{"id":2436,"date":"2025-08-25T11:46:30","date_gmt":"2025-08-25T09:46:30","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2436"},"modified":"2025-09-01T09:04:30","modified_gmt":"2025-09-01T07:04:30","slug":"016-geschichten-fuer-die-alten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/016-geschichten-fuer-die-alten\/","title":{"rendered":"016: Geschichten f\u00fcr die Alten"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"5a2b4d77ccd4f2b18830ebeca3a99aea\">Die Villa, in der der <em>sinor<\/em> [~ <em>Rats\u00e4lteste<\/em>] Sah\u00e1al\u00edr residierte, war von erlesender Pracht und lag in unmittelbarer N\u00e4he des Palastes, von diesem nur getrennt durch einen fruchtbaren Garten voller Obstb\u00e4ume und bl\u00fcten\u00fcbers\u00e4ten B\u00fcschen. Ein pl\u00e4tscherndes Wasserspiel sorgte f\u00fcr Abk\u00fchlung und auf der gr\u00fcnen Wiese um das geschmackvolle, zartblau gestrichene Haus stolzierten einige aranzienfarbene und gr\u00fcne Prachtv\u00f6gel herum, f\u00e4cherten ihre \u00fcppigen Schwanzfedern und lie\u00dfen ab und an ihre markersch\u00fctternden Rufe h\u00f6ren.<\/p>\n<p data-p-id=\"16e4892fd850774b020beb450f127c85\">Das Gesinde hatte Gal\u00e9on freundlich aufgenommen und mit erfrischenden Getr\u00e4nken und einer schlichten Mahlzeit versorgt, dabei aber keinen Zweifel daran gelassen, dass er es bei seinem abendlichen Auftritt alles andere als einfach haben w\u00fcrde. Dabei sei es nicht der Hausherr, der die eigentliche Schwierigkeit darstelle.<\/p>\n<p data-p-id=\"186259de4bda6c74c2317d9a63d4985b\">\u201eDer <em>sinor<\/em> mag eigentlich alles, was ihn an seine Jugend erinnert&#8221;, hatte ihm die freundliche Magd anvertraut. \u201eBeschreib ihm einfach ein paar alte Geb\u00e4ude aus Iva\u00e1l, und der ehrw\u00fcrdige Herr ist gl\u00fccklich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3dcd1a6f36509fe3d8ec65795fea8b8f\">\u201eIst das nicht etwas langweilig? So viel anders als hier sind die H\u00e4user in Iva\u00e1l auch wieder nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"924a84b1450bd4f82360413c9c959053\">\u201eNa, mit irgendwas &#8230; Pikantem solltest du nicht kommen. Es sind <em>sinoara\u00e9<\/em> [~ <em>Rats\u00e4lteste Damen<\/em>] zugegen. Erinnere die alten Schachteln nicht noch an vergangene L\u00fcsternheiten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"936e645a85557981c4eecf433c77f7ce\">Das war eine ziemlich respektlose Rede, aber die K\u00fcchenmagd f\u00fcllte ihm noch eine Sch\u00f6pfkelle Getreidebrei in sein Sch\u00e4lchen. Gal\u00e9on a\u00df dankend, denn er war wirklich ausgehungert gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"faa383096e0c8f4f172b87c8469092ce\">\u201eNun&#8221;, sagte er zwischen zwei L\u00f6ffeln, \u201edann bleibt noch Ruhm und Glorie des alten Aur\u00f3p\u00e9a. Ich bin zwar weit herumgekommen, aber was genau verstehen der <em>sinor<\/em> und seine G\u00e4ste darunter?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c51099d87151d008c16ae4a039fbd3d\">\u201eSo ziemlich alles, was im Anschluss an die Chaoskriege geschehen ist. Nachdem die Magier sich zur\u00fcckgezogen und die Stadt allein gelassen haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a28dc61cf2a3fd5422bd2162fa53a709\">\u201eIch verstehe. Nat\u00fcrlich, die Gr\u00fcndung des <em>konsej<\/em> [~ <em>Stadtrats<\/em>] und die Lossagung aus dem Schutz der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> mag ein gro\u00dfer Fortschritt f\u00fcr die Stadt gewesen sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b40389afe4d5a9a3f700bca5c2771a40\">\u201eW\u00e4ren die Chaoskriege damals nicht zum Erliegen gekommen, w\u00e4re Aur\u00f3p\u00e9a vermutlich heute noch ein gro\u00dfes Bauerndorf. Wenn es \u00fcberhaupt noch existierte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"86faa2a36ffe8ab5665bdedaec0251da\">\u201eAlso etwas Geschichtliches.&#8221; Gal\u00e9on dachte nach. \u201eMan sollte denken, dass die Damen und Herren des <em>konsej<\/em> jedes Detail dar\u00fcber w\u00fcssten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b0f639daa3f67c964aeb4c15555032e\">\u201eTun sie. Aber sie h\u00f6ren immer wieder gern, was man anderswo dar\u00fcber wei\u00df und werden sich sicher freuen, wenn sie dich ausf\u00fchrlich korrigieren k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5fccc49d01c80d6d7ec89f6bdcfb0245\"><em>Mich korrigieren?<\/em> Gal\u00e9on l\u00e4chelte im Stillen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e1a29b908c212a9143d6b485d1a23cc\">\u201eTrotzdem solltest du auf deine Worte achtgeben. Der <em>sinor<\/em> \u00daldaise hat wenig Geduld und Verst\u00e4ndnis.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c028cf74586d533129a77c159948b9ac\">\u201eScheint so, dass er ein <em>sinor<\/em> der schwierigeren Art ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff680eac7ac4bb5c20e8251b7a42e3a6\">\u201eWoher hast du das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cf5f6ec7a8be2584a95835988361ea25\">\u201eMan h\u00f6rt hier und da Ansichten, aber keine Begr\u00fcndungen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"52b9037617d564429fe410e837cedcc3\">Sie setzte sich zu ihm an den Tisch, schaute sich um und legte die Finger an die Lippen. Dann nickte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"2ae308fbd4b7249c4132bc2ce14035d9\">\u201eWarum ist er dann bei einem so freundlichen Herrn wie dem Euren zu Gast? Dass sein Alter ihn in den Rat gehoben hat, ist mir klar, aber warum wollen sie ihn bei einer privaten Feier dabei haben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f00b4dc5fe794d4b4d186625cfdbf4d5\">\u201eNun, ich denke, niemand wagt es, ihn auszuschie\u00dfen. Und keiner mag es riskieren, dass er Dinge aus zweiter Hand erf\u00e4hrt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d0bb8b82a1d9ef182a36e7c83a2b7979\">\u201eWie unangenehm.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9d544ebf4451366d7220e06a62cb851\">\u201eEs ist besser geworden, seit er dabei ist. Sittenlos und ohne Hemmungen war es unten in Aur\u00f3p\u00e9a, und jeden Tag geschahen Verbrechen. Das hat stark nachgelassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"54ec29074c789c7630fa7d6d4a8772dc\">\u201eWer ist dieser <em>sinor<\/em> \u00daldaise eigentlich? Als Angeh\u00f6riger des konsej muss er doch bereits unz\u00e4hlige Sommer in Aur\u00f3p\u00e9a gelebt haben. Hat er Familie hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0324b6e19162af063cd4e7cfa0ffbcb4\">Sie schnaufte. Dann neigte sie sich zu ihm vor und fl\u00fcsterte: \u201eEin alter Hagestolz ist er. Es hei\u00dft, er wohnt ganz allein, nicht einmal in einem eigenen Haus, sondern irgendwo zur Miete. Wahrscheinlich will niemand zugeben, in wessen Villa er hockt, wenn er nicht im Palast ist. Aber reich ist er. Unglaublich reich. Er schwimmt geradezu in Gold.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"109925f763a119d7c4134faf783fa77e\">Vielleicht h\u00e4tte sie noch mehr erz\u00e4hlt, aber jemand rief nach ihr. Sie eilte aus der K\u00fcche fort und lie\u00df ihn allein mit seinem Brei und nachdenklichen Erw\u00e4gungen zu dem exzentrischen Ratsherrn.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a4a474ca6a9590ca0335931be81d498\">Den Abend verbrachte er anschlie\u00dfend, vom schmiedeeisernen Gartentor aus zu beobachten, was sich in der Nachbarschaft tat. Im Haus gegen\u00fcber schien eine exklusive Festgesellschaft zusammengekommen zu sein, exquisite K\u00fcchenger\u00fcche wehten zu ihm ebenso hin\u00fcber wie lautes Gel\u00e4chter und ausgelassene Musik. Als sich die ersten Sterne zeigten, wurde ein Gr\u00fcppchen freiz\u00fcgig gekleideter, kichernder <em>fanjula\u00e9<\/em> durch einen Nebeneingang eingelassen. Was auf den Anwesen vor sich ging, blieb allerdings durch die hohen, mit Ranken bewachsenen Mauern verborgen. Sah\u00e1al\u00edrs Villa war ihrerseits von einem metallenen Zaun begrenzt, der mehr Einblicke gew\u00e4hrte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e7af6b578c1c2f978991624c818b060f\">Gal\u00e9on beobachtete die Ankunft der G\u00e4ste des Rats\u00e4ltesten, drei Damen und zwei weitere Herren waren es, alle erlesen gekleidet und so gebrechlich, dass sie von ihren Dienern gest\u00fctzt oder an einem Stock gingen. Die Frauen hatten versucht, sich Runzeln und Altersflecken wegzuschminken, was ihre Gesichter sonderbar k\u00fcnstlich und hartwirken lie\u00df, wie Arbeiten aus Stuck. Das Gefolge dieser Alten konnte seinerseits kaum verheimlichen, wie die offenbar immer ausgelassenere Feier im Nebenhaus sie lockte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f2b19e1a433c2b083438be3edd6ebde4\">Der Letzte, der erschien, war \u00daldaise. Er bewegte sich r\u00fcstig und ben\u00f6tigte weder eine Gehhilfe noch jemanden, der ihm assistierte. Dennoch wurde der Alte von zwei M\u00e4nnern begleitet, die fehl am Platz wirkten: Gro\u00dfe, derbe Burschen mit finsterem Blick waren es, solche von der Art, wie sie in der Unterstadt in den Tavernen f\u00fcr Respekt sorgen sollten. Allerdings waren diese beiden erheblich besser gekleidet und ausgesprochen gepflegt.<\/p>\n<p data-p-id=\"b584dfbce781e95f148691057bf1ff49\">Gal\u00e9on sch\u00fcttelte den Kopf dar\u00fcber und zog sich vorsichtig einen Schritt weit hinter eine m\u00e4chtige K\u00fcbelpflanze zur\u00fcck, die am Rande der Dachterrasse der Villa stand, wo die kleine Gesellschaft sich versammelte. \u00daldaise passte weder in seinem Auftreten noch seinem Gehabe zu den \u00fcbrigen Uralten, dass es Wunder nahm, dass er in ihrem Kreis so akzeptiert zu sein schien.<\/p>\n<p data-p-id=\"a9ca5dcc4f90020bea6b01788a4beba2\">Der Hausherr begr\u00fc\u00dfte ihn dennoch so herzlich wie seine \u00fcbrigen G\u00e4ste. Wie sich herausstellte, war Sah\u00e1al\u00edr so gebrechlich, dass er \u00fcberhaupt nicht mehr aus eigener Kraft laufen konnte und in einem Tragstuhl transportiert werden musste. Davon abgesehen schien der \u00c4lteste jedoch bei hellem Verstand und bester Laune zu sein. Er plauderte munter mit seinen G\u00e4sten, die mit ihm auf gepolsterten Korbsesseln an Beistelltischchen in der Runde sa\u00dfen und machte den Damen gegen\u00fcber charmante Bemerkungen, die die drei <em>sinorara\u00e9<\/em> verlegen kichern machten. Sogar \u00daldaise rang sich ab und zu ein Lachen ab und machte geistreiche Bemerkungen. Als Speise wurden den Alten Sch\u00fcsselchen mit verschiedenen Sorten Mus gereicht, denen offensichtlich auch geistige Zutaten hinzugef\u00fcgt worden waren. Jedenfalls wurde die Stimmung in der Runde immer lockerer und gel\u00f6ster. Gal\u00e9on konnte aus der Entfernung zwar nicht h\u00f6ren, wor\u00fcber gesprochen wurde, aber er war \u00fcberzeugt, dass die <em>sinoray<\/em> sicherlich einen Tanz gewagt h\u00e4tten, w\u00e4re ein Musikant zugegen gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca89e08eab63e45be0c4b5f486569306\">Als das Gespr\u00e4ch eine Weile sp\u00e4ter doch zum Erliegen kam, winkte der Gastgeber den <em>b\u00e1chorkor<\/em> heran. \u201eMeine lieben Freunde&#8221;, erkl\u00e4rte er der Runde, w\u00e4hrend Gal\u00e9on sich mit der gebotenen Demut n\u00e4herte, \u201edie M\u00e4chte haben mir am Vormittag diesen jungen Mann \u00fcber den Weg laufen lassen. Er sagt, er hat Geschichten aus allen Reichen bei sich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2c1d286ce7268c94bd8bd336254d3341\">\u201eWie sch\u00f6n&#8221;, freute sich eine der Damen. Aus der N\u00e4he erkannte Gal\u00e9on, dass sie eine Per\u00fccke trug, die mit kleinen Juwelen aufw\u00e4ndig geschm\u00fcckt war. Eine Sieche mochte ihr das eigene Haar geraubt haben. Gal\u00e9on versuchte, nicht zu sehr dar\u00fcber nachzudenken. \u201eIch habe so lange nichts Neues geh\u00f6rt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a5f7aaaffd20689c2bd8eb456b67c196\">\u201eHervorragend,&#8221; stimmte einer der M\u00e4nner zu, der nur noch wenige eigene Z\u00e4hne im Mund trug und daher schwer zu verstehen war. \u201eIst im Westen immer noch Krieg?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f23c52e0a4e264b0bf1a3dab8d88416d\">Gal\u00e9on stutzte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a2a8b64bd5af92097c1964fcf8493da\">\u201eDer Krieg im Westen ist l\u00e4ngst vorbei!&#8221;, schaltete sich der andere Mann ein, dessen Augen milchig-blind direkt an seinem Gespr\u00e4chspartner vorbei schauten.<\/p>\n<p data-p-id=\"2a4f66e4d83bed041ec2ac644de9fc31\">\u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"82ca4203d5712eff73974d9b62b671f0\">\u201eVORBEI!&#8221; Offenbar war der Zahnlose auch noch schwerh\u00f6rig.<\/p>\n<p data-p-id=\"4d521c51183e2b691f88eef7939b3ec8\">\u201eUm welchen Krieg geht es, Herr?&#8221;, fragte der <em>b\u00e1chorkor<\/em> vorsichtig.<\/p>\n<p data-p-id=\"34bdaac3afa18d401d3cf886d73b521d\">\u201eBeachte ihn nicht weiter, J\u00fcngchen&#8221;, sagte eine der anderen Damen milde. \u201eEr hat in Pian\u00e1rdent an der Seite des <em>yarl<\/em> von Xoni\u00e1r gek\u00e4mpft, als er noch ein Jungspund war.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e5dc93929b8fa7a4ab8e4e4e7e83c7aa\">Gal\u00e9on \u00fcberschlug das im Geiste und rechnete sich aus, dass der alte Krieger damit ann\u00e4hernd so alt sein musste wie der Gastgeber.<\/p>\n<p data-p-id=\"8ef94557752b55394f979c6b14182978\">\u201eBitte, meine Lieben!&#8221; Sah\u00e1al\u00edr t\u00e4tschelte der alten Dame vertraut die Hand. \u201eLasst uns doch diese unerfreulichen alten Dinge ruhen lassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"25d91b3bedcc9f10895d11c4594a142e\">\u201eIch wei\u00df ja nicht, ob du mit dem Burschen den richtigen Griff getan hast, Sah\u00e1al\u00edr&#8221;, sagte die dritte Frau nachdenklich. \u201eEr sieht mir gar nicht aus, als verst\u00fcnde er allzu viel von Mode.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cc6e1e7ad40ff1afad913a2486eac471\">\u201eDas ist nicht der Gewandschneider, Liebes. Das ist ein <em>bachorkor<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"926df4bb2952887229e09e42fbf079f7\">\u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"199485d07db992c3a892cbafe69d8f05\">\u201eEin <em>b\u00e1chorkor<\/em>! Ein Geschichtenerz\u00e4hler!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c65f8cca79d05875d29466cf0427bd3\">\u201eUnd was macht der hier in meinem Gemach?&#8221;, schnappte die alte Dame emp\u00f6rt. \u201eAugenblicklich gehst du, wohin du geh\u00f6rst, Spitzbube, oder &#8230; &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"b7098325107cce23c39f4f8793f74b46\">\u201eEhrenwerte <em>sinora<\/em>&#8220;, sagte der Blinde, \u201edas hier ist nicht deine Villa. Wir sind bei Sah\u00e1al\u00edr zu Gast!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8c4f94388c98704029a34c67ef8ec544\">Die Frau blinzelte verwirrt und schaute dann konfus und besch\u00e4mt zu Boden, als m\u00fcsse sie Gedanken ordnen,<\/p>\n<p data-p-id=\"757ddafa3bf5e0a67cd11c0eab0384dc\">Gal\u00e9on schaute betroffen von einem zum anderen. Das hier waren sieben der insgesamt neun Ratstr\u00e4gern; die beiden letzten fehlten m\u00f6glicherweise nur, weil sie um diese Zeit bereits zu Bett oder noch gebrechlicher waren. Diese Leute waren verantwortlich f\u00fcr das Wohl der gr\u00f6\u00dften Stadt der Welt?<\/p>\n<p data-p-id=\"8dd8588695ca0fb920121655609fc472\">\u201eBekommen wir nun eine Geschichte zu h\u00f6ren oder nicht?&#8221;, kam es unvermittelt von \u00daldaise. Der j\u00fcngste <em>sinor<\/em> hatte den vorangegangenen Wortwechsel schweigend angeh\u00f6rt, lehnte sich nun in seinem Sessel zur\u00fcck und schaute Gal\u00e9on mit stechend dunkeln Augen \u00fcber seinen Becherrand hinweg an.<\/p>\n<p data-p-id=\"c1c8f1b6700ea5c1acbd7c71858c32f0\">\u201eNun?&#8221;, fragte Sah\u00e1al\u00edr freundlich. Gal\u00e9on zuckte zusammen. Offenbar war er f\u00fcr einen Moment in dem hypnotischen Blick versunken wie in einem t\u00fcckischen Sumpf.<\/p>\n<p data-p-id=\"849a8ee8bca6fcde1c69ae86bd08b731\">\u201eSelbstverst\u00e4ndlich.&#8221; Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schauderte und verneigte sich vor dem \u00c4ltesten. \u201eW\u00e4re es in Eurem Sinne, wenn ich von den Sch\u00f6nheiten des <em>yarlm\u00e1lon<\/em> Iva\u00e1l berichte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f3323919e1bb008b06fc578192aca26e\">Der alte Ratsherr l\u00e4chelte und lehnte sich zur\u00fcck. Gal\u00e9on lie\u00df sich in der Mitte des Kreises nieder, schlug die Beine untereinander und schloss die Augen. <em>Iva\u00e1l, <\/em>dachte er und lie\u00df in seinem Geist Bilder aufsteigen, die er vor langer, langer Zeit dort mit eigenen Augen geschaut hatte. Dann begann er, zu erz\u00e4hlen, erschuf mit seinen Worten eine Kulisse exquisiter Pracht und Freude, schilderte den Ort, die Geb\u00e4ude, die Menschen bis in die kleinsten Details, bis hin zu dem stets etwas schw\u00fclen Wind von den H\u00fcgeln und dem Duft von hei\u00dfer Erde und fremdartigen Gew\u00fcrzen. Er pries die Weisheit und Wissenschaft, die sch\u00f6nen wilden Tiere und hielt sich eine Weile bei der besonderen Mode der Menschen in der hei\u00dfen, bunten Gegend auf, um auch die Dame zu erfreuen, die ihn mit dem Schneider verwechselt hatte. F\u00fcr den alten K\u00e4mpen berichtete er von den gro\u00dfen Siegen und bunten Turnieren, von dem vornehmen Ernst der Adligen und der Ausgelassenheit der jungen Leute und ihrer Feste. Etwa die Spanne zwischen zwei Gongschl\u00e4gen redete er.<\/p>\n<p data-p-id=\"192b0bcd94abd866185a1fef051ba227\">Als Gal\u00e9on endete und die Augen wieder \u00f6ffnete, sah er Tr\u00e4nen in denen des Gastgebers. Er hatte dem Ratsherren Sah\u00e1al\u00edr ein St\u00fcck seiner Jugend zu sp\u00fcren gegeben.<\/p>\n<p data-p-id=\"8ff9626558d1efcdec1a6430e24a7939\">\u201eIch danke dir&#8221;, sagte der <em>sinor<\/em> nach einer Weile. \u201eDu wirst \u00fcberrascht sein, <em>wie viel<\/em> mir deine Geschichte wert war.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a9f097a975b900041245ab8a140d0ad9\">\u201eHast du auch eine Geschichte f\u00fcr mich?&#8221;, fragte die Alte mit der Per\u00fccke.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d081bd9bb561f0d86b8d3fc8e2e49e9\">\u201eJa&#8221;, antwortete Gal\u00e9on. \u201eAber nicht heute, edle Dame. Wenn es euch Recht ist, erz\u00e4hle ich sie euch morgen unter vier Augen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2601a4a99bdfbae6896eaaf85918ab83\">\u201eGesch\u00e4ftst\u00fcchtig ist er&#8221;, sagte der Blinde am\u00fcsiert. \u201eGanz sch\u00f6n gerissen, der Bursche.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f03dbea7a4514643f55d01286ece9ba7\">Die alte Frau lie\u00df sich nicht beirren. \u201eGern. Ich freue mich, dich in meinem Haus zu begr\u00fc\u00dfen&#8221;, sagte sie milde. \u201eEs soll nicht dein Schaden sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e60a05e2d6f80bc6b707f6d6104c9585\">\u201eDas ist zu g\u00fctig. Aber Eure Geschichte werde ich Euch <em>schenken<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"17266c6ec6b245aff533be20e5be2037\">\u201eH\u00f6rt, h\u00f6rt&#8221;, am\u00fcsierte sich der alte Krieger, und die Dame err\u00f6tete. Gal\u00e9on l\u00e4chelte, um der Sache den Anschein eines frechen, trivialen Flirts zu geben, aber in seinem Herzen war Anteilnahme. <em>Zwei Monde noch<\/em>, dachte er. <em>Nicht mehr<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"6bb5b1478dead84195fd5400cc82ca0a\">\u00daldaise hatte sich den Reisebericht aus Iva\u00e1l schweigend angeh\u00f6rt. Nun r\u00e4usperte er sich. \u201eH\u00f6ren wir noch was von dir? Oder bist du fertig?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88d79884a5f22d13684d989b6a514747\">\u201eVielleicht mag der ehrenwerte <em>sinor<\/em> \u00daldaise sich den Gegenstand meiner n\u00e4chsten Erz\u00e4hlung aussuchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2be4de8b21931e4bdd309a542149f3f6\">\u201eGern.&#8221; Der Ratsherr l\u00e4chelte r\u00e4tselhaft. \u201eLass h\u00f6ren. Was erz\u00e4hlt man jenseits des Montaz\u00edel \u00fcber &#8230; das Ende der Chaoskriege?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0aae5ce08adcf29a9bea7cd317c1c252\">\u201e\u00daldaise!&#8221;, begehrte die modebewusste Dame auf. \u201eNicht davon!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e13de0c31fb9953b90ca6a7470d90360\">\u201eWas st\u00f6rt dich daran?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb473d04ce232851b2b2cd6c6dc7c89c\">\u201eEs schickt sich nicht, an einem solchen Tag, in dieser Runde \u00fcber dieses Thema zu reden!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a10eac8f52d080a7d162271e1cebfc8d\">\u201eDann seid ihr also nicht neugierig, was die Leute jenseits von Aur\u00f3p\u00e9a \u00fcber den Triumph gegen die Chaosgeister zu sagen wissen? Wie es mit dem Ruf unserer Stadt, der Stadt, f\u00fcr die wir alle uns hingeben, bestellt ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5c3774d1aa1474c9192c738e081acacd\">\u201eWas kann es schaden&#8221;, sagte der Blinde. Aber die entspannte Stimmung, die sie alten Leute gerade noch erf\u00fcllt hatte, war dahin.<\/p>\n<p data-p-id=\"5e010daebbc9e20bae430e3723024ecb\">\u201eW\u00fcnscht Ihr einen geschichtlichen Abriss&#8221;, fragte Gal\u00e9on misstrauisch. \u201eOder einen packenden Kampfbericht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2b37acc3641dc539ea2d8a60d283e63b\">\u201eDa lasse ich mich gern \u00fcberraschen.&#8221; Der dunkle scharfe Blick legte sich lauernd wieder auf den des <em>b\u00e1chorkor<\/em> und lie\u00df ihn fr\u00f6steln. \u201eWas immer du dar\u00fcber wei\u00dft.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bad02d3be2b7144031c566eba21f2b7e\">Gal\u00e9on senkte den Kopf und konzentrierte sich. Das Ende der Chaoskriege &#8230; das war so lange her. So lange, dass er sich kaum daran erinnerte. Diese Geschichte musste er aus dem hervorkramen, was er in all den Jahren dazu geh\u00f6rt hatte, was man ihm berichtet und wovon er Bilder gesehen hatte. Es &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"5034b0280b882220d43d3a1b0b1fd8f3\">\u201eSie schreien&#8221;, wisperte er dann z\u00f6gerlich. \u201eAlle rennen und schrien und sind in Panik. Es sind &#8230; M\u00e4nner, viele M\u00e4nner auf Pferden. Einer ist dabei, einer in schwarzen Gew\u00e4ndern und einer, ein j\u00fcngerer, rotgewandet an seiner Seite. Es &#8230; Feuer. Es brennt &#8230; und all das Blut. Es &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e412c771338bce1f151c2e9838963b5\">Einige der Alten begannen, verwirrt zu murmeln. Gal\u00e9on schreckte hoch und warf seine eigenen Gedanken beiseite, die an den jungen Rotgewandeten und das schimmernde Schwert, an den Moment, in dem der Schreckliche, der, der Mord und Zerst\u00f6rung gebracht hatte, nach ihm griff und unter seinen Mantel zerrte, ihn versteckte, ihn mit sich nahm, vorbei an &#8230; an Blut und Flammen und den Todesschreien und in Sicherheit. Bei den M\u00e4chten, da waren sie wieder, die Bilder, die ihn all die Zeit immer wieder in seinen Tr\u00e4umen heimsuchten, eine zerfetzte, undeutliche, unvollst\u00e4ndige Erinnerung aus einer Zeit, in der er selbst noch keinen rechten Verstand gehabt haben konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"7441aa2eaf2b3caff8a3a6b448d9e857\">\u201eVerzeihung&#8221;, sagte der <em>b\u00e1chorkor<\/em> leise. \u201eDas war die falsche Geschichte. In Wahrheit endeten die Chaoskriege vor mehr als hundertdrei\u00dfig Wintern am Fu\u00dfe des Montaz\u00edel in einer gewaltigen Schlacht. Der heroische Widerstand der <em>arcaval&#8217;ay <\/em>war es, der den Horden entfesselter Chaosgeister Einhalt gebot, die der Schattens\u00e4nger Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar beschworen hatte. Von Nord nach S\u00fcd hatte der Verderbte das Weltenspiel mit Kampf und Krieg \u00fcberzogen, gleichsam mit den Kreaturen aus dem Chaos und Gesetzlosen, die sich ihm beugten und in den Wirren <em>yarl<\/em> gegen <em>yarl<\/em>, <em>teirand<\/em> gegen <em>teirand<\/em> gegeneinander aufbrachte &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91bf34764a69c6f9c425e5d97ffb2358\">Die Alten h\u00f6rten and\u00e4chtig zu, obschon sie die Geschichte l\u00e4ngst auswendig kennen mussten, vielleicht abgesehen von dem einen, der sich selbst alle paar Augenblicke zu vergessen schien. Zweifellos hatten sie alle in ihrer Jugend von \u00e4lteren Verwandten Geschichten dar\u00fcber geh\u00f6rt, wie der blutige Kampf um Aur\u00f3p\u00e9a getobt hatte, Geschichten aus der Erinnerung von jenen, die tats\u00e4chlich dabei gewesen waren und die Schrecken gesehen hatten. Das Entsetzen, das ein einzelner Magier entfesselt hatte, indem er alles Verderbliche, das Menschen in ihren Herzen mit sich trugen, mit der rohen Destruktion und dem Wahnsinn der Chaosgeister kombiniert hatte. Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar war so unglaublich m\u00e4chtig gewesen, dass er es am Ende gewagt hatte, den Ciel\u00e1stel und damit Patagh\u00edu selbst mit seinen Horden anzugreifen. Die unkundigen Verteidiger und Angreifer waren gefallen wie gem\u00e4htes Getreide, entv\u00f6lkert lagen am Ende ganze Landstriche. Vier der f\u00fcnf <em>faj\u00eda\u00e9<\/em>, bis auf Elos\u00e1l, die j\u00fcngste, und Dutzende von Regenbogenrittern hatte Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar im direkten Kampf get\u00f6tet, nichts hatten sie der Waffe, dem Dunklen Artefakt entgegenzusetzen, mit dem er angetreten war.<\/p>\n<p data-p-id=\"49400005db7c36a82d0a38012c9a7adc\">Dann waren die <em>camat&#8217;ay<\/em> aufgetaucht, und die Schlacht war eskaliert. Zerst\u00f6rung war frei geworden, die halb Aur\u00f3p\u00e9a in Schutt und Asche gelegt und auch den Ciel\u00e1stel nicht unbeschadet gelassen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c0cfe2e93f87683cf9bf485e41aec97b\">Und dann war es vorbei gewesen. Einfach vorbei. Einfach so.<\/p>\n<p data-p-id=\"39e79ca7de04a08e7547ddf746258dee\">\u201e &#8230; und nie wurde das Geheimnis gel\u00f6st, was dabei mit Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar geschehen war und welche Rolle die Schattens\u00e4nger bei alledem innegehabt hatten&#8221;, schloss Gal\u00e9on mit trockener Stimme. Geschichten dieser Art waren m\u00fchsam, schwierig zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a62e8664d1a93da6289c9fe9eb53dd16\">\u201eWirklich niemals?&#8221;, fragte die Dame mit der Per\u00fccke, nicht weil sie zweifelte, sondern weil es galt, nicht zu schweigen. Zu befremdlich schallte der L\u00e4rm der Feiernden aus dem Nachbarhaus her\u00fcber, wo es immer ausgelassener zu sich ging und die Betrunkenen gr\u00f6lten.<\/p>\n<p data-p-id=\"049c89bfbce098b023f7e6a4973fbdd1\">\u201eNiemals&#8221;, sagte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>. \u201eEs wurde weder der Leichnam des Verheerers gefunden noch die Waffe, mit der er gek\u00e4mpft und vernichtet hatte. Diese Geschichte, edle <em>sinoray<\/em>, hat kein Ende.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"75e609e4e81713a5e1a2c428e4f08bca\">\u201eUnd was denkst du, was tats\u00e4chlich geschehen ist?&#8221;, fragte \u00daldaise, der die ganze Zeit mit unbewegter Miene zugeh\u00f6rt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"32f26b0979d4fe5073d3ebee0f6c2efa\">\u201eIst das von Belang?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2eedb84fd0d7409ed413a52cc2ae57ec\">\u201eSag du es mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e1c1831a0b95bdcc51707502019de9c\">\u201eIch wei\u00df es nicht. Man erz\u00e4hlt sich, dass zumindest die furchtbare Waffe von den Schattens\u00e4ngern zur\u00fcckerobert wurde. Was aus Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar wurde, hat nie jemand erfahren. Sehr wahrscheinlich wurde er beim Kampf gegen seinesgleichen so stark verletzt, dass nicht einmal ein erkennbarer K\u00f6rper von ihm zur\u00fcckblieb. Die Chaosgeister wurden von den Regenbogenrittern zur\u00fcck in ihre Dom\u00e4ne gebannt. Und man erz\u00e4hlt sich \u00fcberall auf der Welt, dass die Regenbogenritter danach einen Pakt mit den Menschen von Aur\u00f3p\u00e9a eingingen. Nie wieder, so besiegelten sie, sollte sich ein Heller Magier in die Belange von Unkundigen einmischen und sie in Fehden hineinziehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a26d90261e5a2a762e855a8271a5c90\">\u201eGut&#8221;, sagte \u00daldaise. \u201eEs beruhigt mich, dass \u00fcberall auf der Welt die Wahrheit erz\u00e4hlt wird.&#8221; Der alte Mann l\u00e4chelte zufrieden.<\/p>\n<p data-p-id=\"f511401e60ff0879bfc5ef3221fee5d3\">\u201eVielleicht \u2013 aber das ist nur meine Meinung \u2013 w\u00e4re es besser gewesen, den Regenbogenrittern diesen Schwur <em>nicht<\/em> abzuverlangen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"80a663395c09e7babc9ecb2cba3e6c7d\">\u201eWie meinst du das?&#8221;, fragte Sah\u00e1al\u00edr aufmerksam, mit echtem Interesse.<\/p>\n<p data-p-id=\"da0e8f8f661070c32e1206e3936a5b5c\">\u201eNun&#8221;, sagte Gal\u00e9on, ohne \u00daldaise aus den Augen zu lassen, \u201ewas soll werden, sollten Chaosgeister einmal &#8230; zur\u00fcckkehren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cf10af6d0256ea54e90035f44183684c\">\u201eDas m\u00f6gen die M\u00e4chte verh\u00fcten! Was ist das \u00fcberhaupt f\u00fcr ein Gerede bei einer Anprobe?&#8221;, emp\u00f6rte sich die <em>sinora<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"de3ad33cf40553bf99cd067a33f6af03\">\u201eLassen wir diese schauerlichen Themen auf sich beruhen.&#8221; Der \u00c4lteste warf einen verlegenen Blick in die Runde. Die dritte Dame war sanft einged\u00f6st und hatte den Gro\u00dfteil von Gal\u00e9ons Geschichte gar nicht mitbekommen, die anderen wirkten unbehaglich.<\/p>\n<p data-p-id=\"2b58b27083f1e98ff501a8808152cc9d\">\u201eIch erinnere die ehrenwerten Damen und Herren daran, dass ich diese Geschichte nicht selbst vorgeschlagen habe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5341d974e56fa3cf1d4a08f705887e67\">\u201eEs ist gut, <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Und nun ist es an der Zeit f\u00fcr fr\u00f6hlichere Dinge. Wei\u00dft du noch etwas Abenteuerliches vielleicht? Ein Abenteuer eines Seefahrers?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fbc8592f6e4757d58595622c4de022dd\">\u201eSelbstverst\u00e4ndlich. Lasst mich Euch von der Irrfahrt eines Handelsschiffes erz\u00e4hlen, das vor Ov\u00e9stola in einen geheimnisvollen Nebel geriet &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5c84cfe914e8a0cceda7d64a5af4ed30\">Sie bekamen nicht genug von seinen Geschichten. Gal\u00e9on redete bis in die fr\u00fchen Morgenstunden und unterhielt die Alten mit lustigen, spannenden und erbaulichen Geschichten. Nur einmal wurde er dabei unterbrochen, als \u00daldaise sich erhob und entschuldigen lie\u00df. Er sei m\u00fcde und wolle zu Bett gehen, sagte er, verneigte sich vor den Anwesenden und steckte Gal\u00e9on dann, zu dessen Verbl\u00fcffung, eine Silberm\u00fcnze zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"1b5bee7323a41d03d392cdb18e758f0d\">\u201eDeine Geschichte hat mir gut gefallen&#8221;, sagte er. \u201eBleib hier in der Oberstadt. Ich denke, ich w\u00fcrde gern einige Worte mit dir wechseln.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c36cc75240f2e3162f9aac5277c4700f\">Mit diesen Worten entfernte er sich. Man h\u00f6rte ihn im Haus nach seinen Leibw\u00e4chtern rufen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d889d10d4f0a5e3767401f9d68f3e580\">Als die Prachtv\u00f6gel im Garten wieder munter wurden und im Morgengrauen ihre ersten schrillen Schreie ert\u00f6nen lie\u00dfen, war Gal\u00e9on ersch\u00f6pft. Er hatte schon lange nicht mehr so aufmerksame Zuh\u00f6rer gehabt und so viel am St\u00fcck erz\u00e4hlt. Er g\u00e4hnte verstohlen. In die alten Leute hingegen kam Bewegung. Wie auf ein Signal kam Bewegung in die Gruppe.<\/p>\n<p data-p-id=\"36862d643bea39d5284c759cd66a37fe\">\u201eIch erwarte, dich heute am Nachmittag in meiner Villa&#8221;, sagte die eine Dame. \u201eIch ben\u00f6tige dringend ein neues Gewand f\u00fcr das gro\u00dfe Herbstfest. Du musst dir unbedingt die Tuche ansehen, die ich aus For\u00e9tern habe kommen lassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"010766baf016c6833e2d8dd87982602f\">Und der schwerh\u00f6rige K\u00e4mpfer klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. \u201eBrav gemacht, Bursche. Ruh dich ein paar Stunden aus und erstatte mir dann Bericht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8c349f1aa824484947eb9a5d7f226f06\">Zuletzt blieb nur Sah\u00e1al\u00edr zur\u00fcck. Eine junge Dienerin brachte ihm eine Schale mit einem anregenden Morgengetr\u00e4nk. Gal\u00e9on sa\u00df am Boden und wartete. Bevor der Alte ihn nicht entlie\u00df, durfte er sich nicht entfernen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d71d1a8885914a1b7596625d14b35e7b\">\u201eEin j\u00e4mmerlicher Anblick, nicht wahr?&#8221;, fragte der Alte. \u201eDer glorreiche Rat von Aur\u00f3p\u00e9a &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e32459e5d1aa8c3481b254a7fee960e1\">\u201eNein, Herr. Nicht j\u00e4mmerlich. Nur &#8230; zur falschen Zeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a2a7c4fafe11b9afd9d4903753763a9\">\u201eIch vertraue dir etwas an. So wie die M\u00e4chte es f\u00fcgen, werde ich wohl der n\u00e4chste aus dieser Runde sein, der hinter die Tr\u00e4ume geht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec2731f15d18fce15147fdb8e19622c9\"><em>Nein<\/em>, dachte Gal\u00e9on. <em>Vorbehaltlich eines gewaltsamen Endes wirst du die sieche Dame betrauern, die einst so wunderbares Haar hatte<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"3d4b1289d6e7be5daf05b13ef5fc476a\">\u201eIch glaube, diese Stadt braucht uns eigentlich gar nicht mehr. Was sind wir denn noch n\u00fctze, wir Alten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1eb9df538af364eb79f3033205b2930b\">\u201eWarum h\u00e4lt Aur\u00f3p\u00e9a fest am Rat von \u00c4ltesten, Herr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d47d980972e0d48266f2b134d52ee771\">\u201eWeil es seit jeher so war. Nun, zumindest seit der gro\u00dfen Schlacht, von der du vorhin berichtet hast. Die Magier haben sich zur\u00fcckgezogen. Wer au\u00dfer den Alten, Erfahrenen hatte es besser tun k\u00f6nnen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5fa41b2e48fc54bd2fbe949e9490f45e\">\u201eIch kann Euch das nicht beantworten, Herr. Ich bin nur ein <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Solche Gedanken stehen mir nicht an.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e308228a11a29eac2b72d5f8bc040462\"><em>Sinor<\/em> Sah\u00e1al\u00edr nickte milde. Dann klatschte er in die H\u00e4nde, woraufhin auf der Treppe Schritte zu h\u00f6ren waren. Seine Diener kamen, um ihn fortzutragen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c4e15b85480f02a44ae3001510526724\">\u201eDu solltest eine Weile schlafen. Komm am Nachmittag wieder zu mir. Du hast dir einen guten Lohn verdient, und ich bin sicher, dass wir auch noch passende fast neue Gew\u00e4nder f\u00fcr dich haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8ea2b886e720eea5945b9f2df73d2d29\">Gal\u00e9on verneigte sich und wartete, bis der Alte fort war. Dann stieg er selbst von der Au\u00dfentreppe die Dachterrasse herab und ging m\u00fcde durch den Garten hin\u00fcber zum Tor.<\/p>\n<p data-p-id=\"5aea3af9c1215b3978cd0afc53802a3b\">Gegen\u00fcber l\u00f6ste sich die Feiergemeinschaft auf. Ein Betrunkener torkelte aus dem Haupttor hinaus. Ein St\u00fcck eines Damengewandes schwenkte er wie eine Troph\u00e4e in der Hand, bevor er stolperte und in den Rinnstein st\u00fcrzte.<\/p>\n<p data-p-id=\"1d2da1d42aeab03774f27d64d47170f6\">Zwei ordentlich gekleidete M\u00e4nner, die mit einem mit frischem Brot beladenen Handkarren aus der Gegenrichtung kamen, halfen ihm auf und k\u00fcmmerten sich darum, dass er im n\u00e4chsten Haus verschwand.<\/p>\n<p data-p-id=\"b3b0236081d6924269ef33581263be77\">Gal\u00e9on g\u00e4hnte und sch\u00fcttelte den Kopf. Auch hier wechselte die Stadt also des Nachts ihre Maske.<\/p>\n<p data-p-id=\"fb85d288981321ec4bc7c30a4d487e69\">Hinter ihm raschelte etwas. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> sah sich um und fand sich einem der grobschl\u00e4chtigen Leibw\u00e4chter gegen\u00fcber. Im selben Moment packte ihn der Zweite von hinten und presste ihm mit seiner riesigen Hand den Mund zu. Etwas stinkendes, Feuchtes legte sich ihm \u00fcber Nase und Lippen und verst\u00e4rkte seine M\u00fcdigkeit schlagartig bis an den Punkt kurz vor dem Einschlafen. Gal\u00e9on hatte weder zum Schreien noch zur Gegenwehr Kraft, so stark und hochpotenziert \u00fcbermannte ihn der Schlaf.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2436","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2436","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2436"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2436\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3760,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2436\/revisions\/3760"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2436"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2436"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2436"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}