{"id":2482,"date":"2025-08-25T12:10:24","date_gmt":"2025-08-25T10:10:24","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2482"},"modified":"2025-09-01T08:58:10","modified_gmt":"2025-09-01T06:58:10","slug":"035-advon-kauft-kuchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/035-advon-kauft-kuchen\/","title":{"rendered":"035: Advon kauft Kuchen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"c53bda36f19a9a21ee0e60ca4cd84f83\">Advon genoss den Tag. \u00dcber der W\u00fcste und der Stadt strahlte der Himmel wolkenlos in sattem Blau. Der Ciel\u00e1stel auf seiner Anh\u00f6he funkelte in allen Farben wie ein Regenbogen und wirkte ungeachtet seiner m\u00e4chtigen Mauern so zerbrechlich, als best\u00fcnde er aus hauchd\u00fcnnem Glas. Patagh\u00edus Glanz stand zu dieser Zeit bereits weit n\u00f6rdlich, \u00fcber dem Montaz\u00edel in der Mitte der Welt und strahlte aus dieser Richtung auf sein Heiligtum nieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"5b57fe62080fa1861c483f4a9149d8d8\">Die Luft war recht trocken, der Wind, der in den vergangenen Tagen vom Meer am anderen Ende der Welt hierher gestrichen war, hatte die Feuchtigkeit in die W\u00fcste fortgeblasen, wo sie in der N\u00e4he des Chaos zu brodelndem Wasserdampf werden und als Wolken neu aufsteigen w\u00fcrde. Das hatte Advon schon fr\u00fch gelernt, eines der wenigen interessanten Dinge, die Sileda\u00fa ihm beigebracht hatte. Der Junge stellte sich das Spektakel vor, wie Wolken aus dem Sand kamen wie Dunst aus einem Kochtopf und fragte sich, ob er das Wunder einmal mit eigenen Augen sehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"8560e00f9121623485f3d192cec9b246\">Er fragte den Gelben danach, aber der lachte.<\/p>\n<p data-p-id=\"888b02bb7998a86139f70792cc16646e\">\u201eNein, Advon Ir\u00edsolor. So nahe kommen nicht einmal wir an das Chaos heran. Hoch oben aus der Luft kann man es an klaren Tagen mit viel Gl\u00fcck erahnen. Aber es sich aus der N\u00e4he anschauen \u2013 das geht nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"24f078087f35e9ddc4612cf7f388fed7\">\u201eSchade&#8221;, antwortete Advon. \u201eIch h\u00e4tte mir das gern einmal angeschaut.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a10ae12fe849e47855241847e6688438\">\u201eDie M\u00e4chte haben es klug eingerichtet, dass Sterbliche die Grenzen des Chaos nicht \u00fcberwinden k\u00f6nnen, indem sie die W\u00fcste und das weite Meer an den Rand des Weltenspielbretts gesetzt haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e07366a39532d3a60b754b0a8600de8\">Der Junge lehnte sich auf Farbenspiels Hals und verschr\u00e4nkte die H\u00e4nde unter dem Kinn. Nachdenklich schaute er nach S\u00fcden, wo hinter den H\u00fcgeln die Einsamkeit begann. Von dort erschien jeden Morgen Patagh\u00edus Glanz, des Abends eilte ihm Nokt\u00e1ma nach. Das hatten sie schon getan, bevor Menschen das Weltenspiel betreten hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"a642d42ea6e461d1d98aaf0b6e4c5cf6\">\u201eWo ist Patagh\u00edu eigentlich nachts?&#8221;, fragte er. \u201eUnd was macht Nokt\u00e1ma tags\u00fcber? Ruhen sie sich vielleicht im Chaos aus?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f225d68c896e5a1d55c0d4da853b4eec\">\u201eSicher nicht. Nicht im Chaos. Die M\u00e4chte haben ihre eigene Dom\u00e4ne. Aber sie k\u00f6nnen unbeschadet das Chaos durchqueren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c5a810e25301500b7e6174c47549bf3e\">Advon setzte sich auf. \u201eWoher wei\u00dft du das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"90beadec447a1c8908bb3bc1ebf02f63\">\u201eWei\u00df das nicht jeder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0fc86460ad4294ff942986eded062bcd\">\u201eAls ich Sileda\u00fa einmal gefragt habe, sagte sie, ich solle nicht so t\u00f6richte Fragen stellen und meine Rechenaufgaben machen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b9cfb0637c1a168247f4f1dd7d544b1f\">Der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> antwortete nicht, aber Advon war \u00fcberzeugt davon, dass er unter seinem Helm grinste.<\/p>\n<p data-p-id=\"80d99a4df3b00bb81c903ef3d997acdf\">\u201eEines Tages werde ich das herausfinden&#8221;, beschloss Advon.<\/p>\n<p data-p-id=\"96959878ddd6cd7e07601a910c9174e9\">\u201eDas versuchen die <em>forscoray<\/em> schon seit Ewigkeiten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d3458a1239e16468ad52220e16530a5\">\u201eIch gucke nach.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f829fda72423a30550e824ad9b8e18ec\">\u201eDu kommst auch nicht n\u00e4her heran als die mutigen Abenteurer, Advon Ir\u00edsolor. Drei Tagesritte s\u00fcdw\u00e4rts ist die Luft so hei\u00df, dass sie sich nicht mehr atmen l\u00e4sst, und der Sand wird darunter zu Glas.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"81d7ba052f5c78433ff44d44645e41d3\">\u201eMan k\u00f6nnte einen Tunnel graben&#8221;, sinnierte das Kind. \u201eWie ein Maulwurf, unter der Hitze durch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6e8a76da540edcea004d279faffce54a\">\u201eNun lass doch die W\u00fcste sein. Wolltest du nicht die Stadt anschauen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f286842f10834ce80d43e59a172bd155\">Advon setzte sich wieder auf und blickte nach vorn. Sie n\u00e4herten sich den wei\u00dfen Stadtmauern von Aur\u00f3p\u00e9a in der Ebene westlich des Ciel\u00e1stel. Der Weg von der Burg dorthin war nicht allzu weit; ein Reiter konnte die Distanz im Schritt zwischen zwei Gongschl\u00e4gen bew\u00e4ltigen. Hier, vom Erdboden aus, wirkte die gro\u00dfe Stadt allerdings ganz anders als vom Turm aus betrachtet. Sie hielten auf einen m\u00e4chtigen Mauerring zu, dessen Zinnen nochmals mit verschn\u00f6rkeltem Zierrat aus Gold gekr\u00f6nt waren. Innerhalb der Mauern erhob sich mittig der H\u00fcgel, auf dem die bunten Villen der vornehmen Stadtbewohner in den G\u00e4rten standen. Die Kuppe mit dem kreisrunden Palast des <em>konsej<\/em> in der Mitte war ebenfalls mit filigranen, goldenen Aufbauten geschm\u00fcckt. Advon kniff die Augen zusammen und lie\u00df seinen Blick verschwimmen. Nun sah Aur\u00f3p\u00e9a aus wie eine flache Zuckertorte mit einem erhabenen Mittelteil.<\/p>\n<p data-p-id=\"10b1b9a056cc92cd7d1c2b1685a79bcf\">Auf der Stra\u00dfe, die sie bisher benutzt hatten, war wenig los gewesen, da Unkundige keinen Grund hatten, zum Ciel\u00e1stel zu gehen. Nur ein paar Reisende waren ihnen begegnet, die Ziele weiter \u00f6stlich am Rand von Soldes\u00e9r ansteuerten. Doch je n\u00e4her sie der Stadt kamen, desto belebter wurde die Gegend. Ein gesch\u00e4ftiges Treiben von Leuten zu Fu\u00df, mit Kutschen, Karren und Lasttieren bewegte sich um die Mauern herum. Advon sch\u00e4tzte, dass ein Gro\u00dfteil der Stadtbewohner hier auf den sandigen Wiesen und zwischen den knorrigen B\u00e4umen unterwegs war. Ein Teil der Leute, das konnte Advon beobachten, als sie sich nordw\u00e4rts in den Strom der Menschen einreihten, l\u00f6ste sich aus dem Reigen um die Stadt und zog auf der breiten Stra\u00dfe weiter in Richtung des Montaz\u00edel. Aus der Gegenrichtung stie\u00dfen daf\u00fcr andere wieder dazu, sodass die Menge insgesamt konstant blieb.<\/p>\n<p data-p-id=\"e6b9b7ebbc5fd493197e494e93d60807\">\u201eWas machen die hier alle?&#8221;, fragte Advon und staunte mit gro\u00dfen Augen \u00fcber all die vielen Unkundigen, ihre Tiere und das Zeug, das sie mit sich schleppten, \u00fcber das laute Rufen und L\u00e4rmen ringsum, die Ger\u00e4usche und Ger\u00fcche, die auf ihn einstr\u00f6mten. Hier und da hatten Unkundige ihre Karren zu Verkaufsbuden umgebaut und hielten Erfrischungen und kleine Speisen feil.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f8666779b568a5ccb14817322e83dcd\">\u201eDie meisten nehmen wahrscheinlich einfach den Weg um die Stadt herum. Je nachdem, wohin sie wollen, sind sie damit sicher schneller als auf direkter Strecke durch die engen Gassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ed5d653a5c51ebac35dc6508d3e38f07\">Advon genoss den Ausflug. Die Unkundigen, die ihrer ansichtig wurden, schienen \u00fcber die Anwesenheit des Regenbogenritters auf seinem zitronengelben Einhorn zwar \u00fcberrascht, aber wenig daran interessiert zu sein. Niemand sprach sie an oder verstellte ihnen den Weg.<\/p>\n<p data-p-id=\"4c05e65f96c34da6b4c9794626bafae0\">Von vielen Kindern, die unter den um die Mauern wandernden Leuten gingen, fing Advon hingegen so manchen staunenden und auch einige begehrliche Blicke auf. Sicher beneideten sie ihn, der er auf dem jungen Einhornhengst mit dem auff\u00e4llig schimmerndern Fell und Gefieder sa\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"a8be4728d0532b111519be7866b03dda\">F\u00fcr Farbenspiel war dieser Ausritt eine gute \u00dcbung, befand Advon. Das Tier bewegte sich selten in der N\u00e4he von gr\u00f6\u00dferen Menschenmengen. Dazu gab es genaugenommen auch keinen Anlass, aber es konnte nicht schaden, wenn der halbstarke Hengst lernte, dass von den gesch\u00e4ftigen und lauten Menschen keine Gefahr ausging. Nicht auszudenken, wenn ein Einhorn scheute und Leute niedertrat.<\/p>\n<p data-p-id=\"31edf7d34049ccff6ab078135a087e90\">Aber Farbenspiel war alles andere als nerv\u00f6s. Zwar blieb er hin und wieder stehen und lie\u00df sich erst fortbewegen, als der Gelbe energisch an seinen Z\u00fcgeln ruckte. Aber Advon wusste, dass sein Reittier keineswegs \u00e4ngstlich oder st\u00f6rrisch war. Die Ohren mit den zarten Fellspitzen bewegten sich angeregt und der Junge h\u00f6rte Farbenspiel leise grollen und schnaufen. Immer, wenn er stehen blieb, reckte sich der schillernde Hals einem verlockenden Geruch entgegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bea5376b43bb91021b5dbd88e2465480\">\u201eIch glaube, Farbenspiel hat Hunger&#8221;, sagte Advon.<\/p>\n<p data-p-id=\"9573596744c2bea6431c8e732e925609\">\u201eUnm\u00f6glich. Er war den ganzen Vormittag auf einer fetten Weide. Der muss so satt sein, dass kein H\u00e4lmchen mehr hinein passt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6ce57cd7e3da50ba92245672eb6b5aa6\">\u201eJa, aber da hinten riecht es nach frischem warmen Honigkuchen. Deshalb ist er so bockig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0580dd590de5ea743db01849822c1f5b\">Der Gelbe wendete, um Advon besser ansehen zu k\u00f6nnen. \u201eHonigkuchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6327fbda1243ef1c5481b1613b0b7c7a\">\u201eNa ja, er mag Geb\u00e4ck.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9fa3598a61987fd12ef4530d4fbd75ef\">\u201eDas tut er nur, weil <em>jemand<\/em> ihm verbotenerweise auf den Geschmack gebracht hat, denke ich&#8221;, tadelte der Ritter.<\/p>\n<p data-p-id=\"49b80a63645f61fc815a7f140c5f018a\">\u201eDarf ihm denn <em>jemand<\/em> die Freude machen und ein St\u00fcck Kuchen kaufen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"686919099e559533371f553b37d30ace\">\u201eHast du Geld bei dir?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5fb8c2fd4e2dfff8d270d37054c3283b\">\u201eJa, nat\u00fcrlich. Mama sagt, ich soll immer ein paar M\u00fcnzen mitnehmen. Sie meint, man wei\u00df nie, wof\u00fcr es gut sein kann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9314a0add5a42c3462e369a46e0b3d96\">Der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> seufzte. Dann stieg er ab, hob Advon von Farbenspiels R\u00fccken und griff beide Einh\u00f6rner am Z\u00fcgel. \u201eDann lauf. Ich warte hier auf dich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bacebc25019b08d771d5d5d87152ef87\">\u201eGanz allein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"834583eda0a397c18091406808c51fd1\">\u201eNat\u00fcrlich. Jemand muss die Tiere festhalten. Aber keine Sorge, ich behalte dich im Auge. Ich will nicht, dass du mir verloren gehst. Vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, wenn du dich im Umgang mit Unkundigen \u00fcbst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5bb271c0ba5c796750de49341df37a71\">Diese Bemerkung, obwohl mit Sicherheit nicht b\u00f6se gemeint, versetzte Advon einen kleinen Stich. Nun, der Gelbe hatte Recht. Er w\u00fcrde einmal mehr mit den Unkundigen zu tun haben als mit den Magiern. Vielleicht w\u00fcrde er nicht dazu taugen, die Stadt und die Unkundigen gegen Gefahr aus dem Chaos zu verteidigen. M\u00f6glicherweise w\u00fcrde er ein ganz anderes Handwerk erlernen m\u00fcssen. Vielleicht konnte er B\u00e4cker werden, dachte Advon, als er sich zu Fu\u00df in die Menschenmenge wagte und seiner Nase folgte, immer dem Kuchengeruch nach.<\/p>\n<p data-p-id=\"53127fcd1b2ed78449f53da2df77dc33\">Dessen Quelle war schnell gefunden. Eine \u00e4ltere, dralle Frau mit einer adretten wei\u00dfen Sch\u00fcrze stand neben einem Karren gerade neben einem der Stadttore und verkaufte geschnittenen Kuchen, den sie auf zurechtgeschnittenen Feigenbl\u00e4ttern ihren Kunden aush\u00e4ndigte. Offenbar war ihre Ware von ausgezeichneter Qualit\u00e4t, denn es hatte sich eine Schlange vor ihrem Verkaufsstand gebildet. Das lag einerseits daran, dass wohl viele Leute von ihrem Honigkuchen kaufen wollten, aber auch daran, dass die Frau mit jedem ein munteres Schw\u00e4tzchen f\u00fchrte, w\u00e4hrend sie Portionen zurechtschnitt. Advon hatte es nicht eilig und stellte sich an.<\/p>\n<p data-p-id=\"ce091c585c044f52e35df51eb96799a2\">W\u00e4hrend er wartete und dabei neugierig das Treiben ringsum anschaute, schnappte er Fetzen des Gespr\u00e4chs auf, das zwei Frauen f\u00fchrten, die vor ihm warteten. Die eine hatte ein Wiegenkind in einem Tragtuch auf dem R\u00fccken bei sich, das sich zu langweilen schien. Es glotzte mit unbewegter Miene zu Advon herab. Der Junge erwiderte den Blick einen Moment. Eigentlich war es schade, dass er keine Geschwister hatte, dachte er. Ob es wohl sch\u00f6n war, mit anderen Kindern zusammen zu sein und spielen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p data-p-id=\"286b14aac31d02ab2f59fd6a0de61d6a\">Er zog eine lustige Grimasse, um das kleine Kind aufzuheitern. Doch das Kleine war nicht am\u00fcsiert. Es wandte sich ab.<\/p>\n<p data-p-id=\"128c7d870a17f3d41762fc621624a923\">\u201e&#8230; einfach verschwunden, ganz ohne Grund&#8221;, erz\u00e4hlte in diesem Moment die Gespr\u00e4chspartnerin der Mutter. Ein junges M\u00e4dchen war es, in einer schlichten Gewandung, die allerdings aus erlesenem Stoff gefertigt war. \u201eOh, der arme <em>sinor<\/em> war so aufgebracht und traurig deswegen. Die Figuren waren ihm fast das Liebste von all seinen Reicht\u00fcmern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c0c2b7b117c1adb7908d25e7dc3a064f\">\u201eKaum zu fassen&#8221;, entgegnete die Frau mit dem Kindlein. \u201eDa besitzt er gef\u00fchlt die H\u00e4lfte der L\u00e4ndereien vor der Stadt, und dann trauert er einem alten Brettspiel nach.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ecd8a9f41cf6185f6dd174e562e4c5f5\">\u201eNun ja&#8221;, tratschte die andere, \u201ees war tats\u00e4chlich ein sehr kostbares Brettspiel. Aber ich glaube, da h\u00e4ngen ganz andere Werte dran.&#8221; Sie neigte sich vor und fl\u00fcsterte: \u201eIch hab geh\u00f6rt, er hat es von einer bekommen, die <em>fast <\/em>seine <em>h\u00fdardora<\/em> geworden w\u00e4re, vor ewigen Zeiten!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"01c451b3d6a1095d5ba9cbad935328d0\">\u201eAch nein! Der alte Sah\u00e1al\u00edr und eine <em>Frau<\/em>? Nicht zu fassen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8c981dafdec9db444e0e41d93dd3eef6\">\u201eEben! Und darum ist es so schlimm. Dieser <em>b\u00e1chorkor<\/em> muss ein ganz verkommener Lump sein! Hat sich den Abend aushalten lassen, dann lange Finger gemacht und ist klammheimlich verschwunden. Komisch nur, dass ihn niemand gesehen hat &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"628731393066b0fc7481f3fb92906716\">\u201eGanz sicher, dass es dieser <em>b\u00e1chorkor<\/em> war?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d7049cff81cb4d8f431c24b0cae8bfc0\">\u201eKein Zweifel. Sah\u00e1al\u00edr hat das ganze Haus umkrempeln lassen, und von uns anderen war niemand abwesend. Es muss so sein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7918ace3a4bbd0a05d5bade9c3b56258\">\u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte geben, dass man den Schurken dingfest macht!&#8221;, grollte die Mutter. \u201e\u00daldaise sei gedankt f\u00fcr seine Gerechtigkeit. Der Kerl wird sich wundern, wenn er sich in der W\u00fcste wiederfindet &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2992aa8ae1d29eb5dd069f7fd1d21789\">\u201eWas ist denn in der W\u00fcste?&#8221;, fragte Advon, bevor er sich besinnen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"7c396bbacb4a237d2528a88d05822268\">Nun wurden die Frauen auf ihn aufmerksam. Die Mutter schien ein unwirsches Wort auf den Lippen zu haben, aber sein Anblick lie\u00df sie stutzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1e33c2d17a926b4f73bf38b8bf9d4a97\">\u201eWer bist du denn?&#8221;, fragte die andere und neigte sich zu ihm hinab. \u201eWas machst du hier au\u00dferhalb der Oberstadt, Kind?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88fa9f3f97bcf672f63c09136d99d2f2\">Oberstadt? Warum sollte er in der Oberstadt sein?<\/p>\n<p data-p-id=\"027ebf2a6c0231b993198debc782b0af\">\u201eKuchen kaufen&#8221;, antwortete er bedacht. Wenn es hier die Gelegenheit gab, mehr \u00fcber die W\u00fcste zu erfahren, durfte er die beiden nun nicht mit einer unvorsichtigen Rede verschrecken.<\/p>\n<p data-p-id=\"55e0185aa6a517bb890e720543a4cf61\">\u201eGanz allein? Wo sind denn deine Diener?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"db0760ea636e9e37123e73ab135d4245\">Diener? Advon stutzte, dann begriff er. Offenbar war seine goldbestickte Alltagsgewandung aus schneewei\u00dfem Leinen, mit kunstreich gefertigten Borten und bunt glitzernden Glassteinchen verziert, so vornehm, dass sie ihn mindestens f\u00fcr einen <em>yarlandor<\/em> hielten.<\/p>\n<p data-p-id=\"4e5a07c5053579a1131ea0ea8cb84873\">\u201eIrgendwo da hinten&#8221;, behauptete er dann, mehr oder weniger wahrheitsgem\u00e4\u00df. \u201eDie kommen gleich nach.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1daa7c9910dc764edd0a8bd2abfd71f0\">\u201eIch hab dich noch nie gesehen&#8221;, sagte das M\u00e4dchen misstrauisch. \u201eUnd ich arbeite in der Villa des ehrw\u00fcrdigen <em>sinor<\/em> Sah\u00e1al\u00edr. Ich kenne die ganze Oberstadt. Zu welcher Familie geh\u00f6rst du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e7da76551f271ec472cd4d698fda82d\">\u201eWir sind nicht von hier. Und wir &#8230; wir bleiben auch nicht lange. Ich will nur ein St\u00fcck Kuchen f\u00fcr &#8230; als Wegzehrung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9cd5fbebfa221cdd99336f9b82b976d4\">\u201eSollte das nicht dein Diener f\u00fcr dich erledigen?&#8221; Die Mutter schien nicht ganz \u00fcberzeugt von dieser Geschichte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e825f9b1282fa7363b0bd8bfc44ec1ce\">\u201eDer &#8230; ach, der w\u00fcrde eine ganz falsche Sorte mitbringen. Da mach ich das lieber allein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"54b252d6f052f91893a9659c2a92d4ae\">\u201eSollen wir dich nicht besser zu deinen Leuten zur\u00fcckbringen?&#8221;, fragte das M\u00e4dchen. \u201eEs ist gef\u00e4hrlich hier!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4af900ea34462be98efbe2e91d9ee41b\">\u201eNicht n\u00f6tig. Sie stehen ja gleich dort dr\u00fcben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6e81dd4149bcfdc32c47082de4678a18\">\u201eWo?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ecd0f467ac61fadf2c82cc23e4afade2\">Advon schaute sich nerv\u00f6s um. Ganz in der N\u00e4he lungerten zwei gro\u00dfe, muskul\u00f6se M\u00e4nner in schlichten Dienergew\u00e4ndern herum. Sie schienen auf etwas zu warten, blickten suchend \u00fcber die Menge hinweg. \u201eDa hinten&#8221;, sagte er und deutete so fl\u00fcchtig unbestimmt in diese Richtung, dass er damit so ziemlich jeden h\u00e4tte meinen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d86e41b1a2076ec76591e085afe178b1\">Im selben Moment jedoch war das M\u00e4dchen, die Magd des <em>sinor<\/em> an der Reihe. Abgelenkt wandte sie sich der B\u00e4ckerin zu und begann, von einem Notizzettel ihre W\u00fcnsche abzulesen. Die Mutter jedoch folgte seinem Fingerzeig. Ihr Blick verfinsterte sich kurz.<\/p>\n<p data-p-id=\"d142482eceb661efaf383f39f2cc70a3\">\u201eDann seid Ihr hier in Aur\u00f3p\u00e9a G\u00e4ste von <em>sinor<\/em> \u00daldaise?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"33f32b3c6426bc55384ee57ac671899f\">Den Namen hatte er doch gerade schon einmal geh\u00f6rt? Advon zuckte unverbindlich die Schultern. \u201eKeine Ahnung&#8221;, sagte er. \u201eIch bin nur mit meinem &#8230; meinem <em>mestar<\/em> auf der Durchreise.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9cf02ca109e49105fdc637613f7bfbfc\">Die Mutter mit dem Kind schien sich damit nicht zufrieden zu geben. Advon wurde bewusst, dass er sich mit seiner Neugier in eine heikle Situation gebracht hatte. Es hatte gar keinen Grund gegeben, nicht die Wahrheit zu sagen und sich zu erkennen zu geben. Wie war er nur in dieses Missverst\u00e4ndnis hineingeraten?<\/p>\n<p data-p-id=\"8bbf56318ed9302e83309f2d135b55c7\">Die Magd hatte ihren Korb mit Kuchen und Keksen gef\u00fcllt und trat einen Schritt zur\u00fcck, um der Mutter Platz zu machen. Die kaufte lediglich ein kleines St\u00fcck ein und war entsprechend schnell fertig. Ungl\u00fccklicherweise machten beide jedoch keine Anstalten, sich mit ihren Eink\u00e4ufen zu entfernen.<\/p>\n<p data-p-id=\"502de2805eac3d2bdb2757e0b4deec52\">\u201eUnd was m\u00f6chtest du?&#8221;, erkundigte sich die freundliche B\u00e4ckerin.<\/p>\n<p data-p-id=\"ffc91cb829fadb01577020788472ea1d\">\u201eHast du Honigkekse?&#8221;, fragte Advon. \u201eIch h\u00e4tte gerne einen &#8230; nein, zwei.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8dbb86714b2c2687420fca2920ce9484\">Die B\u00e4ckerin legte ihm l\u00e4chelnd das gew\u00fcnschte auf ein Feigenblatt. Advon dankte und reichte ihr eine seiner M\u00fcnzen hin\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"0ef68e3fe854c8e2dcc0b9388043e921\">\u201eAber Junge! Das ist viel zu viel! Das kann ich nicht wechseln!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"60c51e4c5913e6cab31dc8b82f2aa8f6\">Advon schaute verwirrt auf die Kekse in seiner Hand. \u201eDas war die geringste M\u00fcnze, die ich bei mir habe&#8221;, entschuldigte er sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"3da23b1f642fa1f5e3aae89e3640a7ae\">\u201eJetzt h\u00f6r dir das an&#8221;, lachte die Mutter. Sogar das Wiegenkind gluckste. \u201eDa schicken sie schon kleine Kinder mit Goldm\u00fcnzen los.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d68f50001837bd83b3242cda188605b7\">\u201eDann behalte doch einfach den Rest&#8221;, schlug Advon vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"230b9867088ddb50ec3346f364ec69a9\">\u201eKommt nicht infrage, Kleiner&#8221;, sagte die B\u00e4ckerin gutm\u00fctig. \u201eIch w\u00fcrde doch kein Kind begaunern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a3371c2639bc6f74778a375e26440c7a\">\u201eDann &#8230; dann gib mir einfach so viel, wie ich f\u00fcr die M\u00fcnze bekomme.&#8221; Irgendwo, so dachte Advon, w\u00fcrde er den Rest des Geb\u00e4cks schon loswerden.<\/p>\n<p data-p-id=\"432332bdfa9098c56569918553616ee0\">\u201eWenn das die geringste M\u00fcnze war, \u201elie\u00df sich der Mann vernehmen, der hinter Advon in der Schlange anstand&#8221;, dann w\u00fcsste ich gern, was der Kleine sonst noch in seinen Taschen hat!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6cc9c2260c33f53b4e960dd38b9e15d3\">\u201eStill!&#8221;, zischte die Mutter. \u201eSeine Leute sind G\u00e4ste von \u00daldaise!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e549c9283d2b2820131478b64f483010\">Der Mann erbleichte und zog sich einen Schritt zur\u00fcck. Beschwichtigend hob er beide H\u00e4nde. Ein nerv\u00f6ses Grinsen versteinerte sein err\u00f6tendes Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"d24452dbbb1fb92dafb05715638a6632\">\u201eG\u00e4ste von \u00daldaise?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1c79425eafa161d24e68831d66d13f0a\">\u201eJa. Er sagt, er sei mit dessen Knechten unterwegs.&#8221; Die Mutter deutete zu den beiden Muskelm\u00e4nnern hin\u00fcber, die immer noch gelangweilt ihre Blicke \u00fcber die Menge schweifen lie\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec640a91ab9f2c3ac0d67a7816077aab\">\u201e\u00daldaise hat G\u00e4ste? Davon wei\u00df ich ja gar nichts!&#8221;, emp\u00f6rte sich die Magd, die wohl sonst \u00fcber alles Wichtige in Aur\u00f3p\u00e9a informiert war.<\/p>\n<p data-p-id=\"6cffe7a0df7df00964ea1f4cf6d86f86\">\u201eWir bleiben nicht \u00fcber Nacht&#8221;, sagte Advon, dem die Situation immer unangenehmer wurde. Einerseits w\u00fcnschte er sich, der Gelbe w\u00fcrde kommen und ihn aus seiner misslichen Lage erl\u00f6sen. Aber m\u00f6glicherweise w\u00fcrde das dann noch mehr Aufsehen erregen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d423eefdf9c46ba9ba577993a7d3dc7\">\u201eWie geht es denn nun weiter mit deinem Einkauf, junger Herr? Deine M\u00fcnze ist weit mehr wert als meine gesamte verbliebene Ware.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55774475115db7affa27a607867ccb9a\">Die B\u00e4ckerin wartete auf eine Antwort. Advon schaute sich nerv\u00f6s um. Der Gelbe war nicht zu sehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"cc6185f88a3076176b09cae89e513e4d\">\u201eGib mir alles, was hineinpasst, in einen Korb&#8221;, entschied er. \u201eDen Rest von der Ware gibst du &#8230; ja, allen, die jetzt hier im Moment stehen, jedem das, was er ohnehin haben wollte. Und wenn dann noch was \u00fcbrig bleibt &#8230; schenkst du jedem Kind, das hier, vorbeikommt etwas. Und was dann immer noch an Geld \u00fcbersteht &#8230; das ist f\u00fcr dich, wenn du es so machst, wie ich es sage. Ja?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0db67762ff1fca31271e2048e4a2dc73\">\u201eDas ist &#8230; gro\u00dfz\u00fcgig&#8221;, sagte die B\u00e4ckerin verbl\u00fcfft.<\/p>\n<p data-p-id=\"6cdeb0a60e4a0bd46bbabcbdbaee69fd\">\u201eIhr seid wohl aus For\u00e9tern, stimmt&#8217;s?&#8221;, fragte der Mann, der gerade noch unverhohlen Interesse an Advons Geldbeutel gezeigt hatte. &#8220;Wo die Reichsten der Reichen wohnen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"da2fe520245dea6ac088ebaf4e726394\">\u201eDas darf niemand weitersagen&#8221;, sagte Advon so verschw\u00f6rerisch und unbestimmt, wie es nur m\u00f6glich war. Es schien gut zu gehen. Alle Umstehenden nickten dem Kind eifrig zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ada3f7aa82083bdebab112535047761\">Kurz darauf hatte Advon einen Henkelkorb, randvoll mit Kuchen und Keksen in der Hand, Mengen, die er nie im Leben so schnell verzehren konnte, selbst wenn Farbenspiel ihm dabei half. Aber seine Vorstellung war noch nicht zu Ende. Nun musste er den Leuten noch glaubhaft machen, dass die beiden Kraftmenschen zu ihm geh\u00f6rten, die da immer noch in der Menge warteten, als habe man sie versetzt. Forschen Schrittes ging er hin.<\/p>\n<p data-p-id=\"eb191aa4b65fe85e16b6e61b5d15a725\">\u201eHallo&#8221;, sagte der Junge und setzte seinen Korb vor ihnen ab. \u201eK\u00f6nnt ihr mir wohl einen Gefallen tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f79a1846349f0a87a872e0215b00dfa4\">Die zwei hatten nicht bemerkt, wie er zielstrebig auf sie zugesteuert war und schauten verbl\u00fcfft zu ihm hinab. Dass ein Kind sie ansprach, kam wohl nicht allzu oft vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"66deb088091a70096f4fe5c088160850\">\u201eWas willst&#8217;e, Kleiner?&#8221;, fragte der eine. \u201eWir haben keine Zeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c435b5c384fe6e8aaf9bdfe508c514c0\">\u201eAber ihr steht doch nur hier herum.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bcdcd3a3d2e427e86fa53c3c06ddd48e\">\u201eWir warten auf unseren Herrn.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"14c5c2fc61f6b2a3fa95b42e82a582e3\">\u201eDen <em>sinor<\/em> \u00daldaise?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cfd203c38df6ecb409b236db20e10bf8\">Nun hatte er die Aufmerksamkeit der beiden.<\/p>\n<p data-p-id=\"b38641beb8f2af54aa4cfda9b48daf0f\">\u201eDu kennst \u00daldaise?&#8221;, fragte der eine erstaunt.<\/p>\n<p data-p-id=\"dbd7b00e9db6ab394f355c98995eea69\">\u201eNein, ich hab nur von ihm geh\u00f6rt. Schaut mal, ich hab hier einen Korb voller Kuchen. Der ist f\u00fcr euch, wenn ihr mir einen Gefallen tut. Es ist gar kein Aufwand.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"98f6903421e900b5f4842ba33524b674\">\u201eKuchen?&#8221; Schon bei diesem kurzen Wort h\u00f6rte man, dass dem ersten das Wasser im Mund zusammenlief.<\/p>\n<p data-p-id=\"cea79456a2254f271165a40b2ac44b24\">\u201eWas sollen wir machen, Kleiner?&#8221;, erkundigte der andere sich etwas redegewandter. Advon winkte den beiden, sich zu ihm hinab zu beugen, damit er fl\u00fcstern konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f5be5a09f25ca09a647a7db156b1623\">\u201eEs k\u00f6nnte sein, dass euch jemand wegen mir anspricht&#8221;, fl\u00fcsterte er. \u201eWenn das geschieht, sagt einfach, der kleine Junge aus For\u00e9tern und sein <em>mestar<\/em> w\u00e4ren schon wieder weitergezogen und nur ganz kurz in Aur\u00f3p\u00e9a zu Besuch gewesen. Mehr dar\u00fcber wisst ihr nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cc12d5c2943310e7f63479459332dbf2\">\u201eWas f\u00fcr&#8217;n kleiner Junge aus For\u00e9tern?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a39ecfc60c81e4aaf66ce13305ea45e\">\u201eEiner, der ungef\u00e4hr so aussieht wie ich und euch Kuchen gebracht hat. Mehr m\u00fcsst ihr nicht wissen. Je mehr ihr sagt, desto komplizierter wird es.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7b9187dcc4decc98be877ec813403954\">Der andere grinste. \u201eHast wohl was ausgefressen, was?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8f951d37fba057a4226fb835169ed2c8\">\u201eJa, das f\u00fcrchte ich auch.&#8221; Advon \u00f6ffnete den Korb und nahm sich vier Honigkekse heraus. Die beiden machten die H\u00e4lse lang, um die K\u00f6stlichkeiten sehen zu k\u00f6nnen. \u201eDie hier muss ich behalten. Der Rest ist f\u00fcr Euch. Und denkt dran: Ich bin mit meinem <em>mestar<\/em> unterwegs.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3be1e60f437dc038b76bce88d612ba29\">\u201eKannst dich auf uns verlassen, junger Herr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1155246e6d3cc37de211daa83b807506\">Advon verneigte sich erfreut und wollte sich mit seinen Keksen entfernen.<\/p>\n<p data-p-id=\"acb68ce6aaf4d019419c4931fc276156\">\u201eHier steckt ihr!&#8221;, rief eine herrische Stimme. \u201eS\u00fcdtor, hatte ich gesagt! Wisst ihr Schwachk\u00f6pfe nicht, wo S\u00fcden ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6c25b947187338fbbc11f1e76d283102\">Die beiden Muskelm\u00e4nner zuckten ertappt zusammen. Ein alter Mann mit h\u00e4matitgrauen, vornehmen Gew\u00e4ndern lenkte sein Pferd, einen feingliedrigen Grauschimmel, zu ihnen. Der Sattel sah aus wie eine Mischung aus einem Lehnstuhl und einem dicken Kissen. Aber der Reiter war erstaunlich beh\u00e4nde, ungeachtet seines Alters. Advon hatte nie zuvor ein derart verrunzeltes Menschengesicht gesehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"40ccd8b43537ae73671bb6232539d499\">Links und rechts von dem Alten gingen Passanten auf respektvollen Abstand und verneigten sich tief, schienen es aber ansonsten sehr eilig zu haben, nicht an der Stelle stehen zu bleiben.<\/p>\n<p data-p-id=\"e3643e2a09430a577d532348a39fabcb\">\u201eDa, nimm das!&#8221;, fauchte der Greis und warf dem etwas gespr\u00e4chigeren der beiden M\u00e4nner einen Beutel zu. \u201eWir haben zu &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f108e9e7ed93e1af55f802326ce95378\">Er unterbrach sich. Der alte Mann hatte Advon mit den Keksen in der Hand entdeckt und schaute mit einer Verbl\u00fcffung auf ihn hinab, die der Junge sich nicht erkl\u00e4ren konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b45574d90214624f2741d6b8846e3bc0\">Advon verneigte sich h\u00f6flich. Offensichtlich war das hier <em>sinor<\/em> \u00daldaise, der, den die Leute f\u00fcr seine Strenge priesen und bei denen zugleich schon die Erw\u00e4hnung seines Namens f\u00fcr Unbehagen zu sorgen schien. Als er wieder aufblickte, hatte \u00daldaise sein Pferd gewendet und ritt damit fort, nach S\u00fcden, weg von den Stadtmauern, in Richtung der H\u00fcgel. Er hatte es eilig, kaum, dass seine Knechte ihm folgen konnten. Der, der den Korb trug, fand dennoch den Mut, sich heimlich einen Keks herauszunehmen und eilig in den Mund zu stopfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d6e133baa05cc5be5def973eaee169d3\">Der Junge schaute dem seltsamen Trio nach. Dann tauchte er wieder in der Menge unter und beeilte sich, zu dem Gelben und den Reittieren zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p data-p-id=\"94f85c1b48a50dccf00e48b42c1c446c\">Als er sich den Einh\u00f6rnern n\u00e4herte, fand er den Regenbogenritter im Gespr\u00e4ch mit mehreren Bewaffneten. Stadtw\u00e4chter waren es, ganz offensichtlich, in ihren wei\u00df-goldenen Dienstgew\u00e4ndern. Der Anf\u00fchrer des f\u00fcnfk\u00f6pfigen Trupps schien ungehalten zu sein. Die Miene des Ritters war unter seinem Helm verborgen, aber seine Haltung zeugte von k\u00fchler Verachtung.<\/p>\n<p data-p-id=\"35f924746e1560161eae16b65c1683e7\">\u201e<em>F\u00fcnfundsiebzig<\/em>?&#8221;, fragte er gerade, als habe er nicht richtig geh\u00f6rt. \u201eIn nur drei Monden? Und alle wegen Mordes?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1383167d942092eaafdbb98c867dd041\">\u201eEin paar Raubtaten waren dabei. Und ein ganz gerissener Betr\u00fcger.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ffb6f2f937e2f33d44e8e8ff24616d73\">\u201eMir scheint, die Stadt l\u00e4uft Euch etwas aus dem Ruder.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0db98bda73077f3bd1702ceb97535031\">\u201eWir kommen zurecht&#8221;, sagte der Wachanf\u00fchrer. \u201eUnd Euch geht es nichts an. Eigentlich h\u00e4tte ich Euch Eure Frage gar nicht beantworten m\u00fcssen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"37891a4d829a232cd7f4afede6952b5c\">\u201eIch danke Euch, dass ihr es dennoch getan habt. Die Gro\u00dfmeisterin ist &#8230; besorgt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d4332c1166f77a5b4bd9042e468d3704\">\u201eIhr habt Euch nicht in die Gesch\u00e4fte Aur\u00f3p\u00e9as einzumischen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"07d8d775979fc02abd289c340264140b\">\u201eWir mischen uns nicht ein. Aber ihr treibt es so, dass wir nicht umhin kommen, es zu bemerken und dar\u00fcber nachzudenken. Ihr &#8230; da kommt er.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"61a6b31be9096616ab18d6507dea8c95\">Advon hatte sich z\u00f6gerlich gen\u00e4hert und blickte fragend von einem zum n\u00e4chsten. Die Stadtw\u00e4chter schauten ihn an. Bemerkenswert war, wie sie alle es fertig brachten, einen harmlosen Ausdruck auf ihre Gesichter zu zwingen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3cc3a2616d65b36ff7ade677f44d54e8\">\u201eStimmt etwas nicht?&#8221;, erkundigte er sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d34ae289966092185d77030bed92aff\">\u201eEs ist alles in Ordnung, Advon. Steig auf. Wir reiten weiter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83bbc9c90d807d0fb63a397ed5294948\">\u201eKomm, Farbenspiel. Lass mich rauf.&#8221; Advon reichte dem Einhorn einen der Kekse und hielt den anderen dem Reittier des Ritters hin, der so abgelenkt von den Menschen war, dass er es nicht verbot.<\/p>\n<p data-p-id=\"9d60a5b3fefc2f95b15ec46a513a8d95\">Farbenspiel wusste, was von ihm erwartet wurde. Er legte sich nieder, damit Advon aufsitzen konnte und wuchtete sich wieder empor, kaum, dass der Junge sa\u00df. Ohne ein weiteres Wort oder einen Gru\u00df trabte der Regenbogenritter davon und lie\u00df die Stadtwachen stehen. Farbenspiel folgte ihm am Z\u00fcgel und kaute gl\u00fccklich.<\/p>\n<p data-p-id=\"b36d3582bcbf80b240662da6c6e604e7\">\u201eWas war da los?&#8221;, wollte Advon wissen, einerseits froh dar\u00fcber, dass der Ritter keine Fragen \u00fcber seinen Einkaufsausflug stellte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8e195b1f1e608bc932c6daa1c11b549a\">\u201eNichts weiter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6fdd1bf4b62cd0187140938ffeb8ecb9\">\u201eDu hast dich nach den Leuten erkundigt, die sie in die W\u00fcste schicken, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d5c3d64da955d18f1db3b290e9dde1c\">\u201eDie Gelegenheit ergab sich. Sie fragten mich, was ich vor Aur\u00f3p\u00e9a zu suchen hatte. Ich fragte sie, was sie hier treiben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"62675081b7abd35ba820b1ea8b347613\">\u201eUnd?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6b9b7a1fda293c291d39c2480a39ca0a\">\u201eDar\u00fcber, Advon Ir\u00edsolor, m\u00f6chte ich zuerst mit deinem Vater sprechen. Es wird Zeit, dass er heimkehrt.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2482","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2482","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2482"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2482\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3739,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2482\/revisions\/3739"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2482"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2482"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2482"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}