{"id":2115,"date":"2025-08-24T22:22:42","date_gmt":"2025-08-24T20:22:42","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2115"},"modified":"2025-09-01T09:53:36","modified_gmt":"2025-09-01T07:53:36","slug":"049-varianten-von-weltenspielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/049-varianten-von-weltenspielen\/","title":{"rendered":"049: Varianten von Weltenspielen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"eb64d293ea83a1d45a5a9e77ca75af3a\">\u201eEr wirkt gar nicht so gef\u00e4hrlich&#8221;, sagte Isan. Sie hatte mit der Zeit wieder begonnen, zu plappern. \u201eAber das ist bei schlafenden Hunden ganz genauso. Gut, dass er besinnungslos ist. M\u00f6gen die M\u00e4chte verh\u00fcten, dass er aufwacht, solange ich hier im Raum bin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9681981d6ebf573ea2e6cf0045a3d02\">\u201eSelbst wenn er bei Bewusstsein w\u00e4re&#8221;, erwiderte ich, \u201ew\u00fcrde er dir nichts antun. Was muss passieren, damit du das endlich glaubst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5014efde86544f37877d9bb1bdafd768\">Sie antwortete mir nicht. Zwischenzeitlich war Andri\u00e9r Altabete samt zwei Knechten aufgetaucht, die Seife, mehrere Eimer hei\u00dfes Wasser, die bestellten T\u00fccher und den desinfizierenden Essig mitgebracht hatten. Isan hatte die M\u00e4nner dankend wieder fortgescheucht und damit fortgefahren, den reglosen Magier zu versorgen. Ich staunte \u00fcber den Ernst und die Routine, die sie dabei an den Tag legte. Es war fast, als sei sie voller Ernst in die Rolle der alten, besonnenen Verta geschl\u00fcpft. Ich glaubte nicht, dass ein gleichaltriges M\u00e4dchen in meiner Welt all das gekonnt h\u00e4tte. Das Seifenwasser und wusch den absto\u00dfenden Geruch, fort duftete selbst aber kaum, ganz im Gegensatz zu Isans aromatischer Kr\u00e4utersalbe. Wie konnte das sein? Brachte Isan etwas Lebendiges, von Gor Lucegaths Magie <em>Unber\u00fchrtes <\/em>in dieses Zimmer?<\/p>\n<p data-p-id=\"d1e586b8a9f14689dcd2354521b78c32\">Nachdem Ar\u00e1ma\u00fa aus heiterem Himmel aufgesprungen und weggerannt war, hatte ich endlich gewagt, nach Yalomiros Hand zu greifen. Seine Finger waren kalt und kraftlos. Trotzdem tat es gut, ihn zu ber\u00fchren und festzuhalten. Fast, und irgendwie wusste ich, dass das nicht fair war, war ich erleichtert, dass die Schattens\u00e4ngerin uns f\u00fcr den Moment allein gelassen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a241f90b167cca1773848be445c6861e\">\u201eDanke&#8221;, sagte ich.<\/p>\n<p data-p-id=\"ff3463a878bd8aa84c3ab7284f2cf22e\">\u201eWof\u00fcr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9ac0fbdec99137277bafa320c77ec150\">\u201eIch wei\u00df, wie sehr ihr alle euch vor Schattens\u00e4ngern f\u00fcrchtet. Du hilfst ihm.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f5f219086d4a6a0ab3435c4aa7883cb7\">\u201eEr braucht ja offensichtlich Hilfe. Ich w\u00e4re eine schlechte <em>doayra<\/em>, wenn ich selbst zu bestimmen h\u00e4tte, wer Hilfe verdient und wer nicht. Aber es ist ein Wunder, dass er \u00fcberhaupt atmet. Seine Lebenskraft scheint v\u00f6llig aus dem Gleichgewicht zu sein. Wie lange hat er durchgehalten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3dd0a52f2b877628459b1f0f76842298\">\u201eDreizehn Tage.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c500d40e4d42710c9dcd535956d83b7f\">Sie blickte auf. \u201eDas ist mehr, als ich mit Herrn Wa\u00fdreth hierher gebraucht habe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a27246d3e19d892ecc7aef87392673e\">\u201eIch glaube, Zeit funktioniert hier anders als in Valvivant. Sie <em>verschwimmt<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"955c4094ea730cb8a940682c4963f35a\">Sie wrang ihr Tuch aus und tupfte dann konzentriert an Yalomiros Arm herum. \u201eEs w\u00e4re langsam an der Zeit, dass du mir sagst, wer du bist, und wo du herkommst. In welchem <em>yarlm\u00e1lon<\/em> wirst du vermisst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c120028b1516da0867925ca671b77bdc\">\u201eIn gar keinem. Es ist kompliziert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0ce5d74282ed9d7d902de387ec06672a\">\u201eSag es einfach.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f1369bb6579068b90c3fd1b36210a79f\">\u201eIch komme aus einer anderen Welt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a7c2c2f855848758b9e98c324bc9c843\">\u201eAch so.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d1775f968ae97cfe8e221d7bcbeb0a1b\">\u201eIch sage doch, du glaubst es mir nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5a83afb3a4bdb69d6296bc835d2e681a\">\u201eNat\u00fcrlich glaube ich dir. Nur so ergibt alles Sinn. Ich habe mir gleich gedacht, so unbedarft, wie du in Valvivant aufgetreten bist, kann doch selbst jemand mit einem akuten Ged\u00e4chtnisschwund nicht sein. Gut, man kann vergessen, wer man ist und wo man herkommt \u2013 aber doch nicht, in welcher Reihenfolge man sich ein Gewand anzieht. Oder dass die M\u00e4chte uns den <em>h\u00fdardor<\/em> zeigen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ddfe34db62122449a673e977e7ef18ff\">\u201eIch hatte zum ersten Mal ein solches Kleid am K\u00f6rper.&#8221; Ich wollte mich noch weiter rechtfertigen, stutzte aber. \u201eDu wunderst dich gar nicht, dass es eine andere Welt <em>gibt<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d4884f68d5c35ca0bcc5777d847b73f6\">\u201eNein. Die M\u00e4chte sind so alt und unermesslich, da w\u00e4re es doch \u00fcberaus seltsam, wenn es nur dieses eine Weltenspiel g\u00e4be.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"911e3c641afc6335ab9e1faa514d0537\">\u201eIch war ziemlich \u00fcberrascht, als ich pl\u00f6tzlich hier war &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"152532b3e8cdeaccbe9afe21f3c92d6b\">Sie tr\u00e4nkte ihren Lappen erneut in Seifenwasser. \u201eEs ist ganz einfach&#8221;, sagte sie. \u201eWenn die Leute sich im Winter und an langen Regentagen die Zeit vertreiben wollen, spielen sie schlie\u00dflich auch. Da gibt es Spiele mit W\u00fcrfeln, mit Karten, mit Figuren und Brettern. Jedes hat seine eigene Schatulle. Ordnung muss schlie\u00dflich sein. Aber trotzdem mag es zuweilen vorkommen, dass in der Eile oder Unachtsamkeit ein W\u00fcrfel oder ein Spielstein in die falsche Schachtel ger\u00e4t.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ba084d565b7a38a59bc1741eef5040f9\">\u201eDas klingt einleuchtend&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d1baa8ed69d140dd2a3987aca3bba2ba\">\u201eEs hei\u00dft&#8221;, plauderte sie weiter, \u201edass der Oberste der ruhmreichen Regenbogenritter einst auch aus einer anderen Welt gekommen sein soll. Patagh\u00edu soll ihn gesandt haben, als die <em>faji\u00e1e<\/em> [Feen] in gro\u00dfer Not waren. Wenn dem so ist, w\u00e4rest du bei weitem nicht die erste, die es in die falsche Schachtel verschlagen hat. Wichtig ist nur, dass am Ende alles wieder an seinen Platz kommt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"520976894cc237a656022d496dcccb44\">Ich starrte sie verbl\u00fcfft an. Sollte ich tats\u00e4chlich nicht die einzige Person sein, die sich in eine andere Wirklichkeit verirrt hatte? Oder veralberte sie mich gerade?<\/p>\n<p data-p-id=\"cc7ac0a5db10fbcd75ed6f4453ed9546\">\u201eIsan &#8230; ich wei\u00df nicht, wie ich dich das fragen soll. Aber da, wo ich herkomme, scheint das &#8230; Weltenspiel anders zu funktionieren als hier. Was hat es mit den M\u00e4chten auf sich, von denen ihr immer redet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a89bb17ac787db415451759e5be07071\">Sie blickte irritiert auf. \u201eWie meinst du das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7bbc2761d60180609a2248a04d8eaa7f\">\u201eYalomiro sagt, er verehrt eine Macht namens Nokt\u00e1ma. Den Namen Patagh\u00edu habe ich jetzt auch schon mehrfach geh\u00f6rt. Soweit ich es verstehe, ist das eine Macht der Regenbogenritter. Und &#8230;&#8221; Mir wurde klar, dass es nichts bringen w\u00fcrde, nun eine theologische Diskussion anzusto\u00dfen. Vielleicht gab es hier lediglich ein Problem mit der Begrifflichkeit.<\/p>\n<p data-p-id=\"eb2b32cf9348ff9826d4e81501508ba4\">\u201eWas hat es mit diesem Weltenspiel auf sich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"44f0a0d0af32d389aed3ea64d7ae9523\">\u201eOh weh. Gibt es hier in der Burg nicht <em>forscoray<\/em> [Gelehrte], die dir das erkl\u00e4ren k\u00f6nnten? Davon verstehe ich nicht viel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d50542a6d0234e27a6fc0fbd7907ab58\">\u201eMir reicht das, was du dar\u00fcber wei\u00dft.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83889f410f88fbd69a02d5ae37ffa550\">Isan wrang ein Tuch aus. Das Wasser im dritten Eimer war beinahe sauber. Dank Isan waren fast alle alten Wunden ges\u00e4ubert.<\/p>\n<p data-p-id=\"b09a8998d31edb780583714b17e10688\">\u201eAlso: Patagh\u00edu, Nokt\u00e1ma und das <em>Licht <\/em>wirken auf unbegreifliche Weise zusammen, damit das Weltenspiel in Bewegung bleibt. Damit die Dinge ihren Lauf gehen. Damit es Sommer und Winter gibt zum Beispiel. Damit die Pflanzen wachsen und die Menschen leben und so.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d6b1319b4c918f0fb0260a3354c89345\">\u201eUnd wer gewinnt am Ende?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"62f0bb986bd54daa03ae242f32b7bdc6\">\u201eAm Ende?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ef9e5b80581024972ae4b8e3580cf30b\">\u201eMuss es bei einem Spiel nicht immer einen Gewinner geben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"81ea11ce1e7a4599cfc1e3aac9771673\">Isan lachte und klang dabei unvermittelt unbehaglich. \u201eOh nein! Sobald es einen Gewinner g\u00e4be, w\u00e4re das Spiel vorbei! Dann w\u00e4re es aus mit Sommer und Winter und Pflanzen und Menschen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b292c92f3a800b4b969a8d83a057a192\">Ich dachte nach. Dieses Konzept erschien mir eine Spur <em>zu einfach<\/em> zu sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"ecf6806051c56df3e621d50c4a5f3689\">\u201eUnd wenn die M\u00e4chte beginnen, sich zu langweilen?&#8221;, fragte ich. \u201eWenn sie einfach nicht weiterspielen? Wenn einer beginnt, zu mogeln, oder &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3f4d8488065cc680105bce987241882e\">\u201eDie M\u00e4chte mogeln nicht! H\u00f6r auf, so l\u00e4sterlich zu reden!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b36178f3fee9d22cd9392452d70f963\">\u201eAber Spielverderber gibt es doch immer!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f1b2ffc5fbeea6c6275ae58076b588f4\">\u201eDu solltest besser mit <em>forscoray<\/em> reden&#8221;, unterbrach sie mich. \u201eAn so etwas wagt kein gescheiter Mensch zu denken. Jetzt bin ich an der Reihe. Wie ist es in deiner Welt? Hast du dort einen <em>h\u00fdardor<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b2f75e16ee18da73e8ee544b6c75ddd1\">\u201eNein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d8ee31ab564226fafff63eedc329f89\">\u201eWarum denn nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c9e611f2aa5d5794d43fbaeacb8bff2e\">\u201eInteressierst du dich eigentlich auch f\u00fcr etwas anderes als f\u00fcr M\u00e4nner?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73d6170769cd854789b892e937c1f5cf\">\u201eDoch, f\u00fcr Geschmeide, Konfekt und Turniere. Aber das haben wir gerade alles nicht hier. Daf\u00fcr haben wir hier noch eine Weile zu tun, bis seine Wunden versorgt sind. Wer wei\u00df, wann wir wieder unbehelligt miteinander reden k\u00f6nnen. Also: Wer bist du \u2013 in deiner Welt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"32258921cef75a9005b127ccc350afc0\"><em>Nicht.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"5a87ce5212eda0dbfbe37b1bd5f7979a\">Ich zuckte zusammen. Unter meinen Fingern hatte ich etwas gesp\u00fcrt, kurz und heftig, etwa so wie eine winzige elektrische Entladung an einem Wolltuch. Und ich hatte ihn <em>geh\u00f6rt<\/em>. Ein Hauch, aber ein vertrautes Wispern in meinem Kopf. Mein Herz klopfte schneller. Kam er zu sich?<\/p>\n<p data-p-id=\"4b58deeac8cbb50e075749b98e3e0a25\">\u201eIch darf es dir nicht sagen. Nicht jetzt. Es w\u00e4re nicht gut.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15933d9fb3f7ae35cc3a87c55f81f00e\">\u201eDas ist gemein&#8221;, murrte sie. \u201eNie sagt mir jemand, was los ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"438c801b562fb17a1f4a7c26eae7340e\">\u201eIch erz\u00e4hle dir alles, wenn das hier durchgestanden ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7922d04bbe5b1ef9393e5b07b962d30d\">\u201eDann erfahre ich es nie. Herr Wa\u00fdreth will nicht l\u00e4nger als diese eine Nacht hierbleiben.&#8221; Sie dachte einen Augenblick nach und meinte dann beil\u00e4ufig: \u201eVielleicht k\u00f6nntest du mit uns kommen? Oder bist du hier gefangen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9217447e26ae3894925bfcc2ade9c51a\">\u201eIch wei\u00df nicht recht. Nein, ich glaube nicht, dass ich <em>gefangen <\/em>bin. Aber ich kann hier nicht weg. Ich darf ihn hier allein lassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5fa877df10da6f181714a5d638bc0ecd\">\u201eIch kann nicht sagen, wie lange er auf dieser Seite der Tr\u00e4ume bleibt. Vielleicht ist es bald vorbei. Die kleinen Wunden sind nicht so schlimm, doch wenn sein Herz nicht bald kr\u00e4ftiger schl\u00e4gt, wird er nicht mehr aufwachen. Er hat viel Blut verloren. Es ist nicht gut, wenn der Rest durch seine Adern tr\u00f6pfelt wie ein Rinnsal in einem Feldwassergraben im Sommer, das die Wurzeln nicht mehr erreicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f7b002b4222476d2472f58f3e5a5e148\">\u201eKannst du etwas dagegen unternehmen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b249168e726d2f4f827fc4a03cce6dd\">\u201eIch versuche es ja! Aber wie konnte es so weit kommen? Ich hatte gedacht, die Schwarzm\u00e4ntel seien unbezwingbar.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2f1a21e463d41e5cd072a9ab1bc36ba6\">\u201eWas h\u00e4tte er denn machen sollen?&#8221;, brach es aus mir heraus. \u201eEr hatte keine Chance. Gor Lucegath hat ihm das angetan. &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"2f14c70325665b8bf2722c230cdbdc64\">\u201eAber du wei\u00dft schon, dass die Rotgewandeten <em>Furcht<\/em> vor den Schwarzgewandeten haben, nicht wahr?&#8221;, fragte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"d26c3b5550f0c174301830948e438b55\">\u201eWie bitte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b91192f9dc3c68ad23b8a6a89bf5499e\">\u201eVerta hat es mir erz\u00e4hlt. \u00d6fter, als es mich interessiert hat. Sie hatte viele grausige Geschichten \u00fcber die Chaoskriege und all die alten Geschehnisse. Verta sagt, es muss ein Gemetzel gewesen sein, das das Gleichgewicht zwischen den Magiern durcheinandergebracht hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6ec40f546bd9b8928136c7df7f8720ff\">Das Gleichgewicht hatte Yalomiro erw\u00e4hnt, als er mir von den Kriegen erz\u00e4hlte. Dennoch war ich skeptisch, dass die Schattens\u00e4nger die Oberhand gehabt haben sollten. \u201eDas kann ich nicht glauben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b182c28b5739bca8e368717410a5d05c\">\u201eDann glaube es eben nicht. Ich sage nur, was ich gelernt habe. Wenn er gewollt h\u00e4tte, h\u00e4tte er den Lichtw\u00e4chter sicher get\u00f6tet. Bist du freiwillig mit ihm gegangen? Oder hat er dich an sich gebannt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0f266f34324a6d6b830fde2de4ae3c70\">\u201eWas? Nein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c1d38bbce2c5124225a27c3bb4410ce4\">\u201eWie ist es m\u00f6glich, dass du nicht zu Schaden gekommen bist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b7f9decf4e2ecf81926899bfcdd64799\">\u201eIsan, h\u00f6r endlich mit den <em>Schauergeschichten <\/em>auf! Dieser Magier hier ist kein monstr\u00f6ser Unhold! Er gibt mir etwas, was ich mein ganzes Leben noch bei keinem anderen Mann gesp\u00fcrt habe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e89bab580630b1f4b07a73743de1ee91\">\u201eAlles verzehrende Begierde?&#8221;, fragte Isan. In ihren Augen flammte Sensationslust auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"b0b4430f5cd3589b23c56a98879e6769\">\u201eNein. <em>Geborgenheit<\/em>. &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"a9652af2399a12a6b05ffffd5e190122\">\u201eOh.&#8221; Sie err\u00f6tete, als h\u00e4tte ich sie bei einer peinlichen Bemerkung ertappt. \u201eDann bist du <em>verliebt<\/em> in ihn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"db6ab76e601f9c4d579ebcc7fbc0c2a6\">Verliebt &#8230; nein. Das klang so harmlos, so banal. Wie die naive Schw\u00e4rmerei eines unreifen Teenagers. Wie etwas, womit ich mich in meinem alten Leben so l\u00e4cherlich gemacht hatte. In dieser Welt war das anders.<\/p>\n<p data-p-id=\"a0d5b3cdef7a1208f89b3df83143d2aa\">\u201eNein, Isan. Ich glaube, er ist mein <em>h\u00fdardor<\/em>. Nokt\u00e1ma hat mir <em>hier <\/em>meinen <em>h\u00fdardor<\/em> gezeigt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7d7c227cf9e3bc3da7999f39b6107eae\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"3b6677923eb97a8d0e00f2a17f8438c1\">Ar\u00e1ma\u00fa h\u00e4tte es nicht ertragen, bei den unverst\u00e4ndigen Unkundigen zu bleiben, nachdem sie <em>begriffen<\/em> hatte, was mit Yalomiro geschehen war. Der Rotgewandete hatte offensichtlich nicht nur sein Vergn\u00fcgen daran gehabt, ihn bis an den Rand der Tr\u00e4ume zu qu\u00e4len. Gor Lucegath hatte ihn <em>markiert<\/em>, ihn mit seinem abscheulichen Schwert als seine Beute gekennzeichnet. Ein Anspruch, den keine Macht, keine Magie jemals w\u00fcrde aufheben konnte. Selbst der Rotgewandete selbst w\u00fcrde es nicht zur\u00fccknehmen k\u00f6nnen. Das \u00e4nderte so viel, machte alles so kompliziert.<\/p>\n<p data-p-id=\"2ceafd291e7cfe79ab7ddd977eb1a906\">Die Schattens\u00e4ngerin schlich unruhig \u00fcber die Flure und versuchte, ihre jagenden Gedanken zu sammeln. Sie ertrug es ebenso wenig, dass die beiden unkundigen <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> mit ungeschulten Mitteln an ihm herumpfuschten. Sicher, sie taten es in bester Absicht, das musste man ihnen zugestehen. Vielleicht w\u00fcrden sie es sogar fertigbringen, ein wenig Flickwerk auszuf\u00fchren.<\/p>\n<p data-p-id=\"e75332b5bff29cf5058a6c43db1c139d\"><em>Wenn ich nur in meinen Menschenk\u00f6rper zur\u00fcckk\u00f6nnte,<\/em> dachte sie. <em>Es w\u00e4re so leicht, wenn ich nur einmal noch zaubern k\u00f6nnte&#8230; nur ein wenig Magie in ihn hinein singen. Seine <\/em>maghiscal<em> neu anfachen. Ihn zur <\/em>Vernunft <em>bringen. Oh, Nokt\u00e1ma, was soll ich nur tun?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"7e1b3a85291899df8ba14bad2eef1f81\">Ar\u00e1ma\u00fa sch\u00e4mte und verfluchte sich zugleich. Der Vorwurf der <em>ujora<\/em>, die um die F\u00e4higkeit der <em>camata&#8217;ay<\/em> wusste, zu heilen und Energie zu teilen, lastete schwer auf ihr.<\/p>\n<p data-p-id=\"ccc617159cf4e04715522fc52594b16b\">Aber was wusste die Unkundige schon? Sie war nicht dabei gewesen, als Gor Lucegath die Schattens\u00e4nger aus Valvivant, aus der Halle des <em>teirand<\/em> nach Pianmur\u00ect gezerrt hatte, wie Fische in einem Netz aus unbegreiflicher, aus unm\u00f6glicher, aus geradezu <em>pervertierter<\/em> Magie. Die Unkundige hatte nicht nicht zusehen m\u00fcssen, wie der Rotgewandete die m\u00e4chtigsten Meister, die st\u00e4rksten Sch\u00fcler get\u00f6tet und dabei so achtlos ihre Geheimnisse erbeutet hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"283203e77122c824f81e22e25cd3e0e6\">Ar\u00e1ma\u00fa steckte in einem Dilemma. Vielleicht <em>k\u00f6nnte <\/em>es ihr gelingen, Yalomiros Magie wieder zu entfachen. Aber dazu musste sie den Katzenk\u00f6rper verlassen. Keinen Lidschlag sp\u00e4ter w\u00fcrde Gor Lucegath sie packen und ausl\u00f6schen. Es w\u00e4re kein Gewinn damit zu machen. Es war ein zu gro\u00dfes Risiko, solange Yalomiro selbst noch einen Rest eigener Magie in sich hatte, so verfault und verd\u00fcnnt er sein mochte.<\/p>\n<p data-p-id=\"1402fa9aea0fef783ca048b7b2191a75\">Irgendwann war die Katze durch ein Fenster gestiegen und auf dem Mauersims entlang geschlichen, hatte immer wieder Halt gemacht und nachgesonnen. Finstere Gedanken waren es. Schmerzerf\u00fcllte Gedanken. <em>Entt\u00e4uschte<\/em> Gedanken.<\/p>\n<p data-p-id=\"ce8e283aa296017b0074e4611daf9b6b\">Wie sehr hatte sie gehofft und Nokt\u00e1ma angefleht, dass Yalomiro eines Tages wieder zu ihr zur\u00fcckkehren w\u00fcrde. Wie hatte sie sich ausgemalt, wie sie beide zusammen, in einem letzten vereinten Kampf, dem Rotgewandeten alles heimzahlen w\u00fcrden was er, was seinesgleichen den <em>camat&#8217;ay<\/em> angetan hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3e55ae4bd217cea6da06934e0fb091f4\">Sollte all das nun scheitern, wenn die Unkundige Yalomiros Seele <em>vergiftet <\/em>hatte, mit einer Empfindung, die nicht f\u00fcr ihresgleichen bestimmt war? Die ihn sicher um den Verstand bringen w\u00fcrde? Wie bei allen M\u00e4chten hatte diese unselige unkundige Liebe in Yalomiros Schattens\u00e4ngerseele nur eine Stelle finden k\u00f6nnen, um anzuhaften und Wurzeln zu schlagen?<\/p>\n<p data-p-id=\"46bc51abb4b376821ed6a676985cc2d3\">Ar\u00e1ma\u00fa hatte sich an ihrem d\u00fcsteren Zorn berauscht und ausgehalten, Sommer um Winter, w\u00e4hrend die Zeit verstrich und doch <em>Pianmur\u00edt<\/em> nicht erreichte, w\u00e4hrend Wijdlant dahinsiechte. Ar\u00e1ma\u00fa hatte die <em>ujoray<\/em> beobachtet und immer mehr Mitleid mit ihnen gehabt, mit jedem Einzelnen, mit Generationen, die kamen und gingen. Wie mochte es sich anf\u00fchlen, ohne Magie und dem Rotgewandeten ausgeliefert zu sein? Sie hatte K\u00edan\u00e1 von Wijdlants <em>yarlay<\/em>, gestandene, tapfere M\u00e4nner so lange weinen sehen, bis ihre Tr\u00e4nen versiegten und sie zu hoffnungslosen, dumpfen Gesch\u00f6pfen wurden. Alles, was sie am Leben hielt, war ihre Furcht und ihre Sorge um jene, die ihnen etwas bedeuteten. Ein alter Vater, eine junge <em>h\u00fdardora<\/em>, ein kleines Kind.<\/p>\n<p data-p-id=\"505b3b04c18be33bfcaf34117b4a3e98\">Aber war nicht auch das diese schreckliche und unertr\u00e4gliche Liebe? Hatten die Bewohner von Wijdlant sich ihre Seelen gegen das Verderben von Pianmur\u00edt m\u00f6glicherweise erhalten, weil jeder von ihnen irgendjemanden liebte? Weil sie einander in ihrer Zuneigung, in ihren Freundschaften Halt gaben? Ar\u00e1ma\u00fa hatte nie zuvor dar\u00fcber nachgedacht.<\/p>\n<p data-p-id=\"0948837a4017880f8ec686c8c306f275\">Eines Tages war Andri\u00e9r Altabete zur\u00fcckgekehrt, von einer dieser Reisen, die er mit falschen Erinnerungen und in magischen Fesseln unternehmen musste, um den Schein zu wahren. Er hatte etwas mitgebracht von dieser Reise.<\/p>\n<p data-p-id=\"76b5a8543683f3d874d8c23021ae2875\">Hoffnung.<\/p>\n<p data-p-id=\"cba9b65dfdd12ce4757094738414910d\">Er war jemandem begegnet, an den er sich erinnerte, ohne zu wissen, was er mit dieser Begegnung, mit dieser Bekanntschaft anfangen sollte. Hatte Gor Lucegath es bemerkt? Dem Bedeutung beigemessen? Vielleicht toleriert, weil er sich irgendetwas davon versprach? Ar\u00e1ma\u00fa wusste es nicht zu sagen. Aber sie hatte Altabete nicht aus den Augen gelassen, gesp\u00fcrt, wie die Erinnerung sich in seinem Unterbewusstsein festigte, in seiner Verzweiflung zu einer tr\u00fcgerischen Hoffnung mutierte. Ar\u00e1ma\u00fa hatte Mitleid mit ihm gehabt. Wa\u00fdreth Althopian diesen verh\u00e4ngnisvollen Brief zu schreiben, war der H\u00f6hepunkt der dummen Ideen gewesen, den Unkundigen in ihrer Not zu helfen, indem sie in ihr Schicksal eingriff.<\/p>\n<p data-p-id=\"d948ffe63331996f8189d9e5f8f6bbaa\">Es brachte Unheil, sich in die Gesch\u00e4fte der Unkundigen einzumischen. Man brachte sie in Gefahr. Sie brachten einen in Bedr\u00e4ngnis. Bei den M\u00e4chten, wieso hatte Yalomiro sich nur auf die <em>ujora<\/em> eingelassen!<\/p>\n<p data-p-id=\"00c01abfd1943eb62d1e8bd9f6ae9098\">Mit solchen d\u00fcsteren Ideen war die Katze einmal in der H\u00f6he um das Haupthaus herumgegangen und fand sich unversehens am Fenster der <em>teiranda<\/em> wieder. Dort war jemand. Die Schattens\u00e4ngerin hielt den Atem an, schlich samtpf\u00f6tig n\u00e4her, schl\u00fcpfte im Schutz des schweren Wollvorhangs auf die Fensterbank und sp\u00e4hte in das Zimmer.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c2a1c597fea4937c4b17a4adefadb80\">Die <em>teiranda<\/em> stand, der T\u00fcr den R\u00fccken zugekehrt, vor dem Spiegel, der nur noch aus Rahmen und R\u00fcckwand bestand. Sie blickte mit ausdruckslosen Augen gegen das Brett. Sie war unbekleidet. Was mochte sie <em>sehen<\/em> in ihrer Einbildung? Die <em>teiranda<\/em> wirkte so gebrochen und einsam. An wem hielt <em>ihre<\/em> Seele sich fest?<\/p>\n<p data-p-id=\"cb3c59066e47d0189d67298e56dd6051\">Ar\u00e1ma\u00fa z\u00f6gerte. Etwas war so <em>anders <\/em>an der jungen Frau, anders als sonst. Sie f\u00fchlte sich <em>lebendiger <\/em>an, als die Schattens\u00e4ngerin es in all den Sommern und Wintern von ihr gewohnt war. Ob sie sich das n\u00e4her anschauen sollte?<\/p>\n<p data-p-id=\"cb5d4522b8f5c8d3453965639cf1d918\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant wandte sich vom zerschmetterten Spiegel ab und lie\u00df sich davor auf dem Boden nieder. Sie schien nach Tr\u00e4nen zu suchen, aber sie konnte nicht weinen. Ihre H\u00e4nde, mit denen sie die Scherben zusammengeklaubt hatte, waren wieder ganz heil, bis auf eine winzige Narbe an ihrem linken Ringfinger. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant strich nachdenklich mit dem Zeigefinger der rechten Hand dar\u00fcber und starrte unbeweglich vor sich hin.<\/p>\n<p data-p-id=\"da434d9ec54bb141d1880cef0cb92f23\">Die Schattens\u00e4ngerin dachte einen Moment nach. Sich im Gemach der <em>teiranda<\/em> zu verstecken und sie eine Weile zu beobachten, w\u00e4re kein Problem. Vielleicht lie\u00df sich auf diese Weise sogar etwas N\u00fctzliches in Erfahrung bringen. Behutsam stieg die Katze \u00fcber den irdenen Zierrat auf der Fensterbank hinweg in den Raum.<\/p>\n<p data-p-id=\"c1463ea35ec836a36f53a61ef432e241\">Doch noch w\u00e4hrend sie ins Zimmer springen wollte, klopfte es an der T\u00fcr.<\/p>\n<p data-p-id=\"d26ef3c79111728cfe3a638254b446d8\">\u201eKommt herein, Meister&#8221;, rief die <em>teiranda<\/em>, ohne aufzublicken. Offenbar hatte sie ihn erwartet.<\/p>\n<p data-p-id=\"ef99eb9f580fc1eb8a0eb0548949740a\">Ar\u00e1ma\u00fa reagierte geistesgegenw\u00e4rtig und lie\u00df sich kopf\u00fcber in die dickb\u00e4uchige Bodenvase unterhalb des Fensters fallen und kauerte sich zitternd zusammen. An einem schlechteren Ort zur falschesten Zeit zu sein war ihr schon lange nicht passiert. Aber solange sie sich leise verhielt &#8230; aus dem Katzenk\u00f6rper drang keine Magie hervor. Mit etwas Gl\u00fcck und Nokt\u00e1mas F\u00fcrsorge w\u00fcrde er sie nicht bemerken. Hoffentlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"aac603ca29ef96b5d176a99f983aab3b\">Die Vase hatte in ihrem oberen Drittel in dekoratives Lochmuster. Ar\u00e1ma\u00fa linste hindurch.<\/p>\n<p data-p-id=\"b1a2727301a879e1f221446f484ceedb\">Der Lichtw\u00e4chter trat ein. Die <em>teiranda<\/em> schien sich ihrer Nacktheit nicht bewusst zu sein. Gor Lucegath zeigte sich unbeeindruckt davon. Er lie\u00df sich wortlos in ihrem Frisiersessel nieder und wartete.<\/p>\n<p data-p-id=\"9d5366f487840db1f96aa3da021d64d6\">\u201eIst jener gekommen, der f\u00fcr mich bestimmt ist?&#8221;, fragte sie leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"bd9b3743f9f054ebfb90d14603eee9df\">\u201eNein. Noch nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"05b83cffee2cabde5f13e7ed3ad0b6bb\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"190ab58bc7817321aa3bcb2f89e90e93\">\u201eIhr k\u00f6nnt nicht alles haben, was Euch gef\u00e4llt. Hat Euch das niemand gelehrt, als Ihr eine kleine <em>teirandanja<\/em> [~ Prinzessin] wart?&#8221; Der Rotgewandete sprach mit sanfter, nachsichtiger Stimme zu ihr. \u201eManchmal lohnt es sich, zu <em>warten<\/em>. \u00dcberlasst den Mann zun\u00e4chst mir. Ich habe eine wichtige Aufgabe f\u00fcr ihn, die zu Euren Gunsten sein wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ebde30191b353efa857357de6ed858e1\">Ar\u00e1ma\u00fa spitzte die Ohren. Aber er erkl\u00e4rte sich nicht, und die <em>teiranda<\/em> hakte nicht nach.<\/p>\n<p data-p-id=\"e3a5999a73e42e20b5eec7506ed02fe8\">\u201eIch frage mich manchmal&#8221;, sagte sie stattdessen z\u00f6gernd, \u201ewer ich war &#8211; vorher. Bevor Ihr kamt. Ich glaube, ich habe es vergessen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"073ee00f7923913b4e774a078ff8aff8\">\u201eIhr wart einsam. Einsam und erf\u00fcllt von Trauer und Zorn.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f3e8dc3cb7225a8146b5ba7bf1103e4e\">\u201eDas ist wahr. Ihr habt mir Trauer und Schmerz genommen. Aber nun f\u00fchle ich mich so nichtig und schwach. Wie eine hohle Nussschale.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d5b65b301ed2651ce91d96d710e5bb6b\">\u201eHerrin&#8221;, sagte der Rotgewandete geduldig, \u201eIhr seid <em>sch\u00f6n und begehrenswert<\/em>. Ihr seid frei von Kummer und Leid. Bald werdet Ihr sogar einen <em>h\u00fdardor<\/em> haben, und <em>Pianmur\u00edt<\/em> wird sich \u00fcber das Weltenspiel ausbreiten wie eine sch\u00fctzende Decke.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c58be529a36ae100ba30b9a0c21ba86\">\u201eManchmal&#8221;, sagte sie leise, \u201e sind noch Stimmen und Bilder in mir. Ich sehe die Gesichter von Leuten, aber ich finde sie nicht unter meinem Gefolge. Es ist, als wehten die Erinnerungen an mir vorbei, wie Dunst. Ich wei\u00df nicht einmal, wie lange das schon so geht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a622de8e0603e6a00b942eaabc308d60\">\u201eDiese Stimmen und Bilder, die Euch noch qu\u00e4len, werden bald vollends verblassen wie ein b\u00f6ser Traum. Wenn ich am Ziel bin, wird alle Traurigkeit, aller Schmerz enden. Alles wird sein, wie es gut ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6632ef72189e877914ea675ad6460f57\">\u201eVersprecht ihr mir das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6402c7737f95e171fa490956933a62ae\">Der <em>goala&#8217;ay<\/em> seufzte. \u201eIch sollte wohl schleunigst diesen Spiegel reparieren&#8221;, meinte er dann und erhob sich. Ar\u00e1ma\u00fa schauderte. Sie sp\u00fcrte, wie der Rotgewandete seinen Blick auf die Vase richtete. Es war ein schreckliches Gef\u00fchl.<\/p>\n<p data-p-id=\"d10d548af9b4ab7dd24a553eb40b8fad\">\u201eIhr werdet Euch verk\u00fchlen, wenn Ihr unbekleidet in der Nachtk\u00e4lte sitzt&#8221;, sprach er sanft zu ihr. \u201eIhr solltet Euch zumindest ein Nachtgewand \u00fcberwerfen, findet Ihr nicht auch?<\/p>\n<p data-p-id=\"a246d0f7dcaa5cd4af552c78e556acc2\"><em>Nokt\u00e1ma, g\u00fctige Mutter der Dunkelheit, bitte lass ihn nicht in diese Vase schauen<\/em>, flehte die Katze wortlos.<\/p>\n<p data-p-id=\"6c6c8da8da7574543eb5bc63028de750\">Dann h\u00f6rte sie, wie Gor Lucegath sich n\u00e4herte, zum Fenster hin\u00fcber kam. Einen Augenblick lang verharrte er dort.<\/p>\n<p data-p-id=\"ed12777d8d83db4ebebeb913dd96cf29\">Ar\u00e1ma\u00fa schloss die Augen. Ihr Fell str\u00e4ubte sich. Sie wollte fliehen, aber sie zwang sich dagegen an.<\/p>\n<p data-p-id=\"c7b02286480d6b2ab86da10886bdea10\">Er zog den Vorhang beiseite, schob den h\u00f6lzernen Laden zu, den Riegel vor und den Stoff wieder dar\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"733a348e5d7aabbf8260b9bc68f129a3\">\u201eGute Nacht, Herrin.<em> Il ay&#8217;ra.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"9c8d2c7e3fc59ac41ff5589f801bad7e\">Es wurde finsterer im Zimmer. Offenbar hatte er die Lichter am Tisch gel\u00f6scht. Ar\u00e1ma\u00fa h\u00f6rte, wie er sich entfernte. Die T\u00fcr schloss sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"0eedbee7cf3c5c9271fa67abcc4dfe2d\">Eingesperrt! Bei der <em>teiranda<\/em>! Ar\u00e1ma\u00fa verbiss sich einen Fluch und schaute aus der Vase heraus.<\/p>\n<p data-p-id=\"6a18a33968558d7c1225fed105652c88\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant sa\u00df im Finsteren immer noch am Boden vor dem leeren Spiegel. Ihr ersch\u00f6pftes, gramvolles Gesicht war ausdruckslos.<\/p>\n<p data-p-id=\"9a9d2c1d10fa05feb1e9eeb3347fc10f\">Dann stand sie auf und tappte, wie bed\u00e4mmert, hin\u00fcber in ihren Schlafbereich. Als sie an dem zugeklappten Bild an der Wand vorbeiging, z\u00f6gerte sie. Kurz hob sie die Hand und lie\u00df sie wieder sinken. Dann l\u00f6schte sie ihre Nachtlaterne und schl\u00fcpfte unter ihre Decke.<\/p>\n<p data-p-id=\"af8c32de8d682d34c3ed893c841c620d\">Ar\u00e1ma\u00fa wartete noch, bis sie sicher war, dass die junge Frau schlief. Dann kletterte sie aus ihrem Versteck heraus und schaute sehns\u00fcchtig zur T\u00fcr auf, die sie in dieser Gestalt nicht \u00f6ffnen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"bcfa228d9fa2299a2f6d1839605d6452\">Die Schattens\u00e4ngerin versetzte der Vase einen w\u00fctenden Tatzenhieb, rollte sich zusammen und wartete auf die Zofen, die ihre Gebieterin am Morgen wecken w\u00fcrden.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2115","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2115","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2115"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2115\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3892,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2115\/revisions\/3892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}