{"id":2241,"date":"2025-08-24T23:54:54","date_gmt":"2025-08-24T21:54:54","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2241"},"modified":"2025-08-31T09:24:20","modified_gmt":"2025-08-31T07:24:20","slug":"105-erwachen-versprechen-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/105-erwachen-versprechen-vergessen\/","title":{"rendered":"105: Erwachen, Versprechen, Vergessen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"b3eb90d90e873e10c7f2017047e870a3\">Wa\u00fdreth Althopian kam zu sich, wie aus einem tiefen, tiefen wirren Traum. Der Ritter versuchte mit M\u00fche, seine Augen zu \u00f6ffnen, und als es ihm gelang, war es zun\u00e4chst, als sei er erblindet, ein milchiger Schleier lag vor seinem Blick. Althopian erschrak und setzte sich auf. Doch mit jedem Wimpernschlag klarte die Umgebung auf, und schlie\u00dflich erkannte er, dass er auf einem Fu\u00dfboden lag, einem, der mit kunstvoll arrangierten Steinplatten gepflastert war, die ein h\u00fcbsches, filigranes Muster bildeten. Weite Teile des Ornaments verschwanden in seiner N\u00e4he unter einem Film von Blut.<\/p>\n<p data-p-id=\"a8b510ff45cf6f6b06418810a0aa0f2e\">Der Fu\u00dfboden geh\u00f6rte zu einer Halle mit einem hohen, von dunklen Balken gest\u00fctzten Dachgew\u00f6lbe und einer umlaufenden Galerie. Er kannte diesen Ort, hier hatte er schon einmal gestanden. Aber alles war nun so &#8230; vertraut. So <em>richtig<\/em>. Warmes, goldenes Sonnenlicht kam durch die Fenster an der Nordseite hinein, eine friedvolle Beleuchtung, wie sie dieser Saal seit vielen, vielen Sommern nicht gesehen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"4e884aed4cb2660899e9f807a5819e87\">An der Stirnseite der Halle stand ein aufw\u00e4ndig geschnitzter h\u00f6lzerner Thron vor dem Banner des <em>teirandon<\/em> Wijdlant.<\/p>\n<p data-p-id=\"9a4bb116138409a2521866014dd2d2e6\">\u201eWas ist passiert?&#8221;, fragte jemand heiser. Es war Gundald Lebr\u00e9oka, sein Kamerad, der ebenfalls zu sich kam und sich nun neben Althopian auf alle viere aufgerichtet hatte. Sein wei\u00dfer Waffenrock zeigte ein rotes Muster an Stellen, wo es nicht hingeh\u00f6rte. Wo kam der Ritter so pl\u00f6tzlich her?<\/p>\n<p data-p-id=\"4fed62b79ed9f9cf5c5e4f0fdd33d160\">\u201eWo sind wir?&#8221;, fragte <em>yarl<\/em> Tjiergroen. Er versuchte, sich aufzustellen. \u201eWie sind wir &#8230; wo ist der Strand?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"309016102e8824ca2eecbd37761891df\"><em>Yarl<\/em> Grootplen sa\u00df mit ausgestreckten Beinen mitten im Saal und wandte ihm den Blick zu. Dann zuckte er zusammen, packte sein Schwert und versuchte, in Abwehrstellung zu gehen, was viel zu lange dauerte, so schwerf\u00e4llig bewegte er sich. \u201eBei den M\u00e4chten! Wer seid Ihr und wie konntet Ihr hier eindringen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6628884d907cd7a947ed2117fbff0443\">Etwas klimperte und klingelte heftig. \u201eFrieden!&#8221; Ein l\u00e4cherlich aufgeputzter Gaukler taumelte dem Ritter in den Weg. Erst beim zweiten Blick entsann Althopian sich, dass es Asga\u00fd von Spagor war, sein Herr und <em>teirand<\/em>, der sie alle in eine weitere L\u00e4cherlichkeit gef\u00fchrt hatte. \u201eWir sind hier in Frieden! Niemand greift jemanden an!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cc1fc7d2bd96d3201165755cf84648a8\">Er brach wieder in die Knie, schaute zu Grootplen auf und sagte verwirrt: \u201eLasst uns zueinander kommen. Irgendetwas Wunderliches ist uns allen zugesto\u00dfen und warf uns an diesen Ort wie W\u00fcrfel in einen Becher!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d8a5b37640a58a5da2f1e101c11cf463\">Jemand zerrte an Althopians Gewand. Isan war \u00fcber den Boden zu ihm gekrochen.<\/p>\n<p data-p-id=\"73cb5e3b9f2abd1869afefb85307b35d\">\u201eHerr&#8221;, fl\u00fcsterte sie. \u201eHerr! Seid Ihr in Ordnung?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0caa0e859980bc504615a032aa7da19f\">Er griff nach ihr, hob sie auf und dr\u00fcckte sie erleichtert an sich. Das M\u00e4dchen err\u00f6tete, lie\u00df es aber geschehen, dass er es innig umarmte wie eine Tochter. Dann lenkte die Frau sie ab, die wortlos an ihm und zwischen den desorientierten, von allen Kr\u00e4ften verlassenen Rittern vorbeischritt. Zart und gebrechlich war sie, ihr blondes Haar war wirr und ihr kostbares Gewand zerknittert und derangiert. Ihr Gesicht war bleich, ihre Miene so ersch\u00f6pft, als habe sie eine schwere Anstrengung hinter sich. Sie tappte auf den Thron zu, b\u00fcckte sich dabei nach einer Krone, die auf ihrem Weg am Boden lag. W\u00e4hrend sie weiter und durch einen Haufen Glasscherben schlurfte, setzte sie sich den Reif aufs Haar. Die Schleppe ihres Gewandes verwischte das Blut wie ein Putzfeudel.<\/p>\n<p data-p-id=\"7f2e3051c5f01473e6ef9864e0b22cfd\">Die Ritter lie\u00dfen sie wortlos gew\u00e4hren. Die <em>yarlay<\/em> Grootplen, Altabete und Mor\u00e9aval versuchten, vor ihrer Herrin Haltung anzunehmen, so gut es ging.<\/p>\n<p data-p-id=\"fe9b57aa45415c00d5dc2640e474ac10\">Sie lie\u00df sich auf den Thron fallen, schloss ersch\u00f6pft ihre h\u00fcbschen blauen Augen und seufzte tief. Dann warf sie einen milden Blick in die Runde.<\/p>\n<p data-p-id=\"36ddf2d8de09c40675b0d3b82282b06c\">\u201eWillkommen, Herr Wa\u00fdreth. Willkommen Euch und den Herren in Eurer Begleitung.&#8221; Sie wandte sich an Tjiergroen und Lebr\u00e9oka. \u201eUnd Ihr seid &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1ddf085f1d35e91662397ce143ef2e59\">Tjiergroen verneigte sich und w\u00e4re dabei fast gestolpert. Lebr\u00e9oka versuchte es gar nicht erst und senkte nur h\u00f6flich den Blick.<\/p>\n<p data-p-id=\"a9cd7d3fcf39cf0f94bca6901025e2e4\">\u201eIch bin <em>yarl<\/em> L\u00e9ur Tjiergroen, <em>mynstir<\/em> des <em>teirand<\/em> Benjus von Valvivant. Ich bin in Begleitung von Gundald Lebr\u00e9oka. Aber &#8230; ich wei\u00df nicht, wo wir hier sind &#8230; und warum. &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b092de4f98bcd9b0ffc842a36993abe2\">\u201eDas ist einerlei. Als Gesandte meines hochverehrten Nachbarn seid ihr mir herzlich willkommen. Ich bin K\u00edan\u00e1 von Wijdlant. Ich bitte Euch, die Unordnung hier zu verzeihen. Es scheint, es ist etwas &#8230; Seltsames geschehen. Es wird z\u00fcgig aufger\u00e4umt werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb88c0f6c813009e3faa49dbd9bca2d3\">\u201eHerrin&#8221;, meldete sich Alsg\u00f6r Emberbey zu Wort. \u201eAll das Blut am Boden &#8230; es scheint, jemand hat gro\u00dfen Schaden genommen. Doch keiner von uns scheint verletzt zu sein &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bf14e14f7a73d56e436d20792fbb1425\">\u201eUnsere Schwerter&#8221;, sagte Andri\u00e9r Altabete mit zitternder Stimme, \u201esie sind besudelt. Was, bei den M\u00e4chten, haben wir <em>getan<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4767d165ea7e3d3a880724a43ea19c4f\">\u201eM\u00f6glicherweise&#8221;, schlug Asga\u00fd von Spagor vor, \u201ehaben wir hier in dieser Halle eine heroische Schlacht geschlagen. Oder ein Monster besiegt. Vielleicht &#8230; ist es Wille der M\u00e4chte, dass unsere Erinnerung daran verloschen scheint.&#8221; Er wandte sich leise klingelnd um und schaute die <em>teiranda<\/em> an. Die Dame erwiderte seinen Blick. Der <em>teirand<\/em> stutzte und blickte an sich herab \u201eIch &#8230; ich habe keine Ahnung, wieso ich in einem so &#8230; wunderlichen Aufzug vor Euch stehe, edle Dame&#8221;, f\u00fcgte er verlegen hinzu. \u201eIch bin Asga\u00fd, <em>teirand<\/em> von Spagor.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f21b151ba44096ada892af44c0de6f74\">\u201eSicherlich steckt dahinter eine phantastische Geschichte&#8221;, antwortete sie sanft.<\/p>\n<p data-p-id=\"7f40c99a1b33afbedbc4134629c4a6ca\">\u201eGlaubt Ihr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"50e3a63fa22162234f5379b8484c0da9\">\u201eIch mag Geschichten,&#8221; sagte sie mit mildem L\u00e4cheln. \u201eWerdet Ihr mir welche erz\u00e4hlen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b65c02167fa219e68d7df075801a4962\">Isan l\u00e4chelte entz\u00fcckt, Althopian sah es aus den Augenwinkeln. Er atmete auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"3a91dd185f3f3756eeec5ff9650f95ee\">Wir lauschten, verborgen im Schatten auf der Galerie. Ungesehen dorthin zu gelangen, fiel an Yalomiros Hand nicht schwer. Ein paar Schritte durch den Schatten gen\u00fcgten. Dennoch war es seltsam. Die Burg war menschenleer gewesen, aber nicht unbelebt. Offenbar hatten all ihre Bewohner den Sonnenaufgang schlicht verschlafen. Die Magie, die Wijdlant und Pianmur\u00edt verbunden hatte, schmolz nach und nach dahin. Yalomiro hatte gemeint, das sei weitaus angenehmer, als all die unbeteiligten Unkundigen einfach in die Realit\u00e4t zur\u00fcckzuwerfen. Die Ebenen synchronisierten sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"675d3a66672f748c256557a3358ee745\">\u201eIst das nun ein gl\u00fcckliches Ende?&#8221;, fragte ich leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"b5ce50d2e06b15987670b8ddb62fd931\">\u201eEnde? Was ist denn beendet? Ist es nicht so, dass es nun erst weiter geht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"928bf75f2525d04fdcb7ce4c9a7754e8\">\u201eUnd wie geht es weiter?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d8c2b4a75487b234cdc4216a9b6d88c\">Yalomiro zuckte die Schultern. \u201eDas wissen die M\u00e4chte. Das ist etwas, das die Unkundigen allein finden m\u00fcssen. Allerdings &#8230; hier ist noch ein wenig aufzur\u00e4umen, bevor wir uns um unsere Dinge k\u00fcmmern k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"80c53ee65b5b5aa31bcd8bacc38b7b87\">Er trat aus dem Schatten heraus, zog seinen Hut aus R\u00fccksicht auf die <em>teiranda<\/em> und Isan in die Stirn, r\u00e4usperte und wartete, bis man ihn bemerkte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e1b43aa7824589c037b8a03d377c76bd\">\u201eUjora!&#8221;, rief Isan freudig auf, als ich seinem Beispiel folgte. \u201eDu bist auch hier!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"59cd5c0c91566dff38dad64360fe2b68\">In den Blicken der M\u00e4nner waren Emotionen von Erstaunen bis Erleichterung zu lesen, je nachdem, wen ich ansah. Bei dem<em> teirand<\/em> \u00fcberwog eine freundliche Neugier. Der junge Mann schien ein netter Kerl zu sein. Er erinnerte mich an einen stets leicht verpeilten Kommilitonen aus einem Literaturseminar. Ohne zu wissen, wie das sein konnte, sp\u00fcrte ich seine Liebensw\u00fcrdigkeit bis hinauf auf die Galerie, ohne dass er etwas gesagt h\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"de50ce0c09e19f4a0560cbf6419bb1da\">\u201eWir werden Euch nicht lange behelligen&#8221;, sagte Yalomiro ruhig. \u201eEs scheint mir noch nicht die passende Zeit daf\u00fcr zu sein. Doch wir werden euch jederzeit in Frieden willkommen hei\u00dfen, wenn ihr unsere Freundschaft sucht und sobald ihr bereit dazu seid, Vergangenes zu verzeihen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"65e9f87238b7938607f5f83ff288fcdc\">\u201eSteckt Ihr dahinter?&#8221;, fragte Alsg\u00f6r Emberbey. \u201eIhr seid ein Schattens\u00e4nger, ich erinnere mich. Habt Ihr uns mit Magie hierher gebracht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"489713c683a9765ff4358f229e882069\">\u201eNein&#8221;, antwortete Yalomiro. \u201eIch war das nicht. Aber das ist im Ergebnis egal. Trotzdem solltet Ihr mir nun gut zuh\u00f6ren und die Worte beherzigen, die ich Euch mit auf den Weg geben will, bevor wir alle uns f\u00fcr den Moment trennen. <em>Yarl<\/em> Tjiergroen, <em>yarl<\/em> Lebr\u00e9oka. Ich gebe Euch eine Botschaft f\u00fcr Benjus von Valvivant. Sagt ihm, dass er von seiner gr\u00f6\u00dften Sorge befreit ist. Wenn er das Gespr\u00e4ch mit mir, mit <em>ytra<\/em> Yalomiro Lagoscyre will, werde ich ihn jederzeit im Boscarg\u00e9n willkommen hei\u00dfen. Es w\u00e4re mir in Anliegen und eine gro\u00dfe Ehre, wenn die Dame Verta ihn begleiten w\u00fcrde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c318fc45c444e3790e58561c40a9b1a3\">\u201eIch &#8230; ich spreche mit ihr!&#8221;, platzte Isan heraus. \u201eIch werde ihr berichten, dass &#8230; dass niemand sich vor Euch f\u00fcrchten muss!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"140ea918fe8ff2b3ee507982c664aea4\">Wa\u00fdreth Althopian legte ihr rasch die Hand auf den Mund. Das M\u00e4dchen err\u00f6tete.<\/p>\n<p data-p-id=\"ada6683f73f5d13dc8dc4de385b40e29\">\u201eVerzeiht Ihr, Meister&#8221;, bat er. \u201eSie redet oft zur Unzeit, aber stets aus reinem Herzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9abff9b707287a369a30412e39988864\">\u201eDu, junge <em>doayra<\/em>, kannst mir einen anderen gro\u00dfen Dienst erweisen. Ich m\u00f6chte, dass du zu Maj\u00e9k, Egnar und Kelwa gehst, ihnen meine Gr\u00fc\u00dfe \u00fcberbringst, und meinen innigen Dank. Ich bin sicher, dass wir uns im Weltenspiel noch einmal begegnen werden. Sofern sie mich noch einmal an Bord lassen. &#8211; <em>Yarl<\/em> Althopian. Euch geb\u00fchrt ebenfalls mein gro\u00dfer Dank. Und ich bedauere, dass gerade Ihr es seid, den ich nun geradezu von hier fortjagen muss. Viel zu lange habt Ihr Eure Herzensqueste durch meine Schuld zur\u00fcckstellen m\u00fcssen. Hoheit, w\u00e4re es wohl m\u00f6glich, dem <em>yarl<\/em> ein Pferd zu \u00fcberlassen, damit er schleunigst seiner <em>h\u00fdardora<\/em> nach For\u00e9tern nacheilen kann?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"246da77633c0978074c492d89017c7e6\">Bevor K\u00edan\u00e1 von Wijdlant etwas sagen konnte, hob Mor\u00e9aval bereits die Hand. \u201eEr kann meines nehmen. Es ist das j\u00fcngste und schnellste in diesem Stall.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"97bd3abdffd1a25a33b5b868aab622ea\">Althopian nickte ihm dankend zu. \u201eIch gebe Euch ein Schreiben, dass man Euch zum Tausch in meinem Haus ein Ross ganz nach Eurer Wahl \u00fcbergeben m\u00f6ge. Sucht Euch das Beste von meinen Herden aus.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e09f1a2bf0f013bf34e0d07f7453303a\">\u201eAuch Ihr, <em>yarl<\/em> Emberbey, solltet Euch z\u00fcgig auf den R\u00fcckweg begeben. M\u00f6glicherweise ist Eure Dame l\u00e4ngst in Virhav\u00e9t eingetroffen. Sicherlich leiht man auch Euch und den Herren aus Valvivant Pferde. Aber noch etwas&#8230; <em>Yarl<\/em> Emberbey, <em>yarl<\/em> Althopian &#8230; Euch beiden muss ich ein Versprechen auf die Zukunft. Es w\u00e4re mir wohl, Euer Wort darauf zu haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"201a5d446e56b6ed91c56aa7e5fc7fc5\">\u201eWas sollen wir tun?&#8221;, fragte Alsg\u00f6r Emberbey unwirsch. \u201eMit Versprechen haben wir beide unsere liebe Not gehabt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1844758655bec30a5fdaf8161db2d23e\">\u201eEs ist einfach. Erzieht Eure S\u00f6hne zu gerechten, mutigen und loyalen M\u00e4nnern, was auch immer Euch geschieht. Zu <em>yarlay<\/em>, die bereit dazu sind, das Weltenspiel im rechten Moment zu verteidigen und die Euch an Tugend, Tapferkeit und Verstand mindestens ebenb\u00fcrtig sind. Eines Tages wird es n\u00f6tig sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"89ddece0d94f4e11d0992e919f05b504\">Ratlosigkeit trat in beider Herren Mienen ob dieser offensichtlichen Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Mir hingegen wurde bewusst, wie <em>w\u00f6rtlich<\/em> Yalomiro das sicherlich meinte. Ich schauderte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8aa4fcd4c25dafd0f007369307976e1d\">\u201eUnd Ihr, edle <em>yarlay<\/em> von Wijdlant \u2013 solltet Ihr Euch nicht um Eure <em>h\u00fdardora\u00e9<\/em>, S\u00f6hne und T\u00f6chter und Eltern k\u00fcmmern? Majest\u00e4t? Gew\u00e4hrt Ihr Euren Getreuen den Urlaub, den sie sich so sehr verdient haben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3635cf94de9fc3173ed8b6334049c673\">Die <em>teiranda<\/em> schaute in die Runde.<\/p>\n<p data-p-id=\"211b9ddada71ef9c0fc6604a756084bf\">\u201eGeht&#8221;, sagte sie milde zu den Dreien. \u201eIch habe Euch schon viel zu lange von Euren Pflichten abgehalten. Teilt die Pferde im Stall auf und geht jeder dahin, wohin es Euch zieht, und solange es Euch danach verlangt. Ich denke, wir alle brauchen &#8230; Zeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1204068185005161cb8e7dfc436b1285\">Der Mann im Hofnarrenkost\u00fcm r\u00e4usperte sich. \u201eEmberbey, Althopian &#8230; schlie\u00dft Euch an. Ich w\u00fcnsche Euch beide erst wieder vor mir zu sehen, wenn Ihr mir Eure Damen vorstellen k\u00f6nnt. Und Ihr, Herren aus Valvivant &#8230; denkt an Eure Mission. Sagt Eurem Herrn, dass Wa\u00fdreth Althopian unter meinem pers\u00f6nlichen Schutz steht und ich alles daran setzen werde, die Sache zu kl\u00e4ren &#8230; sobald ich begriffen habe, was hier eigentlich los ist. Ich will in Frieden mit ihm dar\u00fcber reden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e8470e57bde2982ec6a544457d41dcab\">\u201eMeister&#8221;, meldete sich Andr\u00eder Altabete zu Wort. \u201eEines noch. Wo ist der Rotgewandete? Wird er uns nicht an alledem hindern, was Ihr uns gerade aufgetragen habt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83854bac85a94ae0f876166578449696\">\u201eEr ist fort, <em>yarl<\/em> Altabete. Gor Lucegath ist &#8230; weitergezogen. Er hat Euch alle freigegeben. Euer Alptraum und Eure Knechtschaft sind gleicherma\u00dfen vergangen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c75baf506922e24555bab81fc98ccc6\">J\u00f3ndere Mor\u00e9aval betrachtete seine blutigen H\u00e4nde und blickte entsetzt auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"9756f5586406f371875ca2ed98248471\">\u201eEs ist alles in Ordnung, Herr J\u00f3ndere&#8221;, rief ich ihm eilig zu, als ich sp\u00fcrte, wie seine Gef\u00fchle aufbrandeten, bevor er etwas sagen konnte. \u201eEs ist &#8230;<em>il&#8217;ay-ra<\/em>. Genau, wie Eure Mutter er immer sagte!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a5a630f1c970c6a40367fd7808335d45\">\u201eDa nun diese Dinge geregelt sind,&#8221; sagte Yalomiro, \u201everbleibt nur noch eine Formalit\u00e4t. Wenn ich noch einen letzten Moment Eure Aufmerksamkeit bekomme?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a4c2b47b84e2b68e887cda18ba9a1ace\">Alle wandten sich ihm fragend zu. Und er hob erneut seine Geige und begann, zu spielen.<\/p>\n<p data-p-id=\"931b0f361aeea4aafbf57458f7a6a364\">Es war ein sehr \u00e4hnlicher Zauber wie einst in der Halle von Benjus von Valvivant. Alle Anwesenden erstarrten zuerst verwirrt, dann entz\u00fcckt unter seiner Melodie, dann schweiften ihre Gedanken ab und suchten nach den Geschichten, die das Lied ihnen erz\u00e4hlte. Jenes \u00fcber die Reise, die Emberbey und Althopian mit ihrem <em>teirand<\/em> unternommen hatten, damit er um die <em>teiranda<\/em> freien konnte. Die, wonach Tjiergroen und Lebr\u00e9oka sich ihnen angeschlossen hatten, um unverrichteter Dinge, aber mit der Botschaft von Asga\u00fd von Spagor nach Valvivant zur\u00fcckkehren w\u00fcrden, nachdem sie sich der Partie angeschlossen hatten. Ein Pech nur, dass ihnen die Pferde entsprungen waren. Ein freundlicher Schwarzmantel, der zuf\u00e4llig des Weges gekommen war, hatte ihnen ausgeholfen und eine Abk\u00fcrzung gezeigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"3b481ee6f811d024c46e3c9e8f78b44e\">All das konnte ich nun h\u00f6ren, verstehen, nachvollziehen. Nun &#8230; wahrscheinlich lie\u00df sich Magie mir gegen\u00fcber einfach nicht mehr <em>verstecken<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"01a00f035bd1395c631514cb0ed69e73\">Doch alles, was in Pianmur\u00edt selbst geschehen war, das gewaltsame Ende des Rotgewandeten und die Pr\u00e4senz des Widerweses, verwischte Yalomiro in ihrem Verstand, bis es die Form eines verschwommenen Traumgeschehens gewann. Ich ahnte, dass die Erinnerung zu Alptr\u00e4umen wurde, die sie alle von Zeit zu Zeit heimsuchen w\u00fcrden, hervorzubrechen versuchten. Aber &#8230; es w\u00fcrden Tr\u00e4ume bleiben.<\/p>\n<p data-p-id=\"07d4dafa82adb6f35687a260ccb2ad9a\">Am Ende standen die M\u00e4nner und Isan vertr\u00e4umt da und blickten sinnend ins Leere. Ein paar Augenblicke blieben uns wohl, bevor sie wieder zu sich kamen. Yalomiro zauberte rasch die Blutspuren fort, die am Boden und die auf den Gew\u00e4ndern und an den Waffen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1843f307f2dce1bf0f5b2f24bbfc4c70\">Die <em>teiranda<\/em> hatte still zugeh\u00f6rt. Nun erhob sie sich und senkte den Blick vor Yalomiro, sorgf\u00e4ltig darauf bedacht, ihn nicht anzuschauen. Sie allein hatte er von seinem Zauber ausgenommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d6c58acbe93e257fa6a978d1d907aa12\">\u201eIst Euer Geist klar, K\u00edan\u00e1 von Wijdlant?&#8221;, fragte Yalomiro sanft. \u201eErinnert Ihr Euch, was geschehen ist? Wer ihr seid? Wer ich bin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ce01e1b56b74f4d29f9b41ed73b44251\">\u201eIhr habt uns aus einem endlosen Grauen gerettet. Es ist Menschen nicht m\u00f6glich, Euch daf\u00fcr zu danken&#8221;, sagte sie leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"3f30fcd4f7ea1c7c50df410ae2a4aacd\">\u201eDankt es mir einfach mit einer kleinen Gef\u00e4lligkeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ad27e5c3ac7924d1a32dcb62893efd9a\">\u201eWas immer Ihr ben\u00f6tigt, so ich es erf\u00fcllen kann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bcbda020560d0fb733524277edeb25fd\">\u201eIm Turmzimmer liegt die sterbliche H\u00fclle von Gor Lucegath.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"905ba3c12b5c3651c595ce9405bb7943\">Ein kleiner Schmerz flackerte \u00fcber ihre Miene. \u201eEr ist &#8230; hinter den Tr\u00e4umen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1063d28e4dfa98071c38723f7e9c9ab5\">\u201eJa. Es w\u00e4re gut, wenn das Geschehene geschehen bleibt. Es mag reichen, wenn Ihr Euren Leuten einfach erz\u00e4hlt, dass er ohne Abschied die Burg verlassen hat, sobald jemand danach fragt..&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbe5c4c78f87d9dac945d85aa4e30336\">\u201eIch sorge daf\u00fcr, dass die Erleichterung dar\u00fcber das Misstrauen \u00fcberwiegt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a404d700a7c96aa7ca98bcd0c9de45cc\">\u201eMajest\u00e4t \u2013 es ist mir dennoch ein Anliegen, dass Gor Lucegaths K\u00f6rper und einige Dinge aus seinem Besitz ehrenhaft miteinander bestattet werden. Es muss einen Ort geben, an dem man ihn &#8230; finden kann, wenn man wei\u00df, wonach man sucht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"559e19a977a6673bee836262af6b2524\">Was h\u00e4tte ich darum gegeben, wenn ich Yalomiro nun Fragen h\u00e4tte stellen k\u00f6nnen! Aber ich wollte ihn nicht vor den Majest\u00e4ten unterbrechen. Die <em>teiranda<\/em> z\u00f6gerte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6a1869d24452064766333c048eafe4df\">\u201eEs ist nicht so, dass es ein prunkvolles Denkmal geben soll. Nur einen &#8230; geheimen Platz, an dem Frieden herrscht. Ich bitte Euch um einen Ort f\u00fcr ein Grab.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f1899563d50e2fa58669576ce40d0572\">\u201eSelbstverst\u00e4ndlich. Entscheidet Ihr nach freiem Willen dar\u00fcber. Aber ich will nicht wissen, wo es ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1aa4ffcc8b486249adebf37a69ccd3fa\">Yalomiro l\u00e4chelte. \u201eWerdet Ihr Asga\u00fd von Spagor in Dinge einweihen, die f\u00fcr Eure Ritter hoffentlich bald verschwommene Schrecken sein werden, \u00fcber die ein <em>teirand<\/em> aber zur ewigen Ermahnung Bescheid wissen sollte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"469728a34d872c3f04fc4f2ef0fb6645\">\u201eIch &#8230; habe lange darauf gewartet, mit jemandem &#8230; zu reden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73f41a78ba5e4850570f7251f6c97ef0\">\u201eDann werden wir nun fortgehen. Es ist noch nicht an der Zeit, da unseresgleichen mit allzu viel Anwesenheit gl\u00e4nzen sollte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"46ec1bef9f440b500a13c704cd456bfb\">\u201eAuf ein Wort, Meister Yalomiro&#8221;, sagte sie rasch, als bef\u00fcrchte sie, er k\u00f6nne vorschnell den Saal verlassen. Sie lie\u00df Asga\u00fd von Spagor stehen und eilte rasch zur Treppe, die zur Galerie hinauf f\u00fchrte. Yalomiro senkte h\u00f6flich seinen Blick vor ihr.<\/p>\n<p data-p-id=\"8b492757d44335a5b154c7ce57ac559d\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant schaute und einen Moment sch\u00fcchtern an.<\/p>\n<p data-p-id=\"bf839283bb4a50f3638a26a53209c225\">Dann zog sie sich einen ihrer Ringe von der Hand. Unter dem gro\u00dfen Schmuckstein kam eine hauchfeine Narbe auf ihrem Handr\u00fccken zum Vorschein.<\/p>\n<p data-p-id=\"a6d347bdd170cd07551c2149de08c6b6\">Ich schauderte. War es das? War das das Geheimnis ihrer ewigen Jugend und des \u00fcbermenschlichen Alters? Hatte der Rotgewandete sie f\u00fcr sich &#8230; markiert?<\/p>\n<p data-p-id=\"3d9806dbc612c0cdff2ff5834113ef05\">\u201eK\u00f6nnt Ihr das heilen?&#8221;, fragte sie leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"a79045c2f254c8032be2e906fd881bfd\">\u201eNein&#8221;, sagte Yalomiro. \u201eMeine Magie hat scharfe Grenzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"066c933ffbe13c38790dacd7f43915a8\">Sie senkte betr\u00fcbt den Blick. \u201eIch verstehe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"150680db4fc4f389a027c2faa6e444b1\">\u201eAber es wird sich f\u00fcgen, Majest\u00e4t. Daf\u00fcr kann ich sorgen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0cbb5c6dba890ed15538059974326b64\">Sie nickte. Dann blickte sie mich an. Wie damals, als sie mich unerlaubt in meiner Kammer besucht hatte, hatte ich das befremdliche Gef\u00fchl, in einen Spiegel zu schauen. Aber nun &#8230; l\u00e4chelte der Spiegel, von dem die vergiftete Sch\u00f6nheit abgefallen war und der sie nun, in ihrer melancholischen Kr\u00e4nklichkeit, so viel freundlicher und kl\u00fcger zeigte<\/p>\n<p data-p-id=\"d1129234b7b5481431a8c7e88f6e3b39\">\u201eIch bin Eure Freundin&#8221;, versprach ich. \u201eIch werde immer Eure Freundin sein. Und &#8230; Ihr m\u00fcsst mir unbedingt beibringen, wie das Spiel in der Bibliothek funktioniert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"be04112f05f28ef32868ffe29150725d\">Ihre Augen gl\u00e4nzten dankbar. Wir umarmten einander.<\/p>\n<p data-p-id=\"d19779a04cf43cbd7a76b966327bd401\">So bleiben wir stehen, bis ein zartes Klingeln ert\u00f6nte. Asga\u00fd Spagor unten im Saal regte sich, erwachte aus seiner Trance. Auch in die \u00fcbrigen Menschen kam Bewegung. wurde. Die <em>teiranda<\/em> lie\u00df mich los. Ich l\u00e4chelte ihr zu und wollte Yalomiro folgen, der taktvoll bereits ein paar Schritte beiseitegetreten war.<\/p>\n<p data-p-id=\"554387c9f534b290fd9d1777b112888c\">\u201eMeister Yalomiro&#8221;, hielt die <em>teiranda<\/em> ihn noch einmal auf. Er blieb stehen, wandte sich aber nicht mehr um.<\/p>\n<p data-p-id=\"7909693479b873b557025fecb2942eff\">\u201eK\u00f6nnt Ihr <em>mir<\/em> verzeihen, was geschehen ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b8ff1b15bbcadc4e049add643a0fce6\">\u201eWas soll denn geschehen sein, edle <em>teiranda<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8da289b1728ab288f98035e097eb27de\">\u201eUjora!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"44856c3298efccb0c3a897c590ffbb01\">Isan war als erste wieder zu sich gekommen. Sie rannte los und respektlos an der <em>teiranda<\/em> vorbei die Treppe zur Galerie hoch.<\/p>\n<p data-p-id=\"94c4e8a5a63e8d122c027a81db1ab100\">\u201eDu findest mich im Turm,&#8221; sagte Yalomiro und verschwand rasch im Schatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"9f382989b015e2b5581dde073f3960a8\">Isan st\u00fcrzte auf mich. \u201eUjora! Ich bin so froh, dass du noch da bist! Was ist passiert? Wieso bin ich hier? Wieso sind wir alle hier? Was geht hier vor sich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f9c2ff7ce4887a8cd79ba892aec5cefa\">\u201eIsan! Du &#8230; erinnerst dich an gar nichts?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"904be0c00d9fcd3926690adb8af07c55\">\u201eGerade noch war Nacht am Strand, und pl\u00f6tzlich bin ich bei Tag in dieser Burg. Wie kann das sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b1372b3f4b1ff0753156eb76fe580429\">\u201eNa ja&#8221;, entgegnete ich. \u201eKurz gesagt \u2013 ich glaube, die Schachteln im Weltenspiel sind heruntergefallen. Die M\u00e4chte m\u00fcssen aufr\u00e4umen und alles sortieren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a4f66e4d83bed041ec2ac644de9fc31\">\u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0cbc3c0c75cf0e6499b5b8a80c626977\">\u201eIch wei\u00df es nicht genau. Es ist zu verwirrend. So verwirrend, dass bestimmt eine Menge neue Geschichten und Partien daraus entstehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a2a52cc69d33305d69641e84ec7bda79\">\u201eIch verstehe nicht &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9c07cf54ad572936ba6279b98d5d7c2b\">\u201eKomm. Lass uns nach drau\u00dfen gehen. Ich denke, die <em>teiranda<\/em> und die Herren haben miteinander zu reden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7b4648d758ab0024b7b4d50f8c28a0c1\">Ich f\u00fchrte sie \u00fcber die Galerie zu einem anderen Abgang an der Fu\u00dfseite des Saales, um nicht an den nun langsam wieder zu sich kommenden Rittern vorbei zu m\u00fcssen. Yalomiro hatte daf\u00fcr gesorgt, dass alle Menschen, die Zeuge der Ereignisse in Pianmur\u00edt gewesen waren, einen Filmriss erlebten. Sicher war das eine f\u00fcr ihren Verstand gn\u00e4dige L\u00f6sung. Mit etwas Gl\u00fcck h\u00e4tte die <em>teiranda<\/em> ihren Leuten nur irgendwie eine glaubw\u00fcrdige Geschichte zu erkl\u00e4ren, wo Gor Lucegath hingegangen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"4e37df8a8ed0e36f12613751d3433d77\">Drau\u00dfen auf dem Hof fasste ich Isans H\u00e4nde und versuchte, ihr ins Gesicht zu blicken. Sie war ganz aufgedreht, ihre Augen waren voller Verwirrung. Ihr Verstand war nicht in der Lage, zu erfassen, was geschehen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"48ec70bf0540bd64285985b320051978\">\u201eIsan&#8221;, sagte ich, \u201edu hast getr\u00e4umt. Du hast ganz einfach so aufregend getr\u00e4umt als h\u00e4ttest du &#8230; gibt es Kr\u00e4uter, von denen man Halluzinationen und wilde Tr\u00e4ume bekommt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"68b3837861b4058805d3bb4f90ce3a7b\">\u201eSicher, aber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"09cde3cb59f7eeffaffdfb39bd9de5a9\">\u201eStell dir einfach vor, du hattest zu viel davon. Nichts von dem, was du glaubst, gesehen zu haben, ist so geschehen, wie du dich erinnerst. Glaub mir. Es ist besser so.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d3efe019fb49eb1c069075a72db72979\">Sie schaute mich misstrauisch an. \u201eAber so war es nicht, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"44588ce33a3e8dde1f9495cf8b5b899f\">\u201eNein. Aber &#8230; es macht keinen Unterschied f\u00fcr euch. Du hast nichts verpasst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ef8a0803ef59ddfecac98ff5a782b2b\">\u201eDer Schattens\u00e4nger war gerade hier. Ich hab ihn gesehen. Er war mit uns am Strand.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"00c51c6faff41cd0d3670d8e77032ca4\">\u201eIsan &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"54ea0c058e2f8877a76471064c8ba387\">\u201eBist du jetzt f\u00fcr immer seine <em>h\u00fdardora<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"77951f0f744c0910a887fa0e20d3288b\">\u201eJa. Ich glaube schon.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"53d7cd14c200aa2464d2c8988d9b540e\">Ihre Augen leuchteten sensationsl\u00fcstern auf. Bevor sie auf schr\u00e4ge Ideen kam, fragte ich: \u201eWirst du mit <em>yarl<\/em> Althopian auf die Suche nach seiner <em>yarlara<\/em> gehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fb250760b56cb8dc0266c6dd6e7660c8\">Zu meiner \u00dcberraschung sch\u00fcttelte sie energisch den Kopf. \u201eNein. Das ist nun seine Geschichte. Ich hoffe nur, er findet noch die Zeit, sich ausr\u00fcsten zu lassen. Ich wei\u00df gar nicht, ob er \u00fcberhaupt Geld f\u00fcr die lange Reise bei sich tr\u00e4gt. Bei den M\u00e4chten, was f\u00fcr ein Abenteuer!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ef8b9cba3c432151dfd74284218fc4e8\">\u201eUnd du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"52f1a5669fe3e832df48f61fe0fd0069\">\u201eIch werde wohl mit dem grantigen<em> yarl<\/em> Emberbey zur\u00fcck nach Spagor reisen. Ich muss unbedingt Kelwa erz\u00e4hlen, was passiert ist. Ich will von Egnar h\u00f6ren, was er erlebt hat. Und diesen feschen Maj\u00e9k will ich auch unbedingt kennenlernen. Ich glaube, Kelwa will den Guten unter die Haube bringen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d3509f2b1535c43855ae2bd03e77d10a\">\u201eWer sind eigentlich all diese Leute?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2078aa25c715c5be12a96a70f58c9e5b\">\u201eDie kennst du <em>noch<\/em> nicht. Abgesehen davon bin ich neugierig, was es mit der Dame auf sich hat, die dieser alte Griesgram in sein Haus bestellt hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cae2e9b6b147e23076a0784020fc387e\">Vielleicht, dachte ich, w\u00e4re es gar nicht so schlecht, wenn jemand wie Isan sich dieser Dame annahm, \u00fcber die ich noch gar nichts wusste. So viele Geschichten um mich herum &#8230; eine interessanter als die andere. Ich w\u00fcrde mich sicher nicht langweilen in dieser Welt.<\/p>\n<p data-p-id=\"7eeb06a971ae5992528643380ef4ca18\">\u201eUnd dann?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"41c59235fa23c9bf8c8427d1c25671df\">\u201eDann kann ich mich immer noch entscheiden, ob ich zu Herrn Wa\u00fdreth gehe oder in Spagor bleibe. Die Burg ist ein h\u00e4sslicher Kasten, aber das Dorf ist sch\u00f6n. Mal schauen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83db8ea2f4db0be1c7c3e8cc967d1069\">Ich beneidete sie. Sie hatte so klare Vorstellungen von dem, was ihre Zukunft anging. F\u00fcr mich war zu diesem Zeitpunkt nur klar, dass sich der B\u00fcrojob in einer Beh\u00f6rde wohl erledigt hatte. Nicht, dass ich traurig dar\u00fcber war,<\/p>\n<p data-p-id=\"d6aa215146d53ebf7c7b30f7d15884e1\">Isan schwieg f\u00fcr eine \u00fcberraschend lange Zeit.<\/p>\n<p data-p-id=\"4c5535758df7d7eb07ad896980ac4b80\">\u201eDer <em>teirand<\/em>, dieser Asga\u00fd von Spagor, ist ein komischer Kerl&#8221;, vertraute sie mir dann an. \u201eAber ich glaube, die beiden sind ein sch\u00f6nes Paar. Nicht ganz so wie der Smaragdritter und die Rosendame &#8230; aber das ist nicht schlimm. Schon seltsam. Wenn der Lichtw\u00e4chter dem <em>teirand<\/em> nicht dieses verfluchte Glasbild zugespielt h\u00e4tte &#8230; wer wei\u00df, ob die beiden einander je begegnet w\u00e4ren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a548cdcf931b05895d2b602b54699c8a\">Ja. Was w\u00e4re dann geschehen? Welchen Nutzen hatte Gor Lucegath davon gehabt, die beiden Majest\u00e4ten auf diese seltsame Weise miteinander bekannt zu machen?<\/p>\n<p data-p-id=\"db2abb9937f0c8f0388faeb3f27412ee\">\u201eIsan&#8221;, sagte ich. \u201eIch muss dich jetzt verlassen. Aber ich denke, wir werden uns sehr bald wiedersehen. Ich &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb74178f7a76d6f29465fc520e5b5f51\">Sie wartete auffordernd, lie\u00df mir die Zeit, bis ich die passenden Worte hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"fcd77cd7d7ee1e77ac82bf5e8445e8a1\">\u201eIch danke den M\u00e4chten, dass ich dir begegnen durfte&#8221;, sagte ich schlie\u00dflich. \u201eIch danke den M\u00e4chten, dass ich in diese Schachtel gefallen bin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7cc5fa31f52102772990db9d7e4bce01\">Isan l\u00e4chelte.<\/p>\n<p data-p-id=\"5db4795ec774318b91cda908b1d9448f\">\u201eDie n\u00e4chste Partie&#8221;, sagte sie, \u201ewird sicher sehr spannend!&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2241","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2241","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2241"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2241\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3674,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2241\/revisions\/3674"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2241"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2241"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2241"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}