{"id":2456,"date":"2025-08-25T12:01:16","date_gmt":"2025-08-25T10:01:16","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2456"},"modified":"2025-09-01T08:59:47","modified_gmt":"2025-09-01T06:59:47","slug":"030-wald-und-wille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/030-wald-und-wille\/","title":{"rendered":"030: Wald und Wille"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"133e9cca99106d1fbbe77105491ec003\">D\u00fdamir\u00e9e hatte sich tats\u00e4chlich im Geb\u00fcsch erleichtert und dabei fieberhaft ihre Lage \u00fcberdacht. Ihre Gedanken irrten nach wie vor hin und her, aber die Panik, die daf\u00fcr gesorgt hatte, dass sie gar nicht erst hatte denken k\u00f6nnen, die war vorbei. Wenn es ihr jetzt noch gelang, die Gedanken zusammenzurufen und wie eine gehorsame Schafherde in die selbe Richtung zu schicken, dann hatte sie vielleicht eine Chance.<\/p>\n<p data-p-id=\"a52d107d02daf3472309fbc2dcefbb0c\">\u201eIch will nicht in seine h\u00e4ssliche Burg und seinen dummen Sohn treffen&#8221;, vertraute sie einem Windninchen an, das ihr in ihrem Versteck Gesellschaft leistete. \u201eIch will nach Hause. Der Mann versteht mich einfach nicht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"267274a4ad8ecefac933a5c3f401b44c\">Aber wo war zu Hause? Sie waren eine lange Zeit \u00fcber den Himmel geritten, und das bedeutete, dass sie sich bereits weit, weit vom Boscarg\u00e9n entfernt hatten. Ihr Vater hatte ihr einmal erz\u00e4hlt, dass es <em>immer<\/em> die beste Idee sei, sich in einen Vogel zu verwandeln, wenn man es eilig hatte und nicht in den Schatten wandern wollte oder konnte. Das war zu einer Zeit gewesen, in der D\u00fdamir\u00e9e selbst noch gehofft hatte, sich eines Tages wirklich einmal entscheiden zu m\u00fcssen, was die bequemere Wahl war \u2013 Fl\u00fcgel zu haben oder mit der Dunkelheit zu verschmelzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"497644cef23140cd5d31d26f33706aa0\">Nun, zu Fu\u00df w\u00fcrde es vielleicht <em>etwas <\/em>l\u00e4nger dauern. Aber es war zu schaffen. Alles, was sie zu tun hatte war, eine Stra\u00dfe zu finden und tags Patagh\u00edus Glanz nachzulaufen und nachts Nokt\u00e1ma zu folgen. Die beiden jagten einander immer hinterher und immer nach Norden, entgegen der Richtung, in der das Wasser floss. Das war seit jeher so gewesen, darauf konnte sie sich verlassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c329ddcdc605523ef1ac27cdeb362670\">Wie das m\u00f6glich sein, hatte D\u00fdamir\u00e9e verwirrt gefragt. Ob Patagh\u00edu und Nokt\u00e1ma nicht auch einmal umkehren m\u00fcssten. Wie brachten sie es fertig, immer aus der gleichen Richtung zu kommen?<\/p>\n<p data-p-id=\"7a609afa0b7f29f1970513802913a855\">Sicher w\u00e4re die Welt wie ein Ball, hatte die Mutter daraufhin \u00fcberlegt. Eine Kugel, die die beiden immer umrundeten. Was f\u00fcr eine wunderliche Idee! Und als sie beide den Vater gefragt hatten, ob das m\u00f6glich sei, hatte der nur gemeint, das k\u00f6nne niemand wissen, solange es unm\u00f6glich sei, das Chaos zu durchschreiten.<\/p>\n<p data-p-id=\"e984316906bbf40bcfefa62a01070b26\">Wenn sie zu weit geradeaus lief, ob sie dann zum Chaos gelangte?<\/p>\n<p data-p-id=\"96f00f645e8cb7737da2ef0fb2c92eae\">D\u00fdamir\u00e9e bog die Zweige des Busches ein St\u00fcck beiseite und schaute zu dem Regenbogenritter hin\u00fcber. Der stand neben seinem Tier, steckte bunte Federn in dessen Fl\u00fcgel und wirkte so <em>harmlos<\/em>. Das Kind wusste nicht recht, was es davon halten sollte: Er hatte sie gegen ihren Willen mit sich genommen, hatte den freundlichen tapferen Ritter erschlagen. Das war nicht den M\u00e4chten gef\u00e4llig. Menschen sollten sich <em>respektieren<\/em> und einander <em>nicht<\/em> umbringen, das wusste D\u00fdamir\u00e9e, ohne dass sie die Worte gehabt h\u00e4tte, das zu formulieren. Aber andererseits &#8230; er f\u00fchlte sich nicht wirklich schlecht und gef\u00e4hrlich an. Niemals w\u00e4re sie freiwillig zu einem Fremden gegangen, der sich &#8230; <em>falsch<\/em> anf\u00fchlte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8e0e432ce20c4cdabe2fcecb71806264\">Aber sie w\u00fcrde jetzt auch nicht zu ihm zur\u00fcckgehen. Darauf konnte er lange warten!<\/p>\n<p data-p-id=\"6a939c6cf03f7308574927b8a8e23481\">Sie zog sich leise wieder zur\u00fcck, kroch r\u00fcckw\u00e4rts zur anderen Seite aus dem Busch heraus und schaute sich um. Die Wiese, geschm\u00fcckt mit sch\u00f6nen bunten Blumen, wie sie im Boscarg\u00e9n nicht wuchsen, erstreckte sich bis hin zum Rand eines Waldes. Kein besonderer Wald, einfache B\u00e4ume eben, ohne die stille, mystische Atmosph\u00e4re, die D\u00fdamir\u00e9e aus dem Boscarg\u00e9n mit seinen Baumriesen kannte. Nat\u00fcrlich hatte sie, als sie darauf zugeflogen waren, gesehen dass es sich um einen nur kleinen Wald handelte, vielleicht sogar um einen, den der \u00f6rtliche <em>yarl<\/em> nur zu seinem Jagdvergn\u00fcgen verwildern lie\u00df. Aber es war besser als nichts. Mit W\u00e4ldern kannte das M\u00e4dchen sich aus. Zwischen den B\u00e4umen w\u00e4re D\u00fdamir\u00e9e sicherer als hier, denn die kr\u00e4ftigen St\u00e4mme w\u00fcrden das Einhorn daran hindern, ihr im Flug zu folgen. Aus der Luft w\u00e4re sie nicht zu sehen, so wie die kleinen Tiere, die unter den Bl\u00e4ttern f\u00fcr die Greifv\u00f6gel unsichtbar wurden, Wenn sie sich davon schlich und im Unterholz verbarg? Nat\u00fcrlich, der Regenbogenritter w\u00fcrde bald bemerken, dass sie fortgelaufen war und w\u00fcrde sie suchen. Aber wenn sie m\u00e4uschenstill war &#8230; vielleicht w\u00fcrde es ihm dann irgendwann langweilig. Sicherlich konnte er nicht tagelang seine wichtige Reise unterbrechen. Vielleicht reichte es ihm auch, wenn sie einfach nicht mehr im Boscarg\u00e9n war. Es konnte ihm doch egal sein, ob sie hier im Nirgendwo in einem neuen Wald sa\u00df oder mit ihm zu der langweiligen W\u00fcste flog, wo es nicht einmal einen gro\u00dfen See gab.<\/p>\n<p data-p-id=\"9702fa0f344d16b74a86e01e1286361a\">W\u00e4hrend sie das noch dachte, war sie bereits auf dem Weg zum Waldrand. Auf allen vieren krabbelte sie, durch hohe Stauden und sich wiegende Gr\u00e4ser. Wie ein Tier schlich sie fort, wagte nicht, sich aufzurichten, denn dann w\u00fcrde er sie sofort sehen. Die von summenden Bienen, schillernden K\u00e4fern und zarten Schmetterlingen umschw\u00e4rmten Pflanzen, hoch genug um ein Kind zu \u00fcberragen gaben ihr vielleicht Deckung genug.<\/p>\n<p data-p-id=\"056baa5d2d90c7db4a46d63f48023ee8\">D\u00fdamir\u00e9e nagte an ihrer Unterlippe und glitt zwischen den Gew\u00e4chsen hindurch wie eine Katze. Es w\u00fcrde sicher nicht m\u00f6glich sein, ganz bis zum Wald zu gelangen, aber solange Gras und Blumen hoch genug waren &#8230; das letzte St\u00fcck des Weges musste sie dann eben rennen. Das konnte sie gut. Wie oft war sie im ausgelassenen Spiel daheim Vater und Mutter davon gestoben! Und wenn sie erst einmal im Wald war, dann &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"949179e6d999c239ddc7ba60f88c4729\">Mit wildem Gezeter flatterte ein gro\u00dfer Vogel direkt vor ihr auf. Die erdfarbene Henne eines Feldfasans hatte starr und unbeweglich auf ihrem Nest im Gras gesessen, ganz unbemerkt, und war erst im allerletzten Moment geflohen. D\u00fdamir\u00e9e erstarrte und blickte dem Vogel erschrocken nach, der mit emp\u00f6rten Kr\u00e4chzen \u00fcber ihr und seinem Gelege zu kreisen begann. Das <em>konnte<\/em> der Regenbogenritter nicht \u00fcberh\u00f6rt haben. F\u00fcnf braunwei\u00df marmorierte Eier lagen in dem kunstvollen Geflecht aus Binsen und \u00c4stchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3eb75fe05e35e3da7a2331db55212da9\">Das Kind kauerte sich zusammen und erwartete, jeden Moment seine Schritte im Gras, das Klingen seines sonderbar gef\u00e4rbten Eisenzeugs zu h\u00f6ren. Aber es blieb still. Die Sonne lag warm auf D\u00fdamir\u00e9es Haut und auf dem schwarzen Kleidchen, das sie trug. Sogar die Henne beruhigte sich, landete wieder und starrte aus sicherer Entfernung mit schief gelegtem Kopf und stechenden Augen entr\u00fcstet zu ihr hin\u00fcber. Zum N\u00e4herkommen konnte der Vogel sich noch nicht entschlie\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ea79bffa208c6f6522ae946882eee6c1\">D\u00fdamir\u00e9e seufzte. Das dunkle Kleid in der bunten Wiese, das war auch nicht zu \u00fcbersehen. Ein Wunder, dass er sie nicht schon l\u00e4ngst wieder eingefangen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"cac33c6909dcdcfc92759ee32035e25b\">Sie robbte weiter, mit respektvollem Abstand um das Vogelnest herum. Dass der Ritter ihr nicht l\u00e4ngst nachgegangen war, war sonderbar und in einer gewissen Weise beunruhigend. Er rief nicht einmal nach ihr.<\/p>\n<p data-p-id=\"19c018faa005fa8b146c9bf9f59bf857\">D\u00fdamir\u00e9e bewegte sich wieder auf den Waldrand zu. Das war anstrengend, aber die Hoffnung darauf, sich dem Schutz der B\u00e4ume anvertrauen zu k\u00f6nnen, befl\u00fcgelte sie. B\u00e4ume waren gut, waren heilig, auch wenn es nur gew\u00f6hnliche Pflanzen waren. Jede Wurzel, so lehrte es der Vater, war mit der n\u00e4chsten verbunden, wie die Glieder eines K\u00f6rpers. Wenn sie den Wald erreichte, dann war sie auch \u2013 irgendwie \u2013 wieder mit dem Boscarg\u00e9n verbunden.<\/p>\n<p data-p-id=\"e7045a05f19e0ab2bc6d00adabbd34bf\">Was tat dort wohl derweil die Mutter? Ob Salghi\u00e1ra Lagoscyre die Tochter vermisste? Ob es ihr gelungen war, den Vater zu erreichen, ihm zu erz\u00e4hlen, was geschehen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"6e6e678657a19786f85e94428fb3d035\">Der Gedanke an Vater und Mutter spornte das Kind an. Ja, nat\u00fcrlich. Die Mutter w\u00fcrde <em>alles Erdenkliche<\/em> tun, um sie wiederzufinden. Der Vater hatte versprochen, zu besiegen, was den Frieden des Boscarg\u00e9n st\u00f6rte. Es hatte sich nur eben dumm gef\u00fcgt, dass der Goldene zur Unzeit aufgetaucht war, dass der Vater nicht dagewesen war, um sie zu verteidigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d79a1330556da11e2deba5b379415a81\">H\u00e4tte der Goldene dem Vater weh getan wie dem armen Ritter, auf den nun die gute <em>h\u00fdardora<\/em> und das kleine M\u00e4dchen warteten? Niemals wurden sch\u00f6ne leuchtende Blumen im Garten der unkundigen Familie wachsen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6e78dcf5de5b4eacfca20de1b804216a\">Niemals w\u00fcrde D\u00fdamir\u00e9e ihre Freundinnen, die Blumen wiedersehen, wenn es ihr jetzt nicht gl\u00fcckte.<\/p>\n<p data-p-id=\"12d7c8ec38750edf9e570f69d377fe03\">Sie z\u00f6gerte. W\u00e4ren der Goldene und ihr Vater aufeinander getroffen und h\u00e4tten gek\u00e4mpft &#8211; sicher, ganz ohne jeden Zweifel, der Schattens\u00e4nger h\u00e4tte gesiegt. Aber wie? Um welchen Preis?<\/p>\n<p data-p-id=\"962254ed315d76252cd0003879f960d0\">H\u00e4tte er den Regenbogenritter verletzt? Oder gar get\u00f6tet?<\/p>\n<p data-p-id=\"a32e0e1af01d64fa68c3d6449ce01271\">D\u00fdamir\u00e9e verharrte verwirrt einen Moment bei diesem Gedanken, Sie konnte sich nicht vorstellen, dass ihr Vater jemandem etwas zuleide tun w\u00fcrde. Aber wenn er keine andere Wahl h\u00e4tte &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"5100b6649128d1eabc76f4591125694e\">Das Kind spannte alle Muskeln an und schnellte los, wie ein Pfeil von der Bogensehne. Jetzt musste sie rennen. Schnell rennen, hinein in den rettenden Wald. Sie hastete voran, sprang \u00fcber in B\u00fcscheln stehende Pflanzen und Steine hinweg, wie ein Rehkitz, anmutig, flink und voller Furcht. Dann hatte D\u00fdamir\u00e9e den Wald erreicht. Aber sie musste tiefer hinein, weiter, schneller. Ihre F\u00fc\u00dfe stoben das Laub vergangener Herbste auf, das sich am Fu\u00df der B\u00e4ume gesammelt hatte und ein dichtes Polster bildete. Ihre Sinne waren scharf und hellwach, sie roch den Duft von Moos und Harz und sp\u00fcrte die wohltuende Feuchtigkeit, die der Boden hier im Schatten auch an hei\u00dfen Sommertagen hielt. Der Schatten, den die B\u00e4ume warfen, war lange nicht so sicher und stark wie der daheim, aber es war <em>vertraut<\/em>. Das Kind f\u00fchlte sich zur\u00fcck in seinem Element, wenn ihm auch die Umgebung hier diffuser, irgendwie verw\u00e4ssert erschien. Viel weniger magisch. D\u00fdamir\u00e9e hatte sich noch niemals in einem fremden Wald aufgehalten. Sicher w\u00fcrden diese B\u00e4ume ihr nicht die Sicherheit bieten, die sie gewohnt war., aber sie w\u00fcrde sich ihnen anvertrauen. Es musste nur solange vorhalten, bis dem Goldenen sein Spiel langweilig wurde und er nach Hause zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6845dfba6def9836d4a49c9a80d06fa8\">D\u00fdamir\u00e9e z\u00f6gerte kurz, ob sie sich im Unterholz verbergen sollte wie ein Reh am helllichten Tag, aber als sie sich umblickte, kam ihr eine bessere Idee. Ein starker, aber noch nicht allzu alter Baum erregte ihr Interesse. Seine untersten \u00c4ste waren so niedrig, dass D\u00fdamir\u00e9e sie erreichen konnte, die Rinde so rau und uneben, dass sie mit etwas M\u00fche daran empor klettern konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"d4b69930fe8d1028b4c820edd8c2789a\"><em>Lass mich zu dir, <\/em>bat D\u00fdamir\u00e9e und versuchte eben das. <em>Versteck mich unter deinem Laub. Bitte, lieber Baum, besch\u00fctze mich, damit ich wieder heim kann!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d4c448861818137b453cceffaeb3df50\">Das M\u00e4dchen war sich nicht sicher, ob der Baum ihr geantwortet, ob sie ihn verstanden h\u00e4tte, w\u00e4re sie kundig gewesen. Der Vater h\u00e4tte es gekonnt. Er konnte die Stimmen der B\u00e4ume h\u00f6ren, sie teilten ihre Geheimnisse mit ihm. Die Mutter, so hatte er ihr erkl\u00e4rt, als sie neugierig gefragt hatten, habe die F\u00e4higkeit, die Wellen und den Regen zu verstehen, nur die Sprache m\u00fcsse sie noch lernen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5a5042fb577520582b0026f1c9e225c4\">Was sie einmal verstehen w\u00fcrde, hatte sie ihn neugierig gefragt.<\/p>\n<p data-p-id=\"4e702b4a8daeacba8c6bddf925296141\">Er wisse es nicht. Aber wenn es an der Zeit w\u00e4re, w\u00fcrde sie die Stimmen h\u00f6ren, ganz pl\u00f6tzlich. Es w\u00fcrde wundersch\u00f6n sein. Und damit ihr die Stimmen nur Sch\u00f6nes erz\u00e4hlten, m\u00fcsse sie freundlich zu allem sein, was um sie lebte. Das hatte sie beherzigt. Das erste, was tats\u00e4chlich zu ihr gesprochen hatte, waren die wei\u00dfen Nachtblumen am See gewesen. Aber D\u00fdamir\u00e9e hatte ihre Zweifel, ob das galt. Schon lange hatte sie den verdacht, dass die sch\u00f6nen wei\u00dfen Blumen keine <em>gew\u00f6hnlichen <\/em>Pflanzen waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"007a59c55334120573737ac172964019\">Schlie\u00dflich entschied das M\u00e4dchen, etwa drei Mannsh\u00f6hen \u00fcber dem Waldboden, es sei genug. D\u00fdamir\u00e9e lie\u00df sich in einer breiten Astgabel nieder und erlaubte sich erst jetzt, zu entspannen. Hier oben w\u00fcrde er sie nicht finden, wenn sie nicht zu laut war, wenn der Baum sie so sicher in den Armen hielt wie der Vater, wie die Mutter. Fast h\u00e4tte das Kind aufgeschluchzt, rief sich zur Ordnung und blickte stattdessen auf, durch das gr\u00fcne Bl\u00e4tterdach hindurch, durch das Patagh\u00edus Glanz hindurch flirrte. Das war sch\u00f6n. Eine leichte Brise zog durch den Wald und versetzte das Laub in ein zartes Rauschen.<\/p>\n<p data-p-id=\"42487972bf6151609354eb22f618a3f9\">V\u00f6llig ersch\u00f6pft und ausgepumpt gab D\u00fdamir\u00e9e sich einen Moment dem Frieden hin. Der Wald hatte <em>nichts<\/em> mit dem zu tun, was an Menschendingen in ihm vorging. Menschen lebten viel schneller als B\u00e4ume. M\u00f6glicherweise war sie, waren alle Unkundigen f\u00fcr den Wald nicht mehr als ein fl\u00fcchtiges Vorbeihuschen, wie eine Maus, die sich in eine Stube verirrte, die man kaum sah. Ihr Herz, das ihr gerade noch bis zum Hals geklopft hatte, beruhigte sich langsam. Sie wagte es, zu l\u00e4cheln. Sie hatte es vollbracht. Ganz alleine. Sie war ihm entkommen. Nun &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"b86ae0f388620f8278456cac840bb3f6\">\u201eBist du fertig?&#8221;, fragte C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor geduldig. Sie sah ihn noch nicht, denn er kam von der R\u00fcckseite des Stammes heran, umrundete diesen und schaute dann mit verschr\u00e4nkten Armen geduldig zu ihr hoch. \u201eK\u00f6nnen wir weiter?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"492d5e005c574040d386fb4f729cee09\">Sie erstarrte und sank dann mutlos in sich zusammen.<\/p>\n<p data-p-id=\"fbc82398f98c4280da4eccd6a99a65f9\">\u201eWie hast du das gemacht? Wie hast du mich hier so schnell gefunden?&#8221;, wollte sie matt wissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1feef3ea7e4277d84915c6ecedf05fea\">\u201eMit Magie. Du <em>kannst<\/em> nicht vor mir weglaufen und dich nicht zu weit von mir entfernen. Du musst es gar nicht erst versuchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"de6ca42764013cdbbe921df8056e8b2a\">\u201eWie geht das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"054d03daa71e43384822ffd9d5f75b3b\">\u201eGanz einfach. Es ist so, weil ich es <em>will<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6fd8ea6af80cfb1502b185b0a779169c\">\u201eWeil du es <em>willst<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2fe0bfe778d67f48e123ecf17e621c13\">Er legte die H\u00e4nde an den knorrigen Stamm. Seine Miene erschien D\u00fdamir\u00e9e ganz und ganz unpassend. Sie hatte gerade versucht, ihn auszutricksen, vor ihm zu fliehen. Aber er schien \u00fcberhaupt nicht zornig deswegen zu sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"80b7aeefb93be676002feec9c817a49d\">\u201eDas ist die Art, wie <em>unsere <\/em>Magie funktioniert. Was tut dein Vater und &#8230; deine Mutter, um zu zaubern?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bdf0ca3378afb2ce4b56b66e1f066e62\">\u201ePapa singt&#8221;, sagte sie leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"050348fea88f2f101e949e8c67ebf9ea\">\u201eSiehst du? Und wenn einer von meinesgleichen zaubern will, dann singen wir nicht. Wir &#8230; <em>wollen <\/em>einfach<em>.<\/em> So geht es bei uns. Und ich will eben nicht, dass du mir verloren gehst. Das ist viel zu gef\u00e4hrlich, Kleines.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96f843941c60cb598d93b310e77f11a2\">\u201eBekommst du immer das, was du willst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7943f7612161dabe3285da7a29b0a769\">\u201eMeistens. Sofern es nichts ist, was den M\u00e4chten ungef\u00e4llig ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1073267ba38dc1ef2c79825fa8133efa\">Er trat einen Schritt zur\u00fcck und breitete die Arme aus. \u201eSpring, Kleines. Ich fange dich auf. Wir m\u00fcssen weiter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"84ab8dad8abe3450402e4b560dcec8e6\">\u201eSpringen? Von hier oben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c5db80f693a0e23bdaf73d4e54e38eaa\">\u201eVertrau mir. Vielleicht willst <em>du<\/em> es mir nicht glauben. Aber ich <em>will<\/em>, dass du mir vertraust. Ich will dir nicht B\u00f6ses, bei allen M\u00e4chten, selbst bei eurer dunklen Nokt\u00e1ma.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"49783dd726e09c87bd7a52ad2dc70cb1\">Einen Herzschlag sp\u00e4ter lag sie sicher in seinen Armen. Warum sie tats\u00e4chlich gesprungen war, konnte sie sich im Nachhinein nicht erkl\u00e4ren. Aber sie lie\u00df es ergeben \u00fcber sich ergehen, dass er sie durch den Wald zur\u00fcck auf die Wiese trug. Als sie kurz darauf wieder s\u00fcdw\u00e4rts \u00fcber die Wolken hinweg galoppierten, dachte D\u00fdamir\u00e9e so angestrengt nach, dass sie gar nicht mehr mit ihm z\u00fcrnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"ab6d1fe8d59367f41e4c6fe4ce81e3c5\">Ein neuer Fluchtplan musste her. Vielleicht gelang es ihr, in dazu zu bringen, seine merkw\u00fcrdige Magie in ihrem Sinne anzuwenden.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"16b7390aaf006b7e2cd01963358d94f4\">\u201eMama?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"065b2cf51688b965d87d6aa31e2d4fbb\">Elos\u00e1l blickte auf. Sie hatte Advon offenbar nicht kommen h\u00f6ren. Der Junge stand am Eingang zu Patagh\u00edus Halle und schaute sie erwartungsvoll an.<\/p>\n<p data-p-id=\"aa3c054e99e050ed89ff73f5db76c6a2\">\u201eWas machst du hier?&#8221;, fragte sie \u00fcberrascht. \u201eSolltest du nicht im Unterricht sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b49f4ca2fae0201b6cbdf8b01e15873\">\u201eSileda\u00fa ist nicht gekommen. Ich habe auf sie gewartet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1ef198e721d45e3b3b18c77b3ce68e08\">\u201eWie lange?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9c8639f8a4a2f105f22bb27a20962944\">Advon zuckte die Schultern. \u201eIch hab den Gong geh\u00f6rt. Dann bin ich aus dem Lernzimmer raus auf die Treppen gegangen und hab da noch einmal eine Weile gestanden. Sie ist mir nicht entgegengekommen und ich sehe sie auch nicht auf dem Hof.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"13ee1c15d5ef68488af4de016630a644\">Elos\u00e1l hob \u00fcberrascht die Brauen. Dass die alte Frau nicht zur richtigen Zeit erschien, ohne sich entschuldigen zu lassen, war \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"ab20a8e2c3732ce15d0e67916bc91fe1\">\u201eVielleicht sucht sie noch nach einem neuen Platz f\u00fcr ihr Zeug,&#8221; mutma\u00dfte dass Kind.<\/p>\n<p data-p-id=\"4943e7ba4d86276a1d881d84cf9e7f57\">\u201eOder sie hat sich gestern bei ihrem Sturz doch ernster verletzt als gedacht.&#8221; Die <em>faj\u00eda<\/em> erhob sich von ihrem kristallenen Thron und schritt anmutig auf ihren Sohn zu. \u201eKomm, Advon. Wir wollen sie suchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"67e59640810656bd68f6249e9dd7ee94\">Der Junge seufzte. Im Stillen hatte er wohl gehofft, noch einmal um die langweiligen, unangenehmen Lektionen herumzukommen. Andererseits hatte er sich bereits gefragt, wie Sileda\u00fa ihren Unterricht wohl abgehalten h\u00e4tte, nachdem ein Gro\u00dfteil ihrer B\u00fccher aus dem Studierzimmer verschwunden war.<\/p>\n<p data-p-id=\"4217caf9225bdee322da8c81dd733a8a\">Sie gingen hinaus auf die Freitreppe und stiegen hinab auf die Br\u00fccke, die zur Westmauer f\u00fchrte. Unterwegs begegneten ihnen der gr\u00fcne und der blaue Ritter, aber beide beteuerten, Sileda\u00fa an diesem Tag noch nicht gesehen zu haben. So standen Elos\u00e1l und Advon schlie\u00dflich auf der Mauerkrone und waren ratlos.<\/p>\n<p data-p-id=\"6627eb1e17c602cb65db7e6cc0beb8ae\">\u201eM\u00f6glicherweise nimmt sie mir \u00fcbel, dass ich darauf bestanden habe, dass sie die B\u00fccher wegbringt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e750d4edbcaf5af85bf0f94ee9bb19d9\">\u201eUnd wenn sie nicht wiederkommt?&#8221;, fragte Advon begehrlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"5411849ad6218d7f1b96f9b9583c3ed3\">\u201eSie kommt wieder. Und wenn nicht, dann &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"086c90487b0606e3661e0df348ddadd6\">\u201eSchau mal, Mama. Da reiten sie wieder aus der Stadt heraus.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"561bfbc03027e23622fea342f494b90f\">Sie hatte konzentriert zu dem Seitenturm hin geschaut, in dem Advons Schulzimmer lag, wandte sich nun aber um und blickte zwischen den Zinnen hindurch in die Richtung, die er ihr zeigte. Ein Zug von sechs bewaffneten Stadtw\u00e4chtern in ihren golden-wei\u00dfen Monturen ritt s\u00fcdw\u00e4rts in Richtung der W\u00fcste, drei M\u00e4nner und eine Frau auf Pferden umringend.<\/p>\n<p data-p-id=\"1969a63dbea527703e3b0a2e1a8a8f19\">Elos\u00e1l senkte den Blick und seufzte. Advon schaute fragend auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"cfa2d32be57c3ab1d4612f889fc18b19\">\u201eWenn Sileda\u00fa nicht bis zum \u00fcbern\u00e4chsten Gongschlag auftaucht, kannst du dich entfernen, Advon. Warum machst du nicht mit einem der Herren einen kleinen Ausritt um den Ciel\u00e1stel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7dc7d8f0bfcf3d3b5a263fe36198cece\">\u201eErnsthaft? Ich meine &#8230; das w\u00e4re gro\u00dfartig, Mama!&#8221; Er z\u00f6gerte und runzelte die Stirn. \u201eEinfach so? Ohne Papa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9c758497db0619e58f1be03c1ea692ac\">\u201eEs ist herrliches Wetter, Advon. Nicht zu hei\u00df und es geht ein k\u00fchler Wind vom Meer. Ich werde den Gelben oder den Roten bitten, mit dir zu gehen. Magst du hier warten? Ich schicke sie dir her, wenn &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c907d81be842059dbbf569d55df36a6c\">\u201eDu willst, dass ich nicht da bin, wenn Sileda\u00fa aus der Stadt zur\u00fcckkommt, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a6ec0018f38cd3f127acfc8fa007fe8f\">Sie lachte ertappt. \u201eIst es so offensichtlich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6858ae9e213a3bcfcc3589669b220d0c\">\u201eJa. Aber Mama, ich will nicht, dass du dich wegen mir mit Sileda\u00fa anlegst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c540399b15a43aedfc898c8f500471d5\">\u201eAnlegst? Advon, ich bin die Gro\u00dfmeisterin. Es bek\u00e4me ihr schlecht, gegen mich aufzubegehren, wenn ich etwas anders haben will als sie.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"365c4f6ea84425c96b319bfe0eb027bf\">\u201eAber Papa gibt ihr so oft recht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a288b16ceef2c74fcf19610bf607f6c6\">\u201eDas ist etwas anderes. Advon, dein Vater will nur das Allerbeste f\u00fcr dich. Auch wenn er Sileda\u00fa dazu manchmal zustimmen muss.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ce9110f7b1c026a93b2a57d0c7ecf997\">\u201eWegen der Vorhersage, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cbb676810a195ec2229bab65e6528ed8\">\u201eWenn dein Vater wieder zur\u00fcckkehrt, \u00fcbermorgen wird es soweit sein, denke ich, dann wird sich dieses Thema hoffentlich erledigt haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e624c8df733dadd2135f3f4cac7c261c\">Advon nickte. Er blickte nachdenklich den Reitern nach. Sie hielten auf die H\u00fcgel zu, die eine Art symbolische Grenze zwischen Aur\u00f3p\u00e9a, dem Ciel\u00e1stel und Soldes\u00e9r bildeten. Von hier oben konnte man ihren Weg noch etwas weiter verfolgen als jemand, der weiter unten auf der Stadtmauer stand.<\/p>\n<p data-p-id=\"b2ff7851f27507a77391fccf10efadec\">\u201eWo reiten die eigentlich alle paar Tage morgens hin? Und wo lassen sie die Leute?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"349b50dd39416c76f06bb87453be7271\">\u201eWie bitte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fa473d2fb3e88281d5b8f6a1760cfe2e\">\u201eNa, die Unkundigen, die in die W\u00fcste reiten. Morgens sind es immer mehr, als sp\u00e4ter zur\u00fcckkehren. Und es fehlen nie welche von den W\u00e4chtern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"590b8e3e5a578f0c8982e8a1982f4919\">\u201eDie Unkundigen bleiben in der W\u00fcste, Advon.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fe72382c4504512b4861d25a555381a5\">\u201eWarum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"438e5dfa89761178aa5eaff71a1e10e6\">\u201eWeil die Unkundigen sie nicht mehr in der Stadt haben wollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b4a697a7f77f746d6ca2ff558f391d6f\">\u201eWarum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e692f24fcaf2ea729dfb7fb675925c5\">\u201eWeil &#8230; nun, weil sie Dinge getan haben, mit denen die anderen Unkundigen nicht einverstanden sind.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cfe42c2ff59eb121cd8e9a4b5035ded0\">\u201eUnd wo bleiben sie?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d8e54618e2ae4dbc6026454a435b15f4\">Elos\u00e1l z\u00f6gerte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a8b3a03d01f46b7b51d0b61e1f3123c\">\u201eGibt es vielleicht eine andere Stadt, weiter in der W\u00fcste?&#8221;, fragte Advon gespannt.<\/p>\n<p data-p-id=\"bf2a8e25649b67e7b5d455ecc7fc9e11\">\u201eIch &#8230; ich wei\u00df nicht. Aber ich werde mich danach erkundigen , Advon&#8221;, sagte Elos\u00e1l schnell. \u201eUnd nun sei brav und warte hier. Einer der Herren wird kommen, um dich abzuholen. Und sp\u00e4ter &#8230; sp\u00e4ter reden wir weiter. Einverstanden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ffd9f3e049aca1f3666b7843bc8d7d26\">Er nickte, sp\u00fcrte er doch, dass sie das Thema gerade nicht vertiefen wollte. Dass sie nicht wissen sollte, ob es s\u00fcdlich von Aur\u00f3p\u00e9a noch eine Stadt gebe, bezweifelte er. Sie streichelte ihm durchs Haar und ging wieder fort.<\/p>\n<p data-p-id=\"3db6669ee3f298c137e281495a83f4a9\">Advon schaute den Reitern hinterher, zu weit fort, um etwa Genaueres zu erkennen. Zumindest war er nun etwas schlauer als zuvor: Die Leute waren aus der Stadt verbannt und die W\u00e4chter gaben Acht darauf, dass sie sich nicht wieder zur\u00fcck schlichen. Ob es in der W\u00fcste eine Oase gab, von der er nichts wusste? Immerhin brauchten die Herausgeworfenen Wasser und die M\u00f6glichkeit, Nahrung anzubauen, wenn sie nicht aus Aur\u00f3p\u00e9a versorgt wurden. Er war nicht <em>\u00fcberzeugt<\/em>, dass das alles so seine Ordnung hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b44ed2a5859c937559ced235782be3d2\">Eine Weile sp\u00e4ter kam der gelbe Regenbogenritter auf ihn zu. und erkundigte sich, was Advon zu tun w\u00fcnsche.<\/p>\n<p data-p-id=\"20c003717d3b7bc337542cce91e5af51\">\u201eIch will zu den Einh\u00f6rnern&#8221;, bat der Junge. \u201eOb ich wohl auf Farbenspiel reiten darf, wenn du dabei bist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"63fa71768207f818eb83563f9adc87fc\">\u201eIch bin mir nicht sicher, ob der Meister das erlauben w\u00fcrde&#8221;, gab der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> zu bedenken.<\/p>\n<p data-p-id=\"71fd6e4b9a15a0667b3a3ab56a7ca852\">\u201eAch, bitte. Du bist doch dabei. Und Farbenspiel ist brav. Der wird mich nicht abwerfen und davon fliegen&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bb487d116935f617ad6fb1f77d2da505\">\u201eDas wei\u00df ich. Aber Farbenspiel ist noch lange nicht soweit, richtig geritten zu werden, Du wei\u00dft selbst, wie dein letzter Ausflug ausgegangen ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"586e827c8e259902c1864aa91d0550dd\">Advon err\u00f6tete Nat\u00fcrlich war das Abenteuer, das ihm die Plage mit der Wachstafel und dem jungen Einhorn den Stallarrest eingebracht hatte, ihm noch deutlich in Erinnerung. Aber um eine L\u00f6sung war er nicht verlegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e4a8f1fb4b1ab20c664e2baec5c8ce3e\">\u201eDann f\u00fchrst du ihn eben als Handtier mit dir und ich sitze oben drauf. Wie ein St\u00fcck Last. Ich brauche gar keinen Sattel dazu.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"82378b269d4d12881a8b9a3d9d24124e\">Der Gelbe lachte. \u201eNun gut. Ich denke, das wird erlaubt sein. Und wohin willst du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"03818418cd73a69d98d530d921d6c063\">Advon z\u00f6gerte. Wenn er nun sofort darum bat, in die W\u00fcste zu reiten, w\u00fcrde der Gelbe ihm sicherlich sagen, dass Elos\u00e1l das nicht w\u00fcnschte. Dazu war die Reaktion der <em>faj\u00eda<\/em> auf seine Frage nach den Unkundigen und ihrem Ziel zu ausweichend gewesen. Sie w\u00fcrde sich denken, dass er neugierig war. Da musste er geschickter vorgehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"97c5041613ce30b3b960e2c9e787a35c\">\u201eVielleicht nach Aur\u00f3p\u00e9a?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"33320fc51dfd0b21b2a416028c567794\">\u201eDu wei\u00dft, dass ich die Stadt nicht betreten darf.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"10d3f63672c2eaaf52df3676de7a5115\">\u201eWir m\u00fcssen ja nicht durch das Tor hindurch. Einfach einmal eine Runde um die Stadtmauer herum, das w\u00e4re schon ein sch\u00f6ner Ausflug. Vielleicht sehen wir Leute auf der Mauer und vor den Toren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d124cdf9e069aa20c1c44ff29738206e\">\u201eDie Leute werden sich wundern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9770e10882a044e75d1a13f7e369f390\">\u201eDas macht nichts. Wir kommen ihnen nicht zu nahe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"21084e544d41f63dac7cf80edf2739ea\">Der gelbe Regenbogenritter nickte zustimmend. Advon eilte dem hochgewachsenen Mann mit den zitronengelben Gew\u00e4ndern und dem goldenen R\u00fcstzeug hinterher. Wenn ihnen nur jetzt Sileda\u00fa nicht begegnete!<\/p>\n<p data-p-id=\"620191ee299dee40b82a8c6eb6863cbc\">Als h\u00e4tte er seine Gedanken erraten (und wahrscheinlich hatte er das tats\u00e4chlich), sagte der Gelbe: \u201eIch wei\u00df nicht, ob es mir zusteht, das zu \u00e4u\u00dfern. Aber die Sache mit dem Murmelspiel gestern in der Halle &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"655a7d8d1af625b87174007d61911321\">\u201eEs war kein Spiel!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"74eb426fbf7c13178baa6cc24da31344\">\u201eIch wei\u00df. Gut gemacht, Advon Ir\u00edsolor.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c003c4e87325caa328a48941d970e495\">\u201eGut gemacht? Es hat nicht funktioniert, und daf\u00fcr hat sie die Al&#8230;. hat Sileda\u00fa sich verletzt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ece9f75c288596c7538f245cc6160434\">\u201eAuch wenn du nicht das gewirkt hast, was dir vorgeschwebt hat, dein Eifer ist Patagh\u00edu sicherlich gef\u00e4llig. Es ist eine Schande, dass es so entmutigend f\u00fcr dich ist. Ich glaube nicht, dass es zu jemandes Nutzen ist, dass die alte Unkundige dir deine Zeit stiehlt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4fb8bf3cea2e3d15b343213d7ac7a0a1\">Advon schaute \u00fcberrascht auf. Was war denn das f\u00fcr eine Rede?<\/p>\n<p data-p-id=\"2d436f6bfed401387003ce85fe719946\">\u201eIch bin nicht der Einzige, der so denkt. Umso mehr seit dem gestrigen Vorfall.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"85fc2bbe1b1df91fb5187c0ea1982c48\">\u201eAber warum ist sie denn \u00fcberhaupt hier? Wieso hat sie so viel zu sagen, wenn sie doch nur eine Unkundige ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"302702ac34845098824e33c3d1a7cc12\">\u201eDazu, Junge, darf ich wirklich nichts sagen. Aber ich bin sicher, sobald dein Vater zur\u00fcck ist, werden sich Dinge aufkl\u00e4ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"98880c950c32804c353158e16cbf07b8\">\u201eDas hat Mama auch gerade schon gesagt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d16b16007081389b9c4781b101e0cdb\">\u201eWenn du zaubern k\u00f6nntest, Advon Ir\u00edsolor, was w\u00fcrdest du mit der Macht anstellen wollen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4bf5493192102603d097e1605fdd1262\">Advon dachte nach, w\u00e4hrend sie die Au\u00dfentreppe aus wei\u00dfem Marmor und Kristall hinabstiegen. Dar\u00fcber hatte er sich noch nie wirklich Gedanken gemacht. Bislang war ihm seine unmagische Natur haupts\u00e4chlich als Unzul\u00e4nglichkeit erschienen, etwas, das ihn anders machte als seine Eltern und die <em>arcaval&#8217;ay<\/em>. Ein Unterschied, den er als Zur\u00fccksetzung empfand und \u00fcberwinden wollte. Aber was er tats\u00e4chlich mit der Magie anfangen wollte &#8230; nun, er wollte ein Teil der Hellen Magier sein. Er wollte zu ihnen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p data-p-id=\"81d21a2b938b04e128c8da8395a8cf56\">\u201eIch will die Unkundigen besch\u00fctzen&#8221;, sagte er. \u201eAufpassen, dass nichts aus dem Chaos durch die W\u00fcste kommt. Und dass niemand den Ciel\u00e1stel angreift. Was ihr eben auch macht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8699d0a5f07336e0711a40104ffa0db8\">Der Gelbe nickte, ohne sich zu ihm umzudrehen. \u201eUnd was willst du <em>tats\u00e4chlich<\/em>?&#8221;, fragte er dann. \u201eWei\u00dft du das schon?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec988e25ec2e1f5c640eba62427d7baf\">Was war das f\u00fcr eine Frage? Advon war sich nicht sicher, worauf der Regenbogenritter hinaus wollte. Also antwortete er unverbindlich: \u201eNein. Noch nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55f74f2fcc7c8f45493c3f436858f37a\">Sie hatten den Innenhof des Ciel\u00e1stel erreicht. Immer noch war von Sileda\u00fa nichts zu sehen. Der Gelbe Ritter fragte nichts mehr. Er berichtete Advon nun, dass die Einh\u00f6rner in der Nacht etwas unruhig gewesen seien. M\u00f6glicherweise seien Sandw\u00f6lfe in der N\u00e4he gewesen. Er solle sich nicht wundern, wenn Farbenspiel sich etwas ungest\u00fcmer als erwartet verhalten sollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"87840e1fa449b8b83acf4340bdc453c0\">Advon nahm das zur Kenntnis, h\u00f6rte aber kaum hin. Nun besch\u00e4ftigte ihn die Frage, was er tats\u00e4chlich <em>wollte<\/em>.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2456","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2456","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2456"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2456\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3745,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2456\/revisions\/3745"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2456"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2456"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2456"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}