{"id":2435,"date":"2025-08-25T11:47:00","date_gmt":"2025-08-25T09:47:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2435"},"modified":"2025-09-01T09:04:14","modified_gmt":"2025-09-01T07:04:14","slug":"017-manjev-und-der-magier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/017-manjev-und-der-magier\/","title":{"rendered":"017: Manj\u00e9v und der Magier"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"7ac273c661acd788e43e8e476f735c5e\">\u201eIch finde, er sieht nett aus&#8221;, sagte T\u00edjnje.<\/p>\n<p data-p-id=\"1013c5dc0c4e7afde15301c9c9aac7e6\">\u201eEin h\u00fcbsches Pferd hat er.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"729efdde8f505036c7b66918481bcdc3\">\u201eDu sollst dir doch nicht sein <em>Pferd <\/em>angucken.&#8221; Das kleinere M\u00e4dchen warf der <em>teirandanja<\/em> einen vorwurfsvollen Blick zu. \u201eBist du denn gar nicht neugierig auf ihn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7686c12cfbca6d12ccea875250d4db29\">Manj\u00e9v von Wijdlant schaute mit betont gleichg\u00fcltigem Blick hinab in den Hof. Dort war am sp\u00e4ten Nachmittag Wa\u00fdreth Althopian eingetroffen, in Begleitung zweier berittener Knechte und seines Sohnes. Die Bediensteten transportierten auf ihren Pferden einige B\u00fcndel und Taschen und hatten jeweils ein Handpferd bei sich, eines davon ein feingliedriges, schneewei\u00dfes St\u00fctchen, nicht allzu gro\u00df. Die <em>teirandanja<\/em> nahm an, dass das Tier als Geschenk f\u00fcr sie bestimmt war, denn sie kam in ein Alter, in dem es nicht mehr angemessen war, dass sie im Sattel ihres Vaters mitritt.<\/p>\n<p data-p-id=\"9ef1c911e97961300825a10a86498e9a\">Neugierig? Nat\u00fcrlich war Manj\u00e9v neugierig auf den Sohn des getreuen <em>yarl<\/em> Althopian. Sie war dem Jungen zuvor noch nie begegnet und fragte sich seit langem, was wohl von ihm zu halten war. Die <em>teirandanja<\/em> war vertraut mit L\u00e1as und J\u00e1ndris, den S\u00f6hnen der <em>yarlay<\/em> ihrer Mutter; die beiden hatten schon fr\u00fcher immer wieder f\u00fcr einige Monde in der Burg gewohnt, w\u00e4hrend Altabete und Grootplen abwechselnd den Hofdienst versahen. Erst seit zwei Sommern verbrachten sie mehr Zeit hier als in ihren Heimatburgen, um Kampfkunst, ritterliche Manieren und Wissen zu erwerben. Die <em>teiranda<\/em> war sehr angetan von dem Eifer, den die beiden Jungen an den Tag legten und schw\u00e4rmte Manjev immer wieder vor, welche vortrefflichen Ritter sie einst zu Dienstm\u00e4nnern haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"c1a64668a767deb53a6639447eb9eef2\">Die S\u00f6hne der <em>yarlay<\/em> des Vaters, das wusste Manj\u00e9v, waren j\u00fcnger, ihre Lehrzeit am Hof ihrer <em>teiranday<\/em> w\u00fcrde nun erst beginnen. Die beiden fremden Kinder hatten beide erst vor kurzem ihre M\u00fctter verloren. Das machte die <em>teirandanja<\/em> nun doch unruhiger als sie erwartet hatte. Manj\u00e9v konnte sich nicht vorstellen, wie ein solcher Verlust sich anf\u00fchlen mochte, und so sp\u00fcrte sie eine befremdliche Mischung aus Scheu, Faszination und Neugier.<\/p>\n<p data-p-id=\"cad4232eeafa1fbb99d4af5a86411c41\">\u201e<em>Yarl<\/em> Althopian sieht traurig aus&#8221;, sagte sie. \u201eSchau, wie schmal und blass sein Gesicht geworden ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"743062b30349c71501bfd5ae42be1af3\">T\u00edjnje kniff die Augen zusammen und lehnte sich so weit vor, dass sie mit dem Bauch auf der Fensterbank zu liegen kam. \u201eDein Papa guckt auch so ernst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ba2b9b7f7895c2063f51a63868fdc6fc\">Das stimmte. Asga\u00fd von Spagor war pers\u00f6nlich hinunter auf den Hof gegangen, um seinen Dienstmann in Empfang zu nehmen und ihm zu gestatten, vom Pferd abzusteigen. Die M\u00e4nner waren dabei, die rituellen Gru\u00dfformeln auszutauschen. Danach tat der <em>teirand<\/em> etwas, das Manj\u00e9v verbl\u00fcffte: Er umarmte den Ritter. Das sah befremdlich aus, denn der <em>teirand<\/em> wirkte gegen den gro\u00dfen, breitschultrigen Recken in seinem R\u00fcstzeug so klein, zart und zivil. Wa\u00fdreth Althopian lie\u00df es mit sich geschehen, stand mit gesenktem Blick da und wirkte besch\u00e4mt.<\/p>\n<p data-p-id=\"6176b6ab1885cd277d1166ae190f9ab6\">Manj\u00e9v seufzte, schaute dann zu T\u00edjnje hin\u00fcber und erkannte, dass das kleine M\u00e4dchen Gefahr lief, aus dem Fenster zu fallen. Rasch griff sie die Gef\u00e4hrtin am Sch\u00fcrzchen und zog sie wieder hinab. \u201eHe! Wir sollen nicht ins Fenster klettern!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"de1a4f94d4b70d6ab33a8d7834e38441\">\u201eAber ich sehe doch nichts!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"251de0a5431c932b08d2d21c036479ef\">\u201eUnd still! Die <em>opayra<\/em> muss nicht wissen, dass wir hier sind!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"34116a118873b5d9264bf9f6fb65682f\">Der Junge, der auf dem Hof neben seinem braunen Pferd stand und wartete, wurde auf die M\u00e4dchen im ersten Geschoss der Burg aufmerksam. Er trug eine blaue Gewandung, genau wie sein Vater, und schaute still zu ihnen hinauf. Er hatte merkw\u00fcrdig helle Augen, Manj\u00e9v fing seinen eisblauen Blick selbst auf die Entfernung auf und err\u00f6tete. Der Junge wandte sich verlegen ab. Und die <em>teirandanja<\/em> zog sich ertappt einen Schritt vom Fenster zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e54c8583eec73054b69ec9f0d27ff41\">\u201eKomm&#8221;, sagte sie zu T\u00edjnje. \u201eWir gehen zur\u00fcck in mein Gemach, bevor der <em>opayra<\/em> auff\u00e4llt, dass wir uns rausgeschlichen haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"2e3950939e1af45004b2bb8d80195cdb\">\u201eWieso hast du so ein rotes Gesicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c82b9c35714e4175fb152adf6bff182e\">\u201eHab ich gar nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"65f87644d282452d7ef2c4bf4d3b686a\">\u201eWohl! Du siehst aus wie eine Zer\u00edsie. [<em>Rote Steinfrucht<\/em>]&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96a33fc12031510e85d64320444e422d\">\u201eAch!&#8221;, schnaubte Manj\u00e9v \u00e4rgerlich und stolzierte w\u00fcrdevoll hin\u00fcber zur T\u00fcr. Die beiden M\u00e4dchen hatten sich leise aus Manj\u00e9vs Kemenate entfernt und die kleine Bibliothek aufgesucht. Dieser Raum lag zum Burghof hin und war meist menschenleer. Von Manj\u00e9vs Zimmer aus h\u00e4tten sie nicht einen so guten Blick gehabt.<\/p>\n<p data-p-id=\"d334eb40eef3ced529eac11a2b07b3cc\">Die <em>teirandanja<\/em> zog die T\u00fcr auf, stutzte und schob sie dann vorsichtig gleich wieder zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"5c465238c7f8b3e973a6da6b12a5b981\">\u201eWas ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb32a717f260e4e0c509ddfcc9b6502f\">\u201eSie kommen gerade die Treppe herauf, alle zusammen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"47f5519e8371f46ef008f6cb77d4b671\">\u201eOh weh!&#8221; T\u00edjnje trippelte heran, folgte dem Beispiel ihrer Herrin und legte das Ohr an die T\u00fcr. Sie h\u00f6rten die M\u00e4nner reden, offenbar hatten sich auch <em>yarl<\/em> Altabete und <em>yarl<\/em> Grootplen dazu gesellt. Die M\u00e4dchen verstanden keine Worte, aber sie kannten die Stimmen.<\/p>\n<p data-p-id=\"91bde830d23c21e5ee9983daebc0844f\">Ungl\u00fccklicherweise schienen die M\u00e4nner ganz in der N\u00e4he stehen geblieben zu sein, um sich zu unterhalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"f3d266d6f1852869f773e356d0b973cd\">Manj\u00e9v runzelte \u00e4rgerlich die Stirn. Das passte ihr nicht in ihren Plan. Sie mussten unbedingt zur\u00fcck in der Kemenate sein, bevor die Mutter, die im Audienzgemach wartete, nach ihnen schickte. Wenn der Vater sie hier herumlaufen sah, w\u00fcrde offenbar, dass sie schon wieder die arme <em>opayra<\/em> hereingelegt hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"542dd1ad4ddb15b42c89eda9fcb4156a\">Ein Rascheln und eine Bewegung am Fenster lenkte die M\u00e4dchen ab. Ein gro\u00dfer Vogel, ein Rabe mit gl\u00e4nzendem Gefieder, war auf der Fensterbank gelandet.<\/p>\n<p data-p-id=\"af809c39aa44f53087d13e0b3db25c26\">\u201eAch nein! Warum hast du das Fenster denn offen gelassen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a5fdd21149a33619e365d1e18b3fceb\">\u201eIch komme doch nicht an den Riegel heran.&#8221; Das kleine M\u00e4dchen schaute \u00e4ngstlich zu dem Vogel hin. Raben waren nichts Ungew\u00f6hnliches, oft kreisten welche um den Turm, aber dass einer so dreist war, auf einer Fensterbank zu landen, war seltsam. Aus der N\u00e4he und im Vergleich zu den Kindern erschien der Vogel be\u00e4ngstigend gro\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"df0a006ebe016dd7a0db3f3416d80801\">\u201eFlieg weg, du schwarzer Vogel!&#8221; Manj\u00e9v ging furchtlos auf das beeindruckende Tier zu. \u201eVerschwinde! Hier gibt es nichts f\u00fcr dich!&#8221; Nachdr\u00fccklich klatschte sie in die H\u00e4nde, um den Raben zu verscheuchen. \u201eKusch dich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"14b3c582c9034361014106b832f7458e\">\u201ePst!&#8221;, zischte T\u00edjnje, die sich einerseits sichtlich vor dem Gesch\u00f6pf mit dem kr\u00e4ftigen Schnabel f\u00fcrchtete und andererseits verstanden hatte, dass der Weg nach drau\u00dfen versperrt war. \u201eDie h\u00f6ren uns sonst!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3995146ea81df2eb7cfae523b416da99\">\u201eUnd wenn der Vogel hier reinkommt und wom\u00f6glich noch die B\u00fccher und Papiere aus den Regalen wirft und verdreckt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"424a2fba29b11ebb334d301e08084e27\">\u201eDann nimm doch ein Pergament. Das macht Mama immer, wenn eine Fliege im Raum ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"be04767b53f1b1ee2100f297960acc0b\">Manj\u00e9v schaute die Kleine begriffstutzig an. T\u00edjnje seufzte, entdeckte dann im Regal neben der T\u00fcr einen Stapel Pergamentrollen und zog eine davon hervor, um sie der <em>teirandanja<\/em> als Schlagwerkzeug zu reichen. Da sie allerdings nicht an die Spitze des Stapels heranreichte, brachte sie dabei einige andere Papiere zu Fall. Manj\u00e9v griff im Reflex zu und fing schnell auf, was sie zu packen bekam. Gerade noch gelang es ihr zu verhindern, dass alles ins Rutschen kam.<\/p>\n<p data-p-id=\"849872dd3814685d6dac2714e0ef36b4\">\u201eSei doch vorsichtig!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3303614016741289672c1047176755d7\">\u201eEs war deine Idee!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b05573305bb5a0c3b6d7255e44f421f2\">\u201eSo viel zu verheerten Regalen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e3ca02c3edca0227f3295fffbc67ea12\">Die M\u00e4dchen zuckten zusammen und schauten sich um. Wo gerade noch der Rabe gewesen war, sa\u00df nun ein schwarzgewandeter Mann mit einem breitkrempigen Hut im Fenster. Sein Gesicht war in dessen Schatten schwer zu erkennen, aber er schien die kleinen M\u00e4dchen interessiert zu mustern.<\/p>\n<p data-p-id=\"e81a99d788f13c3b5e74024e7ba47553\">T\u00edjnje stie\u00df erschrocken einen spitzen Schrei aus. Manj\u00e9v wich einen Schritt zur\u00fcck und versuchte dann, die T\u00fcr aufzurei\u00dfen. Aber so sehr sie an der Klinke zerrte, bewegte die T\u00fcr sich um keinen Deut.<\/p>\n<p data-p-id=\"07d45b6951e219b7254c5a34f7e364fe\">Der Mann lachte leise, schwang seine Beine in den Raum, erhob sich und schritt ohne Eile auf die Kinder zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"6942335804e5813e54e5457e4f795b12\">Manj\u00e9v starrte ihm entsetzt entgegen, schnappte dann das kleine M\u00e4dchen, schob es hinter ihren R\u00fccken und breitete die Arme aus. Die Pergamentrolle hielt sie zur Abwehr erhoben.<\/p>\n<p data-p-id=\"5b599864040b0e59ccfcf69cf0997d48\">\u201eZur\u00fcck!&#8221;, rief sie erschrocken. \u201eLass uns in Ruhe! Ich rufe die Wachen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"01b21d13862e64e893067e1df04207b8\">\u201eAusgezeichnet&#8221;, sagte der Eindringling am\u00fcsiert.<\/p>\n<p data-p-id=\"8b68c0bd4001b26f140913fba44bf7e8\">Die <em>teirandanja<\/em> setzte dazu an, nach den Rittern vor der T\u00fcr zu schreien, stutzte aber und besann sich. Sie lie\u00df das Pergament in ihrer Hand sinken.<\/p>\n<p data-p-id=\"661563964f4ce5c19b4faaa6d9e59584\">\u201eAusgezeichnet? Was denn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"524ee77b5710176ec38a346e469fca32\">\u201eNun, Majest\u00e4t, ihr habt Euch ohne zu z\u00f6gern sch\u00fctzend vor Eure junge Schutzbefohlene gestellt, wie es Eure Aufgabe ist. Aber habt keine Angst. Ich will euch nichts zuleide tun.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e0bd369025b8908c026a0549cb076c41\">Er stand nun dicht vor den Kindern und lie\u00df sich auf ein Knie sinken. Es wirkte allerdings nicht wie eine Ehrbekundung, sondern als wolle er mit ihnen auf Augenh\u00f6he sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"0ddd0d3d377c65a235c43739368cbb77\">\u201eIch bin Meister Yalomiro Lagoscyre. Ihr seid im Bilde, dass Eure Eltern nach mir schickten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"137bd2b3fdea909bc8370ed02b428b92\">Manj\u00e9v runzelte skeptisch die Stirn. \u201eIhr seid der gute Magier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a6447a5c419f07dbc7c3e31bb7f285b3\">\u201eSagen wir, ich bin ein Magier. \u00dcber das andere ma\u00dfe ich mir kein Urteil an.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"145c4e4605ac30e2c98026cc117b8721\">\u201eOh!&#8221; T\u00edjnje schaute lugte neugierig hinter Manj\u00e9vs R\u00fccken hervor. \u201eIst mein Papa zur\u00fcck?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1019c7213ad082c2e43ee568bb1f9b8d\">\u201eNein, kleine <em>yarlaranja<\/em>. Aber er sollte bereits den Montaz\u00edel erreicht haben. Ich hatte es eilig und bin daher auf Fl\u00fcgeln gekommen. In ein paar Tagen ist auch er wieder hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f22f0674e697fa0209feaf5d283e1a18\">T\u00edjnje schaute einen Moment entt\u00e4uscht drein, kam aber wieder nach vorn an Manj\u00e9vs Seite.<\/p>\n<p data-p-id=\"e87827aa1041277aebffb78a906dd969\">\u201eNun gut&#8221;, sagte die <em>teirandanja<\/em>. Dann besann sie sich und verneigte sich so h\u00f6flich vor ihm, wie es sich f\u00fcr ein Kind schickte, das einen Erwachsenen begr\u00fc\u00dfte. \u201eIch h\u00f6rte von Euch. Aber warum kommt Ihr nicht durch das Tor herein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fcf29a39b8cdc5dc602ca343ec32239d\">\u201eMajest\u00e4t, es ist f\u00fcr meinesgleichen der schicklichste Weg, in Heimlichkeit zu erscheinen. Es ist nicht n\u00f6tig, dass jemand vor Eurer Mutter und Eurem Vater von meinem Dasein erf\u00e4hrt. Ich nahm an, dieses Zimmer eigne sich daf\u00fcr. Es war nicht meine Absicht, Euch zu erschrecken, aber dann dachte ich, die Gelegenheit sei g\u00fcnstig, Euch zu begr\u00fc\u00dfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"63d21851a5c08a95b49269acba5b896b\">\u201eIch verstehe&#8221;, sagte Manj\u00e9v verst\u00e4ndnislos.<\/p>\n<p data-p-id=\"cb6c21a74943d87647a5f2840ecf9963\">\u201eWenn ich diese T\u00fcr wieder f\u00fcr Euch entsperre, w\u00e4re es Euch wohl m\u00f6glich, Eurer Mutter im Stillen mitzuteilen, dass ich hier auf sie warte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2abe63ad50ae7627a505adc8bb36779a\">\u201eNur meiner Mutter?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"61e5a3260a44e1eca12ec682ea33863d\">\u201eJa. Ich m\u00f6chte die hochedle Dame unter vier Augen sprechen, bevor ich mich irgendjemand anderem zeige.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e0078e04adadf7799bdb40a62e224bc4\">Manj\u00e9v nickte verwirrt. \u201eIch werde es ihr ausrichten. Aber wir m\u00fcssen warten, bis die Herren aus dem Flur heraus sind.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3008ce4d2b8f4a983e3f2c42810ac926\">\u201eWir d\u00fcrfen n\u00e4mlich nicht hier sein&#8221;, setzte T\u00edjnje zutraulich hinzu. \u201eDie <em>opayra<\/em> schimpft sonst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ea659625d14bbc5a016ed4e42acb2401\">Manj\u00e9v seufzte. Diese Information war ihr vor dem Fremden peinlich. Aber der Schwarzgewandete l\u00e4chelte. \u201eNun, auf ein paar Momente wird es nicht ankommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b4a5fc94abf44b2f80a6944b32ab340a\">Er erhob sich, bevor die <em>teirandanja<\/em> es ihm erlaubt hatte; ein weiteres Zeichen daf\u00fcr, dass er nicht allzu dem\u00fctig vor ihr war. Auf eine sonderbare Weise gefiel Manj\u00e9v das. Der Magier, der so unvermittelt aufgetaucht und gerade noch so sehr erschreckt hatte, \u00fcbte eine ganz wunderliche Anziehungskraft auf sie aus. Seine Gegenwart war &#8230; beruhigend. Wie er da stand und interessiert \u00fcber die B\u00fccher in den Regalen schaute, wirkte er sonderbar vertraut. Sie legte die Pargamentrolle zur\u00fcck ins Regal und wartete.<\/p>\n<p data-p-id=\"d63b78671fd1245629d2e1f46e4e5413\">\u201eDu hast einen sch\u00f6nen Mantel an&#8221;, sagte T\u00edjnje, ohne jeden Respekt. \u201eDer glitzert!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73f7de803d6612072529c1e82a577c52\">\u201eGef\u00e4llt dir das?&#8221;, fragte der Erwachsene. \u201eMagst du Glitzerdinge?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d2720afc35f996f7030e4f8a36806f62\">\u201eOh ja&#8221;, plapperte das kleine M\u00e4dchen. \u201eDas ist so sch\u00f6n anzuschauen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0cf0522eb03882162658a0f4b4878db2\">\u201eDann schau.&#8221; Er hob den Arm, ballte seine Faust und summte zwei, drei T\u00f6ne. Als er die Finger wieder \u00f6ffnete, schwebte ein silbriges Lichtgebilde dar\u00fcber, so filigran wie die federigen Samen der rosafarbenen Aczarat-Blume [- l<em>\u00f6wenzahnartige Pflanze<\/em>]. Er pustete sacht dagegen und lie\u00df es in Tijnjes Richtung schweben. Das kleine M\u00e4dchen staunte mit gro\u00dfen Augen.<\/p>\n<p data-p-id=\"38cd650d28edd73e69d1f34e63fbfd7f\">\u201eWenn du danach greifst, geht es kaputt&#8221;, warnte er. \u201eAber es folgt deiner Fingerspitze. Probier es aus.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06d23210f003146817f965aa12040927\">T\u00edjnje streckte zaghaft ihren kleinen Zeigefinger aus, und das Lichtgebilde schwebte darauf zu und verharrte davor. Tats\u00e4chlich folgte es der Kinderhand. Das kleine M\u00e4dchen lachte entz\u00fcckt und begann, vorsichtig damit zu spielen.<\/p>\n<p data-p-id=\"311eb21178273d1d6186f5d76f874d32\">Manj\u00e9v beobachtete das einen Augenblick lang verwundert. Dann stellte sie fest, dass der Magier sie still ansah.<\/p>\n<p data-p-id=\"37fb9571a37a262f906d83f7fafd9210\">\u201eIst das etwa tats\u00e4chlich ein Spielzeug?&#8221;, fragte sie ihn beeindruckt.<\/p>\n<p data-p-id=\"696665418f1cebefae4dfed07cf3521d\">\u201eDas ist es tats\u00e4chlich. Meine Tochter hatte gro\u00dfe Freude daran, als sie noch j\u00fcnger war. Keine Angst. Eure kleine Gef\u00e4hrtin kann sich damit nicht verletzen. Es wird verl\u00f6schen wie eine Kerze.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"85980a0f2f2caa3a38fa0a6b9f8d01c7\">\u201eWie macht Ihr das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbe2d78f66ba8a2f8c94821987ca411b\">\u201eDas l\u00e4sst sich Unkundigen nicht gut erkl\u00e4ren. Es ist Spielerei.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3761a7d8aa7e2c5424cd45b7bc8d6caa\">\u201eKann Eure Tochter das auch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b9aed7b29c83bd6d3ced02339a73b43\">\u201eWieso fragt Ihr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bfc4b33f64ba750441f76a3586191b3d\">\u201eWeil Ihr sagtet, sie <em>hatte <\/em>Freude daran. Ich dachte, sie habe selbst gelernt, wie es geht, und f\u00e4nde es nicht mehr interessant.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"28bceb1bd499a2f8e4043ecf71dfe08e\">Der Magier betrachtete das M\u00e4dchen unverwandt, antwortete aber nicht. T\u00edjnje war abgelenkt und dirigierte das zerbrechliche Zauberlicht achtsam durch den Raum. Manj\u00e9vs Anwesenheit schien sie g\u00e4nzlich vergessen zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"4e9b7bc8a216ea6b02eba052970fb5c2\">\u201eIhr habt wichtigere Fragen, Majest\u00e4t. Jetzt w\u00e4re die Gelegenheit dazu!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b9119cadb0b6f44c5b67562c1d8cf5f\">Sie z\u00f6gerte. Wenn er auch so freundlich wirkte, immerhin war er einfach so in der Burg aufgetaucht und machte ein Geheimnis daraus. Andererseits: die Mutter vertraute ihm, sonst h\u00e4tte sie nicht nach ihm schicken lassen. Und .. er sprach mit ihr, als sei sie erwachsen. Nat\u00fcrlich, das taten (abgesehen von der <em>opayra<\/em>, die sie offensichtlich immer noch f\u00fcr ein Wiegenkind hielt) die <em>yarlay<\/em> und das Burggesinde auch. Niemand h\u00e4tte sich angema\u00dft, die <em>teirandanja<\/em> von oben herab zu behandeln. Aber bei den Dienstleuten und Schutzbefohlenen war das etwas anderes. Die gaben sich M\u00fche, so zu tun, als sei sie kein Kind und wichen ihr aus, wo sie konnten. Der hier, der unheimliche Eindringling in schwarzen Gew\u00e4ndern, der Spielzeug f\u00fcr Kinder aus Licht machen und sich in einen Raben verwandeln konnte &#8230; der nahm sie <em>ernst<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"93af2c9e567902d38dbaa2148e2cdb39\">\u201eWovor haben meine Eltern solche Angst?&#8221;, fragte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"9a4ef816f72f292fffd1af58bfb41e2f\">\u201eDas darf ich Euch nicht verbindlich beantworten, bevor ich mit Eurer Mutter geredet habe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"20f574eca359a6b7b5d4319ddf854ab3\">\u201eIch verstehe&#8221;, seufzte Manj\u00e9v.<\/p>\n<p data-p-id=\"b0050ba3db7ef43bcffa89a13885ca5e\">\u201eAber ich glaube, sie f\u00fcrchten darum, dass der Frieden in ihrem <em>teirandon<\/em> enden k\u00f6nnte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"05fb2bc616e647814c0908ca42a1767c\">\u201eDer Frieden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"41eec8e2e11fca478f0eb09cfdef0601\">\u201eWisst Ihr, was Krieg ist, Majest\u00e4t?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"97e38475c5321d0f81b75a8717655c13\">Sie schauderte. Sie hatte nicht die Worte, um ihm zu antworten, denn alles, was sie \u00fcber Kriege wusste, war ihr so fern, so unverst\u00e4ndlich. Sie hatte davon reden h\u00f6ren, manchmal das eine oder andere von <em>b\u00e1chorkoray<\/em> aufgeschnappt, wenn sie sich heimlich am sp\u00e4ten Abend in der Halle versteckt hatte, um die Geschichten zu h\u00f6ren, die Erwachsene einander erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p data-p-id=\"fd2471e0662d0434f71c4953f031ff26\">\u201eDas ist&#8221;, erkl\u00e4rte sie unbeholfen, \u201eals wenn <em>yarlay<\/em> miteinander k\u00e4mpfen, aber nicht aus Spa\u00df oder um ein Turnier zu gewinnen, sondern weil sie richtig w\u00fctend aufeinander sind. Wenn sie einander <em>wehtun<\/em> wollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d2cd25191d714d696cc9252ea21a999c\">\u201eIn der Regel&#8221;, sagte der Magier, \u201ebefehlen sie ihren Schutzbefohlenen, dasselbe mit denen des anderen zu tun. Am Ende geraten viele Leute hinter die Tr\u00e4ume, und viele Dinge gehen kaputt. Wer \u00fcbrig ist nimmt das, was der andere nicht mehr braucht. Manchmal sind es Dinge, die andere von vorherein haben wollten. Dann reicht die Wut, es selbst nicht zu haben, um es erreichbar zu machen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8cd637df8b9658ccee07fcd715835201\">\u201eAber was haben denn die Schutzbefohlenen mit der Wut ihres Herrn zu tun? Man kann doch nicht seinen Knechten befehlen, gegen Leute zu k\u00e4mpfen, weil man selbst etwas haben will!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73cc37fa3dac43c56dcb17e8d168c6e6\">\u201eNicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"74facb4e4b8482c0e9bbb7d8c5be858e\">\u201eNein. Ich w\u00fcrde zum Beispiel nie J\u00e1ndris sagen, er solle L\u00e1as verpr\u00fcgeln.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d6121f96885d12b129383850935dbb1b\">\u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte geben, dass Ihr niemals solche Weisungen erteilen m\u00fcsst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ad166c0f948a7b7d67deb3be0e82f8a\">\u201eGanz bestimmt nicht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"28d86d67a6d75815ef9c47840b92a829\">\u201eWisst ihr, warum Ihr Euch etwas so ungeheuerliches nicht recht vorstellen k\u00f6nnt, Majest\u00e4t?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f8984e45566d29d1e1cfdca47fbb7333\">\u201eNein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb2fdd1623482f7586cd25cdee57e988\">\u201eWeil niemand es wagen w\u00fcrde, Eure <em>yarlay<\/em> herauszufordern. Weil weise und verst\u00e4ndige Menschen \u00fcber Generationen nach Wegen gesucht haben, die Verheerung enden zu lassen. Lasst Euch einmal von einem der Herren \u00fcber das Wesen seines Amtes aufkl\u00e4ren und duldet nicht, wenn er Euch dabei ausweicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a852740f4ef4bf8bcddf5bab1ddc0e50\">\u201eAber wer k\u00f6nnte denn w\u00fctend auf unsere <em>yarlay<\/em> sein?&#8221;, fragte Manj\u00e9v leise, w\u00e4hrend T\u00edjnje ganz versunken in ihr Spiel war.<\/p>\n<p data-p-id=\"08d6e405bdcb1ae4e1cff5094a2eb117\">\u201eVielleicht niemand, Majest\u00e4t. Aber ich bin sicher, Eure Eltern m\u00f6chten nicht, dass eines Tages jemand seine Wut &#8230; ausprobiert. Und ganz sicher wollen sie auch nicht, dass ausgerechnet ich Eurem Vater diese Geschichten vorwegnehme. Habe ich Euch jetzt Angst gemacht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b617502fd917a753eb0ca596216563a\">Sie nickte, w\u00e4hrend ihre Gedanken umher st\u00fcrzten wie die Baukl\u00f6tze, mit denen T\u00edjnje manchmal noch spielte. Niemals hatte sie dar\u00fcber nachgedacht, dass ihre beh\u00fctete Welt in Bedr\u00e4ngnis geraten k\u00f6nnte. \u201eEin wenig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"50022301941d569497e1b6df56fe47b0\">\u201eSehr gut.&#8221; Er l\u00e4chelte. \u201eSomit werdet Ihr achtsam sein und Euch nicht \u00fcberraschen lassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"00c9aa9ae11576ac3b4b781a7a179f98\">\u201eIch will nicht, dass Leute b\u00f6se aufeinander sind und alles zerschlagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9312bd86e0ee2153d36ee7b7f18cd16b\">\u201eMajest\u00e4t, wahrscheinlich m\u00fcsst ihr Euch nicht f\u00fcrchten, nicht vor denen, die redlich sind und sich an die Schw\u00fcre halten, die die Unkundigen einander vor weit mehr als hundert Sommern gegeben haben. Auf die anderen &#8230; nun, ich verspreche Euch, ich werde ein Auge darauf behalten, was kommen k\u00f6nnte. Beruhigt Euch das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2ca82200d792138c953d57207ac1189a\">\u201eSo wie ein <em>yarl<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cee0ed40778349e744c9dbc5301604ee\">\u201eNein. Meinesgleichen taugt nicht zum Dienstmann. Ihr werdet mir niemals etwas befehlen k\u00f6nnen wie Euren Rittern. Sagen wir daher &#8230; wie ein Freund. M\u00f6gt Ihr mir eine Freundin sein, Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor? Es mag sein, dass sich Eure Wege, die meiner Familie und die meinen \u00f6fter kreuzen, als Ihr es heute denken m\u00f6gt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"afac2d80521f8a5f6157ae74ef85aa0b\">Sie nickte ihm vorsichtig zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"1eda8e5b40d8ee82e50df8c7006d1280\">\u201eErlaubt Ihr mir dann wohl eine kleine Verwegenheit? Nichts, was Ihr Euren Eltern und Freunden nicht t\u00e4glich ebenfalls verg\u00f6nnt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aa0548d5a998e0ccc3be41bff01392f3\">Sie runzelte fragend die Stirn. Er kniete sich erneut vor sie hin.<\/p>\n<p data-p-id=\"ebfbd170295710a1ea104ab68e78ecbe\">\u201eLasst mich bitte in Eure Augen schauen. Falls Euch das Unbehagen bereitet, weil ihr seltsame Geschichten \u00fcber den Blick eines Schattens\u00e4ngers geh\u00f6rt habt: Euch kann nichts geschehen, solange Ihr ein Kind seid. Ihr werdet nichts sp\u00fcren. Ich muss Euch nur warnen: Meine Augenfarbe ist etwas sonderbar.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a77e9a034e4889cd91ace752a709b6c\">Sie l\u00e4chelte erleichtert. \u201eZeigt her. Das will ich sehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd6131f28310c7ca626f96d9abee2783\">Er schob sich den Hut aus der Stirn. Seine Augen waren dunkel und glitzerten silbrig wie das magische Spielzeug, hinter dem T\u00edjnje and\u00e4chtig um sie und ihn herumging. Manj\u00e9v stutzte, aber sie tat \u00fcberlegen, als sei das etwas, das sie nicht verwunderte.<\/p>\n<p data-p-id=\"bb79fb24fbbf1e27dbaba306f28b4950\">\u201eDarf ich fragen, was Ihr da tut?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"84eadc3ca747bb8022574f84a62264cc\">\u201eNat\u00fcrlich. Ich suche Antworten auf Fragen, die Ihr mir noch nicht mit Worten geben k\u00f6nnt.&#8221; Er schaute sie noch einem Moment l\u00e4nger an und stand dann wieder auf. \u201eIhr seid in vielen Dingen meiner geliebten Tochter sehr \u00e4hnlich, Majest\u00e4t. Beh\u00fctet diese Tugenden wie einen gro\u00dfen Schatz und lasst nicht zu, dass er verdorben wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e977ec9bd7e7f19ce4d19cf0ab13e719\">\u201eIch &#8230; nun, ich bin nicht immer artig und gehorsam&#8221;, gab sie zu. \u201eAber ich will immer den M\u00e4chten gef\u00e4llig sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"da6ea811aae295a91ae953cc80fce517\">\u201eGut. Dann sagt mir nun, ob diese T\u00fcr immer noch blockiert ist, weil die Herren dort Wurzeln geschlagen haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a34215d5e7b558f7a685e404f300b34d\">Manj\u00e9v wendete sich ab und dr\u00fcckte vorsichtig auf die Klinke. Die T\u00fcr lie\u00df sich \u00f6ffnen wie immer. Die <em>teirandanja<\/em> lugte auf den Gang hinaus.<\/p>\n<p data-p-id=\"3c5b91935a631f70004e0e0197591eb3\">\u201eDie Luft ist wieder rein&#8221;, verk\u00fcndete sie dann, aber als sie sich wieder umdrehte, sah sie T\u00edjnje, die verdutzt und entt\u00e4uscht ihren Finger anstarrte. Das Lichtgebilde war ebenso fort wie der Magier. Stattdessen sa\u00df nun wieder der Rabe am Fenster.<\/p>\n<p data-p-id=\"748a9a007df81b08668499e7a2d92c00\">Auf dem Hof schien ein neuer Besucher eingetroffen zu sein, Stimmen klangen und der Tritt mehrerer Pferde.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca8349fb5cdfcbf55daa3c8c9755b211\">Die <em>teirandanja<\/em> ging hin\u00fcber und schaute hinaus. T\u00edjnje besann sich, sch\u00fcttete sich, als sei sie gerade aufgewacht und lief rasch ebenfalls hin.<\/p>\n<p data-p-id=\"f04b5a299cb507bfd29b6ddc7cf64c3c\">\u201eDas ist <em>yarl<\/em> Emberbey&#8221;, sagte Manj\u00e9v.<\/p>\n<p data-p-id=\"98bfc913591d797e13be5a58f3dca384\">\u201eDen mag ich nicht&#8221;, vertraute T\u00edjnje dem Raben zutraulich an. Dass der unheimliche Besucher nach Belieben zum Tier werden konnte, nahm die Kleine ohne Verwundern hin. Das war in M\u00e4rchen eben so. \u201eDer guckt immer so b\u00f6se.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"550a659b7260ddcad9430ba4992755de\">\u201eDer ist nicht <em>b\u00f6se<\/em>, T\u00edjnje. Der ist nur nicht so freundlich wie dein Papa. Ich glaube, er findet Kinder anstrengend.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"76ada2b6db35f58bd7be2fc8240a7554\">Die M\u00e4dchen schauten zu, wie der alte <em>yarl<\/em> von Asga\u00fd von Spagor begr\u00fc\u00dft wurde. Der <em>teirand<\/em> rannte eilig zu den Pferden hin\u00fcber. Es sah fast aus, als wolle er dem betagten Ritter beim Absteigen behilflich sein oder zumindest schnell zugreifen k\u00f6nnen, falls er strauchelte. Aber Alsg\u00f6r Emberbey schaffte es allein, wenn auch bedacht auf die F\u00fc\u00dfe. Dann umarmten sich der Monarch und sein Dienstmann.<\/p>\n<p data-p-id=\"6553138782e1b930ab0100db1c015cd0\">Der Junge, der ungelenk auf einem struppigen gescheckten Pferdchen sa\u00df, kletterte wesentlich ungeschickter aus dem Sattel. Ganz offensichtlich war er kein erfahrener Reiter.<\/p>\n<p data-p-id=\"01d6bbff6776f7b2351c517bcb5b6d85\">\u201eIst <em>das<\/em> etwa der Sohn von Herrn Alsg\u00f6r?&#8221;, fragte T\u00edjnje gedehnt.<\/p>\n<p data-p-id=\"054af4ec2e2e65b2f957e155ae702111\">\u201eSieht so aus.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"702eb8263925e68ab0466564084c476d\">\u201eWas hat der denn da im Gesicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8ef992de350fe4439f165350a9fbeb65\">\u201eIch glaube, das ist sowas wie ein Teleskop, nur viel kleiner. Damit kann er Sachen sehen, die weit weg sind.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"322e4a4ef2684548d7a790e2760f5de8\">\u201eDas ist aber komisch&#8221;, kicherte das kleine M\u00e4dchen. \u201eDas muss doch dr\u00fccken auf der Nase.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"70cd40531d13b89fd28af72c55c3f71f\">Der Rabe streckte er den Schnabel vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"55db465bd49c8300909f63c450b54b41\">\u201eEr sieht so ernst und traurig aus&#8221;, sagte die <em>teirandanja<\/em> befremdet. \u201eUnd wie gro\u00df und d\u00fcnn er ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"35c62a462b3a4e13b81c80f40d984aca\">T\u00edjnje betrachtete den fremden Jungen kritisch. Der war zwischenzeitlich auf den Vogel und die beiden M\u00e4dchen aufmerksam geworden. Rasch zogen die beiden die K\u00f6pfe wieder ein.<\/p>\n<p data-p-id=\"e287277a1ed62f73718cd6760135b699\">\u201eJedenfalls&#8221;, f\u00fcgte das kleine M\u00e4dchen hinzu, \u201esieht er netter aus als Herr Alsg\u00f6r. Aber L\u00e1as wirft ihn sofort um, wenn sie miteinander raufen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd720c177a1664da4d32773a32d7f982\">Der Rabe flatterte zur\u00fcck ins Zimmer und auf das Schreibpult an der Wand. Auffordernd schaute er zur T\u00fcr. Manj\u00e9v begriff und fasste die Spielgef\u00e4hrtin bei der Hand. \u201eKomm! Bevor sie die Treppe herauf kommen. Wir m\u00fcssen schnell zu meiner Mama.&#8221; Und an den Raben gewandt, f\u00fcgte sie hinzu: \u201eIch schicke sie her. Sie kommt, so schnell, wie sie kann. Fliegt nicht weg! Ich habe noch so viele Fragen.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2435","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2435","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2435"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2435\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3759,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2435\/revisions\/3759"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2435"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2435"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2435"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}