{"id":2099,"date":"2025-08-24T22:01:11","date_gmt":"2025-08-24T20:01:11","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2099"},"modified":"2025-09-01T09:46:46","modified_gmt":"2025-09-01T07:46:46","slug":"035-kianas-burgfuehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/035-kianas-burgfuehrung\/","title":{"rendered":"035: K\u00edan\u00e1s Burgf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"125d3b66612fc99a0e05db7a7b9ea345\">Sie zeigte mir alles. Wirklich <em>alles<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"95d844ca01a3abaf9fe4d3dcb0c62fee\">Ich hatte in meinem Leben oft Menschen kennengelernt, die sich \u00fcber ihre Lieblingsthemen in Begeisterung reden und ohne Unterlass dar\u00fcber dozieren konnten. Von einigen hatte ich dabei sogar wissenswerte Dinge gelernt. Aber der Mehrheit war es ganz egal, ob ihre Gespr\u00e4chspartner ihnen Geh\u00f6r schenkten, folgen konnten oder sich auch nur daf\u00fcr interessierten. Sie h\u00f6rten sich gern selbst reden.<\/p>\n<p data-p-id=\"2b89f01faa6b8263480464be4f7a41a8\">Die <em>teiranda<\/em> setzte dem noch eines hinzu: Sie redete in einer Art und Weise von Sachen, die nur sie selbst wahrzunehmen schien. Je l\u00e4nger ich ihr zuh\u00f6rte, desto klarer wurde mir, dass sie offensichtlich in der Vorstellung lebte, einen pr\u00e4chtigen Palast zu bewohnen, umgeben von Luxus und Glanz.<\/p>\n<p data-p-id=\"046c135137ee4b6b49436ddb0f0904d4\">Redete sie sich all das ein? Oder hatte sie es tats\u00e4chlich vor ihren Augen?<\/p>\n<p data-p-id=\"0e610c0f062fd20ea5e3f42c6b46ecd8\">Ich konnte nicht mehr tun, als ihr bei der F\u00fchrung durch ihre Burg nachzulaufen, zuzuh\u00f6ren und ab und zu zu nicken. Ich tat das alles in der vagen Hoffnung, Hinweise zu bekommen, die mir dabei helfen w\u00fcrden, Yalomiro zu befreien, solange die Chance dazu bestand. Doch da gab es nicht viel, was als Ansatz brauchbar war.<\/p>\n<p data-p-id=\"d9172ef763c0416cd897bc12ae369478\">Sie f\u00fchrte mich in einen Stall, in dem Pferde untergebracht waren, die laut ihren Worten zu den edelsten Tieren geh\u00f6rten, die dieser Teil der Welt zu bieten hatte. Die R\u00f6sser ihrer <em>yarlay<\/em>, betonte sie, stammten alle aus den Herden der Herren von Althopian. Und ihres \u2013 sie t\u00e4tschelte einem apathisch glotzenden Grauschimmel den Hals \u2013 war nat\u00fcrlich das Sch\u00f6nste von allen.<\/p>\n<p data-p-id=\"dc05e7adf9c1de250f8b584822eab1c2\">Ich war mir sicher, dem <em>yarl<\/em> h\u00e4tte es das Herz gebrochen, die m\u00fcden, teilnahmslosen Tiere zu sehen, die mit stumpfem Fell und glanzlosen Augen hier standen. Sie zuckten kaum mit den Ohren oder schlugen mit dem Schweif, um die tr\u00e4gen Fliegen zu vertreiben. Was f\u00fcr ein Unterschied zu den gepflegten, sch\u00f6nen Pferden, die ich in Valvivant gesehen hatte!<\/p>\n<p data-p-id=\"50ad47e6e808a64d0607cafd7a93d847\">Ich hielt einem Schecken meine Hand hin, um seine Nase zu streicheln, aber ich glaube, das Tier h\u00e4tte sie nicht bemerkt, selbst wenn ich ihm damit vor den Augen herum gewedelt h\u00e4tte. Ein einziges Pferd machte einen ganz normalen, lebhaften Eindruck und stach daher unter ihnen allen hervor. Aufgrund des fuchsroten Fells glaubte ich, Gor Lucegaths Reittier wiederzuerkennen. Ich schauderte und hatte zugleich Mitleid mit dem Tier.<\/p>\n<p data-p-id=\"a62962dc218e41193dc0616daa88fd93\">Dann ihr Garten, auf den sie besonders stolz zu sein schien. Ja, es wuchs etwas in den Beeten und es gab auch die Rosen, von denen sie geredet hatte. Aber alles sah verstaubt und vertrocknet aus, Pflanzen, die gerade so eben noch schafften, nicht zu verwelken. Es erinnerte mich an den Zustand der Vegetation unmittelbar au\u00dferhalb des Boscarg\u00e9n.<\/p>\n<p data-p-id=\"00ef302c46d4413e219240954e446e6e\">In der K\u00fcche war eine un\u00fcbersichtliche Schar von Leuten damit besch\u00e4ftigt, \u00fcber offenen Feuerstellen eine Mahlzeit vorzubereiten. \u00dcberall dampfte, prasselte und brodelte es. Aber ich konnte nicht erkennen, ob das K\u00fcchenpersonal gerade buk, briet oder kochte. Am Ende schien alles im selben Kessel zu landen, was ringsum gewaschen, geschnitten und geputzt wurde. Ich konnte nicht einmal irgendeinen K\u00fcchendunst riechen. Was f\u00fcr ein Unterschied zu Valvivant!<\/p>\n<p data-p-id=\"43ec4c6efc35e716edd04b677902e7f4\">Vielleicht h\u00e4tte die Burg, die immerhin tats\u00e4chlich ein eindrucksvolles Gem\u00e4uer mit einem von einem Bach gespeisten Graben ringsum war (ein Schwarm Enten und ein paar schmutzig wei\u00dfe Schw\u00e4ne d\u00fcmpelten darin), bei Sonnenschein etwas einladender gewirkt. Aber der Himmel war von diesem unwirklichen, reglosen Grau. Anfangs hatte ich noch gedacht, es handele sich um Schlechtwetterwolken. Doch je mehr ich hinschaute, desto klarer wurde mir, dass es der Himmel selbst war, der sich so ungesund verf\u00e4rbt hatte und alles in ein tr\u00fcbes Zwielicht tauchte.<\/p>\n<p data-p-id=\"d30295708e6085beb9eb978b5b210820\">Wie sp\u00e4t mochte es sein?<\/p>\n<p data-p-id=\"3bff0cefe1f23c079212da34d6b629e2\">W\u00e4hrend all der Zeit bemerkte ich immer wieder, wie <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval betont unauff\u00e4llig hinter uns her schlich. W\u00e4re die Lage nicht so verzweifelt gewesen, h\u00e4tte ich seine offensichtliche Besorgnis um die <em>teiranda<\/em> als beinahe anr\u00fchrend empfunden. Ich bildete mir ein, dass es ihm nicht geheuer war, wie vertraut sie mit jemandem tat, der \u2013 aus seiner Sicht \u2013 h\u00f6chst suspekt sein musste.<\/p>\n<p data-p-id=\"2551bd8030c4f52927ecf24c9b70d175\">Fast war ich erleichtert, als die <em>teiranda<\/em> die F\u00fchrung durch die Au\u00dfenanlage beendete und wir wieder in die Halle gingen. Anders als in Valvivant gab es hier keine gro\u00dfen Fenster mit einem Laubengang an der Seite. Der Saal hatte hohe W\u00e4nde, Tageslicht kam durch Fensterreihen etwa auf H\u00f6he der ersten Geschosse der anliegenden Geb\u00e4udefl\u00fcgel. Etwas unterhalb davon umlief den Raum eine Galerie mit einer kunstvoll geschnitzten Balustrade, von der einige T\u00fcren abzweigten.<\/p>\n<p data-p-id=\"39cf53495a704dc97d4cd3df5891e782\">Anderes als in Valvivant gab es hier kein verst\u00f6rendes Monumentalgem\u00e4lde der Schlacht um Aur\u00f3p\u00e9a. Stattdessen s\u00e4umten die W\u00e4nde verblasste, lebensgro\u00dfe Abbilder von Personen, Ritter und Damen in vornehmen Gew\u00e4ndern. Sie waren jedoch nur schemenhaft zu erkennen, so als l\u00e4ge eine dicke Schicht Staub dar\u00fcber. Oder vielleicht doch eher Nebel beziehungsweise eine Verzerrung, die in jenem Moment einsetzte, in dem ich versuchte, meinen Blick darauf zu fokussieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"61a6e2aabcf7cfa29af26a7a3e404a4b\">\u201eWer sind all diese Leute?&#8221;, fragte ich.<\/p>\n<p data-p-id=\"953823556295962f5c590355fdab2e7b\">\u201eDas sind die <em>teiranday <\/em>von Wijdlant, die von dieser Halle die Geschicke des Hauses gelenkt haben&#8221;, erkl\u00e4rte sie begeistert. \u201eAuf diese Weise sind sie immer unter uns \u2013 zumindest bildlich \u2013 solange hier regiert wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd331d3f0a471a42020e7aa59d93c662\">\u201eDas sind also Eure Vorfahren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0c11ad1c04746935e8d69f7e2613b327\">\u201eDie, die hier gelebt haben, ja. Nat\u00fcrlich sind nicht alle Bilder authentisch, denn die Burg, die hier urspr\u00fcnglich erbaut worden ist, wurde in all der Zeit mehrfach geschliffen und gr\u00f6\u00dfer und pr\u00e4chtiger wieder aufgebaut. Die Bildnisse mussten aus dem Ged\u00e4chtnis nachgemalt werden. Aber die Portr\u00e4ts aus den letzten Generationen wurden von Malern angefertigt, denen die Herren und Damen pers\u00f6nlich Modell gesessen haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"12011568d9ea663b0860355000ddcf2b\">Sie lachte und eilte auf eine Stelle der Wand zu, wo ein Wandteppich von unbestimmter Farbe hing. \u201eHier wird einmal mein Bild sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0fdb4ef435732d0d5b0e8092c1a97715\">\u201eUnd wer ist der Herr hier?&#8221;, fragte ich h\u00f6flich und deutete auf das diffuse Bildnis eines stattlichen Mannes in einer aufw\u00e4ndigen Robe, unmittelbar links neben dem Teppich.<\/p>\n<p data-p-id=\"8eb6a9ee786ac9daa5f47c7110c60ca3\">Ihr Lachen verstummte. Sie schaute auf das Bild und ihr Blick glitt wieder auf diese gespenstische Weise ins Leere.<\/p>\n<p data-p-id=\"80ab124508a088214fc37bce996b69c8\">\u201eMein Vater &#8230;&#8221; fl\u00fcsterte sie dann, kaum dass ich es h\u00f6ren konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"eca345742756c3225f2888742a123d51\">\u201eOh&#8221;, sagte ich, peinlich ber\u00fchrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"578cf705cfc929eb4b795ab00c22946a\">Sie zuckte zusammen, schien sich regelrecht zu sch\u00fctteln, so als k\u00e4me sie wieder zu sich und packte erneut ausgelassen meine Hand. \u201eKomm, Ujora, komm weiter. Es gibt noch so viel zu sehen vor dem Abend. Lass uns das Haupthaus anschauen. Dort ist dein Gemach. Ich will, dass du immer in meiner N\u00e4he bist!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d955bb9551e61d45445266e329361fa5\">Ich hatte keine Wahl. Sie f\u00fchrte mich an dem querstehenden Tisch an der Kopfseite der Halle vorbei, wo auch ein schwerer h\u00f6lzerner Thronsessel, mit langflorigen, str\u00e4hnigen Fellen und zerschlissenen bestickten Kissen ausgelegt, stand. Dahinter war ein schwerer Vorhang, der die T\u00fcren zu weiteren R\u00e4umen abtrennte und zu einem Treppenaufgang. Eine Wendeltreppe f\u00fchrte hinauf zu der Empore und ging dann in gerade Stufen \u00fcber, die zu einem versetzt angebauten Seitentrakt des Geb\u00e4udes f\u00fchrten.<\/p>\n<p data-p-id=\"c037ec27029d415f1257b50f6cc17522\">Hier befanden sich also Wohngem\u00e4cher und Gesindestuben. Es hielten sich auch Menschen hier auf, die sich beim Anblick der <em>teiranda<\/em> verneigten, ansonsten aber scheinbar unbeeindruckt ihren Tagesgesch\u00e4ften, was immer sie gerade taten, nachgingen.<\/p>\n<p data-p-id=\"98e3809e8222b6c77e1d420009f6484a\">In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden gab es hier Fenster f\u00fcr Tageslicht, die sich mit dicken Holzl\u00e4den schlie\u00dfen lie\u00dfen. Aus einem schaute ich hinaus, in den Burghof hinab und zuckte \u00fcberrascht zur\u00fcck. Meinem Empfinden nach war den Erdboden von hier aus viel zu weit entfernt. Es war unm\u00f6glich, dass die beiden Treppen in eine derartige H\u00f6he gef\u00fchrt hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"b35da394a4d4bc2658e2d9de389f89dd\">Ich wollte die <em>teiranda <\/em>danach fragen, aber sie war schon wieder bei der n\u00e4chsten Treppe. Hier stand ein W\u00e4chter auf Posten, der beim Anblick seiner Herrin Habachtstellung annahm. Sein Gesicht war verschwommen, wie bei den anderen Bediensteten der <em>teiranda<\/em> auch.<\/p>\n<p data-p-id=\"391002d875fcb254f6754629b1ddbc4d\">Sie k\u00fcmmerte sich nicht um ihn und stieg die Wendeltreppe hoch. Ich eilte ihr nach.<\/p>\n<p data-p-id=\"b931b7fe36b93bfa3e9de24e8cf10d10\">\u201eWarum steht da eine Wache?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbf2c40a06ac68c8e719b934ff95ee70\">\u201eWir kommen jetzt in meine pers\u00f6nlichen R\u00e4ume. Hier oben haben nur ich und meine Kammerm\u00e4gde, die <em>yarlay<\/em> und ein Teil des Gesindes Zutritt, das hier zu arbeiten hat. Es darf niemand ohne Erlaubnis auf diese Etage. Das gilt f\u00fcr dich nat\u00fcrlich nicht, Ujora.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"332e06d992a03baf126d8a8cc10d16b8\">\u201eKommen denn oft Unbefugte her?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15be2be774836a310a6ac90fed8f1423\">Sie blieb mitten auf der Treppe stehen, starrte verwirrt geradeaus und z\u00f6gerte erneut.<\/p>\n<p data-p-id=\"f93310640ca29e57307ef7c433003af3\">Bemerkenswert. Offenbar stelle ich ihr Fragen, die sie in ihrem euphorischen Zustand st\u00f6rten.<\/p>\n<p data-p-id=\"e4636f56979c8735d161b776fa5ac42e\">\u201eSchon lange nicht mehr&#8221;, sagte sie, ohne sich zu mir umzudrehen. \u201eKomm! Das wird dir sicher gefallen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e20d70e8eadf2068350a06a4fa69f780\">Sie \u00f6ffnete die T\u00fcr zu einem Raum gleich am Treppenabsatz und winkte mich hinein.<\/p>\n<p data-p-id=\"9550c31e778d6f1eebe0ec4591ee57d1\">Tats\u00e4chlich staunte ich. Es war eine Bibliothek. An drei der vier W\u00e4nde standen \u00fcberkopfhohe Regale, in denen sich dicke und d\u00fcnne, teils ledergebundene B\u00fccher aneinanderreihten und stapelten. Das Fenster war mit einer milchigen Scheibe verglast, sicher, um das Papier vor der Witterung zu sch\u00fctzen. Direkt davor stand ein Tisch, auf dem eine Art Gesellschaftsspiel aufgebaut war.<\/p>\n<p data-p-id=\"ebbd4501abcb2e820027eb06b8f9b4a0\">Im n\u00e4chsten Moment bemerkte ich, dass auch in diesem Raum etwas fehlte, und zwar der Geruch von Leder und Papier, den es angesichts der vielen B\u00fccher h\u00e4tte geben sollen. Stattdessen roch es nach \u00fcberhaupt nichts.<\/p>\n<p data-p-id=\"004da69b60fc65624624c467e7705f0a\">\u201eSchau&#8221;, sagte die <em>teiranda<\/em>, \u201ehier auf dieser Seite sind die Schriften gelehrter M\u00e4nner und Frauen und dort hinten die Aufzeichnungen \u00fcber die alten Zeiten. Einige B\u00fccher sind sogar noch von Hand geschrieben, kannst du dir das vorstellen? Was f\u00fcr ein Aufwand das gewesen sein muss! Aber ich mochte immer dieses Regal am liebsten. Das sind die sch\u00f6nen Romane von Rittern und Seefahrern, und&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b852f0ef45b33d161705ab34528ea3b\">\u201eDarf ich?&#8221;, fragte ich und deutete wahllos auf eines der B\u00fccher im Regal neben mir.<\/p>\n<p data-p-id=\"91e44ba971ed8b360627d0d2f9cfa066\">\u201eBedien dich! Deswegen zeige ich sie dir ja. Du sollst dich hier nicht langweilen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f7ef2c4ff6e9d2bb3b19316a104c5946\">Ich schlug das Buch auf und sah eine sauber gezeichnete, grau kolorierte botanische Abbildung einer Blume. Der Text daneben war tats\u00e4chlich viel zu regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr eine Handschrift. Es war gedruckt.<\/p>\n<p data-p-id=\"8e4c1b94a95d920e6e3dd7c6bfe18ffd\">Die Lettern konnte ich nat\u00fcrlich nicht lesen, wie auch. Die Buchstaben waren eine Abfolge von steilen und flacheren Linien, die mal in flachen, mal in spitzen Winkeln miteinander verbunden waren. Es \u00e4hnelte den Zeilen in Yalomiros Notizbuch, oder was es gewesen sein mochte, das Gor Lucegath am Feuer auf dem Montaz\u00edel durchgebl\u00e4ttert hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"5777fa32234ec086c574f86ed2dbb6e8\">Aber &#8230; ich <em>wusste<\/em>, dass der Text sich auf die Pflanze bezog, eine ausdauernde krautige Pflanze, die weit s\u00fcdlich des Montaz\u00edel zu finden war. Aus ihren getrockneten Samen konnte man ein Pulver f\u00fcr einen anregenden, bitteren Aufguss gewinnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"29f864d18347341911645ab2c2729f39\">Ich stellte das Buch erschrocken wieder zur\u00fcck. Es war nicht so, dass ich diese Zeilen <em>gelesen<\/em> h\u00e4tte, Zeichen f\u00fcr Zeichen, wie man es eben so tut. Trotzdem hatte ich <em>verstanden<\/em>, was da geschrieben stand. Das war mir nicht geheuer.<\/p>\n<p data-p-id=\"e2542e97a11f25eb4d7b12543dc94ef2\">Die <em>teiranda<\/em> deutete auf die Spielfiguren auf dem Tisch. \u201eSieh, ist das nicht wundersch\u00f6n? Einer meiner Ahnen hat es einst als Brautgabe mitgebracht. Die Figuren sind aus kostbaren Steinen, wie man sie im <em>teirandon<\/em> Pian\u00e1rdent findet, weit, weit im Westen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"487db8c99c065ed67a39995ef79d6a43\">Ich kam n\u00e4her. Das Spiel erinnerte mich im ersten Moment vage an ein Schachspiel. Aber es standen viel weniger Spielsteine auf einem mit Intarsien verzierten Brett, auf dem eineinander verschlungene Kreis- und Spiralmuster das Spielfeld bildeten. Die Figuren selbst waren lang wie meine Finger und bestanden aus transparentem, aber eingestaubt wirkendem gelblich-gr\u00fcnem und rosa Kristall. Kunstvoll und detailreich verziert stellten sie menschliche Gestalten dar. Ich erkannte einen Ritter mit gezogenem Schwert, einen Bauern, der aus einem Beutel Saat zu verstreuen schien, einen <em>teirand<\/em> mit einer Krone. Sehr vorsichtig griff ich nach einer Figur mit einem Buch und einer filigranen Schreibfeder in der Hand, die besonders fragil aussah.<\/p>\n<p data-p-id=\"a7aca57494cdc3ff1739ae3e4a834f36\">\u201eDas ist der <em>mynstir<\/em>&#8220;, erkl\u00e4rte K\u00edan\u00e1. \u201eEr ist wichtig, weil er den Gegenpol zum <em>yarl<\/em> darstellt. Der <em>yarl<\/em> und der <em>mynstir<\/em> m\u00fcssen den <em>teirand<\/em> immer weise erg\u00e4nzen. Aber ich muss zugeben, ich habe nie ganz verstanden, wie die Strategie aussieht, wenn der <em>vendyr <\/em>zu nahe an die einen der beiden heranzieht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"80fe5717b4ed37a3396410d2755c8ceb\">\u201eWas ist der <em>vendyr<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3ea3d99934c51b82cc8ea702f81cb6d2\">Sie reichte mir eine M\u00e4nnerfigur mit einer kleinen Handwaage in der einen und einer Schatulle, vielleicht einer Geldkassette, in der anderen Hand. Ein Kaufmann?<\/p>\n<p data-p-id=\"ac2b4cb7325013db70f47968c66accf3\">\u201eKennst du das Spiel etwa nicht? Oh, wir m\u00fcssen unbedingt einmal eine Partie austragen. Ich habe nicht mehr gespielt seit&#8230; seit&#8230;&#8221; Sie verstummte zerstreut.<\/p>\n<p data-p-id=\"a60dcfd07bc285c5458c3f4026fc0ca7\">\u201eAuch nicht mit Meister Gor?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ad01d3c4eb449d5959e9cb810608dbd4\">Sie l\u00e4chelte matt. \u201eAch, ich glaube nicht, dass Meister Gor sich daf\u00fcr interessiert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb67259527c2891d80260c2a092fd948\">\u201eEr spielt lieber mit echten Menschen, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4abd4d3622b96a3ad3c1dd10f0f8f356\">Sie nahm den kristallenen Kaufmann zur\u00fcck und stellte ihn umst\u00e4ndlich wieder auf seinen Platz auf dem Brett. \u201eIch habe Gor Lucegath sehr viel zu verdanken, Ujora. Du solltest lernen, ihm zu vertrauen. Ich wei\u00df, dass viele ihn f\u00fcrchten und dass meine Ritter ihn nicht sch\u00e4tzen, aber sie tun ihm Unrecht. Er ist ein kluger, ein gerechter Mann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b05bcab874f6f1aa4ac324cab6cd6b2b\">\u201eHabt Ihr denn keine Angst vor ihm?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"028ab653b4962b10df0974f35c9c4c60\">Sie blinzelte mich irritiert an. \u201eNein&#8221;, sagte sie. \u201eWarum sollte ich Angst vor ihm haben? Er war immer gut zu mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f30f9128082e04c3dbbb013e144fe57c\">Ich z\u00f6gerte. Was mochte sie tats\u00e4chlich von dem wissen, was Meister Gor vorhatte? Und war dies der richtige Zeitpunkt, um sie danach zu fragen? W\u00fcrde ich diese Gelegenheit noch einmal bekommen?<\/p>\n<p data-p-id=\"5e25a9e92c73ca72c4bb57f42e2a8a46\">Ich entschied mich dagegen. \u201eGab es auch Magier auf diesem Spielbrett?&#8221;, fragte ich stattdessen.<\/p>\n<p data-p-id=\"aa962f5418e52d3123856ba2c6f3020a\">\u201eJa&#8221;, sagte sie leichthin. \u201eAber der Meister hat sie weggenommen. Er sagte, sie h\u00e4tten keinen Platz mehr im Weltenspiel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3f584658ede7fa36b4ff9941470a6b15\">Wir verlie\u00dfen den Raum. Ein erneuter Blick aus einem der Flurfenster brachte mich zu der Ansicht, dass wir uns nun in den oberen Stockwerken eines Hochhauses befinden mussten. Das war &#8230; bizarr.<\/p>\n<p data-p-id=\"3226fcb3413f570dfb80eafa39176a85\">\u201eDort hinten&#8221;, sagte sie und wies auf eine T\u00fcr am Kopfende des Korridors, \u201esind meine privaten Gem\u00e4cher.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"21e91201b57fe98ec40403fd9f46a1f1\">Ich wartete. Wollte sie mir ausgerechnet ihre Kemenate etwa nicht pr\u00e4sentieren?<\/p>\n<p data-p-id=\"9b2d76e3823b2a7f5aefb7ddea65c4f4\">Offensichtlich nicht. Stattdessen drehte sie sich zu mir um und strahlte mich an. \u201eUnd jetzt gehen wir in deine Kammer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a9912c32e2d194fb96ad12b1161c1f41\">\u201eAber Majest\u00e4t &#8230; wollt Ihr mir nicht vorher noch den Turm zeigen?&#8221; Ich deutete aus dem Fenster. Das war das einzige Geb\u00e4ude, das sie mir nicht pr\u00e4sentiert hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"1bdd38e9ad08d33c2ca7b41b5f029658\">\u201eWozu?&#8221;, fragte sie. \u201eDa ist doch nichts.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6d9c2904d8d0a23941bd3f1a12ad1f9a\">\u201eSagtet Ihr nicht, Meister Gor&#8230;.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b8648bd702cab1f18025f78d61c623b\">\u201eDen, Ujora, merk dir das und beherzige es, darfst du niemals, h\u00f6rst du: niemals ungebeten behelligen. Seine Gem\u00e4cher oben im Turm sind tabu.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"628a245834244bf7fccd730adba33ab1\">Das mochte ja sein. Aber irgendwo musste sich doch der Zugang in Gor Lucegath f\u00fcrchterliche, substanzlose, immaterielle Leere befinden. Der Turm war der einzige Ort, den sie mir vorenthalten hatte. Wahrscheinlich aus gutem Grund, sogar wenn sie sich selbst dar\u00fcber nicht im Klaren war.<\/p>\n<p data-p-id=\"c026638a9f47f0440e37bf41d94f6913\">\u201eGibt es denn sonst noch etwas da drinnen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f5820d8161d325c4cf3c84954abb111c\">\u201eNur den Zugang zu den Kellern, wo Wein und verschlossene Vorr\u00e4te lagern. Aber da sind nur ein paar F\u00e4sser und Kr\u00fcge, und&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"29cb913f99881847d9c0c9d66d33a4f7\">\u201eMajest\u00e4t, hat nicht jede Burg auch ein Verlies?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"86a5d284d4966f96361441f976f7ea05\">\u201eWie kommst du darauf?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"742d2f1c420028060dd1d07f8d2f16c5\">\u201eWeil &#8230; weil es mich brennend interessiert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7688418aa6fe4bde5359af714852fd96\">Sie schmunzelte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b5d5aae8d0f2b06b40102060c5069729\">\u201eHerr J\u00f3ndere!&#8221;, rief sie dann. \u201eZeigt Euch!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a7ccee33434e3fbb07a337566896815f\">Es dauerte einen Augenblick. Dann kam der <em>yarl<\/em> mit dem gr\u00fcngelben Waffenrock wie zuf\u00e4llig aus einer Nische hervor. Wahrscheinlich hatte er uns die ganze Zeit belauert.<\/p>\n<p data-p-id=\"0142554ace531e689bf09e0646d27a5b\">Der junge Ritter verneigte sich. Was er sagte, konnte ich nicht verstehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9064b4fa8a9372784ad5bd62d801e076\">\u201eMeine liebe Freundin w\u00fcnscht, einen Blick in den Kerker zu werfen&#8221;, erkl\u00e4rte sie ihm am\u00fcsiert. \u201eTut Ihr mir die Liebe und erf\u00fcllt ihr diesen Wunsch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0b402d866d4d3749112a4fe545390c0d\">Er schien befremdet, nickte aber gehorsam. Die <em>teiranda<\/em> wandte sich mir zu. \u201eAnschlie\u00dfend wird <em>yarl <\/em>Mor\u00e9aval dich in dein Gemach bringen. Du wirst dort alles finden, was du ben\u00f6tigst und allen Komfort, der dir deine Zeit hier angenehm macht. Deine Mahlzeiten werden dir gebracht. Nur eines, Ujora.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ae8dcba0f92d6f833acecba5a9dd3b7\">\u201eJa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dcd995e76b5e8485017c49354d38b5a1\">\u201eDu bist keine Gefangene in dieser Burg. Trotzdem solltest du dein Zimmer niemals ohne Begleitung verlassen. Keine Ausfl\u00fcge auf eigene Faust, Ujora. Sei so gut und gehorche diesem einen Befehl. Mir <em>zuliebe<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"384d9218ed85f0f6c84cfb88556f29d9\">Ich z\u00f6gerte. Aber was h\u00e4tte ich anderes tun sollen?<\/p>\n<p data-p-id=\"4849e91c4657e3bc744375c6e2e13461\">\u201eSelbstverst\u00e4ndlich&#8221;, stimmte ich zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f3a339e471dc9605d5bb5b22027b9ec\">Sie strahlte mit leeren Augen. J\u00f3ndere Mor\u00e9aval reichte mir chevaleresk seine behandschuhte Hand und f\u00fchrte mich zur Treppe zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"c0a0fec89753a9869300c209c4db2bd8\">Ich bem\u00fchte mich zwar, ihn nicht anzuschauen, denn die durch Magie unkenntlichen Gesichter der Leute waren schwer zu ertragen. Aber ich hatte das dringende Bed\u00fcrfnis, das Schweigen zu brechen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1124e3932ce391b53d213d659fbe16cd\">\u201e<em>Yarl <\/em>Mor\u00e9aval&#8221;, sagte ich zu ihm, als wir die Halle erreicht hatten, \u201eich wei\u00df nicht, ob Ihr meine Worte verstehen k\u00f6nnt. Ich m\u00f6chte aber, dass Ihr wisst, das ich Euch nicht aus Unh\u00f6flichkeit nicht antworte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0b09e28f1bf434c67ced762879198815\">Er schaute kurz zu mir hin\u00fcber, schwieg aber.<\/p>\n<p data-p-id=\"37d312798a8ce94d917f79b83fd5ae9a\">\u201eSeid Ihr auch ein Turnierkamerad von <em>yarl<\/em> Althopian?&#8221;, fragte ich, nur um das Schweigen zu \u00fcbert\u00f6nen.<\/p>\n<p data-p-id=\"383bd370e9d7bfce9941b4b3aa142f24\">Der <em>yarl<\/em> blieb abrupt stehen und starrte mich an. Er schaute sich hastig um und legte dann einen Finger dorthin, wo seine Lippen sein mochten. Dann lotste er mich energisch weiter, hinaus aus der Halle, \u00fcber den Hof und hin zum Fu\u00df des Turmes.<\/p>\n<p data-p-id=\"c16c578ab99d91dbc054dc4f8dee91bc\">Einige Stufen f\u00fchrten zur Au\u00dfent\u00fcr hinauf. Dahinter befand sich ein Raum, von dem eine breite Wendeltreppe nach oben und eine gerade abw\u00e4rtsf\u00fchrte. Auf einem Regal gleich hinter dem Eingang standen mehrere mit einem Lampen\u00f6l gef\u00fcllte Laternen und ein K\u00e4stchen mit groben Z\u00fcndh\u00f6lzern bereit. Der <em>yarl<\/em> entfachte eine Flamme, z\u00fcndete zwei Lichter an und gab mir eines davon. Die Flamme war bemerkenswert hell.<\/p>\n<p data-p-id=\"578d3d13b92131a804b24ff8e4893c40\">Ich folgte ihm die Treppe hinab. Es waren nur wenige Stufen. Auch wenn ich ganz offensichtlich Entfernungen innerhalb der Burgmauern nicht trauen konnte, sch\u00e4tze ich, dass es nicht mehr als f\u00fcnf Meter unter die Erdoberfl\u00e4che ging. Dann endeten die Stufen auf einem kurzen Flur, der sich zur einen Seite in einen Gew\u00f6lbekeller \u00f6ffnete. Dort standen, wie die <em>teiranda<\/em> gesagt hatte, ziemlich viele F\u00e4sser und Regale mit Gl\u00e4sern und Kr\u00fcgen. Ein gro\u00dfer Vorratsraum mit Lebensmitteln.<\/p>\n<p data-p-id=\"4064a8c7ca48bf8e562ffc189a3ed277\">An der anderen Seite war eine T\u00fcr, die Mor\u00e9aval aufzog, ohne einen Schl\u00fcssel daf\u00fcr zu ben\u00f6tigten. Er trat beiseite und lie\u00df mich an sich vorbei.<\/p>\n<p data-p-id=\"e8a2da06a107758c3a7ad639e38c9b6a\">Das Burgverlies von Wijdlant war eine Entt\u00e4uschung. Ich leuchtete um mich und schaute mich ern\u00fcchtert um.<\/p>\n<p data-p-id=\"29dccaac86d9ecf8f57e9734dadea045\">Ich wei\u00df nicht, ob ich ernsthaft erwartet hatte, hier tats\u00e4chlich einen Zugang zu jenem unfasslichen Ort zu finden, an den Meister Gor Yalomiro verschleppt hatte. Aber hier befand ich mich definitiv in einer Sackgasse. Ich hatte mich in Gedanken darauf eingestellt, in einem f\u00fcrchterlichen, feuchten und d\u00fcsteren Gew\u00f6lbe zu landen, in einem schrecklichen Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p data-p-id=\"d84eb91874541b0421c5adfd6d8d7c8f\">Kreisf\u00f6rmig um einen freien Platz in der Mitte angeordnet, in einem Radius, der dem des Turmes entsprechen mochte, befanden sich zwar einige vergitterte Gelasse. Aber s\u00e4mtliche T\u00fcren waren ge\u00f6ffnet, eine sogar ausgeh\u00e4ngt. Sowohl die Zellen als auch der Mittelraum waren vollgestellt mit Ger\u00fcmpel. Kisten, K\u00e4sten, Truhen, ausrangierte M\u00f6bel und sogar ein zusammengerollter Teppich waren hier deponiert. An einer Wand lehnte ein Gestell mit verrostenden und schartigen Schwertern. Der <em>yarl<\/em> nahm beil\u00e4ufig eine der Waffen zur Hand, betrachtete sie fl\u00fcchtig und stellte sie wieder an ihren Platz.<\/p>\n<p data-p-id=\"75ded56b12951555609f2cf9bf3d1073\">Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich unter dem alten Zeug ein paar Gegenst\u00e4nde, die vielleicht urspr\u00fcnglich hierher geh\u00f6rten, rostige Ketten und eiserne Schellen. Aber alles in allem war klar, dass hier seit Ewigkeiten niemand eingesperrt gewesen war. Staub und Spinnweben best\u00e4tigten das. Es h\u00e4tte hier feucht und muffig riechen sollen, tat es aber nicht. Auch hier war jeglicher Geruch verschwunden. Das war ein vergessener Ort, der nicht einmal mehr gruselig war.<\/p>\n<p data-p-id=\"2574ee44afc085f220d1a46d583520f9\">\u201eDanke, <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval&#8221;, sagte ich kleinlaut. \u201eEs &#8230; es war mir wichtig, das zu sehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"647053717f8defa35730f0b7e590c4a5\">Er nickte. Entmutigt folgte ich ihm wieder ins Freie.<\/p>\n<p data-p-id=\"cd863b8db786c071750782e42233642a\">Dort angekommen, schaute ich den Turm hinauf. Es f\u00fchrte also kein Weg an Gor Lucegath vorbei. Das war der einzige Ort, der noch infrage kam, um nach Yalomiro zu suchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"751e31b5f370ee7cbfee75e2c19797ed\">Der <em>yarl<\/em> folgte meinem Blick. Was mochte er denken, was sehen? Wer mochte er <em>sein<\/em>, unter dieser Maskerade aus schaler, l\u00e4hmender Magie?<\/p>\n<p data-p-id=\"da683aab57c038f0316730892667658a\">\u201eWenn es geht&#8221;, sagte ich zu ihm, \u201ewerden wir Euch helfen. Euch und Eurer <em>teiranda<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4da3b70738a984a2c6c8466954b3d477\">Ich wei\u00df nicht, ob er es geh\u00f6rt und verstanden hatte. Aber ich vermute fast, dass dem so war, denn sein schemenhaftes Gesicht blieb mir etwas l\u00e4nger zugewandt, als es n\u00f6tig gewesen w\u00e4re. Dann verneigte er sich. Schweigend reichte er mir seine Hand. Ich griff zu und lie\u00df mich f\u00fchren, zur\u00fcck in die Burg und eine diffuse Zukunft.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2099","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2099","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2099"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2099\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3869,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2099\/revisions\/3869"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2099"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2099"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2099"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}