{"id":2098,"date":"2025-08-24T22:01:47","date_gmt":"2025-08-24T20:01:47","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2098"},"modified":"2025-09-01T09:46:30","modified_gmt":"2025-09-01T07:46:30","slug":"036-schmerz-und-stille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/036-schmerz-und-stille\/","title":{"rendered":"036: Schmerz und Stille"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"ac81b63ba74e4609a9c5aaf6528ab9a2\">Yalomiros Tortur begann am vierten Tag. Zumindest nahm der Schattens\u00e4nger an, dass vier Tage vergangen waren, seit Gor Lucegath ihn in Pianmur\u00edt zur\u00fcckgelassen hatte. In der Leere fing sein Zeitgef\u00fchl an, zu verwischen.<\/p>\n<p data-p-id=\"764b259da43df96ff837c17cc931de58\">Bis dahin hatte er sich seine Disziplin bewahren k\u00f6nnen. Das war weit l\u00e4nger, als ein Unkundiger unter diesen Umst\u00e4nden h\u00e4tte Widerstand leisten k\u00f6nnen, doch auch die Selbstkontrolle von Magiern gelangt an Grenzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"17fe2d7ecfec1209fc6d7a5993eb6be2\">Kaum dass der Rotgewandete verschwunden war, hatte Yalomiro probiert, ob er die Fesseln hinter seinem R\u00fccken l\u00f6sen konnte, indem er sie an den goldenen Dornen entlang f\u00fchrte. Das peinvolle Glutgef\u00fchl auf seiner Haut h\u00e4tte er daf\u00fcr in Kauf genommen. Aber es war misslungen, denn die scharfen Spitzen befanden sich au\u00dferhalb seiner Reichweite. Wie sehr er auch versuchte, sich mit den fest geschn\u00fcrten Armen zu verrenken, er langte nicht heran.<\/p>\n<p data-p-id=\"24c1d0b0ce29f518b5fc158fb6e08c8f\">Zun\u00e4chst hatte Yalomiro es als Erleichterung empfunden, dass er keine k\u00f6rperlichen Bed\u00fcrfnisse versp\u00fcrte wie Durst, Hunger oder die Notwendigkeit, sich zu erleichtern. Solche Dinge w\u00e4ren einem Unkundigen rasch unbehaglich geworden. Doch je mehr er dar\u00fcber nachdachte, z\u00f6gerte dieser Umstand das Unausweichliche nur hinaus; sicherlich gerade so lange, wie Gor Lucegath brauchte, um wieder zu Kr\u00e4ften zu kommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e5c67c4ca8781c70f0fd01766cb043b6\">Yalomiro hatte keine Vorstellung davon, wie lange <em>camat&#8217;ay<\/em> ohne Mond- und Sternenlicht \u00fcberleben konnten. Doch bei den M\u00e4chten, bei Nokt\u00e1ma selbst \u2013 ohne Zweifel hatte der Rotgewandete die Gelegenheit genutzt, es an einem seiner Opfer <em>herauszufinden<\/em>. In Pianmur\u00edt, was immer dieser Ort war, gab es jedenfalls weder Licht noch Dunkelheit. Inmitten dieser diffusen Zwischenwelt w\u00fcrde seine Kraft ihn langsam verlassen, austropfen wie Wasser aus einem Eimer mit einem winzigen Loch. Wenn er zu lange an diesem Ort blieb, das war Yalomiro klar, w\u00fcrde er darin <em>verwelken<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"323ce47fa7586e6fd8263abda949cea2\">Was geschah mit der <em>ujora<\/em>? Wie erging es ihr in der Welt, in der K\u00edan\u00e1 von Wijdlant mit ihrem Gefolge weilte?<\/p>\n<p data-p-id=\"73708428209efd6f41fcb96346cc24fb\">Er hatte \u00fcber die Dinge nachgedacht, die Gor Lucegath ihm offenbart hatte und die er immer noch nicht so recht verstand. Liebe? Sollte es ihm tats\u00e4chlich, g\u00e4nzlich unbemerkt widerfahren sein, dass das unvorstellbare Gef\u00fchl in ihm erwacht war? Waren diese Emotionen, diese Regungen, dieses Verlangen und dieses Gl\u00fcck, die er in sich sp\u00fcrte und f\u00fcr die er \u00fcberhaupt keine Worte kannte, tats\u00e4chlich das, was unvorstellbar f\u00fcr Schattens\u00e4nger war?<\/p>\n<p data-p-id=\"274dc624d701cb7738dae3abad0c6bdb\">Wie kam es, dass der Rotgewandete offenbar alles dar\u00fcber wusste? War all das nur ein weiteres Mittel, um ihn zu verwirren? Etwas, womit der Rotgewandete ihn lediglich verspotten wollte?<\/p>\n<p data-p-id=\"5e41a289a491a8c8a8ca99ff3c4242c8\">Bei Nokt\u00e1ma, bei <em>allen<\/em> M\u00e4chten, die Unkundige war bei ihm. Und wer konnte ahnen, was dem Lichtw\u00e4chter einfiel, angesichts des Wahnsinns, der sich in sein Herz verbissen haben mochte?<\/p>\n<p data-p-id=\"7e1fb43cd55b28611a413c522503a24f\">Es beruhigte den Schattens\u00e4nger ein klein wenig, dass Gor Lucegath aus Wijdlant etwas gemacht hatte, wo Menschen zumindest <em>existieren<\/em> konnten. Die <em>teiranda<\/em> selbst war harmlos, fast anr\u00fchrend angesichts dessen, was er unter Gor Lucegaths unheilvollem Zauber noch von ihr erkennen konnte. Was hatte Gor Lucegath damit gemeint, als er sagte, die Unkundige w\u00fcrde werden wie die <em>teiranda<\/em>, wenn zu viel Zeit verstrich?<\/p>\n<p data-p-id=\"5a9784ac08079bd2abe0e45133a4fb17\">Yalomiros Gedanken kreisten, hetzten, gerieten ins Stocken und taumelten sinnlos voran. Dort, wo er nun war, konnte er nichts unternehmen. Alles, was ihm hier \u00fcbrig blieb, war, zu warten.<\/p>\n<p data-p-id=\"0fb8f5b884dba34a016e0399587a129a\">Die Leere war zerm\u00fcrbend. Es gab nichts ringsum, womit Yalomiros Sinne sich besch\u00e4ftigen konnten. Anfangs hatte er versucht, zu singen, sich an seiner eigenen Stimme festzuhalten. Aber es funktionierte nicht. Sein Gesang wurde von Pianmur\u00edt vertilgt wie von einem gefr\u00e4\u00dfigen Tier, und so verstummte er nach einer Weile.<\/p>\n<p data-p-id=\"e44e14b7a271c0f0e4879604839b1fd4\">Dann hatte er begonnen, auf seinen eigenen Herzschlag, das Pochen des Blutes in seinen Adern zu lauschen. Auch diese Ger\u00e4usche verhallten ungeh\u00f6rt. Er war, als sei alles ausgel\u00f6scht, was von ihm selbst nach au\u00dfen drang.<\/p>\n<p data-p-id=\"957d4c5f56791a4729d58c19dcff8442\">Es gab nichts, an dem sein Blick Halt fand, keinen Punkt, auf den er sich konzentrieren konnte, bis auf die Spitzen jener goldenen Dornen, die von allen Seiten auf ihn gerichtet waren wie riesige Nadeln, wir die Krallen eines lauernden Tieres. Um ihn herum war lediglich dumpfes graues Garnichts. Nichts, worauf er sich besinnen k\u00f6nnte, um nicht wahnsinnig zu werden.<\/p>\n<p data-p-id=\"348e089ab43de1b3daf4bf5c409cbf2a\">Was war Pianmur\u00edt nur f\u00fcr ein Ort? Wo befand er sich? Hatte Gor Lucegath allen Ernstes Leere <em>erschaffen<\/em>?<\/p>\n<p data-p-id=\"e7f8273bde5a7bd0c2c89ff0a245667c\">Und dann drangen die Schmerzen zu ihm durch. Die Willenskraft, die ihn bislang aufrecht und wach gehalten hatte, wurde sp\u00e4rlicher, durchl\u00e4ssiger. Der Schattens\u00e4nger konnte seinen Leib nicht mehr l\u00e4nger ignorieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"7e611f5dca6193ac829b9aaf80f1f52b\">Die Marter begann also, ohne dass Gor Lucegath ihn anr\u00fchrte. Die unebenen Steine unter Yalomiros F\u00fc\u00dfen, die Fesseln, die ihn schn\u00fcrten, die Unm\u00f6glichkeit, tief atmen zu k\u00f6nnen, all das wurde unertr\u00e4glich. Sein eigener K\u00f6rper begann, gegen ihn zu arbeiten.<\/p>\n<p data-p-id=\"f3a21c6829a385963a614ac1278149b5\">Der Schattens\u00e4nger h\u00e4tte alles daf\u00fcr gegeben, sich bewegen, setzen oder niederlegen zu k\u00f6nnen. Er war ersch\u00f6pft. Zugleich bahnten sich ziehende, brennende Schmerzen sich ihren Weg durch seine Muskeln. Eine Zeitlang half das dem Magier, sich zu konzentrieren, bis die Pein immer diffuser und allumfassender wurde. Sein K\u00f6rper tr\u00e4nkte sich langsam damit wie ein Tuch, das mit einem Zipfel in Wasser geraten war.<\/p>\n<p data-p-id=\"fbf0dde6bc0d6b27ebe3465eacfd0eda\">Yalomiro schreckte auf und wimmerte vor Wut. Er durfte es nicht zulassen, dass die Agonie das Bewusstsein aus seinem K\u00f6rper verdr\u00e4ngte, hinein in etwas, in dem er sich m\u00f6glicherweise aufl\u00f6sen w\u00fcrde. Und so begann er, gegen sich selbst zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5bf4ef6b046e567e3ca9afaecd80478a\">Das ging eine Zeitlang gut. Dann ergriff ihn Unruhe, ein j\u00e4hes Gef\u00fchl in seinem Kopf, als beg\u00e4nne sein Gehirn schmerzhaft zu kribbeln. Er ertrug es kaum, versp\u00fcrte den unb\u00e4ndigen Wunsch, seinen Sch\u00e4del aufzubrechen und sich zu kratzen. Er riss an seinen Fesseln, ohne sich damit auch nur fingerbreit Beweglichkeit zu verschaffen. Seine Beine f\u00fchlten sich an, als krabbelten Ameisen \u00fcber rohes Fleisch und verspritzten ihre S\u00e4ure dabei. Bis in seinen R\u00fccken strahlten die Kr\u00e4mpfe aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"f1734c506adef97718ef5269a0f9bca9\">Yalomiro lachte lautlos in bitterer Hilflosigkeit auf. Seine qualvolle Haltung verlangte ihm mehr Kraft ab, als ihm angesichts seiner rasenden Gedanken blieb. Gedanken&#8230; in ihm tobten gehetzte Bilder, die um die Unkundige und den Rotgewandeten kreisten, und zugleich waren da andere, viel schlichtere Emotionen.<\/p>\n<p data-p-id=\"df5251fd5874e4c0b6bfd2bcbef37b63\">Die Unkundige &#8230; bei den M\u00e4chten, bei Nokt\u00e1ma, wenn der Rotgewandete sie nur unbehelligt lassen w\u00fcrde! Wenn sie nur die Gelegenheit genutzt und ihn allein gelassen h\u00e4tte &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"28dbdf094fe59bafccca6b65edc31a64\">Wenn sie nur bei ihm w\u00e4re, er sie sehen und ihre Gegenwart sp\u00fcren k\u00f6nnte!<\/p>\n<p data-p-id=\"2a4842f7af4aaaa2a6527373bb7e0883\">Schlafen&#8230; nur einen winzigen Moment lang schlafen und in die Sicherheit eines Traumes fliehen&#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"56692c6b30d6ade1a103419ce2b0ee26\">Er nahm all seine Willenskraft zusammen. Er musste dem Schmerz etwas entgegensetzen. Vielleicht half es, sich meditativ in seinen eigenen Geist zur\u00fcckzuziehen? An einen Ort zu fliehen, an dem es sicher und geborgen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"3ac58ffe0019eeb0067386de19e2d463\">Yalomiro schloss die Augen und beschwor eine kostbare Erinnerung hinauf. Die Nacht und den See und die Stille.<\/p>\n<p data-p-id=\"c73747a38d13afb937674e2f1d924caf\">Einen Augenblick lang gelang ihm das. Er sah das Wasser vor sich, einen tiefschwarzen Spiegel inmitten wispernder B\u00e4ume und flirrendem Mondlicht auf den Wellen. N\u00e4chtelang hatte er einst still am Ufer gesessen und sich an der ewigen Herrlichkeit der Nacht erfreut. Die Sterne, das Wasser und der Wald, sie hatten ihn beh\u00fctet, und es war so sch\u00f6n gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3ba1fe62f5258a7c72390c39dc5129d5\">\u201e<em>Ujora<\/em>&#8220;, wisperte er in die Leere. Ja, sie sollte bei ihm sein. Dann erst w\u00e4re es <em>vollkommen<\/em>. Sie sollte auch die Nacht anschauen, sp\u00fcren und mit ihm teilen. Er wollte sie neben sich f\u00fchlen, ihre W\u00e4rme und Innigkeit empfinden, und &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"4956c0ce29f984c70170aac52b91aee3\">Sein linker Fu\u00df rutschte ab. Er stolperte ruckartig in die Tiefe, denn die Steine waren sein einziger fester Halt in der Inexistenz von Pianmur\u00edt. F\u00fcr einen Atemzug nur war er eingeschlafen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3c1120e055803d7b39918a0cf94dff66\">Die goldenen Dornen fingen ihn auf. Stoff und Fleisch wurde aufgeritzt, hei\u00dfer Schmerz durchfuhr ihn und riss ihn endg\u00fcltig wieder zur\u00fcck ins Bewusstsein. Yalomiro keuchte vor \u00dcberraschung.<\/p>\n<p data-p-id=\"bd50956ddbb7f5aeadcdbee9bf495d9f\">Die Golddornen <em>bewegten<\/em> sich. Als sei er ein St\u00fcck Fleisch auf einer Gabel, richtete das Metall seinen Leib wieder auf. Seine F\u00fc\u00dfe mussten zur\u00fcck auf die Steine treten, damit er sich davon l\u00f6sen konnte. Yalomiro wimmerte, als er es tat. Er sp\u00fcrte die unebene Oberfl\u00e4che selbst durch seine Schuhsohlen hindurch wie die Spitzen dicker N\u00e4gel.<\/p>\n<p data-p-id=\"ea242cf789c2933de76346b556775fc0\">Die magischen Goldspie\u00dfe glitten zur\u00fcck. Hauchd\u00fcnne Kratzer pulsierten auf seiner Brust und Schulter. Der \u00e4u\u00dfere Schmerz prallte auf den inneren, und beide sorgten daf\u00fcr, dass der Schattens\u00e4nger f\u00fcr einen Moment wieder hellwach war.<\/p>\n<p data-p-id=\"a31ad350334dadc0a7fb9ccd35819655\">Nein. Schlafen war unm\u00f6glich. Von Geborgenheit auch nur zu tr\u00e4umen, w\u00fcrde bestraft. Wie lange konnte er das durchhalten?<\/p>\n<p data-p-id=\"745209695e2e28b263e1637787f6f2e0\">Einige Weile gelang es ihm, standhaft zu bleiben. Dann ertrug er die Kr\u00e4mpfe und die M\u00fcdigkeit erneut nicht mehr. Seine Beine knickten ihm weg, das Gold zerkratzte ihm wieder den Leib, der Schmerz jagte ihn erneut zum Stehen. Das w\u00fcrde noch oft geschehen. Wieder und wieder und wieder. Der Schattens\u00e4nger litt, ohne dass der Rotgewandete auch nur einen Finger r\u00fchren oder ein F\u00fcnkchen Magie opfern musste.<\/p>\n<p data-p-id=\"fc85d601851b74f1d3ceedd411950392\">Yalomiro atmete so flach, wie es ging.<\/p>\n<p data-p-id=\"e79d0f4b1ca0cd99aecb3ea6e17fedc9\">Auf welche Weise die anderen Schattens\u00e4nger wohl hinter die Tr\u00e4ume gefunden hatten? Was hatte Gor Lucegath ihnen zugef\u00fcgt? Was hatte Meister G\u00edonar, der M\u00e4chtige, Strenge und Weitsichtige erdulden m\u00fcssen, bis er dem Lichtw\u00e4chter sogar den Weg in den Schatten verraten hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"1c9a29844341cd0fb9f78aa2ffd43e70\">Was hatte der Rotgewandete wohl Ar\u00e1ma\u00fa angetan? War es wenigstens f\u00fcr sie schnell vorbei gewesen?<\/p>\n<p data-p-id=\"f052fb09b73d188584f190419f89a51f\">Nein! Er durfte nicht an Ar\u00e1ma\u00fa denken, nicht an diese winzige, diese irrsinnige Hoffnung, die er im Herzen trug, seit er ihre l\u00e4ngst vergangene Anwesenheit in den Schatten gesp\u00fcrt hatte und die so gut zu der absurden Geschichte passte, die Daap Grootplen erz\u00e4hlt hatte. Ar\u00e1ma\u00fa musste aus seinem Geist verschwinden, bevor ihm diese Zuversicht entwische und Gor Lucegaths <em>Interesse<\/em> erregen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"03a6f6b54e3430563de32122757bbac5\">Der Gedanke, dass nun auch die Unkundige dem <em>goala&#8217;ay<\/em> ausgeliefert war, w\u00e4hrend er hier stand und herausfand, wie viel Qual <em>sein<\/em> K\u00f6rper bew\u00e4ltigen konnte, machte den Schattens\u00e4nger rasend. Aber die Wut, die sich in ihm aufstaute, ging ins Leere, zertr\u00fcmmerte \u00e4rgerlich einige zarte Hoffnungen und versuchte, wieder in sein Herz zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p data-p-id=\"3b7e377e0d6430945f75a361b58089c3\">Yalomiro bemerkte es gerade noch rechtzeitig und verschloss sich davor. Wenn es etwas gab, das er nicht gebrauchen konnte, war es <em>Hass<\/em>. Hass war verderblich, <em>roh<\/em>. Eines Magiers nicht w\u00fcrdig.<\/p>\n<p data-p-id=\"109fcb45ebe68eb3609b24bb78a967a4\">Wieder setzte der Schattens\u00e4nger dazu an, seine Lage ergr\u00fcnden zu wollen. Wo befand er sich? Was war <em>Pianmur\u00edt<\/em> f\u00fcr eine sonderbare Zwischenwelt? Wie hatte der <em>goala&#8217;ay <\/em>es vollbracht, einen Zugang dorthin zu schaffen, der es ihm erlaubte, Personen hinein- und hinauszuschleppen, wie es ihm beliebte?<\/p>\n<p data-p-id=\"9322691a8c7767eb47e7c336554f2739\">War das hier ein Raum, ein Zustand, eine Leere, die allein in Gor Lucegaths <em>Willen<\/em> bestand?<\/p>\n<p data-p-id=\"b177ef61fb069ecc1ed951fb2ec26d1b\">Nein, das w\u00e4re l\u00e4cherlich. Kein lebendiges Wesen w\u00e4re in der Lage, dies hier zu <em>denken<\/em>. Das war nicht der Traum oder die Phantasie eines Magiers, dessen Kr\u00e4fte au\u00dfer Kontrolle geraten waren. Dazu war es entschieden zu real. Aber was war es, worin der <em>goala&#8217;ay<\/em> offenbar weit tiefer verstrickt war, als es den Anschein hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"f98262df9b6eb38c671ecf1ebc0b0d6d\">Egal, was es war: Er musste hier heraus! Er musste aus der Leere entfliehen! Er musste die Unkundige besch\u00fctzen, bevor der Rotgewandete sie ebenso verdarb, wie er es mit der <em>teiranda<\/em> vollbracht hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"4b288905a59b46c0cce505077dd75775\">Yalomiro schaute an sich herab. Am Revers seines Mantels entdeckte er einen losen Faden, dort, wo das Gold den Stoff durchdrungen hatte. Das beunruhigte ihn. H\u00e4tte dieser kleine Schaden sich nicht l\u00e4ngst selbst richten m\u00fcssen?<\/p>\n<p data-p-id=\"81f53f5a67d5dcc35887bbdd75a07657\">Die drohenden Spitzen waren un\u00fcberwindbar. Sie warteten nur darauf, ihn zu packen, sobald er sich bewegte oder erneut die Kontrolle \u00fcber seinen K\u00f6rper verlor. Zu fein und d\u00fcnn, um ihn zu t\u00f6ten, falls er st\u00fcrzte. Aber spitz und scharf genug, damit er sich selbst daran verletzen w\u00fcrde, wieder und immer wieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"fb673d098a182be8f54358bf3df6965e\">Der Rotgewandete w\u00fcrde ihn nicht sterben lassen. Er hatte etwas anderes mit ihm im Sinn.<\/p>\n<p data-p-id=\"0ce41e4424c85017415a87a9c8152049\">Yalomiro starrte das Gold an, und es starrte zur\u00fcck und verh\u00f6hnte ihn. <em>Wie lange, Schattens\u00e4nger, widerstehst du? Wie lange kannst du k\u00e4mpfen? Wann wird sie verbraucht sein, deine Kraft? Wann wird er zerbrechen, dein Wille?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"5f5a12067659a1266718e0c7559f9dec\"><em>Wirst du so tief sinken, ihn um Gnade anzuflehen, ihn, der sich nicht einmal dazu herabl\u00e4sst, pers\u00f6nlich beizuwohnen, wenn du um jeden Augenblick k\u00e4mpfst?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"14f58552c28b0983fb3de6676a98e51d\">Der Magier seufzte und schloss die Augen. Vielleicht war es fruchtbarer, den Verstand auf etwas anderes zu richten. Aber da war nichts au\u00dfer dem Hass, der ihn verlockte und den Schmerzen in seinem eigenen K\u00f6rper; die schnellen, scharfen Wunden, die das Gold ihm schlug. Die Fesseln, die seine Arme verrenkten, sodass er sich nirgends festhalten oder abst\u00fctzen konnte. Die Steine, unter seinen F\u00fc\u00dfen, von denen aus sich Kr\u00e4mpfe aufbauten, die durch seine Beine und hinauf in seinen K\u00f6rper krochen und schon zwischen seinen Schulterbl\u00e4ttern z\u00fcngelten. Das F\u00e4dchen am Rande seines Blickfeldes, das ihn in den Wahnsinn treiben w\u00fcrde, so \u00fcberm\u00e4chtig versp\u00fcrte er den Drang, es zu entfernen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0ef5c6fb30a0742e8ad4021079fe2eff\">Was, wenn tats\u00e4chlich der Moment kam, in dem er das alles nicht mehr ertrug?<\/p>\n<p data-p-id=\"ba9a1db89e7f4442f0f2815d15306158\">Was, wenn ein Moment k\u00e4me, in dem er bereit war, dem Rotgewandeten zu geben, was er verlangte?<\/p>\n<p data-p-id=\"b28fa10d686da71cb48b3255435b80cf\">Was, wenn er hier in der Leere <em>zerbrach<\/em>?<\/p>\n<p data-p-id=\"e923978162264c552fd74c5d51dcc1b4\"><em>Nokt\u00e1ma<\/em>, wisperte Yalomiro, <em>Nokt\u00e1ma, wenn du wei\u00dft, dass ich hier bin, dann gib mir einen Rat!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"ce8662398b7bb84b87dcfe4b39e45c1a\">Er gab sich einen Ruck und begann erneut, zu singen, einen kleinen Zauber nur, der ihm einen Augenblick der Erl\u00f6sung bringen sollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f0036ef41fcb27d432901a78465c6a31\">Aber seine Stimme erlosch augenblicklich in der Leere. Das hier war ein Ort, an dem es sich weder lohnte zu schreien, noch zu singen oder um Gnade zu betteln.<\/p>\n<p data-p-id=\"508f384d7657ca857843e49074ddb8c0\">So brach der f\u00fcnfte Tag an, und seine <em>maghiscal<\/em> begann, sich aufzul\u00f6sen wie Nebel unter der Sonne.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2098","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2098","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2098"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2098\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3868,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2098\/revisions\/3868"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2098"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2098"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2098"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}