{"id":2457,"date":"2025-08-25T12:00:41","date_gmt":"2025-08-25T10:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2457"},"modified":"2025-09-01T09:00:04","modified_gmt":"2025-09-01T07:00:04","slug":"029-alles-muss-versteckt-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/029-alles-muss-versteckt-sein\/","title":{"rendered":"029: Alles muss versteckt sein"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"40f5368f6134883b54339bfa394db6e8\">Der <em>sinor<\/em> Sah\u00e1al\u00edr schaute zu, wie die beiden Knechte von \u00daldaise den kleinen, zweir\u00e4drigen Karren entluden, den ein braves geschecktes Eselchen aus der Unterstadt bis hierher, zum Ratspalast des <em>konsej<\/em> gezogen hatte. Es war noch so fr\u00fch am Morgen, dass man angenehm auf dem Vorplatz im Freien sitzen konnte, behaglich unter den Arkaden, die das Geb\u00e4ude umringten. Es schienen keine allzu schweren Dinge zu sein, die da in ein paar Kisten und K\u00f6rbe verpackt waren. Aber es war wohl wichtig genug, dass j\u00fcngere <em>sinor<\/em> selbst Hand anlegte.<\/p>\n<p data-p-id=\"387b8dc29829ab965895263bc665d3d5\">\u201eIch danke Euch, dass ich diese privaten Dinge eine Weile hier unterstellen darf&#8221;, sagte der Alte. \u201eEs soll nicht f\u00fcr lange sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8f68dcc46b0703e05a6d468348ba081e\">\u201eAber das ist doch ganz selbstverst\u00e4ndlich. Hoffen wir, dass Euer Gastgeber schnell Herr der M\u00e4useplage in seinem Haus wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"44f7c0f2f69507efa6ce39811dadb72e\">\u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte wissen, wie das zugegangen ist. Das Geziefer muss einen Weg gefunden haben, sich unter den Augen der Katzen zu vermehren wie &#8230; wie M\u00e4use es eben tun. Nun, die M\u00e4chte haben auch die kleinen Tierchen ins Weltenspiel gesetzt, den Katzen und Jagdgetier zur Nahrung, den Menschen zur Last. Aber es w\u00e4re \u00fcberaus \u00e4rgerlich, w\u00fcrden die Langschw\u00e4nze ihren Hunger an meinen kostbaren B\u00fcchern stillen. Ich habe viel Geld daf\u00fcr gelassen, um diese alten Schriften zusammenzutragen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a287f9b37bfd28afcb5e39e519469d7a\">\u201eOh ja. Alte B\u00fccher sind etwas Wunderbares. Damals, als ich ein junger Bursche war, da konnte ich nicht genug davon bekommen. Mein <em>mestar<\/em> pflegte zu scherzen, dass ich in einer Bibliothek gl\u00fccklicher zu wohnen k\u00e4me als in einem Palast. Was sammelt Ihr, \u00daldaise? Erbauliches oder Gelehrtes?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c222e1a4fd2c8002bdaec49c791fda6a\">\u201eWahrheiten&#8221;, versetzte \u00daldaise. \u201eDie gro\u00dfen Gedanken und Erkenntnisse der kl\u00fcgsten Damen und Herren, die je zwischen Aur\u00f3p\u00e9a und Virhav\u00e9t niedergeschrieben wurden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1eb08f9aa51800bae0e55b14dfcc5304\">Sah\u00e1al\u00edr sch\u00fcttelte belustigt den Kopf. \u201eIhr redet wie ein \u00fcbersprudelnder Quell, \u00daldaise. So kenne ich Euch gar nicht. Ist es die Freude, die Eure Sch\u00e4tze Euch bereiten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"df7b8caea28e8efa5f3d2dd2fb5c23d8\">Der j\u00fcngere <em>sinor<\/em> stellte den Deckelkorb ab, den er gerade in der Hand trug. Es klackerte leise darin, kleine Steine vielleicht, oder dickwandige Glasgef\u00e4\u00dfe. \u201eWo Ihr gerade Sch\u00e4tze erw\u00e4hnt &#8230; habt Ihr noch keine Neuigkeit von dem dreisten Dieb, der Eure erlesenen Figuren raubte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ebec475e21b91bec05d73eaf76aa2b6d\">\u201eNein.&#8221; \u00dcber Sah\u00e1al\u00edrs Gesicht senkte sich ein betr\u00fcbter Schatten. \u201eEs ist ein Jammer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d4278c422edab27fe7965e75ad8e6f43\">\u201eSicherlich wird der sch\u00e4bige Dieb bald gefasst, der sich Zugang zu Eurem Haus erschlichen hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0dc92f8626f8f0a360cd909dfb9a504b\">\u201eIch kann es kaum fassen, wie sehr ich mich in diesem jungen Mann get\u00e4uscht habe. Er machte einen so bescheidenen und redlichen Eindruck. Und seine Geschichte &#8230; \u00daldaise, ich sage Euch, als ich ihm zuh\u00f6rte, ich f\u00fchlte mich jung und gl\u00fccklich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64ab20ab1c537cca99b778dc861e5bda\">\u201eEure wertvollen Erinnerungen waren es wohl, die Euch ergriffen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"11d88823c0af26fe9bb04a7f37ae921a\">\u201eNein, so war es nicht. Es &#8230;&#8221; Sah\u00e1al\u00edr suchte nach Worten. Dann klopfte er mit der gichtkrummen Hand auf die Armlehne seines Tragstuhls und deutete dann auf seine eingetr\u00fcbten Augen. \u201eF\u00fcr den Moment war all das hier fort, all die Last und Beschwerden. Ich habe es am Leib gesp\u00fcrt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9e0fb8bb3a03a90a0abd0390bdcbc87a\">\u201eSo?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1ff79b37cdab184de67cd813415924ef\">\u201eJa, ebenso. Und mein Geist war&#8230; nun, so wie damals, als das Weltenspiel mir noch offen stand. So als &#8230; als w\u00e4re ich in eine Zeit zur\u00fcckversetzt, in der ich alles noch einmal neu h\u00e4tte tun k\u00f6nnen. Eine Stelle in meiner Vergangenheit, in der ein Schritt in die andere Richtung alles ge\u00e4ndert, so viel besser gemacht h\u00e4tte &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"27b749ff5d5d56b9c52502d59c943863\">\u201eSeid Ihr denn unzufrieden mit dem, was Ihr nun habt?&#8221;, fragte \u00daldaise, ohne seine Gehilfen aus den Augen zu lassen. Die beiden trugen das kleinteilig verpackte Zeug sorgsam durch eine Seitent\u00fcr in den Palast und dort, so wie ihnen befohlen war, treppab in den Brunnenraum. Sah\u00e1al\u00edr hatte sich \u00fcber die seltsame Anfrage gewundert, sich aber davon \u00fcberzeugen lassen, dass Luftfeuchtigkeit und Temperatur in dem luftigen Kellerraum geradezu ideal waren, um empfindliche alte Pergamente und Papiere aufzubewahren.<\/p>\n<p data-p-id=\"af65b29b1fc98dbf0941b7a54dc6a32e\">\u201eManchmal. Viel zu oft. Aber nun ist es wohl zu sp\u00e4t, noch etwas zu \u00e4ndern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e404d5637eededaeedc1c9fe16b82506\">\u201eUm auf die gestohlenen Figuren zur\u00fcckzukommen&#8221;, wechselte \u00daldaise das Thema, \u201eich habe meine Kontakte darauf angesprochen. Ich habe ausgezeichnete Beziehungen zu <em>vendyray<\/em>, die Kostbarkeiten feilbieten. Sobald jemand versucht, unten in der Stadt auch nur eine eurer Figuren zu verkaufen, werde ich davon erfahren. Wenn es dem Lump nicht irgendwie gelungen ist, die Stadt zu verlassen, werden wir bald seiner habhaft werden. Und dann rettet ihn nichts mehr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"59a2c7e64cc0fda90fba7b4c94c9cadc\">\u201eIch w\u00e4re Euch sehr verbunden, wenn ich noch einmal mit ihm reden k\u00f6nnte, bevor man ihn in die W\u00fcste bringt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fe72382c4504512b4861d25a555381a5\">\u201eWarum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cf187c15ef9889a90c24e2c93ae37024\">Sah\u00e1al\u00edr zuckte die Achseln. \u201eIch glaube, ich will die Geschichte h\u00f6ren, <em>warum <\/em>er das getan hat. Ich mag nicht glauben, dass er es aus Gier gehandelt hat.&#8221; Der <em>sinor<\/em> klatschte in die H\u00e4nde und rief damit seine Diener heran, die in h\u00f6flichem Abstand zu den beiden alten M\u00e4nnern im Schatten gesessen hatten. \u201eBeeilt Euch mit Eurem Kram, \u00daldaise, und kommt dann sogleich in den Ratssaal. Es sind heute viele Dinge zu bereden. In der Stadt scheint es ein Problem mit den Preisen f\u00fcr Brot zu geben. Offenbar k\u00f6nnen die B\u00e4cker sich wieder einmal nicht auf ein Ma\u00df und Gewicht einigen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9cd058806f558542a5747413a6b0973d\">\u201eIch bin sogleich da&#8221;, sagte \u00daldaise, packte seinen Korb und schritt dann. so schnell er konnte, hinter seinen Knechten her, von denen der eine soeben den letzten Kasten mit B\u00fcchern transportierte. Sah\u00e1al\u00edr lie\u00df sich von seinen Helfern mitsamt seinem Stuhl forttragen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2ae1958d87d51a848e91daf9bfc2f995\">Im Brunnenzimmer hatten die beiden grobschl\u00e4chtigen Kerle die K\u00e4sten und K\u00f6rbe ordentlich in einer Ecke aufgestapelt. \u00daldaise stellte seinen Korb dazu, besann sich dann und schichtete einen Stapel Pergamentrollen darauf. Sollte nun doch ein Neugieriger zuf\u00e4llig den Raum betreten, musste er seine Nase nicht sofort in die Sachen stecken und sich \u00fcber die wertvollen Kristallfiguren aus Iva\u00e1l wundern.<\/p>\n<p data-p-id=\"4e51f1f6fa3c4adbf07c4a27c3525039\">Dann wandte er sich nachdenklich dem abgedeckten Brunnen zu. Der Deckel bestand aus halbkreisf\u00f6rmigen Holzplatten, zwischen denen das Seil straff festklemmte.<\/p>\n<p data-p-id=\"9f1ed455447f51c4e0d20508781ee0c1\">\u201eSollen wir schauen, wie es ihm geht?&#8221;, fragte der erste Knecht.<\/p>\n<p data-p-id=\"e23ae0f226ff8874b3e91c4c7ecd6e4f\">\u201eEigentlich habe ich keine Zeit daf\u00fcr&#8221;, antwortete der <em>sinor<\/em>. \u201eDie Alten warten auf mich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ab6e88fe1e0e709d9e0b93b5570d5d60\">\u201e&#8217; glaub nicht, dass der&#8217;s noch macht&#8221;, meinte der andere. \u201eIs&#8217; ganz sch\u00f6n tief da runter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3dfb15dea59cb3ab86b7c4fd4b15bc39\">\u00daldaise z\u00f6gerte. Neugierig war er schon. Und was machte es &#8230; wenn der <em>b\u00e1chorkor<\/em> wirklich nur eine sterbliche Kuriosit\u00e4t war, die die M\u00e4chte ins Weltenspiel gebracht hatten, konnten die beiden Knechte die Gelegenheit gleich nutzen, den Leichnam mit dem geliehenen Eselskarren wieder aus der Oberstadt zu entfernen und irgendwo loszuwerden. Wenn der junge Mann jedoch wirklich das war, was \u00daldaise bef\u00fcrchtete &#8230; nun, dann w\u00fcrden Sie ihn eben noch einmal ins Seil fallen lassen. Dann war immer noch genug Zeit, sich am Abend, sobald der <em>konsej<\/em> sich in die Villen verteilt hatte und der Palast menschenleer war, <em>ausgiebig<\/em> mit diesem kuriosen Geschichtenerz\u00e4hler zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ae7b036af25642d43a671eeca0199134\">\u201eSchaut nach&#8221;, gebot der Alte und arrangierte noch ein paar Schriftrollen anders auf dem Korb. \u201eAber macht schnell.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"93491120977321137d158551904e7ba2\">Die beiden waren ein eingespieltes Team. Der eine hob eine H\u00e4lfte der Abdeckung von der Ummauerung, der andere griff nach dem Seil und zog daran. Doch an seinem bl\u00f6den Gesicht erkannte \u00daldaise gleich, dass etwas nicht stimmte.<\/p>\n<p data-p-id=\"012acc71d35de00d77390b0f4f3dfbb9\">\u201eHerr &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd961249462a5136603aab61956ebd3b\">Der <em>sinor<\/em> warf das Papier beiseite. \u201eWas ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83f60d05e6c6327b7fd200f595740a57\">\u201e&#8217;glaub &#8230; der is&#8217; weg!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8a839e9ccf5b90b1b86900b3b2b9d8ba\">\u201eWeg? Was hei\u00dft <em>weg<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d6923d102931b88d5c1c89086a667206\">\u201eDa h\u00e4ngt nichts dran!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d29b358643d00f4221b9432eedffd1a\">\u201eVielleicht sind ihm im Fall die H\u00e4nde abgerissen und jetzt liegt er unten&#8221;, mutma\u00dfte der andere. \u201eIch hab mal von &#8216;nem <em>fyntar<\/em> geh\u00f6rt, der hat absichtlich &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cbf1080e43cca7e165567d5cadba0614\">\u201eZieh das Seil rauf!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"076e527b4ab5fd1366ed76520be2c807\">Das dauerte nur wenige Herzschl\u00e4ge lang. Dann baumelte ein goldenes Metallobjekt unter der Umlenkrolle \u00fcber dem Abgrund. Der zweite Knecht fing es ein und \u00daldaise griff ungeduldig danach.<\/p>\n<p data-p-id=\"e9bee144a793344657ce86eedc2199c7\">Kein Zweifel. Die Handfesseln waren weiterhin geschlossen, es war nichts geborsten oder verzogen. \u00daldaise steckte eine seiner H\u00e4nde hindurch. Die Schelle konnte er fast bis zu seinem Ellbogen hinaufschieben.<\/p>\n<p data-p-id=\"d36c4afe2a433efd7f41c1721481ff8b\">\u201eIhr spielt wirklich gern mit Gold, nicht wahr?&#8221;, knurrte der <em>sinor<\/em> ver\u00e4rgert.<\/p>\n<p data-p-id=\"7b66c0f5f031d5edde832925dea12779\">\u201eWas?&#8221;, fragte sein Diener.<\/p>\n<p data-p-id=\"5b7f910c3941657680b362174e5e9d4c\">\u00daldaise dr\u00fcckte ihm die Fesseln \u00e4rgerlich in die Hand. \u201eDa! Macht das ab und werdet es irgendwie los. Man erwartet mich in der Ratssitzung. Bis dahin &#8230;&#8221; Er dachte kurz nach und \u00fcberlegte, wie viel Zeit ihm wohl blieb.<\/p>\n<p data-p-id=\"9988a2f2b321316f8940583270d5f96d\">\u201eNach dem f\u00fcnften Gongschlag ab jetzt treffen wir uns am S\u00fcdtor. Heute Abend gehen wir auf die Jagd.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"8fbaab1cec0cf3d5f9bf560d62d639c4\">Osse hatte aus der kurzen Unterhaltung mit T\u00edjnje Moreaval eine ganze Menge an Informationen gewonnen: Die <em>teirandanja<\/em> wohnte freiwillig abseits der elterlichen Gem\u00e4cher, pflegte einen beunruhigend lockeren Umgang mit ihren engsten Dienstleuten und die Gastgem\u00e4cher befanden sich auf dem Geschoss, in dem er sich gerade bewegte. Es war unwahrscheinlich, dass man Wa\u00fdreth Althopian und seinen Sohn in einem anderen Teil des Geb\u00e4udes untergebracht hatte, also musste er nur hier von T\u00fcr zu T\u00fcr gehen und sein Gl\u00fcck versuchen. Das war leichter als erwartet, aber ebenso entt\u00e4uschend: Die T\u00fcren der meisten, nicht bewohnten Gastgem\u00e4cher standen ohnehin offen. So konnte er sich mit einem Blick davon \u00fcberzeugen, dass niemand darin anwesend war, ohne sie zu betreten. Allerdings lag in einem Raum etwas Gep\u00e4ck verteilt. Osse schaute sich nach beiden Seiten um, vergewisserte sich, dass niemand ihn sah und trat einen halben Schritt ins Zimmer hinein, um besser zu sehen, was da auf dem Tisch lag. Es verwunderte ihn kaum, dass es sich um ein paar gepanzerte Handschuhe und Schulterteile handelte. Also wollt <em>yarl<\/em> Althopian offenbar auch ohne Eisenzeug vor seinen Herrn treten. Osse beschloss, daheim den <em>mestar<\/em> danach zu fragen, wie dieses Bu\u00dferitual entstanden war und hatte Mitleid mit beiden, seinem Vater und dem freundlichen <em>yarl<\/em> aus dem Hochland s\u00fcdlich von Emberbey.<\/p>\n<p data-p-id=\"4a0195d9eaf25ab97d3d3e0bc56e2c89\">Den anderen Jungen fand er allerdings nicht vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"774e80527dbda308541a60f1428d48fc\">Osse wollte nicht neugieriger sein als n\u00f6tig und zog sich wieder auf den Flur zur\u00fcck. Auf dem Korridor, der \u00fcber Eck mit dem lag, aus dem er gekommen war, war weiter nichts zu finden, nur eine weitere, deutlich gr\u00f6\u00dfere T\u00fcr, auf die der nur wenige Schritte lange Gang zulief. Sie unterschied sich von denen zu den kleinen G\u00e4stekammern, war aus einem edlen, hellen Holz gefertigt und mit einem geschnitzten Wappen verziert. Osse trat einen Schritt heran und erkannte dann, dass es das Wappen der <em>teiranday<\/em> von Spagor war, ein Schiffchen, das auf einer riesigen Welle ritt, Patagh\u00edus goldener Schild mit seinem Strahlenkranz im Hintergrund.<\/p>\n<p data-p-id=\"4aa9a4178302c871a1bc1086a2489982\">Und dann h\u00f6rte er die Stimme des Vaters. Hinter sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"ed62813047b1a428f3f7c7aac5092f0a\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, sagte Alsg\u00f6r Emberbey, \u201eum noch einmal auf das Verhalten meines Sohnes zu sprechen zu kommen &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e69ed0d40a0724caacb73f6e004e7a82\">\u201eHaltet Euch zur\u00fcck, Herr Alsg\u00f6r. Der meine war es, der sich gestern hier unm\u00f6glich gemacht hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"87d7ee40c67b3041b1c24a359993ce6a\">Das war Wa\u00fdreth Althopian. Was wollten die Herren hier oben? Sollten sie nicht unten, im offiziellen Audienzraum sein?<\/p>\n<p data-p-id=\"d276f82b35c23691913f0944fc8b98d6\">Osse wurde hei\u00df und kalt zugleich. Noch waren die M\u00e4nner auf dem anderen Korridor, aber es war eine Frage von Atemz\u00fcgen, bis sie um die Ecke b\u00f6gen. Wenn der Vater ihn nun hier erwischte, dann &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"84ca6c23492e94d5f58fdfae148b73f9\">\u201eEmberbey! Althopian! Nun ist es aber genug!&#8221; Der <em>teirand<\/em> klang ungeduldig. \u201eWollt Ihr Euch jetzt etwa \u00fcbertrumpfen, welcher Sohn das gr\u00f6\u00dfere Bubenst\u00fcck vollbracht hat? Deshalb habe ich Euch nicht gerufen! &#8211; T\u00edjnje? Was sitzt denn du hier am Boden?<\/p>\n<p data-p-id=\"2807e6fc455616fe9d2352247d340e40\">Die Schritte verharrten. Offenbar war der <em>teirand<\/em> stehen geblieben, Die Herren durften ihn nicht \u00fcberholen, das w\u00e4re gegen die Gebr\u00e4uche.<\/p>\n<p data-p-id=\"141e2e9cb6fdbd12d763cfcc66c07e93\">\u201eManj\u00e9v schl\u00e4ft noch&#8221;, h\u00f6rte er die Kleine vorwurfsvoll. \u201eDabei wollten wir noch so sch\u00f6n spielen, bevor die <em>opayra<\/em> kommt &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"684a83199100828e53d1d07ca9e9e57e\">Jemand klopfte an Holz, vermutlich der <em>teirand<\/em> an die T\u00fcr der Tochter. \u201eManj\u00e9v?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"85d27ed3e736826a72887a1fa3f43088\">Osses Herz schlug schneller. Er dankte den M\u00e4chten f\u00fcr das kleine Kind und die verschlafene <em>teirandanja<\/em>, zog die gro\u00dfe T\u00fcr einen Spalt weit auf, dr\u00fcckte sich hindurch und fand sich in einem Amtszimmer wieder. Hier gab es keine Wohnm\u00f6bel, nur Stellagen mit B\u00fcchern und Papieren, ein Stehpult und einen gro\u00dfen Tisch mit vornehmen Sesseln aus kunstvollem Drechselwerk. Ein gro\u00dfes Tuch war \u00fcber den Tisch gelegt, zartes, cremefarbenes Linnen, gr\u00f6\u00dfer als ein Bettlaken, auf das flei\u00dfige Damenh\u00e4nde die Wappen von Wijdlant, Spagor und den f\u00fcnf <em>yarlmal\u00f3n<\/em> aufgestickt hatten, umgeben von Ornamenten, Blumenranken und Wellenlinien. Vermutlich hatte mehr als eine Dame sich damit einige Monde lang die Zeit vertrieben. Auch die Mutter hatte sich damit oft die Zeit vertrieben und ihm und Truda Geschichten erz\u00e4hlt, w\u00e4hrend die Nadel in ihren Fingern Muster und Bilder auf den Stoff heftete.<\/p>\n<p data-p-id=\"2bce0e3ea62a6154e8e037f02f32e292\">Auf einem der Sessel hatte eine schwarze Katze geschlafen und hob nun aufmerksam den Kopf. Osse achtete nicht darauf, denn nun sa\u00df er tats\u00e4chlich in der Falle. Wenn das hier ein Raum war, der Asga\u00fd von Spagor f\u00fcr seine Amtsgesch\u00e4fte gewidmet war, dann wollte der <em>teirand <\/em>mit den beiden Dienstm\u00e4nnern hierher. Es gab keinen zweiten Ausgang. Sogar das Fenster war geschlossen und verglast. Die Morgensonne warf ihre hellen Strahlen hinein und erhellte das Zimmer und das Schreibpult, das sicherlich aufgrund der guten Lichtverh\u00e4ltnisse gerade hier aufgestellt war.<\/p>\n<p data-p-id=\"08031815cc55e15bf5c6827b550ec3dd\">Der Junge tat einen tiefen Atemzug. Nie h\u00e4tte er gedacht, dass es so katastrophale Folgen haben w\u00fcrde, einfach nur gegen den Willen des Vaters das Zimmer zu verlassen. Die einzige M\u00f6glichkeit, die ihm jetzt noch blieb, war kindisch, unw\u00fcrdig und naheliegend. Osse Emberbey befahl sich den M\u00e4chten, schl\u00fcpfte unter dem Tischlaken hindurch und bemerkte voller Entsetzen, dass dieses Versteck bereits besetzt war.<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"bb2386ac8cc95dc30c03f2d1d42df6ca\">C\u00fdel\u00fa lenkte das Einhorn in dem lieblichen Flusstal nieder, auf einem Streifen Wiese zwischen Wasser und einem W\u00e4ldchen. Friedlich war es hier, das Wasser rauschte vorbei und die V\u00f6gel veranstalteten ihr Morgenkonzert. Als das Einhorn landete, stoben einige flinke Windninchen nach allen Seiten auseinander, verbargen sich im Gestr\u00e4uch und sp\u00e4hten mit aufmerksam gespitzten L\u00f6ffeln hervor.<\/p>\n<p data-p-id=\"08b2b2db62697e44eb61cf0cf2a99eeb\">Der unplanm\u00e4\u00dfige Halt passte dem Regenbogenritter nicht in seinen Plan, aber in dem Moment, in dem er die Kleine aus dem Wald gerettet hatte, hatte er auch die Verantwortung f\u00fcr sie \u00fcbernommen. Er wollte sich nicht nachsagen lassen, er habe nicht auf ihre Bed\u00fcrfnisse R\u00fccksicht genommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e191bb5d6660cd613d613c5c35042870\">\u201eIch kann das aber ganz allein&#8221;, verk\u00fcndete D\u00fdamir\u00e9e energisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"006ee449c18977eeaead8b3c1ba80825\">\u201eDavon gehe ich aus. Du bist schlie\u00dflich kein Wiegenkind mehr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9cf7014e88561a57f38053f6ad689c03\">\u201eNein. Ich brauche gar keine Hilfe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6eeae751ea18a41802ebac2739423e8c\">\u201eNun geh schon. Aber lauf nicht zu weit weg!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9ad456a5d4c88d50ea1e8dbd031f4451\">D\u00fdamir\u00e9e marschierte in Richtung der B\u00fcsche, ohne ihn eines Blickes zu w\u00fcrdigen. C\u00fdel\u00fa ignorierte das und f\u00fchrte Perlenglanz am Z\u00fcgel zum Wasser. Es war vielleicht gar nicht so verkehrt, wenn das Tier sich hier noch einmal erfrischen konnte. Bei dieser Gelegenheit konnte er auch gleich untersuchen, warum das Einhorn so seltsam in der Luft lag. Als er die vom Schwert des unkundigen Ritters gestutzten Handfedern entdeckte, \u00e4rgerte der Magier sich, aber er war darauf vorbereitet. <em>Arcaval&#8217;ay<\/em> f\u00fchrten immer eine Auswahl von frischen Federn mit sich, um geknickte oder besch\u00e4digte Schwingenfedern zu schiften. C\u00fdel\u00fa hatte \u00dcbung darin und hatte schnell in seiner Ausr\u00fcstung passende St\u00fccke gefunden. Perlenglanz lie\u00df es geduldig zu, dass er die Ersatzfedern eink\u00fcrzte, auf die \u00dcberreste der Kiele steckte und dort festzauberte, w\u00e4hrend er sich an der saftigen Wiese g\u00fctlich tat.<\/p>\n<p data-p-id=\"08b013a9a057ddfc90293e43b9b2964f\">So war C\u00fdel\u00fa eine Weile mit der Versorgung seines Reittieres abgelenkt, aber es dauerte nicht allzu lange, dass ihm das Fernbleiben des Kindes verd\u00e4chtig vorkam. Nun, er konnte ihr nicht verdenken, dass sie es zumindest <em>versuchte<\/em>. Sie war wahrscheinlich so verwirrt, das sie nicht begriff, dass sie bei ihm in Sicherheit war.<\/p>\n<p data-p-id=\"534447cbd0af7ddeb574b3a7aec68e3b\">Aber die Reparatur der Einhornschwinge war wichtiger. C\u00fdel\u00fa lie\u00df sich Zeit damit, und am Ende hatte das Einhorn wieder ein einwandfreies Gefieder, wenn auch nun mit einigen Federn in falschen Farben.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2457","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2457","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2457"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2457\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3746,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2457\/revisions\/3746"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2457"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2457"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2457"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}