{"id":2434,"date":"2025-08-25T11:47:38","date_gmt":"2025-08-25T09:47:38","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2434"},"modified":"2025-09-01T09:03:49","modified_gmt":"2025-09-01T07:03:49","slug":"018-von-strategie-und-murmelspiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/018-von-strategie-und-murmelspiel\/","title":{"rendered":"018: Von Strategie und Murmelspiel"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"5b18f7048c32206dfb53cd9d2fbcfbe0\">Advon Ir\u00edsolor tat etwas, das er eigentlich schon seit langer Zeit aufgegeben hatte. Der Moment daf\u00fcr erschien ihm g\u00fcnstig: Sileda\u00fa war seit tags zuvor nicht im Ciel\u00e1stel aufgetaucht und er hatte den ganze Zeit mit seiner Mutter zusammen verbracht. Sie waren in den G\u00e4rten spazieren gewesen, sie hatte mit ihm gelacht und gescherzt und hatte ihm neue Lieder gesungen. Die Zeit war verflogen, er hatte es an den Gongschl\u00e4gen geh\u00f6rt, die von Aur\u00f3p\u00e9a hin\u00fcber klangen. Die Nacht hatte er in Elos\u00e1ls Gemach verbracht, sie hatten so viel und so lange geredet, wie seit Ewigkeiten nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"3fb3c8a7afc947e0417ba675bbbabe29\">Dann hatte er es gewagt, nach seinem Vater zu fragen. Sie hatte versucht, ihn zu beschwichtigen, zu erkl\u00e4ren, dass er mit einer wichtigen Bewandtnis befasst war und bald wieder zur\u00fcck w\u00e4re.<\/p>\n<p data-p-id=\"b90368f61fd478d7e1bb86e794e7c46b\">Ob der Vater wohl wieder einmal mit ihm in die W\u00fcste ritte, hatte Advon gefragt. Er sehnte sich nach der N\u00e4he seines Vaters ebenso, wie er die seiner Mutter vermisst hatte und bef\u00fcrchtete instinktiv, dazu sei es nur gekommen, weil einer der beiden Patagh\u00edus Heiligtum verlassen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"460c77a6fc2af36769cae64fe759065e\">Sie wolle daf\u00fcr sorgen, dass er es t\u00e4te, hatte die <em>faj\u00eda<\/em> versprochen. Advon hatte gesp\u00fcrt, dass sie es dem Vater ver\u00fcbelte, dass der sie nicht in die Hintergr\u00fcnde seines Alleingangs eingeweiht hatte, aber ihm deswegen keine Vorw\u00fcrfe machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"5c6f5a82ccd54f1734347a322fc1d4ad\">Sileda\u00fa blieb verschwunden. Elos\u00e1l erkundigte sich mehrfach danach, ob jemand sie gesehen hatte, aber keiner der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> oder einer der wenigen Unkundigen im Ciel\u00e1stel hatte die Alte bemerkt. Niemand schien dar\u00fcber ungl\u00fccklich zu sein, aber Elos\u00e1l schien befremdet.<\/p>\n<p data-p-id=\"d353f063036d8353a38143c882aef57d\">Nachdem die Alte bis zum Mittag nicht zur\u00fcckgekehrt war, ging Advon davon aus, dass es auch an diesem wunderbaren, sonnigen Tag nichts werden w\u00fcrde mit dem langweiligen Unterricht. Also hatte er sich in die Halle begeben, inmitten den Glanz und das bunte Funkeln von Kristall und Perlmutt und sa\u00df dort nun auf den Stufen, die zum Thron der <em>faj\u00eda<\/em>, seiner Mutter hinauf f\u00fchrten. Das Sonnenlicht des hellen Tages drang durch die Dachfenster, die mit unz\u00e4hligen Prismen besetzt waren und, in herrliche Regenb\u00f6gen geordnet, kreuz und quer bunte Muster auf den wei\u00dfen Steinboden malte.<\/p>\n<p data-p-id=\"90d8ca730ef9fdc4503a4ab683529277\">Eine Handvoll Murmeln hatte Advon im Kreis vor sich ausgelegt, sieben St\u00fcck, so geschickt platziert, dass von den wei\u00dfen Marmork\u00fcgelchen jedes eine andere Farbe einfing.<\/p>\n<p data-p-id=\"5aff3f34da438b280d17176064d96e76\">Advon sa\u00df still davor und konzentrierte sich. Solange ihm niemand zuschaute, wollte er es wagen. Er war \u00fcberzeugt, heute w\u00fcrde es ihm gelingen. Eine so gro\u00dfe Freude w\u00fcrde er der Mutter und dem Vater damit machen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d3a78b704320c6a1cc377fa99deca87\"><em>Kommt, <\/em>dachte Advon. <em>Ich will, dass ihr kommt. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6cf537544806631748105c155cf4af3b\">Das war das wesentliche Geheimnis der einfachen Magie der <em>arcavala&#8217;ay<\/em>, so hatten sie es ihm bei unz\u00e4hligen Gelegenheiten erkl\u00e4rt, als er noch ein ganz kleines Kind war, bevor Sileda\u00fa aufgetaucht war. Sie hatten den Eindruck vermittelt, dass es buchst\u00e4blich ein Kinderspiel war.<\/p>\n<p data-p-id=\"60d16cd9cd814bd08ce8a5419203687c\">Ein Spiel, f\u00fcr das er offenbar zu ungeschickt war. Nun, wenn er nur lange genug \u00fcben w\u00fcrde &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"4c57ae636c78b3942a8ee385d6031c48\"><em>Kommt! Ordnet euch! Bringt die Farben mit!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8905491a3f9b3e5ed70e59e10ed37c43\">Er runzelte angestrengt die Stirn und sammelte seinen Willen, seine Vorstellungskraft, fokussierte alles auf seine Murmeln. Aber die blieben still liegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"570aea43f291298fd188f1bac025143e\"><em>Ordnet euch, <\/em>dachte er. <em>In eine Reihe!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6f047ebcb05cd38bc726360f19b645c6\">Die v\u00f6llige Stille der Halle rauschte in seinen Ohren. Umso deutlicher und klarer h\u00f6rte er seine eigenen Gedanken in seinem Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"abca2c0160f75e100ee84f7364f6b116\"><em>Bewegt euch! Wenigstens das!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"362f5d99ffd0b7d1586bd54d7cfc7336\">Aber die Murmeln ignorierten seinen bescheidenen Wunsch. Advon konzentrierte sich so fest, dass es fast weh tat.<\/p>\n<p data-p-id=\"5c7563b8f35eb4c6ed05919d0de6af58\"><em>Eine! Wenigstens eine nur! Nur einen Fingerbreit!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e566f26c300b2d87d8e9e68714da7cfd\">Er versuchte es verbissen eine ganze Weile l\u00e4nger. Dann entwich ihm ein ersch\u00f6pftes Seufzen. Frustriert sank der Junge in sich zusammen und vergrub das Gesicht in den H\u00e4nden. Einen Moment lang konnte er sich noch beherrschen. Dann begann er, zu schluchzen und schlie\u00dflich zu weinen. Dar\u00fcber bemerkte er nicht, dass er nicht mehr allein war.<\/p>\n<p data-p-id=\"ea5658815df18a4877ca052ee8c4d87d\">\u201eHier bist du!&#8221;, schnappte Sileda\u00fa erbost und eilte mit so langen Schritten auf ihn zu, wie man es einer so alten Frau nicht h\u00e4tte zutrauen sollen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b7d533c5be3506b4e05ace96ac5659d8\">Advon schrak hoch. \u201eVorsicht!&#8221;, konnte er gerade noch rufen, da war sie bereits auf die im bunten Farbenschein am Boden verborgenen Murmeln getreten und darauf ausgeglitten. Sileda\u00fa strauchelte, grabschte noch sinnlos in die Luft und schlug dann mit einem heftigen Aufprall auf den glatten Steinboden auf. Um Haaresbreite verfehlte sie die Stufen und blieb dann reglos liegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8e2d1790d8bfae41c54a9dda1d3dd5a5\">Der Junge sa\u00df erstarrt und starrte die alte Frau zu seinen F\u00fc\u00dfen entsetzt an. War sie tot? Hatte sie sich etwas gebrochen? Bei den M\u00e4chten, dass alte Leute schwache Knochen hatten und sich viel zu leicht verletzten, wenn sie st\u00fcrzten, war ihm bekannt.<\/p>\n<p data-p-id=\"c1146a5e5c0470b78c28bc1ff9a47fef\">Doch Sileda\u00fa war nicht ernsthaft beschadet. Sie gab einen w\u00fctenden Schmerzenslaut von sich und versuchte, sich aufzurappeln. Der Junge sprang auf, um ihr zu helfen, aber sie wehrte ihn unwillig mit den H\u00e4nden fuchtelnd ab. \u201eBleib mir vom Leib!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"27c08b65fe6273295908860402479184\">\u201eKannst du denn aufstehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a10666a7c33a4d3761388897161514ac\">Sie schnaubte und stemmte sich mit beachtlicher Kraft vom Boden hoch. Dort blieb sie sitzen und starrte Advon w\u00fctend an.<\/p>\n<p data-p-id=\"487675325f3d1ba789f7db0b34cc05f0\">\u201eDu unn\u00fctzer Bengel!&#8221;, keifte sie. \u201eWas treibst du hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b3889e8cf64d5e8456a31a0b81f71600\">\u201eIch hab &#8230; ge\u00fcbt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"93d836fd87d03f4a9701353ac6d82e34\">\u201eGe\u00fcbt? Hiermit?&#8221; Ihre spinnenartigen Finger hoben eine Murmel auf und schleuderten sie w\u00fctend in seine Richtung. \u201eKindisches Zeug! Was entehrst du Pataghi\u00fas Halle mit Spielzeug?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b88ab1dd37306b0d7bf96435169ed9d\">\u201eIch &#8230; ich dachte, Patagh\u00edu hilft mir vielleicht&#8221;, bekannte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"c22432caac0fbc35bef173430deca702\">\u201eWobei?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0298e44e483586d2092becd3e36df39\">Advon schaute schweigend zu Boden. Er wollte sich nicht noch l\u00e4cherlicher machen, als es ohnehin schon der Fall war.<\/p>\n<p data-p-id=\"49af578b071318ad1f60a07dd8682860\">\u201eUnd was hast du in meiner Stube gemacht? Alles voller Wachs! Die Tafel ruiniert! Soll ich das etwa wegwischen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f04169d41cecfb9aa3d51ff774d1e4ab\">Ihr Gezeter erregte die Aufmerksamkeit der anderen. Der gr\u00fcne und der violette Regenbogenritter kamen herbei, blieben aber in der N\u00e4he des Portals stehen, wohl um abzuw\u00e4gen, was am besten zu tun sei. Elos\u00e1l schritt an ihnen vorbei und auf die am Boden sitzende Alte zu. Hilfreich streckte sie die Hand aus, aber auch diese verschm\u00e4hte die aufgebrachte Greisin.<\/p>\n<p data-p-id=\"2e81427c76cbe7cc1622b17d3ddfd95d\">\u201eWas ist hier geschehen?&#8221;, erkundigte die <em>faj\u00eda<\/em> sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"fedcd7c3bf4a50d883415f6d1b29b850\">\u201eDein ungeratenes Balg will, dass ich mir den Hals breche!&#8221;, schnappte Sileda\u00fa und hielt Elos\u00e1l anklagend eine zweite Murmel hin.<\/p>\n<p data-p-id=\"1242b2c7ef22ac96c47ff01520be5c37\">\u201eAdvon, das hier ist kein geeigneter Ort zum Murmelspiel&#8221;, sagte Elos\u00e1l sanft und mit einem fl\u00fcchtigen Ausdruck unangemessener Schadenfreude in ihrem edlen Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"67bc834ded4aeddc9fe68ef8f0890ffe\">\u201eIch hab nicht gespielt. Ich wollte &#8230; \u00fcben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"92991d73354252dea3cd8a1259bb271c\">\u201e\u00dcben? Was f\u00fcr eine Dreistigkeit! Meine Tafel hat er ruiniert! Wahrscheinlich hat er mit einer Kerze so lange herum gez\u00fcndelt, bis alles geschmolzen ist. Mit Feuer in einem Raum voller Papier! Es ist eine Ungeheuerlichkeit! Es &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"02131b2b9b396f78ad9957c8b23fcef2\">\u201eIch war das&#8221;, sagte Elos\u00e1l k\u00fchl.<\/p>\n<p data-p-id=\"fbd4a3b903e1b9be874e95abcf449444\">Die Alte unterbrach sich irritiert und blickte ungl\u00e4ubig in Elsos\u00e1ls goldene Augen. \u201eWas? Warum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2bbd388d832ef39d6be44001e6fe94b6\">\u201eWo hast du diese Magie gefunden?&#8221;, fragte die <em>faj\u00eda<\/em>. \u201eUnd wieso hast du sie an diesen Ort gebracht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"356b4f861e87b0e30908438add695d59\">\u201eGefunden? Gekauft habe ich das Ding, weil es mir n\u00fctzlich erschien. Ewigkeiten ist das her.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3ef3edee3b49f5292a00d55dcce49219\">\u201eDann wei\u00dft du, was es ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"39d7689a16d1b89ce72afd54224914f4\">\u201eJa, nat\u00fcrlich. Aber es war definitiv harmlos zu benutzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5550ed775e4ee7eb8d803eda9f67003f\">Elos\u00e1l schwieg, als warte sie darauf, dass die Alte weiter spr\u00e4che. Advon blickte \u00fcberrascht zwischen seiner Mutter und der Alten hin und her.<\/p>\n<p data-p-id=\"6b66380cfd40de697a7c880804067a61\">\u201eWer <em>verkauft<\/em> solche Dinge?&#8221;, wollte Elos\u00e1l wissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e75dc07ed8ff2688d9cdc319d601ca3b\">\u201eWer? Nun, Leute die alles m\u00f6gliche Alte zusammentragen, das seinem Besitzer nicht mehr n\u00fctzt. Du w\u00fcrdest staunen, was in Aur\u00f3p\u00e9a noch zu bekommen ist aus &#8230; jenen alten Tagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6b7fb7e3e8a8a2d22f6e4c4ece752c85\">\u201eNun&#8221;, sagte die <em>faj\u00eda<\/em>, \u201efalls sich in deiner Kammer noch mehr davon befinden sollte, so sei es morgen um diese Zeit verschwunden. Solltest du Hilfe beim Tragen ben\u00f6tigen, werden die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> dir sicher helfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"476af4f6906e9decf462f057adaf806d\">Sileda\u00fa verzog unwillig das Gesicht, wagte aber offenbar nicht zu widersprechen. Sie rappelte sich auf und kam schlie\u00dflich ohne fremde Hilfe zum Stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1397286610c6cced333e0320f1b4ecac\">\u201eWo bist du die ganze Zeit gewesen?&#8221;, fragte die <em>faj\u00eda<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"cb045abd606dec4bd8138739f39755cb\">\u201eIch hatte zu tun, nebenan in der Stadt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"58b03e3c26b3fc80dcad9d485b3181cd\">\u201e\u00dcber Nacht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"205e608aaffdacb228d76a8e4c4517c2\">\u201eJa&#8221;, antwortete die Alte, in einem Tonfall, der allen weiteren Fragen einen Riegel vorschob. Aber Elos\u00e1l war nicht zufrieden.<\/p>\n<p data-p-id=\"979074e1532c38243c18517147981486\">\u201eUnd meinen Sohn hast du w\u00e4hrend der ganzen Zeit unbeaufsichtigt gelassen? Was, wenn er sich in den Stall geschlichen und dort Schaden genommen h\u00e4tte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"542d87a98a2f6887609c972d0961af3e\">Advon zuckte zusammen. Warum musste die Mutter die Alte ausgerechnet jetzt an Farbenspiel erinnern?<\/p>\n<p data-p-id=\"7e9af20796a3e6df529bdfa9fce2c899\">\u201eDas h\u00e4tte ich wohl gemerkt&#8221;, brummte Sileda\u00fa.<\/p>\n<p data-p-id=\"1b027ef4c1647db29e41b28b5278d634\">Die <em>faj\u00eda<\/em> wandte sich ihrem Sohn zu. \u201eAdvon, mein Sohn &#8230; sei so gut, nimm deine Murmeln und spiele anderswo damit. Dein Vater wird bald wieder hier sein. Lass uns dann in Ruhe dar\u00fcber reden, <em>was<\/em> du ge\u00fcbt hast und wie du es besser machen kannst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e0cbf25a508f9a9742059dcb88c6dea2\">Er wollte etwas entgegnen, aber etwas an der Art, wie sie es aussprach gab ihm zu erkennen, dass sie ihn nicht in der N\u00e4he wissen wollte, wenn sie weiter mit der alten Frau redete. Zugleich \u00f6ffnete sie ihm einen Weg, dem gef\u00fcrchteten Unterricht in Sildea\u00fas Stube vorerst aus dem Weg zu gehen. Schleunigst raffte er die Marmork\u00fcgelchen zusammen, verneigte sich der H\u00f6flichkeit halber und eilte dann rasch aus dem Saal, ohne sich noch einmal umzusehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d9daef09e173238bc9357bd03886f9f8\">Von der Halle aus, die sich an der Spitze des zentralen und h\u00f6chsten Turms des Ciel\u00e1stel wand sich eine Freitreppe hinab; an der Au\u00dfenseite nur mit einem M\u00e4uerchen gesichert, das etwa auf Knieh\u00f6he eines Erwachsenen verlief. Diese Konstruktion war ein Alptraum f\u00fcr Menschen mit H\u00f6henangst, hatte aber ihren Sinn. Im Bedarfsfall konnten <em>arcaval&#8217;ay<\/em> gleich von hier aus im Flug von den Einh\u00f6rnern auf- und absitzen. Etwa auf halber Turmh\u00f6he spannten sich Br\u00fccken wie Speichen hin\u00fcber zu den sieben Eckt\u00fcrmen an der umlaufenden Mauer. Advon w\u00e4hlte die, die zur Westseite der Burg f\u00fchrte. Von dort konnte er die Weide der Einh\u00f6rner sehen. Eine Weile stand er dort, den Kopf auf die H\u00e4nde gest\u00fctzt und beobachtete die bunten Punkte auf dem gr\u00fcnen Gras. Farbenspiel graste friedlich mit den anderen. Ein paar Steinw\u00fcrfe s\u00fcdlich begann das Gel\u00e4nde zu versanden und m\u00fcndete schlie\u00dflich in die W\u00fcste mit dem strahlend blauen Himmel dar\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"21bc090696de8a5ff9e82265e7f1f9ee\"><em>Ich will<\/em>, dachte Advon sehns\u00fcchtig. <em>Ich <\/em>will<em>!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"84dd0ad109e864065c0cd6b924d34612\">Als der n\u00e4chste Gongschlag von Aur\u00f3p\u00e9a her\u00fcber schallte, sah er Sileda\u00fa den Turm hinabsteigen. Der violette Ritter ging achtsam neben ihr her, vermutlich, um sich schnell st\u00fctzen zu k\u00f6nnen, sollte sie auf den Stufen straucheln. Aber sie ben\u00f6tigte seine Hilfe nicht. Schmerzhaft schwankend, aber energisch stieg die Alte hinab und ging schlie\u00dflich \u00fcber die nach Norden ausgerichtete Br\u00fccke, wo auch der einfachste Zugang zu ihrem B\u00fccherzimmer war. Mit etwas Gl\u00fcck waren lauter verbotene B\u00fccher darin und morgen verschwunden.<\/p>\n<p data-p-id=\"dd678a4bc6418789de10f3deb6e8867a\">Advon grinste und dachte dann dar\u00fcber nach, was seine Mutter gemeint haben konnte, als sie <em>unerw\u00fcnschte<\/em> Magie erw\u00e4hnte. Gekauft hatte Sileda\u00fa die dumme alte Wachstafel also. In Aur\u00f3p\u00e9a. Dass man magische Gegenst\u00e4nde kaufen konnte, besch\u00e4ftigte Advon. Nat\u00fcrlich, warum sollte es sich nicht so f\u00fcgen, dass Unkundige unter irgendwelchen Umst\u00e4nden an magische Dinge gerieten?<\/p>\n<p data-p-id=\"bcb18aaf0cfae680fb0e264d6d9f9aa3\">Allerdings &#8230; wenn Sileda\u00fa es fertig brachte, dass so ein vergessenes magisches Werkzeug tats\u00e4chlich auch funktionierte, dann war das \u00e4u\u00dferst bemerkenswert.<\/p>\n<p data-p-id=\"83a23ad9308be3c0b7b9fd89a016a4a8\">Advon tastete nach den Murmeln in seiner Tasche.<\/p>\n<p data-p-id=\"4fc203c05be258f99a12a7721c03ded2\">Ob er das wohl auch konnte?<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"20c895709378ec3d0c0e2f49aaa7eef1\">Yalomiro Lagoscyre vertrieb sich die Zeit, in der er auf die Ankunft der <em>teiranda<\/em> wartete damit, die kleine Bibliothek in Augenschein zu nehmen. Auch im Eta\u00edmalon hatten die Schattens\u00e4nger \u00fcber die Zeiten hinweg eine Reihe von B\u00fcchern zusammengetragen und nat\u00fcrlich auch selbst eine Unzahl an Werken verfasst, aber dabei handelte es sich fast ausschlie\u00dflich um Schriften mit berichtendem und beschreibendem Inhalt. Im Besitz der <em>teiranday<\/em> von Wijdlant befand sich jedoch auch eine stattliche Anzahl von Romanen und Abenteuergeschichten, Begebenheiten, die der blo\u00dfen Phantasie der Unkundigen entsprungen waren. Yalomiro fragte sich, ob es Salgh\u00edara gefallen w\u00fcrde, solche Dinge zu lesen. Er wusste, dass seine <em>h\u00fdardora<\/em> in ihrem fr\u00fcheren Leben, in jener anderen Welt viele Geschichten geh\u00f6rt hatte. Im Boscarg\u00e9n geschah nicht viel Neues. Vielleicht w\u00fcrde er ihr eine Freude bereiten, indem er sich bei K\u00edan\u00e1 von Wijdlant erkundigte, ob sie ihm ein paar B\u00e4nde ausleihen k\u00f6nne.<\/p>\n<p data-p-id=\"fb4791c1e05c54a057ca0315f0cf2efd\">Vielleicht gab es hier auch auch das eine oder andere Buch mit M\u00e4rchen und Geschichten f\u00fcr Kinder. Er hatte keine Ahnung, welche Art von M\u00e4rchen Unkundige ihren Nachkommen erz\u00e4hlten. Bei denen, die Salgh\u00edara aus ihrer Welt mitgebracht hatte hegte er die Bef\u00fcrchtung, sie k\u00f6nne D\u00fdamiree damit \u00fcberm\u00e4\u00dfig verwirren. Immerhin hatte sogar <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval sich kurz nach ihrem gemeinsamen Aufbruch aus dem Wald ernsthaft erkundet, was es mit der <em>f\u00e1njula<\/em> in dem t\u00fcrlosen Turm auf sich hatte, den ein <em>teirandanjor<\/em> am Haar der Sch\u00f6nen hinauf geklettert war, anstatt sich einfach eine Spitzhacke zu besorgen und ein Loch in die Wand zu schlagen, um sie zu befreien.<\/p>\n<p data-p-id=\"3be9ad79bc3ac1bad047df3c3fc34b57\">Endlich erschien die <em>teiranda<\/em>. Der Magier legte das Buch beiseite, das er gerade in H\u00e4nden hielt, stand auf und verneigte sich h\u00f6flich vor ihr. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant erwiderte den Gru\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"449e31ffe20cf26bfabf44d801c82694\">\u201eIch danke Euch von ganzem Herzen, dass Ihr gekommen seid, Meister. Und es tut mir leid, dass ich Euch so lange habe warten lassen. Mein <em>h\u00fdardor<\/em> und ich mussten zun\u00e4chst den Herren unser Beileid aussprechen. Wir hatten Euch lange nicht so fr\u00fch erwartet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"19f0c7377a4d4bd67ee8ad6917045329\">\u201eWie es scheint, f\u00fcgt es sich gl\u00fccklich, dass ich gerade heute zugleich mit den Herren eingetroffen bin. Es tut meinerseits mir leid, dass ich Herrn J\u00f3ndere daf\u00fcr hinter mir gelassen habe. Ich hatte es eilig, hierher zu kommen. Er sollte unbeschadet ein paar Tage nach mir eintreffen. Ihm kann nichts zusto\u00dfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6fccdd5294f99497fdb0edbae4f72bba\">\u201eIch wei\u00df. Deshalb hatte ich ihn geschickt, nicht einen meiner anderen <em>yarlay<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0da88ab8fc880e3a28199999f5fd15ae\">\u201eUnd warum, Majest\u00e4t, hattet Ihr nun tats\u00e4chlich nach mir geschickt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"563e2f6050c93b8ff5b5cb735bb67db6\">Sie schaute auf. Seine Augen hatte er wieder im Schatten seines Hutes verborgen und wich zugleich sorgf\u00e4ltig ihrem Blick aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"9df10502a84594a50742f06ce74f01b8\">\u201eIch ben\u00f6tige Euren Rat, Meister.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5e1781650ddced4db303ebb2dcedff05\">\u201eEin Rat von meinesgleichen ist nicht unbedingt hilfreich,f\u00fcr unkundige Sorgen, Majest\u00e4t. Das habt Ihr bereits durch den Rotgewandeten am eigenen Leib erfahren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"81a93d11f452e19f5e1843bd886d1048\">\u201eDann m\u00f6chte ich einfach gerade heraus wissen, was ihr davon haltet. Denkt Ihr, es sei Zufall, dass Asg\u00e1ys <em>yarlay<\/em> fast am selben Tag ihre Damen verloren haben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bde269e0947b631be134834cb2a59b6e\">Er setzte sich unaufgefordert. Sie zog sich einen zweiten Stuhl heran. Es traf sich, dass sie nun einander an dem Tisch gegen\u00fcber sa\u00dfen, auf dem ein kostbares Brettspiel mit einem verschlungenen Spielfeld und Figuren aus Kristall stand.<\/p>\n<p data-p-id=\"d9f94dda0a1ce1e08f2ff3d83c3f8bed\">\u201eIhr habt Dinge gesehen, \u00fcber die Ihr mit den M\u00e4nnern um Euch nicht reden k\u00f6nnt&#8221;, stellte er fest. \u201eWeil sie vergessen haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"066185a816a68c065d28f1e059099138\">\u201eJa, weil <em>jemand <\/em>ihnen die Erinnerung genommen hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1880b596d9e6e168dbcdc4df53aec3a\">\u201eWar das nun grausam oder gn\u00e4dig von mir?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ade001c49b520ca75893937f6f936fe8\">Sie l\u00e4chelte bitter. \u201eNun, es erschwert es mir jedenfalls, meiner Angst Worte zu geben. Asga\u00fd denkt wohl, es sei eine Art Sentimentalit\u00e4t und unn\u00fctze Sorgen. Er sorgt sich darum, dass mein Gem\u00fct Schaden genommen hat, als ich vom Ungl\u00fcck der Herren h\u00f6rte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"85fa4b4cbca76ce821d3a391d12673ef\">\u201eEr nimmt es nicht ernst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ad462d7313e169bcd5c3b6af75aae321\">\u201eOh doch. Aber es macht ihn unruhig, mich besorgt zu sehen und meine Gr\u00fcnde daf\u00fcr nicht zu kennen. Den Herren geht es \u00e4hnlich, aber sie sehen etwas viel Banaleres.&#8221; Sie nahm eine der Figuren, die eine <em>teiranda <\/em>darstellte, zur Hand und betrachtete sie unverwandt. \u201eIch denke, sie lassen mir meinen Willen, damit ich mich beruhige. Meister, es w\u00fcrde mich nicht \u00fcberraschen, wenn Asga\u00fd Euch im Geheimen b\u00e4te, etwas f\u00fcr meinen verwirrten Geist zu tun.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a167f98a52edc32de35ebc2831f3e76c\">\u201eEuren <em>h\u00fdardor<\/em> und seine Dienstm\u00e4nner treibt die Sorge, was die Zukunft bringt, wenn man euren \u00f6stlichen <em>yarlmal\u00f3n<\/em> Schw\u00e4che unterstellen wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a80a6877f632842e5e98c46a50574b27\">Sie nickte. \u201eDas ist die Sprache, die die M\u00e4nner verstehen werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"76622f3b2b6b0cf43d66494393b954da\">Er griff seinerseits nach einer der Figuren, dem <em>vend\u00fdr <\/em>[~ Kaufmann]. \u201eMajest\u00e4t, die Gesch\u00e4fte von Unkundigen und die Fragen nach Macht und Loyalit\u00e4t sind Dinge, denen meinesgleichen nicht ohne Grund nach M\u00f6glichkeit fern geblieben ist. Ich bin mit Sicherheit nicht der Richtige, um Euch einen guten strategischen Rat zu geben. Und schon gar nicht, mich auf eine Seite zu schlagen. Ich wei\u00df nicht recht, was Ihr von mir erwartet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"725450ba039a405c30ebd67b01df83f6\">Sie seufzte. \u201eIch erhoffte mir &#8230; ja, vielleicht eine Perspektive. Eine Orientierung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e3b78320e960059f55e621fdf765e0d7\">\u201eWenn Ihr mich als Person fragt: Ich denke nicht, dass es Zufall war.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a4f66e4d83bed041ec2ac644de9fc31\">\u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4d2f57780b67a99893c9b6f82f924f05\">\u201eDas Schicksal Eurer <em>yarlay<\/em>. Und sicher, aus der Sicht eines Unkundigen heraus betrachtet ist es nichts weiter als ein kurioses Zusammentreffen von Ungl\u00fccksf\u00e4llen. Aber wenn es tats\u00e4chlich so sein sollte, dass das Widerwesen erneut das Weltenspiel st\u00f6rt, dann ist es sinnlos, in menschlichen Dimensionen von Zeit und Urs\u00e4chlichkeit zu denken. Alles was heute, morgen oder vor hundert Sommern geschehen ist, kann Teil seiner Strategie sein. Nichts, was sich in Eurer oder meiner Lebensspanne, vielleicht auch mehreren Generationen erfassen oder miteinander in einen Zusammenhang bringen lie\u00dfe.&#8221; Er griff nach dem Buch und legte es quer \u00fcber das Spielbrett, verdeckte einige Felder. \u201eWir sehen nur einen kleinen Teil davon. Und wir stehen mitten darin. Es ist Sterblichen unm\u00f6glich, von au\u00dfen alles zugleich zu beobachten und zu bemerken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"05a51816d694826829bddeb8b04a7027\">\u201eDann habe ich umsonst nach Euch geschickt, und wir k\u00f6nnen nur unser Schicksal abwarten und die M\u00e4chte anflehen, das Weltenspiel zu verteidigen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"13d401f2ca1ee96df4e6b71ea8f266a5\">Er l\u00e4chelte und setzte eine andere Figur, einen Magier aus rosa Stein auf das Buch. \u201eNein. Das, was wir sehen und verstehen k\u00f6nnen, das geht uns etwas an. Vielleicht werden die Dinge nicht mehr in unserer Lebenszeit offenbar, Majest\u00e4t. Aber die, die nach uns kommen, werden unser Werk fortsetzen. Eure Tochter, Majest\u00e4t, ist ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Kind. Ihre Seele ist voller G\u00fcte, Milde und Stolz. Sie wird eine starke, geliebte <em>teiranda<\/em> sein, wenn Sie Euch auf den Thron nachfolgt. Vorausgesetzt, es gelingt niemandem, ihr gutes Wesen zu verderben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"545d8a19efa5cb40ce09d52af75d9d3c\">\u201eDas wird nimmer geschehen!&#8221;, entfuhr es der <em>teiranda<\/em> entsetzt, aber er schwieg, anstatt sie zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0468be0555dae6d01877c10d5ff23e22\">\u201eDavor ist niemand gefeit, Majest\u00e4t. Was das Schicksal am Ende bewirkt, k\u00f6nnen nicht einmal die M\u00e4chte bestimmen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3089a8cd97c248a2cac7a3dca0ec782f\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant seufzte unbehaglich. Er griff nach einer Figur aus gr\u00fcngelbem Stein, die einen stolzen <em>yarl<\/em> darstellte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3aefaa462802d7bc60f3ade7b9edbff5\">\u201eHerr Wa\u00fdreth ist derzeit Eure st\u00e4rkste Figur. Solange er \u00fcber das <em>yarlmal\u00f3n<\/em> Althopian wacht, wird niemand die Frechheit wagen, Anspr\u00fcche auf dieses Gebiet zu erheben. Erz\u00e4hlt mir von seinem Sohn.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e2f5495a9238352516e06040f83835a9\">\u201eIhr k\u00f6nnt Euch selbst ein Bild von ihm machen, Herr Wa\u00fdreth hat Sorgen. Der Junge versprach, ein ausgezeichneter K\u00e4mpfer zu werden, der seinem Vater in allem nacheifert. Der Verlust der Mutter jedoch muss den Knaben v\u00f6llig durcheinander gebracht haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06d3f20effc6edd5a1271028b89a03b9\">\u201eHerr J\u00f3ndere deutete an, der Junge k\u00f6nne einmal der erste unter den Rittern Eurer Tochter werden? S\u00e4het ihr die beiden gern so nahe beieinander?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9ade10391a29c293d811b4abd390049b\">Sie zuckte die Achseln. .<\/p>\n<p data-p-id=\"a2cd8375421dff5c237e5a1d8482d4e1\">\u201eUnd Herr Alsg\u00f6r?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e05e04d542487fad74d1ab204ede3b69\">\u201eEr ist alt. Die M\u00e4chte werden ihm nicht mehr allzu viele Sommer geben. Er &#8230; er erbat sich mit Asga\u00fd ein Gespr\u00e4ch unter vier Augen, morgen fr\u00fch, wenn sie alle sich nach der langen Reise etwas ausgeruht und gesammelt haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"04554b2d747eee23744cf5b397223c51\">\u201eIch sah seinen Sohn ankommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2cfdb5d6cb75ac43fefd192cf5b153d8\">Sie l\u00e4chelte. \u201eAch, der arme Junge. Die M\u00e4chte meinten es nicht gut mit ihm. Wir werden schauen, ob wir ihm irgendetwas Gutes zuteil kommen lassen k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d7127ded2d960f7f597f497cfa0e025f\">\u201eDas klingt, als d\u00e4chtet Ihr \u00fcber ein Almosen nach,&#8221; sagte der Schattens\u00e4nger \u00fcberrascht.<\/p>\n<p data-p-id=\"8713061410446dbfa17117e3206bb807\">Sie zuckte die Achseln. \u201eEs gef\u00e4llt mir auch nicht recht. Aber was sollen wir anderes tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2bcc313028ec7487fc2764bb7d063f99\">\u201eIhn nicht als Bittsteller sehen. Vielleicht ist der Knabe ein gro\u00dfes Geschenk.&#8221; Er griff nach einer anderen Figur, die Feder und Buch in ihrer winzigen geschnitzten Hand hielt und stellte sie neben den kristallenen Ritter auf das Buch.<\/p>\n<p data-p-id=\"c2c215735b5a720264247e0926f65177\">\u201eWo, Majest\u00e4t, seht Ihr Eure Tochter in diesem Spiel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"af9d20f77eec0f09e0e8aca88bf5c1f7\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant begriff. Dann setzte sie die Spielfigur, die sie die ganze Zeit in der Hand gehalten hatte, dem <em>yarl <\/em>und dem <em>mynst\u00edr <\/em>gegen\u00fcber, sodass die Figuren einander anblickten.<\/p>\n<p data-p-id=\"477e20c8566404be2ef306edbeecdff0\">Yalomiro Lagoscyre sch\u00fcttelte den Kopf und verschob die drei Figuren. Die <em>teiranda <\/em>zwischen die beiden anderen. Nun standen sie Seite an Seite und schauten in dieselbe Richtung.<\/p>\n<p data-p-id=\"626aaf9ebda74e8eed4bd917c51bb73a\">\u201eIch glaube, so w\u00e4re es richtig&#8221;, sagte er und stellte den Magier auf den Tisch, <em>au\u00dferhalb <\/em>des Spielbretts, diesem aber zugewandt.<\/p>\n<p data-p-id=\"82d50fb94508eaf17ef9afe4dab6a403\">\u201eIch wei\u00df nicht&#8221;, sagte die <em>teiranda <\/em>nachdenklich.<\/p>\n<p data-p-id=\"74f76a129d0fe65745e3061c13406727\">\u201eIch auch nicht&#8221;, antwortete der Schattens\u00e4nger. \u201eDas Spielfeld ist verdeckt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0ebbc6497625d8960557d66206455462\">Der Magier stellte die Figuren wieder an ihren Platz und stand auf, um das Buch wieder ins Regal zu r\u00e4umen. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant wartete ratlos, ohne etwas zu sagen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0f3384a8a0ff1c87585e59624edfc209\">\u201eSetzt Euren <em>h\u00fdardor<\/em> und die Herren davon in Kenntnis, dass ich morgen fr\u00fch eine Unterredung unter acht Augen w\u00fcnsche. Und zwar, <em>bevor<\/em> Herr Alsg\u00f6r Gelegenheit hat, Eurem <em>h\u00fdardor<\/em> irgendwelche aus seiner Furcht geborenen Narreteien anzupreisen. Ich werde schauen, was ich gegen Eure Sorgen unternehmen und ins Lot r\u00fccken kann. Allerdings habe ich nur bis zum Nachmittag Zeit, Majest\u00e4t. Dann muss ich wieder zur\u00fcck zu meiner Familie.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"646301a1d88a22981fe3593079145123\">\u201eSicher&#8221;, sagte sie kleinlaut. \u201eEs ist schade, dass nur so wenig Zeit bleibt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"de6793a271a0685c4b72310d7c9487d5\">\u201eIch habe meine <em>h\u00fdardora<\/em> mit einer B\u00fcrde zur\u00fcckgelassen, die zu tragen ich ihr nicht zu lange zumuten will. Es hei\u00dft aber nicht, dass ich Eure Sache in Eile abtun werde. Das werdet Ihr mir glauben. Ich bin nur nicht recht gl\u00fccklich mit den Umst\u00e4nden und m\u00f6chte Dinge in die Wege leiten, die mich beruhigen w\u00fcrden, bevor ich mich auf ein Abenteuer einlasse.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c4c106cb1fd59d039d2f900f1bd15d3e\">Sie nickte. \u201eManj\u00e9v erz\u00e4hlte ganz aufgeregt von Eurer Tochter, Meister Yalomiro.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f8a2c2822c631eb9289ae783f5dcb54d\">Er l\u00e4chelte. \u201eSie hei\u00dft D\u00fdamir\u00e9e.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"07a1fc0bacc8a5e4270cea6c79a47f48\">\u201eMeister &#8230; Ihr &#8230;&#8221; Sie z\u00f6gerte und brachte es dann mutig heraus. \u201eWie ist es m\u00f6glich? Wieso haben die M\u00e4chte Euch und Eurer <em>h\u00fdardora<\/em> erlaubt, gemeinsam ein Kind zu haben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"006486cd13ce68d90c276c4d2ed10989\">Er wandte sich zu ihr um. Zum ersten Mal schien er unsicher in dem, was er sagte.<\/p>\n<p data-p-id=\"7eee5b5bd79d56dd9528ff5a6e6387af\">\u201eDas mag Nokt\u00e1ma allein wissen.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2434","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2434","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2434"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2434\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3757,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2434\/revisions\/3757"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2434"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2434"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2434"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}