{"id":2186,"date":"2025-08-24T23:25:27","date_gmt":"2025-08-24T21:25:27","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2186"},"modified":"2025-09-01T09:59:57","modified_gmt":"2025-09-01T07:59:57","slug":"076-gestutzte-seelen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/076-gestutzte-seelen\/","title":{"rendered":"076: Gestutzte Seelen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"59e9a7792be0c577bf5498920210d074\">Ich konnte im Nachhinein nicht sagen, wie ich aus Gor Lucegaths Turm hinaus und wieder in die Burg hinein gekommen war. Ich war verst\u00f6rt, nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Meine eigene kleine Stube, die ich in den letzten Wochen mehr und mehr als Gef\u00e4ngnis empfunden hatte, erschien mir nun wie eine rettende Zuflucht. Ich wollte nur hinein und die T\u00fcr hinter mir verschlie\u00dfen. Vielleicht schaffte ich es sogar, die gro\u00dfe Truhe davor zu schieben.<\/p>\n<p data-p-id=\"796c8e7cd97804c6d27c732e0402272d\">Im gro\u00dfen Saal war Licht. Auf den Stufen des Podiums, wo der Thron der <em>teiranda<\/em> stand, hatte jemand Kerzen aufgestellt. Ich huschte die Treppe zur Galerie auf und lief dort hin\u00fcber zu den Stiegen, die zu den Gem\u00e4chern hinauf f\u00fchrten. Dabei warf ich einen Blick hinab und sah \u2013 ohne mich in diesem Moment dar\u00fcber zu wundern, es war mir einfach egal, was die drei dort trieben \u2013 Altabete, Mor\u00e9aval und Grootplen vor dem leeren Thron knien. Jeder hatte sein Schwert vor sich auf den Boden gelegt und schien ganz in Gedanken in sich versunken zu sein. Mor\u00e9aval war klatschnass und alle drei wirkten derangiert und schmutzig.<\/p>\n<p data-p-id=\"4bf0f3b24c03ea81d78b3d54afa8a208\">Die Szene, die Art, wie die drei M\u00e4nner dort bewegungslos im Kerzenschein kauerten, hatte etwas Verst\u00f6rendes. Ich war mir nicht sicher, ob es sich um eine Art Andacht vor dem leeren Thron handelte oder um ein Ritual, mit dem sie irgendetwas beschw\u00f6ren wollten.<\/p>\n<p data-p-id=\"a1424a4df9c4a0f544a271646e1a8fe7\">Aber dar\u00fcber dachte ich erst nach, als ich wieder in meinen vier W\u00e4nden war. Ich stellte die Laterne neben die halb zusammengef\u00fcgte Geige, schloss den Fensterladen und hatte den Sessel schon halb vor die T\u00fcr gezogen, bevor mir einfiel, wie sinnlos das war, da die T\u00fcr sich nach au\u00dfen \u00f6ffnete.<\/p>\n<p data-p-id=\"cb0b52edd314ed021e0c4de2f45face6\">Ich lie\u00df mich auf den Boden sinken, lehnte mich gegen das Holz und vergrub das Gesicht in den H\u00e4nden.<\/p>\n<p data-p-id=\"46d84b4cc18123333e8bef0e7fc98c09\">Ich war ihm entkommen. Ich lebte noch.<\/p>\n<p data-p-id=\"f36a55d4c814f57fd9eed3982eac94fd\">Und ich hatte mein Vorhaben nicht zu Ende gebracht. Daf\u00fcr sa\u00df ich jetzt hier und war verst\u00f6rter als je zuvor.<\/p>\n<p data-p-id=\"c0a48e2dcf658e76eeeb725cce780508\">Gor Lucegaths Pr\u00e4senz war furchtbar, und das Beunruhigende daran war, wie <em>nahe<\/em> ich mich ihm f\u00fcr einen Moment gef\u00fchlt hatte. Das war verwirrend. Und dabei hatte ich noch nicht einmal damit angefangen, dar\u00fcber nachzudenken was er mir da gerade aus eigenen St\u00fccken f\u00fcr private Dinge erz\u00e4hlt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c4bc8f72c069bec64d25ad464378dc1f\">Aus eigenen St\u00fccken? Aus Kalk\u00fcl? Hatte er \u00fcberhaupt die Wahrheit gesagt?<\/p>\n<p data-p-id=\"5870520d6e394d93989bc254a9fa5eb5\">Sicher. Wenn der Rotgewandete etwas <em>nicht<\/em> war, dann ein L\u00fcgner. Aber wie passte diese tragische, makabre Liebesgeschichte mit ihm zusammen?<\/p>\n<p data-p-id=\"0d9a3cd1e2d787b8190d64eb5507a96e\">Ar\u00e1ma\u00fa! Ich schrak auf und rappelte mich hoch. Wo war sie?<\/p>\n<p data-p-id=\"58c4a20e43b1988599ac823160d6025c\">Nat\u00fcrlich hatte sie zwischenzeitlich das Zimmer verlassen. Warum h\u00e4tte sie auch warten sollen? Immerhin war ich es gewesen, die sich wider alle Warnungen auf den Weg in die Gefahr begeben hatte. Sie hatte allen Grund, w\u00fctend auf mich zu sein. Sicherlich war auch ich nur wieder entkommen, weil Meister Gor mit mir spielte.<\/p>\n<p data-p-id=\"910ffb56e889490a51fb740a12b01da3\">Aber ich musste sie dringend warnen! Es war offensichtlich, dass der Rotgewandete zumindest vermutete, dass irgendetwas an Katzen in dieser Burg verd\u00e4chtig war. Aber wann war ihm dieser Verdacht gekommen? Immerhin hielt Ar\u00e1ma\u00fa sich seit Jahrzehnten hier versteckt.<\/p>\n<p data-p-id=\"58fc3da08f61405e5880b6098f794230\">Sollte ich noch einmal losgehen und sie suchen? Meister Gors Drohung war deutlich gewesen. Ihn nun zu provozieren, keine Stunde nach seiner eindringlichen Warnung, w\u00e4re nicht nur dumm von mir gewesen, sondern auch \u2013 ich stutzte bei diesem Gedanken \u2013 <em>respektlos<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"bde424e86af3ce424320472ba475ffda\">Die Geige! Was war nur in mich gefahren, dass ich das so m\u00fchselig zusammengeflickte Instrument offen hatte auf dem Tisch liegen lassen! Jederzeit h\u00e4tte jemand das Zimmer betreten und sie entdecken k\u00f6nnen!<\/p>\n<p data-p-id=\"12ef03d7121a22eb79a4984fd64deb10\">Ich sprang auf, raffte die Einzelteile zusammen und legte alles hastig in die Truhe. Dann legte ich sicherheitshalber noch eines meiner Kleider darauf. Und eine der Bettdecken. Und r\u00e4umte alles wieder weg, da es mir doch wieder zu auff\u00e4llig erschien.<\/p>\n<p data-p-id=\"ad1beaa84da0295573e34ef0ab15afb6\">Der Krug, den man mir zum Abendessen gebracht hatte, war noch da. Es war ein trockener Wein darin. Ohne nachzudenken, schenkte ich mir meinen Becher ein und trank, viel zu hastig und ganz gegen meine Gewohnheit. Vielleicht konnte mich das ein klein wenig beruhigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"fd14fea0197516b13d3fc222ef512962\">Anderthalb Becher sp\u00e4ter lag ich auf dem Bett und hatte mich zumindest soweit wieder beruhigt, dass ich nicht mehr hektisch umher rannte. Ich hatte mich zusammengerollt, den halbvollen Tonkelch in der Hand und starrte ins Leere, bis meine Laterne erlosch, weil ihr das \u00d6l ausging.<\/p>\n<p data-p-id=\"6b8b73504e43a34da858f7246ab04ca5\">Die Dunkelheit machte es nicht besser. Meine Gedanken kreisten wild umher, um den Rotgewandeten, das Deckenbild mit der <em>goala&#8217;ayra<\/em>, die von den einstigen Bewohnern der Burg verehrt worden war, um mein Schicksal, das sich dadurch ank\u00fcndigte, dass ich Wein schmecken und das wirkliche Gesicht der <em>yarlay<\/em> sehen konnte, und um den Umstand, dass Meister Gor einmal <em>verliebt<\/em> gewesen war. Und dass ausgerechnet ein Schattens\u00e4nger es ihm verdorben hatte, was auch immer f\u00fcr eine f\u00fcrchterliche Geschichte hinter alledem stecken mochte.<\/p>\n<p data-p-id=\"84eec8f6ac3d648e93c1687898b5a6c5\">Ich starrte ins Dunkle, und ob es der schnell herunter gest\u00fcrzte Alkohol oder die Nachwirkungen meines verbotenen Ausflugs waren, ich sp\u00fcrte mit noch mehr Gewalt als zuvor, wie sehr ich Yalomiro vermisste.<\/p>\n<p data-p-id=\"ad6251a0d767819173ad2597f1fb8e28\">\u201eBitte&#8221;, h\u00f6rte ich mich selbst wispern, \u201ebitte, Yalomiro, komm zur\u00fcck. Bitte hol mich hier heraus!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6039b717a8f39fecb8173f18d2c184eb\">Vielleicht w\u00e4re es ja ganz einfach. Vielleicht gab es eine M\u00f6glichkeit, Gor Lucegath und seinen finsteren Pl\u00e4nen zu entkommen. Wom\u00f6glich konnte Yalomiro noch einmal einen letzten Zauber wirken und ganz einfach mit in meine Welt kommen. Dort w\u00e4re er sicher. Dort w\u00e4ren wir sicher. Zumindest glaubte ich das.<\/p>\n<p data-p-id=\"b34e5628256c77ad430ae38b220ef389\">Meine Welt &#8230; wie lange hatte ich nicht mehr an die Wirklichkeit zur\u00fcckgedacht, aus der es mich hierher verschlagen hatte. Wie seltsam, dass es mir gerade nun einfiel.<\/p>\n<p data-p-id=\"c9413aaddff39b4c69807d9e80606d6f\">Ich starrte an die Decke und versuchte, mich zu erinnern.<\/p>\n<p data-p-id=\"d65b62cf9f0f306c470ad4ff862a8836\">Sicherlich vermisste man mich schon in meiner Welt. Zumindest in der Uni d\u00fcrfte es aufgefallen sein, dass ich seit Wochen Vorlesungen und Seminare schw\u00e4nzte. Wahrscheinlich quoll auch schon l\u00e4ngst mein Briefkasten \u00fcber. Zum Gl\u00fcck hatte ich damals, als ich in den Keller ging, weder Herd noch Wasser angestellt. Meine beiden k\u00fcmmerlichen Zimmerpflanzen waren sicher l\u00e4ngst vertrocknet. Aber was machte das schon. Wenn Yalomiro Macht \u00fcber Pflanzen hatte, dann w\u00fcrde er sicher auch die Gr\u00fcnlilie und den Bogenhanf wieder zum Leben erwecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f6df46622f80005e6cb50d4f10007ceb\">Ob man nach mir suchte? Nun, wenn mich irgendjemand vermisste, und sei es der Hausmeister, weil ich die Flurwoche vers\u00e4umte, war bestimmt schon jemand in der Wohnung gewesen. Vielleicht suchte sogar die Polizei nach Hinweisen f\u00fcr mein Verschwinden.<\/p>\n<p data-p-id=\"ee55ad79e35ce2c15347d51636b6bd88\">Ich \u00fcberlegte kurz, ob sie beim Durchsuchen meiner Sachen nach Hinweisen auf irgendetwas Peinliches sto\u00dfen konnten und fragte mich im selben Moment, was in mich gefahren war. Hier war eine Welt in Gefahr, und ich sorgte mich um meinen Browserverlauf? Was w\u00fcrden sie denken, wenn sich herausstellte, dass ich bei meiner letzten Online-Sitzung in den Tiefen von Paranormalem, Mystery und Spuk vorgedrungen war? Was f\u00fcr eine Steilvorlage f\u00fcr die True-Crime-Community, die vielleicht einmal auf meinen Fall aufmerksam w\u00fcrde!<\/p>\n<p data-p-id=\"00bb565854bd854235dc28f858eb03a0\">Ob meine Mutter, meine Restfamilie, die Leute, die ich kannte, zumindest ein bisschen betroffen w\u00e4ren, wenn ich einfach nicht mehr da w\u00e4re?<\/p>\n<p data-p-id=\"587b537c71f7e8ac61853d5be6c6aed5\">Ich tastete unter mein Kopfkissen. Dort hatte ich den zerbrochenen Geigenbogen versteckt, was tats\u00e4chlich nur m\u00f6glich war, weil er zerbrochen war. Abwesend lie\u00df ich meine Finger durch das schwarzgl\u00e4nzende Pferdehaar gleiten, das Einzige, was ich von Yalomiro bei mir behalten hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"d06306d2ce62cb6293fcae3c3ba11ce8\">Ich weinte still vor mich hin und steigerte mich in eine Wunschvorstellung hinein. Ich tr\u00e4umte, mit Yalomiro durch eine T\u00fcr zu gehen, hinein in meine Wohnung. In Sicherheit.<\/p>\n<p data-p-id=\"65426fe2e0a0a5846072092a76092a46\">Was w\u00fcrde ich dort machen? Was w\u00fcrde geschehen, wenn der Schattens\u00e4nger mit in <em>meine<\/em> Welt ging, um sich vor dem sicheren Tod durch seinen \u00e4rgsten Feind zu retten?<\/p>\n<p data-p-id=\"d7b28c2ef21e0cf30e880cf91100a298\">Vermutlich w\u00fcrde mir zun\u00e4chst nichts Besseres einfallen, als Yalomiro einen Kaffee anzubieten. Tranken Schattens\u00e4nger Kaffee? Trank Yalomiro <em>\u00fcberhaupt<\/em> jemals etwas?<\/p>\n<p data-p-id=\"840758bdfc46917ec2046591e8df2266\">Du meine G\u00fcte, was war los mit mir? Und was war das f\u00fcr ein Ger\u00e4usch?<\/p>\n<p data-p-id=\"077522d1d1aae60bd919494edd581ab5\">Ich sch\u00fcttelte meine wirren Gedanken ab und horchte. Da war ein Kratzen. Ein unabl\u00e4ssiges Kratzen. Drau\u00dfen am Fensterladen! Ich stellte den Weinbecher auf den Boden und stand auf, tastete mich durch die Finsternis zum Fenster. Und horchte.<\/p>\n<p data-p-id=\"7c29d3111f300659ef8c1c5a14988ac4\"><em>Lass mich rein!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"90baeabf9bbdebdb34974c83d132f683\">Ich zuckte erschrocken zur\u00fcck, so laut <em>br\u00fcllte<\/em> es in meinen Gedanken.<\/p>\n<p data-p-id=\"cfe881f78960aa52cc0da3a8acb3dfce\">\u201eAr\u00e1ma\u00fa!&#8221; Mit zitternden H\u00e4nden entriegelte ich die Holzl\u00e4den und schob die eine Seite auf. Etwas Pelziges huschte hinein und sprang mit weichen Pfoten zu Boden. Ihre Augen schimmerten silbrig.<\/p>\n<p data-p-id=\"274cfd32fd232fcc900334e9c7c0a4d4\"><em>Mach Licht!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"490d9851f0e420856323f93e81b2e99b\">\u201eIch kann nicht. Die Laterne &#8230; das \u00d6l ist leer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"230895a95b3cbfbd8817584311955da2\">Sie seufzte. <em>Was ist mit dir? Deine Gedanken f\u00fchlen sich grotesk an.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6a4611f7d533afbd28862f4a06632af6\">\u201eM\u00f6glicherweise bin ich ein klein wenig betrunken.&#8221; Ich sch\u00e4mte mich.<\/p>\n<p data-p-id=\"7377b61aca9bcfb68104d7b3fabe2370\"><em>Dann leg dich besser hin. Was wir zu bereden haben, geht auch im Dunklen. Bei den M\u00e4chten, kann man dich denn nicht allein lassen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8fa153b3351f0bac91aa7cbe3d34fb54\">Ich stie\u00df den Fensterladen zu und suchte die Matratze. Tats\u00e4chlich war ich erleichtert, wieder zu liegen. Ich sp\u00fcrte, wie sie aufs Bett sprang.<\/p>\n<p data-p-id=\"dc5b493b5f49b35c5c529bd9c1ec195a\">\u201eAr\u00e1ma\u00fa! Du &#8230; du bist in Gefahr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2864e4ecbfc0f3699d412656d0b0569c\"><em>Was du nicht sagst.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a36b1f63c0af7cd71def812f6892384f\">\u201eMeister Gor &#8230; ich glaube, er hat einen Verdacht, dass eine Katze&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"22fa2082880e03d4e5ceff7a45913958\"><em>Ich wei\u00df.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"742aa58d8d5cf8d3206e38f87b80081a\">\u201eEr sagt &#8230; du wei\u00dft?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec222c1586142e0472c7b28347b18296\">Sie gab ein beschwichtigendes Schnurren von sich. <em>Ja, ich wei\u00df. Ich habe meine Tarnung viel zu sehr aufdecken m\u00fcssen, seit wir uns begegnet sind. Und genau deswegen bin ich gekommen. Um mich von dir zu verabschieden.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"25d6472b82ed09b3956341ad9bbff591\">Das fuhr mir eiskalt durch die Glieder. \u201eVerabschieden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd7fac8d66e9061975dd189dfde4502e\"><em>Es ist zu unser aller Besten, Ujora. Aber keine Angst, ich werde nicht weit fortgehen. Ich verlasse die Burg und streune durch die Ebene, bis Yalomiro wieder zu uns st\u00f6\u00dft. Es wird langsam zu gef\u00e4hrlich, hier zu sein. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0ee1b8addc78b2c197ab2de79b770ec2\">\u201eIch verstehe&#8221;, antwortete ich tonlos und hoffte, dass ich tr\u00e4umte.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f8ea7300c99ae6fb42dd513003a4271\"><em>Wirst du es ein paar Tage noch ertragen, hier zu sein und dich nicht noch einmal mit dem Rotgewandeten messen zu wollen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"9a72b888872a4f7e6d6f9f06cab044ed\">\u201eIch wollte mich nicht mit ihm messen! Wie kommst du &#8230; ach&#8230; ach Ar\u00e1ma\u00fa&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8d079b7f4b3fe2ead4e35ece90b5f413\">Ich konnte nicht anders. Ich griff zu ihr hin\u00fcber und wollte sie streicheln, aber sie wich mir aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"e349246938cf23cbcc6fc2947235f6d2\"><em>Vorsicht, Ujora! Ich bin kein Scho\u00dftierchen!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"3311f7621b6e45cd73683a93d76facca\">Wie konnte ich mich so gehen lassen! \u201eEntschuldige. Ich wollte dir nicht zu nahe treten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"584d5a40329ce358d5d6d988103afcd0\"><em>Ich habe ein Abschiedsgeschenk f\u00fcr dich. <\/em>Etwas schabte \u00fcber die Bettdecke in meine Richtung. Sie schob es mit der Pfote auf mich zu. Ich langte danach.<\/p>\n<p data-p-id=\"8415f0b8464ee8a3e5426474c72a796c\">Holz. Scharfkantiges, unregelm\u00e4\u00dfig geformtes Holz.<\/p>\n<p data-p-id=\"9fbb7bfff386717779d21da732a27a5c\">Elektrisiert fuhr ich hoch. Mein schwindeliger Kopf protestierte, aber ich war mit einem Mal hellwach. \u201eIst das &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2c4aeb5044a30fec34364297256b0dae\"><em>Wenn du mir vorhin einen Moment l\u00e4nger Zeit gegeben h\u00e4ttest &#8230; ja. Ist es. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"89ddec03c1f4d63de2240a4052a7a8cf\">\u201eAber &#8230; wann hast du es geholt? Wie hast du es gefunden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c7d18b608bcbc46f1592af2c3fc87684\"><em>Das tut nichts zur Sache. Du hast ihn lange genug abgelenkt. Wichtig ist, dass der Rotgewandete nicht dich verd\u00e4chtigen wird, sobald er feststellt, dass es aus seinem Versteck verschwunden ist<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"1a7f84affd8ebbf11c23948b043ec1cd\">\u201eWo hast du es hergeholt? Wo war es denn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c438b597ac130a2ae974868070de78c8\"><em>Unten im Turm nat\u00fcrlich. Im ehemaligen Verlies. Dort, wo all der alte Krempel herumliegt, den niemand wiederfinden soll und will. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d4d36502d636f9eaa60c0f1029d2d1cd\">Ich legte mich sachte wieder hin. Wenn ich sofort die Treppe hinunter gegangen w\u00e4re, h\u00e4tte ich mir also viel \u00c4rger erspart. Was f\u00fcr eine Ironie!<\/p>\n<p data-p-id=\"96de911c762eb84045b6901a5ea60fb1\"><em>Wichtig ist, dass du die Geige vorerst <\/em>nicht<em> zusammensetzt.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8b270b6acd16e7da5c9cb6034578fae2\">\u201eWarum nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4329784b21b362cc2a077e77dc91e20c\"><em>Bei den M\u00e4chten, stell nun keine dummen Fragen. Ich bleibe dabei, wenn du aus einer Sentimentalit\u00e4t heraus das Werkzeug reparieren willst, mach es meinetwegen. Aber wenn du es jetzt tust, wird der Rotgewandete es mit gr\u00f6\u00dftem Vergn\u00fcgen wieder zerst\u00f6ren oder, noch schlimmer, verderben. Solange er die Geige zerbrochen auffindet, wird es ihm egal sein. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"32613d1f6d747df4f3781d638ad517ec\">\u201eUnd was soll ich tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e4fd3fcaf592d14af7eaaf9918b9c8d7\"><em>Du siehst zu, dass du die Scherbe sehr gut versteckst. An einen sicheren Ort, an dem der Rotgewandete sie nicht vermutet, Gleich morgen fr\u00fch.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e7a65bdfafdf93555a5df2a2edaca649\">\u201eIch &#8230; ich versuche es.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"609d49a1f336ac9936902c9e167e2598\"><em>Gut. Mach es unauff\u00e4llig, so dass niemand es bemerkt. Schlie\u00dflich willst du nicht schuld daran sein, wenn Meister Gor versucht, aus irgendwelchen ahnungslosen Unkundigen herauszupressen, wo das verfluchte Ding ist.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"fa56eed48fd1bc4a51ae717ec4839e47\">Ich schwieg. Ar\u00e1ma\u00fa knurrte. <em>Hast du das <\/em>verstanden<em>?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"acee277623735024d4a1555a3c778690\">\u201eJa. Nat\u00fcrlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a59d4cd523d156694282140c54c4730f\"><em>Gut. Oh, Ujora, bei den M\u00e4chten, ich w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte bei dir bleiben und dich besch\u00fctzen, wie ich es Yalomiro versprochen habe. Aber das hie\u00dfe, im letzten Moment ein Risiko einzugehen, das es nicht wert ist.<\/em> <em>Ich habe in meinem Leben nur noch einen Wunsch, Ujora. Und das ist, zu sehen wie Yalomiro Lagoscyre Gor Lucegath besiegt. Um das Blut meines Kreises und den Schmerz zu r\u00e4chen, und um unsere Geheimnisse zu bewahren.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8eb5f4b554d0da3c7cd4b5a47954cfe7\">\u201eAr\u00e1ma\u00fa&#8230; Meister Gor hat mir eine Geschichte erz\u00e4hlt &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ccac583ff76f6a24cbf6e650bd654c31\"><em>Ich wei\u00df. Du musst nicht weiter reden. Er hat dich gebeten, es niemandem weiterzuerz\u00e4hlen also tu es nicht. Ich hab es geh\u00f6rt.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"b3a6ecb4e3c7fdf74cdeed92c17db9e3\">\u201eGeh\u00f6rt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0c225b2e9c583669d0559ff791623eda\"><em>Ich war dir dicht auf den Fersen und habe gehorcht. Ich wollte wissen, was ihr so lange zu bereden habt. Denkst du ernsthaft, ich h\u00e4tte dich in dein Verderben laufen lassen? Wenn er dich angetastet h\u00e4tte, ich w\u00e4re ihm ins Gesicht gesprungen und h\u00e4tte ihm seine dumme Maske heruntergekratzt.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"061e1425f884a585cf4c8ae923db4641\">Du meine G\u00fcte. Und ich hatte gedacht, sie habe sich beleidigt verzogen. Wie sehr ich mich sch\u00e4mte.<\/p>\n<p data-p-id=\"fae5214b11ae9542ca66e85a4d30b493\"><em>Sp\u00e4testens mit dem, was ich gerade getan habe, habe ich mich so nahe an ihn herangewagt, dass ich nun nichts mehr ausrichten kann.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"63cd8b12d078928434eee4abb63012ed\">Die Scherbe in meiner Hand wurde pl\u00f6tzlich sehr schwer. Mir wurde bewusst, was Ar\u00e1ma\u00fa f\u00fcr mich riskiert hatte<\/p>\n<p data-p-id=\"5f0ab16eade34a1d9aa5f0104cef0737\">\u201eIst es denn m\u00f6glich, dass &#8230; ein Schattens\u00e4nger ihm Unrecht getan hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"77194e7432ec991ebbd59f6fb2714564\"><em>Ja. Das ist denkbar. Wenn Gor Lucegath in den Zeiten der Chaoskriege ein junger Mann war, ist er m\u00f6glicherweise &#8230; einem begegnet. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"529b04c708613ef7f6ffeb172b1722af\">\u201eDem Kerl, der die Stadt der Regenbogenritter angegriffen hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"11d9862761732d1e47757c5db77651b5\"><em>Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar? Nein. Einem anderen, von dem wir nicht reden, dem meinesgleichen sogar seinen Namen genommen hat, um ihn auszusto\u00dfen. Mehr musst du nicht wissen. Und mehr werde ich dir nicht sagen. Nicht heute.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2aeb2fc6df3e35e62242615c37a48e84\">Ich schauderte. Ar\u00e1ma\u00fa kam n\u00e4her. Ich sp\u00fcrte die W\u00e4rme von ihrem Fell ausstrahlen. Wie gerne h\u00e4tte ich sie ber\u00fchrt!<\/p>\n<p data-p-id=\"3df5d567bacc6a154ee39fb914734ccb\"><em>Ich werde dir daf\u00fcr etwas anderes erz\u00e4hlen, Ujora. Etwas, das dir vielleicht etwas Trost gibt. Du wolltest doch wissen, ob ich Yalomiro &#8230; geliebt habe, damals, bevor Gor Lucegath kam, nicht wahr? <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"1c4ed716c29c18e23e29df396ce6f34e\">\u201eJa&#8221;, sagte ich \u00fcberrascht.<\/p>\n<p data-p-id=\"eaccbca891eed711dac5725be412ec8b\"><em>Warum war dir das so wichtig?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"7e7221310ffd27704e67defaf617ed1e\">\u201eWeil er dich nie vergessen hat. Und weil du sicher viel besser zu ihm passt als ich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"be87aaab4967d18cb060e77be14a6db2\"><em>Als Meister G\u00edonar mich in den Boscarg\u00e9n holte, Ujora, war ich ein ganz kleines M\u00e4dchen von f\u00fcnf oder sechs Sommern. Das ist das Alter, in dem die Magie gew\u00f6hnlich erwacht. Ich wei\u00df nicht, wer ich vor dieser Zeit war und wer meine leiblichen Eltern sind. Diese Erinnerungen erl\u00f6schen in dem Moment, in dem wir im Eta\u00edmalon vor den Gro\u00dfmeister oder die Gro\u00dfmeisterin treten. Aber bis dahin war ich ein kleines, ver\u00e4ngstigtes, weinendes Ding, das von einem gro\u00dfen, gestrengen Mann in schwarzen Gew\u00e4ndern in den Schatten gef\u00fchrt wurde und an einem Ort wieder herauskam, an dem lauter ehrfurchtgebietende Fremde in schwarzen Roben auf einer mondbeschienenen Lichtung um ein omin\u00f6ses Geb\u00e4ude herumstanden. Mit einer unheilvoll offenstehenden T\u00fcr, die in die Schw\u00e4rze f\u00fchrte wie ein alles verschlingendes Maul.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0c570df6e84119166087270af55f5ed6\"><em>Ich wusste nicht, was mich erwartete. Meister G\u00edonar, m\u00f6ge er hinter den Tr\u00e4umen seinen Frieden haben, hatte zwar sein Bestes gegeben, mich zu beruhigen und mir zu erkl\u00e4ren, dass ich von der Dunkelheit auserw\u00e4hlt sei. Dass mir eine gro\u00dfe Ehre zuteilw\u00fcrde. Dass ich Wissen und F\u00e4higkeiten jenseits meiner Vorstellungskraft empfangen w\u00fcrde. Nat\u00fcrlich habe ich kein Wort von dem verstanden, was er mir da schmackhaft machen wollte. Ich war ein kleines Kind!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"de2292e2f4d3e65a17339d2ee4f9dca3\"><em>Die camat&#8217;ay waren freundlich und hatten so viele g\u00fctige Worte f\u00fcr mich. Aber ich str\u00e4ubte mich. Keine Macht der Welt h\u00e4tte mich dazu bewegen k\u00f6nnen, den Eta\u00edmalon freiwillig zu betreten. Kannst du dir das vorstellen? Da standen all diese m\u00e4chtigen Magier ratlos im Kreis und warteten darauf, dass ich in die Halle zum Meister gehe. Aber schon damals war es mit meiner Tapferkeit nicht weither. Ich habe geschrien und geheult und mich derart gestr\u00e4ubt, dass sie es nur f\u00fcr ein b\u00f6ses Vorzeichen halten konnten. Meister G\u00edonar war in N\u00f6ten, denn sein Ruf als Meister stand auf dem Spiel. Wenn er gekonnt h\u00e4tte, h\u00e4tte er mich wahrscheinlich am liebsten gepackt und einfach zu Meister Ask\u00fdn hineingetragen, aber das durfte er nat\u00fcrlich nicht. Nokt\u00e1ma will, dass wir freiwillig in ihr Heiligtum kommen und sie nicht f\u00fcrchten. F\u00fcr mich in meinem Kindertrotz stand fest: Ich wollte nicht zu diesen schwarzgekleideten Leuten geh\u00f6ren. Ich hatte Angst. Angst, Angst, Angst. Mein Leben lang hatte ich Angst.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"fda5ad903db880d1adf41a5a6c09ea41\">Ich hatte ihr aufmerksam zugeh\u00f6rt. Ich versuchte mir wieder vorzustellen, dass die <em>camat&#8217;ay<\/em> kleine Kinder entf\u00fchrt hatten. Oder dass Eltern sie aus freien St\u00fccken hergaben. Beides fand ich gleicherma\u00dfen entsetzlich. Und ich konnte so gut nachf\u00fchlen, was Ar\u00e1ma\u00fa damals ausgestanden hatte. \u201eUnd dann?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e73ff7a2fbaf908c6cea4c39b235dd8e\"><em>Dann war da pl\u00f6tzlich dieser \u00e4ltere Junge, <\/em>sagte sie. In ihrer Stimme ver\u00e4nderte sich etwas. Sie klang pl\u00f6tzlich sanfter. Emotionaler. <em>Ein Junge in einem einfachen schwarzen Hemd. Er hatte sich das Ganze eine Weile angeschaut und trat dann pl\u00f6tzlich aus dem Kreis unter den erwachsenen camat&#8217;ay hervor. Meister G\u00edonar wollte ihn zur\u00fcckhalten, aber der Junge beachtete ihn gar nicht. Die anderen camat&#8217;ay versuchten es gar nicht erst. Ich glaube, sie waren gespannt, was passieren w\u00fcrde. Der Junge setzte sich zu mir auf den Boden. Und dann hat er gezaubert. Eine wundersch\u00f6ne Blume aus funkelndem Licht hat er beschworen. Gesagt hat er nichts. Und ich habe gestaunt. Vor lauter Staunen habe ich zuerst aufgeh\u00f6rt, zu weinen. Und dann h\u00f6rte ich auf, Angst zu haben.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"07e2b498af63519c292ffa64c7eb9060\">Sie schwieg eine Weile, als riefe sie sich diese Erinnerungen wieder vor Augen. Ich versuchte, es mir vorzustellen. Zarte Lichtzaubereien hatte ich in der Nacht schon mehrfach selbst gesehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e78023df61874784258135bd811b73fa\"><em>Am Ende, <\/em>fuhr sie fort, <em>hatte er mich, ganz ohne Worte, nur durch seine Gegenwart davon \u00fcberzeugt, dass ich im Boscarg\u00e9n in Sicherheit sein w\u00fcrde. Das die camat&#8217;ay freundlich seien, dass man mit Magie unglaublich viel Spa\u00df haben konnte. Und dass er, wenn ich es wollte, mich in das Heiligtum zum Gro\u00dfmeister begleiten w\u00fcrde. Dass er mich bei der Hand nahm und wir gemeinsam hineingingen, verstie\u00df gegen s\u00e4mtliche ehrw\u00fcrdigen Rituale, und Meister G\u00edonar hat ihm seinen Vorwitz vermutlich nie verziehen. Aber ich wei\u00df heute, dass alle camat&#8217;ay, auch er, sehr beeindruckt davon waren, wie Yalomiro Lagoscyre es fertig gebracht hat, ein trotziges, panisches Heulkind zu b\u00e4ndigen, mit einer kleinen kindischen Zauberei.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"08cc79032ce815d14f88b304068392ac\"><em>Das, Ujora, das ist Yalomiro immer f\u00fcr mich gewesen. Derjenige, der mich im entsetzlichsten Moment meines Lebens an die Hand genommen hat. An dessen Seite ich niemals Angst haben musste, bis zu dem Tag, an dem Gor Lucegath unsere Dom\u00e4ne betrat und ihn besiegte. Keine Begierde, kein Verlangen, so wie du es dir vielleicht vorstellst, Ujora, nichts was m\u00f6glicherweise f\u00fcr dich eine Bedeutung hat. Ich bin Yalomiros Seele tief verbunden, aber auf eine ganz andere Art als du.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"aabe6344ae1939d1fff45fb4c43404d4\">\u201eGeborgenheit&#8221;, sagte ich leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"07c066ae8a9e0fbb9691b6e0e4eee27b\"><em>Ich wei\u00df nicht, was er f\u00fcr mich empfunden haben mag. Wir haben zueinander niemals dar\u00fcber geredet. Schattens\u00e4nger m\u00fcssen nicht reden. Aber &#8230; es war mir wichtig, dass du diese Geschichte kennst, um zu verstehen. Mehr gibt es nicht zu sagen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8e8c060690d437a45cd1b08d55e4f02f\">Ich h\u00e4tte mich damit zufriedengeben sollen. Aber ich wollte mehr wissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ceb2ddfd613d01464798c40dc5531550\">\u201eAr\u00e1ma\u00fa &#8230; wenn die Schattens\u00e4nger so freundlich sind, warum hattest du so viel Angst? Was &#8230; was geschieht mit euch, wenn ihr in den Eta\u00edmalon vor den Gro\u00dfmeister tretet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b4fcaf1121f74bcff9510ab384dfd73f\"><em>Wir legen unsere Vergangenheit, unsere Erinnerungen und unsere Herkunft ab. Wir treten in Nokt\u00e1mas Dienst wie neu geboren in ihrem Heiligtum. Der Gro\u00dfmeister nimmt all das von uns fort.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e2505f3edb07e6bf24b51ca77435090e\">Sicherlich konnte ich mir kein Urteil dar\u00fcber erlauben. Aber das klang in meinen Ohren so unglaublich &#8230; falsch. So grausam und \u00fcbergriffig, und &#8230; und ich <em>ahnte<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"f3f54ab414209f564b0a0d8137e4f95a\">\u201eAr\u00e1ma\u00fa&#8221;, wisperte ich. \u201eWas tut der Gro\u00dfmeister, wenn er &#8230; Liebe in eurer Seele findet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb45eea72ff32df2f3e5722f7af62ecf\"><em>Er trennt sie heraus. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0cefcf499825c14c23b85a6335113777\">\u201eHeraustrennen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d82fb2bbe98e8d8a9d77bfaef9b53bbc\"><em>Liebe &#8230; <\/em>menschliche<em> Liebe ist gef\u00e4hrlich. Liebe und Magie, Ujora, bringen immer den Tod. Oder den Wahnsinn. Alle camata&#8217;ay haben zu ihrem eigenen Schutz diese L\u00fccke, dieses Loch in ihrer Seele. Auch ich.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6adf656c8326c26412679629896bb54e\">\u201eAber &#8230; Yalomiro &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c22cdef2d44ea6b398cc055d6d3e3950\">Sie tapste sie zu mir hin\u00fcber und rollte sich an meiner Brust zusammen.<em> Schlaf, Ujora. Hab keine Angst. Der Schatten h\u00e4lt die Hand \u00fcber dich. Wir lassen dich nicht allein.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2e5f64be84d675cc3e50ad038c00227f\">Ich musste an mich halten, um nicht erneut zu versuchen, sie zu streicheln. Stattdessen umschloss ich die Scherbe mit der Hand und schmiegte mein Gesicht an den Geigenbogen. Und Ar\u00e1ma\u00fa begann, magisch zu schnurren, bis mir die Gedanken wegdrifteten.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2186","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2186","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2186"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3916,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2186\/revisions\/3916"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}