{"id":2441,"date":"2025-08-25T11:43:12","date_gmt":"2025-08-25T09:43:12","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2441"},"modified":"2025-09-01T09:07:45","modified_gmt":"2025-09-01T07:07:45","slug":"011-saat-und-vernichtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/011-saat-und-vernichtung\/","title":{"rendered":"011: Saat und Vernichtung"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"440f15e3ad7d55a5ecc01aef22975227\">Yarl Mor\u00e9aval hatte zun\u00e4chst gez\u00f6gert, als die kleine Tochter des Magiers ihn so zutraulich angesprochen und darauf bestanden hatte, dass er sie begleitete. Zugleich war dem Ritter bewusst gewesen, welche Ehre das Vertrauen des Schattens\u00e4ngers bedeuten mochte, etwas, dessen er sich dem\u00fctig und w\u00fcrdig erweisen wollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"df7c7afd66d7c8b68964c841aabe3946\">Kaum waren sie einige Schritte vom Haus entfernt, spielten Pflichtgef\u00fchl und Respekt keine Rolle mehr. Das M\u00e4dchen f\u00fchrte ihn selbstbewusst bei der Hand hierhin und dorthin und plauderte so entz\u00fcckend, so unschuldig und fr\u00f6hlich auf ihn ein, dass es warm um sein Herz wurde. Sie erinnerte ihn an T\u00edjnje, die er in Wijdlant in der Obhut der <em>teiranday<\/em> zur\u00fcckgelassen hatte. Weder dem Kind noch seiner <em>h\u00fdardora<\/em> war es recht gewesen, dass er sich auf diese weite Reise begeben hatte. T\u00edjnje hatte er schlie\u00dflich mit dem Versprechen, ihr von unterwegs ein sch\u00f6nes Spielzeug mitzubringen bes\u00e4nftigen k\u00f6nnen, zumindest lange genug, dass sie ihm den Abschied nicht allzu schwer gemacht hatte. Seine <em>h\u00fdardora<\/em> jedoch &#8230; wie sehr w\u00fcnschte er sich, sie wieder umarmen zu k\u00f6nnen. Die Dame hatte versucht, nicht vor seinen Augen zu weinen, um es ihm nicht zu schwer zu machen, aber er hatte es nat\u00fcrlich bemerkt. Und dabei war er nur zu einem friedlichen Botenritt ausgezogen. Was erst, wenn es gegen eine ernste Gefahr ging? Mochten die M\u00e4chte geben, dass das Schicksal ihn nie in ein Gefecht verstie\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"13c4bad62df93a4211251b2b858fa657\">\u201eIst die <em>teirandanja<\/em> freundlich?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e und riss ihn aus seinen Gedanken.<\/p>\n<p data-p-id=\"fa5ff6345339b661e9914351336403fc\">\u201eJeder im <em>teirandon<\/em> hat sie gern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"470e8307f02dc00e325c5c648caae1c1\">\u201eUnd die <em>teiranda<\/em> ist auch wirklich ihre Mutter? Der Vater hat nicht eine neue <em>teiranda<\/em> geholt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3082e1a028ac92256d8d503951be6f7d\">J\u00f3ndere Moreaval schwieg einen Moment verwirrt, bevor er antwortete: \u201eNein. Die <em>teirandanja<\/em> ist die leibliche Tochter meiner <em>teiranday<\/em>. Und alle drei haben sich lieb, so wie du und deine Eltern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4425dbfdb2cce97bfad24a21a6d45f84\">\u201eDann ist es ja gut&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e zufrieden. \u201eWei\u00dft du, wenn n\u00e4mlich die richtige Mama einer <em>teirandanja<\/em> hinter die Tr\u00e4ume geht und der <em>teirand<\/em> eine zweite <em>h\u00fdardora<\/em> findet, dann muss die <em>teirandanja<\/em> gut achtgeben, dass sie nicht ermordet wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73b722324f1c41459d2b692bdd2e3260\">\u201eDarum muss sich die <em>teirandanja<\/em> nicht sorgen&#8221;, antwortete der Ritter verwundert. \u201eWir sind dazu da, um sie zu besch\u00fctzen. Ich mache den ganzen Tag nichts anderes, als auf sie aufzupassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dee0a484af1e46698a247253842196c2\">\u201eDu musst der <em>teirandanja<\/em> sagen, dass sie niemals von fremden Leuten rote \u00c4pfel annehmen darf. Oder eine Spindel anfassen. Sticknadeln sind in Ordnung, aber Spindeln sind ganz gef\u00e4hrlich f\u00fcr <em>teirandanja\u00e9<\/em>. Und wenn sie einmal auf einem Fest mit jemandem tanzt und es ist ihr <em>h\u00fdardor<\/em>, dann soll sie ihm gleich auf einen Zettel aufschreiben, wie sie hei\u00dft und wo er sie findet. Der vergisst das sonst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e3b870e3a99ef4160de1526a2931c60\">\u201eIch werde es ihr ausrichten&#8221;, versprach der <em>yarl<\/em> ebenso ernsthaft wie verwirrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"b79728727036e8efb722021d7c481369\">Dar\u00fcber schien das Kind sich aufrichtig zu freuen. Es gab dem Ritter noch eine ganze Reihe weiterer \u00e4u\u00dferst wunderlicher Ratschl\u00e4ge mit auf den Weg. So erreichten sie das Ufer des gro\u00dfen Sees, der sich mitten im Boscarg\u00e9n erstreckte. Das Wasser war zu seiner Mitte hin glatt und dunkel, wie ein poliertes schwarzes Spiegelglas und unbewegt; n\u00e4her am Ufer pl\u00e4tscherten Wellen an den Kiesstrand, hier und da zogen Wasserv\u00f6gel still ihre Bahnen und ab und zu gluckerte ein Fisch empor. Der blaue Himmel und die Wolken daran schienen auf dem Wasser wider. Mor\u00e9aval hatte nie zuvor etwas gesehen, das zugleich so idyllisch und unheimlich aussah.<\/p>\n<p data-p-id=\"d58bfc406ff6f1a575ec45da8a0e327a\">Das Kind bemerkte sein Erstaunen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7f473086f6ff192359b350caec6ed9cb\">\u201ePapa sagt, der See ist viel, viel tiefer als der Montaz\u00edel hoch ist. Der Montaz\u00edel ist sehr hoch, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d404f03eed7f291d937969ec2411f548\">\u201eManchmal sto\u00dfen die Wolken an seinen Gipfel, ja&#8221;, best\u00e4tigte der <em>yarl<\/em>, fasziniert vom Wasser.<\/p>\n<p data-p-id=\"7146b552c6ce4727b68ef3131dd50709\">Sie schaute nachdenklich zum Himmel empor. \u201eIch w\u00fcrde den gro\u00dfen Berg so gern einmal sehen. Und das Meer. Und die W\u00fcste. Und den immergr\u00fcnen Wald mit den bunten Blumen und V\u00f6geln. Und &#8230; und alles eben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ce94b765b4c7e31ababd8d51e846b490\">\u201eDeine Eltern werden dir all das sicher zeigen, wenn du etwas \u00e4lter bist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5dae79bc7881cbfc599bcebf6050f342\">\u201eUnd deine Tochter will ich auch sehen. Und die <em>teirandanja<\/em>. Glaubst du, die beiden w\u00e4ren freundlich zu mir?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1c08fefc161bcf950a3f179e4cee7736\">\u201eAber nat\u00fcrlich. Die <em>teirandanja<\/em> ist ungef\u00e4hr so alt wie du. Sie w\u00fcrde sich sicher \u00fcber eine Kameradin freuen, die verst\u00e4ndiger ist als meine Tochter. F\u00fcr manche Dinge ist meine kleine T\u00edjnje einfach noch zu jung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"698d5337f0785d99c4358c1fac6f00fc\">\u201eOb ich mitkommen kann, um die <em>teirandanja<\/em> zu besuchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"960dbb480f7e14b5fe5b85e041de6995\">\u201eIch denke nicht, dass das m\u00f6glich ist!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cf6d1f3c8fa43430139d54a33c52a49a\">D\u00fdamir\u00e9e seufzte lautlos, aber sie fragte nicht weiter. Mor\u00e9aval staunte \u00fcber die Verst\u00e4ndigkeit des Kindes. Manj\u00e9v von Wijdlant h\u00e4tte so lange weiter gebeten (und je nach Situation auch <em>angeordnet<\/em>), bis man ihr nachgegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"70394fb78335f2fc96d9afd3e00ef11f\">\u201eKomm&#8221;, sagte das Schattens\u00e4ngerkind. \u201eVielleicht finden wir mein Boot. Mir ist n\u00e4mlich mein Schiffchen weggeschwommen. Ist konnte es nicht zur\u00fcckholen. Sicher ist es zwischenzeitlich irgendwo ans Ufer getrieben und h\u00e4ngt in den Binsen fest.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fabb391adacde78444343648279be468\">Er folgte ihr und stellte dabei fest, dass sie nicht mehr plauderte. Vielleicht, so dachte er beunruhigt, hatte er mit seinem unbedachten Reden etwas in ihren Verstand gesetzt, das besser daraus geblieben w\u00e4re.<\/p>\n<p data-p-id=\"b7a2e5d675cb958906bef30fd04a18a8\">\u201eMagst du nicht auf meinem Pferd reiten?&#8221;, fragte er, um sie abzulenken. T\u00edjnje war damit immer auf andere Gedanken zu bringen. \u201eIch f\u00fchre es am Ufer entlang und du kannst aus der H\u00f6he nach deinem Boot schauen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c9fb253d8f75ed4bac9cc374b8f09844\">\u201eDu bist freundlich&#8221;, antwortete D\u00fdamir\u00e9e geistesabwesend. \u201eKomm, ich zeig dir was Besseres.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d2f8a92e342a8d8bce9ec42fa095683d\">Sie lief ihm leichtf\u00fc\u00dfig voraus, aber so, dass er ihr ohne M\u00fche nachgehen konnte. Der Weg f\u00fchrte durch lockeres Geb\u00fcsch ein St\u00fcck die B\u00f6schung aufw\u00e4rts. Da war etwas am Boden, das wei\u00df und duftig schimmerte. Beim N\u00e4herkommen erkannte der Ritter, dass es sich um Blumen handelte, mildwei\u00dfe Blumen, die dicht an dicht beieinander standen. Es glich im Wuchs wilden Waldwinden, die ein St\u00fcck der Erde \u00fcberwucherten wie ein Netz, aber die Bl\u00fcten waren anders gewachsen. Eine solche Pflanze kannte der Ritter nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"1e1563ce8903aba86552bb3e35f861aa\">\u201eSchade, dass die Sonne scheint&#8221;, erkl\u00e4rte D\u00fdamir\u00e9e. \u201eBei Nacht schimmern sie wie der Mond. Sie leuchten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d3db26498ee320685c6a439df613739b\">\u201eWas ist das?&#8221;, fragte Mor\u00e9aval. Der Anblick der Blumen r\u00fchrte unvermittelt etwas in ihm an, das er nicht einordnen konnte. Ihm war, als ergriffe urpl\u00f6tzlich eine \u00fcberw\u00e4ltigende Trauer sein Herz. Er wagte sich nicht n\u00e4her als einen Schritt weiter heran.<\/p>\n<p data-p-id=\"44319e80f3fb08444c05db4446d2e2c9\">\u201eIch wei\u00df nicht&#8221;, antwortete D\u00fdamir\u00e9e. \u201eEs ist die einzige Stelle hier im Wald, an der diese Blumen wachsen. Papa sagt, wir d\u00fcrfen niemals eine von diesen Blumen pfl\u00fccken. Das ist ganz, ganz wichtig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"250ab519dbf7c08078fdcea2b683ea46\">\u201eNur ein Unhold k\u00e4me auf die Idee, das zu tun&#8221;, brachte der Ritter rau hervor. Bei den M\u00e4chten, was war das, was diese sch\u00f6nen wei\u00dfen Blumen mit ihm anstellten?<\/p>\n<p data-p-id=\"9236322f1c6ae868fd4170e26a3c4a87\">\u201eManchmal&#8221;, vertraute D\u00fdamir\u00e9e ihm an, \u201e<em>sprechen<\/em> die Blumen zu mir. Nicht wirklich nat\u00fcrlich, sie haben ja keinen Mund und keine Zunge. Aber ich verstehe trotzdem, was sie sagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2f0b6785ac3a4cd5d73dea4326fb42fb\">Der <em>yarl<\/em> konnte nicht anders. Es dr\u00e4ngte ihn, vor den wei\u00dfen Blumen niederzuknien. Was immer es mit diesen Pflanzen auf sich hatte, es war &#8230; auf eine sehr, sehr vage Art vertraut und bitter zugleich.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e915cac69edd22ca3bf09f59a8d3d7d\">\u201eWas machst du?&#8221;, fragte sie neugierig.<\/p>\n<p data-p-id=\"bae06255bdd3eb6187fbd776b5af5f09\">\u201eEs ist so &#8230; wundersch\u00f6n&#8221;, wisperte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"456fdbc50a57490b98854dc021b97f63\">\u201eAber du weinst ja!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0e5f051927bc7549b8f4df11c00b55ed\">Hastig griff er sich ins Gesicht und wischte die Tr\u00e4ne beiseite. Wie peinlich! \u201eMir ist etwas ins Auge geraten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"58179ee2c9044cb1517d4b9de9d4ea21\">Das Kind l\u00e4chelte und hockte sich neben die Blumen nieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"7c1080d9c25e3b6e971a609116f39700\">\u201eSchau mal. Das hier darf ich tun. Die Blumen <em>wollen<\/em> das.&#8221; Ihre zarten Finger griffen nach einer abgebl\u00fchten Blume, die bereits einen runden Samenstand gebildet hatte. So vorsichtig diese Ber\u00fchrung war, sie reichte aus, dass die Kapsel aufsprang und einen Regen von winzigen silbergrauen Samen freigab. D\u00fdamir\u00e9e fing sie geschickt mit der anderen Hand auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"8095a1b9c39bc74e7952ebe039eb0cc7\">\u201eHast du ein Tuch, ein Papier oder eine Dose bei dir?&#8221;, fragte sie sachlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"5e55a9ec90f3f14f1ef5f9952c5ecacc\">Mor\u00e9aval schreckte aus seiner Traurigkeit auf und f\u00f6rderte aus seiner Tasche ein zartgelbes feines T\u00fcchlein hervor. Das hatte seine <em>h\u00fdardora<\/em> ihm als Andenken mitgegeben. Er breitete es aus, damit das Kind die Samenk\u00f6rner hinein rieseln lassen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a3ffb098bceb3910c77bc57e278fd17\">\u201eGib das deiner <em>h\u00fdardora <\/em>f\u00fcr euren Garten. Dann sind die sch\u00f6nen Blumen immer bei dir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c1846c66567da70c686e095d9dd91ac7\">\u201eDarfst du mir das denn geben?&#8221;, fragte er vorsichtig und faltete das Tuch so sorgsam zusammen, dass nichts herausfallen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"84e6947aca53bf9f88706cc68e0c2ac9\">\u201eLass es unser Geheimnis bleiben. Deins, meines &#8211; und das der Blumen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d5eb599e61131736e961b3821bdeb0f\">\u201eIch kann das nicht annehmen, Kind. Es ist nicht recht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"77dd8c2acb515ea177052f9753a7d02e\">\u201eDoch, ist es. Wir haben kein Bl\u00fcmlein abgebrochen, und wenn du so gro\u00dfe Freude an den Blumen hast, dass dir dein Herz davon \u00fcbergeht, dann wachsen sie in deinem Garten sicher besonders gut weiter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d35e93e34fdca1cfb6be9e965af6c442\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"27950453ce3638e04b4215c5f4e7b3cc\">\u201ePapa sagt, die Pflanzen machen Samen, damit sie weitergetragen werden, manche durch Fr\u00fcchte, manche durch den Wind oder durch Tiere. Trag du die hier woanders hin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a4ac02fb2700ba5e9a1db92e07e864f6\">\u201eIch danke dir&#8221;, sagte er ehrf\u00fcrchtig.<\/p>\n<p data-p-id=\"a42147122cc380b1d36e8d70cc7e8cb7\">Sie l\u00e4chelte. Dann sprang sie unbek\u00fcmmert auf und lief weiter. \u201eKomm! Jetzt mag ich auf dem sch\u00f6nen gro\u00dfen Pferd reiten!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b5894d2f91732317552bfa1040d7562\">J\u00f3ndere Mor\u00e9aval erhob sich und warf einen letzten, einen sehns\u00fcchtigen Blick auf die unerreichbaren Blumen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4467f01f8bccc5677b343efbdbc0498a\">Nur ein Unhold w\u00fcrde es wagen, diese sch\u00f6nen wei\u00dfen Blumen <em>abzubrechen<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"b162c0e73ba8bfb25d85ea4143d4871b\">Das Eisen fuhr heftig nieder, ins Gr\u00fcn, in die Dornen, in den Duft, fetzte Bl\u00e4tter fort und lie\u00df \u00c4ste krachend zersplittern. Links und rechts gingen die pr\u00e4chtigen Blumen in St\u00fccke, \u00fcppige Bl\u00fcten flogen hinab auf den staubigen Boden.<\/p>\n<p data-p-id=\"dc0e5f550255bbf383190d67a692ed7a\">Der G\u00e4rtner rief und jammerte, aber er wagte sich nicht n\u00e4her heran, denn das Eisen war unberechenbar. Dem Gesinde, mehreren Knechten und einer Magd, die zuf\u00e4llig in der N\u00e4he gewesen war, ging es nicht besser. Das Geschrei war gro\u00df, aber niemandem gelang es, den Tobenden aufzuhalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"6978986b0e5849d23325d56c830db626\">Das vermochte erst der Mann, der aus der Burg herbeigelaufen kaum und unerschrocken auf den mit der Klinge zust\u00fcrmte, um ihn zu packen. Jener war so rasend in seinem Tun, dass er den Herannahenden erst im letzten Moment bemerkte und zu ihm herumfuhr. Der gerade w\u00fctend gef\u00fchrte Streich zerschlitzte Stoff und wurde erst vom K\u00f6rper des Ritters gebremst.<\/p>\n<p data-p-id=\"6eed2ca981965ea53cf52ac7978996ed\">Dies und der schiere Schreck des W\u00fcterichs \u00fcber das unvermittelte Erscheinen des Gegners verschafften Wa\u00fdreth Althopian die M\u00f6glichkeit, seinen Sohn zu packen und so fest an sich zu dr\u00fccken, dass der sich nicht wehren konnte. Das Kurzschwert fiel aus der Hand des Knaben, zwischen die zerschlagenen Kletterrosen, und blieb dort harmlos liegen. Ein wenig Blut des Vaters haftete jetzt an der Klinge.<\/p>\n<p data-p-id=\"6044fee571793f6835e8ef037cd0d018\">Das emp\u00f6rte Geschrei der an der Burgmauer Versammelten verstummte. Jeder konnte es h\u00f6ren, den pumpenden Atem des Jungen und das ersch\u00f6pfte Schluchzen dazwischen.<\/p>\n<p data-p-id=\"755b067f017602465923bb807b5e50a1\">Wa\u00fdreth Althopian blickte auf und w\u00fctend in die vorwurfsvollen Gesichter seiner Schutzbefohlenen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ce663e3692164c39e7aed0213b116187\">\u201eGibt es hier was zu gaffen?&#8221;, fuhr er die Leute an, ein Tonfall, den sie von ihrem immer so respektvollen Herrn nicht gewohnt waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"e920eaee592ee6dbff7fa9f57a430d16\">Nun, der <em>yarl<\/em> hatte es wirklich nicht leicht in diesen Tagen. Die Trauer \u00fcber den schrecklichen Verlust seiner <em>h\u00fdardora<\/em> hatte den Ritter gel\u00e4hmt und verstummen lassen. Aber der Junge &#8230; der war <em>unberechenbar<\/em> geworden. Weder der <em>mestar<\/em> noch sein Schwertmeister bekamen das Kind noch zur rechten Zeit zu packen. Vor einigen Tagen hatte es eine gro\u00dfe Suchaktion gegeben, nachdem Merrit Althopian sich mit seinem Pferd, aber ohne zureichende Ausr\u00fcstung allein weit von der Burg entfernt hatte. Fast bis zum \u00f6stlichen Grenzstein hatte der Knabe es geschafft, bevor Pferdehirten ihn, im str\u00f6menden Regen, durchgefroren und v\u00f6llig orientierungslos aufgegriffen hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"40bc7cb93c2e9dc6aa1e2f4ace49d6e8\">Nach Ansicht nicht weniger Burgleute h\u00e4tte der Junge daf\u00fcr zumindest eine Tracht Pr\u00fcgel verdient. Aber Wa\u00fdreth Althopian strafte nicht, niemals hatte er seinen Sohn geschlagen. Den M\u00e4chten hatte er gedankt, \u00f6ffentlich und so vorwurfsvoll, dass es fast l\u00e4sterlich war, dass sie ihm nicht <em>auch noch<\/em> den Sohn genommen hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"bb8b10f833fa1e7aa912d4be619b52e4\">Merrit Althopian, der fr\u00f6hliche, hilfsbereite und intelligente Knabe, hatte zu alledem geschwiegen. So finster war der Junge geworden, dass das Burgvolk es vorzog, ihm aus dem Weg zu gehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2bb8d01b23000c9c927b2575738dffef\">Der G\u00e4rtner zeigte missf\u00e4llig auf die traurigen Reste der pr\u00e4chtigen Rosen. \u201eUnd das hier?&#8221;, fragte der Mann aufgebracht.<\/p>\n<p data-p-id=\"606ae621be67aa20c5f0e943d2205644\">\u201eIch k\u00fcmmere mich darum&#8221;, sagte Herr Wa\u00fdreth schroff. \u201eLass uns allein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"48e53e229e86dfc0e1970c353966b6c4\">\u201eHerr, Ihr seid verletzt!&#8221;, wandte einer der Knechte ein.<\/p>\n<p data-p-id=\"589ae8fbea031e9a278bbaefb6ddfe49\">\u201eEs ist ein Kratzer. Es hat Zeit. Geht. Geht alle! Im Augenblick!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fbdd2eccb576657035bf9798c166af60\">Die Leute zerstreuten sich, begannen erst zu murmeln, als sie au\u00dfer Reichweite waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"6d14731b1020e5feacaecb363f320809\">Der <em>yarl<\/em> hielt seinen Sohn so fest in seinen Armen, als seien es Schraubst\u00f6cke. So lange, bis der v\u00f6llig verkrampfte K\u00f6rper des Kindes sich endlich entspannte. Der Ritter sp\u00fcrte die Tr\u00e4nen, die sein Hemd benetzten. Dann lockerte er seinen Griff und umarmte den Jungen. Merrit Althopian zitterte beim Weinen und schlang schlie\u00dflich die Arme um Hals und Schultern seines Vaters.<\/p>\n<p data-p-id=\"f76c52be291f0a0a6fd1564a023d9fa3\">\u201eWo hattest du das Schwert her?&#8221;, fragte der <em>yarl<\/em>. Nicht vorwurfsvoll, nicht w\u00fctend. Vorw\u00fcrfe n\u00fctzten niemandem etwas.<\/p>\n<p data-p-id=\"5f4e0298048007e9917ea2e7e8160287\">\u201eVom Schwertmeister&#8221;, schniefte Merrit. \u201eIch hab&#8217;s aus seiner Stube genommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c5ab548c757884af25532ebe1e2fdc18\">\u201eDu hast Scharten hineingeschlagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff0d7805f070410206c5cc9f1c7296b8\">Der Knabe schluchzte. \u201eSchlimm?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"58d9eed2261416daee791fc17a23d3ca\">Wa\u00fdreth Althopian langte nach der Klinge und hob sie auf. Eine schlechte, verbrauchte Waffe, die der Kampflehrer gewiss nur zu Demonstrationszwecken aufbewahrte, die aufgrund ihrer L\u00e4nge aber handlich genug f\u00fcr das Kind gewesen war. Er w\u00fcrde den Mann ermahnen m\u00fcssen, so etwas besser wegzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3979f81f35d31c699ec29e12886dfada\">\u201eDer Schmied wird es ausbessern k\u00f6nnen. Du musst achtgeben mit Eisen, wenn Stein in der N\u00e4he ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5203688faccafc62ae69d6d618618e89\">Der Junge nickte. Herr Wa\u00fdreth legte seine Stirn vorsichtig an die des Kindes. Diese war fieberhei\u00df vor Ersch\u00f6pfung und Anstrengung.<\/p>\n<p data-p-id=\"d412af02ef4b1142c7f94f50ae63e448\">\u201eUnd was haben dir die Rosen angetan?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2165661c7a8a8529f2e5b8eacda2cc31\">Nun konnte der Junge nicht mehr an sich halten, obwohl er es noch einen tapferen Moment lang versuchte.<\/p>\n<p data-p-id=\"db529958c9fd6cbff44fd7cb2f0b420b\">\u201eSie hat immer da gesessen&#8221;, brach es schlie\u00dflich aus dem Kind hervor. \u201eWenn sie nicht mehr da ist, sollen die Rosen auch weg!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"34b665cf9fd9f0b1832830e982ec1086\">Der Ritter dr\u00fcckte ihn an sich. Wie gut verstand er, was in seinem Sohn vor sich ging. Wo immer er hinschaute, er fand Dinge um sich herum, die ihn an die <em>h\u00fdardora<\/em> erinnerten und daran, dass sie fort war. Dinge, die sich ver\u00e4ndert hatten. Dinge, die nie wieder sein w\u00fcrden wie fr\u00fcher. Dinge, die ihn <em>verst\u00f6rt<\/em> hatten. Aber, bei den M\u00e4chten, musste sich dar\u00fcber denn nun auch noch der Sohn in etwas wandeln, das noch mehr schmerzte?<\/p>\n<p data-p-id=\"d9ac4929546981a3967ee80be46291e9\">Kaum, dass der erste Schock \u00fcber den f\u00fcrchterlichen Unfall \u00fcberwunden gewesen war, hatte die junge Zofe der <em>yarlara<\/em> sich die pr\u00e4chtigen schwarzen Haare abgeschnitten; nicht ganz kurz wie ein Mann, aber doch auf eine praktischere L\u00e4nge, und ihre bunten Gew\u00e4nder durch einfache, einfarbige ersetzt. Herr Wa\u00fdreth war sich nicht sicher gewesen, ob das m\u00f6glicherweise eine fremdartige Trauerbekundung und in dem fernen <em>yarlm\u00e1lon<\/em> \u00fcblich war. Dann aber war sie zu ihm gekommen und hatte um ihre Entlassung gebeten.<\/p>\n<p data-p-id=\"61a4804cc83f1e8035a0b3a75f6a39f2\">Wieso sie das w\u00fcnsche, hatte er best\u00fcrzt gefragt.<\/p>\n<p data-p-id=\"28c26eaa0367212595a45ec744b38d7f\">Sie werde hier nicht mehr gebraucht, nachdem die Herrin hinter den Tr\u00e4umen sei.<\/p>\n<p data-p-id=\"a1ac85c16a2c60fc5daa9c8b7e714d64\">Sie sei weiterhin eine liebe und willkommene Hausgenossin, hatte er bekr\u00e4ftigt, denn er sch\u00e4tzte das kluge M\u00e4dchen sehr.<\/p>\n<p data-p-id=\"58bd5df8b80eeaea5d407c4f41b78765\">Das sei es nicht, hatte sie ihm anvertraut. Sie wolle nicht, dass ihre Anwesenheit die Trauer nur noch ansch\u00fcre. Ihr sei bewusst, wie sehr ihr Anblick, ihre Anwesenheit m\u00f6glicherweise &#8230; erinnere.<\/p>\n<p data-p-id=\"f677143902d963d0a7f8f0edb2c35f63\">Vor wenigen Tagen war sie abgereist, mit einem \u00fcberschw\u00e4nglichen Empfehlungsschreiben, einem kostbaren Pferd und gro\u00dfz\u00fcgiger Entlohnung. Sie w\u00fcrde auf der Burg von <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval dessen alternder Mutter Gesellschaft leisten, so war es abgesprochen. Nach Iva\u00e1l wollte sie vorerst nicht zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"c304a3c196323140b2402582c295713e\">Dass Merrit nun anfing, buchst\u00e4blich gegen Erinnerungen aufzubegehren, war neu, ein kindlicher, ein sicher nicht angemessener Weg, gegen die Trauer anzuk\u00e4mpfen, gegen den Verlust und etwas, was sich in seiner zarten, abenteuerlustigen und k\u00e4mpferischen Kinderseele auszubreiten drohte.<\/p>\n<p data-p-id=\"2df846ad648eae7aa292486a374cd5c8\">In der seinen wuchs etwas \u00c4hnliches heran, vielleicht nicht dasselbe wie in der des Knaben, aber etwas, das ihn ebenso qu\u00e4lte. Tags\u00fcber, wenn er sich um seine Pflichten zu k\u00fcmmern hatte, tat er das m\u00fcde, traurig, gel\u00e4hmt von der Traurigkeit, aber zumindest war er abgelenkt. Nachts lag er allein auf dem Lager, das er so viele Sommer mit ihr geteilt hatte. Geisterhaft war dann oft noch ihre W\u00e4rme und ihn, ihr Duft, ihre Anwesenheit, so nahe, dass er es fast sp\u00fcren konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"df11a383161782d405c81e914953cca8\">Er hatte sie nicht besch\u00fctzen k\u00f6nnen. Er hatte <em>versagt<\/em>. Er hatte eine Handbreit neben ihr gestanden, wenn er nur nach oben geschaut h\u00e4tte, vielleicht h\u00e4tte er den Ziegel fallen sehen, ihn auffangen oder beiseite schlagen, oder die <em>h\u00fdardora<\/em>, die Geliebte, nur einen einzigen Schritt beiseite ziehen k\u00f6nnen. H\u00e4tten sie nur anders herum nebeneinander gestanden, hatte das Licht <em>ihn<\/em> genommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4fd131adb15d6cdc7897640217e119db\">Er, Wa\u00fdreth Althopian, der kampferprobte, der starke und furchtlose, er, der wilde Bestien und M\u00f6rderbanden \u00fcberwunden h\u00e4tte \u2013 er war unterlegen. Gegen eine l\u00e4ppische, vom Wind verr\u00fcckte Dachpfanne. Er war ein Versager, der nicht verteidigen konnte, was er geliebt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"94cea0b5428a66d4c0a568dbb82f4596\">Ob Merrit ihm deswegen einen Vorwurf machte?<\/p>\n<p data-p-id=\"2b707ed086130c20774d03fd0535ac45\">\u201eF\u00fchlst du dich jetzt besser?&#8221;, fragte der <em>yarl<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"138e4aaff63ba4f2e598cb0b327ac4d5\">\u201eNein. Ich bin m\u00fcde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"63bede22fa63cffefcc6af89320851f5\">\u201eWillst du dich ausruhen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"674c64912f6afb25c72c99541d28c3cc\">Der Junge seufzte und schmiegte sich an ihn. Aber er sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"a48589a3c923472a2f13d1a3bad41614\">\u201eSoll ich bei dir bleiben? Oder willst du allein sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b15a10a51b16a2466a39e5017bf02c92\">Merrit sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d2c62388841eda36fddb39a603eb23f\">\u201eGut. Aber dann lass mich aufstehen. Es beginnt, zu schmerzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ba7492f25a4f26c7d2ec7a16ed1d5147\">Nun erst bemerkte der Junge, dass sich des Vaters blaue Tunika oberhalb der H\u00fcfte rot gef\u00e4rbt hatte. Erschrocken wich das Kind zur\u00fcck. \u201eWar ich das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"808df2fe476a6123418b4d0c6db4faf4\">\u201eJa. Aber es ist nicht schlimm. Du hast eine geschickte Hand, Merrit. L\u00e1as und J\u00e1ndris werden sich h\u00fcten m\u00fcssen. Ganz besonders J\u00e1ndris.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a42e5b32b5ead98f2de8e10bfe3bdde6\">Er hatte versucht, den Jungen aufzumuntern, aber erkannte sogleich, dass er damit das Gegenteil erreichte. Merrits Miene verd\u00fcsterte sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"43d9cab0dad61fc47532b03f1cd0a6c6\">\u201eEs wird dir guttun, unter anderen Jungs zu sein&#8221;, sagte Wa\u00fdreth Althopian lahm und verstummte dann, bevor er es noch schlimmer machte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f87b7b6ee7d1180ac151fbc5324fa85e\">Der Junge nickte missmutig. Dann begann er, das was er in seiner pl\u00f6tzlichen Wut aus der wei\u00dfen Kletterrose herausgeschlagen hatte, vom Boden zusammenzusammeln. Der <em>yarl<\/em> schaute ratlos einen Moment dabei zu und wollte dann mithelfen. Doch seine Seite schmerzte. Die <em>doayra<\/em> w\u00fcrde den Schnitt versorgen m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3ce3fd98c768d0cf830711ed02a53ecd\">\u201eHabe ich die Rose kaputtgemacht, Papa?&#8221;, fragte Merrit leise. \u201eWie das Schwert?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"77362dc6a49ebdb9affac1a24e9a4bbc\">\u201eIch denke nicht. Schau, der uralte Stamm steht noch fest, den hast du nur geritzt. Ein paar Zweige hat du herausgeschnitten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ecd857643268b41e59b6e8fbf490085f\">\u201eMeinst du, aus den Bl\u00fcten k\u00f6nnen sie in der K\u00fcche wenigstens noch ein Rosenwasser machen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9334babcfc6ec1e583907c6ba9c7b2c6\">\u201eDas ist eine gute Idee. Bestimmt l\u00e4sst sich damit noch etwas anfangen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"623b6ff9e6f087cf655b3d46c0ec79cd\">Der Junge hielt eine abgeschlagene Rose in der Hand und seufzte. \u201eMama h\u00e4tte sehr gescholten, oder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0146b3be36f869d33355787b900b00a4\">\u201eIch glaube, sie h\u00e4tte es <em>verstanden<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5888fa126d6d45ddf7a97e093f8e60ba\">\u201eVerstehst du es auch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b8df6f8ad1faaa0f4c4a6dbcb40a88fe\">Er legte dem Jungen z\u00e4rtlich die Hand auf die Schulter. \u201eBring die Bl\u00fcten in die K\u00fcche und geh dann in deine Stube. Ruh dich aus. Ich komme zu dir, sobald die <em>doayra<\/em> einen Flicken auf den Schnitt gepappt hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e34cc6158f6980de7fcefdd4707da9cb\">Merrit nickte gehorsam. Wa\u00fdreth Althopian l\u00e4chelte aufmunternd, wandte sich dann ab und verzog das Gesicht dabei. Die Wunde schmerzte immer heftiger. So aufrecht, wie es ging, ging er fort &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ae6a571a00c656bab2cc06d2c4ff3a1\">\u201ePapa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3aa176f903770196377b0dad33580618\">&#8230; und blieb wieder stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"54f13ed406a1921809c792eac94c5d65\">\u201eIch hab dich lieb&#8221;, f\u00fcgte Merrit hinzu. \u201eIch bin nur so &#8230;ach &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4cebc04e8af65c302c62e904bd2aa091\">Dann fuhr er still damit fort, den Schaden aufzur\u00e4umen, den er in seiner Wut angerichtet hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"2336b2984b55f5aacd34375e556b7211\">Als Wa\u00fdreth Althopian mit schmerzverzerrtem Gesicht durch das Burgtor wieder auf den Hof gelangte, stand die <em>doayra<\/em> schon bereit. Der Ritter blickte der jungen Frau verwirrt ins Gesicht. \u201eIsan?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e09d35509a2cfbf0d9c50339ae57894\">\u201eAch Herr, kann man Euch denn gar nicht aus den Augen lassen? Kaum komme ich hier an, muss ich Euch schon wieder verarzten! Hier, setzt Euch nieder, dort auf der Bank!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6b332ad6102e5a2b81d833d4192737e5\">\u201eWas machst du hier? Solltest du nicht bei <em>yarl<\/em> Emberbey sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f6b76bed7168b1d0a2455052a23b129\">\u201eWas soll ich da, wenn <em>hier<\/em> die Verwundeten sind?&#8221; Die junge <em>doayra<\/em> n\u00f6tigte den Ritter, sich auf die Bank zu legen, l\u00fcftete das Hemd \u00fcber der Wunde und betrachtete sachlich den Schaden. \u201eUnd das hat Euch der Junge beigebracht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5363f59c2c54fd78483219f85f5925c6\">\u201eMit einem halbstumpfem Schwert und im Reflex.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5cee79898ee2db912d0729b320b12797\">\u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte verh\u00fcten, dass er jemals im Zorn zuschl\u00e4gt&#8221;, scherzte sie und wurde augenblicklich wieder ernst.<\/p>\n<p data-p-id=\"18f2f5c457e4c29fe64c51ec394ce993\">\u201eBitte vergebt mir. Euer Verlust betr\u00fcbt mich tief. M\u00f6ge sie hinter den Tr\u00e4umen ihren Frieden haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"38caf763b16f9f9298c4907784de297e\">\u201eDanke.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b7158f05399e0acf305898440e20c1db\">\u201eIch w\u00e4re schon viel fr\u00fcher hergekommen, aber ich wollte sichergehen, dass das Kind stark genug ist, dass ich es den Frauen in <em>yarl<\/em> Emberbeys Haus anvertrauen kann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"035d92134451f695b2cd04ab1ea46e97\">\u201eUnd? Ist es das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"16b4107f49a1c71cd5fe41c690466ee4\">Isan nickte und bedeutete ihm, sich wieder hinzusetzen. \u201eIch muss das s\u00e4ubern, f\u00fcr alle F\u00e4lle. Lasst uns ins Haus gehen und jemand soll Essig und hei\u00dfes Wasser bringen. Ja, das Kind ist wohlauf. Ich denke, was seiner Mutter an Kraft mangelte, hat dieses kleine Wesen im \u00dcberma\u00df, den M\u00e4chten sei es gedankt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"12da22d160046023f99e25324daa5cf6\">\u201eUnd Herr Alsg\u00f6r? Ich werde aus seinen Schreiben nicht schlau.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4f035751a59adf106ab1699287ddec4e\">\u201eEr ist in tiefster Trauer. Aber Ihr kennt ihn. Er w\u00fcrde es niemals offen zeigen.&#8221; Sie wischte sich die H\u00e4nde an ihrer Sch\u00fcrze ab und f\u00fcgte hinzu: \u201eDer Junge tut mir unendlich leid.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d6f99c534ba7e1f8abf030487463bba\">\u201eDie M\u00e4chte meinen es nicht gut mit dem armen Kind.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06844fb9c7d65dfeb5bb8786e2ebf99c\">\u201eJa, und was Euer Kumpan sich nun in seiner Not \u00fcberlegt hat, will mir nicht recht gefallen. Aber nat\u00fcrlich verstehe ich von diesen Dingen nichts.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b2c25a800be0a174ba40f2dbe7b1ed5\">\u201eWieso? Was hat er denn vor?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b32af1cc73f2930380964a781269ff08\">\u201eWenn ich Euch das verrate, gerate ich in Schwierigkeiten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ba87b6cde88d567f5f0918850bd75f0\">Wa\u00fdreth Althopian verstand. \u201eDu hast zuf\u00e4llig hinter der richtigen T\u00fcr zu tun gehabt, vermute ich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e60e758ecd97d0031c411b80bdb40440\">Die <em>doayra<\/em> schaute sich um. Ihr Geheimnis f\u00fcr sich behalten konnte sie nicht, es h\u00e4tte sie zerrissen. Aber sie war verst\u00e4ndig genug, es nur jemandem anzuvertrauen, bei dem es sicher war.<\/p>\n<p data-p-id=\"68e6dc429d508fdb78568563394b2346\">\u201eHabt Ihr gewusst, dass Herr Alsg\u00f6r eine j\u00fcngere Schwester hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6f58463550962a6a1fd1611ceb9c8fdd\">\u201eJa, nat\u00fcrlich. Und es ist allgemein bekannt, warum niemand \u00fcber diese Frau spricht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f6789d6c6f54c77c1afdd6811a3ac357\">\u201eWegen dem Skandal mit dem Ritter aus Ferocriv\u00e9?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f8a233ee3fdd02cf30d8a08166f25fe9\">\u201eMit <em>welchem<\/em> davon? Aber abgesehen davon: Was hat Emberbeys Schwester mit allem zu tun? Wenn sie noch lebt, ist sie eine alte Frau, f\u00fcr die sich in Spagor niemand mehr interessiert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2fc4c83d164dfaa1d66819953a68a5ca\">Isan l\u00e4chelte sensationslustig. Sie wusste es besser.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c30f6c2e58723b0eb74cdf479c44d6b\">\u201eKommt ins Haus, Herr. Ich flicke Eure Blessur und stille Eure Neugierde.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2441","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2441","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2441"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2441\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3766,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2441\/revisions\/3766"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2441"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}