{"id":2417,"date":"2025-08-25T11:32:46","date_gmt":"2025-08-25T09:32:46","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2417"},"modified":"2025-09-01T09:10:37","modified_gmt":"2025-09-01T07:10:37","slug":"004-manjev-ist-wissbegierig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/004-manjev-ist-wissbegierig\/","title":{"rendered":"004: Manj\u00e9v ist wissbegierig"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"ac82bdde7d3cfab4b38c51d3df1c522c\">\u201eMan soll nicht an T\u00fcren lauschen&#8221;, sagte T\u00edjnje vorwurfsvoll.<\/p>\n<p data-p-id=\"81d242206787d9456e865181005779dd\">\u201eDu musst ja nicht mitmachen&#8221;, gab Manj\u00e9v zur\u00fcck und dr\u00fcckte ihr Ohr gegen das wei\u00df lackierte Holz.<\/p>\n<p data-p-id=\"b3eeafcd14ccdaf887b225281fbb34e4\">\u201eDas geh\u00f6rt sich nicht, sagt Mama&#8221;, beharrte T\u00edjnje ernsthaft.<\/p>\n<p data-p-id=\"073c8c539df7a0c09cb20df6e09b5047\">\u201eSei leise! Ich kann nichts h\u00f6ren!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"40c9c8d8ffbe3b091e27b60eb7056fd4\">T\u00edjnje runzelte emp\u00f6rt die Stirn und schaute sich, nach Beistand suchend nach der <em>opayra<\/em> [~ Gouvernante] um. Aber die \u00e4ltere Dienerin, die mit der Aufsicht \u00fcber die beiden M\u00e4dchen betraut war, war \u00fcber ihrer Lekt\u00fcre auf der Sitzbank am Fenster einged\u00f6st. Warum auch nicht? Was konnten die Kinder schon anstellen, wenn sie brav miteinander und all dem Spielzeug besch\u00e4ftigt waren, das f\u00fcr sie bereit stand?<\/p>\n<p data-p-id=\"455d8c38a6740d0db4cc7444442ce2a6\">\u201eIch sag&#8217;s meinem Papa!&#8221;, drohte T\u00edjnje. \u201eUnd &#8230; und meinem Opa! Und die sagen es deinen Eltern!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b3a6b5ab9056ecd35071b4f09646c15\">\u201eMach das.&#8221; Manj\u00e9v winkte ungeduldig ab. \u201eDann befehle ich deinem Vater und deinem Opa eben, dass sie es ihnen nicht weitersagen sollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c18b464089223a896e88f8fa8602d5f9\">T\u00edjnje setzte das P\u00fcppchen, das sie gerade in der Hand hielt, energisch auf den Boden, stand auf und trippelte auf Manj\u00e9v zu. \u201eDann hol ich dich eben selbst von der T\u00fcr weg! Wir sollten brav sein und warten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0a2f99508b8dabf9a5fadecc0277f997\">Manj\u00e9v seufzte und wandte sich ihrer Spielgef\u00e4hrtin zu, \u201eT\u00edjnje, wenn du nicht sofort Ruhe gibst, dann wecke ich die <em>opayra<\/em> und sag ihr, dass du mich \u00e4rgerst. Dann darfst du nie wieder hier spielen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a68c4c5108055f77350a9553caa4a17\">Das j\u00fcngere M\u00e4dchen besann sich und wog wohl die Konsequenzen ab. Dann kam es n\u00e4her und versuchte seinerseits, zu lauschen. In der Regel war es vorteilhafter, sich dem Willen der <em>teirandanja<\/em> [~ Prinzessin] zu beugen. Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor war nicht nur drei Sommer \u00e4lter als sie selbst, sondern konnte ihren Willen stets wider bessere Argumente durchsetzen, sofern es nicht gerade ihre eigenen Eltern waren, von denen sie etwas einforderte.<\/p>\n<p data-p-id=\"16286116e661780b88862228a2f68456\">Es hatte seine Vorteile, die Spielgef\u00e4hrtin einer <em>teirandanja<\/em> zu sein. Man bekam h\u00fcbsche Gew\u00e4nder, auserlesene Speisen und konnte all das sch\u00f6ne Spielzeug mitbenutzen. Seit einiger Zeit durfte T\u00edjnje sogar dabei sein, wenn Manj\u00e9v ihren Unterricht bekam, und sie konnte sogar schon einige Buchstaben selbst niederschreiben und ein wenig rechnen. Alles in allem verbrachte das j\u00fcngere M\u00e4dchen eine wunderbare Zeit auf der Burg von Wijdlant. Das einzig Ungerechte war, so urteilte T\u00edjnje, dass es stets die <em>teirandanja<\/em> war, die ihren Kopf durchsetzte, mit Schmeicheln und Charme, und wenn das nicht funktionierte, mit Trotz und Entschlossenheit. Zum Gl\u00fcck hatten die M\u00e4chte Manj\u00e9v mit einem freundlichen Herzen und angenehmen Wesen versehen. Eine Tyrannin war das M\u00e4dchen nicht, obwohl es die Macht dazu besessen h\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"329442975bf577d71125c949ef801829\">\u201eWas ist denn da los?&#8221;, fragte das kleinere M\u00e4dchen. \u201eWor\u00fcber reden die?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4926263f1d9b083d1bcde82bb8d29597\">\u201eKeine Ahnung. Aber wenn sie die T\u00fcr schlie\u00dfen, damit wir nicht mith\u00f6ren, muss es etwas furchtbar Wichtiges sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b6ad9a9356b3b8d907ef2a1d064193e\">\u201eOder etwas sehr Langweiliges.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"76858737ef41f45ebaa00c4796b78c0f\">\u201eJetzt sei doch einfach still&#8221;, zischte Manj\u00e9v. \u201eSonst erfahren wir es nie.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8450917a2e30d0298be3d061258bcea0\">Die beiden kleinen M\u00e4dchen waren nun m\u00e4uschenstill. Die <em>opayra<\/em> schlummerte weiter. Die T\u00fcr zum Vorraum war fast nie geschlossen und \u00fcbte somit auf die Kinder eine unwiderstehliche Faszination aus. Asga\u00fd von Spagor und K\u00edan\u00e1 von Wijdlant hatten in dem Zimmer dahinter die Boten empfangen hatten, die fast zeitgleich aus den <em>yarlm\u00e1lon <\/em>[~ Herrschaftsbereich eines <em>yarl<\/em>] des <em>teirand <\/em>[~ K\u00f6nig] eingetroffen waren. Die Kuriere waren schon lange wieder gegangen. Die T\u00fcr hatte sich hinter ihnen jedoch wieder geschlossen. Beunruhigend lange, wie Manj\u00e9v fand. Sie hatte bei der Gelegenheit einen kurzen Blick ins Zimmer werfen k\u00f6nnen, das Gesicht der Mutter f\u00fcr einen ganz kurzen Moment gesehen und war erschrocken vor der Betroffenheit, dem Ernst darin.<\/p>\n<p data-p-id=\"7e715880df233278ae34e1d1c5512a95\">Die Botschaften, die aus Spagor gebracht worden waren, bek\u00fcmmerten die Mutter. Das war nicht gut. Die Mutter sollte fr\u00f6hlich sein. Manj\u00e9v ahnte, dass die <em>teiranda<\/em> sich nicht, wie es ihre Art war, im Anschluss an die langweiligen Audienzen zu den M\u00e4dchen gesellen und mit ihnen gemeinsam auf dem Teppich mit den sch\u00f6nen P\u00fcppchen und der gro\u00dfen h\u00f6lzernen Burg spielen w\u00fcrde. Das luxuri\u00f6se Spielzeug hatten T\u00edjnje und sie selbst vorhin noch mit allerlei selbstgebastelten Bannern und Fahnen geschm\u00fcckt.<\/p>\n<p data-p-id=\"8185fe69306f1a30cc5939f73075174a\">Zu ihrer Entt\u00e4uschung konnten die M\u00e4dchen kaum ein Wort verstehen. Das dicke Holz d\u00e4mpfte die Stimmen des Herrscherpaares zu einem strukturlosen Murmeln.<\/p>\n<p data-p-id=\"8325001ed0daef08a479ac2b593f1a85\">Ab und zu redete eine dritte Person. Dass die Eltern den <em>mynstir [~ yarl <\/em>in der Funktion eines pers\u00f6nlichen Beraters] bei sich behalten hatten, war ein weiterer Hinweis darauf, dass etwas anders war als sonst.<\/p>\n<p data-p-id=\"397f14d4d5c11d737a4532333d1b7ccc\">Manj\u00e9v wandte sich frustriert von der T\u00fcr ab. T\u00edjnje atmete erleichtert auf. Neugierde war eine Untugend, das wiederholte die <em>opayra<\/em> so oft. Bestimmt h\u00e4tte sie gescholten, wenn sie die Kinder mit dem Ohr an der T\u00fcr erwischt h\u00e4tte. Erleichtert wollte das kleine M\u00e4dchen schon wieder zum Spiel zur\u00fcckkehren, doch die <em>teirandanja<\/em> schritt entschlossen an der Puppenburg vorbei und aus dem Raum. Nur einen ganz kurzen Moment hatte die Kleine, um sich zu entscheiden, die schlummernde Kinderfrau zu wecken oder ihrer jungen Gebieterin zu folgen. Aber T\u00edjnje war keine Petze.<\/p>\n<p data-p-id=\"36aeb2f0326f4ec2c27877e5c2725368\">\u201eWarte!&#8221;, rief das kleine M\u00e4dchen, w\u00e4hrend es sich bem\u00fchte, mit Manj\u00e9v Schritt zu halten. \u201eWo willst du denn hin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ef0a95b0737ea075f07764fd87003159\">\u201eIch suche die Boten. Wir fragen nach.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b4d05347621b248c07fe2d1e50978da5\">Das war mit gr\u00f6\u00dfter Sicherheit wohl nichts, was die Majest\u00e4ten gut gehei\u00dfen h\u00e4tten, aber das forsche Ansinnen \u00fcberraschte das kleine M\u00e4dchen nicht. \u201eDie sind doch bestimmt unten in der Schankstube&#8221;, protestierte es schwach. \u201eDa d\u00fcrfen wir nicht hin!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"36ff7cb9b3fcbd0bb534f59bd4b38f7b\">\u201e<em>Ich<\/em> darf \u00fcberall hin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"90a78bc53db324ca45986750c4426681\">\u201eDie <em>opayra<\/em> wird schimpfen! Und deine Eltern auch. Und &#8230; und mein Opa!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"acf4b68b1f04740e07c399fb5110c056\">\u201eNa und?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dc8641c21876980c33843b29585c147e\">\u201eDann schicken sie uns beide in unsere Stuben!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"30d229398507253041638df62dc3cf6f\">\u201eAber wir wissen dann wenigstens, was los ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"48b163c8505b823515e40340236c87ee\">Manj\u00e9v l\u00fcftete ihr bodenlanges Kleidchen aus schneewei\u00dfem Leinen, um nicht auf der Treppe \u00fcber den Saum zu stolpern und stapfte unbeirrt weiter. Die Kinder verlie\u00dfen den Wohnbereich der Burg und gelangten auf die Galerie, die die gro\u00dfe Halle im Erdgeschoss umlief. Von dort aus f\u00fchrten an den Ecken h\u00f6lzerne Wendeltreppen abw\u00e4rts; von der Halle aus w\u00fcrden sie leicht hinaus auf den Hof gelangen, sofern sich ihnen niemand in den Weg stellte. Dass die M\u00e4dchen ohne Begleitung in der Burg herumliefen, war ihnen eigentlich nicht erlaubt. Zwar konnte den Kindern hier im Haupthaus nichts geschehen, aber seine Ordnung hatte es nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"c523289b3c02d04a1aa4610f3e08fb14\">T\u00edjnje erwartete, dass die <em>teirandanja<\/em> eilig herunter st\u00fcrmen w\u00fcrde, aber zu ihrer \u00dcberraschung verlangsamte das \u00e4ltere M\u00e4dchen seinen Schritt und blieb schlie\u00dflich mitten auf der L\u00e4ngsseite der Galerie stehen. Auf der gegen\u00fcber liegenden Seite machten sich gerade zwei Knechte an den bunten Bannern zu schaffen, die dort zum Schmuck hingen. Mehrere Bedienstete, die unten in der Halle zu tun hatten, beobachteten das Tun ebenfalls, mit beunruhigend ernstem Blick.<\/p>\n<p data-p-id=\"3099ef84616c5d1401fd20cf5a204373\">Die M\u00e4nner auf der Galerie drapierten schweigend dunkelrote T\u00fccher \u00fcber dem blauen Wappen mit dem silbernen Pferd und dem honiggelben mit den drei wei\u00dfen Fischen. Manj\u00e9v hatte etwas \u00c4hnliches vor drei Wintern schon einmal gesehen. Damals hatten die T\u00fccher das Wappen mit den \u00c4hren verdeckt, und Daap Grootplen, der getreue <em>mynstir<\/em> und T\u00edjnjes Gro\u00dfvater, war lange fort gewesen und schlie\u00dflich sehr, sehr traurig zur\u00fcckgekehrt. Asga\u00fd von Spagor hatte seiner kleinen Tochter damals in einfachen Worten erkl\u00e4rt, dass der alte Vater von Herrn Daap den Weg hinter die Tr\u00e4ume gefunden habe. Die <em>teirandanja<\/em> hatte das sehr traurig gefunden und aufrichtiges Mitleid mit dem etwas beh\u00e4bigen, immer freundlichen Ritter gehabt, aber die Trauer des Mannes war ihr fremd geblieben. Sie konnte sich damals nicht vorstellen, dass Eltern Eltern haben, denn sowohl K\u00edan\u00e1 vor Wijdlant als auch Asga\u00fd von Spagor waren Waisen. Jetzt, mit fast neun Sommern und mehr Verstand als damals, verstand die <em>teirandanja<\/em>, dass nun in den H\u00e4usern Emberbey und Althopian jemand sehr, sehr traurig war.<\/p>\n<p data-p-id=\"fb5de09e30fc1e0b40c953128b968329\">\u201eT\u00ecjnje! Herrin? Hat es seine Ordnung, dass ihr hier seid?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"106b3257e08d2bd584d7f36e7c8ffe25\">Ein Ritter, der unten in der Halle stand, hatte die Kinder auf der Empore entdeckt. Er wartete die Antwort jedoch gar nicht erst ab und eilte sich, schnell die Treppe hinauf zu kommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"18731966ac1180c9bc52f662c95094ea\">\u201ePapa!&#8221;, jubelte das kleine M\u00e4dchen freudig und st\u00fcrmte auf den Mann in gr\u00fcn-gelbem Waffenkleid zu. Sein Wappen, das mit dem Rehbock, hing unbehelligt gerade dort, wo die Kinder standen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a21295cd0e7367cc71946c0ca4fd6c26\"><em>Yarl<\/em> J\u00f3ndere Mor\u00e9aval hob seine Tochter liebevoll auf und musterte die <em>teirandanja<\/em> dann fragend. \u201eNun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"27d33aa3cc8356700217e0fe15b8b5c6\">\u201eNein&#8221;, sagte Manj\u00e9v ehrlich. \u201eWir d\u00fcrfen nicht hier sein. Was ist passiert?&#8221;, wechselte sie nahtlos das Thema und deutete auf die verschleierten Wappen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5f066c86cad9c09aaaad4d1ca1bd42f7\">\u201eIch wei\u00df nicht, ob ich der erste sein darf, von dem Ihr es erfahrt, Herrin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3ec6bf2d2f6dd2d8b7bfe711913fb95c\">\u201eIch habe es doch schon gesehen. Ich will es von Euch h\u00f6ren. Sagt es mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"34e6ce6b9e7d962f2bd30ff632e800d2\">Yarl Mor\u00e9aval strich seinem T\u00f6chterchen z\u00e4rtlich \u00fcber den Kopf. T\u00edjnje hatte ebenso dunkles, lockiges Haar wie er selbst. Aus der Art, wie er z\u00f6gerte, schloss die <em>teirandanja<\/em>, dass er nach Worten suchte, die das j\u00fcngere Kind nicht beunruhigten.<\/p>\n<p data-p-id=\"01faaf7dfae5b9d0d4c86b32485cfaa8\">\u201eDie <em>yarlara\u00e9<\/em> aus Emberbey und Althopian werden diese Halle nicht mehr betreten&#8221;, sagte er dann schlicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"1586bedc5575ab9b776675efa29a3cbb\">\u201eOh,&#8221; machte Manj\u00e9v betroffen. Sie hatte die Damen bei einigen Gelegenheiten, vornehmlich bei Festen gesehen, aber es waren fl\u00fcchtige Begegnungen gewesen. Die Frauen, das hatte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant ihr einmal erkl\u00e4rt, hatten wenig Mu\u00dfe f\u00fcr die weite Reise nach Wijdlant, besonders die Herrin aus Emberbey, der die M\u00e4chte schon zwei Kinder geschenkt hatten. Das M\u00e4dchen, hatte Asga\u00fd von Spagor hinzugef\u00fcgt, w\u00fcrde im n\u00e4chsten Sommer wohl f\u00fcr einige Monde nach Wijdlant kommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"26c9a4bfffd99be69eb5caf10d1018cd\">Manj\u00e9v erinnerte sich nur vage an eine sch\u00fcchterne Frau an der Seite von <em>yarl<\/em> Emberbey, dem alten, hageren Ritter mit dem harten Blick und den harten Gesichtsz\u00fcgen, auf den ihr Vater so gro\u00dfe St\u00fccke hielt. Die Dame hatte freundlich ausgehen, aber kaum gesprochen, und wenn, dann sehr leise. Sie hatte ein langweiliges Gewand getragen und einen so strengen Kopfputz, dass die <em>teirandanja<\/em> sich nicht einmal an ihre Haarfarbe erinnerte. Einen bleibenden Eindruck hatte sie nicht hinterlassen, ganz anders als die sch\u00f6ne Dame an der Seite von <em>yarl<\/em> Althopian mit den schwarzen Haaren, hellblauen Augen und den bunten Kleidern. Anmutig wie eine schwebende Blume war sie an der Seite ihres <em>h\u00fdardor<\/em> gewesen. Ihren Sohn, von dem Althopian immer wieder so stolz erz\u00e4hlte, wenn er den Hofdienst versah, hatten sie damals nicht dabei gehabt. Allerdings h\u00f6rte Asga\u00fd von Spagor mit gro\u00dfem Interesse zu, wenn die Rede auf ihn kam.<\/p>\n<p data-p-id=\"c1bcb75fa6017a7083b7e985fa2f39ff\">L\u00e1as Grootplen und J\u00e1ndris Altabete, die S\u00f6hne der beide anderen <em>yarlay<\/em> von Wijdlant, waren etwas \u00e4lter als Manjev. Dass auch Emberbey einen Sohn hatte, hatte die <em>teirandanja<\/em> nur beil\u00e4ufig erfahren. Herr Alsg\u00f6r schwieg stets, wenn die Herren miteinander \u00fcber ihre Familien redeten.<\/p>\n<p data-p-id=\"74a0a2c03f79bba3c9a54836def5ca11\">\u201eDas ist traurig&#8221;, sagte Manj\u00e9v.<\/p>\n<p data-p-id=\"b8205d2921898f162a57cc0bf5a6f0b0\">\u201eIst es Euch recht, wenn ich Euch zur\u00fcckbringe, bevor jemand bemerkt, dass Ihr fortgelaufen seid?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9a9165b843bbe7decd5bcf9bb9622eba\">\u201eWir sind nicht fortgelaufen&#8221;, behauptete Manj\u00e9v.<\/p>\n<p data-p-id=\"39e9678cab4f1982e5edd3a61e6571bd\">\u201eSie aber wohl&#8221;, widersprach T\u00edjnje.<\/p>\n<p data-p-id=\"c5312527386c15efa1d55cdf01ae689f\">\u201eEs waren &#8230;. wichtige Besorgungen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"56812b639dcf808663b257995a3277c1\">\u201eWie dem auch sei, Herrin, au\u00dferhalb der Familiengem\u00e4cher bin ich f\u00fcr Eure Sicherheit verantwortlich. Erlaubt Ihr mir, dem nachzukommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"65d8cb7d2a6083a5249925c590da7717\">\u201eIch bitte darum&#8221;, sagte die <em>teirandanja<\/em> w\u00fcrdevoll und schritt betont anmutig gehorsam vor dem Ritter her. T\u00edjnje wurde getragen und streckte ihrer \u00e4lteren Freundin und Herrin aus der Sicherheit der v\u00e4terlichen Umarmung frech die Zunge heraus.<\/p>\n<p data-p-id=\"0a8644d35e77717c66a4ca643fe31842\">\u201eHerr Jond\u00e9re&#8221;, fragte Manj\u00e9v, w\u00e4hrend sie den R\u00fcckzug zur Spielzeugburg antraten, \u201eglaubt Ihr, meine Eltern wollen nicht, dass wir davon erfahren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64d2c8cc5ddbf28b3e63fb9b3ce6747d\">\u201eNein. Es lie\u00dfe sich doch kaum verheimlichen, Herrin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a98a7cd3506d2f138b345d257b1cc57\">\u201eAber warum dann die geschlossene T\u00fcr? Und warum ist Herr Daap dabei?<\/p>\n<p data-p-id=\"0dc96c1b53f81a5e4edfd1c75795e48c\">\u201eIch wei\u00df es nicht. Ich hatte auch keine Ahnung, dass Herr Daap noch in der Audienz ist. Und nun vergesst, dass ihr wichtige Besorgungen hattet.&#8221; Er setzte T\u00ednje ab, verneigte sich und bedeutete der <em>teirandanja<\/em> dabei, sich wieder der Spielzeugburg zu widmen. Die kleinen M\u00e4dchen wechselten einen entt\u00e4uschten Blick miteinander und griffen gehorsam nach ihren P\u00fcppchen. Mor\u00e9aval l\u00e4chelte, ging hin\u00fcber zur <em>opayra<\/em> und r\u00e4usperte sich dezent. Die Frau schreckte auf, warf einen verst\u00f6rten und fand zu ihrer sichtlichen Erleichterung die ihr anvertrauten M\u00e4dchen brav beim Spiel.<\/p>\n<p data-p-id=\"be7be70b6b0bb736f1ecef3b9a901150\">Der <em>yarl<\/em> neigte sich ihr zu und wollte wohl einige Worte mit ihr wechseln, aber er kam nicht dazu. Die T\u00fcr zum Audienzgemach \u00f6ffnete sich. Daap Grooplen trat heraus und bemerkte den <em>h\u00fdardor<\/em> seiner \u00e4ltesten Tochter.<\/p>\n<p data-p-id=\"3bbba14b7efc850d67d89804a574af85\">\u201eEben nach dir wollte ich gerade schicken lassen&#8221;, sagte der <em>mynstir<\/em>. Manj\u00e9v hob den Kopf, so ernst klang seine Stimme.<\/p>\n<p data-p-id=\"b580f4b2426f76c9c6430f90df07ad17\">\u201eWas gibt es?&#8221;, fragte Mor\u00e9aval, ebenso aufmerksam.<\/p>\n<p data-p-id=\"1d05450ccfe0414c472ad2b013ed7a6a\">Asga\u00fd von Spagor erschien hinter dem <em>mynstir<\/em> im T\u00fcrrahmen. Der <em>teirand<\/em> nickte den M\u00e4dchen zerstreut zu, wandte sich dann dem Ritter zu und fragte. \u201eHerr J\u00f3ndere, wie w\u00fcrde Euch ein Ritt zum Boscarg\u00e9n gefallen?&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2417","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2417","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2417"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2417\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3775,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2417\/revisions\/3775"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2417"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2417"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2417"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}