{"id":2432,"date":"2025-08-25T11:48:48","date_gmt":"2025-08-25T09:48:48","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2432"},"modified":"2025-09-01T09:02:53","modified_gmt":"2025-09-01T07:02:53","slug":"020-brot-und-schwuere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/020-brot-und-schwuere\/","title":{"rendered":"020: Brot und Schw\u00fcre"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"b0a4deb725283cb1cb2dc1635aeae7fd\">D\u00fdamir\u00e9e sagte nichts. Dazu war sie zu einf\u00fchlsam. Sie stand an der T\u00fcr zum Saal und warf einen betr\u00fcbten Blick auf das Gewirr von Licht um mich herum, wie ein glitzerndes Wollkn\u00e4uel, mit dem eine \u00fcberdimensionale Katze sich vergn\u00fcgt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6880bf9fa758df7cadd3ca4271ada553\">Ich war vom Thron des Gro\u00dfmeisters aufgestanden und versuchte, Anfang oder Ende zu finden. Auch ich schwieg, aber nur, weil ich es nicht wagte, in Nokt\u00e1mas Heiligtum zu fluchen und entnervt herumzubr\u00fcllen. Stattdessen schluchzte ich frustriert vor mich hin.<\/p>\n<p data-p-id=\"9123c565d5529df09441715a6c292469\">Das alles war allein meine Schuld. Ich hatte mir so viel M\u00fche gegeben und mich schon fast am Ziel meines Tuns gew\u00e4hnt. Wackelig und unbeholfen war das Gewebe gewesen, aber es hatte gehalten. Alle wichtigen Punkte hatte ich mit der Nacht \u00fcber dem Saal verkn\u00fcpft. Stolz war ich auf mich gewesen, auf meine Beharrlichkeit, auf meinen Flei\u00df, auf das Talent, das m\u00f6glicherweise endlich in mir zutage trat.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f9f4b2c4b1c40e3ff1f40d3ceb7a5f7\">Ungef\u00e4hr f\u00fcnf Minuten lang hatte der Zauber gehalten und war dann lautlos zusammengest\u00fcrzt, wie ein Kartenhaus. Verloschen war es nur deshalb nicht, weil ich geistesgegenw\u00e4rtig an meine d\u00fcnne <em>maghiscal<\/em> gerafft hatte, was ich noch von dem Schutzzauber zu packen bekam. D\u00fdamir\u00e9e, die drau\u00dfen gewesen war und vor dem Eta\u00edmalon in der Abendd\u00e4mmerung gespielt hatte, hatte meinen entsetzten Wutschrei geh\u00f6rt und war herbeigeeilt.<\/p>\n<p data-p-id=\"a5db5b61cf9eec16dcdabd4b3e218139\">Ich versuchte, ihrem teilnahmsvollen Blick auszuweichen. Es war mir so unsagbar peinlich, dass sie Abend f\u00fcr Abend mein Scheitern miterlebt hatte, seit Yalomiro aufgebrochen war. Was sollte sie von mir denken? Wie anschaulich f\u00fchrte ich ihr meine Unf\u00e4higkeit vor Augen, f\u00fcr den Schutz unseres Zuhauses zu sorgen. Dabei h\u00e4tte ich ihr ein Vorbild sein sollen. Und eine St\u00fctze. Jemand, dem sie vertrauen konnte. Stattdessen war sie nun wieder einmal Zeugin meiner Inkompetenz.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a354091a7359e652d2cef509128083a\">\u201eSei nicht traurig, Mama&#8221;, h\u00f6rte ich sie schlie\u00dflich. \u201eNicht zaubern zu k\u00f6nnen ist gar nicht so schlimm.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"87b207483793bb4a57ced0acb50d13c7\">Ich setzte zu einer Antwort an und unterbrach mich gerade noch rechtzeitig. Dass die Unf\u00e4higkeit, Magie zu wirken keine Schande sei, damit tr\u00f6steten Yalomiro und ich sie beinahe t\u00e4glich. Es w\u00e4re nicht besonders schlau, ihr nun zu widersprechen.<\/p>\n<p data-p-id=\"955e7523c4329d2991f6404477a86d83\">Ich biss mir auf die Lippen. Vor zehn Jahren hatte es mich selbst nicht gest\u00f6rt, dass ich keinerlei Zauberkr\u00e4fte besa\u00df. Es war mir sp\u00e4ter ganz logisch erschienen, dass ich die Magie, die Ar\u00e1ma\u00fa mir vor ihrem Tod zur Bewahrung gegeben hatte, nur dilettantisch benutzen konnte. Etwa so, wie man noch lange nicht zum geschickten Handwerker wird, nur weil man einen Werkzeugkasten besitzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"43a120b655a63a88c76e2ff27183bc2b\">Solange Yalomiro bei mir war, machte es mir nichts aus, dass meine Fertigkeiten so bescheiden waren. Ich brauchte sie nicht, und auch wenn er immer wieder versuchte, mir n\u00fctzliche Alltagszaubereien beizubringen, hatte ich nie den Ehrgeiz zu gro\u00dfen Leistungen gehabt. Nun, da es darauf ankam, einmal etwas richtig zu machen, zeigte sich, wie unzul\u00e4nglich all das war, und das, obwohl gerade dieser Zauber selbst so simpel war.<\/p>\n<p data-p-id=\"efbd262ec419781848f7738692cc9b78\">Ich begann, das Licht wieder aufzuwickeln und f\u00fchlte mich auf eine Weise dumm und unzul\u00e4nglich, die ich gehofft hatte, in meiner alten Welt zur\u00fcckgelassen zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"e8d2c44dadd0aef6124a3eb4fdd052e5\">Zu meinem Entsetzen versp\u00fcrte ich sogar einen Hauch von Groll gegen Yalomiro. Was hatte er sich dabei gedacht, mir etwas aufzutragen, wovon er wusste, dass ich daran scheitern w\u00fcrde? Waren die <em>teiranda<\/em>, all die Unkundigen n\u00f6rdlich des Montaz\u00edel dieses Risiko wert?<\/p>\n<p data-p-id=\"6858f395e9e01a819ce981f529952336\">Ich erschrak, als ich sp\u00fcrte, wie das Licht in meiner Hand zu flackern begann, als habe es einen Wackelkontakt. Selbstmitleid? Selbstsucht? Was war nur los mit mir?<\/p>\n<p data-p-id=\"ec0eff1de93d8ea2309c1fe498bea416\">\u201eDu sollst nicht w\u00fctend sein&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e bed\u00e4chtig. \u201eWenn du w\u00fctend bist, machst du dich schw\u00e4cher.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a66bdf7c2ca06d3fa09d022b731c99a4\">Ich schaute sie an. H\u00e4tte sie nicht mit ihrer hellen Kinderstimme geredet, diese Worte h\u00e4tten von Yalomiro kommen k\u00f6nnen. Da stand sie, betrachtete mich mitf\u00fchlend mit ihren sanften Augen und hatte so viel \u00c4hnlichkeit mit ihm, dass es fast unheimlich war.<\/p>\n<p data-p-id=\"913376b62be877760aecec5d2b4d3f31\">\u201eIch will alles richtig machen, aber es ist zu schwer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0ae021cf3a55caa38236330b138e7abe\">\u201eAber du gibst dir doch so viel M\u00fche.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aa6a92e9a6b24c42fb13c13e5e51a0bb\">\u201eDas reicht nicht! Ich darf keinen Fehler damit machen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"faf6dfbbc66c701070b3cba38e9c284e\">Sie neigte nachdenklich den Kopf zur Seite. \u201eDarf man denn nie Fehler machen, Mama?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c57c680843904c407b791df6cab63b34\">\u201eNein. Nicht bei so wichtigen Dingen. Das hier ist kein Spiel, D\u00fdamir\u00e9e. Das hier muss tadellos sein, so wie dein Vater es macht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d4594a1795065653339e13475e63db0a\">\u201ePapa hat bestimmt viel, viel mehr Zeit gehabt, um es zu lernen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c3536d93a94da416bd15430be9856dc8\">\u201eDie Zeit h\u00e4tte ich auch gehabt. Ich h\u00e4tte ihn nur rechtzeitig darum bitten sollen, es mir beizubringen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e799feac3d7da7ad7489e7d3b5482aa\">\u201eUnd warum hast du nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"30cd47dc3cb2b8092c48353ffc9228d0\">Ich ballte meine Faust um den Strang aus zusammengewundenem Licht. Warum? Nun &#8230; ich hatte mich wohl zu sehr darauf verlassen, dass er immer da sein und die Verantwortung \u00fcbernehmen w\u00fcrde. Die Erkenntnis, dass einmal ein Tag kommen w\u00fcrde, an dem ich mich selbst um etwas hier im Eta\u00edmalon k\u00fcmmern musste, war hart und bitter. Und dabei war er gerade nur f\u00fcr wenige Tage unterwegs. Was, wenn er einmal dauerhaft &#8230; nicht da sein w\u00fcrde?<\/p>\n<p data-p-id=\"f6153bc2c1b24634f7db1e33b65fdfae\">Wenn es etwas gab, was uns bedrohen wollte, dann hatte es nun die perfekte Gelegenheit.<\/p>\n<p data-p-id=\"e05f6795d9a734201d77f5be24aa71a4\">Obwohl &#8230; was h\u00e4tte das Widerwesen, wenn es tats\u00e4chlich der Weltenspielverderber war, der wieder aufgewacht war und sich zeigen wollte, davon, ein unkundiges Kind und dessen unf\u00e4hige Mutter zu bedrohen? War es nicht geradezu l\u00e4cherlich, wie verbissen ich mich angesichts der Unwichtigkeit, die D\u00fdamir\u00e9e und ich im Weltenspiel innehatten, so auf den Gedanken versteifte, dass eine Katastrophe passieren k\u00f6nnte, wenn mir der Zauber misslang?<\/p>\n<p data-p-id=\"e442a93102529d7a0994397e8f6512ac\">Konnte das Widerwesen nicht mit Leichtigkeit diesen Zauber brechen, selbst wenn es Yalomiro selbst w\u00e4re, der ihn wirkte? Ich hatte das Widerwesen gesehen, seine entsetzliche Macht gesp\u00fcrt. W\u00e4re das Weltenspiel ein Sandkasten, sterbliche Menschen, auch Magier, waren gegen den Weltenspielverderber nicht mehr als verirrte Ameisen, die einem Kind beim Buddeln im Weg waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"05fecbb98062e66c76923cd12e6862d5\">Und wenn nicht das Widerwesen selbst \u2013 wer sonst h\u00e4tte ein Interesse daran, gerade jetzt Unfrieden mit den camat&#8217;ay zu suchen? Die Leute aus dem nahegelegenen Bergbaudorf konnten nicht wissen, dass der Schattens\u00e4nger abwesend war, den sie aus unerfindlichen Gr\u00fcnden so sehr f\u00fcrchteten, Und wer sonst sollte \u00fcberhaupt von uns wissen und uns etwas B\u00f6ses wollen? Schlie\u00dflich gab es keine Lichtw\u00e4chter mehr, keine rotgewandeten Magier, die besessen von dem Verlangen waren, Schattens\u00e4nger umzubringen.<\/p>\n<p data-p-id=\"31a1f23050f5372e05dca3bf1b620243\">D\u00fdamir\u00e9e und ich, wir waren unsichtbar, hier in unserem Wald.<\/p>\n<p data-p-id=\"89d8e70a0527bda87bbd5d1c15725a86\">\u201eVersuch es noch einmal, Mama&#8221;, spornte sie mich an. \u201eDu hast es doch jetzt schon so oft getan. Es f\u00e4llt dir gewiss immer leichter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6b0cf0a92cb179e82bcb4bebeecd35a0\">\u201eDu traust mir eine Menge zu&#8221;, sagte ich zerstreut, wog f\u00fcr und wider und alles ab, was mir in den Sinn kam.<\/p>\n<p data-p-id=\"844eec1e7bb77b4c08a317727ef78a59\">\u201ePapa wird sich freuen und stolz auf dich sein, wenn er zur\u00fcckkehrt und du es ihm zeigst&#8221;, redete sie weiter. \u201eEr glaubt ganz fest, dass du es schaffst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73098024900063ae03a0710757c1cb6c\">Da war er schon wieder, dieser unfaire, dieser absurde Leistungsdruck. In meiner Erinnerung flammten ungute Erinnerungen auf, an Szenen von fr\u00fcher, von Situationen in meiner Schulzeit. Ich war insgesamt gesehen keine allzu gute Sch\u00fclerin gewesen, aber meine ungleich gewichteten Talente hatten mich immerhin bis zum Abitur gerettet. Mit meinem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Sprachen hatte ich permanente Fehlschl\u00e4ge ausgleichen k\u00f6nnen, die alles betrafen, das irgendwie mit Zahlen zu tun hatte. So manche Mathematikklausur h\u00e4tte ich nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen, wenn mein Leben davon abgehangen h\u00e4tte. So \u00e4hnlich f\u00fchlte ich mich auch nun, nur dass es jetzt kein ungn\u00e4diger Dozent war, sondern meine eigene Tochter, die da vor mir stand, und sie zeigte keine unrealistischen Erwartungen an mich, sondern bedingungsloses Vertrauen.<\/p>\n<p data-p-id=\"90fd95b318a2ffe98b402f3b00668b08\">\u201eGeh spielen, D\u00fdamir\u00e9e&#8221;, bat ich. \u201eIch kann nicht \u00fcben, wenn mir jemand dabei zuschaut.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"68e9204205e78d6d091b51c497000270\">\u201eIch st\u00f6r dich nicht weiter&#8221;, sagte sie arglos. \u201eIch gehe raus und suche weiter nach meinem B\u00f6tchen. Vielleicht wissen die Gl\u00fchw\u00fcrmchen, wo es ist. Erz\u00e4hlst du mir nachher noch eine Geschichte? Schl\u00e4fst du wieder bei mir im Zimmer?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cf985406f83a2fb2b662aa842fd71beb\">\u201eWenn du magst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e86627401c81d46a6d75fb8554cf9e6\">\u201eWenn ich daf\u00fcr noch einmal die Geschichte von dem albernen <em>teirand<\/em> bekomme, der dachte, eine Unkundige k\u00f6nne mit einem Spinnrad Stroh zu Gold zaubern?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ea9a2935ae47f07f0ecfaa4bb7b1be0a\">\u201eWenn ich diesmal zu Ende erz\u00e4hlen kann?&#8221; Beim letzten Mal war ich gar nicht erst bis zu Rumpelstilzchens erstem Auftritt gekommen. D\u00fdamir\u00e9e hatte zuvor begonnen, mit mir dar\u00fcber zu diskutieren, wieso der <em>teirand<\/em> statt dem n\u00fctzlichen Stroh noch mehr dummes Gold haben wollte. Damit, gab sie zu bedenken, k\u00f6nne man doch weder ein Dach decken noch eine Matratze stopfen. Dar\u00fcber war sie eingeschlafen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a79b770e1f1e8dd3782eb59ed79fd351\">\u201eVersprochen&#8221;, sagte ich. Sie l\u00e4chelte, winkte mir zu und lief dann unbek\u00fcmmert hinaus in die Abendd\u00e4mmerung, um sich am See und den duftenden Nachtblumen zu erfreuen.<\/p>\n<p data-p-id=\"82b11135c2af5971ffbf0feed45a211c\">Ich wartete, bis ich sie nicht mehr h\u00f6ren konnte und setzte mich wieder auf den steinernen Sessel im Zentrum von Nokt\u00e1mas Heiligtum. Einen Moment z\u00f6gerte ich.<\/p>\n<p data-p-id=\"bc9272f802395e53e73636edd858142d\">Dann lehnte ich mich seufzend zur\u00fcck, schloss die Augen und lie\u00df das Licht aus meiner Hand gleiten.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"c20378ed231a44948437e296d016e97b\">T\u00edjnje konnte ihren Blick kaum von dem d\u00fcnnen Jungen abwenden, der mit unbewegtem Gesicht an der Seite des gestrengen Herrn Alsg\u00f6r sa\u00df. Das kleine M\u00e4dchen war fasziniert von der Brille, die der Knabe auf der Nase trug. Sie fand, das sah wunderlich aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"bd68c004ffdcf3f12fecfe93d5ca1518\">J\u00e1ndris und L\u00e1as interessierten sich mehr f\u00fcr den blonden Jungen, der mit Wa\u00fdreth Althopian gekommen war, und bedachten ihn verstohlen mit absch\u00e4tzenden Blicken. Der Knabe war zwar j\u00fcnger als sie, aber nach allem, was sie \u00fcber ihn geh\u00f6rt hatten, sollte er bereits ungew\u00f6hnliches Talent bewiesen haben. Beide V\u00e4ter, sowohl Andr\u00eder Altabete als auch Daap Grootplen, hatten sie ermahnt, nicht \u00fcberheblich gegen\u00fcber dem Knaben zu sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"3df18196654588fa374cec8f4df97750\">Im Augenblick machte der Junge allerdings nicht den Eindruck, ein respektabler K\u00e4mpfer zu sein. Er sa\u00df artig da, a\u00df manierlich von seinem Teller und blickte nur auf, wenn einer der Ritter das Wort an ihn richtete. Wenn er redete, dann leise und wohlerzogen.<\/p>\n<p data-p-id=\"cc748ac8cc30a27401ca54d57123810d\">\u201eWas f\u00fcr ein langweiliger Tugendbold&#8221;, sagte L\u00e1as schlie\u00dflich.<\/p>\n<p data-p-id=\"f70aa975a84aeb2f5272799abf5e3d23\">\u201eIch wei\u00df nicht. Immerhin sitzt er bei den <em>teiranday<\/em> am Tisch. Da muss er auf Manieren achten.&#8221; J\u00e1ndris grinste und schl\u00fcrfte von seinem L\u00f6ffel, nicht anst\u00f6\u00dfig, aber doch herausfordernd. L\u00e1as feixte und tat es ihm nach. T\u00edjnje schaute die beiden r\u00fcgend an und sch\u00fcttelte dann tugendsam den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"77d7a6c872f6492619ced3694f59a55b\">Auch der andere Junge schien zu sch\u00fcchtern, um zu reden. Allerdings sprach ihn au\u00dfer der <em>teiranda<\/em> und der <em>yarlara<\/em> von Mor\u00e9aval auch kaum jemand an. Die beiden <em>yarlay <\/em>aus Spagor sa\u00dfen beim Essen zu Seiten ihres Herrn, sodass er mit beiden zugleich reden konnte, ihre S\u00f6hne waren also durch drei Erwachsene voneinander getrennt. Grootplen und Altabete hatten ihre Pl\u00e4tze an der anderen Seite der Tafel, und alle sa\u00dfen so, dass sie in den Saal blickten, wo die \u00fcbrigen Burgbewohner sa\u00dfen. Der Junge mit der Brille war nahe bei den Damen und der <em>opayra<\/em>. Er durfte sich dort erst recht keine Patzer leisten.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c076aa88bb13e0d6c510569db481313\">L\u00e1as, J\u00e1ndris und T\u00edjnje hatten ihre angestammten Pl\u00e4tze bei den Eltern den G\u00e4sten aus Spagor \u00fcberlassen und sa\u00dfen beieinander an der vorderen Ecke der Gesindetafel, wo es etwas legerer zuging.<\/p>\n<p data-p-id=\"267708f35bd0af42294f6f41ecd9dd80\">Auch die <em>teirandanja<\/em> war bei ihnen. Manj\u00e9v war, unter dem Vorwand, sich einen anderen Apfel aus der Schale am Gesindetisch holen zu wollen, aufgestanden und hatte sich dann, wie gedankenlos, einfach bei T\u00edjnje niedergelassen, unter dem tadelnden Blick der <em>opayra<\/em>. Die <em>teirandanja<\/em> ignorierte das. Im Augenblick gab es nichts so wichtiges, dass jemand sie zur\u00fcckholen und daf\u00fcr die hochedlen G\u00e4ste verlassen w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"8b51c2f1ce80536e4a489740fd518b9e\">\u201eH\u00f6r auf, den jungen Emberbey anzustarren&#8221;, schalt Manj\u00e9v das kleine M\u00e4dchen. \u201eMan soll Leute nicht angaffen, wenn sie seltsam aussehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a374d10cf0832566e2c5afa994f2038e\">\u201eNa, vor dem m\u00fcssen wir uns jedenfalls nicht in Acht nehmen&#8221;, sagte L\u00e1as zwischen zwei L\u00f6ffeln Mus. \u201eDen hol ich mit dem kleinen Finger von den F\u00fc\u00dfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"13a4c04ef15ee2332cc2b495733dca64\">\u201eEr wird nicht mit euch Raubeinen k\u00e4mpfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73cc37fa3dac43c56dcb17e8d168c6e6\">\u201eNicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c24f47b577a6a6a7d8929bff9486a156\">\u201eSei nicht albern. Mein Papa hat gesagt, der Junge soll sp\u00e4ter gar kein Ritter werden. Also muss er auch nicht mit euch fechten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"240969e73aec2198ac88fa2665715aae\">\u201eWas macht er dann hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e4bb91a5c4d689bd657d379ee61ec1e\">\u201eKeine Ahnung. Ich denke, meine Eltern wollten ihn einfach mal mit eigenen Augen sehen. Herr Alsg\u00f6r erz\u00e4hlt ja so wenig von ihm, dass mein Papa vielleicht schon \u00fcberlegt hat, ob es ihn wirklich gibt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d679a39ebef479d5dbabe5436b1f692c\">J\u00e1ndris schnaubte abf\u00e4llig. Manj\u00e9v warf ihm einen unwilligen Blick zu. \u201eIch will aber nicht, dass ihr euch \u00fcber Herrn Alsg\u00f6rs Sohn lustig macht. Wenn ich dessen gewahr werde, dann &#8230; dann sag ich&#8217;s Euren V\u00e4tern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fdf771ad2f3c3c3d8df2944c7c5f4f40\">\u201eMein Vater sagte vorhin selbst, der Junge sei ein Schw\u00e4chling&#8221;, verteidigte J\u00e1ndris Altabete sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"fd56e2c6222fb9f9a200f366bf578b60\">\u201eEr ist ein <em>yarlandor [minderj\u00e4hriger Sohn eines yarl]<\/em>, wie ihr auch. Vergesst das nicht. Ich will, dass ihr euch vertragt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b48c6c1faa1a8929ccb8694bbf38b2b3\">\u201eNa&#8221;, brummte L\u00e1as, \u201eerst mal schauen, wie er sich anstellt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4c276ccb2a4529a429790d89f4646559\">\u201eIhr werdet ihn schon noch fr\u00fch genug zu sprechen bekommen. Ihr werdet alle mal meine <em>yarlay<\/em> sein. Ich will &#8230;&#8221;, sie z\u00f6gerte, \u201e&#8230; Frieden zwischen meinen Dienstleuten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6d1e7081e1c222cd1accc837222ee2f4\">\u201eWas ist von dem anderen zu halten, <em>Majest\u00e4t<\/em>?&#8221;, fragte L\u00e1as mit gutm\u00fctigem Spott. \u201eDem Heldensohn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a6ea672575a9442bea02baaf5d14e8b7\">Manj\u00e9v von Wijdlant betrachtete geistesabwesend den roten Apfel in ihrer Hand. \u201eEr redet nicht viel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a416dbbe523c8216348a2fdeca173502\">\u201eWie langweilig&#8221;, sagte T\u00edjnje.<\/p>\n<p data-p-id=\"33ac861e43539facdcaf06cc366ee5b9\">\u201eVielleicht wei\u00df er einfach nicht, was er einer Dame erz\u00e4hlen k\u00f6nnte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb6f7f4a4e31a9080de395574f519f36\">Die <em>teirandanja<\/em> schaute \u00fcber die Schulter zum Tisch hin\u00fcber, wo die Eltern, die Ritter mit den S\u00f6hnen und T\u00edjnjes Mutter sa\u00dfen. Just in diesem Moment hatte auch der Knabe in der blauen Tunika zu den anderen Kindern hingesehen. Sein heller Blick traf f\u00fcr einen Lidschlag den der <em>teirandanja<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"e83fd882d42d9067acb24a412fba1f25\">Hastig wandte Manj\u00e9v sich in eine andere Richtung.<\/p>\n<p data-p-id=\"d05674046d96fb3a9e06f307fd1db528\">\u201eSchaut mal&#8221;, kicherte T\u00edjnje. \u201eDer bekommt ganz rote Ohren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"db05599f90aeedcc0e301986b0835528\">\u201eEin albernes G\u00e4nschen bist du!&#8221; Die <em>teirandanja<\/em> schaute angestrengt den Brotkorb an. Eine Weile sprachen sie nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"1c790e539dd86c302422adb9aa75d42c\">\u201eOb der freundliche Magier noch da ist?&#8221;, fragte T\u00edjnje, die die Tadel ihrer Herrin nur selten f\u00fcr b\u00f6se nahm.<\/p>\n<p data-p-id=\"7bda5f720111cff6d2e934727d53099b\">\u201eMama sagt, er sei in der N\u00e4he geblieben, aber ich wei\u00df nicht, ob er sich noch einmal zeigt. Also, ob er sich <em>uns<\/em> zeigt. Er hat sicher besseres zu tun, als sich mit Kindern abzugeben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c55ecfc026c94e73b6e550322c0b042a\">\u201eSchade. Ich h\u00e4tte den Magier so gern auch gesehen.&#8221; J\u00e1ndris brach von seinem Brot ab, um den Rest seiner Schale auszustreichen.<\/p>\n<p data-p-id=\"70650e04d491ef9b201b47c81378130d\">\u201eHat er sich wirklich in einen Vogel verwandelt?&#8221; L\u00e1as war sich wohl unsicher, was er der Wahrheit und was der kindlichen Phantasie seiner Nichte entsprang.<\/p>\n<p data-p-id=\"ab6d2d0cfe08f98b8aff0acbeb0a2381\">\u201eManj\u00e9v, er glaubt mir das einfach nicht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2f710eec1d9d2f6aa11dc544bda4ed6f\">\u201eWir haben es mit eigenen Augen gesehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4f77bf32fe17b959fb0629408548c98f\">\u201eWenn ein Magier hier ist, um mit dem <em>teirand<\/em> und seinen <em>yarlay<\/em> zu reden&#8221;, \u00fcberlegte J\u00e1ndris, \u201edann m\u00fcssen wir doch nur achtgeben, wo und wann die Herren zusammentreffen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c37de73a04666d8f27dd47ee494af700\">Die beiden Jungen wechselten verschw\u00f6rerische Blicke miteinander. Manj\u00e9v sp\u00e4hte erneut vorsichtig um sich, wieder mitten hinein in diese forschenden hellen Augen. Hatte er etwa die ganze Zeit in ihre Richtung gestarrt? Sie gab einen \u00e4rgerlichen Seufzer von sich und griff selbst nach einer Scheibe Brot.<\/p>\n<p data-p-id=\"46f1d77917501a6c47879333c9b14351\">\u201eEr guckt immer noch&#8221;, berichtete T\u00edjnje kichernd.<\/p>\n<p data-p-id=\"2923909fb05b723952e810a993c8781f\">\u201eSicher \u00fcberlegt er, wie er Euch ansprechen soll, Majest\u00e4t.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b1d0387bad2dd9a23ab3b1d5a9523e2\">\u201eIch will nicht mit ihm sprechen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"12fc0425581584128ad871e634da6f2f\">Das \u00fcberraschte die Jungen und das kleine M\u00e4dchen gleicherma\u00dfen. Nun f\u00fchlte Manj\u00e9v sich in die Enge getrieben zwischen dem interessierten Blick des jungen Althopian und den fragenden ihrer k\u00fcnftigen Gefolgsleute.<\/p>\n<p data-p-id=\"36a8d4d960a545c68a3fe0b0ec19ba71\">\u201eWarum nicht?&#8221;, fragte L\u00e1as schlie\u00dflich verwirrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"65de467f027fa8dbdc7b41bf7a5d7c4b\">\u201eWeil &#8230; ich will eben nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e6ad83e60239c831bc84a7019bd195d1\">\u201eAber bestimmt ist er ganz nett&#8221;, wandte T\u00edjnje ein. \u201eUnd er hat ein sch\u00f6nes Pferd.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c57eddbfc983893f4f8f3faf5f72eda7\">Manj\u00e9v zerriss nerv\u00f6s ihre Brotscheibe. \u201eIch kann mich ja mit seinem Pferd unterhalten. Ich &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"22868cdf53b949e7728c97b180f39d58\">\u201eManj\u00e9v?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec4c5cc85af59a11a3919403cacf4912\">Die <em>teiranda<\/em> rief. Die Stimme der Mutter konnte Manj\u00e9v nicht ignorieren. Das M\u00e4dchen tat einen Sto\u00dfseufzer, erhob sich und ging unter den fragenden Blicken der anderen, wieder zur\u00fcck zur Tafel der Hausherren. Dort war man mit dem Essen zum Ende gekommen. Die Herren und Damen erhoben sich bereits. Asga\u00fd von Spagor ging um den Tisch herum, nahm seine Tochter bei der Hand und f\u00fchrte sie geradewegs auf Althopian und Emberbey zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"6825588bbae3691c988756b3a4309a69\">\u201eDie Herren ziehen sich f\u00fcr die Nacht zur\u00fcck&#8221;, raunte er dem Kind zu. \u201eSie haben eine anstrengende Reise hinter sich. Sei artig und w\u00fcnsche ihnen eine gute Nacht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6d4e57030a748b21b5873040ff3464d6\">Manj\u00e9v nickte gehorsam. Sie gab sich einen Ruck, trat vor die Herren hin und neigte den Kopf. \u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte Euch in angenehme Tr\u00e4ume f\u00fchren und darin \u00fcber euch wachen, edle Herren&#8221;, sagte sie artig.<\/p>\n<p data-p-id=\"2386021e776bc9defc962137b3516f50\">\u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte desgleichen Euch gew\u00e4hren, Herrin&#8221;, entgegnete Wa\u00fdreth Althopian freundlich. Alsg\u00f6r Emberbey schloss sich wortlos mit einem dem\u00fctigen Nicken an.<\/p>\n<p data-p-id=\"131dd9fc61179a4f7077857f293c8cf0\">Nun gab es kein Ausweichen. Die beiden Jungen standen an der Seite ihrer V\u00e4ter, jeder f\u00fcr sich. Manj\u00e9v hatte nicht beobachten k\u00f6nnen, dass sie den Abend \u00fcber miteinander geredet h\u00e4tten. Sie h\u00e4tten dazu \u00fcber den Tisch hinweg rufen m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-p-id=\"12b7b2b0f30bee64a1ec63e478c903f7\">\u201eUnd ihr beiden &#8230;&#8221; Sie z\u00f6gerte. Die Jungen warteten, die K\u00f6pfe dem\u00fctig vor ihr geneigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"546d4283ec6bdbd298f960d9cda94860\">\u201eSeid auch mir willkommen, wie Eure V\u00e4ter es sind. Ruht Euch aus. Morgen stelle ich Euch den anderen Eures Alters vor. Bis dahin &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7631ac8ef84ee7a6c7c7c8afa15af1e4\">\u201eHerrin&#8221;, sagte da pl\u00f6tzlich der d\u00fcnne Junge mit der Brille und kniete vor ihr nieder. Bescheiden streckte er ihr seine linke Hand entgegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6138951269bd285e3b516ccfbc186fc6\">Wa\u00fdreth Althopian stutzte sichtlich. Dann l\u00e4chelte er, ganz fl\u00fcchtig, und stupste seinen Sohn an, bedeutete ihm, es dem anderen nachzutun. Der blau gewandete Junge gehorchte.<\/p>\n<p data-p-id=\"474693389b2eccd6c81eabb4830b8b09\">Die <em>teirandanja<\/em> aber stand verwirrt da und wusste nicht, was von ihr erwartet wurde. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant kam hinzu und legte ihr die H\u00e4nde auf die Schultern.<\/p>\n<p data-p-id=\"6384e5c52994e2a3339931e6b156a0de\">\u201eHerr Alsg\u00f6r, wie entz\u00fcckend!&#8221;, lobte sie. \u201eUnsere Tochter erweist sich den Jungen gewogen und dankbar. Aber woher kennt er in seinem Alter diese alte Sitte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"886085ed35ae61ffaa979e32b70f4df5\">\u201eEr ist &#8230; ich lege viel Wert darauf, dass er viel lernt, Majest\u00e4t&#8221;, sagte Emberbey tonlos und konsterniert, denn das Verhalten seines Sohnes schien ihn verlegen zu stimmen. Tats\u00e4chlich sah er von einem Moment zum n\u00e4chsten aus, als wolle er vor Scham im Boden versinken.<\/p>\n<p data-p-id=\"2f6978bd4c2774fc4e7563075855dc17\">Asga\u00fd von Spagor lie\u00df sich neben Manj\u00e9v auf ein Knie nieder. \u201eEine sch\u00f6ne Geste, Kind&#8221;, lobte er. \u201eDas hat dir der <em>mestar<\/em> bereits erkl\u00e4rt, nicht wahr? Nun gib es ihnen auch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"42fa1781b443424a05b1d9bc003bbde5\">Erkl\u00e4rt? Der <em>mestar<\/em>? Manj\u00e9v schaute hilfesuchend zur <em>opayra <\/em>hin\u00fcber, aber die \u00e4ltliche Edeldame wirkte nur ger\u00fchrt. Die <em>teirandanja <\/em>war verwirrt. Bei welcher Gelegenheit hatte sie beim Unterricht dem <em>mestar <\/em>nicht zugeh\u00f6rt und etwas Wichtiges vers\u00e4umt?<\/p>\n<p data-p-id=\"4a5a6ed7fa4fc61eb0ce0c973252f7bf\">\u201eGeben?&#8221; Die <em>teirandanja<\/em> war nun v\u00f6llig verwirrt. \u201ePapa, ich wei\u00df nicht &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8ce8de5520aeaa91699714d4ed1fe111\">Asga\u00fd von Spagor l\u00e4chelte unbewegt \u201eDas Brot&#8221;, raunte er ihr zu. Manj\u00e9v nickte dankbar.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c9e3d1fa378f0c35e0ff1da69f1b1a2\"><em>Bitte, ihr M\u00e4chte<\/em>, flehte sie. <em>Macht, dass ich mich nicht l\u00e4cherlich mache.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"34db834a3ec0ce150d92450b7b64fc54\">Schweigend legte sie den beiden Jungen die beiden H\u00e4lften der Brotscheibe in die Hand.<\/p>\n<p data-p-id=\"2671a8928344d88f7d080f5d0d42f1b8\">Genau das schien das richtige zu sein. Alle, ausnahmslos alle Umstehenden, bis auf Alsg\u00f6r Emberbey, schienen erfreut. Dann knieten sie nieder, alle <em>yarlay<\/em>, mit Ausnahme von K\u00edan\u00e1 von Wijdlant und Asga\u00fd von Spagor. Das Gesinde im Saal wurden auf die Szene aufmerksam und pl\u00f6tzlich waren um Manj\u00e9v herum noch mehr gebeugte Knie und gesenkte H\u00e4upter. Sogar L\u00e1as, J\u00e1ndris und T\u00edjnje hatten sich den Erwachsenen angeschlossen, Der <em>teirandanja<\/em> wurde es unheimlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"ad72cf329fd8b226f4ee8573558c6b2f\">Auch Merrit Alpthopian schien nicht so recht zu wissen, was vor sich ging. Fragend blickte er die <em>teirandanja<\/em> an, fand dort keine Hilfe. Aber der bebrillte Junge tat es ihm vor: Er brach ein kleines St\u00fcck Brot ab und a\u00df davon. Dann gab er den Rest der <em>teirandanja <\/em> zur\u00fcck. Der andere folgte seinem Beispiel.<\/p>\n<p data-p-id=\"41245149708cc4cd53f5de9063f2550a\">Applaus erhob sich im Saal, ebenso h\u00f6flich wie herzlich. Manj\u00e9v war verst\u00f6rt. Sie wusste nicht zu sagen, was geschah, begriff nicht, was f\u00fcr ein Schauspiel sie den Erwachsenen, den <em>yarlay<\/em> und den Schutzbefohlenen geboten hatte. Sicher schien es, als habe sie im Spiel ein ehrw\u00fcrdiges altes Zeremoniell abgehalten, ohne davon zu wissen. Und das alles nur, weil sie zuf\u00e4llig Brot in der Hand gehabt und der Junge mit der Brille das offenbar irgendwie als Aufforderung zu einem seltsamen Ritual missdeutet hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"d2e459fffc691f1de9343ea76da07390\">Die Leute wirkten &#8230;. milde am\u00fcsiert. Aus irgendeinem Grund machte ihr das Angst.<\/p>\n<p data-p-id=\"f7370807047f31d4c8e809373605c796\">Manj\u00e9v von Wijdlant err\u00f6tete, dr\u00fcckte dem Vater das angebrochene Brot in die Hand, verneigte sich und eilte dann so schnell, dass die <em>opayra<\/em> ihr nicht folgen konnte, aus der Halle.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2432","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2432","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2432"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2432\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3755,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2432\/revisions\/3755"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2432"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2432"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}