicht &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"45a978bd1a74b8d9591b69de67dc434b\">Osse schaute ihn einen Moment lang an. Der Junge glaubte, sich verh\u00f6rt zu haben. \u201eAber du bist zum Krieger geboren!&#8221;, sagte er dann. \u201eAlle Erwachsenen sind begeistert von dem, was du kannst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"74065b6b456dd1a18737f54f79d90cc4\">\u201eDas ist mir egal!&#8221;, fauchte Merrit Althopian unvermittelt. \u201eEs ist mir egal, h\u00f6rst du? Ich will es nicht! Es bringt nur Unheil!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"49c80a05cd0cf31953bddc805b78cf4f\">Osse Emberbey wich erschrocken zur\u00fcck. Der andere Junge zuckte zusammen. \u201eEntschuldige&#8221;, schluchzte er rasch. \u201eIch bin &#8230; ich kann mich nicht beherrschen. Es &#8230; ich werde so schrecklich schnell w\u00fctend, seit &#8230; entschuldige.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"beaedceef8197531f3e9997bd2b58c1e\">\u201eSchon gut.&#8221; Osse, dem es so fremd war, wenn jemand ihn um Verzeihung bat, nickte ihm zu. \u201eEs ist nur &#8230; was g\u00e4be ich darum, nur einen Hauch von dem zu k\u00f6nnen, was du kannst. Aber du hast es ja geh\u00f6rt. Mein Vater will, dass ein fremder Junge mein Schwert bekommt.&#8221; Er z\u00f6gerte kurz und dann brach es auch aus ihm heraus. \u201eDiese verfluchten Augen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1ac5553af28280e521e1c830ef61515f\">\u201eLass mich die Brille einmal sehen&#8221;, bat der Mann. Osse schreckte auf. Die Anwesenheit des Erwachsenen hatte er \u00fcber Merrits Ausbruch fast vergessen. Eilig legte er die Augengl\u00e4ser in die ge\u00f6ffnete Hand des Erwachsenen. Der nahm sie an sich und begutachtete sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"fbc763163d438343ca5b2e7aa2b26b3b\">\u201eEs steht leider nicht in meiner Macht, deine Augen zu heilen, Osse Emberbey. Aber ich denke, diese Brille kann ich verbessern. Soll ich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88433bd94bdde0b806dd9f8ec9c3d8ef\">\u201eSeid Ihr denn ein Glaslinsenschleifer?&#8221;, fragte der Junge verwirrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"42944ff0cb3e76523661050182a72df8\">\u201eIch bin ein Magier&#8221;, erkl\u00e4rte der Schwarzgewandete beil\u00e4ufig. \u201eIch kann zumindest bewirken, dass du keine Kopfschmerzen mehr davon bekommst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dc5f8a53dec47c3186ba001db53464ab\">\u201eWoher wisst Ihr das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"49ce915dd33ded2bf610c910ce9a3f80\">\u201eWeil du es nicht vor mir verbergen kannst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9638d8a0cd884f23ed1fef7fc49a6c11\">\u201eAber &#8230; wisst Ihr dann nicht ohnehin alles \u00fcber uns?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2f3fa1f8ef3bbebe78e6388a0a0e95f5\">Der Magier tat irgendetwas mit der Brille zwischen seinen H\u00e4nden. \u201eDoch. Aber ich will es von euch h\u00f6ren,&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bcea05946af51336e97a55e72c25a0f1\">\u201eDann seid Ihr ein Schattens\u00e4nger?&#8221;, fragte Merrit Althopian schniefend. \u201eWeil &#8230; Einer von Euresgleichen hat einmal verhindert, dass meine Familie ausgel\u00f6scht wurde, von einem &#8230;&#8221; Der Junge verstummte verlegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"86dbe215a22aeefed3f34afc1110175c\">\u201eDu kannst es aussprechen, Merrit Althopian. Einer von meinesgleichen hat unaussprechlich Furchtbares ver\u00fcbt. Aber wir alle kennen auch die Geschichte jenes alten Meisters, dem es seinerzeit gelang, viele Menschenleben in der Burg deines Vaters zu retten. Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar, den wir den Verfluchten nennen, war ein Verr\u00e4ter. Er wurde besiegt&#8221;, erkl\u00e4rte der Schwarzgewandete ruhig. Er reichte Osse Emberbey seine Brille zur\u00fcck, aber der Junge z\u00f6gerte, sie wieder aufzusetzen. \u201eAber darum geht es hier und jetzt nicht. Es sind alte Geschichten. Warum willst du kein K\u00e4mpfer mehr sein, Merrit Althopian? Ich habe dich gestern Nacht beobachtet. Es sei deinem Vater und deinen geschlagenen Gegnern \u00fcberlassen, wie ihr einander vers\u00f6hnt. Aber ich mag nicht glauben, dass du diese Fertigkeiten erlernt hast, weil du <em>kein<\/em> K\u00e4mpfer f\u00fcr deine Schutzbefohlenen sein willst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b5acb7a90705f54b8b53d1c3443dbd5a\">Merrit Althopian vergrub das Gesicht in den H\u00e4nden. Etwas in ihm k\u00e4mpfte mit sich selbst.<\/p>\n<p data-p-id=\"d404b507e584811fc703f2abd30c32f0\">\u201eEs wird diesen Raum nicht verlassen&#8221;, setzte der Schwarzgewandete hinzu. \u201eNicht einmal unter diesem Tisch wird es hervorkommen. Aber aus deinem Herzen muss es heraus.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e8727df4c4ac6d76c530aac55ed65ec2\">Der Junge blickte auf. Der Erwachsene schaute ihn aufmunternd an.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ca3fbabfa4e86db92a5a5fb50a1d68f\">\u201eIch &#8230;. ich wollte der allerbeste Ritter werden&#8221;, gestand Merrit Althopian leise. \u201eIch hab ge\u00fcbt und ge\u00fcbt, wann immer ich konnte. Mein Vater behauptet, dass ich schon als Wiegenkind mit der Rassel in der Hand gefochten habe.&#8221; Er lachte gequ\u00e4lt. \u201eNa ja, jedenfalls &#8230; wenn ich erwachsen bin, wollte ich sein wie der Smaragdritter aus den sch\u00f6nen B\u00fcchern die &#8230;&#8221; Er unterbrach sich und fuhr auf anderen Wege fort. \u201eDamit ich mal meine Schutzbefohlenen vor denen aus Ferocriv\u00e9 und Rodekliv oder vor b\u00f6sen Monstern und R\u00e4uberbanden besch\u00fctzen kann. Ich wollte werden wie mein Vater, so ger\u00fchmt und geachtet. Und &#8230; und damit meine Mama Freude hat. Ich hatte einen Parcours aufgebaut, mit Chaosgeistern. Na ja, mit angemalten Holzscheiten. Ich wollte ihnen zeigen, dass ich mir ganz allein beigebracht hatte, wie man einen Streitflegel schwingt, und &#8230;&#8221; Seine Stimme brach. Er verbarg das Gesicht in den Armen und schluchzte so heftig, dass er am ganzen K\u00f6rper bebte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a15127c33edc516152cf7bf83a8b987c\">Der Schwarzgewandete drang nicht in ihn. Er wartete geduldig.<\/p>\n<p data-p-id=\"9133528bf0d11e8f2344f2aa65d5a09a\">Und dann brach es aus Merrit Althopian heraus.<\/p>\n<p data-p-id=\"abb196f8870e7744f6f0ee9b77892cda\">\u201eSie hatte keinen Grund, da auf der Treppe zu stehen! Der Stein hat sie nur getroffen, weil ich wollte, dass sie zuschaut! Wenn sie einfach weitergegangen w\u00e4re, wie jeden Tag, dann &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ef65ee74ed9db5baa97fde153d879967\">Er weinte, schluchzte und wimmerte so jammervoll, dass es bestimmt bis hinunter auf den Burghof zu h\u00f6ren war. Osse schaute betreten beiseite. Der Schmerz des anderen Jungen r\u00fchrte etwas in ihm an, etwas, was sich so \u00e4hnlich, so vertraut anf\u00fchlte, auch wenn er den Zusammenhang nicht verstand.<\/p>\n<p data-p-id=\"740b23607fe77a8ca6d37e31645d6387\">Der Magier machte keine Anstalten, den weinenden Jungen anzusprechen und zu tr\u00f6sten. Aber er h\u00f6rte zu, jeder Schluchzer, jede Tr\u00e4ne hatte seine Aufmerksamkeit. Zugleich schaute der Erwachsene ihn, Osse Emberbey, an. Nun, durch die Brille, sah er pl\u00f6tzlich sch\u00e4rfer und klar. Jetzt erst bemerkte er die silbernen Einsprengsel in den sanften dunklen Augen des Mannes.<\/p>\n<p data-p-id=\"66700e273fac501b7b9f3b163f0827f6\">\u201eWei\u00dft du&#8221;, sagte Osse, mehr zu sich selbst, als der andere wieder etwas zur Ruhe kam, \u201ewenn ich nicht diese kaputten Augen h\u00e4tte, dann h\u00e4tte meine Mama die anderen Kinder gar nicht mehr bekommen m\u00fcssen. Dann w\u00e4re es genug gewesen und sie w\u00e4re noch bei mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"544f2649f6483a946563998e488ed853\">Merrit Althopian blickte auf und runzelte die Stirn. \u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"599361b52553c3531f435d29e87113a2\">\u201eWei\u00dft du &#8230; ich hab zwei Schwestern. Truda und Ra\u00fdneta. Truda ist f\u00fcnf Sommer alt und Ra\u00fdneta noch ganz winzig. Meine Mama hat sie geboren und ist dann hinter die Tr\u00e4ume gegangen, in der Nacht mit dem gro\u00dfen Sturm. Ich habe geh\u00f6rt, wie die <em>doayra<\/em> mit den Frauen dr\u00fcber geredet hat. Meine Mama war gar nicht stark und gesund genug f\u00fcr noch mehr Kinder. Aber ich kann nicht richtig gucken, und das <em>yarlm\u00e1lon<\/em> &#8230; die Schutzbefohlenen &#8230;&#8221; Nun sp\u00fcrte auch Osse, wie die Tr\u00e4nen aus ihm hinaus wollten. \u201eWenn ich nur richtig geraten w\u00e4re, dann &#8230; dann h\u00e4tte mein Vater keinen anderen Sohn mit gesunden Augen gewollt. Dann &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"40526a54c18120f01ce5cb2ad8589eee\">Und dann war es auch mit seiner Beherrschung vorbei. Osse Emberbey gab alle W\u00fcrde und Zur\u00fcckhaltung auf. Nun h\u00f6rte der Magier seinem unartikulierten Schmerz zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"47dc4e20c0cc6f228cea3dbe210e7375\">Es war Merrit Althopian, der als erster wieder sprach, und er sagte etwas unerwartetes.<\/p>\n<p data-p-id=\"5fccec05e027163b2d5978cbfae3da86\">\u201eHast du deine Schwestern denn lieb?&#8221;, fragte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"18952e0946dce93984019577211668d8\">Osse nickte, ohne nachzudenken. Einen Moment sp\u00e4ter hatte er auch wieder Worte. \u201eNat\u00fcrlich. Die k\u00f6nnen doch nichts daf\u00fcr. Mama hat gesagt, ich muss gut auf die beiden aufpassen.&#8221; Er schaute auf und besann sich. \u201eIch &#8230; Meister, ich habe mich gerade gehen lassen wie ein unverst\u00e4ndiges Wiegenkind. Ich sch\u00e4me mich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"894d34fd44221083c69551353e0cf15c\">\u201eDeine Tr\u00e4nen, Osse Emberbey, hat nur die Unterseite dieser Tischplatte gesehen. Die deinen auch, Merrit Althopian.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b16f35fc805fc63d0a78a81e2523fbc7\">\u201eUnd Ihr&#8221;, wandte der blonde Junge ein.<\/p>\n<p data-p-id=\"715167054693696dfca9331f792a9781\">\u201eHabe ich das?.&#8221; Der Magier blickte die beiden freundlich an. \u201eUnd jetzt h\u00f6rt mir zu. Sicher habt ihr beide nun einander Dinge zu sagen. Dabei will ich euch nicht st\u00f6ren. Ich gehe nun hinaus und schaue nach, ob das erhitzte Gem\u00fct eurer V\u00e4ter sich abgek\u00fchlt hat und ob wom\u00f6glich der <em>teirand<\/em> Hilfe mit ihnen ben\u00f6tigt. Gebt mit zweihundert Herzschl\u00e4ge Vorsprung und seht dann zu, dass ihr unauff\u00e4llig wie die M\u00e4uschen aus dem Geb\u00e4ude kommt. M\u00f6glicherweise seid ihr im Garten in der Rosenlaube der <em>teiranda<\/em> ungest\u00f6rt, sagen wir &#8230; bis die Bl\u00fcten sich schlie\u00dfen. Ich an eurer Stelle w\u00fcrde das ausprobieren.&#8221; Er kroch unter dem Tisch hervor, richtete sich auf und setzte sich wieder seinen Hut auf den Kopf. Dann neigte er sich zu den verwirrt dreinschauenden, von Tr\u00e4nen ersch\u00f6pften Jungen hinab.<\/p>\n<p data-p-id=\"60193bc36a619d7d7ec1e6338920becb\">\u201eMeinesgleichen kann nicht in die Zukunft sehen, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Aber ich habe Phantasie. Und was ich mir vorstelle, wenn ich euch beide miteinander anschaue, gef\u00e4llt mir sehr. Und was diese verh\u00e4ngnisvolle Brotgeschichte betrifft, Osse Emberbey, Merrit Althopian &#8230; ich schaue, was mir gelingt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"76e41dc7b3882187f32717f0ad378d9d\">Mit diesen Worten lie\u00df der die Tischdecke wieder hinab gleiten. Zwei Atemz\u00fcge darauf h\u00f6rten sie, wie die T\u00fcr sich \u00f6ffnete und hinter ihm schloss.<\/p>\n<p data-p-id=\"8840cb8e1230cfa3dbfd03d1230db1fe\">Osse wandte sich fragend Merrit Althopian zu. Der zuckte die Achseln und l\u00e4chelte verlegen. Dann legte er die Hand auf sein Herz und begann, zu z\u00e4hlen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2483","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2483","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2483"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2483\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3740,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2483\/revisions\/3740"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2483"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2483"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2483"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}