{"id":2160,"date":"2025-08-24T23:17:08","date_gmt":"2025-08-24T21:17:08","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2160"},"modified":"2025-09-01T10:02:31","modified_gmt":"2025-09-01T08:02:31","slug":"068-am-rande-des-chaos-am-fusse-des-turms","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/068-am-rande-des-chaos-am-fusse-des-turms\/","title":{"rendered":"068: Am Rande des Chaos, am Fu\u00dfe des Turms"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"68be8141ded6af118194b3436602e227\">Das Chaos erstrahlte in einem Wirbel aus nie zuvor gesehenen, schillernden Farben, als die Sonne ihre letzten Strahlen dar\u00fcber warf und dahinter versank. Patagh\u00edu zeigte seinen Glanz, tausendfache Regenb\u00f6gen in aller Pracht, bevor er Nokt\u00e1ma das Firmament \u00fcberlie\u00df, auf dass sie es mit funkelnden Sternen in der Schw\u00e4rze schm\u00fcckte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e90020b079f5e629b79ab5523e9ee1f6\">Yalomiro hatte die Sch\u00f6nheit der Farben nie zuvor in dieser Herrlichkeit gesehen und verharrte and\u00e4chtig und in Stille. Die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> dienten wahrhaft einer wunderbaren Macht.<\/p>\n<p data-p-id=\"d1c34587a955e9d47b9eca0cfd52a6e1\">Egnar und Maj\u00e9k staunten mit offenem Mund. Obwohl ausnahmslos alle Seeleute vom Chaos wussten und es f\u00fcrchteten, hatte nur eine Handvoll Neugieriger es ab und an gewagt, so nahe heranzufahren, um es zu studieren. Es gab in den Bibliotheken ganze Regale voller gelehrter Schriften, in denen kluge M\u00e4nner und Frauen sich Gedanken dar\u00fcber machten, was das Chaos selbst sein und was sich dahinter befinden mochte. Ob es dahinter <em>\u00fcberhaupt etwas<\/em> gab. Die vorherrschende Lehrmeinung der <em>forscoray<\/em> ging davon aus, dass irgendetwas dort sein <em>musste<\/em>. Immerhin kehrte die Sonne jeden Tag dorthin zur\u00fcck, um am n\u00e4chsten Morgen \u00fcber Soldes\u00e9r wieder aufzutauchen. Oder eben neu geboren zu werden, sofern sie in den tosenden Fluten versank und erlosch.<\/p>\n<p data-p-id=\"eb82005eaa5c1ef29fc134414a19f8f8\">Yalomiro erschien es unwahrscheinlich, dass Sonne und Mond verg\u00e4nglich waren, jedenfalls nicht in der Form, dass Wasser sie l\u00f6schen konnte und Patagh\u00edu und Nokt\u00e1ma die Gestirne t\u00e4glich neu entfachen mussten wie profane Kaminfeuer. Aber es war nicht der geeignete Moment, dar\u00fcber nachzusinnen. Der Schattens\u00e4nger blickte still auf die Wasserwand, die sich am Horizont auft\u00fcrmte wie ein Gebirge aus Gischt, h\u00f6her als der Montaz\u00edel, und irgendwo in der H\u00f6he mit dem Himmel verschmolz. Niemand, auch nicht die Abenteurer, die sich hierher gewagt hatten wusste, was es war, das das smaragdgr\u00fcne Meer so aufwirbelte, mit solcher Macht empor schleuderte. In alten Zeiten glaubte man an den Atem eines gewaltigen Seeungeheuers, dessen K\u00f6rper sich quer \u00fcber die Welt erstreckte. Etwas ernsthafter denkende <em>forscoray<\/em> gingen eher von einem sehr bemerkenswerten Wetter- oder Gezeitenph\u00e4nomen aus. Die Magier <em>wussten<\/em>, dass es die Chaosgeister waren, die hier tobten und versuchten, die Grenzen zu \u00fcberwinden, um erneut in das Weltenspiel einzubrechen. Und dass dies der Ort war, an den \u2013 angeblich \u2013 zu Anbeginn der Zeit das unbegreifliche Widerwesen versto\u00dfen wurde, damit das Weltenspiel beginnen konnte. Aber das war nur eine Legende.<\/p>\n<p data-p-id=\"f21bfe787b095fe0a2e764d170325c0f\">Praktisch betrachtet, war es egal. Das Chaos war sch\u00f6n anzusehen, wie es dort in allen Regenbogenfarben glitzerte und gl\u00e4nzte und mehr und mehr in warmgoldenes Rot \u00fcberging, je tiefer die Sonne sank.<\/p>\n<p data-p-id=\"9c565785d1478db2db589fcf396a43e4\">Hier, so nahe am Ende der bekannten Welt, war das Meer dennoch glatt und unbewegt wie ein stiller Teich. Das Fischerboot trieb fast unbeweglich \u00fcber dem smaragdenen Abgrund dahin.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d1a17322b5218972442b0248c77a146\">\u201eWir sind da&#8221;, sagte Yalomiro.<\/p>\n<p data-p-id=\"d36eb08769cdf1aa70078c9a9d6e2835\">Der Fischer und sein Bootsjunge schauten ihn gespannt an.<\/p>\n<p data-p-id=\"4362f3fb9af3b68e64a9c64ec6a5a14a\">\u201eUnd nun?&#8221;, fragte Maj\u00e9k. \u201eHier k\u00f6nn&#8217; wir nicht ankern. So tief &#8216;runter reicht unser Tau nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5e628e84754dd2278cd2e695fc83f2f8\">\u201eHolt alle Segel ein. Dann wird das Boot stillstehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4bcb1b5b07e00f8ff54b00f2e8e25113\">\u201eAber die Str\u00f6mung&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c18e4cf7a4fa882b03e13703a6795413\">\u201eEs wird festliegen, als h\u00e4ttet ihr zehn Anker an jeder Seite geworfen. Vertraut mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"70d4a924ad80241fde98df6e9d05020a\">Maj\u00e9k zuckte die Achseln und tat, wie ihm gehei\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9dd5293aa052b09f5649c5c27f61c02e\">Egnar hatte nur mit einem Ohr zugeh\u00f6rt. \u201eH\u00e4tte mir nie im Leben tr\u00e4umen lassen, das mal zu sehen zu bekommen&#8221;, sagte er ehrf\u00fcrchtig.<\/p>\n<p data-p-id=\"f33056753146501a0a4dff339610c277\">Yalomiro l\u00e4chelte. \u201eNun, dann hast du etwas, was du demn\u00e4chst abends vor deinen Kameraden zum Besten geben kannst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"67fcaafda43ba458ec6aa9e6ba748a57\">Egnar sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein. Daf\u00fcr ist das zu sch\u00f6n. Das kann ich nicht beschreiben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9483213416e907be07ab3fe6f449e39c\">\u201eDu wirst es eine ganze Weile lang anschauen k\u00f6nnen. Den Rest des Weges muss ich allein gehen. Oder vielmehr schwimmen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"61b6eadf39d2decb70826a13e274c670\">Der Fischer verschr\u00e4nkte die Arme vor der Brust und musterte den Schattens\u00e4nger zweiflerisch. \u201eKannst du \u00fcberhaupt schwimmen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15337994719e6293264255822328cf53\">\u201eNat\u00fcrlich. Ich bin an einem bodenlosen See aufgewachsen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"452b65f8be1350a9c0989cc03fc7a31d\">Egnar schnaubte absch\u00e4tzig. \u201ePah, S\u00fc\u00dfwasser. Das ist was anderes. Meerwasser ist eiskalt, und wahrscheinlich voller t\u00fcckischer Str\u00f6me.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d655681ad7fd0abf93f8ce612ab4c46a\">\u201eAbgesehen davon bin ich ein Magier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d1b8804defd7927a65495cc685a065ff\">\u201eDas mag ja alles sein. Aber nur mal angenommen, du scheiterst an deinem wahnsinnigen Plan. Was machen wir dann? Wann gedenkst du, zur\u00fcck zu sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8d2246bed3e39b2c367c677bb59a71d7\">\u201eIch kann euch nicht daran hindern, beizudrehen und umzukehren. Ihr m\u00fcsst nur die Segel wieder setzen. Zugegebener Weise w\u00e4re ich in dem Fall etwas entt\u00e4uscht von euch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4ac5ef12c0a002062b97cd71b2a6d1ea\">\u201eAch was. Nach alldem wird es uns auch nicht schaden, eine Weile auf dich zu warten. Genug zu essen haben wir ja. Aber &#8230; wie k\u00f6nnen wir wissen, ob es sich noch lohnt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"24fb16f763d7c66853443217cd14cc39\">\u201eLohnt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"526d8083137153c223c3b1997c48bd07\">\u201eNa ja. Wenn du merkst, dass so ein l\u00e4ppischer See was ganz anderes ist als das hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b41b5a5de3ea6864f8b5f562fd49639\">\u201eHast du ein Stundenglas an Bord?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aeb1027ec0ad9bb047dbbe327a1995f8\">\u201eJau. Zwei St\u00fcck sogar.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5637de21b5f00efaba7634bba6d0f1f6\">\u201eBring mir das zweite.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"04752870013eaa464894b283b1ff3e85\">Egnar verschwand kurz unter Deck und kam mit einer kleinen Holzkiste wieder. Darin lag, mit Stroh gepolstert, eine nagelneue Sanduhr.<\/p>\n<p data-p-id=\"c5cf5f08a8bd9508ba905e4e821a4b2f\">\u201eWar nicht ganz billig, das Ding&#8221;, erkl\u00e4rte er stolz. \u201eAber man muss was aufs Gesch\u00e4ft aufwenden. Wenn mir n\u00e4mlich das eine einmal auf See kaputtgehen sollte &#8230; was machst du da?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b2010b549584e94cbe0ca182ed6c57e\">Yalomiro nahm das Stundenglas aus seiner Verpackung, betrachtete es pr\u00fcfend und schnippte dann mit der Fingerspitze gegen die obere, leere Kammer. Das Glas knackte, und ein dreieckiges St\u00fcck l\u00f6ste sich heraus. Der Magier fing es in der hohlen Hand auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"f3725f07ccf278367ad9be71a3901475\">Egnar verzog das Gesicht. \u201eHe!&#8221;, protestierte er. \u201eDas war mein Fang von einem halben Mondlauf!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4582636fefa3f74a99f212ef243a53f0\">Der Magier antwortete nicht. Stattdessen umschloss es die Scherbe fest mit der Faust. Das Glas schnitt tief in seine Handfl\u00e4che ein. Silbernes Blut trat hervor und floss in einem feinen Rinnsal seinen Unterarm entlang. Der <em>camat&#8217;ay<\/em> lie\u00df von seinem Ellbogen einige Tropfen durch das Loch ins Innere der Sanduhr rinnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"963aed89417e183cd046a22bcd271436\">Maj\u00e9k kam hinzu und schaute ihm verst\u00e4ndnislos \u00fcber die Schulter.<\/p>\n<p data-p-id=\"a90b8516dfa213d538130aeab9e4dab0\">Als es genug war, setzte der Magier die Scherbe behutsam wieder an ihren Platz. Unter seiner Ber\u00fchrung und seinem Lied f\u00fcgte sie sich erneut nahtlos mit dem Glas zusammen. Der pulverige Sand im unteren Bereich der Uhr verf\u00e4rbte sich dort, wo er bereits vom Blut benetzt war, silberwei\u00df. Yalomiro drehte das Stundenglas um.<\/p>\n<p data-p-id=\"17b6b8e5175a9de6f4e3ce5574220737\">\u201eWir lassen die Uhr zweimal durchlaufen. Das sollte gen\u00fcgen, um den Sand zu durchmischen. Dann mache ich mich auf den Weg. Behaltet ihr beide das Glas im Auge. Wenn mir unterwegs etwas zusto\u00dfen und an meiner R\u00fcckkehr hindern sollte, wird der Sand sich grau verf\u00e4rben. Dann hat es keinen Sinn mehr, auf mich zu warten, und ihr k\u00f6nnt Segel setzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4d78b4597e6f66ee8733cc422d0375ac\">\u201eUnd was passiert dann?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64c5e24e46175cc685fde7d5e63ac78a\">Yalomiro dr\u00fcckte Maj\u00e9k das Stundenglas in die Hand. \u201eNichts weiter. Deine Uhr wird weiterhin tadellos funktionieren. Lediglich meine Zeit im Weltenspiel wird verstrichen sein. Ihr k\u00f6nnt in den Tavernen von Virhav\u00e9t dann die Geschichte eines leichtsinnigen Schwarzmantels erz\u00e4hlen, der fortan als ruheloser Chaosgeist an den Grenzen der Wirklichkeit umherirrt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5d332d4e954847b981eb7037fa9a8aa4\">Fasziniert beobachteten Egnar und Maj\u00e9k, wie der durchlaufende Sand seine Farbe von beige zu silbern wechselte. Der Schattens\u00e4nger wandte sich ab und heilte den Schnitt in seiner Hand, ohne hinzuschauen. Das Chaos erstrahlte nun rot und gl\u00fchend. Bald w\u00fcrde es schlagartig finster werden \u00fcber dem Meer, bis die Sterne hervorkamen. Das w\u00e4re die Stunde.<\/p>\n<p data-p-id=\"2b23cdfc5b94b967c3841a34b11cfe6f\">Gleichm\u00fctig begann er damit, seine Gew\u00e4nder abzulegen und tastete nach Ar\u00e1ma\u00fas vertrauten Gedanken in der Nacht.<\/p>\n<p data-p-id=\"93a90e8d8ee0d449461023c824f203aa\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"c67587d906b9f520d961e5d0d2eeb163\">Der Handlauf war meine Rettung. Nachdem es mir zu meiner allergr\u00f6\u00dften \u00dcberraschung ohne Schwierigkeiten gelungen war, die wenigen Schritte bis zur Treppe zur\u00fcckzulegen, packte ich das Gel\u00e4nder mit beiden H\u00e4nden und atmete erleichtert auf. Dieser Teil des Abenteuers war geschafft.<\/p>\n<p data-p-id=\"33795d38e9b0bacacc30905a7abd8b0d\">Das Holz war echt. Es war <em>massiv<\/em>. Die Bewohner der Burg benutzten es st\u00e4ndig und es f\u00fchrte sie in die Geschosse, die sie erreichen wollten. Und war es nicht so, dass sich die Schutzbefohlenen der <em>teiranda<\/em> ganz normal in ihrer Umgebung bewegen konnten? Dass die verwirrenden Zauber in der Burg nur f\u00fcr mich existierten, als Nebenwirkung dessen, dass ich wusste, dass Magie auf dem Geb\u00e4ude lag?<\/p>\n<p data-p-id=\"6382fabe56bc12af90db7accf1becfe8\">Ich beschloss, nun mein Gl\u00fcck zu versuchen, indem ich meine Konzentration auf etwas <em>Wirkliches<\/em> fokussierte. Das Treppengel\u00e4nder w\u00fcrde ins Erdgeschoss f\u00fchren, sofern ich mich nicht ablenken lie\u00df. Am besten machte ich die Augen zu und tastete mich Schritt f\u00fcr Schritt, Stufe f\u00fcr Stufe abw\u00e4rts. Das w\u00fcrde Zeit kosten, aber es erschien mir praktikabel.<\/p>\n<p data-p-id=\"d3691b360ad5379a49132d1da1bd9994\">Und doch \u00e4rgerte ich mich, dass Ar\u00e1ma\u00fa mir nicht hinterhergelaufen war. Gemeinsam h\u00e4tten wir das Geb\u00e4ude sicher verlassen k\u00f6nnen. Aber wenn sie Angst hatte &#8230; nun, ich konnte sie schlie\u00dflich nicht zwingen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2a4f798141b562b95230ba57eac3c383\"><em>Vielleicht bist du es, die die gro\u00dfe Dummheit begeht,<\/em> gab mir mein Verstand zu bedenken. <em>Du bringst dich selber in Gefahr!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"3b339e8706c75ccc9acdc4079a728b49\">Das war mir egal. Ich musste das fehlende Fragment haben!<\/p>\n<p data-p-id=\"5e3906d055d8de0b29f6438e23184775\">Und das, davon war ich unbeirrbar \u00fcberzeugt, w\u00fcrde ich bei Gor Lucegath finden. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er es vernichtet oder achtlos fortgeworfen hatte. Der Rotgewandete tat <em>nichts<\/em> zuf\u00e4llig, soweit glaubte ich, ihn zwischenzeitlich zu kennen. Jedes Wort, jede kleine Geste hatte ihre Bewandtnis.<\/p>\n<p data-p-id=\"e1c78161a351c386dca9edd74c20eea0\">Die letzte Scherbe von Yalomiros magischem Instrument befand sich, darauf war ich bereit zu wetten, in Gor Lucegaths Gemach oben im Turm. Ins Erdgeschoss, auf den Hof, hin\u00fcber zum Turm; diesmal nicht hinab in den Kerker, sondern hoch an die Spitze. Das musste doch zu schaffen sein! Wie sollte man sich in einem Turm verlaufen?<\/p>\n<p data-p-id=\"46433d84e2bd211e9ea8500af31be7a5\">Und wenn es eine Falle war?<\/p>\n<p data-p-id=\"6119b9a04102103fa08ef749a8d21f22\">Warum, sagte ich st\u00f6rrisch zu mir selbst, sollte er mir eine Falle stellen, wenn ich ohnehin bereits hier gefangen bin?<\/p>\n<p data-p-id=\"2786808a48bfd83d57008a7edf457068\"><em>Vielleicht weil er selbst in einer Falle noch Fallen legen w\u00fcrde, um auch den letzten Apfel zu fangen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8a58221fec42b9e2fe49285acf1365b8\">Was f\u00fcr absurde Gedanken. Ich sch\u00fcttelte die Bedenken ab, ging weiter. Die Stufen unter meinen F\u00fc\u00dfen waren stabil, aus Stein und tats\u00e4chlich existent. Es war viel unkomplizierter, diese Stiege hinabzugehen als damals, als ich auf Yalomiros Tonleiter herumgeklettert war.<\/p>\n<p data-p-id=\"a2f65ea6e8f39086fda524a1651d95d5\">War da ein Ger\u00e4usch?<\/p>\n<p data-p-id=\"07aa1cb85c63c258245c3ccb5cae8f61\">Ja, war es. Leder schabte, Metall klirrte. War da etwa jemand, der die Treppe hinaufstieg?<\/p>\n<p data-p-id=\"1ef9f50d91053e947d17544f37f60eb1\">Verflucht! Wenn ich jetzt die Augen \u00f6ffnete, w\u00fcrde ich mich sicher in irgendeinem unm\u00f6glich zu erreichenden Bereich der Burg befinden, und &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"13f9954f37646d4df7d1b172cd46ab39\">Der Gedanke war m\u00fc\u00dfig. Jemand kam mir entgegen und w\u00fcrde unweigerlich auf der Wendeltreppe mit mir zusammensto\u00dfen. Ich konnte nicht ausweichen. Also nahm ich allen Mut zusammen, holte tief Luft und schaute hin.<\/p>\n<p data-p-id=\"18b672ae2fd0bafc2b7475a1d6fabeb1\">Mein Gegen\u00fcber trat gerade um die Windung herum und zuckte zusammen. Offenbar hatte er nicht mit Gegenverkehr gerechnet. Ich erschrak ebenfalls und atmete heftig ein, so sehr best\u00fcrzte mich der Anblick.<\/p>\n<p data-p-id=\"74bcf6f7a62b31a6c133d6056bc660cc\">Ich stand einem Ritter in einem tannengr\u00fcnen Waffenkleid gegen\u00fcber, \u00fcber dem er ein Wams mit aufgen\u00e4hten Metallschuppen trug. Sein schon etwas angegrauter, dunkler Bart war ordentlich gestutzt, sein Haupthaar wich einer Glatze, von knapp unterhalb seines linken Auges zog sich eine Narbe quer \u00fcber seine Wange bis hinab zum Kinn, haarscharf seinen Mundwinkel verfehlend. <em>Yarl<\/em> Andri\u00e9r Altabete!<\/p>\n<p data-p-id=\"f6f0b436bda112e82a73eecf69198711\">Ich konnte ihn <em>sehen<\/em>!<\/p>\n<p data-p-id=\"2277233a513ea19e2b42a40ea43fc0a0\">Er verneigte sich h\u00f6flich und trat einen Schritt beiseite, um mir Platz zu machen. Aber ich reagierte nicht. Ich konnte nicht aufh\u00f6ren, ihn anzustarren.<\/p>\n<p data-p-id=\"445dcdadc3fbd3e126e1dffae69eae84\">\u201eStimmt irgendetwas nicht, <em>f\u00e1njula<\/em>?&#8221;, fragte er zerstreut. \u201eKann ich dir helfen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"23b577c678466a4374e1f4c5cfa43517\">Ich konnte ihn <em>h\u00f6ren<\/em>! Seine Stimme war etwas heiser, energisch, aber nicht unangenehm. Vor allem h\u00f6rte sie ohne jedes Wispern und Zischeln. Ich verstand jedes Wort klar und deutlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"2b69469690bc09b38c498e86b9d7b889\">Dann wurde mir bewusst, dass ich ihn angaffte. Wom\u00f6glich dachte er, ich st\u00f6rte mich an seiner Entstellung. Ich schlug den Blick nieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"a1a0d92ce64b55398dbbb1c275100355\">\u201eNein, nein &#8230; es ist alles in Ordnung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"961afd650626b78c50d537cbe7b7fec2\">Er runzelte argw\u00f6hnisch die Stirn. \u201eEs hat auch seine Ordnung, dass ich dich <em>au\u00dferhalb<\/em> deiner Stube antreffe?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a314966782de43c379c5aa1cf7b0a4b\">Wie kam ich aus dieser Situation heraus? Wie w\u00fcrde er reagieren? Hatte er wom\u00f6glich den Befehl, mich wieder einzufangen, wenn er mich au\u00dferhalb der Kammer antraf?<\/p>\n<p data-p-id=\"3bfb6de2bccc0e14c1a4f79da6fa4be5\">Ein verwegener Plan war von einem Moment zum n\u00e4chsten da. Ich w\u00fcrde auf Risiko spielen. Was konnte schon passieren, au\u00dfer dass er mich wieder zur\u00fcck zum Start schickte?<\/p>\n<p data-p-id=\"051148dda1984dddd52fa3809342e60a\">\u201eIch bin auf dem Weg zu Meister Gor.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"954eba776e7c9a566a4e4395097ac4a6\">\u201eOh. Dann will ich dir nicht im Weg stehen.&#8221; Er l\u00e4chelte mir zu, mitleidig, bildete ich mir ein und r\u00fcckte sein Schwert so zurecht, dass es nicht in den Weg ragte. \u201eBitte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec01a194434a44a46baba55862b189d8\">\u201eDanke&#8221;, sagte ich und hatte das Gef\u00fchl, dass ich mich verd\u00e4chtig machen w\u00fcrde, wenn ich es allzu eilig hatte. \u201eUnd Ihr? Wohin wollt Ihr so eilig?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a8cd9311d3d4ce45983e0f91ba14a089\">\u201eWir suchen Herrn J\u00f3ndere. Er hat das Nachtmahl vers\u00e4umt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0560c97a4ae5d607f22fec2d2c7be63d\">\u201eVielleicht ist er nicht hungrig?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc5ff1c0a705f687cd0649127e52b566\">\u201eWir machen uns Sorgen. Er war letzterdings nicht ganz bei sich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f09c2a0fa030c46d43ea13e6d65c2a1\">\u201eHabt Ihr schon auf der Grabenseite hinter der Ostmauer nachgeschaut?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f9169fd5de546e63f899287b6368e9f7\">\u201eNein. Nein, tats\u00e4chlich nicht. Wieso sollte er dort sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4a32cb0528f4b2636a3d91e1f07b6abc\">\u201eIst es unm\u00f6glich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc30c57b200951deaff63e4dfea5a339\">\u201eNein, nat\u00fcrlich nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d4c08090d3cd23680d682ad59851600d\">\u201eM\u00f6glicherweise findet Ihr ihn dort.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64d19d917e3f5e7ef2561d785a8a3781\">Nat\u00fcrlich erweckte die pr\u00e4zise Ortsangabe sein Misstrauen. Andererseits war es ihm wohl einerlei, wo er seine Suche fortsetzte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c0bbf7f5e451acdf3f2fdde58578d557\">\u201eDanke. Ich schaue sogleich dort nach&#8221;, sagte er, drehte sich auf der Treppe um und lief wieder herunter. Ich lie\u00df ihm zwei Stufen Vorsprung und folgte ihm. Kurz darauf stand ich im Freien, mitten auf dem Burghof, wo um diese Zeit nur wenige von K\u00edan\u00e1 von Wijdlants Untertanen anwesend waren. Niemand beachtete mich. Der Turm, riesenhaft, d\u00fcster und unbeleuchtet, ragte vor mir empor. Nicht zu verfehlen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3f013962ee3bf433ed174037fc19a13b\">Schon fast <em>zu einfach<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"ed7e8e3c86963f0fe85fe495083d9cf4\">Und meine Gl\u00fccksstr\u00e4hne riss nicht ab. Gerade noch fr\u00fch genug, um ihm auszuweichen, bemerkte ich den Rotgewandeten. Er kam ohne Eile aus dem Turm heraus, \u00fcberquerte den Hof und hielt auf die T\u00fcr auf der anderen Seite des Wohnpalastes zu. Mit etwas Gl\u00fcck war er unterwegs zur <em>teiranda<\/em> und f\u00fcr eine Weile besch\u00e4ftigt. Mit Sicherheit aber just jetzt nicht in seiner eigenen Kammer.<\/p>\n<p data-p-id=\"3916689ecc4d13f2685a39d38f3d7a47\">Ich stibitzte mir eine der schwach leuchtenden \u00d6llaternen aus ihrer Halterung neben der T\u00fcr und entschloss mich, mir jetzt die Scherbe zu holen. Viel Zeit hatte ich nicht dazu.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2160","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2160","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2160"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2160\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3925,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2160\/revisions\/3925"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2160"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2160"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2160"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}