{"id":2251,"date":"2025-08-24T23:48:44","date_gmt":"2025-08-24T21:48:44","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2251"},"modified":"2025-09-01T10:09:02","modified_gmt":"2025-09-01T08:09:02","slug":"095-ein-letztes-opfer-fuer-das-licht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/095-ein-letztes-opfer-fuer-das-licht\/","title":{"rendered":"095: Ein letztes Opfer f\u00fcr das Licht"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"967a1b96ee091dcbfc454f9b882b91e9\">Gor Lucegath rappelte sich auf. Was immer ihn von den F\u00fc\u00dfen gerissen und mit Wucht von mir weg und vom Tisch heruntergesto\u00dfen hatte \u2013 es war <em>w\u00fctend<\/em> gewesen. Es hatte <em>\u00c4hnlichkeit <\/em>mit jenem Zauber, durch den einst ein toter Baum im Boscarg\u00e9n umgest\u00fcrzt wurde, um mich von Pianmur\u00edt fernzuhalten. Aber &#8230; es f\u00fchlte sich ganz anders an. Es war keine dunkle Magie, es \u00e4hnelte nicht dem, was mir zwischenzeitlich so vertraut geworden war. Es war &#8230; unbegreiflich. Es war durch Schrecken und Zorn hochpotenziert und so gef\u00e4hrlich, dass alle ringsum verstummten. Sogar das wahnsinnige Kreischen der <em>teiranda<\/em> verebbte abrupt.<\/p>\n<p data-p-id=\"7717c34569b3fa7cc3a1fa4987a84adc\">Die pl\u00f6tzliche Stille war zu viel f\u00fcr meine Nerven. Ich schluchzte hysterisch auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"98f63fa583c7db71fd884f20a8966edd\">\u201eYalomiro&#8221;, h\u00f6rte ich mich fl\u00fcstern. Aber ich wagte nicht, aufzublicken. Zu gro\u00df war meine Angst, dass all dies nicht wahr, eine weitere T\u00e4uschung sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f201669efb17bc6abaa95dcb4656f41f\">Seine Hand legte sich sacht \u00fcber meine, die immer noch auf der Geige ruhte. Eine Welle aus Geborgenheit erfasste mich.<\/p>\n<p data-p-id=\"7368843ea6720b76e50ce4b4d4887903\">Yalomiro <em>sang<\/em>. Ganz, ganz leise. Er zauberte. Doch diesmal war es Schattens\u00e4ngermagie. Er <em>heilte<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"cc427d2b506e086a4c39c158ddedfe29\">Durch den Tr\u00e4nenfilm vor meinen Augen hindurch sah ich verschwommen, wie der Leim aufschimmerte. Ich sp\u00fcrte, wie das Holz massiv wurde.<\/p>\n<p data-p-id=\"fb8b896318b60e148958fe3e63cf4c51\">Die Geige <em>lebte<\/em> wieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"2f43b42fd833d1e77420a8dae7419000\">&#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"09c74cbd73c1875832d34fe0f9a98985\">Asga\u00fd von Spagor konnte sich nicht erkl\u00e4ren, wie er an diesen seltsamen Ort gekommen war. Eben noch hatte er in der klaren Nacht unter dem Sternenhimmel am Strand das verst\u00f6rende Gef\u00fchl gehabt, den Boden unter den F\u00fc\u00dfen zu verlieren. Nun stand er in einem flimmernden, farblosen &#8230; Nebel oder Zwielicht und wusste nicht, was er tun sollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d72645d94c01c13f8dc774c3432cc4c\">Zumindest hatten Althopian und Emberbey ihn nicht verlassen. Auf die beiden war Verlass. Niemals w\u00fcrden sie ihn im Stich lassen. Das hatten sie geschworen. Aber auch die beiden Ritter aus Valvivant hatte es irgendwie hierher verschlagen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d8bf054ea5456a28359234bdf2e06df9\">Die f\u00fcnf M\u00e4nner, die gemeinsam in einen Alptraum gest\u00fcrzt waren, rappelten sich auf. Auch das M\u00e4dchen, diese vorlaute junge <em>doayra<\/em> war bei ihnen. Sie starrte erschreckt ins Leere und hielt Wa\u00fdreth Althopians Arm umklammert.<\/p>\n<p data-p-id=\"f80d8ca8ead6ceed790a90c773b118bf\">Sie waren nicht allein.<\/p>\n<p data-p-id=\"71fd9500df044fcc5ee8ba9cb022c83f\">Drei weitere Ritter, deren Farben und Wappen er nicht zuordnen konnte, stierten sie ebenso verst\u00f6rt, aber mit weitaus geringerer \u00dcberraschung an. Sie alle hatten ihre H\u00e4nde an einer zierlichen, bleichen Frau mit zerrissenen, kostbaren Gew\u00e4ndern und blutigen Schrammen auf den wei\u00dfen Armen. Die Dame wimmerte vor Angst. Sie hatte wundersch\u00f6ne wasserblaue Augen.<\/p>\n<p data-p-id=\"56e8cd4746ade5195abd84543e83fb00\">Asga\u00fd von Spagor gab sich einen Ruck und tappte unsicher einen Schritt auf sie zu. Dieser sonderbare Raum hatte zumindest so etwas wie ein solides Oben und Unten. Die Gl\u00f6ckchen an seinem Gauklergewand klingelten munter durch die Leere.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d818acca898c9fb162ce0aa4d179d6e\">\u201eEdle Dame?&#8221;, fragte er besorgt. \u201eSeid Ihr die <em>teiranda<\/em> in Not?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a030628e13d2bfa763c4739e2f4135be\">Die junge Frau schaute ihn entgeistert an. Dann erhellte sich ihr Blick. Sie <em>erkannte<\/em> ihn. Und er <em>erkannte<\/em> sie. Die M\u00e4chte hatten sie einander begegnen lassen, hier, mitten in der Unwirklichkeit. Was f\u00fcr ein unf\u00e4higer K\u00fcnstler ihr Abbild erschaffen hatte!<\/p>\n<p data-p-id=\"76652b760db677431ffbfac7b390707c\">\u201eJa&#8221;, brachte sie hervor. \u201eBitte rettet mich, edler Herr!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"580546ed2cf4978baacc4a327f1bd154\">&#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"e5fadece0d89305042acaafccd1bbb4f\">Wa\u00fdreth Althopian entschied sich daf\u00fcr, f\u00fcrs erste einfach davon auszugehen, dass er erneut betrunken oder berauscht von Isans Arznei war und noch angeschlagen von der Auseinandersetzung mit dem Schattens\u00e4nger. Als er Altabete, Grootplen und Mor\u00e9aval sah, war er beinahe erleichtert.<\/p>\n<p data-p-id=\"e2bdf244baaa89c74b5790fae1835d1d\">Aber nur f\u00fcr einen Augenblick. Dann zog er sein Schwert. Man konnte nicht wissen, was Lebr\u00e9oka und Tjiergroen in den Sinn kommen mochte.<\/p>\n<p data-p-id=\"38a64d1321414f350c00c95f876dcd50\">\u201eWa\u00fdreth! Wo kommst du her? Wer sind diese Leute?&#8221;, fragte <em>yarl<\/em> Altabete und lie\u00df die <em>teiranda<\/em> los.<\/p>\n<p data-p-id=\"6dd1c9feb7af1f31a22743025f22dec0\">\u201eIch bin <em>yarl<\/em> L\u00e9ur Tjiergroen, <em>mynstir<\/em> von Benjus von Valvivant&#8221;, stellte der mit dem gr\u00fcnen Waffenrock sich vor. Auch er war kampfbereit, wusste wohl ebenso wenig, was er von den drei Rittern zu halten hatte, vor deren F\u00fc\u00dfen sie so unverhofft gelandet waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"c5840e9f6eeceaf6af43409725059e0e\">\u201eMein Name ist Gundald Lebr\u00e9oka&#8221; schloss der rot-wei\u00df gewappnete Mann sich an. \u201eWo sind wir?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"77f81a03e53d6335580088900f34c676\">\u201eIhr seid in Pianmur\u00edt, edle Herren.&#8221;, mischte sich der Rotgewandete ein. Der Lichtw\u00e4chter war bei ihnen, zum Greifen nah und zugleich au\u00dferhalb ihrer Reichweite, hinter einem Tisch. Die <em>f\u00e1njula<\/em> lag darauf, und der Schattens\u00e4nger stand davor, kehrte ihnen den R\u00fccken zu und etwas silbriges flimmerte um ihn herum, wie ein Wetterleuchten. Besorgt hatte er sich \u00fcber sie gebeugt. Er k\u00fcmmerte sich nicht um die <em>yarlay<\/em> und das Kind.<\/p>\n<p data-p-id=\"58e3800c8a90ef3d1dbc6779ce41c2f4\">\u201eWelch ein Fest. die edelsten Ritter diesseits des Montaz\u00edel in meiner Dom\u00e4ne versammelt zu sehen&#8221;, sagte der Rotgewandete. \u201eIch werde mich gleich um Euch k\u00fcmmern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"345e6c231a3f383a1f98b605de0aaee0\">\u201eDer Lichtw\u00e4chter!&#8221;, rief Isan erschrocken.<\/p>\n<p data-p-id=\"5201d8648db1443f918ea7ee28c914b1\">\u201eNoch mehr Zauberei!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a97ddc75f170f8241d6297b9cff52a7\">\u201eMagie, Herr Alsg\u00f6r, macht vieles um Einiges einfacher. Aber es ist noch nicht an der Zeit, dass Ihr etwas dazu beitragen k\u00f6nntet. Von Euch ist noch Geduld gefordert. Eines nach dem anderen.&#8221; Der Rotgewandete warf einen Zauber nach der Gruppe, so als wolle er etwas verscheuchen und lie\u00df die Unkundigen, so wie sie gerade standen, in der Bewegung erstarren &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"ba666fe13745cb5cac5daee7ebf97dab\">&#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"0571370a1dfb13cda757f1a1d504eb56\">\u201eUnd nun zu dir, Yalomiro Lagoscyre&#8221;, sagte Gor Lucegath. \u201eDu bist also doch noch zur\u00fcckgekommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f02bea2893db46048ae6178687973600\">\u201eNat\u00fcrlich. Wir hatten einen Pakt, Meister Gor.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"638269bc9bf3e42dce90a860ae9df1ff\">\u201eDu hast dir Zeit gelassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f31c84dfe80f7360b4498dcb4ce8d77\">\u201eIch bin ein Schattens\u00e4nger. Meinesgleichen hat einen Hang zu \u00fcberraschenden Auftritten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a131baf2fae993b55c87718c2e9f198a\">\u201eIch hatte dich fr\u00fcher erwartet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0dd6253555e83ec9709f036ddc9d1cdf\">\u201eIch bin wohl gerade noch im rechten Moment gekommen, bevor Ihr Euer Wort brechen konntet. \u2013 Steh auf, Ujora. Komm herunter von diesem gr\u00e4sslichen M\u00f6bel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6149408077bfab12d26de651d3879531\">Ich setzte mich auf und bebte immer noch am ganzen Leib. So schnell ich konnte rutschte von der Tischkante herab. Meine Knie gaben nach, so heftig zitterte ich. Er fing mich auf und schloss mich in die Arme. Ich tauchte unter seine <em>maghiscal<\/em>, schnappte gierig nach seinem wunderbaren Duft und klammerte mich an ihn. Er war bei mir. Nun w\u00fcrde alles gut werden! Alles!<\/p>\n<p data-p-id=\"1a3c33a96c5c6d2dc34f349af461de97\">\u201eBist du unversehrt?&#8221;, fragte er leise. \u201eHat er dich verletzt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4308f31132a7cbd6250070160d74b442\">Ich sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eAr\u00e1ma\u00fa&#8221;, brachte ich sinnlos heraus. \u201eAr\u00e1ma\u00fa ist &#8230; sie ist &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bfcf7f489ba86cb1082e0034a620da91\">\u201eRuhig&#8221;, wisperte er und dr\u00fcckte mich fest an sich. \u201eIch wei\u00df. Ich wei\u00df es. Es ist alles in Ordnung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bf1863f655b0ee87ab8cd03b7ec94eee\">Meine Nerven waren am Ende. Und dass er da war, dass er lebte und mich in seinen Armen hielt, machte mich so gl\u00fccklich und entsetzte mich zugleich so sehr, dass ich einfach nicht wusste, wohin mit meinen Gef\u00fchlen. Eine erl\u00f6sende, dumpfe Leere breitete sich in meinen Gedanken aus. Ich konnte nicht aufh\u00f6ren, zu weinen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d20925e5d6fc89f44da1e33ab5e36551\">\u201eDu bist wieder da&#8221;, stammelte ich. \u201eDu bist zur\u00fcckgekommen &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"42fee7b0f11912fdf95a2cffd437649d\">\u201eIch w\u00fcrde niemals einfach &#8230; weggehen&#8221;, sagte er schlicht und schmiegte seine Wange an meine Stirn. Aus der Leere wurde W\u00e4rme, wurde Frieden, wurde Gl\u00fcck und breitete sich \u00fcber mein Denken aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"32a2af6f3bf009f613dd8feb1574e6be\">\u201eWenn mir nicht Euer eigener Plan in Gestalt von <em>yarl<\/em> Althopian so viel Zeit geraubt h\u00e4tte, Meister Gor, w\u00e4re ich schon fr\u00fcher hier gewesen. So musste ich mitsamt der ungl\u00fccklichen <em>ujoray<\/em> den Umweg \u00fcber Euren zugegeben meisterlichen Spiegelzauber nehmen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6929adc63704b3b312177ba87c9067ff\">\u201eIch danke dir aufrichtig f\u00fcr dieses Lob. Aber h\u00e4tte der Ritter dich nicht aufgehalten, h\u00e4ttest du mir nicht genau im richtigen Moment die <em>yarlay<\/em> gebracht, die ich just jetzt und hier an dieser Stelle haben wollte. Gut gemacht, Yalomiro Lagoscyre.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1ba712a49ca80cbd9124d2e7f720f4f6\">\u201eEs muss \u00e4u\u00dferst kompliziert gewesen sein, all diese Dinge so exakt aufeinander abzustimmen. Meine Hochachtung, Meister Gor. Eure Kunst und Euer Bestreben sind \u00fcber alle Ma\u00dfen beeindruckend.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"39002c97235a09d6c21e08fab0d8474d\">Der Rotgewandete wartete. Drau\u00dfen, jenseits des Gl\u00fccks, das Yalomiros Gegenwart sch\u00fctzend um mich herum wob wie eine warme, Decke, wie ein Schild, str\u00f6mte erneut etwas von Gor Lucegath aus. Es kristallisierte um ihn herum; eine Magie, die nach und nach frei wurde und sich aufstaute, wie eine ungeheuerliche, eine m\u00e4chtige und nahezu massive <em>maghiscal<\/em>. Und wieder war da der seltsame Doppelklang in seiner Stimme. Offenbar sammelte er Kraft f\u00fcr einen ungeheuerlichen Zauber. Ungeachtet der Geborgenheit um mich herum wurde mir angst und bange.<\/p>\n<p data-p-id=\"9c650ceaccc8c75cf0e8ea9101831411\">\u201eIch habe meinen Teil der Abmachung erf\u00fcllt, Yalomiro Lagoscyre. Ich habe ihr den R\u00fcckweg in ihre Welt ge\u00f6ffnet.&#8221; Er nahm den Weltenschl\u00fcssel vom Tisch und warf ihn Yalomiro zu. \u201eSie hat abgelehnt. Nur deshalb ist sie noch hier. Aus freien St\u00fccken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7762915a40bd5feeb96619073cda9763\">\u201eIst das wahr, Ujora?&#8221;, fragte Yalomiro und schnappte das Werkzeug beil\u00e4ufig auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"78fe2cd5800ecb736a9ec270a38d81ca\">Ich nickte.<\/p>\n<p data-p-id=\"cb2ba78798f16e1f080bd7c62bf1d994\">\u201eWarum? Du h\u00e4ttest dich retten k\u00f6nnen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ba2b81694b6cabd5ec97bb229ddee987\">Ich umklammerte ihn fester. Ich konnte nicht sprechen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5c6ddbe9c2625409087e8f0108963ead\"><em>Ich will bei dir bleiben! Bitte, lass mich bei dir bleiben! Und wenn ich hier sterbe, ich will bei dir bleiben!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d4c57dd4089af243f4338d30e20971aa\">Einen Augenblick lang regte er sich nicht. F\u00fcr einen viel zu langen, schrecklichen Moment f\u00fcrchtete ich, er sei ver\u00e4rgert, oder entt\u00e4uscht. Dann umarmte er mich noch einmal fest. Seine <em>maghiscal<\/em> umspielte mich mit einer sonderbaren Z\u00e4rtlichkeit und Kraft, eine Empfindung, die mich irritierte. Es f\u00fchlte sich best\u00fcrzend an. Fast wie &#8230; wie ein Abschiedsgru\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ece0dbd92109a62a38a5ebc7f03bd73\">\u201eVertrau mir. Sei stark. Sei weise. Und misstrauisch&#8221;, wisperte er, steckte den Schl\u00fcssel ein und schob mich dann sanft von sich, hinaus aus seiner <em>maghiscal<\/em>. Schneidend griff die K\u00e4lte nach mir. Ich st\u00f6hnte auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"5c9ce896f991c6b014e120bebfdbe75f\">\u201eWenn du dich verabschieden m\u00f6chtest, Yalomiro Lagoscyre&#8221;, sagte der Rotgewandete, zwischenzeitlich v\u00f6llig unnahbar und unertr\u00e4glich anzuschauen, \u201ees k\u00f6nnte sein, dass Ar\u00e1ma\u00fa Boscarg\u00e9n noch f\u00fcr ein paar Atemz\u00fcge Leben in sich hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ed2e589ebc83eef27b224dfc89c49f5c\">Yalomiro senkte den Blick. Dann schritt er durch die diffuse Leere hin\u00fcber zu dem reglosen K\u00f6rper, der etwas abseits vom Tisch auf dem Nichts lag. Er neigte sich dar\u00fcber, lie\u00df sich dann auf ein Knie nieder, drehte sie auf den R\u00fccken und richtete ihren Oberk\u00f6rper auf, lehnte sie an sein gebeugtes Bein.<\/p>\n<p data-p-id=\"ee6a242d52557bb131350b6229e80fe0\">Ich konnte seine Emotionen sp\u00fcren, auch wenn ich bis heute nicht wei\u00df, wie das m\u00f6glich war. <em>Trauer<\/em> warf sich der K\u00e4lte entgegen. Ar\u00e1ma\u00fa lag schlaff in seinen Armen. Ihr Kopf lehnte an seiner Schulter. Einen Augenblick lang hockte er Stirn an Stirn mit ihr schweigend, vertraut, innig. Ich wei\u00df nicht, wie lange er so verharrte, wahrscheinlich nur einen kurzen Augenblick. Mir erschien es wie eine Ewigkeit.<\/p>\n<p data-p-id=\"166365e59e4c8dd9f9fc8d258a75cce0\">Es lag eine seltsame Intimit\u00e4t in der Art, wie er sie festhielt. Aber diesmal regte sich keine Eifersucht in mir. Ich begriff ohne jede Erkl\u00e4rung, dass die beiden in einer Art miteinander vereint waren, die voller Unschuld und W\u00e4rme gewesen sein musste. Etwas, das sie verbunden hatte wie Seelenverwandte. Wie Geschwister.<\/p>\n<p data-p-id=\"fd0a7af23616c42daa1136e69b92673c\">Wahrscheinlich tauschten sie untereinander Gedanken aus. M\u00f6glicherweise ersetzten die wenigen Augenblicke eine lange Zwiesprache, zu der Ar\u00e1ma\u00fa nicht mehr f\u00e4hig gewesen w\u00e4re. Dann griff er an seinen Kragen und zog etwas hervor, das er um den Hals unter seinem Hemd getragen hatte. Es sah aus, als wolle er der Schattens\u00e4ngerin zeigen, was er mitgebracht hatte. Aber er kam nicht mehr dazu. Ar\u00e1ma\u00fas Haupt hatte keinen Halt mehr und kippte zur Seite.<\/p>\n<p data-p-id=\"7cc5c38c0cff543b9deb9c2bf8726cb6\">Yalomiro verharrte noch einen Augenblick still. Dann legte er den K\u00f6rper sacht ab und verneigte sich. Einen Moment kniete er neben ihr, die Schultern gebeugt, die H\u00e4nde gramvoll vor seinem Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"3cf1ea12a1b6ab756b6eca1a5b6b8f86\">Es gibt keine Worte, um das zu beschreiben, was ich angesichts dieser stillen Szene empfand. Zu meiner Best\u00fcrzung war Erleichterung dabei. Ar\u00e1ma\u00fa hatte das Weltenspiel also hinter sich. Sie musste keine Angst mehr haben. Nie wieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"248f0532d5940edbf7238d9c92f44851\">In das erdr\u00fcckende Gemenge von K\u00e4lte und Trauer mischte sich Ungeduld. Der Rotgewandete setzte sich in Bewegung, aber Yalomiro stand bereits wieder und kam zur\u00fcck an den Tisch. In der Hand hatte er nun einen kleinen Beutel.<\/p>\n<p data-p-id=\"c2da257cea6e96855bfa3d8653d72ffb\">\u201eGib es mir&#8221;, forderte Gor Lucegath kalt.<\/p>\n<p data-p-id=\"cbd15cec0aad95ff2b338e1893d8de81\">\u201eIch wei\u00df nicht, ob ich das wirklich tun sollte&#8221;, sagte Yalomiro ruhig.<\/p>\n<p data-p-id=\"7a3b407a77d39cf51bac1a4948d060f1\">\u201eWir hatten eine Abmachung&#8221;, erinnerte der Rotgewandete ebenso gelassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c0bac44e89fe941a49c695908a37f24f\">\u201eDie habe ich erf\u00fcllt. Ich habe Euch gelobt, das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> herzubringen. Ich habe nie gesagt, dass ich es Euch aush\u00e4ndigen w\u00fcrde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff66be153e35d4c95c9346c5da7650d4\">\u201eWas soll das hei\u00dfen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9570e231d28144db633c14978777412\">\u201eNimm du das hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"583d5999bf61ccae63882aa95d2f2969\">Ich ben\u00f6tigte einen Moment, um zu begreifen, dass er mit mir sprach. Verst\u00e4ndnislos blickte ich auf den kleinen Lederbeutel an einer Schnur, den er mir entgegenstreckte.<\/p>\n<p data-p-id=\"460af5ef81ebb065daf785089ba61c63\">\u201eWas soll das?&#8221;, fragte der <em>goala&#8217;ay<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"de544506912f9541b8254327295e9638\">\u201eSie kann es nicht verwenden. Bei ihr ist es sicher, solange wir reden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bc06ce92555e2b58a9e09731f6bea63f\">\u201eReden? Du willst <em>reden<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"521c31d0d3040b8bd98ba9d5b82d149d\">\u201eJa. Ich will das vollenden, was Ihr damals, im Eta\u00edmalon, mit meinem Meister h\u00e4ttet bereden sollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"93e26c8a8008f83c00797a9382f72393\">\u201eEs gibt nichts weiter zu sagen, Schattens\u00e4nger!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9aeb7aa4091d9b52a36898cb35fcdd1a\">\u201eDann wird es Euch erst recht nichts ausmachen, wenn sie es einen Augenblick lang an meiner Stelle festh\u00e4lt. Vielleicht wird es f\u00fcr Euch hernach sogar bequemer, denn sie kann Euch nichts entgegensetzen, um es zu verteidigen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f800d67281810964cd046b6a081b2d43\">Beide schauten mich an.<\/p>\n<p data-p-id=\"51fcaa72efae7f174fd2a4c5f0f0f5fb\">\u201eNimm es, Ujora. Ich bitte dich. Es wird mir zu schwer. Nun bist du an der Reihe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7eb8f0dd9b382aa6f21d6764717cd3eb\">Ich streckte meine Hand nach dem Beutel aus, aber ich z\u00f6gerte. Wenn in diesem S\u00e4ckchen tats\u00e4chlich das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> steckte, das m\u00e4chtigste magische Artefakt aller Zeiten \u2013 konnte ich es gefahrlos anfassen? Das war etwas so Eindrucksvolles, so Gewaltiges, viel Kostbareres, als ich es mir \u00fcberhaupt <em>vorstellen<\/em> konnte. Und vielleicht gerade aus diesem Grund \u2013 harmlos.<\/p>\n<p data-p-id=\"11bb2aa35acedf78e2db128ec8e35347\">Ich griff danach und hielt das Artefakt in meiner Hand. Im Beutel ertastete ich etwas kleines, hartes, ungef\u00e4hr so gro\u00df wie eine Haselnuss oder eine gro\u00dfe Murmel. Es wog praktisch nichts und strahlte auch keine Energie oder dergleichen ab. Es f\u00fchlte sich genauso an wie eine Nuss in einem Lederbeutelchen. Ich hatte mit etwas Eindrucksvollerem gerechnet.<\/p>\n<p data-p-id=\"5621a81a91fa39a4edad8e3df1d8b132\">\u201eWas versprichst du dir davon, nun alberne Spiele mit mir zu spielen?&#8221;, fragte der Rotgewandete. \u201eIst nicht alles gesagt zwischen uns? Was willst du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff668fd70fd4c7e3b38586510b230574\">Yalomiro ging um den Tisch herum und trat zwischen die in der Bewegung erstarrten Menschen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1032a8459f9246effbae9716f070bae3\">\u201eWas habt Ihr mit diesen ungl\u00fccklichen Unkundigen vor? Warum habt Ihr den Aufwand betrieben, sie so lange an Euch zu fesseln? Warum all die M\u00fche, sie an diesem Ort zusammenzuf\u00fchren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d1f8122b6f146beddcf46a70a456656c\">\u201eGlaubst du an das Weltenspiel der M\u00e4chte, Yalomiro Lagoscyre?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1e1c15997b7026b1fcee4cc3789155f0\">\u201eSelbstverst\u00e4ndlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9ed6b038710ab9723ab6c39a92d57ade\">Gor Lucegath deutete mit seinem Schwert auf die sieben Ritter, den fremden Hofnarren, die <em>teiranda<\/em> und Isan, alle starr und steif, aber offenbar jeder bei klarem Bewusstsein. Was machte Isan eigentlich hier? Ich schaute das M\u00e4dchen an und f\u00fchlte mich betroffen. Sie sollte nicht in Pianmur\u00edt sein. Isan h\u00e4tte niemals einen so furchtbaren Ort erfahren sollen! Wenn sie sich schon so sehr vor Schattens\u00e4ngern f\u00fcrchtete, wie sehr w\u00fcrde sie das hier traumatisieren!<\/p>\n<p data-p-id=\"f425edcaa2efc1483d36d9a0b96b8187\">\u201eWas w\u00fcrdest du sagen, wenn all diese j\u00e4mmerlichen Unkundigen mir dazu n\u00fctzlich w\u00e4ren, das Weltenspiel &#8230; nun, zu meinen Gunsten zu <em>beeinflussen<\/em>? Eine Gruppe von Figuren zur Verf\u00fcgung zu haben, die meine Strategie festigen&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a1c1795c8b14cd3340ca55ae6d7811c\">\u201eNun, das klingt mir nach einem fantasievolleren und fruchtbringenderen Plan, als sie einfach nur umzubringen. Aber warum hier und jetzt? Was ist Euer Ziel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6db357df91ffbb62494900279b6c925c\">\u201ePianmur\u00edt zu erschaffen, <em>camat&#8217;ay<\/em>, war eine sehr langwierige und m\u00fchsame Aufgabe. Dank dem <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> kann meine Dom\u00e4ne sich nun ausweiten wie eine Welle, die durch die Wirklichkeit brandet. Es wird sich nicht mehr aufhalten lassen, nicht einmal mehr von den <em>arcaval&#8217;ay<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"da9adbfbd5aacaf9d4aed95e2d8e78be\">\u201eDann soll die ganze Welt so werden wie &#8230; das hier? Eine Leere? Ein Nichts?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"be69e5de955d7a6e5bb0f823d11e3fd6\">\u201eDas ist der Plan.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0a6d3e580642c6daf2d2b3ad49ca97ff\">\u201eErz\u00e4hlt mir mehr dar\u00fcber.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"41d57cbfada9abd79bb556607b7b2716\">\u201eWarum sollte ich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e66166cb6afaea5dc85c612da53d1fb\">\u201eNun, ich m\u00f6chte nicht neugierig sterben. Oder wollt Ihr mich doch nicht hinter die Tr\u00e4ume zu bringen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbb79ac91039c8ee48dbdc33e153628a\">\u201eDu verschwendest meine Zeit, Yalomiro Lagoscyre!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6d413df64751f6ad43ffa4c97b0aeaeb\">\u201eWelche Zeit? Steht die Zeit hier nicht still in Eurer Dom\u00e4ne?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"58247fac7743956a667376f4a4b4ee0d\">Meister Gor seufzte. \u201eDu bist unversch\u00e4mt und l\u00e4stig, Yalomiro Lagoscyre. Wann wirst du begreifen, dass du nicht mehr bist als Nokt\u00e1mas Scho\u00dfh\u00fcndchen, das einen gewaltigen B\u00e4ren ankl\u00e4fft?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aa445bf32abf08af72895287dd8b091a\">\u201eImmerhin hat das brave Scho\u00dfh\u00fcndchen Euch das Artefakt apportiert. G\u00f6nnt ihm eine kleines H\u00e4ppchen und lasst es nicht unwissend, bevor der B\u00e4r es verschlingt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"40d7ee5b285f2da811d3bd5b952f7b34\">Ich h\u00f6rte mit wachsender Verwirrung zu. <em>Dass<\/em> Yalomiro etwas vorhatte, war offensichtlich. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass er Gor Lucegath zu einem Schurkenmonolog provozieren wollte, damit er seine Pl\u00e4ne offenlegte.<\/p>\n<p data-p-id=\"2a1130db9a5f1905c6d81b10441c09fa\">\u201eIch frage mich bei alledem, was ein <em>goala&#8217;ay<\/em> daran finden kann, das Weltenspiel zum Stillstand zu bringen. Woher allein die Anma\u00dfung kommen kann, als sterbliches Wesen die M\u00e4chte in ihrem Spiel st\u00f6ren zu wollen wie &#8230; wie ein ungezogenes Kind, das den Erwachsenen die Figuren vom Brett stibitzt. Die M\u00e4chte sch\u00e4tzen es nicht, <em>gest\u00f6rt<\/em> zu werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a4eb2c2fd36baa9dd10c26147a019bbf\">\u201eIch habe keine Geduld mehr mit dir, Yalomiro Lagoscyre. Und du, Unkundige: Gib mir das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"436790421b7831264b9e720671f3d5cb\">Der Rotgewandete streckte fordernd die Hand \u00fcber den Tisch. Ich wich zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"420037c0da3ae3fd297ed3dfc2dc0873\">\u201eWenn du es nun tust, Ujora, werde ich dich <em>vielleicht<\/em> am Leben lassen. Das ist ein gro\u00dfz\u00fcgiges Angebot.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91012398b6f50ba252f70e5758503960\">Ich warf Yalomiro einen flehentlichen Blick zu. Aber er zuckte nur die Achseln. \u201eUjora, ich habe genug von Gor Lucegath geh\u00f6rt. Wir k\u00f6nnen es nicht \u00e4ndern. Wir werden seinen furchtbaren Plan wohl nicht mehr aufhalten k\u00f6nnen. Aber wir k\u00f6nnen den M\u00e4chten gegen\u00fcber ohne Scham und Schuld Rechenschaft ablegen, dass wir es nach Kr\u00e4ften versucht habe. Ich frage mich nur, ob dem <em>ehrenhaften<\/em> Meister nicht doch noch ein Letztes zu seinem wahren Triumph fehlt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"86faa92bb1e182667f1c3eb6d131e5d1\">\u201eUnd was soll das sein, Schattens\u00e4nger?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0d0f75a4894971e177611acc36b30e3c\">Yalomiro setzte sich auf die Tischkante nieder, schob die Geige ein St\u00fcck beiseite und \u00f6ffnete sein Hemd. Der Rotgewandete beobachtete ihn mit sichtlicher Verwirrung.<\/p>\n<p data-p-id=\"a098513540db3e9b18e41b3be60f4f40\">\u201eYalomiro!&#8221; Entsetzen packte mich, als er sich auf dem grausig gesprenkelten Holz ausstreckte. Die Narbe auf seinem Brustkorb hatte er entbl\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p data-p-id=\"4d5922ec98d3050056225e333dee49f6\">\u201eWas soll das, Schattens\u00e4nger?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0ddd8c4a3bb737d461dc6037a2ed776f\">\u201eIch kenne die Regeln, Gor Lucegath. Jeder <em>camat&#8217;ay<\/em> kennt die Geschichten von Schattens\u00e4ngern, die von Euresgleichen dem Licht geopfert wurden. Nun, offenbar haben all Eure Opfer Euch nichts eingebracht. Wollt Ihr nicht den letzten Versuch wagen, der Euch bleibt? Vielleicht ist es ausgerechnet mein Seelenfunke, der das Feuer entfacht, mit dem Ihr das Weltenspiel niederbrennen k\u00f6nnt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"41eacd17da084398d43072560cc0a558\">\u201eHast du den Verstand verloren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0113c00cf84b42355169c16feb7b703e\">\u201eMeister Gor, ich bitte Euch. Ziert Euch nicht. Ich wei\u00df, was es bedeutet, von einem Schwert wie dem Euren gezeichnet zu sein. Ich wei\u00df, dass Ihr damals, als Ihr uns im Montaz\u00edel gestellt habt, mich als Euer Opfer markiert habt. Ich muss und werde durch Euer Schwert sterben, wie das Licht es zur unaufl\u00f6slichen Regel des Weltenspiels erkl\u00e4rt hat. Lasst es uns hinter uns bringen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e319848184451916a3f0e5c0f3bd461a\">\u201eYalomiro!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b7de028b558786aae65e98a4bddd7619\">\u201eEs ist unabwendbar, Ujora. Es ist eine Spielregel, die weder er noch ich gemacht haben. Es ist Teil seiner dem Licht geweihten Magie, so wie es zu der meinen geh\u00f6rt, in den Schatten gehen zu k\u00f6nnen. Ich wei\u00df, dass lange vor meiner und seiner Zeit dies bereits ein Opfertisch war, auf dem viele, viele <em>camat&#8217;ay<\/em> den Weg hinter die Tr\u00e4ume gefunden haben. Es ist imponierend, dass er es irgendwie geschafft hat, dieses erhabene Werkzeug zu finden und in seinen privaten Besitz zu bringen. Und ich verstehe nicht, warum er jetzt, am Ziel seines Treibens, so zaudert, seine Taten zu vollenden. Ob er wohl &#8230; Angst hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d35e93e34fdca1cfb6be9e965af6c442\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"94a85f7b2353591c0ea6506bb33de822\">\u201eKommt nur, Gor Lucegath. Es ist Eure die letzte Gelegenheit, Eure sehnlichste Begierde zu erf\u00fcllen. Vielleicht wurde die Belohnung f\u00fcr Euer unerm\u00fcdliches Streben bis zum Ende aufgespart. Wer wei\u00df?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9882ccb6bb9f0c4e1f416d049e50ebac\">Der Lichtw\u00e4chter stand starr da und wirkte auf eine beunruhigende Weise fassungslos.<\/p>\n<p data-p-id=\"672cf55879c92ece9c92d21949c12b52\">\u201eNur zu, Meister Gor. Erf\u00fcllt an mir endlich das, was Ihr <em>tats\u00e4chlich<\/em> wollt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"26c64e82b7e43d08adaf02187b965258\">Ein seltsamer Ausdruck trat in Gor Lucegaths maskiertes Gesicht. Es war nicht wirklich Misstrauen, eher &#8230; Betroffenheit.<\/p>\n<p data-p-id=\"391c5828af317e5486155fd91391e0b9\">\u201eKommt! Nehmt es Euch, das letzte noch schlagende Schattens\u00e4ngerherz. Den Seelenfunken, nach dem Ihr so lange gesucht habt! Den, der m\u00f6glicherweise endlich das Licht zu Euch lockt! Nutzt die Gelegenheit. Vielleicht h\u00f6rt das Licht Euch dieses eine Mal zu, wenn Ihr um Vergebung fleht. An mir soll es nicht scheitern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"faadc1aed8154d428397cd2435eaefce\">Gor Lucegath z\u00f6gerte. Dann erklomm er erneut den Tisch, stand \u00fcber dem Schattens\u00e4nger und packte mit beiden H\u00e4nden den Griff seiner schimmernden Waffe. Die Spitze des Schwertes ber\u00fchrte die Narbe. Diesmal bebte die Hand, die es hielt.<\/p>\n<p data-p-id=\"c67b67d0a4d280e9db3ada3c66dcae4d\">Yalomiro lag mit gespenstischer Gelassenheit da, als sei der Tisch eine Matratze. Ich sah dies alles mit Grausen und hatte keine Ahnung, was ich nun noch unternehmen konnte und sollte. Ein Alptraum, flehte ich. Meine Hand umkrampfte das Artefakt. Das konnte nur ein Alptraum sein! Bitte, ihr M\u00e4chte, lasst mich das alles diesmal wirklich nur tr\u00e4umen!<\/p>\n<p data-p-id=\"2b745401a51ad88bcf000aab423c48ca\">Der Rotgewandete hob das Schwert an, hielt es, beide H\u00e4nden am Griff \u00fcber seinem Kopf bereit, es mit Wucht durch den K\u00f6rper und den Tisch zu sto\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"781f0a360adacc38136775a3533f3554\">\u201eHaltet ein!&#8221; Yalomiro hob die Hand.<\/p>\n<p data-p-id=\"965ff46cd62f63f6fe26587449bcda6d\">\u201eWas nun noch? Ich dir doch noch eine letzte Frechheit eingefallen, Yalomiro Lagoscyre?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1476def1c247706f0daf2d9879d2bf8a\">\u201eNein. Nur ein allerletzter Wunsch. Das ist nur recht und billig, nachdem ich Euch das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> gebracht habe, das Ihr der Unkundigen hernach nur noch aus der Hand zu pfl\u00fccken braucht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fb6c7b0e71abe4d501f56565f4bfbdba\">\u201eSprich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"57467974f81365d19912f24d8e2b281d\">Die Gelassenheit schwand aus Yalomiros Miene. Seine Augen leuchteten auf wie Mondlicht auf blankem Glas.<\/p>\n<p data-p-id=\"9c637e9560a6da3280e0aa7f52868a7b\">\u201eLass ihn los, Weltenspielverderber. Gib Gor Lucegath frei!&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2251","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2251","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2251"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2251\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3942,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2251\/revisions\/3942"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2251"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2251"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2251"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}