{"id":2252,"date":"2025-08-24T23:48:09","date_gmt":"2025-08-24T21:48:09","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2252"},"modified":"2025-09-01T10:09:17","modified_gmt":"2025-09-01T08:09:17","slug":"094-ueber-die-magie-von-zerbrochenem-glas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/094-ueber-die-magie-von-zerbrochenem-glas\/","title":{"rendered":"094: \u00dcber die Magie von zerbrochenem Glas"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"aa78ca8f486f228bccf690924ea06d4e\">Gor Lucegath schenkte dem \u00e4chzenden Ritter zu seinen F\u00fc\u00dfen keine Beachtung mehr. Unter der Maske verengten sich seine Augen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5523b590d23d3d4ccb41a3fd32cec433\">\u201eNun&#8221;, sagte er kopfsch\u00fcttend, \u201ejetzt wird es tats\u00e4chlich <em>interessant<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83ee3d582751d16a54567ad76babe445\">\u201eBleibt zur\u00fcck&#8221;, fauchte Ar\u00e1ma\u00fa. \u201eNoch kann ich Euren wunderlichen Plan durchkreuzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b2f0664360a6cd539ca91993f796efd\">\u201eDu machst dich l\u00e4cherlich, <em>camat&#8217;ayra<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0f3a750a13ac2e236bdd75d5d6442861\">\u201eZur\u00fcck! Meine Kraft mag gerade noch ausreichen, um dies hier zu vollenden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ef65e96488acc3a4dea42531b7e4ff71\">Der Rotgewandete kam unbeirrt n\u00e4her. \u201eWomit willst du mir drohen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d285ac950f7ccb25c36a9efc4cbc3924\">\u201eNun, welchen Grund h\u00e4tte Yalomiro wohl noch, mit Euch lange zu verhandeln, wenn Ihr dieses arme unkundige Menschenpfand hier verl\u00f6ret?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"79139698d01fc4e170eed9c93d785d26\">Ich erschrak und war zugleich verst\u00f6rt. Hatte Ar\u00e1ma\u00fa vor, mich \u2013 auf irgendeine Weise \u2013 umzubringen?<\/p>\n<p data-p-id=\"ac5d856044ad74932bcbb97e2d4b71b0\">\u201eDas w\u00e4re nicht die erste nicht wirklich schlaue Idee, mit der du aufwartest&#8221;, spottete der Magier. Aber er blieb tats\u00e4chlich stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5b0c01ab6bfb423832887ad778606c21\">\u201eF\u00fcr den <em>Blick<\/em> wird es noch reichen. Und wenn ich schon ins Verderben gehe, dann doch wenigstens nicht, ohne Euch nach Kr\u00e4ften zu schw\u00e4chen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"519d63e718adfb3495de9d4874397d06\">\u201eAr\u00e1ma\u00fa!&#8221;, protestierte ich zaghaft. \u201eWarum &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e0380f79ad47187fe5e6a5d7f442b9bc\">\u201eWenn sie aus dem Weg ist&#8221;, setzte die Schattens\u00e4ngerin dazu und fiel mir damit ins Wort, \u201eund Yalomiro Euch besiegt, wer wei\u00df &#8230; vielleicht h\u00e4lt Nokt\u00e1ma doch noch eine Chance f\u00fcr mich bereit?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2faa63818cdc0ef549e08b02fc080fa9\">\u201eNun wird es bedenklich albern und undurchdacht&#8221;, kommentierte Gor Lucegath. Der Rotgewandete stand nun nahe vor uns. Und &#8230; etwas <em>ver\u00e4nderte<\/em> sich an ihm.<\/p>\n<p data-p-id=\"e2f0f0170d61e8ff24d2fac2c88bfe66\">War es die K\u00e4lte, die pl\u00f6tzlich von ihm auszugehen schien \u2013 eine k\u00f6rperliche, eine echte <em>K\u00e4lte<\/em>? So als z\u00f6ge ein eisiger Windhauch um uns herum?<\/p>\n<p data-p-id=\"3b78520e5592c49c80edcf0f6d7c300b\">Ich konnte Ar\u00e1ma\u00fas Griff und eindringlichem Blick nicht ausweichen. Und zugleich erkannte ich die K\u00e4lte wieder. Ich hatte sie in der Ebene von Hethrom gesp\u00fcrte, kurz bevor Yalomiro mir seine Seele gezeigt hatte. Und ich hatte sie in der Schlucht im Montaz\u00edel wahrgenommen, als ich ohne den Schutz von Yalomiros <em>maghiscal<\/em> ihm gegen\u00fcber gestanden hatte. Ich hatte den Rotgewandeten sogar darauf angesprochen!<\/p>\n<p data-p-id=\"e6d2648dcf6ecfbc30143a713038113c\"><em>&#8211; Seid denn nicht Ihr selbst derjenige, von dem diese K\u00e4lte ausgeht?&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e69cd1e14cac3acd9f1cfb428dccd38e\"><em> &#8211; Nein. Die K\u00e4lte ist nicht mein Werk.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"24dac6c953d73bbefb8796931adb2b35\">Aber wenn die K\u00e4lte wieder da war, hier, in Pianmur\u00edt, wo es eigentlich gar nichts gab, kein Wind, kein Wetter, nichts davon &#8230; was geschah dann gerade?<\/p>\n<p data-p-id=\"1bd27743042ea1cda27d9f2c77e0d738\">Ar\u00e1ma\u00fa schien es ebenfalls zu bemerken. F\u00fcr einen ganz kurzen Moment zuckten ihre H\u00e4nde.<\/p>\n<p data-p-id=\"3d681e50bbdc2630be53bffb02788617\">\u201eVertraust du mir, Ujora?&#8221;, raunte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"3351474d36e3f3399da29ce81e737811\">Ich nickte. Egal, was sie vorhatte, und egal, wie zwecklos es war &#8211; es w\u00e4re besser als alles, was ansonsten geschehen mochte.<\/p>\n<p data-p-id=\"369844d91ac97ab22bd53a69443125cc\">\u201eJa, Ar\u00e1ma\u00fa&#8221;, wisperte ich. \u201eLieber gehe ich gemeinsam mit einer wahren <em>Freundin<\/em> hinter die Tr\u00e4ume als ihm dort den Triumph zu g\u00f6nnen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f5d43a99a5aae3b57fbc253e2cddc07b\">Sie schaute mich verwundert aus den Augenwinkeln an. \u201eFreundin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"740ce45900d1037a4febdf124bf9239e\">\u201eJa&#8221;, fl\u00fcsterte ich. \u201eIch bin deine Freundin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d9e19c40abc8f77c9f66b6683589bd04\">Der Rotgewandete z\u00f6gerte.<\/p>\n<p data-p-id=\"bc7aeab50d618c183b7989e0ba9ae60f\">Und Ar\u00e1ma\u00fa fuhr herum, geschmeidig und schnell wie eine Katze und warf ihren allerletzten Zauber, quer \u00fcber den Tisch und direkt gegen das Herz der <em>teiranda<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"35f190d42cffb6974628bf919b261dae\"><em>Erinnere dich &#8230;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"60c2217adff6de9609f5b1962219cebb\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant entsann sich, entsann sich an jenen regnerische Nacht, in der der Rotgewandete ihr den Spiegel geschenkt hatte. Den ersten Spiegel, den gro\u00dfen. Den, der sie all die lange Zeit begleitet hatte, w\u00e4hrend um sie herum Menschen kamen und gingen. Einige hatten versucht, ihr das Geschenk auszureden, hatten gewarnt, gefleht, eine ihrer Zofen war damals sogar richtig w\u00fctend mit ihr gewesen. Verschwunden waren all diese Leute im Laufe der Zeit, neue waren an ihre Seite getreten, hatten die alten Stimmen und Gesichter ersetzt. Nur der Spiegel war immer da gewesen. Der Spiegel und der Rotgewandete. Und &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"132438d59535ea8498fca9b416eeecf6\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant hatte den Spiegel vor sich auf den Boden gelegt. Sie blickte hinein, zuckte unvermittelt zusammen und sprang dann auf die F\u00fc\u00dfe, stolperte in blankem Entsetzen r\u00fcckw\u00e4rts. Andri\u00e9r Altabete konnte sie gerade noch festhalten, bevor sie fiel.<\/p>\n<p data-p-id=\"8bcda1eb03ed8dec082c8022b1e8b4c2\">\u201eWer &#8230; wer ist das?&#8221;, rief sie erschrocken aus. \u201eWer ist diese Frau?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1ae741160220cab60f8f6fc2701f0a43\"><em>Yarl<\/em> Altabete, der sie im Arm hielt, und Daap Grootplen, der immer noch um den vor Schmerz \u00e4chzenden J\u00f3ndere Mor\u00e9aval bem\u00fcht war, hielten inne. Beide schauten auf die <em>teiranda<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"bdd5fb2b2e2cdd36f7ba383dc938c2c0\">\u201eHerrin&#8221;, sagte Altabete sanft, \u201edas ist ein Spiegel! Das seid Ihr!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f9e2bd786fd7b91e8e693131cdced86e\">\u201eNein! Das bin nicht ich! Das ist&#8230; M\u00e4chte! M\u00c4CHTE!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"689f74dd333f839d3d408eec65d2e1e8\">Ar\u00e1ma\u00fa begann, zu lachen. Sie lachte mit einer Leichtigkeit und Freude wie ein Kind, dem eine schwere Aufgabe gelungen ist und das sich dar\u00fcber freut.<\/p>\n<p data-p-id=\"f98bcc9414b297d91673446594bb6a19\">Der Rotgewandete schaute zwischen ihr und der <em>teiranda<\/em> hin und her, als k\u00f6nne er sich nicht entscheiden, was dringender zu tun w\u00e4re.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c19b13947e49eda0793a0583090290e\">\u201eDas bin ich nicht! Das ist &#8230;das ist ein Chaosgeist!&#8221;, schrie die <em>teiranda<\/em> ver\u00e4ngstigt auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"b2d7f03782dcdce511787cafb5931c78\">\u201eEs ist die <em>H\u00fclle<\/em> eines Chaosgeistes&#8221;, berichtigte Gor Lucegath schlicht. \u201eWomit h\u00e4tte ich solche absurde Magie denn sonst bewirken sollen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"159476397523b0f0c9f8717b886c137f\">\u201eNehmt es weg!&#8221;, kreischte die <em>teiranda<\/em>. \u201eBei den M\u00e4chten, nehmt es weg von mir!&#8221; Sie sch\u00fcttelte sich, wand sich aus Altabetes sch\u00fctzendem Griff, voller Ekel und Panik. Es sah aus, als versuche sie, etwas von ihrem K\u00f6rper zu sch\u00fctteln, und als das nicht gelang, begann sie in ihrer Verzweiflung, an ihren Gew\u00e4ndern zu zerren. Stoff zerriss, und ihre Fingern\u00e4gel zogen blutig \u00fcber ihre Oberarme. Dass sie sich das Gesicht zerkratzte, konnte der hinzueilende <em>yarl<\/em> Grootplen gerade noch verhindern. Auch <em>mynstir<\/em> packte die <em>teiranda<\/em> und umschlang ihren Oberk\u00f6rper mit beiden Armen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a07d117cc74b438522c7c7b4b21f39d0\">Aber sie kreischte und strampelte in h\u00f6chster Not. Sogar der geschundene Mor\u00e9aval erinnerte sich seiner Pflichten und kroch \u00e4chzend auf sie zu, um seiner Herrin helfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"18d2929d0eeb925544413f3ce45e186e\">Wahnsinn. Ganz offensichtlich brach um mich herum der Wahnsinn aus. Genau, wie Gor Lucegath es vorausgesagt hatte. Die <em>teiranda<\/em> w\u00fcrde endg\u00fcltig dem Wahnsinn verfallen!<\/p>\n<p data-p-id=\"82c84aa622b44cb0ce99d3ffbaa42a11\"><em>\u201eZerschlagt den Spiegel!&#8221;,<\/em> rief Ar\u00e1ma\u00fa. Mehr kam ihr nicht \u00fcber die Lippen, denn den Rotgewandete f\u00e4llte sie mit einem Zauber, der k\u00e4lter war als Eis, ein Bann, der zwischen uns niederging wie ein Einschlag und den Blickkontakt unterbrach. Ein Ausl\u00e4ufer erfasste mich und riss mich von den F\u00fc\u00dfen, w\u00e4hrend Ar\u00e1ma\u00fas K\u00f6rper ohne Gegenwehr zusammensackte und ein St\u00fcck weit in entgegengesetzte Richtung durch die Leere schlitterte, als sei es eine Eisfl\u00e4che.<\/p>\n<p data-p-id=\"2cadb49d020d99e3afaf50ab9f8652a8\">\u201eAr\u00e1ma\u00fa!&#8221; Ich wollte zu ihr laufen, ihr helfen, aber Pianmur\u00edt <em>verzerrte<\/em> sich und alles im Umkreis des Tisches wich knapp aus meiner Reichweite.<\/p>\n<p data-p-id=\"34ef74ae88ffe79793338cd855a30197\">Die <em>teiranda <\/em>schaute sich gehetzt um und entschl\u00fcpfte dabei Grootplens und Altabetes H\u00e4nden. Ihre Panik vor dem, was sie \u2013 und offenbar nur sie! &#8211; in dem Spiegel sehen konnte, verlieh ihr allem Anschein nach ungeahnte Kr\u00e4fte und den Mut der Verzweiflung.<\/p>\n<p data-p-id=\"d772af90db1469c487532a03ca887939\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant riss sich ihre kostbare goldene Krone vom Kopf und schleuderte sie so fest gegen den Spiegel, wie sie es mit ihrem zerbrechlichen, kr\u00e4nklichen K\u00f6rper und ihren geringen Kr\u00e4ften vermochte.<\/p>\n<p data-p-id=\"80d395e2436afbdb2c1d6bc0b4e81d32\">Der Spiegel zerbarst, als w\u00fcrde er explodieren. Die Scherben ergossen sich um den Tisch. Zugleich schien der Raum sich immer mehr auszuweiten. Ar\u00e1ma\u00fa lag jetzt weit entfernt, au\u00dfer meiner Reichweite im Nichts. Die <em>yarlay<\/em> und ihre in unmenschlicher Panik kreischende Herrin r\u00fcckten in den Hintergrund. Es gab nur noch mich, die ich mich unversehens <em>auf<\/em> dem Tisch wiederfand. Gor Lucegath hatte nach mir gegriffen und so m\u00fchelos darauf geworfen, dass ich gar nicht begriff, wie mir geschah.<\/p>\n<p data-p-id=\"ea9c8d1fb1750b0a098da543444914a8\">\u201eDu hast es selbst so gew\u00e4hlt, Ujora&#8221;, sagte er, w\u00e4hrend abseits die <em>teiranda<\/em> gellend schrie und die M\u00e4nner versuchten, sie zu beruhigen. Der Rotgewandete stieg leichtf\u00fc\u00dfig auf den Tisch und kam breitbeinig \u00fcber mir zu stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5a48e38fcd68843de444821d4146f9fd\">Sein Schwert glomm sacht. Die Spitze schwebte eine Handbreit \u00fcber meiner Brust.<\/p>\n<p data-p-id=\"0de11384ee23ce95386f1460c2c35a7f\">\u201eNein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bfa8c152c5ac240b9704b8a6df604aae\">\u201eEs wird schnell vorbei sein, Ujora&#8221;, versprach Gor Lucegath. Seine Stimme klang seltsam, rau, br\u00fcchig. Es war, als schalle sie mit einer winzigen Verz\u00f6gerung nach. \u201eDu wirst es nicht sp\u00fcren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7859bcb55dfc4bb7181c19a7e05245ae\">Und tats\u00e4chlich spielte sich all das hier wortreich Geschilderte gerade in so kurzer Zeit ab, wie weit, unendlich weit entfernt Yalomiro Lagoscyre ben\u00f6tigte, um die Spiegelscherbe mit einem machtvollen Zauber zu zerschlagen, in Scherben, feiner als der Sand.<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"ef76b3e84d115a8a8baeefadc974767a\">Glas, das erkannte der Schattens\u00e4nger im selben Moment, in dem in Pianmur\u00edt der Wahnsinn entfesselt wurde, <em>besteht<\/em> aus Sand, zumindest zu einem sehr gro\u00dfen Anteil, versehen mit gro\u00dfer Hitze und ein paar anderen Zutaten. Nichts anderes hatte der Rotgewandete getan, als er den Spiegel geschaffen hatte. Er hatte Sand, Hitze und eine Handvoll anderer Ingredienzien mit Magie durchtr\u00e4nkt und Zauber hineingewoben, die so erstaunlich m\u00e4chtig waren, dass Yalomiro sich fragte, woher Gor Lucegath in seinem Leben all dieses <em>Wissen<\/em> genommen haben konnte. Fl\u00fcchtig erinnerte er sich an eine der Lektionen, die Meister Ask\u00fdn ihm erteilt hatte, in einer k\u00fchlen Winternacht am See neben dem Eta\u00edmalon.<\/p>\n<p data-p-id=\"f647b7144d14aee2648583254c314ec3\"><em>Spiegel sind gef\u00e4hrlich. Mit Spiegeln spielt man nicht. Du kannst alles zu einem Werkzeug machen, wonach dir beliebt,<\/em> hatte der alte Mann damals gesagt (und damit Yalomiros verh\u00e4ngnisvolle Faszination f\u00fcr magisch erg\u00e4nzte Objekte v\u00f6llig unn\u00f6tig befeuert), <em>aber lass dich nicht dazu verf\u00fchren, magische Spiegel zu erschaffen<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"199fe0cef70e680e4ea3359642d2d12f\">Nun verstand Yalomiro Lagoscyre, was das zu bedeuten hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"64f9b69acd0d1c6fb04d3135cded09b3\">In dem Moment, in dem er die Scherbe mit einem wohlgezielten Zauber, nicht heftiger als ein Nadelstich zertr\u00fcmmerte, verband sich der wegspritzende Sand aus dem Glas mit dem der D\u00fcnen. Wie winzige Hagelk\u00f6rner schlugen die Spiegelfragmente zu Boden, drangen in den unschuldigen Sand ein und gaben dort die Magie von Pianmur\u00edt weiter, wie eine Kettenreaktion, in einer rasenden Geschwindigkeit, die niemand mehr h\u00e4tte stoppen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"37acfe5f0d6e9ee750b1e92ed41552dc\">Den Pferden und dem Pony gelang es noch, sich in Sicherheit zu bringen. Aber man w\u00fcrde sich wundern, wo die f\u00fcnf Reiter abgeblieben waren. Man w\u00fcrde nach ihnen suchen. Vielleicht w\u00fcrden die Burgbewohner und Leute aus dem Fischerdorf auch die richtigen Schl\u00fcsse ziehen und versuchen, mit Schaufeln und blo\u00dfen H\u00e4nden in den \u00dcberresten der deformierten D\u00fcne nach den sicherlich unter der Last des abgerutschten Sandes l\u00e4ngst erstickten Rittern und dem <em>teirand<\/em> zu graben.<\/p>\n<p data-p-id=\"b1c94f69ebb3e3f98f8d9d32f30c5879\">Finden w\u00fcrden sie nichts. Dort, wo sie standen, die vier Ritter, der <em>teirand<\/em>, die junge <em>doayra <\/em>und der Schattens\u00e4nger, wurde der Sand nachgiebig und rieselte in einen Abgrund, der sich auftat wie die untere Kammer eines Stundenglases.<\/p>\n<p data-p-id=\"f42b17b7284a63900bb9363a9b95fbd0\">Alles, was Yalomiro noch tun konnte, war geistesgegenw\u00e4rtig seine <em>maghiscal<\/em> auszubreiten und die unkundigen Menschen bei ihrem Sturz nach Pianmur\u00edt festzuhalten, auf dass niemand sich in der Leere verlor.<\/p>\n<p data-p-id=\"f5331e3b31593d8d6181f08b37e77d78\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"7748097cafa3c0e9250287c628d26509\">Es war absurd und ganz anders, als ich mir jemals den Moment kurz vor meinem Ende vorgestellt hatte. Ich starrte zu Gor Lucegath auf und wunderte mich, wie ruhig ich angesichts meines unmittelbar bevorstehenden Todes blieb. Meine Gedanken waren auf eine verst\u00f6rende Weise pragmatisch. Wenn er mir nun sein seltsames glimmendes Schwert in den K\u00f6rper stie\u00df, war das etwas, das er in seinem Leben schon oft getan hatte. Er w\u00fcrde sein Ziel nicht verfehlen. Vielleicht war alles, was ich nun noch zu tun hatte, meine Todesangst zu \u00fcberwinden und einfach still zu halten, um es ihm so einfach wie m\u00f6glich zu machen.<\/p>\n<p data-p-id=\"679ed75de36ec265d18de7b30b4f2ffa\">Ar\u00e1ma\u00fa &#8230; war sie auch tot? Sie war zu weit entfernt, aber sie regte sich nicht. Sofern sie noch lebte, war sie wahrscheinlich schwer verletzt oder bewusstlos. Der Rotgewandte hatte mir gesagt, er wolle sie nicht leiden lassen. Ich zweifelte nicht daran.<\/p>\n<p data-p-id=\"22f5d72a05a305f7f8f84c60eb738797\">Ich drehte den Kopf, um einen letzten Blick auf die <em>teiranda<\/em>, auf die tapferen Ritter zu erhaschen. Wie es nun mit ihnen weiterging, w\u00fcrde ich nicht mehr erfahren. Was ich sah, war eine tumultartige Szene mit der panischen jungen Frau in der Mitte, die in unmenschlicher Angst schrie. Die drei Ritter hatten M\u00fche, sie festzuhalten, damit sie sich nicht selbst verletzte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a9f55cfd9ce417676d2c385a4c30ddff\">Yalomiro kam zu sp\u00e4t. Seine Geige, das zerbrochene, j\u00e4mmerlich geleimte Ding, an das ich so viel Hoffnung geh\u00e4ngt hatte, lag neben mir. Ich streckte die Hand danach aus. Wenigstens einmal noch wollte ich es ber\u00fchren und mich an jene Nacht erinnern, in der ich mit dem Schattens\u00e4nger getanzt und mich entschieden hatte, ein neuer Mensch zu werden.<\/p>\n<p data-p-id=\"f07ed6c0b24d42ec1b803842a656887a\">Ich sp\u00fcrte das schwarze Holz, warm und lebendig wie ein Baum, auf dessen Rinde Sommerw\u00e4rme lag. Die Leimspuren waren wie duftendes Harz.<\/p>\n<p data-p-id=\"404f0c15b41337e370a96021a3ce02bb\">Gor Lucegath lachte, aber es war, als k\u00e4mpfe er gegen sein eigenes Gel\u00e4chter an. Es kam aus seiner Kehle, aber sein Gesicht lachte nicht. In den grauen Augen hinter der Maske lag gro\u00dfer Ernst, fast ein wenig Melancholie. Das Ger\u00e4usch aber klang &#8230; <em>gr\u00e4sslich<\/em>. Zugleich setzte der Magier langsam seinen Fu\u00df auf das Instrument.<\/p>\n<p data-p-id=\"2b7a4699dae0a17cd2f358bb37f47faa\">\u201eWo mag er nur bleiben, dein Retter, der Retter dieser Welt, der Held des Weltenspiels? Wo ist er, der dunkle Magier, der Schattens\u00e4nger, Nokt\u00e1mas Auserw\u00e4hlter?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ac1d9e19e0e0f8b77fc5722ad97a9d7c\">Ich starrte zu ihm auf und war, ungeachtet der kopflosen Panik, in die ich h\u00e4tte verfallen sollen, \u00fcberrascht. Ich h\u00e4tte um Hilfe schreien sollen, versuchen, mich unter ihm weg zu winden. Ich h\u00e4tte sogar nach ihm treten k\u00f6nnen. Aber zu all dem war ich nicht f\u00e4hig, zu gro\u00df war das Entsetzen. Hier stimmte etwas nicht. Es war Gor Lucegaths Stimme. Aber es waren nicht seine Worte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8558af601cc82bab14cea4db2e355d21\">Und zugleich war da etwas Neues, etwas wie wirbelnder Staub, wie ein Wind, der sich erhob&#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"f82643e620a176755b776fb8a24a9361\">\u201eMeister Gor?&#8221;, fragte ich verwirrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"13186e0f2f6c8b56185575d7418f355b\">\u201eEs ist vorbei&#8221;, fl\u00fcsterte er. \u201eEr kommt zu sp\u00e4t &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73d6ffdf6c76f2355e98e017b56edb49\">\u201eBitte &#8230;&#8221;. wisperte ich. \u201eBitte, tut es nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e5b935bfcab4609245804b388b9d6bc4\">&#8230; und silbriges Licht, und das Holz knirschte unter dem Fu\u00df des Rotgewandeten, und Menschen schrien durcheinander und alles war verzerrt und eisig kalt und hei\u00df und die Klinge kam auf mich zu und&#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"17ecc41c336cf1441ef124255ee7cb59\">\u201eYAL!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1444388f672e7d884009cc3d60fe68f\">&#8230; dann flutete etwas Schreckliches, M\u00e4chtiges und Ewiges \u00fcber mich hinweg. Und dann <em>war<\/em> es vorbei.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2252","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2252","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2252"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3943,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2252\/revisions\/3943"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}