{"id":2463,"date":"2025-08-25T11:57:22","date_gmt":"2025-08-25T09:57:22","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2463"},"modified":"2025-09-01T09:02:03","modified_gmt":"2025-09-01T07:02:03","slug":"023-der-brunnen-und-die-dunkelheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/023-der-brunnen-und-die-dunkelheit\/","title":{"rendered":"023: Der Brunnen und die Dunkelheit"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"3e6c641e886766c3699ac8e18dbc37a2\">Als Gal\u00e9on wieder zu sich kam, war es um ihn herum vollkommen finster und die Schmerzen so stark, dass er sie kaum noch sp\u00fcrte. Der <em>bach\u00f3rkor<\/em> \u00e4chzte und versuchte, seine Sinne wieder in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Eines nach dem anderen. Erst seine Lage, dann sein K\u00f6rper. Und vor allen Dingen: keine Panik. Das w\u00fcrde zu nichts f\u00fchren und alles noch schlimmer machen.<\/p>\n<p data-p-id=\"be1521c90e66b0885537543f5f4b8b4f\">Er horchte. Unter sich h\u00f6rte er ein Pl\u00e4tschern. Tats\u00e4chlich, ein flie\u00dfender Strom, Wasser, das sich bewegte und dabei an feinen Steinen, vielleicht Kies und grobem Sand entlang strich. Das Murmeln schallte hohl in dem alten Brunnenschacht, aber das allein konnte es nicht sein. Dort, irgendwo unter seinen F\u00fc\u00dfen musste sich ein gr\u00f6\u00dferer Hohlraum befinden, eine Kaverne, die vielleicht in alten Zeiten einmal mit viel Wasser gef\u00fcllt gewesen war und jetzt nur noch von einem Rinnsal gespeist wurde, das sich irgendwo ein wenig aufstauen mochte. Nichts, was weiterhin als Brunnen funktionierte, aber immerhin noch existierte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6373096b8b47a8e7ad9c56f6d4e48fdc\">Nun, wo Wasser floss, da musste es irgendwo hinwollen. Aber wie konnte er ihm folgen?<\/p>\n<p data-p-id=\"5e80de5e15c98740eb3b51b207c70894\">Denn dass er sich schleunigst aus dieser unertr\u00e4glichen Lage befreien musste, stand au\u00dfer Frage. Er mochte sich nicht ausmalen, was \u00daldaise und seine Handlanger wom\u00f6glich mit ihm anstellen w\u00fcrden, sobald sie feststellten, dass er die Grenze wie \u00fcblich nicht hatte \u00fcberwinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9806b3a28dd1c1b8f179e2f84d21b63c\">Gal\u00e9on versuchte, sich zu bewegen, bedacht und vorsichtig. Das war nicht leicht, denn es gab in seiner N\u00e4he nichts, woran er sich abst\u00fctzen oder Halt finden konnte, um seine Arme zu entlasten. Einen Moment versuchte er, mit dem Fu\u00df irgendeinen Felsvorsprung im Schacht zu ertasten, aber da war nichts, was er erreichen konnte. Daf\u00fcr jagte ihm jede winzige Regung heftige Pein durch die Schultern. Trotzdem hatte der Sturz nichts gebrochen, zerrissen oder ausgerenkt. Gal\u00e9on dankte den M\u00e4chten, dass er in den vergangenen Tagen an Gewicht verloren hatte und \u00daldaises Knechte f\u00fcr ihr Tun nichts anderes zur Hand gehabt hatten als ihr Brunnenseil.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c53e5434187d167cc20c52050bb564d\">Allerdings fiel es schwer, tief zu atmen. Wenn er sich nicht schnell befreien konnte, w\u00fcrde er schon bald wieder das Bewusstsein verlieren, wieder und immer wieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"963c4a70d3d174b6d673d514249e3d34\">Gal\u00e9on hatte mehr als einmal das Licht in seiner N\u00e4he gesp\u00fcrt, es fast ber\u00fchren k\u00f6nnen und bei dieser Gelegenheit etwas empfangen, das er in seinem Herzen bewahrte. Er wusste, dass er eines Tages erfahren w\u00fcrde, was es damit auf sich hatte, was er damit bewirken sollte. Er f\u00fcrchtete sich nicht davor, und er hatte begonnen, jenen davon zu erz\u00e4hlen, von denen er glaubte, dass es ihnen gut tat und sie tr\u00f6stete.<\/p>\n<p data-p-id=\"581b5fd82d1183b53c432a6f8611d4c6\">Das bedeutete aber nicht, dass er Wert auf weitere Misshandlungen legte. Die M\u00e4chte mochten seinen Leib in ihren Launen mit einer wunderlichen Form von Festigkeit versehen haben, aber sein Schmerzempfinden schloss das nicht ein. Mit Schaudern erinnerte er sich an das, was man damals in Ferocriv\u00e9 mit ihm angestellt hatte. Soweit durfte es nicht noch einmal kommen. Schon gar nicht vor diesem schrecklichen \u00daldaise.<\/p>\n<p data-p-id=\"bd5ea7b59d16f6a55a0a8551d25fc38a\">Er versuchte, den Schmerz wegzudenken und seine Lage abzukl\u00e4ren. Offenbar hatte er es mit seiner Geschichte im Haus des ehrenwerten <em>sinor <\/em>Sah\u00e1al\u00edr irgendwie fertig gebracht, dem gespenstischen Greis zu nahe zu kommen, der f\u00fcr Ruhe und Ordnung in der Stadt sorgte und daf\u00fcr Menschen in der W\u00fcste verschwinden lie\u00df. Sicherlich w\u00e4re es dem alten Mann m\u00fchelos m\u00f6glich gewesen, auch ihn schnell und ohne Spuren aus dem Weg zu r\u00e4umen, es zumindest zu versuchen. Doch offenbar hatte der Alte auf irgendeine obskure Weise gesp\u00fcrt, dass ihm das nicht gegl\u00fcckt w\u00e4re. Also war er neugierig geworden. Neugierig und &#8230; unbedacht.<\/p>\n<p data-p-id=\"2e94da77b18137f9a67179bf73bb4ce0\">Ja, die Eile bei der ganzen Sache war das seltsame. Tausend Gelegenheiten h\u00e4tten sich in den n\u00e4chsten Tagen noch ergeben, einen allzu vorwitzigen <em>b\u00e1chorkor<\/em> irgendwo in der Stadt zu greifen und verstummen zu lassen, unauff\u00e4llig und ohne dass es jemand bemerkt h\u00e4tte. Stattdessen hatte \u00daldaise den Aufwand betrieben, einen Diebstahl zu fingieren und ihn vom Grund und Boden seines Amtsgenossen weg zu verschleppen. Gal\u00e9on hatte keine Gelegenheit gehabt, mit einem anderen Mitglied des <em>konsej <\/em>zu reden. \u00daldaise war ihm zuvorgekommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"037bd626001a1d976fa4662fb3cf5d57\">Warum, bei allen M\u00e4chten, war es so dringlich, dass er, der harmlose <em>b\u00e1chorkor<\/em>, von der Bildfl\u00e4che verschwand, und das so konspirativ, dass es niemanden wundern w\u00fcrde?<\/p>\n<p data-p-id=\"f468dd3dfcfe9b65279bd9cb42d99ad5\">Vielleicht hatte \u00daldaise <em>Angst<\/em> vor ihm. Aber offenbar konnte er nicht einsch\u00e4tzen, was es mit ihm, Gal\u00e9on auf sich hatte. W\u00e4re diese Neugier nicht gewesen, w\u00e4re es um irgendeinene Angelegenheit unter den \u00c4ltesten gegangen, zweifellos h\u00e4tten sie ihm den Strick um den Hals gelegt.<\/p>\n<p data-p-id=\"40b421c5492b84244c9c92ace80436bb\">Gal\u00e9on schaute zum Brunnenschacht hinauf, bedauerte die falsche Bewegung sofort wieder und f\u00fchlte sich zugleich noch mehr dazu angestachelt, der Sache auf den Grund zu gehen. Mochte sein, dass ihn all das nichts anging und er besser daran getan h\u00e4tte, schleunigst die Stadt zu verlassen. Aber \u00daldaise hatte irgendetwas mit den &#8230; mit dem, was in der W\u00fcste geschah zu tun. Wahrscheinlich ohne das Wissen der arglosen \u00fcbrigen Alten. Aber warum? Welchen Nutzen hatte er davon?<\/p>\n<p data-p-id=\"8fe3f4439a58007c7f8fa2ef1ad964cc\">Und womit hatte er sich verraten? War es tats\u00e4chlich nur die unschuldige Schilderung jenes Geb\u00e4udes gewesen, der dem ehrenwerten <em>sinor<\/em> Sah\u00e1al\u00edr in seiner Jugend so teuer gewesen war, ein Ort, den er geliebt hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"11a21904b24dffd59d9733cec592c861\">Gal\u00e9on \u00e4rgerte sich. Es war leichtsinnig gewesen, den alten Leuten eine zu alte Geschichte zu erz\u00e4hlen. Aber wie h\u00e4tte er ahnen sollen, wo und wann \u00daldaise in seinem Leben Dinge gesehen hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"749080a8c7a60ce09aa7b9c3e684aa11\">Gal\u00e9on versuchte, vorsichtig sein Gewicht zu verlagern, sich zu entlasten. Das tat entsetzlich weh, aber hernach wurde es f\u00fcr einen Moment wieder etwas besser. Er lauschte wieder auf das Wasser, \u00fcberlegte, wohin es flie\u00dfen mochte. Nat\u00fcrlich, <em>jegliches <\/em>Wasser floss vom Meer im Norden weg und auf die W\u00fcste im S\u00fcden zu. Aber wenn es hier, unterhalb des <em>zentralen <\/em>H\u00fcgels von Aur\u00f3p\u00e9a floss \u2013 wo mochte es wieder zum Vorschein kommen? Der breite Fluss, der in der W\u00fcste versiegte, str\u00f6mte au\u00dferhalb der Stadtmauern vorbei. War das vielleicht ein Weg ins Freie?<\/p>\n<p data-p-id=\"b2c29ebdcd20c3d64951a91e817ab9d2\">Nein, das musste nichts hei\u00dfen. Vielleicht hatte es einst ein anderes Wasser gegeben, das kr\u00e4ftig genug gewesen war, um den Stein auszuh\u00f6hlen. Bevor die Menschen von Aur\u00f3p\u00e9a versucht hatten, es abzugraben, um ihre G\u00e4rten damit zu w\u00e4ssern.<\/p>\n<p data-p-id=\"7b8ff45fe779f92d0fe8dbabd3e2548d\">Der Schmerz versetzte Gal\u00e9on in eine absurde Euphorie, sein Bewusstsein fl\u00fcchtete in einen Rausch, wurde mit jedem Atemzug abstarkter, fl\u00fcchtiger und w\u00fcrde ihm bald wieder entschl\u00fcpfen. Damit verlor er so wichtige Zeit! Gal\u00e9on malte sich aus, wie er dem Wasser nachschwamm, darin tauchte, flink wie ein Otter, und irgendwo eine Stelle fand, die ihn hinaus aus den finsteren Adern der Erde f\u00fchrte. Wenn er doch nur an das rettende Wasser heran k\u00e4me!<\/p>\n<p data-p-id=\"3f25bc2dfa4c8a22d8338ba1d4117be5\">Und vor allem, wenn ihm das nur gel\u00e4nge, <em>bevor<\/em> \u00daldaise Gelegenheit hatte, zu bemerken, dass es mehr brauchte als einen Sturz am Seil, um ein unliebsames Leben auszul\u00f6schen. Gal\u00e9on versp\u00fcrte nicht das geringste Bed\u00fcrfnis, dem Alten Rechenschaft \u00fcber das wunderliche Spiel abzugeben, das die M\u00e4chte sich f\u00fcr ihn ausgedacht hatten. Die M\u00e4chte mochten es sich in irgendeiner Laune einfallen lassen haben, ihn vom Licht abzuhalten wie einen Hund an der kurzen Kette, aber unverwundbar war er nicht. Als sie in Ferocriv\u00e9 mit ihm fertig gewesen waren, ihn schlie\u00dflich f\u00fcr tot hatten liegen lassen, um sich ein neues Opfer zu suchen, hatte es viele Tage gebraucht, bis er wieder hergestellt und in der Lage gewesen war, sich an einen erfreulicheren Ort zu begeben, mit dem festen Vorsatz, nie wieder vor einem <em>yarl<\/em> von Ferocriv\u00e9 und schon gar nicht einem von Rodekliv eine Geschichte zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p data-p-id=\"edd1ae7d04ca1ef6d7e16b0ee736e417\">Aber das war nebens\u00e4chlich. Was hatte \u00daldaise zu verbergen? Welchem Geheimnis war er, der <em>b\u00e1chorkor<\/em>, einer, der in all der Zeit so oft das Licht geschaut und nie ber\u00fchrt hatte, auf der Spur? Was waren das f\u00fcr Dinge, \u00fcber die der Alte gebot? Und was war das f\u00fcr eine seltsame Kunst, mit der er versucht hatte, seine Seele zu &#8230; ja, zu <em>begaffen?<\/em> Dieses ekelhafte Gef\u00fchl von Schmutz und Verwesung war &#8230; nun, nicht wirklich menschlich gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d4b24ccaced2776b735aae2b3f963d71\">Gal\u00e9on lauschte. So tief unter ihm war das Wasser gar nicht, er h\u00f6rte es murmeln, nach ihm rufen, ihn locken. Es lud ihn ein, seine geschundenen Glieder darin zu k\u00fchlen, die Qualen wegzuwaschen, ihm einen Weg ins Freie zu weisen. Wenn er nun fiele, es w\u00e4re nicht tief genug, um Schaden zu nehmen. Er w\u00fcrde weich fallen, versprach ihm das Wasser. Unter dem Rinnsal war weicher Schlick, der ihn auffangen w\u00fcrde. Aber wie kam er dorthin?<\/p>\n<p data-p-id=\"9352118de611788679eb3fdcf6b91254\">Er versuchte seine Finger zu bewegen. Das war schmerzhaft, aber es gl\u00fcckte, war mehr als ein Mensch, den die M\u00e4chte nicht an einer zu kurzen Kette hielten, erwarten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"206cbc5739bab8961adbc5d727ef14e6\">Kette &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"9a4ddf93f6f2634035e528dc4fb0be39\">Gal\u00e9on schlug die Augen auf. Die Handfesseln, die er trug, sie waren aus Metall. Es war kein Seil, das ihm ins Fleisch schnitt und sich bis aufs Blut zuzog. Sie waren hart und fest und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus Gold. So gut wie alles Metallene in Aur\u00f3p\u00e9a bestand aus Gold. Das Gold aus der W\u00fcste war ein gefragtes Material, mit dem die Stadt nur knauserig Handel trieb, auch wenn es jede Menge davon gab.<\/p>\n<p data-p-id=\"7b38b27359988a254f459c09eb947db9\">Er bewegte nachdenklich seine Finger. Wie leicht h\u00e4tten die Metallschellen ihm im Fall die Handgelenke brechen k\u00f6nnen. Aber offensichtlich legten die M\u00e4chte diesmal Wert auf seine Unversehrtheit.<\/p>\n<p data-p-id=\"9a9e40a756dc277e2dc650488ea6c395\">Ob er es versuchen sollte? Ob er nach dem Mann aus seinen Tr\u00e4umen rufen sollte? Den, der ihn schon einmal gerettet hatte. Ob er ihm noch einmal helfen konnte?<\/p>\n<p data-p-id=\"fadc0004ff6ca3c1198042c5c8d8bdab\">Manchmal, in sehr tiefen Tr\u00e4umen, und wenn, dann nur fl\u00fcchtig, wie aus den Augenwinkeln, sp\u00fcrte Gal\u00e9on eine sonderbare Pr\u00e4senz. Es geschah nicht oft und auch erst seit einigen Sommern, aber immer wieder kam es dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> vor, als sei da &#8230; jemand, einer, der ihn in Momenten beobachtete, in denen er in einen besonders tiefen Schlaf fiel. Ein ungebetener, aber diskreter Besucher, der es irgendwie geschafft hatte, bis zur Peripherie seines Geistes vorzudringen. Jemand, der wartete. Vielleicht jemand, der mehr \u00fcber die r\u00e4tselhaften Dinge wusste, die Gal\u00e9on <em>manchmal<\/em> vollbringen konnte. Es war Gal\u00e9on noch nie gelungen, dieses Phantom anzusprechen. Es verschwand, sobald er versuchte, es in seinen Tr\u00e4umen bewusst wahrzunehmen.<\/p>\n<p data-p-id=\"feb98e1977a9374f4450abace3612139\">Gal\u00e9on konnte den stillen Eindringling in seinen Tr\u00e4umen nicht sehen, aber er ahnte, <em>wer <\/em>es war. Er war ihm einmal vor langer Zeit in der Wirklichkeit begegnet, damals, als \u00fcberall Krieg und Schmerz und Gewalt und Tod war, und er, Gal\u00e9on, noch so klein und und starr vor Angst, dass er sich bequem unter einem roten Mantel hatte verstecken und an Mord und Grauen vorbei schmuggeln lassen, unbemerkt an den Augen eines schwarzgewandeten <em>Monsters <\/em>vorbei.<\/p>\n<p data-p-id=\"f4b08e403b6ed803140ee4dab85862a7\">Vielleicht war es diesmal den Versuch wert.<\/p>\n<p data-p-id=\"e03c15224863a803b0a9b7e75ff06bac\">Es erschien dem jungen Mann, benebelt von seinen Schmerzen und besessen von seiner Idee, pl\u00f6tzlich ganz nat\u00fcrlich, dass der Fremdling, der zuweilen am Rande seines Geistes entlang steifte wie ein Passant an einem Gartenzaun, wusste, wie man ohne Feuer und Werkzeug Gold verformte. Wen sonst konnte er danach fragen, jetzt, hier und so knapp vor etwas Schrecklichem, was auf die eine oder andere Weise passieren w\u00fcrde?<\/p>\n<p data-p-id=\"6130d65068f118675ed528f6486aaa87\">Vielleicht w\u00fcrde er sein Geheimnis mit ihm teilen?<\/p>\n<p data-p-id=\"4062a2f1a9a8be40557fa383e6dda488\">Gal\u00e9on z\u00f6gerte noch einen Moment. Was hatte er zu verlieren?<\/p>\n<p data-p-id=\"3976cbf1a4a323f96fe81927f6cf0044\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schloss die Augen und befahl sich den M\u00e4chten, Patagh\u00edu, Nokt\u00e1ma und dem Licht, wer immer sich gerade f\u00fcr seinen bescheidenen und dem\u00fctigen Diener zust\u00e4ndig f\u00fchlen mochte. Mochte das Licht ihn diesmal behalten &#8230; oder ihm zur Hilfe kommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"01b0e83fd735afff3d23948fb726f9c5\">Dann nahm er alle Willenskraft und Selbstdisziplin zusammen und gebot seinem eigenen Herzen, stillzustehen, bis sein Ich ihm entglitt und fortst\u00fcrzte wie ein Schneebrett von einem steilen Dach.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"c7a8f4df71c96ddc39deff7eaf989044\">Das kleine M\u00e4dchen, das da vor ihm im Sattel sa\u00df, war entz\u00fcckend.<\/p>\n<p data-p-id=\"ee2d1d2fd51e05725e38ab5fa61b941e\">C\u00fdel\u00fa versank einen Augenblick in Gedanken und betrachtete sie versonnen, wie sie da furchtlos und voller Vertrauen sa\u00df, mit kindlicher Z\u00e4rtlichkeit die zarte M\u00e4hne von Perlenglanz (dem wildesten und gef\u00e4hrlichsten Einhorn der ganzen Herde) streichelte und dabei etwas von einem Spielzeugboot erz\u00e4hlte, das sie vor ein paar Tagen hier verloren und seither jede Nacht gesucht hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e9a7fefabaec011ea3a7fe5f57eeeb15\">C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor ertappte sich bei dem Gedanken, wie \u00e4hnlich dieses kleine M\u00e4dchen Advon war. Ja, w\u00e4re Advon kein Knabe, er w\u00fcrde ihr \u00e4hneln. Sie war so r\u00fchrend unschuldig, so sanft und angesichts ihres Alters so besonnen und aufgeweckt zugleich, dass es ihm fast unheimlich war.<\/p>\n<p data-p-id=\"433597350917076b2ab3f22e7b271831\">Aber all das erkl\u00e4rte nicht, wie Eltern so verantwortungslos sein konnten, ihr Kind hier, unter den Augen der Monster, der grausamen <em>camat&#8217;ay [Schattens\u00e4nger],<\/em> die voller Heimt\u00fccke und Bosheit im Dunklen lauerten, spielen zu lassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3e0672323651f33819ff3d01020de28a\">Der Regenbogenritter versp\u00fcrte, obwohl er hier so viel Dringlicheres zu tun hatte, den dringenden Wunsch, das Kind sicher nach Hause zu bringen und dann seiner Mutter ernstlich ins Gewissen zu reden. Es mochte ja sein, dass die Schattens\u00e4nger sich nicht die <em>M\u00fche<\/em> machten, einem kleinen Kind nachzustellen. Trotzdem: Es war gef\u00e4hrlich. Keine Mutter, kein Vater sollte zulassen, dass ein Kindlein in seiner Arglosigkeit dem B\u00f6sen in die Finger geriet.<\/p>\n<p data-p-id=\"db397b38a08a15421b6351791b5f617f\">Er hatte zun\u00e4chst angenommen, dass das Kind ihn an den Rand des Waldes lotsen w\u00fcrde, hinaus aus dem Wald, in Richtung eines Geh\u00f6fts, vielleicht zu einem Dorf oder auch einzelnen Haus, das leichtsinnige Unkundige viel zu nahe an den Boscarg\u00e9n gebaut hatten. Aber die Kleine wies ihm den Weg neben dem Seeufer, zu seiner Linken das bodenlose Wasser, rechts das Rauschen der riesigen B\u00e4ume.<\/p>\n<p data-p-id=\"e99380d73a808792c714f58959eb2c72\">\u201eBist du sicher, dass es hier entlang geht?&#8221;, fragte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"3ae6c450077818ebce60d341fa8f9d3f\">\u201eJa, nat\u00fcrlich. Ich verlaufe mich nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dcc28e7920c5f32362267f36a69b6c13\">\u201eAber wie lange bist du denn unterwegs gewesen, um hierher zu kommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aec5894a5796a8cfb9edbbc920d62d09\">\u201eIch wei\u00df nicht. Nicht lange. Ich hab eine Weile hier gesessen und dann dein Einhorn gesehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8f62087c044c55ad5759b1bd7f7dca46\">\u201eBist du vielleicht eingeschlafen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91df4eaef02fbda4297db8574a385505\">\u201eNein. Ich schlafe nicht, wenn es noch dunkel ist. Die Nacht ist doch die beste Zeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"349b50dd39416c76f06bb87453be7271\">\u201eWie bitte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1644829117f1b127ea657066cd8b4e5e\">\u201eDann ist Nokt\u00e1mas Leuchten am Himmel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"68e2557995ba76d082f9de773831bd07\">C\u00fdel\u00fa schauderte. Hatten die Schwarzgewandeten die Unkundigen so unter ihrer Kontrolle, dass sie verga\u00dfen, wie gef\u00e4hrlich die dunkle Nacht f\u00fcr Menschen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"a63a27f64a5c3e7ea2f3633aca9273cf\">\u201eWir sind gleich da&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e. \u201eMama freut sich bestimmt, dass du uns besuchst. Hier kommt so selten Besuch. Hast du Hunger? Wir haben einen Garten mit vielen Fr\u00fcchten und Gem\u00fcse. Ich mag am liebsten die dunkelgr\u00fcnen Solanere [<em>Tomaten\u00e4hnliche Pflanze<\/em>].&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d5afb0bafeca42e49923afe6fe0c91df\">\u201eHier? Mitten im Wald?&#8221;; fragte er alarmiert.<\/p>\n<p data-p-id=\"fa5495cb23dee732f58cf7bad0ac845e\">\u201eJa. Gleich dort hinten. Siehst du es? Das Dach hinter den B\u00e4umen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc8fc121fe4859f62c7dc674999ce58c\">\u201eIhr wohnt <em>im<\/em> Boscarg\u00e9n?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f326b1a6b52046ace1ed90aa0357b1e4\">\u201eJa, klar. Im Eta\u00edmalon.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"be64187b3d9b7bd90cf000b4bae0d4c5\">C\u00fdel\u00fa z\u00fcgelte sein Einhorn. \u201eWas redest du da, Kind? Willst du dich \u00fcber mich lustig machen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a684b3c9486d224e4ca5ff3730ccbdbf\">D\u00fdamir\u00e9e schaute \u00fcber ihre Schulter. Ihre gr\u00fcnen Augen waren voller Erstaunen. \u201eAber nein. Das ist unser Haus.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"86a1e7e3aa3477345e42adfaf82658ed\">\u201eDie Schattens\u00e4nger w\u00fcrden nie erlauben, dass &#8230; ihr in ihrem Heiligtum seid!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3bd4952e3f01a0d88fae925976184d19\">\u201eWarum nicht?&#8221;, erkundigte sie sich verbl\u00fcfft.<\/p>\n<p data-p-id=\"adb5415cc8cee34d6631591218dee3c0\">\u201eWeil Unkundige nicht in Nokt\u00e1mas Weihest\u00e4tte geh\u00f6ren. Das ist viel zu gef\u00e4hrlich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e20a5e7a6471872d7ccc8d96dcc7916f\">Nun war das Kind erschrocken. \u201eAber &#8230; ich <em>bin<\/em> doch unkundig. Ich kann gar nicht zaubern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"79c719e48b1a26644a8e14caf9825431\">\u201eUnd deshalb kann es nicht sein, dass du da wohnst! Du hast deinen Spa\u00df gehabt, Kleines, und ich werde dar\u00fcber lachen, sobald du in Sicherheit bist. Aber nun h\u00f6r auf, mich anzuflunkern und sag mir, wohin du geh\u00f6rst!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c21d77576884c269b074ab70320c68f3\">Sie schaute hin\u00fcber zu dem kleinen wei\u00dfen Haus oberhalb der B\u00f6schung. Der Mondschein lag schimmernd auf Dach und Mauern.<\/p>\n<p data-p-id=\"d6f3c843bf4d570bee21d8cbf78d6851\">\u201eIch wei\u00df nicht&#8221;, sagte sie dann tonlos. \u201eIch war niemals woanders.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"891941a525a7e72154cc400582b707e4\">Er h\u00e4tte es gesp\u00fcrt, wenn sie das nicht ernst gemeint h\u00e4tte. Alle Magier sp\u00fcren L\u00fcgen. Und kein Kind l\u00fcgt so geschickt, um einen Regenbogenritter zu t\u00e4uschen. Sie schaute zu dem Haus hin\u00fcber und wirkte dabei urpl\u00f6tzlich jammervoll. Zerbrechlich. Verletzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"29f33eeddf9569ec1a3182d337a83e87\">\u201eIch geh\u00f6re also nicht hierher?&#8221;, fragte sie leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"bdd90200e1f85137ab20bcbe50425006\">Er z\u00f6gerte. Dann legte er ihr seine Hand auf die Schulter. Sie zuckte nicht einmal zusammen unter dem goldenen Panzerhandschuh, ein sicheres Zeichen daf\u00fcr, dass sie keine junge Schattens\u00e4ngerin sein konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"1768c44c4b3f2450dc5bfd76ede154d1\">\u201eKleines&#8221;, fragte er leise, \u201ewo ist deine Mutter?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"07af3ba0ece8054d8d5c48fa24c54e64\">\u201eDa drin&#8221;, sagte sie tonlos, verwirrt. \u201eSie webt den Zauber, der uns &#8230; den Wald und das Haus besch\u00fctzt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"46b558c7a1a815eece81bc742068e184\">\u201eEine Frau ist also da drin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"89fecc7bf590872af59454c17e9ff4a6\">\u201eJa. Meine Mama.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"78a6ce40d7846efe6b0064f1aff57198\">\u201eUnd deine Mama <em>zaubert<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"50b0dde476ee9c54e70b889c97ed6a63\">\u201eNicht besonders gut. Sie gibt sich aber ganz viel M\u00fche.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"927b6597e75cad0ad9acb8ad6f09896e\">\u201eKleines &#8230; wer ist dein Vater? Wieso erlaubt er deiner Mama &#8230; in &#8230; an diesem Ort zu sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3af7833100b225d66d054133d313ac51\">\u201eAber mein Papa ist doch der Meister&#8221;, sagte sie fl\u00fcchtig. \u201eDer Gro\u00dfmeister der <em>camat&#8217;ay<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0bc4ace2de63d43ef07a940ea6e383a\">C\u00fdel\u00fa war es, als werde sein Blut im Augenblick zu Eiswasser. Das Kind unter seiner Hand war so klein und zerbrechlich, ein so strahlendes kleines Herz. Bei den M\u00e4chten! Wie konnte das sein? Wie konnte Patagh\u00edu etwas so <em>Entsetzliches<\/em> zulassen?<\/p>\n<p data-p-id=\"f00fd7f84845ade8ab3292c25354794f\">\u201eNein. Du geh\u00f6rst ganz sicher <em>nicht <\/em>hierher&#8221;, sagte C\u00fdel\u00fa tonlos.<\/p>\n<p data-p-id=\"bc5966831cd60ccc5dd468c365bd973b\">\u201eAber ich war nie woanders&#8221;, sagte sie erschrocken. \u201eIch &#8230; ich will zu meiner Mama.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d8556eda77207d3b203ad0b600b45771\">\u201eDas geht nicht, Kind.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b3d2b3a6ebb7f3b20e5751955b867e6d\">\u201eDoch. Sie hat mir versprochen, mir die Geschichte von dem dummen <em>teirand<\/em> und dem Goldstroh zu erz\u00e4hlen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4abdc3d18cc563afc2b40c857e34de02\">\u201eDu kommst mit mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"44c10aa18650007fa755bb52d21891ad\">Sie drehte sich zu ihm um. \u201eNein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6e03a629fffbc2f6a383b7bf61669d0d\">\u201eDu darfst hier nicht sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbee1815cc996be8f02790dc5bf7cb7f\">\u201eIch will nach Hause!&#8221; Sie schl\u00fcpfte unter seinem Arm hindurch und versuchte, aus dem Sattel zu gleiten. Er griff nach ihr und zog sie wieder an sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"aacb76f753bb2a9a14ec24df59e8ca12\">\u201eDu kommst mit mir!&#8221;, sagte er eindringlich und wendete das Einhorn.<\/p>\n<p data-p-id=\"9eb88c5ed40fb4fbd23957ab3dea774e\">Sie war einen Moment starr vor Verbl\u00fcffung. Dann wehrte sie sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"beaeb4f9803f470acac67ebf8ae3dd31\">\u201eLass mich los! Ich will runter!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3496339f216debe547a003b7ff9e2542\">\u201eIch bringe dich an einen besseren Ort.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a1ef4a5ea93327fbf0af9bce1d095f1\">\u201eNein! Ich will &#8230; ich will &#8230; lass mich runter! Lass mich runter!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0931634f8668f109b12f1e956fd8f1a1\">Er dr\u00fcckte sie fest an sich und spornte sein Reittier an. \u201eHalt still! Du kommst mit mir!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0de11384ee23ce95386f1460c2c35a7f\">\u201eNein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b7d991ce8680b5bd497f0486e6dee66\">\u201eSei vern\u00fcnftig! Wir m\u00fcssen weg von hier. Wir m\u00fcssen &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"20f9ad8c04c76a4a7f42279dbbcbc68d\">\u201eMama! Mama! MAMA!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"615920a1144644652c028d202f3f10ef\">Ihre Stimme war panisch, voller Entsetzen. Nun sp\u00fcrte er Angst von ihr ausbranden, hochlodern als sei sie eine Fackel, die Feuer gefangen hatte. Er zog sie an sich und versuchte, ihr den Mund zuzuhalten, bevor man sie h\u00f6ren konnte. Ihre kleinen F\u00e4uste trommelten w\u00fctend auf seinen Harnisch. Sie k\u00e4mpfte, wand sich in seinem Griff wie ein Fisch und war kaum zu b\u00e4ndigen. So sehr wehrte sie sich, dass er einen Moment im Sattel schwankte und Perlenglanz ganz verwirrt vor der unvermittelten Unruhe auf seinem R\u00fccken scheute und auf der Stelle zu t\u00e4nzeln begann.<\/p>\n<p data-p-id=\"e414911d9b53c7447f92289de1501603\">\u201eNimm Vernunft an!&#8221;, zischte er sie flehend an. \u201eDu kommst jetzt mit mir. Ich bringe dich in <em>Sicherheit<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5fd0a2a540b1c99dc3b9f5b619f5ec1f\">Sie k\u00e4mpfte ihren Mund frei. H\u00e4tte er die Handschuhe nicht getragen, wahrscheinlich h\u00e4tte sie versucht, ihn zu bei\u00dfen. \u201eMAMA!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"af3714b5f639ff70cdcccbb3d4085650\">Beim Haus bewegte sich etwas, er sah am Rande seines Blickfeldes, dass jemand in der T\u00fcr auftauchte, eine Frau, und wie erstarrt stehen blieb. Er riss an den Z\u00fcgeln des Einhorns, zwang es in die richtige Richtung, k\u00fcmmerte sich nicht um das Heulen und Kreischen des Kindes und wollte angaloppieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"d7311250c847b803214e4dba0edb437a\">Aber der Weg war ihm versperrt. Dort, aus dem Wald, jagte ein Reiter heran, z\u00fcgelte sein Ross und stellte sich ihm in die Bahn. Ein Ritter war es, ein unkundiger Mensch, einer mit gr\u00fcn-gelbem Waffenkleid auf einem m\u00e4chtigen braunen Pferd. Den Rand seines Helms zierte ein Kranz aus ineinander verflochtenen B\u00e4ndern, ein Zeichen daf\u00fcr, dass er eine <em>h\u00fdardora<\/em> hatte, auf seinem Schild prangte ein Wappen mit einem Rehbock. Sein Schwert hielt er bereits offen in der Hand.<\/p>\n<p data-p-id=\"b75db1262549a5d3bbeb4db1539ae576\">\u201eHe! Lasst augenblicklich das Kind los!&#8221;, rief er gebieterisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"f5155aaa5acc4429f9f33bc8af10355b\">Die Frau an der T\u00fcr riss sich aus ihrer Erstarrung los. Sie rannte, als sei ihr Leben in Gefahr, unmittelbar auf ihn zu. Er h\u00f6rte sie den Namen des kleinen M\u00e4dchens rufen, schrill, in h\u00f6chster Not, in einer Verzweiflung, die wohl nur eine Mutter zustande brachte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b7f430c3f7c926cd7af9ff3b3100d955\">C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor schaute betroffen vom einem zum andern.<\/p>\n<p data-p-id=\"36b423545cd74ecaad0c2c6667595042\">Bei den M\u00e4chten. In was war er nur herein geraten?<\/p>\n<p data-p-id=\"f1966e998dcda47274573eabb98fb50e\">Er seufzte tief, wirkte einen Bann gegen die Frau, griff an seine Seite und zog sein Schwert, knapp an D\u00fdamir\u00e9es tr\u00e4nen\u00fcberstr\u00f6mtem Gesicht vorbei. Er war bereit, das <em>Richtige <\/em>zu tun.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2463","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2463","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2463"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2463\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3752,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2463\/revisions\/3752"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2463"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2463"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2463"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}