{"id":2460,"date":"2025-08-25T11:59:03","date_gmt":"2025-08-25T09:59:03","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2460"},"modified":"2025-09-01T09:01:03","modified_gmt":"2025-09-01T07:01:03","slug":"026-die-tuer-zwischen-den-traeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/026-die-tuer-zwischen-den-traeumen\/","title":{"rendered":"026: Die T\u00fcr zwischen den Tr\u00e4umen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"e64a3ea2a22cea818f79631f4a91628f\">Gal\u00e9ons Geist flackerte. Er war ein Gef\u00fchl, das ihm nicht unbekannt war, aber jedes Mal aufs Neue war es unangenehm, so als br\u00e4chen Welt und Wirklichkeit um ihn herum weg und er l\u00f6se sich in Fetzen auf. Es war, als w\u00e4re sein ganzes Sein eine Schnur, die langsam an einer rauen Kante aufscheuerte und sich zerfaserte, bis auf einen allerletzten Strang, fein wie ein Spinnenfaden und h\u00e4rter als Stahl. Ein unzertrennbarer Faden, der ihn ans Leben fesselte, selbst wenn alles andere um ihn herum verging.<\/p>\n<p data-p-id=\"d18a0cf6f9b8511ff3b5e0f6cdfce807\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> wimmerte stimmlos. Er war sich bewusst, dass er um einen hohen Preis dorthin gegangen war, von wo es kein Zur\u00fcck mehr gab, nicht f\u00fcr Unkundige. Eine Zwischenwelt, in der er nichts zu suchen hatte, und was es umso verst\u00f6render und qualvoller machte, diese Gefilde zu betreten und nicht dort bleiben zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6e95173855ecb4b74a3c1b7f8dcaf9d0\">Allerdings \u2013 auch wenn Gal\u00e9on nicht wirklich verstand, <em>wo<\/em> er war, hatte er gelernt, diesen Weg einzuschlagen. Immer, wenn es geschehen war, war es gewesen, als st\u00fcrze sein Bewusstsein aus gro\u00dfer Tiefe hinab in einen Schacht, einen bizarren Korridor, an dessen Ende nicht war als eine verschlossene T\u00fcr. Heute war das erste Mal, dass Gal\u00e9on <em>willentlich<\/em> an diese T\u00fcr anklopfen wollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"7420b6d858c7c450f0ecaab10a84e998\">Wenn nicht am Ende dieses Weges, hinter der T\u00fcr &#8230; wo sollte das Phantom sonst sein, das ihn in seinen Tr\u00e4umen beobachtete, von au\u00dferhalb des Zaunes, von hinter-den-Tr\u00e4umen?<\/p>\n<p data-p-id=\"b673e1308c304f1bdad093c5b8e23622\">Das Flimmern wurde unertr\u00e4glich. Der junge Mann sp\u00fcrte, wie sein Bewusstsein sich aufl\u00f6ste, bis auf diesen einen, letzten Gedanken, den er um jeden Preis mit durch die T\u00fcr hindurch nehmen wollte. Das Traumphantom <em>musste<\/em> davon erfahren. Es konnte nicht sein, es durfte nicht angehen, dass &#8230;. Ja, was eigentlich? Gal\u00e9on hatte es vergessen, so wie er seinen Namen vergessen hatte und dass er sterbend und lebendig zugleich in einem Brunnenschacht hing, damit er niemandem von dem Dingen in der W\u00fcste berichtete und nicht die Geschichten von &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"c63b63ae336103ad775295464ba6f61f\">Die letzte Faser seines Verstandes verwehte in der Unwirklichkeit, und die T\u00fcr \u00f6ffnete sich, einen Spalt weit nur. Und das Licht &#8230; das Licht &#8230;. es war nicht f\u00fcr ihn. Er musste drau\u00dfen bleiben, als st\u00fcnde er in einem dunklen Hausflur, ein Bittsteller, der ignoriert wurde. Aber diesmal hatte man ihn bemerkt. Gal\u00e9on sp\u00fcrte Erleichterung. Sein Verstand fand wieder zusammen, bet\u00e4ubt, aber ohne Schmerzen. Wie in einem Traum.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ea5dd0968e6f74af3ef911778cfbf8a\"><em>Was willst du hier?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e1c0c5d6bd061ebd338e94ce6b07a4b1\">Nein, es konnte nicht sei. Das Licht hatte keine Sprache. Das Licht brauchte keine Worte. Das hier war jemand anderes. Er erkannte die Stimme, die ihm zugesprochen, die ihn beschworen hatte, reglos und mucksm\u00e4uschenstill zu sein, damals, als er noch klein und wehrlos war.<\/p>\n<p data-p-id=\"67e21522b0c0af1d8caf74433ae4778d\"><em>Wieso w\u00e4hlst du einen so gef\u00e4hrlichen Weg hierher?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a993295332a940d4e4c50fe70de78882\">\u201eGibt es denn einen anderen?&#8221;, dachte Gal\u00e9on benommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"318516abd258598ad8ad23c81ed55fc0\">Die Stimme lachte am\u00fcsiert und formte sich, nahm Klang und Substanz an. <em>Nat\u00fcrlich. Aber nicht f\u00fcr dich. Nicht so. Noch nicht.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2c3c7adc1f022185415d21003b9d4cb0\">\u201eIch kenne dich!&#8221;, wisperte Gal\u00e9on lautlos. \u201eIch bin dir einmal begegnet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"041442cdf00c0c448dedb67633bc0ca3\"><em>Ich wei\u00df.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"1fc3390c885f34a4613a03a567c6fdc1\">\u201eWir waren miteinander verbunden, nicht wahr? Die M\u00e4chte h\u00e4tten es so gewollt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b851a4bc5d9cc65119ff50355e4123d6\"><em>Ja.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"41f3307cf236006b1736da993678566f\">\u201eWarum war es nicht so?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0b151bab3b5e09127efac6eb471709bc\"><em>Ich hatte dich aus den Augen verloren und war anderen Dingen gefolgt. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"4721616fb7a8129a67f3a1dbc4322bf6\">\u201eAber du bist manchmal in meinen Tr\u00e4umen, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"44bdff802948c4b212c7d8ccd5879068\"><em>Ja. Ich habe dich dort gesucht, sobald ich konnte.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"fe72382c4504512b4861d25a555381a5\">\u201eWarum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"644db2e9b6c350af6609f80a51290dae\"><em>Weil du nun <\/em>mich <em>finden musst. Das ist wichtig, sehr wichtig.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"efaa51c03571044fe3a1bd055e207d9a\">\u201eHabe ich dich nicht gerade gefunden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2ce0720276ffa08e2199a1dda7df82b1\"><em>Nein. Nicht hier. Hier bin ich nicht.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2a3e60602654edc3325cc9ef32fd31b9\">\u201eWer bist du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cd740aba3f576bb6fa2e558a5b3c65d7\">Die Stimme war dicht bei ihm, und er sp\u00fcrte, dass sich etwas ver\u00e4nderte. Es f\u00fchlte sich an, als baue sich um ihn herum so etwas \u00c4hnliches wie ein K\u00f6per auf, substanzlos und \u00e4therisch, aber so beschaffen, dass die Fetzen seines Geistes dorthin strebten wie ein Magnet. Das war unheimlich, aber es tat gut. Es war wie ein Vorgeschmack auf etwas, das einmal m\u00f6glich sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"26b30594621c1fb6fc3814b71b13fbfc\"><em>Es ist zu fr\u00fch, dass du das erf\u00e4hrst.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"995beefe7d95493bab76d58b8fcb6682\">\u201eUnd wer &#8230;. <em>was <\/em>bin ich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a7d2ac42e228b4511756084f2b0eca9b\"><em>Auch das wirst du zu gegebener Zeit erkennen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e86bfc274e1a62567c1cf81238e90692\">\u201eIch werde keine Zeit mehr haben, zu warten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e6b42fd955f8b97fd88e5a2c0c37b9cf\"><em>Das ist schade, f\u00fcr jemanden, der neben der Zeit steht wie du es tust.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"dc50d8fac76311342ddc19d3be612088\">\u201eAber ich werde dich nicht finden, wenn du mir jetzt nicht hilfst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"16f3de5343ac8ca9b5f3ea68ae35efcd\">Keine Antwort. Aber er, obschon ohne K\u00f6rper, f\u00fchlte sich bemerkenswert real, so wie er in dem schmalen Streif des Leuchtens stand, das er nicht betreten konnte,<\/p>\n<p data-p-id=\"58bd389597a2f64359e54127011b2dd3\"><em>Wie kann ich dir helfen, bevor wir einander gefunden haben?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"64ea856cbdfe985e19806ffc48afcc6a\">\u201eIch brauche einen Zauber, den ich nicht beherrsche.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"db2ba0bc50671899f1ba658ad985198b\"><em>Und wie kommst du darauf, dass ich dir damit helfen kann?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"9654a5eceb54b987aa43f419a0eab72c\">\u201eWenn du derjenige bist, von dem ich es denke, dann wei\u00df ich es.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d1f5e409a6ce5097fa8d1e1fc3e5e20\"><em>Ich kann nicht zaubern. Nicht mehr. Nicht hier. Es ist vorbei.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"97e05ac5b53dd2afd3a9a117bbe93fa2\">\u201eIch fragte mich, ob du mir nicht wenigstens erkl\u00e4ren kannst, wie man es macht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"899befb9ab661a63daac5a3a3c6d77dd\"><em>Was will ein Unkundiger mit einem Zauber?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"fc47dc7d39c8e94a08125d59038019bd\">\u201eIch bin kein Unkundiger. Ich &#8230; wei\u00df Dinge.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f401a727cc406428b139577f77d774ea\"><em>Was glaubst du, was du bist?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"84f62f3bfa9ceeb5f8b7c952e083dc6e\">\u201eIch wei\u00df nicht, nicht genau. Aber ich will es selbst herausfinden, bevor ein anderer es tut.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1801a70f96485d7951ff66627b63d24\"><em>Ahnst du es denn?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"524b1668fdf136afca415678f5b6839d\">\u201eJa. Genau deswegen bin ich hier. Deshalb habe ich dich hier gesucht. Ich glaube zu wissen, wer du bist. Was du bist. Dass ich vielleicht tats\u00e4chlich <em>deinesgleichen<\/em> bin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a9e1e0a151b1ad0e346e1e822d1c62ba\"><em>Und?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"302a2be1735d508741bbe36513ed215d\">\u201eWenn ich mich nicht irre, vielleicht kann ich &#8230; nun, etwas bewirken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e611a0b189895bb66d2fd9ab7909c46\"><em>Sehr gut. Aber &#8230;wenn ich dir helfe, was bist du bereit, mir daf\u00fcr zu geben?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"47a20b0c64e662d5c5e04d4d5b854ace\">Nun war Gal\u00e9on verbl\u00fcfft. \u201eDu willst mit mir handeln?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4415d4ee32ff1f4e0b5d1bb20fb77453\"><em>Ist es nicht dreist, mich hier aufzusuchen, mich zu beschw\u00f6ren und dann noch ein Geschenk zu fordern?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"90edad4a70052387a97b05c89108e154\">\u201eWas ist es, das ich dir anbieten k\u00f6nnte? Ich bin ein armer <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Und du, du bist &#8230; ein <em>Phantom<\/em>, das manchmal durch meine Tr\u00e4ume geistert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5c8ecac0aa4179cdb4845b213ee3b6f9\"><em>Es h\u00e4tte anders sein sollen. Es war mein Vers\u00e4umnis, mein Versagen, dass es kam, wie es ist. Und doch, vielleicht war es besser, wie es gekommen ist. Es er\u00f6ffnet &#8230; M\u00f6glichkeiten.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"c562afc87a4949eb3d868dfe0f5dcfbd\">\u201eDas hilft mir gerade nicht wirklich aus meiner Lage&#8221;, sagte Gal\u00e9on. Das Licht war so sch\u00f6n, so warm, so &#8230; wie sehr sehnte er sich danach.<\/p>\n<p data-p-id=\"6163caa773729823fa52bef5f62aa51a\"><em>Wenn ich dir helfe, was wirst du tun?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"ae4c57f76c14287ac951d0bc19048342\">\u201eWei\u00dft du, was in der W\u00fcste ist, oder muss ich es dir erkl\u00e4ren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"56624492c82b99d746d9661fefc12fc5\"><em>Ich wei\u00df es. Aber ich darf es dir nicht sagen. Es ist deine Aufgabe.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6146a84e6bd6d63d7b4e71a44a3df0b6\">\u201eSollten &#8230; andere davon erfahren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bb5359ab9b9b18c00190e4c8f7ba7b91\"><em>Nat\u00fcrlich. Die richtigen Leute. Redest du zu viel am falschen Ort, wird es dich mehr kosten als ein wenig Schmerz und Tr\u00e4nen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"16163353b4e2e431452ca5b41fce9689\">\u201eDann hilf mir, nur dieses eine Mal. Hilf mir, damit ich mir selbst helfen kann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0616976b9b0ace99427e52c984a776ab\">Die Stimme schwieg, be\u00e4ngstigend lang.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a5533134ed2b541012002bc1866966c\">\u201eWenn ich deinesgleichen bin&#8221;, versuchte Gal\u00e9on es listig, \u201ew\u00e4re es dann nicht eine furchtbare Schande f\u00fcr unseresgleichen, wenn ich mich nicht selbst befreie?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a3fc25da8570c5f65acf0c1bfe0cf47\"><em>Was kann ich dazu tun?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"4a03906c45ee1b092ac9b037d1feaa7f\">\u201eLehre mich nur einen winzigen Zauber. Nichts Arkanes, das ich ohnehin nicht vollbringen k\u00f6nnte. Es w\u00fcrde gen\u00fcgen, wenn ich Materie manipulieren k\u00f6nnte, nur ganz wenig, nur f\u00fcr kurze Zeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c64d292ab015dbe491ddf2922cc87541\"><em>Du bittest mich um einen l\u00e4ppischen Zaubertrick? <\/em>Die Stimme klang fast gekr\u00e4nkt.<\/p>\n<p data-p-id=\"cffc9f4b7ba9f1ed21e7cd29e20a0d7c\">\u201eJa. Ich bin nicht so anma\u00dfend, um ein Wunder zu bitten. Ich wei\u00df bereits, was ich tun will und ich hoffe, dass ich die F\u00e4higkeit dazu in mir trage. Vielleicht kann ich die richtigen Leute &#8230; warnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f10bdd0179d6c7caf054ac01b3d3ab49\"><em>Du wei\u00dft, was es bedeutet, meinesgleichen um Wissen zu bitten? Welchen Preis du daf\u00fcr zahlen wirst?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"79b3eabc00c31cefad3e2b35f84feafa\">\u201eIch denke, ich bin ohnehin schon lange hoch verschuldet bei dir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"10188db4834e92da5ff55269ed9bb606\"><em>Nun gut, ich werde dir eingeben, wie du es bewirkst, denn die Kraft dazu besitzt du tats\u00e4chlich.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"b89b15311a6b3fe7250d2ed86e02b7a6\">\u201eWas willst du daf\u00fcr haben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"10729b33efeadfa11677e73a844b3f06\"><em>Dich.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6ba6149e2b906cc24cc2a992632aedf5\">Gal\u00e9on schauderte. Aber er hatte fast damit gerechnet, je l\u00e4nger er mit der Stimme im Licht geredet hatte. Nun, vielleicht &#8230; war das gar nicht so schlecht.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ad3d60909b6de8762a51be443c3be54\">\u201eWo kann ich dich finden, um es einzul\u00f6sen? Kann mir jemand den Weg weisen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b443ed8d5f926db9561fd2ff2a5d759\"><em>Wenn du den Dingen in der W\u00fcste entgegentreten willst, ben\u00f6tigst du Verb\u00fcndete. Wenn dir der Zauber gelingt, tue, was du dir ausgedacht hast und finde dann jemanden namens Yalomiro Lagoscyre. Mehr darf ich dir nicht sagen. Es ist deine Reise, dein Werden. Dein Zug im Weltenspiel. Aber sei auf der Hut.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8e7a0f484d8c226e8530d4ce24894386\">\u201eIch verstehe. Ich werde dich finden und dein sein, wenn dies hier ausgestanden ist. So, wie die M\u00e4chte es wollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2e527b0f4ff59ab3d3057ec911805db0\">Die Stimme <em>l\u00e4chelte<\/em>. Gal\u00e9on ahnte, wie zufrieden sie mit diesem Zugest\u00e4ndnis war.<\/p>\n<p data-p-id=\"11ae527b2f272a3d1b61e80dcbdfff8f\">Dann explodierte eine Idee in seinem Selbst und riss ihn zur\u00fcck ins Bewusstsein. Alles fuhr in ihn zur\u00fcck, wie eine zur\u00fcckschnellende Bogensehne, und er war wieder in seinem gemarterten Menschenk\u00f6rper, allein in der Finsternis, und im Brunne echote tropfendes und flie\u00dfendes Wasser.<\/p>\n<p data-p-id=\"95356cc18d53527b068383abb2bf50e7\">Gal\u00e9on keuchte ersch\u00f6pft, bis er wieder bei Atem war. Dann schloss er die Augen und konzentrierte sich, so fest und flehentlich, dass es ihn nun auch im Kopf schmerzte. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> malte sich aus, was er haben wollte und beschwor die Wirklichkeit unter seinen Willen. Er <em>zauberte<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"99ae3ad89a473d79b01e11cce158b6fd\">Es dauerte eine Weile, bis es gelang. Gal\u00e9on stellte sich vor, wie das Gold weich wurde wie z\u00e4hes Wachs, das in der Sonne aufweichte, nicht g\u00e4nzlich schmolz wie unter einer Flamme, aber nachgab, vorsichtig, langsam, sorgf\u00e4ltig. Atemzug um Atemzug weiteten sich die goldenen Spangen um seine Gelenke um Winzigkeiten. Er durfte es nicht zu hastig tun. Sobald er den Gedanken vertrieb, zu viel Kraft auf einmal hinein leitete, w\u00fcrde ihm die Magie entgleiten und entwischen. Es war anstrengend und kostete den jungen Mann den allerletzten Rest seiner Kraft.<\/p>\n<p data-p-id=\"12aa5db7be7b96f3a0dd46b5d68240c1\">Als der Gong von den Stadtmauern zur Mitte der Nacht ert\u00f6nte, waren die Metallschellen weit genug, dass Gal\u00e9ons maltr\u00e4tierte H\u00e4nde herausschl\u00fcpfen konnten. Erleichtert lie\u00df der <em>b\u00e1chorkor<\/em> sich in die Dunkelheit fallen, diesmal bei vollem Bewusstsein. Der Schlick des halb versiegten Quells fing ihn sanft auf, wie versprochen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"2a20ed4bad3cfbde7703f03584569a0b\">Der See war kalt. Wirklich eiskalt. Aber ich f\u00fchlte es erst, als mein K\u00f6rper zu fr\u00f6steln begann. Ich konnte nicht sagen, wie lange ich im Wasser gehockt und in den Himmel gestarrt hatte. Mein Geist war blank, vollkommen leer. Ich <em>weigerte <\/em>mich zu verstehen, was da gerade passiert war.<\/p>\n<p data-p-id=\"76a07da559b8401814fd4c600f9d7302\">Ein wildfremder Mann, ein fremder Magier, hatte D\u00fdamir\u00e9e geraubt. Einfach so. Ohne Grund. Und was hatte ich getan? Hysterisch herum geschrien hatte ich, nicht mehr. Ich hatte mich \u00fcberrumpeln und festbannen lassen wie &#8230; wie eine Unkundige.<\/p>\n<p data-p-id=\"d6d8bb1f66f711f307c80bd20770af4b\">Versagt hatte ich, als Mutter, als Magierin, als Mensch. Ich allein war schuld daran, dass das alles hatte passieren k\u00f6nnen. Der Regenbogenritter hatte den Wald nur betreten k\u00f6nnen, weil mein dilettantischer Schutzzauber nicht gehalten hatte. Nein, nicht nur nicht gehalten \u2013 weil ich ihn <em>willentlich aufgegeben<\/em> hatte. Weil ich nicht in der Lage gewesen war, es richtig zu machen und mir eingeredet hatte, dann k\u00f6nne ich es auch gleich bleiben lassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"efc69a0b96bc3a617963ddb064628d18\">\u201eD\u00fdamir\u00e9e&#8221;, schluchzte ich. Mir klapperten die Z\u00e4hne, aber es war nicht allein die K\u00e4lte. Es war allgewaltiges Entsetzen, Fassungslosigkeit. Etwas, das ich nicht einmal als Verzweiflung identifizieren konnte, denn es f\u00fchlte sich derart irreal, so absurd an, das es gar nicht wirklich an mich heran kam. Ich stand unter Schock.<\/p>\n<p data-p-id=\"f5e3128bc552b1f76a19a753b534f4f4\">Mein Kind war fort. Der fremde Mann hatte sie mitgenommen. Einfach so. Er hatte sie gestohlen. Bei den M\u00e4chten! Wenn er ihr nun etwas antat?<\/p>\n<p data-p-id=\"1306b9ba634a0bc6a4b2bedea39fd680\">Ich rappelte mich auf. Es hatte keinen Sinn, dass ich im Wasser hockte und den Nachthimmel anstarrte. Er war fort. Er war einfach so weggeflogen. Mit D\u00fdamir\u00e9e im Arm, die weinte und nach mir gerufen hatte. Und ich? Ich konnte ihr nicht folgen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d58dd2bbf933378b55da4757c638c0f\">Kaum stand ich, wurde mir wieder schwindelig und ich sank in den See zur\u00fcck. Noch machte ich mir keine Gedanken dar\u00fcber, erst sp\u00e4ter wurde mir klar, dass ich so schwach und konfus war, weil ich mit einem Schlag, instinktiv und v\u00f6llig sinnlos, all meine magische Energie verbraucht hatte. Ich sp\u00fcrte den Nachhall der Entladung, die es dabei gegeben hatte. Die Haut \u00fcberall an meinem K\u00f6rper f\u00fchlte sich sonderbar an, es brannte, wie aufgesch\u00fcrft und mit Nesseln bestrichen. Was immer ich da gemacht hatte, ohne dar\u00fcber nachzudenken, vielleicht h\u00e4tte es den Regenbogenritter aus dem Sattel geworfen, wenn es ihn \u00fcberrascht hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"35afcc1f3147d278a8f3f66b51114188\">Schlie\u00dflich krabbelte ich auf allen Vieren zur\u00fcck ans Ufer. Nachdenken konnte ich immer noch nicht. All meine Gedanken kreisten vorwurfsvoll um die Tatsache, dass ich mich nun nicht einmal in einen Vogel verwandeln und den Entf\u00fchrer so zumindest h\u00e4tte verfolgen k\u00f6nnen. Nicht, dass meine magischen F\u00e4higkeiten dazu jemals ausgereicht h\u00e4tten. Yalomiro hatte mir nie beigebracht, einen anderen K\u00f6rper anzulegen. Wieso auch? Wie sollte ich mich in einen Vogel verwandeln, wenn ich es nicht einmal fertig brachte, diesen verfluchten Schutzzauber um den Eta\u00edmalon aufrecht zu erhalten?<\/p>\n<p data-p-id=\"478e23ca5ac0dd308a281cf80243f35d\">Wo brachte der Magier sie hin? Was hatte er mit meinem Kind vor? Was f\u00fcr ein Irrsinn war das?<\/p>\n<p data-p-id=\"d79f0c6ffbf8c19a3a41e17c9bd552e7\">Warum hatte ich zugelassen, dass sie allein im Wald herum lief?<\/p>\n<p data-p-id=\"6d94c0f4f3df68a9f2e828c006f113cc\">Warum entf\u00fchrte ein Regenbogenritter ein Kind? Und &#8230; was wollte er von Yalomiro?<\/p>\n<p data-p-id=\"594b142bb456bd6c58cc4348a8086cea\">Ich schleppte mich auf den Kiesstrand und blieb dort einen Augenblick liegen. Yalomiro &#8230; wie sollte ich ihm erkl\u00e4ren, was passiert war? Wie konnte ich ihm \u00fcberhaupt <em>mitteilen<\/em>, was sich in dieser Nacht zugetragen hatte? Er war fort, weit fort, auf der anderen Seite des Montaz\u00edel.<\/p>\n<p data-p-id=\"482eba638f9810c7a2cc8f988b59fcc0\">Er war &#8230; fort. Ich drehte mich auf den R\u00fccken und starrte zu den Sternen auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"fe37c89eb6cd5e453d2409130d27db97\">Das erste Mal in zehn Sommern hatte er den Boscarg\u00e9n l\u00e4nger als ein paar Stunden verlassen. Ausgerechnet jetzt tauchte der Regenbogenritter auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"beef9f4d89c42236de8e2b16889005fe\">Warum gerade jetzt? Was sollte das?<\/p>\n<p data-p-id=\"6cd7545faa434c70a2349835543731c1\">Ich schloss die Augen und rief nach Yalomiro, aber ich bemerkte schnell, dass das gar keinen Zweck hatte. Ich war <em>leer<\/em>, die Magie verpulvert f\u00fcr einen albernen Versuch, einen m\u00e4chtigen Magier niederzuschlagen. Ich lachte auf und begann zugleich, hemmungslos zu heulen. Selbst <em>wenn<\/em> er just in diesem Moment seinerseits nach mir riefe, nur um sich zu vergewissern, dass es mir gut ging, ich konnte ihn nicht erreichen. Zumindest vorerst nicht, m\u00f6glicherweise nie wieder, falls ich es geschafft haben sollte, die Magie komplett fortzuwerfen und meine <em>maghiscal<\/em> selbst auszul\u00f6schen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0d98188de01630162e49d71a372137f7\">\u201eYalomiro&#8221;, wimmerte ich. \u201eYalomiro &#8230; was habe ich getan? Was habe ich zugelassen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e35a3e37552423c3c9739ddb97e58c9f\">Was mochte D\u00fdamir\u00e9e nur jetzt ausstehen! Was immer der Regenbogenritter urspr\u00fcnglich vorgehabt hatte, ganz offensichtlich hatte er spontan seine Pl\u00e4ne ge\u00e4ndert. D\u00fdamir\u00e9e war so arglos, so unschuldig, sicherlich hatte sie sich ihm ohne jede Angst gen\u00e4hert. Vielleicht hatte er sie mit dem sch\u00f6nen Einhorn angelockt. Wenn sie nur nicht in Panik geriet, sich freistrampelte und aus der Luft hinab st\u00fcrzte!<\/p>\n<p data-p-id=\"5913ac06f9c6a59ed523342eb1562e33\">Wo brachte er sie hin? Nach Aur\u00f3p\u00e9a, ganz in den S\u00fcden? Was w\u00fcrde er mit einem Kind, einem kleinen M\u00e4dchen tun? War D\u00fdamir\u00e9e in Gefahr? Oder w\u00fcrde er darauf achtgeben, dass ihr nichts zustie\u00df \u2013 falls er sie als Geisel genommen hatte? Seine Worte hatten sich fast danach angeh\u00f6rt. Er wollte D\u00fdamir\u00e9e gegen etwas tauschen. Aber gegen was?<\/p>\n<p data-p-id=\"fe3c6d233bb8d88819eacd60c6b1c17e\">Warum das alles? Waren die Regenbogenritter nicht geehrte und geachtete Magier? Hie\u00df es nicht, sie h\u00e4tten damals die Chaosgeister besiegt und sich Ruhm und Ehre bei den Unkundigen verdient?<\/p>\n<p data-p-id=\"e08f4a2f75a42f533511f1835d362ebe\">Yalomiro hatte nie viele Worte \u00fcber die Regenbogenritter verloren. Aber ich wusste, dass Schattens\u00e4nger den Hellen Magiern ver\u00fcbelten, dass diese sich in Zeiten, in denen ihre Hilfe bitter n\u00f6tig gewesen w\u00e4re, aus unerfindlichen Gr\u00fcnden aus allem herausgehalten hatten. Allem Anschein nach waren Schattens\u00e4nger und Regenbogenritter irgendwann einmal zu der \u00dcbereinkunft gekommen, die Angelegenheiten der jeweils anderen zu ignorieren und sich nicht einzumischen. Da ich wusste, dass Yalomiro das Thema nicht ansprechen mochte und es uns hier im Boscarg\u00e9n nicht betraf, so weit fort war und all die Jahrhunderte nie eine Rolle gespielt hatte, hatte ich ihn nie dar\u00fcber ausgefragt. Ich hatte mich mit den Andeutungen begn\u00fcgt, die er bei seltenen Gelegenheiten dar\u00fcber fallen lie\u00df. Irgendwann, hatte ich mir gedacht, w\u00fcrde sich schon die Gelegenheit ergeben, Unkundige danach auszufragen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2ad5fee9d3b90e2d98034e30aa2ed51c\">Aber auch wenn Yalomiro die Regenbogenritter nicht sch\u00e4tzte, er hatte nie auch nur angedeutet, dass sie &#8230; Feinde w\u00e4ren. Ich war mir ziemlich sicher, dass es feindseliger Regenbogenritter das Letzte gewesen w\u00e4re, was er als Gefahr im Boscarg\u00e9n bef\u00fcrchtet h\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"84c0f51504050c7a9d8ae1df0c8ec9c6\">Das ergab also alles gar keinen Sinn!<\/p>\n<p data-p-id=\"891d864ad4c5cba338ffb144b6a49fa8\">Ich weinte. Die Tr\u00e4nen wuschen jeden Gedanken fort, der sich in meinem Verstand festsetzen wollte. Das Geschehene war so unbegreiflich, dass ich es nicht fassen konnte. Ich wisperte nach D\u00fdamir\u00e9e, nach Yalomiro, und am Ende sogar nach Nokt\u00e1ma. Niemand konnte mir helfen, niemand konnte D\u00fdamir\u00e9e helfen. Nicht einmal <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval hatte etwas ausrichten k\u00f6nnen. Er &#8230;.<\/p>\n<p data-p-id=\"c6aa6f40431929418edebd012c9995fe\">Bei den M\u00e4chten! Mor\u00e9aval!<\/p>\n<p data-p-id=\"79d717e15b99c53997b35fe3e8b471cd\">Endlich hatte wenigstens dieser Gedanke, dieser Ansatz von Realit\u00e4tsbezug meinen aufgewirbelten Versand erreicht. Irgendwie schaffte ich es, auf die F\u00fc\u00dfe zu kommen. Wie betrunken, geb\u00fcckt taumelte ich die B\u00f6schung hinauf, musste teils die H\u00e4nde am Boden zur Hilfe nehmen. Als ich schlie\u00dflich den Hang hinauf gekrabbelt war, sah ich ihn unter den \u00d6lb\u00e4umen am Boden. Die Nachtblumen lumineszierten um ihn herum.<\/p>\n<p data-p-id=\"dea9527164e1ebd0a5912f1f999cf6c8\">\u201eHerr J\u00f3ndere!&#8221;, rief ich mit aufwallender Panik. Ich war mir fast sicher, dass er nicht mehr antworten w\u00fcrde. \u201eH\u00f6rt Ihr mich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d4512d582675b20e56ad9bb4b88009be\">Ich schleppte mich heran und stolperte zu seinem reglosen Leib hin\u00fcber. Ich war so schwer, so ersch\u00f6pft, aber ich durfte nicht aufgeben. Wo immer der Ritter so pl\u00f6tzlich hergekommen sein mochte, er hatte versucht, D\u00fdamir\u00e9e zu retten. Fast w\u00e4re es ihm gelungen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c79384d2cfe61a146fc2f85b7790024b\">Obwohl &#8230; nein. Sicher h\u00e4tte der Regenbogenritter <em>nicht <\/em>aufgegeben, h\u00e4tte sich D\u00fdamir\u00e9e um jeden Preis zur\u00fcckholen wollen, was er schlie\u00dflich ja auch getan hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"d9b32ff7f2f17ed5af4268d35d71d047\">Aber wenn es uns allen dreien gelungen w\u00e4re, in den Eta\u00edmalon zu fl\u00fcchten? Wenn &#8230; ach, was n\u00fctzte jetzt noch ein <em>wenn<\/em>?<\/p>\n<p data-p-id=\"486da7501b37edd11544d2874e7cc354\">Ich kroch zu ihm hin\u00fcber. Er bewegte sich nicht mehr, nat\u00fcrlich nicht. C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor hatte nach seiner Schulter geschlagen und den Hals getroffen. J\u00f3ndere Mor\u00e9aval hatte sein Leben f\u00fcr D\u00fdamir\u00e9e gegeben. Ich schluchzte auf. Seine <em>h\u00fdardora<\/em>, das kleine M\u00e4dchen, seine eigene Tochter &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"11c1a9b80c0aebc4952928eeabdce2ce\">Ich schauderte unwillk\u00fcrlich. Der Brief der <em>teiranda<\/em>, Yalomiros \u00dcberlegungen fielen mir ein. Ob es &#8230;weiter ging? Ob das kleine M\u00e4dchen in Wijdlant das n\u00e4chste Kind war, das einen Elternteil verloren hatte, das n\u00e4chste in einer Serie von vielen? Ob &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"848f64c74cf590d120d12edb02105c04\">Ich stutzte, als ich ihn erreicht hatte. Die Blumen, die wei\u00dfen Bl\u00fctenranken auf Ar\u00e1ma\u00fas Grab, sie hatten sich nach dem Ritter ausgestreckt. Sein K\u00f6rper war bedeckt von einem losen Netz aus kriechenden St\u00e4ngeln, samtigen Bl\u00e4ttern und mondwei\u00dfen Bl\u00fctenknospen. Jene, die ihm auf Schulter und Brust lagen, die gl\u00e4nzten nass und rot. Die Wunde von dem sicherlich magischen Schwert, die ihm tief in Schulter und den Hals hinein geschlagen war, die blutete nicht mehr. Die Blumen stillten das Blut.<\/p>\n<p data-p-id=\"d6431c1305cbad1452a785f926b67ac9\">Hatten die Pflanzen, deren Wurzeln, die Ar\u00e1ma\u00fas Leichnam ber\u00fchrt hatten, etwa heilende Kr\u00e4fte? Wom\u00f6glich eine Art Bewusstsein?<\/p>\n<p data-p-id=\"a6d849557ad9fb744d3a0cbd8513f7df\">Einen Moment schaute ich sprachlos auf das Wunder. Dann griff ich zaghaft zu und nahm ihm vorsichtig seinen Helm ab. Das kostete \u00dcberwindung, denn ich bef\u00fcrchtete, es schlimmer zu machen, wenn ich seinen Kopf, seinen verwundeten Hals anr\u00fchrte.<\/p>\n<p data-p-id=\"19acfb7face6eea88d80733f936f3231\">\u201eHerr J\u00f3ndere?&#8221;, fl\u00fcsterte ich. \u201eHerr J\u00f3ndere! K\u00f6nnt Ihr mich h\u00f6ren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"45da398b61094ddf2333844ff327e44c\">Er war bewusstlos, aber nun sah ich, dass er schwach und flach atmete. Mit fiel ein Stein vom Herzen. Er lebte.<\/p>\n<p data-p-id=\"04237f14826659e454cb2dbdff4d365c\"><em>Nat\u00fcrlich<\/em> lebte er! Wie durcheinander war ich, dass ich das vergessen hatte! J\u00f3ndere Mor\u00e9aval war unsterblich, so wie Yalomiro, K\u00edan\u00e1 von Wijdlant und ich selbst. Wir <em>konnten<\/em> nicht sterben, solange das Schwert des Rotgewandeten in dessen Grab versiegelt lag. Allerdings gab es den kleinen, aber bedeutsamen Unterschied, dass J\u00f3ndere Mor\u00e9aval der einzige von uns war, der um sein Schicksal nicht wusste, ahnungslos war. Er hatte den Regenbogenritter nicht tollk\u00fchn in dem Bewusstsein attackiert, dass er dabei nicht sein Leben verlieren konnte. Er war bereit gewesen, f\u00fcr D\u00fdamir\u00e9e zu sterben, f\u00fcr ein aus seiner Sicht fremdes Kind. Bei den M\u00e4chten, er hatte mehr riskiert, mehr Tapferkeit und Selbstlosigkeit bewiesen, als ich es f\u00fcr meine eigene Tochter hatte vollbringen k\u00f6nnen!<\/p>\n<p data-p-id=\"247560c4888aac12f2f9aa558b106fb9\">Die Unsterblichkeit machte ihn allerdings nicht unverwundbar, das sah ich mit eigenen Augen. Er ben\u00f6tigte dringend Hilfe. Wenn der Schock und der Blutverlust ihn nun in eine Art Koma versetzt hatten, wer wusste schon, ob er jemals wieder zu sich kommen w\u00fcrde, wenn niemand ihn fachkundig versorgte? Ich schaute schaudernd auf die Wunde und fragte mich, ob hier nicht selbst Isan am Ende ihrer F\u00e4higkeiten gewesen w\u00e4re. Wahrscheinlich. Aber mit Magie &#8230; Magie, die ich nicht zur Verf\u00fcgung hatte und selbst wenn, nicht nutzen konnte. Yalomiro h\u00e4tte das gekonnt. Es h\u00e4tte ihn nur ein Lied und ein wenig bedachtsam eingesetzte Kraft gekostet. Schattens\u00e4nger konnten Verletzungen heilen. Salgh\u00edara Lagoscyre konnte es nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"fc61ba32a97b10ca2e703a12ae1d1f7d\">Ich setzte mich neben dem bewusstlosen Ritter nieder und verbarg m\u00fcde mein Gesicht in den H\u00e4nden.<\/p>\n<p data-p-id=\"2bd1a3129bb3a836eeba1dadf79e1853\">\u201eNokt\u00e1ma,&#8221; wisperte ich, \u201eNokt\u00e1ma, bitte verlass mich nicht. Was soll ich denn jetzt nur tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7196d221c7f1b72f47b77bdd80a554d0\">Ich hatte nicht erwartet, dass Nokt\u00e1ma zu mir reden w\u00fcrde. Warum sollte sie? Warum sollte <em>irgendjemand <\/em>in dieser Welt mich in diesem Moment tr\u00f6sten?<\/p>\n<p data-p-id=\"aa0faec9902d3356b8b1095e8c18cc94\">D\u00fdamir\u00e9e hatte ich im Stich gelassen. Yalomiros Vertrauen hatte ich nicht verdient. Den mutigen Ritter hier konnte ich nicht retten.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ab007206bcb52269a28f276d644d8a3\">W\u00fcrde Yalomiro mir jemals vergeben k\u00f6nnen, was ich zugelassen hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"46b1650943bc9f2152795ac90c8045e9\">\u201eYalomiro&#8221;, fl\u00fcsterte ich rau. \u201eBitte, Yalomiro &#8230; ich wei\u00df nicht weiter &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2404f73a178fc2938b63492ede6d354e\">Etwas ber\u00fchrte meinen Kn\u00f6chel. Ich zuckte zusammen und sah, dass eine der Blumenranken an meinem Bein entlang strich.<\/p>\n<p data-p-id=\"a990e9e85b9bdffdc1145ce3a4fbd112\">Die Nachtblumen umarmten den Ritter.<\/p>\n<p data-p-id=\"6e6e06e7a8868bb10de8f8fac8456d95\">\u201eKannst du ihm denn beistehen, bis Yalomiro wieder hier ist?&#8221;, fl\u00fcsterte ich der Pflanze zu. \u201eFalls meine Magie zerst\u00f6rt ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"53336af396d96690f75e27f9317b961b\">Die Blumen antworteten mir nicht. Wie auch, sie hatten weder Mund noch Zunge. Aber auf seltsame Weise f\u00fchlte ich mich ein klein wenig getr\u00f6stet. Ein geisterhafter Hauch, ein Widerhall von Ar\u00e1ma\u00fa war hier. Ich war nicht verlassen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2460","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2460"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3749,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2460\/revisions\/3749"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}