{"id":2415,"date":"2025-08-25T11:34:09","date_gmt":"2025-08-25T09:34:09","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2415"},"modified":"2025-09-01T09:09:38","modified_gmt":"2025-09-01T07:09:38","slug":"006-galeon-und-der-letzte-augenblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/006-galeon-und-der-letzte-augenblick\/","title":{"rendered":"006: Gal\u00e9on und der letzte Augenblick"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"9103fa9cf34e667f4a47f8a5b9b7e21a\">Als Pataghi\u00fas Glanz mehr und mehr gen Norden entschwand und sich Nokt\u00e1mas Dunkelheit dar\u00fcber legte, ert\u00f6nte der Gongschlag von den Stadtmauern und verk\u00fcndete den Wechsel vom Tag zum Beginn der Nacht.<\/p>\n<p data-p-id=\"411fbeb168415fad713c7de37a1490b6\">Der Mann in der Zelle seufzte nerv\u00f6s. Dies w\u00e4re <em>seine<\/em> Stunde gewesen, die Zeit, in der das redliche, biedere Leben in Aur\u00f3p\u00e9a sich zur\u00fcckzog in die sicheren H\u00e4user, um auf den n\u00e4chsten Morgen zu warten. Eine gewisse Frist zwischen dem hellen, dem unbek\u00fcmmerten und gut gelaunten Teil des Tages und der finsteren Nacht gab es, eine Periode, in der sich Aur\u00f3p\u00e9a in einer seltsamen Phase des \u00dcbergangs befand und beides, Hell und Dunkel zu einem Grau vermischte, in dem alles, wirklich alles m\u00f6glich war.<\/p>\n<p data-p-id=\"a4d9a6d38de8bd0a76eb871ad81487ec\">Der Mann trat n\u00e4her an das Gitter heran und warf einen geh\u00e4ssigen Blick auf den Platz davor. W\u00e4hrend der hellen Stunden hatte er sich in den hintersten Winkel zur\u00fcckgezogen, um dem Spott und den Beschimpfungen zu entgehen, all den schlechten W\u00fcnschen und b\u00f6sen Worten, die dem biederen Tagvolk der Stadt so leicht \u00fcber die Lippen kamen. Anfangs, am Morgen, kurz nachdem man ihn hier eingesperrt hatte, ohne viel Aufhebens und ohne Prozess, hatte er den Leuten noch Kontra geboten, hatte mit noch viel abscheulicheren Worten zur\u00fcckgep\u00f6belt und jenen, die sich an seiner Niederlage freuten, alles erdenklich schlechte, Ungl\u00fcck, Seuchen und Verderben an den Hals gew\u00fcnscht. Einem Knaben, der besonders frech geworden war und nach ihm durch das Gitter gelangt hatte, um vor seinen nichtsnutzigen Gef\u00e4hrten zu prahlen, hatte er kurzerhand den Arm an den dicken Eisenst\u00e4ben gebrochen. Warum auch nicht? Zu verlieren hatte er nichts mehr. So hatte er wenigstens noch ein bisschen Vergn\u00fcgen an seiner misslichen Lage gehabt und die mit blanker Wut vermischte Abscheu, aber auch den Respekt genossen, der ihm \u00fcber dem Wehgeschrei entgegen geflutet war.<\/p>\n<p data-p-id=\"f8b57e90257a97a9fe33c41a9220b171\">Zumindest lie\u00dfen sie ihn jetzt in Ruhe.<\/p>\n<p data-p-id=\"78c4e6353293c5ada113432b2271f900\">Der Gong verhallte, und er konnte beobachten, wie nach und nach das Publikum auf dem Marktplatz wechselte. Die braven, die den M\u00e4chten gef\u00e4lligen, die <em>Langweiler<\/em> zogen sich zur\u00fcck in ihre schlichten wei\u00dfen H\u00e4user, die Vornehmen unter ihnen in die sch\u00f6nen Villen mit den gro\u00dfen G\u00e4rten in der Mitte der Stadt. Andere kamen an ihrer Stelle hervor, Volk, das das Dunkel f\u00fcr andere Dinge nutzte, zu einer ganzen Palette hin von l\u00e4sslicher Z\u00fcgellosigkeit und l\u00fcsternen Vorhaben bis hin zu Dingen, von denen l\u00e4ngst nicht alle bemerkt wurden. Sobald Pataghi\u00fas Glanz ganz verglommen war, w\u00fcrde sich hier auf dem Platz, einem von insgesamt sieben, die den Kern von Aur\u00f3p\u00e9a umgaben wie die Bl\u00e4tter einer Blume, die andere Seite der Stadt zeigen. Eine, die den M\u00e4chten m\u00f6glicherweise nicht ganz so gefiel. Aber wen k\u00fcmmerten an diesem Ort die M\u00e4chte?<\/p>\n<p data-p-id=\"be50c5241d5fa9ce5dc001790bcd7594\">Der Gefangene mutma\u00dfte, dass ein Gro\u00dfteil der Bewohner einfach nur in den D\u00e4mmerstunden die H\u00e4user betrat, um die Kleider zu wechseln, und dass es (vielleicht abgesehen von einer naiven Minderheit von Idioten) exakt <em>dieselben<\/em> Leute waren, die ihre niederen Triebe auslebten.<\/p>\n<p data-p-id=\"e87149d27ac3354c277223a2e3aa315b\">W\u00e4re er nur etwas vorsichtiger gewesen, er k\u00f6nnte weiter mittreiben in diesem ewigen Reigen von gesittetem Tag und ruchloser Nacht. Ein Raubtier war er gewesen, eines, das sich unter dem harmlosen Nachtvolk seine Beute gesucht hatte. Unter den Idioten, die nur ein wenig Spa\u00df haben wollten und die Seite ihrer Natur auslebten, die sie des Tags unterdr\u00fccken mussten, wenn sie als <em>vendyray <\/em>[H\u00e4ndler], <em>maedloray<\/em> [Beamte] oder brave Handwerker den Schein wahren mussten.<\/p>\n<p data-p-id=\"b15fd92dce4167da96cd23a4ceacb70d\">Ein einziges Mal konnte er sich dieses Spektakel also noch anschauen, aber zu seinem Verdruss, nein, zu seiner <em>Emp\u00f6rung<\/em> nicht mehr dabei mitwirken. Sobald Patagh\u00edu Nokt\u00e1ma wieder eingeholt hatte auf ihrer ewigen Verfolgungsjagd um das Weltenspiel herum, w\u00fcrde man ihn in die W\u00fcste bringen. Was die <em>f\u00fdntaray<\/em> [Henker] dort mit einem machten, wusste niemand. Zumindest nicht, seit dieser alte Mann den Vorsitz im <em>konsej <\/em>[Stadtobrigkeit] hatte, im Rat der \u00c4ltesten von Aur\u00f3p\u00e9a. Alles, was in dieser Stadt entschieden und gewirkt wurde, oblag diesem Zusammenschluss von Autorit\u00e4ten, die sich selbst f\u00fcr weise hielten, wenn auch ihre Leistung aus nichts anderem bestand als darin, dass die M\u00e4chte sie \u00fcber ein gewisses Alter hinaus nicht hinter die Tr\u00e4ume geholt hatten. Seit drei Wintern war dieser <em>spezielle<\/em> Alte dabei und hatte schnell mehr und mehr an Einfluss gewonnen. Er schien, das musste der Gefangene zugestehen, seine Sache gut machen. Jene, die ihre Gesch\u00e4fte in der Nacht vollzogen, waren vorsichtiger geworden, viel vorsichtiger. Der <em>konsej<\/em>, dem die Kontrolle \u00fcber die Stadt schon mehrfach beinahe aus der Hand geglitten war, hatte letzterdings weit seltener Verbrechen zu strafen, um daran zu erinnern, dass es durchaus ein Gesetz und eine Obrigkeit in Aur\u00f3p\u00e9a gab, wenn auch eine ausgesprochenen senile. \u00d6ffentliche Vollstreckungen, wie sie fr\u00fcher ein blutr\u00fcnstiges, erregendes Spektakel gewesen waren, hatten fast ganz aufgeh\u00f6rt. Der hehre Vorsatz des <em>konsej<\/em> war gewesen, der Verrohung einen Riegel vorzuschieben. Stattdessen lie\u00df man Delinquenten nun hochoffiziell in der W\u00fcste verschwinden. Morgen fr\u00fch war er an der Reihe. Er war einfach nicht vorsichtig genug gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"92db8ca306deacc52ff611fdf16d218c\">Vor seinen Augen verwandelten sich die Gaststuben und Gark\u00fcchen am Marktplatz gleichsam mit ihrer Klientel in Etablissements, in denen besondere Getr\u00e4nke in Str\u00f6men flossen und Rauschzeug zu bekommen war. Lose <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> zeigten sich bereits hier und dort. Wer sich auf solche Vergn\u00fcgungen einlie\u00df, musste damit rechnen, am n\u00e4chsten Tag um mehr als nur den vereinbarten Preis \u00e4rmer zu sein. Er selbst war als j\u00fcngerer Mann mehr als einmal seine hart erk\u00e4mpfte Beute einer Nacht ebenso schnell wieder los gewesen, mal durch die Hand eines Komplizen jener begehrlichen Weiber, mal durch die fingerfertigen Biester selber, die Chaosgeister sollten sie holen. Und doch hatte er es immer wieder getan.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c9ca627a196212f6ae4ae0953022dde\">Gestern um diese Zeit war er nicht auf Lust aus gewesen. Das h\u00e4tte sich vielleicht sp\u00e4ter in der Nacht noch ergeben. Stattdessen hatte dieser junge <em>vendyr<\/em> aus Virhav\u00e9t sein Interesse geweckt, genauer gesagt: Die sch\u00f6nen bunten Edelsteine, die er bei sich gehabt hatte. In eben jener Taverne, die der Zelle fast genau gegen\u00fcber lag, hatte der arglose Tropf versucht, seine Sch\u00e4tze an einen einheimischen Abnehmer zu bringen; ohne Erfolg wohl, wie ein etwas zu lauter Wortwechsel besagte, der ihm bis in die Schankstube ans Ohr gedrungen war. Als er und ein paar andere M\u00e4nner nachgeschaut hatten, worum es bei dem Gezanke ging, hatte der nun Gefangene die gl\u00e4nzenden Steine gesehen. Die Gier in seinem Herzen hatte die Lust nieder gerungen .<\/p>\n<p data-p-id=\"0d12a21b24b5161bec3d890ca10df263\">Der <em>vendyr<\/em> aus dem Norden hatte seine Sch\u00e4tze rasch wieder verstaut. Dass er sie \u00fcberhaupt ausgerechnet in dieser Umgebung ausgebreitet hatte, war eine abgrundtiefe Dummheit gewesen, die man ihm allerdings nicht vorwerfen konnte. Reisende aus fernen Gegenden waren nicht selten <em>entsetzt<\/em>, wenn sie erstmals in der Stadt waren und feststellten, dass diese ihr Gesicht wechselte wie eine Maske, sobald die Finsternis kam. Virhav\u00e9t, das hatte der Mann einmal geh\u00f6rt, war nach Aur\u00f3p\u00e9a die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt der Welt, ganz im \u00e4u\u00dfersten Norden. Im Vergleich war die reiche Handelsstadt am Meer sicherlich ein verschnarchtes Dorf.<\/p>\n<p data-p-id=\"404ff75446d709abcd35f1817b592a91\">Der Gefangene hatte oft dar\u00fcber nachgedacht, welche M\u00f6glichkeiten sich dort bieten mochten, wo diese naiven Toren herkamen. Reich h\u00e4tte er werden k\u00f6nnen. Stattdessen war er in Aur\u00f3p\u00e9a gestrandet, damals, als junger Kerl, der nichts zu verlieren hatte. Die Stadt hatte ihn in ihren Schutz genommen. Und, so wie es schien, entledigte sie sich nun seiner, w\u00e4hrend drau\u00dfen Laternen und Feuerschalen entz\u00fcndet wurden, um wenigstens ein klein wenig Licht zu bringen (und dabei noch viel sch\u00e4rfere Schatten aufzutun).<\/p>\n<p data-p-id=\"a95ef70ff3c1091b34ac14f76a73d340\">Der Mann, der nun unter aller Augen in der Zelle sa\u00df, hatte in der Taverne jedenfalls die Blicke von mindestens einem Halbdutzend anderer M\u00e4nner aufgefangen. Niemand sprach es aus, aber alle hatten angesichts der Edelsteine denselben Gedanken. Es galt, unbeteiligt zu tun. Und dann der Schnellste zu sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"97e972e9f2e6eea6f1cfdd5740bdd19d\">Einige Zeit lang hatte sich in der Schankstube, parallel zu L\u00e4rm und Lachen und Ausgelassenheit ein wahrer Wettstreit im Lauern zwischen den Gierigen entsponnen. Zum allgemeinen Verdruss hatte der <em>vendyr<\/em> es jedoch nicht eilig, die Taverne zu verlassen, m\u00f6glicherweise, weil er hier sich just hier eingemietet hatte. Sie hatten ihn beobachtet, wie er gegessen und getrunken hatte, und beim Trinken nach und nach seinem \u00c4rger fortgesp\u00fclt wurde. Nun, vielleicht wollte er seine sch\u00f6nen Steinchen am n\u00e4chsten Tag privat in der Villengegend anbieten.<\/p>\n<p data-p-id=\"4a21738e9fd566203352a6ccc97e39ca\">Der Gefangene hatte genug Erfahrung, um sich auszurechen, dass der gef\u00e4hrlichste unter seinen Konkurrenten der ortsans\u00e4ssige <em>vendyr<\/em> war, mit dem der Handel urspr\u00fcnglich abgeschlossen h\u00e4tte werden sollen. Vermutlich wollte der Mann die bunten Edelsteine nur haben, wenn der naive Wicht aus dem Norden noch etwas als Dreingabe dazu legte. Es kursierten <em>Geschichten<\/em> \u00fcber die blutigen Kleinode, die dieser gerissene Kerl feilbot.<\/p>\n<p data-p-id=\"a108b110462ba9b9ca0f45e739df04d8\">Und so hatte er gesessen, die Avancen der Dirnen ignoriert und den Moment abgepasst, zu dem der fremde <em>vendyr<\/em> zu viel Wein getrunken hatte. Kurz zuvor hatte er selbst den leidlich erleuchteten und rundum durch Geb\u00e4ude begrenzten Hinterhof betreten, wo sich der Abort befand, und dort mit einem routinierten Stich den Mann aus Virhav\u00e9t um seinen Beutel und sein Leben erleichtert, w\u00e4hrend der sich seinerseits erleichterte.<\/p>\n<p data-p-id=\"17487d36e6a8a02af920953808cd85d7\">Und dann war alles schief gelaufen, was nur schief gehen konnte. Ein K\u00e4mpfer der Stadtwache war g\u00e4nzlich unbemerkt in Gesellschaft einer der k\u00e4uflichen <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> hinter ein paar leeren Weinf\u00e4ssern gerade mit etwas ganz anderem besch\u00e4ftigt gewesen. Der Mann war zwar nicht im Dienst, aber kaltbl\u00fctig genug, um neben seiner Lasterhaftigkeit noch an seine Karriere zu denken. Er hatte das nun hysterisch kreischende Weib einfach liegengelassen und sich auf den Raubm\u00f6rder gest\u00fcrzt. Mit dem W\u00e4chter allein w\u00e4re er vielleicht noch fertig geworden, aber ein Teil seiner Mitbewerber um den Edelsteinschatz war ihm auf den Hof nachgefolgt, andere durch das Gel\u00e4rm aufmerksam geworden, dr\u00e4ngten nach und versperrten den Weg zur\u00fcck in die Taverne. Das Ganze war in ein Handgemenge gem\u00fcndet, das die auf dem Marktplatz patrouillierenden Stadtwachen, die Dienst hatten, nicht ignorieren konnten.<\/p>\n<p data-p-id=\"d9b026e511f7c0d914eb2503b3c09a98\">Wer in dem Durcheinander am Ende in den Besitz der der Edelsteine gelangt war, wusste er nicht. Tatsache war jedoch, dass man ihn auf frischer Tat ertappt und \u00fcberw\u00e4ltigt hatte, und dass jeder Anwesende schnell dabei war, gegen ihn auszusagen. Nicht auszudenken, wenn die Obrigkeit auf die Idee gekommen w\u00e4re, genauer nachzuforschen, was sich <em>noch alles<\/em> in der Taverne abgespielt hatte. Sicher s\u00e4\u00dfe er dann nicht allein in der Zelle.<\/p>\n<p data-p-id=\"73c9fad9778ba8ff298b99c55bef0859\">Eine n\u00e4here Untersuchung war nicht n\u00f6tig. Man hatte ihn mit blutigem Messer \u00fcber einem erstochenen ausw\u00e4rtigen <em>vendyr<\/em> angetroffen. Das reichte, um ihn ohne Aufhebens in der W\u00fcste den <em>f\u00fdntaray<\/em> zu \u00fcberlassen. Die Zelle, in der er darauf warten konnte, befand sich gleich gegen\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"1b294d9c8f6491bf636e37e55b654758\">Der Gefangene schnaubte ver\u00e4chtlich. Mitleid oder zumindest Mitgef\u00fchl hatte auch von dem Volk, das nun hier ihrem Treiben nachgingen niemand. Viele der Personen kannte er recht gut, ihn aber wollte wohl niemand mehr kennen. Ein bisschen Spott traf ihn in seiner Zelle, andere taten so, als s\u00e4hen sie ihn nicht in dem Gelass, einer Nische zwischen zwei Geb\u00e4uden mit einem dicken Eisengitter vom Boden bis zur Decke. Auf jedem der sieben Marktpl\u00e4tze gab es solche K\u00e4fige. Deren \u00d6ffentlichkeit durchkreuzte jeglichen Gedanken an einen Ausbruchsversuch: Das Gitter war ohne Schl\u00fcssel nicht zu \u00f6ffnen, schon gar nicht unter aller Augen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2ed51fd2f62b8e6c688dfec3d957e379\">Nicht, dass irgendjemand ein Interesse daran gehabt h\u00e4tte, ihm zu helfen. Er h\u00e4tte jemanden bestechen m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c2d67383340d3e184b5eb474565cfa49\">Der Mann setzte sich nieder und blickte sehns\u00fcchtig hinaus, zu den anderen, den Schurken und den harmlosen Vergn\u00fcgungss\u00fcchtigen, unter denen er nicht mehr mitmischen durfte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b66aab656c68f2dbdbe6e75f9f20f16a\">Morgen fr\u00fch w\u00fcrden die <em>f\u00fdntaray<\/em> ihn in die W\u00fcste bringen. Und danach w\u00fcrde ihn hier niemand vermissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ccd3f24b56877516052dfdbb2c2af495\">Wie w\u00fcrde es wohl sein, hinter den Tr\u00e4umen? Der <em>vendyr<\/em> aus Virhav\u00e9t wusste es wohl schon und hatte wohl nicht damit gerechnet, dass es ihn so schnell dorthin verschlagen w\u00fcrde. Er hingegen, er ahnte in Teilen, was auf ihn zukam. Diese Ungewissheit war &#8230; unangenehm.<\/p>\n<p data-p-id=\"d78d09aa19b14845a863214ff85250d2\">Der Gefangene dachte nach und musste erkennen, dass dieser Gedanke ihm, der so unbek\u00fcmmert mit dem Tod anderer Leute umging, mit jedem Moment mehr zu beunruhigen begann. Seine Wut und Verachtung wichen dem Unbehagen. Der Sorge. Der Angst.<\/p>\n<p data-p-id=\"c5e6bdf0de8f00861fa218a8d5b16860\">Als der Gongschlag auf den Mauern die Mitte der Nacht verk\u00fcndete, hatte er endg\u00fcltig begriffen, was mit ihm geschehen w\u00fcrde. Nun wich die trotzige Verleugnung dem Entsetzen, schierem Grauen. Sie w\u00fcrden ihn in die W\u00fcste bringen. Daran trug er selbst Schuld. Wenn der Gong am kommenden Tag den H\u00f6hepunkt von Patagh\u00edus Pr\u00e4senz verk\u00fcnden w\u00fcrde, w\u00e4re er so tot wie der <em>vendyr<\/em> als Virhav\u00e9t, wie die anderen, die in der Dunkelheit von Aur\u00f3p\u00e9a ihr Ende gefunden hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"ea2ac2246be98fc2c0575e731cc2e621\">Aber w\u00fcrde es ihn so schnell und mit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenigen Schmerzen treffen? Hatte der <em>konsej<\/em> einen Anlass dazu, ihn leiden zu lassen? Wer waren eigentlich diejenigen, die es auszuf\u00fchren hatten? Vielleicht welche, die er aus den Tavernen kannte, mit denen er getrunken oder gek\u00e4mpft oder sie betrogen hatte? W\u00fcrde sie ihn erkennen und es an ihm auslassen? Es w\u00fcrde keine Zeugen geben, verdenken konnte er es ihnen unter diesen Umst\u00e4nden nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"4e1a139a89517cdc9d27949e86f5bd94\">Der Gefangene verstand, wie es sich anf\u00fchlte, ausgeliefert zu sein, wie Todesangst schmeckte. Ihm wurde \u00fcbel davon. Er begann, zu schreien, zu fluchen und zu toben. Passanten blieben stehen und lachten ihn aus. Durch die Gitter konnte er ihnen nichts antun. Sie spotteten und verh\u00f6hnten ihn aus sicherem Abstand. Das falsche, heuchlerische Gesindel! Sie waren nicht besser als die tugendhaften Menschen, die den Tag hier verbrachten.<\/p>\n<p data-p-id=\"30a852415e225f77a0afdaa2c0a8e8a2\">Schlie\u00dflich ging ihm die Kraft aus. Er verstummte, sank zusammen und hielt sich schluchzend die Ohren zu, um ihre Gemeinheiten nicht h\u00f6ren zu m\u00fcssen. So verloren sie das Interesse und zerstreuten sich wieder in die n\u00e4chtliche Stadt.<\/p>\n<p data-p-id=\"97c53b84620f479a75774dc42d00915c\">Gebrochen schaute er nach einer Weile auf den Platz hinaus. Direkt an der Wand neben ihm gab es eine Laterne, aber was einige Schritte weit von ihm entfernt passierte, lag nun im Dunklen. Gegen\u00fcber, bei der Taverne, in der sein Verh\u00e4ngnis seinen Lauf genommen hatte, war mehr Licht. Das Geb\u00e4ude war von au\u00dfen mit bunten Lampen und Fackeln geschm\u00fcckt und sah auf den ersten Blick recht einladend aus. Direkt vor der T\u00fcr, das war eine Art stille \u00dcbereinkunft, ein Zugest\u00e4ndnis an die Obrigkeit, musste es friedlich sein. Auf dem Platz durften keine <em>gr\u00f6\u00dferen <\/em>Missetaten geschehen. Das Innere der Geb\u00e4ude und die Hinterh\u00f6fe, das war eine andere Geschichte.<\/p>\n<p data-p-id=\"517985387399024724f91647357d59ff\">Vor der T\u00fcr hatte sich in der lauen Nacht eine kleine Menschentraube versammelt. Ausgelassen und sorglos waren sie und r\u00fcckten nur einmal kurz beiseite, um einem jungen Mann Platz zu machen, der auf den Marktplatz hinaus wollte. Eine der l\u00fcsternen <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> kam heran, stellte sich ihm spielerisch in den Weg, versuchte wohl ihr Gl\u00fcck, ob mit ihm etwas anzufangen sei in dieser Nacht. Aber er lachte nur, wehrte sie freundlich ab und ging weiter, und sie tanzte weiter, hinein in die Menge.<\/p>\n<p data-p-id=\"9a50010fcac86c97cf9edf1d205c6e6b\">Der Gefangene in der Zelle sah das ohne Interesse, es k\u00fcmmerte ihn nicht. Aber dann bemerkte er, dass der junge Mann direkt auf ihn zu kam, ohne Eile, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Als er die Mitte des Platzes hinter sich hatte, erkannte der Delinquent ihn. Ein <em>b\u00e1chorkor<\/em> [Geschichtenerz\u00e4hler] war es, einer, der sich schon am Vorabend hier aufgehalten hatte. Fl\u00fcchtig erinnerte der Mann sich daran, dass er beim Nachtvolk in der Taverne gewesen war, eine Schar von Zuh\u00f6rern um sich. Er hatte nicht weiter darauf geachtet, aber nun entsann er sich, dass der Anblick ihn kurzzeitig irritiert hatte, so, als passe der <em>b\u00e1chorkor<\/em> nicht g\u00e4nzlich in die Umgebung. Das war nat\u00fcrlich albern. <em>B\u00e1chorkoray<\/em> waren f\u00fcr gew\u00f6hnlich der Mittelpunkt von Vergn\u00fcgungen, denn sie brachten Lieder und Geschichten aus der ganzen Welt mit sich, und nicht nur solche von der erbaulichen oder sentimentalen Art. Sie bewegten sich unter dem Nachtvolk relativ unbehelligt, denn in der Regel waren bei ihnen keine Reicht\u00fcmer zu holen. Daf\u00fcr sorgten sie f\u00fcr ein Quartier und etwas Nahrung f\u00fcr Kurzweil. Manchmal waren sie selbst Raubtiere. Aber der hier, der nun hier vor der Zelle stand und den Gefangenen ruhig musterte, war bestimmt kein Verbrecher, so erb\u00e4rmlich <em>unschuldig<\/em> sah er aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"294d53f0ae5c5251435bb45ec36cf050\">\u201eMan sagt da drinnen, du seiest gestern \u00fcber ein paar bunte Steine gestolpert&#8221;, sagte der <em>b\u00e1chorkor<\/em> freundlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"1b1ece5e7449c2b95369814cf5a2d79e\">\u201ePack dich&#8221;, zischte der Mann. \u201eLass mich in Ruhe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b2422f1eaa0c2f6498ede151d01f1028\">\u201eIch denke, du solltest mich nicht fortschicken&#8221;, antwortete der junge Mann unbeeindruckt.<\/p>\n<p data-p-id=\"5909e2cd6e883005b7a3daaeef48246d\">\u201eKannst du mir hier raushelfen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5827f65b685b7003b2361ccc760ce92e\">\u201eNein. Das darf ich nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1b731094c47ebebf6fe6506a7214627\">\u201eDann verschwinde!&#8221; Der Gefangene spuckte aus, durch das Gitter dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> vor die F\u00fc\u00dfe. Aber das schien den Fahrenden nicht zu st\u00f6ren. Er hockte sich vor ihm hin, st\u00fctzte sich mit der Hand am Gitter ab. Der Gefangene starrte sein Gegen\u00fcber w\u00fctend an und stutzte \u00fcber den sanften, mitf\u00fchlenden Ausdruck in dessen dunklen Augen. Ein schmales, bartloses Gesicht hatte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>, \u00fcppiges, krauses Haar umrahmte es wie eine M\u00e4hne. Im Schein der Laterne schimmerte es kupferfarben.<\/p>\n<p data-p-id=\"42db273bd012a9939e339bf778f00485\">\u201eDu solltest mich nicht wegschicken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d30a0eefb2a0a0822e7f45963c9c457f\">\u201eK\u00f6nnte ich dich wegschicken?&#8221;, fragte der Mann m\u00fcde. \u201eDu w\u00fcrdest doch sowieso nicht gehen, oder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ccd3e56545d51df31166206b0b7f9b1\">\u201eNat\u00fcrlich w\u00fcrde ich gehen. Aber dann h\u00e4tte ich mir die M\u00fche sparen k\u00f6nnen, zu dir zu kommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4c60acad25459fa07304ea730b6a74f0\">Wut flammte noch einmal auf. Die Hand des Gefangenen schoss durch die Gitter, packte den <em>b\u00e1chorkor<\/em> am Kragen seiner ausgewaschenen, roten Tunika und riss ihn so schnell und fest zu den Metallbarren, dass die Stirn des jungen Mannes dagegen schlug. Der Fahrende gab einen Schmerzenslaut von sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"46bc9278d09fff6974d82d650d53b2a4\">\u201eEs kommt f\u00fcr mich nicht mehr darauf auf, B\u00fcrschchen! Ich lass&#8217; mich nicht verspotten! Ich zieh dich durch das Gatter hier herein und brech&#8217; dir das Genick daran!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"db8c6cf93ae3a1c0aac0e61980195db4\">\u201eMeinetwegen&#8221;, entgegnete der <em>b\u00e1chorkor<\/em> gepresst. \u201eAber vielleicht willst du vorher doch noch eine Geschichte h\u00f6ren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6b23612318e3d1cde0f02da2d8992e53\">\u201eGar nichts will ich h\u00f6ren! Ich habe keine Zeit f\u00fcr Geschichten! Und f\u00fcr dich ist bei mir kein Lohn zu holen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"78d554f4e2d3377d252d974fd9888a23\">\u201eHe!&#8221; Ein Trupp von Stadtw\u00e4chtern war aufmerksam geworden. Die vier M\u00e4nner patrouillierten im Auftrag des <em>konsej<\/em> durch die Quartiere, um zumindest oberfl\u00e4chlich den Anschein von Ordnung zu wahren. Ihr Anf\u00fchrer kam n\u00e4her. \u201eLass den Mann in Ruhe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f22123ae215caf77ac13400a86f503c8\">Widerwillig gehorchte der Gefangene. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> wich zur\u00fcck, rieb sich den Kopf und zupfte w\u00fcrdevoll sein Gewand zurecht.<\/p>\n<p data-p-id=\"ed63b7ae2284d68261fa6fa43b85b171\">\u201eIst nichts passiert!&#8221;, knurrte der Mann in der Zelle.<\/p>\n<p data-p-id=\"52de4484e74c501077fc910fba5c7303\">\u201eDu machst es dir nicht angenehmer!&#8221;, lie\u00df der W\u00e4chter ihn wissen. \u201eWirst es wohl morgen merken. Und du, Kerl, nimm dich in Acht! Ist nicht angenehm, hier st\u00e4ndig Leichen wegzur\u00e4umen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c1af63acd5813e2d49eef80a979ce2ce\">\u201eEs ist nichts geschehen&#8221;, gab der junge Mann munter zur\u00fcck. \u201eIch habe nicht vor, mich wegr\u00e4umen zu lassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"120790de46fe2f17b283a036e554e940\">Der W\u00e4chter antwortete mit einem schiefen L\u00e4cheln. Dann zog er mit seinem Trupp weiter. Er tat hier nur seine Arbeit und mochte sie hassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ef5c029eeafeb18c129ba4012507a18\">Als sie weg waren, fragte der Gefangene: \u201eWas willst du? Ich habe nur noch einen Vierteltag!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0688f8b240ef53838ec1e02bc4793e0f\">\u201eJa. Und du hast Angst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b2cc9a6eaab69da27e67fc72cbee9d71\">\u201eIch?&#8221; Der Gefangene schnaubte. \u201eVor mir m\u00fcssen sie Angst haben. Ich werde ihnen trotzen bis zum letzten. Bis zum &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb2507a3fee3704d77fcefd0ec76c5d9\">Die dunklen Augen des <em>b\u00e1chorkor<\/em> schauten fragend. Die Stimme des Mannes, der bald tot sein w\u00fcrde, stockte, brach und schluchzte dann auf. \u201eVerdammt, ja. Ich habe Angst! Bei den M\u00e4chten, ich &#8230; ich w\u00fcnschte, das w\u00e4re alles nicht passiert! Ich w\u00fcnschte, ich &#8230; ich h\u00e4tte das nicht getan.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a5a74f64faa8d51efae0da7a51793fab\">\u201eWas? Den Edelsteinvendyr get\u00f6tet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e145243fefe798179c569801a886db62\">\u201e<em>Alles<\/em>. Ich w\u00fcnschte, ich w\u00e4re nie hierhergekommen. Ich w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte ein anderes Leben gelebt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"07e72a18605502de307da9dec27b1f8f\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> wartete. Dann setzte er sich neben der Zelle hin und lehnte sich an die Wand.<\/p>\n<p data-p-id=\"f2198379bb2eade1bddaba6ba49cb669\">\u201eIch kann und darf dir nicht helfen&#8221;, sagte er. \u201eAber ich kann bei dir bleiben, bis sie dich abholen. Sofern du mich nicht aus eigenem Willen fortschickst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4092b27d243bf1a1eb0fa7fcf27260f1\">\u201eUnd wozu?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d3ebf843042a03a1ee0326a5f4f6699\">\u201eWenn du mir etwas gibst, kann ich dir daf\u00fcr etwas nehmen. Deswegen bin ich hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3fcf9cdb4e5d402315803fa208a62418\">Der Gefangene lachte bitter auf. \u201eSelbst wenn ich etwas h\u00e4tte, es w\u00e4re ein schlechtes Gesch\u00e4ft f\u00fcr mich, findest du nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55620b832ed31bfa1db4e6846abc8418\">\u201eDas kommt darauf an.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e71b7dc31764d00556fbb496a1438718\">\u201eKeine Ahnung, was du redest.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"29bc2188a16291f3f2403a5df69f803c\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schaute unbeteiligt auf den Platz, auf die Nachtschw\u00e4rmer, das Gewimmel, halb gef\u00e4hrlich, halb gedankenlos. \u201eAll diese Leute&#8221;, sagte er. \u201eDa ist so viel &#8230; Seltsames. So viel Furcht. Blindheit. \u00dcbermut.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"87ab3ec0d93c57453a9c486f47bbe10d\">\u201eBlindheit?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d4bbcc03602e19b092ccfbabe65ad063\">\u201eJa. Sie machen die Augen zu, um nicht zu sehen. Sie sind laut, um nicht zu h\u00f6ren. Sie sind brutal, um sich stark zu f\u00fchlen. Auf keiner meiner Reisen habe ich das so stark gesp\u00fcrt wie in Aur\u00f3p\u00e9a. Hier ist etwas &#8230; verkehrt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"98956d7bd02f4e3796748dac65863138\">\u201eUnd wo bist du schon gewesen, um das sagen zu k\u00f6nnen?&#8221;, spottete der Gefangene.<\/p>\n<p data-p-id=\"25a35f8edd98cd12de5691f6d79224d2\">\u201e\u00dcberall.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"14fcb5ecfbed5732f315134ebaa4faf5\">Der Mann in der Zelle runzelte verwirrt die Stirn, aber der <em>b\u00e1chorkor<\/em> redete schon weiter.<\/p>\n<p data-p-id=\"8da4ccef1361ec219b1ddbd29ec4580c\">\u201eIch reise durch die Welt, um Geschichten zu erz\u00e4hlen. Ich glaube, ich habe Worte f\u00fcr dich dabei, die du an deinem letzten Vierteltag gut brauchen kannst. Vielleicht ist es die beste, die sch\u00f6nste Geschichte, die du jemals geh\u00f6rt hast. Und ich erz\u00e4hle sie nur f\u00fcr dich in dieser Nacht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"81160fa2c425f6ff2182e5141f61fa66\">\u201eIch habe mich vielleicht nicht deutlich genug ausgedr\u00fcckt, B\u00fcrschchen. Aber ich kann dir nichts bezahlen f\u00fcr deine M\u00e4rchen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"46387fa9926c5fe25825b9aa8b2ab104\">\u201eIch gebe mich ersatzweise auch mit einem Gefallen zufrieden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"50c101352aa887fa8773f53b1b5947b7\">\u201eWas f\u00fcr einen Gefallen k\u00f6nnte ich dir tun? Ich bin so gut wie tot!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a7121019c6bc9d513649b07e3e3b34f8\">\u201eIch wei\u00df. Und genau deshalb komme ich zu dir. Ich m\u00f6chte in dem Moment, in dem du hinter die Tr\u00e4ume gehst, durch deine Augen schauen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fb50321413dc0e4391ba4cef0ca72b66\">\u201eWas? Was soll das hei\u00dfen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6609e9b6b7de618c6421d071a2750ab0\">\u201eLass es meine Sorge sein, wie das m\u00f6glich ist. Es &#8230; es ist vielleicht nicht recht, so zu handeln, aber es hat seine guten Gr\u00fcnde, dass ich dich darum bitte. Ich bitte dich, mir deinen letzten Augenblick zu \u00fcberlassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6406f17c5bb0fea9fcec67802249ab87\">Der Gefangene lachte. Der Kerl war wahnsinnig, ganz klar. Wahrscheinlich hatte er zu viel von dem Rauschzeug in der Taverne gehabt, vielleicht hatte sich jemand einen Scherz erlaubt und sein Bier damit versetzt. Armer dummer Tropf!<\/p>\n<p data-p-id=\"d147955556854266eea28732c34850b9\">\u201eMeinetwegen&#8221;, sagte er leichthin. \u201eDas kann ich dir wohl abtreten. Aber was willst du mir noch nehmen, h\u00e4?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5424f23d9c4b56ea3eb4cddfdaedcce4\">\u201eDeine Angst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb78de9334fe127aebb11e3620e48889\">Das sagte der <em>b\u00e1chorkor<\/em> so ruhig und ernsthaft, dass es den Gefangenen schaudern lie\u00df. Ein seltsames Gef\u00fchl wallte in dem Mann hoch, so entsetzlich und zugleich so &#8230; verlockend. Eine Regung, \u00fcber die er keine Kontrolle hatte und gegen die sein Verstand sich wehrte, etwa zwei Atemz\u00fcge lang.<\/p>\n<p data-p-id=\"8357ad1df8d5482bbfb94087f49c838e\">\u201eWer bist du?&#8221;, wisperte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"b966be0a5f8d6fa99b3dc706bdf2b736\">\u201eMein Name ist Gal\u00e9on.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"edf144d15eeb91d58a36d4e00f8d8341\">Der Gefangene schauderte. Der Gong auf den Mauern verk\u00fcndete das unerbittliche Voranschreiten der Zeit.<\/p>\n<p data-p-id=\"7043d92fd68f242d5fc5a52eb9137c0a\">\u201eBitte&#8221;, bat der Mann. \u201eLass mich deine Geschichte h\u00f6ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2b1eaf57461990fc410d6d647c7c7d98\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> l\u00e4chelte. Dann begann er, zu erz\u00e4hlen, w\u00e4hrend das Nachtleben von Aur\u00f3p\u00e9a um sie herum weiter ging wie hinter Glas.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2415","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2415","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2415"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2415\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3773,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2415\/revisions\/3773"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2415"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2415"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2415"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}