{"id":2420,"date":"2025-08-25T11:30:09","date_gmt":"2025-08-25T09:30:09","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2420"},"modified":"2025-09-01T09:11:50","modified_gmt":"2025-09-01T07:11:50","slug":"001-osse-sperrt-den-wind-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/001-osse-sperrt-den-wind-aus\/","title":{"rendered":"001: Osse sperrt den Wind aus"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"81b084a041cd4012bba077d997576186\">\u00dcber der Bucht hatten sich Sturmwolken zusammengezogen, h\u00e4ssliche, gelbliche Wolken. Wie schwebende Felsbrocken hingen sie am Horizont \u00fcber dem Wasser, das im Abendlicht schimmerte wie goldener Honig, wie Bernstein. Noch war es ruhig, aber die Fischer waren schon lange wieder an Land zur\u00fcckgekehrt. Mit dem Wetter legte sich niemand an.<\/p>\n<p data-p-id=\"ac5a06174e34caa403a19b9927d3c364\">Der Junge, der am Fenster stand und gedankenverloren auf das Meer und die schwerelosen Wolkensteine am Himmel blickte, sp\u00fcrte keinen Windzug. Die schlaff h\u00e4ngenden Wimpel oben auf dem Turm. die er von hier aus erahnen konnte, best\u00e4tigten ihm, was er schon l\u00e4ngst vermutet hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"cb544c77b72f8694ea9221750765c113\">Die Wolken warteten. Sie <em>lauerten<\/em>. Sicherlich blieben sie so lange \u00fcber dem Meer, bis Patagh\u00edus Glanz verlosch und Nokt\u00e1ma den Himmel in samtenes Schwarz tauchte. Dann w\u00fcrde der Sturm kommen. Ganz bestimmt. Der Junge seufzte und st\u00fctzte das Kinn auf seine gefalteten H\u00e4nde. Die Wolken kamen vom Norden, aus dem Chaos, und sie w\u00fcrden nichts Gutes bringen. Nie wieder w\u00fcrde etwas Gutes geschehen, wenn diese Wolken einmal \u00fcber die Burg hinweg z\u00f6gen.<\/p>\n<p data-p-id=\"cb482803e58da698818cab0f16bf21ce\">Immer wenn er am anderen Ende des Ganges T\u00fcren h\u00f6rte, zuckte er zusammen, aber er schreckte schon eine ganze Weile nicht aus seiner gebeugten Haltung auf. Es brachte ihm nichts. Sobald er seinerseits zu dem Gemach eilte, wo seit Stunden die <em>doayra<\/em> [~ \u00c4rztin] und die M\u00e4gde ein und aus liefen, w\u00fcrde ihm irgendjemand den Weg versperren. Am Anfang war es noch der Vater selbst gewesen, der ihn unwillig fortgescheucht hatte. Doch zwischenzeitlich war er fortgegangen, vielleicht in den Saal, vielleicht in eine Amtsstube, um mit dem <em>maedlor<\/em> [ ~ Beamten] irgendwelche Gesch\u00e4fte zu regeln, die keinen Aufschub duldeten. Der Junge wusste es nicht. Aber er hatte das Gesicht seines Vaters gesehen und darin Sorge. Das ver\u00e4ngstigte ihn umso mehr. Niemals zeigte sein Vater Gef\u00fchle, niemals.<\/p>\n<p data-p-id=\"e3fbdd7a4f66ec363e464170df9c45bb\">Warum, bei den M\u00e4chten, erschreckte ihn die Bitternis in den Z\u00fcgen seines Vaters mehr als das besorgte Getuschel der Frauen?<\/p>\n<p data-p-id=\"7b677b75c888b9b7117b4b9ec0b40c63\">Und warum waren die Wolken so schmutzig, so schlierig und gelb? Der Junge wusste, dass Wolken manchmal so aussahen, wenn der Wind sie mit Gewalt durch das Chaos getrieben hatte, denn dann trugen sie Sand in sich, den St\u00fcrme in der W\u00fcste von Soldes\u00e9r, am anderen Ende der Welt in die H\u00f6he gerissen hatte. So hatte der <em>mestar<\/em> [~Lehrer] es einmal erkl\u00e4rt, als der Junge \u00fcber die sonderbare Farbe gestaunt hatte. Wie die Wolken das Chaos queren konnten, ohne ihrerseits zerrissen zu werden, hatte der gelehrte Mann nicht beantworten k\u00f6nnen. Stattdessen hatte er dem Jungen schwierige Aufgaben zum Rechnen zu l\u00f6sen gegeben, eine nach der anderen, bis der ersch\u00f6pft sein Sinnen \u00fcber die Wege der Wolken aufgegeben hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d40eb761c53c85c0fc2d51fb5a97619\">Heute lie\u00df selbst der <em>mestar<\/em> ihn in Ruhe. Heute waren die Dinge so grundlegend anders, dass selbst er sich wohl scheute, ihn an seine Pflichten zu erinnern.<\/p>\n<p data-p-id=\"40995ff57a45db0378eb0f36653a7f82\">Die T\u00fcr flog zu. Klappernde Schritte, flinke F\u00fc\u00dfe in groben Holzschuhen wollten an ihm vorbeieilen, z\u00f6gerten aber, als sie auf seiner H\u00f6he ankamen. Der Junge wandte sich betr\u00fcbt um.<\/p>\n<p data-p-id=\"7c84182551dfe9988607b5b6736f499b\">Die <em>doayra<\/em> entgegnete seinen Blick. Sie hatte so freundliche blaue Augen und bei allen Gelegenheiten, bei denen er ihr begegnet war, war sie lustig und schwatzhaft gewesen. Der Vater hatte sie eigens holen lassen, vor Tagen schon, er lie\u00df sie im besten Gemach wohnen und hatte ihr die Befehlsgewalt \u00fcber alles Gesinde gegeben, das ihr zur Hand gehen w\u00fcrde. Es w\u00fcrde nichts n\u00fctzen, der Vater wusste das und die junge Frau aus Spagor wusste es ebenfalls. Aber beide sprachen es nicht aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"6b52471e6a25e66a8d2551c024b8d8de\">Der Junge war trotzdem froh dar\u00fcber, dass sie da war. Die <em>doayra<\/em> war jung und freundlich und hatte immer aufmunternde Worte f\u00fcr ihn gehabt. Aber nun war ihr Gesicht so ernst, dass es ihm fast noch mehr verst\u00f6rte als die Regungen in dem seines Vaters.<\/p>\n<p data-p-id=\"cb681527e0134d8cdf1170e576abdda0\">\u201eDu kannst ihr nicht helfen, nicht wahr?&#8221;, fragte er leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"4da8f64bcc490231aabee08d865aa3b0\">Die <em>doayra<\/em> sch\u00fcttelte den Kopf. Wenigstens versuchte sie nicht, ihn anzul\u00fcgen. \u201eIch versuche alles, was ich kann. Aber sie ist so schwach. Und es dauert schon viel zu lange.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"651bd5d8613b7e1facf78fbfce68cfe0\">Er nickte. Er hatte nichts anderes zu h\u00f6ren erwartet.<\/p>\n<p data-p-id=\"bee20b0313bf6f51c175f678d9016b04\">\u201eWenn die M\u00e4chte es mir erlauben&#8221;, redete sie weiter, \u201ekann ich vielleicht das Kind retten. Aber es ist mehr als ungewiss.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f5608877861be88484a5874a067fc07b\">\u201eBitte&#8221;, entgegnete er leise. \u201eBitte, versuch, was du kannst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8849da7b13ea4111570c1f9a47f308d7\">\u201eDu solltest nicht hier sein. Warum bist du nicht bei deiner Schwester?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d7c4c7398f8fc340ffc26346a3fcc65c\">\u201eSie wollte allein sein. Ich glaube, sie wei\u00df nicht, was &#8230; sie ist noch zu klein.&#8221; Er schluckte, bevor seine Stimme kippen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3f0e083d8758dbc129589438b1e925e0\">Die <em>doayra<\/em> hob die Hand, instinktiv, als wolle sie ihn tr\u00f6stend ber\u00fchren. Gerade noch rechtzeitig besann sie sich eines Besseren. Es w\u00e4re unangemessen gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bea15227518547a6d0f7232d88da3251\">\u201eIch muss weiter&#8221;, sagte sie, entschuldigend, so als m\u00fcsse sie eine Entscheidung treffen zwischen dem Leben von Mutter und Kind dort hinten im Gemach und seinem Seelenschmerz.<\/p>\n<p data-p-id=\"2675d15c83b457faef1323cf72068180\">\u201eIch wei\u00df, dass du es richtig machst&#8221;, sagte er, in dieser sonderbaren, erwachsenen Ausdrucksweise, die jeden befremdete, der das Wort an ihn richtete. Andere Kinder ohnehin.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f77212a571fe3e6dd52ac4ddda8672e\">\u201eIch werde ihr sagen, dass du hier bei ihr bist&#8221;, antwortete die <em>doayra<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"93278162b9042449fdadee040e1061b1\">Er l\u00e4chelte, so fl\u00fcchtig, als t\u00e4te er etwas Verbotenes und wandte sich wieder dem Meer zu, damit sie weitereilen konnte. Was immer sie gerade tat, sie versuchte, die Mutter zu retten, obwohl sie wusste, dass es vergebens war.<\/p>\n<p data-p-id=\"dbb571d38adf09a70914a9143e5c237d\">Er h\u00f6rte sie davon klappern, die Treppe hinab, und schaute wieder an den Himmel.<\/p>\n<p data-p-id=\"cf0064f82394b6ef9b8d53f500140fcd\">Widerliche Chaoswolken.<\/p>\n<p data-p-id=\"43cea1d279824475c0eebc08a017aa9f\">Der Junge seufzte, nahm das harte, kalte Glas von seinen Augen und verstaute es in dem kleinen Lederk\u00f6cher, den er eigens daf\u00fcr am G\u00fcrtel trug. Die steinernen Wolken verschmierten in der Ferne. Das war ertr\u00e4glicher.<\/p>\n<p data-p-id=\"d2f8c16d6203662dddbb4167ab7ac975\">Patagh\u00edus Glanz machte Platz f\u00fcr Nokt\u00e1mas Schw\u00e4rze, und dann brach beides gleichzeitig los, der Sturm und der Tumult. Als habe jemand sie losgelassen wie ein vert\u00e4utes Boot, kamen die Wolken n\u00e4her, viel zu schnell und viel deutlich zu erkennen am samtschwarzen Nachthimmel. Der Junge sp\u00fcrte zun\u00e4chst nur eine sachte Brise, die sich binnen weniger Augenblicke zu einem an- und abschwellenden Windhauch steigerte. Und hinten, in ihrer Kammer, schrie die Mutter ganz j\u00e4mmerlich auf und ein Stimmengewirr erklang von ihren M\u00e4gden und der <em>doayra<\/em>, so laut, dass es durch die geschlossene T\u00fcr bis zu ihm vordrang. Der Junge starrte dorthin, mit weit aufgerissenen Augen wie ein verschreckter Hase, und eine B\u00f6 versetzte ihm einen spielerischen Sto\u00df, fuhr durch das Fenster und brandete den Gang entlang, brachte die Teppiche an den W\u00e4nden zum Wogen und die Banner mit dem Wappen, zupfte an den kleinen Fl\u00e4mmchen der Nachtlaternen in den Gl\u00e4sern an der Wand.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f1b886dd531c3458c9469bbb506b369\">Die Mutter schrie &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"b112a2b16f3777ea57c53d99c567470d\">Der Junge dachte nicht nach. Er sprang auf und stemmte sich dem Wind entgegen, um den Fensterladen zu greifen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f182c2060450bca558ded371524317c\">Die M\u00e4gde riefen durcheinander &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"0bc9ebea6fc5c769f8daf02b44439bc8\">Der Fensterladen au\u00dfen an der Mauer war mit einem Haken gesichert, damit es nicht klapperte, solange er offen stand. Der Junge tastete danach, aber fand ihn nicht sogleich. Es war zu dunkel und sein Blick zu verschwommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bfef966d72308fb0ba55f18de1b7fbe1\">Die Mutter &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"4aba5f7f9a4d3ebf15baaa40c64a9702\">Der Wind achtete nicht auf den Knaben, der sich weit aus dem Fenster beugte und hastig versuchte, das angerostete Eisen zu bewegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4b5c334d1fcc7e46b38535861a5cf88a\">So kalt &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"51ff6047586e3e4eff5a136a0f5753cd\">Metall klirrte, ein Mann in leichtem R\u00fcstzeug eilte am Fenster vorbei, ohne das Kind zu beachten. Der Vater musste ganz in der N\u00e4he gewesen sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"5021f5e87d1bf284be79bea0473ea1b7\">Die schmalen Finger des Jungen fanden den Haken, aber der sa\u00df fest. Wie konnte das sein? Dieser Fensterladen war st\u00e4ndig in Gebrauch, wie konnte dabei etwas einrosten?<\/p>\n<p data-p-id=\"a313a59705b53b003cd7ab9951f17b47\">Die Frauen &#8230; das Klagen &#8230;die Mutter schrie vor Pein.<\/p>\n<p data-p-id=\"48776d319d59130de6a05e343edce3c0\">Der Wind, der dem Knaben ins Ohr zischte.<\/p>\n<p data-p-id=\"cdc8356dea45cf1cb0ec878ac6ccf019\">\u201eNein&#8221;, wimmerte das Kind. Rost schnitt in seine Finger. Endlich gab der Haken nach. Aber der Laden &#8230; das Scharnier&#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"708356dd1524726c5b981214b625f373\">Des Vaters Stimme. Keine Worte, nur Befehle, ein Mittelding zwischen Zorn und Angst, mit dem er die <em>doayra<\/em> und die Frauen anbellte wie m\u00fc\u00dfiggehende Knechte am hellen Tag.<\/p>\n<p data-p-id=\"8902b689da0142227f8468b8d90a0d27\">Die gelben Wolken hatten die Bucht fast erreicht. Bei den M\u00e4chten, so schnell &#8230; so schnell &#8230; schnell? Oder dauerte all das hier schon so unglaublich lange?<\/p>\n<p data-p-id=\"c542fae2c31a88f89ba94668ebd2273b\">Das Schreien .. die Mutter &#8230; die Frauen &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"a7a2a9b24f27b329defe80b07a92392c\">Der Wind.<\/p>\n<p data-p-id=\"2a134952f5a61ca5469903cb16dd0981\">Der Knabe reckte sich aus dem Fenster, hing b\u00e4uchlings auf der Fensterbank, griff ins Leere, immer wieder. Dieser verdammte Fensterladen, er klappte vor und zur\u00fcck, als wolle er den Knaben foppen, immer gerade au\u00dfer Reichweite.<\/p>\n<p data-p-id=\"dc039bc06e40cf0b92e3c1d407255082\">Und der Wind strich \u00fcber den Korridor vor dem Gemach der Mutter, wie ein lauerndes Tier, nur unglaublich schnell.<\/p>\n<p data-p-id=\"f75b594d0cfcf1e4c61db4287e8585bb\">W\u00e4re die Dunkelheit nicht gewesen und h\u00e4tte er besser sehen k\u00f6nnen, dem Knaben w\u00e4re bei seiner waghalsigen Aktion sicherlich schwindelig geworden. Er fragte sich in einem unvollst\u00e4ndigen Gedanken, ob es von Nutzen w\u00e4re, wenn er sich an der Au\u00dfenmauer der Burg zu Tode st\u00fcrzen w\u00fcrde. Vermutlich nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"36c7f90631320365691a2c48f48b3d3b\">Oder doch?<\/p>\n<p data-p-id=\"b8e7b645991493b011e84a90d2edd5bc\">\u201eNehmt doch mich&#8221;, \u00e4chzte er. \u201eNehmt mich! Um mich ist es nicht schade!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cefebd27909ea9806b008cddb1060dd4\">Der Sturm kam n\u00e4her. Der rasend schleichende Wind war ein Vorbote gewesen, aber gleich w\u00e4re er da, der Sturm vom Chaos, und dann &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"e3648f54f4afb0d46b8e8f4ee92841fd\">Und die Frauen schrien das wunde Gebell des Vaters und das Jammern der Mutter nieder, und &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"18bd0670d152c8be73aac4c5564b2a26\">Die Kinderfinger erhaschten den Riemen, mit dem der Fensterladen sich zuziehen lie\u00df. Der Junge lie\u00df sich zur\u00fcckfallen, und die dicken Holzbretter gehorchten. Dem Sturm war das nicht recht, er riss und klapperte von au\u00dfen daran und begann dann mit gruseligem Geheul, um die Mauern zu heulen. Das Kind lie\u00df den Riegel zufallen und stemmte sich von innen gegen das vibrierende Holz.<\/p>\n<p data-p-id=\"8bd18666a56319e678316713690f01ee\">Am Ende des Ganges wurde die T\u00fcr aufgerissen, die klappernden Holzschuhe eilten voran, eine ganze Herde von Frauen, teils mit ebensolchem grobem Schuhwerk, teils mit weichen Ledersohlen versuchte, die <em>doayra<\/em> einzuholen.<\/p>\n<p data-p-id=\"cb6d82d5a4b2b80a703c757a58220391\">Wo wollten sie alle so schnell hin? Warum schrie die Mutter nicht mehr?<\/p>\n<p data-p-id=\"a0464c57e171912969faed6cb6ea51c2\">Der Junge verharrte, die blutende Handfl\u00e4che und die unversehrte gegen den Fensterladen gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p data-p-id=\"e8f3579d16e27efde487ecb8e911a72c\">Der Vater beachtete ihn nicht, als er den Frauen nachging, die im Pulk mit der <em>doayra<\/em> gerannt waren, hin\u00fcber in einen Raum, wo sie mehr sehen und besser arbeiten konnten, wo es einen Kamin gab und W\u00e4rme. Der Vater rannte nicht. Aber der Junge konnte h\u00f6ren, wie m\u00fcde seine Schritte waren, wie kraftlos und bitter. Vielleicht bemerkte er in der tr\u00fcben Beleuchtung der wenigen Nachtlichter gar nicht, dass sein Sohn da stand und den Wind ausgesperrt hatte, der so unheimlich, so gierig an der Burg vorbei gefegt war. Vielleicht hatte er nicht einmal den Wind bemerkt.<\/p>\n<p data-p-id=\"11c5568566b1f8979ca89b13d5dccdbe\">Der Sturm lie\u00df den Fensterladen los. Dann begann Hagel dagegen zu prasseln.<\/p>\n<p data-p-id=\"249bea1880c8f5cd5807136d9af29490\">Die T\u00fcr hatten sie in der Eile offen stehen gelassen. Durch offene T\u00fcren durfte man hindurch. Der Junge sp\u00e4hte verstohlen hinein. Nicht, dass eine der Damen oder eine Magd zur\u00fcckgeblieben waren, um nach der Mutter zu schauen.<\/p>\n<p data-p-id=\"19f4352401fc62f16de749590e64b03d\">Aber nat\u00fcrlich war niemand da. Wozu auch noch? Es war vorbei.<\/p>\n<p data-p-id=\"b9ed42998fd834a3a016ecc0cf80ec9d\">Immerhin war es in der Kemenate der Mutter leidlich hell. Eine Feuerschale f\u00fcr die W\u00e4rme hatten sie aufgestellt, da es in diesem Gemach keinen gemauerten Kamin gab. Kohle gl\u00fchte und einige \u00d6llampen versuchten, zum Licht beizutragen, mit m\u00e4\u00dfigem Ergebnis. Aber es gen\u00fcgte, um das Blut zu sehen, all das Blut auf Laken und Boden, und die in der Hast zur\u00fcckgebliebenen Handwerkszeuge der <em>doayra<\/em> auf dem Boden. Es duftete metallisch und dumpf-s\u00fc\u00dflich zugleich. Irgendein R\u00e4ucherzeug hatten sie verwendet, vielleicht eines, das der Mutter die Schmerzen linderte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c97506afb9cdad9771c30bba6d3be83d\">Der Junge trat an die Liegestatt heran und schaute auf sie herab, auf das das zerbrechliche, blasse Gesicht inmitten von wirrem blondem Haar auf dem verschwitzten Kissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"39e6dc7b518656ed203e5e1550a2db39\">So stand er einen Moment und war nicht bereit, zu akzeptieren, was geschehen war. Aber w\u00fcrde es ihm etwas n\u00fctzen? Hatte es ihm jemals mehr als Scham und Unwillen eingebracht, wenn er gegen irgendetwas aufbegehrt hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"f2d6c6f594926c4f94b0d37c394417c2\">Hilflos bedeckte er seine Augen mit den H\u00e4nden und schluchzte auf. Dies war der Moment, den er in seinem Leben am allermeisten gef\u00fcrchtet hatte. Und dabei war er erst zehn Sommer alt.<\/p>\n<p data-p-id=\"3312aea0f046e8ce340d26c2bcf9a2b4\">\u201eOsse?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"680809b825e161f0dcbf4352b9754e7b\">Er erstarrte. Sein Herz krampfte in einem ganz sonderbaren Schmerz zusammen, aber sofort, panisch, im Reflex zwang er die Hoffnung nieder. Doch er schaute sie wieder an.<\/p>\n<p data-p-id=\"16b7390aaf006b7e2cd01963358d94f4\">\u201eMama?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"69ebdfc372b0d399eb9a637a2d5c2cd1\">Sie wisperte etwas, aber alles, was er verstand, war \u201eDurst&#8221;. Er schaute sich um, fand auf dem Tisch einen Krug und einen Becher und brachte ihn ihr. Sie war zu schwach, um sich noch aufzurichten. Er griff nach ihr, versuchte sie zu st\u00fctzen, damit sie trinken konnte, aber das meiste ging an ihren Lippen vorbei.<\/p>\n<p data-p-id=\"d1d0b7c8ee02b52b6aa580f20f39d9d0\">Doch das wenige gen\u00fcgte offenbar. Ihre n\u00e4chsten Worte waren deutlicher.<\/p>\n<p data-p-id=\"3c0c154ba0a0bdebf4eea1e0e3ad2a0a\">\u201eLebt es?&#8221;, fragte sie leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"ab20782143d7f8e655468f7c6cb8e367\">\u201eJa&#8221;, behauptete er, obwohl er keine Ahnung hatte, ob das der Wahrheit entsprach. Er hatte das Kind nicht schreien h\u00f6ren, aber m\u00f6glicherweise waren die Frauen und der Sturm und das entsetzte Gebr\u00fcll des Vaters einfach zu laut gewesen und hatten es \u00fcbert\u00f6nt. Andererseits \u2013 w\u00e4ren die Frauen mit einem toten Kind so schnell davongelaufen?<\/p>\n<p data-p-id=\"bbc34c73cd13ff3bd1e32b88a8281610\">\u201eDie <em>doayra<\/em> k\u00fcmmert sich gut darum&#8221;, sagte er daher. \u201eSei unbesorgt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"240ebe0271f4ec3eb252535cf5d3d87a\">\u201eDu musst es liebhaben&#8221;, sagte sie leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"8071ee696b901cb973b535452e54dacc\">Er schaute sie verst\u00e4ndnislos an. Sie bedeutete ihm, mehr Wasser zu wollen, und er m\u00fchte sich, nichts zu versch\u00fctten. Das war nicht leicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"43d23d4875aaf3defeb2aeb05c42d7d9\">Die Mutter trank in gierigen Schlucken. Ihr Kopf war so schwer, so kraftlos, dass ihr Sohn M\u00fche hatte, sie zu halten.<\/p>\n<p data-p-id=\"9b3a02884d39ff94410b40e8dff13fab\">\u201eDu musst es liebhaben, Osse&#8221;, beharrte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"0922354a99286a09d501c41b97ba1a59\">Was verlangte sie da von ihm? Er w\u00fcrde sie verlieren, nur weil sie dieses neue Wesen geboren hatte. Sicher, das war nicht die Schuld des Kindes. Aber &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"dfa70beb8ce982924eacf0dc616ac3e7\">\u201eDich hab ich lieb, Mama&#8221;, sagte er, seine Stimme so ruhig, so unbeteiligt wie nur m\u00f6glich. \u201eDich hab ich lieb und niemand anderen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"82a0687af31ae6847e8ce34663cee7a6\">\u201eWenn ich gegangen bin, musst du sie besch\u00fctzen, Osse&#8221;, beharrte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ee34422cad5026cc0a138cd4ddf4242\">\u201eWie sollte ich jemanden besch\u00fctzen?&#8221;, fragte er leise. \u201eTruda k\u00f6nnte das besser als ich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7b41057857800cc3c7efaa6cf2d520db\">\u201eDu musst beiden ein guter Bruder sein, Osse. Es &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b53c28fa2a298e81d33d561fb6c5233\">Sie unterbrach sich. Ihr Blick schwebte unstet an ihm vorbei und richtete sich vage auf einen Punkt irgendwo rechts hinter seiner Schulter.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f5c6972a0a725fece0c159397947aa0\">\u201eIch habe dich lieb, Osse&#8221;, sagte sie. \u201eWenn ich gegangen bin &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"08e2370a97ec48af094916b929a6aa53\">\u201eRuh dich aus, Mama&#8221;, sagte er und zwang seine Gef\u00fchle zur\u00fcck in die Bande, aus denen sie freizubrechen drohten. \u201eDie <em>doayra<\/em> kommt gleich zur\u00fcck, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4df403a0fca74ae432602f5e502fbcb5\">\u201eRa\u00fdneta&#8221;, wisperte die Mutter, ihr Blick immer nebliger, die Stimme so zart. Sie schaute so intensiv an ihm vorbei, dass er sich irritiert umdrehte. Aber da war niemand.<\/p>\n<p data-p-id=\"e535a0a073e3166fc98835c7340ee38b\">\u201eRa\u00fdneta?&#8221;, fragte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"c6864191d786b4e54bafd7e6049b4f17\">\u201eSo soll sie hei\u00dfen&#8221;, hauchte die Mutter und l\u00e4chelte an ihm vorbei. Und dann: \u201eMir ist so kalt &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"447f93422db3b7a9c555529ddc5c7186\">Allzu warm war es tats\u00e4chlich nicht im Raum, aber er hatte sie im Arm, und sie gl\u00fchte noch geradezu, so fiebrig.<\/p>\n<p data-p-id=\"0131262ba6f9287d26c49222cd5cdaa5\">\u201eOsse&#8221;, sagte sie pl\u00f6tzlich kl\u00e4glich. \u201eSo kalt &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"95d0ecc9b6264a378d6a23d16d189d58\">Der Junge sah sich im Raum um, aber nirgends war irgendetwas, was nicht ohnehin schon als Decke gedient h\u00e4tte. Am Ende wusste er sich nicht anders zu helfen. Er legte sich neben sie und umarmte sie, wohl wissend, dass sein schm\u00e4chtiger kleiner K\u00f6rper nicht viel ausrichten konnte gegen die K\u00e4lte, die nach ihr griff.<\/p>\n<p data-p-id=\"3627b90c358f1f949b25e7c766b523fd\">\u201eMama&#8221;, fl\u00fcsterte er ratlos. \u201eMama &#8230; bitte geh nicht weg &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a318774c7e0e91bc81b6eb67497c5dcd\">Sie antwortete ihm nicht. Er zwang die Tr\u00e4nen nieder, die in ihm aufwallten. Sie durfte unter keinen Umst\u00e4nden jetzt bemerken, wie schwach er war. Nicht, nachdem sie ihm das Kind, ob es nun lebte oder nicht, anvertraut hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"0985ef086d0ce1dbd3816a5380363f9a\">Das Laken raschelte leise. Sehr, sehr langsam m\u00fchte sie sich, die Hand zu heben und ihm \u00fcber die Stirn zu streicheln.<\/p>\n<p data-p-id=\"7d412a94f12d4442aed67f87431cf5d2\">\u201eOsse?&#8221; Ihre Stimme war kaum zu verstehen. \u201eWas ist mit deinen Augen?&#8221;, sagte sie erstaunt und dann nie wieder etwas mehr.<\/p>\n<p data-p-id=\"63e00f2fade87b323ca0577606f280e7\">Er blieb noch neben ihr liegen, bis kein Atem mehr zu sp\u00fcren war. Erst dann musste er sich nicht mehr um Disziplin bem\u00fchen. Der Junge weinte sich seinen Schmerz von der Seele, so verzweifelt und wehrlos, bis er ersch\u00f6pft einschlief oder die Trauer ihm das Bewusstsein nahm, wer wusste das schon.<\/p>\n<p data-p-id=\"3eb5fc122920254fc7371d7462cc6269\">So fand ihn Herr Alsg\u00f6r, der <em>yarl<\/em> von Emberbey, auf dem Lager und Totenbett seiner <em>yarlara<\/em>. Der Anblick seines Sohnes, der da lag und den Leichnam so fest umklammerte, als wolle er ihn niemals loslassen ,verst\u00f6rte den Ritter. Siebzig Sommer hatten die M\u00e4chte ihm geschenkt, und nie hatte ihn etwas so sehr anger\u00fchrt. Die <em>yarlara<\/em> war weniger als halb so alt gewesen wie er. Mehr hatten ihr die M\u00e4chte nicht zugestanden.<\/p>\n<p data-p-id=\"a2f942552f8adf4f98eace85e922a034\">Der Ritter zog einen Stuhl heran und setzte sich, betrachtete die Tote, die ihm diesen Sohn als Nachkommen hinterlassen hatte. Alsg\u00f6r Emberbey seufzte schwer und barg sein Gesicht in seinen H\u00e4nden. So sa\u00df er, sinnend und voller Gram. Wecken wollte er das Kind nicht. Es w\u00e4re ihm respektlos vorgekommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"05ac3e6e2bdfbc33a501eeeb5ef2abd0\">Aber der Knabe schien die Pr\u00e4senz seines Vaters zu sp\u00fcren. Er regte sich und schlug die Augen auf. Als er seinen Vater bemerkte, setzte er sich auf und fingerte schuldbewusst das kalte Glas wieder aus dem T\u00e4schchen hervor.<\/p>\n<p data-p-id=\"44eb64134c9e58733ce54502123e8677\">Diese Augen, stets so still und graubraun wie Rauchquarz und jetzt rotgeweint und verquollen, sie schauten ihn durch diese verfluchten Glasscheiben an und lie\u00dfen nicht erkennen, ob sie ihn anklagten oder ihn f\u00fcrchteten.<\/p>\n<p data-p-id=\"db259947cd59094223ca8c2b9f6d2302\">\u201eWarum bist du nicht bei deiner Schwester?&#8221;, fragte der <em>yarl.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"c0d63cc913d78e4fc2cf8177e7563f84\">\u201eTruda wollte allein sein&#8221;, sagte der Junge leise und richtete seinen d\u00fcnnen, schwachen K\u00f6rper auf. \u201eDa hab ich sie gelassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4fc337735482206d852732b581e0fa6f\">\u201eDann geh jetzt und tr\u00f6ste sie&#8221;, sagte Alsg\u00f6r Emberbey und war sich bewusst, wie l\u00e4cherlich das war. Wie sollte der Junge seine Schwester, wie sollten sie alle einander tr\u00f6sten, nun, da es so dunkel in seiner Burg geworden war. Nun, da das Licht verloschen war, das diese Frau hergebracht hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f81e7cabfc49f2cd2e30bd5c8f8216f\">Der Junge gehorchte, ohne zu z\u00f6gern. Er stand auf, Blut seiner Mutter auf seinem honigfarbenen Hemd, und wollte gehen. Aber der <em>yarl<\/em> hielt ihn zur\u00fcck, legte ihm die Hand auf die schmale Schulter und sp\u00fcrte, wie das Kind darunter zusammenzuckte.<\/p>\n<p data-p-id=\"af2c1ca7d8ad48c134a3a6e19bdb99b7\">\u201eDeine andere Schwester lebt&#8221;, sagte er. \u201eDie <em>doayra<\/em> hat ein Wunder gewirkt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cbeb1114f591046a8d1b8a795c638ed3\">\u201eIch wei\u00df&#8221;, antwortete der Junge. \u201eSie hat gesagt, dass sie alles versuchen wollte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64bb07382b52f7f556978eea759af5b5\">Der Ritter nickte. Sein Sohn z\u00f6gerte.<\/p>\n<p data-p-id=\"215477f8dd95ee6013fdba5c905de3f2\">\u201eDarf ich sie anschauen?&#8221;, fragte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"856fe4baa7ceb9c7ef3accc07942af2b\">\u201eSie ist im Nebenhaus, bei der Amme. Geh nur. Lass mich jetzt mir deiner Mutter allein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f466f53defaf09dfa0a0846aa9b02a7c\">Sie schauten einander an. Es war seltsam und dauerte nur einen Augenblick, aber Alsg\u00f6r Emberbey ahnte, dass sie einander niemals wieder so nahe sein w\u00fcrden.<\/p>\n<p data-p-id=\"64843f38c636fbd7f25b852310f9fef5\">\u201eRa\u00fdneta&#8221;, sagte der Junge. \u201eSie hei\u00dft Ra\u00fdneta.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9bed4be700110b02411432126b37ba47\">\u201eRa\u00fdneta.&#8221; Alsg\u00f6r Emberbey betrachtete die tote <em>yarlara<\/em>. \u201eHat deine Mutter das bestimmt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3dbc507f1b30221d548f056adeaaecee\">Der Junge nickte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a4c380c3939fe9a4f467ff1229204b2f\">\u201eDann soll es so sein. Wenn die M\u00e4chte sie uns lassen. Und nun geh. Lass mich allein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"97bbb45593cfe58c4086b7277a04713d\">Osse Emberbey, der k\u00fcnftige Herr des <em>yarlm\u00e1lon<\/em> an der bernsteinfarbenen Bucht, verneigte sich f\u00f6rmlich vor seinem Vater und verlie\u00df das Geburts- und Totenzimmer, schloss taktvoll und leise die T\u00fcr hinter sich. Keinen Lidschlag zu sp\u00e4t, bevor auch der alte Herr Alsg\u00f6r nicht mehr an sich halten konnte und unter Tr\u00e4nen die M\u00e4chte verfluchte, die die junge Frau genommen, ihn, den alten Mann gelassen und den Jungen so sinnlos gestraft hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"90454b6e1ca4736d925b2d39c0a27cda\">Als der Junge sein Ziel erreichte, war die Amme nicht anwesend, aber Truda stand bei der <em>doayra<\/em> und betrachtete neugierig das winzige Wesen, das da in einem K\u00f6rbchen fest in warme Decken eingepackt lag und offenbar schlief. Es war nicht gr\u00f6\u00dfer als eine von Trudas Puppen, und m\u00f6glicherweise sah die j\u00fcngere Schwester auch keinen wesentlichen Unterschied. Truda Emberbey war gerade einmal f\u00fcnf Sommer alt. Vielleicht w\u00fcrde es eine Weile dauern, bis sie begriff, dass die Mutter hinter den Tr\u00e4umen war. Gesagt hatte es ihr offensichtlich noch niemand.<\/p>\n<p data-p-id=\"55accf24462b503453d5bbeeeae057fb\">\u201eSchau nur, Osse&#8221;, rief Truda, die Stimme voller unschuldigem, arglosem Staunen. \u201eSchau, wie klein und niedlich das Kindlein ist!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91dc7613d146e2427eaea8f5ad7b2202\">Er trat neben sie und warf einen Blick auf das schwache, schutzlose Etwas, das seine geliebte Mutter das Leben gekostet hatte und das er lieb haben sollte. Der S\u00e4ugling regte sich ungelenk.<\/p>\n<p data-p-id=\"09db8a886ccfa1e3bdd4cba322a3a17f\">\u201eSie ist sehr klein&#8221;, erkl\u00e4rte die <em>doayra<\/em>. \u201eAber sie ist gesund. So die M\u00e4chte wollen, wird es gut gehen. Ich denke, es wird gut gehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cadb2c39eb1e2699beca84347811e733\">\u201eFass es doch mal an&#8221;, forderte Truda aufgeregt. \u201eEs ist ganz weich und warm.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"637afdbe1317e3abf2cf951a5d115bc6\">Der Junge sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"065f7c1c9ae26af0e5f1796087d106d5\">\u201eTraust du dich nicht?&#8221;, l\u00e4sterte Truda. \u201eOsse hat n\u00e4mlich immer Angst, weil er so ungeschickt ist&#8221;, erkl\u00e4rte sie der <em>doyara<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"74b59e42575265b645bf4dbd06b9c419\">\u201eEs ist so zerbrechlich! Ich wage es nicht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a458e496f5ab191e11524bc5a4a15a92\">\u201eDu sollst es ja nicht aufheben&#8221;, sagte die <em>doayra<\/em>. \u201eDas w\u00fcrde ich auch nicht erlauben. Aber es wird wohl nicht schaden, wenn du es ber\u00fchrst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8a84af9d211cd17c06fcd0e8d1f2731d\">Die junge Frau l\u00e4chelte aufmunternd.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca58891849250c1802e53e4c8884d78f\">Osse Emberbey neigte sich zaghaft \u00fcber den S\u00e4ugling. Vorsichtig streckte er die Hand aus und streichelte sachte mit der Fingerspitze \u00fcber ihre winzige Handfl\u00e4che. Augenblicklich schlossen sich ihre Fingerchen und hielten ihn fest.<\/p>\n<p data-p-id=\"225e4e99a3b215a0a6760fc101bc8d34\">Der Junge erstarrte. F\u00fcr einen kostbaren Moment verga\u00df er die Gegenwart seiner Schwester und der jungen Frau.<\/p>\n<p data-p-id=\"035818479e72231dbbc773720115fea4\"><em>Ra\u00fdneta, <\/em>dachte er mit der ungelenken Z\u00e4rtlichkeit eines \u00e4lteren Bruders.<\/p>\n<p data-p-id=\"8cdd25570173d41c6d1dfe48eb289d89\">Laut sagte er: \u201eIch muss gehen. Den <em>mestar<\/em> darf ich nicht warten lassen.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2420","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2420","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2420"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2420\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3780,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2420\/revisions\/3780"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}