{"id":2439,"date":"2025-08-25T11:44:44","date_gmt":"2025-08-25T09:44:44","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2439"},"modified":"2025-09-01T09:07:01","modified_gmt":"2025-09-01T07:07:01","slug":"013-galeon-sucht-publikum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/013-galeon-sucht-publikum\/","title":{"rendered":"013: Gal\u00e9on sucht Publikum"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"f6c3657b2a065a5a9c5d40ae90c30d3a\">Drei Tage waren vergangen, seit der M\u00f6rder in der W\u00fcste &#8230; ja, was eigentlich?<\/p>\n<p data-p-id=\"b4e77aaf4aa3a7a3edd482f765cbfef8\">Gal\u00e9on wusste es beim besten Willen nicht zu sagen, und er hatte Angst, dar\u00fcber nachzudenken. Das, was er durch die Augen des ungl\u00fccklichen Mannes gesehen hatte, war so schrecklich gewesen, dass er es nicht in seinen Verstand hinein lassen wollte. Zumindest nicht ohne eine bessere Vorbereitung.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d5b96df9705dc6eb5d361d03ab1d80b\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> war hungrig und f\u00fchlte sich krank und m\u00fcde, als er durch die Hektik der Stra\u00dfen von Aur\u00f3p\u00e9a schlich, dem gesch\u00e4ftigen, redlichen Trubel des Tages. Er hielt sich nahe bei den wei\u00df gekalkten Hausw\u00e4nden, um Menschen und Fuhrwerken auszuweichen, und um Halt zu finden, wenn er wieder zu taumeln begann. Aus der Herberge im s\u00fcdlichen Bezirk der Stadt hatte man ihn herausgeworfen, kaum dass er wieder zu sich gekommen war. Zwei Tage hatte er dort besinnungslos in der winzigen Kammer gelegen, die er angemietet hatte. Bei n\u00e4herer Betrachtung war es wohl sehr anst\u00e4ndig von dem Inhaber und Wirt gewesen, dass man ihn nicht einfach auf die Stra\u00dfe geschleppt und dort seinem Schicksal \u00fcberlassen hatte. Sicher hatte man in der Herberge angenommen, dass er sich unerfahren und ma\u00dflos an irgendeinem exotischen Rauschzeug \u00fcbernommen hatte. Kaum jedoch, dass der junge Mann wieder bei Bewusstsein war, hatte man von ihm verlangt, die Zeche f\u00fcr seinen Aufenthalt zu bezahlen. Da die letzten M\u00fcnzen verschwunden waren, die Gal\u00e9on bei sich gef\u00fchrt hatte und er in den vergangenen Tagen auch nicht in der Lage gewesen war, die G\u00e4ste mit seinen Vortr\u00e4gen zu unterhalten, hatten sie ihn \u00e4u\u00dferst grob vor die T\u00fcr gesetzt und davongejagt. Er solle sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dass man ihn nicht der Zechprellerei bezichtige und schadlos laufen lie\u00df, belehrte man ihn.<\/p>\n<p data-p-id=\"e069b96f1e434eb3585dfe2f99a4799b\">Nat\u00fcrlich war Gal\u00e9on klar, dass sie mit dieser Milde nur verhindern wollten, dass er seinerseits gegen\u00fcber der Stadtwache Dinge ausplauderte, die er eventuell in der Taverne beobachtet hatte. Wie dem auch sei, beiden Seiten ersparte es \u00c4rger.<\/p>\n<p data-p-id=\"7c35c67f8d1211b90990595370931678\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schwankte vorsichtig die W\u00e4nde entlang und folgte der Steigung. Aur\u00f3p\u00e9a schmiegte sich um eine H\u00fcgelkuppe. Dort, etwas erh\u00f6ht, befanden sich die Villen der wohlhabenden Stadtbewohner, mehrgeschossige gro\u00dfz\u00fcgige Bauten mit in zarten bunten Farben gestrichenen W\u00e4nden und mit goldenen Verzierungen, die den Sonnenschein fingen und reflektierten. Im Mittelpunkt der Oberstadt (und somit im Zentrum von Aur\u00f3p\u00e9a) befand sich auch der Palast das <em>konsej<\/em>, ein eindrucksvoller Prachtbau in Form einer weitl\u00e4ufigen Rotunde. Hier tagten die Alten, von hier aus lenkten sie die Stadt.<\/p>\n<p data-p-id=\"f62d57d453e4cc159b2db2a5c23e80b1\">Doch Gal\u00e9on wollte nicht zum Ratspalast. Noch nicht. Noch wusste er nicht <em>genug<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"310083f031d0564cdbd297d9da0fde35\">Gegen Mittag hatte er die dichtgedr\u00e4ngten H\u00e4userfluchten der Unterstadt hinter sich gelassen. Die ersten freistehenden B\u00e4ume spendeten mit ihren gro\u00dfen f\u00e4cherf\u00f6rmigen Bl\u00e4tter Schatten und bescheidenere, freistehende Villen mit eingez\u00e4unten Grundst\u00fccken tauchten zwischen den gew\u00f6hnlichen Geb\u00e4uden auf. Gal\u00e9on fand einen kleinen Brunnen, stakste dorthin und sch\u00f6pfte gierig von dem \u00fcberraschend kalten Wasser. Dann blieb er eine Weile unter dem gr\u00fcnen Bl\u00e4tterschirm einer Areqa [~ palmenartiger Baum] sitzen und sp\u00fcrte, wie langsam zumindest seine stechenden Kopfschmerzen nachlie\u00dfen. Sein Blick schweifte \u00fcber die Passanten, die in und aus der Oberstadt kamen. Es war deutlich weniger Betrieb hier und der Gro\u00dfteil der gesch\u00e4ftig Umhergehenden war als Gesinde der reichen Kaufleute und Beamten zu erkennen. Aber die n\u00fctzten ihm nichts. F\u00fcr die n\u00e4chsten Tage ben\u00f6tigte er einen der Hausherren selbst, einen, der die Tugend und Freundlichkeit besitzen w\u00fcrde, einem mittellosen <em>b\u00e1chorkor<\/em> Obdach zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p data-p-id=\"df790b88d59fb1446fa01e137f19ab9d\">Wenn ihn doch nur der Blick durch die Augen des M\u00f6rders nicht k\u00f6rperlich so geschw\u00e4cht hatte! Wenn er diese Gabe doch nur besser unter Kontrolle h\u00e4tte und w\u00fcsste, wie man sie <em>richtig<\/em> anwandte!<\/p>\n<p data-p-id=\"1ab5a1e59077236775d7b3d37c4d5159\">Zwei Gongschl\u00e4ge harrte Gal\u00e9on, halb d\u00f6send, halb aufmerksam an der Stra\u00dfe in die Oberstadt aus. Ein Dreiertrupp Stadtw\u00e4chter, der auf seiner Runde vorbeikam, musterte ihn kritisch, lie\u00df ihn aber in Ruhe. Solange er nicht versuchte, sich durch private T\u00fcren zu schleichen, lie\u00df er sich nichts zuschulden kommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a26ce01fc2af038378a95d6e24cbabe9\">Endlich schien sich die erhoffte Gelegenheit zu ergeben. Aus der westlichen Unterstadt nahte ein Gr\u00fcppchen Berittener und eine Handvoll Fu\u00dfvolk, beladen mit Kiepen und K\u00f6rben. Offenbar hatte ein wohlhabender Bewohner der Oberstadt umfangreiche Eink\u00e4ufe gemacht. Die Leute begleiteten eine von Eseln getragene, schlichte wei\u00dfe S\u00e4nfte mit perlfarbenen Gazeschleiern, die jedoch nicht ganz zugezogen waren. Drei der Reiter waren offenkundig Wachleute zum Schutz des S\u00e4nftenpassagiers. Der vierte war ein uralter, aber offenbar recht r\u00fcstiger Mann mit kostbaren Gew\u00e4ndern aus einem Stoff, der grau schimmerte wie H\u00e4matit. Der Sattel seines feingliedrigen falben Pferdes war gepolstert und mit einer Lehne versehen, die ihm das Reiten wohl bequemer machte, aber er sah nicht aus, als ob er das wirklich gebraucht h\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"602295937949d33342c57766762adcc7\">Gal\u00e9on erhob sich eilig, flehte zu den M\u00e4chten, dass er nun nicht seine F\u00fc\u00dfe durcheinander bringen w\u00fcrde und ging der Gruppe so eilig (und geradlinig) entgegen, wie er vermochte, beide H\u00e4nde vor der Brust verschr\u00e4nkt, die Handfl\u00e4chen nach au\u00dfen. So zeigte er, dass er unbewaffnet war und ein Anliegen hatte. Dabei warf er dem, der der Anf\u00fchrer zu sein schien, einen fragenden Blick zu. Der Reiter zuckte die Achseln und nickte. Die Gruppe hielt nicht an, verringerte aber ihr Tempo, sodass er mit der S\u00e4nfte Schritt halten konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b4302eea289535f0a5a69bfb6918fce7\">\u201eHerr&#8221;, sagte Gal\u00e9on dem\u00fctig, \u201eseid Ihr interessiert an den Diensten eines weitgereisten <em>b\u00e1chorkor<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ab5e872920ce29222409715653f5751f\">\u201ePack dich&#8221;, ert\u00f6nte es vom R\u00fccken des Pferdes. \u201eWir brauchen nichts.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c3a03712268aad8f319fa7c8ccd5a610\">\u201eNun seid doch nicht so unfreundlich, \u00daldaise!&#8221; Der alte Herr in der S\u00e4nfte griff mit d\u00fcrren Fingern nach dem Schleier und schob ihn ein St\u00fcck weiter beiseite. \u201eSprich, <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Was k\u00f6nntest du uns m\u00fcden Greisen wohl noch Neues erz\u00e4hlen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a3bd8b6cd7c3e08857788b3aa741a210\">\u201eWas immer Ihr h\u00f6ren wollt. Ich habe ebenso sinnliche Geschichten von begehrenswerten sch\u00f6nen <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> zu bieten wie Erbauliches \u00fcber die gro\u00dfen Taten von Helden oder die interessanten Reisen und Entdeckungen von <em>forscoray<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a7e30ede587b6b02eff48683409f90f9\">\u201eNun jagt ihn doch schon fort, Sah\u00e1al\u00edr. Was wollt Ihr Eure Zeit mit einem so liederlichen Kerl verschwenden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f721b4081205de2c6739a42df801d018\">\u201eEs ist meine Zeit, \u00daldaise. Wer wei\u00df, wie viel davon mir die M\u00e4chte noch gew\u00e4hren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b6af3de8852b61cc84e64f2957eca8f3\"><em>Vier Sommer, <\/em>dachte Gal\u00e9on unwillk\u00fcrlich. <em>Sofern dir niemand zuvor mit Gewalt ans Leben geht.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"b0039349a29e129c12a0147581667112\">Der Ratsherr \u00daldaise trieb sein Pferd an und so neben die S\u00e4nfte, dass es nun unmittelbar hinter dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> dahin schritt. Gal\u00e9on schaute fl\u00fcchtig auf und fr\u00f6stelte. Das also war der j\u00fcngste der Alten im Rat von Aur\u00f3p\u00e9a, jener, unter dessen Einflussnahme all diese <em>Ver\u00e4nderungen<\/em> ihren Lauf nahmen. Nun, die M\u00e4chte h\u00e4tten ihm keinen besseren Wink geben k\u00f6nnen als ausgerechnet diesen beiden M\u00e4chtigen zu begegnen. Sah\u00e1al\u00edr, das wusste Gal\u00e9on, war der \u00c4lteste des <em>konsej<\/em>, einer, der von jedem Einzelnen mit h\u00f6chstem Respekt zu behandeln war. Selbst von seinem deutlich r\u00fcstigeren Amtgef\u00e4hrten.<\/p>\n<p data-p-id=\"29b5d7ccefae4ec78fe9d14706fd8dd4\">\u201eBist du schon lange in Aur\u00f3p\u00e9a?&#8221;, fragte der Ehrenwerte.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b08fc5584f4d4e8fc616a3f1850fc3d\">\u201eSeit einem halben Mond etwa, Herr. Zuletzt habe ich einen ganzen Sommer in Iva\u00e1l verbracht und kam anschlie\u00dfend hierher.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"59ebe0a6db1027f46a7478b1e086d921\">\u201eAh, Iv\u00e1al. Ich erinnere mich. In meiner Jugend war ich lange Zeit dort. Ich war <em>maedlor<\/em> am Hof des <em>teirand<\/em>. Eine sch\u00f6ne Zeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"de3d354b9c1f7284d3de9e0185ed66d0\">\u201eGerne frische ich Eure Erinnerung an Eure gl\u00fccklichen Tage dort auf.&#8221; Gal\u00e9on sp\u00fcrte den unwilligen Blick des reitenden Ratsherrn unangenehm in seinem R\u00fccken. Ihm war, als st\u00f6re die Gegenwart des alten Mannes seine \u00dcbelkeit und Benommenheit wieder auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"d1477fd12dd162d11fdb0eec61b34e4e\">Der Alte Sah\u00e1al\u00edr l\u00e4chelte. Sein greises Gesicht war bedeckt von Altersflecken und Runzeln, aber in seinen Augen leuchtete immer noch ein \u00dcberrest der Abenteuerlust und Neugierde, die ihn in seiner Jugend erf\u00fcllt haben mochte.<\/p>\n<p data-p-id=\"87b7dc0d6d8d88a7c9de5ec4f3fd2998\">\u201eIch h\u00e4tte schon Lust, etwas Liebbehaltenes oder auch Neues zu h\u00f6ren. Aber warum bist du nicht unten in der Stadt mit deinen Geschichten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d92f2307ec63255e398c839659d5b4f\">\u201eDa war ich, Herr. Ich habe viel gesehen und geh\u00f6rt in den Tavernen und auf den M\u00e4rkten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"274c71b21c34b8643ca6031aa37b9000\">\u201eAch&#8221;, kam es absch\u00e4tzig von \u00daldaise.<\/p>\n<p data-p-id=\"aa4e6cca4bde4239fa364d587dd52173\">\u201eEs ist mir ein Anliegen, meine Geschichten bisweilen auch anspruchsvollem und gebildetem Publikum vorzutragen.&#8221; Vielleicht w\u00fcrde Schmeichelei die T\u00fcren \u00f6ffnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7c1ae9081baba732e9d0ae58462afd32\">\u201eHast du Erfahrung mit solcherlei Zuh\u00f6rern?&#8221; Sah\u00e1al\u00edr war sichtlich am\u00fcsiert und schon fast \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a107e42fb78061fe19d4c9a7e6ddc29\">\u201eNun&#8221;, gab Gal\u00e9on sich bescheiden, \u201eich habe bereits vor <em>teiranday<\/em> und zahllosen <em>yarlay<\/em> gestanden, ohne dass jemand sich gelangweilt h\u00e4tte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6fece346932664cd13601639fe5b9b1c\">\u201eZahllose, so. Ein gesundes Selbstbewusstsein hast du in deiner Jugend.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb5cb960dfe5b70d51be53eeb6f88558\">\u201eSah\u00e1al\u00edr, nun lasst doch diesen Unfug. Es gibt genug Bedeutsameres, womit wir unsere Zeit verbringen sollten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e2e425dead74fdf28f9e9137fa37e9e0\">\u201eLasst es meine Sache sein, \u00daldaise. Und du, Bursche, was verlangst du f\u00fcr deine Geschichten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"32a8eb731b89845729be1dc1a0487b5d\">\u201eIch bin beschieden, Herr. Gew\u00e4hrt mir nur ein Nachtlager, eine einfache Mahlzeit und das, was Euch hernach meine Erz\u00e4hlungen wert zu sein scheinen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"204f25c80c6320cb1ce73aac3e4e7ac5\">\u00daldaise st\u00f6hnte und warf dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> einen missbilligenden Blick zu. Seine Augen waren sehr dunkel, fast wie Kohle. \u201eNarreteien&#8221;, zischte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"9cc9713bc9cb6ee82148738e1a967bd2\">\u201eWie es der Zufall so f\u00fcgt&#8221;, sagte der Ratsherr, \u201egibt es heute Nacht in meinem Haus eine kleine Zusammenkunft. Kein Fest, nur ein Treffen mit einigen Freunden aus dem <em>konsej<\/em>. Wenn deine Geschichten gefallen, mag es sein, dass dich auch andere h\u00f6ren wollen und du ein paar Tage ein gutes Auskommen hast.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0a447f8e0b363fd126728c3982ffbdc4\">\u201eIch danke Euch, Herr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"175a2aba4c9bccbaad820e00b17ccc7c\">\u201eKomm nur gleich mit uns und lass dir in meinem Haus zu essen und eine Gelegenheit zum Waschen geben. Geh mit meinem Gesinde mit, dann wird sich alles finden. Und nun lass uns weiter. Wir haben es eilig, zum Palast zu kommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6eae90b91be8bb3054ab83aece2c7cb5\">Der Alte schloss den Vorhang, und die Berittenen, die ihn geh\u00f6rt hatten, trabten an. Auch \u00daldaise, der sein Pferd energisch zwischen der S\u00e4nfte und Gal\u00e9on hindurch, nicht ohne dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> j\u00e4hlings einen unsanften Tritt gegen die Schulter zu versetzen. Der geriet dabei ins Straucheln, wurde aber von einem der Kiepentr\u00e4ger aufgefangen, bevor er st\u00fcrzen konnte. Und schon hatten die S\u00e4nfte und Reiter Abstand zwischen sich und die schwerbeladenen Fu\u00dfg\u00e4nger gebracht.<\/p>\n<p data-p-id=\"74fe11671ef2a4c9d7bb861d666caa94\">\u201eSieh dich vor&#8221;, riet der Knecht belustigt. \u201e\u00daldaise hat wohl was gegen Unterhaltung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83907bb49c101ee86f18d212e1b85882\">Gal\u00e9on rieb sich den schmerzenden Arm. Der Sto\u00df hatte gesessen. \u201eDas scheint so. Warum wohl?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4234f1089b776d7577ef26d71e1e6ff5\">\u201eAm besten&#8221;, riet ein anderer Kiepentr\u00e4ger, \u201edu bleibst bei Erbaulichem aus der Jugend dieser Tattergreise. Das h\u00f6ren sie gerne.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0bc250fde3bd0c5db0a92aef57f671c1\">\u201eJa. Schwafel denen was von Ruhm und Glorie des alten, erhabenen Aur\u00f3p\u00e9a vor, bis sie alle wegd\u00f6sen. Blo\u00df nichts, was das alte Blut in Wallung bringt&#8221;, lachte der erste und puffte Gal\u00e9on in die Seite. \u201eNicht, dass denen noch der Atem wegbleibt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c46a3200eca440cff59ad17a7380fda3\">\u201eAch, lasst den armen Kerl doch in Ruhe und seid um der M\u00e4chte willen etwas leiser!&#8221;, fuhr eine Magd sie an, die einen sperrigen Korb mit getrocknetem Obst balancierte. \u201eWas, wenn Euch jemand h\u00f6rt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"24781ebac6974dd7503ec945a39b5c7d\">Die M\u00e4nner verstummten und gingen eilig weiter. Offenbar war die Ermahnung ernst zu nehmen.<\/p>\n<p data-p-id=\"671ccd4ccbc0243fed483a1b017bb2c2\">\u201e\u00dcber die Glorie des <em>alten<\/em> Aur\u00f3p\u00e9a?&#8221;, fragte Gal\u00e9on verwirrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"15b338ba0b07c52413e1be30ce0d47f9\">\u201eDamit machst du nichts falsch. Erz\u00e4hl Sachen, die lange vorbei oder weit, weit weg sind. Nichts, was den <em>konsej<\/em> nichts angeht. Du verstehst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b2f75e16ee18da73e8ee544b6c75ddd1\">\u201eNein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e11687cf0b585bf3ab3712937415f9ba\">\u201eDann ist dir nicht zu helfen&#8221;, sagte sie mit einem schiefen L\u00e4cheln. \u201eSchade. Du scheinst ein netter Bursche zu sein. An deiner Stelle w\u00fcrde ich zusehen, kein Aufsehen zu erregen. Und nun stell keine Fragen. Komm mit und geh wieder &#8230; so schnell du kannst.<\/p>\n<p data-p-id=\"b3a8ae2e88e3ccba02d24211065c63b4\">**<\/p>\n<p data-p-id=\"b30006897f2fcf155ba5047b4df84145\">Advon Ir\u00edsolor sa\u00df \u00fcber seine Schreibtafel gebeugt im Schulzimmer und kopierte das alte Buch in Wachs, Zeile um Zeile, Letter f\u00fcr Letter. Wie immer verloschen die Zeichen, sobald er allen Platz aufgebraucht hatte, aber sie waren nicht wirklich fort. Sileda\u00fa hatte einen Weg, um zu pr\u00fcfen, ob er Teile des sinnlosen Textes ausgelassen oder sich einen Fehler erlaubt hatte. Advon hegte den Verdacht, dass die Tafel ihn <em>verpetzte<\/em>, wenn er seine Aufgabe nicht ernst nahm. Aus diesem Grund war es auch m\u00f6glich, dass die Alte ihn unbeaufsichtigt lassen konnte. Der Junge konnte nicht eher aufh\u00f6ren zu schreiben, als dass sie wieder zur\u00fcckkehrte und es ihm erlie\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"18478816035b6bc3c6e7d8eb70b5a520\">Auf diese Weise musste sie nicht einmal die T\u00fcr schlie\u00dfen, wenn sie fortging. Ungehorsam oder Nachl\u00e4ssigkeiten entgingen ihr nicht. Wenn er etwas falsch machte, schalt sie ihn und sagte Worte, unter denen er sich noch kleiner und d\u00fcmmer f\u00fchlte, als er sich ohnehin schon vorkam. Sie w\u00fcrde es den Eltern sagen, wenn er sich nicht zusammenrisse, drohte sie. Und dann w\u00e4ren die Mutter und der Vater traurig und entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p data-p-id=\"41cc0648a731a9e347e1b38af202cd22\">Advon schrieb. Er fragte sich nicht mehr, was tats\u00e4chlich in dem alten Buch stand und was seine unmagischen Augen niemals w\u00fcrden lesen k\u00f6nnen. Es war ihm gleich, ob es Schriften \u00fcber geheimnisvolle Mysterien waren, ein Heldenroman oder ein Kochrezept. Das Buch, die Tafel und der Griffel fesselten ihn in dieses Zimmer. Drau\u00dfen war ein hei\u00dfer blauer Tag.<\/p>\n<p data-p-id=\"23615c72ed4d9a3d7c3a566d29ebd539\">Wie es Farbenspiel wohl erging? Ob er immer noch im Stall angekettet war?<\/p>\n<p data-p-id=\"72be9bbb5f2016c909c3022113a5ac9a\">Zwei Tage war es her, seit C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor, sein Vater, der Goldene, nach Norden aufgebrochen war. Mutter und Sohn hatten dem Aufbruch des Hellen Magiers beigewohnt, als der sich in den fr\u00fchen Morgenstunden auf seinem schneewei\u00dfen Einhorn auf den Weg gemacht hatte. Was genau der Goldene vorhatte, wohin sein Weg ihn f\u00fchrte, wusste nicht einmal die <em>faj\u00eda<\/em> Elos\u00e1l genau. Advon hatte genau gesp\u00fcrt, dass dies der Mutter nicht gefiel; \u00e4ngstlich und \u00e4rgerlich zu gleichen Teilen war gewesen, ohne dass sie es ausgesprochen h\u00e4tte. Sie sagte nichts und der Vater schien erleichtert, dass er ihr nicht antworten musste. Sileda\u00fa hatte die Abschiedsszene beobachtet, ebenfalls wortlos, aber sicherlich bereit, falsche Worte im rechten Moment zu unterbrechen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4f317e58e26ba0f9f76f926fb7c70249\">C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor war es sichtlich unwohl gewesen, allein, ohne Begleiter zu reiten. Auch das war selten; wenn der Goldene den Ciel\u00e1stel verlie\u00df, hatte er in der Regel immer wenigstens einen der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> bei sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"8525ed4af968db61e0ef0ffb22aee917\">Wie gerne w\u00e4re der Junge mit seinem Vater gegangen, wie gern h\u00e4tte er etwas anderes gesehen als die immer gleiche Herrlichkeit des Ciel\u00e1stel, als den Blick auf die endlose W\u00fcste und die Stadt. C\u00fdel\u00fa hatte ihn getr\u00f6stet, versucht, ihn mit dem Versprechen, auf dem R\u00fcckweg ein sch\u00f6nes Spielzeug mitzubringen, zu bestechen. War der oberste der <em>arcaval&#8217;ay<\/em>, der <em>h\u00fdardor<\/em> der <em>faj\u00eda<\/em> wirklich so naiv zu glauben, dass es das war, was der Sohn begehrte?<\/p>\n<p data-p-id=\"edb055b28cc13683871f56fc6e6fb44d\">Advon seufzte und kritzelte weiter. Sein Unwillen war l\u00e4ngst gebrochen. Was er hier tat, verschwendete seine Zeit, Zeit, in der er bei den Tieren h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, sich im Reiten oder K\u00e4mpfen h\u00e4tte \u00fcben oder seinetwegen sogar ein <em>richtiges<\/em> Buch mit einer spannenden Geschichte h\u00e4tte lesen k\u00f6nnen. Aber es war nicht allein die Sinnlosigkeit, die das Kind zerm\u00fcrbte. Den Knaben fehlten die Worte, um es pr\u00e4zise auszudr\u00fccken, aber er hatte das Gef\u00fchl, mit jedem Tag in Sileda\u00fas Schulstube <em>d\u00fcmmer <\/em>zu werden.<\/p>\n<p data-p-id=\"2ce52f1167c739e9d13cd0349c1b78f2\">Aus den Augenwinkeln bemerkte er eine lautlose Bewegung an der T\u00fcr und schaute auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"84226ef475edc9a014a71b5dea2323e6\">\u201eMama?&#8221;, fragte er dann \u00fcberrascht.<\/p>\n<p data-p-id=\"2f67fe739e367f0c12ecddfa884c02f0\">\u201eWo ist Sileda\u00fa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9e7e5cadf5fb6791e570f89715e5e9f2\">\u201eWei\u00df ich nicht. Sie war schon ziemlich lange nicht mehr hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bc063360c569ba8d8a4f0a1dfff681f0\">Elos\u00e1l trat ein und schaute sich interessiert um. Advon war hin- und hergerissen, ob er den Griffel aus der Hand legen sollte oder nicht. Er konnte sich nicht erinnern, dass die Mutter schon einmal in Sileda\u00fas B\u00fccherkammer gewesen w\u00e4re, w\u00e4hrend die Alte nicht zugegen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"85e90c64dd31b20b6631f282bd817ce7\">\u201eUnd sie l\u00e4sst dich hier ganz allein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"003607eee1d3ca20ab17ec2b1509b1da\">\u201eNa ja, ich kann hier ja nichts anstellen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"990fc6e6c59ebc9f0c32ce1dcc9c9423\">Die <em>faj\u00eda<\/em> l\u00e4chelte und hockte sich, in Ermangelung eines zweiten Stuhles, neben ihn an die Tischplatte. \u201eWas machst du da?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e52ea7a8971fdf7591bb7eb1ef9c2f8d\">\u201eIch &#8230; \u00fcbe Buchstaben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cad784f78c6a745040b45b737e4922f5\">\u201eSolltest du nicht l\u00e4ngst mit Feder und Tinte schreiben k\u00f6nnen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"10cd85531bf1ea3807bd1bcaea2263f3\">\u201eKann ich ja. Schon l\u00e4ngst. Aber so viel Papier, wie ich br\u00e4uchte, gibt es in ganz Aur\u00f3p\u00e9a nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f07ebeb63598f5f5589c13f5bacf0179\">\u201eLass sehen.&#8221; Sie hielt ihm auffordernd die Hand entgegen. Der Junge z\u00f6gerte und schob seiner Mutter das Wachsbrettchen zu. Eine zaghafte Hoffnung flammte in ihm auf. Vielleicht erkannte die Mutter die Sinnlosigkeit seines Tuns und konnte etwas dagegen einwenden. Vielleicht &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"76ac1b052610c8472d08bf8ae07e3341\">Kaum ber\u00fchrten Elos\u00e1ls Fingerspitzen die Tafel, verfl\u00fcssigte sich das Wachs, so unvermittelt und heftig, als habe man ein St\u00fcck Eis in ein Feuer geworfen. Es spritzte empor wie Fett aus einer Pfanne und hinterlie\u00df unz\u00e4hlige Kleckse auf dem ganzen Tisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"ebff148afd9e64e6f3bf0cc62f75c55e\">Advon zuckte zur\u00fcck, begriff, was geschehen war und lachte unwillk\u00fcrlich auf, so komisch schien ihm, was geschehen war. Doch dann verstummte er erschrocken. Elos\u00e1ls Augen glommen golden vor Schreck. Was immer mit der Tafel geschehen war, sie hatte es zwar verursacht, aber nicht beabsichtigt. Ein, zwei Wimpernschl\u00e4ge lag die Verwirrung auf dem Antlitz der <em>fajija<\/em>. Dann verlosch das Strahlen ihres Blickes und wich misstrauischer Ratlosigkeit.<\/p>\n<p data-p-id=\"37e1a428c9345e73c3225b4f9a4821dc\">\u201eWas war das, Mama?&#8221;, fragte Advon leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"63a98a124e768bd11be57ae48b1e4bf0\">\u201eNun&#8221;, antwortete Elos\u00e1l, \u201ees scheint, ich habe deine Tafel kaputt gemacht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ac7d294872651fa4df2e16ccc2190f96\">\u201eUnd jetzt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0ade1a58714c6160258951fa65d18c68\">\u201eIch wei\u00df nicht. Worauf hast du Lust?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"625db60c1062543b1b9c84371c519ac5\">Advon blinzelte sie verwirrt an. Sicher hatte er das gerade nur getr\u00e4umt.<\/p>\n<p data-p-id=\"251a080627a4a30bc367e3d8c2527d39\">\u201eIch darf hier doch nicht weg, bis Sileda\u00fa es erlaubt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"edc5577c8c4236fadedfd2161f46114a\">\u201eIch bin deine Mutter. Sileda\u00fa ist nicht hier, und sie wird mir eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr geben m\u00fcssen. Bis dahin entscheide ich, was du tust. Deine Tafel ist sowieso dahin.&#8221; Sie deutete nachdr\u00fccklich auf das im Holzrahmen vor sich hin blubbernde Wachs. \u201eWenn ich entscheide, dass du bei mir sein sollst, dann hat das den Vorrang.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"66e3c29e771e0c90aad99c335621b606\">Advons Herz klopfte schneller. Sollte er es wagen?<\/p>\n<p data-p-id=\"63ff1f798f5708d4ca90af22efc2a119\">\u201eK\u00f6nnen wir Farbenspiel auf die Weide zu den anderen lassen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d9982f57b2fbb50d78f476f37eeb2029\">\u201eNat\u00fcrlich. Wenn du nicht lernst, soll dein Tier auch Freude haben.&#8221; Sie l\u00e4chelte. \u201eUnd vielleicht w\u00e4re es ganz gut, wenn wir einfach <em>vergessen<\/em>, ihn danach zur\u00fcck in den Stall zu holen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ecdab1defb32af10d9440ee33b2d2337\">Advon schlang st\u00fcrmisch seine Arme um seine Mutter. Elos\u00e1l lie\u00df ihn einen Augenblick gew\u00e4hren. Dann schob sie den Jungen sanft wieder von sich, um aufstehen zu k\u00f6nnen. Dabei fiel ihr Blick auf die Lekt\u00fcre, aus dem der Junge abgeschrieben hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b29f1c118f070b6a1e4f8464ec712b5\">Die goldenen Augen verfinsterten sich. Dann griff die <em>faj\u00eda<\/em> nach dem Buch und klappte es energisch zu. \u201eKomm. Du sollst nicht den ganzen Tag hier verschwenden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7eae059659a213c335e1052af824a2c5\">Kurz darauf standen sie gemeinsam am Rand der gro\u00dfen Wiese auf der westlichen, von Aur\u00f3p\u00e9a abgewandten Seite der Burg und schauten zu, wie Farbenspiel ausgelassen herumtollte. Der seifenblasenbunt schillernde Hengst jagte vom einen Ende der Koppel zum n\u00e4chsten, buckelte und keilte gl\u00fccklich aus und flatterte sogar ein St\u00fcck weit umher, bis der Zauber \u00fcber der Wiese seinen Flug stoppte. Die ganze gro\u00dfe Weide, auf der die Einh\u00f6rner grasten, war mit einem unsichtbaren Bann begrenzt; die einzige M\u00f6glichkeit, ein gefl\u00fcgeltes Tier einzuz\u00e4unen. Farbenspiel geb\u00e4rdete sich so \u00fcberm\u00fctig, das eines der \u00e4lteren Einh\u00f6rner, der feuerrote Hengst des roten <em>arcaval&#8217;ay<\/em>, ihn schlie\u00dflich zwickend und mit den riesigen Fl\u00fcgeln klapsend zu verjagen begann, damit die Herde ungest\u00f6rt grasen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"376099add5e631c22cdbd59a0c176846\">Sogar einige der Regenbogenritter hatten sich zu ihrer Herrin und deren Sohn gesellt und beobachteten am\u00fcsiert das \u00fcberm\u00fctige Gebaren des jungen Einhorns.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca48cba0ad550eb7df3915c1bb2d0728\">\u201eMit dem hast du einen guten Gef\u00e4hrten&#8221;, sagte der violette Ritter zu Advon. \u201eDer wird mal der schnellste und st\u00e4rkste von allen sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"438ede145221286cfe1e5ddacd920af4\">\u201eWirklich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d2c4a4fe39f3bff74b2624a0f4c97cf1\">\u201eUnd k\u00fchn ist er auch&#8221;, best\u00e4tigte der Rote. \u201eWie frech der meinem alten Gaul zusetzt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d03d6eea8c01f3e4ca0e85cecd3f755c\">Advon strahlte und freute sich \u00fcber die Anerkennung der Hellen Magier. Doch dann tr\u00fcbte sich seine Laune wieder. \u201eWenn ich doch jemals mit Euch reiten d\u00fcrfte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"620750aa41b344dc0d3c622e1c6d1ec8\">\u201eEin paar Sommer noch&#8221;, tr\u00f6stete der Violette. \u201eDann nehmen wir dich mit in die W\u00fcste.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b36a76793da6324950640934cc8da916\">\u201eBitte&#8221;, mahnte Elos\u00e1l ruhig und brachte die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> zum Schweigen. Bis auf den Gelben.<\/p>\n<p data-p-id=\"ddd65d909803a7d69c984a1a523227e0\">\u201eWir werden die Gefahr aus dem Norden besiegen&#8221;, sagte er. \u201eEs ist nur eine Frage des rechten Moments.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff744b878704f09222ae71bdd4924094\">\u201eW\u00e4re es doch nur das&#8221;, sagte die <em>faj\u00eda<\/em>. Mehr brauchte es nicht, um Advon schmerzhaft ins Ged\u00e4chtnis zu rufen, dass er niemals einer der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> sein w\u00fcrde. Nicht einmal ein Magier w\u00fcrde er sein. Wenn es so ausging, wie Sileda\u00fa es ihm jeden Tag mal mehr, mal weniger deutlich prophezeite, w\u00fcrde er sein Leben als unkundiger Mensch beenden.<\/p>\n<p data-p-id=\"504357dac989b4cb9d7d3c86fd2eba9b\">Die Regenbogenritter und auch die <em>faj\u00eda\u00e9<\/em> waren keine Menschen, nicht wirklich. Was <em>genau<\/em> sie waren, wussten sie vermutlich selbst nicht. Fest stand nur, dass sie uralt und einst von einem <em>anderen<\/em> Ort gekommen waren, um Patagh\u00edu zu dienen. Sie waren nicht unsterblich, aber die Zeit floss f\u00fcr sie anders als f\u00fcr menschliche Wesen. Das hatte irgendetwas mit dem Schutz zu tun, den der Ciel\u00e1stel ihnen bot, aber Advon wusste nicht, worin das Geheimnis lag. Vielleicht h\u00e4tte man ihn eines Tages eingeweiht, wenn Patagh\u00edu ihm auch Magie geschenkt h\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"bee807e5912099a93d7b62c4ae3bcb86\">Advon blickte zu den drei Rittern auf, dem roten, dem gelben und dem violetten. Sie unterschieden sich f\u00fcr ein unge\u00fcbtes Auge nur anhand der Farben ihrer Gew\u00e4nder und ihres R\u00fcstzeugs, ansonsten waren sie einander \u00e4hnlich wie ein Ei dem anderen. Die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> waren gro\u00dfe, schlanke Wesen mit bleichen, ebenm\u00e4\u00dfigen Gesichtern und wei\u00dfblondem Haar, das ihnen allen fast bis zu den H\u00fcften reichte. Sieben von ihnen waren immer im Ciel\u00e1stel, aber Advon wusste, wenn mehr von ihnen ben\u00f6tigt wurden, dann w\u00fcrde es pl\u00f6tzlich &#8230; mehr von ihnen geben. Mochten die M\u00e4chte wissen, wie das zu sich ging. Vermutlich wusste nur Patagh\u00edu selbst, was es mit dieser Magie auf sich hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e11e94c407993f04ee3b0bac875d4fb7\">\u201eHerrin&#8221;, erkundigte sich der Gelbe, \u201ewisst Ihr, wohin der Meister geritten ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c26eadf465ee16108a878472c98abadd\">\u201eNein. Er hat es auch mir nicht verraten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ad8247ce3126c8111e358ed3090afceb\">\u201eWie ist es m\u00f6glich, dass er ein Geheimnis vor Euch hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6bd7371c26b43a088447fc0c96bb4246\">\u201eIch habe nicht weiter geforscht. Ich vertraue meinem <em>h\u00fdardor<\/em>, dass er einen Grund daf\u00fcr hat, es mir nicht zu sagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9e6f297f7dd4f4a92f04fcaa3e03f368\">Die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> schwiegen, aber auf ihren alterslosen Gesichtern malte sich Skepsis ab.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a3ebbc1e0907d5a9cd36b46f06c3561\">\u201eEr hat mir versichert, dass er nicht in den Kampf reitet. Er wollte nicht l\u00e4nger fort sein als f\u00fcnf Tage.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"626bee4571f036057935971a53ba54cf\">\u201eWenn er sich zwei und einen halben Tag nordw\u00e4rts hielte, im Flug, kommt er dem Montaz\u00edel sehr nahe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"018307e2a5014c7dfb058a81a921a711\">\u201eIch wei\u00df. Aber kaum dar\u00fcber hinaus. M\u00f6glicherweise ist er tats\u00e4chlich unterwegs, um auf dem Gipfel Patagh\u00edu anzurufen. Wir m\u00fcssen warten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"78cc62238f2962ccf708694798d820b4\">Advon h\u00f6rte nicht mehr zu. Was die Erwachsenen \u00fcber das Heiligtum auf dem Gipfel der Welt zu reden hatten, interessierte ihn nicht. Dass der Vater einige Tage unterwegs war, sorgte ihn weniger, als es angemessen gewesen w\u00e4re. Er bekam den Vater ohnehin nur selten zu Gesicht, obwohl sie beide im Ciel\u00e1stel lebten war es, als w\u00fcrden sie einander immer um wenige Momente verpassten.<\/p>\n<p data-p-id=\"e0580c9362cc7d73740686f1a61481b2\">Seine Mutter, die <em>faj\u00eda<\/em> war bei ihm. Sie hatte ihn aus dem verhassten Studierzimmer geholt und stand hier neben ihm, er konnte sie ber\u00fchren und ihre vertraute, ihre warme Stimme h\u00f6ren, auch wenn sie \u00fcber langweiliges Zeug sprach. Advon fasste nach den schlanken wei\u00dfen Fingern und dr\u00fcckte sie, w\u00e4hrend er den Blick nicht von Farbenspiel abwandte. Der hatte zwischenzeitlich noch das gr\u00fcne und das blaue Einhorn in eine \u00fcberm\u00fctige Keilerei verwickelt, und nun jagten sie alle hin und her, die Erde bebte unter ihren stampfenden Hufen, die langen Haare der Regenbogenritter und der Fee wehten in dem Luftzug, den die Tiere im Vorbeisausen mit ihren Schwingen erzeugten. Die Erwachsenen k\u00fcmmerten sich nicht um dieses Schauspiel, auch nicht, als die ganze Herde sich in die Luft schwang und dort im Kreis umher preschte, immer entlang dem magischen Zaun. Farbenspiel, der den Aufruhr angerichtet hatte, wirbelte in ihrer Mitte umher wie ein Federchen auf einem Wasserstrudel, l\u00f6ste sich pl\u00f6tzlich aus der Masse der gefiederten bunten K\u00f6rper und setzte wieder am Boden auf, w\u00e4hrend die \u00dcbrigen noch in der Runde rannten, als h\u00e4tten sie ihr Ziel vergessen. Der Hengst trottete auf den Jungen zu und streckte ihm die samtgraue Schnauze entgegen. Advon lie\u00df die Hand seiner Mutter los, um den gro\u00dfen geh\u00f6rnten Kopf umarmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"dd5e73e432f3981f98239869284f96a2\">\u201eBald&#8221;, wisperte er dem Tier ins Ohr. \u201eEs ist nur eine Frage des rechten Moments.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2439","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2439","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2439"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2439\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3764,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2439\/revisions\/3764"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2439"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2439"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2439"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}