{"id":2119,"date":"2025-08-24T22:19:50","date_gmt":"2025-08-24T20:19:50","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2119"},"modified":"2025-09-01T09:52:35","modified_gmt":"2025-09-01T07:52:35","slug":"045-spiegelscherben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/045-spiegelscherben\/","title":{"rendered":"045: Spiegelscherben"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"4ed2ca064d4ae8ef885797411f7c531d\">Ar\u00e1ma\u00fa begutachtete den Faden.<\/p>\n<p data-p-id=\"da9290650fb8eb59bc1e84aa29dced20\"><em>Eine kluge Idee, <\/em>lobte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"e340e2d26bff728180405cabdaa89603\">\u201eIch habe mir das nicht selbst ausgedacht. Es ist ein uralter Trick. Ich hoffe nur, dass er auch in einem magischen Labyrinth funktioniert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f6406c5c5b2c4c62731ccddd96590685\"><em>Warum denn nicht? Ein unbelebtes Ding kann sich von Illusionen nicht verwirren lassen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2eeda0ba803e6b7247da53a9655355ef\">Um Gor Lucegath auf den Plan zu rufen, musste ich etwas tun, was ihm nicht in seine Pl\u00e4ne passte. Mehrfach hatte man mir untersagt, die Kammer zu verlassen. Daf\u00fcr musste es einen Grund geben. Als ich gedankenlos hinter Ar\u00e1ma\u00fa her gerannt war, hatte ich mich umgehend in den Irrwegen verlaufen, die jede Flucht aus der Burg unm\u00f6glich machten. Also hatte ich mir etwas einfallen lassen, um mich zielstrebig an einen anderen Ort zu begeben.<\/p>\n<p data-p-id=\"2a829923e1918f07552ddce383cbec85\">Dabei half mir nun das gut gemeinte, aber nutzlose Stickzeug aus dem Handarbeitsk\u00f6rbchen. Ich hatte all die unauff\u00e4llig gef\u00e4rbten Garnf\u00e4den zusammengeknotet und dadurch eine hauchd\u00fcnne Schnur erhalten. Die war zwar nicht allzu lang \u2013 in einem echten Irrgarten w\u00e4re ich damit nicht weit gekommen \u2013 aber es w\u00fcrde ausreichen. Ich wusste schlie\u00dflich, dass das Gemach der <em>teiranda<\/em> nur ein paar Schritte entfernt war.<\/p>\n<p data-p-id=\"219c156abb7c9f957c9b113222e6a96f\">Bei meinem letzten Besuch bei ihr hatte ich den Faden unten am Fu\u00df ihres Frisiertischs befestigt, w\u00e4hrend ich vorgab, am Boden nach der herabgefallenen Haarspange zu suchen. Wie erwartet hatte sie, versunken, in ihren eigenen Anblick, keinen Verdacht gesch\u00f6pft. Anschlie\u00dfend musste ich den Faden nur so abspulen, dass er ganz locker durchhing und nahe bei der Wand verlief, sodass niemand dar\u00fcber stolperte und die T\u00fcren sich dar\u00fcber schlossen. Mit etwas Gl\u00fcck w\u00fcrde das gr\u00e4uliche Garn unbemerkt bleiben, wenigstens w\u00e4hrend der paar Stunden Frist, bis ich es brauchte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6f262b2a32b043080ff105965c4894f7\"><em>Du solltest trotzdem der Vorsicht halber die Augen geschlossen halten.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"5f2b3e57347d409667f46f75e5b28ad6\">\u201eIch bekomme langsam den Eindruck, ist es ratsam, vor Magie immer die Augen zu verschlie\u00dfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b246451d4361fa160a080dd0df67ad3\"><em>M\u00f6glicherweise.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f856c38e50a94dbfa9b554f6d8a0a734\">\u201eWichtig ist nur, dass die Luft rein ist und die <em>teiranda<\/em> nicht vor ihrem Spiegel sitzt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d5f762a9652670e0d9fc74e972a58abf\"><em>Solange sie mit ihren <\/em>yarlay<em> Audienz h\u00e4lt, hast du freie Bahn. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"c45233293ce89522a0a36dc33c529595\">\u201eUnd du bleibst in der N\u00e4he<em>?&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f4580ce38380a47fdcb5e1a9719d3870\"><em>Ich bin immer in der N\u00e4he, <\/em>behauptete sie. <em>Und nun geh.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d02665236afc63160b22b9988561ce2a\">Ich gab mir einen Ruck, holte den Faden ein und \u00f6ffnete die T\u00fcr. Auf dem Korridor war niemand zu sehen. Es war Mittagszeit. Die <em>teiranda<\/em> widmete sich ihren Gesch\u00e4ften, wie immer die in <em>Pianmur\u00edt<\/em>, Wijdlant oder wor\u00fcber auch immer sie zu herrschen glaubte, aussehen mochten. Aus diesem Grund war zurzeit niemand vor ihrem Gemach postiert. Ich machte die Augen zu und begann, den Faden langsam um meinen Finger zu wickeln.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ae4633427e2563d5d75dea6152ae321\">Ar\u00e1ma\u00fa blieb in der T\u00fcr sitzen. Wir waren uns einig gewesen, dass es riskant f\u00fcr sie gewesen w\u00e4re, wenn sie mich einfach zur T\u00fcr gef\u00fchrt h\u00e4tte. Ich musste es selbst ganz ohne Magie schaffen, mein Ziel zu erreichen. Nur das w\u00fcrde mit Sicherheit Gor Lucegaths Interesse erregen, ohne zugleich sein Misstrauen zu wecken. Ar\u00e1ma\u00fa w\u00fcrde mich mit einem lauten Miauen warnen, falls zuf\u00e4llig Menschen den Korridor betraten.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d2492d1cbce66fcaeec79af595b7671\">Schritt f\u00fcr Schritt tastete ich mich n\u00e4her an die T\u00fcr heran. Die eine Hand blieb am Faden, mit der anderen kl\u00e4rte ich den Weg vor mir, um nicht gegen m\u00f6glicherweise unversehens doch auftauchende W\u00e4nde, Stufen oder M\u00f6bel zu stolpern. Doch alles ging gut. Als der Faden straff gespannt nach unten strebte, stand ich vor K\u00edan\u00e1 von Wijdlants privatem Gemach. Die T\u00fcr war unverschlossen. Bevor ich eintrat, sp\u00e4hte ich vorsichtig hinein,.<\/p>\n<p data-p-id=\"ac677cc0a547df849789ae1c0380378b\">Auf dem Frisiertisch waren K\u00e4mme, B\u00fcrsten, Spangen und ihre Flakons und Tiegelchen mit Kosmetik ordentlich aufgereiht. Aber der Spiegel war wieder blind. Nat\u00fcrlich. Solange die <em>teiranda<\/em> nicht selbst hineinblickte, war das Ding nur eine altmodische Antiquit\u00e4t, die nicht einmal ihren vorbestimmten Zweck erf\u00fcllte.<\/p>\n<p data-p-id=\"2edba9d8519a4451693cc8e3020a249a\">Tags\u00fcber hatte ich das Gemach der <em>teiranda<\/em> noch nicht besucht. Ich erkannte im tr\u00fcben Tageslicht mehr Details als bei meinen abendlichen Besuchen. Es gab mehr Zierrat als nebenan in meiner Stube, aber das trug nicht dazu bei, die Stube zu versch\u00f6nern. Verzierte Bodenvasen waren im Raum verteilt, aber keine enthielt Blumen. Einige geschnitzte und get\u00f6pferte Dekofiguren standen in den Regalen, aber sie waren so nachl\u00e4ssig aufgestellt, dass sie alle zu den W\u00e4nden schauten oder sogar umgest\u00fcrzt waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"e143d679ab2483778f6c3e6665a30fc2\">Auf dem Tisch am Fenster lagen mehrere B\u00f6gen Pergament und ein Halbdutzend B\u00fccher aus der Bibliothek. Auf einem der Dokumente war ein Wappen abgebildet. Ich sah es von meinem Standort aus kopf\u00fcber, aber ich erkannte es. Ich hatte es auf dem Holzt\u00e4felchen gesehen, das Wa\u00fdreth Althopian dem Botenjungen gegeben hatte, als wir in Valvivant den G\u00e4rtnern begegnet waren. Offenbar war die <em>teiranda<\/em> tats\u00e4chlich wild entschlossen, ihn f\u00fcr sich zu gewinnen, und stellte Nachforschungen \u00fcber ihn an. Ob das ein normaler Zeitvertreib f\u00fcr sie war? Oder ein manischer Zug, der zutage trat, nachdem Gor Lucegath sie nun eine Weile vernachl\u00e4ssigt hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"cb1872c88e90d1d4e90085025f3376db\">Egal. Nun stand ich also hier, unbefugt, mitten im Privatgemach der <em>teiranda<\/em>. Einem Ort, an dem ich nichts zu suchen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"7a0999fc7325bb200e38a4a33a7f7dae\">Ich kam mir unsagbar dumm vor. Nichts geschah. Von weit fort h\u00f6rte ich dumpf und wattig Alltagsger\u00e4usche der Burg, genau wie nebenan in meiner Kammer. Musste ich noch indiskreter werden? Gab es hier irgendetwas, was mir n\u00fctzlich war?<\/p>\n<p data-p-id=\"857ce29d922367b00165dbe423003339\">Der Raum war durch einen Vorhang abgeteilt, der mit Mustern aufwendig verziert, aber in langweiligen Farben gehalten war. Ich konnte nicht widerstehen und warf einen Blick dahinter. Dort stand ihr Bett, weich und einladend mit einem aufw\u00e4ndigen Himmel und voller Kissen und Felle. Es war luxuri\u00f6s und gro\u00df genug f\u00fcr zwei Personen. Aber es gab keinen <em>h\u00fdardor<\/em>, der es mit ihr teilte. Hinter einem weiteren Vorhang befanden sich vermutlich Waschgelegenheiten und dergleichen, vielleicht auch Schr\u00e4nke f\u00fcr ihre vielen Gew\u00e4nder.<\/p>\n<p data-p-id=\"e0b80e9aed3765028f10402705cc52f8\">Ich z\u00f6gerte. Es kam mir falsch vor, in ihrem privatesten Bereich genauer herumzust\u00f6bern. Es ging mich nichts an, wie sie hier wohnte. Aber ein Detail fiel mir ins Auge: An der Wand neben dem Bett befand sich, etwa auf Augenh\u00f6he, ein geschlossener Holzdeckel. Er war viel zu klein, um zu einem Fenster zu geh\u00f6ren, und zu flach f\u00fcr eine Schrankt\u00fcr. Ich wagte mich einen Schritt n\u00e4her heran. Tats\u00e4chlich war es kein Fensterladen, sondern zwei \u00fcbereinander liegende, mit einem Scharnier verbundene Holzbretter. Ein kleiner Haken hielt sie zusammengeklappt.<\/p>\n<p data-p-id=\"a54a887d22afc1a23699678c62d57d1d\">Meine Neugier war st\u00e4rker als die Vernunft. Und au\u00dferdem: Schlie\u00dflich <em>war<\/em> ich unbefugt hier, um Aufmerksamkeit zu erregen. Ich \u00f6ffnete den Haken.<\/p>\n<p data-p-id=\"e00bc6df22bf002f081e9664bc4d9985\">Dahinter kam wenig Spektakul\u00e4res zum Vorschein. Es war ein Bild, das Portr\u00e4t eines stattlichen Mannes, erstaunlich realistisch mit \u00d6lfarbe auf das Holz gebracht. Der Abgebildete trug pelzverbr\u00e4mte Gew\u00e4nder und schweren Halsschmuck, einen grauen Backenbart und eine Krone. Ich war \u00fcberzeugt, dass ich schon einmal ein Bild von dieser Person gesehen hatte: unten in der Halle. Aber hier, in K\u00edan\u00e1 von Wijdlants Privatsph\u00e4re, war das Gesicht nicht verzerrt. Ich lie\u00df den freundlichen Blick den vornehmen Herrn auf mich wirken. Bet\u00f6rende Lebensfreude strahlte aus dem Bildnis; so viel, dass es die Tristesse des Gemaches geradezu zum Erbeben brachte.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec865c02a1dc52e19b5f113bcdb0ca59\">Aus dem Augenwinkel nahm ich eine Bewegung hinter mir wahr und erschauerte. Es hatte funktioniert. Nun gab es kein Zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"56d3f39e51ad460c761ee7450d346494\">Gor Lucegath schob den grauen Vorhang ein St\u00fcck beiseite und trat neben mich. \u201eIch habe es noch nicht \u00fcbers Herz gebracht, ihr dies zu nehmen&#8221;, sagte er ruhig. \u201eAber wie du siehst, hat sie es bereits selbst verdeckt, um es nicht st\u00e4ndig anschauen zu m\u00fcssen. Es schmerzt sie zu sehr. Bald wird sie es nicht mehr brauchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f27e4effb910b50f14c6ea9a992eb8c8\">\u201eEs ist ihr Vater, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9e3e6d2a1ff1d4d27b931c96209a63b0\">\u201eJa.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"99ddcff886fc3e21a2fbc4c1e944ecb3\">\u201eHabt Ihr ihn&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"133ef470c0e4f71384c814f185819e78\">\u201eNein. Er war schon hinter den Tr\u00e4umen, bevor mein Weg mich hierher f\u00fchrte. Manchmal, Ujora, sterben die Leute auch ohne mein Zutun.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8bfb37e4bdc3da3544f725bc4307a533\">Er griff nach dem Bild und klappte es behutsam wieder zusammen. \u201eEs w\u00e4re nicht gut, wenn du sie daran erinnerst. Komm hier heraus. Du wirst an diesem Ort nichts finden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aa8f5ac7b1d862ce94cc6950ec91c2f1\">Er wandte sich ab und ging wieder nach nebenan. Ich folgte ihm beklommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f11be43a72dae99e29b6290d6b53451f\">Der Rotgewandete bewegte sich wieder energisch, mit der ihm eigenen, souver\u00e4nen Selbstsicherheit. Von Schw\u00e4che oder gar Krankheit war ihm nichts mehr anzusehen. Was immer mit ihm in den vergangenen Tagen geschehen war, hatte ihn neu gest\u00e4rkt. Meinen Faden hatte er aufgehoben und zerrieb ihn zwischen den Fingern zu einem unentwirrbaren Kn\u00e4uel. Ich lie\u00df mein Ende los.<\/p>\n<p data-p-id=\"d7bec7dec407d8556838132758477f01\">\u201eWo seid Ihr gewesen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b6da79c80755dc3438c9c77d80a399e3\">\u201eHast du dir etwa Sorgen um mich gemacht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ad131c3925b0caf4471c5b0762331a68\">\u201eIch war verunsichert, was weiter geschehen w\u00fcrde, wenn Ihr verschwunden bleibt&#8221;, antwortete ich kleinlaut.<\/p>\n<p data-p-id=\"543c742a0b75e04ce4595f7ae596b4dc\">\u201eIch gebe zu, es ist unh\u00f6flich und nicht meine Art, mitten in der Partie das Spiel zu verlassen. Aber nun bin ich wieder da. Du hast also w\u00e4hrend meiner Abwesenheit Freundschaft mit der <em>teiranda<\/em> geschlossen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a78702cf309f882c68ecd4f818d0540\">\u201eEs &#8230; hat sich so ergeben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"37d46a347b77027f6a5fe264c2f68a70\">\u201eSie hat eine exquisite Einrichtung in ihren privaten Gem\u00e4chern, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9e9c244e85e38b862685a55dc3a600ed\">\u201eSicher.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b56bb918b56b5f7808e779218e2ab763\">\u201eIch wei\u00df, warum du wirklich hier bist, Ujora. Versuche nicht, mich zu t\u00e4uschen. Also? Was hast du mir zu sagen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5d93b82e9ef9a0b227d2584964c79641\">Er lie\u00df sich am Tisch nieder und warf einen fl\u00fcchtigen Blick auf die Dokumente dort, ohne sich anmerken zu lassen, ob sie ihn interessierten. Ich z\u00f6gerte einen Augenblick. Ich musste etwas ins Spiel bringen, was ihm etwas bedeutete. Ich hatte lange wach gelegen und \u00fcberlegt, was das sein k\u00f6nnte. Etwas, was sein <em>Interesse <\/em>erregte, auch wenn es Schwachsinn war.<\/p>\n<p data-p-id=\"6c72fafee3c7459bf134db51c3a2d24e\">\u201eWas muss geschehen, damit Ihr Yalomiro freigebt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"387457e86dcdee67a086fa08e79856bd\">\u201eNicht viel. In dem Moment, in dem er mir zusagt, das Artefakt zu bergen und herzubringen, lasse ich ihn los, damit er es tun kann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"410e52163f1714b23cc8c9bdce10876a\">\u201eUnd wenn es mir gel\u00e4nge, ihn davon zu \u00fcberzeugen, es zu tun? W\u00fcrdet Ihr dann von ihm ablassen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb5ad3e3ba29401e92b50df7e70a540e\">Er schaute auf. Sein Blick unter seiner Maske war nicht zu deuten.<\/p>\n<p data-p-id=\"2604bf3a9d49b84e225dfdee6be45727\">\u201eWie stellst du dir das vor?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8d95df3fed6f206df302307fed5bcc45\">\u201eNa ja&#8230; wenn ich das richtig begriffen habe, ist die Schwierigkeit, die Yalomiro in seinen Schutzzauber eingebaut hat, dass er das Artefakt nur bergen kann, wenn er es aus eigenem Willen tut. Deshalb k\u00f6nnt Ihr ihn nicht einfach dazu zwingen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"62c9cc2d32d2687824a37745e36e4aa1\">\u201eDas ist korrekt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"397fef87d6f05b4198e9bb58ce8482ff\">\u201eVielleicht kann ich ihn &#8230; dazu \u00fcberreden? Vielleicht tut er mir den Gefallen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1ecb2bac832da98b4277cee423516963\">\u201eWarum sollte er?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"51789bd47037ad854e2bf22c358b51d6\">\u201eWeil &#8230; vielleicht erf\u00fcllt er eher mir einen Wunsch als Euch einen Zwang?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"33147ea2e019a5a57545b2a52a5db0d6\">\u201eWelches Interesse h\u00e4ttest du am <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b29d7f65cd2115580a4a208195435489\">\u201eKeines. Ich m\u00f6chte nur, dass Ihr damit aufh\u00f6rt, ihn zu qu\u00e4len.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4428e23e6932289f1ee47a23aeb3bdfb\">\u201eDann bietest du mir also einen Handel an, um sein Leiden zu beenden? Etwas, worum er mich jederzeit und ohne dein Zutun bitten k\u00f6nnte, wenn ihm nicht sein Gewissen im Wege w\u00e4re?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6d99b84160a299ad33fdd08f4da19914\">\u201eZumindest k\u00f6nnte ich es versuchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"201e90c918224b93e788160e4c6e4695\">Der Rotgewandete lehnte sich zur\u00fcck und musterte mich f\u00fcr einen unangenehm langen Moment.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c224190edaa4d3d2ef4bf46c94cc7e5\">\u201eNur, damit wir von derselben Sache sprechen: Du wei\u00dft genau, dass er das Artefakt verbirgt, um mich in meinem Handeln zu behindern. Er glaubt, damit zumindest Nokt\u00e1ma, wenn nicht allen M\u00e4chten gef\u00e4llig zu sein. Das ist bei n\u00e4herem Nachdenken Unfug, aber es sei ihm zugestanden, sich mit seiner Demut l\u00e4cherlich zu machen. Zumindest scheint es seine Disziplin zu erhalten, weit mehr, als ich erwartet hatte. Und nun kommst du und stellst dir vor, du k\u00f6nntest ihn mit naivem Bitten dazu bringen, einfach aufzugeben, damit ich <em>dir zuliebe<\/em> von ihm ablasse? Ich sehe eine erschreckende Einfalt hinter deinen Gef\u00fchlen, aber an wem willst du gerade Verrat ver\u00fcben, Ujora? An mir, ihm oder dir selbst? Das ist l\u00e4cherlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"53c462b5953b18b979c867d9e1d7964d\">\u201eL\u00e4cherlich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ea7355c59b747ef0ac177c36f3eb4baa\">\u201eWie s\u00e4hen deine Argumente aus? Willst du ihm sagen, er sollte das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> mir \u00fcbergeben, auf dass ich das Elend anrichten kann, das er bef\u00fcrchtet? Damit <em>du<\/em> nicht l\u00e4nger ansehen musst, wie <em>er<\/em> leidet? Ist dir denn egal, was aus dem Weltenspiel wird, solange du deinen Willen bekommst? Das, Ujora, w\u00e4re \u00fcberraschend selbsts\u00fcchtig von dir. Wie w\u00fcrdest du denken, wenn dein Weltenspiel, oder wie immer die M\u00e4chte deiner Wirklichkeit die Dinge regeln, in Gefahr w\u00e4re?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e3f0d149408f20c8edd70689d0a88f7d\">Ich wollte aufbegehren, besann mich jedoch. Objektiv betrachtet, war das ein berechtigter Einwand. Andererseits war ich mir sicher, dass er auch versuchte, mich zu verwirren. Ich musste etwas dagegenhalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"fd6239adfbe27df82298d68938f25395\">\u201eMacht Ihr es nicht ganz \u00e4hnlich? Habt Ihr ihm etwa nicht zu verstehen gegeben, dass mir etwas zusto\u00dfen k\u00f6nnte, wenn er Euch nicht gehorcht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55b2c0d12fa5a56733f733d00dd60e89\">\u201eInteressant, dass du mir so etwas unterstellst, und noch interessanter, dass du denkst, dass ihn das beeindrucken k\u00f6nnte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d8946fb7ccc1135b0f9c6ae977e9caa\">\u201eHabt Ihr es getan oder nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a753669b7df99564329fd5876e59a58\">\u201eM\u00f6glicherweise habe ich etwas in dieser Richtung angedeutet. Aber habe ich dir zuvor nicht sogar in seiner Gegenwart angeboten, diesem Weltenspiel den R\u00fccken zu kehren? H\u00e4tte ich das getan, wenn ich dich so dringend als Druckmittel br\u00e4uchte? Du \u00fcbersch\u00e4tzt deine Bedeutung in dieser Angelegenheit, Ujora.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2686be846427fee3d2d1d399c307f962\">\u201eNun ja &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a41373cab07e43488352ba69aec50db\">\u201eWas w\u00fcrde es mir bringen, ihm mit deiner Unversehrtheit zu drohen? W\u00e4re das nicht t\u00f6richt, wenn es doch sein freier Wille, sein eigener Wunsch sein muss, mir das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> auszuh\u00e4ndigen? W\u00fcrde ich dir Leid zuf\u00fcgen, k\u00e4me sein Handeln kaum noch aus eigenem Entschluss. Dann w\u00e4re es schlicht Erpressung. So funktioniert das nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dd9c024743fa6876aebf2f6a3d867cfc\">Ich lie\u00df den Kopf h\u00e4ngen.<\/p>\n<p data-p-id=\"73970fd69ad9ac465dba922f271deab7\">\u201eUnd bevor du denkst, dass dieser Umstand dir irgendwie von Nutzen ist, Ujora: Ich habe weitaus fantasievollere Mittel, ihn in anderer Weise in meinem Sinne zu motivieren, seinen Willen zu meinen Gunsten zu beeinflussen. Es bedeutet lediglich etwas mehr Aufwand f\u00fcr mich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7de26168ce46ed47f6cc8f77e390f18d\">\u201eSpart Euch doch diese M\u00fche. Lasst es mich wenigstens versuchen. Lasst mich nur einen Moment zu ihm.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0002f3aa2e89815d8d3712975d8d4e76\">\u201eWas soll das bringen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f4a695592ec5de5c2190b4a67726735b\">\u201eWenn es zu nichts f\u00fchrt, verliert Ihr nichts.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c364d4c4875c582c455684a63026e1d7\">Er legte das Pergament zur Seite und musterte mich einen Moment lang unverwandt. Ich bem\u00fchte mich, seinem nachdenklichen Blick standzuhalten. Dann deutete er auf den Sessel am Frisiertisch. \u201eNa sch\u00f6n. Setz dich dorthin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8fbb55accfe7da5d76341ead808c4464\">Dieses unvermittelte Einlenken \u00fcberraschte mich. Ich gehorchte sch\u00fcchtern und lie\u00df mich vor K\u00edan\u00e1 von Wijdlants Sch\u00f6nheitsmitteln nieder. Der <em>goala&#8217;ay<\/em> erhob sich, trat hinter mich und legte mir die H\u00e4nde auf die Schultern, k\u00fchl und fest.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ed505e8634123604370a2233aee52fd\">\u201eWillst du ihn tats\u00e4chlich sehen? M\u00f6glicherweise ist es kein erfreulicher Anblick.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0ac81f249e9c3649eacbc1cbd23d9cd3\">Ich nickte zaghaft. \u201eIch wei\u00df, was mit ihm geschieht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b71980f793850f4488af156ca8bfe66\">\u201eIch habe diesen Spiegel f\u00fcr die <em>teiranda<\/em> &#8230; verbessert. Yalomiro Lagoscyre ist nicht der einzige Magier, der unbelebte Dinge mit Magie versehen kann. Nun schau hin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a267ae434b16094288d734b72eb01ad7\">Er hob die Finger, legte sie an meine Wangen und lenkte meinen Blick auf den Spiegel. Die blinden Flecken klarten auf und ich sah mich selbst im Glas, der Rotgewandete hinter mir wie ein unerbittlicher W\u00e4chter.<\/p>\n<p data-p-id=\"bb8b9438e47a17dcd3f5b560fd17e5c7\">Dann erhellte sich auch die zweite Schicht des Spiegels. Ich sah Yalomiro und sog erschrocken Atem ein.<\/p>\n<p data-p-id=\"26a21c8be7ed87fb2dd23e83fc89da3e\">Er hing halb aufgespie\u00dft in den goldenen Dornen, augenscheinlich unf\u00e4hig, sich noch l\u00e4nger aufrecht zu halten. Mit bleimatten Augen schaute er mich an, ohne etwas zu sehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0f88c92c763510fd2582f76e760c3a38\">Ich konnte mich nicht abwenden. Meister Gors Griff verhinderte das. Der Rotgewandete neigte sich \u00fcber meine Schulter vor. \u201eMir scheint, dass wir einen guten Zeitpunkt getroffen haben, um nach ihm zu schauen. Er hat nunmehr <em>beinahe<\/em> den Punkt erreicht, an dem ich ihn sehen wollte. Glaubst du wirklich, Ujora mit dem lauteren Herzen und den vern\u00fcnftigen Argumenten, dass er in diesem Zustand in der Lage ist, <em>\u00fcberhaupt<\/em> eine eigene Entscheidung zu treffen? Was du dort siehst, was von seiner Vernunft noch \u00fcbrig ist, ist wie eine Eierschale mit lauter Spr\u00fcngen. Ein wenig mehr Druck noch, und sie w\u00e4re entzwei. Dann k\u00e4me ich an seinen Willen heran.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5baf7b9e2f8bf5fc1d2001e9eecbeb87\">\u201eWollt ihr ihn leiden lassen, bis er stirbt und Euch gar nicht mehr von Nutzen ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6a2628bd50301d2f37934f6c8ae35c5c\">\u201eEr <em>kann<\/em> nicht sterben, solange ich es ihm nicht erlaube. Denkst du, ich mache es ihm so leicht, sich aus der Verantwortung zu stehlen? Und, nur der Vollst\u00e4ndigkeit halber: Er h\u00e4tte sich all das ersparen k\u00f6nnen. Ich habe auch ihm mehrfach Alternativen angeboten. \u00c4u\u00dferst verlockende Alternativen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bf58285eb6216844a9871a43360edf77\">\u201eAber&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"242d8da2d547a88cf5b63b20a461ddda\">\u201eAllerdings hast du Recht, wenn du dir Gedanken um den Zustand seines klaren Geistes und seiner Seele machst. Es ist <em>immer wieder<\/em> hochinteressant zu beobachten, was einige Tage in Pianmur\u00edt selbst aus einem m\u00e4chtigen Magier machen k\u00f6nnen. Vom irreversiblen Wahnsinn, Ujora, ist er nur noch einen winzigen Schritt entfernt. Das w\u00e4re der beste Zeitpunkt, mit ihm zu verhandeln. Auf diesen Moment habe ich gewartet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"18f6e337619ab640fbd7264a59e2ede2\">\u201eUnd Ihr glaubt, dass ein Wahnsinniger Euch das Artefakt eher beschaffen wird?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d715f4ee873022fd538d6d2d63ab8b70\">\u201eSelbstverst\u00e4ndlich. Wie weit, Ujora, ist es mit dem eigenen Willen eines Wahnsinnigen noch her? W\u00e4re es nicht f\u00fcr mich eine M\u00f6glichkeit, mit einem Wahnsinnigen erfolgreicher zu einem einvernehmlichen Handel zu kommen als mit dem eigensinnigsten Magier, den der Schatten hervorgebracht hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b58ff8099b95000765533c958afc89b3\">Ich starrte Yalomiro an und dann zur\u00fcck zu meinem eigenen Spiegelbild. Gor Lucegath l\u00e4chelte mir im Spiegel zu, auf eine sehr seltsame Weise. Ich sah nicht die kleinste Spur von Spott, Triumph oder Grausamkeit in seiner Miene.<\/p>\n<p data-p-id=\"5d0755026cf81747aef01d6b545b87c9\">\u201eBitte&#8221;, sagte ich. \u201eIch glaube, ich kann es auch in Eurem Sinne zu einer Einigung bringen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1938fb541da38f6a0103ae80b91ee89\">Der Rotgewandete lie\u00df mich los. \u201eIch hoffe in <em>deinem<\/em> Sinne, Ujora, das ich es nicht bereuen werde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1daaba5cfa64bc0aff91c2da78b9fb14\">Er lie\u00df mich los, ging hin\u00fcber und zog dabei sein Schwert mit der blau metallisch gl\u00e4nzenden Klinge. Aber er holte damit nicht zu einem Streich aus. Stattdessen packte er es oben an der Parierstange und benutzte den Knauf wie einen Hammer. Er zerschlug den magischen Spiegel.<\/p>\n<p data-p-id=\"eb05780149da165d3b10480b0adc4a26\">Ein Schwall von Scherben ergoss sich ins Zimmer, ein funkelnder Regen von Glas. Mit ihm st\u00fcrzte Yalomiro vorn\u00fcber aus dem Spiegel heraus, schlug mitten in die Splitter hinein, lag still und steif zwischen dem Spiegelrahmen und dem Frisiertisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"739c94156224c51b74ccc20b5f3a18c0\">Der Rotgewandete kam n\u00e4her. Mit der Schwertspitze durchschnitt er die Fesseln, als handele es sich um Spinnweben. Dann drehte er den bewusstlosen K\u00f6rper mit dem Fu\u00df auf den R\u00fccken und steckte das Schwert wieder weg,<\/p>\n<p data-p-id=\"451e2c204ba8d145fc267c05db28b70d\">\u201eYalomiro!&#8221; Ich sprang auf und eilte hinzu.<\/p>\n<p data-p-id=\"8461dc14e7dad216c504934ad8f5895f\">Sein Gesicht war voller silberblutiger Schrammen, Scherben hingen in seinem zerzausten Bart. Seine Augen waren geschlossen. Ich streckte die Hand nach ihm aus und ber\u00fchrte seine Brust. Er atmete. Aber ein ekliger Geruch str\u00f6mte von ihm aus, wie von fauligem Wasser aus einer Vase, in der ein Blumenstrau\u00df verwelkte und die St\u00e4ngel und Bl\u00e4tter verrotteten. Ich verzog angewidert das Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"59b22e1500c33ac0b8687cab5c7b6f87\">Der Rotgewandete b\u00fcckte sich und begann, seine Goldm\u00fcnzen auf dem Boden aufzusammeln. \u201eWas seinen K\u00f6rper betrifft, sind es nur oberfl\u00e4chliche Wunden, Ujora. Sieh zu, dass du ihm ein wenig Linderung verschaffst. Und wenn das nicht reicht, so h\u00f6rt man, dass in ein paar Stunden eine talentierte junge <em>doayra<\/em> eintreffen wird. Wenn auch das nicht wirkt, werde ich ihn schon wieder zu Bewusstsein bringen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c3410a372e24d711b82f0eb6af87147\">Ein schrilles Kreischen unterbrach ihn. Ich fuhr herum. Die <em>teiranda<\/em> stand, gefolgt von ihren <em>yarlay<\/em> und ihrer Leibwache, in der T\u00fcr und betrachtete die Szene.<\/p>\n<p data-p-id=\"5cdc77746e78cd77445926f421586f2b\">\u201eMein Spiegel!&#8221;, kreischte sie. \u201eMein SPIEGEL!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d6e7e9c0c5a3b76d651b8e29e463a2a6\">Ich h\u00f6rte die verzerrten Stimmen der Ritter, die versuchten, ihre Herrin zu beruhigen. Aber sie wischte ver\u00e4rgert die beschwichtigenden H\u00e4nde beiseite, kam schnellen Schrittes herbei und stieg mitten durch die blutigen Scherben, \u00fcber Yalomiro hinweg. Sie schien weder mich noch den Rotgewandeten zu bemerken und wimmerte.<\/p>\n<p data-p-id=\"0bae79689114e72905c5ffea6a42b7cb\">\u201eMein Spiegel!&#8221;, weinte sie. \u201eMein Spiegel ist entzwei!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dda6e24e650344aa1786d68aacd67c97\">War sie verr\u00fcckt geworden? Auf ihrem Teppich lag ein halbtoter Mann, und alles, was sie interessierte, war ihr dummer Spiegel? Nicht einmal Gor Lucegaths Gegenwart schien sie zur Kenntnis zu nehmen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4449717088115f9e71a934ed7632524e\">Sie sank vor dem Spiegel, der nur noch aus dem altmodischen Rahmen und einer h\u00f6lzernen R\u00fcckwand bestand hin und begann, zu schluchzen. Dass sie sich dabei an den Scherben schnitt, schien sie gar nicht zu bemerken.<\/p>\n<p data-p-id=\"19ec4ebda931304c57ab7f22a49e066c\">Der <em>goala&#8217;ay<\/em> seufzte. \u201eIhr da&#8221;, wandte er sich an die <em>yarlay<\/em>. \u201eBringt den hier und die <em>f\u00e1njula<\/em> zur\u00fcck in ihr Gemach. Stellt keine Fragen. Ich k\u00fcmmere mich um Eure Herrin!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d6cd85b38025a286834c82ff5567eca\">\u201eWas soll nun werden &#8230;&#8221;, wimmerte sie. \u201eDer Spiegel&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e860324f722cbd9ae2813719cb6bda5d\">Ich konnte den Blick nicht von ihr wenden. Vielleicht war er ihre bizarre Reaktion, ihre abgrundtiefe Verzweiflung, die sie urpl\u00f6tzlich so &#8230; ja, so lebendig machte. Lebendiger, als ich sie je zuvor gesehen hatte, wenn ich recht dar\u00fcber nachdachte.<\/p>\n<p data-p-id=\"4ce795fbca3688c951cda48abfa8c2da\">Ich lie\u00df die Ritter heran. Andri\u00e9r Altabete und J\u00f3ndere Mor\u00e9aval wirkten verwirrt, aber sie h\u00fcteten sich, Gor Lucegaths Befehl zu ignorieren. Daap Grootplen z\u00f6gerte einen Moment. Vielleicht erkannte er Yalomiro wieder. Dann fassten die M\u00e4nner den Ohnm\u00e4chtigen bei den Armen und F\u00fc\u00dfen und schleppten ihn aus dem Zimmer.<\/p>\n<p data-p-id=\"b2baefa3e8fa586af32c292d22b9faf3\">Ich warf einen letzten Blick auf den Magier, der neben der <em>teiranda<\/em> niederkniete und ihr die Hand auf die Wange legte, eine eigenartig tr\u00f6stende Geste. Verst\u00f6rend behutsam wischte er eine Tr\u00e4ne fort.<\/p>\n<p data-p-id=\"b389aaefec5b27a04ffbd599bfb54bfa\">\u201eEs ist gut&#8221;, sagte er sanft. \u201eIch kann ihn reparieren. Sp\u00e4ter, Majest\u00e4t. Ich mache alles wieder heil.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d3c1306d4ccd4c753a32d3e33d7502b4\">\u201eVersprecht Ihr das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a51c257c5693d7d084b36ff13476a9e9\">Er zupfte sacht eine Scherbe fort, die in ihrer Hand stak. Ich sah, wie er die Wunde heilte. \u201eHabe ich Euch je einen Wusch verweigert, Herrin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fa76960e972baa69dd6092810bcd4da2\">Wie er zu ihr redete! Nachsichtig, wie zu einem Kind, das \u00fcber ein zerbrochenes Spielzeug in Aufruhr geriet. Das war grotesk und verst\u00f6rte mich.<\/p>\n<p data-p-id=\"73815a3777c78e3b38a92a5419c19eab\">\u201eGeh, Ujora&#8221;, gebot er, ohne mich anzuschauen, die <em>teiranda<\/em> in seinen Armen. Sie hielt ihn umschlungen und zuckte vor hysterischen Tr\u00e4nen. \u201eDas hier geht dich nichts an.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a470f3aa5c442f395a0676377337e330\">Ich besann mich und eilte den Rittern hinterher, bevor ich den Anschluss verlor. Meinen Faden hatte ich an Meister Gor verloren.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2119","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2119","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2119"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2119\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3888,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2119\/revisions\/3888"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2119"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2119"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2119"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}