{"id":2481,"date":"2025-08-25T12:10:53","date_gmt":"2025-08-25T10:10:53","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2481"},"modified":"2025-09-01T08:57:00","modified_gmt":"2025-09-01T06:57:00","slug":"036-knochen-und-silber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/036-knochen-und-silber\/","title":{"rendered":"036: Knochen und Silber"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"f22619b742209d7a8d803f675bb341e6\">Alsg\u00f6r Emberbey hatte sich urspr\u00fcnglich in das ihm zugewiesene Gastgemach zur\u00fcckziehen und die T\u00fcr hinter sich schlie\u00dfen wollen; eine Geste, die Wa\u00fdreth Althopian h\u00e4tte akzeptieren m\u00fcssen. Als er aber die Stube in dem angrenzenden Korridor erreichte, fand er den Raum verlassen vor. Sein Sohn hatte also ganz offensichtlich die Gelegenheit genutzt, sich aus dem Staub zu machen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2dc20b1fe0b6d9be3a356299a574ffbf\">Und da hatte Wa\u00fdreth Althopian ihn auch schon eingeholt.<\/p>\n<p data-p-id=\"71d57760ac4192b71c8b8e7b0ead908a\">\u201eAlsg\u00f6r&#8221;, zischte der j\u00fcngere Mann und legte die Hand auf die Schulter des alten <em>yarl<\/em>, \u201ejetzt kommt zur Vernunft!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"301479fa521c243674531bb9b1e290d5\">\u201eEs gibt hier keine Vernunft&#8221;, gab Emberbey w\u00fctend zur\u00fcck. \u201eEs gibt nicht einmal einen Ausweg!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0ddfa673bd561fab332f1a3b7d171d3b\">\u201eWollt Ihr den <em>teirand<\/em> br\u00fcskieren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4c1898730870fedffc4610b3b9982ae9\">\u201eAch!&#8221; \u00c4rgerlich sch\u00fcttelte Emberbey seine Hand ab. \u201eLasst mich in Ruhe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"444273a2dc781aad33788fa3e0734815\">\u201eBitte!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"93b2872193048075e8dd6e3f6726e7fc\">Emberbey stie\u00df Althopians Arm beiseite und funkelte seinen Standesgenossen w\u00fctend an. \u201ePackt Euch und Euren au\u00dfergew\u00f6hnlichen Sohn und lasst mich in Frieden den meinen suchen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"85667f354eb98c6592ccfe7b93b0b9e9\">Er wollte sich befreien und weitergehen. Althopian griff nach ihm, besann sich aber im letzten Moment darauf, den alten Ritter besser nicht bedr\u00e4ngen zu wollen. Also lie\u00df er von ihm ab und folgte ihm auf dem Fu\u00dfe. Aber weit kamen die beiden nicht. Am Durchgang zum Stiegenhaus hatte sich ein kleiner Menschenpulk gebildet, Schutzbefohlene aus Wijdlant, inklusive der jungen <em>yarlara<\/em> von Mor\u00e9aval und der <em>teiranda<\/em> pers\u00f6nlich, die gerade eben aus der Gegenrichtung hinzu kam, eine \u00e4ltere Hofdame im Schlepp. Die <em>opayra<\/em> der jungen <em>teirandanja<\/em>, wie die Herren sich erinnerten.<\/p>\n<p data-p-id=\"1b44ec8f823cc4837795cbb45503eabe\">Der alte <em>yarl<\/em> bez\u00e4hmte sich gerade noch rechtzeitig, sich seinen Weg durch die Gaffer zu bahnen, die er wohl selbst mit seinem Gezeter auf den Plan gerufen hatte. Da klangen auch schon die Schritte von Asga\u00fd von Spagor in seinen weichen, zivilen Lederschuhen hinter ihnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4f2f72cf02ddfaefb879d814f69b7da7\">Wa\u00fdreth Althopian blieb stehen und kniete dann artig vor der <em>teiranda<\/em> nieder. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant winkte ihm ungeduldig, sich wieder zu erheben. Emberbey senkte seinen Blick. Das alles war so peinlich!, war an seiner nach wie vor beunruhigend lebhaften Miene abzulesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1330efb93395c6e7e9544e3e78388827\">\u201eWas geht hier vor sich?&#8221;, fragte die <em>teiranda<\/em>. \u201eMan berichtet mir, hier sei ein ungeb\u00fchrlicher Streit ausgebrochen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc3be1689471f6b286e04f48aab2264c\">\u201eEine kleine Sache, die der Kl\u00e4rung bedarf, meine <em>teiranda<\/em>&#8220;, behauptete Asga\u00fd von Spagor beschwichtigend. \u201eWir waren alle ein klein wenig aufgebracht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d9c9b502ce318cdc3d3de26eac983777\">\u201eWie klein diese Sache ist, Majest\u00e4t, wird sich wohl noch zeigen&#8221;, sagte Althopian. \u201eIch bitte euch, lasst mich das zun\u00e4chst mit Emberbey ausmachen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"19c612f947afd9fa52fb8d369ad7625f\">Die <em>teiranda<\/em> wechselte einen fragenden Blick mit ihrem <em>h\u00fdardor<\/em>. Der zuckte vielsagend die Achseln und sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"c8c492b04095c84dd932c16fa34d37ae\">Alsg\u00f6r Emberbey schaute zu Boden. \u201eMajest\u00e4t&#8221;, bat er schlie\u00dflich. \u201eBitte gebt mir einen Moment allein. Ich muss mich bedenken, ohne dass mir <em>irgendjemand<\/em> in meine Gedanken hineinplappert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ac4d7f53327a14bb36e1e2cc823b5c9c\">Sie z\u00f6gerte einen kurzen Augenblick. Dann winkte sie die <em>opayra<\/em> und die <em>yarlara<\/em> beiseite. Die Frauen steckten die K\u00f6pfe zusammen und berieten sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"ac20488a8e7a6abf997f1465b67a9a47\">\u201eGeht, Emberbey&#8221;, sagte sie dann freundlich. \u201eKommt zur Ruhe und lasst uns hernach reden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f8a8ec2bc28010ff6755ee59571e8b7c\">\u201eIch bedanke mich, Majest\u00e4t.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"93187e0aa74cf14b6907ba029d014c5e\">Er verneigte sich und beeilte sich, w\u00fcrdevoll an den Damen vorbei zu gehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c52565ed2ba6d78545aca88ce0542a87\">\u201eEmberbey&#8221;, rief sie ihm nach. \u201eLasst Euch nur nicht einfallen, mein Haus in unangemessener Eile zu verlassen. Ich w\u00fcnsche nicht, dass einer unserer Dienstm\u00e4nner in so aufgest\u00f6rter Laune eigene Wege geht. Kommt zu Euch und erleichtert dann Euer Herz.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1383e4df5f02586a87cc545db33bee5d\">Der alte Ritter sah f\u00fcr einen ganz kurzen Moment so aus, als l\u00e4ge ihm eine schroffe Antwort auf den Lippen. Dann nickte er und ging w\u00fcrdevoll davon.<\/p>\n<p data-p-id=\"a1af1c31ce184f5355d0a0da22366a64\">Wa\u00fdreth Althopian schaute ihm verbl\u00fcfft nach. Dann kam auch in ihn wieder Bewegung.<\/p>\n<p data-p-id=\"14e6429712c81dcc9dd514ff2bbd7ae7\">\u201eAlsg\u00f6r!&#8221;, rief er. \u201eWartet auf mich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"219e60c90f8a86ee6879593c171908d2\">Asga\u00fd von Spagor griff rasch zu und erwischte seinen Dienstmann gerade noch am \u00c4rmel. \u201eLasst ihn! Es hat doch keinen Sinn, ihn nun noch weiter zu bedr\u00e4ngen! Lasst ihn doch erst einmal einsehen, was f\u00fcr eine untragbare Dummheit er da begangen hat!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4561de7b6166a937b21612ff68859311\">\u201eMajest\u00e4t! Bitte, lasst mich das nach meinem eigenen Herzen regeln! Er ist mein Freund! Ich mag ihn in diesem Zustand nicht aus den Augen lassen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aa58ff4312888820579db11804d2b488\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant nickte ihrem <em>h\u00fdardor<\/em> zu. Der <em>teirand<\/em> lie\u00df den blauen Waffenrock los.<\/p>\n<p data-p-id=\"8060a1b0c80e96e1d9f06f4c42178171\">\u201eIch wei\u00df nicht, was hier vorgefallen ist&#8221;, sagte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant. \u201eAber ich denke, es ist nicht verkehrt, wenn Ihr beide n\u00e4her beieinander steht als wir zu Euch. Geht. Aber treibt ihn nicht in die Enge. Das mag ihn noch mehr verstocken. Ich bin sicher, dass sich alles f\u00fcgt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"69da703a0a67ffbb62bc8cc719bb4072\">Wa\u00fdreth Althopian senkte artig den Blick vor ihr. Dann ging auch er, aber gemessenen Schrittes. Er rannte dem Fliehenden nicht nach.<\/p>\n<p data-p-id=\"4785310672f6f7724c0a1e1107f45718\">\u201eUnd was ist nun mit den Kindern?&#8221;, fragte die <em>opayra<\/em> hinter seinem R\u00fccken. \u201eMajest\u00e4t, es kann nicht angehen, dass die M\u00e4dchen sich gegenseitig zu Unarten verleiten! Wo bleibt denn da die Disziplin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f881952e549a9fb6c3bdb1a60aff9092\">\u201eSind sie schon wieder unerlaubt fortgegangen?&#8221;, seufzte der <em>teirand<\/em>. \u201eIch k\u00fcmmere mich darum.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ffd321f696fe55b83e844957a91c518b\">Er wollte sich an den Damen vorbei, aber die <em>teiranda <\/em>hielt ihn zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"0ad8267cda0288eac9fad2c21831751d\">\u201eWo ist Meister Yalomiro?&#8221;, fragte sie leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"cbd293fc1f2ca33a93a76e6f885f3a5d\">Sie schauten den Korridor hinunter. Aber obwohl der Magier aus dieser Richtung h\u00e4tte kommen m\u00fcssen, blieb der Gang leer.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"d0deb5006586550cc5f4aefc0cca3868\">Gal\u00e9on betrachtete die Gerippe, die er unter all dem alten Laub hervor gescharrt hatte, voller Demut und Ernst. Es waren nur zwei Sch\u00e4del gewesen, und auch die gr\u00f6\u00dferen Knochen wiesen nicht darauf hin, dass mehr als zwei Menschen in dieser H\u00f6hle hinter die Tr\u00e4ume gegangen waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"2136514ad795e6e14f72d206791fc272\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> konnte sich nicht erkl\u00e4ren, woher er das wusste, aber er erkannte die Skelette als die zweier alter Leute, eines Mannes und einer Frau, die beide mehr als neunzig Sommer gesehen hatten, mindestens. Beide hatten kaum noch Z\u00e4hne im Mund gehabt, das Alter hatte ihre Knochen verformt und spr\u00f6de gemacht. Hinter die Tr\u00e4ume gegangen waren sie ungef\u00e4hr zur selben Zeit. Mehrere Dutzend Winter mochte es her sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"562ea3726da0773de57e4dbc2cdc52a6\">Er schaute hinauf zu der \u00d6ffnung oben im Fels und wunderte sich. Es war doch nicht anzunehmen, dass zwei Greise sich hier an einer Kletterpartie versucht und dabei zu Tode gest\u00fcrzt hatten. Ebenso wenig glaubte er, dass die beiden denselben Weg aus dem Brunnen genommen hatten wie er und dann hier in der Falle gewesen waren. Das erschien ihm absolut unm\u00f6glich.<\/p>\n<p data-p-id=\"080f9b452f5e250f141cddd5f7f42ae4\">Gab es etwa noch einen weiteren Zugang? Waren diese alten Leute es gewesen, die mit der letzten Kraft ihrer alten Leiber den engen Gang versch\u00fcttet hatten, der diese H\u00f6hle mit dem Brunnen verband?<\/p>\n<p data-p-id=\"ead929e603e3f58684be51119c1694a1\">Er w\u00fcrde es nicht erfahren, das war ihm klar. Noch nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"7ab3d4c4249042c84f24160b664e08fd\">And\u00e4chtig hob er den Sch\u00e4del der alten Frau auf. Die leeren Augenh\u00f6hlen faszinierten ihn auf eine ungute Weise. Was mochte das Letzte gewesen sein, was die Greisin gesehen hatte? <em>Erinnerten<\/em> sich ihre Knochen?<\/p>\n<p data-p-id=\"661badb52cd04aeeb895df79d4eda93b\">Energisch legte er den Sch\u00e4del zur\u00fcck an seinen Platz. Nein. Was immer f\u00fcr unentdeckte M\u00e4chte in ihm schlummern mochten, es war nicht recht, Vergangenes zu befragen. Es war schon genug, dass er das Phantom hinter den Tr\u00e4umen um seinen Beistand gebeten hatte. F\u00fcr so etwas war er noch nicht bereit.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c97c5b8b39d0119514ad12043a8cf50\">Andererseits &#8230; hatte jemand die beiden alten Leute hier in die H\u00f6hle hinabgesto\u00dfen? Oder hatte etwas sie hierher gelockt?<\/p>\n<p data-p-id=\"05231633127bd9b4712ebc3e52e3b33b\">Gal\u00e9on wusste, dass es unvern\u00fcnftig war, dass er viel zu viel Zeit verlor, wenn er sich hier zu lange aufhielt. Dennoch tastete er sich tiefer in das armtiefe, trockene Laub. Alles, was er zutage f\u00f6rderte, waren noch mehr kleinere Knochen. Bl\u00e4tter, Sand und kleine Zweige.<\/p>\n<p data-p-id=\"48d4d3b37c960a395006d84f0874a984\">Schlie\u00dflich gab er auf und erhob sich. Nichts! Nicht die kleinste Spur von Stoff oder Metall, Holz oder Leder. Waren diese beiden Toten etwa v\u00f6llig nackt hinter die Tr\u00e4ume gegangen? Selbst wenn sie hier seit hundert Wintern liegen mochten und die Zeit sich ihre Habe geholt hatte \u2013 es war unm\u00f6glich, dass gar nichts zur\u00fcckgeblieben war, keine G\u00fcrtelschnalle, kein St\u00fcck von einem Schuh, keine m\u00fcrbe gewordene Geldb\u00f6rse oder auch nur eine Spange, womit die Frauen ihr Haar b\u00e4ndigten.<\/p>\n<p data-p-id=\"c39aebc1374f8ed64f0b7199d7b20e94\">Hatte etwa jemand das, was sie am Leib getragen hatten &#8230; gebrauchen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p data-p-id=\"272ba73571e51ceb61d78e1d6b7c6b21\">Gal\u00e9on seufzte und klopfte sich den Schmutz von den immer noch feuchten Gew\u00e4ndern. Er hatte gehofft, irgendetwas zu finden, was ihm aus der H\u00f6hle heraus geholfen h\u00e4tte. So wie es aussah, w\u00fcrde ihm wohl nichts anderes \u00fcbrig bleiben, als mit blo\u00dfen H\u00e4nden die Felswand hinauf zu klettern. Das w\u00fcrde schwierig, aber sicher nicht unm\u00f6glich sein, denn der quarzdurchsetzte graue Stein war unregelm\u00e4\u00dfig geformt. Es w\u00e4re nicht das erste Mal, dass der junge Mann eine waghalsige Kletterpartie unternahm. Das Risiko, abzust\u00fcrzen und sich das Genick zu brechen bestand ohnehin nicht, wie er mit bitterer Heiterkeit feststellte. Aber jeder Fall w\u00fcrde ihn kostbare Zeit kosten, jede ernste Verletzung m\u00f6glicherweise um Tage zur\u00fcckwerfen. Er durfte nichts \u00fcberst\u00fcrzen und musste mit seinen Kr\u00e4ften haushalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"0d392a5e9a7ffeb213b6eccd26fe19b8\">Suchend lief er einige Schritte unterhalb der \u00d6ffnung hin und her, durch die das sanfte goldene Licht hinein flirrte. Sehns\u00fcchtig blickte er hinauf. Er stellte sich vor, wie die Sonnenstrahlen ihn w\u00e4rmen, seine Kleidung trocknen und die klamme K\u00e4lte und Finsternis besiegen w\u00fcrden. Nur noch die Felsen trennten ihn von diesem k\u00f6stliche Ziel. Doch die flimmernden Schatten, die das Ge\u00e4st vor dem zugewucherten H\u00f6hleneingang warf, machten ihm die Sache nicht einfacher, denn sie verzerrten die Oberfl\u00e4che des Gesteins. Dennoch gelang es ihm, hier und da Unebenheiten auszumachen, die seinem Fu\u00df und seinen H\u00e4nden Halt bieten w\u00fcrden. Er trat einen Schritt zur\u00fcck und versuchte, sich die Reihenfolge, die ungef\u00e4hre Position und ein Muster der Vorspr\u00fcnge zu merken. W\u00e4hrend er so Schritt um Schritt r\u00fcckw\u00e4rts ging, blieb unvermittelt seine Ferse an etwas h\u00e4ngen, das halb vergraben im Kies der Bachbetts gelegen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"faf7e908333018b15c79a4d3a05dcc04\">Einen Herzschlag lang dachte Gal\u00e9on, es handele sich um eine Schlange, die sich um seinen Fu\u00df ringelte und zuckte zusammen. Als er jedoch hinschaute, erkannte er, dass es ein Kettchen war, angelaufen und kaum zu erkennen im D\u00e4mmerlicht und auf dem feinen Kies. Er b\u00fcckte sich danach, zog daran und f\u00f6rderte einen Klumpen von etwas aus dem Boden hervor, das aussah wie ein zerfleddertes Vogelnest. Beides, Kette und Gew\u00f6lle waren eng ineinander verschlungen.<\/p>\n<p data-p-id=\"265d14174352a7039becc1a8e6e1f2d8\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> hob verbl\u00fcfft die Augenbrauen. Was immer er hier in der Hand hielt, es hatte sicher lange Zeit im feuchten Bachbett gelegen und sich dabei so weit zersetzt, dass nur noch \u00fcbrig war, was selbst dem Wasser standhielt. Metall. Silber. Ein Schmuckst\u00fcck und die Reste von dem, was mit sehr viel Phantasie noch als Garn zu erkennen war, kostbarer metallener Faden, der vielleicht einmal ein h\u00f6fisches Gewand geziert hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"bbc47be463394a45913d91158563d00f\">War das etwa die Kleidung der beiden Alten gewesen? Vielleicht die eines vornehmen Paares aus Aur\u00f3p\u00e9a, das gemeinsam an diesem seltsamen Ort hinter die Tr\u00e4ume gegangen war, vielleicht im Rahmen eines sonderbaren Brauches?<\/p>\n<p data-p-id=\"0dbb1a755caea77df7b5b30398781c40\">Aber was sollte das f\u00fcr ein albernes Ritual sein, bei dem sie sich entkleideten, ihre Gew\u00e4nder auszogen, in der Mitte der H\u00f6hle im Wasser verscharrten, um dann unterhalb der Felswand nackt zu sterben? Das war doch blanker Unfug!<\/p>\n<p data-p-id=\"a3b613a0929c06a0bc86fe6bbd1d28a1\">Er versuchte, die Schmuckkette aus dem Fadenkn\u00e4uel zu l\u00f6sen, ein unm\u00f6gliches Unterfangen. Erfolg damit hatte er erst, als es ihm gelang, die Metallf\u00e4dchen kurzerhand zu zerrei\u00dfen und die Plakette aus der Mitte des Gewirrs zu zerren. Feiner Sedimentstaub hatte eine Kruste darum gebildet. Gal\u00e9on begann, das gr\u00f6bste davon mit dem Fingernagel wegzukratzen, w\u00e4hrend er seine Aufmerksamkeit wieder dem Felsen zuwandte. Wenn er links unten begann und dann schr\u00e4g nach rechts und von dort unmittelbar nach oben langte &#8230; aber da ging es nicht weiter. Was er von hier sah, w\u00fcrde er sich aus der N\u00e4he nie und nimmer einpr\u00e4gen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ae650c0eb332baa4013afa1cdaf4cf00\">Ein Brocken der Sandkruste und ein Batzen Faden l\u00f6ste sich. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> lie\u00df sich ablenken und warf einen Blick auf das notd\u00fcrftig ges\u00e4uberte Amulett. Erwartet hatte er, das Wappen eines Adligen oder das alte Zeichen des <em>konsej<\/em> zu sehen, etwas, das einen der Toten als illustres Mitglied der Oberschicht der Stadt auswies.<\/p>\n<p data-p-id=\"e33ed9fff1362cfd519819a2102ff5f3\">Doch das Zeichen, das er nun in H\u00e4nden hielt, drei ineinander verschr\u00e4nkte, asymmetrische Dreiecke, das hatte er nie zuvor gesehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"dcb6408da32d31add7e992f026044b43\">\u201eIst dein Einhorn niemals m\u00fcde?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e.<\/p>\n<p data-p-id=\"a84c62b446af66dc8792b62de3cc4369\">C\u00fdel\u00fa versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr er sich \u00fcber diese Frage freute. Das Kind hatte nicht mehr mit ihm geredet, seit sie wieder in der Luft waren. Zwischenzeitlich stand Patagh\u00edus Glanz hoch \u00fcber dem Montaz\u00edel. Wenn sie in diesem Tempo voran kamen, w\u00fcrden sie morgen am sp\u00e4ten Mittag den Ciel\u00e1stel erreichen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f1f3c9c26419da4a630029e5ce1485b6\">Dass sie nun von sich heraus eine Frage stellte, bedeutete hoffentlich, dass sie begann, sich f\u00fcr ihre Umgebung zu interessieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"f9b8ae0b6454d41297ada109a8f32d77\">\u201eEr schl\u00e4ft ja&#8221;, erkl\u00e4rte der Regenbogenritter.<\/p>\n<p data-p-id=\"637d924967fdd3abb91e2014c4cfff74\">\u201eEr schl\u00e4ft?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5e891f69c776b83e2046f58b6155c62a\">\u201eJa. Sie k\u00f6nnen zugleich fliegen und schlafen. Hier am Himmel muss er nicht achtgeben, wohin er l\u00e4uft. Er kann ja mit nichts zusammensto\u00dfen oder hineinfallen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"69446f62eb303842be01098f6589fe7c\">\u201eUnd woher wei\u00df er, wohin er fliegen muss?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"38f46926b9c43b377bf20c1c750ef376\">\u201eIch lenke ihn. Ganz bedacht und vorsichtig, sodass er gar nicht wach wird dabei.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"67cdc29d74649644ba8e14039956e899\">Sie schwieg einen Moment, aber diesmal nicht, weil sie ihn mit Verachtung strafen wollte. Diesmal dachte sie nach. Vielleicht war sie sogar beeindruckt.<\/p>\n<p data-p-id=\"21e85d4cd0a1164838f20bd1d43e8206\">\u201eWieso gehorcht er dir?&#8221;, fragte sie dann.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f33fa0c8130c66f498c2b1e249e00e4\">\u201eWieso sollte er nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b36184becefb576cd68e1b3630d1e06\">\u201eWeil du es willst? Gehorcht er dir, weil du ihn mit deinem Willen verzaubert hast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dde7d8d45adec41b7271cb71515920cf\">\u201eWie kommst du darauf, Kleines?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"56ca86c7f5ec5fefc6c6a899b5eac14f\">\u201eWeil er doch so gro\u00df und stark und magisch ist. Ganz anderes als das Pferd von dem Ritter, den du erschlagen hast.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f5535aec0eeb18d491df385519550056\">Nein, dachte C\u00fdel\u00fa bitter. Nicht wieder diese Schuld!<\/p>\n<p data-p-id=\"864d60abee8c24f5e177d59dad18ff2b\">Aber ihre Gedanken nahmen diesmal einen ganz anderen Weg. \u201eDas Pferd, wei\u00dft du, war lieb, aber &#8230; na ja &#8230; nicht besonders schlau. Der hier ist magisch. Und er ist so gro\u00df und stark, dass er dir nicht gehorchen m\u00fcsste.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dba538fbe84ae902d9bbf84ab1664fd9\">\u201eEr tr\u00e4gt mich ganz freiwillig, Kleines. Wir alle haben eine ganz besondere Verbindung zu unseren Einh\u00f6rnern. Es ist eine uralte Magie, die auf Gegenseitigkeit beruht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8dbb4dbe6d7228fd0c3e1a98e657fd07\">\u201eNicht dein Wille?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4665ae8f44680681b85b7cded3fed810\">\u201eNein. Patagh\u00edu sch\u00e4tzt es nicht, wenn wir unseren Willen einem anderen Verstand aufzwingen, nicht einmal dem eines Tieres. Zumindest nicht ohne sehr guten Grund oder in sehr gro\u00dfer Not.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"588dfac2e2fa0360443e92a96c2e91b9\">Sie gr\u00fcbelte weiter. \u201eDann hast du deswegen nicht versucht, den guten Ritter einfach so zu verzaubern, dass du nicht willst, dass er mir hilft?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cc13cbed4f3f9dc6c80c93bebafde83c\">\u201eIm gro\u00dfen und ganzen ja. Das w\u00e4re &#8230; unehrenhaft gewesen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f945051d215597841deeb47f47f951f3\">\u201eWie viele seid ihr in eurem Heiligtum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0a8b91fedfc9f88575203d6bdc4c907e\">\u201eSieben. Mit mir acht. Und nat\u00fcrlich ist meine <em>h\u00fdardora<\/em> bei uns. Aber wenn Patagh\u00edu will, wenn es n\u00f6tig ist, werden wir &#8230; viel mehr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a186f61bad26fe269d4027506fd79441\">Sie blickte \u00fcber die Schulter. Er l\u00e4chelte zaghaft.<\/p>\n<p data-p-id=\"9686ddcd428b4f5cc4f3f8e5e3153a55\">\u201eDas verstehe ich nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f1ac23878a29fdff51990b588f21b3f3\">\u201eDas kannst du auch nicht verstehen. Das ist Magie.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d90f34ee41b188a98775b54d01c92e2c\">\u201eIch verstehe sehr viel von Magie&#8221;, behauptete sie und schaute an Perlenglanz&#8217; Fl\u00fcgel vorbei auf den Erdboden, die Felder und Baumwipfel hinab, \u00fcber die ihr Schatten hinweg glitt. Sie \u00fcberflogen die wilden Graslande und bl\u00fchenden Bergw\u00e4lder westlich von Iva\u00e1l.<\/p>\n<p data-p-id=\"fed828f285c2a1ec5439258b03060f2b\">\u201eDie flunkerst, Kleines. Du kannst nicht zaubern. Das kann ich f\u00fchlen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c8a52d503ca7598d1a5ef569a1394f03\">\u201eIch habe ja auch nicht gesagt, dass ich zaubern kann. Aber ich schaue Papa so gern zu, wenn er Magie wirkt. Und ich freue mich, wenn Mama es auch versucht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e84951917f75bfe5596e401c1980e4c\">C\u00fdel\u00fa zauderte. Wenn die Mutter es <em>versuchte<\/em>? Die Mutter h\u00e4tte ihn um ein Haar zerschmettert mit ihrer unheilvollen Magie!<\/p>\n<p data-p-id=\"bb31c48be8324014aa635404d49b9d2c\">\u201eWas zaubert dein Vater denn so?&#8221;, fragte er so harmlos, wie es ihm m\u00f6glich war.<\/p>\n<p data-p-id=\"f54266b62d1da7b593df4ddf57a14d42\">\u201eLauter sch\u00f6ne Dinge.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e2e5cd7530956add9623b270ff099123\">C\u00fdel\u00fa schmunzelte. Jetzt dachte sie sich offensichtlich etwas aus, um ihn zu beeindrucken. Gleich w\u00fcrde sie ihm Prahlereien von Macht und Verw\u00fcstung aufbinden wollen, und &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"04fc30c035ccef95f57b74d1f856f1bb\">\u201eNeulich&#8221;, sagte sie ernsthaft, \u201enach dem gro\u00dfen Sturm, da hatte der Wind einen jungen Baum angeknackst. Die Krone hat den Boden ber\u00fchrt und die V\u00f6glein, die drin wohnten, waren ganz aufgeregt. Das hat mir so leid getan. Da hat Papa gemacht, dass das Holz wieder zusammengewachsen ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6ede18698693adc59f78564fc1f71666\">\u201eWie bitte?&#8221;, fragte C\u00fdel\u00fa irritiert.<\/p>\n<p data-p-id=\"79e6f3caee9d2c0e671a050849907090\">\u201eMama hat mitgeholfen. Sie hat den Baum gest\u00fctzt und Papa hat ihn heil gesungen. Jetzt ist er etwas krumm, weil der Wind ihn so verbogen hat. Aber er w\u00e4chst weiter. Und das Vogelnest, das heraus gefallen war, das hab ich selbst wieder in die Zweige gesetzt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5c49ad553bf9c416d507b5dbdc92a9b3\">Wollte dieses Kind ihn veralbern? Was dachte das M\u00e4dchen sich da aus?<\/p>\n<p data-p-id=\"d15e9b4d49078f1c969da1a10362ebb3\">\u201eKein Zauber kann einen zerschlagenen Baum wiederbeleben&#8221;, sagte er unwillig.<\/p>\n<p data-p-id=\"2165a51bb23a6061d10867aaf67019c7\">\u201eDer Baum war ja nicht zerschlagen, nur verletzt.&#8221; Sie sch\u00fcttelte altklug den den Kopf. \u201eDass man nichts Totes mit Magie wiederbeleben darf, das wei\u00df ich doch l\u00e4ngst. Das hat Papa mir erkl\u00e4rt, da war ich noch ganz klein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"57e68136ea2e1f80f34052f3b1c0c6d9\">\u201eAch&#8221;, machte C\u00fdel\u00fa und \u00e4rgerte sich \u00fcber die Verachtung in seiner Stimme. Woher sollte das M\u00e4dchen wissen, was f\u00fcr einen Unfug es von sich gab, wenn man es bislang nur belogen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"177519359ca668784d02a05910012a8c\">Sie hatte es bemerkt und war \u00e4rgerlich. \u201eJa! Das wei\u00df ich noch genau, weil &#8230; ach. Das verstehst du doch nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"258a487358a94b2bbf77829783c80927\">\u201eGut. Dann repariert dein Vater also B\u00e4ume, wenn du ihn darum bittest. Und was macht er sonst noch mit der Macht, die &#8230; die Nokt\u00e1ma ihm verliehen hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c3cabbfcd9c920a027412dbeea1c8324\">\u201eDas erz\u00e4hle ich dir nicht. Du verstehst das doch nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0e1c023a0bc267d781270d26bab74f1\">C\u00fdel\u00fa seufzte. Nun hatte er es sich wohl verscherzt mit der Kleinen.<\/p>\n<p data-p-id=\"13b141736b03408881ce593613143ba0\">\u201eUnd was zauberst du so?&#8221;, fragte sie nach einer Weile.<\/p>\n<p data-p-id=\"81e811198c683365cb2d6900517141ef\">\u201eIch? Also, ich &#8230;. Wir besch\u00fctzen die gro\u00dfe Stadt am Rand der W\u00fcste. Und wir passen gut auf, dass &#8230;&#8221; Nun z\u00f6gerte er. Was mochte sie \u00fcber Chaosgeister wissen, nach all dem, was damals geschehen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"f76f3557a719dc0503425e30ef9ed187\">\u201eWorauf passt du auf?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9080b374db27ff7b138d0e4c038fdeb9\">\u201eAuf meinen Sohn&#8221;, sagte er und log damit nicht einmal. \u201eIch passe auf, dass meinem Sohn nichts B\u00f6ses zust\u00f6\u00dft. Aus der W\u00fcste darf nichts heraus, das f\u00fcr Unkundige gef\u00e4hrlich ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4274ab017507c1071e8ebf6eeefa732b\">Sie gab einen abf\u00e4lligen Laut von sich, aber es klang nicht mehr ganz so ablehnend wie zuvor. \u201eUnd meine Eltern lassen nichts in den Wald hinein, was gef\u00e4hrlich f\u00fcr mich ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dddf20d0b4643e21f0b3c909b30ad338\">\u201eSehr erfolgreich sind sie damit jedenfalls nicht,&#8221; sagte er gekr\u00e4nkt.<\/p>\n<p data-p-id=\"121ed23528e64c2754dfb95bda0721d5\">\u201eUnd was hast du denn zuletzt <em>Sch\u00f6nes<\/em> f\u00fcr deinen Sohn gezaubert?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b8c730f1384cec0a84204b2435b5c43c\">\u201eSch\u00f6nes?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"31ea972d35ba9e844780f555710504b5\">\u201eJa. Wor\u00fcber hat er sich gefreut? Was macht ihm Spa\u00df?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e750b468611dbdf916e206c929083916\">\u201eEr mag Einh\u00f6rner. Ach, was sage ich: Er ist ganz verr\u00fcckt nach Einh\u00f6rnern. Er hat sogar schon ein eigenes. Es &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d3b7d270f5962a8424e20db1490c617\">\u201eJa, aber was hast <em>du<\/em> sch\u00f6nes f\u00fcr ihn gemacht? Au\u00dfer ihm ein Einhorn zu schenken? Das z\u00e4hlt n\u00e4mlich nicht, wei\u00dft du. Mama sagt, mit Geschenken lenkt man nur vom Wesentlichen ab.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e530d19722be5c5d37583eddbeea382\">\u201eWas ist denn das Wesentliche?&#8221;, wunderte er sich. Wo hatte das Kind solche Ideen her? Einen ganz \u00e4hnlichen Spruch hatte er selbst einst, vor langer Zeit, so weit fort, dass er sich kaum noch erinnerte, zu h\u00f6ren bekommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8fd1b25d62bca0b089179e5c18e0d70e\">Sie schwieg. Entweder wusste sie es nicht, oder sie hatte nicht die Worte, um es auszudr\u00fccken. Eine Weile war es, abgesehen von Perlenglanz&#8217; gem\u00e4chlichem Fl\u00fcgelschlag, ganz still. Die Ger\u00e4usche des Weltenspiels drangen nicht bis in diese H\u00f6he vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"133463722a468588d97c39b3dc161331\">\u201eIch &#8230; ich erz\u00e4hle ihm Geschichten&#8221;, sagte C\u00fdel\u00fa schlie\u00dflich. \u201eM\u00e4rchen. Das ist zwar keine Zauberei, aber er mag es.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d0364577fdd4d0e324ebf48c7070b0d3\">\u201eM\u00e4rchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"87fb330561dfa03fe930750c46f5205c\">\u201eJa. M\u00e4rchen, die ich von meiner Gro\u00dfmutter geh\u00f6rt habe, als ich selbst ein Kind war.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a818d7bfa03ebd445a0e301f3ce37e42\">Stille. Zu lange Stille.<\/p>\n<p data-p-id=\"cea65512eaa51762ed2723d54d51f9e1\">\u201eErz\u00e4hlst du mir auch eine?&#8221;, fragte sie schlie\u00dflich, leise, fast verlegen. C\u00fdel\u00fa atmete erleichtert auf und legte seinen Arm etwas fester um sie. Einen Moment versteifte sie sich, ganz kurz nur. Dann lehnte sie sich an seine Brust.<\/p>\n<p data-p-id=\"205289bf0da92a5e7d4f34efc66213f2\">\u201eEs war einmal&#8221;, begann er.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2481","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2481","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2481"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2481\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3737,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2481\/revisions\/3737"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2481"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2481"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2481"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}