{"id":2411,"date":"2025-08-25T11:36:53","date_gmt":"2025-08-25T09:36:53","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2411"},"modified":"2025-09-01T09:08:13","modified_gmt":"2025-09-01T07:08:13","slug":"010-galeon-schaut-in-die-wueste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/010-galeon-schaut-in-die-wueste\/","title":{"rendered":"010: Gal\u00e9on schaut in die W\u00fcste"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"1271bba4ab91af6d0cda3705a98aa717\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> Gal\u00e9on sa\u00df, als Patagh\u00edus Glanz sich auf seinem H\u00f6hepunkt befand, auf dem Dach der Herberge und blickte nach S\u00fcden. Hier oben hatte er Ruhe. Zwar drang das gesch\u00e4ftige L\u00e4rmen vom Marktplatz kaum gemildert auch bis hier hinauf, aber das konnte lenkte ihn kaum ab. Wichtiger war, dass er freie Sicht hatte. Dazu eignete sich das Gasthausdach ausgezeichnet, denn das mehrgeschossige Geb\u00e4ude war das h\u00f6chste unter jenen, die am s\u00fcdlichen Rand der Stadt standen. Er konnte \u00fcber die flachen D\u00e4cher der \u00fcbrigen H\u00e4user von hier bis zur Stadtmauer hinwegblicken. Die W\u00fcste zeigte sich jenseits der Mauern als ein unendlicher, blendend heller Streif unter einem Himmel, der so klar war, dass sein Blau fast massiv wirkte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6dfe4d34d0a5c22de10238e531895c49\">Es war hei\u00df, am Mittag und oben auf dem Dach, aber es gab einen Schatten spendenden Baldachin aus Strohmatten, unter dem ein paar Kissen zum Sitzen bereit lagen. Ab und zu nutzten G\u00e4ste der Herberge die Ungest\u00f6rtheit der schmucklosen Dachterrasse, um Gesch\u00e4fte (je nach Tageszeit, redlicher oder ungesetzlicher Art) zu verhandeln. Doch im Augenblick war hier niemand, und so konnte Gal\u00e9on sich auf das konzentrieren, was im S\u00fcden, in der W\u00fcste vor sich ging.<\/p>\n<p data-p-id=\"db20b9980ea377e6c7c3bfbd6efe4350\">Allzu viel war es nicht. Der M\u00f6rder des Edelsteinh\u00e4ndlers lebte also noch.<\/p>\n<p data-p-id=\"d1c1f4a9b0d1dedf38b2b417fab882a2\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schaute mit leerem Blick in die Ferne und war zunehmend beunruhigt \u00fcber diesen Umstand. Es best\u00e4tigte ihm, was er schon lange vermutet hatte: In der Tiefe der W\u00fcste gingen Dinge vor sich, die so nicht sein sollten.<\/p>\n<p data-p-id=\"226d68b863e1bed3ce2deea5de5b06b1\">Er lie\u00df sich in seiner Beobachtung nicht ablenken, als eine Frau durch die schmale Luke im Boden ebenfalls das Dach betrat. Sie hatte einen kleinen Korb bei sich und stutzte, als sie den jungen Mann bemerkte, der da bewegungslos im Schatten sa\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"7b2d6a749c1e4539e5a6c59882417cec\">\u201eWas machst du hier oben in der Hitze?&#8221;, fragte sie verwundert.<\/p>\n<p data-p-id=\"1c9526148fa23de5ff51bd43f5183c5a\">\u201eIch musste nachdenken&#8221;, antwortete er, ohne sich ihr zuzuwenden.<\/p>\n<p data-p-id=\"690a99d40001c56c6cea5ea521c6c7bb\">\u201eHier? Zu dieser Zeit?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"50ae98045cc4cf83484f5c33d8a4b03e\">\u201eHier ist Ruhe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e6e0ff5e915aa3a9b6be14107625a17\">\u201eAn deiner Stelle w\u00fcrde ich in die Oberstadt gehen, wenn du Ruhe willst&#8221;, empfahl sie. \u201eDa ist es viel angenehmer, mit all den B\u00e4umen und Wasserspielen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"707af7e2e2121587b9e89eb1f52c7bec\">\u201eVielleicht sp\u00e4ter&#8221;, sagte er geistesabwesend.<\/p>\n<p data-p-id=\"b47454eaf7d583b3064dff4f0436d6fa\">\u201eWen ich die Mu\u00dfe dazu h\u00e4tte&#8221;, redete sie unbeeindruckt weiter, \u201eich w\u00fcrde jeden Tag dorthin gehen. Da ist noch alles in Ordnung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9e0fb8bb3a03a90a0abd0390bdcbc87a\">\u201eSo?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83ef83beee01aafb16241480ff296541\">\u201eIch w\u00fcrde gerne da leben. Aber die feinen Leute, die Alten und ihre W\u00e4chter passen schon auf, dass unsereiner nicht zu nahe kommt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e6c386fe2ad0a19c63ebbbacce8b051d\">Nun wandte er sich ihr zu. Sie bemerkte es nicht und begann, den Inhalt ihres Korbes in eine Darre zu leeren und ihn auszubreiten. W\u00fcrzschoten und s\u00fc\u00dfe Fr\u00fcchte hatte sie gebracht, die hier in der Sonnenhitze schnell trocken und haltbar gemacht w\u00fcrden.<\/p>\n<p data-p-id=\"aceb2a01b0c5f66df209de35e3a3e34f\">Er erkannte sie, ohne zu wissen, wer genau sie sein mochte. Offenkundig geh\u00f6rte sie zum Gasthaus, an den beiden Abenden zuvor war sie als Schankm\u00e4dchen mit der Bewirtung der G\u00e4ste besch\u00e4ftigt gewesen. Tags\u00fcber, in der Zeit, in der Aur\u00f3p\u00e9a die biedere Maske trug, war sie wahrscheinlich in der K\u00fcche besch\u00e4ftigt. Sehr wahrscheinlich leistete sie in den dunkelsten Stunden ganz andere Dienste, vielleicht auf eigene Rechnung, vielleicht f\u00fcr den Gastwirt. Sicherlich verstand sie es, Begierde zu erwecken, aber die Zeit begann, ihren Liebreiz zu verwischen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4fe0c370720e588b3fe89bbd46a82eed\">Er beobachtete sie eine Weile nachdenklich, w\u00e4hrend sie mit den Fr\u00fcchten besch\u00e4ftigt war. So viele unschuldige Tr\u00e4ume, ganz, ganz klein und kostbar im hintersten Winkel ihres Herzens. Wie mochte sie hierhergekommen sein? War sie schon immer hier gewesen?<\/p>\n<p data-p-id=\"710ab12307b4121d8ee02eb68ce08185\">\u201eWas hattest du mit dem Kerl zu schaffen, der vorgestern den Kerl abgestochen hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5d4324346cc6c28bf857f47e0b6bf5b0\">Aha. Das war dem Nachtvolk also aufgefallen. Nun, er hatte sich nicht darum bem\u00fcht, es geheim zu halten.<\/p>\n<p data-p-id=\"c1430e72904d8b6f6c955835d5d03f96\">\u201eNichts weiter. Ich bin ihm nie zuvor begegnet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f57086c3c4b0e433a2f1b689c56ad983\">\u201eDaf\u00fcr habt ihr euch aber ziemlich lange unterhalten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cd529f2a4e0a7dc7cd26a684eed674a4\">\u201eIch wollte probieren, ob ich von ihm etwas zu h\u00f6ren bekomme, was mir f\u00fcr eine neue Geschichte taugt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ca3cbe7f03d321523119747f9fd0c819\">Sie schnaubte. \u201eZeitverschwendung. Sowas passiert hier alle Tage.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e851190444870737e53b7fbcbb39eb89\">\u201eHier vielleicht. In For\u00e9tern kann ich daraus eine Schauererz\u00e4hlung machen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dbd67425789293306c9f058da848a83f\">Sie stellte den Korb ab und wischte sich die von den Fr\u00fcchten klebrigen H\u00e4nde an ihrer fleckigen Sch\u00fcrze ab. \u201eAch, For\u00e9tern &#8230; das ist weit, weit im Osten, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d16e09ae7efebe3ea21bd14fa200b0f8\">\u201eSehr weit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2bad75c2790fd058ddc0b9ae66bd72d4\">\u201eBist du dort schon gewesen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8d97f60788cb62d31ddd6eee774aed97\">\u201eJa&#8221;, antwortete er belustigt. <em>Mehrfach sogar.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"4c49506f9928a3fba11554813ea58666\">\u201eWie ist es da?&#8221;, fragte sie begierig und kam n\u00e4her.<\/p>\n<p data-p-id=\"119ac50566661b40a8dab2cb926126da\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> seufzte lautlos. Um ihn mit ihrer Neugier abzulenken, hatte sie sich einen denkbar schlechten Moment ausgesucht.<\/p>\n<p data-p-id=\"24c2120b7aaa806acea4fac227d2b7a6\">\u201eEs ist ein sehr reiches <em>teirandon<\/em>&#8220;, sagte er. \u201eViele kleine <em>yarlm\u00e1lon<\/em>, alle inmitten von immergr\u00fcnem Wald mit fremdartigen B\u00e4umen und Str\u00e4uchern und Blumen, so bunt und pr\u00e4chtig, wie du sie dir kaum vorstellen kannst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b1cf733f3a9b5155f0d515c8b223552\">\u201eBlumen?&#8221;, fragte sie, \u00fcberrascht \u00fcber eine solche Nebens\u00e4chlichkeit..<\/p>\n<p data-p-id=\"9c8284e35412280f462dab1ff4fd3f6a\">\u201eWenn sie still sitzen, ist es schwierig, Schmetterlinge von Bl\u00fcten zu unterscheiden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"123b1ae83547abf858f3ee42c1d8cd2c\">\u201eStimmt es, dass sie H\u00e4user aus Gold und Edelsteinen bauen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5953980d661b7d977a32476d72f1078f\">Er z\u00f6gerte und versuchte einzusch\u00e4tzen, wie wahrscheinlich es war, dass diese Frau jemals das ferne fremdartige Reich s\u00fcdlich des Montazi\u00e9l zu Gesicht bekommen w\u00fcrde. Ben\u00f6tigte sie einen bunten Traum, ein M\u00e4rchen, oder eine exakte Ortsbeschreibung?<\/p>\n<p data-p-id=\"93578d14600fa11d47ca45a6ee98b403\">\u201eNur die ganz Reichen&#8221;, behauptete er dann vage.<\/p>\n<p data-p-id=\"218857668480de7e8c251cb3fa4e5862\">\u201eIch w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte auch weg von hier&#8221;, sagte sie sinnend. \u201eEs geht immer weiter nieder mit dieser Stadt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c3023e990e94a8bff7ea8dc302204735\">\u201eDas ist wohl wahr. Man ist seines Lebens hier nicht mehr sicher, scheint mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d3efbe54d0d7f9c4aafcde5259f3ed7\">\u201eAch&#8221;, schnaubte sie, als wolle sie zu einer ausf\u00fchrlichen Gegenrede ansetzen. Aber sie besann sich eines Besseren und wandte sich wieder ihrer Arbeit zu. Mit dem D\u00f6rrobst war sie zum Ende gekommen, aber auf dem Dach hing auch noch W\u00e4sche, ausgeblichene, zerschlissene Laken und ein wenig Kleidung. Offenbar war all das trocken genug, sodass sie es abh\u00e4ngen und den bereitstehenden W\u00e4schekorb legen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f05e11a1a40014c776be8f47b8f6560b\">Gal\u00e9on schaute wieder in die W\u00fcste. Der Blick des Raubm\u00f6rders, der dort auf sein Ende wartete, vermengte sich wieder mit dem, was der junge Mann auf dem Dach sah, n\u00e4mlich Sand, Sonne und diesem unwirklich blauen Himmel.<\/p>\n<p data-p-id=\"22060d54b92a488aef7779f3077765a0\">Der <em>b\u00e1chokor<\/em> faltete die H\u00e4nde und st\u00fctzte das Kinn darauf. Worauf warteten sie? Warum hatten sie den Ungl\u00fccklichen nicht l\u00e4ngst hinter die Tr\u00e4ume gebracht? Was geschah in der W\u00fcste mit denen, die Aur\u00f3p\u00e9a ausl\u00f6schen wollte?<\/p>\n<p data-p-id=\"dce7c95328dce4edc9640d4126387680\">F\u00fcr einen Moment \u00e4rgerte er sich, dass er mit dem Verbrecher nur um dessen Blick gehandelt hatte, nicht gleich um dessen Geist. Davor war der junge Mann zur\u00fcckgeschreckt; nicht, weil er es nicht vermocht h\u00e4tte, eine mentale Verbindung mit dem Delinquenten herzustellen. Vielmehr w\u00e4re es ihm taktlos vorgekommen, in jenem Moment die Gedanken und Gef\u00fchle zu ersp\u00fcren. Dieser Moment war eine Sache zwischen dem Sterblichen und dem Licht, etwas, das keinen Au\u00dfenstehenden etwas anging, was nicht gest\u00f6rt werden durfte.<\/p>\n<p data-p-id=\"747ea584ae3fa042f27ad27db6cb3456\">Nun aber, das erkannte er mit jedem Atemzug, der verging, begriff Gal\u00e9on, dass er so in seiner Suche nach der Wahrheit nicht weiter kam. So, wie es aussah, w\u00fcrde ihm nichts anderes \u00fcbrig bleiben, als abzuwarten und an einem der n\u00e4chsten Tage ein neues Opfer auszumachen, das mit dem Gesetz in der Stadt in Konflikt geriet und in die W\u00fcste gebracht w\u00fcrde. Dann w\u00fcrde er um etwas noch kostbareres handeln m\u00fcssen. Bei den M\u00e4chten, warum war das alles so kompliziert?<\/p>\n<p data-p-id=\"81a14978c8df77424a6d0c1fe8bee29c\">\u201eMich l\u00e4sst die Geschichte dieses armen ungl\u00fccklichen Kerls nicht los&#8221;, begann er.<\/p>\n<p data-p-id=\"5f0dc50e20a010910be49aa0d56bf2ab\">\u201eDer hat sich doch selbst zuzuschreiben, was geschehen ist&#8221;, antwortete sie ver\u00e4chtlich. \u201eH\u00e4tte sich eben nicht <em>erwischen<\/em> lassen d\u00fcrfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0f8c55ab1be3edd9bdcf0ee9d1b8459d\"><em>Vielleicht h\u00e4tte er einfach auch niemanden aus Gier ermorden d\u00fcrfen<\/em>, dachte Gal\u00e9on. Aber die fragw\u00fcrdigen Moralvorstellungen der Bewohner von Aur\u00f3p\u00e9a irritierten ihn schon lange nicht mehr. Doch das war jetzt nicht wichtig.<\/p>\n<p data-p-id=\"3b7f994d7480ffe6ffef420838dfb5ca\">\u201eWann ist der <em>konsej<\/em> dazu \u00fcbergegangen, Hinrichtungen in die W\u00fcste zu verlegen?&#8221;, fragte er beil\u00e4ufig.<\/p>\n<p data-p-id=\"333ee77eacc732161b5d6810473fca82\">Sie hielt einen Augenblick mit ihrer W\u00e4sche inne und dachte nach. \u201eDas muss so acht, neun Sommer her sein&#8221;, sagte sie dann. \u201eSeit der <em>s\u00ednor<\/em> [~ Rats\u00e4lteste] \u00daldaise im Amt ist. Wenn du mich fragst &#8230; es war keine gute Entscheidung. Aber er hat sich wohl durchgesetzt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ad2bae03e18f65f2acde624aac0887ec\">\u201eWas war seine Begr\u00fcndung?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"19f2e6866fc97fc23c0f7faba5c6c6c0\">\u201eAch &#8230; da musst du jemand anderen fragen. Ich war damals noch ein kleines M\u00e4dchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"10b7b5b21a9712398da8f2eb53b241ad\"><em>Du warst ungef\u00e4hr f\u00fcnfundzwanzig Sommer alt<\/em>, dachte Gal\u00e9on am\u00fcsiert. \u201eUnd warum war es keine gute Entscheidung?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec4628b4d4d7ed11fb087b3bdd0d1f52\">\u201eNa ja. Wenn es zu unruhig in der Stadt wurde und der <em>konsej<\/em> vor allen Augen durchgegriffen hat, war es anschlie\u00dfend eine Weile ruhig. Es &#8230;&#8221; Sie z\u00f6gerte, suchte nach Worten. \u201eWenn in der K\u00fcche Suppe im Topf siedet, muss man rechtzeitig den Deckel herunter nehmen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"13a80417722fbe00f940d2923daa7a3d\">\u201eDas ist ein \u00fcberaus seltsamer Vergleich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9697544e442b701c0fe53013c772d14\">\u201eJedenfalls hat der Alte \u00daldaise daf\u00fcr gesorgt, dass die <em>f\u00fdntaray<\/em> ihre Sache jetzt in der W\u00fcste tun. Vielleicht war denen in der Oberstadt der Trubel zu gro\u00df geworden, den es an jenen Tagen sonst immer gegeben hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"814f8f5a8d7a49c656639a7e79a2cd22\">Trubel. Was f\u00fcr ein <em>niedliches<\/em> Wort f\u00fcr das, was Gal\u00e9on vorgefunden hatte, als er bei fr\u00fcheren Reisen in Aur\u00f3p\u00e9a verweilt hatte. In der Tat hatten in fr\u00fcheren Zeiten die Vollstreckungen in einer seltsamen Atmosph\u00e4re stattgefunden, einer Gemengelage aus Sensationsgier, Abscheu, Faszination und Volksfeststimmung . Der <em>konsej<\/em> hatte damals f\u00fcr lange, lange Zeit auf die abschreckende Wirkung gesetzt und tats\u00e4chlich erreicht, dass sich aufgestaute Emotionen der Bewohner der Stadt hatten entladen k\u00f6nnen, ja, vielleicht tats\u00e4chlich wie der Druck, der sich im Suppentopf aufbaute. Es hatte Klarheit geschaffen. Jene, die Opfer von Verbrechen gewesen waren, hatten eine schale Vergeltung bekommen, etwas, was sie f\u00fcr Gerechtigkeit halten mochten, was aber letztlich nichts ungeschehen machte. Andere mochten Widersacher und Konkurrenten der eigenen Sache aus dem Weg ger\u00e4umt gesehen haben, und Machtpositionen im Nachtvolk waren neu vergeben worden. Eine in irgendeiner Weise abschreckende oder lindernde Wirkung hatte es jedoch nie gehabt.<\/p>\n<p data-p-id=\"4c0b6073eb53b35903b10d8a1f78b1cc\">Gal\u00e9on hatte niemals verstanden, warum Menschen sich aus niederen Motiven diesem Risiko aussetzten. Aber so schien es \u00fcberall im Weltenspiel zu sein, wenn auch nirgends in einem solchen Extrem wie in Aur\u00f3p\u00e9a.<\/p>\n<p data-p-id=\"b797aef3346299e5a6cb592fdbfbd7fb\">Was war mit dieser Stadt geschehen? Und was geschah in der W\u00fcste? Oder vielmehr: Warum geschah dort offenbar \u00fcberhaupt nichts? Der M\u00f6rder sah genau dasselbe, wie der junge <em>b\u00e1chokor<\/em> auf dem Dach: Sand. Sonne. Harten blauen Himmel. Und die Zeit verging.<\/p>\n<p data-p-id=\"35ba671607e2f196b2959424d70eb945\">Seine Gedanken schweiften ab, w\u00e4hrend die Frau mit ihrer W\u00e4sche wieder ins Haus hinabkletterte. Ob er hier seine Zeit verschwendete? Oder vielmehr &#8230; ob er in einer falschen Richtung suchte?<\/p>\n<p data-p-id=\"d60a48adab9a4bee3bd21aa9707576ff\">Eigentlich, so versuchte er es sich einreden, spielte es \u00fcberhaupt keine Rolle, auf welche Art und Weise der M\u00f6rder in der W\u00fcste dem Licht begegnen w\u00fcrde. Seine eigene, pers\u00f6nliche Suche hatte ein g\u00e4nzlich anderes Ziel, und dass er sich nun mit der neuen Methode auseinandersetzte, mit der der <em>konsej<\/em> von Aur\u00f3p\u00e9a sich seiner Misset\u00e4ter entledigte, war nur ein Detail, das ihm an Rande seiner eigenen Gesch\u00e4fte ins Auge gefallen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"e429c4077af0a75d2971f38c36e5608a\">Als der <em>b\u00e1chorkor<\/em> erstmals davon geh\u00f6rt hatte, hatte er noch angenommen, es sei eine Erw\u00e4gung von Sittlichkeit, von Respekt, vielleicht auch von Mitleid gewesen. Dann hatte ihn die Neugier gepackt. Er hatte versucht, mehr herauszufinden, das Wie und Warum zu ergr\u00fcnden. Etwas hatte sein Interesse an Aur\u00f3p\u00e9a neu entfacht, was umso erstaunlicher war, da Gal\u00e9on sich zu einer Vielzahl anderer Orte auf der Welt instinktiv weitaus mehr hingezogen f\u00fchlte als zu dieser seltsamen Stadt am Rande von Soldes\u00e9r.<\/p>\n<p data-p-id=\"c8dcef128a1c7cf64db8f8d06c12a147\">Das, wonach er suchte, das sp\u00fcrte der weitgereiste <em>b\u00e1chokor<\/em>, befand sich nicht ann\u00e4hernd an diesem Ort. Und doch &#8230; etwas, eine Ahnung, eine \u00dcberzeugung, vielleicht auch nur eine Einbildung sagte ihm, dass er hier etwas finden w\u00fcrde, das ihn vielleicht an sein Ziel f\u00fchren konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ffef0909884d226d5ebcca9b94c9394\">Vielleicht war es der Umstand, dass niemand, wirklich niemand zu wissen schien, was in der W\u00fcste geschah. Es gab keinen winzigen Hinweis, aus dem sich etwas machen lie\u00df, sobald weitere Teile hinzukamen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2b873f3715e1343fcd32ef7a15a552a8\">Gal\u00e9on hielt sich schon eine geraume Zeit in der Stadt auf, hatte in jedem der Stadtteile einige Tage verbracht und sich unter dem Nachtvolk umgeh\u00f6rt. Zu seiner Beunruhigung hatte er auch jeden Tag Menschen in den Zellen an den Marktpl\u00e4tzen gesehen, die am n\u00e4chsten Morgen verschwunden und in kurzer Zeit durch andere ersetzt wurden. Er hatte zun\u00e4chst unverbindlich, dann direkt gefragt, sich peinlich ber\u00fchrte Blicke ebenso zugezogen wie offenen Unmut (und in letzterem Fall schnell seine Herberge gewechselt), aber immer hatte seine Frage dieselbe Antwort ergeben: Stadtw\u00e4chter brachten die Verurteilten in die W\u00fcste und \u00fcberantworteten sie dort den <em>f\u00fdntaray<\/em>. Wer diese <em>f\u00fdntaray<\/em> seien, hatte er gefragt, mit der Arglosigkeit, die nur ein Fremder, und noch dazu ein <em>b\u00e1chorkor<\/em> auf der Suche nach Geschichten haben durfte.<\/p>\n<p data-p-id=\"eeb4b8790b0a04c5e66d3e61de711113\">Man wisse es nicht. Seit der neue <em>konsej<\/em> im Amt war, seien die W\u00e4chter mit den Verurteilten allein losgezogen. Die <em>f\u00fdntaray<\/em>, deren Identit\u00e4t niemand kannte, w\u00fcrden erst in der W\u00fcste hinzukommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6f6cb7032425e0928a96cbadcc807ba7\">Daraufhin hatte Gal\u00e9on versucht, mit Stadtw\u00e4chtern ins Gespr\u00e4ch zu kommen, ohne Erfolg, denn die meisten dieser M\u00e4nner hatten keine Ahnung, waren noch nie auf einer solchen Mission gewesen. H\u00f6chste Geheimhaltung, so hatte man sie angewiesen. Und einer hatte auf beunruhigende Weise angefangen, Gal\u00e9on auszufragen, wie in der Hoffnung, den jungen Mann selbst irgendeiner Untat \u00fcberf\u00fchren zu k\u00f6nnen, sodass er mit eigenen Augen schauen k\u00f6nne, wie der <em>konsej<\/em> richtete.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f195a83da2f81a495582be7060151cc\">Einmal hatte Gal\u00e9on in einer dunklen Gasse f\u00fcrchterliche Pr\u00fcgel bezogen, von einem Mann, der sich selbst als ehemaliger <em>f\u00fdntar<\/em> des <em>konsej<\/em> entpuppte, der entlassen worden war, kurz nachdem der Alte \u00daldaise ins Amt gekommen war. Gal\u00e9on konnte sich gerade noch entsinnen, den vierschr\u00f6tigen Mann kurz zuvor in einer besonders schmuddeligen Taverne gesehen zu haben, wo er offensichtlich nun daf\u00fcr zu sorgen hatte, dass Handgreiflichkeiten unter den G\u00e4sten nicht allzu sehr ausuferten. Das war <em>interessant <\/em>gewesen, denn offensichtlich hatte Gal\u00e9on mit seinen Nachforschungen an etwas ger\u00fchrt, das nicht jedem in Aur\u00f3p\u00e9a gefiel. Also der <em>b\u00e1chorkor<\/em> mehr tot als lebendig wieder zu sich gekommen war, stand f\u00fcr ihn au\u00dfer Frage, dass das Schicksal der Verbrecher von Aur\u00f3p\u00e9a ein Mysterium oder zumindest ein sehr undurchsichtiger Plan sein musste. Vorsichtshalber hatte er sich daraufhin einige Tage au\u00dferhalb der Stadt aufgehalten und bei dieser Gelegenheit selbst beobachtet, wie ein Trupp Verurteilter in die W\u00fcste gebracht worden war. Die W\u00e4chter waren nach einigen Stunden wieder zur\u00fcckgekehrt, nicht weit nach Pataghi\u00fas h\u00f6chster Pracht. Dieser Zeitpunkt war bereits verstrichen, wie Gal\u00e9on an den Gongschl\u00e4gen h\u00f6ren konnte, mit denen die Stadtbewohner sich den Tag einteilten.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d05066b110128058545dd88205ea36f\">Warum hatte der M\u00f6rder das Licht noch nicht erblickt?<\/p>\n<p data-p-id=\"982ae2bdadb022bff1932adedac6900a\">Gal\u00e9on schaute hin\u00fcber zum <em>Ciel\u00e1stel<\/em>, der Burg direkt neben der Stadt, die m\u00e4chtige Festung, die aus Gold, Perlmutt, Kristall und Regenb\u00f6gen erbaut zu sein schien und unter der Sonne schimmerte und schillerte.<\/p>\n<p data-p-id=\"66dc95d8ddfcf14f4b4b10bef06d3748\">Ob die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> davon wussten? Ob es sie interessierte? Wie weit reichte das Gel\u00f6bnis, sich niemals mit Magie in die Belange der Menschen einzumischen? Nahmen die <em>faj\u00eda<\/em> und ihre Getreuen \u00fcberhaupt noch Anteil am Weltenspiel? Wer konnte das wissen? Nur sehr wenigen <em>ujoray<\/em> war der Zugang zum <em>Ciel\u00e1stel<\/em> \u00fcberhaupt gestattet, den Mitgliedern des <em>konsej<\/em> nat\u00fcrlich und einigen ausgew\u00e4hlten Unkundigen. Umgekehrt war sah man niemals Regenbogenritter <em>innerhalb<\/em> der Stadtmauern. Dass die Burg unmittelbar neben der Festung von Patagh\u00edus Dienern entstanden war, hatte vor langer, langer Zeit, weit bevor die Magischen Kriege ausgebrochen waren, gute Gr\u00fcnde gehabt. Die Unkundigen hatten damals den Schutz der Hellen Magier gesucht, und diese, sowohl die <em>faj\u00eda\u00e9<\/em> als auch die geheimnisvollen Krieger, hatten ihn gern gew\u00e4hrt. In den Magischen Kriegen war Aur\u00f3p\u00e9a ein Zufluchtsort gewesen. In den Chaoskriegen indes, lange danach, war die Ordnung ins Wanken geraten. Die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> hatten damals gesiegt, aber in den Augen der Unkundigen ebenso <em>versagt<\/em>. Sicher waren die Dinge, die damals geschehen waren, weit komplizierter als das, was man ihm, Gal\u00e9on, dar\u00fcber erz\u00e4hlt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b660c9e2a7e8089c17f27a792f28be7\">Ob man ihn, den fahrenden Geschichtenerz\u00e4hler, einlassen w\u00fcrde? Ob die <em>faj\u00eda<\/em> ihn anh\u00f6ren w\u00fcrde?<\/p>\n<p data-p-id=\"39c315601c81ec3fa3f78ff7a90ebf9c\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> wischte den Gedanken beiseite. Was wollte er den Hellen Magiern denn schon sagen? Dass es in Aur\u00f3p\u00e9a immer hemmungs- und skrupelloser zuging? Das war ihnen wahrscheinlich l\u00e4ngst bekannt. Dass sie eingreifen m\u00fcssten, die Stadt davor bewahren, selbst immer weiter auf den Abgrund hineinzustolpern? Was sollten sie tun? Was ging sie das an? Solange die Menschen nicht gegen den <em>Ciel\u00e1stel<\/em> und seine geheimnisvollen Bewohner aufr\u00fchrerisch wurden, gab es keinen Grund dazu. Aur\u00f3p\u00e9a war eine freie, unabh\u00e4ngige Stadt, die den Schutz der Magier weder ben\u00f6tigte noch wollte. Und wenn es den Unkundigen einfiele, aus \u00dcbermut gegen die Magier aufzustehen, die nichts anderes mehr taten, als in einem (zugegeben, sehr eindrucksvollen) Geb\u00e4ude in Sichtweite der Stadt zu leben &#8230; nun, sachlich betrachtet w\u00e4re das ein Frevel gegen Patagh\u00edu. Und das w\u00e4re eine Sache, vor der selbst die \u00fcbelsten Schurken Aur\u00f3pe\u00e1s zur\u00fcckschrecken w\u00fcrden. Vorl\u00e4ufig.<\/p>\n<p data-p-id=\"46da56471905ef3588d480b359fcdc3c\">Der M\u00f6rder, der jetzt, in diesem Moment, irgendwo in der W\u00fcste auf seine Begegnung mit dem Licht wartete, sah Sand, Sonne und den blauen Himmel, strahlend blau noch f\u00fcr eine Weile, bis dass harte Blau aufweichen und mit samtigem Violett und sp\u00e4ter dunklem Nachtblau verschmelzen w\u00fcrde, bis in die tiefe Nacht. Dann w\u00e4re der Himmel \u00fcber Soldes\u00e9r \u00fcberreich geschm\u00fcckt mit Nokt\u00e1mas funkelndem Geschmeide, kaltem, klarem Sternenglanz angenehmer K\u00fchle, unter der die Welt aufatmen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca6a3d277e595dcfb69c159014b888c9\">Und dann? Was w\u00fcrde weiter geschehen?<\/p>\n<p data-p-id=\"5c5cc4acc80b7ef0c067e2c3cdf2ca09\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schaute mit starrem Blick ins Leere, in den S\u00fcden. Dorthin, wo hinter dem Horizont das Feuer vor dem Chaos ohne Flammen und Rauch loderte und die Welt zu Ende war. <em>Forscoray<\/em> [~ Wissenschaftler] hatten zu allen Zeiten versucht, sich dem Chaos von dieser Seite zu n\u00e4hern. Aber die, die tats\u00e4chlich zur\u00fcckkehrten, um von ihrer Reise zu berichten, hatten nicht viel zu sagen, abgesehen davon, dass es im S\u00fcden immer hei\u00dfer wurde, so hei\u00df, dass es Menschen und Tieren unm\u00f6glich war, sich den Grenzen der Welt noch weiter zu n\u00e4hern. So hei\u00df, dass der Sand zu fl\u00fcssigem Glas wurde. Die s\u00fcdliche Grenze war somit weit weniger erforscht als die n\u00f6rdliche, wo das Chaos das Meer begrenzte.<\/p>\n<p data-p-id=\"858ccd345c26967e87190a84df271c84\">Ob dem Ungl\u00fccklichen, der immer noch auf denjenigen wartete, der sein Leben zu einem Ende f\u00fchren sollte, wer immer das letztlich sein mochte, bewusst war, dass sich buchst\u00e4blich am \u00e4u\u00dfersten Bereich der Welt befand?<\/p>\n<p data-p-id=\"4d7f8d4da1da7ab63b69b1217844912c\">\u201eIch hoffe, meine Worte haben dir die Kraft gegeben, Freund&#8221;, murmelte Gal\u00e9on. \u201eWas immer dir Schreckliches geschehen mag, sei unbesorgt. Das Licht &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e8359d5ed1ad2ff44cce902476e2fdfc\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> stockte und kniff die Augen zusammen. Da war etwas. Etwas bewegte sich in dem \u00fcberlagernden Bild. Der Blick des M\u00f6rders, der vor seinem eigenen lag wie ein leicht rauchiges Glas, nahm etwas wahr. Etwas, das noch weit entfernt war, so gerade eben in den Bereich des Erkennbaren r\u00fcckte.<\/p>\n<p data-p-id=\"cae0c1a6771318d8581dea6483b2a717\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> stand auf und hob verwirrt die Brauen. Was war das?<\/p>\n<p data-p-id=\"b077866f3d13461645b92f7af95fc3c5\">Es war &#8230; gro\u00df. Nein, eigentlich nicht gro\u00df, nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig. Und es war nicht nur eines. Und es war schnell. Es war absurd schnell, so wie es herankam, nein, geradezu heran schoss wie ein Pfeil, der von einer Bogensehne schnellte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e1c8fb5b95933b1f225add8ec7f5547f\">Es war &#8230;stark. Es war &#8230; zerst\u00f6rerisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"fa40cd2201c3ecbb363b7ebb4de050ae\">Und es war ganz gewiss kein <em>f\u00fdntar<\/em> mit einem Beil oder einer Schlinge.<\/p>\n<p data-p-id=\"95fe99fdf95c9d12ad5cb42d173c626b\">Gal\u00e9ons Herz begann, schneller zu schlagen. Bei den M\u00e4chten! Was war das?<\/p>\n<p data-p-id=\"8ce1bbb14ead93ff727fdaa9a46a568f\">Das Bild vor seinen Augen begann, zu springen und zu zittern. Der, dessen Augen es sahen, versuchte panisch, seinen Blick davon abzuwenden, aber es gelang ihm nicht. Schon war es da, hatte ihn fast erreicht, war pl\u00f6tzlich \u00fcberall und um ihn herum, oben, unten, es griff nach ihm, es war <em>in<\/em> ihm und es war viel und stark und gr\u00e4sslich.<\/p>\n<p data-p-id=\"9b15cf59ea877335a4dc7d4dd379b3d6\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> griff nach den Stangen, die den Strohmattenbaldachin hielten und \u00e4chzte. Seine Finger umkrampften das Holz so fest, dass die Kn\u00f6chel wei\u00df hervortraten. Sein K\u00f6per wehrte sich dagegen, stemmte sich dem Irrsinn, den wild aufflackernden Farben, Lichtern und Bildern entgegen, die durch die Wahrnehmung des M\u00f6rders zuckten und mit denen er, der junge Mann, der einen Vierteltag des Weges entfernt auf einem Dach stand, untrennbar verbunden war.<\/p>\n<p data-p-id=\"4c3568607c274c98872e1d5acf0f1f26\">Gal\u00e9on sah, f\u00fchlte und litt. Er wollte sein Entsetzen herausschreien, wie es wohl sein Medium, alle jene, die heute in der W\u00fcste den Tod finden sollten gerade in diesem Moment taten. Ihre Schreie verhallten ungeh\u00f6rt in der Weite unter der hei\u00dfen Sonne. Seiner Kehle entfuhr kein Laut, denn seine Kiefer waren verkrampft, so fest, dass seine Z\u00e4hne zu brechen drohten. Was immer die Ungl\u00fccklichen in der W\u00fcste anfiel, es traf auch ihn und warf ihn zu Boden.<\/p>\n<p data-p-id=\"34bacef8a7c840fab3cf7549fd921b32\">Und dann sah er es vor sich und ihm war, als zerspringe sein Herz, wie ein Schlauch, in den man zu viel Wasser zw\u00e4ngte.<\/p>\n<p data-p-id=\"95bfdda40f1669d7d2511483712fe099\">Als das Schankm\u00e4dchen kurz darauf mit einem weiteren Korb feuchter W\u00e4sche auf das Dach zur\u00fcckkehrte, fand sie den <em>b\u00e1chorkor<\/em> unter dem niedergerissenen Mattendach begraben auf den Kissen. Seine Augen waren blank, fast gl\u00e4sern, und starrten ohne zu blinzeln in die Sonne. Vor seinem Mund stand wei\u00dfer Schaum, mit etwas Blut vermischt. Seine rechte Hand war so verkrampft, dass er damit die Baldachinstange durchgebrochen hatte wie einen d\u00fcnnen Stock. Holzsplitter hatten sich fest in seine Hand gebohrt, es blutete<\/p>\n<p data-p-id=\"da3a8b231c8502e1b8ac82aa04d22b6c\">Die Frau betrachtete ihn einen Moment erschrocken und entschied sich dann, einen Blick in die G\u00fcrteltasche des <em>b\u00e1chorkor<\/em> zu tun. Ein paar Kupferm\u00fcnzen waren darin, die steckte sie ein. Dann rief sie durch die Dachluke nach jemandem, der ihr zur Hilfe kommen sollte, ihn fortzur\u00e4umen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2411","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2411","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2411"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2411\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3768,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2411\/revisions\/3768"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2411"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2411"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2411"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}